Skip to main content

Full text of "Handwörterbuch der deutschen Sprache mit Hinsicht auf Rechtschreibung, Abstammung und Bildung, Biegung und Fügung der Wörter, so wie auf deren Sinnverwandtschaft"

See other formats













Sandwörterbud 


der 


veutiben Sprade 


mit Hinficht auf 


RE FERN Abftammung und Bildung, 
Biegung und Fügung der Wörter, fo wie 
auf deren Sinnverwandtfchaft. 


Nach den Grundfägen feiner Spradlehre 
angelegt 
von 
Dr. Joh. Ehrift, Aug, Heyſe, 
weil. Schuldireetor in Magdeburg; 
ausgeführt 
von 
Dr. K. W. L. Heyſe, 


außerord. Profeſſor an der Univerſität Berlin. 


Zweiten Theiles erſte Abtheilung: 
L vis Steg. 
— Te 
Magdeburg, 
bei Wilhelm Heinrihshofen. 
1849, 


Drud: Haenel'ſche Hofbuchdfuderei in Magdeburg. 


Y 


— ER — tb ; * 
ars . sr — 





Vorwort. 


Durch mehrfache litterariſche Arbeiten, deren Foͤrderung gleich 
dringend iſt, faſt uͤber meine Kraͤfte beſchaͤftigt, ſehe ich mich 
fuͤr jetzt leider außer Stande, dieſes Woͤrterbuch ſo ſchnell 
zu Ende zu fuͤhren, als es den geehrten Intereſſenten, der 
Verlagshandlung und vor Allen mir ſelbſt wuͤnſchenswerth 
fein muſs. Um nun unter ſolchen Umſtaͤnden die Geduld des 
Publicums nicht zu miſsbrauchen, habe ich mich gern dem 
Wunſche des Herrn Verlegers gefuͤgt, die Fortſetzungen kuͤnftig 
nach der jetzt uͤblichen und beliebten Weiſe in Lieferungen von 
geringerem Umfange auszugeben. Die gegenwaͤrtigen zehn 
Bogen moͤgen zum Beweiſe dienen, daſs das Werk, wenn 
auch nicht ſchnell, doch ſicher und mit gleichmaͤßiger Sorgfalt 
und Gewiſſenhaftigkeit fortgefuͤhrt wird. Hoffentlich wird— 
das naͤchſte Heft von gleicher Stärke bald nachfolgen und 
in nicht allzu langer Zeit unter günftigeren Umftänden eine 
tafchere Förderung und baldige Vollendung des Ganzen mög- 
lich werden. 
Berlin, im Sanuar 1835. 


Dr. K. Heyſe. 


2 Bi wei En ar. — HEN — * 


v„ 


a Sn "0 — gie I a 
Bit Kine re KR; ee — 
— TE Ba * Krk | 
Kurt ag F könnt zn Se 


ib 





2, 


L, der zwölfte Buchftabe ded ABC, ein Mitl,, u. zwar der Zungen- 
Yaut unter den flüffigen oder ſchmelzenden Mitlauten (I, m, n, r), durch 
Anftemmung der Zunge gegen die obere Zahnreihe hervorgebracht, indem zugleich 
dem Lufthauch ein freier Ausweg neben den angeftemmten Theilen bleibt; ver: 
wandt mit r, voelches in verwandten Spraden, Mundarten, od, unvolllommner 
Ausfprache häufig mit [ wechfelt (4. B. Pilger, Pflaume v. peregrinus, pru- 
num ; Kilche, ſchweiz. f. Kirche) 5 verdoppelt nach gefhärften Selbftlauten (z. B. 
Tall, Stille, wollen). 

Lab oder Raab, ſ., Jes, 0, M, (gem, oberd. Lupp, Lüppe; niederd. Laff, 
Lebbe; dan, lobe, ſchwed. löpe; verw, mit Leber, liefern), was einen flüfjis 
gen Körper gerinnen machtz insbeſ. die fauer gewordene und geronnene 
Milch im vierten Magen junger faugender wiederfäuender Thiere, mit welder 
man füße Mil) gerinnen macht; landſch. auch diefer Magen felbft, der Lab— 
magenz laben, 3w,, 1) ziel., gerinnen machen, bef, mittelft des Labes 
(die Milch); 2) rückz. ſich —, f. gerinnen; das Labfraut, ein Pflanzenge- 
fchlecht, deffen Kraut und Wurzel vermöge einer zufammenziehenden Kraft die 
Milch) laben, Meger- od, Meierfraut, Waldftroh 2c, (Galium verum L,). 

lab, Bw,, bſtr. f. lau, ſchlaff, abgeſchmackt. 

Labbe, w., M. -n-(lat, labium; vergl, Flabbe, Schlabbe), gem,, bef, 
niederd, f. Lippez ein dicklippiger Fifh: Großlabbe; labben, Zw., (lat, 
lambo, franz, laper) niederd, f. lecken; labbern, Zw., gem, f. ſaugen; al= 
bern ſchwatzen, vergl. ſchlabbern, plappern, 

laben, 3m, 1, |. Lab; 2, ziel, Zw. (altd, labon, laben; niederd. lawen), 
einen entfräfteten Körper erquicken, erfrifchen, bef. durch Speife u. Trank; 
uneig. durch angenehme Gefühle erfreuen, beleben, ftärfen (das Herz — ; ſich 
an etwas —)3 — 3fes, der Labetrank, =trunf, wein u, dgl,; der Labe— 
becher, Becher, der einen Labetrank enthält; die Labung, dad Laben; aud 
f. v. w. dad Labfal, -ed, M.-e, mas labt, erquict, ftärft, beruhigt; 
alt und dicht, auch die Rabe (altd, laba), 

Labfraut, Labmagen, f. Lab, 

labfalben, ziel, Zw., Schiff., mit Theer befchmieren, antheeren, 

lachbar, Lachbaum, f. unter laden 2, 

Lache, 1., w., M. -n, (altd, lacha, oberd, Laden, nieberd, Lakez vergl. 
d, griech, Auzxog, lat, lacus, franz. lac; ſchwed. lag, ſchott. loch), ſtehen— 
des truͤbes Waſſer, Sumpf, Pfüse, Pfuhl (Mift:, Kothlache 26); Lache 
2, und 3, f. unter laden 1, und 2, 

lachen 1. ziellof, zw. mit haben (goth, hlahjan, altd, hlahan, Impf, 
hluoh; altnord, hlacka, laden und Elingenz engl, laugh; vergl. d, griech. 
ye)co), dad Gefühl der Luft ſichtbar durch Verziehung der Geſichtsmus— 
Feln und Erweiterung der Mund» Öffnung und hörbar durch einen eigene 


Heyfe’s Handwörterb. d. deutfhen Spr. 2. Theil. 1 


2 lachen — Lachs 


thuͤmlichen fchittternden Schall äußern (laut lachen; Über etwas od. einen 
lachen; fi) fatt, krank, todt lachen 20.5 ſprichw. am vielen Lachen erkennt man 
den Narren); aud) vom bloß fichtbaren Lachen, ald Ausdruck der Heiterkeit, 
Freude, Freundlichkeit, des Wohlwollens zc, (etwas mit lachendem Munde, 
mit lachender Miene ſagen; einem lachen, d. i. ihn freundlid,, wohlwollend anz 
fehen ; auch wohl ziel. einem Beifall lachen); uneig. über. f. ſich freuen, fröhz 
Yich fein (lachende Erben; ins Fäuſtchen laden, d. i. ſich heimlich freuen, bef. 
ſchadenfroh fein) 5 mit d. Gem f. fpotten, verachten (ich lade der Thoren) ; mit 
d. Dat. f. ginftig, gewogen fein (des Glück lacht ihm nicht); ferner auch von 
Sachen: durch angenehme außere Erfcheinung gefallen, einen erheiternden 
Anblick gewähren (die reifen Früchte lachenz eine lachende Gegend; fprichw. 
bares Geld lacht) — 3fek. die Lahluft; lachluftig, Bw. ; die Lachmus— 
keln, beim Lachen. thätige Geſichtsmuskelnz die Lachtaube, eine Taubenart, 
deren Stimme dem Lachen eines Menfchen ähnlich ifts die Kachweihe, der 
Mauer: od. Thurmfalk; der Lachzahn, Vorder: oder Schneidezahn; — Ableit. 
die Lache, 0. M., gem., das laute Lachen, ſinnv. Gelächter (eine helle Lache 
auffchlagen); auch die Art u. Weife, wie man lacht; der Lacher, -8, die 
Lacherinn, M. -en, wer gern und häufig lacht; lächeln, zielloſ. Zw. m, 
Haben, das verkl. lachen; ein wenig, fanft u, nicht laut lachen, bef. als 
Ausdruck der Freundlichkeit, der Zuneigung 2c, (einem lächeln, d. i. ihn lächelnd 
anfehen), doc) aud) des Spottes und der Verachtung (köhnifch lächeln); auch 
un eig. wie lachen (das Gtüd lächelt ihm; das Lächeln des Morgens u. dgl.) 3 
der Küchler, - 8, die Lächlerinn, M. -en, wer lächelt; lächern, ziel. 
Zw. 1) zum Lachen reizen (ex od. die Sache lächert mich); 2) unp. ed lachert 
mich, d. i. ich empfinde Neigung zum Lachen; lächerlich, Bw., 1) zum 
Sachen geneigt (mir ift lächerlich); 2) zum Laden veizend, Lachen erregend, 
(lächjerlihe Geberden); werth belacht od. verlacht zu werden aus Spott od. 
Beratung (ein lächerlicher Stolz, ſich lächerlich machen)z die Kächerlichkeit, 
das Kächerlichfein, die laͤcherliche Befchaffenheitz auch eine lächerliche 
Handlung oder Sache (M. Lächerlichkeiten). 

lachen 2. ziel. Zw. (oberd. laden; fehwed. blecka; vergl. Leck, Loch, Lüde, 
u. d. griech. Adore, Auzls) Korftw., f. hauen und dadurch zeichnen (einen 
Baum; einen Wald —, durd) eingehauene Zeichen abgrenzen); durch Hauen 
der Rinde berauben (die Harzbäume); die Lache, M;-n, ein in einen 
Baum gehauened Zeichen z eine von Rinde entblößte Stelle; auch f. v. w. 
der Lachbaum, ein gelachter Baum, bef, ein bezeichneter Grenzbaum; u, f. dv. m. 
der Kachfteig, ein durch Buſchholz gehauener Steig; der Lachring, ein eiſerner 
King als Map der lachbaren Bäume; der Lachſtein, landſch. f. Grenzftein, 
Megeftein, lachbar, Bw., fühig gelacht zu werden (ein lachbarer Harzbaum). 

Lachs, m, - 86, M. - € (niederd, Lafs, ital. laccia dan. u. ſchwed. lax; 

wahrſch. v. Läden, goth. laikan, fpringen), ein ſchmackhafter Seefifch, der 
im Sommer in die Flüffe tritt (Rhein-, Elbe, Wefer : Lachs 2c.) ; landſch. gem. f. 
eine Eoftbare, angenehme Sache (das ift der wahre Lachs) ; auch f. Schlägez 
Danziger Lachs, ein feiner Branntwein; der Lachsfang, ſ. Fangz die 
Lachsfiſcherei; die Lachsforelle, eine Art großer lachsähnlicher Forellen, in 
großen Seen und Flüſſen lebend; der Lahswurm, ein Wurm, der an den 
Kiemen des Lachfes lebt; die Lachszunge, eine Art breiter, dicker, grau ger 
fledter Lachſe. 


a, — Laden 3 


Lachter, m.,-8, M. w. E., in Hamburg cin Baͤckerknecht, welcher 
das Getreide und Mehl zu beforgen hat. 

Lachter, f, -8, M. w. &,, n. A. w., M. -n (SKlafter 2. f. d.), ein 
Längennraß von 7 bis 8 Fuß, def. im Bergbau üblich ; daher die Lachter- 
fette, eine Meßkette, 5 bis 6 Lachter lang; der Lachterftab, ein Mefsftab, 
Lachter lang. 

Lad, m., - ed, M. (von mehren Arten) - € (arab. lach, perſ. lac; mittl. 
lat. Yan franz. laque), ein oſtind. braunrothes Planzenharz, von einer 
Art Feigenbäume gewonnen (au Gummilad); daraus bereiteter Firnifs, 
Lackfirniſs; aud aus anderen Stoffen bereiteter Firniſs; Siegellack, f. d. 
(in diefer Bed, gew. das Lad), und in weiterer Bed. auch Mundlack, f. d.; 
Mal., verfchiedene aus Pflanzenfäften gezogene Farben (gelber, layer, und 
bef. rother Lad) ; eine gelbe wohlriehende Blume, Goldlack, die Lackviole; 
die Lackfarbe, jeder an einen erdigen Körper gebundene Fächeftof ; das Lad 
holz, Holz der Xipenkiefer od. des Krummpolzbaumes (weil es Häufig zu Dingen 
verarbeitet wird, die ladirt werden follen); das Lackmus, zes, o. M,, blaue 
Farbe aus dem Safte ber Ladmuspflanze, (Croton tinctorium L.) in Süds 
Europa u. Afien einheimifch 5 die Lackpfirſich, eine vorzügliche Pfirficd = Art; — 
Ableit. laden, od, gew, mit fremdartiger Endung ladiren, ziel, 3w., mit 
Lack oder Lackfirniſs beftreichen, Überziehenz der Ladirer, - 8, M, w. E., 
wer dies verrichtet, 

läden, r. als lecken, ziellof. Zw. (goth, laikan; ſchwed. lacka, Yaufenz 
grich, Aurultew; vergl, frohlocken) vlt, f. fpringen, huͤpfen; mit den Füßen 
hinten audfchlagen (bibl, wider den Stachel Läden); laufen; daher der Lafei, 
-en, M. -en (zunächſt von dem franz. laquais entlehnt, aber deutſchen Urs 
ſprungs; dän. lakke; ſchwed, lackere, Bote), ein Livree= Bedienter, der 
vorzüglich zum Verſchicken gebrauc)t wird, 

Lackfarbe, ⸗-firniſs; ladiren, Lackmus ıc, ſ. Lad, 

Lade, w., M. -u, Verkl. das Laͤdchen, (altd. lade, oberd, Lad, poln. 
lada; verw. mit Laden, Lied f. Deckel, ſchließen, lat, claudo ꝛc.), überh, ein 
Behaͤltniſs, Geſtell od. Geruͤſt, etwas aufzunehmen, z. B. das Geſtell eines 
Ackerhakens; der Weberahmen; vergl, Heft-, Bett-, Kinnlade; bef, ein hoͤl— 
zerner Kaſten, z. B. Bundeslade, ſ. d.z die Lade der Handwerker, d, i, der 
Kaſten, in welchem fie ihre Urkunden, Freſheitsbriefe, Gelder ꝛc. verwahren; 
uneig, aud) die Zufammenkunft der Zunft: Vorftcher od, der Gefellenz niederb, 
f. Kaffe, Kaften (Armen :, Kirchen-, Wittwenlade); in engfter Bed. ein vier= 
eifiger, mit einem verſchließbaren, gew. flachen Deckel verfehener Kaſten, worin 
Leute niederen Standes ihre Habfeligfeiten verwahren, finnv, Truhe, Koffer, 
Kiſtez der Ladengefell, Handw,, der Gefel, welcher die Aufficht über die 
Lade führt; der Ladenmeifter, der Meifter, welcher im Namen der ganzen 
Bunft.der Verſammlung der Gefellen beiwohnt. 

Laden, m, -8, Laden und Lädenz Verkl. dad Lädchen, — 
Lade), alt und noch ER f. Brett, Bohle. (vergl, Latte); gew, 1) die bret⸗ 
terne Bederfung der Gladfenfter oder Fenfter : Öffnungen, Fenſterladen (in 
diefer Bed, gero. M, Laden); 2) ein eingefchloföner Raum, ein Gemach, 
worin Waaren zum VBerfauf ausgelegt find, ein Kauf:, Kram-, Bud)-, 
Zucladen 2c,, finnv, Bude, Gewölbe, (in diefer Bed, gew. M. Läden); daher: 

der Ladendiener, im Laden befchäftigter Kaufmannsdiener, gem, verädtl, La: 


1* 


Be laden — Rage 


denſchwengelz die Ladenjungfer od, das Ladenmädchen; der Laden- 
huͤter, uneig. eine Waare, die lange im Laden liegen bleibt, Teinen Abgang 
findet; das Ladenfenfter, die Ladenthür, der Ladentiſch zc, 

Yaden 1. ziel, Zw. (altd, hladan, laden; Impf. luod; Mw, geladen; 
engl, load, ſchwed. lada), ablaut.: dur ladeft, er ladet gem, auch lädſt, Lädt; 
Smpf, lud, Conj. luͤde (für beides auch: Ladete); Mw. geladen; ſchwere 
Körper zur Fortfchaffung auf einen andern Körper niederlegen, ſinnv. 
packen (Waaren, Holz, Steine 2c. auf den Wagen, in das Schiff); auch f. 
beladen, mit einer Ladung verfehen (den Wagen); uneig. einen od. ſich den 
Wirkungen einer läftigen Sache ausſetzen (einem eine Arbeit auf den Hals 
Laden; Jemands Haſs auf fi laden) 3 in weiterer Bed, f. anfuͤllen (fih den 
Magen voll laden; eine Pfeife laden, f. v. w. ftopfen), bef. ein Schießge— 
wehr —, mit Schießbedarf füllen (ein geladenes Gewehr; ſcharf —, d, i, mit 
Pulver und Bleiz blind —, blog mit Pulver); — 3fes. die Kadefchaufel, 
Schaufel zum Laden einer Kanone; der Ladeſtock, ein Stab zum Feſtſtoßen der 
Ladung Eleinerer Feuergemwehre; das Ladezeug, alles Geräth zum Laden ber 
Kanonen; — Ableit, der Zader, -8, 1) wer Waaren ꝛc. auf ein Fuhrwerk 
od, in ein Fahrzeug ladet; 2) wer ein Schießgewehr ladet, bef, auf Kriegs: 
Schiffen beim Laden der Kanonen behilflich iftz Die Ladung, m. - en, 1) die 
Handlung des Ladens in allen Bed, ; 2) was geladen wird oder ift: Laften, 
Güter, Waaren, finnv, Fracht (volle Ladung haben); in weiterer Bed, die 
Füllung, 3. B. an Erzen, Kohlen zc, in den hohen Ofen; bef, was auf ein= 
mal in ein Feuergewehr geladen wird od. ift, der Schufs (eine Ladung Pul- 
ver); der Ladungsplatz, Pag, wo Fuhrwerk und bef, Schiffe beladen und 
ausgeladen werden. 

laden 2. ziel. Zw. (goth. lathon ; altd. ladon, Impf. ladota, Mw. ge- 
ladoı; doch fehon mittelhochd. auch luod, geladen) ablaut. ladelt, ladet; Impf. 
lud, Conj. lüde, (felten: ladet); Mw., geladen; urfpr. rufen; jest nur: 
einen auffordern zu erfcheinen: vor Gericht —, vorladen (fr. citiren) z zu 
Gafte, zu Tifche ꝛc. —, einladen, bitten (fr. invitiren) z auch uneig. zum 
Genufs reizen und ermuntern; die Ladung, M, -en, die Handlung ded 
Vorladens (Gitation), oder Einladens, 

laff, Bw. (gem. au) Lapp), landſch. f. fchlaff ; Fraftlos von Geſchmack, 
unſchmackhaft; abgeſchmackt, albernz daher: der Laffe, -n, M,-n, 
Verkl. das Laͤffchen, (niederd. Laffertz vergl. Lapp, läppiſch, u. das 
engl. lob), gem., ein alberner und dabei eingebildeter junger Menfch, finnv. 
Get; laffenmäßig, Bw., gedenhaft. 

Laffe, w., M.-n, landſch. f. Löffel; daher: der Laffenhändler, in 
Nuernberg: wer eiferne Löffel verkauft. * 

Lage, w., M. -n (von liegen, lag) 1) die Art und Weiſe, wie ein Ger 
genitand liegt, bef. in Beziehung auf das örtliche Verhältniſs feiner Theile zu 
einander (einer Sache die rechte Lage geben), oder, des Gegenftandes felbft zu 
feinen Umgebungen : örtliche Befchaffenheit (eine Stadt hat eine gute, günftige, 
gefunde 2c. Lage) ; uneig. der aus der Befchaffenheit der Umjtände entjtehende 
Zuftand, finnv. Verhättnifs, Stand, Zuftand (ſich in einer glücklichen, mifsli- 
hen zc. Lage befinden; bei diejer Lage der Dinge ꝛc.)3 2) eine Neihe mehrer 
auf oder neben einander liegenden gleichartigen Dinge oder Beftandtheile, 
finnv. Schicht (eine Lage Steine, Stroh, Sand u. dgl.; die rohen Bücher be: 


Laͤgel — Lager | | 5 


ftehen aus einzelnen Sagen von Drudbogen), bef. niederd. eine Reihe von Bie- 
nenftöden, fo viele ein Mann abwarten kann (Bienenlage)z; auf Schiffen: 
die auf einer Seite befindliche Kanonen: Reihe, und deren Abfeuerung 3 3) ehem. 
f. Nachftellung, — (altd. laga; lagon, nachſtellen). 

Laͤgel, fe, -8, M. w. E. (eig. das Läglein, Verkl. v. dem noch oberd. 
die Lagen; altd. an, lagella; griech. A&ynvos, lat. lagena), ein runs 
des hölgerned Fäfschen, mehr weit als hoch, zur Fortſchaffung von Flüffig: 
Zeiten und nderen Dingen (Milch-, Wagenſchmier-, Fiſch-, Salzlägel), bef. 
aud von Stahl= und Eifenwaaren, melde nad) Lägeln gemeffen werden (ein 
Lägel Stahl in öſtreich — 125 Pfund) 5 den Landleuten auch als Trinkgeſchirr 
dienendz; Schiff, kurze Stüce von Tauen. 

lager, Bw. (iöländ. lagr, niedrig), Landw. dad Getreide wird lager, d.i. 
es Lagert fich, geht zu Lagerz Schiff. nicht lager! ein Befehl an die Steuerer, 
das Schiff nicht weiter abhalten zu laffen, entg. nicht höher. 

Lager, fe, —s, M. Lager und (von einem Feldlager auch) Laͤger, (von 
liegen; altd. — laeger; oberd. Läger, Geläger) 1) der Zuſtand des 
Liegens, z. B. eines bettlägerigen Kranken (das Krankenlager); Fechtk. die 
Lage oder Stellung eines Fechters; das Getreide geht zu Lager, wenn es 
durch die Schwere der Ähren, od. durch Regen ꝛc. ſich niederſenktz 2) der Ort, 
wo ein Körper liegt od. gelegen hat, 3. B. die Grube, in welcher ein Grenz: 
ftein liegt; die erhöheten Bäume in einem Seller, auf welchen Faͤſſer ıc. 
liegen (Wein, Bier auf dem Lager haben, ſ. Lagerbier); der Ort, wo Hana 
delswaaren vorräthig liegen, auch der Waaren-Vorrath felbft (Waarenlas 
ger); 3) def. der Ort, wo Menjchen und Thiere fich zur Ruhe niederlegen 
(ein hartes, bequemes 2c, Lager), oft f. Bett; Jäg., der Ort, wo milde 
Thiere fih aufhalten und ruhen (das Lager der Bären, Füchſe, Wölfe, 
Hafen 2c.) 5 auch der Aufenthaltsort mehrer zufammengehörigen Menfchen, 
3 B. Hoflager, f. d.5 insbef. der Ort unter freiem Himmel, wo ein Kriegs— 
heer fich unter Zelten aufhält, u. die ſaͤmmtlichen zu dem Ende errichteten 
Zelte (ein Feld-, Kriegslager ; ein Lager auffchlagen, abbrechen 2c.); 4) mehre 
neben oder über einander befindliche gleichartige Dinge oder Beftandtheile, 
f.v. w. eine Lage (ein Erd-, Steinlager 2.); der Bodenſatz des Weines, 
Bieres, Dles ꝛc., ſ. v. w. Hd, Mutter; — 3 ſetz. der Lagerbalfen, 
Sohträger an einer Brüde; das Lagerbier, ftarfes Bier, welches man auf 
dem Lager im Keller alt werden läfitz das Laherbuch, Verzeichniſs der Felder 
u. liegenden Gründe eines Ortes, Flur-, Markungsbuchz Rechnungsbuch über 
die Vorräthe eines Waarenlagers; das Lagerfaſs ‚ ein großes, beſtändig auf 
dem Lager im Keller liegendes Faſs; das Lagerfieber, im Feldlager herrſchen— 
des hitziges Fieber; das Lagergeld, Abgabe f. die Freigeit, Bier od. Wein auf 
das Lager zu legen; aud) der Bing für die Miethe eines Waarenlagers, od. für 
die Auftewahrung von Waaren, f. v. w. der Lagerzins; dad Lagerhaus, 
f. v. w. Waarenlagerz bef. ein zur Aufbewahrung von Gütern und Waaren 
beftimmtes Öffentliches Gebäudes dad Lagerholz, Forftw., vom Winde umge: 
worfene Bäume; dad Lagerkorn, Korn, welches ſich gelagert hat; der Lager— 
meifter, ehem. ſ. v. w. Quartiermeifter; das Lagerobſt, Dauer- od. Winter: 
obſt, z. B. Kageräpfel, -birnen; die Lagerrebe, eine Art Weinftöde, deren 
Reben an der Erde fortkriechen 5 das Lagerfcheit, Forftw., aus den Baum: 
ſtämmen geſchlagene Scheite, Kernfcheite; die Lagerfitt -ftätte, der Lager- 


J 


6 ES Laͤgler — Laich 

platz; die Lagerwand, Bergw., feſtes Geſtein, bei welchem Feine Zimmerung 
nöthig z aud) der Grund, worauf die Zimmerhölzer gelegt werden; der Lager— 
wein, Wein, welcher ſich halt u. auf das Lager gelegt wird; der Lagerwuchs, 
zu üppiger Wuchs der Feldfrüchte, welcher verurfacht, dafs fie ſich Lagern; — 
Ableit, lagerhaft, Bw., oberd, f, bettlägerig; lagern, Zw. 1) ziellos m, 
haben, liegen, gelegt fein (das Vieh lagerte im Freien umher), im Lager 
fein (das Heer lagert); auch ein Lager auffchlagenz 2) ziel. u, rückz., nie— 
derlegen, auf den Boden od, auf ein Lager legen (der Regen hat das Getreide 
gelagert; wir lagerten uns ing Gras); ein Heer—, ihm ein Feldlager bereis 
ten und anweiſen; ein Heer lagert fich, d. i. ſchlägt ein Lager auf u, bezicht 
es; uneig. ſich —, f. ſich irgendwo niederlaffen od. ausbreiten (die Schatten 
der Gebirge lagerten fich über die Eden); etwas —, f. gründen (Gott hat 
die Erde auf Ziefen gelagert). 

Laͤgler, m., -8, eine Weintraubenart mit länglichen Beeren, 

lahm, Bw, (altd, u, ſchwed. Jam, engl. lame; von dem altnord. lama, 
böhm, lamati, brechen, ſchwächen), der gehörigen Beweglichkeit, Gelenkig— 
feit u, Kraft ermangelnd, bef. von den Gliedern des menſchl. u, thier, Körpers 
(ein lahmer Fuß, eine lahme Hand, lahm gehen), in engerer Bed, fußlahm, 
finnv, hinfend (ein Lahmer); in weiterer Bed, auch von kuͤnſtlich zuſammen— 
geſetzten Dingen, die ihren feiten Zufammenhang oder ihre Spannfraft 
verlorem haben (eine Schraube, ein Mefjer ift Lahm) ; uneig, f. ſchwach, Fraft= 
los, ungruͤndlich, nichtig (ein lahmer Beweis, eine lahme Entihuldigung) 5 
lahmlendig, Bw., f. v, w. lendenlahm; die Lahmheit, das Lahmſein, 
eig. u, uneig.5 die Laͤhme (niederd. Lämde; oberd. Lem, jeder unheilbare 
Schaden), dad Lahmſein z. B. eines Gliedes; landſch. beſ. f. Schlag, Gicht; 
lahmen, zielloſ. Zw. m. Haben, lahm fein, hinken, eig. u, uneig.; laͤhmen, 
ziel. Zw., (altd. lemian) lahm machen (einem Thiere den Fuß, den Flügel; 
der Schlagfluſs hat ihm die Zunge gelähmt); insbeſ. eine Art des Wallachens; 
uneig. überh. der Kraft berauben, unwirkſam machen; der Kihmer, -6, 
ein Ruͤſſelkaͤfer, welcher den Pferden eine Lühmung verurfachen follz die Laͤh— 
mung, das Lähmenz das. Lahmfein, f. v. w. Laͤhme. 

Lahn, m., Ses, M. (von mehren Arten) -e, (wahrſch. verw. mit dem 
angelf, hlaene; engl, lean, niederd, Leen, dünn, mager; vergl. Elein), breit 
gequetſchter Gold= oder Silberdrath (Gold-, Silberlahn); der Lahnftein, 
bei Bortenwirkern, ein mit Lahn überzogener Zierrath am Hute; die Lahn— 
treffe, aus Lahn gewirkte Treſſe. 

Laib, m., es, M.-e, n. % Leib; Verkl. das Laibchen, oberd, Laib- 
lein; (goth. hlaibs, hlaifs, Brod, Biſſen; altd. hleib; poln, chleb; angelſ. 
hlaf, engl, loaf, ſchwed. lef; vergl. das lat, gleba, libum; u, kleben), urſpr. 
überh, eine zufammenhängende Maffe, ein — Stuͤck, daher noch 
Bergw. ein Klumpen geſchmelzten Erzes (andſch. Luppe); insbeſ. oberd. 
eine runde oder laͤngliche Brodmaſſe, ein Brod (ein Laib Brod, oder bloß: 
ein Laib). 

Laich, n. A. Leich, m. oder ſ. —es, o. M. (niederd. Look; wahrſch. v. 
dem goth. laikan, altd. Läden, ſpringen; daher laichen od, leichen, alt u. 
oberd. für ſpielen, ſich begatten; La ich, oberd. f. Begattung beſ. der Fiſche), 
die in zaͤhen Schleim eingehuͤllten, befruchteten Eier der Fiſche, Froͤſche 
und anderer Waſſerthiere; wenn ſie dieſelben ſchon von ſich gelaſſen haben, 


Late — Samm 1 


verſch. Rogen, (Fiſch-, Froſchlaich); laichen, zielloſ. Zw, mit haben 
(niederd. löfen, ſchwed. leka), von Fiſchen und Fröſchen, den Samen od. die 
Eier abſetzen, ſtreichen; die Laiche, die Laichzeit und das Laichen ſelbſt; 
der Laichkarpfen, ein zur Fortpflanzung in den Streichteich geſetzter Karpfen, 
auch Streichkarpfen, Laicher. 

Laie, m., -n, M.-n, (alt, laihman, laige, leie, leige; engl, lay; 
v. d. griech. Juiros, lat, laicus), ein Nichtgeiftlicher, eine weltliche Perfon 
in der rom, Kirche ; in weiterer Bed, ein Uneingeweihter, Ungelehrter, Uner— 
fahrener in einer Kunft od, Wiffenihaft; der Kaienbruder, die Laienſchwe— 
ſter, ‚weltliche Perfonen in Klöftern zur Bedienung der Mönde und Nonnen; 
der Laienprieſter, — — 

Laimer, m., —s, M. w. E., landſch. ein Fiſch; ſ. v. w. Karauſchen⸗ 
karpfen. 

Lake, w., M.-n (eig. das niederd, Lache, ſ. d.z ſchwed. laka), Salze 
waſſer, bef, die falzige Brühe von eingefalzenen Fiſchen (Häringstake). 

Laken, f., -8, M. w. ©. (altd, lahhan, lachen; oberd. Lachen, Lach; 
ſchwed. 2 din. lagen ; vergl, d. griech, Auzis), bef, niederd.. Tuch, ſowohl 
MWollentuch als Leinentuch (Tiſch-, Bettlaken); insbef, f. Betttuch. 

Lakritze, w., M. -n, od, der Lakritzenbaum, (verderbt aus d. mittl, lat, 
liquiritia), landſch. & Süßholzbaum (glycirrhiza L.); daher dad Lakritzen⸗ 
holz; der Lakritzenſaft. 

lallen, zielloſ. u. ziel. Zw. (vergl. d. lat. lallare; griech. Audeiv), unvoll- 
fommen fprechen, def. mit fehlerhafter Einmifhung des I (ein Lallendes Kind) z 
überh. unvernehmlich und mit fchwerer Zunge reden, ſinnv. ſtammeln (ein 
Betrunkener Lallt) ; auch f. lullen, ſ. d.; uneig. feine Gedanken oder Gefühle 
unvollkommen ausdruͤcken, vergl. ftammeln. 

Lambele, w., M.-n, ein Flufsfifhz der Bitterling, 

Lamberts = oder Lampertsnuſs, w. (d. i. Lombardifhe Nuſs ; Lamparter, 
Lamperter alt u. oberd. f. Lombarde), eine vorzuͤgliche, große Haſelnuſs-Art, 
Bart-, Ruhrnuſs. 

Lamm, ſ., -5, M. Laͤmmer, Verkl. dad Laͤmmchen, M. gem. 
Lämmerchen, (goth., ſchwed. u. engl. lamb; altd. lamp, daher noch oberd. 
das Lümplein; die Lampen f. das Mutterſchaf), ein junges, noch nicht ein— 
jaͤhriges Schaf; Bocklamm, wenn es männlich, Mutterlamm, wenn 
es weiblich iſt; oft als Bild der Unſchuld, Geduld und Sanftmuth (das 
Lamm Gottes, bibl. f. Chriſtus); doch auch mit Lan Nebenbegriff zur Be— 
zeichnung 5 Sqmache; uneig. Volksſpr. Laͤmmerchen für die 

Kaͤtzchen der Weiden, Haſelſtauden ꝛc.; auch f. feine, weiße, flockige 
Wolken (kämmerwolken); — 3fes. die Lammbirn, eine Art Winter: 
birnen der Lamımbraten ; dad Lammfell; lammfromm, Bw., fromm, 
d. i. fanft u. geduldig, wie ein Lamm; fo auch lammherzig; — die Laͤmmer⸗ 
blume, das Feine Schölfraut, Zeigmwargenkraut; der Lämmergeier, die 
größte Geier: Art u. überhaupt der größte Vogel in Europa, weldyer in ben 
Alpen lebt und Lümmer, Ziegen 2c. raubt; der Laͤmmerhirt; der Laͤmmer—⸗ 
junge oder = Fnecht, in Schäfereien, wer die Lämmer weidet; das Laͤmmer— 
rauf, Flachskraut; Gänfefuß, Allgut, aud) Lämmerohren genannt; der 
Cimmerfalat ob. zlattich, Feldrapunzel; das Laͤmmerſchwaͤnzchen, Schaf: 
Bw der Laͤmmerſtall; die Cämmerwolle ꝛc.; — Ableit, lammen, 


8 Lammel — Land 


ziellof. 3, mit Haben (andſch. auh Lämmern; oberd, lämpeln), ein 
Lamm werfen oder gebärenz daher die Lammzeit, die Zeit, in welcher die 
Schafe lammen; laͤmmern, Bw, (altd, lembrin), oberd, f. vom Lamme 
(lammernes Fleiſch f. Sammfleif). 

Lammel, m., -8, landſch. gem, f. Kothfaum an einem Kleide (vergl, 
Hammel), 2 

Lammer, w., M. -n, aud) der Lammer= od. Laͤmmerbraten (wahrſch. 
verw. mit d, lat, lumbus od, aus Zend: Mehrbraten verderbt), Jäg., die 
langen, fhmalen Fleiſchſtücke, welche unter dem Rüdgrat des Wildbrets inmwen- 
big herauögefchnitten werden, fenft Lenden=, Mör= od, Mehrbraten genannt, 

Lampe, m., -n, (vielleiht von dem ober, Lampen, fchlaff herunterhangen, 
3. B. lampende Ohren) alte ſcherzh. Benennung des Hafen in der <hierfabel, 

Lampe, m, -n, M.-n, Verkl. dad Laͤmpchen, (gried, u. lat, 
lampas, böym, lampa, franz, lampe, engl, amp), ein Gefäß od. Geräth 
zur Erleuchtung vermittelt eined mit ÖL getränften Dochtes (3. B. Hange: 
od, Schwebelampe, Arbeitslampe), aud) vermittelft des brennbaren Gafes (Gas: 
lampe); — 3fes. das Rampenlicht, der Lampenfchein, -glanz, = ſchim⸗ 
mer ꝛc.; lampenhell, Bw., durch Lampen erhellt; der Lampenmann, 
spußer, =wärter, wer die Straßenlampen beforgt; der Lampenofen, eine 
Lampe der Scheidekünftler mit mehren Dochten; das Lampenſchwarz, .».w, 
der Lampenruß. 

Lamprete, w., M.-n (engl, lamprey, franz. lamproie; v. dem mittl, 
lat. lampetra), der Steinfauger, eine Art eföbarer Sinorpelfifche, wozu 
die Neunaugen oder Briden gehören; in engerer Bed, die größte u, koͤſtlichſte 
Gattung diefer Si 

Land, fa, - es, M. Lande u, gew. Länder (ſ. u.,)5 Verkl. das Laͤndchen, 
M. in der Volksſpr. Eänd erchen, (goth., ſchwed., engl, land; ltd, lant, 
M. lande) 1) ale Stoffnamen 0, M, überh, der felte Theil de Erdbodens, 
entg, dem Waffer, bei. dem Meere (zu Waſſer und zu Lande reifen; das’ fefte 
Land; ein Schiff ans Land ziehen; Land fehen 2c,); in engerer Bed, die ebene 
Erdfläche, entg. den Gebirgen (das flache od, platte Land; von den Bergen ins 
Land gehen), bef, fofern fie zum Feldbau dient, tragbarer angebauter Erd— 
boden., finnv, Feld, Boden, Ader (fruchtbares, fandiges, fleiniges Land ꝛc.5 
Ader:, Garten-, Weizenland 2c,)5 ferner der Stadt entg. dad ganze dem 
Feldbau gewidmete, von Landbauern bewohnte Gebiet (lieber auf dem Lande, 
als in der Stadt leben; auf das Land ziehen; über Land gehen, reifen 2c,)5 
2) mit M, überh, ein abgegrenzter Theil der Erdfläche ; insbef, ein begrenztes 
Stuͤck Feld, Acker- od. Öartenland (M. Länder, z. B. Garten, Brad) 
länder; landſch. aud-f. ein Gartenbeet) 5; ein von einer ganzen Völkerſchaft 
bermohnter Theil der Erdfläche (das Land der Deutfchen, Deutſchland, Ruſs— 
‚Sand, Griechenland), bef. hinfichtlich feiner ruumlichen Ausdehnung, feiner 
Grenzen u, feiner Bevblkerung; verfh, von Staat, weldes auf Regierungs- 
u, Berfaffungs : Einheit geht (3. B. der öſtreichiſche Staat begreift mehre Länder 
in ſichz das beutfche Land befteht aus mehren Staaten; einen aus dem Lande 
jagen, des Landes verweifen) ; uneig, auch f. die Cinwohnerfchaft eines Landes 
(ein Land unterjohenz das ganze Land trauert um feinen Fürften); in weiterer 
Bed. f. Gegend, Aufenthaltd= od. Wohnort (Hier zu Lande, d, i, in hiefiger 
Gegend; das Land der Seligen ꝛc.); — die Mehrh, lautet alt u, oberd, durch 


Land Bw, 


gangig Lande; in der herefchenden Schriftfpr, hingegen gew, Länder; Lande 
nur in der höheren Schreibart, bef, zur Bezeihnung unbeftimmter Gegenden 
(bibl, alle Lande find feiner Ehre voll; er hat in fernen Landen viel erfahren), 
und zur Bezeichnung der verſchiedenen Gebietstheile eines Staates, fofern diefel- 
ben zu einer Einheit verbunden gedacht werden, dahingegen die. M. Länder 
vereinzelnd ift (3. B. die Königlic, Preußiſchen Lande; die Niederlande; aber: 
die Länder Europa’s), — In 3 ſetz. hat Land gew, die unter 1), Landes und 
Lands oder (wo mehre bezeichnet werden follen) Länder die unter 2) ange: 
führten Bedeutungen, (vergl. z. B. Landmann, Landadel, Landſchule mit 
Landsmann, Landesadel, Landesſchule; Landeskunde und Länderkunde 26); — 
Bfes, mit Land: der Landadel, auf dem Lande wohnender Adel, entg. Stadt: 
adel ; der Kandammann, ſchweiz. f. Candamtmann, Vorfteher einer Landfhaft 
od, Landgemeinde; der Landbär, auf dem Lande lebender Bär, entg. See- od, 
Eisbär; der Landbau, Anbau des Landes, Feld-, Aderbauz der Land» 
bauer, —s, M. w. E. (vergl. Bauer 2.), wer das Land baut, Aderbauerz 
der Landbaumeifter, wer dem Bauweſen auf dem Lande vorgefest iſt, entg. 
Stadtbaumeiſter; aud) (mit dem Hauptton auf der 2ten Silbe) ein Vorgefester 
über das Bauwefen im ganzen Lande (r. Landesbaumeifter)z; der Landbewoh⸗ 
ner, entg. Stadtbewohner; der Landbifchof, in der röm. Kirche ein Bifchof, 
der fein Amt nur auf dem Lande verwaltet, Chorbiſchef; der Landbote, ehem. 
in Polen, ein zum Reichstag abgeorbneter Bevollmächtigter; landſch. f. Land: 
Enecht, Büttel; das Landbuch, Verzeichnifs der Landgüter, Ritterſchaftsbuch; 
der Kanddienft, Kriegsdienft auf dem feiten Lande, entg. Seedienſt; der Land— 
droſt, j. Droft; der Landedelmann, auf dem Lande Iebender Edelmann, 
Landjunker; der Landeigenthlimer, Eigenthümer einer Länderei, eines Land: 
gutes; die Landenge, f. Erdenge; der Landfahn, bair. u. bſtr. ehem. f. Lands 
wehr; daher der Landfähnler, Landwehrmann; das Landfaſs, landſch., ein 
Map f. Flüſſigkeiten, in Bern = 24 Eimer; die Landflagge, eine Flagge, 
die auf Schiffen aufgezogen wird, wenn man Land ſieht; landflüchtig, Bw., 
aus dem Lande entfliehend od. entflohen (r. Landesflüchtig); die Landflüch- 
tigkeit; der Landforftmeifter, oberfter Forftmeifter (f. d.) einer Landſchaft od. 
‚eines ganzen Landes, auch Oberlandforftmeifter; die Kandfracht, zu Lande 
fortgefhaffte Laft, und das Frachtgeld dafür; der Landfrieden, Bffentliche 
Sicherheit in einem Sande, und ein Vertrag od. eine Verordnung zu deren Er- 
haltung, bef. dad 1495 zu Worms gegebene Reichsgeſetzz der Landfrofch, 
entg. Waſſerfroſchz die Landfuhre, Fuhre zu Lande od. über Land; land- 
gäangig, Bw., durd’s ganze Land gehend od. geltend (Münze); der Rande 
geiftliche, entg. Stadtgeifttihes die Landgeiftlichfeit; das Landgericht, 
Gericht über einen Bezirk des flachen Landes, entg. Stadtgeriht; auch ein 
höheres Gericht über ein ganzes Land, x. Landesgerichtz der Lands 
gerichtöherr, =rath ꝛe.; der Landgraf, ehem. ein Eaiferliher Statthalter 
über ein ganzes Land (3. B. die Landgrafen von Thüringen; vergl. Graf); 
landſch. f. Vorfiger eines Landgerichts, Landrihters die Landgräfinn; die 
Landgrafſchaft; landgräflih, Bw.; das Landgut, Verl. -gütchen, 
eine ländliche Befigung, bef. fofern der Befiger nicht zum Bauernftande gehört 
(vergl. Gut); der Landhandel, entg. Scehandel; der. Landhafe, gemeine 
Feldhaſe, entg. Berg:, Holz-, Sumpfhafe; dad Landhaus, Wohn: oder 
Luſthaus auf dem Lande; auch f. Landſchaftshaus, f. d.; das Landheer, entg. 


10 Land r 
Schiffsheer, Flotte; die Landhufe, eine Hufe auf feſtem Lande; aud eine 
befondere Art Hufen, in Pommern = 30 Morgen ; der Landjaͤgermeiſter, 
Vorgefegte über das Jagdweſen eines Landes, gew, dem Landforftmeifter unter: 
geordnet; die Landjugend, junges Landvolk; der Landjunfer, der junge 
Sohn eines Landedelmanns; auch verächtl. f, Landedelmann ; die Landkarte, 
f. Karte; in engerer Bed. entg, der Seekarte; die Landfartenfchnede, eine 
lichtgelbe Porzellanſchnecke mit dunkeln Sieden u, gebogenen Strichen, aud) bloß 
Landkarte; der Landknecht, landſch., ein Gerichtediener auf dem Lande; 
der Landkrebs, eine Art Krebfe, die ſich meift auf dem Lande aufhalten, entg. 
Fluſs-, Seekrebs; der Landfrieg, entg. Seekrieg; landkundig, od, =Füns 
dig, Bw., im ganzen Lande kund od, bekannt, landrüchtigz verſch. landes— 
kundig; die Landkutſche, einer Privatperfon gehörende Frachtkutſche, die durch 
ein ganzes Land geht; der Landkutſcher, Eigenthümer od. Fuhrmann einer 
Landkutſche; der Kandläufer, ſ. v. w. Landſtreicher; landlaͤufig, Bw., im 
Lande umherſtreifend; auch f. landgüngig⸗landüblichz; das Landleben, Leben 
auf dem Lande, entg. Stadtleben; die Landmacht, das Kriegsheer zu Lande, 
entg. Seemacht; auch ein Reich, das vorzugsweiſe zu Lande mächtig iſt; das 
Landmädchen, ein auf dem Lande geborenes und erzogenes Mädchen; der 
Landmann, 1) M.=leute, ein Landbewohner, der Landbau treibt, edler 
als Bauer, entg. Städter; 2)M, Landmänner, oberd, ein im Lande 
anfaffiger Ritter, Landſtandz ſchweiz., der Beifiger eined Landgerichts; die 
Landmarf, die Grenze eines Landes oder Landgerichtes, und die Grenzzeichen; 
die Landmarke, Schiff., jedes Kennzeichen am Lande, weldes dem Schiffe zur 
Richtung dientz der Landmarfchall, der Marſchall (f. d.) eines Landes sd, einer 
Landſchaft; der Landmeſſer, ſ. v. m. Teldmeffer, bef. wenn er fein Amt in 
einer ganzen Landſchaft ausübt; die Landmeſſung,-meſskunſt; die Land» 
münze, im Lande felbft gepränte, aangbare Münze, r. Landesmünzez 
die Landpfarre, Pfarre auf dem Lande, Dorfpfarte; der Landpfarrer od. 
eprediger, entg. Stadtpredigerz der Landpfennig, landſch. f. Landeöfteuer, 
bef, von Grundſtücken; der Kandpfleger, alt u, oberd. Vorgefeste und Ber: 
walter einer Landſchaft, Statthalter‘, Landvogt; die Kandplage, ein großes 
Übel, welches ein ganzes Land drüdtz der Landrath, in Preußen eine obrig: 
keitliche Perfon, weldye auf dem Lande die Polizei handhabt u, ſowohl die Befchfe 
der Landesregierung vollzieht, als aud) die Rechte der Landbewohner vertritt; 
in andern Gegenden: ein adeliger Landſtandz ſchweiz. die Rathsverfammlung 
eines Cantons; landräthlich, Bw., einem Landrath gehörig, zukommend 2c,5 
das Landrecht, der Inbegriff der in einem Lande oder einer Landſchaft üblichen 
bürgerlichen Rechte (3.8, das preußifche Landrecht) 5 fchiveiz. die auf dem platten 
Lande geltenden Rechte, entg. Stadtrecht; oberd, f. Landgerichts landrechtlich, 
Bw., zum Landrecht gehörig, demfelben gemäß; der Kandregen, anhaltender, 
über ein ganzes Land ausgedehnter Regen; die Kandreife, entg, Seereifez der 
Zandreiter, ein Polizei = Bedienter, welcher die Landſtraßen bereitet; die Lands 
reiterei, deffen Amt u, Bezirk; der Landrentmeifter, f. Rentmeifterz der 
Landrichter, Mitglied eines Landgerichts; Richter auf dem Lande, entg, Stadt: 
rihterz landrüchtig, Bw., f. v. w. landkundig; die Landrüchtigkeitz die 
Landruthe, landſch., ein auf dem Lande ubliches Lüngenmaß, entg, Stadtruthe, 
(in Nürnberg = 16 Schuh; die Stadtenthe = 10 od, 12 Schuh) ; der Land 
ſaſs, -en, überh, ein anfäfjiger Einwohner, bei, ein Landbewohner ; gew, der 


Land 11 


Beſitzer eines freien Landgutes Centg. Reichsſaſs), bef. fofern er Sit v, Stimme 


auf dem Landtage hat; landfallig, Bw., die Eigenfhaft eines Landfaffen 
habend, u, in diefer Eigenſchaft gegründet; die Landfaffigkeit; die Land— 
ſcheide, Landesgrenze; der Kandfcheider, ein verpflichteter Grenz-Aufſeher; 
dad Landſchloſs, Schlofs auf dem Landes; die Kandfchnede , entg. Waſſer— 


ſchnecke; der Kandfchreiber, Schreiber bei einem Landgerichte; die Landſchule, 


Schule auf dem Lande, Dorfſchule, entg. Stadtſchule; der Landſchullehrer od, 
⸗meiſter; die Landfchwalbe, Haus:, Dorfſchwalbe; der Kandfee, ein See 
(ſ. d.) im feften Lande, entg, die See od, das Meer; dad Landſeil, ein Feld: 
maß in Böhmen = 52 Prager Ellen; dad Landfiedel, landſch. fr Landfis, 
«gut, bef. ein Zins- od. Meiergutz der Landſiedler, Befiser eines folhen 
Gutes; der Landſitz, Wohnfig, Sommerhaus auf dem Lande ; der Landſoldat, 
entg. Seeſoldat; die Landſpitze, ein ins Meer hineinragenter ſpitz zulauferder . 
Theil des feiten Landes; die Landſtadt, eine kleinere Stadt in einer Landfchaft 
(fr, Provinzialftadt), entg, Hauptſtadt; auch eine Stadt im feften Lande, entg, 
Seeftadt; der Landfland, Stand (f. d.) eines Landes oder einer Landſchaft, 
welcher auf Landtagen eine Stimme hat: landftandifch, Bw, ; die Landſtand⸗ 
ſchaft, Eigenſchaft und Würde eines Landſtandes; auch die Gefammtheit der 
Sandftändez die Landſteuer, Steuer von Ländereien, oder vom flachen Lande 
entrichtet; die Kandftraße, breite Hauptftraße durd) das Land, Heerſtraße; 
der Kandftreicher, die Landftreicherinn, das Land durchftreifende Müßig: 
sänger, Gaunerz landſch. Landläufer, fahrer, -ſtbrzerec.; die 
Landftreicherei; Tandftreicherifch, Bw.z der Landſtrich, ein fi in die 
Länge erftrediender Theil des feiten Landes; auch f. Erd- oder Himmelsfteich 
(ſ. d,)5 die Landfiube, Verfammlungszimmer der Landftände, od, eines Land: 
gerichts; der Kandflurm, 1) ein Sturm zu Lande, entg, Seefturm; 2) ein 
Aufgebot fümmtliher waffenfähigen Einwohner bis zum 60ſten Jahre zur Ab: 
wehrfeines eindeingenden Beindes, vergl, Landwehr; die Kandtafel, ehem, f. 
Landkarte; auch der Urkundenfchag eines Landes, der Landftände, oder eines 
Landgerichts; der Landtag, Verfammlung der Landſtändez auch die verfam: 
melten Landſtände ſelbſt; landtagen, untrb. ziellof. 3w,, einen Landtag halten; 
dad Kandthier, entg. Waffertgier; Iandüblich, Bw,, in einem Lande üblich, 
auh: landesüblichz der Landvogt, Xorgefeste eines Landes oder einer 
Landfchaft, Statthalter, Landpfleger; die Landvogtei, deffen Amt, Würde, 
und Bezirk; dad Landvolk, Landteute; landwärts, Nw., nad dem feften 
Lande zu (3. B. fhiffen); die Landwehr, eine Wehr Kr. d,) zur Vertheidigung 
der Landesgrenzen, z. B. Wülle, Gräben, Verhaue; bef. eine Volksbewaffnung, 
aus den jüngeren Männern vom 17ten bis 45ſten Jahre beftehend, zunächft zur 
Vertkeidigung des eigenen Bodens, landſch. der Landfrieden, die Heim: 
ſchaar 2c. genannt; der Landwehrmann, wer unter der Landwehr dient; der 
Landwein, einheimifher, im Lande felbft gebauter Wein; der Landwirth, 


Hauswirth auf dem Lande, beſ. ſofern er Landbau treibt (fr, Skonom); die 


Landwirthinn; landwirthlich, Bw., zum Landwirth gehörig, denſelben an— 
gehend; die Laudwirthſchaft, Wirthſchaft auf dem Lande; beſ. der Betrieb 


und se Wiſſenſchaft des Landhaus (fr, DEonomie) ; landwirthfchaftlich, Bw., 


Landwirthſchaft betreffend, dazu gehörig; die Landzunge, ſ. Erdzunge; — 
Zſetz. mit Landesod, Lands: der Landesadel, der mittelbare, dem Lan: 
desheren unterworfene Adel, entg, Reichsadel ; verſch. Landadel; die Landesart, 


12 s Land 


Sebräudhe u. Sitten eines Landes; auch die natuͤrliche Befchaffenheit eines Lan 
des nad) Boden, Witterung zc. 5 die Landesbefchaffenheit; das Landeser- 
zeugnifs, (fe. - product) ; die Landesflagge, eigentyümliche Flagge der Schiffe 
eines Landes, verſch. Landflagge; landesflüchtig, Bw., f. Iandflüchtigs der 
Landesfürft, die Landesfürftinn, f. Fürſt; landesfürftlich, Bw.; der 
Landesgebrauch oder brauch; das Landesgericht, höchſtes Geriht eines 
ganzen Landes oder einer Landfchaft (3. B. die Oberlandeögerichte in Preußen), 
verfch. Landgericht; die Kandesgefchichte; das Landesgeſetz; die Landes— 
grenze; der Landeshauptmann, Vorgeſetzter einer Landfhaft, Landvogt; 
die Kandeshauptmannfchaft, defien Amt u. Gebiet; der Landesherr, Ober: 
herr (fr. Regent) eines Landes; landesherrlich, Bw., dem Landeöheren ge: 
hörig, gebührend, in deffen Würde gegründet; die Kandesherrlichkeit, Würde 
u. Recht des Landesberrn; die Kandesherrfihaft, die höchſte Gewalt in einem 
Landes; auch der Landesherr u. deffen Familie, (vergl. Herrfhaft) ; die Landes— 
hoheit, Obergewalt über ein Land (fr. Souveränität); die Landeskaſſe, die 
Landeskenntniſs od. » Funde; landesfundig, Bw.; das Landesfind od. 
Landskind, eingeborener Untertyan eines Landes; die Landeskirche, die herr: 
ſchende Kirche, d. i. Glaubensform, eines Landes; verfch. Landkirche; Die Lan 
desmutter, f. Landesvaterz die Landesobrigkeit; die Kandesordnung, lan⸗ 
desherrliche Verordnungz die Landesregierung; die Landesfache, das ganze 
Land betreffende Angelegenheit; die Landesſchuld; die Kandesichule, Hauxt: 
ſchule eines Landes od. einer Landfchaft, verſch. Landſchule; die Landesſitte; 
die Landesſprache; die Landestracht; landesuͤblich, Bw., ſ. landüblichz 
der Landesvater, der Landesherr, als Vater ſeiner Unterthanen betrachtet; 
deſſen Gemahlinn oder auch eine ſelbſt regierende Fürſtinn: Landesmutter; 
landesvaͤterlich, Bw.z die Landesverfaſſung; der Landesverrath, -ver— 
raͤther; landesverraͤtheriſch, Bw.; die Landesverwaltung; die Landes— 
verweiſung; der Landesverwieſene, ſ. verweiſen; — der Landsknecht 
(nicht Lanzknechtz denn nur die Ritter führten Lanzen; franz. verberbt: 
lansquenet), ehem. ein gemeiner Fuß: Soldat im Dienft eines Landesfürſtenz 
aud) ein Kartenfpiel; der Landsmann, die Landsmaͤnninn, M. Landsleute, 
Eingeborene desjelben Landes, Landesgenoffenz verfch. Landmann 2c.; lands⸗ 
männifch, Bw., dem Landsmann gehörig, gebührend, in defjen Verhältnifs 
gegründet; die Landsmannfchaft, das Verhältnifs der Landsleute; die Ge— 
fammtheit od. eine gefchlofjene Gefellichaft von Landsleuten (auf Univerfitäten) 5 
— 3fes. mit Länder: der Länderbefchreiber ; die Landerbefchreibung z 
laͤndergewaltig, Bw. ; die Landerkarte ; die Länderfenntnifs od. = Funde; 
laͤnderkundig, Bw.; der Kanderräuber, = verwüfter u. dgl.; die Laͤnder— 
fucht, aud der Laͤnderdurſt; länderfüchtig, -durſtig, Bw.; der Laͤnder— 
tauſch; die Kändertheilung u. dgl. m. — Ableit. von Land: landen, 
Zw. (altd. u, oberd. lenden; ſchwed. landa, engl. land) 1) ziellos m. fein, 
an dad Land fahren und ausſteigen; 2) ziel. and Land fegen, ausſchiffen 
(3. B. Truppen); landſch. auch: Ländereien mit Grenzfteinen bezeichnen, gew. 
ländenz die Landung, das Landenz daher der Landungsplatz, landſch. 
aud die Kände, (oberd. Lend) ; — die Laͤnderei, angebautss Land, Grund— 
ſtuͤcke, als Sammelw., od. gem. in der Mebrh. Ländereien; ländlich, Bw, 
1) f. landuͤblich, nur noch in dem Sprichw. ländlich, ſittlichz 2) gem. 
dem Lande, im Gegenſatz der Stadt, gemäß oder eigen, auf dem Lande 


Landauer — lang 13 


uͤblich, entg. ſtäbtiſch (ländliche Sitten, ein Ländliches Feft 2c.) 5 dad Landleben 
betreffend (ein ländliches Gedicht) 5 einfach, ungefünftelt (ein Ländliches Mahl); 
die Kandlichkeitz die Landfchaft, M. -en, 1) eine Abtheilung oder ein 
Bezirk eined Landes (fr. Provinz); 2) die Gefammtheit der Landftände eines 
Landes oder Bezirkes, aud deren Berfammlungshauß, Landſchaftshaus; 
3) eine laͤndliche Gegend, und ein Gemaͤlde, weldhed eine ſolche daritelltz 
daher der Landfchaftmaler, aud: der Landſchafter; die Landfchafts 
malerei; landſchaftlich, Bw., einer Landfchaft, d. i. einem Landesbezirk, 
eigen od. gehörig, darin einheimifch, fr. provinziell (das landſchaftliche Recht; 
die landſchaftliche Sprache; ein landfhaftlihes Wort, fr. Provinzialismus) 5 
die Landftände betreffend oder ihnen gehörig; Landſchaften, d. i. ländliche 
Gegenden u. deren Darſtellung, betreffend, od. dazu gehörig. 

Landauer, m., —s, M. w. E, (v. der Statt Landan), ein vierfißiger 
Kutſchwagen, deffen See fi in der Mitte theilen u. auseinanderfchlagen läſſt. 

Lander, w., M.-n (v. Ichnen, oberd. auch Iendenz daher Geländer), 
Landfch. f. eine Zaunftange, Latte; auch f. Stangenzaun, Geländer; daher 
landern od. ändern, ziel. Zw., f. mit einem Geländer od, Gehege verfehen. 

ländern, r. wohl ländlern (d. i. ländlich tanzen), ziellof. Bw. m. haben, 
landſch., fich langſam drehend im SKreife herumtanzen, verſch. v. dem ra⸗ 
ſcheren Walzen und Schleifen; der Laͤndler, -8, ein folder Tanz, auch 
länderifcher Tanz. 

lang, Bw., Comp. länger, Sup. längft, der laͤngſte 2% (goth. langs, 
altd, lang, lanc; engl. long; lat. longus) bezeichnet eig. 1) räumliche Aus— 
dehmung nad) einer Richtung und dient überh. a) zur Maßbeftimmung 
diefer Ausdehnung mit dem Acc, alt u. oberd, auch mit d. Gen. (einen Fuß 
od, eines Fußes lang; der Weg ift zwei Meilen lang 2.53 uf. hoch, z. B. 
N. ift fo lang, wie fein Bruder); bei Flächen od. Körpern, die nad) verſchie— 
denen Richtungen ausgedehnt find, bezeichnet lang die Richtung, welche die 
größte Ausdehnung hat, entg. breit (z. B. der Garten ift 100 Fuß Yang 
u. 50 breit); b) von verhältnifemäßig beträchtlicher Ausdehnung in diefer 
Richtung, entg. kur z (eine lange Straße, lange Haare, ein langer Hals, 
Lange Armel, ein langer Menſch, d. i. ein großerz ſprichw. etwas auf die lange 
Bank fchieben ; lange Finger machen; f, Banf, Fingerz ein Langes und Breites 
ſchwatzen u. dgl., d. i. ſehr umſtändlich); uneig. f. dünn, wäfferig (eine lange 
Brühe; vergl. kurz); auch f. zähe (der Wein wird lang, wenn er dick — 
2) zeitliche Ausdehnung, Zeitdauer, u. zwar überh. maßbeſtimmend G. B 
eine zwei Stunden lange Mufif) ; insbef, von verhältnifsmäßig beträchticher 
Dauer, lange während, entg. Eurz (3. B. eine lange Silbe, d. i. eine ge- 
dehnte, in der Silbenmeffung S 2 kurzen; eine lange Rede, ein langer Briefz 
ein langes Leben; die langen Winternächtez der längfte Tag; die lange 
Nacht, das große Verfühnungsfeft der Juden um Michaelis; die Zeit wird mir 
langz lange Weile (r. als Langeweile) Haben od. empfinden, d. i. das un 
angenehme Gefühl der leeren Zeitdauer; etwas für dielange Weile thun, 
d. i. zum Zeitvertreib, daher auch: etwas Unnüses, Überflüffiges; überfurgz 
od. lang, f. kurz; vor langen Sahren, d, i. vor vielen Sahren)5; — als Nw. 
oder vielmehr Bw. fteht lang (verfchieden v. lange, f. u.) nad} einem Acc. 
od. bisweilen Gen. 1) räumlich, landſch. gem. f. entlang, längs G. 8. 
die Straße lang, den Flufs lang gehen, x. entlang; der Länge lang hinfallen, 


14 | lang 


x, der Länge nah); 2) gew. zeitlich zur Bezeichnung einer Dauer während 
eined bemerften Zeitraumes, finnv, durch, hindurch (3. B. eine Stunde 
lang, zwei Zage lang, Jahre lang abmwefend fein 20,5; eine Bett Lang f, Zeit; 
mein Leben lang, gem, aud mein Lebelang, f. Leben; Lebens lang, 
gew, lebenslangs fo aud) fundenlang 2c,)5 — 3fes. der Langarm, wer 
lange Arme hat; langarmig, Bw, (3. B. der langarmige Affe); langath- 
mig, Bw., einen langen Uthem habend, oder erfordernd; der Langbart, 
Mensch od, Thier mit langem Barte, bef. eine Art Wels; das Langbeil, ein 
langes, fpis auslaufendes Beil der Stellmacher; das, od, von einer männl, 
Perfon auch der Langbein; langbeinig, Bw.; die Langbeinigkeitz die 
Langespe, (gemeine Espe); die Rangeweile, r. lange Weile (f. o,) od, 
Langweile (vergl, Kurzweil); langfingerig, Bw; der Langfuß, ein 
langer Fuß; ein Geſchöpf mit langen Füßen, bef. eine Art Infecten, und eine 
Urt Regenpfeiferz Steljentäufer, Dünnbein ꝛc.; langfüßig, Bw.; langge= 
gliedert, =gehalfet, =gelodt, =geöhrt, -geſchwaͤnzt = gefpist u. dat, 
Bw,, mit langen Gtiedern, langem Halfe 2c, verfehen; langhaarig, Bw.; 
der Langhals, ein Menſch od. Thier mit langem Halfe, 3. B. eine Art aus: 
ländiſcher Baumkletten; eine Art Enten; der Schlangenvogel zc,; langhaljig, 
Bw.; langhäandig, Bw.; langhin, Nw,, in die Länge fi) erſtreckend, finnv, 
weithin ; langjährig, Bw., lange, d, i, viele Jahre begreifend, viele Jahre 
"dauernd (Langjährige Erfahrung); der Langkreis, länglihe Kreislinie oder 
:flähe, Eirund; langlebig, Bw., lange lebend; langrund, Bw,, länglich 
rund, eirundz; die Langmuth (vergl. Muth), nachfichtsvolle, huldende Sefin: 
nung, ſinnv. Geduld; langmüthia, Bw., Langmuth befigend, beweifend; 
das Langohr, ein Thier mit langen Ohren, bef, der Efel; langöhrig, Bw.5 
langfchattig, Bw., einen langen Schatten werfend (langfdattige Völ— 
ker, in ben Ealten Erdſtrichen); der Kangfchläfer, die Langfchläferinn, wer 
Lange in ben Zag hinein ſchläft; die Langfchläferei, das lange Schlafen; der 
Langſchnabel, ein langer Schnabel; ein Thier mit langem Schnabel, 3. B. 
die Schnepfe; langfchnäbelig, Bw.z der Langſchub, f. v. w. Kegelfchub, 
Kegelbahn (f. d.), entg. Kurzſchubz der Langſchwanz, ein langer Schwanzz 
ein langgeſchwänztes Thier, bef. ein folhes Pferd, enta, Engländer; auch die 
Schwanzmeifes langſchwaͤnzig, Bw.; langfichtig, Bw., ſ. v. w. weit: 
ſichtigz langſilbig, Vw., aus einer langen Silbe od, aus langen Silben be: 
ſtehendz die Langfilbigkeitz das Langſtroh, Landw., langes, ungeknicktes 
Stroh, entg, Krummſtroh; der Langmwagen, Landw,, das lange Holz an 
einem Rüft: od, Bauerwagen, welches das Vorder- und Hintergeftell verbindet, 
Langbaum, = welle, ⸗wiede; die Langweile, oberd. r. f. das gew, Lange: 
weile, f. o. lange Weile; langweilen, untrb, Zw. 1) ziel, einen —, ihm 
Lange Weile verurfachenz 2) rückz. ſich —, lange Weile empfinden (fr, ennu- 
viren) langweilig, Bw., lange Weile verurſachend; überh, auf verdriekliche 
Art lange während; die Langweiligkeit; langwierig, Bw., lange während, 
ger, von unangenehmen od. doc ſchwierigen Dingen (Krankheit, Krieg, Arbeit); 
die Langwierigkeit, das Langwierigſein; — Ableit, lange, Nw, (verfch. 
von lang), Comp. länger, Sup. längft, (altd. lango, lange) 1) Nw. ber 
3eit, f.v.mw. lange Zeit (lange hernach, lange vorher ; lange warten ; ſprichw. 
was lange währt, wird gutz wie lange foll ich warten? fo lange bis... od. 
als 20.3 nur dicht. bisweilen abgek Lang, 3. B. fo lang hab’ ich geharrt; ich 


$ / lang 


kenne ihn länger, als du; je länger, je lieber; es hat am längften gewährt); 
2) als verftärkendes Nw., welche Anwendung unmittelbar aus der zeitlichen 
Bed, fließt (3. B. was zauberft du lange? wer wird erſt lange fragen ? u. dgl.), 
bef. bei Vergleihungen mit einer Verneinung verbunden f. bei weiten (z.B. er 
ift noch lange kein Schiller; er iſt lange nicht fo geſchickt, wie fein Bruder); in 
der Volksſpr. auch f. hinlänglich, genug (das ift lange gut für mid) 3 die 
Länge, M. -ı (niederd. Längde, engl. length) 1) räumliche Ausdehnung 
nach einer Richtung, ob. nach der Richtung, in weldyer eine Fläche od. 
ein Körper die größte Ausdehnung hat, entg. Breite, Dice (die Länge eines 
Weges meſſen; das Haus hat 60 Fuß in die Länge; ein Stück Holz in die Länge 
od. der Länge nad) fpalten) 5 Erdk. die Entfernung eined Drted von dem erften 
Mittagskreiſe nad Dften od. Weften (öftliche od. weftliche Länge) ; verhaͤltniſs⸗ 
maͤßig betraͤchtliche Ausdehnung, das Langſein, entg. Kürze (die Länge des 
Weges, des Halſes, feiner Haare ꝛc.) 3 2) zeitliche Ausdehnung, Zeitdauer 
überh., u. bef. beträchtliche Zeitdauer (die Länge der Zeit, einer Reife, einer 
Rede 2c.; etwas in die Länge ziehen, d. i. verzögern; indie Länge od. auf 
die Länge, d. i. bei längerer Dauer, mit der Zeit); 3) ein langer Körper, 
3. B. ein ſchmaler Fifch aus dem Dorſch-Geſchlecht, au Langfiſch, Laͤng— 
ling 20,5 niederd. ein langes Seil od. Tau; dad Laͤngenmaß, Linienmaß, entg. 
Flächen- und Körpermaß; auch. ein zur Längenmeflung dienender wirklicher, 
oder gedachter Mafftab (z. B. Elle, Fuß, Zoll 3 Meile rc); langen, Zw., 
4) ziellos m. haben, landſch. f. lang oder länger werden (die Tage langen) 3 
gew. fich der Länge nach erftrecken, wohin reichen (das Kleid langt bis auf 
die Fuße); uneig. dem Werthe, der Güte, der Menge nach reichen, aus— 
langen, ausfommen (das Geld langt nicht weit 3 od. mit dem Gelde langt man 
nicht weitz das Tuch langt nicht zum Node z vergl. hinlänglic)) 3 in engerer Bed. 
mit ausgeftrecfter Hand an etwas reichen, (ich kann nit fo weit langen; 
in die Schüffel langen); auch die Hand nad) etwas ausſtrecken (das Kind 
langt nach dem Regenbogen) 5 uneig. mit dem Gemuͤthe nach etwas trachten, 
verlangen („langen und bangen’); 2) ziel. etwas —, mit audgeftreckter 
Hand nehmen u, darreihen (lange mir den Hut vom Nagel) landſch. überh. 
f. holen; langen, ziel. Zw. (altd. lengan, lengen) in die Länge dehnen, 
ftrecfen (die Bäder längen den Zeig mit dem Längeholz, im Bergbau längt man 
eine Grube, wenn man fie in die Länge fortfegt), gew. verlängen, verlängern; 
der Kängerling, - ed, M. -e, eine Art länglicher Klapperaͤpfel; länglich, 
Bw., ein wenig lang, etwas mehr lang ald breit (ein längliches Viereck, fr. 
Oblongum); langlichrund, Bw., eirund (fr. oval); langfam, Bw. u. Nw. 
(das althochd. lancsam bed. lange dauernd, ewigz unferlangfam ift entft, 
aus dem althochd. lancseime, mittelhodyd. lanksaene, v. seine, träge, ſäumig 3 
vergl. ſäumen), überh. fich träge bewegend, in verhaͤltniſsmaͤßig beträchte 
licher Zeit wenig bewirkend, vollendend, ſinnv. gemach, faumig, entg. ſchnell, 
geſchwind, hurtig, (langfam gehen, effen, arbeiten; ein langfamer Menſch; 
ein langfamer Kopf, der ſchwer begreift) 5 die Langfamfeit, das Langfam= 
fein; lang, Vw. (nicht zu verwechfeln mit Yängft), der Länge nad) an 
einem Gegenftande hin, f. v, w. entlang, mit dem Ben. od. Dat. (längs 
des Fluſſes od. dem Fluffe, längs der Mauer hingehen 2c.); laͤngſt „Nw. (eig. 
Sup. von Lange), vor ſehr langer Zeit, feit langer Zeit (das habe ich längſt 
gewufit); langftens, Nw., auf das längfte, fpäteftens (ich erwarte ihn 
längftens in vierzehn Tagen). x —— 


16 Zanfe — Rappen ’ 


Lanfe, w., M. -n (altd. lancha, lanke, bef. ende; vergl, das franz. 
longe u, Flanke) landſch. f. Seite, 3. B. Fiſch. bie Seite bed Waffers, wo ge- 
fifcgt werden darf; bef, die Seite des Bauches, die Weiche; auch f. Lende, 
Schenkel eines Thieres, ; 

anne, w., M.-n, landſch. f. Gabeldeichfel. 

Lanfte, m., -en, M. - en (wahrſch. von Lehn) in Schleswig ein Bauer, 
der fein Gut zu Lehn befist, entg. Bonde, 

Lanze, w., M.-n (griech. Roy lat, lancea, franz. u, engl, lance; 
von celt, Stamm, entfpr, dem franz, lancer, werfen); ein Spieß, insbef, ein 
langer und ſchwerer Spieß od, Speer, defien ſich ehem, die Ritter im Kriege 
und in Turnieren bedienten, (eine Lanze mit Jemand brechen, uneig, f, fich mit 
ihm in einen Streit einlaſſen); auch ein Spieß der Jäger bei der Schweinsjagd, 
und der Wallfifchfänger; Bildh,, eine Art Spatel zum Formen in weichen 
Marten; — 3feg. dad Lanzenfeft, ein Feft in der röm. Kirche zum Andenken 
an bie Lanze, mit welcher Chrifti Seite durchftochen wurde, der Speerfreitag; 
der Lanzenfifch, eine Art Ktippfifch 5 lanzenförmig, Bw. 5 der Lanzenfnecht, 
Lanzenträger eines Ritters (verſch. Landsknecht); das Lanzenkraut, eine Art 
des Frauenhaares in Surinam (adianthum lancea L.); der Lanzenfchwin- 
ger; dad Lanzenfpiel, = fiechen, Zurnier ; der Lanzenftich, = wurf u; — 
Ableit. der Lanzener, —s, Neuw., wer eine Lanze führt, mit einer Lanze 
ftreitet; die Lanzette, Verkl. mit fremdartiger Endung (franz, lancette), ein 
Kleines zweifchneidiges Werkzeug der Wundärzte, das Laſseiſen. 

lapp, Bw., landſch. gem, f. ſchlaff (vergl, Laff); der Lapp od, Lappe, N, 
M.-ın, gem, f. Laffe, alberner Menſch; oberd, ein Blödfinnigerz die 
Lapperei, M. -en, ſcherzh. auch mit fremdartiger Endung Lappalie, M, -n, 
verächtl, f. eine unbedeutende, geringfügige Sache, Kleinigkeit, Albern= 
heitz laͤppiſch, Bw., einem Lappen oder Laffen ähnlich oder angemeffen, 
albern, Findifch. 

Lappen, m., -8, M. w. E., Verkl. dad Laͤppchen, (altd, lappa, 
engl, u. dän, lap, ſchwed. lapp; von dem vorftehenden lappz vergl, d, griech, 
Aoßög, Acipos; Lippe, Lumpen 26), überh. ein fchlaff herabhangendes 
biegfames Stück ohne beftimmte Geftalt, 3. B. der Ohrlappen od, gew, dad 
Ohrlaͤppchen, die Lappen der Hunde, d, i. die herabhangenden Ohren; die 
Lappen der Leber; das Bartläppden am Hühnerjchnabels Fleiſch., dünne 
Stüde Fleifh aus dem Bauche des Rindviehs gehadtz landſch. f. Kaldaunen; 
Pflanz., herabhangende Pflanzentgeiles in engerer Bed. ein Stuͤck Tuch, Lein— 
wand ıc, von unbeftimmter Öeftalt, 3. B. Wiſch-, Waſch-, Flicklappen 2.5 
oberd. auch Stuͤcke Leder zum Ausbeffern der Schuhe, Flecke; be. aud) zer= 
riffene Stücke Zeugd, Kleider u. dgl., ſinnv. Lumpen, Hadern 5 Jäg./ſchmale 
Streifen Leinwand (Tuchlappen) od. Federn (Federlappen), an eine lange 
Schnur befeftigt, um das Wild abzufchreden (ein Wild geht durch die Lappen, 
wenn es deffenungeachtet durchſetzt; daher uneig. durch dietappengehen 
f. entwifchen, entfommen); uneig. Schloſſ., der viereckige Theil eines Thürban— 
des, welcher in das Holz getrieben wird; — Zfes. die Kappenfchnede, das 
Lapphorn, verfchiedene Schnedenarten mit hervorragender Lippe; dad Lapp⸗ 
jagen, eine Jagd, wobei der Jagdbezirk mit Lappen umftellt ift; das Lapp⸗ 
reis, Jäg., dünne Stangen zum Aufſtellen der Federlappen; die Lappitatt, 
Jäg., ein mit Lappen umftellter Bezirk; — Ableit. lappen, ziel. Zw., ee 

dur 


lappern — Laſche 17 


durch aufgeſetzte Lappen ausbeſſern, flicken; der Lapper, —s, wer lappt, 
Flicker (Schuh-, Keſſellapper 2c.); lappicht, Bw., einem Lappen ähnlich, 
ſchlaff und weich; lappig, Bw., Lappen habend, daraus beſtehend (ein 
lappiges Blatt). 

laͤppern, Zw. 1) ziellos m. Haben (oberd. auch lappen, läppeln; 
vergl. Lippe u. das lat. libare), landſch., mit der Zunge trinken, wie der 
Bund; ſchluͤrfen; in Fleinen Zügen trinken, nippen ; uneig. in Fleinen Theis 
Yen ſich allmählich anhäufen (es läppert fi zufammen ; vergl. verkippern) ; 
daher die Laͤpperſchuld, gem. f. eine allmählich angewachſene Schuld; 2) ziel., 
landſch. f. in Tropfen befprengen, befprigen (den Garten). 

Lärche, w., M.-n, od. der Larchenbaum, (andſch. au Lär-, Löhrs 
baum 2c.; engl. larch, griech. Aagı$, lat. larix), ein Nadelholzjbaum mit 
dicker, braunrother Rinde, herunterhangenden Aften und vielen quaftformig aus 
einer Scheide wachfenden Nadeln, aud) Brechtanne, Roth, Schönbaum ze. 
genannt ; daher: das Lärchenharz, =holz, der Kärchenzapfen ; der Laͤrchen— 
ſchwamm, an Läürchenſtämmen wachfender ſchwarzer od. weißliher Schwamm. 

Lärm, m., -ed, od. der Lärmen, -8, M. ungebr. (v. d. ital. all’arme, 
zu den Waffen! franz. alarme, engl. alarmz niederd. u, dan. Larm), eig. 
Yauter Aufruf od. Aufforderung zu den Waffen durch Trommeln, Trompe— 
ten 2c. (Lärm ſchlagen, altd. lerman slahen; Lärm blafen), auch Auffor— 
derung zur Hilfe bei Feuers- 0d, fonftiger Gefahr (Feuerlärm 2c.) ; in weis 
terer Bed, der dabei entftchende mit verworrenem Gefchrei und Geräufch 
verbundene Volks = Auflauf, finnv. Getümmel (fr. Tumult; blinder Lärm, f. 
blind); überh, lautes, verworrened Geraͤuſch, finnv, Getdfe (fpielende Kinder 
machen Lärm) 3 große Unruhe, lauter Zank, Streit; uneig. lautes Gerede, 
großes Auffehenz der Larmbläfer, -macher; die Lärmente, eine laut 
fehnatternde Entenart, Schnatter:, Schnarr: Entez die Laͤrmglocke, Sturm- 
glode; dad Laͤrmzeichen ꝛc.3 laͤrmen, ziellof, Zw, m. haben, Lärm, d, i. 
lautes Geraͤuſch machen, finnv, toben; laut zanken, fchelten, ſchreien; der 
Laͤrmer, -5, die Lärmerinn. 

Larve 1. w., M.-n, Verkl. dad Laͤrochen, (v, d. lat, larva), ein 
geformted hohles Menfchengeficht, von dem übrigen Körper abgefondert, bef. 
ein ſolches, welches man zur Verftellung feines wahren Gefidhts vor demfelben 
befeftigt, finnv, Madfe, ehem, Mumme (daher uneig, eine Larve vornehmen 
f. ſich verftellen; bie Larve ablegen, 8, i, fic) in feiner wahren Geftalt zeigenz 
einem bie Larve abziehen, vergl, entlarven)z; uneig, verächtl. f. das wirkliche 
Geficht feiner bloßen Form nad) (fie ifb eitel auf ihre hübſche Larve); ferner 
ein mifägeftalteted Geſicht, Schreckbild, gefpenftifche Erfeheinung ; Natur, 
ein noch unvollfommmes, der Berwandlung untermworfenes (alfo feine voll: 
kommnere Geftalt gleichjam noch verhüullendes) Inſect (die Raupe ift die Larve 
des Schmetterlings); der Larvenball, =tanz, das Larvenſpiel ꝛc. ſ. v. w. 
Maskenball, Mummereiz die Larvenblume, Pflanzen mit rahenförmigen 
Blumen, deren beide Einſchnitte dicht zufammenfchliegenz die Larvenſchnecke, 
eine Art afhgrauer Mondfchneden, s 

Larve 2. w., M. -n (auch Lorve, Lorfe) Jäg., eine Kerbe auf der Stell- 
ftange, in welche die obere Leine des Jagdzeuges gelegt wird; b. Vogelftellern 
ein geferbted Holz zur Befeftigung der Schlagſtecken. 

Laſche, w., M. -n (miederd, Laske, ſchwed. Jaska; v. dem isländ. laska, 


Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 2 


18 | lafchen — laſſen 


zerreißenz vergl, d. lat, Jacinia), ein Feil= od. zwickelfoͤrmiger Zeugftreifen, 


an Kleidungsftücden angefestz auch f, Tafchenflappe, Patte; Schuhm,, ein 
vierecfiges Stück Leder, weldies an das Oberleder der Schuhe angefegt wirdz 
“Zimmerl, ein Einfchnitt zum Zufammenfügen des Bau- od, Zimmerholzes; 
laſchen 1. , ziel. 3w., mit Laſchen verfehen (einen Schuh); durch Laſchen 
zufammenfügen Gauholz) 3 die Lafchung. 
lafchen ?2., ziel. Zw, (engl, lasb, slash; landſch. au) Ealafchen) gem, f. 
derb prügeln, bef. mit ledernen Riemen Rn einer Peitſche. 
Lafe, w., Mn (oberd, Lofe, Loskanne, Laffe) landſch., ein bauchiges 
irdened Gefäß mit Henkel und Dille (Waffer:, Bier, Weinlafe), 
Lafiter, m., -8 (verderbt aus sal nitri ; bſtr. Saliter) oberd. f. Salpeter. 
laf$, Bw., Comp. lafjer, Sup. laffelt, (altd, laz v, lazan, lezan, nieberd, 
fetten, aufpalten, hemmen; angelf. lat, engl. lazy; vergl. lest; lat. lassus, 
franz. las) ohne Kräfte oder Ihätigkeitstrieb, ſinnv. matt, fchlaff, müde, 
träge, faul; daher die Lafsheit, felten f. Trägheit, Schlaffheitz Läflig, 
Bw., Lafsheit empfindend und zeigend, träge, gemächlich (Bist. Läffige Hand 
macht arm); die Läffigkeit, das Läffigfein, die Trägheit. 
Laſsduͤnkel, m. (von undeutlicher Abftammung), vlt. f. großer Dünkel, 
hohe Meinung von fid) felbft. 
WLaſſe, m., -n, M.-n (mittl. Tat. lassus, niederd. Lätz wahrfe,. v. 
laſſen „d. i. frei laſſen, der Leibeigenſchaft gegen einen Zins entlaſſen) landſch., 
eine Urt ziuspflichtiger Unterthanen; auch der Laſsbauer; daher das Laſs— 
gut (niederd. Lätgood)z der Laſsherr, Grundherr eines ſolchen Gutes; der 
Laſszins; laſspflichtig, Bw.z Die Laſsbank, der Gerichtshof der Laſſen, 
aus einem Laſsrichter und mehren Laſs fchöpyen beftehend. 
laflen, 3w. (altd. lazan, lazen, abgef. lan ; Impf. liaz ; liez od. lie; Mw. 
lazen, lan; goth. letan; niederd. laten, dän. lade, engl. ler; franz. laisser, 
ital. lasciare; vergl. los u. d. lat. laxare), ablaut. du läflelt (gem. läſſt), 
er laͤſſtz Imper. laſs; Impf. ließ, Conj. ließe; Mw. gelaffen; bed. überh. 
a) fih) unthätig od. leidend verhalten, nicht thun, unterlaffenz; daher nicht 
hindern oder aufhalten, einen Huftand uicht jfüren, eine Bewegung oder 
Tätigkeit nicht hemmen, fie befördern; daher b) erlauben, geftatten, 
zulaffen; c) veranlaffen od. veranftalten, bewirken, anordnen od. befehlen, 
dafs etwas gefchieht z insbef. fteht es 1) ziel. mit dem Acc. inder Bed. a) 
3. B. lafs das; lafs das Tadeln; fein Thun und Laffen (d. i. Unterlaffen) ; lajs 
mid) in Ruhe oder zufrieden; eine Sache laffen, wie fie ift; die Thür offen 
laffen, den Acer wüſt —; auch f. liegen laffen zurück =, übrig laffen, » B. 
wo haft du das Buch gelaffen ? man hat uns nichts gelaſſen; daher auch f. raͤum⸗ 
lich unterbringen (vergl. Gelafs), z. B. feine Schäge nicht laffen können; uneig. 
id) weiß meine Freude nicht zu laffen, od. ich weiß mich vor Freude, vor Schmerz 
u, dal. nicht zu laſſen; überh. f. anbringen, verwenden, 3. B. wo haft du 
das viele Geld gelaffen? d. i. wozu haft du es verwendet ?; ferner alt u. dicht. 
f. verlaffen (ic) laſſe dich nicht); ablaffen, abjtehen (iellos: von feiner Mei- 
nung laffen); hingeben, aufopfern (fein Leben für Semand Laffen), uͤberlaſſen 
(dem Pferde den Zügel laſſen; um ben Preis Tann ich die Waare nicht Laffen) 5 
die Bewegung einer Sache nicht hindern oder fie befördern (Wein aus dem 
Faſſe —, d. 1. fließen laſſenz Blut, zur Aber —; fein Waffer laffen, d. i. harnen; 
Jemand herein ober hinaus —; ihn vor ſich —, von fich laffen 2c.); in der 


u 


laffen 19 


Bed. b) erlauben, geftatten, vergonnen, z. B. laſs mir Zeit; einem den 
Vorzug laffen 20.5 — 2) in Verbindung mit einem Infinitiv, inder Bed. 
a) 3. B. etwas geſchehen laſſen (d. i. nicht hindern); Iemand gehen laſſen; laſs 
mich machen; das Feuer ausgehen —, etwas fallen, fahren, liegen laffen; einen 
Vogel fliegen laffen 5 laſs es gut fein; etwas fein oder bleiben laſſen, d. i. es 
unterlaffenz; oft bloß umfhreibend, 3.8. fi etwas einfallen od. 
träumen laffen (das habe ich mir nicht träumen laffen, d. i. das hat mir 
nicht geträumt); bef. zur Umfchreibung des Paffivs, z. B. ih habe mir 
fagen laffen ac. (d. i. mir ift gefagt worden, man hat mir gefagt); in ber 
Bed. b) 3. B. laſs dich belehren, tröften ze. 3 laſs dir nichts einreden (d. i. laſs 
nicht zu oder geftatte nit, dafs 2c.)5 ich laſſe mich nicht täuſchen, er läſſt fich 
feine Mühe verdrießen; lafd ihn nur fommen (d. i. mag er kommen); laſs 
ihn nur älter werden (d. i. warte fein Älterwerden ab); auch umfhreibend 
für die erfte Derfon des Imperativs mit auffordernder Kraft, 3. B. laſs 
uns gehen, laffet uns beten u. dgl., d. i. wir wollen gehen 20.5 und rückz. 
zur Bezeihnung einer pafjiven Fähigkeit od. Möglichkeit, z.B. Holz 
läſſt fich nicht dehnen (d. i. kann nicht gedehnt werden), ein Buch, das ſich leſen 
läfit (ein lesbares Buch); das läſſt ſich nicht thunz das läſſt fich denken; davon 
läſſt fid) viel fagenz; die Gründe Lafjen fich Hören (verdienen gehört zu werden) 5 
inber Bed. c) veranlaffen, den Grund der Möglichkeit oder Waheſchein— 
lichfeit enthalten (3. B. die Verhältnifje laffen Krieg vermutben ; fein Betragen 
läſſt mic) hoffen, d. i. veranlafft mich zu hoffen 2c.)5 veranftalten, bewirken, 
anordnen, dafd etwas gefchieht (Waaren od. Sachen kommen od. holen laſſenz 
ein Riefe läſſt fich fehenz die Sängerinn ließ fi; hören; Gott läſſt die Sonne 
feinen; ein Kind taufen —, ein Buch druden —, ein Kind etwas lernen laffenz 
lafs es mich wiſſen; laſs ihn nichts merken). — Wird Laffen mit einem In: 
finitiv verbunden, fo fteht ſowohl der perfünliche Gegenftand im Accuf., 
welcher als das Ziel wort (Object) von Lafjen betrachtet werden Eann (3. B. 
lafs mic) gehen, d. i. hindere mich nicht, zu gehen; ich ließ den Schüler leſen, 
d. i. ich veranlafite ihn, zu leſen; er lich mid) wiffen, dafs zc,), als auch der 
Gegenftand, weldher das Ziel wort des hinzugefügten Infinitivs ift, in 
welchem Falle ein doppelter Acc, ftehen kann (z.B. er ließ mich den Brief leſenz 
er ließ mich feinen Zorn fühlen u. dgl.); bei diefer zwiefacdhen Abhängigkeit des 
Acc., einerfeitd von laffen, andrerfeitö von dem hinzugefügten Inf. werden 
Säge, wie „er ließ mic) rufen‘ (d. i. er hinderte mich nicht, zu rufen, ließ zu, 
dafs ich rief; oder: er veranftaltete, dafs man mich rief), „er ließ mich ſtrafen“ 
(d. i. er veranlafjte, beauftragte mic, zu ſtrafen; od. er veranftaltete, dafs 
ich geftraft wurde) zweideutig und beffer durch einen vollftändigeren Ausdruck 
erſetzt; — im Dativ ſteht nur ein als Zweckwort (Zerminativ) von dem 
mit la ſſen verbundenen Infinitiv abhängiger perfönlicher Gegenftand (z. B. 
er ließ mir fagen, d. i. er veranftaltete, dafs mir gefagt wurde; verjch. er ließ 
mic) fagen; er ließ mir das Geld auszahlen, d. i. er veranftaltete, dafs mir 
das Geld ausgezahlt wurde; hingegen: er lieg mid) das Geld auszahlen, d. i. 
er veranlafite mich, dafs ich das Geld auszahlte; fo auch: ich Laffe ihm (meinem. 
Sohne) ein Kleid machen; id) laffe ihn (den Schneider) ein Kleid machen; er 
ließ mir den Brief vorleſen; er ließ mich den Brief vorlefen 2c.). — Statt des 
Mw. geluffen fteht in ver Verbindung mit einem Inf, dem Sprachgebrauche 
gemäß in den umfchriebenen Beitformen der Juf. Laffen (vergl, dürfen, Eönnen, 


x 2% 


20 Lafsgut — Luft 


mögen 26.5 z. B. er hat mich kommen Laffen ft. gelaffenz er hatte mie 
fagen Taffen, ſich bei mir melden Laffen 2c.). — 3) laffen, als ziellof, 
unp, od, doch nur in der Sten Perfon von Sachen gebrauchtes Zw, (vielleicht von 
eignem Stamme, verw. mit Antlig 5 ſchwed. lita, angelf, wlitan, fehen ; isländ, 
laeta, ſich ftelen), gem., beſ. niederd, f, ein gewiffes Anfehen haben, aus— 
fehen, ſich ausnehmen (es läſſt gut, ſchön 2c.)5 auch mit dem Da t, der Per: 
fon, ſ. v. w.»ftehen, Eleiden (wie läſſt mir diefer Anzug? felbft der Zorn Läfft 
ihr Schön), — 3fes. das Lafsbeden, die Lafsbinde, Becken, Binde zum 
Aderlaſs; das Lafseifen, Aderlafeeifen, Schnäpper, Lanzette; der Lafskopf, 
ſ. v. w. Schröpffopfz das Laſsreis, Forſtw., |. v. w. Hegereis; die Lafs= 
fünde, in der röm. Kirche eine erläſsliche, geringe Sünde, entg. Todſünde5 
der Lafszapfen, landſch. f. die Zapfröhre eines Fafjes, der Hahn; — Ableit, 
laͤſslich, Bw., oberd. f. erläfälich, was erlaffen werden Fann (eine läſsliche 
Sünde); die Lafslichkeit. 

Lafsgut, =herr, srichter, =fehöppe, =zin3, laſspflichtig, ſ. unter Laſſe. 

Lafsheit, Yaffig, Laͤſſigkeit, f. unter laſs. 

Loft, w. (alt u, oberd. auch m.), M,-en, (iöl, hlass, dan, u, ſchwed. 
last; von laden), überh, was aufgeladen ift, getragen wird; insbef, 1) etwas 
Schweres, Druͤckendes, finnv, Bürde, Ladung (Efel tragen große Eaftens 
die Laft eines Wagens, Schiffes 2c.); auch ald Gewichtmaß von beftimmter 
Schwere (eine Shiffslaft = 12 Tonnen od. 4000 Pfundz eine Laft Ge— 
treide, in verfchiedenen Gegenden von verfchiedenem Umfange, in Hamburg 
— 3 Wiöpel 30 Scheffel; landſch. auch ein Maß zu Fluffigkeiten: eine Laft 
Bier, Wein 20,5 aud) eine Laft Häringe, Salz, Steinfohlen 2c,5 in allen biefen 
Anwendungen bleibt La ft als Maßbeftimmung in der Mehrh, unverändert, z.B, 
acıt Laft Korn, Wein 20,75 auch eine unbeftimmte großg Menge od. Maffe 
(eine Laft Steine; uneig, eine Laft Schläge u, dal.) uneig, etwas Beſchwer— 
Yiched, Läftiges, ſchwere Verbindlichfeiten, Leiltungen, Abgaben u, dgl, 
(einem Andern Laften aufbürden; das Land hat viele Laften zu tragen ꝛe.)5 
2) ein hoher Grad der Schwere (der Stein hat eine große Laftz der Grund 
ift zu ſchwach für die Laft des Gebäudes), u. uneig. f. Befchwerlichkeit, laͤſtiger 
Druck, biew, mit dem Nebenbegriff der Menge (die Laft der Gefchäfte, der 
Jahre; viel Laft von etwas haben; des Zages Laft und Hige tragen; feine Bes 
fuche find mir zur Laft, d. i. läſtig; einem zur Laſt fallen, ſ. fallen; ſich 
ſelbſt zur Laft feinz einem etwas zur Laſt legen, d. i. ihm die Schuld aufs 
bürden, es ihm zum Vorwurf maden) 5; — 3fes. der Laſtbalken, Schiff. ger 
wiſſe Balken unter dem erften Verdeckez dad Laftholz, die gemeine Linde; 
laſtlos, Bw., ohne Laftz das Laflpferd, ein zum Lafttragen gebrauchtes 
Pferd; der Laftraum, untere Schiffraums; das Laſtſchiff, Schiff zur Fort 
Schaffung von Laften; das Laſtthier, ein Laften tragendes Thier; der Laſt— 
- träger, die Laftträgerinn, wer Laften trägt, eig. u, uneig.; das Laftvieh; 
der Laſtwagen, Frachtwagen ; — Ableit, laften, zielloſ. 3w, m. haben, 
Schwer drücken, einen hoben Grad von Schwere oder Beſchwerlichkeit ha— 
ben (Sand, Blei ꝛc. laften ſehr; fein Unglück laftet ſchwer auf ihm); auch f; 
zur Laft fallen (diefer Umftand Laftet am meiften auf ihmz fr. graviren); laſt⸗ 
bar, Bw., fähig und gefchieft Laften zu tragen (laftbare Thiere, d. i, Laft- 
thiere) 5; die Laftbarkeit; laſtig, Bw., Laft habend, führend, beladen ; die 
Laftigfeit, der Zuftand eines Schiffes, das Laften führt, und das Ge— 


Laftadie — Laterne 21 


wicht der Ladung, die e8 führen kann; laͤſtig, Bw., nur uneig., Beſchwerde 
verurfachend, fehr befchwerlich, druͤckend, zur Laſt fallend (ein Läftiges Ge- 
ſchäft; ein Läftiger Menſch); die Laͤſtigkeit, Befchwerlichkeit, 
Laſtadie, w., M. -n (ſchwed. lastage; v, d. mittl. lat. lastadium, lasta- 
gium , u. dieſes von Caft) in den Hafenplätzen der Oſtſee der Landungsplatz 
der Schiffe, wo Waaren aus= und eingeladen werden, 

Laftbalken, laftbar, laften, f. unter Laft. 

Lafter, f., -8, M. w. E. (altd. lastar, laster; v. d. goth, laian, lahan, 
island, la, angelf. leahan, ſchmähen) alt u. oberd. f. Schimpf, Beſchim— 
pfung, Schande, Schmach (daher; läftern, ſ. w)5 ferner was befchimpft, 
vd. Schande macht: grobes Vergehen, grobe Unfittlichkeit, ſinnv. Sünde, 
Verbrechen 5 gew. die herrfchende Neigung zum Böfen, u. beſ. zu einzelnen 
unfittlichen Handlungen, finnv. Untugend, Fehler (das Lafter des Trunkes 
u, dal.) 3 — 3fes. der Lafterfnecht, wer Laftern fröhnt; das Laſterleben; 
der Laſterſtein, landſch,, ein Stein, auf welchen Verbrecher öffentlich ausge- 
ftelt werden, Schandftein; die Laſterthat; laſtervoll, Bw,; — Ableit. 
lafterhaft, Bw., zu Laftern geneigt, Lafter uͤbend, Laftern ergeben (ein 
laſterhafter Menfch, ein lafterhaftes Lebenz die Lafterhaftigkeit, das Lafter- 
haftſein; laͤſterlich, Nw. u. Bw., 1) einem Lafter ähnlich od. damit ver— 
bunden, f[handlih, abfheulih, fündhaft (ein Läfterliches Leben führen); 
2) einer Laͤſterung ähnlich, laͤſternd (Läfterfiche Reden führen); laͤſtern, ziel. 
3w, (altd. lastaron, lastron, lasteren), ſchmaͤhen, ſchimpfen, ſchaͤnden; 
insbeſ. vorfäglich der Wahrheit zumider Andere grober Vergehungen be= 
ſchuldigen od. überh. Nachtheiliged von ihnen fagen, ſinnv. verunglimpfen, 
verleumbden, anſchwärzen (Gott läſtern; auch ziellos: er Läftert gern; auf Se- 
mand läſtern) ehem, auch überh, f. tadeln, Fehler bemerken; u. f, verun— 
ftalten, verftümmeln; daher: der Läflerer, die Läſtrerinn, mer gern 
läftert, ſinnv. Verleumder; die Läſterung, das Läftern, u. die Laͤſterrede 
u, deren Inhalt felbftz die Laftergefchichte, Schand-, Klatſchgeſchichte 3 
das Läftermaul, eine Läfternde Perfonz die Läfterrede, =fchrift (fr. Pas- 
- quill)3 die Lafterfchuie, uneig. ein Ort, eine Gefellfhaft, wo geläftert wird z 
die Läſterſucht; läfterfüchtig, Bw. ; die Läfterzunge, f. v. w. Läftermauf, 

Laftholz, laftig, läſtig ac. — Laſtwagen, f. unter Laft. 

lateinifch, Bw., u. als Nw. auch abgek. latein (altd, latin, lat. latinum), 
zum alten Latium gehörig, dort einheimifch, daher Fommend, altrömifch 
(die lateinische Sprache; Schiff. lateiniſche Segel, d. i. dreiedige) 5 bei. die altz _ 
römifche Sprache betreffend, derfelben eigen, gemäß, in Iateinifcher 
Sprache (ein lateiniſcher Ausdruck; er fpriht, fehreibt Lateinifh od. Yateinz 
Iateinifhe Küche, ſcherzh. f. Avothele); das Latein, -8, die Tateinifche 
Sprache (ein flieendes Latein fchreiben); der Lateiner, Die Lateinerinn, 
Bewohner des alten Latium; wer die lateinifche Sprache verſteht. 

Laterne, w., M.-n, Bert. dad Laternchen, (aus d. lat. laterna), 
ein durchfichtiged od. durchſcheinendes Lichtbchältnifs zum Leuchten, eine 
Leuchte (Blend, Hand, Straßen, Stall: Laterne 2c.) 5 uneig. ein blecherner, 
an den Seiten offener Aufſatz auf Schornſteinen, um zu verhindern, dafs 
der Wind den Rauch zurücktreibtz ein durchfichtiges Thuͤrmchen auf einer 
Kuppel; gem, ſcherzh. f. Kopf (etwas in der Laterne haben, d. i. beraufcht fein); 
auch ein Fiſch: die Meerſchwalbe; eine Art dünnfchaliger Scheidenmuͤ— 


22 latſchen — lau 


ſcheln; die Bläffe eines Pferdes, wenn fie weiter geht als die Nafez der La— 
ternenträger, ein Menſch od. ein Pfahl u, dgl., welder eine Laterne trägtz 
ein amerifan, großes Inſect mit einem blafenartigen Jeuchtenden Körper am 
Kopfe, 

latſchen, ziellof, 3w, m. Haben (landſch. auch Letfhen, Loifchen), gem. f, 
nachlaͤſſig und fchlaff einhergehen mit fchleppenden od, auf dem Boden hin: 
ftreifenden Füßen, bef. in weit ausgetretenen Schuhen oder Pantoffeln, finnv, 
ſchlarfen; der Lätſch, —es, od. Lätſchel, —s, landſch. gem,, ein nach— 
laͤſſiger, ſchlaffer Menſch; die Latſche, M. -n, gem, f, alte niedergetre— 
tene Schuhe od. Pantoffeln, auch Schlarfen genannt; plumpe wollene 
Troddelſchuhe GBärlatſchen); niedr. f. eine unordentliche und unreinliche 
weibliche Perſon; latſchig, Bw., gem., latſchend, von ſchleppendem Gang; 
überh. f. nachlaͤſſig, unordentlich; landſch. vom Wetter f. Aa Mo naſs, 
kothig, niederd, ſchlackerigz auch f. weich, weichlich; die Latſchigkeit; — 
der Latſchfuß, das Latſchbein, auf dem Boden hinſtreifender Fuß 3. B. 
des Bürenz aud) ein latſchig gehender Menſchz eine Art Tauben, auch Latſch— 

tauben genannt; latjchfüßig, »beinig, Bw. 

Latte, w., M.-n (altd, latta; franz, latte; engl, lath), eine lange, 
dünne, meift vierecfige Stange, 3. B. zu Geländern, Dächern (Dadjlatten, 
f. Dach) u, dgl, 3 Forftw, ein junger ſchlank aufgefchoffener Baum; landſch. 
f. Reis, junger Baumzweig; uneig, gem, f, einen ſchlanken, hageren Men: 
ſchen; die Lattenfifcherei, landſch. f. Angel- od, Ruthenfiſchereiʒ der Latten— 
od. Lattnagel, große eiſerne Nägel mit kleinen Köpfen zum Feſtnageln der 
Dachlatten; dad Lattenwerk, allerlei Latten durch einander; die ſämmtlichen 
Latten eines Daches; der Lattenzaun ꝛc.; — latten, ziel, Zw., mit Latten 
verſehen (ein Dach); die Lattung. 

Lattich, r. als Pattig, m., —es, M. (von mehren Arten) -e (aus d. 
lat, lactuca, franz, laitue, engl, lettice; niederd, auch Lätfche), der Gars 
tenfalatz daher der Lattichſamen ꝛc. 

Latwerge, w., M. -n (aus d, lat, electuarium, griech. dxAeıyuardguor), 
ein Dickſaft, Saftmud, zu diem Brei eingefohter Kräuterfaft als Arznei: 
mittel, . 

Lab, m., - 08, M. Laͤtze; Verkl. dad Lachen, (wohl verw, mit Lafche 
u. d. lat. lacinia), ein den Oberleib bedecfendes Stleidungsftuck ohne Armel 
für beide Geſchlechter, ſ. v. w. Brufttudy, Leibchen, vergl, Bruſtlatzz beim 
weibl, Geſchlecht ein über der Schnurbruft befefligtes, unten fpis zulaufendes 
Bruſtſtuͤck; auch die obere die Bruft bedediende Klappe an den Schuͤrzen; 
die Klappe vorn an den Beinkfleidern (Hofenlas). 

lau, Bw, (altd, IJao, läw, lab, angelf, hliw, ſchwed. 1y; vergl, flau), 
in geringem Grade warm, mild warn, bef, von Slüffigkeiten (laues Waffer, 

laue Luft); uneig. f, matt, fchlaff, wenig Lebhaftigfeit zeigend, Faltfinnig, 
gleichgültig (laue Freundfchaftz einen lau empfangen, behandeln ꝛc.) 3 — 
3fes. lnublütig, Bw., laues Blut habend (fr. phlegmatifh) 3 die Laublütige 
keit; laugläubig, Bw., gleihgültig im Glauben (fr. indiffevent); die Lau— 
gläubigkeitz der Laufinn, Gleihgüttigkeit, Kaltfinn; laufinnig, Bw; 
laumarm, Bw., ſ. v, w. lau in eig. Bed,; — Ableit, lauen, ziellof, Zw. 


s 


m. haben, (oberd, läuen, läunen, nieberd, lünen; isländ, hla; holl, lauwen), 


tandfch, f, lau fein od, werden; thauen, aufthauenz daher oberd, die Läue, 


Laub — Laube 23 
ſchweiz. Lauin, gew. die Lauwine od, Lawine, M.-n, in Hochgebirgen 
eine von den Bergen herabſtuͤrzende, im Herabrollen ſich immer mehr ver- 
grögernde Schneemaffe, (Schneelawine: Wind, Staub, Schlag: od, Grund— 
lawine); die Lauheit od. Lauigteit, dad Laufein, die laue Befchaffenheit, 
eig. u, uneigeʒ laulich, Bw., ein wenig lau, kaum lauz die Laulichkeit ; 
der Lauling, -ed, M.-e, Neuw., ein lauer, gleichgültiger Menſch (fe, 
Indifferentiſt). 

Laub, ſ., — es, o. M, (altd. Ioup; goth. Iaubs, lauf; engl. leaf, Btattz 
niederd. Loof, ſchwed, 1öfz vergl. Laube) Sammelw,, die Blätter der Bäume 
und Sträucher, insbef, des fogen, Laubholzes, entg. den Nadeln des Naber- 
holzes, (das Laub fat abz Eichen-, Linden-, Weinlaub 2c,)3 alt u. oberd, 

auch f, ein einzelnes Blatt, M. Lauber (altd. Joubir); uneig. laubähnliche 
Verzierungen, 3. B. in der deutfchen Karte die grüne Farbe (daher: das 
Laubdaus, der Laubkbnig, zober zc.)5 Forftw., die Zeit, wo die 
Bäume fich neu befauben, daher f. Fahr (der Schlag fteht im dritten, vier: 
ten 2c. Laube) 3 Landfch. der Antheil an der Benusung eines Waldes (ein Gut 
hat das ganze Laub 26,)5 — 3feg. der Laubbaum; dad Laubdachz der 
Lauhfall, Forftw., das Abfallen des Laubes, u. die Herbftzeitz der Laubfink, 
Dompfaffez die Kaubflechte, laubähnliche Flechte; der Laubfroſch, ein Kleiner 
apfelgrüner Froſch, der ſich gern unter dem Laube auf Bäumen aufhält, Baum: 
feofch 5 gem. Fpöttifch f. Jäger; der Laubgang; das Laubgehänge, = gewinde 
(fr. Fefton); das Laubgewölbe; das Laubholz, mit eigentlichen Blättern 
bekleidete Büume u. Sträuder, z. U. v Nadelholzz das Laubhuhn, Birkhuhns 
die Kaubhütte, eine mit belaubten Zweigen bedeckte Hütte, veral. u. Lauber— 
hütte; der Laubkäfer ‚, auf dem Laube lebender Käfer, beſ. f. Mai-, Iohan: 
nis-, und Goldfäfer; laublos, Bm. unbelaubt; das Laubmoos, Pflanz., 
Moofe mit großen flach liegenden Blättern meift ohne Stengel; der Laubraufch, 
oberd., der rothe Brand an den Bäumen; laubreich, Bw.; die Laubrolle, 
Buchb., eine Rolle zum Aufdrucken laubahnlicher Terzierungen auf Bücherbände; 
der Kaubroft, der Brand des Weinſtockes; die Laubrüft, f. u. Lauberhütte; 
die Laubſäge, Handw. u. Künftl., eine feine Säge zum Ausfägen Taubähnlicher 
Zierathen; die Laubftreu, Laub,’ als Streu für das Vieh benustz der Paub- 
thaler, ein franzdf, Thaler, 14 Thaler an Werth (bon dem darauf geprägten 
Laubkranze); dad Kaubvögelchen, der Weidenzeifig, eine Art Wedelfhwanzz 
der Laubwald; das Laubwerf, Mal., das nachgebilbete Faub der Bäume; 
allerlei laubähnliche Zierathen; — v. der alten M. Lauber (fi 0.): dad Lau— 
berblatt, öfter. f. Baumblattz dad Kauberhuhn, landſch. f. Zinshuhn; Die 
Lauberhütte, landſch. f. Laubhütte (f. 0.)5 bef. die Laubhütten der Juden bei 
ihrem Erntefeft im Herbſte; daher: das Lauberhüttenfeit, bibl. das Feft der 
Laubhütten od, der Laubrüftz der Lauberzug, Schloſſ., ein laubähnlicher Bie- 
rath; — Ableit. lauben, Zw. (altd. louben), alt u. dicht. 1) ziellos m. 
haben, Laub befommenz 2) ziel, f. belauben; u, f. entlauben, des Raubes 
berauben ; laubicht, Bw,, laubaͤhnlich; laubig, Bw,, mit Laub verfehen, 
belaubt, 

Laube, w., M. -n (altd, louba; niederd. Eve; nicht von Laub, aber 
mit diefem von gleihem Stamme, welcher decken bedeutet; vergl, d. goth, 
hlaiw, Grab; hlija, Hüttez hlifan, heimlich thun, griech, »Adrro), urfpr, 
überh, ein bedeckter Raum, Gemach; insbef, landſch. ein Schoppen; eine 


24 Lauben — laufen 


bedeckte od, uͤberbaute, am den Seiten offene Halle, VBorhalle, Vorhaus; 
ein offener auf Säulen ruhender Saal; oberd, und fhweiz, ein Aufßerer 
bedecfter Gang (Gallerie) um das obere Stockwerk eines Bauerhaufes; gem, 
eine mit grünen Gewaͤchſen, Bäumen, Sträuchern ꝛe. umzogene bedeckte 
Hütte in Gärten zc,, grüne Laube; der Laubengang, ein Gang zwifchen 
dichten Bäumen oder Sträuchern, die ein Laubendad) bilden; auch ein bedeckter 
Gang an Häufern (f. 0,)5 der Laubenſtrauch, ein Pflanzengejchleht, der 
Hundswinde ähnlichz laubicht, Bw,, einer Laube ahnlich, 

Lauben, m., -8, M. mw. €, (dfte, die Laube), der Weißfifch, 

lauben, laubig; auberhütte, Laubfall ꝛc. — Laubwerk, f. Laub, 

Lauch, m, -ed, M. (von mehren Arten) -e, (altd, louch, nieberd, 
Loof, engl, leek, dan, log; urfpr, wahrſch. Gartengewächs u. Gewächs überh, 5 
vergl. d. ſchwed. Iök, griech. Auyavorv), ein zu den Zwiebelgemächfen gehö= 
rendes Pflanzengefchlecht von mehren Arten: Knoblaud), Berg-, Gras-, 
Hohl:, Schnittlauch, gemeiner od, Äſchlauch, fait alle von flüchtigem, durch— 
dringendem Geruch und Gefhmad und als Küchengewürz gebraucht; in engerer 
Bed, der zahme od. fpanifche Lauch mit kugelrunder Dolde (fr, Porree); der 
Lauchapfel, ein weißgelblicher, weinfäuerlicher Apfel; dad Lauchgras, eine 
Art Rispengras; die Rauchfarbe, die gelbgrüne Farbe des Lauches; daher " 
lauchfarben od. =farbig, lauchgruͤn, Bw.; das Läuchel, -3, eine Art 
Lauch in ven Wäldern des nördl, Europa’s, 

Lauer, m, -8, , M. (altd, lura; lat, lora ; landſch. auch Laur, Glaur, 
Lorke 2c.), ein geringed Getränk, welches man erhält, indem man auf die 
ausgeprefiten Ereftern Waffer gießt, fie noch einmal prefit u, den Ablauf gähren 
läſſtz auch Lauerwein, Nachwein, Trefter= od, Treberwein, Waſſermoſt 
2c, genannt. 

lauern, ziellof, Bw, m, haben (niederd, luren, ſchwed. lura, engl. Iurkz 
verw, mit d. oberd, loſen, luſen, laufihen), mit Verlangen und gefpannter 
Yufmerffamfeit auf etwas warten, ed durch das Gehör od, Gefiht wahr— 
zunehmen hoffen (auf etwas od, einen —) 5 bef, einem heimlich od, hinterliftig 
aufpaffen, nachftellen, vergl, auflauern, belauern; die Lauer, o. M,, dab 
Lauern, Aufpaffen, die Nachitellung, gew, nur: auf der Lauer fein, 
ftehen 20,5 der Lauerer od, Laurer, - 8, wer lauert; die Lauergrube, eine 
Grube, worin man dem Wild auflauert, 

laufen‘, ziellof, 3w. m, fein, nur in einzelnen Fällen m. haben, (altd, 
hloufan, loufan; goth, hlaupan, niederd. lopen, ſchwed. löpa, dan, lobe; 
engl, leap, fpringen), ablaut, du läuft, er läuft (oberd, auch: laufft, 
Läuft); Imper. lauf; Impf. lief, Conj. liefez Mw. gelaufen (oberd. gem, 
geloffen); 1) eig. mittelft befchleunigter Bervegung der Füße ſich fort= 
bewegen, verſch. gehen, fpringen, finnv, vennen, (mit einem in die Wette 
laufen; lauf, was du kannſt); bisw, auch f. gehen ohne den Begriff der be 
ſchleunigten Bewegung (3. B. das Kind lernt laufen; der lahme Hund kann nicht 
Yaufen) ; in diefen Bed, nur dann m, haben, wenn die Thätigkeit des Laufens 
felbft der Zweck ift u, die Fähigkeit od, Geſchicklichkeit des Laufenden, bezeichnet 
werden fol (z. B. das Kind hat vor feiner Krankheit ſchon gelaufen ; der Schnell: 
Läufer hat heute gelaufen u, dgl.) 3 landſch. gem. (4. B. in Berlin) überh. f. 
gehen, dagegen ft. Laufen „rennen“ gefagt wird; bisw. in Verbindung mit 
einem Accuf. zur Bezeihnung des Raumes, den man durchläuft, u. der 


laufen 25 


Zeit, die man laufend zubringt (feine Straße, feinen Weg —3 einen ganzen 
Tag laufen), u, zur Bezeichnung der Urt und Weife des Laufen: (dad Pferd 
Läuft einen guten Trab; Sturm laufen, ſ. Sturm)z ferner ziel, od, rüdz 
mit einem beiwbrtlichen Zuſatze zur Bezeichnung eines Zuftandes, in melden 
man fic durch das Laufen verfest, m. haben (id; habe mir die Füße wund 
gelaufen; er hat fi müde, außer Athem gelaufen u, dgl.); in weiterem Sinne 
u, befonderer uneig, Anwendung: verächtl. f. oft u. viel gehen (er Läuft in bie 
Spiel- und Trinkhäuſer), einen Ort od. Zuftand fchnell verändern (aus dem 
Dienfte laufen) 5 fliehen, entfliehen, davonlaufen (der Feind lief); einen lau= 
fen laffen, gem, f. fih um ihm nicht befümmern, nichts mit ihm zu thun haben 
wollep ; nach etwad —, fich eifrig darum bemühen od, bewerben; Gefahr —, 
in Gefahr gerathenz Jäg. f. fich begatten von Hunden und Dachſen (der Hund 
hat gelaufen); Bergw. alö ziel, Zw. laufend oder ſchnell von der Stelle 
fchaffen (Erze laufen, d, i, in Lauffarren fortfchaffen) 5 2) uneig, von leblofen 
und unfinnlihen Dingen: überh, f. fi) bewegen (die Erde läuft um die Sonnez 
Schiff. ein Segel laufen lafjen, d, i, es durch Löfen der Taue niederfallen laffen 3 
laufendes Tauwerk, d, i. bewegliches, nicht befeftigtes); auch von der Zeit 
(das laufende Sahr, d, i. das noch in der Bewegung begriffene, das gegenwär— 
tige; der laufende Monat 2c,5 fo auch: die laufenden Geſchäfte u, dgl., d. i, die 
gangbaren, regelmäßig fortdauernden)3 insbeſ. f. fließen (der Schweiß, die 
Thränen laufen über das Gefiht), Fluͤſſigkeit von ſich laffen, 'hervordringen 
laffen, m. Haben (die Augen laufen ihm; ein Gefäß läuft, wenn es leck iftz 
ein Licht, wenn es abſchmilzt); zufammenlaufen, gerinnen (die Milch ift ge- 
Laufen)3 feine Richtung wohin nehmen (das Schiff läuft in den Hafenz der 
Zeig läuft in die Höhe, d. i, dehnt ſich aus, vergl, auflaufen; das Gebirge läuft 
von Weften nad) Often, d, is erſtreckt fi); daher wider etwas —, zuwider 
laufen, d. i, dagegen verftoßen, ftreiten (es Läuft wider den Anftand 2); auf 
etwas hinauslaufen (ſ. hinaus) ; — der Lauf, —es, M. Läufe, alt in eis 
nigen Bed, Läufte (v, der alt, Einheit louft, Lauft) 1) die Handlung des 
Raufens (ein Pferd im vollen Laufe); Jäg. f. Begattung der Thiere u. Begat- 
tungszeit, gew. die Caufzeitz ferner die Bewegung leblofer u. unfinnlicher 
Dinge (der Lauf der Geftirne, eines Stromes 2c, ; einer Sache freien Lauf laffenz 
ber Lauf der Zeitz im Laufe diefes Sahres, Monats 2c,, d. i. während dieſes 
Jahres 26.) 5 die im Fortgange der Zeit fich entwickelnde Reihe von Veraͤn— 
derungen (die Zeitläufte; der Lauf der Begebenheiten; mein Lebenslauf zc,), 
bef, fofern fie ald nothwendige in dem Weſen der Dinge gegründet find 
(der Lauf der Natur, der Dinge, der Welt); Tonk. auch f. Läufer, ſ. d.3 
2) das Werkzeug des Laufens, daher Jäg. die Beine aller vierfüßigen wil— 
den Thiere: Läufe od. Läuftez 3) dasjenige worin od. worauf ein Körper 
laͤuft; daher niederd, f. Fluſöbett; ein Brettergang, worauf eine Karre 
fortgefchoben wird; Jäg., der Platz, auf welchem das Wild beim Abjagen vor: 
laufen muß, Laufplatz; be, die eiferne Nöhre an Schiefgewehren, durch 
welche die Kugel Läuft; — 3fes, 9, laufen: die Laufbahn, eig, ein gebahnter 
Platz zum Wettlaufen, Rennbahn; gem, uneig, die Lebensweife, der Beruf, 
welchen man erwählt und verfolgt (fr, Garriere, z. B. die Laufbahn des Ges 
lehrten, des Gefhäftsmannes ꝛc.), und das ganze Leben alö eine Reihe zu durch. 
laufender Veränderungen betrachtet (er nähert fi) dem Ende feiner Laufbahn) 5 
das Laufband, ſ. v. w, Gängelbandz die Laufbank, der Laufftuhl oder 


26 laufen —* 
wagen, ein mit Rädern verſehenes Geſtell, worin Kinder gehen lernen; die 
Laufbohne, gemeine Bohne, die an Stangen in die Höhe läuftz daB Lauf— 
brett, Brett an der Buchdruderpreffe, auf welchem der Karren Läuft; die Lauf- 
brüde, ſchmale Brücke für Fußgänger z auch ein Brettergang für Karrenſchie— 
ber 20,5 der Laufburfche, ein Burfhe zum Ausſchicken; die Laufdohne, 
efchlinge, =jchneiße, Jäg., nah an der Erde aufgeftellte Dohnen zum Fange 
des Federwilds; das Lauffeuer, in eine lange Linie geftreutes und dann ange: 
zündetes Schießpulverz aud) das Abfeuern der einzelnen Gewehre einer Heerlinie 
in großer Geſchwindigkeit nach einander (daher fprichw, eine Nachricht verbreitet 
fi), wie ein Lauffeuer); der Lauffuß, zum Laufen dienender Fuß, z. U. v. 
Schwimmfuß; daß Laufgeld, Handw,, das einem verfchriebenen Gefellen ver: 
glitete Reiſegeldz landſch. auch f. Hand = oder Werbegeldz der Kaufgraben, 
Kriegsb,, Belagerungsgraben mit Bruftwehren verfehen, um ſich einem befa= 
gerten Orte ohne Gefahr zu nähern; der Raufhund, ein fchneller Jagdhund 
zum Verfolgen des angefayoffenen Wildes; aud) ein ftarker Sagdhund, welcher 
das Wild bis zur Ermüdung verfolgt (Parforce: Hund); das Laufjogen, ein 
Sagen mit Laufhunden, Renn-, Hetzjagen (Harforce: Sagd)z der Laufjunge, 


ſ. v. w. Laufburſche; der Laufkäfer, ein fehnell Yaufendes Käfergeſchlecht mit - 


borftenförmigen Fühlhernernz der Kauffarren, Bergw., Karren zum Fort: 
ſchaffen der Erze 2,5 die Kaufmagd, eine Magd zum Ausſchicken z der Lauf— 
pafs, ein Pafs für Semand, den man fortfgyict oder entläſſt; verachtl, einem 
den Laufpafs geben, d. i. ihm’ entlaffen, fortjagen; dad Lauffchießen, das 
Schießen eines im Laufe begriffenen Thieres, z. U, v. Flugſchießen z baher: der 
Lauffhüse; der Laufſchmied, landſch., ein herumziehender Dorfſchmied, 
entg. Wohnſchmied; der Laufftuhl, wagen, ſ. Laufbank; die Laufzeit, Be 
gattungszeit der Hunde, Dachſe, Bären 21,5 der Laufzirkel, ein Zirkel mit 
rechtwinklig gebogenen Spisen zur Erforſchung der Achfenpunfte der Welle eines 
Rades; — Ableit, die Laufel, M. -n, landſch. f. Laufdohne (ſ. o.)3 Zäg. 
auch die Spur der Hühner im Grafe und des Viehes um die Wälder; laufen, 
gew, läufeln od, läufern, ziel, 3w,, eig. auslaufen machen, gew. nur: 
Bohnen, Erbfen u, dal. —, aus den dürren Schalen brechend herausneh— 
men; der Läufer, -8, die Läuferinn, M. -en, (oberd, auch Laufer) 
1) eine Perfon, welche läuft_od, laufen Fann (er ift ein guter Läufer) z in en- 
gerer Bed, eigenthimlich gekleidete Bedienten, welche vor dem Wagen ihres 
Seren herlaufenz ehem, auch f, Eilbote u, überh, Fußbote (Botenläufer); im 
Schachfpiel zwei Figuren, welche uber die Ecken der Felder das ganze Schach— 
brett durchlaufen können; 2) ein ſchnell laufendes Ihier (dies Pferd ift ein 
guter Läufer); bibl, bei, f das Dromedar od, Lauffameelz Natur, eine Art 
Landfrabben; Spinnen, welche Feine Gewebe machen; Kaͤfer (f. Laufkäfer) ; 
b, Bogelftellern der auf dem Herd herumlaufende u, fingende abgerichtete Vogel 
(Caufervogel); Landw,, junge entwöhnte Schweine bis zur erften Beaut: 
tung35 3) ein Ieblofer beweglicher Körper, z. B. in Mühlen der obere ſich 
drehende Mühlfteinz der glatte Stein, mit welchem die Farbe auf dem Reib: 
fteine zerrieben wird; das bewegliche Blatt der Schere Ber Tuchbereiter z Schiff, 
Taue, welche über eine od. mehre Scheiben fahren und diefe zu einem Takel 2c, 
machen; gem, die Ranken der Erdbeeren 26,3 Tonk. eine Reihe nach der Ton 
leiter auf einander folgender Tone, weiche ſchnell nad) einander geſungen od, 
gefpielt werden; läufig, Bw,, einen gewiffen Lauf, eine Bewegung oder 


, 


Lauge — Laune ; 27 


Richtung habend, nur in Zſetz. wie gerab:, krumm-, beiz, weitläufigs auch 
f. geläufig; und f, läufiſch, Bw, von Thieren, bef, Hunden, den Trieb zur 
Begattung empfindend und aͤußernd; der Läufling, —es, Me, ein 
Neum, f, Flüchtling, Ausreißer, Lberläufer (fe. Deferteur), 

Lauge 1., w., M.-n, (altb, louga; niederd, Loge; poln, Tug ; engl, lie; 
lat, lix, verw. mit dem altnord. lauga, ſchwed. löga, waſchen, baden; 
vergl, flauen u, d, lat, lavare), ein mit einem Pflanzenſalze verſetztes und 
dadurch fcharf gemachted Waſſer; insbeſ. Waſſer, welches eine Zeitlang 
über Aſche geltanden und die darin befindlichen Salztheile in fic) aufgenommen 
hatz uneig. f. Schärfe, Strenge, beſ. f, beißender Tadel, fcharfer Ver— 
weiß; — Bes, die Laugenafche, ausgelaugte Afıhe; ie Taugenblume, 
ein Pflanzengefchlecht mit zufammengefesten Blumen; aud) f. gelbes Ruhrfrautz 
der Laugenkorb, ein grob geflohtener Korb, in welden man den Laugen= 
ſack od, dad Laugentuch, d. i. den mit Aſche gefüllten Sad legt, um das in 
Lauge zu verwandelnde Wafjer durchzufeihen; das Laugenfalz, aus Lauge ges 
zogenes Salz, Pottaſche, auch Pflanzenlaugenfalz z. U, v. dem mine: 
ralifhen Laugenfalze, welches aus dem Kochfalze u, mineraliihen Waf- 
fern gezogen wird; beide Arten heißen fenerbeftändige Laugenſalze, 
z. U,v,demflüchtigen Caugenfalze od, Ammoniak; — Ableit. laugen— 
haft od. laugicht, Bw,, f. v. mw. laugenartig, laugenähnlich; laugen, Zw., 
1) ziel. (oberd, laugnen), in Lauge einweichen, beuchen, niederd, büfen 
(Wäſche); mitteljt warmen Wafferd ausziehen (Salz aus der Aſche), aus— 
laugen; 2) ziellos, ein Faſs laugt, wenn es der darin enthaltenen Flüſſigkeit 
den friſchen men mittheilt, 

Lauge ?., w., M, -n (landfc, auch Laute, Lauwe, Laugele), oberd,, eine 
Art Weißfiſche. 

läugnen od, leugnen, ziel, Zw. (oberd. laugnen, niederd. Iögnen; goth. 
laugnjan; altd. Jougnan, —*5 — vergl. lügen), urſpr. verbergen, verhehlen; 
jetzt: fuͤr unwahr, unichtig, falfch erflären, finno, verneinen, (einen Sag, 
eine Folgerung); dad Dafein eines Gegenftandes verneinen (Bott läugnen) 5 
bef, der Wahrheit zuwider u, gegen fein befferes Wiſſen verneinen (er läug— 
net es gethan zu habenz der Verbrecher Küugnete Alles) ; der Läugner, - 8, die 
Läugnerinn, M. -en, mer laugnet (3, B. Gottestäugner); läugbar, Bw,, 
(0. laugen gebildet), was geläugnet werden Fannz entg, unläugbar; die 
Läugbarkeit. 

Laugold, ſ., (nicht von Tau, ſondern wahrſch. verw, mit laugen, läug— 
nen, fd, alfo f. Lauggold), oberd, f. falſches Gold, — Flitter⸗ 
gold; daher der Laugoldſchläger, Flitterfſchläger. 

Lauheit, Lauigkeit, laulich, Lauling, T. unter lau, 

Laune 1. 70, M. -n (nieberd, Lune; oberd der Laun; altd, lune, Zufall, 
Gefhie, v, einem alten Zw, liunan, lunun, widerfahren, ſich ereignen), überh, 
der veränderliche, ſchnell wechfelnde Gemuͤthszuſtand; die zufällige Ge— 
müthöltimmung u, deren Außerung (bei guter Laune fein; auch: guter, od, 
übler Laune ſein; Launen haben, d. i. fehnell wechfelnde, entgegengefeste Ge: 
mäthsftimmungen, finnv, Grillen; uneig. auch: die Launen des Glückes, des 
Schickſals); in engerer Bed, f. üble Laune, mirrifhe Gemuͤthsſtimmung 
(ee Hat heute feine Laune); und f. gute Laune, heitere Stimmung (feine Laune 
heiterte mich auf; er war gerade bei Laune ꝛc.); in den Redekünſten; die eigen: 


28 Laune — lauſchen 


thümliche Auffaſſungs- und Darſtellungsweiſe, wonach die Gegenſtände nicht 
ihrer eignen weſentlichen Natur, ſondern der zufälligen Gemüthsſtimmung des 
Darſtellenden gemäß erfcheinen (fr. Humor) ; — launen, zielloſ. Zw. m, h a— 
ben, landſch. f. Launen haben, launiſch feinz bef. oberd, f, muͤrriſch, ver— 
drießlich fein (niederd, lunen); launenhaft od, launifch (landſch. auch läu— 
niſch, niederd, lünek), Bw., Launen habend, won veränderlicher Gemuͤths— 
ſtimmung, bef, oft üble Laune habend; ſinnv. grillenhaft; verſch. launig, 
Bw., von heiterer, lebhafter, beweglicher Gemuͤthsſtimmung, gut gelaunt, 
ſcherzhaft (ein launiger Einfall; ein launiger Schriftſteller, fr, Humorift) 3 die 
Launenhaftigkeit; verſch. die Launigkeit. 

Laune ?., m, M.-n, im Mühlenbau: Balken, welde über den Doden 
des Mühlengerüftes liegen, 

Laus, w., M. Läufe; Verkl. dad Lauschen, (altd,, niederd, u, ſchwed. 
lus; engl. louse), eine Gattung Eleiner, Eriechender und mit Saugruͤſſeln 
verfehener Infecten, die fich auf lebendigen Ihieren aufhalten 3. B. Schafs, 
Hühner, Hundsläufe 2c.)5 in engerer Bed. die auf dem Körper unreinlicher 
Menfchen Iebenden Arten (Filz-, Kleider:, Kopflaus), vorzüglich die Kopfe 
laus; (ſprichw. gem. ſich eine Laus in den Pelz ſetzen, d. i. fich etwas Beſchwer— 
liches aufladen; die Laus läuft ihm über die Leber, d. i. er wird leicht unwillig ” 
und Hisig); von der Ahnlichkeit mit den Läufen auch einige andere Infectene 
Arten, 3. B. die Blattlaus, |. d.5 — fo wie das Thier felbft, jo gehört auch) 
der Namen nicht in gute Gefelfchaftz die Abteit. (f. u.) gehören der niedrigen 
Bolksfpr. anz fo auch die Bfeg. mit Laufe, 3. B. der Laufejunge (oberd. 
Lausbub), Kaufemichel ꝛc., niedrige Schimpfwörter; das Laufegold, verädtl., 
f. ſchlechtes, nichtönugiges Gold; der Laufewenzel, der ſchlechteſte Stangen: 
tabad von inländifhen Blättern, Keller; andere Zſetz. mit Laus od. gem. 
Läufe find: der Laͤuſe- od. Lausbaum, f. Elfebeere, deren Holz: Läuſe— 
holz; auch f. Heden= od. Zaunkirſche, (beide als Mittel gegen die Läufe); der 
Läufefanım, enger Kammz die Läuſekrankheit od. = fucht, eine Krankheit, 
bei welcher verdorbene Säfte und Unreinlicdykeit eine Menge Läufe erzeugen; das 
Läuſekraut, verfejiedene Pflanzen, welche die Läufe vertreiben follen, 3. B. eine 
Art Ritterfporn, defien Samen: Läuſeſamen; die Waldneffel; der gemeine 
Hahnenkamm; Kellerhald zc.; das Käufepulver, ein Pulver zur Tödtung der 
Läufe; die KLausfliege, ein zweiflügliges Infect, welches bef. die Pferde plagt, 
fliegende Pferdefaus; — Ableit. laufen, ziel. 3w., einen —, ihn von 
Läufen reinigen, ihm die Läufe abſuchen; niedr. f. züchtigen, unfanft zu— 
rechtweifen (vergl. Kolben, u. Kolbe 2.)5 einem den Beutel —, ibm fein Geld 
abnehmen, 3. B. im Spiele; der Lauſer, -$, die Kauferinn, M. -en, wer 
einen Andern Yaufetz uneig. niedr., ein ſchmutziger Menfch, Farger Filz; 
laauſig, Bw., Läufe habend; uneig. niede. f. ſchmutzig, gemein, verächtlic), 

filzig (ein laufiger Menfch) 5 gering, armfelig (ein laufiges Gefchent u, dal.). 
lauſchen, ziellof, Zw. m, haben (altd, hlosen; losen; fdjweiz, Loßen ; 
oberd. lofen, luſen, lauftern ; niederd, luftern, gluftern 5 altnord, hlusta; hlust, 
Ohr; engl, listen), 1) aufmerffam auf etwas hören, finnv, horchen , bef. 
mit Wohlbehagen (auf den Gefang, od. dicht. dem Gefange —)5 heimlich und 
verſteckt etwas beobachten, finno. lauern, vergl. belaufchen 5 2) alt u. landſch. 
f. unentfchloffen,, nachfinnend fein, der Nuhe pflegen (im Bette Laufchen) 5 
zögern, zaudern, träge fein (in dieſer Bed. gem. auch Laufenz daher der 


laut 29 


Lauſer, ein Zauderer; lauſigef. träge; oberd. die Ruſung, Muße, Ruhe: 
zeit; vergl. d. franz. loisir, engl. leisure); die Laufche, o. M., landſch. das 
Raufchen, u. der Ort, wo man lauſcht, ſ. v. w. Lauerz der Laufcher, -8, 
die Laufcherinn, M. -en, wer lauft, find. Horcher. 
laut, Bw. u. Nw., Comp. lauter, Sup. lauteft, (altd. blud, lut ; niederd, 
u. ſchwed. lut; engl. loudz; wohl verw. mit losen, lauſchen), hörbar, vers 
nehmlich, entg. ſtill (laut beten; laute Freude; etwas Laut werben Laffen, d. i, 
in Worten Außern); bef. ſtark ind Ohr fallend, ſtark fchallend, mit ftarfer 
Stimme, entg. leife (laut freien; mit lauter Stimme ausrufen 2c.) 5 lärmend, 
geräufchvoll (er ift ſehr lautz der laute Markt) 5 uneig. f. öffentlich, offen— 
bar, befannt (3. 3. man darf nicht laut davon fpredhens es ift laut geworden; 
ein lautes Geheimnifs); oberd. überh. f. ftarf in die Sinne fallend, 3. 8. 
ſtark ſchmeckend, riechendz fhön, glänzend (vergl. hell); — der Laut, — es, 
M.-e (altd. u. niederd. lut; dän. Iyd, ſchwed. 1jud), überh. alles dem Ohr 
Bernehmbare, Hörbare, jeder Schall, fofern er gehört wird (4. B. in der 
tiefen Stille der Naht vernahm man Feinen Laut; Jäg. f. Ton, 3. B. das Horn 
hat einen guten Laut); bef. jeder durch die Stimme eined Menfchen od, ei— 
ned Ihiered felbftthätig erzeugte Schall (Eeinen Laut von ſich geben); in 
engerer Bed. die gegliederten und bedeutfamen hörbaren Beltandtheile der 
menfchlichen Sprache: Sprachlaute; verfh. Ton, Klang (vergl. Gelbft:, 
Doppel:, Mit:, Empfindungslaut 2c.)3 oberd. auch f. Sinn od, Inhalt einer 
Rede oder Schrift (3. B. Briefe eines Lautes, d. i. desſelben Inhaltes; vergl. 
gleihlautend; nad) Laut eines Schreibens u. dgl.); daher: lauf, als Vw. mit 
dem Gen., einen Erkenntniß- oder Beweisgrund bezeichnend: nach dem 
Inhalte, finnv. zufolge, gemäß (laut feiner Ausfage, Laut des erhaltenen Be- 
fehles ac. 5; bisw. aud) mit d. Dat., wenn ein Hauptw, ohne Beftimmmort 
folgt, 3. B. laut Briefen, Berichten u. dgl.); — 3fes. lautlos, Bw., ohne 
Laut, ftil, ſtumm; die Lautloſigkeit; — Ableit. lautbar, Bw., ver= 
nehmlich, hörbar; mehren Menfchen bekannt, ruchtbar (in diefer Bed. viel: 
Veicht entft. aus leutbar, alt. liutpare, v. liut, Leute); die Lautbarkeit; 
lautig, Bw., einen Laut Habend, lautend, nur in Zfeg. wie hoch-, tiefz 
lautig; fautiren, ziellof. Zw. m. haben, Neum. mit fremdartiger Endung 
(vergl, buchftabiren), beim Lefenlernen die Buchftaben nicht nad) ihrem Namen, 
fondern nad) ihrem wirklichen Laute ausſprechen; — lauten, ziellof. 3m. m. 
haben, (altd, hludan, lutan; dan. lyde; ſchwed. ljuda), überh. laut wer= 
den, den Ohre vernehmlich werden, finno, ſchallen, tönen (mein Saitenfpiel 
foll lauten); gew. mit Beifuͤgung der Art und Weiſe ded Lautes, finnv. 
Elingen (mohl, übel, hell lauten 2c.) z in engerer Bed. von der menfchl. Stimme 
und Nedes einen bedeutfamen Laut habenz daher: in gewiffen Worten 
audgedrückt fein od, daraus beftehen (feine Rede lautete anders; die ffreitige 
Stelle lautet fo 2c,) 3 einen gewiffen Sinn od, Inhalt haben (feine Nachrich— 
ten lauten traurigz das lautet nicht fein, nicht anftündig, d. i. es verſtößt duch 
feinen Sinn gegen den Anftend); Ableit. der Lauter, -8, M. w. E., 
Neumw., dad Schriftzeichen fiir einen Sprachlaut, der Buchftabe; die 
‚Laute, M. -n (dän, u. ſchwed. lur; engl, lute; ital, Into; franz. luth), 
ein befaiteted Tonwerkzeug, defjen Saiten mit den Fingern geariffen werden 
(die Laute fpielen oder ſchlagen; ſprichw. er ſchickt fich dazu, wie der Efel zum 
Lautenfchlagen, d. i. er benimmt ſich höchſt ungeſchickt); uneig, eine Art Feigen: 


30 lauter — leben 


ſchnecken; bei Wollfärbern eine lange hölzerne Krüde zum Aufrühren der Farbez 
der Kautener od. Lautner, die Lautnerinn, aud; mit fremdartiger Endung: 
der Lauteniſt, die Lauteniftinn, ſ. v. w. Lautenfpieler, Lautenfpielerinn, 

Lautenſchläger 2.5 der Lautenmacher; das Laufenfpielz der Lauten— 
ton 2035 ziel. Zw, (das Factitioum von lautenz alt lüten, niederd. 

lüden z landſch. unr. ablaut, litt, gelitten f. lautete, geläutet), urſpr. 

überh, lauten machen, ertönen oder erfchallen Yaffen (Worte läuten; einen 

Befehl ausläuten, d. i, befannt machen); jest nur son Glocken u. Schellen: 
fie durch Schwingung ertönen laſſen (die Gloden läutenz auch: mit den 

Glocken oder Schellen läuten und bloß: läuten, 3. B, es wird ſchon geläutet, 

man läutet; ferner unp, es lautet f. e3 wird geläutet; daher gem, auch: die 

Glocke läutet f. wird geläutetz die Feuerglode lautete; r. wäre in dieſem 
Sinne: Lauten); durch Läuten etwas anzeigen (Feuer läutenz zür Kirche, 
zu Grabe — 26,)3 der Läufer, -8, wer die Glocken läutet, 

lauter, Bw, u, Nw,, Comp, Jauterer, Sup, lauterft, (altd, hluttar, Iuter; 
niederd, luterz; dan. u, ſchwed. lutter; wahrſch. verw, mit Licht, leuchten), alt 

u, oberd. f. hell, klar, durchfichtig (ein lauteres Glas, lauterer Wein; der 
(autere Stall, d, ti, dasjenige Stallen der Pferde, wenn das Wafjer fo 
wieder abgeht, wie es getrunfen worden); gem, unvermifcht, unverfälfcht, 
rein (lauteres Waffer, lauteres Gold ꝛc.); fo auch in fittlihem Verftande f. 
unverfälfcht, wahrhaft, aufrichtig (die lautere Wahrheit; die lautere Lehre; 
eine lautere Liebe); ferner lauter in der ungebeugten Form eines Nw. f. 
vollig, ganz, durchaus, nichts ald (3. B. es find lauter Lügen; lauter Ge: 
Thwäs5 fie ift lauter Lebenz es waren lauter junge Leute da); — Ableit, 
die Lauterkeit, das — eig, u, beſ. uneig., ſinnv. Reinheit (die Lau— 
terkeit ſeiner Geſinnungen; lauterlich, Nw., vlt. f, lauter; läutern, ziel, 
Zw., lauter machen, d. i. durchfichtig, hell, Elar machen (die Luft läutert 
fih; Forftw,, einen Wald läutern, ſ. v. w. lichten); daher uneig, f, Elar, deut— 
lich, verftändlich machen, vergl, erläutern; beſ. Rſpr. eine Erklärung oder 
Milderung eines dunkel oder unbillig feheinenden Urtheild von dem Richter ver- 
langen (die läuternde Parteiz mitt, lat. leuterare, daher gem, auch leuteri- 
ven); gew. von Fremdartigem befreien, reinigen (den Zuder, Branntwein, 
Metalle; Kürſchn. u, Weißgerb,, Zelle —, d. i. von Fett oder Kalk reinigen);5 
in ſittlichem Verftande: von Irrigem, Falſchem, Unreinem befreien u. da= 
durch veredeln (eine Lehre; die Liebe, die Leidenfhaften, Gefinnungen 2c. —)53 
die Läuferung ‚ das Läutern, eig. u, uneig,; der Läuterer, —s, wer etz 
was laͤutert, reinigt, veredelt; das Läuterfeuer, ein Feuer, worin z. B. 
Metalle geläutert werden; der Läuterkeffet, die Läuterkifte, apfanne; der 
Läuterofen; das Läutertuch ꝛc. 

lauwarm, Lauwine od. Lawine, ſ. unter lau, 

; Lavendel, m, -d, o. M, (mittl, lat, lavendula, ital, lavandola, franz, 
lavande), ein Pflanzengefchlecht mit wohleiehenden Blumen und Blättern, 
im füdl, Europa einheimifch; der gemeine Lavendel, die Spifez daher: das 
Lavendelwaffer, öl, der Lavendelgeiſt; dad Luvendelgras, gelbes Ruch— 
gras, ein angenehm riechendes Futtergras, 

le, oberd. verkieineende Endfilbe, abgek. aus lein, ſ. d., vergl. el (z. B 
Kindle, Hemdle u, dgl.). 
leben, zielloſ. zw. m. haben, (goth. liban, alt». lepen, leben ; nieberd. 





” 


leben 31 


Yewen, engl. live, ſchwed. lefva; verw. mit Leib, altd. lib, f. d. u, vergl. 
bleiben), die Fähigkeit der willkuͤrlichen Bewegung haben, belebt fein, 
von Menfchen u. Thieren, entg. leblos od. todt feinz daher überh. f. fich regen 
u. bewegen (es lebt Alles an ihm); uneig. aud) von leblofen Naturförpern f. 
fich bewegen, fließen (lebendes Waſſer, ein lebender Quell); in weiterer Bed. 
überh. mit inneren Gefäßen zum Wachſen und zur Entwickelung begabt 
(organifirt) und in diefer (organifchen) Entwicklung begriffen fein, von 
Pflanzen (diefer Baum lebt noch); in beftimmteren Anwendungen von Thieren, 
Menſchen und höheren Wefen: überh. f. dafein und wirfen (es lebt ein Gottz 
ſo wahr ich lebe! eine Betheuerungsformel) 5 uneig. auch von Sachen, Ei— 
genſchaften 2c.: in Kraft, Wirkſamkeit, Gebraud) fein (eine lebende Sprachez 
es lebt in ihm ein Heiliger Eifer); ferner dafein mit Beziehung auf die Zeita 
dauer, fortdauern (Lange leben; ber Menſch lebt kurze Zeit), auf den Ort 
wo, das Berhältnifs in welchem, die Art u. Weiſe wie man lebt, und 
zwar zunächft hinfichtfich des finnlichen Dafeind, des Unterhaltes, der aͤuße— 
ren Erfcheinung (die Fiſche leben im Waffer, die Vögel in der Luft; er Lebt auf 
dem Lande, bei Hofez fie leben in glustlicher Ehe; von eines Andern Gnade 
lebenz gutleben, d. i. mit allen Genüffen und Bequemlichkeiten; vornehm, 
groß —; armfelig, kümmerlich —z lebe wohl! gewöhnlicher Abſchiedsgruß; 
nichts zu leben haben, d. i. keinen Lebensunterhalt; er hat zu leben, d. i. 
er hat ſein Auskommen; Leben und leben laſſen, ſprichw. f. ſelbſt fein 
Leben genießen, aber auch Andere daran nicht hindern; dicht. auch: ein Leben 
leben); hinſichtlich der ſittlichen Lebend= und Handlungsweiſe, tes Beneh— 
mens ꝛc. (gut, ordentlich, rechtſchaffen —; in den Zag hinein leben, vergl. 
Tag; erweißzuleben, di. fi anftandig zu benehmen; einem zu Willen 
leben, d. i. nad) defien Willen feine Handlungen einrichten), des Lebenszweckes 
(für die Seinigen leben), auch mit dem Dat. (den Seinigen, ſeinem Berufe le— 
ben; ich lebe mir ſelbſt); mit dem Gen. f. von etwas erfüllt fein, es hegen 
(id) Lebe der Hoffnung, des Glaubens 2c.); — dad Leben, —s, M, (felten) 
w. &,, (altd. leben, u. gew. der lip ; vergl. Leib), die Fähigkeit der will- 
Fürlichen Bewegung, überh. Beweglichkeit, Bewegung (5. B. er ift lauter 
Leben; es ift Alles Leben an ihm u. dgl.), u. gem. f. Unruhe, Lärm (was ift 
dag für ein Leben ?); der Zuftand oder das wirkende Sein eines belebten, 
empfindenden Weſens, in weiterer Anwendung auch von Pflanzen (Pflanzen: 
leben), entg. Zod, (auf Leben und Tod, d. i. mit Gefahr des Lebens; bei mei— 
nem Leber, f. v. w. fo wahr ich lebe; für mein Leben gern, d. i. fo gern 
wie ich mein Leden habe; einem das Leben retten, nehmen, ſchenken; fein Leben 
daran fegen, wagen; ums Leben Eommen, f. kommen; am Leben ftrafen, d. i. 
zur Strafe das Leben nehmen; in diefem Leben, d. i. dem gegenwärtigen, 
irdifchen, entg. jenes Leben, d. i. das zukünftige, ewige), mit allen Neben— 
begriffen des Iw., z. B. Zeitdauer, Ausdehnung des Daſeins, Lebensdauer 
(Anfang, Ende des Lebens; das Leben vergeht; in meinem Leben, d. i. wäh— 
vend meines Lebens ; einem das Leben friften) 5 Lebenslage, = VBerhältnifs, Art 
und Weiſe ded Lebens (Land, Stadt:, Hofleben 2c.5 einem dag Leben ver: . 
bitten; ein vergnügtes Leben führen; ein ordentliches, tugendhaftes, ausſchwei— 
fendes Leben; fein Leben andern, beſſern; das bürgerliche, gemeine, Öffentliche, 
häusliche Leben 2c.)5 die Neihe der Veränderungen, Begebenheiten u. Hands 
lungen eined Menſchenlebens: Lebensgeſchichte u, = befchreibung (Semande 


32 leben 


Leben erzählen od. beſchreiben z Schiller's Leben u. dgl.) 5 uneig. ein Gegenſtand 
vorzüglicher Liebe, was man liebt, wie fein Leben (du bift mein Leben! Tanz 
u. Spiel ift fein Leben) ; in Kunſtwerken: die Naturtreue, Wahrheit, Leibhaf- 
tigkeit der Darftellung (ein Gemälde, ein Gedicht ec. hat Leben) 5 dicht. auch f. 
ein lebended Weſen (ein junges Leben; alles Leben wird Staub); in weiterer 
Bed. auch der gefunde u, empfindliche Theil an Ihier= und Pflanzenförpern, 
(den Huf bis auf das Leben auswirken, d. i. bis auf den fleifchigen heil des 
Pferdefußes; einen dürren Aft bis auf das Leben abfchneidenz daher: es geht od. 
dringt bis aufs Leben, d. i. ins Innerfte, durch Mark und Bein); — 3feb. 
von dem Bw. leben: dad Lebehoch, der Wunſch, dafs Semand hoch Iebe 
(vergl. hoch z einem ein Lebehoch bringenz fr. Vivat); der Kebemenfch, wer 
finntiche Genüffe über Alles liebt; der Kebetag, gem. Lebtag, nur in der M. 
Lebtage gebr. in Verbindung mit einem zueignenden Fürw. f. Lebenszeit, 
-dauer (z. B. ich habe ihn meine Lebtage (gew. abgek. mein Lebtag) 
nicht gefehen, d. i. in meinem ganzen Leben nicht) 5 das Lebewohl, der Wunſch 
wohl zu leben, der Abſchied (einem Lebewohl fagen); die Lebzeit, gem. nur 
in der M. die Lebzeiten, die Zeit u. Dauer des Lebens (bei meinen Lebzei- 
tem 20.)5 — dv. dem Hw. Leben: der Lebenerwecker, = geber u. dgl., dicht. 
f. Beleber, Schöpfer; dad Lebenlang, x. getrennt: das Leben lang, d. i. 
das ganze Leben hindurd) (mein ganzes Leben lang 5 vergl. Lang); der Lebens⸗ 
abend, dicht. f. das Alter; entg. Lebensmorgen f. Tugend; das Lebens⸗ 
alter, die verfchiedenen Lebensabſchnitte, od. Theile der Lebensdauer; die Le⸗ 
bensart, die Art u. Weife zu leben 1) in Anſehung der Nahrung, der Beſchäf— 
tigung, der äußeren Verhältniffe, der Bequemlichkeit 2c., in diefer Bed. gew. 
die Lebensweiſe; 2) in Anfehung der Sitten u. bef. des Betragens im ges 
felligen Leben (eine auöfchmweifende Lebensart; dies ift gegen die gute Lebensart) > 
insber. f. gute Lebensart, anftändiges Benchmen (er hat Lebensart, oder Feine 
Lebensart;) der Lebensbaum, ein immergrüner harziger Baum, deſſen Holz 
der Fäulnifs am längften widerftehen fol; der Kebensbefchreiber (fr. Bio: 
graph); die Lebensbefchreibung (fr. Biographie)s die Lebensdauer; die 
Lebenseiche, eine Art immergrüner Eichen in Virginien z das Lebensende; 
der Kebensfaden, bildl., die Lebensdauer unter dem Bilde eines Fadens bes 
trachtet (den Lebensfaden fpinnen, abſchneiden 2c.); dad Lebensfeuer, die Le— 
bensflamme, das Leben mit einem allmählich erlöfhenden Teuer verglichen; 
die Lebensfreude; der Lebensfrieden; die Lebensfriſche; lebensfroh, 
Bw.; die Kebensfülle, Fülle der Lebensträftes die Lebensgefahr, Gefahr, 
das Leben zu verlieren; lebensgefährlich, Bw. ; mit Lebensgefahr verbunden 5 
der Kebensgefährte, -genoſs; die Lebensgefährtinn, »genoffinnz; der 
Lebensgeiſt, die innere wirkende Urſache des Lebens; M, die Lebenögeis 
fter, ein vermeintlider feiner und flüffiger Stoff, welcher, im Gehirn erzeugt, 
ſich durch die Nerven im Körper verbreitet, Nervenfeftz der Lebensgenufsz 
die Lebensgeſchichte; die Lebensgluth, höchſte Wirkfamteit der Lebenskräfte; 
das Lebensgluͤck; lebensgroß, Bw., f. v. w. in Lebensgröße, d. i. in 
der Größe, die ein Gegenftand im Leben od. in der Wirklichkeit hat (ein lebens— 
großes Bildnifs od. ein Bildnifs in Lebensgröße); dad Lebensjahr, ein Jahr 
als Theil der Lebenszeit; die Rebendflugheit, die Kiugheit, deren man im 
gefelligen Leben bedarf; die Lebenskraft; lebenskräftig, Bw.; lebenslang 
od. Tebenslänglich, Ni. u. Bw., fo lange man lebt, das ganze Leben hindurch 


> 





leben 33 
dauernd; die Lebenslänge; der Lebenslauf, vergl, Lauf; die Lebenslehre 
(fr, Biologie, Zoonomie); das Kebenslicht, das Leben unter dem Bilde eines 
brennenden Lichtes betrachtet (einem das Lebenslicht ausblafen) ; die Lebensluft, 
zeine, brennftoffleere (fr. dephlogiftifiete) Luft, Sauerluftz die, Lebensluft; 
Vebensluftig, Bw.z das Lebensmittel, gew. M. die Lebensmittel, Alles, 
was zum Unterhalt des Lebens dient, Nahrungsmittel; lebensmuͤde, Bw, des 
Lebens Überbrüffigs der Lebensmuthz die Lebensoronung, regel; der 
Lebenspfad, =weg, bildl,, der Weg, auf welchem man durch das Leben wanz 
deit, Lebensgangz der Lebensplan; die Lebensreife, bildl., die Zurkefegung 
der Lebenszeit; der Lebensſaft, Nervenfaft 5 lebensfatt, Bw., ſ. v. w. lebene⸗ 
müde; die Lebensſtrafe, im Verluft des Lebens beftehende Strafe, Todes: 
ſtrafez der Lebenstag, ein Tag des Lebens; uneig. aud) f. das ganze Leben, 
feiner Kürze wegen als ein Tag betrachtet; der Lebensuͤberdruſs; der Le— 
bensunterhalt, die Erhaltung des Lebens, u, das dazu Erforderliche an Speife 
und Zranf; lebensvoll, Bw., mit Leben, 8, i, Lebenskraft erfüllt; Der Les 
benswandel, die fittliche Lebenöweife, das fittliche Verhalten, vergl, Wandels; 
die Lebenswärme, Wärme als Zeichen des thierifchen Lebens; das Lebens 
wafler, feiner Branntwein (fr, Aquavit); der Lebensweg, f. Lebenspfadz 
die Lebensweife, f. Lebensart; die Lebensweisheit, Weisheit, die ſich thä= 
tig im Leben außert und auf die Handlungen der Menfchen einwirktz lebens= 
wierig, Bw., durd) das ganze Leben während; dad Lebenszeichen; die Les 
benszeit, Dauer des Lebens; dad Lebensziel; — leblos, Bw., ohne Leben, 
finnv, todt (ein leblofer Körper); uneig. wenig Lebenskraft oder Lebhaftigkeit 
habend; die Lebloſigkeit; — Ableit, lebendig, Bw,, (altd, lEbendec 5 
erft feit der Mitte des 17ten Jahrh. mit abweichender Betonung auf der 2ten 
Silbe), Reben habend, finnv, lebend, belebt, entg. Leblos, todt (lebendige 
Geſchbpfe); auch von Öewächfen (lebendiges Holz, weldes, wenn es 
abgetrieben worden, wieder ausfhlägts einlebendiger Zaun, der aus grü— 
nenden Gewächfen befteht) 5 u. von leblofen Körpern: beweglich, fließend (le: 
bendiges Waffer, ein lebendiger Quell); Bewegung od. Gährung entwickelnd 
(lebendiger Kalk, d, i, ungelöjchter, entg. dem gelöfchten od, todten); uneig. 
aud lebenden Dingen beftehend, daran befindlih, od. darin gegrimdet 
(der lebendige Zehnte, welder in Thieren beftehtz ein lebendiger Beweis von 
etwas fein); Reben hervorbringend, belebend, wirkſam (eine lebendige Kraft z 
lebendige Erfenntnife 3 ein lebendiges Gefühl, d, i, ein wirkfames, den Willen 
belebendes); auch f. lebhaft, lebenskraͤftig, fehr regfam (eine lebendige Ein— 
bildungskraft; ein lebendiger Vortrag; er iſt lebendiger, als fie); die Leben— 
digkeit, das Lebendigſein, bef, auch uneig, ſinnv. Wirkſamkeit, Lebhaftig— 
feit, Regſamkeit; lebhaft, Bw., viel Leben, d, i. Lebenskraft- u, Bes 
wegung habend (ein Lebhaftes Kind, lebhafte Augen; lebhaft ſprechen; eine 
lebyafte Stadt, d, i. eine volfreihe und durch Verkehr belebte; ein Lebhafter 
Handel; ein lebhafter Verftand, der ſchnell begreift); uneig. viel Unfchauliche 
Feit habend (eine lethafte Schilderung, Schreibart u. dgl.; ſich etwas lebhaft 
vorftellen, denken); einen hohen Grad der inneren Stärke habend (eine leb⸗ 
bafte Farbe; eine lebhafte Empfindungs die Iebhaftefte Freude 2c.); die Lebs 
haftigkeit, das Lebhaftfein, in allen Bed,; lebig, Bw,, Leben habend, 
lebend, nur in Zſetz. wie lang=, kurz-, hartlebig; leblich, Bw., vlt. f. zum 
Leben dienlich (Lebliche Luft); u. f. lebhaft, belebt. | 


Heyfe’s Handwörterb, d. deutfchen Epr. 2. Theil, 3 


34 Leber — lechzen 


Leber, w., M.-n, Verkl. dad Leberchen, (altd, lebera; nieberd, 


Lower, dan, lever, ſchwed. kefver; angelf, Iyfer, engl. liver; verw, mit Lab, 
liefern, geliefeen 5 veral, d. griech, yreg), 1) ein Eingeweide im menſchl. u. 
thier, Körper, beſtehend in einer braͤunlich rothen drüfigen Maffe, melde 
unter dem Zwerchfeile in der Gegend der rechten Unterrippen lieat, und zur Ab: 
fonderung und Bereitung der Galle dient, daher ehem, ald Sit der Leiden— 
fchaften angefehen (von der Leber weg ſprechen, d. i. freimüthig, offenherzig, 


‚ohne Rückhalt) 5 uneig, etwas Leberfarbiged z. B. Arſenik-, Schwefelleber, 1. d,3 - 


2) Gwahrſch. von anderem Stamme, verw, mit d. franz. lever), alt u. landſch. 
f. eine Erhöhung, Hervorragung, insbef, öſtr. ein Örenzftein: Leber od, 
Leberſtein; — Zfetz. die Leberblume, eine Wiefenpflanze, gegen Leberver: 
ftopfungen gebraucht: Einblatt, Steinblume, weiße Leberblumez braune Le— 
berblume, f. v. w. Wiefenfnopf, Blutfrautz der Leberbrand, Entzün— 
dungskrankheit der Schafe, und des Rindviehs; leberbraun, Bw., ſ. v. w, 
leberfarben; der Leberbraune, oberd,, eine Art leberbrauner Weintraubenz 
die Keberdiftel, gemeine Sau: od. Günfediftel 5; Gänfezungez wilder Salatz 
die Leberentzuͤndung; das Kebererz, Bergw., ein Ieberfarbenes Federerzz 


ein dergl. Kupfer und Qxestfilber Erz 5 ein röthlicher Eifenftein, Leberſchlag; } 


die Reberfarbe ; leberfarben od. = farbig, Bw., röthlic) braun; der Lebers 
fifch, ein leberfarbener Klippfiſch; der Leberfled od, =fleden, ein leberbrauner 
Flecken auf der Hautz der Leberflufs, von Lederverftopfung herrührender 
Bauchfluſs; der Keberfuchs, ein leberfarbiges Pferd; der Keberkies, Bergw,, 
Bräunlicher Rupferkies; der Leberklee, eine Art des gemeinen Klees mit leber— 
farbenen Blumenz auch eine Pflanze mit dreiblättrigem rauhem Blumenkelch u, 
gew. blauen Blumenblättern, Güldenklee, Herzkraut, blaue Holzblume; Die 
Leberkrankheit; leberkrank, Bw,, und als Hw. ein Leberkranker 26,5 daB 
Leberkraut, f. v. w. Leberblumez Leberklee; Hirſchgünſel od, Wafferdeft 5 Leber: 
mo08 5 Pfefferkraut 20,5 der Keberlappen, verſchiedene lappichte Theile det Les 
ber; dad. Lebermoos, Moofe ohne Stengel mit großen, flach liegenden Blättern; 
bef, eine Art derfelben mit lappigen, ſchuppenweiſe über einander liegenden Blät— 
tern, fterhfbrmiges Lebermoos, Steinleberkrautz die Leberraufe, Mondraute, 
- Mondkrautz der Keberreim, eine Art Scherzgedichte, welche man ehem, bei 
feftlihen Mahlzeiten bei Gelegenheit der Hechtleber zu machen pflegtez der Les 
berſchwamm, ein auf Baumftämmen wachſender leberförmiger Schwamm, 
Nufs-, Blutſchwamm; der eberftein, f. Leber 2)5 die Keberverhärtung, 
everfiöpfungz; der Keberwurm, ein langer, flacher Eingeweidswurm in der 
Leber der Thierez die Leberwurft, Wurft von gehackter Leberz — Ableit, 
lebern (niederd, lewern), ziellof, u, rückz. Zw., landſch. f. laben, geliefern, 
gerinnen. 
Lebewohl, lebhaft, lebig, leblos, Lebtag, Lebzeiten, ſ. unter leben. 
Lebhonig, m. (wahrſch. von laben, verdicken; vergl, Leber, Laib, u, das 
Yat, libum), grober, gezeidelter, vermittelft eined Sackes ausgepreffter 
Honig, z. U. v. dem von felbft ausfließenden Honigſeimz daher: der Leb— 
tuchen, landſch. aud) Lebzelten, oberd, f. Honigkuchen, Pfefferkuchen z der 
Lebfüchler, = küchner, Lebkuchenbäder. 
lechzen, ziellof, Zw. m, haben (eig. das verft, oberd, lehen, lechnen; 
verw. mit Led, f. d., Loch; vergl, d, grich, Adoxo, Aazis), durch große Dürre 
od. Trockenheit Niffe bekommen (die Erde lechzt oder zerlechzt), bef, von hol: 


led — leden 35 


zernen Gefäßen, f. v. m, leck werden, lecken; durch) Öffnung des Mundes 
und fchnelles Athmen den höchften Grad von Durft zu erfennen geben; 
uneig. nach etmad —, heftiged Verlangen danad) empfinden und verra= 
then, im höchften Grade begierig fein, vergl, dürften, finnv, ſchmachten. 

leck, Bw. (hol, leck; oberd, lechz engl. leaky; altnord. leka, tröpfeln z 
altd, lecchjan, wäſſern; vergl. lechzen), von hölzernen Gefäßen, Schiffen zc, 
durch Zwifchenräume in den Fugen Flüffigkeit durchlaſſend (ein leckes Faſs; 
das Schiff wird Is); der led, -e8, M.-e, oberd, auch die Lecke (engl, 
leak), cin Zwifchenraum, ein Ritz, eine Spalte in einem hölzernen Gefäg, 
durch welche eine Flüffigfeit dringt; lecken 1. ziellof. Zw. (oberd. Yechen z 
ſchwed. läcka; vergl, lechzen), 4) m, fein, tropfenweife durch die Fugen 
eines Gefaͤßes dringen, ausrinnen (dev Wein ift aus dem Faſſe geleckt) 3 2) m,, 
haben, einer Flüffigfeit durch einen Leck Durchgang verftatten, rinnen 
(das Faſs, das Schiff leckt; uneig, landſch. ein Licht leckt f. fließt, läuft)s der 
Leckwein, f. v. w. Ausbruch z Tropf- oder Traufwein; das Leckwerk, in 
Salzſiedereien, die Anſtalt, wo man die Sohle durch Reisbündel-Schichten hin— 
durchlecken oder⸗trbpfeln läſſt, um fie zu reinigen, Gradirwerk. 

lecken 2., ſ. laͤckken; — lecken 3. zielloſ. und ziel, 3, (goth. laigon ; altd. 
lecchon; niederd. licken, engl, lick, griech, Aslyeıw; lat, lingere; franz, 


lecher), mit der Zunge über eine Fläche hinftreicyen (an etwas — 5 die Katze 


leckt ihre Pfoten); durch Lecken mit der Zunge in fich ziehen, auflecken (die 
Bären lecken gern Honig; der Hund leckt das Waffer), leckend reinigen oder 
leeren (Zeller lecken; ſich die Finger lecken; unzig. die Singer nad) etwas lecken, 
d, i. ſehr lüftern danach fein); gem, verächtl. f. haufig kuͤſſen; dicht, von der 
gleihfam zungelnden Flamme, wenn fie einen Gegenftand berührtz geleckt 
ald Bw, f. uͤbertrieben glatt u. fauber (ex ift, wie geleckt ein Gemälde heißt 
geleckt, wenn die Farben auf fteife und ängſtliche Art vertrieben find) z — 
Ableit, die Lede, M.-ın, Landw,, ein Trog oder Ort, wo man dem 
Rindvieh u. den Schafen Salz zu lecken giebt (Salzlecke) 3 der Leder, - &, 
die Leckerinn, M.-en, wer —8 vergl. Tellerlecker, Speichelleder; wer 
gern leckt, d, is naſcht oder Leckerbiſſen genießt, ein leckerhafter u; in wei: 
terer Bed, überh. ein finnlicher, genuſsſuͤchtiger Menſch; oberd. auch verächtl.f. 
Zunge; bef, die Zunge des Rindviche, u, (Jäg.) des Hirſches; — leder, Bw. 
(fchwed, lecker) 1) gern leckend, nur auögefucht wohlſchmeckende Speifen 
gern genießend, eigen in der Wahl der Speifen u, uneig, der Genuͤſſe uͤber— 
haupt (ein leckerer Menſch) 3 2) ausgefucht wohlfchmeckend (eine leckere Speifez 
fe. delicat) 5 daher: der Leckerbiſſen, verkl. das Kederbifschen, ein leerer 
Biffen, überh, eine fehr wohlfchmedende, mehr zum Genufs, als zur Sättigung 
dienende Speifez fo auch: das Leckereſſen, gericht; die Lederfpeife; das 
Ledermaul, gemein leerer Mund; ein leckerer Menſchz der Lederzahn, nur 
in der gem. Redensart: ſich ben Leckerzahn ausreißen, d. i, fich die Begierde nach 
Leckerbiſſen vergehen laſſen; leckerhaft, Bw,, nur nach den Genuffe des Reckeren 
begierig (ein leckerhafter Menſch; landſch. auch lecker ig) z feltner in der 2ten 


Bed, von lecker (eine leckerhafte Speiferz die Leckerhaftigkeit, dad Leckerhaft⸗ 


fein, die Begierde nach leckeren Speifen ; die Lederheit, felten f, das Lecker⸗ 


fein, die ausgeſuchte Schmackhaftigkeit einer Speiſe; leckern, ziellof, Zw. 
m.haben, gem, f.leckerhaft fein, nad) etwas, gierig verlangen; auch 
unp, es leckert mich danach; die Leckerei, 1) 0. M, dad Leckern, die Be— 


5 3* 


„36 Leder — Lee - 


gierde nach leckeren Sachen u. finnlihen Genüſſen überh.ʒ 2) M. Lecke⸗ 
reien, ſ. v. w. Leckerbiſſen. 

Leder, fi -5, M. w. ©. (altd, ledar, niederd, Ledder, ſchwed. läder; 
engl. leather; währe, verw, mit Lid, Dede, Kleidaıc,), gegerbie Thier⸗ 
haut (Rinds-, Kalb-, Schaf-, Rehleder zc,; ſprichw. aus Anderer Leer Rie— 
men ſchneiden, d. i. auf Anderer Koſten freigebig ſein) z niedr. verüchtl. f. Haut, 
Fell (einem das Leder gerben, d. i. ihn derb durchprügeln) 3 auch ein zugeſchnit— 
tenes Stück Leder, ein aus Leder verfertigtes Ding (Hapd-, Hutz, Ober: 
leder u, dgl,5; vom Leder ziehen, gem, f. den Degen aus der Scheide zie— 
hen; — Z3fetz. der Lederarbeiter, jeder in Leder arbeitende Handwerker z 
leverartig, Bw., lederähnlich, bef. in Anfehung der Feftigkeit und Zähigkeit z 
die Lederartigkeitz der Lederband, lederne Einband eines Buches; verfc, 
das Lederband, Riemenz der Keverbereiter, Gerber; die Kederbereitung z 
die Lederblume, Gewürzſtaude lederbraun, Bw., f. v. w. kaſtanienbraun z 
die Lederflechte, eine zähe, dicke Nabeiflehte; das Ledergras, Waffermoos 5 
der Lederhandel; der Lederhaͤndler; die Lederhandlung; der Kederhand- 
ſchuh, gew. lederner Handfhuhz die Lederhaut, die dickſte Schiät der Men: 
ſchenhautz die Lederhofe, lederne Hofez der Kederkäfer, der größte, ſchwarze 
Lauftäfer in Europa z die Lederkirſche, fpäte, ſchwarze Herzkirſche der Les” 
derleim, aus Lederabgängen gefochter Leim; der Lederſchwamm, ein Blät— 
terſchwamm mit fhwarzen Strunke; lederweich, Bw., weid, wie Leder (gem, 
einen lederweich fchlagen, d. i. derb abprügeln) 3 das Lederwerk, mehre aus 

Leder ®berfertigte Dinge, alles was an einem Dinge von Leder iftz der Leder 
wurm, eine Krankheit des Rindviehs, beftehend in Beulen unter der Kauf, 
in welchen fih eine Made ausbildet; der Lederzuder, mit Süßholzfaft und 
Eiweiß eingekochter Zucker, als Huftenmittelz — Xbleit, ledern, Bw, 
(oltd, lidirin), von Leder, aus Leder gemacht; gem, — f. ſchlaff, 
ſchlecht, elend (ein lederner Menſch); ledern, ziel, Zw., mit Leder verſehen, 
— ausledern, (eine Pumpe); uneig. gem, einen —, derb auspruͤ— 
geinz der Lederer, —s, (altd, lederari), oberd. f. Lederbereiter, Gerber. 

ledig, Bw., (altd. — niederd. Leddig z ſchwed. ledig; wahrſch. verw. 
mit lidan, ſich bewegenz vergl, Glied, liederlich), urfpr, ungehemmt in der 

‚Bewegung, entbunden, frei, los (alt. einen ledig laſſen; Rſpr. einen ledig 
ſprechen; dicht, des Leibes bift du ledigz los und ledig; frei und ledig von aller 
Schuld); jest gew. unausgefuͤllt, leer, jedoch mit dem Nebenbegriffe, dafs eine 
Sache ihres früheren Inhaltes beraubt fei, oder doch etwas aufnehmen und ent= 
halten könne (eine ledige Flaſche, ein lediges Haus ꝛc.); unbeſetzt, unbelegt, 
unbeladen (ein lediger Wagen, Stuhl 2c.) 5 uneig. ohne Beſitzer, Eigenthuͤmer 
(ein lediges Zehn, Amt u, dgl.), unverheirathet feine ledige Perſon); landſch. 
f. unbefchäftigt (ledig gehen f. müßig); Jäg. f. ſchlaff (das Hängeſeil ift ledig); 
Bergw. fe rein, unvermiſcht (lediger Stein, d. i. reiner Geifenzinnftein; eine 
ledige Bergart, die leer von Metal ift); die Ledige, M.-n, in Meißen f. 
Lehde, f.d,; ledigen, ziel, Zw. (altd, ledigon, ledegen), ait f, ledig, leer, 
108 machen, vergl. ent, erledigen; die Ledigkeit, dad Ledigſein, bef. der 

unverehelichte Zuftand (die Ledigkeit des Standes); lediglich, Nw, (aftd, le- 
declichen) gänzlich), völlig, ganz allein, ausſchließlich (es hängt Lediglich 
von ihm ab), 

Lee, ſ., -3, o. M, (angelf, hleow, engl, lee; ſchwed. lä; vergl, d, griech. 





Leene — leg 87 


Aauds, lat, laevus), Schiff., die unter dem Winde befindliche, d. i, vom Winde 
abgewandte, Seite, Windfeite, Leefeite, entg. Lufſeitez (Alles, was auf 
der Sce an diefer Seite oder in diefer Gegend befindlich ift, Liegt in der Lee 
oder leewärts)3 daher: der Leebord; die Leebraffen (f, Braſſe); die Lee- 
füfte; das Leefegel, ein Segel, welches an einer Seite eines Hauptfegels mit: 
telft Verlängerung der Rah ausgeſetzt und bei gunftigem Fahrwinde beigeſetzt 
wird; leewaͤrts, Nw,, f. o., entg. lufwärts, 

Leene, n. U Lehne, w., M.-n 1) (auch Lenne, Löhne, Leinz, Lindaum, 
Leim: Ahorn; isländ, hlinr; ſchwed. lönn), eine Urt des Ahornd, Kleiner 
als der gewbhnliche, Breitlaub, Breitblattz 2) (franz. laie) landſch. fr eine 
Bache. 

leer, Bw. (altd. lari, laere; oberd, lär), nichts in oder auf ſich enthal— 
tend, unausgefuͤllt, unbefeßt, finnv, ledig (f. d.), entg. voll (ein leerer Raum, 
ein leeres Gefäß; der Beutel, der Zeller ift leer; das Haus fteht leer, d. i, un: 
bewohnt; mit leeren Händen fommen, d. ti, ohne Geld oder Gefhenk; Leer 
ausgehen, nichts befommenz leeres Stroh dreſchen; uneig. f. eine unnütze 
Arbeit verrihtenz ein keeres Papier, d. i, unbefchriedenes) 3 uneig. f. gefchäftz 
frei, müßig (leere Stunden); gehaltlos, ohne Sinn, Bedeutung, Straft, 
Wirkung, finnv, nichtig, eitel (ein leerer Kopf, d. i, ein unmiffender Menſch; 
ein leeres Herz; ein leerer Schall, leere Worte, Verſprechungen 26.)5 — 3fek, 
der Leerdarm, ein dünner Darm im menſchl. Körper; der Leerhaͤusler, bair., 
ein Zagelögner, der nur ein Häuschen ohne Ader befistz; leerfüpfig, Bw, 
einen leeren Kopf habend, unwiffend; — Ableit, die Leere, das Keerfeinz 
aud) der leere Raum ſelbſt; die Keerheit, das Leerſein, die leere Beſchaffen— 
heit, eig. (3. B. des Magens) u, uneig. (z. B. feines Kopfes, einer Schrift 26.3 
leeren, ziel. Zw., leer machen (3. B. die Gtäfer) 5 [ich —, leer werden ; daher 
der Eeerbecher, das Leerfaſs, Papierm,, ein Gefäß, den Zeug aus bem Löcher: 
baume zu ſchöpfen. 

Leerbaum, m., oder Leertanne, w., landſch. f. Laͤrchenbaum, ſ. d. 

Leeſegel, —ſeite, leewaͤrts, ſ. Lee, 

Lehe, w., Mi -n (altd. lefsa), oberd, f. Lippe; hochd. nur f. große, 
unfdrmliche Lippen ; herabhangende Lippen der Thiere, bef. Hundes lippen= 
ähnliche Raͤnder (Lefzen des Muttermundes, Schamlefzen 5 Lefzen einer Orgel: 
‚pfeife, d. i, der ſchräge eingedrucdte Theil derfelben), 

Leg, fer — es, o. M. (wahrſch. v. legenz n. U. Lech, Lech), Hüttenw,, ein 
Gemiſch von Kupfer, Eiſen und Arſenik, welches ſich beim Machen des 
Schwarzkupfers zwiſchen dieſes u, die Schlacke legt, Kupferleg; auch die Schla— 
cken, die ſich beim Stahlmachen an den Stahl anhängenz das Leg- od. Lech— 
bett, Hüttenw., ein vertiefter Platz vor dem Schmelzofen, worin der geſchmol⸗ 
zene Stein ſich ſammelt; der Legſchmelzofen, ein Schmelzofen, in welchem 
die geringhaltigen Gold- und Silbererze aus Leg geſchmelzt werden. 

leg. od, lege, Bw, (niederd. leeg, oberd. läg; isländ, lagr, ſchwed. lag, hol, 
laag, engl, low; die Wurzel von Legen), landfch., beſ. niederd, f, niedrig, 
niedrig liegend oder ſtehend (Teges Land, Waffer 20.5 einleges Moor oder 
Legmoor, entg, Hochmoor; Schiff. leger Wall oder Legerwall, eine 
Küfte, welche gegen die Richtung des Windes rechte oder fpige Winkel bildet)s 
uneig. (vielleicht v. anderm Stamme) nieberd, f. kraftlos, unſchmackhaft, matt, 
kraͤnklich (leges Bier, Leg ausfehen) 5 ſchlimm, böfe ; daher der Leger f. Noth, 
ſchlechte Umftände, 


38 legen 


legen, Bw, (goth, lagjan; altd, lekjan, legian, leggan; nieberd. leggen; 
dän. legga; engl. Jay; griech. Ayeır,; vergl. Liegen und das vorftehende Leg) 
1) ziel., eig. etwas niedrig oder liegen machen; einem Sörper eine ſolche 
Stellung geben, dafd er auf feiner größten Fläche ruhe, verſch. fielen, 
fegen (ein Buch auf den Tiſch, das Kind ins Bett —; Holz ans Feuer, etwas 
an.die Luft, in die Sonne —; ſich fhlafen —, zu Bette —; auch bloß: fid 
“Legen, nüml. ins Bett, bef, als Kranker; ein Pflafter auf die Wunde, eine 
fpanifhe Fliege —; ein Pferdlegen, d. i. verfihneiden, weil es dabei auf 
die Erde gelegt wird; Eier legen, aud) bloß: Legen f. Eier hervorbringen, 
von Vögeln und Inſecten); in weiterer Bed. üherh. eine Sache an einen ge= 
wiffen Drt od. in eine gewiffe Richtung dringen, ihr eine Stelle annoeifen, 
oft mit dem Nebenbegriff ded Aufbewahrens, der Dauer, der Feftigfeit ıc, 
(etwas bei Seite, die Kleider in den Kaften — 5 Schuhe an die Füße —; Fallen, 
Shlingen, Fußangeln —; auch uneig. einem eine Schlinge legen; ein Schloſs 
vor eine Thür —, ein Schiff vor Anker, einen Hund an die Kette, einen Ver— 
brecher in Ketten — 5 ein Steinpflafter, einen Zußboden — ; den Grund zu einem 
Gebäude, aud) uneig. den Grund zu Semands Wohlftande ze. legen, f. 
Erund; Behnen, Erbfen zc. legen, d. i. in die Erde ſtecken, damit fie wachſen; 
Befakung in eine Stat —; fi) vor eine Stadt —, d. i. lagern, von einem Heere; 
Hand an einen, an ſich ſelbſt, an etwas legen, ſ. Handz ein Haus in 
Aſche legen, d. i. es niederbrennen; Geld auf Zinſen legen, d. i. ausleihen; — 


fo aud) in vielen uneig. Ausdrücken, 5. B. einem etwas in den Weg legen, , 


d. i. ihm Hinderiich fein; die Hand auf den Mund legen, d. i. Stillfehweigen 
beobachten 5 einem etwas nahe legen, d. i. es ihn merken laſſen; fich auf die faufe 
Seite legen, d. i. faul, träge werden; etwas an den Tag legen, d. i. fihtbar 
werden laffen, zu erkennen geben; einem die Worte in den Mund legen, d. i. 
ibm fagen oder zu verftehen geben, was er fprechen follz5 einem etwas zur Laft 
legen, f. Laft; einem das Handwerk Yegen, f. Handwerk); 2) rüdz. fi —, 
nachlaſſen, fich beruhigen, aufhören (dev Wind, die Kälte, der Schmerz 
legt fih)z; fich aufetwas-, fich anhaltend u. fleißig damit befchäftigen, 
ſich deffen befleißigen (er legt fi auf Spraden ꝛc.; auf das Trinken ꝛc. 3 fi 
aufs Bitten legen, d. i. anfangen zu bitten); ſich ind Mittel —, eine Sache 
zu vermitteln, beizufegen fuchen 5 fich zum Ziele —, d. i. fi) nach eines Andern 
Abſichten bequemen; 3) ziellod m. haben, Schiff., den Lauf nad) cinem 
Drte richten, dahin feuern (nad Norden zu —, mit dem Schiffe von dem Ufer. 
legen, u. dal.)3; — Zſetz. die Legangel, Fiſch., Angelfihnüre mit Haken, 
welche Abends ins Waffer gelegt werden, Nachtfchnürez dad Kegeifen, Bergw., 
gefhärfte Stücke Eifen zur Gewinnung des Geſteins; das Legefeuer, f. v. w. 
Laufe od. Leitfeuerz; dad Legegeld, landſch., beim Eingang erlegtes Geld, 
Eintrittögeld; die Leghenne, eine Eier legende Henne, entg. Bruthenne; die 
Legereufe, Fiſch, auf den Grund des Waffers gelegte Neufe, Fangreuſe; der 
Legeſchuſs, ſ. v. w. Selbſtſchuſs; der Legeſtachel, Stachel mehrer Infecten, 
mit welchem ſie ein kleines Loch ſtechen, um ihre Eier hineinzulegen; die Lege⸗ 
ſtadt, im deutſchen Staatsrecht ehem. eine Stadt, in welcher die Stände die 
Reichsanlagen niederlegten oder bezahlten; bſtr., Städte, in welchen Waaren—⸗ 
Borräthe aus fremden Ländern niedergelegt u. verzollt werden müſſen, Stapel-⸗ 
ftadtz der Legetiſch (niederd. Leg get iſch), in nicberd, Handelsftäbten, ein 

Zifch, auf welhem Stücke Leinwand ausgebreitet, gemeffen, geprüft u. gezeichnet 





Legermall — Lehen 89 


werden, auch die Legebank; wer die Meſſung und Zeichnung verrichtet heißt: 
der Legemeiſter; die Legezeit, die Zeit, in welcher die Vögel Eier legen; — 
Ableit. die Legde, Mi -n, Waſſerb., die Schwelle einer Schleufe z die 
Lege, M. -n, landſch., dad Legen; dad Gelegte, bef. die Grundlage; 
niederd. (gem, Leg ge). eine Bretterlage, worüber die Leinwand, die man Leg e— 
(gem. Legge:) Linnen nennt, ‘gezogen wird, um fie zu mefjenz aud) jeder 
Bug Leinwand, fo lang das Brett ift (3. B. das Stüd enthalt 20 Legen); der 
Leger, —s, die Legerinn, M. -en, wer etwas legt, gew. nur in Zſetz.3 
Schiff. Leger, platte Fahrzeuge oder Prahme, um Schiffe, die Ealfatert 
werden jollen, auf die Seite zu winden 2c., Kiellichter. 
Legerwall, Legmoor, f. unter leg. 
Lehde, wi, Men (andſche aud Lade, Laite; mittl. lat. leda; ſchwed. 
lät, unangebaut), Landw., wuͤſt liegendes, unbebautes Land; landſch. auch 
f. Brachland. 
Lehen, od. zgez. Lehn, fe, —8, M. Lehen, (altd. lehan, niederd. Leen, 
dän. län; v. leihen, ſ. dy), urſpr. überh. was einem Andern geliehen wird 
Garlehn, Anlehn) in engerer Bed, eine Sache, ein Recht, ein Vorzug, 
deffen Nießbrauch der Eigenthuͤmer einem Andern unter gewiffen Bedingun— 
gen und. Foͤrmlichkeiten uͤbertraͤgt (z. B. Pfarrlehen, Gnadenlehen zc.) ; insbef. 
ein auf foldye Weife einem Andern übertragened Grundſtuͤck oder Gut, 
Lehngut, fe. Feudum (ein adeliges od. Ritter: Lehen, Bürger, Bauerlehens 
Mann, Weiberlehen 20,5 ein Lehen verdienen, d. i. bie zu deffen Erlangung 
‚erforderlichen Tedingungen erfüllen; ein Lehen muthen od. finnen, d. i. um die 
Belehnung anfuchen; einem etwas zu Lehen geben ; ein Gut von Jemand zu Lehen 
tragen); landſch. jeded Sind = oder Erbzinsgut; im engften Sinne nur ein 
adeliged od, Nitterlehen, mit welchem Adelörechte verbunden find; die Zehen 
als Mehrh. (nicht als weibl, Hw., wie Andere wollen) f. dad Lehendverhältnifs, 
Lehnsrecht und deffen Ertheilung, Belehnung (z. B. die Lehen empfangen; 
einem die Lehen reihen); auch f. Lehngeld, Lehnwaare (die Lehen entrichten); 
Bergw. dad E chen, Alles was einem an Fundgruben und Maßen forms 
lich übertragen wird; auch ein Flächenmaß von 7. Lachter Länge u, Breite; — 
in Zſetz. u. Ableit. gew. zgez. Lehn od. Lehnsz Bfes. der Lehn⸗ od. Lehns⸗ 
brief, Urkunde über ein ertheiltes Lehnz der Lehnbauer, — buͤrger ꝛc.ʒ das 
Lehnsbuch, Verzeichniſs der Lehen; der Lehndienſt; der Lehnseid, Gib der 
Treue, welden der Lehnsmann dem Lehneheren leiftet; der Lehn= od. Lehns— 
erbe, Erbe eines Lehns; das Lehnerbe, ſ. v. w. Schupflehen 5 die Lehnser⸗ 
oͤffnung, ſ. v. w.-⸗Erledigung, auch der Lehnsfall; lehn- cd. lehnsfaͤ⸗ 
hig, Bw., fähig ein Lehn zu empfangenz der Behnsfehler od. = frevel, Vers 
lesung der Lehnspflicht (fr, Felonie); der Lehnfiſcher, landſch., ein Fiſcher, der 
das Recht zu fiſchen von Jemand zu Lehn trägt; die Lehnsfolge, die Erbfolge 
in dem Beſitz eines Lehns, ehem. auch Lehnshandz die Verbindlichkeit des 
— dem Lehnsherrn Folge zu leiſten, beſ. zu Kriegsdienſten; der 
Lehnsfolger, ſ. v. w. Lehnserbe; die Lehn- od. Lehnsfrau, eine Frau, welche 
ein Lehn zu verleihen, od. empfangen hatz das Lehn = od. Lehnsgeld, dasje— 
nige Geld, welches dem Lehnsheren bei der Belefnung zur ER RHÄRER feines 
oberen Eigenthumsrechtes entrichtet wird, aud) der Lehngrofchen, —ſchatz, die 
Lehnsgebuͤhr, Lehnwaare; das Lehngut, f. o. Leyen; der Zehn = oder 
Lehnsherr, der obere Eigenthumsherr eines Lehns, entg. Lehnsmannz daher 


* 


— 


40 Lehm — lehne 


die Lehnsherrlichkeit, -herrſchaft; der Lehn- oder Lehnshof, Gerichtshof 
eines Lehnsherrn, aud) Lehnz oder Lehnskammer, =tafel, gericht; der 
Lehn= od, Lehnsmann, M, = männer, u, f. beide Gefäl. =Icute, wer von 
einem Andern Güter zu Lehn hat, ento. Lehnsheres das Lehn- oder Lehns⸗ 
pferd , ein Pferd, welches dem Lehnsherrn vom Lehnsmann gehalten werden 
muſs, bef. zum Kriegsdienfte, Ritterpferd; die Lehnspflicht; der Lehnpropft, 
Vorgeſetzte eines Lehnhofesz dad Lehnrecht, ein Recht od. Gefeg in Lehnsſachen; 
der Inbegriff aller Lehnsgeſete (fe. Feudalrecht); daher der Lehnrechtöfundige, 
lehrer (fr. Seudalift)z der Lehnrichter, Richter bei einem Lehnhofes ein Land: 
zihter, ber fein Umt zu Lehen trägt, entg. Erbrichter; die Lehnsſache; die 
Lehnsfhuld, auf einem Lehngute Haftende Schuld; der Lehnfchulze, ein 
Dorffchulge, welcher fein Amt als ein erbliches Lehn befigtz der Lehnträger, 
wer die Lehen im- Namen eines Andern empfängt und für ihn die damit verbuns 
denen Obliegenheiten erfüllt; die Lehnstreue, =untreuez; die Lehnsverbin— 
dung; die Lehnsverfaffung (fe. Seudalfyftem) 5 der Lehnsvertrag; die 
Lehnwaare, ſ. o. Lehngeld; dad Lehnswefen, Alles was bie Lehen, die 
Lehneverfaffung, das Lehnrecht ꝛc. betrifft (fr. Feudalismus); der Lehnzins, 
von einem Lehn entrichteter Zins; — A bleit. lehnbar, Bw., der Belehnung 
fähigz die Eigenfchaft eines Lehns habend (ein lehnbares Gut); die Eigen— 
Schaft eines Lehnsmanns habend (einem Fürften lehnbar ſein)z die Lehn⸗ 
barkeit; der Lehener od. Lehner, -3, landſch., Beſitzer eines Lehngutes, 
Lehnsmann; lehnhaft, Bw., die Eigenfchaft eined Lehns habend, lehn— 
bar; zum Lehn gehörig, darin gegruͤndet; die Lehnhaftigkeit; die Lehn— 
ſchaft, Bergw., eine zu Lehen gegebene Zeche oder Grube; die zu ge= 
meinfchaftlichem Anbau eined Bergwerks verbundenen Gewerke od, Pers 
fonen, 

Lehm, m., - es, 0. M. (altd. leimo, leim; oberd. Laim, Lamz niederd. 
Leem; engl. loam; vergl. Leim, Schleim, Schlamm, lat. limus), eine mit 
Kalk und Sand gemifchte Thonart von gelbröthlicher Farbe, zäh u. an der 
Luft od. im Feuer erhartend (Bau-, Ziegel, Toͤpferlehm ꝛc.)3 — 8 ſetz. der 
Lehmboden, lehmiges Erdreichz ein von Lehm gemachter Fußboden z die Lehm— 
grube, ein Ort, wo Lehm gegraben wird; die Lehmhütte, eine Hütte mit 
Lehmwänden ; der Lehmpatzen, landſch. f. Lehmſtein, Drauerfteine von Lehm, 
an der Luft getrocknet, oder gebrannt, Lehmziegel; die Lehmfchindel, Dach— 
fehindeln mit Lehm überzogen u. verfchmiert 5 die Lehmfchwalbe, eine in Lehm 
gruben niftende Schwalbenartz; die Lehmwand, eine aus Lchm gemad)te, od. 
mit Lehm ausgektebte Wandz dad Lehmwerf, aus Lchm gemachte Bau: Arz 
beitz — Ableit. lehmen, gem. lehmern, Bw., aus Lehm gemacht; leh— 
mig, Bw., Lehm enthaltend, daraus beſtehend (ein Iehmiger Boden); leh— 
micht, Bw., dem aufgelöften Lehm ähnlich, truͤbe (lehmichtes Waffer) 5 
lehmen, ziel. 3w., mit Lehm ausfüllen, aueflebenz der Lehmer, - 8, wer 
- Iehmt, 2ehmarbeiter, Lehmkleber, gem. = Flickr. 

Zehn, f., nebft den Bfeg. und Ableit., ſ. Lehen, 

Lehnbeet, Lehnbrett, f. unter Ichnen 1, 

lehne, oder lehn, Bw. 1. (isländ. linr, ſchwed. len, v. islund, lina, er: 
weichen, ſchwächen; angelf. lith, lind; vergl. d. lat. lenis) oberd. f. weich, 
ſchwach; 2. (auch leen, Yöne, angelf. hlaene, engl. lean) niederd, f. mager, 
abgezehrt; 3. f. lehnen 1. 


” 





Ally Sehne lehren 4 


Lehne, w., M. n, 1. landſch. f. Achſnagel, Luͤnſe, f.d.5 2. ſ. unter 


lehnen 1.3 3. ſ. Leene. 


lehnen 1., Zw. (altd. blinen, leinanz oberd. lenen, Yainenz ſchwed. läna, 
dän. läne, engl. lean; griech. #Alvew, lat. clinare).1) ziellos m. haben, in 
feiner Stellung von der fenfrechten Linie abweichen, bef. in diefer Stellung 
an einem andern Körper geftügt ruhen (der Stock lehnt an der Wand; er 
Ichnt in einem Seſſel)3 2) ziel. und rückz. etwa 6 od. ſich —, in Die bezeich— 
nete Richtung bringen und an einem andern Korper ruhen laffen (den Stod 
an die Wand, fih an od. auf etwas od. einen Ichnen) 5 uneig. von einem Kriegs— 
heere u. dgl. fich an einen Berg, Wald, Fluſs ꝛc. Ichnen, d. i. von einer 
Seite od. im Rüden dadurch gefhüst werden; lehne, Bw., landſch., bei. nie: 
derd. f. fanft abhängig, ſchraͤg auffteigend, entg. fteil (der Berg erhebt ſich 
ganz Iehne); die Lehne, M, -n, die fehräg aufiteigende Richtung oder 
Stellung (in der Lehne ftehen od. liegen), bef. die fanft und allmählich aufs 
fteigende Seite eines Berges oder Huͤgels (Sommerlehne, der mittäg: 
lihe..., Winterlehne, der mitternädtliche Berg = AUbhang), landſch. auch 
ein fanft anfteigender Hügel felbftz ferner der Theil eined Dinges, an welchen 


man ſich lehnt (die Lehne eines Stuhls, einer Bank 2c.) 5 auch f. Gelaͤnder; — 


3fes.». lehnen: dad Lehnbeet, Gärtn., ein Beet, welches fi) an eine ſonnige 
Mauer gleicyfam —* das Lehnbrett, ein Brett, woran man ſich lehnt, 






z. B. in einem Boo r Lehnſeſſel, Lehnſtuhl, ein mit Rück- und Arm: 
lehnen verſehener S 
lehnen 2., 3. (zgez. aus lehenen v. Lehen, ſ. d. u. leihenz altd. lehanon, 


lehnon; niederd. leenen, angelſ. hlaenan, dän. laane) 1) ziel., landſch. gem. 


f. leihen, borgen in beiden Bed. (einem etwas —, u. etwas von einem —; nur 
die Ableit. be-, entlehnen gehören der edleren Sprache an); 2) ziellos m. 
haben, bei Jemand zu Lehen gehen, als Lehen von ihm abhangen (das 
Gut lehnet dem Fürſten); zur Lehnwaare verpflichtet ſein; der Lehner, -8, 
alt und landſch. f. Leiher; der Lehnladei, ein auf kurze Zeit gedungener Be: 
diente, Lehn-, Miethladeiz das Lehnpferd, Miethpferd; der Lehnfaß, in 
der Denkiehre, ein aus einer andern Wiſſenſchaft entlehnter Satz, Hülfſatz, (fr, 
Lemma), 

lehren, ziel, 3w, (geth. laisjan, altd. leran, leren; ſchwed. lära, tan, 
lärez urfpr, u. noc) landſch. laut reden, fchreien ?), überh, durch mündlichen 
Vortrag, uneig, auch fchriftlich od. auf jede andere Weiſe, gewiffe Wahr— 
heiten, Kenntniſſe, Fertigkeiten ꝛe. Andern mittheilen oder beibringen, 
entg. lernen; 1) ohne Zielwort (der Prediger lehrt auf der Kanzel, der 
Schullehrer in der Schule; Chriftus Lehrte öffentlich; 2) mit Bezeichnung des 
Gegenftandes duch einen Infinitiv (er lehrt lefen, fihreiben, fingen, 
tanzen 20,5 ſprichw. Noth Iehrt beten) od, durch ein Hw. im Acc, (eine Kunft 
oder Wiffenfchaft lehren, d, i. darin unterrichten; uneig, Leiden lehrt Geduld; 
das lehrt die Vernunft, die Erfahrung); 3) mit Bezeichnung der Perfon im 
Acc.: einen —, d. is unterrichten, unterweifen (er lehrt feine Kinder) 3 
4) mit Bezeichnung der Perfon und des Gegenftandeg zugleich; wird leg: 
terer durih einen In fin, auögedrudt, fo bleibt die Perfon allgemein im Acc. 
(3. B. er lehrt das Kind, ihn ꝛc. Schreiben, rechnen, tanzen 26,5 einen Hund 


tanzen, einen Vogel pfeifen Ichren ; uneig. Volksſpr. ich will dich freien, ſchla— 


gen lehren u, dgl., als ironisch drohendes Verbot f, du ſollſt nicht fehreien 2.) 5 


* 


42 lehren 

wird aber ber Gegenftand durch ein Hw. im Acc. ausgedrückt, fo fordert 
die neuere Sprachlehre nad) der herrfchenden Analogie den Dat, ber Perſon 
(alſo: ich Ichre dir die Sprache, das Rechnen und Schreiben; er lehrt mir 
(nicht mid) vie. Muſik; da man aud im Paffiv fagtz dir wird die Sprache, 
mir wird die Muſik gelehrtz nicht: ich werde die Sprache gelehrt; doc) hat fich 
ber Sprachgebrauch noch keinesweges durchgängig diefer Regel gefügt, die zwar 
theoretifh, aber nicht gefchichtlich begründet iſt; die Altere Spradye verbindet 
lehren durchaus mitdoppeltem Acc, z. DB. nod) Luther: lehre mich deine 
Rechte; lehret foldhes eure Kinder u, dglez vergl. das allgemein übliche: einen 
etwas fragen), — Gtatt des Mw. gelehrt in Verbindung mit einem Infin, 
den Infin. Lehren zu fesen (nad) Art von dürfen, können ꝛc. vergl, d,) ift weder 
allgemeiner, noch nahahmenswerther Sprachgebrauch (alfo nicht: er Hat mic, 
ſchreiben Lehrenz ich habe dich ihn kennen lehren, fondern gelehrt); 
landſch. une. lehren f, lernen, 1. 8,5 — das Mw, gelehrt als Biw,, f. ge: 
lehrt; — das Lehr, 5, M. -e, bei Handw, und Künftlern, ein Maf, 
Mufter, eine Form (vergl. Kugellehr), gew. die Lehre; die Lehre, M. -n, 
die Handlung des Lehrens, Bebehrung, Unterricht, Unterweifung (durd) 
Lehre und Beifpiel erziehen; die Kinderlehre, ſ. d,)5 der Zuſtand des Belehrtz 
werdens oder Lernens, bef. bei Handw. und Künftlern (bei’einem Meijter in 
der Lehre fein oder ftehen 5 einen Anahen in die Lehre geben 2c.)5 was gelehrt 
wird, der Lehrftoff 08: = Gegenftand, das — insbeſ. eine vorae= 
tragene Wahrheit, Erfenntnifs, Meinung (neue, Miſche ehren u, dgi.), 
aud eine Berhaltungsregel, Borfchrift zum Handeln (einem gute Lehren 
geben; das kann ihm zur Lehre dienen; es foll mir eine Lehre ſein); ferner der 
ganze geordnete Umfang der Wahrheiten und Vorſchriften einer Urt, jede 
Wiſſenſchaft, fofern diefelde mündlich od. ſchriftlich dargeſtellt od, gelehrt wird 
(in 3fes, wie: Glaubens-, Sitten-, Vernunft», Natur-, Sprachlehre 2c,)5 
bei Handw, u, Künſtlern: ein Maß, Mufter, eine Form (fr, Modell) zur 
Unterfuhung und Beftimmung der Größe u, Beſchaffenheit eines Dinges (vergl, 
Lehr), 3. B. Maur, das Bogengerüft, über welchem Bogen u. Gewölbe aufge: 
führt werden (die Bogenlehre, der. Lehrbogen), verfüiedene Mefswerk: 
zeuge der Schloffer, das Strickholz od. Stridbrett der Jäger, u. Fiſcher 2.5 — 
3 feg. v. lehren: das Lehramt z die Lehranftalt, finnv, Unterrihts- Anftalt, 
Schule; die Lehrart, od, =weife, fr. Methode; die Lehrbegierde, Begierde 
zu lehren z Begierde nad) Lehre od, Unterricht, b. Lernbegierde; lehrbegierig, 


[2 


Bw., begierig zu lehren; od, belehrt zu werden, b. lernbegierig der Lehrbe⸗ 


griff, der ganze Umfang eines wiffenfhaftlich geordneten Lehrftoffes, fr. Syſtem 
der chriftliche Lehrbegriff); auch ein Eurzer Abriſs einer Wiffenfhaftz der Lehr 
bogen, f. 0, Lehrez der Lehrbote, f. das fr, Apoftelz der Lehrbraten oder 


das Lehrefien, Handiv., ein Schmaus, den die Lehrlinge geben, wenn fie Ge: 


fellen werden; der Lehrbrief, belehrender Brief (didaktifche Epiftelz die Lehr: 
briefe der Apoſtel); Handw,, fhrifilihe Urkunde, welche bezeugt, dafs ein 
Lehrling ausgrlernt z; das Lehrbuch, ein Bud), worin eine Wiffenfchaft oder 
Kunft gelehrt wird, bef, in gedrängter Darftellung (fr, Compendium); der 
Lehrburſche, f. v. w. Lehrling, ſ. u.zʒ der Lehrdichter, lehrender (fr. didak: 
tifher) Dichter z die Lehrdichtung, belehrende Dichtkunſt (fr, didaktiſche Poefie) 5 
auch j. v. w, das Lehrgedicht, ein befehrendes (fr, didaktifches) Grdichtz die 
Lehrfabel, ſ. Babelz lehrfähig, Bw, fähig zu lehren; die Lehrfaͤhigkeit; 





— 


BER lei 43 
die Lehrfreiheit, Breigeit bffentlich zu lehren ohne Beſchränkung des Gegen: 
ftantes od. der Form, entg, Lehrzwang;z die Lehrgabe, natürliche Anlage zum 
Lehren; der Lehrgang, ſ. 0. w. Lehrart,-weiſe,‚-plan; auch ein den Be— 
dürfniſſen der Lernenden angepaffter Theil od. Abſchnitt eines vorgetragenen Lehr— 
gegenftandes (fr, Gurfus); das Lehrgebaude (fr. Syftem), ſ. Gebäude; dad 
Lehrgedicht, f. unter Lehrdichtungz der Lehrgegenftandz; das Lehrgeld, 
Bezahlung für den Unterricht eines Lehrlings; uneig, Lehrgeld geben od, bezahlen 
müſſen, d, i. durch Schaden Eiug werden 5 dad Lehrgeruͤſt, Bauk., Lehrbogen 
zu großen Gewölbenz der Lehrherr, bei Künfttern u, Kaufleuten, der Vorge: 
feßte eines Lehrlings (fr. Principal) 5 bet Handw. gew, Meiſter; das Lehrjahr, 
M. Lehrjahre, die Sahre, welche ein Lehrling in der Lehre zubringt, die Lehr: 
zeitz der Lehrjunge, gem, fi Lehrlingz der Lehrfreis, der Kreis von Zuhb— 
rern, Schlilern, Lehrlingen, in welchen Semand lehrt; auch ein zufanımengeords 
neter Inbegriff mehrer Wiffenfhaften ; die Lehrkunft (fr. Didaktik); die Lehr— 
meinung, ein für wahr angenommener u, aufgeftellter Sag, bef. in der Glau: 
benelehre (fr. Dogma); der Lehrmeifter, die Zehrmeijterinn, überh. f. Lehrer, 


Rehrerinn in Bezug auf den Lernenden; bef, ein Handwerfömeifter in Bezug auf 


den Lehrling z das Lehrmittely die Lehrordnung; der Lehrplan; lehrreich, 
Bio, reich an belehrenden Wahrheiten, bef, für das Verhalten; der Lehrfaal, 
die Lehrftube, das Lehrzimmer; der Kehrfaß, jeder Sat, der eine Lehre, 
eine wiſſenſchaftliche Wahrheit od, Behauptung enthält (fr, Dogma, Theorem) 5 
die Lehrſchrift, Schrift von belehrendem Inhalt u, Zwed; die Lehriparren, 
Zimmerl., Sparren, welche die Lehre, d. i, die Form des Daches angeben; der 
Lehrſpruch, ein Spruch, welcher eine Lehre für das Verhalten, eine Lebens: 
od. Sittenregel enthält, Sittenſpruch (fr. Sentenz, Gnome) ; der Lehrftand, 
-Stand des Lehrers und die Gefammtheit der demfelben anaehörigen Perfonenz 
die Kehrftelle; der Lehrſtoff; das Lehrſtuͤck, Abſchnitt od. Theil eines Lehr⸗ 
ſtoffes; der Lehrſtuhl, erhöheter Sitz des Lehrers (fr, Katheder, Kanzel); uneig, 
f. Lehrſtelle, Lehramt (einen neuen Lehrſtuhl für eine Wiſſenſchaft errichten); 
die Lehrſtunde, Uunterrichts-, Schulſtunde; der Lehrvortrag; die Lehrwand, 


Waſſerb., Wände vor einem Wehr, welche dem Fluthbette ſeine Geſtalt und 


Feſtigkeit geben; der Lehrweg, die Lehrweiſe, ſ. v. w. Lehrgang, Lehrart; 
lehrwidrig, Bw., einer Lehre widerſprechend; die Lehrwidrigkeit; der Lehr— 
zwang, 1. 0, Lehrfreiheit; — Ableit. der Lehrer, -8, die Lehrerinn, 
M. - en, wer etwas lehrt (Sprach-, Schreib, Zeichenlehrerz Haus-, Kinder: 
lehrer) z bef, wer ein öffentliched Lehramt bekleidet (ein Schullehrer; ein Leh: 
ver der Rechtswiſſenſchafl 20); daher der Lehrerfiand, die Lehrerftelle ꝛe, 
f. v. m. Lehrſtand 2c.5 der Lehrling, —es, M. -e, (für beide Geſchlechter) 
überh. wer unterrichtet wird, wer lernt, ſinnv. Schuler; gew. in engerer 
Bed. wer bei einem Handwerker oder Kuͤnſtler in der Rehre ift, gem, Lehr— 
burfche, sjungez lehrbar, Bw., was gelehrt werden kann; die Lehrbar— 
keit; lehrhaft, Bw., vlt., ‚gefchisft und geneigt zum Lehren; Ichrreichz 
lehrfam, Bw., felten, Neigung zum Lehren yabend, gern lehrend; auch: 
willig Rehre annehmend; die Lehrfamfeit. | 

lei, ehem. gew. Ley gefchr., urfpr. ein weibl. Hw. die Lei (alte. leige, 
oberd. laij, holl. ley, ſchwed. led), der Weg, die Urt und Weiſe, die Gat— 


tung; jegt nur in Form einee Endſ. zgef. mit dem weibl. Gen. von Zah 
und Fürwörtern zur Bildung unbiegfamer Beiwbrter, welde die Art 


44 | Rei Leib 


od. Befchaffenheit bezeichnen, z. 8. einerlei (d. i. einer Art), zweier-, dreierlei, 
beiderleiz fo auch von undiegf. Zahlw. mit Einſchaltung derſelben Endung er: 
ſechſerlei, zwanzigerlei, hunderterleiz ferner: aller, vieler, mancher, Xei- 
nerlei 3. B. Geld, Dinge, Menfhen ꝛc.z bie Zfeg. mit Fürwbrtern, z. B. 
derlei, dieſerlei, welcherlei, folherlei, meiner, deinerlei zc. find großentheils 
vlt. u. nur noch landſch., bef. oberd.; ber Beugung find alle Bildungen diefer 
Art unfähig (alfo nicht: mit manderleien Waaren, fondern: mit manderlei 
Waaren u. dgl.) 

Lei, fe, -e6, Mi. -e, landſch. f. Decke, Schirm, vergl. Lee, 

Leib 1., m., —es, M, -er; Verkl. das Leibchen, (altd.lib, lip, f. 
Leben, Leib, Perſon; niederd. lik; engl. life, Leben z v. leben, f. d.) 1) ein 
beſeelter thier, oder menfchl. Körper, f. d.,  entg. Seele (dev Menſch beiteht 
aus Leib u, Geelez die Glieder des Leibes; feinen Leib od. feines Leibes pflegen z 
gut bei Leibe fein, d. i. wohlgenährt, fleiſchigz bei lebendigem Leibe, d. i. wäh— 
send man noch lebt; auch: bei Leibes Lehenz einem zu Leibe gehen, d. i. ihn 
angreifen; bleib mir vom Leibe, d. i. nähere dich mir nicht, berühre mid) nicht; 
Leib u. Leben daran wagen, verlieren 20.5 bisw. fteht im Leibe alö überflüffie 
ger Zuſatz um des Nahdruds willen, z. B. das Herz im Leibe thut mie weh3 
er hat Fein Herz im Leibe); in engerer Bed. der Theil des Leibes zreifchen den 
Urmen und Beinen, der Numpf (einen um den Leib faffenz einen ſchlanken 
Leib Haben); in noch engerer Bed, der Unterleib, als edlerer Ausdruck f. Bauch, 
entg. dem Oberleibe od. der Bruft (z. B. ein dider, aufastziebener Leib; Schmer— 
zen im Leibe haben; offnen Leibes fein; gefegneten Leibes, d. i. ſchwanger, feinz 
vergl. Mutterleib)5 uneig. der Theil eines Kleidungsſtuͤckes, welcher den 
Rumpf bedeckt (dev Leib eines Hemdes; das Kfeid ift im Leibe zu weit); aud) 
ein felbftändiges Kleidungsſtuͤck ohne Armel, welches diefen Theil bedeckt 
(Bruft:, Schnürleib 26), bei. dad Leibchen, ein Furzes, knappes Klei⸗ 
dungeftück der Frauen; 2) die Perſon, der ganze Meñſch ſelbſt, vlt. u. 
landſch. (3.8. ein Lehen auf drei Leib, d. i. bis auf den Enkel; etwas für feinen 
eigenen Leib halten, d. i. für feine eigene Perſon), außer in Zſetz. wieteibarzt, 
z pferd, =gericht, Leibeigen, u, dgl, [. wm; 3) dad Leben, vlt. (4. B. den 
Leib verlieren), außer in der Redensart: bei Leibe nicht! als warnendes 
Derbot f. bei deinem Leben nicht, ja nicht, wenn dir dein Leben lieb ift; u. in 
Zſetz. wie Leibrenten, ſ. u. — Zſetz. mit Leib: die Leibbiene (vielleicht 
v. anderm Stamm?), ein Bienenſtock, den man zur Zucht ſtehen läſſt, auch 
der Leibſtock, Mutterſteock, Stammſchwarm; die Leibbinde, Binde um den 
Leib; der Leibdienft, perfönticher Frohndienſt; leibeigen, Bw., mit feinem 
Leibe, d. i. feiner Perfon, einem Andern als Eigenthum angehdrig, aud) hörig 
(f. d.), eigen; daher: ein Zeibeigener, der, die Leibeigene, als Hw.; die 
Leibeigenfchaft, der Zuftand, das Berhältnifs der Leibeigenen; dad Leibeigen- 
thum, Eigenthumsrecht über die Perfonz der Leibfäll, landſch., Rückfall des 
Gutes eines Leibeigenen nad) deſſen Tode an den Eigenthumsherrn; leibfällig, 
Bw., dem Leibfall unterworfen (leibfüllige Güter, f. v. w, Fallgüter, Schupf: 
leben); die Leibfarbe, Fleiſchfarbez ſ. auch u.5 dad Leibgedinge, (vergl. 
Gedinge), ausbedungener Unterhalt auf Lebenszeit, bef. für die Gemahlinnen 
vornehmer Perfonen (das Witthum); auch die Güter, auf welche diefer Unter— 
halt angewiefen iſt; ferner Unterhalt, Wohnung und was außerdem ein Bauer 
bei Abgebung feines Bauerhofes ſich von feinem Nachfolger ausbedingt, die Leib: 


* 





: Leib 45 


zuchtz auch f. Leibrente, f. d.5 das Leibgeld, jährliche Abgabe der leibeigenen 
Unterthanen an den Leibesheren, aud der Leibpfennig, = fchilling, u. wenn 
die Abgabe in Natur > Erzeugniffen entrichtet wird: das Leibhuhn, die Zeib- 
gan, der Leibhafer zx. genannt; dad Leibgeld auch landſch. f. Kopffteuer, 
Perfonengeld; die Leibguͤtte, f. v. w. Leibgedinge, Leibrente; der Leibgurt, 
od. =gürtel; dad Leibgut, ein zum lebenslänglichen Unterhalt oder zum Leib: 
gedinge Jemand angewiefeneg Gut; ber Leibherr, f. u. Leibesherrz die Leib— 
pacht, Pacht uf Lebenszeit; dad Leibrecht, ſ. v. w. Leibeigenthum ; die Leib⸗ 
vente, gew. M. Leibrenten, auf Lebenszeit zu geniegende Einkünfte; bef. 
erhöhete Binfen, weldye man fid) von einem daraeliehenen Stammgelde auf Le: 
benszeit ausbebingt, dagegen das Stammgeld nad) des Verleihers Tode dem 
Zinsgeber zufälltz der Leibrod, ein Rod, welcher bloß den Oberleib bededt, 
Frack; entg. Überrock; die Leibſchaar, eine Soldaten Schaar, welche die Per: 
fon des Herrn bewacht, Leibgarde; der Leibfihmerz, das Leibfchneiden, 
Leibweh, Schmerzen im Unterleibe, gem. Bauchſchmerz zc.5 der Leibſtock, 
f. o. Leibbiene; der Leibftuhl, anftändiger' als: Nachtſtuhlz die Leibwache, 
Schutzwache für die Perfon eines Fürften, Garde; die Leibwäfche, Wäſche, 
welche man am Leibe trägt, z. U. v. Bett:, Tiſchwäſche 2c.; dad Leibzeichen, 
oberd. Nſpr., gerichtlich erkanntes Zeichen gewaltfamer Ermordung an einem 
Leichnam; die Leibzinfen, f. v. w. Leibrenten, ſ. 0.3 die Leibzucht, ſ. Leib: 
gedinge; daher der Leibzuͤchter, ein Bauer, der gegen ein Leibgedinge feine 
Wirthfchaft einem andern übergeben hatz der Leibzwang, Stuhljwang 5; — 
in vielen Zſetz. zeichnet das vorgefegte Leib diejenigen Perfonen, Thiereu. Dinge 
aus, welche unmittelbar u. auöfchlieglich die Perfon eines Fürſten ac, bes 
dienen oder für diejelbe gehalten werden (verih. Hof, ſ. d.), z. B. der Leib- 
arzt, =bäder, =jager, =Foch, =Fürfchner‘, = Eutfcher, -lackei, = fchnei= 
der, =fchufter, -ſchuͤtz, -wundarzt, die Leibwäfcherinn; der Leibhund, 
dad Leibpferds; der Leibwagen 2.5 in weiterer Anwendung bezeichnet das 
vorgefegte Leib im gemeinen Leben überh. ſolche Dinge, die irgend einer Per: 
fon vorzüglich Lieb od, angenehm find, f. v. w. Lieblings: (f. d.), z.B. das 
Leibefien, = gericht, die Leibfpeife, f. v. w. Lieblingsefien 2c. (es ift mein 
od. fein 2c. Leibgericht); ſo auch : die Leibfarbe, dad Leibgetraͤnk; der Leib— 
fuchen, Lieblingstuhenz. landſch. ein zu Neujahr aus feinem Weizenmehl ges 
badener runder Kuchens der Leibfpruc), Wahlſpruch (fr. Symbolum, Devife) 5 
das Leibftück oder-ſtuͤckchen, Lieblingsſtück, z. B. von einem Braten 5 vor- 
züglich beliebtes Tonſtück, u. dgl. mez — Zſetzz. mit Leibes: die Keibesbe= 
ſchaffenheit (fr. Sonftitution); dieLeibesbewegung ; die Leibesbuͤrde, Lei— 
besfrucht, ein Kind im Mutterleibe; der Leibeserbe, Sohn od, Tochter als 
Erbe, leiblicher Erbe; aud) der Erbe eines Eigengutes (fr, Allodiel: Erbe) z. U. v. 
Lehnserbe; der Leibesfehler, das Leibesgebrechenz die Leibesgefahr, Le: 
benegefahr; die Leibesgefchicklichkeit ; die Leibesgeftalt, = größe, = längez 
der Leibesherr, vlt., Herr eines Leibeigenenz; die Leibeskraft, körperuche 
Kraft oder Stärke, entg. Sceelenkraftz beſ. M, aus Leibesträften, ni, 
fo ſtark man kann; das Leibesleben, entg. dem Geiſtesleben (bei Leibesleben, 
d. i. bei Lebzeiten); die Leibesnahrung, = pflege, = forgez die Leibesſtaͤrke; 
die Leibesftrafe, am Leibe volzogene Strafe, Züchtigung, verſch. Lebensftrafez 
die Leibesuͤbung, körperliche Übung zur Beförderung der Gefundheit, Stärke 
und Gewandtheit (fr. gymnaſtiſche Ubung); — Ableit, leiben, Zw. 1) ziellos 


46 R Leib, — Leiche , 


m. haben, einen Leib haben, leiblich dafein oder befchaffen fein; nur in 
der Nedensart: wie erleibtundlebt, d, i, wie er geftaltet ift und ſich be: 
wegt; 2) rüdz. fich —, landſch. f. an Leibe zunehmen, wachfen, vergl, belei- 
ben; leibhaft od. leibhaftig, Bw., (altd, liphaft, Yebendig) mit einem Reibe 
verfehen, in finnlicyer Geſtalt, perſoͤnlich, in eigner Perfon, (der leibhaf— 
tige Teufel; er ift es Leibhaftig); wirklich, wahrhaft, bis zur Täufchung 
aͤhnlich (er ift das leibhafte Bild feines Vaters, od, ber leibhaftige Vater); Die 
Leibhaftigkeit, ſinnliche Lebendigkeit u. Unfchaulichkeit (z. B. einer Eünft: 
leriſchen Darftellung); leibig, Bw., einen Leib habend, landſch. f. wohlbe— 
leibt; außerdem nur in Zſetz wie dick-, hartleibig ec.z leiblich, Bw. u, Nw,, 
dem Leibe nach, dem Leibe angehoͤrig, denſelben betreffend od. in ihm ge— 
gruͤndet, ſinnv. Eörperlich, entg, geiftig und geiſtlich (in leiblicher Geftalt 5 Leib: 
liche Eigenſchaften; etwas mit leiblichen Augen fehenz der leiblihe Tod, dr i. 
der natürlihe, zeitliche, entg, dem ’geiftlichen, ewigen) 5 in weiterer Beb., bef. 
bibl. der Koͤrperwelt angehörend, finnv, irdiſch, zeittich (leibliche Güter, Dinge); 
von einem Leibe, d. i. einer Perfon, Förperlich genommen, audgehend (ein 
Yeiblicher Eid, f. Eid), herrüihrend, erzeugt, u. in diefer Herkunft gegriindet, 
dem Leibe nach zuſammenhangend (leibliche Kinder, Altern, Gejchwifter, entg. 
Stieftinder 2c.5 ein leiblicher Exbe, ſ. v. w. Leibeserbe, ſ. 6); die Leiblichkeit, 
das Reiblichfein, die leibliche Befchaffenheit, 

Leib ?2., m., ſ. Laib. 

Leich 1., m., —es, M. -e (altfranz. lai, engl, lay; verw, mit Zei, leige, 
Meg, Weife (f. lei), od, von dem altd, leichen, oberd, la ichen, fpielen ?), in 
der Minnefängerzeit eine Gattung fingbarer Gedichte, aus ungleihförmigen 
Versſätzen beftehend und durch diefe ungebundene Form von dem Liede unter: 
ſchieden. 

Leich 2., fe ed, M. -e, (oberd. Laichz von leichen, laich en, ſpielen; 
n. A. v. leige, Weg; celt, leuga, franz. lieue), landſch., beſ. in Thüringen u, 
Franken, der ebene Pla zum SKegelfpiel (Kugelteich 5 das fange, oder Eurze - 
Leich, |. v. w. Lang-, Kurzſchub)z in weiterer Bed, ein Streif Landes an der 
Grenze; eine Gaſſe (4. B. das Endleidh in Erfurt); ein Maal eder Ziel 
beim Ballfpielen, Wettlaufen u, dgl. (das Leich geben, abfteden ꝛc.). 

Leich 3., m. od. ſ.; die Leiche, Leichen, die Leichzeit ꝛc., ſ. Laich. 

Leiche, w., M. -n (goth, leik, altd. lih, liche, Fleiſch, Leibz altniederd, 
liek, daher Liekteken nicderd, f Narbe), urfpr, überh, der menfchliche Sörz 
per, lebend od. todt, das Fleifch (daher Leich dorn, ſ. u.)z jest nur der 
entfeelte Körper eines Menfchen, bis, auch eined Ihiered, bef. fofern er 
beerdigt werden foll (die Leiche begleiten, näml, zum Grabe); aud f. Reichen 
begängnifs (eine große Leiche; zur Leiche gehen; einen zur Leiche bitten); uneig, 
Buchdr. ausgelaffene Stellenz Nadl. mifsrathene Nadelköpfez — Zſetz. das 
Leichbier, der Leichtrunk, oberd., Alles womit die Leichenbegleiter im Sterbes 
haufe bewirthet werden; der Leichdorn, (niederd, Liekdoorn, ſchwed. liktorn ; 
f. o), ſ. v. w. Hühnerauge, ſ. d. vergl, Dorn; dad Leichhuhn, ſ. u, Leichen: 


eulez der Leichkorb, landſch. f. Todtenbahrez der Leichnam, — es, M-e 


(altd, lih -hamo, lichamo; feltner lihnamo, lichname; niederd, Licham; v. 
lih, Leib, und ham, Hülle, Dede (vergl, Hemd); alfo eig. Leibeshüllez isländ. 
likamr, Haut), urſpr. überh. der Leib eines Menſchen, lebend od, todt, (daher 
noch ſcherzh. feinen Leichnam pflegen u, dgl.)z gew. der todte Körper eines 


leihen — leicht 47 


Menſchen, allgemeiner als Leiche, welches beſ. den Körper eines kürzlich Ver— 
ftorbenen bezeichnet vor u, bei der Beerdigung; — der Zeichenader, Begräb— 
niſsplatzz; leichenartig, ſ. v. w. leichenhaft, ſ. u.; das Leichenbegängnifg, 
feierliche Leichenbeſtattung; dans Leichengepraͤnge; der Leichenbegleiter, 
-folger; die Leichenbegleitung; der Leichenbitter, Einlader zur Leichen— 
begleitung; leichenblaß, =weiß, =fahl, blaſs wie eine Leiche, ſehr blaſs; 
die Leichenblaͤſſe; das Leichenbuch, Todtenverzeichniſs in der Kirche; der 
Leichenduft, = geruc) ; die Leicheneule oder das Leichenhuhn, Nachteule, 
große Baumeule, deren Gefhrei ald Vorbedeutung eines Sterbefalls giltz daB 
Leicheneffen, =mahl, der Leichenſchmaus, feierlihe Mahlzeit nad) einem 
Leihenbegängniffesz die Keichenfeier, Todtenfeier 5 das Leichenfeld, mit Leichen 
bedecktes Schlachtfeld; die Leichenfrau, Tedtenwäſcherinn; das Leichenges 
Dicht, Trauergedicht, Lobgedicht auf den Verſtorbenen; das Zeichengefolge, 
-geleit; das Keichengerüft, ein mit Decken behängtes, geſchmücktes Gerüft, 
auf welches der Sarg geftellt wird (fr, Katafalk); der Leichengefang, Trauerz/ 
gefang, Grabgeſang oder = lied; dad Leiihengewand, =hemd, -kleid; die 
Leichengruft, das Leichengewoͤlbe; die Zeichenhalle, das Leichenhaus, 
die Leichenfammer, Haus, Kemmer zur Aufbewahrung, auch wohl zur Zerz 
gliederung von Leihen; die Leichenferze, -fackel; die Xeichenkoften, Bes 
gräbnifekoften; das Leichenkraut, Waffergarbez die Leichenöffnung, ärzt: 
liche od, gerichtliche ffnung einer Leiche (fr, Section, Obduction); Die Leichen⸗ 
rede, beim Leichenbegängniſſe gehaltene Trauerrede, Leichenpredigt, wenn ſie 
von einem Geiſtlichen in Form einer Predigt gehalten wird; der Leichenredner, 
-predigerz die Leichenſchau, -beſichtigung, =unterfuchung, gerichtl. Un: 
terfuchung einer Leiche, um die Todesart zu ermitteln; der Keichenfchleier, das 
Leichentuch, worein eine Leiche gehüllt wird; der Leichenfchmüder, die 
Leichenſchmuͤckerinn, wer die Leihen wäſcht u. Eleidetz die Keichenftatt od. 
eftätte, Beftattungsort der Leihen; der Reichenftein, Denkftein auf einem 
Grabe, Grabſtein; der Leichenträgerz der Leichenwagen, Wagen, auf wel- 
chem die Leichen zu Grabe gefahren werben ; der Leichenzug, feierlicher Zug der 
Leichenbegleiter — Ableit, leichenhaft, Bw., einer Leiche aͤhnlich, leichen⸗ 
artig. ; 
leichen,, 3w, 1, ſ. laihenz 2. ziellos (aud) Laichen), ſchwäb, u, ſchweiz. f. 
ftinfen; 3, ziel, (auch liechen, lüchen, altd, Jiuhhan) oberd, u. ſchweiz. f. auk— 
raufen, rupfen (Flachs, Heu 2c,); aushauen, lichten (einen Wald). 
Leichnam, ſ. unter Leiche. 
leicht, Bw., Comp. leichter, Sup, leichteft, (altd. lihr, lihte; niederb, 
licht z angelſ. leoht, engl, light; ſchwed. lätı, dän, lär; Tat, levis; v. lichten, 
nieberd, liften, engl, lift, Tat, levare, heben), eig, geringe Schwere habend, 
fo dafs es den Mittelpunkt der Schwere zu flichen feheint, wie Dünfte, das 
Feuer, 26,5 überh, einen verhältnifsmäßig geringen Grad der Schwere ha— 
bend, entg. ſchwer (leicht wie eine Federz Holz ift leichter als Eifen, Eifen 
leichter ald Bleiz Leihtes Gewicht, 3. B. das Krämergewicht, in Vergleich 
mit dem Fleiſchergewicht; auch f. nicht vollwichtiges; ſo auch: leichtes Geldz 
leichte Kleidung, Bewaffnung u. dgl.z daher leicht gekleidet fein, d, i, in 
wenige u, dünnere Kieidungsftüdez Leichte Reiterei, d. i. leicht bewaffnete) 3 
uneig. fi) rafch, ungehemmt, ohne Unftrengung oder Zwang bewegend, 
Feinen Zwang verrathend (leichtes Blut 5 ein leichter Gang, entg. einem ſchwer— 


48 leicht 


fülligen, plumpenz leichte Füße haben; Teicht tanzenz eine leichte Hand haben; 
eine leichte Sprade, Schreibart, d, i. eine ungeziwungene, gefällige)z; in fitt 
lichem Verftande: von Angſt u. Sorgen befreit, munter, lebhaft (das Gerz 
wird mir leicht z ein leichter Sinn), auch f. leichtfinnig, leichtfertig (er ift etwas 
leichtz eine leichte Perfon u, dgl.)3 ferner: einen geringen Grad innerer 
Stärfe habend, finnv, ſchwach, gelind (ein leichter Schmerz; eine leichte 
Strafe; ein leiter Schatten auf einem Gemälde); wenig Mühe, Anſtren— 
gung, Überwindung erfordernd, (eine leichte Sache; eine leichte Sprade, d, i. 
die leicht zu erlernen iſt; das ift leicht, etwas Leichtes; einem etwas Leicht 
maden, d.i, erleichtern), haufig mit nachfolgendem zu und einem Inf. (z. B. 
das ift leicht zu Jagen, zu thbunz die Sprache ift leicht zu lernen 2c,)5 als Nw, 
ohne Mühe od. Schwierigkeit (das Fann ich Leicht fagen, thun 26,5 man Eann 
ihn leicht zernig machen; du kannſt leicht denken, dafs ꝛc.), oft auch zur Be— 
zeichnung der MöglichFeit od. Wahrſcheinlichkeit, od, zur Verftärkung diefer 
Begriffe, finnv, wohl (das Tann Leicht fein, ift leicht möglich; wie leicht ift ein 
Unglück gefhehen!), daher: nicht leicht, ſ. v. w. fchwerlich, kaum, felten 
(eine fo gute Gelegenheit kommt nicht leicht wieder); — Zſetz. leichtbeflügelt, 
= befchwingt, =geflügelt, leichtbewaffnet u, dal, Bw.; leichtblütig, Bw, 
(fr. fanguinifcy); Die Leichtbluͤtigkeit; leichterdings, Nw,, oberd, f. leicht, 
ohne Mühe; leichtfährig, Bw., leicht oder fehnell fahrend (von Fahrzeugen); 
Yeichtfertig, Bw., eig. ſich mit Leichtigkeit bewegend, hurtig, raſch, in dieſer 
Bed, nur noch niederd. (gem, lichtfardig od, = farigz ein leichtfertiger Gangz bie 
Arbeit geht ihm leichtfertig von der Hand); uneig, unbefonnen, unbedachtſam, 
vorſchnell (ein leichtfertiges Urtheil, Benehmen u. dgl); unüberlegt Handelnd, 
bef, gern luftige Streiche machend, doch ohne böslihe Abficht, finnv, Leichtfinnig, 
muthwillig (ein leichtfertiger Knabe); ohne gehörigen fittlichen Ernft, ohne ſitt— 
lihe Strenge, nicht fittfam, ſinnv. frei (ein Leichtfertiges Frauenzimmer); die 
Leichtfertigkeit, das Eeichtfertigfein, ſinnv. Leihtfinn, Muthiwillens Unfitt- 
lichkeitz aud) eine leichtfertige Handlung ; leichtfluͤſſig, Bw., leicht in Fluſs 
gerathend, leicht ſchmelzend, entg. ſtrengflüſſig (Metalle) ; die Leichtfluͤſſigkeit; 
leichtfüßig, Bw. G. B. ein leichtfügiger Tänzer), uneig. f. leichtfertig, Leichte 
finnig; die Leichtfüßigfeitz leichtglaͤubig, Bw., leicht und ſchnell und ohne 
Prüfung glaubend; die Leichtgläubigfeit,; das Leichtholz, eine Art des 
Stahlbaumes mit fehr leichtem Holz; der Keichtfinn, leicht bewegliche, flüchtige 
Denk: und Gemüthsart, als fehlerhafte Eigenſchaft (verſch. leicht er Sinn), 
unüberleate Handlungsweife; die Geneigtheit, aus vorſätzlicher Unterlafjung der 
Überlegung wichtige Dinge für unwichtig zu nehmen, Mangel an Ernft u, fefter 
Geſinnung; leichtfinnig, Bw, , Leichtſinn befigend, darin gegründet, finnv, 
Yeichtfertig, flatterhaft, (ein Leichtfinniger Menſch, leidhtfinnige Reden); die 
Reichtfinnigfeit, das Leihtfinnigfein, ſinnv. Leichtfertigkeitz auch eine leicht: 
finnige Handlung ; — Ableit. die Leichte, Leichtheit, gew. (u, in uneig. 
Bed, ausſchließlich) Leichtigkeit, das Leichtſein, die leichte Befchaffenheit, 
eig (z. B. eines Körpers, Gewichtes 2c.), u. uneig. in allen Bed. v. leicht (3. B. 
des Ganges, einer Sache), geringe Mühe od. Schwierigkeit (die Leichtigkeit 
einer Sprache; feine Leichtigkeit zu fhreiben u, dgt.); leichten, ziel. Zw. 1) fel- 
ten fs leicht machen; 2) (m. U, feuchten; vielleicht verw, mit laden, hauen) 
Landfch. f. verfchneiden (Lüämmer) ; daher die Leichte, landſch. f. Verfchneidung 
der Schafe; leichtern, ziel. 3m, , vlt, f. leichter machen, erleichtern, Gibl. 

h leichtere 


leid 49 


teichtere das Zoch 2c.)5 leichtlich, Nw. von leicht, meift vlt. f. ohme Mühe, 
ohne Schwicrigfeit, 

leid, Bw,, Comp, leider und Sup, leideft felten gebr,, (altd, leit, leide; 
oberd, faib, ſchwed. led u, angelf, lath, zornig, hafslichz ital, laido, franz, 
laid, häſslichz wahrſch. verw, mit ver=-Legen, lat, laedo; alfo eig, verlegend), 
ehem, überh. eine unangenehme od, fchmerzliche Empfindung verurfachend, 
daher f. häfslich, abfcheulich, befchwerlich, betriibend (ein Leider Anblick, 
die leiden Gäſte u, dgl.)5 jest nur in ungebeugter Form (leid) in Verbindung 
mit fein, thun u, werden u, dem Dat, der Perfon f. Schmerz, innere 
Unruhe, Neue erregend, entg, Lieb (fein Vergehen ift ihm leid, d. i. er be- 
reut es; es ift od, thut mir leid, dafs es gefchehen ift, d, i, eö dauert od, reuet 
mich; es wird ihm einmal leid werben z es thut mir leid um ihn, d, i,ich bedaure 
ihn 5 laſs dir das nicht leid Eu 2c.)3 gebeugt wird es nur in der Form eines ſächl. 
Hw,: Leides oder ein Leides in den Redensarten: einem Leides thun, 
d. i. ihm Leid zufügenz fich ein Leides thun, d. i. ſich ein Übel zufügen, bef, 
fi) ums Leben bringen ; — das Leid, — es, 0. M. (oberd, Laid, niederd, Leed, 
ſchwed. led) 1) (altd, daz leit) was fehmerzliche Empfindung erregt, ein 
Übel, eine Kränfung, Beleidigung (einem ein Leid thun, gew. ihm etwas zu 
Leide thunz es fol dir kein Leid gefchehen, widerfahren zc,) 5 2) (altd, diu 
leide) die ſchmerzliche Empfindung uͤber etwas Geſchehenes, über eine Wi— 
dermwärtigkeit, einen Verluſt 2c,, ſinnv. Kummer, Gram, Betruͤbniſs, entg. 
Freude (Freud' u, Leid mit einander theilen; einem fein Leid klagen); in engerer 
Bed, Trauer um einen VBerftorbenen (um Semand Leid tragen); landſch. f. 
Beileiddbezeigung (das Leid einnehmen), auch f, Trauerfleidung, Leichenbe— 
gaͤngniſs, Leiche (im Leide gehen; das Leid begleiten ꝛc.)3 daher landſch. Zſetz. 
wie Leidbbitter f, Leichenbitter; Leidhaus, Leidkleid, f. Trauerhaus, 
= Heid 26,5 — leiden, Zw. (altd, lidan, liden f. leiden; leidon f. Leid verur: 
ſachen; niederd, liden, ſchwed. lida, dan, lide) ablaut, Impf. litt, Conj. littez 
Mw, gelitten; 1) ziellos m, haben, ehem, f. Leid verurfachen, leid oder 
unangenehm fein (was Einem liebt, Veidet dem Andern)z jest: Leid, Körpers 
0d, Gemüth3 = Schmerz empfinden, finnv, dulden (dev Kranke leidet ſehr; 
an den Augen, an-der Gicht leidenz der Leidende Theil; mein Herz leidet da= 
bei 2c,); Nachtheil, Schaden, Verluſt erfahren, ohne den Nebenbegriff der 
fhmerzlihen Empfindung (er hat bei diefem Handel gelitten, d. i, verloren), 
daher au) von Sachen (das Haus hat durch Feuer gelitten; die Bäume ha— 
ben durch Froft gelitten 26,5 meine Ehre leidet darunter); überh, eine Veraͤn— 
derung erfahren, indem man ſich unthätig (paffiv) verhält, entg. thun (das 
leidende Ding, der leidende Theil, entg. dem thätigen; dieleidende Form, 
b. Leideform, Sprachl. f. das fr. Paſſivum)3 2) ziel. etmad — als ein 
Übel mit Unluft empfinden (Schmerzen, Hunger und Durft, Noth, Mangel, 
Gewalt, Unredit, Strafe leiden); in weiterer Bed, etwas Nachtheiliged un— 
soillfürlich erfahren, ohne den Nebenbegriff der Unfuft (Schaden, Verluſt lei- 
den; der Unfchuldige mufs viel leiden); in noch weiterer Bed, etwas willfür= 
lic) ertragen, dulden, gefchehen laffen, nicht hindern, zulaffen, erlauben 
(das kann ic) wohl Yeidenz ich mag es nicht vor Augen leiden; ih mag ihn 
wohlleiden, di. ich habe ihn lieb; entg, ih mag od. fannihnnidt 


‘ teiden, di, er ift mir unangenehm, unerträglichz daher: in einem Haufe 


wohl gelitten fein, d, i, gern gefehen z ſolche Unordnung darf ich nicht leiden, 
Heyſe's Handwörterb, d, deutſchen Spr. 2, Theil. 4 


50 | leid 


di, zugeben; ich leide es nicht, dafs 2c,5 hier werden Feine Hunde gelitten 
u, dgl, m,), uneig. auh von Sachen (die Sache leidet Teinen Auffhub, d i, 
darf nicht aufgehoben werden); — das Leiden, -8, M. w. E., 1) der 
Zuſtand ded Leidend (das Leiden Chriftiz im Leiden gebuldig fein); insbef. 
Kummer, Betriibnifs über unglückliche Ereigniffez 2) ein Ubel, welches 
Körpers od. Gemüthöfchmerz verurfacht (ein fehweres Leiden ertragen; Freu: 
den und Leiden mit Semand theifen), finnv, Leid (ſ. 0,), welches mehr ein von 
_ Menfchen zugefügtes Übel, ein erlittenss Unrecht bezeichnet; Leiden hingegen 
ein verhängtes od, felbft verfchuldetes, 3, B. Krankheit, Mangel, Noth 20.5 — 
3fes. von Leid: das Leidweſen, —s, 0. M., das Leidfein, Bedauern (zu 
meinem Leidwefen); die Betrubnifs, das Wehklagen; — von Leid: der Keid- 
bitter; das Leidhaus; das Leidkleid, ſ. 0, Leids fo auch: das Leideſſen 
landſch. f. Leichenmahl; der Leidgefang, f. Zrauergefang; der Leidtag, f. 
Zrauertags leidtragend, Bw., betrübt, trauernd um einen Verftorkenen, 
beis als Hw, der, die Leidtragende ac. 5 leidvoll, Bw,, voll Leides, ſchmerz— 
. voll; — von Leiden: der Leidensbecher od. =felch, ſ. d.5 der Leidens— 
geführte, =genoffe; die Leidensgefährtinn ꝛc.; die Leivensgefchichte, 
bef. die Gefchichte der Leiden Jeſu (fr. Paffionsgefhichte); das Leidensjahr, 
Unglüdsjahrz der Leidenstag; die Keidenswoche, bef, die Woche, in welche 
der Leidens und Todestag Jeſu fallt (die ftille Woche, Char-, Paffionswoche); 
leiden3 = od, leidenvoll, Bw.; — Ableit, von Leid: leider (altd. leidor, 
leidir, eig. Compar, von Leid: was nodj leider, d, i. fchlimmer ift), ein Empfin— 
dungswort, weldes Bedauern oder Betruͤbniſs ausdrüdt (leider ift es ſoz er 
ift leider todtz gem. auch leider Gottes! d, i, es fei Gott geklagt); — von 
Leid: leidig, Bw., 1) vlt, f. Reid abend, tragend, betrübt (die Leidigen 
f. Leidtragenden); 2) Leid, Unluft verurfachend, leidbringend, ſchaͤdlich, 
Yäftig, beſchwerlich (das leidige Geld; ein leidiger Troſt, der feines Zweckes 
verfehlt), haͤſſlich, abfcheulich, boͤſe (der leidige Geiz, Teufel); — von Lei- 
den: der Leider, -8, wer leidet, nur in Zfeg, wie Mitleider, Hungerleider; 
leidbar, Bw,, felten, was gelitten, ertragen werden kann; leidlich, Bw,, 
was ſich ohne merffiche Unluft empfinden laͤſſt, ſinnv. erträglich (dev 
Schmerz ift leidlich; eine leidlihe Wärme, Kälte); überh. f. mittelmäßig, 
ziemlich gut (eine leibliche Geftalt, Stimme u, dgl. 5 fich Leidlic) befinden) ; die 
Leidlichkeit, leidliche Befchaffenheit, Ertraͤglichkeit; leidſam, Bw., felten, 
geneigt u. bereit zu leiden, geduldig leidend, ſinnv. duldſam; die Leidſam— 
keit; leidentlich, Bw. (vom Mi, leidend; f. lich; vergl. hoffentlich, wiffent: 
lich), oberd. f. leidlich; Neuw. f. leidend (fr, paſſiv), entg. thätlich (ſich lei— 
dentlich verhalten; der leidentliche Handel f. Paſſivhandel; beſ. Sprachl. das 
leidentliche Verhältniſs, die leidentliche Form, f. Paſſivum)z die Leidenſchaft, 
M. Sen, überh. das leidentliche Verhalten eines Dinges, entg. Handlung; 
gew. in engerer Bed. eine fuͤhlbare Veraͤnderung des Gemuͤthszuſtandes, 
“eine heftige, den Willen beherrſchende Empfindung, Begierde, anhaltende 
Gemuͤthsbewegung, wobei ſich die Seele leidend verhält, fr, Affect (Liebe, Haſs, 
Eiferfucht, Zorn find Leidenschaften ; etwas mit Leidenfchaft lieben, hoffen; feine 
Leidenfchaften beherrfchen 2c.)5 insbef. heftige Liebe u, uneig. der Gegenftand 
derfelben (eine Leidenfhaft für Semand empfinden 3 fie ift feine Leidenſchaft; fr. 
Pafjion) ; leidenfchaftlich, Bw, u. Nw., Leidenfchaft zeigend, darin gegruͤn— 
det, mit Reidenfchaft (ein leidenfchaftlicher Menſch; ein leidenſchaftlicher Eifer 5 


Leie — leihen 51 


etwas leidenſchaftlich Lieben); die Leidenſchaftlichkeit, das Leidenſchaftlich— 
fein, finnv, Heftigkeit, Lebhaftigkeit; leidenſchaftlos, Bw., frei von Leiden: 
fhaften, ruhig, gemäßigt; die Leidenfchaftlofigkeit, 

Leie, m., -n, M. -n (niederd, Leiden; v. dem alten ley, Fels), landſch. 
fe Schiefer; daher: das Leiendach, der Leiendecker f. Schieferdadh,, - decker ; 
der Leienftein fi Thonſchiefer; der Leienſticken f. Schieferftiftz — der Lei— 
fuchen, in den Salzkothen, Stücke Schlotter, die auf den Rand des Herdes u. 
der Salzpfanne gelegt werden, 

Leier, ehem, gew, Leyer, m, Mi -n, Verkl. dad Leierchen, (altd. 
lira ; nieberd, Lier; griech. Auge, lat. Iyra) 1) ein befaitetes Tonwerkzeug der 
Alten, in der beften Zeit der altgriedh, Tonkunſt fiebenfaitig, dad mit den 
Fingern gerührt wurde, be. zur Begleitung des Geſanges; daher häufig als 
Sinnbild des Gefanges und der Sangdichtung (die Leier ergreifen, ertönen 
laſſen 26); Sternt,, Namen eined Sternbilded; 2) jest: ein eintöniges 
Tonwerfzeug, deffen Saiten durch ein Rad mit einer Kurbel in Schwin— 
gung gefeßt werden, Drehflimper; gem, auch f. Drehorgel; daher uneig. 
f. die eintönige Wiederholung einer Sade, der einförmige hergebrachte 
Gang (es ift immer die alte Leierz die alte Leier anftimmen 2c,); aud) Benen— 
nung verfchiedener Werkzeuge, welche wie das Rad einer Reier gedreht 
werden, 3.8, ein Drebftod der Bortenwirker; eine bewegliche Walze der Vogel: 
fteller ; ſchweiz. ein Butterfafsz eine Art Bratenwender (Bratenleier)a,;— 
3fes. leierförmig, Bw.; der Leiergang, einförmiger, hergebrachter Gang; 
leierfundig, Bw,, uneig, dicht, des Singens und Dichtens Eundig; der Leier— 
mann, wer die eier, d, i, die Drehflimper od. Dreborgel fpielt; fo auch: die 
Leierfrau, das Leiermaͤdchen; dad Leierſtuͤck, Tonſtück für die Leier ; — 
Ableit. leiern, ziellof. und ziel. 3w., auf der Beier, d. i. Drehorgel, ſpie— 
Ion; landſch. überh. f. drehen; uneig. eintönig u. langweilig fingen, fpielen, 
fprechen (einem die Ohren voll leiern; einen in den Schlaf leiern); ſich lang= 
fan bewegen, faumfelig in feinen Verrichtungen fein (dem ganzen Tag an 
etwas leiern); geringfügige Dinge thun (fprichw. beffer geleiert, als gefeiert) ; 
der Leierer, - 3, die Leirerinn, M, - en, f. v. w. Reiermann, = frau; uneig. 
ein eintöniger, fchlechter Dichters; ein Zauderer. 

leihen, ziel. Zw. (goth. laihvan, altd. lihan, Impf. leh, Mw. giliuuan ; 
vergl, Lehen, lehnen 2.), ablaut. Impf. lieh, Conj. liehe; Mw. geliehen; 
1)einem etwas —, ihm den Gebrauch oder Nießbrauch einer Sache 
auf einige Zeit geſtatten, bef. nur von beweglichen Dingen, finnv. borgen, 
verſch. vermieihen, verpachten (einem ein Buch, ein Pferd, ein Hausgeräth; 
Geld ohne od. gegen Zinſen; Geld auf Pfänder — 2c.)5 ehem. auch f. zu Lehen 
geben ; uneig. überh. f. mittheilen, verleihen (dicht.); zufchreiben, andichten; 
2)etwasvon Jemand —, zum Gebrauch auf eine Zeitlang entnehe 
men, ald Darlehn empfangen, finnv, entlehnen, borgen (Bücher, Geld 

von Jemand —; geliehene Saden.zc.); — 3 fe. die Leihbank, das Leihhaus, 
eine Öffentliche Kaffe, od. eine Privat: Anftalt, welche gegen hinlängliche Sicher: 
heit, Pfänder 2c. Geld ausleihtz der Keihfauf, das Angeld, f. d.; auch das 
nach gefchloffenem Handel von keiden Theilen zufammengelegte Geld zum Ber: 
trinken und Verfhmaufen (den Leihkauf geben, trinken; vergl, Leitfauf); auch 

\ f- Lehnwaare, ſ. d.5 — Ableit. der Leiher, -8, die Leiherinn, M, -en, 
wer etwas ausleiht, 


3 


Leik — Lein 


— 
d 


Leif, ſ., - 08, M.e, niederd. Schiff, dad Tau, womit das Segel 
umfafjt wird Ai woran die Kanten feftgenäht werden; auch das Öerippe 
eined Schiffes; leifen, ziel. 3w., dad Leif an dad Segel nähen, 

Leifuchen, f. unter Leie. 

Leilaken, 9 -8, M. w. E., oberd. dad Leilach, -8 (altd. lih.lahhan, 
lilachen, d. i. Leiblaken, f. Leiche; doch auch linlachen, d. i. Leinlaken; vergl. 
Laken), landſch. f. Betttuch. 

Leim 1., m., -es, M. (von mehren Arten) -e, (altd. u. ſchwed. lim; nie- 
derd. Liem; engl. lime; verw. mit Lehm, Schleim, Schlamm, f. d.), überh. 
ein weicher, zäher, Flebriger Körper, ald Bindemittel gebraucht, 3. B. 
Vogelleim (ſ. d.), Maler-Leim, aus Harz und Honig bereitet und zu Gold: 
gründen gebraucht; in engerer Bed. ein ſolches aus thierifchen Stoffen, als 
Knohen, Lederabgängen, Haufenblafe 2c., gefottened Bindemittel, ver. 
Kleifter, Kittz 3. B. der gemeine Zifchlerleim, der Buchbinderleim 20.5 — 
3fer. die Leimbank, der Keimbod, ein Geftell der Vogelfteller, auf welches 
die Leimruthen geſteckt werden 5 der Leimbaum (v. anderem Stamm, f. Leene) 
landſch. f. Ahorn, Ulme; die Leimfarbe, mit Leimwaſſer angemachte Farbe; 
dad Leimfraut, ein Elebriges Pflanzengefchleht mit zehn Staubfädenz die 
Leimfumme, das Leimwafferfafs der Papiermacher; das Leimleder, Leber: 
Abgänge zum Leimfigden; der Keimpinfel, Pinfel zum Auftragen des Leimes; 
die Leimruthe od. = fpindel, mit Vogelleim überzogene Ruthe zum Vogelfang; 
der Keimfieder, wer Leim fiedet, Leimbereiter; die Leimfiedereiz die Leim— 
— eine lange Stange, in welche die Leimruthen geſteckt werden; der 

Leimtiegel od. =topf, Gefäß, worin der Leim durch Kochen aufgelbſ't wird; 
das Leimwaſſer, mit aufgelbſ'tem Leime vermifchtes Waſſer; die Leimzwinge, 
Tiſchl., zwei ſtarke Bretter mit ſenkrechten Zapfen, zwiſchen welche zuſammen— 
geleimte Bretter feſtgekeilt werdenz — Ableit. leimen, ziel. Zw., mit Leim 
verbinden, BEIN (ein Brett); mit Leim überziehen; mit Leimwaffer 
tränfen oder Durch Leimwaſſer zichen (Papier —, damit — haltbarer werde 
und Bsp Zinte nicht durd)laffe, fr. planiven); leimig, Bw., Leim enthaltend, 
mit Leim beſchmiert; leimiht, Bw., leimaͤhnlich, zähe wie Leim. 

Leim 2., m., -eö, oder der Leimen, -$, landſch. f. Lehm, f. d. 

lein, (altd. -ili, ©. -ilines; fpäter - as vergl. d. lat. -lus, olus, ulus, 
illus 26.5 f. auch Hein), eine Nachfilbe zur Bildung von Berfleinerunge= 
wörtern (Diminutiva) von Hauptwörtern, welche dann ſämmtlich fachlichen 
Gefchlechts werden u. in der Kegel den Umlauf annehmen, in der Mehrh. aber 
unverändert bleiben (5. B. das Kindlein, Fräulein, Blümlein, Bäumlein, 
Dörflein, Knäblein 26,5 Mehrh. die Kindlein, Fräulein (nit: Fräuleins), 
Blümlein 20.5 von: das Kind, die Frau, Blume, der Baum ꝛc.). In der ges 
wöhnlichen hochd. Schriftfprache ift diefe Silbe meift veraltet u. durch die gleich— 
bed. hen (f. d.) verdrängt, außer wo durd) Anhängung des en eine Härte 

entftehen würde (3. B. Bächlein, Büchlein), und aud wohl in der Dichterfpr., 
bef, um dem Ausdrud eine alterthiimliche Farbung zu geben. In der Volkefpr. 
lebt die Silbe Lein vorzugsweife in ben oberd. Mundarten, bef. als Ausdruck 
der Vertraulichkeit u. Zärtlichkeit, jedoch meiſt verkürzt in el, I (z. B. Kindel, 
Büchel, Fingert), le, li, la ꝛc. (Büble, Büoli, Bübla f. Büblein, Bübchen). 

Lein, m, —es, o. M. (altd. lin, niederd. Lienz ſchwed. lin; griech. Alvor, 
lat. linum, ital, lino, franz. lin), der Flachs (ſ. d.)5 insbeſ. die Flachs⸗ 





Leinbaum — leife 93 


pflanze, fo lange fie noch auf den Felde ſteht (def. niederd.5 z. B. der Lein 

fteht gut 5 den Lein güten 2c.); ferner der Samen diefer Pflanze, Leinſamen 
(Lein ſäen, aus Lein Öl fchlagen) ; ehem. u. noch dicht. u, in Zfes. f. leinened 
Gewebe, Leinwand; — 3fetz. der Reinader, «boden, dad Leinfeld, 
ebeet ꝛc.; der Leinbau, Anbau des Leins; die Leinbluͤthe; die Leinbluͤth⸗ 
farbe, fhöne blaue Farbe der Leinblüthe; leinboͤdig, Bw., bei Zeugwebern, 
einen Boden oder Aufzug von Leingarn habendz der Leindruder, wer bunte 
Mufter auf Leinwand drudt, Leinwanddruder; der Leinfink, eine Art des 
Hänflings; der Leinfifch, die Schleie, wegen der leingrünen Farbe; das 
Leingarn oder Leinengarn;z leingrau, Bw., eine graue Farbe aus Bleiweiß, 
Lad u. Berlinerblau gemiſcht; leingrün, Bw., blafsgrün, wie die Leinpflanze; 
der Leinknoten, Samenkapfel des Leines; das Leinkraut, ſ. Flachskraut; 
der Leinkuchen, die nad) dem Hlſchlagen übrig bleibenden sufammengeptefften 
Hülfen des Leinfamens, in vieredige Stücde geformt u. 'zum Viehfutter benußt ; 
das Leinoͤl, aus Leinfamen geſchlagenes, d. i. geprefftes DL; die Leinpflanze; 
die Leinſaat, ver Leinſamen, ſ. o.ʒ die Leinwand, gem. Leinewand, (altd. 
‚ liowat; oberd. Leinwatz von wat, Wand, Gewand, . d.), aus leinenen Faden 
gemachtes Gewebe (grobe, feine, gebleichte, Haus-, Kaufleinwand 2c.)5 in 
weiterer Bed. auch) ein Gewebe aus Hanf (hänfene Seinwand); leinwanden, 
Bw., aus Leinwand gemacht, gem. leinen, ſ. u.ʒ der Leinweber, -8, die 
Leinweberinn, M, - en, gem. Leinemeber 2c., wer Leinwand u. leinene Seüge 
webt; die Leinweberei; — Ableit. leinen, Bw. (altd. linin, niederd. u. 
engl. linnen), aud gefponnenem Lein oder Flachs gemacht (leinenes Garn, 
Zeug 2c.)5 aus Leinwand gemacht, leinwanden (ein leinenes Hemd, ein lei- 
nener Kittel 2c.)5 daher als Zfeg. dad Leinengarn, =tuch, =zeug ꝛc.; das 
Leinen -3,.0 * (niederd. Cinnen, engl. linnen), leinenes Garn, u. 
be. | Reinenzeug, Leinwand und alled daraus Verfertigte; — die Leine, 
M.-ın, Verkl. dad Leinchen, (altd. u. ſchwed. lina, nieder). u. dän. line; 
engl. line ; gried. Alvov, lat. linea, franz. ligne), ein langes und verhält: 
nifsmäßig duͤnnes hänfened oder flächfenes Seil, ftärker als eine Schnur, 
dünner als ein Seil, Tau, länger und ſchwächer als ein Strict, zu verfchiebe: 
nem Gebraud) (3. B. Wäſch-, Zeug-, Pferdes, Acker-, Sagdleine 20.) 5 daher: 
der Leinenfchießer, ein Matrofe, welcher beim Wallfiſchfange die Leine an dem 
geworfenen Hakenſpieß ſchnell nachſchießen, d. i. von der Rolle ablaufen läſſt; 
der Leinochfe, der Ochfe, welcher vor dem Pfluge rechts geht u. mit der Leine 
gelenkt wird, entg. Handochſe; der Leinpfad, die Leinftraße, (andſch. ver: 
derbt in Leimftraße), Uferweg für diejenigen, welche Fahrzeuge an Leinen 
fortziehen 5 der Reinzieher, wer ein Schiff an der Leine zieht; — - der Lein⸗ 
ling, -8, M.-e, Glahefink, Bluthänfling, 

Reinbaum, m., ſ. Leene. 

Leine, w., Leinen, ſ., leinen, Bw., ſ. unter Lein. 

leinen, Zw. 1) landſch. gem. f. Ihnen 1.5 2) (o. dem oberd. Ten, isländ. 
linr, lat. lenis, weich), Lind; vergl. lehne) oberd. f. thauen, aufthauen (es 
leinet 53 aufleinen 2c.). 

Leiner, m., -8, M. w. E., die Schnatter = oder Schnarr = Ente: 

Leinfink, Leindi, Leinwand, Leinweber te. ſ. unter Lein. 

leiſe, Bw., Somp. leifer, Sup, "teifeft (alt. liso, lise; oberd. leis, niederd. 
life; vergl, lauſchen), ſchwach ins Gehör fallend, ſchwach fehallend, finnv. 


“ 


54 Leife — Leiſten 


facht, entg. Laut (leife fprechen, gehenz Yeife auftreten, uneig, f. behutfam 
verfahren) 3 fähig auch den ſchwaͤchſten Schall zu vernehmen (ein leiſes Ge- 
hör; Leife Schlafen, einen leifen Schlaf haben, d, i, durch jedes Geräufch leicht 
erweckt werden); überh, f. ſchwach, gelind, fanft, ſich wenig Außernd (oberd. 
leife gebadenes Brod, d. i. weich gebadenes 3 ein leifer Miſsmuth u, dgl.) 3 auch 
f. allmählich, unmerklich; der Leifetreter, uneig, f. Schleicher, Hocker, 
Lauerer, Kundſchafter; leishörig, Bw., ein Leifes, d. i, ſcharfes Gehör habend, 

Reife, w., M. -n, landſch. f. dad Geleiſe, ſ. d. 

Leiſe, w,M.-n, Bert, dad Reiftchen, (alt, lista; verw, mit Leife, 
Geleiſe, |. d., u, d. goth, laistjan, folgen, worin der’&rundbegriff eines Er: 
firedens in die Länge liegt), überh. ein langer und verhältnifsmäßig dünner 
u. ſchmaler Körper, der an od, auf einem breiteren befeftigt ift, bef, als Rand, 
Einfaffungz ꝛc. insbef, am Rüftwagen: ein langes, oben gekruͤmmtes runde 
liches Holz, welches vermiztelft des € eiftenring es (od, Leuchſenringes) hinter 
der Lünfe an die Achfe befeftigt wird, auch die Stemmleifte, das Leiſtenholz 
genanntz Buchdr. ſchmale Stöcke od, in Holz geſchnittene Figuren (Schlu ſs— 
Leiften, wenn fie am Ende eines Buches oder Abfchnittes gebraucht werben) 5 
bei Holzarbeitern ein langes fchmales Querholz zum Zufammenhalten zweier 
Bretter Querleiſt e); jeder lange, ſchmale, flach od. rund erhabene Theil 
eines Körpers, bef. ald Verzierung oder Einfaffung (engl, ledge; bie Felder 
einer Thür mit Leiften einfaffen); in weiterer Bed, auch ein flacher Nand, 
Saum, Borte, Einfaffung an Kleidern ec., bef, Tuchm. der angefchrotene 
grobe Zuhrand (Sahlleifte, Anſchrote ꝛc.); die gefchliffenen Ränder eines 
Spiegels; Anat, fehmale und lange Hervorragungen an den Kuochen (Linien); 
an Pferden der erhabene Theil am Hinterfchenkel nad) dem Bauche zu; au 
eine Krankheit der Pferde, wenn die Knorpel am oberen Rande der Feſſel zu 


‚Knochen werben, (beides auch: der Leiſt); oberd, f. harte Schwielen an Hän: 


den und Füßenz ferner: lange und fchmale Vertiefungen, Rinnen zur Ver: 
zierung und Einfaffung (Hohl-, Kehlleiften, ſ. v. w. Hohlfehlen); die 
Vertiefung zu beiden Seiten des menfchl, Unterleibed von den Hüften bis 
zu den Schamtheilen: die Reiften (Mehrh.), gem, auch der Leiſten; aud) f, die 
Weiche; — 3feg. der Leiftbügel, an Rüftwagen ein breiter eiferner Bügel 
mit zwei Ringen, in deren einem die Leiſte (ſ. o.), im andern die Runge ftedtz 
die Leiftenbeule, Luftfeuchenartige Beulen in den Leiften am Unterleibe (fr, Bu: 
bonen) 5 der Leiftenbruch, ein Bruch in der Leifte oder Weiche; der Leiften- 
hobel, Hobel zur Verfertigung von Leiftenz das Leiftenholz, ſ. 0.5 der 
Leiftennagel, eine Art breiter Nägel mit langlihem Kopf, 1 bis 14 3oll Yang 
(Halbe und ganze Leiftennägel); der Leiftenfchein, ſ. v, w. Schnittſchein (fr, 
Coupon); der Leiftenvers, M. Leiftenverfe, Verfe, deren Anfangsbuchftaben 
der Reihe nad) (gleichf, in einer Leifte) zufammengelefen einen Namen od, Spruch 
bitden (fr, Afroftihon); der Leiſtenwein, ein vorzüglicher Würzburger Wein, 


- an einem Abhange wachfend, welcher „die Leiſte“ heißt (vielleicht verderbt aus 


Leite? f.8.); — Ableit. leiften, ziel, Zw., Web, mit einer Leifte (Sahl— 
teifte) verfehen; bei Fuhrleuten: an die Leiſte haͤngen (die Leitern eines 
Wagens —), 

Leiſten, m., -8, M. w. E., Verkl. dad Leiſtchen (oberd. Laiſt, Laiftenz 
niederd. und holl. lcest; engl, last; dän. und ſchwed, läst; bbhm. lista; von 
gleichem Stamm mit Leiſte, ſ. d.), ehem. überh, Geſtalt, Form, Muiter ; 


; 





leiften — leiten 55 


daher noch bei den hohen Öfen: bie vertiefte Form, in welche das geſchmolzene 
Eiſen geleitet wirdz gew, in engerer Bed. das nach der Geſtalt eines Men— 
ſchenfußes geſchnittene Holz, deſſen ſich die Schuhmacher als einer Form be: 
dienen, der Schuhleiften (ſprichw. Schufter, bleib bei deinem Leiften, d,i, 
bleibe bei dem, worauf du did; verftehft 5 uneig, Alles od, alle Menfhen auf od. . 
über einen Leiften ſchlagen, d. i, auf einerlei Art behandeln, mit gleihem Maße 
meffen) 3 der Leiftenfchneider, ein Handwerker, welcher die Schuhleiften ſchneidet. 
leiften 1., ziel. Zw. (altd. leistan, oberd, laiften, nieberd, Löften, angelf, 
laestan ; dv, d, goth, laistjan, folgenz vergl, Leifte, Geleife) , eig, befolgen z 


° ausüben, verrichten, verwirklichen, thun, gewähren, wad man verfprochen 


hat oder zu hun verpflichtet ift (ee hat nicht geleiftel, was er verfprachz eis 
nem Befehle Folge —, der Obrigkeit Gehorfam — ; einem Freunde Hülfe, Schuß, 
Dienfte leiften); in weiterer Bed, ohne den Nebenbegriff der Verbindlichkeit: 
darbringen, erweifen, gewähren, geben (Bürgfhaft, Sicherheit —z einem 
Geſellſchaft leiftenz; Widerftand Leiften, d. i. ſich widerfegen) u, überh, f, thun, 
verrichten, ausführen (ev hat viel geleiftet) 3 ehem, auch ziellos in engerer Bed, 
f. fi als Bürge ftellen, die Bürgfchaft vollziehen; — Ableit, leiftbar, 
Bw., was geleiltet werden kann; die Leiftung, M. -en, das Leiftenz das 
Geleiſtete, Gethane, VBerrichtete (feine Leiftungen übertreffen meine Erwar— 
tung); ehem. bef. die perfünliche Stellung eined Buͤrgen. 

leiften 2., Zeiftenbeule, =bruch ꝛc. — = wein, ſ. unter Leifte, 

Leit, ſ., — es, o. M. (goth, leithus, altd. lid, lich) alt oberd. ein geifti= 
ges Getränfz daher der Leitgeb, -en, M. -en, (verderbt: Leutgeb, 
Leutgeber) oberd, f. Schenkwirth; dad Leithaus f. Schenke, Wirthshaus; 
der Leitkauf (verderbt: Leikaufz vergl, Leihkauf), das Geld, welches nach 
gefchloffenem Handel der Käufer außer dem Kaufpreife zum Vertrinken od, Ver: 
ihmaufen giebt, der Weinfauf, 

Leite, w., M. -n, 1) (oberd, die Leiten, altd, lita, angelf. hlidhe, fchott, 
lithe; isländ. hlid, ſchwed. lid; wohl verw, mit litan, ſ. leiten), Landfch,, 
beſ. oberd, die fanft abhängige Seite eines Berges oder Hügeld, Abhang 
(Sommer:, Winterleite, je nachdem fie gegen Süden od, Norden liegt); auch 
ein fanft abhängiger Hügel ſelbſt; fränf, eine Landeögrenze (Landleite)z 
2).(oberd, Leit, Laitz v. leiten, führen, fahren), landſch. ein Faſs mit wei— 
ter Offnung ftatt des Spundes, worin die Weinbeeren aus dem Weinberg zur 
Kelter gefahren werden (fränf,)z; ein ähnliches mit Waffer gefülltes Fafs, in 


- welchem lebendige Fifche verführt werden (dftr,), 


leiten, ziel, Zw. (oberd, laiten, niederd. leiden, engl, lead, dan, lede; 
altd, leitan,, angelf, lädhban, isländ, leidha, ſchwed, leda ; und daneben alg 
ziellofes ablaut, Zw, f. fich bewegen, gehen: goth, leithan, altd, litan, angelf, 
lidhan, isländ, lidha, ſchwed. lida, hol, Iyden), die Richtung des Ganges 
oder der Bewegung eined Gegenſtandes beftimmen, finnv, Ienfen (ſ. d.), 
führen, von engerer Bed, als diefes, da in leiten immer Beziehung auf Ziel 
u. Zweck der Bewegung, oft aud) der Nebenbegriff der Sicherung vor Gefahren 
liegt (einen Blinden, ein Kind am Gängelbande — ; einen-auf den rechten Weg —3 
das Waffer ins Thal, einen Fluſs durd) die Stadt 2c, —) Naturl, einen Stoff 
nach gewiffer Richtung verbreiten und andern Körpern mittheilen (4. B, bie 


Wärme, die Eleftricität —z ein leitender Körper); uneig, einen Unfchlag, 


Pan u. dgl, —, deffen Fortgang und Ausführung anordnen; einen zum Gu— 


Leiter — Lende 


ten —, anleiten; ſich von ber Vernunft leiten Laffen 2,5 — 3 fes, dad Leit⸗ 
band, Gängelband, Laufzaumz der Leitfaden, uneig, dasjenige, wodurch 
man feinen Gang od. fein Verhalten in einer Sache beftimmen läſſt; beſ. eine 
kurze Anleitung zu einer Wiffenfchaft oder Kunftz das Leitfeuer, nad) einer 
beftimmten Richtung geleitetes euer, Lauffenerz der Leitgeſang, ein mehr: 
ftimmiger Gefang, bei weldjem ein Sänger allein anfängt und die andern ihm 
nachſingen (fr, Kanon)z der Leithammel, ein abgerichteter, die Heerde an— 
“ führender Hammel; uneig. ſcherzh. wer Andere durch feinen Vorgang leitetz 
der Leithund, die Leithündinn, am Hängefeil geführter Hund, der den 
Zäger auf die Fährte Teitetz der Leitriemen, dad Leitjeil, der Leitzaum, 
Riemen ꝛc. zur Leitung von Pferden oder Hundens die Leitroͤhre ‚ Röhre zur 
Wafferleitung ; die Leitfeite, rechte Seite an der Wagendeichfel, entg. Sattel- 
feites der Leitftern, ein Stern, fofern er Reifenden, bei. Schiffenden, zum 
Merkmale für die Richtung des Weges dient (uneig, ein Leitftern durchs Leben 
u, dgl,); dad Leitzeichen, Tonk., Zeichen am Ende einer Notenzeile, welches 
die nächſtfolgenden Noten im voraus andeutet (fr, Cuftos, Guidon) z; — Ableit, 
der Reiter, -3, die Leiterinn, M. -en, wer einen od, etwas leitet, ſinnv. 


Führer, Lenfer (der Leiter eines Blinden; die Vernunft iſt die befte Leiterinn 


im Leben); ein Körper, ein Werkzeug zur Beltimmung der Richtung eines 
andern Körperd, 3 B. Schiff. ein Tau, an welchem ein Klüver aufgehifft u, 
wieder geftrichen wird; Naturl, ein leitender Körper, ſ. o, leiten (3. B. Wärme: 
leiter, Leiter der Eleftricität 2c,); die Leitung, dad Leiten in allen Be, des 
Zw., finnv, Führung, Lenkung, Anleitung, oberd, auch die Leit, 
Leiter, w., M.-n, Berkt, dad Leiterchen, (andſch. gem, Letter; 
oberd, Kaiter, niederd, Ledder, hol, u, engl, ladder; altd, hleitar, leitra ; 
angelf, hläddrz; alfo wahrſch. v, Elettern, ſ. d., wie Stiege v. fieigen), ein 
bervegliches Werkzeug zum Steigen, beftehend aus zwei gleichlaufenden Stan- 
gen, die durch gleich weit abftehende Querhölzer (Sprofjen) mit einander ver- 
bunden find, verfh, Treppe, (Feuer-, Sturm:, Baum:, Gartenleiter 20,3 
Stridleiter, ein ſolches aus Stricken zufammengefestes Werkzeug); jeded 
ähnlich geftaltete Werkzeug, wenn es auch nicht zum Gteigen dient, . B. 
die Leitern an den Bauer: und Rüftwagen (Wagenleitern), ein Gerüſt in 
Mühlen, in welchem der Rumpf ftehtz ehem, cin Martergeräth, auf welchem 
ein Berbrecher auögefpannt wurde; Süg, fpiegelicht od. viereckig geſtrickte Garne; 
uneig. jede Stufen = od, Öradfolge, abgetheilte Steigerungdlinie (fr. Scala) 
3. B. bie Gradleiter der Wärmemeffer u, Wettergläfer, die Tonleiter in ber 
Tonk.; die Leiter der Wefen, d. i, die Stufenreihes; — 3 fe, der Leiterbaum 
oder die Leiterſtange , die beiden ſtarken und geraden Hölzer einer Leiter, in 
welche die Leiterfproffen eingezapft find (vergl, Sproffe) 5 der Leiferwagen, 
ein auf den Seiten mit Leitern verfehener Wagen, 
Leitfaden ꝛc. — Leitzeichen ſ. unter leiten, 
Leitgeb, =haus, =Fauf, ſ. unter Leit, 
lemmern, ziel, Zw, (verw, mit lahm, lähmen) nieberd, f. hemmen, hin— 
dern, vergl, belemmern. 


Lemming, m., -ed, Me -e, die große Zug- oder Wandermaud im - 


nprdl, Europa, 
Lende, w., Mi -n, Verkl. dad Lendchen, (altd, lenti, lendi; dän, 
u, ſchwed. länd; island, u, angelf, lend), der Theil ded menfchl, und thier— 





- 0 Ienten — Leiche 57 


Koͤrpers zunaͤchſt hinter u, unter dem Hüftknochen (lat, lumbus; bie Lenden 
umgürten), gew, in weiterer Bed, dad ganze Dicfbein, der Schenkel; — 
3fes. der Lendenbraten, die Langen ſchmalen Fleiſchſtücke, welche inwendig 
am Rüdgrat des Schlachtviehs über den Hüften und Nieren auögefchnitten wer- 
den, auch Mehr: (vr, Mör:) braten genannt (ſ. d.)3 vom Rindvieh der untere 
Theil des Rückgrats; der Kendengries, in der Gegend der Lenden, bef, in den 
Nieren, ſich erzeugender Gries (f. d.)5 der Lendenfnochen, Hüftknochen; die 
Lendenkrankheit, ſ. v. w. engliſche Krankheit, |. d.ʒ das Lendenfraut, 
eine Art der Grindwurzel od, des Ampfers; lendenlahm, Bw., lahm in der 
Lendengegend, hüftenlahmz der Lendenflein, ein harter Körper, der ſich 
zuweilen in ber Lendengegend bildet, Nierenfteinz dad Lendenweh oder der 
Lendenſchmerz; der Lendenwirbel, die fünf Wirbel des Rückgrats in ber 
Gegend der Lenden, 

lenfen, ziel. Zw. (dan, länke; wohl v, Lanke, Seite; vergl, gelenk), 
nad) einer Seite hin biegen, bewegen, richten, überh, die Nichtung der 
Bewegung eined Gegenftandes durch einen auf denfelben gemachten Ein 
druck beftimmen (die Pferde, den Wagen, einen Kahn —)5 uneig, eine Ver— 
änderung, den Gang einer Sache ıc, mit befonnener Abſicht beftimmen, 
finnv, leiten (Gott lenät die Schidfale der Menfchenz ſprichw. der Menſch denkt's, 
Gott lenkt's; das Geſpräch auf etwas lenken 26,)3 ſich —, fich diefe od, jene 
Nichtung geben, finnv, fi) wenden, eig. u, uneig. (fh zum Guten —)5 von 
Leblofen Dingen: eine gewiffe Richtung nehmen (der Weg Ienkt ſich um einen 
Berg) 5 — 3fes, der Lenfriemen, das Lenkfeil, der Lenkzaum, zum Lenken 
eines Pferdes oder Gefpanns dienender Riemen 26,5 der Lenkfchämel, ein auf 
dem Rungſtocke eines gemeinen Wagens liegendes bewegliches Holz, der Wende- 
ihämel; das Lenffcheit, das zum Lenken des Wagens nötdige lange Holz an 
dee Langwelle, welches das Vorder- und Hintergeftell verbindet; — Ableit, 
der Lenker, -5, die Lenkerinn, M, -en, wer etwas Ienft, eig. (4. B. 
ein Wagenlenker) u. uneig, (dev Lenker unfrer Schickſale); auch ein Ienfendes 
Werkzeug, 3, B. in Sägemühlen: die hölzerne Stange, welche die Säge auf: 
und abbewegt; lenkbar, Bw., was gelenkt werden kann; die Lenkbarkeit; 
lenkfam, Bw., ſich gern und leicht lenken laffend, eig. (4. B. ein lenkſames 
Pferd), u, bef. uneig,, finnv. fügfam, folgfam, nachgiebig (ein lLenkſamer 
Menſch)3 die Lenkſamkeit. 

Lenz, m., —es, Mi -e, oberd. -en, M. -en (altb. lengizin, fpäter 
lenzin, lenzo; oberd. Längefs, Länge, Länz, Länzing; angelf. lencten, holl. 
lent; v. einem alten Zw. lengizan, engl. lengthen, verlängern, in Bezug auf 
das Lüngerwerden der Tage), alt und dicht. f. Frühling, auch uneig. (der Lenz 
des Lebens); fränk. f. Sommerfaatz die Lenzblume, Frühlingsblume; ein 
Pflanzengefchlecht mit röhrenförmigen Blumen, Erdblume; die Lenzflur, das 
Eenzgefilde, das Lenzgrün ıc.5 der Lenzmonat (altd. lengizin - od, lenzin- 
manod), der Monat März, Frühlingsmonat; der Kenztag, die Lenzzeit 20.5 — 
lenzen, ziellof. Zw. m. haben, 1) landſch. (=leinen, f. d.) f. aufthauen, 
lau werden; 2) dicht. Neuw., grünend und blühend werden, 

Leopard, m., -en, M. -en (lat. leopardus), ein afrifan. Raubthier, 
fahlgelb mit ſchwarzen Flecken, verſch. vom Panther, T. d. 

Lerche 1., w., M.-n, (altd. lerihha, lerahha, ſchwed. lärka, engl. 


‚dark; 985. aus d. angelf. laferce, niederd. Lewerke, holl. lauwerick , fdott. 


58 | Lerche — leſen 


laverock), ein Vogelgeſchlecht mit geradem, walzenfbrmigem, ſpitz zulaufendem 
Schnabel und einer langen Hinterkralle, beſ. die gemeine ſingende Acker = od. 
Feldlerhe, Sanglerche, (die Lerhen ſtreichen, d. i. fie ziehen im Herbſte 
fchaarenweife fort; man ſtreicht die Lerchen, d. i. man fängt fie in Regen); — 
3feg. die Lerchenammer, Schneeammer; die Lerchenblume, Schlüſſelblumez 
der Lerchenfalf, eine Art Eleiner Falken zur Lerchen = u. Rebhühnerjagdz auch 
f. Baumfalk, u. f. Bleifalk, Halbweihe, Lerchengeier; der Lerchenfang; 
das Lerchengarn, -netz; der Lerchenherd, ein Vogelherd zum Lerchenfang 
dad Lerchenkaͤuzchen, Keine Leiheneule, Kleiner Kauz; die Lerchenklaue, 
Ritterſporn; der Lerchenfperber, Thurmfalk; der Lerchenſpieß, Kleine 
Spieße od. Stäbchen, Lerchen daran zu braten; der Lerchenſtoͤßer, Sperber; 
das Lerchenftreichen od. der Kerchenftrich, das Streichen od. Ziehen der Ler— 
chen z der Lerchenfang mit Nesen. 
Lerche 2. w., ober der Lerchenbaum, f. Lärche. 
lernen, ziel. und ziellof. Zw. (altd. lirnan, lernen, angelf. leornan, engl. 
learn; v. lehren, ſ. d.), Begriffe, Kenntniſſe, Fertigkeiten ſich aneignen, 
fei es mit Hülfe eines Lehrers durch fürmlichen Unterricht, oder für fid) allein, 
durch Übung, Erfahrung zc. (von einem Anderen etwas lernen; ein Handwerk, 
eine Kunft, eine Sprache lernen; fchreiben, lefen, fingen lernen 20.5 etwas 
auswendig —, |. d.z man lerne aus Anderer Schaden Flug werden; aud ziel: 
los: man mufs lernen, fo lange man lebt; der Lehrling lernt bei einem Mei: 
ſter, d. i, er ift in der Lehre); einen od, etwas Fennen lernen; d. i. befannt 
damit werden, Befanntfhaft machen; — ftatt des Mw. gelernt in Verbin— 
dung mit einem If. den Inf. Lernen zu fegen, ift ein nicht zu billigender 
Sprachgebrauch (3. B. id) habe fihreiben lernen, ich habe ihn kennen lernen, r. 
gelernt; vergl. lehren); in der älteren Sprache und der gem. Volksſpr. wird 
lernen (wie das fehwed. lära, niederd. leren, franz. apprendre) aud) f. leh— 
ven gebraucht (5. B. bibl. ich will euch lernen, was ihr thun ſollt; bef. Handw. 
der Meifter lernt den Lehrburjchen) 5 das Mw. gelernt in thätliher Bed. als 
Bw. wer ausgelernt hat, wer ein Handwerk, eine Verrichtung ꝛc. förmlich 
erlernt hat, verfch. gelehrt (ein gelernter Koch, Kutfcher u. dgl. 5 vergl. ge 
dient, gefhworen u. a.); — 3fes. die Lernbegierde, -luſt; lernbegierig, 
-luſtig, Bw.; der Zerneifer, =fleiß; der Lernſtoff; das Lernftüd, die 
Lernftunde, gew. Lehrſtoff 2.5 die Lernzeit 2,5 — Xbleit. leenbar, Bw, 
was ſich lernen läfft od. gelernt werden Fannz die Lernbarfeit; lernſam, 
Bw, Selten, gern und leicht lernend. 
lefen, ziel. Zw. (goth, lisan, altd. lesan, ſchwed. läsa, dan. läſe; wahrſch. 
verw. mit Leiſe, Geleiſe, leiſten, f. d.3 Grundbegriff: in einer Reihe od. Folge 
durchgehen, vergl. d. lat. legere), ablaut. ich leſe (oberd. ich Lies), du lieſeſt, 
er lieſet od. lieſſt, wir lefen 2.5 Imper. lied (unr. leſe), leſet; Impf. las, 
Conj. läfez Mw. gelefenz; 1) mehre Dinge einer Urt einzeln nach einander 
“aufs od, abnehmen, aufheben, zufammen fuchen, fammeln (engl. lease; 
Ahren, Hclz, Steine vom Ader —, aufleſen; Wein —, d. i. die Trauben 
abbrechen u. fammeln)z; durch Abnehmen od. Aufleſen leer machen od, reis 
nigen (den Weinberg —, von Trauben leer machen; den Acker —, von Steinen 
reinigen; den Salat —, von den untauglichen Blättern reinigen; Erbſen, Lin: 
fen, Bohnen lefen oder verlefen, d. i. alles Unreine ausfuchen und abfondern 5 
Federn —, das Weiche von dem Kiele abziehn und von dem Gröberen fondern) 5 





x 


leſen 59 


2) die Schriftzeichen mit den Augen gleichſam zuſammenfaſſen u. in hörs 
bare Raute Ubertragen, entweder laut ausfprehend, od. ftill und nur in Ge: 
danken (franz. lire; etwas laut oder fill lefen; ein Bud, einen Brief 2c. —3 
ein viel gelefener Schriftfteller, d. i. deſſen Schriften viel gelefen werben; uneig. 
einem ben Tert lefen, d. i. ihmeinen derben Verweis geben; Meffe lefen, 
in der röm. Kirche: die Meffe ablefen oder herfagen, ein Mefsamt halten; auch 
ohne Bielw.: leſen lernen, ſchön, mit Ausdrud leſen; in einem Buche lefen) ; 
auf hohen Schulen: Iefend Iehren oder vortragen, auch überh. f. mündlich 

lehren, frei vortragen, (4.8. Naturrecht, Kirchengeſchichte 2c. leſen; heute wird 
nicht gelefen, d. i. feine Vorleſung gehalten); uneig. aus fichtbaren Zeichen 

od. Merfinalen innere verborgene Zuftände erfennen (3.2. in Semande Ge: 
fichte od. Mienen Freude, Zufriedenheit, Gram zc. leſen; in den Sternen bie 
Zukunft leſen und dgl.)5; — 3fes. die Lesart, die Art wie ein Wort od, eine 
Schriftſtelle in diefer od. jener Handfchrift od. Ausgabe eines Buches gefchrieben 
ift und gelefen wird (abweichende Lesarten, fr. Varianten); die KLefebegier od, 
gier, -luſt, »fucht, =wuth; Tefebegierig, -luſtig, =fühtig, Bw. 5 
das Lefebuch, ein Buch zum Lefenlernen oder zur Ubung im Lefen; auch zur 
Unterhaltung, zum Zeitvertreib; dad Leſeholz, dürres, abgefallenes Holz,» 
 Spüne u. dol., welche im Walde aufgelefen werden dürfen; die Leſekunſt; der 
Leſemeiſter, ein Meifter im Lefen; in Kidftern: der Vorlefer (Lector) 5 oberd. 
ein beeidigter Auffeher bei der Weinleſe; die Lefeprobe, Probe im Leſen; bef, 
Probe eines Bühnenftüdes, indem die Schaufpieler ihre Rollen leſend vortragen ; 
das Lefepult, Pult, auf weldes man das Buch beim Lefen legt; die Leſe⸗ 
ſchule; der Lefefchüler, die Lefefchülerinn ; der Lefeftein, Bergw., veid: 
haltige Eiferfteine, welche einzeln gefunden und zufammengelefen werden; der 
Leſeſtoff, Stoff, Gegenftand des Leſens; die Lefewelt, die Gefammtheit derer, 
welche Bücher zc. zu lefen pflegen (fr. das Publicum) ; das Lefezeichen, Schrift: 
zeichen zur Erleichterung des Lefens, bef. die Satzzeichenz die — die Zeit 
des Leſens od. Einſammelns, z. B. des Weines (Weinleſe); auch die zum Leſen 
von Büchern 2c. beftimmte Beitz dad Lefezimmer, die Lefeftube, der Lefes 
faal, ein Zimmer 2c. welches zum Leſen von Büchern, Beitfchriften 2c. beftimmt 
ift; auch f. Lehrerzimmer, Hörfaal; der Lefezirkel, ein Verein von Perfonen, 
welche Bücher oder Zeitſchriften 2c. gemeinfhaftlich halten und in einer gewiſſen 
Reihenfolge nach einander Iefen ; — fefenswerth od. würdig, Bw., werth 
gelefen zu werden (ein leſenswerthes Bud); — Ableit. die Leſe, M.-n, 
dad Auf- oder Zufammenlefen, Einſammeln (Ähren-, Obſt-, Weinleſe); 
dad YAuf= od. Zuſammengeleſene, z. B. Kartenſp. die gemachten Stiche 5 uneig. 
eine Sammlung des Vorziglicheren, Auswahl (vergl. Stumenlefe); der 
Lofer, -3, die Leferinn, M. -en, wer lieft, d. i. 1) wer etwas auflieft, 
einfammelt oder audlefend reinigt (ühren-, Wein-, Erbfenlefer); 2) wer 
Geſchriebenes oder Gedruckted lieſ't (ein fertiger, ein ſchlechter Leſer); bef. 
wer Bücher zur Belehrung od, Unterhaltung lief’t (das Buch hat viele Lefer 
und Leferinnen gefunden; geneigter Lefer! 2c.)5 die Leſung, das Lefen, gew. 
nur in der Bed. 2); die Leferei, verwerfend: das Vielleſen ohne Plan und 
Auswahl; lesbar, Bw., was gelefen werden kann, be. in Hinficht der 
Schreibart (des Stils), der Verftändlichfeit, oder der GSittlichfeit des 
Inhalts (dies Buch ift für die Sugend nicht lesbar); tie Lesbarkeit; le— 
ſerlich, felten leslich, Bw., mas gelefen werden kann den Schriftzeichen 


60 Leske — letzt 


Kor Schriftzuͤgen nach (leſerlich ſchreiben; eine leſerliche Hand); die Lefer- 
ichFeit. 

Leske, m., -n, M.-n, landſch. f. Kernbeißer, Kirſchfink. 

Ketten, m., —s, M. w. €, (altd. leddo, — isländ. ledia, lat. 
Jutum, Schlamm, Koth), beſ. oberd. f. Thon, od. Lehm; Bergw. eine zaͤhe, 
fette u. ſchleimige Bergart von verſchiedener Farbe, auch der Lettenſchmitz 
genannt; lettengelb, Bw., gelb wie Letten, d. i. Lehm; die Lettenhaue 
oder Letthaue, Bergw., eine Haue zum Durchhauen des lettigen Gebirges; 
lettig, Bw., Letten enthaltend oder daraus beftehend; letticht,, Bw., 
Iettenähnlich. 

Letter, w., gew. nur die M. Lettern (v. d. lat. litrera), aus Metall 
gegoflene Druckbuchltaben, Schriften; bisw. auch die abgedruckten Buch— 
ftaben, die Druckſchrift. 

(eb, Bw. (landſch. auch let ſchz verw. mit legen 2.2), oberd. f. verkehrt, 
link, der rechten Seite entgegengefeßtz unrechtz übel, ſchlecht, ſchlimm, 
boͤſe; krank; daher die Lege 1., f. der üble, fehlimme Zuſtand; legen 1., 
3m. f. verfehrt handeln, freveln. 

legen 2., ziel. Zw. (angelf. u. goth. latian, isländ. letia, niederd. letten, 
engl. lett; von laz, lat, f. unter legt; veral. d. lat. laedere) urfpr. eig. auf- 
halten, verzögern, hindern; dann beeinträchtigen, befchädigen; jest vollig 
vlt. außer in verlegen; daher die Lege ?., M.-ın, (gem. die Les oder 
Legen) oberd. f. Schlinge, Schleife zum —— z. B. beim Vogelfang; 
Schutzwehr zum Abhalten des Feindes, Landwehr an der Örenze, 

legen 3., ziel. Zw. (verw. mit d. lat. laetus, laetari, vergl. d. oberd, der 
Lip, eigen f. das Gelüftz od. mit legen 2. in der Bed. zurückhalten, feſſeln?) 
alt u. dicht. f. erquicken, laben, erfreuen (einen mit etwas —; ſich an einer 
Sache — 20.) ; in engerer Bed. ehem. fih mit einem —, fid) beim Abſchied noch 
‘einmal mit ihm vergnügen; daher bie Letze 3 3., alt und oberd. (gem. Letz) f. 
Erquickung, Ergoͤtzung ; bef. oberd. ein Abſchiedsfeſt, = Schmaus u. tgl. 
od, ein GefchenE, das man einem Scheidenden macht (daher: zu guter Leg, 
d. i. zum freundlichen Abſchiedz der Lestuß,:fhmaus, dietegpredigt, 
oberd. f. Abſchiedskuſs 2c.5 — in — Anwendung fließt das Wort mit lest 
zufammen, ſ. d.). 

legt, der, die, das lebte ꝛc, Bro. der Zeit und Ordnung (altd. lezzisto, 
letzistz gem. ober = u. niederd. left, engl. last; eig. Superl. von laz, laſs (ſ. d.), 
angelf. u. nieberd. lat, engl. late; isländ. latr, langfam, träge, ſpät; vergl. 
Vegen 2., u. das griech. AoioFog) ordnet den Öegenftand, welchem es beigelegt 
wird, allen andern damit zufammengeftellten nach u. zwar dem Orte od, 
der Zeit, dem Nange, der Würde oder Wichtigkeit nach, finnv. der hin— 
terfte, aͤußerſte, fpätefte, unterfte ꝛc., entg. der er ſte (3. B. das letzte Haus 
der Straße; der legte Tag im Jahre; er mufs immer das legte Wort haben; 
er ift immer der Letzte, d. i. am fpäteften Kommende; in den legten Bügen 
liegen, d. i. im Begriff fein zu fterbenz der legte Willen, fr. das Teſta— 
ment; einem die legte Ehre erweifen, d. i. feiner Beerdigung beiivohnenz das 
legte Malz dieLesten (dem Range nach) werden die Erften fein) 5 oft aud) zur Be: 
zeichnung eines Gegenftandes, auf den bis jeßt Fein anderer feiner Urt gefolgt 

iſt, ohne dafs er deſshalb für immer den Beſchluſs macht, finnv. neueft, jüngft 
(3. B. der letzte Krieg; ich erſehe aus ihrem legten Briefe 20.)5; — den Eompar. 


J 


leu — leuchten 61 


Iehterer, e, es, der, die, dad letztere gebraucht man nur zur Hinwei— 
fung auf den (eftgenannten von zwei Gegenftänden , entfor. erfterer zc, 
ſ. d.z — lebt als Nw., auch letztens, b. letzthin, altu . oberd. letztlich, 
Nw. dev Zeit: vor Furzem, Eürzlich, unlängft, neulich, jüngftz letztlich 
oberd. auch f. zuletzt; die Letzte od. gew. Lebt, gem. f. dad Ende, der Bes . 
ſchluſs (auf die Letzt, d. i. am Ende, gegen das Ende; zırguter Letzt, 
d. i. zum guten Beſchluſs; vergl. Lee 3.)5 legterwähnt, legtgenannt u. dgl, 
Bw. f. zulegt erwähnt 2.5 letztjaͤhrig, Bw., im letzten, d. i. nächftverfloffenen 
Jahre geſchehen; lektwillig, Bw., den legten Willen betreffend od. demfelben 
angehörend (fr. teftamentarifch). 
leu, Bw., Schiff., nicht genug gebogen. 
Leu od. Leue, m., -en, M.-en, alt u. dicht. f. Löwe, ſ. d. 
Leuchfe, w., M.-n, (fhwäb. Leuchfel), oderd. f. die Leiſte, Stemm— 
leiſte am Ruͤſtwagen; der Leuchſenring f. Leiftenring (f. Leiſte). 
leuchten, ziellof. Zw. m. haben (altd. liohtan, liuhtan; engl. light, 
lighten; von lioht, Licht, ſ. d.), eigenes Licht ausftrahlen u, dadurd) andere 
Körper erhellen, Kine: foheinen, glänzen 2c, (die Sonne, der Mond leuchtet den 
Menfhen; das Wetter leuchtet, gem. f. es blist, beſ. ohne hörbaren 
Donner); überh. lebhaften Glanz verbreiten (leuchtende Augen, Edelſteine; 
von Gold und Edelfteinen leuchten ꝛc.) 3 uneig. fi) durch Ölanz aͤußern oder 
verrathen (Freude leuchtet aus ihren Augenz dicht. aud mit dem Acc.: ihr 
» Antlig leuchtet Liebe 26.)5 deutlich erfennbar oder leicht einzufehen fein (das 
leuchtet in die Augen; vergl. einleuchten); in engerer Bed. durch VBortragung 
oder Borhaltung eined Lichtes, einer Leuchte ꝛc. Helligkeit verbreiten, mit 
d. Dat. der Perfon (leuchte einmal! er leuchtete mir die Treppe hinunter, nad) 
Haufe 20.5 uneig. gem, einem heim od. zu Saufeleudten, d. i. ihn an 
führen, ablaufen Lafien); — 3fes. dad Leuchtfeuer, ein zum Leuchten un: 
terhaltenes Feuer, bef. auf hohen Bergen od. Thürmen als Zeichen für Seefah— 
ver; der Reuchtkäfer, Leuchtwurm, im Dunkeln leuchtender Käfer, bef. der 
Johanniskäfer; die Leuchtkugel, in der Feuerwerkskunſt eine Feuerkugel, welche 
an einen Ort geworfen wird, um ihn zu erleuchten; auch gewiſſe hell glänzende 
Feuerkugeln bei Luſtfeuern; die Leuchtpfanne , eine mit brennbaren Stoffen 
gefüllte eiferne Pfanne zur Erleuchtung eines Platzes unter freiem Simmel; die 
Leuchtröhre, Bäck., eine Röhre od. ein Loch an der Seite des Ofens, worin 
zur Erleuchtung desſelben Holz angezündet wird, auch: das Leuchtloch; die 
Leuchtſaͤule, Bauk., eine inwendig hohle, mit einer Windeltreppe verſehene 
ur durch Seitenbffnungen zu erleuchtende Säule; der Leuchtſtein, ein faferiger 
| Schwerſpath, der im Finftern leuchtet, wenn er einige Zeit im Freien an der 
Sonne gelegen hat (fr. bononiſcher od. Bologneſer- Stein) ʒ der Leuchtthurm, 
ein Thurm an der Seeküſte, auf welchem Leuchtfeuer für die Seefahrenden un— 
terhalten wird, Feuerthurm, Feuerwarte (fr. Sharus); — Ableit. die 
Leuchte, M, -n, Verl. dad Leuchtchen, (altd. liubta; niederd. Luchte, 
dan. Iychte, ſchwed. Iykta), urfpr. überh. ein leuchtender Körper, ein Licht 
(dee Mond eine Leuchte der Nacht 2c,)5 gew. in engerer Bed. f. v. w. Laterne, 
ſ. d.e3 Naturk. eine Urt der Scefeder, welche einen Lichtglanz verbreitet; dag 
Bergijsmeinniht: blaue Leuchte; der gemeine Andorn: weiße Leuchte; 
\ der Leuchter, —s, M. w. E., mer leuchtet, d. i. das Licht od. die Leuchte 
vorträgt (der Beuchter geht voran); ein Geraͤth od, Geftell, welches ein Licht 


4 


B2 leuen — lich 


trägt (sinnerner, filberner, Arms, Kron-, Wandleuchter 2c.)5 auch ein Pflan- 
zengefchlecht,, deſſen hangende Blüthendolden mit aufgerichteten Blumen einem 
Armleuchter ähneln; der Leuchterfnecht, f. v. w. Lichthalterz die Leuchter- 
fäule od. der Leuchterftuhl, ein Geftell, einen Leuchter darauf zu ftelen, aud) 
Leuchtergeftell, = tifch ꝛe. (fr. Gueridon) 5; die Leuchtung, das Leuchten, 
gew. Bez, Erleuchtung; der leuchtende Schein, bef. Landfch. f. Blitz. 

leuen 1., ziellof. Zw. (angelf. hlewan, engl. low; verw. mit Löwe?), 
niederd. f. brüllen, vom Rindoieh und vom Lbwen; — 2. ziel. Zw., Schiff., 
Stücfgüter auf eine gewiffe Art ausladenz daher: dad Leutau, beim 
Leuen gebrauchte Zaue. 1 . 

leugnen, f. läugnen. 

Leumund, m., -d, 0. M. (oberd. aud) Leumuth, Leumat, Leumde; 
altd. hliumunt; nicht aus „der Leute Mund’ zgez., fondern v. d. goth. hliuma, 
Ohr, isländ. hlioma, erfchallen, rufen, und der Endf. unt, gem. uth, end 
(3. B. Armuth, Jugend; daher: verleumden, |. d.5 vergl. d, griech. 
»Aveıw u, das lat. clamare) meift vlt. f. Gerücht, Ruf, allgemeine Meinung; 
bef. der gute Auf, gute Namen (Semands Leumund kränken; böfen Leumund 
machen, einen in üblen Leumund bringen 2c.). 

Leute, die, o. E., Verkl. die Reutchen, (goth. lauths, der Menſch; 
altd. dazu. der liut, (M. liudi) angel. leod, island. Iydr, ſchwed. Iyd, bbhm. 
lid, poln. lud, das Volk; vergl. d. griech. Auos ; oberd. noch das Leut f. Volt 
u. f. eine einzelne Perfonz niederd. nur -Mehrh; Linde), überh. Menfchen, 
Derfonen jedes Geſchlechts, bef. Erwachfene, meift als unbeftimmte, unge: 
zahlte Menge gefafit (geringe, vornehme, gute Leute 2c.; Land und Leute; wenig 
unter die Leute kommen, d. i. wenig in Gefellfchaft gehen; aus Kindern werden 
Leute, d. i. Erwachfene; wir find gefchiedene Leute 2c.); bef. in Zſetz. zur Be- 
zeichnung von Perfonen beiderlei Gefchlechtd, 3. B. Eheleute, Landleute 26,5 
oft auch vorzugsweife auf das männl. Gefchl. gehend f. Männer, (3. B. Kaufz, 
Kriegs-, Handwerköleute 2c.); in engerer Bed. f. die Menge, das Volk, der 
große Haufen (etwas unter die Leute bringen; in der Leute Mäuler Eommen) 5 
dienende od. Jemand unterworfene Perfonen (meine Leute, d. i. Dienſtboten; 
Land und Leute verlieren, .d. 1. das Land und die Unterthanenz ehem. bef. 
Kriegsvdlker) ; der Leuteplager, =fcherer, härter: = fchinders leuteſcheu, 
Bw., f. v. w. menſchenſcheu, f.d.5 leutjelig, Bw. (vergl. felig), gern und 
wohlmollend mit Menfchen umgehend, finnv. umgänglich, freundlich, lieb— 
reich, bef.-von Vornehmen gegen Grringere (ein leutfeliger Fürſt; ein Leutfeliges 
Betragen); alt u. oberd. auch: von vielen Leuten befucht, volkreich, lebhaft 
(ein leutfeliger Ort; fr. freguent), wofür landfch. auch: Leutlichz die Leut— 
jeligfeit, dad Leutfeligfein, finnv. Wohlwollen, Freundlichkeit. 

Leuwagen, m., -8, M. w. E,, niederd. f. Scheuerbürfte, Schrubber, 

Levfoje, w., M. -n, ein befanntes Gartengewächs, in Spanien 
wild werhfend, mit wohlriechenden, vielfarbigen Blumenz eig. nur die weiß: 
blühende Gattung (v. d. griech. Azvxdiov, d. i. weißes Veilhen, ehem. weißer 
Beil genannt, wegen des Veilchengeruchs). 

lich, Endf. (goth. leiks, angelf. lic, altnord. likr; ſchwed. u. dan. lig; 
altd. lih, lich, leich; eig. das alte Hw. lih, Leib, Geftaltz vergl. Leiche, 
gleich) bezeichnet überh. dem Stammbegriffe gleiche oder ähnliche Geftalt, 
Beichaffenheit, Art und Weife des Zuftandes oder der Handlung, und 


lich — licht 63 


bildet 1) Beiworter a) von Dauptwörtern und zwar von Perfonen- 
Namen, mit dem Begriffe der Ähnlichkeit od. Ungemeffenheit (5. B. menſch— 
ich, männlich, weiblich, kindlich, fürſtlich, königlich, d. i. eines Menſchen, 
Mannes ꝛc. Art, Beſchaffenheit habend; ſinnv. iſch, ſ. d.), oft auch nur des 
Angehoͤrens, Betreffens, Ausgehens von der Perſon, wofür ehem. iſch 
gebr. (3. B. die kbniglichen Staaten, ein fürſtlicher Befehl, der gräfliche Stand, 
die göttlichen Eigenfhaften f. die Eigenfchaften Gottes ; die bürgerlic;en Freihei— 
ten); . ferner von Verbal— Hauptwodrtern und Sachnamen überh., 
die Art und Weiſe, das Wie einer Handlung oder eines Zuftandes be: 
zeichnend (3. B. künſtlich, ſchriftlich, bildlich, mündlich, wörtlich, gründlich 2c.; 
fo aud) in zeitbeftimmenden Wörtern, wie jährlich, täglid, ſtünd— 
Lich 2c. welche die Art und Weife der Handlung als Wiederholung berfelben in 
gewifjen Zeiträumen darftellen:: was in jedem Sahre, an jedem Zage ꝛc. geſchieht; 
verfh. jährig, tägig, fündig, welche die Dauer während des bemerkten 
Zeitraumes bezeichnen); b) von Beiwbrtern, eine Unnäherung an den 
Stammpbegriff und daher einen geringeren Grad, eine Verminderung des— 
felben bezeichnend (z. B. weißlich, ſchwärzlich, röthlich, bräunlich zc., d. i. 
‚dem Weiß, Schwarz ꝛc. ſich nähernd, in dieſe Farben fallend; kältlich, härtlich, 
weichlich, kleinlich, ältlich, ſüßlich, d. i. dem Kalten, Harten zc. ſich nähernd, 
ein wenig kalt ꝛc.; landſch., beſ. oberd. lautet die Silbe in dieſer Anwendung 
ticht, u. gem. Let, z. B. weißlicht, gem. weißlet ꝛc., welches jedoch nicht aus 
lich verderbt, ſondern die altd. Endſ. leht ift, entſt. aus eht (icht) u. dem ver: 
Heinernden I)3 c) von Zeitwörtern, u. zwar von ziellofen, überh. das 
Borhandenfein des Stammbegriffs bezeichnend, finnv. mit dem thätlichen Mw. 
(3. B. tauglich, ſchädlich, nützlich, behaglich, ſchmerzlich, ziemlich, beharrlich, 
gebührlich ꝛc., d. i. was taugt, nützt, behagt zc., ſinnv. taugend, nützend ꝛc.; 
ſterblich, d. i. dem Sterben unterworfen)z ferner von ziel. Zw. entweder mit 
dem Begriff der thaͤtigen Wirkſamkeit (3. B. hinderlich, förderlich, erſchreck— 
lich, erfreulich f. dv. w. hindernd, erfchrediend ꝛc.; erbaulich predigen, d. i. fo 
dafs man Andere erbaut; eine bewegliche Rede, d. i. eine bewegende, rührende), 
od. gew. mit dem Begriff einer leidentlichen Möglichkeit, f.v.w. bar, ſ. d. 
(3. B. begreiflid, erweislich, thunlich, glaublich, verächtlich, 16blich, d. i. was 
begriffen, erwiefen 2c. werden kann; fo aud) unabſehlich, untröftlich 2c. neben 
unabfehbar, untröſtbar u. dgl. m.) 5 insbef. aud) von dem thätlihen Mittel: 
wort zur Bezeichnung der Art und Weiſe, wobei jedoch das d des Mw. in t 
verwandelt wird (3. B. wiſſentlich, hoffentlich, flehentlich, wejentlich, von 
wiffend , hoffend 20.53 nach diefer Analogie findet fidy auch in anderen Bildungen 
von Hw. u. Bw. auf en zwifchen diefer Endung und der Silbe Lich ein t einge: 
ſchaltet, 3. B. namentlich, gelegentlich, öffentlich, eigentlich, gefliffentlich, ver: 
fehiedentlich, ordentlich, wöchentlih); — 2) diente die Endf. Lich (mie das engl. 
1y) ehem. mehr als jest, um Nebenwoͤrter von Beiwörtern zu bilden (3. B. 
klärlich, höchlich, ſichtbarlich, ſäuberlich, kühnlich, ewiglich, gnädiglich, d. i, 
auf klare, hohe, ſichtbare ꝛc. —* dieſe Bildungen find jetzt meiſt vlt.; doch 
hat in folgenden Wörtern die Silbe Lich auch jetzt noch rein nebenwörtliche Be: 
deutung: freilich, kürzlich, neulich, ſchwerlich, wahrlich, erftlich, gütlich, gröblich, 
7 bitterlich, gänzlich, ſicherlich u. e. a.). 
licht, oberd. Endſ., ſ. unter lich 1) b). 
licht, Bw, Comp. lichter, Sup. lichteſt, (altd. licht, leohr, lieht: 


64 licht 


niederd. Leit), viel eignes Licht habend, Teuchtend, Hell (eine Lichte Flamme); 
von fremdem Licht erleuchtet od. beleuchtet, hell (eine lichte Wolke, bei Lich: 
tem Tage; gem. es ift heller Lichter Tag); von Farben: dem Weißen fich 
nähernd, heil, entg. dunkel (lichtes Haarz lichtbraun, -grün zu; lichte 
Hölzer, d. i. Laubhölzer von hellerem Grün, ald die Nadelhölzer); uneig. 
von geiftigen Vorftellungen, vom Verftande zc. deutlich, Flar, aufgeklärt (Lichte, 
Begriffe, ein lichter Kopf); ferner viel Licht durchlaffend, weite Zwiſchen— 
räume habend, weitläufia, duͤnn (ein liter Wald; einen Wald liht machenz 
Jäg. lihte Maſchen, f. weite, der Lihte Zeug, d. i. Garne und Netze, 
entg. dem finfteren Zeuge, ſ. finfter) 5 das Lichte, Forftw., ein baumleerer 
Pat in einem Waldez im Lichten bezeichnet in der Bauf. den inneren 
freien, erhellten Raum (4. B. die Stube ift im Lichten 20 Fuß lang, Wi. 
ihrem inneren Raume nad), die Wände nicht mitgerehnet) ; — 3 ſetz. lichtblau, 
braun, =gelb, «grün, =toth ıc. Bw., ſ. v. w. hellblau, = braun ꝛc. (f. 0.)3 
der Lichtfuchs, ein Fuchs, d. i. ein eöthliches Pferd von Lichter Farbe, Hell: 
fuchs, z. U. v. Rothfuchs; lichterloh, Nw. (zgez. aus „mit Lichter Lohe“), mit 
Lichter od. heiler Flamme (3. B. das Haus brannte lichterloh); — das Licht, - es, 
M.-er und -e (fu), Verkl. dad Lichtchen (Mehrh. in ver Volksſpr. 
Lichterchen) oberd. Lichtlein, (goth. liuhath, altd. lioht, liehr; oberd. 
Liecht, niederd. Lucht, Lecht; engl. light; lat. lux; vergl. d. griech. Azvzos, 
4.0000, Aöyvog 2c.) 1) o. M. der von leuchtenden Körpern audgeftrahlte uns 
wägbare Stoff, welcher die Körperwelt fihtbar macht, auch die dadurch 
verurfachte Helle und die erhellende Eigenfchaft Teuchtender Körper, entg. 
Dunkel, Finfternifs 2c. (das Licht des Tages, der Sonne, der Sterne, einer 
Lampe; der Mond hat ein entlehntes Licht) 5 insbeſ. f. Sonnen = od, Tages— 
liht, Tageshelle (das Licht fällt durch die Fenſter; die Treppe hat zu wenig 
Licht; einem das Licht verbauen; mit anbrechendem Lichte, d. i. Tage; etwas 
gegen das Licht Halten, beim Lite befehen, auch uneig. f. genau be- 
trachten und unterfuchen; etwas, 3.8. ein Gemäldeins rehte Licht ftel- 
len, d. i. ſo dass das Tageslicht von der gehörigen Seite darauf füllt; auch 
uneig. eine Sache fo darftellen, daß fie richtig erkannt und beurtheilt werde; 
entg. etwas in ein falſches Licht fellen, .in falſchem Lichte fehen 2c.5 fo 
auch: etwas in ein günftiges, od. ungünftiges, vortheilhaftes oder nachtheiliges 
Licht ftellen 20.5 einem im Lichte fteehen, 2. i. ihm durd) feinen Körper das 
Licht entziehen, aud) uneig. überh. f. im Wege od. hinderlich fein; fich feldft im. 
Eichte ftehen, d. i. ſich ſelbſt Hinderlid) fein oder fchadenz einen Hinter das 
Licht führen, d. i. täufchen, hintergehen; das Licht der Welt erbliden, d. i. 
geboren werden; etwas ans Liht bringen, d. i. offenbar, befannt machenz 
ans Licht kommen, d. i. bekannt werden ; das Licht ſcheuen, d. i. die Hffent⸗ 
lichkeit); ferner: der Schein eines kuͤnſtlich eingerichteten leuchtenden Koͤr— 
pers, das Kerzen-, Lampenlicht ꝛc. (bei Licht arbeiten, fihreiben)s; auch f. 
Mondliht, Mondfchein u. f. den Mond felbft (das volle Licht, d. i. der - 
Vollmond; das neue Licht, d. i. das erfte Viertel; im zunehmenden Lite, d. i. 
Monde 2c,)5 uneig. f. deutliche, Flare Erkenntniſs, Einficht, Aufſchluſs 
(das Licht der Vernunftz laſſet euer Licht leuchten 2c.; in einer Sache Licht bes 
kommen; jest geht mir ein Licht auf, d. i. die Sache wird mir deutlich); auch 
f. das Leben, die Lebenskraft (das Lebensiiht); 2) M. -er, ein leuchtender 
Körper (die Sonne # das Licht des Tages; bibl. Gott machte zwei große 
Lichter 


* J ’ i fi J licht 65 
Lichter ec.; die Sterne find die Lichter der Nacht; Himmelslichter, Irrlichter 2c. ; 
die Lichter (d. i. brennenden Kerzen) brannten trübe) 5 uneig. f. Auͤgen, Jüg. 
die Augen des Hirfhesz Mal. die hell gehaltenen Stellen eined Gemäldes, 
entg. Schatten, (die Lichter anlegen); aud) f. Perfonen von hoher Einficht, 
erleuchtete Lehrer 2c. (Chriſtus ift das Licht der Weltz die Lichter der Kirche, 
d. i. erleuchtete Kirchenlehrer, u. dgl.); 3) M. -e (oberd. jedoch auch -er) 
von Talg od, Wachs gezogene oder gegoffene, mit einem Dochte verfehene 
walzenförmige Körper, welche angezuͤndet zur Erleuchtung dienen, oberb. 
gew. Kerze, (Wachs-, Talglichte; Lichte ziehen, gießen; ein Pfund Lichte; 
die Lichte aufſtecken, anzünden, pußenz einem das Licht halten, d. i. ihm leuch— 
ten, u. uneig. zu etwas behülflich feinz die leuchtenden Flammen der Lichte 
aber heißen: Lichter); — Zfep. die Lichtader, die weiße Ader der Thiere, 
woran Herz u. Gefihlinge bangen; aud; eine Ader am Kopfe der Pferde, Kol: 
leraderz die Lichtarbeit, Arbeit beim Schein eines brennenden Lichtesz der 
Lichtbaum, ein ausländ. Baum, deſſen fhotenartige Früchte die Geſtalt eines 
gezogenen Lichtes haben, eine Art des Wurzelbaumes, Leuchterbaum, Leuchter: 
wurzelbaum; das Lichtblatt od, verkl.-blaͤttchen, ein Metallbtättchen, wel- 
ches den Edelfteinen bei der Faſſung untergelegt wird zur Erhöhung des Glan- 
zes (fe. Folie); der Lichtblick, der augenblickliche Schein eines Lichtes; uneig. 
ein augenbliclicher Schein z. B. von Hoffnung 2c. 3 ein heller Blick des Auges, 
od. des Geiſtes; die Lichtblume, Herbtzeitlofes der Kichtbraten, Handw,, 
ein Braten od. kleiner Schmaus, weicher den Gefellen gegeben wird, wenn fie 
anfangen bei Lichte zu arbeiten; der Lichtdaͤmpfer, ein Werkzeug zum Aus: 
(öfchen eines brennenden Lichtes; die Lichteule, eine Art Nachtfalterz die 
Lichtform, Form zum Lichtgießen; der Lichtfreund, ein Freund des Lichte, 
bef, uneig, der klaren Einfiht, der Aufklärung; die Lichtgeſtalt, dicht, eine 
leuchtende od. von Licht umfloffene Geftaltz fo auch das Lichtgewand u, dgl. ; 
der Lichtgießer, wer Talglichte gießt; der Lichtglanz, Glanz tes Lichtes, 
leuchtender, heller Glanz; lichtglängend, Bw.; der Kichthalter, wer ein 
Licht haltz ein Werkzeug, weldyes man auf einen Leuchter fest, um Lichtſtümpf— 
hen darauf zu fleden und ausbrennen zu laffen, auch Lichtknecht, Lichtſtecher, 
Leuchterknecht genannt; lichthell, Bw., von Licht erhelit, fehr Hell; das 
Lichtholz, Kien= u. anderes Holz, defien Späne die Landleute auf dem Herde 
ſtatt der Lichte brennen; Forſtw. f. Laubholz (ſ. Ticht) 5 der Lichthut, ein hohler 
bleherner Kegel zum Auslbſchen eines brennenden Lichtes; die Lichtfammer, 
Kammer zur Verwahrung der Lichte, bef. an Höfen; auch die zur Aufſicht 

darüber beftellten Perfonen, deren VBorgefegter der Lichtkaͤmmerer ift; der 
Lichtknecht, |. Lichthalter; das Lichtfrauf, großes Schöllkraut;z lichtleer 
0d, 108, Bwe, Fein Licht habend, dunkel; uneig, ohne Einficht od, Deutlich: 
keit; die Lichtlehre, die Lehre von der Natur des Lichtes, ein Theil der Natur: 
lehre (fr, Optik); das Lichtloch, ein Loch, durdy welches das Tageslicht ein: 

fällt; der Lichtmarder, Baum: od. Feldmarderz die Lichtmaffe, eine große 
Menge Licht, beſ. Mal, eine große fehr heil gehaltene Stelle; das Kichtmeer, 
dicht, eine große Fülle hellen Lichtes; die Lichtmefle, gew. abgek. Lichtmeſs, 
das Feſt der Reinigung Mariä am 2ten Febr., an weldhem in der röm, Kirche 
= Kerzen zu feierlichen Umgängen geweiht werden, Lichtweihe, Kerzenweihe; der 
Lichtmeſſer, ein Werkzeug zur Meſſung des Grades der Lichtſtärke (fr, Photo: 
- meter); die Lichtmotte, eine Art Nachtfalter, welche nad) dem Lichte fliegen, 


Hey ſe's Handwödrterb, d. deutfchen Spr. 2. Theil. > 


66 lichten — lieb 


Lichtfliege, Lichtmuͤcke; der Lichtpunkt, ein Heil beleuchteter Punkt; uneig. 
ein einzelner erfreuliher Umftand, ein Hoffnungsfchein u, dgl. z die Lichtpuße 
od, Eichtfchere, ein Werkzeug zum Pusen der Lichtſchnuppe; das Lichtrecht, 
das Recht, durh die Wand eines Nachbarn ein Fenfter- zu bredenz lichtrein, 
Bw., rein wie das Lihtz Fichtfcheu, Bw., das Licht, u, uneig, die Öffent: 
lichkeit 0d, die Aufklärung ſcheuend; die Lichtſcheu, Scheu vor dem Lichte, eig, 
u. uneig.; auch eine Augenkrankheit; der Lichtſchirm, ein Schirm, die zu hellen 
Lihtftrahlen von den Augen abzuhalten; die Lichtſchnuppe, ſ. Schnuppe; die 
Lichtſeite, die dem Lichte zugewendete Seite; uneig, die vortheilhafte Seite einer 
Sache, entg. Schattenſeitez der Lichtſtock, landſch., ein einfacher hölzerner 
Leuchter z der Lichtſtoff, das Licht, als ein feiner Stoff betrachtet; der Kicht- 
ſtrahl, das in gerader Linie von einem leuchtenden Körper ausgehende Licht (f. 
Strahl); der Lichtſtrom, eine ſich verbreitende große Lichtmaſſe; der Licht— 
traͤger, wer ein Licht trägt, auch ein ſolches Werkzeug; Naturl. ein im Dune 
keln feuchtender Körper (Phosphor); lichtvoll, Bw., viel Licht habend, fehr 
heil; bef, uneig. fehr "deutlich, klar (ein lichtvoller Vortrag); die Lichtweihe, 
ſ. Lichtmeſſez der Pichtwurm, das Johanniswürmchen; der Lichtzieher 
(landſch. gem. Lihterzieher), ein Handwerker, welcher Talglichte zieht, d. is 
durch mehrmaliges Eintauchen des Dochtes in den gefhmolzenen Talg Lichte ver: 
fertigt; — Wbleit, der Lichtling, - ed, Mi -e, eine Art Löcherſchwamm, 
der Eichhaſe; lichten 1., ziel, Zw., ficht od. hell machen, „erlsuchten, er= 
hellen („taghell ift die Nacht gelichtet’”); uneig. deutlich machen, aufflärenz 
insbef, einen Wald —, durch Aushauen der Bäume lichter machen; ſich —, 
licht oder hell werden, fich aufklären. 

lichten 2., ziel. Zw. (engl. light u. lift; ſchwed. Iyffra; Tat, levare; vergl. 
leicht, altd, liht, niederd. Licht), bef. niederd. f. aufheben, in die Hoͤhe heben, 
aufwinden (die Anker —); u. f. leicht machen, entlaften, ausleeren (eine 
Tonne, ein Schiff, die Kaffe —); die Lichtung, das Lichten; der Lichter, 
-8, (engl, lighter, dän. ligter), Schiff, Elsine Fahrzeuge zum Lichten, d. i. 
Ausladen, der größeren, Leichter, Leichtichiff. 

lichterloh, Lichtfuchs, ſ. unter licht; Lichtgeftalt ꝛc. — Lichtzieher, 
ſ. Licht. 

lieb, Bw. u. Nw., Comp, lieber, Sup, liebſt, (ooth, liubs, altd. lub, 
liep; nieberd, leef, angelf. leof, engl, lief, ſchwed. Ijuf; pol. luby; vergl. 
d. lat, Iubet, liber 26,), überh, angenehm, Vergnügen gewährend, entg. 
leid, unlieb, mit dem Dat, der Perfon, oder aud) ohne perſönl. Beziehung 
(es ift miv lieb, dafs 20,5 laſs dir das Lieb fein; es war mir nicht lieb, zu hö— 
ren 26,5 er ift mir lieber, als fein Bruderz dies ift meine liebfte Beſchäftigung; 
das ift ein liebes Kind, er ift ein lieber Mann u, dal.; mit etwas fur lieb, 
od, fürlieb nehmen 5 f. fürlieb) z in beftimmterer Bed, geliebt, hoch = oder 
werthgeſchaͤtzt, ſinnv. werth, theuer (er ift mir lich und werth3 mein lieber 
“ Freund, Bruder 20,5 fo lieb dir dein Leben ift), durch den alltäglichen Gebraud) 
oft bedeutungstos geworden (z. B, lieber Freund, als Unredeworr für Un— 
bekannte, bef, Perfonen geringeren Standes), in der Volksfpr. haufig als ftehen- 
des Bw, von Geaenftänden, die zum Leben und Wohlſein unentbehrlich und im 
höchſten Grade geſchätzt ſind (z. B. das liebe Brod, die liebe Sonne, das liebe 
Leben, der liebe Gott, die liebe Zeit u, dgl, m.); einen od, etwas lieb haben, 
lieb gewinnen (gem, befommen), d, i, Liebe, Zuneigung dafuͤr haben, 


lieb | | 67 


gewinnen (einen ober etwas lieber haben, d, i, mehr lieben, ihm geneigter 
fein) ; — ber Comp. u. Sup, lieber, liebſt (am liebften) vertreten als 
Nebenwörter die Stelle der ungebr, Steigerungöfkufen von gern, ſ. d. 
(id) thäte es Lieber felbftz ich fähe es lieber, wenn 20,3 diefen Wein trinke ich 
am liebften 2c,), u, lieber geht oft in dieBed, cher, — über (z. B. lieber 
ſterben, als ehrlos Leben) ; — als Hw, ſteht ſächl. Liebes f. Ungenchmes, 
Erwuͤnſchtes (einem Liebes u, Gutes erzeigen; fie thut ihm Liebes u, kein Lei— 
des), in der Volksſpr. auch f. eine geliebte Perfon (etwas Liebes haben); das 
Liebfte f. das Ungenchmite (das wäre mir das Liebftezc,); per ſönl. mein 
Lieber, meine Liebe, M. meine Lieben, als freundliche u, vertraue 
liche Anrede; der, die Liebfte, ihr Liebſter xc, in der Volksſpr. f. Ge— 
fiebter, Geliebte, Liebhaber ꝛc., fowohl von verehelichten, ale unverehelichten 
Perſonen (er ift ihr Liebſter; ihr Herr Liebfter, feine Frau Liebjte, aud) Ehe: 
liebfter, =tiebfte, vit, f. Gatte, Gattinn)z; das Lieb, vit. (3. B. ein ſchönes, 
feines Lieb 2c,), jest nur noch in der vertraulichen Sprache verkl. das Lieb hen, 
f. die Geliebte, ein geliebted Mädchen; — die Liebe, o. M, (altd, liuba, 
liebe; oberd, Lieb; niederd, Leewe, Leefte; angelf. leof, engi. love) überh, 
die Neigung des Gemuͤthes zu einem Öegenftande, u. dad Vergnügen od, 
Wohlgefallen an deffen Beſitz od. Genufd (die Liebe zum Leben, zur Frei: 
heit, zum Wein ꝛc.; Luft u, Liebe zu einem Dingez etwas mit Liebe thun 2c,) 3 
insbeſ. die herzliche Zuneigung zu einer Perfon u. das innige Wohlgefallen 
an derfelben (Liebe zu oder gegen Semand haben, empfinden, hegen, tragen; 
er that es aus Liebe zu mir, oder mir zu Liebez einem Liebe und Sreundfchaft 
erweifen 3 Alterliche, Eindliche Liebe, Gefhwifterliebe, allgemeine Menfchenliebe 2c, ; 
tie Liebe Gottes, d, i. Gottes Liebe gegen die Menſchen, od, die Liebe der Men: 
fihen zu Gott); in engerer Bed, die leidenfchaftliche Zuneigung zu einer Per— 
fon ded andern Geſchlechts, Gefchlechtölicbe, ehem, gew, Minne (in Liebe 
entbrennen, vor Liebe zu Jemand brennen ꝛc.; eine innige, zarte, heftige, leiden- 
ſchaftliche, reine, edle, finnliche Liede 2c.; ſprichw. die Liebe ift ‚blind, d. i. 
fie fieht nicht die Fehler der geliebten Perſon; alte Liebe roftet nicht, d. i, ver: 
liert fih nicht); uneig, der Gegenſtand der Liebe, die geliebte Perfon (er ift 
ihre erſte Liebe; ehem, aud) als Anredewort des Yredigers an die Gemeinde: 
EureLiebe, od, Eure riftliche Liebe); die brennende Liebe, eine 
ruſſiſche Pflanze mit baarigen Stengeln und glänzenden hochrothen Blumen z 
die ſchoͤne Liebe, das gelbe Ruhrkraut, die Flufsblumez — lieben, 
Zw. (altd. liuban, lieben, doc) nur f. lieb fein, u, einem etwas lieb od, angenehm 
machen; in anderer Bed, fteht dafür minnenz niederd, leewen, hol, lieven, 
angelf, lufian, engl, love) 1) ziellos m, haben, ehem, lieb fein, belieben, 
behagen, gefallen (3. B. was Einem liebt, leidet dem Andern; vergl, d. lat, 
libet); jest Liebe empfinden, verliebt fein. B. er liebt ohne Hoffnung; fie 
hat geliebt), auch von —— Liebe u. Wolluſt (er Hat viel geliebt) 3 2) ziel, 
einen od, etwas —, Liebe, Zuneigung dagegen empfinden, gem, lieb ha= 
ben, gern haben, einem gut fein (feinen Nächften, ſich felbft, Gott, feine 
Altern; den Wein —3 Säg, f. liebkofen, ftreiheln: einen Hund) 5 bef. von der 
Gefchlechtöliebe (er liebt ein Mädchen), in welhem Sinne beide Mittelmörter, 
liebend u, geliebt, häufig ald Bw. u. Hw. ftehen: eine liebende od, geliebte 
Perfonz der, die Liebende, M, die Liebenden; der, die Geliebte, 
ein, ihr 2c, Öeliebterz in weiterer Bed, etwas —, f. Neigung zu einem 


5*8 


68 lieb 


Thun, od, Wohlgefallen an einem Zuftande haben, etwas gern thun, üben, 
od, fehen (4. B. id) liebe die Ordnung und Reinlichkeitz das liebe ich nichts er 
liebte, zu fagen 2,5 dieſe Anwendung des Wortes ift erſt in neuerer Zeit durch 
Nachahmung des franzöf, aimer üblich geworden); — Bfeg. von lieb: lieb- 
augeln, untrb. ziellof, Bw, m, haben, durd) zärtliche Blicke Liebe verrathen ; 

it Semand, mit einander —, d. i, verliebte Blicke wechſeln; die Liebaugelei, 
das Liebäugeln; das Liebaugelein, Namen verfhiedener Pflanzen : Borretſch, 
große Ochſenzunge, blauer Krummpals ; die Liebfrauenmilch, eine Art milden 
Rheinweinsz; der Liebhaber, -&, die Liebhaberinn, M. -en, überh, wer 
etwas Lieb od, gern hat, Vergnügen od, Wohlgefalien Shen findet (ein Liebhaber 
der Jagd, von Pferden, Gemälden, Büchern 2c,, ein Liebhaber dee ſchönen 
Künfte), aud) wer fid) aus Neigung mit einer Kunft ꝛc. befyaftigt, ohne dieſe 
Beihäftigung zum Lebensberuf zu machen, fr, Ditettant, entg, Künſtler; aud) 
f. Kaufluftige, Käufer (die Waare findet eine Liebhaber) 5 in engerer Bed, wer 
eine Derfon des andern Gefchlechts licht, deren Liebe befist od, ſich um dieſelbe 
bewirbt, gem, Liebftev (er ift ihr Liebhaber; fie hat mehre Liebhaber 2c.)5 in 
der Bühnenfpradie: ein Schaufpieler, derLiebhaber: Rollen Tpielt (dev erſte 
Liebhaber); die Liebhaberei, das Vergnügen od. Wohlgefallen an einer Sache, 
u, die Sache felbft, woran man fi) vergnügt (das Bücherfammeln ift feine Lieb: 
haberei), bei. die Befhäftigung mit einer Kunft zum eignen Vergnügen ohne 
Künftierberuf (fr. Dilettantismus); liebhaberifch, Bw., Liebhaberei habend, 
zeigendz liebherzen, untrb. ziel. Bw, (vergl. herzen),- meift vlt., gew. lieb- 
Fofen, ziel, Zw., untrb. (id) liebEofe, geliebEof’t 2c. 5 dod) dicht, auch Liebgekof’t, 
liebzukofen), zärtlich, mit Liebe behandeln, durch Streichen, Küffen zc, feine 
Liebe zu Semand Außen, fr, careffiven, dem herrfchenden Gebraude gemäß 
mit dem Acc. der Perfon (er Liebkofete fie; die Mutter Liebfofet ihr Kind; daher 
auch: ic) werde geliebEofet 2c,), bei manchen neueren Schriftftellern jedoch mit 
dem Dat, nad) der Analogie von ſchmeicheln (er LiebEofet ihr; uneig, das 
Glück Liebfofet ihm 2c.)5 der Liebkoſer, die Liebfoferinn, wer Semand Lieb: 
Eopt; die Liebkoſung, das Liebkofen, u. jede einzelne Zärtlichkeitsäußerung 
(M, LiebEofungen, fr. Careſſen); dad Liebfofungswortz; liebwerth, Bw., 
olt,, lieb und werth (ehem, in Briefen, 3.3, liebwertheſte Altern), verſch. 
liebenöwerth, ſ. u; — Bje& von Liebe: liebeathmend, » girrend, = jaud)- 
zend, =lächelnd, u. dgl. dit. Bw, f. im Athmen, d, i, mit jedem Athem- 
zug, durd) Girren, Lächeln ec. Liebe äußerndz liebebang, =begeiftert, = glü= 
hend, =heiß, -krank, =ficch, =trunfen, «warm, =wund u. dgl, Bw, 
d, i, bang, begeiftert, glühend, krank 2c, vor od, von Liebe; liebeleer od. liebes 
los, Bw., keine Liebe empfindend, der Liebe beraubt od, entledigt (verfch, lieblos, 
f. u); liebevoll, Bw., von Liebe erfüllt, von Liebe zeugend (eine liebevolle 
Behandlung); — lieblos, Bw., ohne Menfchenliebe, gleichgültig bei Andrer 
Wohl und Wehe, kalt, eigenfächtig, unempfindlich, hart; die Lieblofigfeit, 
das Lieblosfein, die Kälte, Härte; liebreich, Bw., viel Liebe und Menſchen— 
freundlichkeit befisend u, zeigend, finnv. wohlmwollend, freundlich; der Liebreiz, 
Liebe erweckender Reiz, Schönheit in Bewegungen, Handlungen u, der ganzen 
äußeren Haltung, ſinnv. Anmut) (fr, Grazie), dod) Liebreiz nur vom weibl, 
Geſchlecht; liebreizend, Bw., mit Liedreiz begabt, anmuthig, veizend; — 
dad Kiebesabenteuer; ver Liebesapfel, eine Art des Nachtſchattens; das 
Liebesband; der Lirbesbaum, der gemeine Judasbaum, ſ. d.z der Liebes— 


Liebig — Liebſtoͤckel 69 
blick; der Liebesbote, die Liebesbotinn, wer Verliebten Nachricht von einon— 
der bringt; der Liebesbrief, ein Brief verliebten Inhalts; die Liebesbrunſt, 
ſ. Brunſt; der Liebesbund; der Liebesdichter, fr. erotiſcher Dichter; der 
Liebesdienſt, Dienſtleiſtung aus Liebe; die Liebes- od, Liebedienerei, verächtl. 
übertriebene Dienſtwilligkeit und Nachgiebigkeit aus Liebes der Liebesdrang; 
die Liebeserklaͤrung, Erklärung, d, i. Entdeckung u, Ankündigung der Liebe 
gegen eine Perfonz; das Kiebesfeuer, die Liebesflamme, f. Feuer, Flamme; 
das Liebesfieber, die Jungfernkrankheit; uneig, eine krankhaft leidenſchaftliche 
Liebe; das Liebesgedicht, fr. erotifches Gedichtz der Liebesgenuſs; die 
Liebesgefchichte ; das Liebesglüd; die Liebesgluth ; der Liebesgott, die 
Liebesgöttinn, Gottheiten der Liebe in der alten Görterlehre (Eros, Amor; 
Aphrodite, Venus); Liebesgoͤtter (fr. Umoretten), Eleine anmuthige Wefen im 
Gefolge der Liebesgdttinn; der Liebeshandel, eine Liebesangefegenheit, ein 
Liebesverhältnifs u. deſſen Verlaufs der Liebeskuſs; die Kiebesleute, ein paar 
Liebende; das Liebeslied; dad Kiebesmahl, in der älteſten chriftl, Kirche eine 
gemeinfchaftliche Mahlzeit zur Erhaltung der brüderlichen Liebe der Gemeinde- 
glieder; dad Liebespaar, ein liebendes Paarz die Liebespein, -qual ꝛc.; 
das Liebespfand, ein Unterpfand der Liebe, beſ. ein Kind als Frucht ver Liebe; 
die Liebesfhwärmerei, =fchmeichelei, =tändelei ꝛc.; der Liebesſchwur, 
sfeufzerz der Liebestranf, ein vermeintlic, zur Liebe reizender Trank (fr. 
Philtrum); die Kiebeswonne ; das Liebeszeichen ; der Liebeszunder ꝛc.; — 
3fes. von lieben: liebenswerth und liebenswürdig, Bwi, werth' geliebt 
zu werden, der Liebe würdig liebenswuͤrdig auch in weiterer Bed. f. anmuthig, 
lieblichz artig, freundlich; die Liebenswuͤrdigkeit, das Liebenswürdigſein, 
die Anmuth, Lieblichkeit, Artigkeitz — Ableit. v. lieb: das Liebehen, ſ. o. 
lieb; Liebden, meift vlt. Anredewort, womit ſich fürftliche Perſonen umter 
einander zu betiteln pflegen (Ew, Liebden; ehemals auch bloß: Euer Lieb); 
lieblich, Bw,, die Sinne u. die Empfindung angenehm berührend, Wohle 
gefallen und Vergnuͤhen weckend, finnv. anmuthig, reizendz die Kieblich- 
feit, das Lieblichfein, die Unnehmlichkeit, Anmuth; der Liebling, -e8, 
M,-e, eine Perfen, welche man vor Andern liebt und beginftigt, für 
beide Geſchl. (er, fie ift mein Liebling; Lieblinginn f. das weibl, Geſchl. ift 
eine unrichtige Wortbildung) ; haufig als Beſtimmwort in Zſetz. zur Bezeichnung 
vorzüglich beliebter, allen ähn!ichen vorgezogener Gegenftände, z. B. das Rieb-, 
lingsbuch, die Kieblingsfchrift, der Lieblingspichter, = fchriftfteller ; das 
Lieblingseffen, = gericht, die Lieblingsfarbe, der Lieblingsplaß, das 
Lieblingswort ꝛc.; die Liebfchaft, M.- en, der Zuftand der Liebenden, 
ein Liebeöverhältnifs, Liebeshandel (eine Liebſchaft haben); auch der Gegen— 
ftand der Licbe, die Geliebte; — von Lieben: liebeln, Zw., das verkl. 
lieben, 1) zielloa m. Haben, verächtl., tandelnd (nicht ernſt u. innig,) lieben, 
zärtlich thun (er liebelt nur mit ihr); 2) ziel, oberd. f. liebkoſen, fchmeicheln 
(der Hund Liebelt feinen Herren); die Liebelei, M. -en, das Liebeln, taͤn— 
deinde u. laͤppiſche Liebe; der Liebler, die Lieblerinn, wer liebelt, 

Liebig, mi, —es, M.-e, landfeh, fe Dompfaff, Gimpel, 

Liebſtoͤckel, ſ. 8, M. w. E. (verderbt aus d. lat, ligusticum, fpäter 

levistieum ; altd. lubistechal ; niederd, Leverſtock), eine in Ober: Italien wild 
wachſende [chirmtragende Pflanze von ftarlem gewürzhaftem Geruch, als Arz: 
neimittel gebraucht. 


70 Lied — liefern 


Lied 1. f., -es, M. -er, Verkl. dad Lied chen, oberd, Liedlein, (altd, 
liod, lietz niederd, Leed; wohl verw. mit laut, ſ. d.z goth, liuthon, fingen), 
überh. alled Geſungene od. Singbare, der Geſang (das Lied der Nachtigall 
u, dgl,); insbef, ein Singgedicht, u. uneig. überh. f. Gedicht (das hohe Lied; 
das Lied von der Glocke); dicht, au) der befungene Gegenftand (Bott ift. mein 
Lied); in engerer Bed. ein nach einer beftimmten Weife zu fingended, in 
gleihmäßige Bersfähe (Strophen) getheilted Empfindungsgedicht (Iyrifches 
Gedicht; z. B. ein geiftliches, weltlihes, Dank:, Lob-, Morgen: , Abend-, 
Teft:, Geſellſchafts-, Trink-, Giegeslied 26,5 uneig. — das Ende vom 
Liede f. das Ende der Sache; ich kann ein Lied davon ſingen, d. i, ich weiß da— 
von zu erzählen, idy habe eö erfahren; immer das alte Lied, ſ. v. w. die alte 
eier, ſ. 8,)5 — 3 fes. das Liederbuch, ein Buch, welches eine Sammlung 
von Liedern enthält, bef. weltlichen, z. U. v. Geſangbuch, f. d.z der Lieder- 
dichter, die Liederdichterinn; liederfundig, kiederreich, u. dgl. m. Bw,; 
der Liederfanger; das Liederfpiel, ein gefelliges Spiel, wobei Lieder geſun— 
gen werden; ein kleines Bühnenſtück mit eingelegten Liedern (fr, Vaudeville)3 
der Liedervers, Vers eines Liedes; gem, ein ganzer Versſatz, ein Gefäg (fr. 
Strophe), bef, * geiſtlichen Liedes. 

Lied 2. ſ.-es, Ms - er (altd. lid, lit, M, lidi, Sieber; v. Fran lidan, 
fid) bewegen, vergl. Glied, leiten) vlt. f. Glied, Gelenk; an einem Gelenk 
od. Gewinde beweglicher Deckel (daher: Augenlied; oberd. Überlied, ber 
Deckel einer Kanne, Büchſe u. dal.); insbeſ. landſch. ein Brett, eine Klappe, 
die an einem Gewinde beweglich iſt, 3. B. in Meißen die Fleiſchbank od. der 
Sleifchertifch (vergl. Laden). 

liederlich, Bw. (wahrſch. verw, mit Lied 2,, lidan, ſich bewegen; alfo 
nicht Lüderlich, wie man chem, wolliez vergl. d, engl. litbe, lither, bieg- 
fam, geſchmeidig; wend. liede, leicht), urfpr, leicht beweglich (daher oberd, 
f. leicht, leichtlich; ſchnell, fogleich, bald); nur nod) als fehlerhafte Beſchaffen— 
heit: locker, lofe, nicht feſt und dauerhaft, ſchlaff, ſchlotternd (etwas tie: 
derlich befefligen, arbeiten; liederliche Kleidung u. dgl.)s nachläffig, leichte 
fertig, unfleißig, unordentlich (ein liederlicher Arbeiter; er ift in feinen Sachen 
fehr liederlich 5 in feiner Stube fieht es Liederlich aus); bef. in fittlihem Verftande 
ein harter Ausdruck f. leichtjinnig, ſittenlos, ausſchweifend, fofern damit 
Unordnung u. Fahrläfigkeit in häusl. Gefhäften verbunden ift (liederlich Leben 5 
ein liederlicher Menſch; liederliches Gefindel); alt u. landſch. aud) f. geringhals 
tig, ſchlecht, niedrig (liederliches Geld; ein liederlicher Preis); kraͤnklich, 
ſchwaͤchlich; die Kiederlichkeit, das Liederlichfein, die Nachläffigkeit, Un— 
ordnung, Sittenlofigkeit, 

liedern, ziel. 3:w. (v. Leder), landſch. u. Bergw. f. Iedern, mit Leder 
verfehenz; daher die Liederbühne, Bergw., eine Bühne, auf welcher bie 
Sätze in den Wafjerkünften geliedert werten, 

Liedlohn, m, (von dunkler Abſtammung; z vielleicht verw. mit d. isländ. lid, 
Hülfe), Landfeh, f. Arbeitsichn, Tagelohn, Geſindelohn; der Liedloͤhner, 
f. Lohnarbeiter, Tageloͤhner. 

liefern 1., zielloſ. Zw. m. fein (niederd. levern, ſchwed. lefra ; verw, m, 
Lab, Leber), landſch. f. gerinnen, gew. geliefern. 

liefern 2., ziel, Bw. (niederd, u. dän. levern; mittl, lat, liberare, franz. 
livrer; vom goth. lewjan, altd, liuuun, angelf, laevan „ engl, allow, über: 


liegen | 71 


geben, veihenz vergl, bad walliſ. lav, die Hand), urfpr, überh, geben, dar— 
reichen; jest in engerer Bed, in Jemands Gewahrfaın oder Befik bringen, 
bef, fofern es nicht unmittelbar von Hand in Hand geſchieht, uͤberantworten, 
vergl. ab=, aus-, überliefern (einen Verbrecher in die Hände der Obrigkeit); 
insbef, im Auftrag und für Geld zu Jemands Gebrauch herbeifchaffen od. 


‚ herftellen umd fertig übergeben (eine beftellte Arbeit, Waaren für den Hof, 


Borrüthe für ein Heer, ein Buch heftweife —)3 uneig, eine Schlaht —, dem 
Feinde ein Treffen —, d. i, eine Schlacht mit ihm halten, beftehenz einen —, 
d. i. ihn dem Verderben uͤbergeben, preis geben, aufopfern (ex ift geliefert, 
d, i, verloren) ; der Lieferer, - €, od, gew, mit fremdartiger Endung Pieferant, 
- en, wer beauftragt ift, gewiſſe Vorräthe, z. B. Kriegsbedarf ec. fiir Geld 
zu liefen; die Lieferung, M.-en, die Handlung oder das Geſchaͤft des 
Lieferns (er hat die Lieferung für den Hof, für das Heer 2c.); auch dad Ge— 
liefrete, (Lieferungen an Lebensmitteln, an Gelde 2c.), bef. fo viel auf ein mal 
geliefert wird (die erſte Lieferung eines Werkes u, dgl.) 5 daher das Lieferungs— 
geld, =heu, =forn, -Aſtroh; die Lieferungszahl, =zeit ꝛe. 

liegen, ziellof. Bw. m. haben, alt u, oberd, m. fein, (goth. u. altd, ligan, 
nieberd, liggen, ſchwed. ligga, engl. Iy; v. Lea, niedrig, f. d, u. vergl. legen, 
Lage); ablaut, f. er liegt: attd, lie, oberd. leitz Impf. lag (altd, lac), Gonj. 
läge; Mw. gelegen; eig. niedrig fein, daher Bergw, das Liegende, bie 
untere Fläche eines Ganges, z. U, v, dem Hangenden ; gew. auf feiner größten 
Flaͤche ruhen, der Laͤnge nach ausgeſtreckt fein, verſch. ſtehen, figen (das 
Bud) liegt auf dem Tiſche; die Kleider liegen im Kaftenz er lag auf der Erde, 
im Bette; auf der Seite, auf dem Rüden liegenz weich, bequem liegen; Alles 
ftehen u, Liegen laſſen, d. i. es ungeordnet laſſen; zu Bette liegen ; Eranf liegen, 
auch bloß: Liegen f. bettlägrig feinz in den Wochen liegen, d, i, im Kindbettz 
oberd. fie ift gelegen f, ins Kindbett gekommen; bei einer Perfon liegen, alt 
f. ihe beiwohnen)s gem. au: mit etwa? belegt oder bedeckt fein (der Acker 
liegt voll’ von Steinen ; vergl. bangen) 3 in weiterer Bes, eine. dem Liegen fich 
nahernde Stellung haben (z. B. auf den Knieen liegen; im Fenſter liegenz 
Fechtk. im Vortheil Liegen, d, i, eine vortheilhafte Stellung haben z ein lie g en⸗ 
der Dachſtuhl, deffen Säulen ſchräg geftellt finds Liegende Schrift, ſchräg— 
ftehende (fr. Curſiv-Schrift) 3 überh. f. ruhen, dafein, ſich befinden (das Geld 
liegt im Kaften ; etwas müßig liegen laſſen; Wein liegen haben ; der Wein, das 
Bier hat ſchen lange gelegen 2c,.3 uneig. es lient mir fhwer auf dem Kerzen, 
d. i. es drückt, ‚beflemmt mich; fo auch: es liegt mir in allen Gliedern, d. i. 
ich empfinde Schwere u. Unbehagen im ganzen Körper; Liegende Gründe, 
unbewegliche Güter, beſ. Ländereien), inöbef, von Gegenden, Ortern ꝛc. hin: 
fichtlich ihres drtlichen Verhältniffes zu andern Gegenftänden:: dieſe oder jene 
Lage haben (Frankreich liegt gegen Weftens die Stadt liegt zwifchen Bergen 5 
Leipzig liegt in Sachſenz der Garten liegt hinter dem Haufe; das Haus bleibt 
links am Wege liegenz fo aud: einen Ort oder Gegenftand links oder rechts 
liegen laffen, d. i, ihn zur Seite haben, ohne ihn zu berühren) ; mit dem 
Nebenbegriffe der Dauer: fich an einem Orte aufhalten, daſelbſt verweilen 
(die Soldaten liegen im Feldes die Befagung liegt in der Feftung; im Hinter: 
halte liegen 5; im Gefängniffe, in Ketten und Banden liegen; unterweges ftil 
liegen; vor Anker liegen z uneig. es liegt mir immer im Sinne, d.i. ih 
kann es nicht vergeffenz es liegt mir am Herzen, |. Herz; aud) tadelnb: 


72 A Lien — Lespfund 


immer zu Haufe, oder immer im Weinhaufe liegen, d. i. fich beftändig da auf: 
haltenz immer über den Büchern liegen, d. i. ſich beftändig damit befchaftigen ; 
einem auf dem Halſe liegen, d, i, ihn anhaltend beläftigen 5 einem in den Ob: 
ven Liegen, d. i. ihm unaufhörlich diefelbe Sache fagen); ruhen, d. i. nicht 
benußt, nicht betrieben oder fortgeſetzt werden (der Acker liegt brachz die 
Sache bleibt Liegen; eine Arbeit liegen Laffen)z; überh. fich in einem Zuftande 
befinden (in Streit mit einander liegen ; ſich immer in den Haaren liegen, d. i. 
fi immer raufen, zanken; es liege am Zage, d. i, es ift offenbar, augen 
fcheintich) 5 in etwas gegrümdet fein od. beſtehen (darin Liegt der Unterſchied; 
hierin liegt die Schönheit des Kunftwerfes u, dal.); an finem od, aneiner 
Sache liegen, d i, darauf beruhen, darin gegründet fein, davon aus— 
gehen (3. B. die Zögerung liegt an ihm, d, i. er ift Schuld daranz u, beſ. unp, 
es Liegtanihm, dafs 2c.5 ed liegt nur daran ꝛc., d. i. es hat darin feinen 
Grund; woran liegt es denn? an mir foll es nicht liegen 2c.); unp. es liegt 
viel, wenig, nihts daran, od, es iſt viele. daran gelegen (vergl. 
gelegen), d. i. ed ift von großer, geringer ac, Wichtigkeit, kommt viel ıc. 
daraufan, mit dem Dat, ber Perfon (es liegt mir viel daran 20,5 wem liegt 
daran? liegt etwas daran ? 2c,)5 das Mw, gelegen als Bw, f. liegend, eine 
Lage habend ꝛc. ſ. gelegen; — das Kiegegeld, Entihädigung der Schiffer 
für das Stillfiegen vor der Ein= oder Ausladungz die Liegeflunde, Bergw., 
Ruhezeit der Bergleute; der Liegetag, ein Tag, an weldem man an einem 
Orte ſtill Liegt, bef, Schiff. ; die Liegezeit, die Zeit, fo lange etwas zu einem 
Zwecke liegen muſs; der Lieger, - s, wer liegt; landfd, ein fremder Kaufe 
mannddiener, der fid) beftändig an einem Orte aufhält, um die Gefchafte fei- 
nes Heren zu beforgen; auch ein liegended Ding od. Werfzeug, 3.3, niederd, 
(gem, Ligger) ein Schiff, welches dazu beftimmtift, an einem Orte * zu 
liegen; auch die Bauchſtücke eines ae 

Lien, w., M. -eit, Schiff. f, Reine, dünnes Tau, bef. das Zau, ı woran 
Flufsfahrzeuge vom Ufer aus fortgezogen werden ; daher: Die Lienbahn, Seiler: 
bahn; das Liengarn, Garn zu Leinen ; das Liengut, Tauwerk zc, 

Lienbaum, nı., ſ. v. w. Leinbaum, Lenne, Lehne (ſ. d.), landſch. f. Ahorn. 

Liene, w., M. -ın Gberd. Lien, Lienen; landſch. auch Lie rez wohl verw. 
mit Leine, Lien) landſch. f. Ranke, Rebe, insbeſ. Waldrebe (Teufelszwirn). 

Lier, ſ., — es, Mi -e (wahrſch. v. einem alten Stamm laren, einſchlie— 
ßenz daher altd, giları, Wohnung, und Ortsnamen wie Fritzlar, Weslar 2c, 5 
vergl, isländ. läsa, fliegen) in Salzwerken Benennung der drei Wände, 
welche den Herd einfaffen, 

Sierbaum, m., landſch. f. Lärche, Laͤrchenbaum, — 

Lieſch, fa, — es, od. das Lieſchgras, o. M., eine Grasart mit langen 

walzenförmigen Blüthenkolben: Lieſchkolben. 

Lieſe L. w., -n5,M,. -n, Verl. Lieschen, f., -3, oberd. Lieſi, 
Lieſel, gem, Abkürzung des weibl, EN. Eliſabeth, Eliſe; — Lieſe 2. w., 
M. —n (vielleicht verw, mit Leiſte, Leiſe) landſch. eine ſpitz zulaufende gerade 
Roͤhre, beſ. die eiſerne Röhre am, Ende eines Blaſebalgs. 

Liefen, die, o. E,, Fleiſch. das innere Fett od. Schmeer an den Wam— 
men eines Schweines oder einer Gans, 

Liespfund, n, A. Ließpfund, ſ. (entſt. aus Liveſches, d, i, Liefländiſches, 
Pfund) bef, niederd. ein Gewicht, welches 14, 15, od, 16 gemeine Pfund Halt, 


J 


Elie —Linde 78 


Lilie, (dreiſilb.), w., M. -n, (altd. lilia; oberd, gem, Gilge, Ilge; engl, 
lily; franz. lis; v. dem lat. lilium, griech. Aelgıov), ein Pflanzengeſchlecht 
mit zwiebelichten Wurzeln, ſchlankem, langem Stengel, ſchmalen Blättern, 
prächtigen Blumen ohne Kelch mit fechs aufrecht ſtehenden Staubfäden; bef. 
diejenigen Arten, welche glosfenförmige Blumen habenz in engfter Bed, 
die wohlriechende weiße Lilie, ein Sinnbild der Schönheit, Unſchuld u, Rein: 
heit, in vielen dicht. Zfe&. glänzende Weiße und Reinheit bezeichnend, 3, B. 
lilienweiß, Bw., die Lilienweißez der Zilienarm, = bufen, -hals, -leib ꝛc.; 
die Kilienhand, =haut, =flirn 2c. 5 andere Litien = Arten mit Eleineren, ganz 
zurückgebogenen Blumenblättern heißen auch: Tuͤrkiſcher Bund oder Türken 
bund; in weiterer Anwendung haben auch Blumen anderer Gattungen wegen 
einiger Ähnlichkeit mit der Lilie dieſen Namen, z. B. die Schwertlilie; die 
gelbe Waſſer- od, Teichlilie; die ſchwediſche, die perſiſche Lilie; auch das 
Maiblümchen und das Geißblatt heißen landſch. Cities — der Lilienbaum, 
eine Art des Zulpenbaums in Amboina ; das Lilienblatt ; lilienformig, Bw.; 
die Lilienfrucht, landſch. f. Geißblatt; das Lilienglödchen, eine Art Glocken— 
blume in Sibirien ; liliengruͤn, Bw., Mal,, eine Saftfarbe, aus der blauen 
Schwertlilie bereitet; der Yiliengulden, ehem, eine Goldmünze in Slorenz mit 
einer Lilie im Gepräge; der Eilienfäfer, ein fehr Heiner Käfer, ſchwarz mit 
hochrothen Flügeldecken und Bruſtſchild; das Pilienfreuz, WapenE,, ein Kreuz, 
an deſſen vier Enden Lilien angebracht find; die Liliennarziffe, ein Pflanzen: 
geſchlecht mit ziwiebelartiger Scheide ſtatt des Kelches (crinum L.}; der Lilien 
fein, ein verfteinerter Seeftern, aus einer lilienfürmigen Krone beftehend (fr, 
Enkrinit); der Lilienftengel; der Lilienvogel, gemeine weiße Schmetterling. 

Limbaun, m., landſch. fi Vogelbeerbaum, Cbereſche. 

Limpf, m., Ses, M.-e, (isländ, lim, fhrwed, lima, Zweig) landſch. 
Forſtw., der Gipfel eines Baumes; auch das jährlich neugeroachfene Holz 
an einem Baume, der Trieb, 

lind od, linde, Bw, (angelf, lich; ſchwed. len; at, lenis), alt u, dicht, f. 
gelinde (ſ. d.), finno, weich, fanft, mild; landſch. auch f. ein wenig feucht 
(die Wäfche ift noch linde; Lindes Brod u, dgl.) 5 die Lindigfeit, f. v. w. Ge— 
lindigfeitz lindern, ziel, 3m, (ſchwed. lindra; lat, lenire), lind od, finder 
machen, alfo eig, erweichen; doc nur in uneig. Bed, gebr. f. eine unanges 
nehme Empfindung verminderng finnv, mildern, befünftigen (dies Mittel 
lindert den Schmerz; den Kummer, die Sorgen lindern); rückz. ſich —, 
linder werden, abnehmen, nachlaffen (der Schmerz lindert ſichz oberd, das 
Wetter lindert fi, d. i. wird milder); der Linderer od. Eindrer, —s, wer 
etwas lindertz die Linderung, die Handlung ded Linderns, u. der Zu— 


Stand des Linderwerdens, die Abnahme des Schmerzes ꝛc. (einem Linderung 


verſchaffen; Linderung empfinden 20,)5 das Linderungsmittel, der Linde— 
rungsbalfam u. dal, 

Linde, w., M. -n, od, der Lindenbaum, (alt, linda, ſchwed. u, angelf. 
lind ; engl, linden, lime; wahrfd. v. Lind, wegen des biegfamen Bajtes 


"und des weichen Holzes), ein befannter fchoner breitältiger Waldbaum: vie 
gemeine Linde mit herzformigen, gezähnten Blättern und wohlriechenden Blü: 


then; zwei Spielarten derfelben: die Sommerlinde, und die Winter= oder 


Steinlinde; der Lindenbaft, der Baft (ſ. d.) der Linde, zu Stricken, Matten, 


Kbrben u, dal, verarbeitet; landjd, auch Namen der gemeinen Rüfter od, Ulme, 


74 Lindel — Linie 


gew, Lindbaſt; das Lindenblatt ; die Lindenblüthe; der Kindengang (Ein: 
den Allee); das Lindenholz; der Eindenhonig, Honig aus ben Lindenblü— 
then gefammeltz die Lindenfohle, aus Lindenholz gebrannte Kohle, zum 
Beichnen und zum Schießpulver brauchbar; die Lindenmiltel, auf Lindenbäu- 
men wachfende Miftel (ſ. d.)5 daB Lindenoͤl, aus Lindenſamen gepreſſtes Ol; 
der Lindenfchwärmer od. die indenmotte, ein Dämmerungsfalter, der id) 
auf Linden aufpättz die Lindenftraße, mit Linden bepflanzte Straße; — lins 
den, Bw,, von der Linde, von Lindenholz. 

Lindel, fe, -8, Mm. E., m. A. das Lintels (v. d. niederd. Lind, 
Lint, leinenes Baudz isländ. u, ſchwed. linda, Band) niederd., das leinene 
Band vorn am Ärmel der Hemden, oberd. das Handbeſetz. 

lindern, Lindigkeit ꝛtc. ſ. unter Lind, 

Lindwurm, m (dän. u, ſchwed. lindorm; v. Lind, weich, biegſam 
ſchwed. linda, winden, wideln; daher altnord, linne, Schlange), uberh, f. 
Schlange; gew. ein erdichtetes Ungeheuer, als ein Drache oder eine große 
geflügelte Schlange vorgeftellt, aud der Linddrache genannt, 

ling, Endſ. (alt, line, fhwed, u, engl, ling; nad) Abftammung u. Be 
deutung urfpr, = ing (f. d,), welches, an Wörter gefent, die auf ein l aus: 
gehen, die Silbe Ling erzeugt hat), bildet männliche Hauptwoͤrter, welde 
einen Gegenftand, «in Einzelweſen, bef. eine Perfon (bisw. beiderlei Ge: 
ſchlechts) von der durch den Stammbegriff angebeuteten Urt bezeichnen, u. zwar 
4)von Hauptwö rtern, 3. B. Gründling, Jährling (ein jähriges Thier), 
Hänfling, Däumling, Silberling, Hausling, Kämmerling, Flüchtling, Günft: 
ling 26,5 2) von Beiwortern und Zahlw., z. B. Fremdling, Neuling, 
Süngling, Spätling, Liebling, Deilling, Vierling 20,5 3) von Zeitwörtern, 
z. B. Findling, Säugling, Lehrling, Ankömmling, Zäufling, Bückling, Schöfe: 
Ying2c, — In manden neueren Bildungen hat diefe Endf, den Nebenbegriff des 
Berkleinernden und Berächtlichen, der ihr urſpr. fremd ift, 3. B. Wigling, 
Höfling, Digterling, Weihling, Srömmling, Sonderling, Zinfterling, Bier: 
ling u, dgl, m. 

lingen, Zw. (altd. liegan) völlig vlt, f. gelingen; daher noch: mifelingen. 

Lingentraut, f., eineim Sande wachfende Pflanze, die fih auf dem 
Boden ausbreitet und mit länglichen, blau angelaufenen Blättern befegt ift, 
braunes Knotengras (corrigiola L.), 

lings, Endf. (altd. ingun, lingun; ingen, lingen; urfpr, ing od, ings, 
wovor das I fid) auf demfelben Wege feftgefeht hat, wie in ling, ſ. d,) bildet 
Nebenwörter von Bei- u. Hauptwörtern, 3. B, blindlings, jählings, rück— 
ling, ſchrittlings, meuchlings. 

Linie (dreiſilb.), w., M.-n, (aus d. lat. linea; doc) verw. mit Lein, 
Leine) überh. ran Alırabehuung in die Laͤnge; insbef. Grögent., eine Aus— 
dehnung in die Länge ohne Breite und Dicke gedacht, als Grenze einer 
Säge, oder aud) für fic) allein dargefiellt: eine gezeichnete oder gezogene Tinte, 
ein Strid) (eine gerade, krumme Linie, Kreis:, Schnecken-, Schlangenlinie); 
in der Erd: u. Sternk. verfchiedene auf der Erd= od. Himmielöfugel gedachte 
Grenz = ‚od. Theil ungslinien, z. B. Mittagslinien, die Gleichungslinie, der 
Gleicher (ſ. d.z fr. Aquator), welche in der Schiff. gew. ſchlechtweg die Limie 
heißt (die Linie paſſiren 26,)5 überh. die in die Laͤnge ausgedehnte (sumal 
gerade) Richtung mehrer neben einander befindlichen Dinge (die Häufer, die 


link Re 


Soldaten ftehen in gerader Linie; die Kriegefchiffe machen Linie; daher, ein 
Sinienſchiff, f.w); auch, die Neihe der in einer Richtung neben einanz 
der befindlichen Dinge felbft (eine Schlachtlinie, ſ. v. w. Schladhtreihe), insbeſ. 
f. Zeile (zwanzig Linien auf jeder Seite); uneig, auch eine Neihe in der Zeit 
nach einander folgender Dinge, daher: die ununterbrochene Folge der 
Nachkommen eined Stammvaterd, ab= oder aufwärts GGeſchlechts li— 
nie; in gerader Linie von Jemand abftammen 5 die abfteigende, od. auffteigende 
- Linie; männliche, weibliche, Seiten :, Neben = Linie 26,)5 ferner verſchiedene in 
die Länge audgedehnte Förperliche Dinge: Feſtungsb. in die Länge laufende 
Bruftwehren mit Gräben; ein langes dünnes Seil, eine * Anat., ine 
kange: ſchmale Hervorragung an den Knochen; ein Eleined Längenmaß, A 
od. Is Zoll betragend; — 3 jet. das Linienblatt, ein mit ftarken Linien be- 
zogenes Blatt Papier als Unterlage zum Geradefhreiben; das Linienſchiff, 
ein großes, ftark bemanntes Kriegsſchiff, welches in der Schladhtlinie an dem 
Gefechte Theil nehmen kann (f. o.); der Linienzieher, wer Linien zieht; auch 
ein Werkzeug zum Linienziehen, bei, zum Biehen von Notenlinien (fr, Raftral); — 
Ableit. linig, Bw, Linien habend, aus Linien beftehend, nur in Zſetz. 
wie gerad:, krummlinig; liniiren od: lineiren, ziellof, u, ziel. 3w,, Linien 
ziehen; mit Linien beziehen (3. B. ein Bud), 

(inf, Bw, (altd, lenk, oberd. aud) glinf, "dan, ling, hol. slink ; wahrſch. 
nicht von lenken, ſondern v. dem isländ. lina, ſchwächen; wie das aud winistar, 
winster verw, mit d. angel, vanian, island, vana, fhwächen, van, Mangel; 
vergl, auch das oberd, Lurz, lerz f, lin mit d, iöländ, lerka, lara, brechen, 
ſchwächen, u, das oberd. Leg f. link, von legen, hemmen, beſchädigen) bezeich— 
net die gew. ſchwächere u. weniger gewandte Seite des menſchl. Koͤrpers, auf 
welcher dad Herz liegt und alles an dieſer Seite Befindliche, entg, recht, 
(der linfe Arm, Fuß, das linke Auges; die linfe Hand, auch bloß: die Linke; 
zur linken Hand od. zur Linken, auch linker Hand (Gen.) liegen, ſich befin— 
den, d, i. auf oder nad) ber linken Seite zus fi linker Hand wenden; vergl. 
Hand; der Linke Flügel eines Gebäudes, vergl, Flügel; link fein, d, i, bie 
linke Hand fo gut oder beffer gebrauchen können, als die rechte); uneig. f, ver— 
ehrt, unrecht, ungewandt, (5. B. die linke Seite eines Zeuges; was recht 
ift, link machen, d. i. umkehren, aud) f, das Recht verdrehen); unbehuͤlflich, 

ſteif, ungeſchickt, gew, linkiſch (fi link benehmen); Die Linkheit, ſelten, 
das Link- over Verkehrtſein; die Unbehuͤlflichkeit; auch: eine verkehrte, 
ungeſchickte Handlung; linkiſch, Bw., unbehuͤlflich, ungefchicft, ungez. 
wandt, ſteif, wie wenn man ſich ungewohnter Weiſe der linken ſtatt der rech- 
ten Hand bedient, (ein linkiſcher Menſch, ein linkiſches Benehmen); links, Nw. 
von link, nach der linken Seite hin, auf der linken Seite, entg. rechts 
(fich links wenden ; das Haus Liegt Links vom Wege); mit der linfen Hand 
(lints fchreiben, effen u,5 links fein, b. link fein, ſ. 0.25 auf der verkehr: 
ten, unrechten Seite (einen Strumpf links anziehen); gem, uneig. f, unrich— 
tig, falfch, verfehrt (etwas links anfangen, machen; links urtheilen u, dgl.); 
zgeſ. mit Bw, und Nw., um den Begriff, nad) der linken Seite hin 
mit verſchiedenen Nebenbegriffen zu bezeiänen in Nw. wie: linksab; linfsan, 
nebenan zur linken Seite; linksher, linkshin (vergt. her u. Te linksum, 

nach der linken Seite herum od, hinum, beſ. als Befehlewort; das Linkshoͤrn⸗ 
hen, die Linksſchnecke, Linksſchraube, Schnecken, deren Gewinde von 


76 Linnen — lispeln 


der rechten nad der linken Seite geht; der Linksmacher, gem. uneig. f. 
Rechtsverdreher. 

Linnen, ſ., -3, M. w. E., niederd. f. Leinen (ſ. d), Leinwand. 

Linſe 1. w., M.-n, Verkl. dad Linschen, (altd. linsi, oberd. der 
u, die ins, dan, lindse, ſchwed. lints; Lat, lens, lenticula, franz. lentille), 
die Eleine, runde, platt gedrüdte, in der Mitte auf beiden Seiten erhabene 
efäbare Frucht eined befannten Schötengewächfes, weiches in Frankreich 
wild wächſ't; in weiterer Bed, jeder Fleine linfenförmige Koͤrper, z. B. oberd, 
Heine flache Blattern im Geſicht; bef. infenförmig geichliffene Glaͤſer zu 
Fernrbhren ꝛc., Linfengläfer (Kryftal - Linfen); — Zfetz. dad Pinfenbein, 
Anat, die Gelentbeinchen der Hände und Fuͤße; die Linfendrüfe, Linfenförmige 
Drüfen ; das Linfenfeld; Iinfenförmig, Bw.; das Linfengericht, gefochte 
Linſen als Speife; die Linfengerfte od. das Linfengetreide, Linfen zum Vieh: 
futter unter die Gerfte geſäet; das Linfenglas, f. o. Einfez das Linfengras, 
Salzgras, Salzkraut, ein Futterkrautz das Linfenfraut, eine Art des Waffer: 
fterns, Wafferlinfe; das Pinfenmaal, ein kleines, erhöhetes bräunliches Maal; 
der Linfenftahl, ein linfenförmiges Dreheifen der Kunftoreheler; der Linſen— 
flein, Eeine linſenähnliche Steinen; die Linſenſuppe; die Linfenwide, 
Heine Feld- od, Vogelwicke; der Linfenzähler, ſpbttiſch, ein kleinlich beforgter 
Hausherr. 

Linſe 2. w., ſ. Luͤnſe. 

Lintels, ſ., ſ. Lindel. 

Linzerzeug, m., (wohl von der Stadt Linz?) öſtr., ein Zeug, halb von 
Lein, halb von Welle, - 

Lippe, w., M.-n, Verkl. das Lippchen, (altd. Jippa; urfpr, mehr 
niederd, f. das oberd. Lef ze, altd. lefsa ; engl, lip, ſchwed. läpp ; lat, labium, 
franz. lövre; verw, mit lapp, läppern 2c,), Die berveglichen, fleiſchigen Raͤn— 
der des Mundes bei Drenfhen und Zhieren (Ober, Unterlippez; es foll nicht 
über meine Lippen Eommen, d, i, ich werde nicht davon redenz fich auf die kippen 
beißen, d. i. das Lachen od, eine Außgerung gewaltfam unterdrüden)z; uneig. fi 
Mund (meine Lippen follen®icd preifen ꝛc.); in weiterer Anwendung überh, 
lippenähnliche Nänder, 3. B. Pflanz. die beiden Einſchnitte in einblattigen 
Blumenkronen; Schiffb. dielippenformigen Zähne an Klampeen (f, d.) 5 die Enden 
zweier zufammengefügten Hölzer; — 3fes, der Lipvenbuchftabe, Lippen=, 
laut, ein Sprachlaut, bei deſſen Hervorbringung vorzüglich die Lippen thätig 
find, 28.6, p, m; der Lippfifch, ein Fiſchgeſchlecht mit einfachen, aber 
großen und dicken Lippen; die Lippmufchel, Herzförmige Muſchel mit lippen- 
formigen Räntern; — Ableit, lippig, Bw., Lippen habend, gew, nur 
in Zſetz. wie dick⸗, rothlippig ꝛc. 

Lips, m., 1. gem, abge, f. Philipp (landſch. auch Lipp, Lippel); 2, landſch. 
gem. ein Menſch mit dicken oder hangenden Lippen. 

lispeln, zielloſ. u. ziel, Zw, (ein Schallwortz ehem. auch Lispen, ſchwed. 
lispa, angelf. wlisp, niederd, wispeln, engl. lisp u. whisper) überh, einen 
fanften fäufelnden Schall hören laſſen, leiſe raufchen (dicht, der lispelnde 
Weſt, das lispelnde Laub u, dgl.); bef, fanft u, leife fprechen, finnv, flüftern, 
wispern, zifchein (einem etwas ins Ohr —); in engerer Bed. im Sprechen 
zu oft mit der Zunge an die Zähne anftoßen und dabei ein fehlerhaftes ge= 
(indes f hören laffenz der Lispel, - 8, ein einzelner lispelnder Ton, verſch. 


Liſt — loben 77 


das Liöpeln, das Gelispel; der Lispeler od. Lispler, -3, die Lisplerinn, 
M.-en, wer liöpelt, bei. alö Fehler der Kusfppanrs der Lispelton, dad 
Lispelwort u. * 
Lift, w., M.-en, (alt u, oderd, der Liftz doc althochd, w.; ſchwed. u, 
dän. list; böhm. Lan vielleicht verw, mit lofen, laufen (7, d,), engl. listen, 
in der weiteren Bed, fharf wahrnehmen; vergl, Elug), ehem, Klugheit, Kennt: 
niſs, Kunſt; jest nur in engerer Bed, die Geſchicklichkeit, fich zur Erreichung 
feiner Zwecke den Andern verborgener Mittel vortheilhaft zu bedienen, finnv, 
Schlauheit, Verſchlagenheitz nicht nothwendig aus böfer Abficht und zu uner- 
laubtem Zwecke, daher verſch. v. Arg-, Hinterlift, Ränkez aud ein 
ſolches heimliched Mittel felbft (auf eine Lift denken; Liften gebrauchen 2c,) 5 
liſtenreich, Bw., reich an Liften, fehr liſtigz liſtig, Bw., Lift befigend (ein 
liſtiger Menſch); von Lift zeugend oder darin gegründet (liſtige Streiche, Anz 
ſchläge, Mittel 2c.), finnv, ſchlau, verſchlagen, verſchmitzt; die Liftigkeit, das 
Liſtigſein; die Kiftige Befchaffenheit. 

Lifte, w., M. -n (mittl, lat. lista, franz. liste, engl, list 26,5 dem 
Stamme nad) = Leifte (f. d,), altd, lista, Streifen), ein Verzeichnifs meh 
rer einzelnen Dinge, bef. Perfonen : Namen, dergleihen man ehem, auf lange, 
ſchmale Streifen zu fihreiben pflegte, (die Lifte der Geborenen, Geftorbenen ꝛc.). 

Lise, w., M. -n, Verkl. das Litzchen, (ſchwed. lits, din, lisse; 
‚vergl, d, lat, licium, Faden; engl, leaslı, Riemen, Strid), eine duͤnne, runde 
Schnur, bef. als Einfafjung an Kleidern u, dgl. 5 der Litzenbruder, in niederd, 
Handelsſtädten: beeidigte Ballenbinder, Packknechte oder Ablader (v. Like f, 
Strick, womit fie Laften auf dem Rüden trugen). 

loben, ziel, 3w. (altd, lobon ir, niederd, Lawen f, Ichen u, geloben; angelſ. 
lofian, ſchwed. lofwa, franz, louer; urfpr, rufen, laut fagen od, verfündigen ; 
daher: geloben, verloben,*f.d, u, Kanzl, beloben f, erwähnen, mel- 
den; vergl, leuen, u, bas lat, laudare mit laut) einen od. etwas —, 
mit Beifall erwähnen, die guten Eigenfchaften od. Vorzuͤge einer Berfon 
0d, Sache laut anerkennen , finnv, billigen, rühmen, preifen, entg, tadeln, 
(ic) lobe ihn darum oder deſshalb; man Lobt feinen Fleiß; ich lobe es an ihm, 
dafs 20.3 einen ins Gefiht loben; ſprichw. das Werk lobt den Meifter, d. i. 
läſſt feine Vorzüge erkennen; ich lobe mir die Zufriedenheit, d. i. id für 
meine Perfon ziehe fie vor, halte fie für das Beſte; Gott loben, d. i. ihn preis 
fen und ihm danken); landſch. auch: feine Waare ſchätzen, einen Preis dafür be: 
ftimmen und fordern (mie hoch lobt er feine Waare?); ehem, f, geloben, ver= 
fprechen, bewilligen; das Lob, —es, 0, M, (altd, der u, daz lop; nieberd, 
Love, Lof, ſchwed. lof), das Loben, das ausgeſprochene Urtheil über die 
Beſchaffenheit eines Gegenftanded (einem ein gutes, od, fchlechtes Lob geben); 
insbef, die laute Beifalldaußerung, ausdrückliche Anerkennung der Vor— 
zuͤge einer Perfon od, Sache (mit Lobe von Jemand ſprechen; einem etwas 
zum Lobe nachſagen; Gott Lob oder gem, Gottlob! ſ. unter Gott); — 
"Bfes. v. Lob: die Lobbegierde, Begierde nad) Lobz lobbegierig, Bw.,; in 
tadelndem Sinne: die Lobgier, lobgierig; das Lobgedicht, Gedicht zum 
Lobe einer Perſon od, Sache; der Lobgefang, das KLoblfed, ein Geſang od, 
Lied zu Jemands Lobe; insbef, ein geiftliches Lied zum Lobe der Gottheit (fr, 
Domnus); das Lobopfer, bei den alten Juden: ein Opfer zum Preife Gottes 
dargebracht; lobpreiſen, untrb, ziel, Zw, (entft, aus der noch landſch. Redens⸗ 


78 Loch 


art: einem das Lob preiſen) einen —, ihm loben u, preifen, lobend erheben, 
ger, nur im Inf,, Iften Mw. Imper. u, Präfens gebr. (Tobpreifet den Herrn! 
er lobpreiſet dich 2c.5 lobpreifend 27,5 das 2te Miv, follte lauten: gelobprie 
fen, findet fich jedoch, wiewohl felten, nur in der Form: Tobgepriefen, 
u. unt. gelobpreifet)z3 der Lobpreifer, - 85 die Kobpreifung, M. -enz 
die Lobrede, eine Rede, welche Jemands Lob enthäitz der Lobredner, -8, 
. mer eine Robrede hält; lobredneriſch, Bw., nad) Art eines Lobredners oder 
einer Lobredez lobſagen, untrb, zielfof. 3w., einem —, vlt. bibl. f. ihn loben, 
lobpreiſen; die Lobjchrift, Schrift zu Jemands * lobſingen, untrb. 
zielloſ. Zw. mit d. Dat. einem —, ſingend fein Lob verkuͤnden, gew. nur 
im Inf., 1ſten Mw., Imper. u. Präſens gebr. (lobſinget dem Herrnz meine 
Lippen lobſingen dir; das 2te Mm, follte lauten: gelobfungen od, lobfun: 
gen, ftatt deffen ift jedoh Lobgefungen gebr.); der Lobſpruch, lobender 
Ausſpruch, def, M, Lobfprüche (einem große Lobſprüche ertheifen); lobwür- 
dig, Bw., des Lobes würdig; die Lobwürdigteit; — die Lobeserhebung, 
Erhebung durd) Lob, Lobpreiſung; auc ein großer Lobfprud) (Lobeserhebungen 
machen); — von loben: das Kobegeld, landſch. f. die Lehnwaare (v. loben 
f. geloben, einwilligen); lobenswerth oder würdig, Bw., werth, gelobt zu 
werden; die Lobenswuͤrdigkeit; — Ableit, der Xober, - 5, wer Semand 
od. etwas lobt; fobebar und lobeſam (auch Lobefan), vit, Bw, f. lobens⸗ 
wuͤrdig, loͤblich; lo beſam bef, als vit, Titel= od, Ehrenbeiwort Hinter fei: 
nem Hw. (die Königinn Vobefam u. dgt.); loͤblich, Bw. (altd, lobelih, lob- 
lich), werth gelobt zu werden, finnv, lobenswerth, doch gew. nur von 
Handlungen, Eigenfchaften ze, (ein löbtiches Werk, löbliche Sitten, eine lobliche 
Gewohnheit 2c.); von Perfonen nur als Chrenbeimort für eine Gefammitheit, 
bef, fiir Brhörden (das löbliche Stadtgeriht, Poftamt u. dgl; fo auch wohl: 
und hochl öbl ich, als Steigerungen v. Lblih); die Köblichfeit, dad Loͤb⸗ 
lichfein, die loͤbliche Beſchaffenheit. 

Koh, f., —es, M. Loͤcher; Verkl. dad Loͤch lein, Volksſpr. Lö chel- 
hen, und in der M. Löcherchen, (altd, loh, loch; verw, mit lachen 2,, 
leck, Lücke 2c., dem griech, Auxzos, lat. lacus, Kai jede Vertiefung od. 
Öffnung in einem Korper oder durch denfelben (ein Loch in der Erde, im 
Kleide, im Kopfe 2,5 Nafene, Luft:, Mund:, Schlüffellody 20,5 Löcher bohren, 
ftehen, ſchneiden; uneig, beim Kegelfäjieben: ein Loch madyen, d, i, keinen 
Kegel ummerfen); gem, verüchtl, f. eine Grube, Höhle, ein eng eingefchloffes 
ner Naum, ein Zimmer, Gefaͤngniſs u, dgl, (feine Wohnung ift ein wahres 
Loch; einen ind Loch werfen; die Dörfer find hier häſsliche Löcher) ; landſch. aud) 
f. eine Gaffe ohne Audgang, Sackgaſſe; niederd, (gem, Lod) ein Maß für 
trockene Dinge = 4; Himten, in der Mehrh. nad) einem Zahlw. unverändert 
(3. B. vier Loch)j; — 3 ſettz der Lochbeutel, Tiſchl. ein Meißel, Löcher damit 
in das Holz zu machen (f, Beutel 3.); das Locheifen, verfchiedene Werkzeuge, 
Löcher damit zu Schlagen; die Lochgans, Erd: od. Brandgans, weil fie ihre 
Eier in Fuchs- od, Kaninchenlöcher legt; der Lochkuchen, in Glashütten, das 
tunde platte Stück Thon, womit die Löcher im Schmelzofen zugefist werden; 
die Lochfäge, Tiſchl,, Stich- od. Stoßfäge zum Löcherfägen; der KLochfchrei= 
ber, in Nürnberg, der Schreiber beim Schöppengeriht (von Loch f. Gefängnife, 
weil ex darüber die Aufficht führt) 5 der Lochſtein, |. v. w. Lochkuchen; auch f. 
Lachſtein, Grenzſtein; beſ. Bergw.; der Loͤcherbaum, Papierm., der Block 


Loch — locken 79 


mit den Löchern od, Trögen, worin die Lumpen geſtampft werden; das Loͤcher⸗ 
gras, eine Grasart mit männlicen und weiblichen Blüthen auf einerlei Ährez 
dad Loͤchermoos ‚ ein Moosgeſchlecht mit einer in viele Fächer getheilten und 
durchlbcherten Büchſe; der Löcherfchwanm, eine Art flacher Schwämme mit 
vielen Heinen Löchern auf der unteren Fläche;z — Ableit, das Löchel, - 8, 
oberd, f. Loͤchlein; landſch. eine Art Binfen, Waldbinfengrad ; kochen, ziel, 
3w,, Handw. etwas —, * hineinſchlagen (3.8. ein Eiſen —) 3 landſch. 
beſ. Forſtw. auch f. lachen 2, (f. 8,)5 der Locher, -8, ein großer Bohrer 
der Stellmacher; ; löcheln, 8* Zw., landſch. etwas —, mit kleinen Löchern 
verſehen; loͤchern, ziel, Zw., Loͤcher in etwas machen, nur in: durch- u, 
zerlöhern ; lochern, ziellof, Zw., landſch. gem., die Löcher durchfuchen, aufs 
ſpuͤren; löcherig, Bw., Locher habend, durchlöchertz die Loͤcherigkeit. 
Loch, m., Zes, M. -e, auch die Loche, M. -n, od, der Lochbaum, 
landſch. f. Lahbaum (8), —— 
Lock 1. m. u. ſ. ſ. Log; — 2. m., - ed, landſch. f. Waſſerhahnenfuß. 
Locke 4. w., M.-n, Verkl. das Loͤckchen, (altd. loc, m.3 locca, 
loke, w.3 engl, u, ſchwed. lock; griech. mAozog v. m).ezo, flechten, lat, plico; 
—2 laka, fügen), ein Buͤſcht zuſammengeringelter od.⸗gerollter Haare 
Gaarlocke) od. haarähnlicher Faden (das Haar in Locken Legen; feidene, falſche 
Locken); — 3fes. der Lockenbau, das Lodengebäude, der künſtliche Bau 
der in Roden gelegten Haare; dad Lodenhaarz dad Lodenhaupt oder der 
Lockenkopf; lockenreich, Bw., u. f. w.; — Ableit. lodig, Bw., Loden 
habend, aus Locken Beitehend (lodiges Haar, ein lodiges Haupt); lodicht, 
Bw., lockenaͤhnlich z loden 1. ziel, Zw., in Locken legen (das Haarz ge— 
locktes Haar); loͤckeln, ziel, Zw., das verkl. locken: in Loͤckchen legen, 
locken 2. 3w, (altd. Iocchon, lokken; isländ, u, ſchwed. locka; vergl, 
d. fat, lacio in adlicio), 1) zielos, Nachahmung deö Lautes, womit 
manche Thiere einander rufen od. von Menfchen gerufen werden (die Nach 
tigall, die Wachtel lockt; Jäg. bef, von dem Laute der Turteltauben)z; 2) ziel, 
ein Thier —, es durch Nachahmung feines eigenthitmlichen Lautes, in 
weiterer Bed, auch durch hingelegte Speife ze. anziehen umd herbeirufen, 
ſinnv. körnen, ködern (Vögel, wilde Thiere)z; uneia, überh, durch Erregung 
angenehmer Empfindungen od, finnlicher Begierden, durch Freundlichkeit 
oder Lift anziehen und zu etwas bewegen, finnv, reizen, vergl, anfoden, ver- 
locken (Semand an ſich locken; wenn dich die böfen Buben loden, fo folge ihnen 
nicht; einen in eine Schlinge, in einen Hinterhalt loden), etwasaus Je 
mand —, d. i. ihm unvermerft, heimlich, mit Rift entziehen, ſ. v. m, 
ablocken, entlocfen (ein Geheimnifs aus Jemand —, ihm das Geld aus ber 
Taſche —, Thränen aus den Augen —); — lode, Bw., landſch. gem, f. v. w. 
kirre; die Locke 2., M.-n, beſ. Jäg. 1) dad Locken in eig. Bed. (die Le: 
bendige Locke, das Loden der Vögel durch abgerichtete Vögel; entgo bie 
todte Locke, mittelft des Pfeifens 2c.)3 2) die Bögel oder Werfzeuge felbft, 
womit Vögel gelocft werden; die Lockung, das Locken, bef. in uneig. Bed., 
ſinnv. Reizung; das Lockmittel, finnliche Reizmittel (M. Lockungen zum. 
Böfen ꝛc.); — Sfeg. die Lockente, eine gezähmte wilde Ente zum Entenfang 
gebraucht; auch f. Schnatter- oder Schnarrente; die Lockfloͤte, =pfeife, 
5 ſtimme 20.5 die Lockſpeiſe, zum Locken der Thiere hingelegte Speife; wenn 
es ein todtes hier ift, auch: dad Lockaas; uneig. überh. f. Lockmittel, Lockung; 


80 locker — Loͤffel 


der Lockvogel, ein abgerichteter Vogel auf dem Vogelherd zum Herbeilocken 
anderer Vögel. 
locker, Bw., Comp. lockerer, lockrer, Sup. lockerſt, (oberd. luck, lucker3 
auch lotter, ſ. dez wohl verw. mit Loch, leck, Lücke), in feinen Theilen nicht 
feſt zuſammenhangend, viele Zwiſchenraͤume habend, nicht dicht od. derb 
(loderes Erdreich, Brod u. dgl.);, nicht feſt anfchließend, nicht ftraff, leicht 
beweglich, finnv. lofe (dev Zahn ift lockerz ein locker gefpanntes Seil; etwas 
(oder zubinden); uneig. f. leichtfinnig, verfchwenderifch, Liederlich (locker 
leben, ein loderer junger Menſch); die Lockerheit, dad Lockerſein, die lockere 
Belchaffenheit, eig. u. uneig.3 der Loderling, -8, M.-e, Neuw. f. ein 
lockerer Menſch, Luͤſtling (fr. Libertin); lockern, Zw. 1) ziel. locker machen, 
beſ. auflodernz 2) ziellos, felten f. locker werden; landſch. auch f. Locker leben. 

Lockgat, fi, Schiffb. Ninnen am Boden eines Schiffes, welhe das 
Waffer in die Punipen leiten, auch Nuͤſtergat genannt. 

lodicht, lockig, Bw. f. unter Lockez Lodpfeife, -fpeife, =vogel, 
Lockung, ſ. loden. 

Lode 4. w., M.-n, (v. altd. hliaden, fprofienz ruſſ. losa, Zweig) 
Forſtw., der jaͤhrige Trieb od. Schuſs eines Baumes, Limpf; auch die 
Jahre (ſ. d. Yod. Jahrringe in dem Stammholze; die jungen, noch reiſeraͤhn— 
lichen Bäume des Laubholzes, Schoͤſslinge; loden, zielloſ. 3m. m. fein, 
gem. f. fprießen, aufſchießen, ſchoſſen. 

Lode 2. w., M.-n, oder der Loden, —s, M. w. E. (altd. lodo, 
Laken ; ludara, lodra, Windel, Lumpen; vom isländ. lod, ſchwed. lo, Zotte; 
vergl. d. griech. 2orog u. das lat. lodix), gem. oberd. grober Wollenzeug, 
grobed Tuch; Tuchm. bef. ungewalftes, noch haariges Tuch; ein Stuͤck 
Tuch u. landſch. aud Leinwand; ein Lappen, Lumpenz auch Haarbüfchel, 
unordentlich zerftreute Haare (niedr. einen bei den Loden kriegen, d. i. bei den 
Haaren fafjen); der Loderer, Loder, Lodner od. Lodenweber, oberd. f. 
Wollenzeuamweber, bei wer grobes Wollenzeug zu Fußdecken u. dgl. webt. 

Loder, m. -d, M.w. E., landſch. f. Stier, Bulle, 

Loder, ſ., -8, (vergl. Lutter) oderd. f. unreines Waſſer, bef. das vom 
Waſchen oder Baden abfliegende. 

lodern, ziellof. Zw. m. Haben (ſchwed. loddra; verw. mit lotter, lottern, 
ſchlottern 2c.), fic) leicht u. fchnell Hin u, herbewegen, nur vom brennenden 
Feuer gebr., finne. flackern; in weiterer Bed. überh. f. lebhaft brennen, glü= 
hen, auch uneig. von Leidenfchaften u. dgl. (ein loderndes Gefühl); die Loder— 
afche, ſehr Leichte weiße Aſche, welche bei geringer Bewegung der Luft in Eleinen 
Flocken auffliegt, Flug- oder Flockaſche. 

Lof, ſ., ,jes, M.-e, (ſchwed. lop; angelf. leap, isländ. laup, Korb; 
alſo wohl urfpr. überh. Gefäß; vergl. d. oberd. Lauf f. Schale, Hülſe), in Kurz 
und Liefland ein Maß fir trockene Dinge, bef. Getreidemaß ; in Riga auch 
ein Gewicht von 100 Pfund. 

Löffel, m., -8, M. w. E., Verkl. dad Loͤffelchen, (oberd. Leffel, 
niederd. Lepel; altd. lebl; verw. mit Lofz niederd. Söpen, Kübel, lat. labrum, 

- Wanne, mittl. lat. labs, Topf ꝛc.z alfo urſpr. überh. Gefäß, Behältniſs; 
nm. A. v. d. altd. laffan, oberd. lappen, ſchlürfen), ein Geraͤth, beſtehend 
aus einer rundlich hohlen Vertiefung an einem langen Stiele, um damit Fluͤſ— 
figfeiten umzurühren, zu ſchöpfen u, nad) dem Munde zu führen: Koch-, 

Schaum:, 


Log — lo) 81 


Schaum-, Vorlege:, Kaffees, Theelbffel, Eſs- oder Suppenlöffel, welcher 
iehtere ſchlechtweg Löffel in engerer Bed. heißt (mit dem Löffel effenz ein ſil— 


berner, zinnerner 2c. höffel) 5; Schiff. eine löffelformige Schaufel, womic das Pul- 


ver in die Kanone geladen wird; ein loͤffelaͤhnliches Werkzeug der Wund— 
ärzte; Zäg. die Ohren der Haſen; Naturk. eine Art Napfſchnecke, u. eine 
Art Stachelſchnecke (Schöpfer, Schnepfentopf ꝛc.3 — 3 ſetz. der Löffel- 
baum, ein nordamerikanifcher Baum, aus welhem die Wilden Löffel machen; 
die «öffelblume, weiße Taubneſſel; der KLöffelbohrer, ein Bohrer der Drechs— 


ler ꝛc. in Form einer hohlen Halbwalze nut Löffelförmig aufgeworfenem Endez 


s 


die Löffelente od. Löffelgang, eine Art wilder Enten mit breitem, Löffelühne 
lihem Schnabel; die Loͤffelgans auch f. v. w. der Köffelreiher, eine Art Reiher 
mit Lffelförmigem Schnabel; die Löffelfohre, landſch. f. Eleine Alpenkiefer, 
Krummholzbaum; das Köffelholz, der afrikan. Spindelbaum u: deffen Holz z 
das Loͤffelkraut, ein Schotengewädhs mit rundliden, löſſelähnlich vertieften 
Blättern, bef. als Mittel gegen den Scharbock gebraucht; der Löffelfamen, 
Schwalbenkraut, Schwalsenwurz ; der Loͤffelſchwamm, löffelförmiger Blätter: 
ſchwamm; der Loͤffelſtiel ꝛe.; — Ableit. loͤffeln, Zw. 1) ziel. u. ziellos, 
mit einem Löffel ſchöpfen; mit Röffeln eſſen, nur gem. ſcherzh. (gern loffeln, 
Suppe löffeln 2c.);5 2) ziellos m. Yaben (wahrſch. nit von Löffel, fondern v. 
Laffe, oberd. auch Läffel; n. A. von lieb, niederd. leef; alſo r. Läffeln 


‚od. leffeln) gem. f. finnlich lieben, dreift und unanftändig liebFofen; die 


Loͤffelei, das Loͤffeln, in beiden Bed, verächtl. der Loͤffler, - 8, wer loͤffelt, 
in beiden Beb,; auch f. Loͤffelreiher; der Löffling, -ee, M.-e, ſ. v. w. 


° Löffelbohrer, 


Log m. A. Lock), m. u. ſ., -es, M. -e (engl. log), Schiff, ein Werks 
zeug zur Meffung des von einem Schiffe zuruͤckgelegten Weges, beftehend in 
einem fchiffförmigen, mit Blei befhwerten Holze an einer langen Leine; daher: 
dad Logbrett, das Holz des Logs; das Logbuch, die Logtafel, Buch oder 
Zafel zur Aufzeichnung der mit dem Log angeftellten Beosadtungenz das Logs 
glas, eine Eleine Sandusr, deren man fi beim Loggen bedient; die Logrolle, 
die Rolle, um welche die Logleine gewickelt iſt; loggen, ziellof. Zw., dad 
Log auöwerfen, die Geſchwindigkeit des Laufes eined Schiffes meſſen. 

Loh 1., ſ. u. m., -e6, M. -e (altd. loh, lo; oberd. aud) Loch, Laich z 
beſ. in En. von Wäldern und Hrtern, wie Hobeniope, Efchenlohe 2c. 5 vergl. 
d. lat. lucus) alt u. oberd. f. Gebufh, Bald, 

Loh 2., fe, -8, M.-e, aud die Loh, M. -en (oberd. auch Lohen, 
Logen; niederd. Loge, Grasangerz vergl. Lade, has lat. lacus; das isländ. 
la, Waffer; ruf. lug, böhm. luka, Wieſe; ruf. luscha, Pfügez vergl. 
auch Aue), landſch. f. eine ſumpfige Grgend, ein Moraftz eine tirfliegende, 
feuchte Wieſe; niederd. auch f. Torf; der Lohboden, Sumpf: od. Torfboden. 

lo), Bw. (verw. mit gluh, glühen, licht zc.), hell u. Icbhaft flanımend 
(die Lohe Flamme); die Lohe 1., o. M. (landfch. auch der u. das Lohz altd. 


louga, louc, louch; isländ. log; enal. lowe; vergl. lit, leuchten ꝛc.), die 


lebhafte Flamme eined Feuers; die Gluth, Hitze, auch uneig. ein hoher. 
Grad der Leidenſchaft; landſch. der Brand im Öetreide; dad Lohfeuer, 
ein lebhaft flammendes, loderndes Feuer; loben 1., 3w. 1) ziellos m. haben, 
heil Flammen, mit. lodernder Flamme brennen; 2) ziel. mit einem Loh— 
feuer bearbziten, nur in dem zgef. auslohen. 


Beyfe's Handwörterb. d. beutichen Spr, 2. The, 6 


82 Lohe — Lohn 


Lohe 2. w., M. (von mehren Arten) -n (landſch. aud) der und das L0h; 
woht verw. init d. altd. luhen, oberd, Lühen, altnord. lauga, waſchen: vergl, 
Loh 2, und auge), abgefchälte und fein geftampfte Baumrinde, wie fie. 
die Gerber als Bei,mittel zur Zubereitung des Leders gebrauchen (Eihen:, Er: 
ten: , Birken: , Fichtenlohe), auch als Dünger dienendz — 3 ſetz. das Loh— 
bad, Gerb., der Ort, wo die Lohe getrodnet wird; der Lohballen oder Loh— 
kuchen, von den Gerbern gebrauchte und zu Ballen oder Kuchen geformte 
che, zur Feuerung dienend; die Lohbeize, das: Weizen mit Lone; auch die 
Grube, worin die Häute mit Lohe gebeist werden, Lohgrube; die Lohbrühe, 
mit Lohe gefättigtes Waſſer; die Loheiche (verderbt Loch eich ey, gemeine 
Eiche, deren Rinde am häufigſten als Lohe gebraucht wird; die Loherde, mit 
Lohe gedüngte Erdez die Lohfarbe; lohfarben, -farbig, -roth, Bw., von 
der rothoraunen Farbe der Lohe; der Lohfink oder Lohvogel, Biutſink; 
lohgar, Bw., mit Lohe zubereitet (lohgares Leder); der Lohgerber, wer 
Häute mit Lohe gerbt, z. U. v. Weißgerber; die Lohgerberei; die Lohmuͤhle, 
eine Stampfmühle, in welcher die Baumrinde zu Lohe geſtampft wird; daher 
der Lohmuͤller; — Ableit. loben 2. ziel, Zw., mit Lohe zubereiten, 
beigen (Häute); niederd. f. trüben, farbig machen Eichenholz lohet das 
Waffer); der Loher oder Löher, -3, wer lohet, mit Lohe bearbeitet, 
landſch. f. Lohgerber. 

Lohme, w., M. -n, (auch Lomme, Lumme; dan, lomme, engl. loom; 
v, lahm? ‚ eine Art Patſchfuͤße, deren Füße nahe am Hintern fisen, Halb = Ente, 

Lohn, m. und bisw. ſ. Eſ. u), — es, o. M. (got). launs, altd, Ion, 
ſchwed. lön), überh. was man für feine eiltungen oder fiin Berbalten 
als etwas Ungemeffenes oder Verdientes empfängt, fin. Entgelt, Vergel⸗ 
tung (bibl. ſie haben ihren Lohn dahin; die Strafe iſt der Lohn für das Ver— 
brechen) ; insbeſ. das Gute, welches man fir gute Handlungen oder ge— 
leiſtete Dienſte empfaͤngt, ſofern man es zu fordern berechtigt iſt z dadurch 
verſch. von dem ſinno. Belohnung (einem feinen Lohn geben; ſprichw. ein 
Arbeiter ift feines Lohnes werthz; Undank ift der Welt Lohn); in engerer Bed, 
die bedungene Bezahlung für geleiltete Handarbeit, ſinnv., aber verſch. 
Gehalt, Sc.d, Befvldung ; in diefer Bed. häufig: das Lohn (für Lohn dies 
nen; einem Lohn und Brod geben; der oder das Arbeits-, Botene, Fuhr-, 
Macherlohnz Tage-, Wochenlohn 2c.); — 3fes. der Lohnarbeiter, = Dies 
ner, =lafei ꝛc., wer um Lohn arbeitet, dient 20.5 Der Lohnbauer, wer 
gegen jährlichen Lohn bie Feldarbeiten auf einem Yandgute verrichtet, Hofmeier; 
das Lohnhandwerk, ein nur für Lohn, d. i. auf Beftellung betriebenes Hand: 
wert, entg. Kram- oter Krämerhandwerk; daher der Lohnhandwerferz der 
Lohnherr, Herr, der um Lohn arbeiten läſſt; der Lohnku fcher, Mieth: 
Zutfiher; die Lohnkutſche, Miethfurfebe; das Lohnſchaf, ein dem Schäfer 
als Lohn ausgefestes Schaf; die Lohnſucht, tadeinswerthe heftige Begierde 
nach Lohnz lohnſuͤchtig, Bw., Lohnſucht Habend und zeigend; der Lohntag, 
Zag, an welchem den Arbeitern ihr Lohn ausgezahlt wird; — lohnen, ziel. 3w. 
(altd. lonon, ſchwed. lona) 1) mit dem Dat. der Perſon und dem Acc. 
(ehem. Gen.) der Sache: einem etwas —, übderh. vergelten, ihm Ver⸗ 
dientes dafuͤr widerfahren laffenz insbeſ. fuͤr gute Handlungen oder gelei— 
ſtete Dienſte Gutes erweiſen, ſinnv. belohnen (Bott Lohne es dir z einem feine 
Mühe lohnen; mir iſt mit Undank gelohnt worden); 2) gem. mit dem Acc. 


löhren — 8008 .. 788 


der Perfon: einen —, ihm feinen Arbeits- od. Dienftlohn bezahlen, b. ab- 
lohnen (das Gefinde); 3) ziellos, uneig. von Sachen und als unp. Zw. mit 
dem Gen. (nit Dat.) der Sache, f. Bortheil gewähren, etwas einbringen, 
einer Sache an Werth angemeffen fein (3. B. das Getreide lohnet gut; bie 
Arheit lohnt nicht; die Sache oder es lohnt der Mühe nidt, d, i. ift der 
Mühe nicht werth; „die Dienfte der Großen lohnen der Mühe, des Zwanges, 
der Erniedrigung nicht“ ꝛc. Leffing)z; auch unp, rückz. mit dem Fürw. ſich 
als Dat, (nicht Acc): es lohnt fih nicht, es lohnt ſich der Mühe nicht, 
vergl. verlohnen; — Xbleit. lohnbar, Bw., was gelohnt werden kann, 
der Lohner, -8, ſelten, wer Andern lohnet, Ihnen Kohn auszahltz 
der Loͤhner, -8, die Löhnerinn, M.-en, wer Lohn empfängt, um 
Lohn arbeitet, gem. nur in Beh. wie Tage-, Halbz, Ganzlöynerz; der 
Föhnling, -d, M. -e, Neuw., verädtl,, wer etwas des — we⸗ 
gen,.aus Eigennug oder Gewinnſucht thut; die Loͤhnung, M. -ın, der 
Lohn oder Sold der Soldaten, fofern er denfelben einzein ausgezahlt wird; 
daher der Loͤhnungstag ıc. 

löhren, ziellof. Zw., völlig olt,, nur bibl. f. rauh u. eintönig fchreien, plärren. 

Lolch, m. -ed, 0, M, (lat. lolium), zwei Pflanzen, welche als Unkraut 
unter Bern Getreide wachſen: 1) der Scwindelpafer od. die Treepe; 2) der 
Raden oder das Taubkorn. 

Loos, n. U. Los, ſ., -ed, M.-e, (goth. hlauts, m., altd. hloz, loz, 
m.; angelf, hlok; niederd. u, ſchwed. lott, engl. und franz, lot, dün. lodeꝛc.) 
überh. ein Ding, urfpr, ein Stäbden, eine Kugel,*ein Würfel und dgl,, 
deffen man fich ald eines Mittels bedient, um den Zufall ber etwas ent— 
ſcheiden zu laſſen (das Loos über etwas werfen; wie das Loos füllt, d. i., wie 
das Ungefähr durch das gewählte Zeichen entfcheidetz auch uneig. das Loos ift 
gefallen, d, i. das Ungefähr hat entfihieden)z; in engerer Bed, bei Glücksſpielen 
und Ausfpielungen ein mit einer Nummer bezeichneter Zeftel, welchen man 
Fauft in der Hoffnung auf einen mit diefer Nummer zugleich zu ziehenden Ge— 
winn (ein Lotterie- Loos; die Loofe ziehen; mein Loos hat gewonnen ꝛc.); der 
durch den Zufall beftimmte Antheil oder Gewinn, eig. in Glüdsfpielen, 
bei Verloofungen ꝛc. (das große Loos gewinnen), und uneig, alles was dem 
Menfchen fcheinbar durch das Ungefähr als etwas Nothwendiges, Une 
vermeidliches zugetheilt ift, ſinnv. Schickung, Geſchick, Schickſal (was 
auch mein Loos fein mag, d. i. was mich auch Glückliches oder Unglückliches 
treffen mag; mit feinem Loofe zufrieden fein; Seren ift des Menſchen Loos u. 
dgl, m.); auch die Entfcyeidung einer Sache durch das Ungefähr (etwas 
dem Loofe überlaffen); — der Loostopf, ein Gefäß, worin die Looſe durch 
einander gefchüttelt werden, um fie daraus zu ziehen ; — loofen, zieltof. Zw. 
m. haben; (altd,'hlozan, hliozanz oberd, loßen, ließen; altnord. hliota, 
erlangen; hluta, looſen) das Loos entfcheiden laffen, das Loos werfen od. 

ziehen (um etwas —); die Loofung, M. -en, die Handlung des Loofend, 

das Loosziehen; daher das Koofungsfpiel, f. das fr. Lotterie; der Loo— 
fungsplan, tag, das Loofungsgeld eꝛc.; löfeln, ziellof. 3m. m. haben 
(gem. lößeln), oberd, f. loofen, bef. aberglaͤubiſche Handlungen vornehmen, 
um aus deren Erfolgen auf die Zufunft zu ſchließen; daher: Die Loͤſelnacht, 
bair., gewiſſe Nächte vor Feſttagen, in welchen man durch Löſeln die Zukunft 
zu erfahren ſucht. 


6* 


84 Lootſe — Lorrendreier 


Lootſe, n. A. Lot hſe, m., -n, M.-n, od. der Lootsmann, (ſchwed. loıs, , 
dän. loods, engl, loadsman; ven Loth, Senkblei, wonach Lothſe xich— 
tiger wäre; doch entſcheidet der Schreibgebrauch dagegen, welcher dem niederd. 
lood, holl. loot folgt; vergl. Pilot), Schiff., eig. wer mit dem Senkblei 
die — des Waſſers unterſucht; überh. des Fahrwaſſers vollkommen 
kundige Leute, welche ein- und auslaufende Schiffe den ſichern Weg 
leiten; Naturk. eine Art Klipp- oder Bandfiſche, und eine Art Stichlinge; 
lootſen, ziel. 3w,, ein Schiff —, es als Lootſe leiten, die Loots- od. 
Lootſenbarke, kleine Fahrzeuge, deren ſich die Lootſen bedienen ; das Kootfen= 
geld, Geld, welches der Lootſe für feine Leitung erhätt} das Lootfenwafler, 
die Wafjerftrede, durch welche 9 Se iff gelootjet wird. 

Kopf, fe oder m., —es, M. Löpfe, im Braunfcweigifhen: eine gewiffe 
Menge Garn; Loppe, w., M.-ın, landfd., eine gewiffe Menge Hanf, 
welche die Spinuet um den Leib nehmen, um daraus Kabelgarn zu fpinnen, 

Löppe, w., M.-n, oserd., sine hölzerne Kanne mit Dedel und Hand: 
babe. 

Lor oder Lör, f., -ed, M. -e (lat. lorum; vergl, unten Lurde, Lurre, 
und d, niederd, Edren, Luren f. Windeln, Widelbänder) alt und landſch. für 
Riemen, Band, 

Korbeere, w., M.-n (w. d. lat, laurus u, dem deutfhen Beere), die 
länglichrunde Frucht des immergrinen Korbeerbaumes (ehem. aud) Cors 
baum genannt) in Griechenland u, Italien; der Baum heißt au: der Lor— 
beer oder gew. verkürzt Lorber, -&, M. -n, welches auch einen einzelnen 
Lorberzmeig oder Lorberkranz kezeichner, bef. als Ehrenihmud der Hel- 
den, Sieger und Dichter; daher auch uneig. f. Helden = oder Dichter⸗ Ruhm 
(nach dem Lorber ringen u. dal.); wilder Lorber, ein immergrünes 
Strauchgewaͤchs mit wohlriechenden Blumen im fü. Europa; das Lorber— 
blatt, uneig. eine Art Kammmuſchel; der Lorberhain; das Lorberkraut, 
landſch. f. Kellerhald und gemeiner Epheu; die Korberfrone, Krone von Lor— 
berzmweigenz; dad Lorberöl, landſch. auch Lor-Hl, aus den Beeren u, Blättern 
des Lorbers bereitetes Öl; die Korberrofe, ein oftind, Giftgewächs mit pur: 
purfarbigen Blumen und lorberähnlichen Blättern (fr, Dleander); der Lorber— 
wald ıc, 

Lorch, m., es, M. -e, landſch. der Haubenraucher, Merch. 

Lore, w., M.-n, landſch. 1) eine Art ſchwarzer Pilze, welche um 
Kieferſtämme wahfen (auch Lorke, Laurife); 2) f. Iruffelz 3) f. Laͤrchen— 
baum. 

Lording, fe, — es, (v. Lor), Schiff. vierdraͤthiges Garn. 

Lorenz, m., -end (lat, Laurentius), ein männl. Taufnamen; oberd. 
gem, verkürzt: Lenz, Lenzelz dad Lorenzfraut, Gülden- od, Berggun: 
ſelz Schwalben- oder Giftwurz. 

Lork, m., — es, M.-e, niederd. f. Krötez beſ. als niedr. Schimpfwort; 
die Lorfe 1., M.-n, landſch., eine Art Wafferfröten. 

Lorfe 2., w., (vergl. Lauer), landſch., eine trübe Fluͤſſigkeit, bef, ein 
truͤbes, unſchmackhaftes Getränk, 

Lorke 3., w., M.-n (auch Lorre, Lurre), landſch. f. Poſſe, Grille. 

Lorrendreier od. Lurrendreier, -8, M. w. E. (von Lurden, falſche 
Briefe, Päſſe u, dgl.?) niederd., ein Schiffer, welcher die obrigkeitlichen 





Porve — los 85 


Zoͤlle Hintergeht, verbotene Waaren einſchwaͤrzt ꝛe.; daher: die Lorren— 
dreierei. | 

Lorve, w., Mi -en, f. Larve 2, 

Los 1. ſ. Loos; 2. ſ., 88, Mi -e, Schiff, jedes Stuͤck, welches 
zwifchen zwei andern lofe hängt; aud das Ankertau. 

08, Bw, und Nw., Comp. loſer, Sup, lofeft, (goth, laus, altd, los, 
ſchwed. lös, engl, in Zſetz. -less; verw. mit laſſen; vergl. d. lat. laxus und 
d, griech. Aveım), überh, ungebunden, nicht feſt; insbef. 1) beziehung» 
lo 8 (abfolut), d. i. ohne einen Fall zu regieren, wo es in feiner ungebeugten 
Form ald Bw. und als Nm, gew. loſe lautet: nicht feitgebunden od, zu— 
farımenhangend, finnv, locker cein lofer Zahn, lofe Haare; etwas ganz loſe 
befeftigen, lofe einpaden 2c, 5; lofes Brod, d. i, locker gebackenes; Schiff. Lofes 
Gut, d, i. alles, was man an Sciffsgeräth, als Segeln, Tauen zc. für den 
Notfall mitnimmt; ein loſer Maft, d. i. der noch ungetakelt iſt)z Feine bleis 
bende Wohnung habend, herumftreifend (lofe Leute, loſes Gefindel); uneig. 
überh. eine fehlerhafte Befchaffenheit, nicht die gehörige Gute habend, 
finnv. ſchlecht, leicht, falſch (3: B. loſes Geld, d. i. zu leichtes z bibl. loſe 
Speife f. ſchlechte), bef. in fittlihem Verftante: die Geſetze oder Sitten vers 
legend, böfe, ausſchweifend, Liederlic) (bibl. loſe und verachtete Leute; ein 
lofes Maul haben; loſe Worte fagen, d. i. beleidigende, ehrenruhrige), 
argliftig, falſch; gew. in milderem Sinne f. leichtfertig, muthmillig, 
fchalfhaft, neckiſch (du bift Heute fehr lofez ein lofer Menſch, ein Lofer Vogel; 
du lofes Kind; ein loſer Streich); ehem, auch f. falfch ſchmeichelnd, u. überh. 
ſchmeichleriſch, lieblich, veigend; daher lofen, vlt. Zw. fir betrügen, ſchmei— 
deln; 2) beziehungsweise, mit dem Gen. der Sache (gem. auch mit bem 
Acc. oder mit von und dem Dat.), wo es als Nw. und Bw. los lautet 
und auch als Bmw. nicht leicht gebeugt wird (außer in Zfeg. wie beifpiellos, 
hoffnungslos 2c.): eines Gegenftandes beraubt, deffen entledigt, entbunden, 
ermangelnd, davon befreit, ſinnv. ledig, leer, (einer Verbindlichkeit, eines 
Menichenzc, los fein oder werden; jest bin ich feiner (gem. auh ihn od. von 
ihm) los;z er konnte ihrer (gem. fie) nicht los werden); fo aud) bef, als 
zweites Glied in vielen zgef. Beiwörtern, wo los fid dem Charakter einer 
bloßen Bildungsfitde nähert, z. B. hülf-, grund-, frucht-, Erafte, ehr:, 
beilz, lieb=, leb-, ſchad-, beifpiellos; hoffaungs=, nahrungs=, bedeutunge- 
los ıc., aus welchen Bw. vermittelft der Endf. Leit mit vorgeſchobenem ig 
die Hauptwörter Hülflofigkeit, Grundlofigkeit, Hoffnungslofigkeit u. gebildet 
werden; — wo los beziehungslos (abfolut) zu ftehen fcheint, ift es aus— 
Laffungsmweife (elliptifch) gebrauht und ein Hw. od. Zw. dabei zu ergänzen 
(3. B. der Anker ift los, näml. von feinem Tau, oder er ift losgegangen, 
s geriffenz; gem. der Teufel iftlos, d. i. losgelaffen, ungehindert thä— 
tig; daher auh: was ift hier los? dv. i. was ift hier im Werke, in Be: 
wegung, was gefhieht bier ? u. dgl. m.); — 3) los ald Nm. in Verbindung 
mit Zeitwörtern auf zweifache Weife: a) mit voranftehendem auf, wo los 
die ungehemmte Bewegung in einer Nichtung auf einen Gegenftand be 
zeichnet, finnv. zu, in welchem Falle es mit dem Zw. nicht zu einem 
Worte verbunden werden darf (3. B. auf Jemand los gehen, ftürzen, 
dringen, fchlagen 20.5 darauf los gehen; frifh darauf Los effen 2c.)5 b) als 
erftes Glied in trennbar zgef. Zeitwörtern und deren abgeleiteten 


86 los 
Haupt: und Beiwbrtern, wo es Aufhebung des Zuſammenhanges oder des 
hemmenden Zwanges vermittelſt der durch das Zw. ausgedrückten Handlung, 
uͤberh. Trennung, Abloͤſung, Befreiung und dadurch eintretende ploͤtzliche 
Bewequng bezeichnet, ſinnv. ab, — Hieher gehören beſ. folgende Zſetz.: 
losarbeiten, ziel. Zw., mit Arbeit od, Anſtrengung löſen, trennen; losbin⸗ 
den, ziel. Zw., von den Banden oder Bändern trennen, befreien; (osbitten, 
ziel. Zw., durch Bitten die Lostaffung oder Befreiung erlangen; losbrechen, 
3m. 1) ziellos m. fein, durd einen Bruch von etwas getrennt werden; uneig. 
plöslid) und mit Heftigkeit entftchen, fid vernehmen Laffen 20.5 vergl. ausbres 
chen (das: Ungewitter brach los; er Fonnte ſich nicht Hänger balten, fondern 
bras) 108); 2) ziel. brechend abfondern, vergl. abbrechen; der Losbruch, der 
Zuftand und die Handlung des Losbrechens; losbruͤchig, Bw., was leicht 
losbrichtz Iüg.,. ein wildes Schwein losbrüchig madyen, d. i. aus feinen Lager 
aufjagen; loSbrennen, ziel. 3w., durch Brennen losmadenz von Fewerge: 
wehren |. v. w. losſchießen Losbringen, aud losbekommen, gem. loskrie⸗ 
ge, ziel. Zzw., durch Anwendung körperlicher Kraft oder anderer Mittel die 
fung, Trennung, Befreinng eines Gegenftandes bewirken; losbrödeln, 
ziel. und zielloſ. Zw., abbröckelnz losdruͤcken, ziel. Zw., duch Drücden ablb— 
fen, oder losgehen machen (ein Gewehr); loseiſen, ziel. Zw., vom Eife frei 
machen ein Schiff 3 uneig. gem. etwas von Semand —, d. i. mit Mühe zu er— 
langen ſuchen; losfahren, Zw. 1) ziellos mit fein, plöglid getrennt oder 
abgefondert werden; uneig. plöslid und heftig ſich Außern, ſprechen, vergl. 

erausfähren; I) ziel. durch Fahren abſondern; losfaulen, ziellof. Zw. m. 
fein, durd) Fäulniſs abgefondert werden; losfeilen, ziel. Zw., feilend los— 
machen; losgeben, ziel. Zw., aus feiner Gewalt —, frei geben (einen Ge: 
fangenen); losgehen, zieltof. Zw. m. fein, außer Verbindung mit etwas 
geraten, ſich adlöjen (der Kalk geht los)z3 plöslic in fchnelle Bewegung ge: 
rathen, ausbrechen, feinen Anfang nehmen {nun ging das Zanken los; ein 
Feuergewehr geht Los, wenn es plötlich, bei. von felbft ſich entladet)z verſch. 
auf Jemand los geben (f. 0.15 loshauen, ziel. Zw., hauend abfondern 5 
verſch. aufeinen log hauen; loskaufen, ziel. Zw., durch Erlegung eines Löſe— 
geldes befreien (einen Gefangenen); losketten, ziel. Zw., von der Kette lö— 
fen; loskommen, ziellof. 3w. m. fein, aus einer bejchränkenden Lage frei 
werben; loslaffen, ziel: 3w., etwas Feftgrhaltenes fahren laſſen (den Strid 2c.)3 
überh. aus feiner Gewalt laffen, frei laffen (einen Gefangenen); loslegen, 
3w. 1) ziel., löfen und hinlegen; 2) ziellos m. haben, gem. fr fih in Be 
wegung fegen, etwas anfangen; losmachen, ziel. Zw., außer Verbindung 
bringen, abſondern, trennen (die Rinde vom Stamme),. bef. von einer Ber 
ſchränkung, einem Zwange 2c. befreien (einen od. fid los machen); losplatzen, 
zielloſ. Zw. m. fein, platzend getrennt werden; uneig. gem. plötzlich hervor od. 
ausbrechen, def. unübertegt fi) in Worten äußern, vergl. losbrechen; losrei— 

- Ben, 3m. 1) ziellos m. fein, durd einen Rifs getrennt werben (dev Faden ift 
Tosgeriffen); 2) ziel. reißend oder überh. mit Gewalt abfondern, losmadhen, bez 
freien (fi losreigen); losfagen, ziel. 3w., f. v. w. losſprechen z gem. rückz. 
fich von einem oder von etwas —, d. i. feine Verbindung damit fur auf: 
gelöft erklären, ſich aller Verbindlichkeiten oder Anfprüche ledig erklären; 109= 
ſchießen, ziel. zw., ein Gewehr —, abſchießen; auch durd Schießen abfon- 
dern, trennens Losfchlagen, ziel. Zw., ſchlagend abſondern; ımeig. eine 


los 87 


Waare —, ohne längeres Zurückhalten oder Handeln verkaufen; losſchließen, 
⸗ſchnallen; =fchnüren, =fchrauben, ziel. Zw., Feſtgeſchloſſenes, = Ge: 
ſhnalltes, -Geſchnürtes,-Geſchraubtes auf: oder ablbſen, loemachen; los— 
ſchnellen, Zw. 1) ziellos m. fein, durch Schnellkraft losfahren 2) zieh, 
durch Schnellkraft in Bewegung ſetzen (einen Pfeil; losſprechen, ziel. Zw., 
durch einen Ausſpruch von einer Verbindlichkeit, Strafe zc. befreien, freiſpre— 
den (einen Angeklagten); losjprengen, ziel. Zw., fprengend abfondernz 
losfpringen, ziellof. Zw. m. fein, durd) einen Sprung getrennt werden; 
lostrennen, ziel. Zw., überh. attrennen, abfondern; inöbef. durch Zerſchnei— 
dung einer Nath losmachen; loSweichen, ziel. Zw., durd) Erweichen ablbſen; 
loswickeln, ziel. Zw., das Gewictelte los machen; uneig.-fi ch —, fid) aus einer 
verwicelten Sache ziehen; loswinden, ziel. Zw., etwas Gewunbenes losmachen; 
windend ibſen; ſich —, d. i. mit angefirengter Kraft fid) losreigen, befreien 
losziehen, Zw. 1) ziel., ziebend ablöſen; 2) ziellos m. haben, auf ei- 
nen —, uneig. gem. f. ihn ohne Zurüdhaltung fdyonungelos tadeln; — 3ſetz. 
von les, Lofe f. loder (f. los 1.): der Losbaͤcker, niederd., ein Bäder, 
der lockeres Weizenbrod backt, Weißbäcker; das Kosbrod, niederd. f. Weiß: 
brod, Semmel; — Wbleit. die Loſigkeit, felten, das Lofefein, die lofe 
Befchaffenheit, eig. und uneig. (ſ. loſe 1.)5; — lofen 1. oder gelofen (vergl. 
d.), vlt ziellof. Zw., einer Sache (Gen.) —, f. los werden, davon befreit 
werden; 2. f. Iöfen 2)5 löfen, Zw. (goth. lausjan, altd. losan; ſchwed. 
lösa, engl. loose) 1} ziel. lofe oder locfer machen, finnv. lockern, lüften 
(das Halstuch, ein Band ꝛc.; einem bie Zunge —, fie durch Zerfchneidung ei— 
nes Theiles des Zungenkandchens beweglicher machen; aud uneig. f. ihn ge: 
ſprächig machen) ; losmachen, d. i. Die fefte Berbindungod. den Zufammenhang 
vollig aufheben (einen Hund vom Seile —, losbinden; die Haut v, Fleiſche —, 
ablöfen; einen Knoten —, auflöfen, auch uneig., f. Knoten); insbeſ. f. los— 
ſpannen, abfpannen, losſchießen (ein Gewehr, die Kanonen löfen); uneig, 
etwas Verwickeltes, Schwierige entwickeln, einen Zweifel heben, eine 
Trage beantworten, vergt. auflöfen (ein Räthſel, eine Aufgabe zc. Löfen) 3 
aus eined andern Gewalt, von einen Zwange, einer Berbindlichfeit be= 
freien, auölöfen, erlöfen (fih aus der Gefangenfhaft —, loskaufen; ein 
Pfand —, einlöfen); Geld —, ald Werth = Erfaß für Waaren, Arbeit zc. 
einnehmen (aus feinen Waaren viel, wenig 2c. ldfen; einem etwas zu Löfen 
geben, d. i. ihm etwas abkaufen); alt und bibl. bef. f. aufheben, eine firtliche 
Derpflichtung, eine Schuld ꝛe. erlaffen, vergeben (ein Gefeg, die Sünde —3 
die Gewalt, zu löfen und zu binden, d. i. Sünde zu vergeben und zu behalten) 3 
2) rüdz. ſich —, oder zieltos: löfen (audy Lofen), Jäg. von vierfüßigen 
Thieren, ſich det Unraths entledigen, fich erleichtern, feine Nothdurft 
verrichten; das Löfegeld, Geld, womit etwas eingeidft, bef. womit Jemand 
aus eines Undern Gewalt befreit, aus der Gefangenfchaft losaefauft wird; dee 
Loͤſeſchluͤſſel, in der röm. Kirche ſinnbildlich: die Gewalt, die ghttliche Loe— 
ſprechung von Sünden zu verſichern, entg. Bindeſchlüſſelz die Loͤſeſtunde, 
Bergw., die Stunde, in welcher die Arbeiter einander abibſen; der Loͤſer, 26, 
die Loͤſerinn, M.-en, wer etwas loͤſet, auf-, ab= oder einloͤſet; loͤs⸗ 
bar und loͤslich, Bw., was ſich loͤſen laͤſſt; die Loͤsbarkeit, Eöstichkeits 
die Lofung, Tas Loͤſen, die Aufloͤſung, Befreiung (Eöſung eines Bandes, 
eines Räthſels, eines Gefangenen); die Lofung, M. -en, (won dem alten 


Loͤſch — loͤſchen 


Lofen f. löſen) 1) ehem, überh. f. Loͤſung; jest noch landſch. f. Einlöſung 
eined Pfandes, Naͤher- oder Einſtandsrecht; 2) die Bezahlung, ber. 
Abgabe an die Dsrigkeit, Steuer, Schatzung (in diefer und den folgenden 
Bed. n. A. von Loos, Antheilz angelf. hlor, Abgabe; Lader in Nürnberg: 
die Lofungsftube, der üffentlihe Schag; die Lofungsherren oder 
£ofunger, die Vorgefegten deöfelben, welche zufanımen das Cofungsamt 
ausmagjen); der an einer gemeinfchaftlihen Schuld zu bezahlende AUntheil 
(zur Loſung fhwören); überh. f. Antheil, VBerhältnifetheil (fr. Quote); 
3) das gelöjete, d. i. für Waare eingenommene, Geld, und die Kaffe, in 
welher diefe Einnahme verwahrt wird, Loſungs-Kaſſe; 4) Züg. der Aus— 
wurf der vierfüßigen :Ihiere, dad Gelos (f. o. löſen 2.). 

Loͤſch, m., -ed, M.-e, landſch., ein Bienenſchwarm. 

Loͤſche, w., m. J 1. (landſch. auch Löſch, Lüſch, verw. mit Laſe, 
Flaſche ꝛc.), landſch. f. Trog, Kübel; Bäck., ein kleiner Kübel, den Kehr— 
wiſch darin — — in Weſtpreußen eine Art Fahrzeuge 
auf Flüſſen und Landſeen; — 2. (gem. Leſche) Berg: u. Forſtw., zu Staub 
zerfallene Kohlen, Kohlenſtaub; die ſchwarz gebranate Erde, mit welcher 
ein Kohlenmeiler bedeckt iſt; Schloſſ. feiner Hammerſchlag; die Loͤſchſchau— 
fel, Hüttenw., eine Schaufel, womit die Loöͤſche oder der Kohlenſtaub auf den 
Herd getragen wird. 

löfchen, 1. ziel. Zw. (aus dem niederd. loffen, dän. losse verderbt; vergl. 
das ſchwed. lossa, löſen; niederd. loſchen, les Laffen), Schiff. f.- ausladen, 
lichten (ein Schiff, bie Waaren —); daher das Löfchgeld, eine Abgabe von 
ein: ober austaufenden —— der Loͤſchplatz, Platz zum Ausladen der 
Shiffes die Loͤſchung, das Loͤſchen. 

loͤſchen 2. Zw. 1) ziellos m. fein (altd. leskan, gew. ir- — er- 
leschen; Impf. irlask, erlasch, Mw. irloskan, erloschen), ablaut. ih 
loͤſche, du liſcheſt, er liſcht (weniger r. Löfcheft, löſcht) Imper. liſch; Impf. 
loſch; Conj. loͤſchez Mw. geloſchen; aufhören zu brennen, zu leuchten; 
dunkeln, allmählid) ſchwinden ꝛc., gew. erlöfchen (f. d.) verlöfchen, aufs 
Löfchen, gem. ausgehen; 2) ziel. (altd. leskjan, leschen; Impf. laskta, 
laschte; Mw. gilaskt, gelascht; ſchwed. läska, släcka; engf. slake), re: 
gelm. umend. du Löfiheft, er löſchtz löſchtez gelöiht; machen, dafs etiwad er— 
lifcht oder zu brennen aufhört, vergl. auslöfchen (ein Feuer, ein Licht; bef. 
eine Feuersbrunft, wo löſchen aud ohne Zielwort ſteht, 3. B. helft löſchen! 
u. dgl.ez ein glühendes Eiſen —, in Waſſer abkühlen); in weiterer Bed. 
den Kalk —, mit Waffer vermifhen (gadfhter Kalk, vergl. Kalk); 
uneig. den Durft, die Gluth der Leidenfhaft und dgl. —, ftillen, daͤm— 
pfen, unterdruͤcken; etwas Geſchriebenes, eine Schuld zc. —, tilgen, wege 
Ihaffen, auöftreihen, unkenntlich oder ungültig machen; — 3fen. die 
Loͤſchbank, der bretterne Kaften, in welchem Kalk gelbſcht wird; das Köfche 
blatt, ein Blatt Löſchpapier (f. u); das Köfchblei, Wafferbfei, Bleiftiftz 
das Löfchfafs, der Köfchfübel oder =trog, Hüttenw. zc., ein mit Waffer 
gefüulltes Gefäß zum Abkühlen der heig gewordenen Werkzeuge, zum Löfchen des 
glühenden Eifens ꝛc.z das Köfchgeräth, Geräth zum Löſchen einer Feuerk— 
brunſt; der Löfchhafen, bei verfh. Handw. ein eiferner Haken zum Ausein⸗ 
anderziehen des brennenden Holzes 2c.5 dad Köfchhorn, der Köfchnapf, ein 
born: oder napfformiges hohles Geräth zum Austöfen der Lichter, Lichthut, 


a 


N 





! | lofe — Roth 89 


Dämpfer, Löſcher; die Löfchkohle, Kohlen, welche mit Waſſer gelbſcht find, 
ehe fie zu Afche verbrannt find; das Köfchpapier, grobes und ungeleimtes, 
bie Flüſſigkeit einfaugendes Papier, oberd. Fließpapier; der Loͤſchwedel od. 
Loͤſchwi ), ein an einer Stange befeſtigter Strohbüſchel, die Kohlen mit 
Waſſer zu befprengen oder zu löfhen, Kühlwedel oder =wifh; — Abieit. 
der Löfcher, -8, wer loͤſcht; auch f. Loͤſchhorn; die Loͤſchung, das Loͤ— 
ſchen; Löfchbar, Bw., was gelöfcht werden Fann. 

lofe, Bw., ſ. los 1); das Löfegeld, f. !öfen unter Los. 

löfeln, zw., Löfelnacht, lofen 4. ſ. unter Loos, loofen. 

lofen 2. Zw., vlt. f. betrügen, ſchmeicheln, f. los 1); 3. f. loswer⸗ 
den 2c. f. unter los, lofen. 

lofen 4., ziellof. Zw., alt und landſch. f. hören, horchen, laufchen 
(1. d.)5 daher Jäg. Löfel, Lofer, Lufer, m. f. die Ohren der wilden 
Thiere. 

loͤſen, Zw., Loͤſer, Loͤſeſchluͤſſel ꝛc. ſ. unter loe. 

losfahren, =geben, Sgehen ꝛc. — lostrennen, ſ. unter los. 

Loſung, w., M.-en, 1. b. Looſung, ſ. d.z 2. ſ. unter los; 3. (oberd. 
auch: das Loßz wahrſch. von Loos, das zugetheilte Zeichen 2c.), überh. ein 
Zeichen, 3. B. gewiffe Merkmale, welhe man unter die Mark: u. Grenziteine 
legt, beftehend in Eleinen Steinen, Kohlen 2c.: Marf=, Grenzlofung, aud 
Loszeichen; vwerabredete Zeichen, ald Feuer, Schiffe ꝛc., durch melde 
man etwas anzeigt oſungsfeuer,-ſchüſſerc.; fr. Signale); in enge: 
rer Bed. Kefpr. ein verabredeted, dem Feinde unbefanntes Wort, woran 
die zu einer Partei gehörenden Perfonen einander als ſolche erkennen: die Lo— 
fung oder das Loſungswort, auch das Feldgefchrei (fr. Parole); daher 
uneig. f. der allgemeine Ausruf, das Wort oder vielmehr die Sache, die man 
im Sinne hat, wonach man ftrebt 2c. (3.8. Gelb ift die Zofung); — 4. landſch., 
bef: Bergm., ein leerer Naum in den Gruben, wohin der Schutt geworfen 
wirb. - 

Lofunger, Lofungsamt, Lofungsherr, f. Lofung unter los. 

losweichen ꝛe. — = ziehen, f. unter 1085; — Loszeichen, f. Lofung 3. 

Lot, fe, -ed, M. -e, oder die Lore, M. -n, (auch Late, Lotfe), 
niederd. eine an einer langen Stange befeftigte Schaufel zur Reinigung eines 
Grabend ꝛc. von Schlamm; dayer loten oder lotfen, ziel. und zielloſ. Zw., 
mitteljt des Rotes reinigen. 

Loth, f., -eö, M.-e, (altd. 16:5 niederd. Lood, ſchwed. lod, engl. 
lead, Blei; wahrſch. verw. mit fließen, altnord. fliota, niederd, fletenz vergl. 
das ruſſ. liti, gießen, ſchmelzen) alt und landſch. überh. ſchmelzbares, leicht— 
flüffiges Metall, vorzugsmweife dad Blei, im Hodd. nur in befondern An: 
wendungen: 1) reined od. mit Zinn od. andern Metallen gemifchtes Blei 
als Bindenittelzum Zufammenfcmelzen firengflüffiger Metalle (daher: löthen, 
f. u); 2) bleierner Schießbedarf für Feuergewehre, Kugeln und Schrot, 


meiſt vlt. (Kraut und Loth; vergl. Kraut 2.)3 3) f. Senfblei, Nichtbtei, 


Bleiloth, ſ. d.5 4) bleiernes Gewicht und ehem. überh. f. Gewicht (falſches 
Loth und Maß haben); def. 5) ein kleines Gewichtmaß, die Hälfte einer 


uUnze oder „', Pfund betragend, in diefer Bedeutung nad) einem Zahlw. in der 


Mehrh. unverändert (zehn Loth 2c.) — 3ſetz. die Lothbuͤchſe, eine Büchfe, 
woraus ein Loth Blei gefchoffen wird; ehem. überh. f. Kugelbüchſe; die Loth— 


90 Lotte — lotter 


kirſche, eine Art ſehr großer, dunkelrother, ſäuerlicher Kirfhen 5 die Loth— 
feine, gem. Lothlien, Schiff,, die Leine, woran das Senkblei befeftigt iflz 
die gothperle, Eeine Perlen, welche nad) dem Gewichte (lothweife) verkauft 
werden, z. U. v. Bahiverte; lothrecht, Bw., nad) dem Loth oder Richtdlei 
gerichtet, bleiz, ſenkrechtz — Ableit. (ee? zieltof. Bo. m. haben, 
1) gem,, die Schwere eines Lothes od. mehrer Lothe haben (das Erz Lothet, 
wenn der Zentner mehre Loth Siiber enthältt); 2) Handw., mit dem Bleiloth 
den fenfrechten Stand einer Mauer u. dgl. unferfuchen ; löthen, ziel. Zw., 
(niederd. löden, dan. lodde), mittelſt eines Lothes, d. i. geſchmotzenen Bleies 
oder eines leichtflüſſigen Metallgemiſches, zufammenfchmelzen (ein Stück an 
das andere —, ein zerbrochenes Gefäß —); in weiterer Bed. überh. f. zuſam— 
menkleben, zuſammenfuͤgen, beſ. bei den Hornarbeitern: Horn od. Schild— 
krötenſchale —3 uneig. genau zu einem Ganzen verbinden; die Loͤthe, 1) 
ſ. v. w. die Loͤthung, das Loͤthen (beſ. der Schildkrötenſchalen durch Er— 
wärmung und Zufammenprefjung) ; 2) dad zum Loͤthen dienende, geſchmol— 
zene Metall; der Loͤther, -6, wer etwas löthetz die Löthafche od. Loth⸗ 
aſche, Scheide, aus Salzpflanzen gebrannte Aſche, die zum Schmelzen 
glasartiger Körper dient; das daraus gerogene Salz heift: Loͤthſalz; die 
Loͤthform (wahrſch. von einem andern Stamme), eine Form von Darmhäu— 
ten, worin die Goldſchläger das Gold ſchlagen, wenn es aus der Quetſchform 
kommt; das Loͤthgarn (?) tandſch., ein feines Leinengarnz der Loͤthkolben, 
ein eiſerner Kolben, welcher beim Löthen heiß gemacht wird, um das Loth zu 
ſchmelzen; die Loͤthlampe, Goldarb., eine Campe, an deren Flamme kleine 
Sachen gelbthet werden; der Loͤthofen, ein kleiner walzenförmiger Ofen, 
worin die Klempner die Löthkolben heiß machen; die Löthpfanne, Goldarb,, 
Kohlenpfanne, auf welcher Kleine Sachen gelöthet werden; das Köthrohr, eine 
eine, vorn gefrümmte und fpigige Röhre, durdy welche die Flamme der Loth: 

lampe an das Loth geblaſen wird; der Köthftein, Glaf., ein mit Löchern ver: 
fehener Sandſtein, worin das Metall zum Loͤthen beffrdlich iſt; die Loͤthzange, 
Zange zum Feftgalten der zu löthenden Sache; das Loͤthzinn, Zinn zum Lö⸗ 
then; — loͤthig, Bw., ein Loth ſchwer (eine — Kugel), ſo auch in 
Zſetz. mit Zahlw. zwei-, drei-, — 2c., d. i. zwei ꝛc. Loth haltend; 
Hüttenw. nur ein Loth Silber) im Zentner TEN (töthiges Erz); im 
Münzw. u. bei Silberarbeitern mit Zahl. zgef. zur Beltimmung ded reinen 
Silbergehalted, wo das Loth als „- Mark angefehen wird; daher fechzehn: 
Ubthiges, d. i. ganz reines Süber; vierzehn:, zwölflöthiges Gil: 
ber 2c,, d.i. mit 2, 4 ıc, Loth Zufag in der Mark; loͤthiges Silber auch 
fe ſechzehnloͤthiges, unvermiſchtes; — der Lothfe, f. Lootſe. 

Lotte 1.,w., -nd, M.-n, Bert, Lottchen, ſ., ein weiblicher 

Zaufnamen, abge. aus Charlotte, 

Lotte 2., we, Me -n (wohl verw, mit Lade, Schlot, ſchließen), Bergmw,, 
ein aus Brettern zufammengefchlagener viererfiger Kanal, Abzugsroͤhre 
oder Rinne (Wetter:, Waſſerlotten; auch die Lutte). 

lotter, Bw. (verw. mit lodern, ſchlottern, liederlichz altd. i loter, 
eitel, — 55 — oberd. f. locker, loſe, ſchlaff, ſchlotternd; nachläͤſſig, un— 
ordentlich, a unftät und llichtinz daher lottern (niederd, loddern), 
zielloſ. Zw., landſch. f. ſchlottern, nachläfffg einhergehen, liederlich ſein; 
der Lotter oder Lotterer, -8, oberd., wer ſchlotternd gehtz ein liederlicher 





Lotwurz — Luchs. — 91 


enſch, Landſtreicher, Windbeutel, Poſſenreißer (aagelſ. loddere, ſchwed. 
löddare, Gaufter); die Lotterei, dad Lottern, lotterig, Bw., f. ſchlotte— 

rig; nachlaͤſſig, unordentlich; die Lotterigkeit; — in die hochd. Schriftſpr. 
aufgenommen find nur die Zſetz. das Lotterbett (landſch. gem. Loderbett; 
ſchwäb. das Lotter), ein bequemer lockerer Polfterfie, Ruhebett; der Lotter⸗ 
Ei ein liederlicher Bube, Lafterhafter verworfener Menſch. 

Lotwurz, w., gelbe Ochſenzunge; Bein-, Fettwurz. 

Löwe, m., -n, M.-n, (altd. lewo, lewe, leue, Leue; griech. Akon, 
lat. leo, Fran; und engl. lion; böhm. lew 20.5 wahrſch. verw. mit dem altd. 
louuan, luen, niederd. —— angelſ. hlewan, engl. low, brüllen), ein zum 

# Kabengefchlechte gebörendes großes und ſtarkes Naubthier von gelbbrauner 
Farvbe und mit einer Mähne, in heißen Ländern einheimiſch, in der Thier— 
fabel als König der Thiere betrachtet, oft auch Sinnbild der Stärke, Uner: 
ſchrockenheit od, Großmuth; der weibliche Lowe Heißt die Köwinn, M. -enz 
Stern, zwei Sternbilder: der große Loͤwe, im Thierkreiſe — dem 
Krebs und der Jungfrau; der kleine Loͤwe, zwiſchen dem großen Löwen und 
dem. großen. Bärenz — 3ſetz. der Loͤwenaffe, ein kleiner langgeſchwänzter 
amerikan. Affe mit langem buſchichtem Haar am Kopf und Halfe; der Loͤwen⸗ 
baͤndiger; die Loͤwenbirn, eine Art Dauerbirnen; das Loͤwenblatt, ein 
Pflanzengeſchlecht im füdl. Europa (Leonticc L.); die Loͤwenfohre, landſch. 
fe Krummpol,baum (vielleicht verderbt aus Löffelfohre) 3 ‚der Löwenfuß, ver: 
ſchiedene Pflanzen: 1) der Güldengäaſerich, Marienmantel, auch Loͤwentappe 
genannt (Alchemilla vulgaris L.)53 2) der Bärlapp; loͤwengleich, Bw, 
ftark, kühn wie ein — der Loͤwengrimm; die Loͤwengrube, Erdgrube, 
in welcher man Löwen unterhält; die Loͤwenhaut; das Loͤwenherz, uneig. 
(öwenähnlicher Muth; auch ein 1bwenherziger Mann, Held (Richard L6— 
wenherz, König v. England); der Loͤwenhund, gew. verkl. das Loͤwen— 
huͤndchen, eine Art kleiner Schoſhunde mit einer zottigen Mähne; die Loͤwen— 
jagd; de v Löwenjäger ; die Löwenflaue, f. v. w. Bärenklauz der Loͤwen— 
kopf, uneig. Naturk. eine Art Warzenſchnecke z loͤwenkuͤhn, Bw., kühn wie 
ein Löwe; das Loͤwenmaul, uneig. ein Pflanzengeſchlecht, deſſen Blüthen in 
zwei löwenmaulühnliche Rn endigen, auch Hundstopf genannt; der Löwens 
muth; der Loͤwenſchwanz, uneig. eine Art geihwänzter Affen in Bengalen; 
verſchiedene Pflanzengeſchlechter; loͤwenſtark, Bw.; die Loͤwenſtaͤrke; die 
Loͤroenſtimme, fürchterlich drüllende Stimme; der Loͤwenthaler, eine hollünd. 
Sbermünze mit einem Löwen im Gepräge, 1 Thle. 3 ggr. Gold an Werth; 
‚der Löwenzahn, uneig, eine auf den Wiefen wild wachfende Pflanze mit gel: 
ber Blume und einem milhichten Saft, Butter, Dotter:, Eier:, Kuholu: 
me 2c., (Leontodon L.)5; — Xbleit, löwenhaft, Bw., ſ. v. w. loͤwen⸗ 
ahnlich, loͤwenkuͤhn, —ſtark. 
Luͤbiſch, Bw., f. luͤbeckiſch (eine Mark Lübiſch, d. i. nach Lübeckiſcher 
Münzrechnung). 

Luch, er es, M.-e, landſch. ſ. v. w. das Loh (ſ. do/ Moraſt, 
Sumpgegend. 

Luchs, m, es, M. —e (altd. luhs; niederd. u. dän. loss; angelſ. lo 
griech. Avy!, lat. — wahrſch. von lugen (ſ. d.), angelſ. — ſehen), ein 
katzenoͤhnliches wildes Thier, meiſt röthlich und gefleckt, mit ſehr ſcharfem 

Geſicht; man unterſcheidet den Kalb-, Katzen- u. Hirſchluchs; das Weib— 


92 luchſen — Luder 


chen heißt bei den Sägern: die Luchfinn, M. -enz; uneig. heißt ein fehr 
ſcharf fehender Menfch: ein Luch s; ferner Naturk. eine Art flecfiger Por— 
zellanſchnecken; Sternk. ein Sternbild zwiſchen dem Fuhrmann u. dem gro: 
fen Bären; das Luchsauge, uneig. ein ſehr fharf fehendes Auge; der Luchs— 
balg; das Luchskalb, die Luchskatze, f. v. w. Kalbluchs, Katzenluchs, 
f. 0.5 der Luchsſtein, ein gelber Halvedelftein, feiner Hornftein (fr. Lynkur)3 


landſch. auch f. Singerftein. 


luchſen, 3w., f. lugfen unter lugen. 

Luchſer, m., —s, Mm. E., Jäg. die Ohren des Wildes, verderbt 
aus Luſer, ofer (f. d. unter lofen 4.). ’ 

Luck, ſ., -e6, M. Luͤcker (vergl. Lücke), oberd. f. Deckel, Fenfterlas 
den ꝛc. 

Lüdel., w., M. -n (oberd. die Lucken; altd. luka, luccha, von dem 
goth. lukan, ald. luhhan, island. luka, ſchließen; alfo eig. das zu Schlie— 
ende; fo wie das Lud, das Schließendez vergl. Loch, Luke und das lat. la- 
cuna), eine fehlerhafte und daher zu fließende oder auszufüllende Offnung 
(Eücke in einer Mauer, einem Zaun 2.5 Scharten in einem Meffer u. dgl.), 
bef. «ine leere Stelle, wo etwas mangelt, ausgefallen od. ausgelaffen ift 
(eine Zahnlücke; Lücke in einer Handſchrift ıc.; eine Lücke ausfüllen, büßen, 
ſ. dyz der Luͤckenbuͤßer, —s, die Luͤckenbuͤßerinn, M. - en, eine Perfon 
cder Sache, weiche eine Lücke büßen, d. i. ausfüllen, ergänzen muſs, ein 
nothdürftiger Stellvertreter; insbeſ. müßige, bloß ausfüllende Wörter, Flick— 
wörter z überh. Alles, was nur zur Ausfüllung einer leeren Stelle dient; die 
Luͤckenbuͤßerei, verächtl. die Ausfüllung einer Lückez das Luͤcken- od. Luͤck— 
netz, Jäg. eine Art Haſengarne, welche man bei Nacht vor die in den Lappen 
gelaffenen Lücken freut; — lüdenhaft, Bw., Luͤcken habend, mangelhaft, 
unvollſtaͤndig; die Luͤckenhaftigkeit; luͤckig, Bw., ſelten f. Luͤcken habend 
(zahnlückig). 

Luͤcke 2. w., M. -n (von gleichem Stamme m. Lüde 1. ſ. d.), niederd., 
ein eingefriedigtes Stuͤck Feld. 

ludeigen, Bw. (die erſte Silbe verderbt aus All-od, allodium), oberd. 
f. ganz eigen, erblich eigen (ein ludeigenes Gut). 

Ludel 1., w., M.-n (verw. mit Loder, Lutter), bair. f. unreines ftcs 
hendes Waffer, Lache. ; 

Ludel 2., w., M.-n, landſch. gem., ein Trinfgefchire fiir ſaugende 
Kinder, Saughern, Lutſcher, Kinderdutte (f. d.)5 uneig. verächtl. eine 
Tabackepfeife; das Ludelhorn, im Geſchützweſen das Pulverhorn der Kanos 
niere; ludeln, ziellof. Zw. (landſch. auch lollen, Iullen, lutſchen, nutfchen 2c.), 
gem. f- ſaugen; auch Tone ohne Worte fingen. | 

Ludelmacher oder Ludler, m., -8, M. w. E. (mohl von dem oberb. 
Ludel f. Loden, f. d.) fhimpfl. Benennung der Weber, welche mit fünf Schäfe 
ten weben, Stimper. 

Luder, fe, -8, 9. M. 1. (oberd. Lueder; wahrſch. verw. mit lodern, 
lotter, fchlottern 2c.) gem. überh. das nicht efebare Fleifch größerer Ihiere, 
bef. der Pferde fein Pferd fegt Luder anz die Jagdhunde werden mit Luder ge: 
füttert)5 in engerer Bed. nieder. f. Aas, das faulende Fleiſch geftorbener 


Thiere; auch ein todtes, verweſendes Thier felbft (ein Luder); uneig. ein 


niedr. Schimpfw. fuͤr eine Hafsliche, verächtliche Sache, oder einen 


| Luf — Luft 98 


ſchmutzigen, verworfenen, laſterhaften Menſchen; in der oberd. Volkeſpr. 

auch zum Schmeichelwort verkehrtz alt u. Jäg. jede ſcharf riechende Lockſpeiſe, 

Koͤder, bei den Falknern der nachgemachte Lockvogel (altd. luoder, engl. lure, 
franz. leurre);5 2, (altd. luoder; vielleiht von gleichem Stamme mit dem vor: 
ftehenden, f. Lotter z vergl. aud) d. lat. ludus, ludere) vit. f. Spiel, Poffen, 
Gaukeleiz; aufgelaffene Lujtigfeit, Schlemmerei, Schwelgerei, lieders 
liches Leben (fi dem Luder ergeben); — Bfe$. die Luderhütte, Jsg. eine 
Hütte, in deren Nähe wilde Thiere durch Luder geloct werden; dad Luderle⸗ 
ben, niedr. f. ein ſchwelgeriſches, ausſchweifendes Leben; der Luderplatz, 
Jäg. Platz, wohin die wilden Thiere durch Köder gelockt werden; — Ableit- 
ludern, Z3w. (altd. luodern), 1) ziellos, Jäg. f. Aas freſſen; niedr. f. 
ſchwelgeriſch leben, ausſchwelfen; 2) ziel. Jäg. f. ködern, anlocken; ehem. 
überh. f. locken, reizen; der Luderer, —s, vit. f. Schwelger; Gaukler; 
die Luderung, das Ködern; die Lockſpeiſe; luͤderlich, Bw., b. liederlich, 
ſ. d. 

Luf, w., o. M., od. die Lufſeite, (engl. loof), Schiff,, die dem Winde 
zugewendete Seite, Windſeite, entg. Lee, Leeſeite (einem die Luf abſtechen, 
d. i. die Windſeite abgewinnen; die Luf halten, d. i. gut beim Winde ſe— 
geln); daher die Lufbraſſe, der Lufbug, die Lufwand ꝛc.; lufwaͤrts, 
Nw., nach der Luffeite gerichtet; lufgierig, Bw., von einem Schiffe, über— 
wiegende Neigung habend, ſich mit dem Vordertheile der Richtung des Windes 
zu nähern; die Lufgierigkeit. 

Luffe, w., M. -n (erw. mit Laib, ſ. d.) niederd. f. grobed Weizenbrod. 

Luft, w., M. Luͤfte, Verkl. das Luͤftchen (altd. u. oberd. derluftz 
dan. u. ſchwed. luft; angelſ. Iyfı; ſchott. lift; verw. mit keicht (ſ. d.), lichten, 
niederd. liften 2c.), üderh. der höchſt durchſichtige, feine, fluͤſſige Stoff, 
welcher die ganze Erde umgiebt und zum Leben der Thiere und Pflanzen 
unentbehrlich iſt (Luft ſchöpfen, d. i. einathmen; in freier Luft; in die Luft 
zeden, d. i. vergeblidy; reine, gefunde, die, trübe, drüdende, feuchte, heiße, 
kalte 2c. Luft)5 die Naturl. unterjcheidet verfchiedene einfache Quftarten (nicht: 
Lüfte), 3. B. Lebensluft, brennbare Luft, Stickluft 2.5 in engerer Bed. 

"die ein= und ausgeatymete Luft, der Athem (keine Luft haben, d. i. nicht 
athmen Können; wieber Luft bekommen 2c.)5 die freie, Außere, nicht einge= 
ſchloſſene Luft, der Luftraum (in die Luft gehen; etwas an die Luft legen, 
an der Luft trocknen), überh. f. freier, luftiger Naumt (einem Baume Luft 
machen, durch Abſchneiden der überflüffigen Alte; uneig. feinem Herzen Luft 
maden, d. i. es durch Mittheitung erleihtern); bef. auch mit dem Nebenbe: 
griff dee Höhe: der höhere Luftraum (die Vögel in der Luftz ſich in die Luft 
erheben; eine Feſtung, ein Schiff in die Luft fprengenz Schlbſſer in die Luft 
bauen, d. i, unausführbare Pläne entwerfen); die Mehrh. Luͤfte nur alt u, 
dicht. zur ſtärkeren Bezeichnung des unendlichen Yuftraumd oder mehrer 
Gegenden desfelben (was in den Lüften ſchwebt); ferner: eine fanft bewegte 
Luft, ein gelinder Wind, M. Lüfte; in diefem Sinne aud) verkl. das Rüft- 
hen (die Luft kommt aus Mittags; die Lüfte, die hier wehen; ein kühles Lüft: _ 
chen 2c.); oberd. gem. der Luft, -es, ein leichtjinniger, windiger, lockerer 
Menſch; — 3Teg. bie Luftader, chem, f. Putsader; die Luftart, M, 
Luftarten, ſ. 0.5 das Luftbad, uneig, der Aufenthalt in der freien Luft Hin: 
ſichtlich jeiner wohlthätigen Einwirtung auf den Körper; der Luftball (fr. 


x 


94 Luft 


Ballon), mit verdünnter oder brennbarer Luft gefullter Ball, welcher in die 
Höhe fteigt; Das Luftbett, Luftkiffen, mit Luft gefüllte Lederſäcke, als Bett 
ober Kiffen dienend; das Luftbild oder -gebilde, die Luftgeftalt, uneig, 
ein leeres Gebilde der Einbildungskraft; dıe Luftblafe, mit Luft angefüllte 
Blaſe; insbeſ. die Shwimmblafe der Fiſche; uneig, f. nichtige Hoffnungen od, 

P:änez dir LZuftblume, eine auf Bäumen wachfende oftind .Schmarogerpflanzez 
Yuftdicht, Bw., fo diht, dafs die Luft nicht durchdringen kann; die Lufter— 
ſcheinung, jede in der Luft, d. i. im Dunftfreise wahrgenommene Verände— 
rung oder Erſcheinung (luftige, wäſſrige, feurige —z, die Lufterſcheinungs— 
lehre ıfr. Meteorologie); der Luftfahrer, ſ. v. vo. Luftſchiffer, die Luftfahrt, 
Fahrt durch die Luft ‚in einem Luftſchiff; die Luftfarbe, Mal., die bläuliche 
Farbe entfernter Gegenſtände; das Luftfeuer, in die Luft ſteigende Kunſtfeuer, 
beſ. Raketen; die Luftgegend (fr.-Region), eine Gegend des Lujtraumsz 
die Luftgefchwulft, eine weiße, glänzende, prallweiche Geſchwulſt; der Luft- 
bahn, ein Hahn znm Ein: u. Yuslaffen von Luft; der Lufthauch, die fanft- 
bewegte Luft; der Lufthonig, landſch. f. Honigthau; dir Luftklappe, eine 
Klappe, duch welche man der Luft den Zugang dffnet, oder verſchließt (fr, 
Ventil); der Luftfopper, ein Pferd, welches Foppt, ohne die Zähne irgend» 
wo aufzufegens; der Luftfreis, Dunſtkreis, die Luftfunde, W.ſenſchaft von 
der Luft und den Luftarten; luftleer, Bw., von Luft leer; das Luftloch, 
ein Loch, welches dazu dient, die Luft einzulaffen; das Luftmalz, an der 
Luft getrodnetes Malz; dad Luftmeer, dicht, f. der Luftraum; ver Luft- 
meſſer, Naturl., eine Werkzeug zum Meſſen der Luft, 0d, zum Prüfen ihrer 
verſchiedenen Eigenfhhaften, bei, f. Luftdihtemeffer (fr, Manometer) z 
die Luftpflanze, trodnes Schorfmoos; die Luftpumpe, ein Werkzeug, mittelft 
deffen man die Luft aus einem eingefihloffenen Raume berauspumpt oder darin 
verdünnt; der Luftraum, jeder mit Luft erfülte Raum, bef. der ganze die 
Erde umgebende, mit Luft angefüllte Raum; die Luftreife, Luftfahrt; die 
Luftröhre, jede Röhre, durd weiche der Ab- und Zugang der Luft geleitet 
wird; in engerer Bed, im Halfe der Menfchen u. Thiere die Enorpelige Röhre, 
durch welche die zum Athmen nöthige Luft in die Lunge eingezogen und. wieder 
ausgeftoßen wird, verſch. die Speiferöhre; das Luftfalz, in der Luft befind- 
liche Salztheilchen; die Luftſaͤule, die Über einem Körper befindliche und auf 
denfelben drücende Luftmaſſe bis an das Ende des Luftkreifes; die Luftfaure, 
f. v. w. Kobtenfäure, fire Zuftz luftſcheu, Bw., die freie Luft ſcheuend; die 
Luftſcheu; die Luftfchicht, eine Schicht oder Lage der Luft, deren man nad) 
dem Grade der Dichtigkeit der Luftmaſſe mehre Über einander annimmt; dad 
Luftſchiff, einem Luftball angehängte kleine Gondel, worin Menſchen figen u. 
in die Luft fahren Können; gew, der Luftball fammt der Gondelz-der Luft— 
fchiffer (fr. Aeronaut)s die Luftfchifffahrt oder Luftſchiffkunſt (fr. Aero: 
nautik); das Luftſchloſs, ein in die Luft gebautes Schlofs, d, i, ein Birnge: 
fpinnft, unausführbarer Planz Der Luftfprung, ein Tünftlicher, hoher und 
weiter Sprung duch die Luft; der Luftſpringer, wer Luftfprünge macht, 
Seiltänzer; der Luftftreich, ein Streich, der feinen Gegenftand trifft, vergeb: 
licher Streich z der Luftſtrich, f. v. w. Himmelsftrich, Luftgegent ; das Luft— 
waſſer, das in der Luft in Dunftform befindliche Waſſer; aud) eine Art abges 
z0genen Branntweins (auch bloß: Luft); die Luftwurz od. =wurzel, Engel: 
wurz; der Luftziegel, an der Luft getrockneter Ziegel; der Luftzug, Bug 


nn 


7 Geſtalten, Schatten; luftige Erfcheinungen, d. i., die in reiner Ka 
? 


Lug — lügen 95 


der Luft durd) einen Raum, der gegenüberftehende Öffnungen hat; — Ubleit, 
luften, zielloſ. Zw. m, haben, ſelten f. luftig fein, wehen (eö luftet)3 
lüften, ziel. Zw. 1) der freien Luft aueſetzen und davon durchziehen laſſen 
(Betten, Kleider 26); einer Sache Luft verfchaffen, d. i, den Zugang der 
friſchen Luft (einen Baum —, d, i. die Erde rings umher auflodernz fid) —, 
durch Löſung beengender Kleidungsſtücke z uneig. fein Herz —, durch Mittheie 
lung erleichtern) j 2) (vergl, lichten, engl, lift, ſchwed. lyfta, lat. leväre, 
eines Stammes mit Luft, aber nicht davon abzuleiten) ein wenig, theilmweife 
oder an einer Seite in die Höhe heben, auch luͤpfen, oberd. lupfen (einen 
Stein, ein Faſs, den Hut); der Lüfter, —s, ein eiferner Stift der Na— 
gelfchmiede, mittelft deffen ber geſchmiedete Nagel aus feiner Krone gehoben 
wird; die Lüftung, das Lüften; der Balfın in der Windmühle, auf 
welchem der Steg des Mühleifens liegt und gelüftet werden Fannz luftig, Bw; 
(oberd. Lüftig, niederd, Iuchtig) Luft habend, aus Luft beftehend (uftige 


Luftmaſſe befichen, verfch. wäſſrige, feurige); insbef, der freien, friichen Luft 
auegefeht, vom Quftzuge durchitrichen <ein luftiges Zimmer, Haus; Luftige 
Kleidung, d. i. fehr leichte, welche die Luft durchftreichen läſſt); fic) hoch in 
die Luft erpebend (der luftige Gipfel des Berges); luftaͤhnlich, durchfichtig 
und leicht (Mat. Luftige Gegenftände, die in der Ferne gleihfam in der Luft 
verſchwimmen); uneig. f. lichtjinnig, flatterhaft, unzuverläffig, vergl, 
windig {ein luftiger Menſch); die Luftigfeit, das Quftigjein, die luftige 
Beſchaffenheit in allen Bed, 

Lug, ſ., f. unter tugens Zug, m., Züge, f. unter lügen, 

lugen, ziel. und ziellof, Zw. (oberd, luegen; altd. luogen, ‚angelf, locian, 
engl. look, holl, luchten; vergl, d, griech, Aeloow, Asvxög, lat, luceo, lux, 
feuchten 2c.) oberd. f. fehen, fhauen, beobachten, fpähen, lauern (daher 


-ablugfen, belugfen f. d.)5 daher dad oder der Lug, —-es, (oberd, Luegz 


altd. luog, M, luogir), oberd. f, eine Warte, ein Yauerplaß, bef. Jäg. 
die Höhle eines wilden Ihiered, insbe, des Büren (der Bär geht zu Lug: 


alſo nigt= Rod); der Lug- ins-Land, alt oberd, f, eine Warte, ein Wart- 


thurm; der Luger, -&, die Lugerinn, M, - en, oberd, f, Lauerer, Spaͤ— 
her, Kundſchafter. 

lügen, 3w. (goth. liugan, altd, liukan, liugen; Impf. louc, Mw. lokan, 
gelogen; oberd, liegen, Impf. lug; ſchwed. ljuga, engl, lie; vergl. läugnen) 
abfaut,: oberd. u, bisw. dicht. du Leugft, er Leugt f. Lügft, Lügtz Impf, log, 
Conj. loͤge; Mw. gelogen; 1) ziellos m. Haben, wiſſentlich u. abfichtlich 
die Unwahrheit ſagen (ſprichw. er lügt wie gedruckt, d. i. mit Fertigkeit und 
großem Schein der Wahrheit; einem die Haut voll lügen, gem. f. ihn arg be— 
lügen), alt und noch in der höhern Schreibart mit dem Dat. der Perſon: 
einem -, ihn belügenz uneig. f. taufchen, einen falfchen Schein haben 
und dadurch irre leiten (fein Auge lügt; die Weisfagung wird nicht lügen 2c,)3 
2) ziel,, etwaß-, luͤgenhaft oder falfch ausfagen, berichten ꝛc. Was haft 
du gelogen 2c.)3 dicht. einem etwad-, erheucheln, heuchlerifch Aufßern 
(er log mir Freundſchaft u, dgl,): — der Lug, - ed, (oberd, die Lug), das 


Rügen, die Lüge, vit. außer in: Lug und Irugz daher: die Luggeftalt, 
lügende, täuſchende Geftalt, täufchender Schein; das Luggold, ſ. v. w. Lau⸗ 


gold, ſ. d,; 7 die Lüge, M. -n (goth, liugns, altd, luki ’ lugi, lugina, 


96 Lugger — lummeln 


tügene; niederb, Lögen, ſchwed. lögn), eine wiffentlih und abfichtlich ges 
fagte Unwahrheit (eine Lüge fagenz; einem Lügen erzählen; einen Zügen 
firafen, d. i. ihn des Lügens beſchuldigen); in weiterer Bed, als harte Bez 
nennung f. Unmahrheit überh., Irrthum, Verſtellung, Taͤuſchung, Falſch— 
heit, Heuchelei; — 3fes. das Luͤgenbild, ein täuſchendes Bild, Trugbildz 
der Luͤgenfeind, Feind der Lüge; die Lügenfrucht, bibl., die Folge ber 
Lüge oder Fal fäjheit; "der Lügengeift, die — zum Lügen; der Zeufel, 
aud) ein lügenhafter Menſchz das Luͤgengeld ‚ landfch, Rfer,, Strafgeld für 
verläumbderifche Beleidigungen 5 die Luͤgenkunſt Kunſt zu lügen, täuſchende, 
betrügeriſche Kunſt; das Luͤgenmaul, gem., ein igengafter ke — Ab: 
Leit, Lügenhaft ‚ oberd, gem, luͤgenhaftig, Bw., eine u enthaltend, 
einer Lüge ähnlich, erlogen (eine Lügenhafte Erzählung); im Ligen geuͤbt, 
gern luͤgend (ein Lügenhafter Menſch); die Luͤgenhaftigkeit; — der Luͤg⸗ 

ner, —8, M. w. E., die — 5—— M.-en (fl. Cüger; v, lügenen 
gebildet, vergl. läugnen; goth, Jiugnja, altd, luginari, lugenaere), wer lügt 
(einen zum Lügner machen, d. i. ihn dafür ausgesenz; an Semand zum Lügner 
werden, d, i, ihm ein Verſprechen nicht erfüllen Eönnen); in weiterer Bed, bef, 
bibl. f. Heuchler; luͤgneriſch, Bw., gem. f. luͤgenhafl. 

Lugger, m., —8, M. w. E., Schiff., ein kleines, ſchnell ſegelndes 
zweimaſtiges Fahrzeug, beſ. als Meldeſchiff, Packboot ꝛc. gebraudt, 

luͤhen, ziel, Zw. (altd. Juhhen, isländ. loa; lat. luere, lavare, waſchen; 
vergl. Loh, Lohe), oberd. gewaſchene Wäſche —, durch reines, kaltes Waſſer 
ziehen, ſchwenken, fpilenz daher das Luͤhwaſſer, f. Spülwaſſer. 

Luke, w., M. n (v. dem 90th. lukan, altd. luhhan, engl, lock, ſchlie— 
Ben; vergl, gie), eine nur mit einem Laden verfchheßbare Licht: Öffnung 
en einem Gebäude (Boben:, Dachluke ꝛc.) 3 auf Schiffen viereckige Öffnungen 
im Verdeck, welche mit Fallthüren Cukendeckel, :Elappen) verfchloffen 
werden können; auch der Laden oder die Fallthuͤr ſelbſt (oberd. das Luc). 

Lulei, m., -8, M. -e (bair. Lalli, ſchweiz. Löli, isländ, lollari, engl. 
lollard; in Bremen: Lullhack; v. d. isländ, lolla, engl, loll, fchweiz. Lölen, 
träge, müßig fein); gem,, bef. niederd, f, Muͤßiggaͤnger, Faulenzer; daher 
luleien, zieltof. 3w. f. muͤßig gehen, faulenzen. 

Lull, w., M.-en, niederd, f. Roͤhre, bef. lederne Schlauchröhre, 

lullen, ziel, und ziellof. Zw. (vergi, lallen; und das oberd, der Leller f. die 
Zunge) 1) alt u, noch ſchweiz. f. faugen (Hol. lullen); daher ziel. ein Kind-, 
durch Säugen oder Saugenlaffen befänftigenz 2) niederd. Töne ohne 
Worte fingen, bef. um ein Sind zu beruhigen und einzufchläfern (engl, 
lull); uneig. überh. f. befänftigen, beſchwichtigen (Leidenfhaften u. dgl.)5 
3) Schiff. der Wind Iullet, wenn feine Stärke durch ein Regenfchauer vermin— 
dert worden ift (aud; Iunen, Lünen); Sr Luller, —s, die Lullerinn, M. 


F 


en, wer ein Sind in Schlaf lullt; Luller, Landfdı. auch f. Saugbutel, | 


Sauggefhier, f. v. w. Ludel 2. 

Lumme, w., ſ. Lohme. 

Lummel, w., M. -n (auch Lämmelz wahrfh. v. lahm, f. d.), landſch. 
gem. eine alte Mefferklinge chne Heftz bei den Töpfern: eine Schiene mit 


Kerben, womit ein Gefäß beim Drehen aufd. Außenfeite mit Rinnen verfehen wird. 


lummeln oder lummern, ziellof. 3w., (oberd. lummer, Iuemig, ſchwed. 
lomig, ſchlaff, kraftlos; verg!. Cumpen und das oberd. Iampen), oberd: f. 


Rn 


Be ” „u * 


lümmeln — Lunge, 97 


fchlaff herabhangen, fchlaff fein, To müßig, liederlich fein ; daher 
dad Luͤmmel, -$, f. das Gefchlingez der Lümmel, -85, M. w. E., 
niedr,, ein ftarker und dabei ſchlaffer und traͤger Menfch; ey ein grober, 
plumper, ungefitteter Menſchz lümmelbaft, Bw., einem Luͤmmel ähne 
lidy oder angemeflen; die Cümmelhaftigkeit; lummeln 1., zieltof. 3w., 
fich wie ein Luͤmmel betragen; die Lümmelei, das Betragen eines Luͤm— 
mels. 

luͤmmeln 2., ziel. Zw., Fürb., die zu färbenden Zeuge mehrmals luͤf— 
ten, damit die Farbe beſſer eindringe. 

Lump, m., -en, Mi -en, gew. der Lumpen 1.,-8, M. m. E., Verkl. 
dad Luͤmpchen, (iederd. die Lumpe, ſchwed. lump; vergl. das oberd. 
lummeln, lampen; ſunpen⸗ Lappen), ein abgeriſſenes, abgetragenes 
Stuͤck Zeug, ſinnv. Lappen, Hader; verächtl. ein ſchlechtes, werthloſes, 
abgetragenes Kleidungsſtuͤck; der Lump, gew. nur uneig. gem. f. ein arm— 
ſeliger, ſchmutziger, nieberträchtiger, insbeſ. auch ein filjiger Menſch; 
oberd. ein liederlicher Menſch, Taugenichts; — 3 ſetz. der Lumpenhan—⸗ 
del, Handel mit Lumpen; der Lumpenhaͤndler; das Lumpenpapier, aus 
Aueh verfertigtes Papier; der Lumpenfammler, die Lumpenſammle— 
tinn, wer Lumpen für bie Papiermühlen fammeltz der Lumpenfchneider, 
das Schneidewerk oder Schneidezeug in Papiermühlen; der Lumpenzuder, 
eine Art groben Zuckers, der in Lumpen (d. i. in Stüden?) verſchickt wird, 
auch ſchlechtweg Lumpen genannt; — in vielen Zſetz. der gem. Volksſpr. 
bezeihnet Lumpen etwas Schlechtes, Veraͤchtliches, Nichtswuͤrdiges, 
3. B. das Lumpending; dad Lumpengeld, geringes, unbedeutendes Geld; 
die Lumpenwaare; der Lumpenzeug, ſehr ſchlechter Zeugs fo befonders in 
niedr. Schimpfw., wie Lumpenhund, -kerl; Lumpengefindei, = pad, 
=volf u. dgl. m.5; — Ableit. Lumpen, 3w. 1) ziellos, oberd. f. nachlaͤſſig, 
liederlich leben; 2) ziel., gem. einen —, ihn als Lumpen behandeln, d. i. 
als einen elenden, niedertrüchtigen Menſchen; ſich lumpen laſſen, d. i. ſich 
die Behandlung als Lump zuziehen, beſ. durch Knauſereiz die Lumperei, 
M.-en, gem. f. eine unbedeutende, nichtswuͤrdige Sache, eine Kleinig⸗ 
keit; lumpicht, Bw., einem Qumpen ähnlich. oder angergeffen ) gering, 
ſchlecht, nichtswuͤrdig; Fnauferig, filzig; lumpig, Bw., Qumpen habend, 
daraus beitehend, zerlumpt (ein lumpiger Rod, Menſch); gem. auch f. 
Yumpicht (fich lumpig aufführen u. dgl.); die Lumpigfeit. 

Lumpen 2., m., -8, M. w. E., eine Urt Schleimfiſche. 

Lunge, w. M. -n (altd. lunga, lungun; oberd. Lungel; landſch. auch 
Lumpe, Lumpel; engl. lung; wohl v. d. oberd. lung, nachgiebig, weich, im 
Gegenfaß der fefteren Leber, |. d.5 vergl. auch das oberd, der Lung, freie 
Bewegung, freier Spielraum), ein fehr locfered edles Eingeweide der Bruſt— 
höhle, das Werkzeug des Athemholens, beftehend aus zwei Haupttheilen: 
dem rechten und Linken Lungenflügel, daber auch als Mehrh. die 
Lungen genannt (eine gute, gefunde Lunge, oder gute zc. Eungen haben; aus 
voller Lunge freien, laden 2c., f. v. w. aus vollem Halfe); Süg. das ganze 
Gefchlinge, landfh. au Gelünge, Lunze geranntz — 3feg. die Luns 
genader, jede nad) der Lunge gehende Aderz bei Pferden eine Ader am Halfe, 


DSroſſelader; die Lungenblafe oder verkl. das Lungenbläschen, Bläschen 


im Innern der Lunge, in welche die Luftröhrenäfte auslaufen; die Lungen 
Heyſe's Handwörterb, d, deutfchen Spr. 2, Theil, 7 


98 lungern — lungen 


blume, eine Art des Enzians: blauer Herbft: Enzianz u. des Mutterfrautes; 
Hermchen, Kammerblume 20.5 die Lungendrüfe, Drüfen am untern Theite 
der Luftröhrez die Lungenentzündung; lungenfaul, Bw., eine faule 
Lunge habend; die Lungenfaͤule; die Lungenflechte, e eine Art Baumflechte: 
grünes Lungentraut, Lungenmoos; der Lungenfluͤgel, f. 0.5 das Lungen⸗ 
geſchwuͤr; der Lungenhieb, ein Hieb nach der Lunge od. in die Lunge (uneig. 
einem einen Lungenhieb verſetzen, d. i. ihm eine derbe Wahrheit ſagen); der 
Lungenklee, Fieber-, Bitterklee; die Lungenkrankheit; das Lungen— 
kraut, verſchiedene in Lungenkrankheiten gebrauchte Gewächſe: 1) mehre Flech— 
ten-Arten: grünes Lungenkraut, ſ. Lungenflechte; gelbes Lungenkraut, Wand: 
flechte; aſchfarbiges —, Hundsflechtez weißes —, hirſhhornförmige weiße Baum- 
flechte; 2) Waſſerdoſt oder Hirſchgünſel; 3) bef. ein Pflanzengeſchlecht mit 
röhrenförmigen Blumen: Hirſchkohl, = mangeid, = melde, blaue Schlüffelblüme 
(pulinonaria offhicinalis-L.\; der Yungenlappen, Lappen, aus denen die 
Lungenflügel beftehen; das Lungenmittel, ein Seitmitiel in Lungenkrankhei— 
ten; das Lungenmoos, ſ. v. mw. Lungenflechte;z das Kungenmus, aus 
Klein gehackter Kalbslunge gekochtes Mus; Die Lungenprobe, Probe mit der 
unge eines neugebornen todten Kindes, indem man diejeibe in ein Gefäß mit 
Waffer legt, um aus ihrem Schwimmen oder Unterfinfen zu erkennen, ob das 
Kind lebendig oder todt zur Welt gekommen feiz die Lungenfucht od, Lun⸗ 
genſchwindſucht, völlige Verzehrung des Körpers in Folge von Lungenge— 
ſchwürenz lungenfühtig, Bw., mit der Lungenſucht begaftetz die Lung- 
wurz, gemeiner Gärfefuß, guter Heinrich, y 

lungern, ziel. Zw, mit haben (verw. mit lang, langen, f. d.) niederd. 1) f. 
muͤßig umhergehen, faulenzen (engl, linger, zaudern); 2) gierig nad) et= 
was hinfehen, lüftern darnach verlangen; uneig, aud) vom Magen: aus 
Lüfternheit oder Gewohnheit, nicht aus Hunger, nad Speife verlangen (vergl, 
d. oberd, belängig, gelängig f. lüftern); das Kungerleben, niederd, f, müs 
figes, träges Leben; der Lungerer, 8, wer lungert, in beiden Bed.; 
lungerig, Bw., f. muͤßig, traͤge; gierig, luͤſtern. 

Luͤning, m., —es, M.-e (gem, auch Lüne, Lünke) niederd. f. Haus— 
ſperling. 

lunſchen, zielloſ. Zw., niederd. f. hinken. 

Luͤnſe, w., M. -n (landſch. auch Lehne, Lien, Leine, Lünſch 2c.3 niederd. 
Lunſe, Lunze; oberd. der Loner, Lon- oder un: Nagel; altd. lan, lun, luna, 
lunisa; engl. linspin, ſchwed. lunta) der dicke Nagel, welcher vor dem 
Made eines Magens durch die Achſe gefteft wird, Achsnagel. 

Lunte, w., M. n (ſchwed. lunta, engl. N boll, lont; wohl verw. 
mit Lein, engl, line, Flachs), ein glimmender Strict zum Anzuͤnden an— 
derer Dinge, beſ. zum Abfeuern des groben Geſchuͤtzes, ehem, auch der 
kleineren Schießgewehre, der Zuͤndſtrick, (uneig. gem. Lunte —— f. die 
Gefahr merken); Jäg. der Schwanz des Fuchſes, Wolfes, Luchſes ꝛc.; 
das Luntenfeuer, ein Luſtfeuer, indem mittelſt brennender Lunten allerlei 
Bilder und Buchſtaben dargeſtellt werden; der Luntenſtock (engl, lintstock), 
ber Stock, um welchen die brennende Lunte gewickelt wird, 

Lunge, w., f. Lunge 

lunzen, siellof, Zw. (aud) launen, launſchen), oberd. f, leicht ſchlummern, 
ſchiafti oder traͤge auf dem Bette liegen. 


Lupfe — Luft 99 

Lupfe, w., M- m, landſch., die Samenkolben des Hanfes. 

luͤpfen, ziel. 8w. (oberd. lupfen), ſ. v. w. lüften, ein wenig in die Höhe 
heben, aufheben, aufdecken (den Schleier, den Hut 2c,), _ 

Lupp, fa, -86, gem, oberd, f, Lab, 

Luppe, w., M.-n, 1. (verw, mit Lupp, Lab: überh. eine zufammen: 
bangende Mafje), im Bolftein. ein Bündel Heu; Hüttenw, ein unförmliches 
Stuͤck geſchmelztes oder gefriſchtes Eiſen; daher das Luppenfeuer, ein 
Teuer zum Schmelzen der gepochten Eifenerze, und diefes Schmelzen felbft, 
wenn es in einem ausgemauerten Code fatt eines Ofens gefchiehtz das Lup— 
penſtuͤck, aus der Luppe zerfchrotene längliche Stücke; — die Luppe 2. (von 
laufen, Läufifch 2) landſch. f. Hündinn, Pebez uneig. gem, f. eine feile Dirne, 

luppen, ziel, Zw. 1. (altd. luppon; vergl, d. griech, Alzog, @lslpo) alt 
oberd, f. falben, vergiften, verzaubern; 2. landſch. f. verſtuͤmmeln, ver— 
ſchneiden. 

Lurde, w., M. -n (auch Lurding, Lurre; vergl, Cor, Riemen), 
Schiff., ein duͤnner getheerter Strick, womit die Schiffsſeile umwunden und 
die Schiffsborde belegt werden. 

lurk od, lurz (ſ. unter link), Bw., landſch. f. link, linkiſch; daher der 
Lurk 1. od. Lurks, -8, M.—e, f. ein linkiſcher Menſch; ſchleſ. ein 
Zotenreißer. 

Lurk 2m., —Aes, M.Se, niederd. ſ. v. w. Lork, Kroͤte; 3. landſch. f. 
Klette. 

lurken, zielloſ. Zw., landſch. f. ſaugen; oberd. auch: im Sprechen mit 
der Zunge anſtoßen, dad Rnicht ausſprechen koͤnnen. 

Lurre, w., Mi -n, niederd., 1. ſ. v. w. Lurde; 2. f. Lende, Schen—⸗ 
kelz 3. f. Luͤge, falſches Vorgeben, Faͤlſchung, insbeſ. falſche Briefe, 
Paͤſſe ꝛc. (auch Lurde); daher der Lurrendreher, ſ. Lorrendreier. 

lurſchen, zielloſ. Zw., gem. bair. f. harnen (von Weibern); die Lurſch, 
M.-en, verägtl. f. Weibsperſon. 

Lus od. Luſs, m., — es, M. Luͤſſe (wohl verderbt aus 2008) bſtr. und 
bair. f. Acker- oder Walde Untheil bei Vertheilungen von Lündereien, 

Lufhe, w., Mi. -n, 1. (oberd. auch Leufh, Luſch; vergl, Laſche und 
bas isländ, lioski, Mutterſcheide), landſch. f. Huͤndinn; uneig. verächtl. f, 
Weibsperſon; 2. (verw. mit Cache, Lauge), ſchleſ. f. eine Pfuͤtze. 

: lufchen, luſen, zielloſ. Zw., landſch. gem, f. lauſchen; die Luſche, f. 
auſche. 

Luft, w., M. Lüfte (ſ. u.), Verkl. das Luͤſt chen (goth. Justus, m.3 
altd, lust, w. oberd. der Luſt; engl. lust; dan, Iystz vergl, d. griech, Aücrog, 
der erwünfchtefte, angenehnifte, von Aw, ich verlange) 1) o. M. ein hoher 
Grad angenehmer Empfindung, bef, fofern diefelbe mehr ſinnlicher Art ift, 
finnv, Vergnügen, Freude, Wonne ꝛc. (feine Luft an etwas haben oder fins 
den; etwas mit Luft jehen, hören, thun 26); auch der Gegenftand, die 
Befchäftigung, der Genuſs, durch welche jene Empfindung erregt wird 
(das Arbeiten, das Neifen zc, ift mir eine Luft; die Jagd-, Land», Garten: 


luſt ꝛc.), und die Hußerung derfelben, die Luftigfeit (das war eine Luſt!)3 


2) finnliche Begierde und deren Befriedigung, Einnengenufs durch Bes 
friedigung des Sefchlechtötriebed, Wolluſt, bei. in Ifeg. wie Fleiſchesluſt, 
Luſtdirne ꝛc. und in dee M. Lüfte, ungeregelte ſinnliche Begierden (feinen 


7* 


100 Luft 


Lüften fröhnen; bibt, Lüfte des Fleiſches); 3) 0, M,, dad Verlangen nach 
einem erwinfchten Gegenſtande, Genuffe ꝛc. und überh, die Neigung zu 
etwas (Luft zu einer Sache haben oder empfinden z ich habe Luft zu effen, zu 
fehlafen 20,5; einem Luft zu eiwas machen, ihm die Luft benehmen; feine Luft 
büßen, d. i. fein Verlangen befriedigen); in diefer Bed. in der Volksſpr. aud) 
verkt, dad Luͤſtchen (ein Lüftchen zu oder nad) etwas haben); — 3fes. dad 
Luſtbad, das Baden zum Vergnügen und der Ort, wo es geſchieht; die Luſt— 
dirne, Buhldirne, gem, Hure; die Luftfahrt, eine zum Vergnügen ange: 
ſtellte Fahrt; dad Luftfeuer, zum Vergnügen angezüindetes Feuer, bef, in der 
Feuerwerkskunſt z fo aud: das Luſtfeuerwerk; der Luftgang, ein Gang 
zum Vergnügen, und ein dazu eingerihteter Weg, Spaziergang; der Zuft- 
ganger, Spaziergänger; der Luftgarten, ein Garten zum Vergnügen, 3. 
nv. Nuͤtz- Küchen-, Obftgarten 2c,; der Luſtgaͤrtner, ein Gärtner, welcher 
Luftgärten anlegt und unterhättz dad Luftgebufch, -gehoͤlz, =holz, der 
Luſthain, ein zum Vergnügen eingerichtetes Gebüſch oder Gehölz (fr. Bosquet) 5 
der Luftgefang; das Luftgefchrei 2c.; das Luſthaus od, =hauschen, ein 
Haus, in weldem man fid zum Vergnügen aufpätt, bei, in einem Garten; 
das Luftlager, ein nur zur Übung der Soldaten und zum Vergnügen des 
Landesherrn aufgefhlagenes Feldiagerz der Luftort, M. = ürter, ein zum 
Vergnügen und gefelligen Genufs eingerichteter Bffentliher Ortz Yuftreich, 
Bw., viel Luft gewährend; die Luftreife, zum Vergnügen unternommene 
Reife; luftreifen, untrb. ziellof. 3w. m. fein, zum Vergnügen reifen, be. im 


Mw. lufterifend, u, als Hw. ein Luftreifender 20.5 der Luſtreiz, oft. f. hoher 


Reiz, großes Vergnügen; aud) ein Reiz zur Luft, d, i. zur Wolluftz luſt⸗ 
reizend, Bw., vlt. f. Hohes Vergnügen gewährend: das Luſtſchiff, Schiff zu 
Luſtifahrten; der Luftfchiffer; das Luftfchlofs, ein Schloſs, auf welchem 
man fi zum Vergnägen aufpättz die Luftfeuche, anftedende Krankpeit, 
welche die Folge von Ausſchweifungen in der Geſchlechtsluſt ift, venerifche Krank: 
heit, gem. die Franzoſen; luſtſiech, Bw., an der Luftfeuche krankz der Luſt— 
fit, ein Wofnfig, wo man fi) zum Vergnügen aufhält; das Luftfpiel, ein 
erheiterndes, Laden erregendes Schaufpiel (fr, Komödie), entg, Zrauerfpielz 
daher: der Kuftipieldichter; das Luſtſtuͤck, Gärtn., ein bloß zum Vergnüs 
gen angelenter, mit Blumen 2c, gezierter Theil eines Gartens; der Luftwald, 
das Luftwaldchen, f. v. w. Luftgehötz; luftwandeln, untrb. ziellof, Zw. 
m, haben und fein, je nachdem mehr die bloße Bewegung, oder zugleich die 
Erreihung eines Ziels bezeichnet wird (wir Haben lange geluftwandelt; wie 
find nad einem Luftorte geluftwandelt), zum Vergnügen, zur Erholung ꝛc. 
gehen, edler als das fremdartige fpazierenz daher der Luftwandler, die _ 
Luftwandlerinn; — Ableit. luftbar, Bw., vlt., Luft, Vergnügen gewaͤh— 
rend, angenehm, ergößlichz die Luftbarkeit, eine VBeranftaltung zum 
gemeinfamen Vergnügen für Mehre, finnv. Ergoͤtzlichkeit, Feftz Luftig, 


Bw., Luft, d. i. lebhaftes Vergnigen empfindend und Außernd, überh. 


zum Vergnügen und zu lebhafter Äußerung feiner Freude geneigt, ſinnv. 
vergnügt, fröhlich, munter ꝛc. (luftig fein, leben 2c.5 ein luſtiger Menſch, 
ein luftiger Bruder; fi luftig machen; ſich uber Semand Luftig ma: 
hen, d. i. ihn zum Gegenftand feiner Luft machen, indem man ihn werfpottet); 
aus Luft entfpringend und Luft erweckend, insbeſ. Lachen erregend, ſpaß— 
haft, [herzhaft (ein Iuftiger Streih, Einfall; eine Iuftige Geſchichte u. dgl.; 


, Iuftern — lüßel 101 


das ift luftig!); ehem. überh. f. angenehm, erfreulich, reizend (bibl. ein Tu: 
ſtiger Baum; die Hügel umher find luſtig); ferner: Luft, d. i. Neigung zu 
etwas empfindend und hegend, nur in Zfeg. wie eſs-, bau-, Faufluftig u. 
dgl, m.; der Luſtigmacher, wer ein Geſchäft daraus macht, Andere zu be: 
Iuftigen, fie zum Laden zu bewegen zc.5 die Lufligfeit, das Ruftigfein, die 
Hußerung lebhaften Vergnuͤgens, ſinnv. Fröhlichkeit, Munterkeit ꝛc.; luͤſt— 
lich, Bw., Neuw. f. Luſt, d. i. Verlangen, Neigung erweckend (appetit— 
Lich); der Luͤſtling, -ed, Mi -e, Neuw., wer den Lüften, beſ. der Ge— 
ſchlechtsluſt, fröhnt; — lüften, 3m. (goth. luston; altd. u. oberd. lusten) 
1) zieltoß mit Haben, nad) etwaß, ehem. eines Dinges —, d. i. Luſt, 
finnliched Verlangen danach eınpfindenz 2) unp. mit dem Acc. der Perfon: 
ed lüjtet mich oder mich lüftet, in derfelben Bed. (z. B. mid, Lüftet zu 
tanzen; vergl. gelüften); luͤſteln, ziellof. Zw. m. haben, ein Neuw., das 
verkl. luͤſten: ein Luͤſtchen haben, bef. nach wohlfchmedenden Speifen und 
Getränken; die Luͤſtelei, das Lüften; lüftern, zielleſ. Bw. m. haben, 
das verft. luͤſten: lebhafte finnliche Begierde nach etwas empfinden und 
Aufern (ee lüſtert danach); auch unp. mit dem Acc. es luͤſtert mich (z. B 
ihn lüſtert nach dieſer Speiſe); luͤſtern, Bw. (wahrſch. durch Verſtümmelung 
des Mw. lüſternd entſt.), lebhaft und anhaltend ſinnlich verlangend, 
ſinnv. begehrlich, gierig (ein lüſterner Menſch, Blick 2c.)5 auch ſinnliche Be— 
gier erregend (eine lüſterne Erzählung ꝛc.); die Luͤſternheit, das Luͤſtern— 
fein, ungeregelte ſinnliche Begier; auch was luͤſtern macht. 

luſtern od. luͤſtern, zielloſ. Zw., landſch. gem. f. lauſchen (ſ. d), horchen 
(Schiff. lüſtert! als Befehlswort f. habt Acht). 

Luth, w., M.-en, Schiff., eine Spiere (Stange) zum Ausſetzen 
der Stagfock. 

lutherifch, Bw., der durch Luther gereinigten chriitlichen Lehre ange— 
hörend, oder fih dazır befennend (lutheriſche Chriften: Lutheraner); das 
Lutherthum, -8, die durch Luther neu geltaltete chriftliche Glaubenslehre 
(fr. Lutheraniemus). 

lutfchen , zieltof. u. ziel. Zw. (auch nutſchen; oberd, lutzelnz vergl, Tudeln), 
niederd. gem. f. faugenz trinfenz der Lutſchbeutel oder Lutſcher, -$, ein 
leinenes Läppchen, in welches Zwieback, in Mitch geweiht, gefhlagen wird, 
um Eleine Kinder daran faugen zu laffen. 

Lutte, w., Mi -n, f. v. w. Lotte 2.5 in Goldbergmwerken der Schlemnt= 
herd, auf welhem man den Goldſchlich wäſcht. 

Butter, m., -8, o. M. wergl. oder, Ludel), die beim Branntweine 
brennen durch dad erte Feuer abgezogene Fluͤſſigkeit, welche erſt im zweiten 
Feuer zu Branntwein geläutert wird. 

uͤtzel, Bw. (altd. luzil, luzzel; goth. leitils; niederd. lütje; engl. little) 
alt und noch oberd. f. klein, wenig; der Luͤtzel, -8, ſchleſ. verſteckte Be— 
nennung des Teufels (dafs dich der Lügel!). 


102 M — machen 
M. 


M, der dreizehnte Buchſtabe des ABC, ein Mitl,, und zwar der 
Lippenlaut unter den fluͤſſigen oder ſchmelzenden Mitlauten (l, m, n, r), 
durch Schließung der Lippen hervorgebracht, indem der Luftſtoß (wie bei dem n) 
durch die offene Nafe geht, daher man das m auch den Lippen = Nafenlaut 
nennen kann; verdoppelt nad gefhärften Selbftlauten, 3. B. Kamm, Stimme, 
kommen ıc. 

Maal, Tr — es, M. Maale und gew. Mäler, (n. A. Mal, od. Mahl 
(ſ. d.) womit es allerdings feiner Abſtammung nady zufammenfällt, und nur 
wegen der Vieldeutigkeit des Wories Mahl verfihieden gejhrieben wird; altd. 
mäl; aud) Mait, Meil; hol. mael; engl. mole), ein Flecken, eine fehlerz 
hafte Stelle von anterer Farbe, def. aufder Haut (Mutter:, Brand, Blut: 
maal; Wundenmaal, d. i. Narbe; Eifenmaal, d. i. Roſtflecken in der Wüſche; 
blaue Mäler, blaue Sleden auf dem Pferdehufe); in der allgemeineren Ved— 
Zeichen gew. Mal oder Mahl gefhr. (daher Denkmal, Merkmal ꝛc.). 

Maaß, fe, b. Maß, ſ. d. 

Maat, m, -ed, M.-e, auch: der Maatfe, -n (engl. mate, feiweb. 
mat), niederd. f. Genoſſe, Grfährte, Freund; bef. Schiff. der Gehuͤlfe 
verfchiedener Schiffebeamten, 3. B. Steuermanns=, Kochsmaat ꝛc. (nergl. 
Matrofe); die Maatſchaft (vergl. Maskopei), niederd. f. Oenoffenfchaft, 
Sefellichaft, insbef. Handelsgeſellſchaft; Schiff. das gefammte Schiffsvolk. 

Machandel, m., -8, M. mw. E., nieverd. fe Wacholder, 

machen, ziel. 3w. (altd. mahhon, machon; niederd. malen, engl. make; 
vergl. d. griech. zungen, lat. machina; wahrfd. von der Wurzel mah, zu: 
fammen, verbunden (vergl. gemach, Gemahl), alfo urfpr. verbinden, fügenz 
n. X. urſpr. zeugen, (verw. mit mögen), überh. hervorbringen, bewirken, 
verrichten, finnv. thun, weiches mehr die fubjective Wirkſamkeit, maden 
hingegen mehr die Außere Wirkung u. deren bleibendes und in die Sinne fallen: 
des Erzeugnis bezeichnet; insbeſ. 1) ein Ding, ein Werk, eine Arbeit 
(körperlich, oder unkörperlich) hervorbringen, heritellen, verfertigen, erzeu— 
gen, etwas verrichten, (Kleider, Schuhe, Butter —5 ein Kunftwerk, Kunſt⸗ 
ſtück, ein Gediht, Verfe, eine Überfegung —;5 Bücher mahen, nur veräcdtl, 
f. fhreiben, fofern es handwerksmäßig gefhieht; Feuer —, anſchlagen, an: 
zünden; ein Kind —, alt und gem, f. zeugen; etwas maden, gem. f. 
feine Rothdurft verrichten; einem eine Befchreibung, fi eine Borftellung, einen 
Begriff von etwas —, d. i. in ſich erzeugen, hervorbringen; ein Gefchrei, 
Lärm ꝛc. —; das Mw. gemacht f. kuͤnſtlich hervorgebracht, entg. entftans 
den, daher: gemachtes Gold f. künſtlich nachgemachtes, unechtes); in befonderer 
Anwendung: etwas zu einem bejtimmten Zweck oder Gebrauch einrichten, 
zubereiten, zurecht machen (3. B. Holz machen, d. i. Elein hauen; das Bett 
. machen; Kaffee, Thee 2c. machen); 2) eine Beränverung hervorbringen, ein 
Berkältnife, einen Zuftand bewirken, etwas bewerkftelligen, veranjtalten, 
verurfachen,, erregen, bereiten, gewähren, zu Stande bringen (Frieden, 
ein Bündnifs, Schulden —5 ein Geſchäft — 5 Kaufm. etwas bei einem Gefchäfte 
maden, d. i. dadurch erlangen, gewinnen; Auffehen —, fein Glück machen; 
Ernft, Spaß, Halt —; ein Spiel —; gemeinſchaftliche Sache mit Jemand —; 
Geierabend — 5 ein freundliches Gefiht, große Augen 2c. —3 den Anfang mit 


machen 10s 


etwas, Anſtalt zu etwas, der Sache ein Ende ꝛc. —; Bekanntſchaft mit Ser 
mand —; einem Andern Platz —; einem oder ſich ein Vergnügen, Sorgen, 
Kummer, Luft zu etwas machen; eine Keife —, unternehmen); bef. f. vor— 
bringen, vortragen , laut werden laffen (Einwärfe gegen eine Behauptung — 3 
einem Vorwürfe, Vorjchläge, einen Antrag —)5 einen —, gem. f. vorftels 
len, darftellen, eine Rolle fpielen (ev machte den Wallenftein gut; er will, 
den greßen Seren maden 2c.); einen zu etwad—, ihn in die bemerfte 
Lage oder Stelle verſetzen, ihn dazu ernennen, erwählen, anjtellen (einen 
zu feinem Freunde, Vertrauten, zum Lehrer, Auffeher 2c., zum Gefangenen, 
zum Bettler maden; ein gemahter Mann, defien Lebenslage völlig bes 
friedigend und gleich]. fertig if); etwas zu etwas —, es darein vers 
wandein, dazu ummandeln (Blei zu Golde —; etwas zu Gelde —, di. 
verkaufen); aud) als folches darjtellen, aufitellen (einem etwas zum Vorwurf, 
zum Verbrechen —; ſich etwas zur Regel, zum Geſetz —); etwas aus et— 
was —, daraud hervorbringen, erzeugen, darftellen (aus Blei Gold mas 
den; aus einem etwas machen, d. i. ihn zu Anſehen, Rang, Ehrenftellen ꝛc. 
erheben; einem aus etwas ein Verbrechen —, f. v. w. ihm etwas zum Verbre— 
den —; jich ein Gewiffen daraus —)5 fich (mir) etwadauseciner Pers 
fon oder Sache —, fie achten, einen Werth darauf legen (er macht 
fi viel, wenig, nichts daraus; id) made mir nichts aus ihm, d. i. er ift mir 
gleichgültig) ; Br miteinemdem Xcc. beigefügten Beiwort, wel: 
ches die bewirkte Veränderung bezeichnet, (j. B. einen gefund, Trank, arm, 
glücktih, traurig madenz weniger richtig ift der Dat. der Perſon: einem 
bange, warm maden u, dgl., was nur als elliptifher Ausdrud erklärt werden 
Tann f. machen, dafs ihm bange, warm ıc. wird; wohl aber jteht der Dat, 
der Perf., wenn zugleich ein ſächlicher Gegenftand im Acc. dabei fteht, 
3: B. einem den Kopf warm, das Herz ſchwer —; einem etwas leicht, ſchwer, 
angenehm — 2c.; ein Gefüß rein, etwas los, feft, fertig —z etwas kurz ma— 
hen; ſich bei Andern beliebt, verhafft —, fi groß machen, f. groß; eine 
Sache ärger machen, als fie ift, d. i. fie als Ärger darftellen, fchildern) ; feltner 
und weniger deutfch fteht ftatt des Bw. in demfelben Sinne ein Infinitiv 
bei dem Acc. (z. B. einen lachen, weinen maden, einen (nidyt einem) etwas 
glauben macjen ; verſch. einem oder ſich etwas zu thun oder zu ſchaffen machen)z 
auch von lebloſen Dingen: die wirkende Urſache von etwas fein, bewirfen, 


verfchaffen, gewähren, bringen, erzeugen, ergeben, ausmachen (3. B. 


die Sonne madt das Wache weich; Sorgen machen vor der Zeit altz das macht 
mir Kopfweh; es macht ihm Freude, Ehre, Schante 20.5 zweimal zwei macht 
vier es macht zufammen zehn Tbaler; das macht Keinen Unterfchied; feine 
Belcheidengeit machte (mar Urſache), dafs er zurüdtrats das macht-bein Leicht: 
finn, d. i. er ift fhuld daranz das macht, weil er fo eitel ift, d. i. feine Eitel- 
teit bewirkt es, oder es rührt daher, weil 2c.); 3) f. thäütig od. wirkſam fein 
uͤberh., fid) thärig verhalten, ohne austrüdliche Benennung des Gegenftandes 
oder der bewirkten Veränderung (z. B. Jeder macht ed, fe gut er kannz ber 
Herr wird’s wohl machen; madye damit, was du willſt; damit ift nichts zu 
machen; was machſt du da? er hat es danad) gemacht, dafs es fo Eom.nen 
muffte; er macht fehr lange; made, dafs es geſchieht, d. i. forge dafür, ber 
treibe 88); gem. auch f. eilen (made doch! mady fort! 2c.); uneig. fid) in ei= 
nem gewiffen Zuftande befinden (was madıt dein Bruder? d. i, wie geht es 


104 maͤchlich — Macht 


ihm? was macht der Kranke? er wird es nicht lange mehr machen, d, i. nidjt 
lange mehr leben) 5 4) rückz. ſich — mit einem nebenwörtlichen Zufas, ſich be= 
wegen, wohin begeben oder wenden (fi davon, auf den Weg, aus dem 
Staube —; ſich an Jemand —, d. i. an ihm wenden, auch: ihm angreifen; 
fih an etwas —, es angreifen, den Anfang damit madyen); von Sachen und 
unp.: die Sache oder es macht fih, d. i feßt fih in Bewegung, 
fommt zur Ausführung, zu Stande; aud) f. ed nimmt fich fo od. fo aus 
(ed macht fih gut); — Bfeg, das Machwerf, ein gemadjtes Werk, nur 
verächtl. (ein elendes Marhwerk 26); Wbleit. machbar, Bw., felten, maß 
fi) machen läfftz die Mache, o. M., gem. dad Machen, Verfertigen, 
die Arbeit (ein Kleid u, dal, in die Mache nehmen; es ift noch in der Made) 5 
uneig. gem, einen in der Made haben, oder in die Mache nehmen, d. i. ihm 
mit Schlägen, Verweifen, Spott u, dgl. zufegen; der Macher, -8, die 
Macherinn, M. -en, wer etwas macht oder werfertigt, nur in Zfeg. wie 
Hut-, Tuch-, Knopfmacher, Pusmaderinn 20.5 Lie Macherei, verüchtl., 
dad Machen, das Machwerk; beſ. in Zſetz. wie Buch-, Goldmachereiz der 
oder gew. das Macherlohn (ſ. Lohn), der Lohn für die Verfertigung einer 
Handarbeit; das Maͤchſel, —s, oberd, f. etwas Gemachtes, ein Mache 
werk. 

maͤchlich, Bw., landſch. f. gemaͤchlich, 1, 

Macht, w., M. Maͤchte, oberd. auch Machten, (goth. mahts, altd. 
maht; engl. might, von mögen, altd, magan, id) mag 26); überh. daß 
(fadjective) Webnidgen zu wirfen oder zu handeln, finns, Kraft, worin 
mehr die finnlihe Wirkung nad) außen liegt, und Gewalt, weldes fi auf 
die Überwindung eines Widerftandes bezieht z insbef. die natlirliche Kraft oder 
Stärfe (mit aller Macht oder aus ganzer Macht fehreien, laufen, arbeitenz 
feine Macht haben, d. i. ſchwach feinz vergl, Ohnmacht), bef, eim hoher Grad 
der Kraft (die Stimme mit Macht erheben; das Wajfer ftürzte mit Macht ge— 
gen den Damm)z in ſittlichem Verftande: die wirkende Straft, das Vermö— 
gen zu handeln, das Necht, ‚die Befugnifs oder Freiheit etwas zu thun 
(ein König hat große Macht in Händen; feine Macht mifsbrauden; einem Macht 
geben, etwas zu thun; das fteht nicht in meiner Macht 2c. 5 die Macht der Liebe 
u, del,); in beftimmterer Anwendung: die Geſammtheit der unferm Willen 
gehorchenden außer uns befindlichen Sträfte, bei, bewaffneter Menfchen 
(eine große Macht auf den Beinen haben, d. i, ein Kriegsheerz daher Kriegs-, 
Land-, Seemacht)3 uneig. ein mit vorzüiglicher Macht begabtes Weſen (die 
himmliſchen Mächte, d, i, Götter), kef, mächtige Staaten (die europäifchen 
Mächte; England ift eine Seemacht 20); — fe. die Machtblume, ein 
Pflanzengeſchlecht mit ſechs Staubfäden in Amerika u, Spanien, auch Machte 
lilie (pancratiumL.); der Machtbote, oberd. ein bevollmächtigter Gefandterz 
der Machtbrief, vit. f. Vollmachtz der Machtgeber, die Machtgeberinn, 
wer einem Andern Vollmacht ertheiltz das Machtgebot, Gebot eines Mäch— 
tigen, ftrenger, willkürlicher Befehl; der Machthaber, wer Madıt in Hüte 
den hat, Herrſcherz dad Machtheil oder Machtfraut, Geldruthe, goldnes 
Wundfraut (solidago L.); der Machtherr od. =herrfcher, f. v, w. Gewalte 
herr (fi. Despot); machtlos, Bw., ohne Macht, der Macht beraubt; die - 
Machtlofigkeitz der Machtruf, mächtiger Ruf, Ruf oder Befehl’ eines 
Machthabers; der Machtſpruch, das Machtwort, ein nur auf die Macht 


Mat — Made ‘105 


gegründeter ensfiheibender Ausfpruch; daher der Machtfpcecher, die Macht— 
fprecherei, machtfprecherifch; machtvoll, Bw., große Macht befigend u, 
darin gegründet; die MachteollEommenheit, unbegrenzte Macht, nötige 
Willtüc; — Ableit. mächtig, Bw., 1) abfotut: Macht habend, Fräftig, 
gewaltig (bibl. der Löwe ift mächtig unter den Thieren); befs viele Außere 
Hülfsmittel habend, großen Kräften gebietend, viel vermögend, <influfes 
reich (ein mächtiger König, Feind; ein mächtiger Mann im Staatez ein mäch— 
tiges Haus ꝛc.); uneig. Macht und Stärfe verrathend, koͤrperlich ausge— 
dehnt, groß, breit, ſtark (eine mädtige Stirn; cin mächtiger Berg; ein 
mäcdtiges Waffer) , insbef, Bergw. f. breit, dick (der Gang ift zwei Lachter 
mäctig)5 in der Volksſprache überh, f. fehr groß, heftig, und als Nw. in 
hohem Grade, fehr (ein mädtiger Schmerz; mädtig reih, ſchön u, dgl.)5 
2) relativ mit dem Gen.: eines Dinges —, di. daruͤber gebietend, «8 
in feiner Macht oder Gewalt habend, es beherrfchend, eig. und uneig, (er 
Eonnte feiner Feinde nicht mädtig werden; feiner Sinne, jeiner fetbft nicht 
mächtig feinz nicht eines Pfennigs mächtig fein, d, i. nicht einen Pfennig be: 
figen ; einer Sprade mächtig fein, d, i, fich ihrer mit völliger Freiheit bedienen); 
die Mächtigkeit, das Mächtigfein, wenig gebr, außer in Bergw. f. koͤrper— 
liche Ausdehnung, Stärke od, Dicke (die Mächtigkeit eines Flözes); maͤch— 
tigen, ziel, Zw., mit Macht begaben, nur in bevollmädtigen, ermächtigen. 

Mack, nur in der niedr, Redensart Hack und Mack, d i.-niedriger 
Poͤbel, auch allertii Schlechtes durd einander gemengt, (vielleicht v, mengen, 
‚alfo: Gehacktes und Gemengtes), 

Mack-Ente, w., landſch. f. Moorente, 

Mader, m, -5, M. m, ©, (angelf, macca, engl, match; isländ. 
maki, glei), niederd, ein Geſellſchafter, Theilhaber an einem Gefchäfte, 
Gehuͤlfe. 

Maͤdchen, fe, 28, M. m. E., oberd. auch Maͤdlein, gem, Mädel 


ſudez jest ohne verkleinernde Kraft), überh. eine junge, unverbeirathete 
weibliche Perfonz in beftimmterer Bed, ein Sind weiblichen Geſchlechts, 
‚ Ontfpr. Knabe (die Frau ift von einem Mädchen entbunden worden; eine Ge- 
ſelſchaft von Knaben und Mädchen); Volksſpr. f, Geliebte, Liebſte (er beſucht 
feii Mädchen); ferner eine junge umverheirathete dienende Perſon, weniger 
hat, als Magd (ein Haus-, Stuben, Kammermädchen ꝛc.); — Bfes, die 
Mäarchenbiume, eine Art Archenmufchel: Sungfernfamm; dad Mädchen 
rauf, Kleines Sinngrün over Immergrünz der Mädchenlehrer, die Mäd- 
chenlehrerinn; der Maͤdchenraub, der Maͤdchenraͤuber; die Mädchen- 
fhule, Töchterſchulez der Madchenfommer (verderbt aus Matthäus, 
niederd, Matfen, deffen Tag auf den 21ften Sept, fallt), dir Nachſommer 
im September, und das Sejpinft, mweldyes man um dieſe Zeit auf dem Felde 
findet, Frauenfommerz; — Ableit. maͤdchenhaft, Bw,, das Anfehen, 
das Benehmen, die Sinnesart eines jungen Mädchens habend; daher die 
Mavchenhaftigkeit, die Mädchenfchaft, fetten f. Jungfrauſchaft. 
Made, m, Mi-n (goth. marha, altd, madaz niederd. verkl, Medbik, 


63 v. dem im Oberd. noch üblichen Maid, Mad, verkürzt aus Magd, 


Meddike; dün. maddike, ſchwed. matk; verw. mit Miete, Motte), überh. 


ein nackter Wurm, z. B. landſch. f. Regenwurm; insbeſ. die nacklen Wuͤr— 
mer, welche als Larven verſchiedener Inſecten im faulenden Fleiſch, im Kaͤſe, 


1065. - Mädel — Magen 


im Obſt 20. leben; Landw. die Made, eine Krankheit der Kälber, wobei 
ihnen die Junge fprenflig und hügelig wird; — 3fes. der Madenfreffer, 
ein weftind. Vogel, Tickenfreſſer; der Madenfies, röhrenförmiger Kiesz 
das Madenkraut, eine Art des Seifenfrautes, Wafhkroutz; der Madenfad, 
verächtl. der verwesliche menſchliche Körper; der Madenwurm, ein weißer 
Wurni, welcher bisw, im After: u, Grimmdarme des Menfhen gefunden wird, 
After-, Maſt-, Springwurm; — Ableit. malig, Bw., Maden entz 
haltınd (madiges Obſt). 

Maͤdel, f., -8, M w. E., landſch. f. Mädchen, ſ. d. 

Mader, m., -8, o. M. (vergl. Moder) 1. Bergw. ein gewiſſe ſtaubige 
oft aber auch feuchte u. dann dem Letten ähnliche Erdart; 2. oberd. f. Marder, 

Maͤdling, m., — es, o. M. eine Urt weißer Trauben, 

Magd, wi, M. Maͤgde; Verkl. ſelten das Mägdchen (daher Mäd— 
hen, f. d.), gew. doch nur alterthümlich und diht. Maͤgdlein, (goth, 
magaths, altd. magad, maget, magt, meit, verkl. magatin, magedin; 
oberd. Mad, Maid, engl. maid, maiden ;-die weibl, Form von mag, Sohn, 
Kind, ſ. Mage) ehem. überd, f. Sungfrau, Mädchen (die reine Magd, dr i, 
die Sungfrau Mariaz eine edle Magd 2c.), jest eine gew. unverheirathete 
weibl. Perſon, welche gegen Koſt und Lohn niedrige Hausdienſte verriche 
tet, Dienitimagd, entfpr, Knecht (Hauss, Vich-, Küchenmagd 2c.)5 ehem, 
auch eine leideigene weibl. Perfon, und üserh, f. Dienerinn in Briefen an 
fehe nornehme Perfonen (untertdänigfte Magd)5; — 3fes. die Magbliebe, 
landſch. f. Maßtiebe, Gänſeblume; der Mägdebaum, landſch. f. Sadebaum, 
weil er zur Wbtreibung der Leibesfrucht gemifsbraudt wird; Die Mägde- 
blume oder das Maͤgdekraut, landſch. f. Feldtamille, Mutterkrautz — 
Ableit, magdlich, Bw., vit, f. jungfraͤulich, mädcdenbaftz das Magd- 
thum (altb, magerum), vlt. f. jungfraulicher Stand, Tungfraufchaft, 

Magtalene, w., -n$, ein weibl, Bornamen hebr. Urfprungs (von der 
Stadt Magdata in Paläftina) gem. abgek. Lene, Lenchen; daher: der Mag— 
daleneitapfel, die Magdalenenbirn, =pfirfih, Benennungen gewiffer 
Ohft: Arten; die Magdaienenwurzel , der gemeine Baldrian, bei. deſſen 
Wurzel. 

Mage 1., m.,-n, M.-n, oder der Magen 1., -8, M. w. E. 
(vorn magan, mögen, zeugen; daher goth, magus, angelf, mäg, isländ, 
mögr, ſchott. mac, Sohnz goth. megs, Schwiegerſohn; isländ. magr, ſchwed. 
mag, Schwager 2.3 altd, mac, M. mage; vergl. Magd), vlt, f, Verwandter, 
def. Blutsverwandter: Schwertmagen, Verwandte von männlicher —, 
Spillmagen, von weiblicher Seite; daher die Magfchaft (altd, magscaf) 
wit. f. VBerwandtfchaft; die Magzahl (niederd, Machtale) f. die Grade der 
Verwandtſchaft. 

Mage 2., -n, oder Magen ?., -8, m., auch Mahen, Magſa— 
men, alt und oberd. f. Mohn, Mohnſamen, ſ. d. 

Magen 3. m, —8, M. Magen, oberd. Mägen, (altd. mago, iöländ, 
magi, ſchwed. mage, angelſ. mage, engl. maw) dad einem haͤutigen Sack 
ähnliche Eingeweide im menſchl. und tbier. Körper, welches die Speifen 
aufnimmt umd verdauet (einen guten Magen haben, aud) uneig. gem, f. viel‘ 
Unangenehmes, Beleidigungen u. dgl, ungekräntt ertragen; ſich den Magen über: 
Laden, verderben 2); — Bfeg, die Maygenarzeneiz der Magenbruch, 


E mager — Magfamen 107 


Borfall des Magens durch) die Bauchmuskeln; das Magendrüden, Erampfs 
hafte Zufammenziehung des Magenmundesz die Maaenentzundung; dad 
Magenfieber, aus dem Magen entftebendes Fieber; die Magenhaut, die 
vier Häute, welde den Magen bilven: Zellhaut, innere Haut, Fleiſchhaut und 
äußere Magenhauts der Magenhuften, aus einem Reiz im Magen entftehen- 
der Huftenz der Magenklee, Bieberkiees der Magenframpf, den Magen 
zufammenziehender Krampf; die Magenfranfheit; das Magenmittel, 1. 
v. w. Magenarzneiz der Magenmund, die ffnung, durch welche die Spei⸗ 
fen in den Magen gelangen: der obere oder linke Magenmund; die Offnung, 
durch weiche das Unbrauchbare abgefondert wird: der untere od. rechte Magen: 
mund; dad Magenpflafter, ein Pflafter, welches bei Eranfem Magen auf 
die Magengegend gelegt wird; uneig, fherzh. eine große Butterfchnittez Die 
Magenpille; das Magenpulver; der Magenfaft, Feuchtigkeit, weiche die 
innere Fläche des Magens bedeckt; der Magenfchlund, ſ. v. w. Magenmundz 
der Magenſchmerz, des Magenweh; magenſtaͤrkend, Bw., die Ber- 
dauungskraft des Magens erhöhend; die Magenftärkung, Stärkung des 
Magens; auch etwas Magenftärfendesz der Magenftein, im Magen mancher 
Thiere fi) erzeugender harter Körperz die Magentropfen, magenftärfende 
Arzneitropfen; das Magenwafler, der Magenwein, magenftärkender 
Branntwein, Wein; der Magenwurm, rothe Würmer im Magen der Pferde, 
aud) Engerlinge genannt; Die Magenwurſt, mit Wurſtfüllſel gefüllter Schweing- 
magenz die Magenwurz oder =wurzel, Fieberwurzel; der Magenzipfel, 
ber zweite Mayen des Rindviehs: das Garn, die Haube oder Müse, 
mager, Bw, (aftd, mazar, iöländ, magur, ſchwed. u, din, mager, engl. 
meagei, franz. maigre; laf. macer; gricd, uezeds, lang), urfpr, wohl lang, 
ausgedehnt; daher: wenig Fleiſch habend, ſinnv. bager, duͤrr, entg flei- 
fig, beleibt (ein magerer Menſch, magere Hände 2c.); wenig oder gar fein 
Fett habend, entg. fett (mageres Fleifh)z; in weiterer Bed. wenige dad 
Wachsthum, die Fruchtbarkeit bifördernde Theile enthaltend (magerer 
Boden, eine magere Weide zc,); uneig. üserh, f. unfruchtbar, fpärlich, arm 
an Gehalt, wenig Ertrag gebend feine magere Mahlzeit; magere Zeiten, 
d. i. erwerbloſe, theure z ein mageres Gedicht u. dgl.) ; der Magerfled, Landw., 
nicht gehörig gedüngte Ackerſtellen; die Magerfeit, eyem. auch die Magere 
(altd, magari), dad Magerfein; magern, landſch. auch mägern, Im. 
4) ziellos m. haben, mager werden; 2) ziel, mager machen; -in beiden 
Bed. gew. abmagerm 
Mager, m., —s, u M,, Gärtn. eine Krankheit der Bäume, bei. der 
Apfelbäume, auch der Wurm genannt; eine Urt Eleiner Naude od. Flechte. 
Magnet, m, ed, M. -e (lat. magnes; griech. AlYog Mayvıung, 
von der Landfchaft Dagnefig;i in Theſſalien), ein ſchwaͤrzliches Eiſenetz, wels 
ches das Eifen an fich zicht, anzichender Eifenfkein, Zieh- od. Polftein, 
uch Magnetſtein genannts ein eiferner Körper, ein Werfzeug von Stahl, 
dem man die anzichende Kraſt des Magnetiteind durch Reibung zc. mitge— 
theilt hat; die Magnetnadel, eine mit dem Magnet gehörig beftrigene ſtäh— 
Verne Nadel, welche freifhwebend mit der Spige nad Norden zeigt, vergi. 
Kompafs; magnetiſch, Bw,, mit der anziehenden Kraft des Magneted 
begabt, anziehungskraͤftig. 
Magſamen, m., 1. Mage 2. 


108 mähen — Mahl 


mähen, ziel, 3w. (altd, mahan, isländ. maa, angelf, mawan, nieberd, 
meyen, dän. meye, ſchwed. mäja, gried, dufr; goth, maitan, abſchneiden, 
lat, ‚metere,. messis, messor; vergl, Meffer, meseln 2), urfpr. überh. 
abjchneidenz jest nur: Feldfrichte oder Gras mit der Senfe abhauen, 2 
U. v. ſchneiden mit der Sichel (Getreide, Gras —; auch: eine Wiefe —, di, 
das Gras auf derfelben)z uneig. dit. f, niedermachen, niederhauen,"tödten 
(die Feinde in der Schlacht —z der Tod mäht die Menſchen)z der Mäher,-8, 
landſch. auch Mähder (aitd. madari), wer mäht, finnv. Scynitterz die 
Mahd, M, -en, (aitd, mada) Landw., das Mäben, die Mähezeit, Heu— 
ernte; dad in einer Neihe liegende abgemähete Gräs, finnv, Schwaben, 
Jahn, (das Gras zu Mahden Tülagen, d. i. mähend in Reihen hinftreden) 3 
ferner fo viel Gras in einem Tage gemäht wird; eine zum AUbmähen bes 
ftimmte Wieſe, Hegewieſe; die Maͤhderei, landſch., die Geſammtheit 
der Maͤher (Mähder) eines Dorfes; maͤhdig, Bw., was gemäht werden 
kann; nur in Zſetz. einz, zwei-, dreimähdig, d. i. was einz, zwei-, dreimal 
im Sahre gemäht werden Eannz dad Maͤhdland, niederd, f. Gras-, Heuland, 
aud die Mähde. 

Mahl, fr. -ed, M. Mahle und Mähler, (altd. mal, wahrſch. in allen 
nacjftehenden Bed, aus mahal zgez., von der Wurzel mah, zufamnıen, gefügt 5 
vergl. machen, gemach 2c,) überh. Bereinigung, Verbindung, Vereinbarung, 
Verſammlung; insbeſ. 1) vit..f, Vertrag, Übereinkunft, Verabredung, 
bef, Ehevertrag (isländ. maele, angelf. mala; vergl. Gemahl, vermählen) 5 
daher: der Mahlbrief, im Seerecht: ein Vertrag mit einem Sch:ffebaumeifter 
zur Erbauung eines Schiffes in einer gewiffen Zeitz der Mahlſchatz, ſ. v. w. 
Brautſchatz, Heirathsgutz — aus der Bed, Vertrag fliegen audy die befon- 
deren vlt, Bed.: Steuer, Abgabe, nn mala, angelf. male, fchott, mail), 
und Maß diständ, und fchwed. mal, goth. mela, Sceffel); — 2) vlt. f. 
öffentliche Bolfs= 08, Gerichtever fanimfung, Gerichtz daher: der Mahl- 
mann, landſch. f. Gerichtsunterthan; der Mahlplatz, die Mahlſtatt oder 
eftätte, Verſammlungsplatz des Gerichts, Gerichtsſtätte z auch f. Ridtplagz 
u, überh, f. Verſammlungsort; hieher gehört auch das niederd. Möllenamt, 
Möllenvogtei (verhochdeutſcht in Mühlenamt) d. i, Gerichtsamt ꝛc.z — 
3) M. Mähler, edler: Mahle; (angelſ. maele, engl. meal, ſchwed. mäl, 
holl. mael) dad Zuſammenſpeiſen, gemeinſame Eſſen, bef, bei feſtlicher 
Gelegenheit und mit Feierlichkeit, ſinnv. Schmaus, (Gaſt-, Hochzeit-, Trauer—⸗ 
mahl, Abend-, Mittagsmahl ꝛc.); daher die Mahlzeit, eig. die Zeit des ge: 
meinfamen Effens z gew. f. Mahl, Eſſen überh. (gejegnete Mahlzeit! höfliche 
Wunſchformel nad) beendigtem Speifen), inöbef. fofern es regelmäßig zu beſtimm— 
ten Zeiten gefchieht (Mirtags:, Abendmahlzeitz des Tages zwei Mahlzeiten 
halten); — 4) M. Mäbler, edler Mahle (fchwed, mäl, angelf. maele).ein 
Bild, ein fichtbares Zeichen (von dem Begriffe des Zufammenftimmens mit 
dem Gegenftande, oder der Verabredung ausgehend; daher: malenz goth. 
mel, Schrift 2c.), insbef, elt, f, dad Gepräge einer Minze; Forftw,, Müh— 
lenbau 2c, ein in einen Baum gehauenes oder gebranntes Zeichen, beſ. Örenz= 
zeichen; auch f. Örenzzeichen überh, (z. B. Steohmah:) und fs Grenze; in 
manden Spielen das Zeichen ded Ortes, von welchem man ausläuftz auch 
f. dad Ziel; Schiffb. ein von dünnen Brettern gemachtes Model, wonad) bie 
zu bearbeitenden Hölzer vorgezeichnet werden (gem, die Mal); — in der en: 


> 


mahlen — Mähne 109 


gern Bed, ein fehlerhafter Flecken ꝛc. wird es gew, Maal (ſ. d.) geſchrieben; 
u. in ber Bed, ein bleibende& Erinnerungszeichen: Mal, in Zſetz. wie Denk-, 
Grab:, Merkmalz — 3ſetz. die Mahlart, =barte, das Mahleiſen, 
der Mahlhammer, Forftw,, Werkzeuge zum Zeichnen der zu fällenden Bäume; 
der Mahlbaum, ein Baum als Zeichen einer Sache; ein gezeichneter Baum, 
3 B. Mark-, Grenzbaum; in Waffermühfen ſ. v. w. Fach- oder Wehrbaum; 
der Mahlgraben, Grenzgraben; der Mahlhaufen, Grenzhaufenz das 
Mahiholz, Bäck., ein Holz, mit. welchem auf das Brod ein Zeichen gemacht 
wird; der Mahlhügel, =pfahl, die Mahlfaule, Grenzhügel, = pfahl, 
«faule; der Mahıftein, Dentftein, Grenzftein; das Mahlzeichen, Kenne 
zeichen, nadıgebliebenes Zeihen am Körper, 3.3. eine Narbe, ein Fledenz 
niederd. f. das Biel, die Bielfheibes — 5) M. Mahle, die Zeit, der Zeitz 
punft, eig. wohl: was in einem Zeitpunft od, gleichzeitig geſchieht (ein-, zwei: 
mahl 2c.), gew, Mal gefhr,, f. d. 
mahlen 1. ziel, 3w, (von Mahl 4,), gew. malen gefhr,, ſ. d. 
mahlen 2. ziel, Zw. (goth. und altd, malan, Impf. muol, Mm, gimalan;z 


dän. male, engl, mill; griech. irre, lat, molere, franz, moudre; verw. 


mit dem altd, mal, Eleiner Theil; malmen, Mut, Mulm 26,5 vergl, Mehl), 
jest regelm, umend, du mahlit, er mahlt (alt u, oberd, mählft, mählt); 


Impf. mahlte (alt und noch landſch. muhl)z; das Mw. aber allgemein: ge= 


mahlen (nicht: gemahlt), überh, zerreiben, zermalmenz gew. durch Hinz 
u, Herbewegen zwifchen harten od. fcharfen Körpern zu Pulver od. Mehl 
zerreiben (Kaffee —), bef. in einer Mühle zwifchen zwei Muͤhlſteinen (Ge— 
treide —; ſprichw. wer, zuerft kommt, mahlt zuerft, d. i. wird zuerft bedient, 
erreicht zuerft feinen Zwed) 5 uneig. mitteljt eines Muͤhlwerks herausfchaffen 
(Schlamm aus einem Graben —);5 u. ziellos f. fich im Streife bewegen (niederd, 
eb mahlet mie im Kopfe, d, i. 68 geht mir im Kopfe herum); — tes. der 
Mahlgang, i in Mühlen ein Gang zum Mahlen, z. U. v, Graupen:, Slgang zz 
der Mahlgaft, wer fein Getreide in einer Mühle mahlen läfft, Kunde des 
Müllers, landſch. auch Mahlgenoſſen oder leute; das Mahlgeld, der 
Mahlgroſchen, Müllerlohn; das Mahlgerinne, Gerinne einer Waſſermühle, 
weldes das Waffer auf das Nad eines Mahlganges leitetz die Mahlmepe, 
die Metze Mehl, welde der Müller flatt des Mahlgeldes befommtz die Mahl— 
mühle, eine Mühle, auf welcher Getreide gemahlen wird, 3. U, v. Schneider, 
Stampf=, Papiermübhle 2.5 der Mahlmüller, Müller einer Mahlmühle; 
der Mahlſtrom, ein Seeftrudel, wo ſich das Waffer in einem Kreife dreht, 
bef, an der norwegiſchen Küftez ein Ort, wo fi) das Eis im Kreife dreht, heißt 
in der Schiff. eine Mahling; der Mahlzahn, Baden: od, Stockzahn, weil 
er zum Zermalmen der Speifen dientz der Mahlzettel, ein Schein über das 
Gewicht des zu mahlenden Getreides, — der Mehlgaft von dem vereidigten 
Miüptenfchreiber erhält, 

Mahlgraben, «haufen, «holz ꝛc — Mahlzeichen, f. unter Mahl 4). 
— Mahlplag, =ftatt, -ſtaͤtte, ſ. Mahl 2); — Mahlihag, f. Mahl 1); 
Mahlzeit, ſ. Mahl 3), 

maͤhlich, x. als mählig, Nw. und Bw, (dem Stamme nad) = gemach, 
gemuchlich, ſ. d.) alt und dicht f. allmaͤhlich, nach und nach, 

Mahn, m., — es, landſch. gem. f. Mohn, ſ. d. 
Maͤhne, w., Ms -n (altd. mana und der man; oberd, die Man oder 


110 mahnen — mähren 


Min, niederd, Mane, engl, mane, ſchwed. und dän. man), daß lange Hals— 
haar einiger Ihiere, bef. der Pferde und Löwen, dad Kammhaar; die 
Mähnenflechte, Naturk, eine Art Baumflechte, die aus langen Fäden beſteht; 
der Maͤhnenſtier, der afrikan. wilde Ochs; die Mähnentaude, eine Abart 
ber gemeinen Zaube mit mähnenartigen Schopf; mähnen, 3w,, dicht, mit 
einer Mähjne verfehen; mähnig, Bw., eine Mähne habend. 

mahnen, ziel, 8w. (altd. manon, manen ; angelf, manian, ſchwed. mana; 
fat, monere; von der Sanskr. Wurzel man, denfenz vergl, Mann, meinen, 
Menſch 2c.), Überh, einen an etwas, alt und dit, auch: ihn einer 
Sache (Gen.) —, ihm etwas ins Gedaͤchtniſs zuruͤcktufen, ihn daran er= 
innern (uneig. du mahnft, oder gem, gemahnft mid on meinen Bruder, d. i. 
du, ſiehſt ihm ähnlich; unp es mahnt, gew, gemahnt mid, d. i, es kommt 
mir Mn vor); in engerer Bed, ehem, f. — einladen; jetzt gew. einen 
zur Erfuͤllung einer Verpflichtung, beſ. zur Bezahlung einer Schuld an— 
halten od. auffordern (einen wegen einer Schuld —; er mahnt mid) beſtändig)5 
der Mahnbrief, das Mahnfchreiben, Erinnerungsfäreiben, beſ. zur Be: 
zahlung einer Schuld; dir Mahner, -8, die Mahnerinn, M. -en, wer 
mahnt; die Mahnung, dad Mahnen, 

mähnen, ziel, 3w,, 1. f. Mähne; 2. (altd, menran, menen; öherh, 
meenen; hell. mennen, ſchwed. mana; lat, minare, ital, menare, franz, 
mener), oberd. f. treiben, führen, leiten, bei. das eingefpannte Zugvieh; 
daher der Mähnbube, junge, -knecht, wer die Ochſen vor dem Pfiuge 
antreibtz der Maͤhnochs, Zugochs; die Mähn, aud der od, dad Mähnat, 
f. die Fuhre, das Zugvich. 

Mahr, m. Ses oder -en, o. M. (niederd, auch Moorz angelf, u, ſchwed. 
mara; engl. night-mare, franz. eauche- mar; v, mar, Pferd? od, verw, 
mit merran, hindern, beengen); niederd, fs der Alp, dad Alpdruͤcken, |. d. 

Mähr oder Mähre 1., w., M. -enz; Werft, das Maͤhrchen, oberd, 
Mährlein (altd, daz mari, maere, M, diu maere, woraus wohl bas 
fpätere weibl, Mähre entft.; daneben goth. meritha, altd, merida, w.5 
v, altd. mari, maere, noch oberd, mär, märig, fdywed, mär, Eund, bekannt, 
berühmt), ehem. und noch bisw. alterthümlich fs Nede, Sage, Gerücht, 
Kunde, Nachricht, Erzählung (id) bring’ euch frohe Maͤhr); jetzt gew. verkl. 
dad Mährchen, eine erdichtete, fabelhafte Erzählung, bef. als Erzeug: 
nifs des Volksglaubens oder Aberglaubens Volks währchen), oder auch der ſich 
frei ergehenden Einbildungskraft des Dichters; daher maͤhrchenhaft, Bw, 
einem Mährchen ähnlich, unwahrſcheinlich; die Maͤhrchenhafti gieit — 
maͤhren, zielloſ. und ziel, Zw. (goth. merjan, altd. merian, isländ, mära) 
urfpr, überh. f, reden, außfagen, verfündigen z jegt noch landſch. f. plaudern, 
langwe ilig [hwagen, Unmahred und Unwahrfcheinliches erzählen, 

Mähre 2. w., M.-ın (altd, marah, Pferd, meriha, merha, Stute; 
{&lind, mar, meri, angelf, mära, engl, mare, ſchwed. mär), urfpr. u, nod) 
niederd, dad weibliche Pferd, die Stute; dann überh, f. Pferd, bef, ein 
edles Pferd, Roſs, Turnierpferd; jene nur verächtl. fs ein elendes, ſchlechtes 
Pferd, ſinnv. Kracke; landſch. gem. f. Hure, 

maͤhren, Zw. 1. ſ. unter Mähr; — 2. zielloſ. Zw. mit Haben (oberd, 
merren; vergl. das altd, merran, holl. marren, verwirren, hindern; engl. 
marr, verderben, ſchott. mer), gem. fs umrühren, in einer Sache herum 


Mahrte — Mai 111 - 


wuͤhlen; auch ziel, fi mengen, verwirren, in Unordnung bringen, were 

derbenz daher die Maͤhren- oder Mahrflechte, auch Mahrklatte, » Tode, 

der Mahrenzoyf (ſchweb. marlock), landſch. gem, f. Weichfeljopf, f. 8:5 

der Mahrquaft, die in Geftatt eines Quaftes verſchlungenen Neifer in den 

Gipfeln der Birken; — die Mährte, M. -n (vergl. das altd, merod, Ge: 

miſch, merata, merda, ©uppe, lat, moretum), landſch. aem, überh, ein 

Gemiſch, Gemenge, eine Schmierereiz insbeſ. f. Kaltſchale, ſ. d. (eine 

Bier-, Weinmährte zc,), 

Mahrte, w., Mi-n, niederd. eine Wachsſcheibe im Bienenſtock, Wabe; 
daher der Mahrtenhonig, Scheibenhonig, Honigfeim, 
Mai, chem. gew. May, m., —es (oberd, —en), M, -e (oberd. — en), 

' 4) (altd, meio, meie, lat, maius, franz. mai) der fuͤnfte Monat im Jahre, 
als der fünfte Frühlingsmonat auch Wonnemonat (altd. wunimanod) ge= 
nannt; uneig. dicht, f, bluͤhende Jugend, erwinfchter Gluͤcksſtand; 2) ein 
grüner Trieb oder neuer Jahrwuchs, bef, am Nadelholz; überh. ein grüner 
Baumzweig oder Zweigbüfchel, womit man Käufer, Zimmer, Kirchen zc, 
bei. am Pfingſtfeſte ſchmückt; in engerer Bed, die zu diefem Zwecke gebraud)ten 
frifch grümenden Zweige der Birfe und die Birfe feldft, in welcher Bed, das 
Wort jedoch gem, die Mate, M. Maien lautet (das Haus mit Maien ſchmü— 
Ken); — 3feg. der Maiapfel, die apfelägnliche Frucht des Fusblattes, einer 
amerikan. Pflanze; der Maibaum, die gemeine Birke, auh der Mai, bie 
Maie genannt, ſ. 0,5 die Maiblume oder Maienblume, eine im Mai blü— 
hende Pflanze mit Eleinen wehtriehenden, glodenförmigen Blumen, aud Mais 
englödchen, Maililie ꝛc. genannt; auch f. brennender Hahnenfuß, und fü 
Löwenzahn; der Maibuſch, ein Buſch von Maien od. Birken; die Maibutter, 
im Mai gemachte Grasbutter; die Maidiftel, gemeine Sau- oder Gänſediſtel; 
der Maifiſch, die Aofes aud der Häfeling oder Döbelz die Maiforelle, 
der Silberlachs; das Maiholz, landſch. f. gelbe Weide oder Goldweide; der 
Maikaͤfer, cin bekannter rothbrauner Käfer, der aus den Engerlingen entfte: 
hend im Mai aus der Erde kriecht; die Maikatze, verkl. das Maifägchen, 
eine im Mai geborene Katze, welche für bejfer gilt, als fpäter geworfene; die 
Maikirſche, Frühkirſche, Kinderkirfhe; das Maifraut, f. v. w. Meierfraut; 
Schöilfraut ; Braunwurs ; dad Maienfraut, kleines Schöllfrautz Mondkraut 
oder Mondraufe; die Maililie, im Mai blühende Liliez auch f. Maiblume; 
die Mai= oder Maientuft, milde Luft im Mai; der Maimonat, alt und 
dicht. auh Maienmond, der Monat Mai; die Maimuͤcke, Eintagsfliege 5 
die Maipflanze, Landw., die Nebenhalme des Roggens, Unterroggenz die 
Maipfrieme, haariger Ginfter; der Mairoche, eine Eleine Art Glattrochen; 
die Mairofe, eine Kleine, im Mei blühende gefüllte Roſe; die Mairübe, 
Frühe, Zellerriibe; der Maifchein, Neumond im Mai; landſch. aud) für 
Steinbrech; der Maifhwamm, weißer Blätterſchwamm; die Maifeuche, 
das Blutharnen des Rindviehs im Mai; die Mai- oder Maienfonne; der 
Mais od, Maienfonntag, landſch. der dritte Sonntag vor Oſtern (Laetäre), 
an welchem in einigen Gegenden die Kinder mit gefd,müdten Tannenzweigen 
herumgehen und fingen; der Maiſpecht, Btaufpehtz; der Maithau ; die 
Maitraube, das Mondkraut; der Maivogel, die Keine ſchwarze Mewe, 
Brandvogel; niederd. f. Kudufz der Maimurm, eine Gattung Infecten mit 
abgekürzten Flügeldecken ohne Flügel und fadenförmigen, einer feinen Perlen: 





112 Maid — maͤkeln 


ſchnur ähnelnden Fühlhörnernz landſch. auch f. Maikäferz die Maiwurz od. 
-wurzel, Schuppenwurz, Fraißamkrautz — Ableit. der Mailing, - es, 
M.-e, öſtr. f. Äſche (Fiſch); auch f. blauer Maifäfer, und f, Maimwurmz 
maien, ziellof. Zw., alt und oberd, f. fich beluftigen, ergößen. 

Maid, w., M.-en, Verkl. das Maidlein, oberd, f. Magd, Maͤd— 
ben, ſ. d. 

Maier, m., ſ. Meier, 

Maikenshäring, auch Madikes- oder Matjes-Haͤring, m. (wahrſch. 
v. Mädchen, niederd. Mäken, alſo: Jungfernhäring), niederd., früh gefangene 
Häringe, die weder Milch noch Rogen haben, entg. Vollhäringe. 

Mail, m., -88, M.-e, od, die Maile, M. -n, oberd. fe Maal, 
Makel, Flecken, Beſchaͤdigung; daher mailen, 3w,, Flecken machen, 
flecken; mailig, Bw, f. fleckig. 

Mais, m, —es, u M,, eine urfpr. amerifan, Öetreideart, welche in 
Kolben wähft, Tuͤrkiſcher Weizen oder Türkifches Korn. 

Mai, m, ſ. Meiß. 

Maiſch 1., m., - es, landſch. f. das Bifamfräutchen, 

Maiſch 2., m., maiſchen, 3w., f. Meiſch, meiſchen. 

Majeſtaͤt, w., M.-en (aus dem lat. maiestas; im Altd. durch megin- 
chraft ausgedrüdt), Größe, Erhabenheit, Würde, Hoheit, Herrlichkeit, 
Glanz; def. Titel der Kaifer u, Siönige und ihrer Gemahlinnen (Se, Ma: 
jeftät, Ihre Majeftätz M. Ihre Majeftätenz in der Anrede: Ew. Majejtät)z 
daher: der Majeftätsbrief, Freiheitsbrief, den ein Alleinherrſcher oder ein“ 
Staat ertheiltz dad Majeftätsrecht, Hoheitsrechtz das Majeftätsverbre= 
chen, Vergehen gegen die höchſte Gewalt; der Majeftätsverbrecher; ma— 
jeftätifch, Bw., herrlich, erhaben, koͤniglich, prächtig ıc, 

Majoran, m., — es, o. M. (gem, Mairan, Meiran; ſchwed. und dan, 
meiran; engl. marjoram, franz, marjolaine, ital, magiorana; verderbt aus 
dem lat, amaracus, gried), @ucgezos), eine befannte, fowohl in der Arznei 
Zunft, als in den Küchen gebrauchte gewürzhafte Pflanze; daher das Majo— 
ranwaſſer, =öl; der Majoranbalfam oder die Majoranbutter ıc. 

Makel, m, -8, M. w. E. (von dem lat, macula) ein fehlerhafter 
Flecken, bef. in ſittlicher Bed, ein Schandfleck, Fehler, Borwurfz daher 
mafellos, Bw., flefenlos, rein, ſchuldlos; die Makelloſigkeit; ma= 
felig, Bw., fleckig, befleckt, fehlerhaft, mafeln, 3w., flecken, nur in 
dem abgel. bemafeln, beflecken, befudeln; mäfeln 1., ziellof, u, ziel, 3w,, 
Makel oder Fehler auffuchen und tadeln, tadelfüchtig fein (überall etwas 
zu mäkeln finden; an einer Sache —, oder eine Sache mäfeln) 5; die Maͤkelei, 
das kleinliche Tadelnz der Maͤkler 1., -8, die Maͤklerinn, M. -en, 
wer mäfclt, der Tadelflichtige. 

mäfeln 2. , ziellof. Zw, (verw. mit machen, ſ. d., niederd, mafenz holl. 
maecken, einen Vertcag machen; vergl, das franz. maquereau, Kuppler), 
beſ. niederd,, das Geſchaͤft eines Unterhändlers der Kaufleute treibenz 
landſch. auch f. trödelnz der Makler 2. oder Makler, -6, M. m. E., 
(ſchwed. mäklare, holl. mackelaer) ein Unterhändler der Kaufleute (Geld: od, 
Maarenmäklerz fe. Gourtier, Senſal); landſch. auch f. Trödler, wuchernder 
Kleinhändferz daher das Mäktergefchäft oder die Maͤklerei; die Maͤller— 
gebühr, der Mäkterlohn oder das Maäfelgeld (fr. Courtage), a 

aller 


J 





Maͤkler — Mal > 115 


Mäkler 3., m, -5,M. w. E., Shiffb,, ein aufs und niederftehendes 
Knie Hinten auf dem Schiffe, worin der Fuß des Flaggenftodes ruht; nieberd, 
auch der ſtarke Baum, welcher eine Windmühle trägtz und der Pfahl in einer 
Wendeltreppe. I 

Mafrele, w., M, -n (dän. makreel, engl, mackerel, franz, maquereau), 
ein eföbarer Seefiſch in der Nordfee, 1 bis 4 Fuß lang, 

Mafrone, w., M.-n (von d, ital, maccarone, franz, macaron), ein 
Zusfergebackened von Mandelteigz; daher die Mafronentorte. 

Mal 1., ſ., -d, M. -e, gew, als Mahl, (entweder von mahal, f, 
Mahl 5)5 oder wahrfh, von milan, mal, zerreiben, zermalmenz vergl. 
mahlen 2,3 alfo urfpr, ein Eleiner heil, Zeittheil, Punktz goth, mel, Zeitz 
altd,, island, und fhwed, ma.; in der heutigen Bed, von Mal gebrauchte die 
ältere Sprache: stunt), ein einzelner Zeitpunft, fofern etwas darin ge— 
ſchieht, bef. mit vorgefegtem Fürwort od, Zahlwort zur Bezeichnung des Zeit: 
punftes oder der dftern Wiederholung einer Handlung od, eined Zuftandes 
(3. B, diefes oder jenes Mal, jedes Mal, ein Mal, Fein Mal, das erfte, das 
zweite, das legte Mal 20,3 zu verfchiedenen Malen, zu vier, fünf Malen; im 
Nom, und Acc, aber bleibt Mal nad einem Zahlw. unverändert: zwei, drei, 
vier Mal 2c,); am haufigften wird IN al in ungebeugter Geftalt mit dem vor— 
anftehenden Fuͤr⸗ oder Zahlw. zu einem Nebenworte verbunden, z. B. 
diesmal, einmal, Feinmal, manchmal, zweimal, dreimal, allemal 2c, (jedoch 
nicht gut: das erftemal f. das erfte Mal, zum letztenmal f, zum festen Mate), 
u, von folchen Nebenwortern bildet man vermittelft der Endf, ia die Bw, dies— 
malig, einmalig, zwei=, dreimalig 2.3 auch der Gen, Mals dient in Ver: 
bindung mit unbeftimmten Zahlw., fo wie mit Neben= u, Verhältrifswärtern 
zur Bildung zeitbeftimmender Nebenwoͤrter, wie mehrmals, damals, einft- 
mals (d, i, eines Mals), jemald, niemals, oftmals, vor-, nachmals ꝛc. (wo- 
für vlt. und landſch. damalen, niemalen 2c,) mit den abgel, Bw, mehrmalig, 
damalig, oftmalig 2c, 

Mal2., fe, -8, M. Mäler, edler Male; ein Zeichen, als ſelbſtän— 
diges Wort gem, Mahl geſchrieben (f, Mahl 4,), und in engerer Bed. Maal 
(1, 8), in Zſetz. aber, wo es ein Erinnerungszeichen bedeutet, gew, Mal, 
3 B. Denk:, Grab:, Merkmal ꝛc. — malen, gew, als mahlen, ziel, 3w,, 
(altd, malon, malen; goth. meljan, ſchreiben v, mel, Schrift; ſchwed. mala, 
din, male), Mw, gemalt (landfh, une. gemalen), überh, ein Bild oder 
Zeichen machen, durch fichtbare Zuge darftellen, abbilden (Buchftaben 
malen, d, i. zierlich. fchreiben); gew. in engerer Bed, mit Farben abbilden, 
verſch. zeichnen (eine Blume, ein Thier, eine Landfihaft 2c.; in Waffer, in 
Sl —, d. 1, mit Waſſer- oder Ölfarben)z auch blog mit Farben anftreichen 
(fich das Gefiht malen, di, fehminkenz ein gemaltes Zimmer 2c,), uneig, f. 
farben (die Scham malt ihre Wangen, d, i, macht fie erröthen), u, f. male= 

riſch ſchoͤn darftellen, lebhaft fchildern (einem etwas vor Augen —) 3 chem, 
auch f. zeichnen, bezeichnen, mit einem Zeichen verfehen; — Ableit, der 
Maler, -3, die Malerinn, M. -en, wer malt, ein Kuͤnſtler, der mit 
Farben darftelli (Blumen-, Landſchafts-, Geſchichtsmaler 2.)5 daher die 
Malerfarbe, das Maler- oder Malgold, zerriebene „Goldblättchen zum 
WMalen; die Malerkunft; die Malermufchel, Maſcheln, in deren Schalen 
man Farben anmadtz der Malerpinfel; die Malerfcheibe, das Farben- 


Hey fe'd Handworterb, d. deutfihen Spr, 2. Theil. 8 


114 mal — Malz 
brett (fr. Palette); die Malerichule, Lehranftsit für Maler; auch die Ge- 
ſammtheit der Schuler eines berühmten Malers, und in weiterem Sinne die 
ſämmtlichen Maler einer Gegend und einer Zeit, in deren Gemälden derfelbe 
Geift und dieſelbe Beyandlungsweife herrſcht; das Maler» od. Malfilber 
zerriebene Silberhlättchen zum Malen; der Malerſtock, ein Stock, auf welchen 
ie Maler die Hand flügt, welche den Pinfel führt; — die Malerei, M. -en, 
ie Malsrfunft, und die Art und Weiſe zu malen, eig. und uneig.; ein 
Gimälde; maleriſch, B We, zur Kunſt des Malers gehörig und darin 
gegründets wie gemalt, oder würdig gemalt zu werden (maleriſch fhönz 
eine malerifche Gegend, ein maleriſcher Anblick 2c.)3 uneig. lebhaft, anfchaus 
tich dargeftellt oder darſtellend (eine maleriſche Stelle in einem Gedicht u. dal.). 

mall, Bw, niederd. f. thöricht, unflug, unbefonnenz; daher mallen 1. 
ztellof. Zw. f. thöriht reden und handeln, unbelonnen fein; Schiff. der 
ind mallt, went er ohne beſtimmte Richtung hin und her Läuft. 

Mal, w., M. Sen, niederd. Schiffe. f Form, Model, f. Mahl 4) 
mallen 2. ziel. 30, malen), Schifft., vorzeichnen, wie ein Stüd zuge: 
bauen und bearbeitet werden fol. 

Mallemude, w., M -n, landſch. ser Sturmvogel in den nordiſchen 
Gewäffern. 

malmen, ziel. Zw. (von dem goth. mel, altd. mal, Heiner Theil; vergl. 
mahlen) in Kleine Theile zerveiben oder zerdruͤcken, gew. zermalmenz ber 


Malm, -ed, 0. M. (goth. malmo, altde melm, ſchwed. malm, Sands. 


vergl. Mulm, Mull ıc.) landſch. f. etwas zu Staub, oder Pulver Herriebened; 
Staub, Send, Gries; malmig, Bir, aus Malm beftchend, Malm 
enthaltend; malmicht , Bw., den Malm ähnlich. 

Malter 1. ſ. -5, 0.M. (won gleihem Stamm mit Malm 2.), landſch 
f. Schutt, Zerbröc Eelteßloder Separhened, 

‚Malter 2. ſ., landſch. aud m, —s, M. w. E., (altd. maltar, niederd. 
BRAD: engl. maulder, mittl. Tat. Kine maltrum 20.3 entiveder von dem 

3{änd. mal, goth. mela, Maß, Scheffel, ſchwed. mäla, meſſen, vergl, 
Fi 4); oder von mahlen: was anf einmal gemahlen wird) 1) ein Getreide: 
maß, an verfchiedenen Örtern 2, 4, 12 bis 16 Scheffel haltend; 2) ein 
Dee zu Scheitholz, einen Mürfet von 4 Fuß Höhe, Länge und Breite aus: 

hend; 3) landſch. f. ein Mandel, d. i. 15 Stuͤck; der Malterbod, 

a, ein Maß zum Vermeſſen des Holzes nach Malternz das Malterholz, 
in Malter gefestes Holz; maltern, ziel. Su; „das Holz —, Mahl Maltern 
meflen und auffeßen. 

Malve, w,M. -n (aus dem lat, malva; engl. mallow), ein Pflanzen: 
gefchlecht mit doppeltem Kelch, Wald-, Pofene,. Gartenpappel, Stode 
vofez der Malvenbaum, * malvenähnliches Gewächs, weiches 8 bis 9 Fuß 


hoch wird; der Malvenfalter, ein die Malven vorzüglid, befuchender Lage 


- falter. 

Malz, ſ. —es, o. M. (altd. malz, niederd. Molt, angelf. mealt, island. 
u. engl, malt; von einem alten Zw. melzan, angelf. miltan, meltan, engl. 
melt, erweichen, aufldfen, fhmelzenz vergl. d. griech. uul9coow pd, muAdoom, 


narsanös 2), dad zum Bierbrauen beſtimmte einaemeichte, gedörrte und. 


gefchrotene od. auf zum Schroten zubereitete Getreide (Gerften:, Weizen⸗, 
Hafermalzz Darr-, Luftmalz, ſ. d)5 — 3 ſetz. der Malzboden, ein Bo⸗ 


Mama — Mand 115 
/ 
den, auf weldem das Malz getrocknet od. aufbewahrt wird; der Malzbottich, 
Bottich zum Einweichen des Getreides; die Malzdarre od, doͤrre, |. Darre; 
die Malzfammer, eine Kammer, in welcher das Malz vor dem Schroten 
nochmals angefeuchtet wird; die Malzmuͤhle ‚ Mühle, auf welcher Malz ge: 
ſchroten wird; der Malzmüller; die Malzfteuer, vom Malz zu entrichtende 
Abgabe; — Ableit. malzen, gem. mälzen, zielloſ. Zw. m. haben, 
Malz machen; der Malzer od. Mälzer, - 8, M. w. E., Malzmacher. 
Mama od. Mamma, w., M. ſelten Mama’n, bisw. als EN. ohne 
Artikel im Gen. Mama’s, niedr. Mämme ‚ (griech. raue, lat. mamma, 
auch die Mutterbruft; franz. maman, engl. mam. 2c) ein Kinderwort f. 
Mutter; mammen, ziellof. Zw., -oberd. gem. f. an der Bruft fangen; dad 
mmele, -$, f. Mutterbruft, Weiberbruſt überh. 5; auch f. Saugglas, 
Saugfännden. 
Mamiering, w., M. -e, Schiff. ein Schlaud) oder eine Nöhre von 
getheertem Segeltuch oder Leber, durch welche Waffer geleitet wird. 
Mamma, Mämme ꝛc., 1. Mama, 
man, unbiegf. unbeftimmtes perfonliches Fürw. der ten Perfon (urfpr. = 
Mann, altd. man, wie das franz. on, ehem, hom, verkürzt aus homme; 
ſchwed. u. dän. man, niederd. u. holl. men) bezeichnet irgend eine od. mehre 
ganz unbeſtimmte Perfonen und verbindet fid) nur mit der Einheit des Zw. 
(man hat mir erzählt zc., d. i. irgend Semand hat 2c,; man fagt, d. i. die 
Leute jagen; man denke fi) 2c.3 man kann nicht Alles wifjen) ; zum Erfas für 
die fehlenden Caſus von man bedient ſich die Volksſpr. des unbeftimmten Fürw. 
ein, vergl. d. (4. B. man kann nicht wiffen, was einem widerfahren kann; 
das mufs einen kränken u. dgl); das unbeftimmte man in Beziehung auf 
beftimmte Perſonen und als Anredewort zu feßen (3. B. man lafje das fein! 
man höre) ift ein fleifer und veralteter Gebraud). 
man od. mand (holl, men, ſchwed. man), ein gem. niederd. Bow. u, Nw. 
f. aber und fi nur, z. B. er könnte wohl, man (x. aber) er will nicht; laſs 
es man (r. nur) aut fein. 
manch, Nom. mancher, e, es, M. monde, gebeugt wie der Artikel 
der, allgem. Bahlw. (zgez. aus mannig, mannid), f. d.z goth. und altd. ma- 
nag, mänac, manec; angelf. manig, engl. many, altfranz. maint, dan. 
ınange 2.5 von gleidem Stamm mit Menge, f. d.) drückt, ſowohl in der 
Einh. ale in der Mehrh. gebraucht, mehre unbeſtimmte Dinge einer Art 
einzeln betrachtet aus und ſteht fowohl mit einem Hw. verbunden, als ohne 
Hw. und deſſen Stelle vertretend, immer aber ohne Artikel (4 B. mander 
Menſch, oder Mancher glaubt 2c.5 meinche Leute, oder Manche behaupten 2. 5 
Manchem, Mancer, Manchen wird es unangenehm fein; er hat mandjeö Un: 
glück erfahren; Manches Hält man mil: Anrecht für ein Unglück 2c.); mancher⸗ 
lei, unbiegf. Bw. (vergl. Lei), von mancher Art, finnv. mannigfaltig G- 
B. manderlei Früchte; er hat ſich in mancherlei Verhältniffen befunden), auch 
ohne Hw. f. mancherlei Dinge, Manches (man erfährt mandjerlei) u. bisw. 
mit dem Gen. des Hw. (der Schick fale manderlei); manchmal, Nw. der 
‚Zeit zur Bezeichnung einer mehrma (igen Wiederholung; manches Mal xf- 
Mat 1), mehrmals, öfter, dann und wann, zumeilen (ev kommt manch⸗ 
mal zu uns m. dgl). 
Mand od. Mande, auch Man ne, w. M; -en, (angelſ. u. holl. mand, 


8* 


116 Mandel — Mange 


engl. maund, franz. manne), landſch. f. Korb, bef. sin großer, langer 
Henfelkorbz; daher der Mandmacher, f. Korbmacher. y 

Mandel 1. f., -8, Mw. E., weniger gut w., Mi. -n, (vielleicht 
urfpr. Verkl. von Mand, -alfo eig. ein Körbchen ?), eine Zahl von funfjehn 
Stück derfelben Art Cein Mandel Eier, Nüffe 2c.5 vier Mandel maden ein 
Schock) ; in engerer Bed. ein Haufen von 15 Getreidegarben, die auf dem 
Felde aufgefegt find, niederd. eine Hocke; daher: die Mandelkrähe, auch 
Mandeltaube, Garbenkrähe, Blaufrähe, eine Art Häher, welcher fi in 
der Ernte gern auf die Grtreidemandeln ſetzt; mandelweiſe, Nw., nad) oder 
in Mandeln; der Mandelzehnte, Zehnte von den Getfeidemandeln, Gazxbens 
zehnte; — mandeln, 3m. 1) ziel. nad; Mandeln zählen; in Mandel 
ſetzen; 2) ziellos m. haben, Landw. dad Öetreide mandelt gut, d. i. giebt 
viele Mandel; der Mandler, -8, wer dad gefihnittene Getreide in Mans 
del ſetzt. 

Mandel 2. 10, Mi -n, (vom griech. Zuvydarn, lat. amygdalum, ital. 
amandola, mandola, franz. amande zc.), die länglich runde platte Ferne 
frucht des Mandelbaumes: füße, u. bittere Mandeln; uneig. wegen manbel- 
ähnlicher Form: zwei Drüfen in der Mitte des Schlundkopfes bei Menfchen 
und Thieren; — 3fes. der Mandelbaum; die Mandelblune, Küchen— 
oder Oſterſchellez die Mandelbluthe, Blüthe des Mandelbaumes ; dad Mans» 
velbrod, Zudergebadenes von Mandelteigz die Mandelbutter, mit ge: 
ftogenen Mandela vermifchte Butter; das Mandelholz, Holz des Mandel: 
baumes; der Mandelkern, die aus der Schale genommene Mandel; landſch. 
gem. überh. f. Mantel; die Mandelfleie, der Überreſt der ausgeprefiten 
Mandeln, zum Wafchen gebraucht, um die Haut gefchmeidig zu machenz; der 
Mandelkoch, landſch. eine Art Mandelſpeiſe (f. Koch); der Mandelkuchen, 
die Mandeltorte, dad Mandelmus od. der Mandelbrei, Kuchen, Torte ıc. 
mit vielen Mandeln bereitet; die Mandelmilch, ein milchähnliches Getränk von 
geftogenen Mandeln und Wafferz die Mandelnufs, eine Art länglicher Hafels 
nüffes dad Mandelöl, aus Mandeln gepvefites feines DL; die Mandelfeife, 
Seife aus geftofenen Mandeln und wohlsiechenden Olen; der Mandelfpan, 
gew. M. Mandelfpane, ein Backwerk von Mandeln, Eiweiß u. Zucker; der 
Mandelftein , mandelfbrmige Steine; der Mandelteig, mit Mandeln zu: 
bereiteter Zeig; die Mandelweide, eine Urt Weiden, deren Blätter den Man- 
delblaͤttern ähneln. Ki X 

Mandel 3. w., M. -n, landſch. f. Mange, Mangel, ſ. d.5 daher auch 
das Mandelbrett f. Mangelbrettz mandeln, Zw. f. mangen. 

Mandelbaum, m., oberd. f. die Kiefer, Fohre. 

mang od. manf, Nw. u. Bw. (angelf. amang, engl. among; die Wurzel 
von mengen) niederd. gem. f. gemengt, vermifhtz u. als Vw. f. zwifchen, 
unter; daher dad Mangfutter, Mengefutter, gemengtes Futter; _ das 
Mangkorn, Menge: od. Mifchkorn; die Mangiprache, Menge: od, Mifch: 
ſprache. 

Mange, w., M.-n, 1) (altd. manko, ſchwed. manga, mittl. Tat. 
manga, mango 26.5 grieh. ueyyaror) ehem. überh. Werkzeug, Mafching, 
beſ. Kriegswerkzeug; 2) auch die Mangel, landſch. Mandel, (ſchwed. man- 
gel, dan, mangle, mittl, lat. mancula, ital, mangano) insbef, eine Ma= 
fchine zum Glätten und Glänzen der Zeuge, beſ. des gewaſchenen Leinen: 


Mangebaum — Manier 117 


zeuges, beftehend in einem mit Steinen befchmwerten, beweglichen Kaften auf* 
einigen glatten Walzen, die Nolle, Wälhe, Zeugrolle; — 3fes, das— 
Mange- oder Mangelbretf, ein glattes Brett mit einem Griffe, als heit 
einer Handmangez dad Mange- od. Mangelholz, die Walzen einer Mange; 
— Ableit, mangen oder mangeln, ziel. 3w., vermittelt der Mange 
glätten, vollen (Walde); der Manger, - 8, wer mangtz landſch. f. Schoͤn⸗ 
Arber, 1 
n Mangebaum, m., ein oftind, Baum mit eifdrmiger efsbarer Steinfruct, 
Mangel, m, =, M. Mängel, (ſchwed, u. dün, mangel, ital, manco, 
franz. manque; von dem niederd, und holl, mank, lat, mancus, mangelhaft, 
verſtlͤmmelt ; ſchwed. minka, verringern) 1) o. M, die Abwefenheit und das 
Bermiffen einer nothwendigen oder ermünfchten Sache (Mangel an einer 
Sache haben, leiden des Müller hat Mangel an Wafler, an Wind; es ift 
an diefer Waare, an Liebhabern, Käufern ꝛc. Fein Mangel, d, is es fehlt nicht 
baranz es zeigt von Mangel an Klugheit; Brod-, Korn, Geldmangel 26.) 5 
in engerer Bed, die Entbehrung der nothwendigſten Lebensbedürfniſſe, finnv, 
Noth (in Mangel gerathen, mit Mangel kämpfen ꝛc.)) 2) M. Mängel, eine 
einzelne Unvollfommenheit oder abwefende Eigenfchaft, finno, Fehler (ſ. d.), 
Gebrechen das Haus hat den Mangel, dafs es nicht Licht genug hatz Niemand 
ift ohne Mängel); — mangelhaft, Bw., einen Mangel oder Mängel has 
bend, finno, unvollfommen, unvollitändig, fehlerhaft; die Mangelhaf- 
tigkeit, mangelhafte Befhaffenheit, Unvollfommenheit; — mangeln 1. 
ziellof, Zw, m, haben, (altd, mangolon, dan, u, {hwed, mangla, franz, 
manquer) 1) Mangel haben, entbehren, vermiffen, m, dem Gen, der 
Sache (bibl, fie mangeln des Ruhms; jegt meiſtens vlt, gew, evmangeln); 
2) abwefend oder nicht vorhanden fein, zur Volljtändigkeit od. Vollfom=- 
„menheit fehlen , finno, abgehen, fehlen, gebvechen, mit d, Dat, der Perfon 
(das Geld, die Klugheit mangelt ihm; einige Shaler mangeln an der Summe) 
auch unp, ed mangelt mir an einer Sache, an nicht3 ıc. 
mangeln 2. oder mangen, ſ. unter Mange, 
Mangelrübe, w., landſch. f. Runfelrübe, 
Manger 1. f. unter Mange; Manger 2. oder Menger, m, —s, M. 
w. €, (altd, mangare, islünd. mangari, engl, monger, lat, mango;, vom 
isländ, manga, angelf, mangian, handeln), alt und oberd, f. Händler, 
Krämer, beſ. in Zſetz. Eiſen-, Fiſch-, Tuchmanger ıc, 
Mangfutter, Mangkorn, ſ. unter mang. 
Mangold, ms, Aes, M.-e, verſchiedene Gewaͤchſe: 1) (dän, man- 
gold, bbhm. manholt) eine Pflanze mit rübenartigen efsbaren- Wurzeln, 
niederd, Beete, oberd, Beiße, Beißkohl, Beißrübe genannt; bef. der rothe 
Mangold, rothe Rübe; außerdem weißer, gelber und Meer Mangold; 
2) eine Art des Lungenfrautes: Hirfchmangold; 3) eine Art des Gaͤnſe— 
fußed: guter Heinrich oder ſchmieriger Mangold; 4) einige Arten des wil= 
den Ampfers: der Meerampferz die gemeine Grindwurz, auch Mengelwurz 
genannt; 5) eine Art des Wintergruͤns: Wald = od, Holzmangold. 
Manier, w., Ms -en (aus dem ital, maniera, franz, maniere, engl, 
manner; v, lat, manus, Hand; franz, manier, handhaben), die Art und 
Weiſe des Benchmend oder Verfahrens z insbe, gem, f. Geberde (allerlei 
"Manieren); f. Lebensart (das iſt eine ſchlechte Manier, Feine Manier 2c.)3 in 


118 Mann —— 


redenden und beſ. bildenden Künften: die eigenthüͤmliche Behandlungsweiſe 
des einzelnen Künſtlers; in engerer Bed. fehlerhafte Eigenthuͤmlichkeit, Un— 
natur, Verkuͤnſtelung (entg. Stil); manierlich, Biw,, der guten Lebens— 
art gemäß, artig, gefittetz die Manierlichkeit. 
Mann, m., - 5, M. Männer (in der bef. Bed, „„Rrieger” auch: Man: 
nen; und bef. in Sſetz. oft Leute, fu), Berti das Männchen, ober. 
Männlein, Mehrh. in der Volksſpr. Männerchen; (goth, manna, altd. 
man, angelf,, engl, ſchwed. man, dan, mand; u d, Sanskr. Wurzel man, 
denken; daher Manu, der. Denkende, Stammvater der Menſchen; vergl. mah: 
nen, meinen, Menſch); urfpr, (wie das engl, man): übẽerh. Menſch, Perſon 
ohne Unterichied des Gefhledhtes (daher: man, Jedermann, Jemand, Nie: 
mand zc, ſ. d.), fo noch in einigen Ausdrücken, als: eine Waare an den Mann 
bringen; wenn die Noth an den Mann (oder an Mann) geht; mit Mann und 
Maus (d, i. mit allem Lebendigen vom Grösten oder VBornehmften bis zum Ge: 
ringſten) ; der dritte Mann (beim Spiele u, dgl) f. die dritte Perſon; der ges 
meine Mann, als Sammelm, f. Leute geringen Standes u, dgl, m.z gem, 
in beftimmterer Bed. eine Perfon männlichen Geſchlechts (entg, Frau, Weib), 
beſ. nach zuruͤckgelegtem Jünglingsalter, etwa vom Zöften od. 830ſten Sabre 
an (ein junger, ein alter Mann; ein Mann in feinen beften Sahren, d. i. 
etwa bis zum 5Often Jahre; ein ehrlicher, ein armer Mann 26,5 Mann für 
Mann, d, i. ein Mann mit oder nad) dem andern; bei bloßer Zahlung, ohne 
Unterfheidung der Einzelnen nach) ihrer Befonderheit bfeibt Mann, in der 
Mehrh. unverändert, 2. B, fie ftanden oder gingen vier Mann hochz 
zehn Mann find zu der Arbeit nöthig u, dgl; vergl. Stud); häufig mit 
dem Nebenbegriff der fittlichen Wuͤrde, des Ernſtes, der Kraft, der Stand— 
haftigfeit (fei ein Mann! ich ftehe meinen Mann; er hat ſich als Mann gezeigt; 
bin ich nicht Manns genug ? ich bin Mann dafür, d. i, ich bürge dafürz fprichm. 
ein Wort, ein Wort, ein Mann, ein Mann, d, ti, ein redliher Mann halt 
fein Wort), und bei, des Muthed und der Tapferkeit (als ein Mann ftreitens 
fie fielen als Männer); in def. Bed, ehem, f. Dienſtmann, Rehnäträger, 
Bafall (entg. Herr, Lehnsherr) u, überh, f, Nitter, Krieger; Mehrh, Man: 
nen;,jest fe Soldat, Nreitbarer Mann, Mehrh, Leute (nicht Männerz 
z. B. der Hauptmann befahl feinen Leuten 20.5 ee und feine Leute haben fich 
brav gehalten), u. bei Zählungen unverändert Mann ( . o. z. B. taufend Mann 
zu Fuß; es find Hundert Mann geblieben) 5 ferner f, Ehemann (entfpr, Fran), 
edler: Gatte, Ehegatte, Gemahl (einen Mann nehmen, haben, bekommen; 
ihr Mann ꝛc.)3 uneig. Bergw. der alte Mann, das ausgehauene u. wieder 
mit Schutt ausgefüllte Feld; der arme Mann, landſch,. in Butter geröftetes 
Brod; Tag, der volle Mann, der geſchränkte Gang des völlig ausgewachſe— 
nen Hirſches; — das Männchen, M,w. E., ſcherzh. oder vertraulich fi 
ein Eleiner 0d, junger Mann; ald Zärtlichkeitswort f. lieber Mann z verächtl. 
f. unbedeutender Mann; ferner ein Thier männlichen Geſchlechts (entg. 
Weibchen) 5, auch f, die aufrechte Stellung eines Thieres, wenn es ſich auf 
die Hinterbeine fest (dev Hafe, das Kaninchen maht Männchen), daher gem, 
überh. f. Faxen, poffierliche Geberden; — in vielen Ifes, fteht Mann 
1) ald Grundmwort oder zweites Glied, überh. eine erwachſene Perfon 
männlichen Geſchlechts bezeichnend (4. B. Berg:, Lande, Edel:, Fuhe:, 
Kriegs-, Staats-, Ehren, Biedermann 2c,), im gemeinen Leben häufig zur 


— 


Mann 1 19 


Bildung von Wörtern gebraucht, die einen Mann bezeichnen, welcher mit der 
durch das Veftimmungswort benannten Sache handelt (4. B. der Buttermann, 
Obſtmann, Milchmann u, dgl.) 3 die Mehrh. folcher Zfeg. lautet immer Männer, 
wenn ber Gefchlehtäbegriff das Wefentliche ift (alfo Ehemänner, Lodhtermänner), - 


"ober die bezeichneten Perfonen als Einzelmefen gedacht werben, bej, mit dem 


Begriff fittlicher Würde od. Außerlicher Vorzlige (alfo: Biedermänner, Ehren: 
männer, Staats-, Krieggmänner) ; außerdem gewo. Leite (ſ. d.), weldes 
als Sammelbegriff mehr die Gattung ohne Unterfcheidung der Einzelwefen zu: 
fammenfafft (5, B. Kriegsleute, Arbeitö:, Berg, Land, Edel:, Hofleute ꝛc.), 
und aud) beide Geſchlechter bezeichnet (vergl. Eheleute, Mietheleute, mit Ehe: 
männer, Miethsmänner); 2) als erftes Glied in Zfes. lautet es bald 


Mann, bald Mannes oder Manns, bald Männer (wenn es auf mehre 


geht; — 3ſetz. mit Mann find: dad Mannbuch, landſch. f. Lehenbuch 
(0, Mann f. Lehnsmann, ſ. 0.)3 der Mann = Erbe, männlicher Erbe; mann- 
feft, @w,, vlt. f. tapfer wie ein Mann, mannhaft; dad Manngeld, landſch. 
fs Lehngeld; auch f. jährliches Gehalt vines Dienftmanns ; das Manngericht, 
ehem, auch Mannding landſch. f, Lehngerichtz das Manngrab, landſch., 
fo viel Land ein Mann in einem Tage umgraben kann, bef, als Flächenmaß 
in Weinbergen; dad Mannlehen oder Manngut, ein Lehngut, worin nur 
die männlichen Nachkommen die Erbfolge haben; das Mannreht ‚eben f. 
Lehnrecht; der Mannrichter, f, Lehnrichter; die Mannruthe, niederd., der 
jeden Einwohner einer Ortſchaft nad der Ruthe zugemeffene Theil eines Dei- 
ches, welchen er im Stande erhalten mufsz manı= od. männerfcheu, Bw,, 
fcheu vor Männern (ein mannfheues Mädchen); die Mann = od, Männer= 
ſcheuz die Mannfucht, heftiae Begierde einer weibl, Perfon nad) einem 
Manne, Manntollyeit, Liebeswuth, wenn IE den höchften Grad erreicht; 


mannfüchtig, mann= oder männertoll, Bios; das Mannweib, ein 


Bwitter (fr, Androgyn) 5; auch ein männlich gefinntes od, mannähnliches Weib; 


daher die Mannweiblichkeitz das Mannwerk, oberd, f. Tagewerk eines 


Mannes; auch ein Flächenmaß, ungefähre fo viel wie ein Morgen; die 
Mannzahl, niederd. f, Kopf od, Perfonenzahl; — mit Man nes, Manns: 
das Mannesalter, männlihes Alterz dad Mannsbild, Bild eines Man: 
nes; gem, f. männliche Perfon, entſpr. Weibsbild; das Mannsblut, landſch., 
eine Art des Johanniskrautes, das Konraböfrautz der Mannsdaumen, die 
Mannsgeftalt, hand, der Mannskopfi,, Daumen, Geftalt 2c; eines 
Mannes; mannsdid, -hoch, =lang, Bw., fo die, hoch, lang, wie ein 
erwachfener Mann zu fein pflegt; daher die Mannsdide, höhe, länge; 
der Mannserbe, Erbe eines Mannlehens; das Mannsgedenken, ſ. v. m. 
Ütenfihengedenten, f.d.3 der Mannshut, das Mannskleid, der Manns— 
rock, =fhuh ) die Mannstracht ꝛc., Hut, Kleid ze. für einen Mann; das 
Mannstlofter , Möndsktofters die Mannes= od, Mannskraft, »ftärfe, 
der Mannzfinn uw, dal., Kraft} Stärke, Gefinnung eines Mannes; Pas 
Mannskraut, die Küchen- od, Ofterfchelle,. die Schneeblume; die Manns— 
leute, gem, f. Männer, männliche Perfonen, auch das Mannsvolk; die 
Mannsmahd, oberd. das Tagewerk eines Mähers; aud) ein Flächenmaß, fo 
viel wie ein Morgen; der Mannsnamen, Eigennamen für männliche Perfo- 


nen; die Mannsperfon, männliche Perfonz der Mannfchild, eine Pflanze, 


auch Mannsharniſch, Rabelkraut genannt; der Mannsfchreider, ⸗ſchu⸗ 


120 Mann 


fler ıc., Schneider, Schuſter für Männerz der Mannsitamm ‚ die männz 
liche Linie oder Geſchlechtsfolgez die Mannsſtimme, die tiefere und ftärkere 
Stimme eines Mannes (Baſs; die hohe Mannsſtimme, fr.’Tenor)z; die 
Mannstreu, ein Heilkräftiges Pflanzengeſchlecht: Brach-, Walddiftel, Sun: 
dertkopf 2c, (eryngium L.)z; die Mannszucht, die- Zucht, d. i. die Handha- 
bung der Ordnung unter dienftpflichtigen Perfonen, bef, Soldaten (fr, Disci- 
plin); — mit Männer: die Männerehre; dad Männerheerz der Mäne 
nermord; der Männermörder; die Maännerktaft, sjtärte; die Maͤnner⸗ 
ſchlacht, das Männervolf, ſ. v. w. Mannsvolfz der Männenwerth, u 
dgl.m,; — Ableit. mannbar, Bw., fähig einen Mann zu nehmen, 
heirathöfähig dem Alter nach (ein mannbares Mädchen)z auch überh, reif zur 
Fortpflanzung des Gefchlechts (ein mannbarer Jüngling, das mannbare Als 
tee); ehem, aud f. mannfeft, mannhaft als Chrentitel des Adels; die 
Mannbarkeit, dad Mannbarfein, die Gefchlechtäreife; mannen, Zw. 
1) ziellos, oberd, f. einen Mann nehmen, heirathen; 2) rückz. fi & —, 
vlt. f. ſich zum Mann, d. i, Lehnstraͤger eines Undern machen; 3) ziel. 
mit Mannfchaft verfehen (ein Schiff), gew. bemannen; männern, zielloſ. 
3w, m, haben, landſch. gem,, nach einem Mann verlangen, Luſt zu heis 
rathen habenz auch f. männlich, geſetzt, ernfthaft werden; männerig, Bw., 
Männer habend; nur uneig. Pflanz. in den Zfeg, ein:, zweimännerig 2, d, i. 
einen, zwei ac, Staubbeutel Habend; mannhaft, Bw,, eines Mannes Art 
habend, feft, entfchloffen, tapfer wie ein Mann (mannhaft kämpfen, manns 
bafte Leute), ehem. Ehrentitel der Ritter, fpäter der bürgerlichen Kriegsbeam— 
ten; die Mannhaftigfeit, das Mannhaftfein, ſinnv. Iapferfeit, Feſtig— 
keit 20,5 die Mannheit, die Eigenfchaft, nach) welcher Semand ein Mann 
iſt; dad wad den Mann macht, die Zeugungsfähigkeit (einem die Mann— 
heit nehmen, d, i. ihn entmannen); aud) f. Mannöfraft, Mannhaftigkeitz 
ehem, der Lehnd= und Huldigungdeid; männiglich, unbiegf, Bw, (entft, 
aus manno gilih 9d, -lih, d, i, jeder der Männer; vergl, jeglich) meift vlt, 
Kanzl, f, jedermann (fund und zu wiffen fei männiglid) 2c.)3 die Maͤnninn, 
M.-en, alt und dicht. f. eine erwachſene, weibliche Perſon, Frau, Gat— 
tinn; auch eine männlich gefinnte Frau, Heldinn; in einigen von männl, 
Hauptwortern auf Mann gebildeten Zſetz. zur Bezeichnung einer weibl, Perfon 
von gleiher Eigenſchaft (3. B, Landsmänninn, Schiedbemänninn), od, aud der 
Gattinn des durch das männl, Hw, bezeichneten Mannes (z. B, Amtmänninn, 
Hauptmänninnz aber von Edelmann, Kaufmann: Edelfrau, Kaufmannsfrau 
1 dgl. m); männifch, Bw,, Neu, f einem Mann ähnlich in tadelndem 
Sinne, entſpr. weibifh (eine männifche Frau) 5 außerdem in 3jeg. einem Manne 
von der bezeichneten Art eigen, angehörig, angemefjen (bergmänniſch, kauf⸗ 
männiſch) z und mit Zahlw. ein-, zweimaͤnniſch, d. i. einer oder zwei Perſo⸗ 
nen angemeſſen (ein einmänniſches Bett); — „ Bw., überh. einem 
Manne gleich, gehoͤrig, angemeſſen, im Weſen des Mannes gegruͤndet; 
insbeſ. 1) dem natuͤrlichen Geſchlechte nach: zeugungskraͤftig, befruchtend, 
von Menſchen, Thieren und Pflanzen, entg. weiblich, (das männliche Glied, 
Geſchlechtz die männliche Blüthe, welche die befruchtenden Theile enthält; 
Sprachl. das männliche Geſchlecht, genus masculinum, welches nicht 
nur den Benennungen männlicher Weſen, ſondern auch vieler lebloſen Dinge 
zukommt, denen der Artikel der vorgeſetzt wird; Versl. der männliche 


u 


Manna — Mantel — 


Reim, welcher ſich nur über eine betonte Schlufsfilbe erftredt, entg, bem 
weiblichen); auch dem männlichen Gefchlecht eigen (männliche Kleidung); 
2) dem Alter nachr reif an Jahren, dem Mannesalter angemeffen, entg. 
kindlich, kindiſch, jugendlih (das männliche Alter; männlid ausfehenz eine 
männliche Geftalt, Stimme 26); 3) der Straft, dem Ernte u, der fittlichen 
Wuͤrde, der Entfchkoffenheit oder Tapferkeit nach, finnv. mannhaft, entg. 
weiblich, weibifch (männliher Muth, Ernftz ein männlides Betragenz fi) 
“ mänhlic wehren ; ein männliche Weib; eine männliche Sprache, Schreibart 2c.) 5 
die Männlichkeit, das Männlichfein, die männliche Befchaffenheit in allen 
Bed. des Bw.; die Mannschaft, M. -en, eine Gefammtheit von Mänz 
nern (die Mannſchaft eines Dorfes, eines Schiffes 2c.), insbef. von ftreitbaren 
Männern, Soldaten (junge Mannfhaft, Kriegsmannſchaft)z ehem. u. noch 
oberd, auch f. eine einzelne männliche Perfon, bef. fofeen fie lehns- ober 
dienftpflichtig ift (das Dorf hat 50 Mannfhaften, d, i. dienftbare männl. Ein: 
wohner); ferner f. die Lehnöpflicht, der Lehnseid; u. f. Mannheit, Zeus 
gungsfähigkeitz das Mannfen, —6, M. w. E,, landſch. gem. f. Manns- 
erfon, 

x Manna, ſ., -d, o. M. (von dem hebr. man), Benennung verſchiede— 
ner füßlicher Pflanzenſtoffe, insbeſ. ded zähen Saftes, der aus der Manna= 
Eiche (im füstichen Europa) und andern Bäumen hervorquilltz bibl. ein vom 
Himmel gefallened Nahrungsmittel der Ifraeliten in der Wüfte, Himmels, 
Engelbrod; auch: der Samen verfchiedener Gräfer, als der Bluthirfe u, 
bef, des Schwaden = od, Mannagrafes; die Mannagrübe, der geftampfte 
Samen des Mannagrafes; die Mannabirn, eine faftreihe Winterbirn; der 
Mannaklee, ein ftaheliges Strauchgewächs in Mittel:Afien, von deffen Blät- 
tern man einen ſüßen Saft, das perfifhe Manna, fammeltz der Manna— 
ſchwingel, f. v. w. Mannagras. 

Manne, u, M.-n, landſch. f. v. w. Mand, Mande, f. d. 

mannbar, mannen, mannhaft, Mannheit, f. unter Mann. 

mannigfad und mannigfaltig, x. als mannichfach, mannidfal- 
tig (zufolge der Abftammung von dem altd. manag, manac, manec, man 
nig, woraus mand) dur) Zufammenziehung entft., ſ. d. und vergl. Menge), 
Bw. und Nw., mehrnald oder vielmal geteilt oder verfchieden, von vie— 
Verlei Urt, ſinnv. mehrfach, vielfältig (die mannigfaltigen Arten der Thierez 
mannigfache Kenntnifje befigen 2c.) 3 ehem. auch mannigfalt (altd. managfalt, 
manecvalt) ald Nw. und Bw.; der Mannigfalt, - es, landſch. der faltige 
dritte Magen der wiederkaͤuenden Ihiere, Blättermagen; die Mannig- 
faltigfeit, dad Mannigfaltigfein, die mannigfaltige Befchaffenheit, Viel- 
artigfeitz auch eine mannigfaltige Sache (M. Mannigfaltigkeiten). 

männiglich, Männinn, maͤnniſch, maͤnnlich, Mannfchaft ıc, f. un- 
ter Dann. 

manfchen oder mantjchen, ziellof. Zw. m. haben (ein Schallwort; vergl. 
matfchen, panſchen u. a. m.), gem. in einer Flüffigfeit oder etiwad Naffem 
mit den Händen wühlen, auch unreinlich damit umgehen „ unrein unter 
einander mifchen, fchlecht Fochenz "der Manfch oder Mantfch, — es, gem., 
etwas Gemanſchtes, ein unreined Gemengez der Manfcher, -3, wer 
manſcht; die Manfcherei, dad Manfchen ; eine gemanfchte Sache. 
Mantel, m., -8, M. Mäntel; Verkl. dad Mäntelchen, (altd. 


122 Mantel — Marder 


mantal, mantil; ſchwed. und dän. mantel, engl. mantle, franz. manteau ; 
von dem lat, mantellum, mantile, urfpr, wohl: Handtuch von manus, und 
überh, Tuch), ein weites u, gem. langes Kleidungöſtuͤck für beide Geſchlechter, 
welches über der gewöhnlichen Kleidung getragen wird, zum Schuß gegen 
Kälte, Regen u, Wind (Regen-, Reifemantel 2c.), bisw. aud zum Schmuck 
u als Theil des vollftändigen Anzugs bei feierlichen Gelegenheiten 20, (Trauer⸗ 
Prediger-, Ritter: Mantel u, dgl, 5 daher der Nantellragen, de Man— 
teltaſche, dad Mantelfutter 2u; ſprichw. den Mantel nach dem Winde 
hängen, di. ohne fefte Grundfäge fid) in Außerungen u. Handlungsweiſe nad 
den Umftänden richten); in weiterer Bed, überh. eine mrantelähnliche Decke, 
inöbef, Landw, eine Lage neues Stroh auf, einem alten Strohdahz; Tuchm. das 
vordere Ende eines Stüdes Tuch, welches nad der Zubereitung desfelben um 
das ganze Stüd -gefchlagen wird (das Mantelende, der Vorſchuſs); bei 
Metallgiegern der Theil der Form, welcher dem Gufswerfe die äußere Geftalt 
giebt, entg. dem Kern (die Schale); Bauk, die Einfaffung der Feuereffe über 
dem Herd, welche den Raud) auffafjt (der Schurz); Zimmerl, bas Zreppen: 
haus; Bergw. dad Sahlband, welches den Erzgang umgiebt; Naturk, eine 
Art Kammmufdeln mit ungleichen Ohren 5 der ſpaniſche Mantel, uneig. 
eine Art Zuber oder Kübel mit einer ffnung für den Kopf, welcher einem 
Verbrecher zur Strafe über den Schultern befeftigt wird; — 3fes. der Man⸗ 
telherr, ehem, Benennung der deutfchen Ordensherren; das Mantelkind, 
vlt. f, ein uneheliches Kind (meil die Mutter ein folches bei der nachmaligen 
Zrauung unter ihren Mantel. nehmen muffte, wenn es für echt gelten follte) 3 
die Mantelfirfche , eine Art braunrother Kirfhen, die unter.ihren Blättern 
wie mit Mänteln bedeckt Hängen; der Mantelſack, ein länglicher, gew. leber: 
ner, zum Zuſchnüren oder Sufchnallen eingerichteter Reiſeſack, vergl. Felleiſen; 
mantelweit, Bw., weit wie ein Mantel; — Ableit. maͤnteln, ziel Zw. 
nur in dem abge, bemänteln, ſ. ®. 

Mantel, w., M.-n, 1, oberd. f. Föhre, Kiefer; — 2. Schiff, ein 
Tau an dem oberen Blode eined Takels, an welchem die Laſt hängt, welche 
in die Höhe gebracht wird; daher der Mantelblock, ein Block, um welchen 
eine Mantel fährt; das Manteltafel, mit einer Mantel verfehenes Tafel, 

Mappe, w., M. -n (aus dem Iat. mappa, Tiſch-, Zellertuchz wegen 
der Ähnlichkeit mit einem zufammengelögten Tiſchtuch), eine Schriftentafche, 
Papiertafche, 

Mar, m., 1, Mahr, | 

mar ode mär, Bw, (altd, franz, mür) oberd, F. muͤrbe, veif; 
daher maren, ziellof. Zw, f, durch L iogen milrbe werden. 

marachen oder maraden, ziel. und rüdz, Zw. (wahrſch. von dem alten 
marah, Mähre, Pferd), gem, niederd, f. abmatten, ermüden, abarbeiten 
(gleichſ. durch Pferdearbeit), 

Maraͤne, w., M. n, f. Muraͤne. 

Marbel os. Marwel, auch Mäcbel, m.,-8, od. der Marbelftein, landſch 
gem, f, Marmor; bef, Marmerkügelden; maxbeln, iet, Zw. f. marmeln, 
marmorivenz; mit Marmorfügeldyen ſpielen. 

Märchen, f., ſ. Mährden.- , R 

Marder, m., 28, M. w. E. (altd. marter; landſch. gem. auch das 
Mahrd; ſchwed. —— bin, maar; angelſ. heat; engl, marten , franz. 


——— Marelle — Mark 128 


martre; d, d. lat, martes), ein kleines, braunrothes vierfüßiges Rau bthier 
aus dem Wiefelgefchlecht, deſſen Fell ein gutes Pelzwerk giebt: der Baum— 
oder Feldmarder, auch edler Marderz und der Stein = oder Hauemcırderz 
daher die Marderfalle, das Marverfell, der Marderpelz, das Mirrders 
gar, Netz zum Marderfangs die Marderwurzel , das Schlangenhol z. 
Ä Marelle, w., M. -n (verderbt aus Amarelie), landſch. eirıe Art 
großer faurer Kirfchenz auch eine Art Fleiner gelber Aprifofen, 
Mareſſe, w., Mi -n, Fiſch. eine Art Fleiner Silebgarne, 

Margarethe, ws, nd, M. -n (aus dem grich, ueoyaotıns, Tat, mär- 
garita, ‘Perle, melde Wörter jedoch urſpr. deutſch oder doch dem anızelf, me- 
regröt, althochd. merigrioz,d, i. Meergries, Meerftein, verwandt ſchei— 
nen), ein weiblicher Vornamen, gem. adgek, in Grete, Gretden, od, 
3905. in Meta; der Margarethenapfel,die Margareihenbirn, eine Apfel: 
u. Bien: Art; die. Maraarethenblume, Mestiebe, Gänfeblumez d ie Mar- 
garethennelfe, eine Art in Büſcheln wachſender Gartennelken. 

Maͤrgel, m., ſ. Mergel; — maͤrgeln, 3w., ſ. mergeln. 

Maria, wi, -&, oder Marie, -nd, M. -n, weiblicher Vornamen 
hebr. Urſprungs, Zandfch, gem, verkürzt ins Merge, Mieke, Mätte:, Miedt, 
Miez 2c,; insbeſ. Chrifti Mutter; die Jungfrau Maria; daher: ivas Mas 
rienbild, das Marienfeft oder der Marientag, jeder dee Iungfr au Maria 
gewibmete Feſttagz der Marienapfel, eine Art frügreifer Apfelz das Ma— 
rienbad, Scheidek. ein mit Waſſer gefültes Gefäß, in welches ein anderes 
Gefäß gefest wird, in welchem etwas deſtillirt werden follz die Marienblume, 
Gänfeblume oder Mätiebe; die Mariendiftel, Frauendiſtelz der Marien— 
Dorn, gemeine wilde Rofes das Marieneis od, =glas, fd, w. Fremenglas; 
der Marienfaden, f. v w. Sommerfaden, ſ. d.z der Marienflachs, Flachs— 
krautz dad Mariengloͤckchen, Waldglockenblume; dad Mariengraö, weißer 
oder Holunderklee; Aderfpergel; wohlriehendes Darrgras; bandarticy geftreif: 
tes Gras, Bandgras, buntes Gras, gem, Margengrasz der Marriengro= 
fchen, eine niederd, filberne Scheidemünze, 8 Pfennige an Werth, auf welcher 
ehem, ein Marienbild geprägt wars der Mariengulden,, eine Silhermünge 
von 20 Mariengroſchen; der Marienkäfer, kleiner Sommerkäfer, gem, auch 
Marienhuhn od, =Fälbehen; die Marierrofe, landſch. f. Maßliebe; Pfingft: 
od, Gichtroſez Weinrofe, wilde Hageroſe; Pechnelke; Feld: od. Aderröschen 5 
Stech- od. Sammetnelke 20.5 der Marienfchub, eine Pflanze, deren purpure 
farbige Blume ein ſchuhähnliches Sonigbehältnifs hat, Frauen oder Pfaffen« 
ſchuh (eypripedium L.), 

Marile, w., M.-n, landſch. ſ. v. w. Marelle, ſ. d. 

Mark 1., ſ., -ed, o. M. (altd. marac, marg; oberd. Marg, niederd. 
gem, Marks; angelſ. mearh, engl, marrow, ſchwed. märg, dan, marg; v. 
dem altd, maro, oberd, mar, mürbe, weich), die lockere, zellige Maſſe in 
den Röhren und Höhlen der Thierfnochen u. in der Mitte der Staͤmme, 
Afte und Stengel der Gewaͤchſe (es geht oder dringt durch Mark und Bein, 
de i. es macht den tiefften, empfindlichften Eindruck; Mark in den Knoch en ha= 
ben, d, t. ftark fein); in weiterer Bed, auch der innere ſaftige Theil mamcher 
Früchte, als der Zitronen, Pomeranzen, Weinbeerenz uneig. dad Kräftigfte, 
Beſte, Nahrhaftejte, die gefunde Lebenskraft (einem das Mark ausfarıgen ; 
das Mark des Landes vi. dal.)) — Hfes. die Markhaut, innere Beinhaut ; 


124 Mark 


aud) fr Neshautz dad Markholz, markiges Holz; landſch. f. Wafferhotunder, 
ober. Balleofes der Mark- oder Markskloß, »Fuchen, die Marktorte, 
Kloß, Kuchen, Torte aus Rindsmark; der Mark- oder Markstnochen, ein 
Mark, enthaltender Röhrknochen; dad Markkraut, Eppich oder Wafjerpeter: 
filie; die Markpalme, eine Art Palmen, deren Stamm ein mehlichtes, 
nahrhaftes Mark enthält, Mehl:, Sagopalmes die Marfrispel od. Mark— 
rispelftaude, oberd,, ein Staudengewächs im ſüdlichen Deutſchland, deutſche 
Tamariske; markvoll, Bw., vol Markes; uneig, Eräftig; Lie Markweide, 
der Bohnenbaum ; der Markzahn, vit, f. Backenzahnz; der Markzieher, ein 
Werkzeug, das Mark aus den Röhrknochen zu ziehenz — Ableit. markicht, 
Bw., dem Mark ähnlich; markig, Bw, Mark enthaltend; uneig, Kraft 
habend und verrathend, Fräftig (eine markige Rede), bef, in den bildenden > 
Künften dem Harten und Trockenen entg, t 
Mark 2., w., M,-en, (goth, marka, altd, marahha, marcha; oberd. 
March; ſchwed. märke, engl, mark, franz, marche), urfpr, überh, ein ficht= 
bared Zeichen, Kenne, Erinnerungszeichen (gew. Marke); in engerer 
‚Bed, 1) Örenzzeichen, Örenze eines Landes oder Bezirks (vergl, das Tat, 
margo), aud: die Marfung, ehem, das Gemerk oder Bemerk (Dorf:, Felde, 
Holzmark) 3 daher der abgegrenzte- Grund und Boden, Bezirf, Gebiet, 
Land (in EN, wie Dänemark, Steiermark, die Mark Brandenburg); jest 
gew. nur von Fleineren Bezirken, Grundſtuͤcken, Gemeindeguͤtern az 
2) ein Gewicht, fofern es mit einem Zeichen verfehen war, insbef, ein Geld- 
und Silbergewicht von 16 Loth oder (beim Golde) 24 Karatz ferner eine - 
Rechnungsmuͤnze von verſchiedenem Werth, z. B. eine Mark Lübiſch und eine 
Hamburgiſche Mark, etwa = 9 Ggr.; eine Mark Bauco, etwa 11 Ggr.; eine 
Bremer Mark = 32 Bremer Grote 2,5 — als Gewicht und Münze bleibt 
Mark in der Mehr), nad) einem Zahlw. unverändert, z.B, vier Mark Silhersac, 5 
— die Marke, M. -n, (oberd, das Marc) oder Mark; daher das Brand: 
mark; island, mark, angelf, mearc; franz, marque), ein fichtbares Zei— 
hen, Merkmal, Merkzeichen ; insbef, bei Karten= und anderen Spielen u. 
dgl, ein Zeichen, welches die Stelle des Geldes vertrittz daher: der Marker 
brief, ſ. v. w. Kaperbrief; der Markepinſel, ein Pinfel zum Zeichnen von 
Kaufmannsgütern u, dgl,; — marken, 3w., 1) ziel, (altd, marhan, mar- 
chon; franz, marquer), mit einem Zeichen verfehen, zeichnen, bezeichnen, 
(gew, mit fremdartiger Endung: markiren;z außer ins brandmarfen); 
insbef, mit Örenzzeichen verfehen, abgrenzen (gew. abmarken); 2) ziellos, 
Hüttenw, dad Erz market, d. is es enthält mehre Mark Silbers im Zentner; 
die Markung, das Marken, Zeichnen, Abgrenzenz dad Orenzzeichen, 
die Grenze; aud ein abgegrenzter Bezirk, ſ. v. w. Mark (Forſt-, Feld-, 
Holzmarkung 26,)3 daher dad Markungsbuch, ſ. v. w. Flur-, Lagerbuch; 
— 3ſetz. von Mark: der Markbaum, Grenze, Lachbaum; das Mark— 
ding od, = gericht, ehem, Gericht über Grenzſtreitigkeiten; der Markfrieden, 
in Weftphalen: die Sicherheit einer Holzmark gegen willkürliche Benutzung; 
der Markgenoſs, landſch. der Theilhaber an einer Dark, bef. an einer Holze 
mark; die Marfgerechtigfeit, das Recht, eine umfchloffene Feld- od, Holz 
mark zu haben, und die damit verbundenen Gerechtſame; die Markgewaͤhr, 
eine Summe in kleiner Münze, die eine Mark an Gewicht beträgt; der Mark⸗ 
graf, (mittl; lat. marchio, woraus das ital, Marchese, franz, Marquis 


Markebrunner — Markordnung | 125 


entftanden ift) ehem, ein Graf oder Verwalter eines Grenzbezirkes; fpäter der 
Fürft oder Beherrſcher einer Markgrafſchaft oder einer Mark (z. B, die Mark: 
grafen von Brandenburg, Baden 2c,);5 die Markgraͤfinn, Gemahlinn eines 
Markgrafen; der Markgräfler ‚ Wein aus der vormaligen oberen Markgraf: 
ſchaft Baden; markgraͤflich, Bw.; die Markgraffchaft oder dad Mark— 
grafthum, die Würde u, das Gebiet eines Markgrafen; der Marfgrofchen, 
im Erzgebirge eine Abgabe an die Geiftlichen von jeder Mark Silber; in Schle— 
fien f. Kauflehen oder Leihfauf bei neu erfauften Bauergütern (wahrſch. von 
marten f, markten, Zaufen); dad Markhaͤkel, landſch. f. Waldhammer 
zum Beichnen dee Bäume; der Markherr, landſch. der Grundhere einer Holz— 
mark; dad Markkoth, nieverd, eine Art Kothe, deren Befiger Markkoͤther 
beißen, weil fie ehemals Theil an einer Holzmark gehabt; die Marklinie, 
Grenzlinie; die Marklofung, ſ. Lofung, Loszeichen; landſch. aud eine Art 
des Räherrechts, das Gefpildereht, die Marklöfung; die Markordnung, 
obrigkeiti, Verordnung, eine Feld- oder bei, Holzmark betreffend; der Mark— 
pfahl, Grenzpfahlz das Markrecht, Antheitsreht an einer Holzmarkz der 


Markrichter, Richter in einer Dorf= oder bef, Helzmark; die Markfcheide, 


der Ort, wo zwei Marken od, Bezirke-an einander grenzen; Bergw, die Grenze 
zweier Zehen; dad Markjcheiden oder die Markſcheidung, überh, Grenz: 
beftimmungs be, Bergw, die Beflimmung der Grenzen einer Zeche über und 
unter der Erde mittelft der unterirdifchen Mefskunftz auch die Abmeffung und 
Beftimmung der Grubengebäude unter der Erde; die Markſcheidekunſt; der 
Markfcheider, wer diefe Kunft verfteht und ausübt z der Markftein, Grenz 
ſtein; das Markſtuͤck, Hamburgiſcht und Lübeckiſche Münze, einfad) zu 16, 
doppelt zu 32 Schilling; die Markwage, Hüttenw, eine Keine Wage, worauf 
man nur eine Mark wägen Eannz die Markwährung, f. v. w. Markgewähr; 
die Markzahl, vlt., eine beftimmte, feſtgeſetzte Zahl; — Ableit, v, Mark: 
der Maͤrker, —s, die Märkerinn, M. -en, Einwohner einer Mark, 
insbef. der Mark Branbeninw (Kurz, Neumärker ꝛc.); niederd, der <keil- 
haber einer Holzmark, Marfgenofs (vergl, In-, Ansmärker); ehem, aud) 
f. Feldmeſſer; das Märkerding oder =gedinge, das Gericht Uber die Mär- 
ter in Sachen der Mark; der Märkermeifter ‚ ber Vorgefegte der Märker, 
Markebrunner, m., -8, eine Urt edeln Rheinweins. 
marken, 3w. 1, f, unter Mark 2, — 2. (gem. auch marchen) oberd. 
fe marften, kaufen, handeln; daher märfeln, zielloſ. Zw, (gem. aud) 
mercheln) f. handeln, dingen, feilfchen; bef, in: abmärkeln, vermürkeln, 
Märker, ſ. unter Mark. 2. | 
Marketender, m., -3, M. w. E,, die Marfetenderinn, M. -en 
(aus dem ital, — v. dem lat, mercari, handeln), wer den Sole 
daten im Felde Lebensmittel verfauft, FeldErämer, = främerinn, Felde 
wirth oder -koch; die Marketenderei, das Gewerbe, aud das Zelt des 
Marketenders; marketendern, ziellof. Zw., Marketenderei treiben, 
Markfrieden ‚ :9enofs, =gewähr, Markgraf. — Marklofung, 
ſ. unter Mark 2. — Markhaut, =holz, markicht, markig, Markkraut, 
⸗knochen, -kuchen, f. unter Mark 1, 
Markolf, m., -d, M. -e, landſch. f. Holzhaͤher. 
Markordnung, - pfahl, recht, =fcheide, »ftein, -ſtuͤck, f. unter 
Mar, — Mar halme, zrispel, Markslioß ⸗knochen ꝛtc., ſ. unter Mark t, 


126 Markt — marlen 


Markt, m., -ed, M. Märkte, (altd. marchat, markat, niederb. das 
Marked; engl, marker, dän. marked; franz. marché, v. d. lat, mercatus, 
mercari), eine des Dandeld wegen Statt findende öffentliche zahlreiche 
Zufammenfunft von Berfäufern u. Käufern, u. die dazu feſtgeſetzte Zeit, 
ſinnv. Mefie, (heute ift Markt; Wochen-, Jahr-, Vieh-, Pferhe:, Holz: 
markt 20,5 etwas zu Markte bringen, auch uneig. f. vorbringen, mittheilen; 
feine Haut zu Markte tragen, d. i. etwas auf eigene Gefahr unternehmen; 
uneig, der Markt des Lebens, d. i. ber Verkehr und das lebhafte Treiben der 
WMenſchen) 3 uneig. auch f. Verkauf, Berfauföpreid (einem den Markt ver- 
derben), u. f. Einfauf, das Eingekaufte (feinen Markt nach Haufe bringen); 
ferner der freie Platz, auf welchem eine folhe Handeld » Zufammenkunft 
gehalten wird, Marktplatz (am Markte wohnen; der Heu⸗, Roſs-, Sifd- 
markt 2c.); auch ein kleiner Ort, welcher das Recht hat, jährlich ein- oder 
mehre Male Markt zu Halten, |. v, w, Marktflecken; — 3fes. dad Marft- 
amt, Behörde, welche die Marktpreife beſtimmt und Marktſtreitigkeiten ent 
fcheidetz die dazu angeftellten Perſonen heißen: Marftherren; die Markt- 
fahne, der Marktwifch, dad Marktſchild oder =zeichen, landſch. ein auf 
Märkten ausgeſtecktes Zeichen, nach defien Wegnahme erft die Auflaufer Er- 
faubnifs zum Einkaufen haben; der Marftfleden, f. 0, unter Markt; die 
Marktfreiheit, =gereditigfeit, dad Marktrecht, die Sreigeit oder das 
Recht eines Ortes, einen Markt zu halten; der Marktgang, landſch. f. 
Marktpreis; auch der marfigängige Preis; das Marktgeleit, obrigkeitl. 
Geleit für diejenigen, welche einen Jahrmarkt beziehen 5 das Marktgut, Markt- 
‚ güter, Waaren, welche zum Verkauf auf einen-Markt gebracht werden; Der 
Maritheifer, Gehätfe der Kauflente zum Paden u. Fortſchaffen der Marfte 
güterz die Marktleute, Peute, welche zu Markte tommen, als Käufer oder 
Verkäufer; der Marftmeifter, wer bie Aufficht über die Gute und ben Preis 
der zu Markte gebragjten Lebensmittel Hat, der Marktvogt; der Marktplatz, 
5, oben unter Markt; der Marktpreis, der Preis, um welden eine Waare 
auf dem Markte verkauft wird; der Marktfcheffel, ein obrigkeitlich beſtimm⸗ 
ter und geeichter Scheffel ald Gemäß auf den Märkten; das Marktſchiff, 
ein Schiff, welches zu beflimmten Zeiten zum Behuf der Wocenmärkte von’ 
einem Orte zum andern führe; der Marktichreier, wer ſeine Geſchicklichkeit 
in der. Heilfunft, im Zahnausreißen u, dgl, auf Jahrmärkten öffentlich aus— 
ſchreiet uneig. überh. wer feine vorgeblihe Geſchicklichkeit und Vorzüge kauf u. 
unbeſcheiden anpreift (fr, Charlatan); daher: die Marktfchreierbude, flimme; 
die Marktſchreierei; marktfchreierifch, Bw.;5 der Marktftand, der Stand 
oder die Stelle eines Verkäufers auf dem Markte; der Marfttag, ein Tag, 
am weichen Markt, bef. Wochenmarkt, gehalten wird; der Marktzoll, Zoll 
von den Marktwaaren; — Ubleit, marften, ziellof, 3m. mit haben, 
(landſch. aud marken), auf dem Marfte Handel treibenz handeln, din— 
gen, feilſchen; auf den Markte Geld löfen, einnehmen. 

Markung, w., f. marken unter Mark 2, — markvol, Markweide, 
=zahn, =zieher, f. Mark 1.5 Markwage, =währung, »zahl, ſ. Marl 2. 

marlen, ziel. Sw,, (vielleicht von dem alten merran, holl, marren, hin: 
dern, hemmen), nieberd. Schiff. mit einer Lien befeftigen; die Marlien od. 
Marling, M.- en, eine dünne, -getheerte Lienz; dad Marlreep od, =fau, 
ein dünnes Zau zum Lufholen der Mitte des Segels; der Marlfihlag, Befe- 
ftigung der Lien um ein Zau oder Holz. | ’ 


Marmor — Marſch 1427 


Marmor, m., -d, o. M., landſch. gem. auch Marmer, Marmel (altd. 
marmul), Marbel (engl, marble), Marmelſtein (vom lat, marmor; griech. 
 naguegog v.nagwelgw, glänzen, ſchimmern), ein feiner harter Kalkſtein von 
verfchiedenen Farben, bisw, als Sinnbild der Härte (ein Herz von Marmor), 
ober des Glanzes und der Glätte (Marmorbruſt u. dgl.)3 — Bes. die Mars 
morarbeit; die Marmorader, |. Aders marmorartig, Bw. ; das Mar- 
morbild; der Marmorblock; der Marmorbruch od, die Marmorgrube; 
die Marmorli lie, eine ausländifdje lilienͤhnliche Blume mit weißlichen Adern; 
die Marmormühle, eine Mühle, auf welder der Marmor in Platten ges 
‚ Schnitten, gefchliffen und geglänzt wird; Die Marmorplatte; die Marmor- 

fänles der -Marmorfchleifer; die Marmorfchleiferei;z der Marmor— 
ſchwamm, eine Art Blätterſchwamm z — Ableit, marmorn, Bw. (altd. 
REN aus Marmor verfertigt, von Marnıor (ein marmorner Zifch 2c,)5 
marmoriren, verdeutſcht: marmeln, ziel. Zw., dem Marmor ähnlich ma= 
chen, mit Kleden, Streifen, Adern zc, nad) Art des Marmors verfehen (z. B. 
eine Gipswand, Papier u. dgl.); daher: der Marmorirer. * 

Marner, m., -$, En w. E. (engl, mariner) vit, f. Schiffer, Sets 
mann, 

Mars, ſa u. m., En M,-. (dän. und holl. mars) niederd. Schiff. ein 
auf den Malen befeftigted Bretkergeruͤſt, welches den Matrofen zum Stand» 
plag bei verschiedenen Arbeiten und zum Beobadjtungsplag dient, gew. der 
Maſtkorb (das große, das Befane, Fockmars)z daher der Marsgaft, Ma: 
troſe, der feinen Platz it, feine Arbeit auf dem Mars hat; die Marslaterne, 
Laterne am großen Mars des Anfügrerfchiffes eines Gefhwabers; die Mars— 
putting, f. Puttings die Marsrah, Segelftange am Marsfegel; der Mars— 
rand, der biete eichene Rand, welder das Mars umgiebt; die Marsrege- 
ling, das Geländer an der Hinterfeite dev Marfe auf Kriegsfhiffen; dad 
Marsfegel, das zweite, über dem Mars befindliche Segel des großen Maftes; 
die Marswand, die an dem Mars befeftigte Wand. 

Mari 1., m., —es, M. Märfche, (aus dem franz. marche), der Zug 
und bef, der regelmäßige, abgemeffene Gang eines Kriegäheeres, od, eines 
Soldatentrupps, Kriegs- oder Heereszug; bef. der Abzug, Abmarfch 
Gefehl vn —— erhalten); uneig. auch die Reiſe einzelner Fußgänger; 
ferner der Weg, welchen ein ziehended Heer zuruͤcklegt, im engerer Bed. 
die Tagereiſe; auch ein Tonſtuͤck zus Begleitung des Marſches der Soldaten, 
wie aud) feierlicher Aufzüge (Feſt-, Krönungsmarſch u. dgl); marfch! das 
Befehlswort an die Soldaten, wenn fie ſich ſchrittweiſe in Bewegung ſetzen 
follen: vorwärts, fort! marſchfertig, Bw., bereit zum Marſch, d, i, zum 
Abmarſch; wie Marfchordnung 26.5 marfchiren, zielloſ. Zw., fchritt- 
weife, regelmäßig und gemeffen gehen, ziehen, reifen als Soldat oder nad) 
Art der Soldaten; uneig. überh, f. zu Fuße gehen, reifen (mit fein, wenn 
das Biel bemerkt ift, z. B. das Heer iſt nach Polen marſchirt; mit haben, 
wenn die Urt der Bewegung und die Zeit angedeutet wird, z. B. wir haben ben 
ganzen Zag marſchirt)z inäbef, f. aufbrechen, jich aufmachen, gem, f. fort= 

gehen (m, fein), 

Marſch 2. w., M. - en, (gem, auch Maſch; angelf, mersc, engl. Hide; 
"franz. marais; verw. mit Meer, Moor, Moraft), niederd, ein niedriger, 
fetter, geh Landſtrich, meift am Meere oder an großen Flüffen, auch: 


c 


128 Marſchall — Martin 


dad Marfchland, entg, Geeft; daher der Marſchbauer, Marſchlaͤnder, 
Bewohner eines Marſchlandes; die Marſchkrankheit, eine in Marſchländern 
herrſchende gefährliche Krankheit, Erntefeuche, Stoppelfieber. 

Marschall, m., -ed, M. Marfchälle, (altd. marah -scalh, mar-scalec, ° 
Marſchalk, von marah, mar, Pferd (vergl, Mähre) und scale, Schalt, 
Knecht; mittl, lat, marescalcus; franz. mar&chal), ehem, ein Stallbedien= 
ter, Stallmeiſterz dann der Oberaufſeher uͤber den Kriegs- und Hofſtaat 
eines Fürftenz ſpäter Titel verſchiedener hohen Ämter, als; Reichs = Erz- 
marſchall, welcher auf Reichstagen für die Beobachtung der Ordnung forgt; 
Feldmarſchall (1, d,)5 Hofmarfchall, der Auffeher über die innere Haushal— 
tung des Hofes und die Hofbedienten; Land= oder Reichsmarſchall, der Vor: 
nehmfte unter den Land = oder Reichsſtänden, welcher die Außere Ordnung auf 
Land: u. Reichstagen aufrecht erhält 26,5 in weiterer Bed, überh, die gemähle 
ten Auffeher und Anführer bei öffentlichen Feierlichkeiten, bef. feſtlichen 
Aufzügen; dad Marfchallamt, Amt eines Marſchalls; aud) eine Behörde, 
welcher ein Marſchall vorgefegt ift (3. B, das Hofmarfhall: Amt); der Mar— 
ſchallſtab, ein Stab als Ehrenzeichen dev Marſchallswürde; die Marfchallse 
tafel, eine Nebentafel an Höfen, an welcher nicht: tafelfähige Perfonen von 
dem Hofmarfchall bewirthet werden; — der Marftall, —es, M. »ſtaͤlle, 
(von gleicher Abftammung mit Marfhall), ein Pferdeitall, jedoch nur gebr, 
von den Ställen für die zahlreichen Pferde fürftlicher Perfonen oder anfehnlicher 
Gemeinheiten; der Marftalherr, auch Marftaller, -8, af der Vor: 
gefegte eines Marftalls, 

Marker, w., M.-n (altd, martyra, martra; dv, dem Pe naorügıov, 
lat, martyrium, Zeugnifs), ein fehr hoher Grad Förperlicher u, uneig. auch 
geiftiger Schmerzen, finne. Qual, Beinz urfpr. v. den Qualen der Glau- 
benöhelden, welche die Sriftliche Religion mit ihrem Blute bezeugten (Märtyrer); 
in engerer Bed, auch f. Folter; martern, ziel, Zw. (altd, marteron, mar- 
tolon, niederd, marteln), einen —, ihm Marter anthun od, verurfachen, 
finno, quälen, peinigenz in engerer Bed, f, foltern, auf die Folter ſpan— 
nen; uneig. in hohem Grade befchweren, beläftigen, beunruhigen 26, (er 
martert mid) mit feinen Sweifeln, Vorwürfen u, dgl); der Marterer, -$, 
wer einen Undern martertz der Märterer, - 8, die Märtrerinn, M. -en, 
(gew. fr, Märtyrer, altd. martyr, martilari, martirer; niederd, Marte- 
ler; v. dem griech, uuorvo, Zeuge), wer um ded Glaubens willen unfchuldig 
gemartert wird, ein Glaubenszeuge, Blutzeuge, Glaubensheld; üserh, 
wer für eine gute Sache 55 leidet (ein Märterer der Wahrheit); der 
Maͤrterertod; das Maͤrterthum (Märtyrtfum), der Zuſtand, das Lei— 
den eines Marterers; — Zfetz. von martern u, Marter: Die Marterbant, 
Folterbankz «der Marterdorn, die Haferrofe; das Martergeräth; die 
Martergefchichtez das Marterholz, Marterbank, Kreuz 2.5 landſch. das 
Holz des Heckenkirſchbaums; die Marterfammer, Folterkammer; der Mar— 
tertod, Tod unter Martern; qualvollee Tod; martervoll, Bw., qualvoll; 
die Marterwoche, die Marterzeit, die Woche od. Zeit, in welcher Chriftus 
gemartert wurde; bie Woche vor Oftern (Charwoche), in weldyer das Andenken 
an diefe Begebenheit gefeiert wird (fr, Pafjionswoche, = zeit), # 

Martin, nu, -8, M. -e (mittl, lat. Martinus, v. Mars?), ein mann 
Vornamen, gem, verderbt: Märten, Martel, Mirtel 2,; der Martins- 


Märtler — Maſchine 129 


abend, der Abend vor dem Martinstag (Martini), welcher in ber röm. 
Kirche zu Ehren des heil, Martin (F402) am 11, Rov, gefeiert wird; die 
Martinsgans, landſch. eine Binsgans, welche am Martinstage dem Grund: 
heren gegeben werden muſs; aud) eine gebratene Gans, die man am Martins: 
abend zu verzehren pflegt; dad Martinshorn, landſch. ein Buttergebadenes 
in Geftalt eines Horns, das am Martinstag gebaden wird; dad Martinskorn, 
landſch. f. Mutterkorn; der Martinsſchoſs, Iandic, eine am Martinstag 
zu enteihtende Abgabe, 

Märtler, m., —8, M. w. E., bei Köhlenbrenneen: abgelöfchte Koh— 
lenbraͤnde aus einem ausgebvannt en Kohlenmeiler, 

martfchen oder märtfchen, auch marfchen, ziel, Zw. (vergl, morſch), 
oberd. f, quetfchen, zu Brei machen. 

Marunfe, w., M. -n (wahrſch. verderbt aus malus Armeniaca ; ; böhm. 

‚merunky), landſch. eine Art kleiner, gelber Aprikofen (Marelle) 5 eine Urt 
großer runder, gelber oder rother Pflaumen (auch Maronte, Malonke). 

März, b, als Merz, m., — es (oberb. - en), m. - € (oberd. -en) (von 
dem lat, Martius), der Dritte Monat des Sahres, Lenz-, Fruͤhlingsmo— 
nat; der Maͤrzbecher, eine Art im März blühender becherförmiger Narziffen 3 
das Märzbier, ftartes, i im März gebrautes und erft im Sommer ausgeſchenk- 
teö Lagerbier; die Märzblume, verfchiedene im März blühende Blumen, insbeſ. 
die Narziſſe; das Schneeglöckchen; der Huflattich 26,5 die Märzente, gemeine 
wilde Ente; die Märzfliege, Eintagsfliege; die Märzgerfte, zweizeilige 
Futtergerſte z der Noarbect im März laichender Hecht; der Maͤrzſchein, 
Neumond im März; der Märzichnee „⸗2thau x; dad Märzveilchen oder 
die Maärzviole , das gemeine, im März blühende Veilchen; die Märzwurz 
od, = wurzel, ein Pflanzengefchledt (geum L.) mit einer zu Anfang des Früh— 
lings gewürzhaft viehenden, als Arzneimittel gebrauchten Wurzel, aud) Nel- 
kenwurzel. 

Maͤſch, m. ,-ed, (verw. mit dem lat, mas, ital. maschio), ſchweiz. 
famentragender Hanf, entg. dem Simmel, 

Maſche, m, M.-n, Verkl. das Maͤſchchen, (altd, masca; niederd, 
u, dün. maske; oberd, Mäſchen; engl, maslı, mesh), überh, eine Schlinge, 
ein Ring, fofern er mit andern verbunden oder verſchlungen iftz daher ehem, 
das Glied einer Kette, ein Panzerring 20.5 landſch. f, die Schlingen der Vogel: 
fteller, Dohnen 5 gew, in engerer Bed, die mittelft der Stricknadeln gemach— 
tenSchlingen eines Strickwerkes, 3. B, eines Netzes, eines Strumpfes 2c,; 
uneig. ein aus Mafchen beſtehendes, geltricktes Werk, insbef, die Außen: 
wand an den Fifihergarnen: Ledermafchez in der Lauſitz ein Eleiner von Baft 
geflochtener Sad: Maſchel; landſch. auch f. Bandfchleife, Druafte, bei. 
am Hute (fr: Eocarde); maſchig, Bw., aus Mafchen beftehendz; be. in 
Bfeg. wie eng=, weit=, großmaſchig 2c. 

Mafchine, w., M.-n (aus dem franz. machine; v, d, lat, machina, 
griech, ungern, urſpr. wahrfd;, verw, mit machen), ein Fünfklich eingerich- 
tetes Werkzeug „welches, entg. dem einfachen Handwerkszeuge, die Hauptar: 
beit felbft verrichtet, Kunſtwerkzeug „Kunſtgetriebe oder = geruftz; maſchi— 
nenmäßig ‚ Bro, nad) Art einer Mafchine, ohne freien Willen und vernünf: 

nr Einfihtz; der Maſchinenmeiſter, Auffeher über das Maſchinenweſen, 
beſ. bei der Schaubühne, beim Bergw. ꝛc. 


Seyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil, 9 


130 Mafe — Ma 


Mafe, w., M.-n, Berlt, dad Mäslein, (altd, masa), oberd, f. 
Maal, Narbe, Bläschen od. Blatter (z. B. Blattermafe)z; überh. Flecken z 
auch die Maſel; daher die Mafel= oder gew. Mifelfucht (altd. misilsuht, 
mittl, lat, meselaria; ſchwed. massel, Kräge), alt und oberd. f. Ausſatz; 
mafel= oder miſelſuͤchtig, Bw, f. ausſützig z landſch. auch f. grämlich, un: 
muthig; maſenbloß, Bw., ohne Maſen; die Mas-erle, eine Art des 
Ahorns, welche gew. als Hedenftaude wähft, mit ſchön geflecktem (gemafer: 
tem) Holje, au der Masholder, — s6 (altd,. mazaltra), die Masliebe 
(verſch. von Maßliebe), Eleiner deutfcher Ahorn, Weiß:, Milchbaum ꝛc. genanntz 
maſig, Bw., oberd. f. narbig, fleckig, blatterig; — die Maſer, M.-n, 
überh, 0. w. Maſe; insbeſ. wolkichte, geaͤderte Flecken im Holz (engl. 
measels)z fehlerhafte Flecken auf der Haut, Muttermaͤler ꝛc.; beſ. die 
Mafern, eine mit Eleinen rothen Hautflecfen verbundene Kinderfrankfheit, 
auch Mafeln, Fleden, Röthein (niederd, Kitteln), oberd, Urſchlechten oder 
Urfchlichten genanntz der Mafer, -8, M. w. E. (altd, masar, ſchwed, ma- 
sur), ein Auswuchs od, Knorren an Bäumen; Holz mit Mafern, flam— 
migen Flecken oder Adern, Maferholz (vergl. Flader); inäbef, der Ahorn, 
die Maserle (f. 0,)5 auch die maferige Befchaffenheit des Holzed; die Ma- 
ferbirke, eine Birke mit vielen Mafernz dad Maferholz, maferiges Holz 5 
mafericht, Bw., maſeraͤhnlich; maferig, Mafer oder Mafern (Maferflede) 
habend; maſern, ziel. Zw., mit Mafern, d. i, Enorrigen Auswüchfen, oder 
Maſerflecken, verfehen (die Birke mafert-fid 5 ſchön gemafertes Holz). 

Maske, m, Mi -n, (aus dem franz, masque; mittl. lat, mascha, mas- 
cara), ſ. v. w. Parve 1. (ſ. d.)5 in weiterer Bed, nicht bloß die eine Perſon 
unfenntlich machende Bedeckung des Gefichtd, fondern auch die dazu ge— 
hörende Bekleidung des Leibes; uneig. die mit einer Maske befleidete Per— 
fon ſelbſt; auch f. Verftellung, erheuchelter Schein (ed war nur Mastez 
unter der Maske der Freundſchaft 2c.); der Masfenball, «tanz, das Mas 
Eenfeft (fr. Maskerade); maskiren, ziel. u. rückz. Zw., mit einer Masfe 
verfehen, beffeiden, finno, vermummenz uneig. f. verhüllen, verftellen, 
verdecken. 

Masfopei, w., M, -e, (ſchwed. matskopi, holl, maatschappye; dem 
Stamme nad = Maatſchaft, f. 8), riederd, eine zu einem Endzweck 
verbundene Sefellichaft, bei. Handelsgeſellſchaft, Handelsverein. 

Maß 1. f., -e8, Mi -e, (got, mars, altd, maz; angelf, mete, engl, 
meat, fihtved, matz franz. mets; vergl. Mus und Maft), alt u, noch oberd. 
f. Speiſe, Gericht; daher dad Maßleid, vlt. f. Ekel, Überdruſsz maß— 
leidig, Bw, f. Ekel empfindend, ſatt, überdrüſſig; die Maßleidigkeit. 

Maß 2., ehem, gew. Maaß geſchr., ſ., -ed, M. -e, Verkl. das 
Maͤß hen, (alt, maz, mez; niederd, Mat; vergl. d. lat, meta, modus, 
modius; f, auch meffen), urfpr, die Grenze, das Ziel einer Ausdehnung 
(einem Biel und Maß fegen); gew. 1) überh, die begrenzte Größe od, koͤr— 
perliche Ausdehnung eined Dinges, bef. fofern fie nach dem Berhältnifs 
einer befannten Größe beſtimmt (gemeffen) wird (das Maß eines Körpers 
ſuchen, berechnen, angeben 26,5 einem das Maß zu einem Kleide u, dgl, neh: 
men) 3 auch von der Ausdehnung der Zeit, der verhältnifsmäßig beftimmten 
Zeitdauer (Zeitmaß, Silben:, Versmaß); uneig, von dem nach einem gemiffen 
Verhältnijs beitinnmten Grade der innern Stärfe, (das rechte Maß treffen, 


Maß 131 


überfchreiten; in allen Dingen Maß halten; bas überfieigt das Maß meiner 
. Kräfte; in vollem, in hohem Mafe, ſ. v. w. Grade), bisw. f. Berhältnifs 
(einen nad dem Mafe feiner Verbienfte belohnen; mein Dank fteigt in dem 
Maße, wie feine Wohlthaten fich vermehren) 5; 2) die befannte, genau be= 
ftimmte Größe, nad) welcher die Ausdehnung eines Dinged beſtimmt od. 
gemeſſen wird (Ruthe, Elle, Fuß, Zoll, Acker, Morgen, Scheffel, Metze ꝛc. 
ſind Maße verſchiedener Artz Tag, Stunde, Jahr ſind Zeitmaße; richtiges 
Maß und Gewicht führen; ein falſches Maß haben; bibl, uneig. mit dem Maße, 
womit ihr meſſet, ſoll euch gemeſſen werden); die beſondere Art des Maßes 
wird durch näher beſtimmende Zufäge ausgedrückt, als: Längen-, Flächen-, 
Körpermaß, Zeitmaß, Wein-, Bier-, Kornmaß; Berliner, Dresdner, Rhein: 
ländiſches Maß 2,35 3) in engſter Bed. Benennung eines beſtimmten Koͤr— 
permaßes (oberd, gew, die Maß), aud) nerkt. dad Maͤßchen oder Mäf- 
lein, gem. Mäßel, in verfchiedenen Gegenden von verfchiedenem Umfang; 
insbef, zu trockenen Dingen, vorzüglich Getreide, gew, 4 Mese haltendz 
ferner zu flüffigen Dingen, wo es das gemeinfte Kleinere Map ift, meift fo 
viel wie ein Quart oder eine Kanne (ein Ma$ Bier, Wein, Milch); landſch. 
auch ein beſtimmtes Maß fuͤr Holz ‚= Klafter oder Malter; Hüttenw. ein 
Maß Roͤſtholz, ein Haufen oder eine Zahl von 9 bis 10 Scheiten 3 — in dieſer 
3ten Bed, bleibt Ma nad einem Zahlw. in der Mehrh. unverändert (z. B. drei 
Map Weizenz vier Mag Mitch 2c.); — die Maße, IN. -ın (altd, maza, maze; 
oberd, die Maß), alt u, oberd, ſ. v. w. das Maß in allen Bed, u, gewöhnlicher als 
dieſes im Hochd. vlt. außer in der.Bed, das richtige Verhältnifd, das rechte 
Maß, der Grad, die Art und Weiſe, und zwar nur in den abhängigen 
Berhältnifsfällen, wo ed nad) alter Biegungsweife gew. Maßen lautet, z.B, 
über die Maße oder Maßen (oberd, auch: aus der Maßen), ſ. v. w. über: 
mäßig; in der Maße, wie ꝛc., d. i. in dem Grade, oder auf die Weife, fo 
auch das zgef. dermaßen (f. d.), und die abfoluten Genitive: einiger Maßen, 
gewiffer Maßen, gew, zgef. einigermaßen, gewiffermaßen, d. i. in einigem 
Grabe, auf gewiſſe Artz fo aud) folgendermaßen, folder Maßen oder fol= 
chermaßen; befannter, befohlener, verlangter, verabredeter Maßen, di, 
dem Befehle, der Verabredung ꝛc. gemäß; Landfch, bezeichnet die Maße aud) 
ein Flaͤchenmaß, z. B. für Wiefen und Aderlandz; Forftw, eine abaemeffene 
Fläche Buſchholzz; Bergw, eine vermeffene Fläche von beftimmter (in verfchie- 
denen Gegenden verjchiedener) Größe, weldje zu einer Fundgrube gehört; — 
3fes. von Maß: die Maßgabe, die Angabe oder Beftimmung des Maßes, 
der Größe, der Art und Weife; das Verhältnifs (nad) Maßgabe der Umſtände)3 
die Maßgebung, die Vorſchreibung des Maßes oder der Urt und Weife (ohne 
Mabgebung, gew, unmaßgeblich) 5 auch ſ. v. w. Maßgabe, Verhältniſs; der 
Maßhecht, Fiſch. ein einjägriger Hecht, der etwa eine halbe Elle Lang iftz 
die Maßkanne, der Maßkrug, =topf, das Maßglas, eine Kanne, ein 
Krug 26, der ein Maß fafitz die Maßlade, Schuhm, ein Werkzeug in Geftalt 
„einer Lade zum Meffen der Fußlängez die Maßliebe, verfchiedene Pflanzen, 
namentlich: die Gänſe- oder Marienblume, Zeitlofe; das Tauſendſchön; eine 
Art Wucher- oder Goldblume: große Mafliebe, Sohannisblumez die Dotter- 
blumez die Kugelblume, ein Staudengewähs im ſüdl. Europaz vergl, auch 
Masliebe unter Maſez maßlos, Bw,, ohne Maß, ein Maß haltend, 
finnv, unermefslich z die Maßlofigkeit; die Maßnahme od, Maßnehmung, 


9* 


182 | Maſſe — Maft 


das Nehmen od. Beftimmenlaffen d. Maßes; auch f.v, m. Maßregel; derMaßofen, 
Huttenw, ein Schmelzofen, in welchem die Arbeit nad) gewiffen Feuerzeiten (alfo 
abgemeffen) verrichtet wird; die Maßregel, eine Regel oder Vorſchrift für die 
Art und Weife des Verhaltens; in der Mehrh. f, Handlungsweife, Verhalten, 
Berfahren (feine Mafregeln nehmen; andere Maßregeln ergreifen zc,) 3 der Maße 
ftab, ein mit einer gewiffen Eintheilung verfehener Stab von beftimmter Lünge 
zum Meffen, bei Handw, auch Maßſtock; uneig, f, Maß, Verhättnifs; — 
Ableit, maßen, Bdw., vlt, Kanzl, f. indem, weil (vergl, immaßen); ma⸗ 
Ben, ziel, Zw., vlt, f. meffen, Maß geben, mäßigen, urtheilen; nur in 
den Zſetz. anmaßen, muthmaßen; mäßig, Bw,, dad rechte Maß haltend, 
entg. übermäßig, unmäßig, finnv, enthaltfam (mäßig tanzen, genießen; ein 
mäßiger Menſch; eine mäßige Freude), bef, im Öenuffe der Nahrunge&mittel 
(mäßig leben, ein mäßiges Mahl); dad gemöhnliche Maß nicht überfchreitend, 
finnv, mittelmäßig (eine mäßige Größe, Wärme, Kältez eine mäßige Forde— 
zung, Strafe u. dgl); ein beftimmted Maß oder Gemäß enthaltend (ein 
mäßiger Krug, d, i, ber ein Maß fafftz fo auch in Zſetz, wie zwei-, viermäßig) 3 
dem Maße oder der Maßgabe eines Gegenftandes entfprechend, finnv, ge— 
maͤß, angemeffen, nur in 3fes, wie gefeg=, pflicht-, kunſt-, regelmäßig 2c,3 
die Mäßigkeit, das Mäßigfein, die mäßige Befchaffenheitz insbef. dad 
Maßhalten im Effen und Trinken; auch f. Mittelmäßigfeit (die Mäßigkeit 
der Kälte, des Preifes ꝛc.); die Gemaͤßheit in Zſetz. wie Geſetz-, Pflicht, 
Regelmaͤßigkeitz mäßigen, ziel. und rückz. Zw., eine Gade-, ihr dad 
rechte Maf oder Berhältnifs geben, darin Maß halten, fie einfchränfen, 
mildern (feine Freude od, Betrübnifs, feinen Zornz eine Rechnung, eine Strafe, 
gew. ermäßigen); gemäßigt als Bm. f. mäßig, die Mitte haltend (eine 
gemäßigte Wärme, Luft zc.)5 fich —, feine Begierden oder Leidenfchaften 
einfchränfen, beherrfchen, im Zaum halten (mäßige did) im Zorn, im Trin— 
ker u, dgl); die Mäßigung, das Mäßigen, Einſchraͤnken, Mildern; 
beſ. die Einfehränfung od. Beherrfehung der eigenen Begierden u, Leiden— 
ſchaften; der Maßner, —s, Bergw,, wer eine oder mehre Maßen ges 
muthet hat, z. U, v. Fundgrübner. 

Mafle, w., M. -n (aus dem lat, massa, franz, masse), jeder Körper 
oder Förperliche Stoff nach der Menge feiner zufaminenhangenden Theile be: _ 
trachtet (eine Stein-, Fleiſchmaſſez die Blut-, Luftmaffe 2); der Stoff, 
woraud etwas befteht (eine weiche, fefte, harte Maffe 2c,), bef. ein weicher 
Stoff, ein Teig, etwas daraus zu formen; Bildh, ein großer Hammer; 
uneig. cin aus gleishartigen Theilen oder Gegenftänden beftehendes Ganzes, ein 
Haufen, eine Summe (die Erbſchafts-, Vermögenemaffe u, dgl,; das Volk 
erhob ſich in Maſſe; Licht: u, Schattenmaffen in einem Gemälde); maflenhaft, 
Bw., eine große Maffe bildend, unbehuͤlflich, ſchwerfaͤllig; maffenweife, 
Nw., in ganzen Maffen, haufenweifes mafliv, Bw. (franz. massif) ſ. v. w. 
maſſenhaft; insbef. ganz aus Stein oder Mauerwerk beitehend (ein maffives 
Haus); von Metallen: dicht, voll, nicht hohl; aud) rein, ohne fremden 
Zuſatz. 

Maſt 1. m., —es, M.-e od, gew. -en, (altd., ſchwed., dän., engl. 
mast; angelf, maest; franz. mät), ein dicker, hoher Baumſtamm, mitten 
in der Breite eined Schiffed aufgerichtet zur Befeftigung der Gegelftangen, 
Segel und Taue, auf; der Maſtbaum; große Schiffe Haben deren drei: den 


u Derre T 
Maſt — Mataͤtſche 138 


großen od, Mittelmaft, Vorder: od, Hodmaf, Hinter: od, Be 


ſanmaſt; Zimmerl, aud) der fenüccht ftehende Baum, welder eine Thurn: 


fpige bilden Hilft; — 3fet. die Maftbanf, die vordere am Maft befindliche 
Bank auf einem Boote; der Maſtenkoker, f. Koker; der Maftkiimmer, 
je v. w. Marsgaft; der Maſtkorb, f. Mars; maftlos, Bw., des Maftes 


" beraubt, entmaftetz maftenreich, Bw., viele Maften, Schiffe enthaltend; 


die Maftenfpur, Schiffb., eine Zufammenfügung von ſtarken Höljern am 

Fuße eines Maſtes; der Mafltop, Sciffb., das obere Ende der Maften und 
Stengen; die Maflwange, Schiffb. „ ausgehöhlte lange Stücke Holz auf 
beiden Seiten des Maftbaums zu deſſen Befeftigung angebracht; das Maſt— 
werk, ſämmtliche Maften und Stengen eines Schiffes; — Ableit. maften, 
ziel, 3w,, mit einem Mafte verfehen, gew. nur: bemaſten; maflig, Bw, 
einen Maft oder Maften habend, bef. in Zſetz. zwei-, dreimaftig, 

Maft 2., w., o. M, (angelf, maest, engl, mast, dän, madsk; vergl, 
Map 1, Mus; d, goth, matjan, efienz griech, uuordio, naocozeı, kauen), 
urfpr, überh. Speife, Nahrung z jest nur 1) das Futter der Hauöthiere, 
womit fie fett gemacht werden, insbef. der Schweine, und zwar in engerer 
Bed, die Nahrung, welche fie in den Wäldern finden (Holzmaft, z. B. 
Eihel:, Buhmaftzc,; oder Erdmaft, ſ. d);3 Jäg. die Nahrung der wilden 
Schweine; 2) dad Fettmachen oder Mäften (Schweine in der Maft haben, 
in die Maft nehmen, treiben; Ochfen auf die Maſt fteken, d. i, in den Stall 
bringen und mäften); 3) auch die Urt und Weiſe und die Zeit ded Fettma— 
chend od. Maͤſtens; — maſt, vlt. Bw., gew, maflig, fett, dick, plump, 
ſchwer; maften, ziellof, Zw. m. Haben, ein Nahrungsmittel zum Fett— 
werden abgeben (Kartoffeln maften gut); auch fs fett werden; die Maſtung, 
ſ. ». w. die Malt, fettmachende Nahrung; ein Gehölz, welches viele 
Maſt enthält, Maſtholz; auch f. Maͤſtung; maͤſten, ziel. 3w, (altd, 

maston, angelſ. mestian, ſchwed. mätta), fett machen, in die Maſt neh— 
men; uneig. gem, einen oder ſich —, reichlich nähren, mit Eſſen u, Trinken 
pflegen; die Maͤſtung, das Maͤſten; — Zſetz. die Maſtader, eine Blut: 
aber, welde ſich in das Gefäß erſtreckt; daher die Maſtaderſtockung, der 
Maftaderflufs (fr. Hämorrhoiden); die Maftbuche, Rothbuche, die Mafts 
eiche, NRotheiche, ıfofern ihre Frucht den Schweinen zur Maft dientz der 
Maſtdarm (von maft, fettz daher auch Fett darm), ein weiter, dicker 
Darm im menſchl. und thier, Körper zur Wegſchaffung des Unraths, After: 
darm; die Maftfeder, Eurze, fette Federn über dem Steige der Gänſe, welche 
man ihnen auszurupfen pflegt, wenn man fie auf die Maft ftelltz der Mafls 
fled, landſch. eine durd) übermäßigen Dünger vorzüglich fette Stelle auf einem 
Ader; bie Maſtgans, das Maſthuhn, =Falb, die Maſtkuh, der Maft- 
05, das Maftichwein, der Maftvogel, das Maftvieh, Vieh, welches 
gemäftet wird; das Maftgeld, Geld für die Mäftung , insbef, was dem Ei: 
genthümer eines Waldes für die in demfelben zur Maſt getriebenen Schweine 
gezahlt wird, auch der Maftfchilling, das-Maftholz, Bäume, deren Früchte 
zur Maftung dienen; auch ein dazu benustes Gehölz, die Maftwaldung ; 
die Maftlinde, landſch. die gemeine, breitbrätterige Linde; das Maftrecht, 


das Recht, die Holzmaft in einem Walde zu benugenz der Maflwurm, Spul: 
wurm, der fih im Maſtdarm aufhält; die Maflzeit, Zeit der Viehmäftung, 


‚Matätiche, w., M.-n, in Schtefien eine Art Holzflöfe. 


134 Materie — matt 


Materie, w., M. -n (aus dem lat, materia), überh. Stoff, Grund— 
ftoff, Inhalt, Gegenſtand; gem, f. Eiter; materien, Zw. 1) ziellos gem. 
f. eitern; 2) ziel, Handw, dad Meiſterſtuͤck verfertigen, auch materiren 
(0, d, mittl. lat, materiare, zimmern, künſtlich arbeiten); daher der Mate— 
virer, - 8, Verfertiger ded Meiſterſtuͤckks; dee Materienmeifter, Snnungs: 
meifter, welcher der Verfertigung eines Meiſterſtücks beimohnen mufe, 

Matjeshäring, m., ſ. Maikenehering. 

Matkraut, fe, landſch. f. Geißbart, Geißwedel. 

Matratze, gem, Madratze, w., M. -n (von dem ital; materassa, 
mittl. lat, mataratium, mataricium; engl, mattress; franz. matelas ; verw, 
mit Matte 1.), ein mit Haaren ausgeſtopftes und durchnähtes Unterbett, 
Haarpfühl, Haarkiffenz daher matratzen , diel. 3w,, mit Haaren oder 
Wolle ausftopfen, 

Matrofe, m., -n, M,-n (van, matros, franz, matelor; verw, mit 
Moat, Maatſchaft, ſ. d.) ein Schiffädienite leiltender gemeiner Seemann, 
Bootsmann, Bootsknecht, niederd, auh Schiffsgaſt; Naturk, eine Art 
Warzenküfer, deffen Larve das Eichenholz durchbohrt; and) eine Kegeltute, 

matſch, Bw., 1) gem. f. zerquetfcht, zerdrücft, zerricben ; 2) uneig, 
entfräfter, völlig geſchlagen, in gewiffen Spielen den ſchimpflichen gänzlichen 
Verluſt bezeichnend (matjch werden, einen matſch machen; ital, marcio, eig, 
faul); daher der Matſch, -ed, Mi -e, gem. eine weiche, zu Brei ges 
drückte Maffe, 3 B. zerdrücktes Obſt; aud der von Näffe durchmweichte 
Erdboden; 2) das Matſchſein, der vollige Berluft im Spiel; matfchen, 
oberd, auch mätfchen, märtfchen, ziel, 3w,, 1) gem. zu Brei zerdrücken, 
quetfchenz 2) im Spiele: matjch machen (ital, marciare); matſchig, Bw, 
gem. f. breiig, zerquetfchtz naſs und Fothig (matfchiges Wetter), 

Matfchaft, w., f. Maatfchaft. 

matt, Bw., Comp, matter, Sup. matteft, (mittelhochd. mat, jedoch 
nur vom Schadfpiel, und uneig. f, überwunden, verloren, verdorben; aud) 
al3 Hw. der mat; engl, wate, ſchwed. matr, franz, mat; urfpr, wahrſch. 
todt, vergl, das lat, mactare, mittl, lat, matare, fpan, matar, tödten; 
auch megeln 2c,), uͤberwunden, befiegt, bef. im Schachſpiel (einen matt ma: 
hen); in weiterer Bed, Eraftlod, entkraͤftet, ſchwach aus befonderen, zus 
fälligen und zwar inneren Urſachen, als Krankheit, Hunger u, dgl,; dadurch 
verſch. von dem finnv, müde; uneig, nicht den gehörigen Grad der Lebhaf— 
tigfeit oder Stärke habend, ohne die gehörige Wirfung auf die Sinne 
oder den Geift, ſinnv. ſchwach, fchaal, fade (eine Matte Stimme; das 
Bier ſchmeckt matt; ein matter Gedanken, Scherz, eine matte Schreibart) 5 
inöbef. Feinen lebhaften Eindruck auf das Auge machend, wenig Licht oder 
Glanz habend (ein matter Schein, matte Augen, Farben 2.5 mattes 
Gold, das nicht geglänzt iſt; matt gefchliffenes Glas ꝛc.); — 3feg, matt 
blau, Bw., blafsblaus der Mattbunzen, Goldarb, ein Bunzen (f. d.) zur 
Bearbeitung folcher Stellen einer getriebenen Arbeit, welche matt erfcheinen 
follen; dad Mattgold, die Mattvergoldung; matigolden, Bw, |. 05 
mattwarm, Bw,, Tauwarmz — Ableit. die Mattheit, das Mattfein 
in allen Bed, von matt (dieMattheit der Farben, des Lichtes, eines Gebankens 2c,) 5 
die Mattigfeit, dad Mattſein, doch nur von Perſonen, finnv, Müdigkeit, 
Kraftlofigkeit, Schwäche, Entfröftung (die Mattigkeit des Kranken); matten, 


Matte — mauen 135 


3w., 1) ziellos f. matt fein, matt werden gew. ermatten; 2) ziel, im 
Schachſpiel, felten f. matt machen. 

Matte, w., M. -n, 1, (oberd, Matzen; ſchwed. matta, .angelf. meatta, 
engl, mat; lat, matta), eine grobe Decke von Stroh, Binfen, Baſt od, 
grober Wolle, als Fußdecke oder zum Einpaden u, dgl. dienend; daher der 
Mattenflechter 2.5 — 2, (niederd. Mäde, Mädland, angelf, maed, engl. 
meadow, von mähen), oberd,, beſ. ſchweiz. f. Wiefe; daher die Matten 
blume, landſch. f. Dotter- od, Butterblume; der Mattenflachs, f. Wollt: 
gras, Wiefenwolle; der Mattenferbel, eine Art Kälberkropf, wilde Engel: 
wurz; der Mattenfümmel, f. Wieſenkümmel; der Mattenmeier, vlt, 
ein Auffeher dev Wiefenz die Mattenfchrede, f. Heufchrede; die Matten 
weide, Kleine Feldangerweide; der Mattkern, landſch. f. Sand: cd, Strand: 
Käufer, Heiner Brachvogel (weil er fi) gern auf Wiefen aufhält); — Mattes. 
(verw. mit Mafje, Materie), überh, dichter Stoff, Körper; insbef, landſch. 
die geroninene oder gefäfete Milch (Räfematten als Mehrh. o. E.; holl. 
matte); daher mattig, Bw., landſch., eine verdickte Maffe bildend, ges 
vonnen (mattige Milch); fpanifche Matte, eine ehemalige vierecfige 
fpanifche Silbermüngze, etwa 1 Thlr. 3 gr, an Werth; — Matte 4., 
landſch. f. eine Vertiefung, 3. B. eine fehlerhafte Beule an einem metallenen 
Geſchirr; — 5, landic, f. Made, Motte; 6, f. Metze, Mahlmeke; 
daher die Mattenfreiheit, Befreiung von der Verbindlichkeit, ſich die Mahl: 
metze abziehen zu laffen, 

Mattier od, Matthier, m., -3, M. w. E,, eine Eltine braunſchweig. 
Silbermünze, 4 Pfennige geltend (worauf ehem, das Bild des heil, Matthias 
geprägt geweſen — ſoll). 

Matz, m., 1. Sens, Verkl. Maͤtzchen, niedr., der verſtümmelte 
männl, EN, Matthäus oder Matthias; auch Namen fir Vogel, z. B. 
Stahre (Stahrmas), 

Mab, m., 2. -es, M. Mate oder Maͤtze, (von dem vorftehenden EN, 
entlehntz n. X, verw. mit dem ital, matto, engl. mad, närriſch, thöricht), 
gem, , von beiden Geſchlechtern: ein einfaltiger, dummer Menſch; landſch. 
aud) ein unfauberer, fhmußiger Menfchz bei; als Grundwort in Zſetz. wie: 
Plauder:, Spiel-, Saumag 26; die Mabtafche, gem., ein weibifcher, fei- 
ger Menfch ; — 3, (wahrſch. von matt) Bergw. eine taube Erd= od. Stein- 
art; — 4, (ſ. v. w. Matte 3,) landſch., geronnene faure Milch, welche man 
auf Brod geftrichen iſſt, Streichkaͤſe, Kaͤſebutter. 

Mat, w., M.Sen, gem, oberd, 1, f nackte Schnee; 2. Enorriger 
Holzblock, Klotz (ital. mazza, Keule); 3. Hiindinn, Metze (aud) Mi). 

Make, w., M. -n, oberd. der Matzen, (hebr. mazzoth), ungeſaͤuer⸗ 
tes Brod oder "Dfterfuchen der Juden; — landſch. auch ein Eugelfürmiger 
Ballen, ein Knäul Seide; daher die Masenfeide ‚ Seide in Heinen Ballen, 

Mauchel, w., M.-n, landſch. fe Stachelbeere. 

mauchen oder maucheln, ziellof. Bio. (gem. auch mucheln, maufeln 2c. 5 
eltd, muhhan, fiehlen, rauben; vergl, Meuchel, munkeln), landſch. f. heim— 
lich thun, verbergen, verhehlen, fehleichen , heimlich nafchen, betrügen. 

Maue, w., M. -n (heil, mouw) niederd, f. Arme. 

manen od, miauen, zielloſ. Zw. (gem. auch mauzen, miauzen, maunzen2c. 5 
, engl, mew, franz, miauler), ein Schallwort, dad Gefchrei der Katzen nachahmend. 





136 Mauer — Maufe 


Mauer, w., M.-n, Verkl. das Mäauerchen, (altd. mura, mure, 
nieberd, Müre; ſchwed. mur, dän, muur ; franz. mur vom lat, murus), eine 
von Steinen aufgeführte Wand (eine Mauer auffügren, um einen Ort 
ziehen; feft wie eine Mauer); in weiterer Bed, überh, ein Mauerwerk, Ge— 

" mäuer (Feuer:, Vormauer ꝛc.); — 3fes. dad Mauerband, der Sims an der 
Außenfeite einer Hausmauerz der fteinerne Rand an der Futtermauer einer 
Seftung; die Mauerblume, gelbe Levfoje, Lack; der Mauerbrecher, in 

‚ der alten Kriegsfunft ein Werkzeug zum Durchbrechen der Mauern, beftehend 
in einem mit Eifen befchlagenen Balken, der Sturmbock; der Mauer⸗Eppich 
an Mauern hinaufrankender gemeiner Eppich oder Epheuz der Mauerfalk, 
ein rothbrauner, in altem Gemäuer lebender Falk, Thurm-, Kirchenfalk ⁊c.; 
mauerfeſt, Bw, feſt wie eine Mauer; mit Mauerwerk befeſtigt; die Mauer— 
flechte, verfchiedene an alten Mauern wachfende Flechtenarten, bej. die gelbe, 
und weiße Mauerflehte; der Mauerfraß, das Verwittern und Mürbewerden 
der Mauern; das Mauergrün, der Epheu; dad Mauerkraut, verſchiedene 
an und auf alten Mauern wachfende Pflanzen, inebef. das Glaskraut, und der 
Attichz die Mauerfrone, bei den alten Römern eine Krone mit Zinken in 
Geftalt. der Mauer-Zinnen ald Kopfſchmuck ſtadtbeſchützender Gottheiten, und 
ald Ehrenzeichen für den, welder zuerft die feindliche Stadtmauer erftieg; der 
Mauerlattich, Mauerhafenlattih, Mauerfalat, an Mauern wachfender 
Haſenlattich; die Mauerlüde, Brefge; der Mauermantel, Feſtungsb. ſ. 
v. w. Futtermauer; die Mauernachtigall, landſch. f. Blaukehlchen; bie 
Mauernelfe, eine Art des Gipskrautes; der Mauerpfau, verderbt aus: 
Mauer Epheuz der Mauerpfeffer, eine Art der Hauswurz od, des Haus- 
Taubes, auf Dächern wachſendz die Mauerraute, eine Art des Milzkrautes, 
welche zwifchen alten Mauern wächſt; das Mauerfalz, ein an alten Mauern 
anfchiegendes Mittelſalzz die Mauerfchwalbe, die an Gemäuer niftende 
ſchwarze Schwalbe mit weißer Kehle, Stein:, Thurm-, Kirchſchwalbe zc, 5 
der Mauerfinter, Sinter, welder entfteht, wenn das ins Mauerwerk ge 
drungene Waſſer den Kalk auflöftz der Mauerfpecht, eine Art Eeiner, an 
alten Mauern binauffletternder Spechte, auch Mauerklette, Mauerläufer etc.; 
— Ableit. mauern, ziel, u. ziellof, 3w., Steine mit einem Bindemittel 
zufammenfügen und auf diefe Art ein Werk aufführen oder bauen (einen 
Thurm, eine Wand 20,5 er mauert gut, ſchlecht 2c.)5 Zfe$. die Mauerbiene, 
eine Art wilder Bienen, welche fid) eine künſtliche Wohnung aus Lehm und 
Sand bauen; der Mauerhammer, ein Hammer zum Behauen der Ziegelfteine 
beim Mauern; die Mauerfelle, |. Kelle; der Mauerkalk, Kalk zum Mau: 
ern; der Mauerfand, grober Sand, welher mit dem Mauerkalk vermiſcht 
wirds; der Mauerftein, die Mauerziegel; dad Mauerwerk, jedes ge: 
mauerte Werk, Gemäuer; Ableit. v. mauern: der Maurer, -8, M. m. E. 
(3985. aus Mauerer), landfih. gem, Mäurer, ein Handwerker, welcher 

Mauerwerk macht; auch uneig. f. Freimaurer; daher der Maurermeifter, 
zgefel, das Maurerhandwerf, =gewerf ꝛc., gem, verfürzt: Mauer— 
mieilter, =gefell 20.5 die Maurerei, der Maurerorden, die Maurerhalle ic, 
f, Sreimaurerei zc. 

Maufe, w. 1. o. M. (dän. mauke; niederd. Mufe), eine Pferdekrank— 
heit, beſtehend in einer eiternden Geſchwulſt an den Feſſeln; auch eine Krank— 
heit des Weinſtocks; — 2. M. -n, landſch. gem, f. eine zu dick gerathene 


Maul ‚137 
‘ . 

Speife, dicke Suppe; — 3, (vevi. mit Mücke) oberd. Benennung verfchies 
dener Infecten, insbef. f. Blattlaus; Schnafe, Muͤcke z; Kornmade 15 
— 4, (von mauden, maudeln, oberb, maufeln), landſch. ein verborgener 
Ort, wo man etwas aufbewahrt (Dbft in die Maufe legen); ein heimlich 
bei Seite gelegter Vorrath (oberd. auch: der Maufen), beſ. von Obft 
(eine Mauke Apfel, aud überh. ein zum Mürbewerden hingelegter Haufen) ; 
doch auch erfparted und zuruͤckgelegtes Geld u. dgl. 

Maul 1., fe, -ed, M. Mäulerz Verkt. dad Maͤulchen, (alt. mul, 
fe, und mula, w.; nieberd. Mut, f., u. Mule, w.; dän. u. ſchwed. mule; 
isländ. muli und mauli, verw. mit maula, obesd. mauen, Eauen), 1) eig. 
die breite Öffnung an der Vorderfeite des thier. Kopfes, welche vornehmlich 
zum Aufnehmen der Nahrungsmittel dient, von allen Thieren, welche keinen 
Schnabel haben, (das Maul eines Pferdes, Ochſen, Schafes, Hundes ꝛc.)5 
befondere Arten des Maules werden durch eigene Benennungen unterjäieden, 
als: Schnauze, Rüffel 20.5 vom Menfchen gebraudht man Maul flatt des 
edleren Mund nur in der niedr. Volksſpr. od. in hartem, verächtlichem Sinne 
(ein großes, weites, breites Maul habenz das Maul verziehen 2c.), beſ. in 
vielen uneig. Redensarten des gemeinen Lebens, als: das Maul auffperren od. 
aufreißen, d. i. weit bffnen, bef. als Geberbe dummer Verwunderung; einem 
dad Maut flopfen, d. i, ihn zum Schweigen bringenz einem ums Maul gehen, 
d. i. ihm fchmeicdhelnz einem nach dem Maule reden, d. i. feinen Reben bei: 
ſtimmen; ein lofes, bbſes, unnüßes ı. Maul haben, d. i. dergleichen Reden 
führen; das Maut aufthun, d. i. frei heraus reden; Fein Blatt vors Maul 
nehmen, ſ. Blatt; ein großes Maul haben, d. i. viel reden, großſprechen; 
das Maul halten, d. i, ſchweigen; einem über das Maul fahren‘, d, i. mit 
Heftigkeit antworten; in der Leute Mäuler Eommen, d. i. zum Gegenftand ihres 
Geſpräches werden; einem etwas ind Maul kauen oder ſchmieren, d. i. es ihm 
bis jum Überdrufe umſtändlich vorfagen od. deutlich machen; das Maul hüngef, 
d. i. durch Schweigen feine Unzufriedenheit Aufern u. dgl. m.3 2) uneig. etwas 
einem Maul AÄhnliches, z. B. Pflanz. der häutige Rand um die öffnung der 
Büchſe; Tiſchl. die ffnung am Hobel, durch welche das Eiſen geht; vergl. 
auch Lwenmaul; ferner gem. f. eine Perſon hinſichtlich ihrer Faͤhigkeit zu 
eſſen G. B. zehn Mäuler täglich zu füttern haben; und Zſetz. wie Leckermaul, 
Milchmaul ꝛc.), oder ihrer Art und Weiſe zu ſprechen, in Zſetz. wie Läſter— 
maul, Lügenwmaul; oberd. auch f. Kuſs, bef. verkt. das Maͤ ulchen (lat. 
osculum)5; — 3fep. der Maulaffe (nerberbt aus Maulzoffenz ſchwäb. 
der Maulaufz alfo nicht von Affe), gem. wer mit offenem Munde gafft, ein 
— gedankenloſer, müßiger Menſchz ſprichw. gem. Maulaffen feil haben, 

» 1. gedankenlos und müßig gaffen, auch als untrb. zielloſ. Zw.: maulaffen; 
* Maulchriſt, ein Chriſt, mehr feinen Werten als feinen Handlungen nach, 
Scheinchriſt; maulfaul, Bw., faul im Sprechen, ungern ſprechendz der 
Maulfreund, wer bloß feinen Worten nah, nicht aber in ber That Freund 
it, Bangen=y Scheinfreund; die Maulfreundfchaftz maulfromm, Bw., 
nur dem mündlichen Borgeben nad) fromm; das Maulgatter, Schmied, ein 
eifernes Werkzeug, den Pferden das Maul damit aufzufperren ; der Maulheld, 
wer ſich ruhmt ein Held zu fein, ohne e3 durd) die That zu beweijen, Zungen: 
held, Großfprehers der Maulkorb, ein Flechtwerk, welches man beißigen 
Thieren um das Maul legt, Beißkorb; der Maulmacher, alt und Landfc. 


188 ' Maul — Maulwurf 


wer Andern vergebliche Hoffnungen macht (v. der Redensart: einem das Maul 
machen, d. i. ihm leere Verfprehungen machen); maulrecht, Bw., gem. f. 
mundreht, ſ. d.5 die Maulfchelle (v. Schalt, ſchallen), landſch. auch der 
Maulftreich, ein Schlag mit der flachen Hand auf den Mund und die Baden, 
Ohrfeige, edler: Backenſtreich; nıaulfchellen oder mit fremdartiger Endung : 
maulfchellivren, untrb. ziel. 3w. einen —, ihm Maulfcellen gebenz die 
Maulfverre, f. v. w. Mundklemme; die Maultafche 1. (Taſche — Tatfche, 
d. i. Schlag; engl. dash; dan. munddask) ſ. v. w. Maulſchelle; 2. ein großer 
breiter, einer Taſche ähnlicher Mund u. eine Perſon mit einem ſolchen; 3. oberd. 
ein Gebäck; die Maultrommel, f. v. w. das Brummeifen, f. d.z daß 
Maulvoll, gem. f. der Mundvollz das Maulwerk, gem. f. v. w. Maul, 
Mund, fo fern er zum Efjen und bef. zum Sprechen gebraucht wird (ein gutes 
Maulmerk haben, d. i. die Gabe zu reden); die Maulzange, Schmied., eine 
Art Zangen, welche ftatt der Kneipen zwei vieredtige Bleche haben; — Ableit. 
maulen, ziellof. Sw. (niederd. mulen), 1) durch mürrifches Schweigen 
Unmillen od, Unzufriedenheit äußern, finn= u. ftammo. ſchmollenz 2) landfe. 
gem. f. munden, gut ſchmecken, behagen; maulig oder. gew. mäulig, 
Bw. , ein Maul habend, nur in Zfeg. dick-, große, hartmäulig zc. 

Maul?., fr, —es, M. Mäuler, (altd. mul, engl. mule, franz. mu- 
let; von dem lat. mulus) vlt. f. die gem. der Maulefel, die Maulefelinn, 
oder dad Maulthier, bibl. auch Maulpferd, ein von einem Efel u. einer 
Stute, od, von einem Hengft u, einer Efelinn erzeugtes Thier; beftimm- 
ter unterfchieden im legteren Falle: Maulefel, im erſteren: Maulthier; 
daher: der Maulefels oder Maulthiertreiber, =ftall 2c.; uneig. beißen 
Mauleſel diejenigen Wespen, welche weder Männchen, noch Weibchen 
find und die meifte Arbeit verrichten müffen. 

Maulbeere, w., M.-n, (nit v. Maul; fondern aus d. lat. morum, 
griech. 000» entft. mit Verwandlung des r in 13 altd. murberi, mulberi; 
holl. moerbesie; niederd. Mulbeere, engl. mülberry), die faftige, füße, 
ſchwarze od. weiße Frucht des Maulbeerbaumes (altd. mur- od. mulboum), 
defien Blätter den Seidenwurmern zur Nahrung dienen; uneig. nennt man 
Maulbeeren: Fleine Fleifchwarzen an der inneren Oberfläche der Augen: 
lieder; eine Art Flügelfchneden‘, und Stachelfchnecfen in Oftindienz — 
3fet. das Maulbeerblatt, =holz, die Maulbeerhede, = pflanzung ꝛc.; 
die Maulbeerfeige, die große, herzformige Sruht des Maulbeerfeigenbaus 
mes in Agypten. 

maulen, maulfaul, Maulheld, =Eorb, Schelle, =tafche, = werk, 
= zange 2c. ſ. Maul 1.— Maulefel, Maulthier , f. Maul 2. 

Maulwurf, m., -ed, M. = würfe, (mit von Maul, fondern von dem 
goth. mulda, altd. molta, niederd. Molt, Mull, Müll, lodere Erde, 
Staub; daher niederd. Molt: oder Mulworp oder -worm; holl, mol, 
molworp; engl. mole, molewarp), ein Eleined, in der Erde lebendes 
vierfuͤßiges Ihier, welches Eleine Erdhügel aufwirft: Maulwurfshaufen 
oder = hügel (niederd. Multhoop, boll. molhoop, engl. molehill); da 
Maulwurfsauge, ein Kleines, ſehr blödes Auge, wie das des Maulwurfs; 
die Maulwurfsfalle; der Maulwurfsfang, -faͤnger; die Maulwurfs— 
grille, Erdgrille, |. d.5 der Maulwurfskaͤfer, Maikäfer; Zodtengräber 
oder Grabkäfer. 


maunen — Maus 139 


maunen, mauneln, aud mauein, ziellof, Zw., obexd, f. langfam fein, 
zaubern, zögern, fich befinnen. 

maunzen, zielloſ. 3w,, cberd, f. mauen; mwinfeln, Fläglich thun. 

Maurache, w., M. -n, aud) der Mauracer, - -8, oberd, f. Morchel. 

Maurer, m., ſ. mauern unter Mauer, 

Maus, w., M. Mäufez Verl, das Maͤuschen, oberd, Mäuslein, 
(altd, mus; nigderd, und dan, muus; engl. mouse; böhm, mys; lat, mus; 
griech. wös) ein zahlreiched Gefchlecht Eleiner, hurtiger, langgeſchwaͤnzter 
Säugethiere von verfchiedenen Arten, ald: Haus:, Feld», Wald:, Hafdlz, 
Waſſer-, Spis:, Spedmaus ꝛc; in engerer Bed, die gew. afchgraue, fehr 
felten weiße Hausmaus, (fprichw, die Maus hat mehr als ein Loc, d, i, Eluge 
Leute finden mehre Auswege; er fieht fo finfter aus, wie ein Zopf voll Mäufe 
u, dgl, m,); die blinde Maus, ſ. v. w. blinde Kuh, ein Kinderfpielz 
uneig. ald Liebkoſungswort fuͤr weibliche Perſonen, beſ. verkl. mein Mäus— 
chenz ferner: eine kleine Porzellanſchnecke; ein mit kurzen Haaren dicht 
bewachſenes Muttermaal; auch f. Muskel (griech, püs, lat, musculus, d, i, 
eig. Mäuschen, wegen Ähnlichkeit ber Geftalt), inöbef, der Ballen am Daumen, 
u, der Muskel zu beiden Seiten der Nafe des Pferdes; Schiff, eine zingförmige 
Erhöhung oben um das Stag (Stagmans) 5; — 3 ſetz. v. Maus, Maufe, Mäufe: 
die Mausader, die Ader an der Nafe der Pferde; der Mausadler od, =aar, 
gem, Maufer, auh Maus- oder Mäufefalf, eine Art Falken, die ſich 
von Mäufen nähren, Bußaar; der Mausbaum, Faul- oder Stinkbaum; 
die Maus- oder Mäufebirn, eine Art langer, gelber Kochbirnen; das 
Mäufebrod, Feigwarzenkraut; der Mäufe- od. Mausdarm, Vogelkrautz 
Gauchheil, Hühnerdarmz der Mäufe- od. Mausdorn, ein Staudengewächs 
mit Stadyeln an den Blätterfpisen, Bruſtwurz, Brüſchz au f. Stechpalme; 
der Mäufedred, der Keine rundliche Koth der Mäufe; das Mauseichhörn- 
chen, der Siebenfläfer; die Mäuſe- od, Mauserbfe, Erve; die Maus- 
eule, gemeine Nachteulez mausfahl, =grau, mausfarbig, Bw., von 
der afchgrauen Farbe der Hausmaus; vie Mauſe- oder Mäufefalle, eine 
Falle zum Fangen der Hausmäuſe; der Mausfifch, eine Gattung Seefiſche; 
der Mäufefraß, Beſchädigung durch freffende oder nagende Mäuſe; die 
Mäufegerfte, eine Art wilder Gerfte, Taubgerſte, Taubkorn; dad Mäufe- 
gift, Gift zur Vertilgung der Mäufe, beſ. Arſenikz dad Mäufe- od. Maus- 
gras, eine Pflanze mit fhmalen, grasartigen Blättern und weißen Blümchen, 
auch Mäufefhwänzchen, Tauſendkorn 20,5 der Mäufehafer, ſ. v. w. Trespe; 
Wind: od, Taubhafer; Müufegerftes dag Mäufeholz, landſch. f. Selänger: 
jelieber oder Bitterfüß; und f, Lederholz, ein ameritan, Staudengewähsz der 
Mäufe- od. Mauskoͤnig, landſch. f. Zaunkönig; der Mauskopf, Kloſter⸗ 
wenzel od, Mönchz landſch. f. Dieb (v, mauſen); dad Maͤuſekorn, ſ. v. w. die 
Mäufegerfte; dad Mäufekraut, Fadenkraut; einige Arten der Ruhrpflanze; 

dad Maufe= oder Mäufeloch, ein von den Müufen gemachtes Loch als Ein- 
gang in ihre Schlupfwinkel; dad Mauſe- oder Mäufeneft; das Mäufe- 
oder Mausohr, uneig. 1) ein ſchön gebildetes, nicht großes Ohr eines Dferdes, 
3. U, v. Haſen-, Efelsohren 26,5 2) gem, verkl. Mausöhrchen od. = öhrlein, 


verſchiedene Pflanzen, namentlid: das Vergiſsmeinnicht; die Hafelwurz oder 


wilde Narde; einige Arten des Habichtsfrautesz; eine Art des Baldrians; der 
Holunderfhwamm oder das Judasohr 2c.; der Maufepfeffer, eine Art des 


140 Maufche — maufig 


Rofspoleied, als Mäufegift dienendz der Mäufefchwanz ‚, dad Mäufe- 
ſchwaͤnzchen „ uneig. ſ. v. w. Mäuſegras; maus- oder mauſeſtill, gew. 
maͤuschenſtill, Bw., fo ſtill, wie eine Maus; ver Maͤuſe- oder Maus— 
thurm (wahrſch. verderbt aus Mauth-Thurm), ein feſter Thurm am Rhein 
bei Bingen; mauſetodt, Bw, (vielleiht von anderm Stamme; niederd. 
mursdood), gem, f. völlig todtz; der Mäufewächter, f. v. w. Mausadler; 
der Mausweizen, Lolch; der Maufezahn, Maufezähne, uneig, Keine, 
ſcharfe Zühne; insbef, die beiden vorderften Schneidezähne im Oberkiefer; die 
Maͤuſezwiebel, Meerzwiebelz — Ableit. maͤuſicht, Bw., mausaͤhnlich, 
beſ. in Anſehung des Geruches (der Ungerwein ſchmeckt mäuſicht, wenn ſein 
Geſchmack an den Geruch der Mäuſe erinnert); mäufeln ‚ ziel, Zw., oberd, 
nach Mäufen riechen; maufen, Zw, (niederd, mufen), 1) ziellos, Mäufe 
fangen (die Kage maufet gutz bie Kase läſſt das Maufen nicht); daher die 
Maufekage (Kinderfpr, Müfe: od, Miefekage), d. i, die maufende Katzez 
2) ziel, (in diefer Bed, nit fowohl von Maus abgeleitet, als mit diefem von 
gleicher Wurzel ffammend, deren Grundbegriff Heimlichkeit und Stille iftz da= 
ber noch oberd, maufen oder-maufden f. leife und heimlich gehen; dän, 
musez altd. mosido, Beraubung), gem, et was —, heimlich entwenden, 
mit Lift und Geſchwindigkeit ftehlen; Jäg. dad Wild —, d. i. liſtig be= 
ſchleichen; der Maufer, 1) wer maufet, ein liftiger Dieb; 2) landſch. f 
Doͤbel, Weißfiſch, auch Mäufebeißer, 

Mauſche, m., -n, M.-n, oder der Maufchel 1., -3, M. w. E. 
(v, dem jüd, EN, Maufhe=Mofet), niedr. verächtl, f, Jude; maufcheln, 
ziellof, Zw. mit haben, niedr, jüdifch handeln, ſich benehmen, u, bei. juͤ— 
diſch fprechen. 

Maufchel 2., m., -d, M w. E., auf Kupferhämmern ein eiferned 
Werkzeug zum Richten der Keffel. i 

maufen, 3m, 1. ſ. unter Maus; — 2, rückz. Zw., landſch. auch mau⸗ 
fern, mauftern (oberd, maußen, niederd, muten, mutern, mütern, boll, 
muyten, ſchott. moutz franz. muer, engl, mew; ifal, mutarez; althochd. 
muzon = d, fat, mutare, überh, verändern, wechfeln), fich —, die äußere 
Bedeckung abmerfen und mit einer neuen verfaufchen, nur von Krebjen, 
von Seidenwürmern (gew, fid) haufen), und beſ. von Vögeln: die Federn vers 
tieren und neue befommen, auch fich federn, raubenz uneig. gem, von 
Menſchen: ſich maufen, fic) herausmauftern u. dgl, f. ſich nad) einer Krank 
heit wieder erholen; fi) neu und gut Eleiden, herausputzen; die Maufe, 
M.-ın, (miederd, Mute, mittl, lat, muta), der Zuftand des Mauſens der 
Krebſe u, bef, der Vögel (in der Maufe fein); die Zeit ded Maufend, Maufes 
zeitz ein Vogelhaud, in weldes die in der Maufe begriffenen Falken geſetzt 
werden; der Maufer, -8, (niederd, Muter, Müter, verderbt: Mutterkrebs), 
ein Krebs, welcher ſich maufet od. gemaufet hat z die Maufefeder, Sedern, 
welche die Vogel in der Maufe verlieren, 

mäufen, ziel. Zw., Schiff, an der ſtehenden Seite eined Befanfegeld 
runde Löcher oder Gate machen, welche Maäufegate heißen. 

maufig, Bw, der Volkeſpr., nur in der Redensart: ſich maufig mas 
hen, di. ſich trotzig, widerfeglih, ungebührlich zeigen, zur — 
ſetzen, (gleichſ. das Rauhe herauskehren, wie die Vögel in der Maufe; n, U, 
verw. mit dem niederd, mifslich f, unmuthig, zornig.) 


maußeln — Meer 141 


maußeln, ziellof. Zw. m, haben (gem, auch muffeln), landſch. f. langfam 
- und zauderhaft arbeiten; maußlich, Bw., f. zauderhaft, wenig aus— 
richtend. 

Maute, w., M.-n, od, das Mauterz, Bergw. ein Nierenerz, das 
nicht gangweiſe bricht. 

Mauth oder Maut, w., M.-en, gem, oberd. Mäut, (goth. mota, 
altd. und mittl, lat, muta, poln. myto; urſpr. überh. Gabe, dann Abgabe; 
verw, mit Miethe), oberd, f. Zoll von Waaren ; aud) der Ort, das Haus, 
wo derfelbe entrichtet wird; daher: der Mautheinnehmer od, Mauthner, 
3olleinnehmers mauthfrei, Bw., zolfreis die Mauthfreiheitz die Mauth- 
ftatt, Zouftättes mauthen, ziel, Zw., gem. vermauthen, f. dv, w. ver— 
zollenz; mauthbar, Bw,, zur Mauth verpflichtet oder geeignet, zollbar. 

mauzen, ziellof, Zw., ſ. dv. w, mauen; uneig, gem, f, winfeln, klagen. 

Mauzenkraut, f., landih, gem. f. Hundsmelde; der Mauzenz oder 
Maunzenftein, landſch. f. Mutterftein, |. d, | 

"May, m. ꝛc., ſ. Mais 
medern , zielloſ. Zw. mit haben, (oberd, mekezen, mächzen; griech. 
unraksır, umrcodeı), ein Schallwort, den zitternden Laut der Ziege nach— 
ahmend; der Meder, -8, landſch. f, Bergfinf (wahrſch. von feinem medern: 
den Geſchrei). 

Meddik, m., -ed, M. -e, auch Meddike, Mettke, Meke, (verkl. 
Formen von Made; dan. maddike, fehwed, mark) niederd, gem, f. Regen— 
wurm, 

Medefüß, fr, —es, landſch. f. Geißbart. 

Meer, ſ., Ses, M.-e, Verkl. dad Meerchen, (goth. marei, altd. 
meri, mere, isländ. mar, lat. mare, flav, more, franz. mer 26,5 engl, 
merc, Sumpf, Ser), überh. eine große Waſſermaſſe auf der Erdoberfläche 
ohne merflichen Abfluſs, daher Benennung verſchiedener Yandfeen, als: das 
kaspiſche, das todte, das Harlemer Meer 20,5 in beftimmterer Bed, das ganze 
große Gewaͤſſer, welches das feſte Land des Erdbodens umgiebt, das 
MWeltmeer, die See; (See und Meer unterfcheiden fid, fo, dafs jenes mehr 
ben Stoff, diefes die Form und deren Begrenzung bezeichnet; daher fagt man: 
feewärts, Seewind, Seemacht, Seereiſe 2c,, entg. landwärts, Landwind ac. 5 
aber Merrbufen, Meerenge); auch einzelne, durd näher bezeichnende Zuſätze 
unterfchiedene, Theile des Weltmeeres (3. B. das atlantiſche, mittelländifche, 
ſchwarze, rothe Meer 20, 5 jedoch die Südſee, Oſt-, Nordfee); uneig, eine 
große Maffe, Menge, Fülle (z. 8, ein Nebel:, Duft:, Sandmeer; ein 
Meer von Gefühlen, Wonne:, Freudenmeer u, dgl.); — in Bfes. bezeichnet 
Meer etwas dem Meere Eigenes, in oder an demfelben Beſindliches, od, über 
dasfelbe zu uns Gebrachtes, als: der Meeraal, eine Art großer, im Meere 
lebender Yale, Seeaal, Aalſchlange; der Meeradler, See-, Fiſchadler; auch 
eine Art Rochen; der Meeraffe, ein Fiſch im rothen Meere und in der Kord: 
fee; die Meeramfel, eine Art ſchwarzgrauer, weißgefprengter Amfeln oder 
Droffeln, Meerdroffel, Schildamfel; aud) eine Art Lippfifchez meeranwoh⸗ 
nend, Bw.; der Meeranwohner; die Meeraͤſche oder der Meeralant, 
ein Fiſchgeſchlechtz die Meeraſſel, eine Art im Meere lebender Würmer mit 
vielen Fühlſpitzen; der Meerball, rundliche Maſſen, die auswendig rauh und 
haarig ſind und inwendig Sand und kleine Muſcheln enthalten, im mittelländ. 


142 Meer 


Meeres meerbeherrfchend, Bw.; der Meerbeherrfcher; der Meerbeißer, 
ein blafsgrüner oder fhmugig gelber Seefiſch; die Meerbinde, eine Art 
- Bandfifhes der Meerbörs, Seebbrs, z. U. v. dem Fluſsbbrs; der Meer- 
braſſen, ein Fiſchgeſchlecht mit langer Rücdenfloffe und fpigigen Zühnen; die 
Meerbucht, ſ. Bucht; der Meerbufen, ein Theil des Meeres, welcher ſich 
tief in das fefte Land erſtreckt; die Meerdattel, eine Art dattelfürmiger 
Steinwufheln; die Meerdohle, eine Art Makrelen; der Meereber, eine Art 
Spiegerfiihes das Meerei, eine Art eifdrmiger Meernüffe, ſ. dez die Meer- 
eiche, eine Art Meergras im atlantifhen Meere; die Meereichel, eine viel: 
Thalige, eichelähntiche Muſchel; die Meerelfter, ein auständifcher, ſtorchähn— 
licher Vogel, der von Auftern lebt, Auftervogel; die Meerenge, ein ſchmaler 
Strich des Meeres zwifchen zwei Ländern od, Infeln, auch Straße genannt; 
der Meerengel, ſ. v. w. Engelfifh 5 der Meerfaben, fadenfürmiges Meer: 
gras; die Meerfahrt, Fahrt auf dem Meere, gew, Seefahrt; meerfarben, 
meergrün, Bw,, von der fcheinbaren Farbe des Meeres; der Meerfenchel, 
eine an den Seefüften wachfende fhiemtragende Pflanze; der Meerfifch, jeder 
im Meere lebende Fiſch, gew. Seefiſch, z. U, von Fluſs-, Teichfiſch 2c,3 Die 
Meerfrau, dad Meerfraulein, die Meerjungfer, dad Meerwerb, fabet: 
hafte Seegeſchöpfe von völlig oder theilweife menfchlicher Geftaltz fo auch: der 
Meermann; der Meerfrofch, eine Art großer Fröſche in Amerika; auch 
ein Fiſchgeſchlecht: der Froſchfiſch; der Meerfuchs, ein Fiſchgeſchlecht: Spitz 
nafez die Meergans, Kropfgansz die Meergegend, Gegend am Meere; 
das Meergewaͤchs, jedes im Meere wahfende Gewächs; in engerer Bed, die 
Meerftaude oder Hornkoralles der Meergott, die Meergöttinn, die Meer— 
gottheit, Fabell., das Meer beherrſchende oder darin lebende Gottheit; das 
Meergras, verfhiedene Meergemähfe, namentlich: eine Art Aftermoofe: 
Seegras; Tang, Geetang, Waſſerriemen; auch f. Wieſenkraut, Meernelke; 
die Meergroppe, eine Art Seefiſche mit Kiemendeckelnz der Meergruͤndel 
oder - gründling , ein dem Gründting ähnlicher Meerfiſchz aud) f. Sardelle; 
der Meerhahn, eine Art Spiegelfifkes der Meerhafe, ein Fiſchgeſchlecht 
mit ftumpfem Kopf und gesähnelten Kiefern ftatt der Zähne: Seehaſe, Lump; 
ein im Meere lebender gegliederter Wurm: Sprigling, Seelungez der Meer: 
hecht, ein hechtähnlicher Meerfifch; die Meerherrfchaft, Herrſchaft über das 
Meer; der Meerhirſch, eine Art Schleie oder Rotzfiſch; die Meerhirfe, 
Steinhirfe oder Steinfamen; dad Meerhorn, eine gewundene, einfächerige 
Schnee, Meertrompete, Pofaunenfchnede; die Meerhofe, Waſſerhoſe; das 
Meerhuhn, eine Art Wafferhühner; au f. Zungenfifh oder Sohle; der 
Meerigel, ſ. Seeigel; der Meerjunfer, eine Art Kleiner Lippfifdes das 
Meerkalb, j. v. w. Seehund; der Meerfamm, eine Art Serfifche, die mit 
gegitterten blauen Streifen gezeichnet find; die Meerkatze, Affen mit langen 
Katzenſchwänzen (teil fie über das Meer zu und gebracht werben); Die Meer- 
kirſche, Frucht des Erdbeer: oder Meerfirfhbaumes; der Meerfohl, ein 
Shotengewähs an den nördlichen Meeren; eine Art Winde: Meerwinde; bie 
Meerfrähe, eine Art des Börfes; der Meerkrebs, ſ. Seekrebs; die Meer- 
kuh, f. Seekuhz der Meerlattich, das Meergrasz die Meerlerche, ein 
Seefifch mit aſchgrauem, grüngeftreiftem Kopfe; eine Art Strandläuferz die 
Meerleuchte, ein Ftügelfifh, der bei Nacht Leuchten ſollz die Meerlinfen, 
0, E,, ein Kleines Gewächs, deffen runde Blättchen die Oberfläche ftehender 


Meer ‘143 


Waffer bededen, Eitengrün; die Meermaus, eine Art nadter, gegliederter 
Meerwürmer; die Meermelde, eine Art Melde an den nördlihen Meeren; 
der Meernabel, eine Art Dedelfhneden mit nabelförmiger Erhöhung; aud) 
ein lederartiges Aftermoos auf dem Meeresbobenz die Meernadel, ein Meer: 
fiſch, Hornfiſch, Nadelfiſchz auch ſ. v. m, Seenadel, ſ. d.z die Meernelte, 
das Wieſenkraut; die Meerneſſel, Schleimthiere im Meere, die ſich an andere 
Thiere feſtſetzen; dad Meerneſt, eine Art kugelichter Thierpflanzenz die 
Meernufs, eine länglic) runde gewundene Schnedez der Meerochs, eine 
Urt großer Rochen; dad Meerohr, einfhalige, ohrfürmige Mufcjelz der 
Meerpfaffe, eine Art Helmfifche, deren Augen auf dem Kopfe ftehen, Him⸗ 
melsgucker; der Meerpfau, eine Art fhönfarbiger Lippfifche im mittelländ, 
Meere; dad Meerpferd, |. Seepferd; der Meerpinfel, ein Seethier vom 
Geſchlecht der Sandköcher mit mehr ald 300 Füßen und zwei langen Faſerbün— 

dein am Kopfe, Meerbartz; die Meerquappe, eine Ast Kabeljau; die 
Meerrebe, eine Art der Waldrebez der Meerrettig (wahrſch. niht v. Meer; 
fondern von mar, Mähre, Pferd; daher niederd, Marrettig; gem, 
-Merrettigz; engl, horse-radish , weil die Wurzel den Pferden gefund ift), 
eine Art des Löffelkrautes mit langer, dicker, efsbarer Wurzel von ſcharfem 
Geſchmackz dad Meerrind (von Meer f. Moör, Moraft), landſch. f, Rohr: 
dommelz; die Meerröhre, Meerſchnecke mit einfacher, röhrenförmiger Schale; 
auch eine Art vöhrenförmiger Thierpflanzen im Meere; der Meerfäbel, ein 
zu den Meerfchweinen gehörender Fiſch mit langer, ſäbelähnlicher Rüdenfinne, 
Säbel-, Schwertfifch; die Meerfau oder der Meerfaufifch, eine Art Hai: 
fiſchez der Meerfchatten, eine Art dunkelfarbiger Seefiſchez der Meer- 
ſchaum, eig. der weiße Schaum auf dem bewegten Meere; uneig, eine fette, 
leichte, gelbliche Erdart im Morgenlande, welrhe zu Pfeifenköpfen verarbeitet 
wird; aud) ein nadter Seewurm, &eeblafe; meerfchaumen, Bw,, aus 
Meerfhaum gemacht; der Meerfchaumfopf, meerfhaumener Pfeifenkopf z 
der Meerſchaͤumer, ehem. f. Seeräuber; dad Meerfchiff, Seefhiffz die 
Meerfchlange, im Meere Iebende Schlange; verfchiedene ſchlangenähnliche 
Fiſche: Meeraale m Meerſchlangen; die Meerfchleie, eine Art bunter Lipp- 
fiſchez der Meerfchmied, eine Art Spiegelfifhes die Meerfchnede, im 
Meere lebende Schnecke; die Meerfchnepfe, eine Art Schitöfifche; die Meere 
ſchwalbe, eine Gattung Wafferoögel, aud) Mewen genannt, von verfchie: 
denen Arten; aud) f. Eisvogel; Bienenfraßz eine Art Helmfifhez der Meer- 
ſchwall, die angefchwoliene, bewegte Meerflutyz der Meerſchwamm, im 
Meere wachfender Shwamm, ſ. d,5 dad Meerfchwein, gew. =» fchweinchen, 
ein aus Amerika über das Meer zu und gebradytes Eleines Säugethier deſſen 
Laut dem eines Ferkels gleicht; auch ein Meerfiſch mit einem Rüſſel: Tummler 
(Delphin); Braunfiſch; Butzkopf; die Meerſeele, ein ſehr kleiner Meerfiſch; 
der Meerſenf, ein ſtacheliges Schotengewächs am Meerſtrande: Stachelſenf; 
der Meerſiel, eine Art efsbarer Meerneſſeln; der Meerſpargel, eine an den 
Seeküften wild wachfende Spargelartz die Meerfpinne, Krabbe, Garnele; 
Tintenfiſchz das Meerftachelfraut, gemeines Salzkraut, Bockskraut; gelber 
Fingerhut, Bocksbart; der Meerftint, eine Art Forelenz der Meerftrom, 
eine Strömung im Meere; der Meerftrudel od, = wirbel, ein Strudel (ſ. d.) 
im Meere; der Meertang, |. Tang; die Meertafche, eine Art Quallen; 
der Meerteufel, ein Seefiſch: Meerfroſchz das ſchwarze Wafferhuhnz die 


144 Megelkraut — Mehl 


Meertulpe, große verfteinerte Meereihel; die Meerwage, ber Hammerfiſch; 
das Meerwafler, Seewaffers die Meerwinde, eine Art am Meere wachen: 
der röthlicher Winden; der Meerwolf, ein Meerfiſch mit tief geſpaltenem, 
großem Rachen: Seewolf, Wolffiſchz aud eine Art Börfes dad Meerwun— 
der, eine wunderbare Erfcheinung im Meere, ein fabelhaftes Meergeſchöpf; 
in weiterer Bed. jede feltfame, fehr feltene, jonderbare Erfcheinung oder Be: 
gebenheitz die Meerwurzel, am Meere wachſende bläulihe Mannstreu; die 
Meerzunge, eine Art wohlſchmeckender Plattfiſche, Sohle; die Meerzwiebel, 
ein im füdl, Europa am Meereöufer wachſendes Zwiebelgewüchs, deſſen große 
Zwiebel als Arzneimittel dient, auch Haspelwurz genanntz daher der Meer— 
zwiebeleffig,"=faft 0.5 — Meeres lautet das erfte Glied der Zſetz. nur 
dann, wenn eö zu dem Grundworte wirklid im Genitiv-Verhältniſſe fteht, 
3. B. der Meeresboden, Boden des Meeres; die Meeresfläche, Oberfläche 
des Meeres; ſo auch: die Meeresfluth, Meeresgegend (verih. Meerge— 
gend, f. o)3 der Meeresgrund; die Meereskufte od, das Meeresuferz 
die Meeresftille, Meerestiefe, Meereswelle od, =woge 2.5 — Ableit, 
meericht, Bw., felter, dem Meere aͤhnlich, nach Meerwaſſer ſchmeckend 
oder riechend; meeriſch, Bw., zum Meere gehörend, nur in den Zſetz. 
über: u, untermeerifd, 

Megelkraut, f., eine Pflanze, zum Geſchlecht des Sperberkrautes ge: 
hbrend. 

Megerkraut, ſ., ein Pflanzengeſchlecht mit ſternförmigen Blättern, Blut— 
ſtille, Sternkraut ꝛce; eine Art Malven; auch f. Waldmeiſter. 

Mehl, ſ., —es, Di. -e ungebr., (altd, melo, G. melewes; daher alt— 
oberd. Melb; angelſ. melev; engl, meal, ſchwed. mjöl, dän. meel; von 
mahlen, ſ. d.) überh, etwas Gemahlenes, zu Staub Zermalmtes (z. B. 
Ziegelmehl, Wurmmehl, ſ. d.z gegrabenes Mehl, ſ. v; w. Bergmehl) 3 insbeſ. 
die in der Mühle zu einem feinen Pulver zermalmten Getreidekoͤrner, Dülz 
fenfrüchte 2c. zu Brod und anderen Epeifen gebraugt (Roggen-, Weizenz, 
Gerften:, Bohnenmehl 26); — 3ſetz. die Mehlbahn, Müll. die innere Seite 
des Laufes mit dem darin befinhlihen Mehlez die Mehlbank, ein Theil des 
Müuͤhlengerüſtes über der Dede; der Mehlbasen, landſch. Bergw., ein meh: 
lichter Kalkſtein; auch weicher Spedftein; der Mehlbaum, 1) Müll, ein an 
der Seite der Zarge angebradtes Stud, worin ſich das Mehlloch befinbetz 
2) verfchiedene Gewähfe, namentlich: eine Art des Hagedorns, mit ſilberfar— 
bigen, wie mit Meht beftäubten Blättern und vothen, mehlichten Beeren, auch 
Mehlbeerbaum, Meerkirſchbaum, Speierlings- oder Sperberbaum 26: 
Her Weißdorn, auh Mehldornz der Schlingbaum, aud) Mehlbeerbaum, 
Mehlſtrauch, Faulbaumz die Mark» od, Sagopalme; amerikaniſcher u. 
afritan, Mehlbaum od. Mehlſtrauch, ein Straud mit einer mehlid- 
ten Steinfrucht, die eine zweifächerige Nuſs enthält; Eleiner Mehlbaum, 
eine Art des Gerberſtrauches; die Mehlbeere, die mehlichte Beere des Mehl: 
baum genannten Hagedorn, des Weißdorns, des Schlingbaums; aud fr 
Preißelbeere, wilde Sohannisbeere, Sand: oder Moorbeere, und Vogelbeere; 
der Mehlbeerbaum oder -ſtrauch, ſ. Mehlbaum; der Mehlbeutel, der 
Beutel, durch welchen dad Mehl in der Mühle gebeutelt wird; die Mehlbirn, 
eine Art mehlichter Birnen 5 landfch, aud) f. Mehtbeeres die Mehlblume, eine 
Art Shlüffelblumen, deren Blätter unten wie mit Mehl beſtreut — HT 

£ Meyhl⸗ 


mehr Tr 


Mehlbohrer, Bergw., ein Bohrer, mit welhem das Bohrmehl aus. bem 
Bohrloche gezogen wirds; der Mehlbrei oder dad Mehlmus, aus Mehl ges 
tochter Breiz der Mehlvorn, fe Mehlbaum; dad Mehlfaße, ein Faſs zu 
Mehl; verkt. das Mehlfaͤſschen , uneig. landſch. f. Mehlbeere, auch Belle 
hofe; der Mehlfäfschendorn, eine Art Mispelnz der Mehlfleck, Kü 
aus Nudelteig gefhnittene unregelmäßige Stückchen; der Mehlhaͤndler, Bi 
mer; der Mehlkäfer, ein Käfergefchlecht mit ganzen Flügelbeden, welches 
fi gern im Mehl aufhält, auch Hausfchabe genannt; bie Larve desfelben: der 
Mehlwurm; der Mehlkalk, Staubkalk; der Mehlkaſten, Kaften zur Auf: 
bewahrung des Mehles; der Mehlkleifter oder =leim, aus Meht und Waffer 
gelochter Kleifter, Pappe; der Mehlkloß, f. Kloßz dad Mehlkraut, Geiß: 
bart oder Sohanniswedel; dad Mehlloch, Müll. der hölzerne Gang, durch 
welchen das zeemalmte Getreide in den Beutel fällt; die Mehlmeife, Afchmeife 
mit weißgrauem Kopfes; die Mehlmilbe od. = miete, im Mehle lebende Milbes 
die Mehlmühle, new. Mahlmühle, ſ. d.5 die Mehlmutter, landſch. f. das 
Mutterkorn; dad Mehlpulver, zu einem Mehl zerriebenes Schiegpulver, 3. 
U. v. Kornpulverz der Mehlſack, ein zur Aufbewahrung und Fortſchaffung 
des Mehles dienender Sad; der Mehlfand, feiner Sand; die Mehlfchabe, 
eine Art Schaben, die fich in Stuben u. bef. im Mehle aufhält, Stubenfhabez 
dad Mehlſieb; die Mehlfpeife, iede aus Mehl bereitete Speifes der Mehl- 
ſtaub; der Mehlſtrauch, ſ. Mehlbaum; die Mehlſuppe; der Mehlteig; 
der Mehlthau (altd. militou, engl. mildew, holl. meltau; oberd. Miltau 
f. Mehl = und Honigthau; wahrſch. nicht von Mehl, fondern d. goth. milith, 
griech. zelı, lat. mel, Honig, alfo urfpr. = Honigthau, wovon es erft 
in neuerer Zeit nad) der vermeintlichen Abſtammung von Mehl unterſchieden 
wird), ein weißlicher, ſchleimichter oder ſtaubichter Überzug auf den Blättern 
ber Pflanzen, welcher denſelben ſchaͤdlich iſt, verſch. v. dem klebrigen Honigthau, 
ſ. d.5 mehlweiß, Bw., weiß wie Mehl; mehlweißer Zeig, bei Pfeffer: 
küchlern ein aus Roggenmehl u. Honig gebadener und mit Mehl geroliter Teig; 
daher dad Mehlweißchen, landſch. ein Eleiner Honigkuchen von ſolchem Zeigez 
das Mehlweiß, öftr. eine an fandigen Orten wachjende Pflanze von harıttrei- 
bender Kraft; der Mehlwurm, f. Mehlkäfer; der Mehlzuder, die aus dem 
gekochten Zuckerſaft angefchoffenen Zucertheile, Roh-, Küchenzucker (fr. Farin: 
zuder); — Ableit. mehlicht, Bw., dem Mehl ähnlich (mehlichte Früchte, 
deren Fleiſch mehr troden und körnig, als faftig it); mehlig, Bw. » Mehl 
enthaltend, mehlreich; mit Mehl beftaubt, bedecktz 

mehr, Nw. und Bw, (aus mehzer zgez. Comparativ vomeinem früh ver: 
lorenen Pofitio ma, mah, groß, viel, wozu der Superl. meift, aus meh-iſt 
zgez., gehört; goth. mais (vergl. das lat. magis), altd, mer, mera, m£re, 
abgef. m&; angelf. ma, isländ. meira, meir, engl. more, dän, meer) gilt 
der Bed. nad) für den Comparativ von viel (f. d.) und bezeichnet überh. eine 
größere Menge od, innere Staͤrke; insbeſ. fteßt es 1) als Nw. eine größere 
Menge oder Anzahl bezeichnend (z. B. funfzig Thaler mehr bietenz feit mehr 
als vier Wochen; er ift mehr als dreißig Jahr alt; viermal mehr, viel mehr, 
etwas mehr 2c.)5 einen höheren Grad der inneren Stärke, größeren Werth, . 
Vorzug (3.8. man mufs Gott mehr gehorchen, ald den Menſchen; mehr gelten, 
als ein Anderer; man mufs nicht mehr feinen wollen, als man iftz id) liebe 
ihn. mehr, als je; er ift mehr zu bedauern, als ich; je mehr, befto mehr, 


Hepfe’s Handwörterb, d. beutichen Spr. 2. Theil. 10 


146 mehr 


f.je; mehr und mehr, d. i. in immer höherem Grade; das ift nicht mehr 
als billig, d. i. es ift nur billig und nichts darüber; es ift mehr ald zu gewiſs, 
ſ. v. w. es ift nur zu gewifs, d. i. gewiffer, als dem Nedenden lieb iſt); auch 
zum umfchreibenden Ausdrud für den Comparativ eines Bw., wo derfelbe 
nicht üblich ift (3. 3. fei Tünftig meines Rathes mehr eingedent), u. bef. wenn 
die Vergleihung unter zwei Beiwörtern Statt findet (z. B. er war mehr 
todt, ald lebendig; mehr groß, als Eeinz mehr blau, als roth 2c.)5 ferner 
zur Bezeihnung einer Wiedechelung, Fortdauer oder Fortſetzung, ſinnv. 
wieder, länger, ferner, weiter (z. B. willſt du es mehr thun? er ſündigte 
immer mehr), bef. in Verbindung mit einer Verneinung (er hat es nicht 
mehr gethan; fo au: niemals mehr, nimmermehrz cs ift Niemand mehr das 


ſprich kein Wort mehr; id) habe nichts mehr; es regnet nicht mehr 2c.)3 _ 


2) hauptwörtlich oder als felbftändiges Sachwort, eine größere Menae 
oder Vielheit bezeichnend, entweder für fich allein (3. B. das ift mehr, als 
ic) brauche; ich habe oder er gab mir mehr, als ndthig iſt; er befommt nicht 
mehr, als du; mehr will ich nichtz er weiß mehr, als ih), oder mit dem 
_ Genitiv der Sache (z. B. mehr des Guten; mehr folher Leute; es kommen 
ihrer immer mehr; ich habe des Zeuges mehr, als ich brauche) , ftatt deſſen 
auch das Bw. non ſtehen kann (z. B. mehr von diefer Waare); 3) al Bwi, 
und zwar a) ungebeugt mehr, in Verbindung mit einem Hw. zur Bes 
zeichnung einer größeren Menge oder eines höheren Grades (3. B. mehr Geld; 
mehr Einfichten u. Kenntniffes mehr Ruhe; mehr Glüd, ald Verftand haben; 
bisw. aud) nachgeſetzt, z. B. folche Leute mehr; fo geht's mit andern Dingen 
mehr); b) gebeugi: mehrer, mehre, mehred, M. mehre, oder 
gew. mehrerer, mehrere, mehrered, M. mehrere (goth. maiza, 
‚vergl. d, griech. uellwv; althochd. mero, mittelhochd. mere, merer; u. daneben 
althochd. meriro, mittelhocyd. merre, zgez. aus merere), feltner verglei- 
Hungsweife (relativ) oder als wirklicher Somparativ (in weldher Anwendung 
jedenfalls mehre, mehres zc. vorzugieben iftz z. B. es find heute mehre 
Menſchen da, als geſtern; es find Mehre meiner, als deiner Meinungs; ein 
Mehres über diefe Sache künftig; Kanzl. des Mehreren, als abfoluter Gen. 
f. umſtändlicher, weitläufiger)5 gew. ohne Vergleihung (abfolut) zur 
Bezeihnung einer undbeftimmten Mehrheit oder Menge, ſ. v. w. mehr ald 
eind, ſinnv. einige, etliche (in welcher Anwendung der herrſchende Gebrauch) 
noch immer mehrere 2c. vorziehtz z. B. es waren mehrere (b. mehre) Perfo: 
nen da; ich habe mit Mehreren darüber gefprochen 5 ic) hatte ihm Mehreres zu 
ſagen; es ift fchon mehrere Male gefchehen. — Will man die Form mehrere 
in diefem Falle beibehalten, und nicht überall mit mehre vertaufchen: fo läſſt 
ſich zwifchen mehr, mehre und mehrere ein dreifacher Unterfchied der Bed. 
feftftellen, 3. B. die Staaten des alten Griechenlands waren mehr Kleine, als 
große zu nennen; das alte Griechenland enthielt mehre Eleine, als große 
“Staaten, d. i. eine größere Anzahl Eleinerer 2c.5 Griechenland beftand aus 
mehreren Keinen Staaten; u.dgl. m.); — mehreft, gew. zge3. mehrft, der 
die, das mehrfterc., Superl. zumehr, b, meilt, der meilte ac, ſ. d» 
und oben unter mehrs; das Mehr, —es, M. -e, bef. oberd: f. die Mehr— 


heit, die größere Anzahl, bef. Stimmenmehrheit (durd das Mehr gewählt! 


werden); auch f. Stimmenfammlung, Abjtimmung (zum Mehr fchreiten) 5 
— Bfeg. v. mehr: mehrdeutig, Bw., mehr als eine Deutung zulaffend; 


* 


Mehrbraten — meiden 147 


die Mehrdeutigkeitz mehrfach od. » fältig, Bw. u. Nw., mehrmals getheilt, 
genommen, wiederholt; die Mehrhaberei, vit. f. Habſuchtz mehrjährig, 
Bw., mehre Jahre alt od. dauernd; der Mehrmacher, wer durch nicht immer 
rehtmäßige Mittel feine Einnahme zu vergrößern, ſich zu bereichern fucht (Neum. 
f- das halbfremde: Plusmacher); mehrmals, (oberd. mehrmalen), Nw., 
mehr als einmal, zu mehren Malen, finnv. öfters; mehrmalig, Bw., mehr: 
mals feiend oder gefhehend; mehrfeitig, Bw., mehr als eine Seite habend; 
die Mehrfeitigkeit; mehrfilbig, Bw., aus mehr ats einer Silbe beftehend, 
entg. einfilbig; die Mehrfilbigkeitz der Mehrtheil, ver größere Theil; 
mehrtheilig, Bw., mehre Theile enthaltend oder daraus beftehend; die 
Mehrtheiligkeitz mehrentheild, Nwe, dem mehren, d. i. größeren, Theile 
nad), ‚finnv. größtentheils, meiftentheilö; der Mehrwerth, der größere Werth, 
der Überfhufs an Werth; die Mehrzahl, die größere Zahl cder Menge; 
Sprachl. f. v. w. Mehrheit (fr. Pluralis); — Ableit. mehren, ziel. Zw. 
(altd, meron) alt u. dicht., mehr machen, der Zahl und Menge nad) ver— 
größern, gem. vermehren (bibl. feid fruchtbar u. mehret euch); rückz. ſi ch —, 
an Zahl u. Menge, auch an Ausdehnung od. innerer Stärke zunehmen, 
wachfen (die Zahl feiner Kinder mehrt fihz feine Einkünfte mehren fi); 
Recent. eine Zahl —, mehrfach nehmen (fr. multipliciven); oberd. auch 
ziellos: mehren (von dem Hw. das Mehr, f. 0.) f. durch Stimmenmehr- 
heit befchließen; der Mehrer, -8, die Mehrerinn, M. -en, wer etwas 
mehrt, vermehrt oder vergrößert (dev Mehrer meiner Qual; ehem. im Titel 
des deutſchen Kaifers: „allezeit Mehrer des Reichs”, verfehlte Überfesung des 
lat. semper Augustus); die Mehrung, 1) dad Mehren, Vermehren; 
Rechenk. f. d. fr. Multiplications 2) (wahrfd. von anderm Stamme, verw. 
mit Meer, Moor ze.) oberd. f. Abzucht, Abzugsgraben, Schleufez mehrers, 
Nw., oberd. f. mehrfach, oͤfters; die Mehrheit, 1) der Zuftand des mehrs 
fahen Seins, das mehrfache Dafein oder Vorhandenfein, entg. Einheit z 
bef. Sprachl. die mehrfache Zahl (Mehrzahl) eines Wortes dem Begriffe und 
der Form nad), in legterem Sinne auch die Mehrheitsformz 2) die größere 
Anzahl oder Menge, Mehrzahl, Überzapl, entg. Minderzahl (z. B. bie 
Mehrheit der Stimmen). 

Mehrbraten, m., r. Mörbraten, f. d. 

mehren, ziel. Zw., 1. f. unter mehr; — 2, (verw, mit d. griech. zeoos, 
welgouer) vlt. und landſch. f. theilenz daher: admehren f. abtheilen, ab: 
finden (abgemehrte Kinder). 

mehrfach, Mehrheit, mehrmals ꝛc. — Mehrzahl, f. unter mehr. 

meiden 1., ziel. Zw. (altd. midan, angelf. mithan; niederd. miden, da: 
her midern, Bw. f. fhüchtern, enthaltfamz altncrd. mida, bewegen, 
wahrſch. die Grundbebeutung des Worts), ablaut. Impf. mied, Conj. miede; 
Mw. gemieden; einen oderetwad—, eig. ihm aus dem Wege gehen, 
fih aus feiner Gegenwart oder Nähe entfernen (die Stadt, das Land meiden 
müffen); ehem. auch f. ſich verbergen, verborgen fein; gem. fich davor huͤten, 
einer Sache zu entgehen fuchen, ſich deren enthalten, fie unterlaffen, 
finnv. vermeiden, fliehen (eines Menſchen Umgang, die Sünde ꝛc. meiden). 

meiden 2. ziel. Zw. (verw. mit mähen, isländ. meida) vlt. f. fchneiden, 
bef. verfchneiden, entmannen, daher der Meide oder Meiden, -8, vlt. f. 
ein verfchnittened Pferd, 

10* 


148° mein — Meile 


meien, ziel. Zw., niederd. f. mähen, ſchneiden. 

Meier 1., m., —8, M. w. E., ehem. auch Meyer geſchr. (oberd. Maier, 
Mair; von dem lat. major, daher das franz. maire; verw. mit mehr), ein 
Vorgefeßter, in verfhiedenen befonderen Bed.: 1) im Mittelalter der oberfte 
Pfalzgraf der fränfifchen Stönige (Major domus oder Comes Palatii) 3 auch 
f. Haushofmeilter (Bausmeier) 5 2) in Städten chem. eine vornehme, obrige 
keitliche Perſon, welche die hohe Gerichtsbarkeit ausübt, finnv. Vogt, Schulte 
heiß (franz. maire)3:3) jegt der Borgefeßte der Landwirthſchaft ſowohl einer 
ganzen Gegend, als bef, eines einzelnen Landgutes od. Bauergutes, woruber 
er gegen einen jährliihen Lohn die Auffiht führt (Hofmeier, Vogt, Feld: 
vogt 2c.)3 4) niederd. der Beſitzer eined unfreien Bauerguteö, Zindbauer, 
Erbzinsmann, je nad) der Größe feines Gutes: Vollmeier, Halbmeier, oder 
Kothſaſſez — Bfes. der Meierbrief, die Urkunde, in welder ein Meier 
(Binsdauer) mit einem Meiergute beichnt wird; dad Meierding , niederd. 1) 
ein Gericht Über die Meierz 2) ein Vertrag zwifchen einem Gutäheren und 
Meier, dad Meiergedinge; das Meiergut, der Meierhof, f. u. Meiereiz 
das Meierlehen, f. v. m. Meiergedinge, aud) f. Meiergut; der Meierzing, 
ber Zins, den ein Meier dem Gufsheren entrichtet; — Ableit, die Meierei, 
M.-en, ehem. der einem Meier, d. i. vornehmen Beamten,’ untergebene 
Bezirk; auch das Amthaus eines Meiers (franz. mairie); jest ein kleines, 
von einem Meier bewirthſchaftetes Sandgut, bei. als Vorwerk neben einem 
Hauptgute, Meiergut, Meierhofz auch ein unfreied Bauergut, Zinsbauer— 
gut; die Meierinn, Frau eined Meiers; meiern, ziel. Zw., zum Meier 
machen, nur in dem abgel. bemeiern. 

Meier 2., m., -6, M. w. E., aud der Meierich, -8, verfchiedene, 
wild wachfende Wlanzen, namentlih: das Gauchheilz das Vogelfraut (Bo: 
gelmeier); das Lab: oder Megerfraut, auch Meierfrautz das Kraut vom 
Mangold oder der Beete; eine Art des Behen, -beerentragendes Behen; die 
Beermeldez der fleine Meier, eine Art Tauſendſchön, Eleine Melde, and) 
Meierkraut; die Meierblume, Pechnelke; — der Meier 3. eine Urt 
Spinnen, der Weberknecht; — 4. (v. d. niederd. meien, fejneiden) ein 
aus Holz gefchnittenes Trinfgefäß, nur in dem zgef. Birfenmeier, f.d. 

Meile, w., M,-n (altd. und angelf. mila, nieberd, Mile, engl. mile, 
ital. miglia 20.5 von dem lat. mille, taufend, milliarium, eine Ausdehnung 
von 1000 Schritten), ein großes Längenmaß zur Meffung weiter Ausdeh— 
nungen, in verfchiedenen ändern von verfchiedener Größe; insbef. die gemeine 
deutfihe Meile: gegen 23000 Parifer Fuß, ziemlich übereinftimmend mit der 
geographifchen Meile, deren 15 auf einen Grad gerechnet werden; eine eng= 
liche Meile; etwa Z deutfihe Meile zc.; im gemeinen Eeben häufig in Verbin- 
dung mit d. Gen. Weges (zwei Meilen Weges 2..); — Bfes. meilenbreit, 
⸗zhoch, =lang, =tief, Bw., eine ober mehre Meilen breit, hod) 20.5 Mei 
lenweit, Bw., fich eine od. mehre Meilen weit erftredtend, eine od, mehre Mei- 
len entfernt; dad Meilenmaß, Längenmefung nah Meilen; das Meilen» 
vecht, das Recht eines Ortes, dafs in dem Umkreife einer Meile um denfelben 
gewiffe Nahrungszweige nicht betrieben werden dürfen, oudh: der Meilen 
zwang; die Meilenfäule, der Meilenftein, Meilenzeiger, eine Säule, 
ein Stein, ein Pfahl x. dgl., worauf die Zahl der Meilen von einem Drte zu 
einem andern bemerkt iſt; die Meilenzahl ıc. 





Meiler — mein 149 


Meiler, m., -8, M. w. E. (niederd. Miler; ſchwed. mila, böhm. miljr; 
poln, mogila, wend, mohl, Hügel; franz, meule, Schober; vergl, Malter), 
urſpr. überh, ein Haufenz jegt nur ein runder Haufen anf einander ges 
ſchichteten Holzes, welcher zu Kohlen gebrannt wird: Scheitelmeiler, 
wenn er aus Scheiten, Klöppelmeiler, wenn er aus Klbppeln beftehtz 
die Meilerdede, die Dede von Erde, womit der Meiler bedeckt iſt; das 
Meilerholz, zu Meitern beſtimmtes Hols- die Meilerkohle; der Meilerz 
koͤhler, wer. das Holz in Meilern verkohlet, z. U, von Grubenkbhler; die 
Meiterftätt, «ftätte, »ftelle, der Platz, wo ein Meiler ſteht oder geſtan— 
den hat, | 

mein (got), meina, altd, min), alt und dicht. gew. meiner, der Gen. 
des perſoͤnl. Fuͤrw. ich, ſ. d. (5. B. vergifs mein nicht; ex fpottet meinerzc.) 3. 
in Zſetz mit halb, halben, wegen, willen fteht ftatt mein od, meiner: 
meinet: meinethalb, meinethalben, meinetwegen, um meinetwillen, 
d. i. wegen meiner, um meiner (felbft) willen; meinethalben u, meis 
netwegen drücken im gemeinen Leben oft Gleihgültigteit aus, z. B. meinets 
halben mag er kommen, d, i, idy habe nichts dagegen, es ift mir gleichgüttig, 
dafs er komme. 

mein, meine, mein, zueignendes Fuͤrw. der einheitlichen erften Per⸗ 
fon, (entft, aus dem Gen, mein des perfont. Fürw. ich; goth, meins, altd, 
u, nieberd, min, engl, my, mine, lat, meus), gebeugt: Gen. meines, mei— 
ner, meines; Dat, meinem, meiner, meinem; Acc, meinen, meine, meinz 
Mehrh. Nom, und Acc, meine; Gen, meiner; Dat, meinen; mir eigen od. 
gehoͤrig, mich angehend oder betreffend, von mir ausgehend oder herz 
ruͤhrend (3. B. mein Haus, meine Gefunöheit; meine Altern, Kinder; mein 
Werk ꝛc.); oft in der Anrede als Ausdruck der Unhänglichkeit, der engen 
Verbindung, der Vertraulichkeit (mein Freund, meine Liebe, meine lieben 
Freunde, mein Herr; fo audh: mein Gott! als Iebhafter Ausruf); auch zur 
Bezeichnung eines entfernteren Zufammenhanges (z. B. mein Land; in meiner 
Stadt, d. i. in der Stadt, wo ich geboren bin oder wohne; mein Held, bt, 
der Held, von dem id) rede, u, dgl, m.); — als Prädicat einem Haupt: od, 
Fürw, beigelegt bleibt mein unverändert, 3. B. das Haus, der Garten ift 
mein; biefe Bücher find mein, d. i. gehören mir; nicht aber: gehören 
mein! fo aud: fie ift mein; mein ift der Ruhm 20,5 ohne frradjliche Ver— 
bindung mit einem Hm, , doc in Beziehung auf ein genanntes od, gedachtes, 
lautet es: meiner, meine, meined, M. meinez wofür aud) der, 
die, dad meine od, meinige, M. die meinen od, meinigen, gebraucht 
wird (3, B, dies ift nicht dein Hut, fondern meiner, oder auch: der meine od, 
meinigez find dies deine Bücher, oder meine? auch: die meinen od. meinigen)5 

dad Meine oder Meinige, als felbftändiges Hw. f. mein Eigenthum, 
Vermögen; ; auch meine Schuldigkeit (das Meinige iſt gerettet; ich habe das 
Meinige gethan 2c.); die Meinen oder Meinigen, f. meine Angehoͤ— 
rigen, Verwandten; — dad Mein f. das Eigenthum überh,, der perfüns 
liche Beſitz (über das Mein und Dein ftreiten); — mein! oberd, u, jüdiſch. 
Empſindungswort (auslaff. f. mein Lieber! oder mein Gott!), eine Bitte od, 
mit Verwunderung ausgeſprochene Frage begleitend (3.3. mein, fag an! mein! 
wie ift das möglich ? u, dgl); — meinerfeit3, Nw,, von meiner Geite, was 
mich betrifft, 


150 EN Mein — meifchen 1 


Mein, m, u. ſ. (goth. main, Schade; iländ, u. altd. mein, m. 5 altoberd, 
das Main, niederd, Meen, ſchwed. men) vit. fe Schaden, Schmerz, Ger 
brechen, Fehler; Frevel, Verbrechen, Bosheit, Falſchheit; daher vlt, 
Bfeg. wie: Meincath, böfer, falfcher Rath; Meinthat, übelthat, 
Verbrechen; Meinfpradhe, Läfterung, Schmähungz Meinbote, falfher 
Bote; Meinfrieden, Meinkauf, betrügerifher Frieden, Kauf, u, dal, m, ; 
jest nur noch gebr. der Meineid,, ein mit Wiffen und Vorſatz geſchworener 
falſcher Eid; aud die wifjentlihe LÜbertretung des eidlich Verfprocenen, der 
Eidbruchz meineiden, untrb. ziel, Zw., vlt. einen —, ihn des Meineides 
beſchuldigen; meineidig, Bw,, eines Meineides ſchuldig; einen geleifteten Eid 
vorſätzlich übertretend z auch als Hw, ein Meineidigerz die Meineidigkeit. , 

meinen, ziellof, u. ziel, Bw, (goth. munan, altd, meinan, oberd, mainen, 
niederd, meenenz iöländ, meina, ſchwed. mene, engl, mean; von der ſanskr. 
Wurzel man, denken; vergl, mahnen, Mann, Menſch; d, gried, urdo, nınyjozw, 
lat, me-mini, erinnern; griech. wevos, lat, mens, engl, mind, Geift, Ge: 
müth 2c.), urfpr, überh, im Sinne haben, denfen, gedenken, fich erinnern; 
jegt insbeſ. dafuͤr Halten, urtheilen nad) perfünticher (Tubjectiver) Anſicht cder 
Empfindung, ohne die Wahrheit des Urtheils zu behaupten, finnv, glauben, 
denken, vermuthen, (ich meinte, er wäre dein Freund; was meinen Sie 
dazu? wenn Sie meinen, d. i, wenn Sie es für gut, vathfam haltenz das will 
ih meinen, d. i, dad meine ich allerdings); im Sinne haben, mit feinen 
Morten andeuten oder bezeichnen, fagen wollen (wen oder was meinft du 
damit? dich meine ich nicht, d. i. auf dich bezieht fic) meine Rede nicht; jo war 
es nicht gemeint, d. i. das wollte ic) damit nicht fagenz wie meinen Sie? f, 
was fagen Sie?); eine gewiffe Gefinnung gegen Jemand hegen, in Ver: 
bindung mit es u. einem Nw. (er meint es gut, aufrichtig, treu ze, mit mir ꝛtc.; 
c8 war nicht bbſe gemeint; auch uneig. von leblofen Dingen, 3. B. „der Ofen 
meint ed gut”, wenn er heiß ift und ſtark wärmt); in diefem Sinne beſ. die 
Mw. meinend und gemeint als Bw, (3. B. ein wohlmeinender Freundz 
ein gut gemeinter Rath u, dgl.)5 ferner f. willens fein, wollen, bef, Kanjl, 
gemeint ſeinz ehem, fi winnfchen, begehren, gern haben, lieben (4. B. 
ich meine fie von Herzen); — die Meinung, M. -en, das (fubiective) Ur— 
theil, die perfönliche Anficht von einer Sache (eine Meinung haben, hegen; 
einer Meinung feinz ic) bin der Meinung, dafs 26.5 er war nicht meiner Mei: 
nung; feine Meinung behaupten, ändern ꝛc.; einem feine oder die Meinung 
fagen, d. i ihm fagen, was man meint oder denkt, und bef. ihm Vorwürfe 
machen, einen Verweis geben; uber Meinungen freiten 5 gelehrte Meinungen 2c,) 5 
der Sinn, die Abfiht, die Öefinnung (das war nicht meine Meinung 5 ic) 
that es aus guter Meinung); Kanzl. der Willen, gew. die Willengmeinung ; 
3feg. der Meinungsgenof5, wer eines, Andern Meinung theiltz der Meis 
nungsglauben , ein nur auf Meinungen gegründeter Glauben, Wahrfchein: 
lchkeitöglaubenz der Meinungsfrieg, =flreit, =zwifl, ein Streit 2, über 
Meinungen; die Meinungsmwuth ıc. - 

Meiran, m., gem. f. Majoran, ſ. d. 

meifehen, ziel, Bw, (engl, mash, dän, mädske; verw, mit mifchen), überh. 
durch Umruͤhren vermiſchen; gew. nur Brau. das Malz; —, dasſelbe, nad: 
dem heißes Waffer darauf gegoffen, mit dem Meifchholz od, der Meiſchkruͤcke 
umruͤhren; der Meiſch, -e8, M.-e, (landſch. gem, auch Möſch, Mätſch) 


Meife — meift Bu" 


dad gefchrotene und mit heißem Waffer vermengte Malz; aud) dad mit 
Waſſer und Hefen vermifchte Malzfchrot, woraus Branntwein gebrannt 
wird; bſtr. der noch nicht Iautere Wein; der Meifchbottich, das Meifchfafs, 
die Meifchkufe, Bottich ꝛc., worin das geſchrotene Malz eingemeifht, di, 
mit heißem Waſſer vermifcht wird; die Meifchung, dad Meifchen. 

Meife 1. w., M.-n, Verkl. dad Meidchen, (altd, meisa; niederd. 
Meeske; angelf, mase; engl, muskin, tit-mouse; franz, m&sange), ein 
Gefchlecht Eleiner Singvögel mit dünnem, pfriemenförmigem Schnabel, von 
verfhiedenen Arten, als: Blau:, Brand:, Grauer, Hauben:, Kohl-, Rohr:, 
Schwanzmeife 20,5 der Meifenfang, das Fangen der Meifen, und der Ort, 
wo es gefchieht; die Meifenhütte, Klobenhütte zum Meifenfang; der Meis 
fenfaften,, eine Kalle zum Zange der Meifen und anderer Eleiner Vögel, aud) 
Meifenfchlag, Vogelklippe; der Meifenkloben, ein Kloben zum Meifen: 
fang; der Meifenkönig, die Sumpf: oder Graumeife; auch f. Zaunkönig; 
u, eine Art grüner Srasmüden, Mind, Meiſenmoͤnch; die Meifenpfeife, 
eine Eleine Pfeife, womit man die Meifen locktz der Meifentanz, ein mit 
Sprenkeln behängtes Geftell zum Meifenfang, 

Meife 2. w., M.-n (altd. meisa; oberd, Mais; ſchweiz. Mehfe), vlt. 
ein Geftell zum Tragen auf dem Ruͤcken, Tragreff. 

Meiß, m., —es, M. -e (von dem goth, maitan, altd. meizan, oberd, 
maißen, ſchneiden, hauen), landſch. Forſtw. |. v. w. Hau, Öchau, Schlag; 
daher: abmeißen, in Meiße theilen. 

Meißell. m., -3, M. w. E., Verkl. dad Meißelchen, (oberd, 
Maißel; von gleihem Stamme mit Meiß, ſ. d.5 vergl, metzeln, Meſſer zc.), 
ein ſchmales Eifen mit langem Heft zum Schneiden, Hauen, Stechen, 
Abſtoßen und Aushoͤhlen, bef. mit Hülfe eines Schlägelö, kei Bildhauern, 
Tiſchlern, Drechslern, Rlempnern, Schloffern 20.5 der Meißelbohrer, Bergw., 
ein eifernes Werkzeug mit meißelförmiger Schneide zum Bohren des Geſteins; 
‚meißeln, ziel, und ziellof, Zw., mit dem Meißel arbeiten, oder etwas aus— 
arbeiten, bilden; auch f. fchneiden, befchneiden (4. B. die zu langen Ohren 
der Pferde; v. d. vlt. meißen). 

Meißel 2. w., M.-n (oserd, der Maifel, ein beim Spinnen zufam: 
mengerollter Faden; fih maifeln, vom Zwirn: zufammenlaufen, fi) aufs 
rollen), ein Baͤuſchchen od. Wickelchen von gezupfter Leinwand (fr, Charpie), 
in die Wunden zu legen, gew. die Wieke; die Meißelmunde, eine Wunde, 
zu deren Heilung man Meifeln gebraucht, 

meift, der, die, das meifte, Bw. (goth. maists, altd. meist; angelf, 
maest, engl. most, ſchwed. mest; gried), zuiysoros, lat, maximus, der größte; 
vergl. mehr), der Bed, nad) Superl, von viel, mehr, den hoͤchſten Grad 
der Menge und der inneren Stärke) bezeichnend (die meiften Menſchen, die 
meifte Zeit, das meifte Geld, das meifte Anſehen 2,); auch als Hw. die Di ei 
ften, d. i. die meiſten Menſchen; das Meifte, d. i. die größte Menge, 
Zahl, Summe; am meiften als. Nw. f. im höchiten Grade, in der 
größten Anzahl; gem, auch f. am häufigften, (3. B. ex leidet am meiſten; 
es geſchieht am meiften im Sommer); meift od. meiftens, Nw., dem größten 
Theile nach, größtentheild, gemeiniglich (ex ift meift fertig; ich bin meiftens 
zu Haufe); meiftentheild, Nw., dem meiften Theile nach, in den meiften 
Fällen, gemeinigiih, landſch. auch meiftmals; meiſtbietend, Biw., das 


152 Meifter. 


Meifte bietend bei Verfteigerungen (etwas den Meiftbietenden verkaufen; une, 
meiftbietend verkaufen), 

Meifter, m., -8, M. w. E., die Meifterinn, M. - en (altd, meistari, 
ſchwed. mestare, engl, master; von meift, wie das lat, magister v, magis, 
daher ital, maestro, franz, maltre), überh, wer unter Mehren am meijten 
vermag, wer an Macht, Stärfe, Gewalt, Vorzuͤgen Andern Überlegen 
ift (den Meifter fpielenz einen für feinen Meifter erklären; feinen Meifter fin 
ben; einer Sache Meifter werden, d, i, fie in feine Gewalt bekommen); insbef, 
der Vornehmſte, Vorgefegte, Vorfteher in Zſetz. wie Bürgermeifter, Forſt- 
Hof-, Jäger-, Keller, Poſt-, Schagmeifter 20.5 der Geſchickteſte, Aus— 

gezeichnetſte, vollkommen Unterrichtete und Erfahrene in einer Kunſt oder 
Wiſſenſchaft (ein Meifter in feinem Faches eine Meifterinn in der Mufik ꝛc.; 
fein Meifter wird geboren), beſ. ein Kuͤnſtler, im Gegenfas des Werkes (Ge: 
mälde von berühmter Meiftern; das Werk lobt den Meifter); ein Lehrer im 
Gegenfaß des Schülers (Chriftus, unfer Herr u, Meifter; ein Schul, Sprach-, 
Sing-, Schreib-, Recenmeifter u, dgl,, jeht gew. Lehrer); ein Hand— 
werfer, der ausgelernt u. dad Recht erworben hat, Lehrlinge u. Gefellen 
zu halten (Meifter und Gefellen; ein Tiſchler-, Drechsler-, Schneider:, 
Schloſſermeiſter 20.); daher aud) bei den Freimaurern : wer den dritten Grad 
des Ordens hatz wenn er einer ganzen Loge vorfteht; Meiftervom Stuhl; 
landſch. in beſ. Bed, f. Feldmeiſter, Abdecker; — 3fes. die Meifterarbeit, 
das Meiſterbild 2c.; das Meiſtereſſen, Handw,, eine Mahlzeit, welche ein 
neuer Meifter den übrigen Meiftern giebt, auch dad Meifterbier; das Mei- 
fiergeld + die Meiftergebühr, Handw., das Geld, welches derjenige, welcher 
Meifter wird, an die Zunft bezahlt; der Meiftergefell, Handw., ein Gefel, 
welcher bei der Wittwe eines Handwerkers die Stelle des Meifters vertritt; die 
Meifterhand, die Hand und uneig. die vorzügliche Geſchicklichkeit und Kunſt 
eines Meifters (ein Kunſtwerk von Meifterhand) ; der Meifterjäger, an Höfen: 
geſchickte Jäger, welche dem Range nach auf die Jagdjunker folgen; der Mei— 
fterfnecht, der vornehmſte Knecht eines Schafmeifters; ıniederd. der oberfte 
Bediente in einer Fabrik; landfch, der Knecht eines Abdeckers; die Meifterlade, 
Lade der Handwerker (f. Lade); meiſterlos, Bw., Eeinen Meifter. habend, 
ohne Auffeher, unbeherrſcht; das Meifterpfund, ein fchweres Pfund der 
Wollweber; der Meiflerpinfel, der meifterhaft geführte Pinfel, die vorzüg- 


lie Gefhidlichkeit eines Malers; das Meifterrecht, das Recht, ein Hand: - 


werk als Meifter zu treiben; landſch. auch f. Meiſterſtück; der Meifterfanger 
od, finger, Meifter od, überh. Mitglied einer zunftmäßigen Singeſchule, der: 
gleichen feit dem 14ten Sahrhundert in mehren deutfhen Städten beſtanden; 
ihre Lieder heißen Meifterlieder, =fange oder -geſaͤnge; die regelrechten, 
Eünftlichen Weifen derſelben: Meiftertöne; die ganze Zunft: Meifterges 
noſſenſchaft; der Meitterftreich, ein von der Erfahrung und Geſchicklichkeit 
eines Meifters zeugender Streich; dad Meifterftük, überh. das Werk, die 
Arbeit eines Meifters, bef. deffen vorzuglichfte Arbeit; Handw. die befonders 
künſtliche Arbeit, welde ein Gefell verfertigen mufs, um Meifter zu werden; 
der Meifterfiubl, der Stuhl od. Sig des Meifters, beſ. bei den Freimaurern; 
der Meiftertag, Handw,, Verfammlungstag der Meifter eines Gewerkes; 
dad Meifterwerf, ein meifterhaftes Werk, bef. Schrift: oder Kunſtwerk; 
die Meifterwurz oder » wurzel, eine ſchirmtragende Gebirgspflanze mit einer 


Melb — Meliffe 158 


gewürzhaften, Heilfräftigen Wurzel, Kaiferwurz (imperatoria L.); ſchwarze 
Meiſterwurzel, eine boldentragende Pflanze, aud) Oftrih, Oſtranz; der 
Meifterzug, ein meifterhafter Zug (f. d); — Ableit. die Meifterei, 
landſch. f. Feldmeiſterei, Abdeckerei; meiftern, Zw. (altd. meistron) 1) ziel, 
etwas oder einen —, überh. fih zum Meifter dariiber machen ; daher 
ehem, f. bewältigen, beberrfchen, bezaͤhmen (feine Begierden, ſich felbft —, 
gew, bemeiſtern); jetzt gew. als Meifter mit dem Bewufftfein überfegener 
Einfiht beurtheilen, tadeln, beſ. als vermeinter Meifter ungebührlid) ta= 
deln (Bott —); ehem, auh etwas — f. verfirtigen, machen; 2) ziellos, 
den Meriter oder Lehrer fpielen, lehren, bef. in dein zgeſ. fhutmeiftern z der 
Meifterer, -5, wer etwas meijtert, d, i, als Kenner tadelt; meiſterhaft, 
Bio. und Nw,, einem Meifter gemäß, eines Meilterd würdig; die Mei— 
fterhaftigfeit; meifterlich, Nw. u. Bw., nad Urt eines Meiſters, mei— 
ſterhaft; die Meifterfchaft, der Zuftand, die Würde, die vollendete Ge— 
ſchicklichkeit und Kunſt eined Meiſters; insbef. der Stand eined Hand 
werfemeilterd; aud die Gefamnitheit der Meifter einer Zunft; das Meise 
ſterthum, vlt., die Eigenfchaft und Wuͤrde eines Meiſters. 

Melb, fe, — es, oberd. fr Mehl (ſ. d,)5 daher der Melber f. Mehle 
händler, 

Melde, w., M.-n (landfch. gem, Melte, Milte, Melles altd, melda, 
dän. meld; verw, mit mild?), ein Pflanzengefchleht, welches Zwitter: u, 
weibliche Blumen auf einer Pflanze zeigt, mit verfchiedenen Arten, als: die 
eföbare Gartenmelde; gemeine oder wilde Melde, auch Miſtmelde; ftraudhar: 
tige Melde im füdlichen Europa (Meerportulak) ; einige Arten des Gänſefußes, 
Zwittermelde; ftinfende oder Hundömelde (f, d.) ꝛc. 

melden, ziel, 3w. (altd. meldon, angelf, meldian ; ſchwed. mäla, fprechen 5 
verw, mit Mal, Mahl, Zeichenz goth. mel, Schrift, meljan, ſchreiben; 
Grundbed, anzeigen), überh. etwas mündlich oder fchriftlidy ankuͤndigen, 
anzeigen, anfagen, mittheilen, bef, fofern es pflichtmäßig oder ber Sitte ge: 
maß aefihieht (den Freunden feine Ankunft melden; mein Hendeisfreund meldet 
mir, daſs 26.); anführen, erwähnen (dev Verfaffer meldet davon nichts; 
ohne Ruhm zu melden, d. i. der Sache zu erwähnen, ohne mid) zu rühmen; 
mit Ehren zu melden, d, i. ohne Verlegung des Anftandes); einen od, fih —, 
d. i. feine oder deffen Gegenwart oder Ankunft anzeigen (dev Gaftwirth 
meldet die anfommenden Fremden bei der Behörde; ſich bei Jemand meiden od, 
melden laſſen, d. i, ihm einen Beſuch anſagen; die Gläubiger melden ſich, d. i, 
“geben ſich ald foldye zu erkennen und verlangen ihre Bezahlung); uneig. aud) 
von Thieren u. leblofen Dingen f. fein Daſein od. Herannahen zu erfennen 
geben (dev Hirſch meldet, Züg, f. er ſchreit; der Winter meldet fih, wenn 
das Wetter kalt u. unfreundlid wird; das Fieber meldet fid), u, dergl, m.) 5; — 
der Meldebrief, ein Brief, in welchem man einem Andern eine Nachricht 
mittheilt; meldenswerth, Bw., werth, gemeldet od, berichtet zu werben; der 
Melder, -8, die Melderinn, M. -en, wer etwas meldet; ehem. f. 
Ungeber, Berräther (altd. meldari)z; die Meldung, dad Melden, die Anz 
zeige, Anſagung, der Bericht, die Erwähnung (einer Sache oder von einer 
Sade Meldung thun, d. i, fie anführen, erwähnen), 

Meliffe, w., M. -n (w. griech. uedıooe, Biene), sin wohlriechendes 
Gewaͤchs, aus welchem die Bienen gern Honig fammeln: Bienenfraut, Ho= 


154 melfen — Menge 


ker Mutterfrautz daher: das Meliſſenwaſſer; der Meliffengeift, 
⸗thee. ꝛc. 

melken, ziel. Zw. (oberd. melchen, altd. melchan, ih milcho; angelſ. 
melcan, engl. milk, ſchwed. molka; griech. @ueiyeıw, lat. mulgere; urſpr. 
wohl ftreichen und ziehen, vergl. das lat. mulcere), ablaut. felten: du milfft, 
er milkt, gew. melfjt, melkt; Imperat. felten: milf, gew. melfe; Impf. 
molf, Gonj. mölfez Mw. gemolfenz dod auch bloß umend. melfte, ge= 
melkt; Kühe, Biegen, Schafe —, durch ein mit Ziehen verbundenes Strei= 
hen die Milch aus den Zigen drücken (den Bock melken, ſprichw. f. etwas 
Vergebliches thun); uneig. gem. f. auffaugen, arm machen; mit den Fin 
gern ftreicheln, betaften, ziehen, zerren, wofür landfd. gem. aud): mel: 
kernz une, landſch. f. das zielloje milden (f. d.); melf, Bw. (altd. und 
oberd. melch; isländ. mylkr; angelf. melce, engl. milck), was gemelft 
wird oder werden fann, Milch gebend, milchend, 3. B. eine melte Kuh, 
auch zgef. die Melkkuh, =ziege, das Melkſchaf; Melkvieh, d. i. melkes 
Vieh; — Bfee. von melken: der Melkeimer, dad Melkfafs, =gefäß, 
= gefchirr, die Melkgelte ꝛc. Gefäße, worein die Milch gemolfen wird; der 
Melkihämel, =ftuhl, ein Schämel oder Stuhl, worauf man beim Melten 
fist; das Melktuch, ein Tuh zum Durchſeihen der eben gemolfenen Mitch; 
die Melkzeit, die Zeit, wo man das Vieh zu melfen pflegt; — Ableit. der 
Melter, —s, die Melferinn, M. -en, wer melkt; uneig. f. Stodeule; 
in Zſetz. Bodmelter, wer etwos Vergebliches, Thbrichtes thut; Hunde, 
Kasenmelfer, wer gern Hunde, od. Katzen ftreichelt; die Melterei, das 
Melken, eig. und uneig. in verächtl. Bed.z aud) eine Unftalt, wo gemolfen 
und die Milch verwahrt wird, Milcherei. 

Melm, m., -e8 (v. malmen), landſch. f. Mulm, Staub, Pulver. 

Melnider, m., -8, ein guter böhmifcher Wein von der Stadt Melnid. 

Melone, w., Ms-n (aus dem ital, mellone, lat. melo; v. d. griech. 
nijrov, Apfel, umkonerov, apfelfdemige Melone, eig. reifer Apfel), die rund= 
liche, faftige, ſuͤße Frucht einer zu dem Gefchlechte der Gurfen gehörenden 
Pflanze; auch die Pflanze felbit, welche bei uns nur in Miftbeeten gezogen 
wird; — 3fes. der Melonenkern, =faft, die Melonenfchale, das Me— 
Yonenblatt ꝛc.; der Melonenbaum, ein Baum mit melonenägnlicher Fruxht 
in beiden Indien; die Melonendiftel, ein amerifan. Gewächs, welches einen 
£ugelförmigen, mit Warzen und Stacheln befegten Körper bildet; der Melo« 
nenfürbifs od. Landfch. die Melonenpfebe, eine Art Kürbiffe mit aufrechten 
Ranken. 

Memel oder Memer, w., M.-ın, niederd. gem. f. Mehlmilbe. 
Memme, gew. als Maͤmme, w.,M. -n, eig. niedr. f. Mama (ſ. d.), 
Mutter; uneig. eine feige Memme, ein feiger, weibiſcher Menſch; 
daher die Memmerei, M. -en, gem. dad mweibifche Betragenz aud) eine 
einzelne feige Handlung. 

Menderle, w., M.-n, landſch. f. Wollblumez auch eine mit dem 
Ehrenpreis verwandte Pflanzengattung. 

menen od. mennen, ziel. Zw. (ſ. mähnen 2.) oberd. u. ſchweiz. f. führen, 
leiten, 

Menerle, w., M. -n, landſch. f. Maserle. 

Menge, w., M. -ın (goth. managei, alt. manaki, menigi; d. mähac, 


Mengel — Menfch 155 


mannig, mand, f. d.), eine unbeftimmte große Anzahl von Dingen einer 
Art, eine Bielheit (eine Menge Menfhen, Geldes oder gew. Geld; Geld in 
. Menge haben ; die ſchwere Menge, gem. f. eine große Menge); in beftimmterer 
Bed. f. dad Volk, die Mafle der Menfchen, der große Haufen; die 
Menge au als Nw. f. in Menge, fehr viel (z. B. Bücher, Reichthum zc. 
die Menge); das Mengenmaß, ein Maß zur Beftimmung der Menge des zu 
meffenden Stoffes. 

Mengel 1. f.,-8, nieberd. ein Maß zu flüffigen Dingen, = 4 Quatt. 

Mengel 2. w., M. -n oder die Mengelwurz, (verderbt aus Man: 
gold), landſch. f. gemeine Grindwurz; Sauerampferz eine Art ded Sam: 
frautes, 
mengen 1. ziel. Bw. (angelf. mengean, ſchwed. mänga, engl. mingle; 
v. dem niederd. mang, manf, f. d.5 wohl gleichen Urfprungs mit miſchenz 
vergl. das griech. zulyrum u. uloyo), mehre Dinge verschiedener Art ohne 
Drdnung untereinander thun, ſinnv. miſchen; bef. nur von trodenen Din- 
gen, deren Beftandtheile ſich nicht mit einander verbinden, daher verfch. von 
mischen (Roggen unter Weizen —; gemengtes Getreide, f. v. w. Manglornz 
dem Dich fein Futter mengen, di. Hafer, Korn zc. mit Hädfel —; die Kar: 
ten mengen 5 fich unter die Zufchauer mengen, d. i. in ihre Mitte begeben) ; oft 
mit dem Nebenbegriff der Berwirrung, ded Ungehörigen oder Lnbefugten 
(dad Hundertfte unter das Tauſendſte —, d. i. die verfhpiedenartigften Dinge 
unfer einander wirren; uneig. fid) in fremde Händel —, d. i. unbefugter Weife 
daran Theil nehmen 3, er mengt fid) in Alles u. dgl.); — Bfeg. das Menges 
korn, ſ. v. m. Mangkornz der Mengfpath, blätteriger Spath; der Meng- 
theil, ein Theil eines Gemenges; — Ableit. der Menger, -8, die Men- 
gerinn, M. - en, wer etwas mengt (Sprachmenger u. dgl.) ; die Mengerei, 
tadelnd, das Mengen, Bermilchen verfchiedenartiger Dinge; das Mengfel, 
-d, M. w. E., Gemenge, Gemiſch; meift verächtl. f. v. wm. Miſchmaſch; 
die Mengung, das Mengen; mengeln, landſch. gem. auch mengeliren, 
das verki. mengen: allerlei Kleines wiederholt unter einander mengen; 
daher: der Mengelhaufen, dad Mengelmus, gem. f. Gemenge, Gemiſch;z 
der Mengeling, —es, M. -e, ein gemengtes Ding; niederd, ein von zwei 
verfhiedenen Arten gezeugtes Pferd. 

mengen 2. oder mengeln, ziel. Zw. (angelf. mangian, isländ. manga; 
f. Manger 2.) oberd. f, im Kleinen verfaufen, troͤdeln, höfenz daher der 
Menger od. Mengeler, -3, ſ. v. w. Mangers Krämer, Troͤdler, Höfer. 

Mennig, m., - 8, o. M., od. Mennige, w. (niederd. Mennje, ſchwed. 
mönja; aus dem lat. minium), ein gelbrother Färbeftoff, durch ſtarke Ver: 
Ealkung des Bleies bereitet; daher: der Mennigbrennerz die Mennighütte, 
smühle; der Mennigofenz mennigroth, Bw. 

Menfh, m, -ın, M.-eın, Berk. dad Menfchlein, (urfpr. ein 
von man, Menſch, Mann (f. d.) gedildetes Bw.3 got}. mannisks, altd. 
mennise, menfhlih; dann als Hw. althochd. mennisco , mittelhochd. men- 
nesche, mensche; angelf, mennisc, ſchwed. menniska; niederd. Minsk; 
ſanskr. manuscha), dad mit einer vernuͤnftigen Seele begabte, edelfte Ge— 
fchöpf der Side, ein finnlich= vernünftiges Weſen, (ale Menſchen müſſen 
fterben; Kein Menſch war zu Haufe, d. i. Niemand; der Menſgch aud f. die 
ganze Gattung, 3. B. der Menſch Tann denken); insbef, mit dem Nebenbegriff 


156 Menfch . 


der menſchlichen Schwäche, Gebrechlichkeit, Beſchraͤnktheit (mir find Ale 
Menschen, d. i. ſchwache, unvollflommene Wefen), oder im Gegentheil: des 
fittlichen und geiftigen Adels der menfchlichen Natur (beftrebe dich, Menſch 
zu fein) z bibl. der alte Menſch, d. i. der verderbte Naturzuftand des Menz 
fhenz entg. der neue Menfch, der durd) innere Wiedergeburt veredelte Zu: 
ftand desfelbenz der innere Menſch, das Gemüth, der Geiftz entg. der 
äußere Menfc, der Körpers in engerer Bid. ift der Menfch eine männs 
lihe Perlen, wenn man ohne befondere Achtung ſpricht (mer ift der Menſch? 
ein hübſcher, junger Menſch, u. dgl.)5; — das Menih, 1)-eın, M,-en, 
alt u. oberd. f. eine Perſon, ohne Unterfcied des Geſchlechtes (z. B. ein frem⸗ 
des Menfh, u. dgl.)3 2) -e6, M. -er, sine weibliche Perjon, bej. eine 
junge, unverheirathete, ehem. ‚ohne verächtl. Nebenbegriff; jetzt nur niebr. 
und verädtl. f. eine weibliche Perfon niederen Standes, bef. eine Magd 
(ein armes Menfh, Dienftmenfh); ein verächtliches, fittenlofes, freches 
Weibsbild, ſ. v. w. Hure; — 3fes.v. der Menſch: menſchenaͤhnlich, 
Bw., die Menfchenähnlichfeit; das Menfchenalter, ver Zeitraum, in 
welchem ein neues Menſchengeſchlecht zur männlichen Reife fommt, eine Zeit von 
etwa 30 Sahren, ſ. v. w. Geſchlechtsalter (fr. Generation) ; die Menfchenart, 
⸗ gattung, eine eigenthümlide Art oder Gattung von Menfchen, fowohl in 
natürlicher Hinfiht (fr. Race), als in fittliher Hinfihtz die Menfchenbildung, 
Bildung, Ausbildung, Vervollkommnung des Menfhenz das Menfchenblut, 
Blut eines Menfhen (Menfchenblut vergiegen , d. i. einen Menfhen verwunden 
oder tödten); der Menfchenfeind, die Menfchenfeindinn, wer die Menfchen 
haſſt u. ihren Umgang vermeidet (fr. Mifanthrop); daher menfchenfeindlich, 
Bw. u. Nw.; die Menfchenfeindlichkeit ; das Menfchenfleifc) ; der Mens 
fchenfreffer, ein wilder Menſch, der andere Menfchen friſſt; auch f. Menſchen— 
bei; Aasgeier; der Menfihenfreund, die Menfchenfreundinn, wer allen 
Menſchen wohl wi und wohlzuthun fuhtz daher menfchenfreundlich, Bw., 
finnv. wohlmollend, liebreich, leutſelig; die Menfchenfreundlichkeit, men: 
ſchenfreundliche Geſinnung, Menfhenliebez die Menfchenfurcht, Furt vor 
dem Urtheil oder der Verfolgung der Menfchen, bef. fofern fie die Freiheit im 
Denken u. Handeln befhränftz das Menfchengedenfen, das Gedenken, bie 
Erinnerung der Menfchen (feit Menfchengedenfen, d. i. fo weit das Gedächtniſs 
der Menjchen in die Vergangenheit reicht); das Menfchengefchlecht, alte 
gleichzeitig lebenden Menſchen; auch die Gefammtheit der Menſchen überhaupt; 
die Menfchengeftalt; menfchengleih, Bw.; die Menfchengröße, f. 
Größe; die Menfhengunft, Gunft der Menge; der Menfchenhat, die größte 
Art Heififche, welche Menfchen verfihlingen können die Menfchenhand, Hand 
des Menſchen, bef. mit Hinfiht auf die Geſchicklichkeit oder Kunftfertigkeit (von 
Menſchenhänden gemacht); der Menfchenhandel, Handel mit Menfchen, 
Sclavenhandelz der Menfchenhafs, Hafs gegen die Menſchen als folhe (fr. 
Miſanthropie); der Menfchenhaffer, f. v. w. Menfihenfeind ; die Menſchen— 
: haut; das Menfchenherz, das Herz, bef. uneig. das Gemüth,. die Gefühle 
u. Neigungen des Menſchen; der Menfchenhüter, bibl. f. Gottz der Mens 
fhenfenner, die Menfchenfennerinn, wer die Menfchen nad) igrer Denk: 
u. Handelöweife aus Erfahrung Eennt u. zu beurtheilen weiß; die Menfchens 
kenntniſs; das Menfchenfind, alt und fcherz. f. Menſchz die Menfchen- 
klaſſe, eine Gefammtheit von Menſchen einer Art, bef. nad) Stand, Bildung 


Menſch 157 


und Lebensweiſe; die Menſchenkunde, ſ. v. w. Menſchenkenntniſs daher 
menſchenkundig, Bw., Menſchenkenntniſs beſizend; dad Menſchenleben, 
das Leben des Menſchen auf Erden, beſ. mit Hinſicht auf deſſen Kürze u. Hinz 
fälligkeitz menfchenleer, Bw., leer von Menjdes, ſinnv. bde, wüſt; die 
Menfchenleere, Leere an Menfhenz die Menfchenlehre, die Lehre ober 
Wiffenfhaft vom Menfchen nad feiner körperlichen, geiftigen und fittlidien Na: 
tur (fr. Anthropologie); die Menfchenliebe, wohlwollende Gefinnung gegen alle 
Menfchen als folhe; die Menfchenmenge, eine Menge, ein Haufen von Men: 
fchen ; menfchenmöglich, Bw., gem. f. einem Menfchen irgend möglich; die 
Menfchennatur, die leiblic;-geiftige Natur des Menfhen; das Menfchenopfer, 
ein in Menfchen beftehendes Opfer; der Menfchenquälerz der Menfchen> 
raub, gemwaltfame Entführung von Menſchen; der Menfchenräuber , wer 
einen Menfchenraub begeht; das Menfchenrecht, M. Menjchenrechte, die 
jedem Menfchen, als vernünftigem, fittlichs freiem Wefen zuftehenden natürlichen 
Rechte; die Menſchenſatzung, von Menſchen herrührende Satzung, entg. den 
göttlichen Geboten; menfchenfcheu, Bw., die Menfchen ſcheuend, ihren Um— 
gang ängfttic vermeidend; die Menfchenfcheu, Scheu vor Menſchen; der 
Menfchenichinder, gem. f. Menfchenquäterz der Menfchenfchlag, eine be: 
fondere Menfihenart (vergl. Schlag), bei, hinfihtli der Eigenthümlichkeit des 
Volksſtammes und der Landesartz der Menſchenſohn, bibl. f. Chriftus, zur 
Bezeichnung feiner menfhlihen Natur; die Menfchenfliimme, Stimme eines 
Menſchen; ein Orgelzug, welcher diefelse nahahmtz; der Menfchenverftand, 
der gewöhnliche, gemeine Verftand der Menfchen (bef. der gefunde Menfchens 
verftand) 5; auch der verftändlihe Sinn einer Rede od. Handlung (hierin ift Fein 
Menſchenverſtand); die Menfchenweisheit, die Weisheit der Menfchen, bef. 
nad) ihrer Unvollfommenheit, entg. der göttlihen; dad Menfchenwerf, ein 
Werk von Menfhen gemacht; der Menfchenwerth, die Menfchenwürde; 
das Menfchenwohl, die Wohlfahrt der Menſchen; die Menfchenwohnung ꝛc.; 
die Menfchwerdung, das Menfhwerden, die Vereinigung der göttlichen Na— 
tur mit der menschlichen in Chriſtus; — Ableit. menschen, menfcheln, 
zielloſ. Zw., Landfch. gem. f. ſich als Menſch zeigen, ald Menſch fehlen, bef. 
unp. es menfchelt bei ihm, d.i. er fehlt oder irrtz das Menfchenthum, 
meift vlt,, die Oefammtheit der Menfchen, das Menfchengeichlecht; auch f. 
die Menfchennaturz; daher menfchenthünlich, Bw., Neuw. f. der Men— 
fchennatur eigen, angehörig, gemäßz die Menfchenthümlichkeit, Eigen— 
thiimlichfeit der Menfchennatur, (f. des fr. Humanität); die Menfchheit, 
dad Menfchfein, die menfchliche Natur (die Menſchheit Chrifti), bef. die 
geiftigzfittliche Wuͤrde des Menſchen; auch f. dad Menfchengefchlecht, bei. 
in Anfehung feiner Bildungszuftände (Geſchichte der Menſchheit); menschlich, 
Bw. u. Nw., dem Menfchen aͤhnlich, angemeffen, eigen (menſchliche Ge— 
ftalt; der menſchliche Körper; menſchliche Gefühle); in der (eingefchräntten) 
Natur des Menfchen gegrimdet (Irren ift menfhlih; es ift ihm etwas 
Menschliches begegnet, d. i. er hat geirrt, gefehlt 2c.)s der fittlichen Wuͤrde 
‚des Menfchen u, dem Bildungszuftande gefitteter Menfchen gemäß, entg. 
unmenſchlich (menfchlic fein, denken, handeln 2c.); die Menfchlichkeit, das 
Menſchlichſein; die Eigenthlimlichkeit der Menſchennatur; aud eine ein= 
jelne darin gegründete Schwachheit oder Unvollfommenheit (M. Menſch— 
lichkeiten); beſ. aber Die der fittlihen Würde und dem Bildungsftande 


158 Merch — merken \ 


gefitteter Menfchen entiprechende Denf= und Handlungdweife, entg. Un: 
menfchlichkeit, (fr. Humanität). 
Merch, m., -ed, M. - € (lat. mergus), oberd. f. Haubentaucher ; Tau⸗ 
chergans; die Merchente, f. Eis: od. Winterente, Mewentaucher. 

Mergel, ehem. au Märgel, m., —s, o. M. (v. Mark (f. d.); maro, 
mar, mürbe; altd. mergil, ſchwed. märgel; franz. marne; böhm. merk), 
eine aus Thon u. Kalferde beftehende, mürbe, fette, graumeiße Erdart, 
zum Düngen gebraucht 5 landſch. au f. Mark; der Mergelboden ; die Mer— 
gelerde; die Mergelgrube;z das Mergelland; die Mergelnufs, mit 
Steinmarf überzogene erzhaltige Kieskugeln ; der Mergelfchiefer, ſchieferför— 
mig verhärteter Mergelz der Mergelfteinz; — mergeln, ziel. 3w., 1) mit 
Mergel düngenz 2)inab:, ausmergeln: des Markes berauben, ent= 
kraͤften. 

Meringel, w., M.-ın, landſch. eine Art feines Backwerkes. 

Meringer, m., —s, M. w. ©. (v, ital. marinaro; vergl. Marner), 
oͤſtr. und bair., der zweite Schiffmann, welcher am Vordertheil des Schiffes 
rudert. 

Merk, m., — es, landſch. f. breitblätteriger Eypih, Wafferenpich. 

merfen, ziel. Zw. (altd. marhan, merhan; iöländ. marka, angelf. mear- 
can, engl. mark; von Mark, Zeichen), eig. mit einem Zeichen verfehen, 
zeichnen, f. v. w. marken; uneig. etwas —, es feinen Merfmalen oder 
- Kennzeichen nah wahrnehmen, empfinden, finno. bemerken, inne werden, 
erfennen (ich merke feing Abficht 5 er merkte nichts; laſs ihn nichts davon mer- 
ten; aber nad) gew. Spracdgebr. lafs dir nichts merfen, d. i. Außere nichts, 
gieb nichts zu erkennen; r. wäre „laß dich nichts merken’, d. i. made od, ftelle 
dich, als merkteft oder wüffteft du nichts); etwas durch genaue Wahrneh— 
mung feiner Merfmole im Gedaͤchtniſs behalten (merke, was ih dir ſage; 
ich werde mir es merken; ich habe mir den Weg, die Stelle ıc. gemerkt); auf 
etwas —, darauf achten, Acht geben, feine Aufmerkfamfeit darauf 
richten (mer? auf meine Worte; merke wohl! wohl gemerkt! 2c.); — daB 
Merk, -eö, M. -e, gem. f. Zeichen, Marke, Merfmal; Berkt. das 
Merkchen, ein Fleined Zeichen; ein Eleiner, Faum merflicher Theil, od, 
Raum; der Merks, landſch. f. Aufmerffamkeit, Gedaͤchtniſs; — 3feg. 
von merken: merfenswerth, Bw.; dad Merkmal (ſ. Mal 2.), ein Zeichen, 
woran man etwas merkt oder erkennt, eine unterfcheibende Eigenfchaft, finnv. 
Kennzeichen; der Merkftein, f. v. w. Marfftein;. das Merkwort, ein Wort, 
welches man zu merken hat und woran man etwas merkt, Stichwort (f. d.)3 
merkwürdig, Bw., werth gemerkt od. beachtet u. im Gedädhtnifs behalten zu 
werden, ſinno. denkwürdig, beachtenswerth; die Merkwuͤrdigkeit, das Merk: 


' 


wirdigfein einer Sache; eine merkwürdige Sache oder Begebenheit (M. Merk: 


würdigkeiten), finnv. Oenkwürdigkeitz dad Merfzeichen, ein Zeichen, woran 
man etwas merft, einen Gegenftand unterfcheidet, finnv. Merkmal, Kennzei: 
chenz insbef. ein Zeichen, welches man ausdrücklich madt, um etwas zu merken, 
oder daran zu erfennenz merkzeichnen, unted, ziel. Zw., mit Merkzeichen 
verfehen, dadurch, Eenntlic machen (Neuw. f. das fr. charakterifiren) ; — Ab: 
Leit. der Merfer, —s, die Merkerinn, M,-en, wer etwas merft, auf 
etwas zu achten hatz ehem. in den Meifterfängerfhulen die vier Vorfteber 
der Genoffenfchaft, welche die Fehler der Singenden anmerkten; merkbar, Bw., 


Merlan — Mefle 159 


mad gemerkt od, wahrgenommen werden kann; die Merfbarkeit; merk» 
lich, Bw. und Nw., was fich leicht merken läfft, leicht wahrgenommen 
oder empfunden wird (er befindet ſich merklich befferz die Tage nehmen merk: 
lich zu) ; die Merklichkeit; merkſam, Bw., vit. f. fähig etwas zu merken, 
oder aufzumerfen, vergl. aufmerkſam, oberd. gemerkfam. 

Merlan, m, -8, Ms -e, landſch. f. Meerhecht; od. Weißling (franz. 
merlan), 

Merle, w,M.-en, (lat, merula, franz. merle) oderd. f. Amfelz Ler— 
chenfalke, auc der Merling, -d, M. -e; die Merlmeife f. Btaumeife. 
Merung, w., M. -en (0. Meer, ſ. d.) öſtr. f. Ubzucht, Kothgrube, 

Merz, me, 1. März. 

Merz, fe, -ed, aud das Gemerz, (lat. merx, Waare), ſchwäb. f. 
Handelfhaftz Waare; insbef. der Handel mit Fettwaren, Mehl, Hanf 
u. dgl.; der Merzler, - 8, f. Trödler, 

merzen, ziel. Zw. (wohl nit v. März, fondern verw. mit marken, merkenz 
vergl. das engl. mark out, ausmerzen), vlt. außer in: ausmerzen (f.d.), 
ald untauglich ausſondern; daher: das Merzfchaf, Merzvieh, ausgemerz= 
tes Vieh. 

Meferich, m., — es, landſch. der achtblätterige Waldmeiſter, auch Mds 
fhen, Meuſch. 

Mespel, w., f. Mispel. 

Meffe, w., M. -n (altd. ſchwed. ital. messa, franz. messe, engl. massz 
v. d. mittl, lat. missa, entft. aus den Worten des Geiftlichen „ite, missa est’? 
sc. concio, d. is „geht, die Verfammlung ift entlaffen’‘, worauf die Katechu—⸗ 
menen ſich entfernen), 1) der Iheil des Fathol, Gottesdienſtes nach der 
Predigt, nad) deffen Ablefung oder Abfingung der Priefter das Abendmahl ges 
nießt, Abendmahlöfeier, Hochamt (die Meffe lefen, fingen 2c.)5 aud ein 
die Meffe begleitende®, und überh. ein aus gewiffen biblifchen Sprüchen zu= 
fammengefegtes, Firchliches Tonſtuͤck; ferner ein Stirchenfeft, da der wich— 
tigfte Theil deöfelben in der röm. Kirche die Mefje ift (daher noh: Kird= 
messe, Lichtmeſſe, f.d.); 2) ein öffentlicher, mit befondern Freiheiten 
begabter, großer Jahrmarkt, wozu urfpr. die Kirchenfefte Veranlaffung ga= 
ben (die Leipziger, Srankfurter 2c. Meſſe; die Meffe beziehen zc.) 3 uneig. ein 
zur Zeit der Meffe gemachtes Geſchenk (einem eine Mefje kaufen 2.) — 
Bes. das Mefsamt, das Halten der gottesdienftt. Meſſez der Mefsbrief, 
ein auf eine Meffe (2) geftellter Wechfelbriefz; das Mefsbuch, 1) ein Bud, 
worin die gottesdienftl. Verrihtungen bei der Eathol. Meffe aufgezeichnet find 
(fr. Miffale); 2) ein Handlungsbuh, in welches die Mejsgefchäfte eingetragen 
werden; die Mefsfreiheit, die Freiheit eines Ortes, eine Handelsmeſſe halten 
zu dürfen; auch die einem Orte während der Mefje bewilligten Freiheiten; der 
Meföfremde, -gaft, wer der Meffe wegen einen Ort befuchtz Tas Mefs- 
geleit, das Geleit der zur Mefje Reifendenz dad Mefsgeräth, das zu einer 
gottesdienftl, Meſſe nöthige Geräth; dad Meſsgeſchenk, ein Geſchenk bei Ge: 
Vegenheit ter Meſſez das Melsgewand, -hemd, Prieftergewand bei Haltung _ 
der Meſſe; die Meſsglocke od. das Meſsgloͤckchen, die Glode, mit welcher 
zur Mefje geläutet, und befonders das Glbckchen, womit das Beiden der ge- 
ſchehenen Verwandlung gegeben wird; dad Mefsgut, M. Mefögüter, f. v. w. 
Meſswaaren, für die Meffe beftimmte Waaren; dad Mefsforn, landſch. 


\ 


160, meſſen — Meffer 


Getreide, welches dem Pfarrer für den Gottesdienſt (die Meſſe) jährlich entrichtet 


wird, Zehent- od. Zinskorn; die Mefsleute, die Meffe befuhende Kaufleutez 
das Meſsopfer, die kathol. Meffe, als unblutige Opferung Chrifti angejehenz 
der Meispriefter, Meffe lefender Priefterz der Mejswein, bei der gottes- 
- dienftl, Meſſe gebrauhter Weinz die Meſswoche, Wohe, in weiche eine 
Hondelsmeffe fültz die Mefszeit, Zeit und Dauer der Meſſez — Ableit, 


der Mefsner, -8, M. mw. E. (landſch. gem, Mefsmerz n, X, v. mittl, lat, 


mansionarius, mesenariusz altd, mesinari), Kirchendiener, welcher das 
Mefsgeräth verwahrt, Kuͤſter, Kirchner. 

meſſen, Zw. (altd. mezzan; goth. mitan, niederd. meten; angelf, metan, 
engl, mete, ſchwed. mäta; lat, metıri 215 vergl, Maß), ablaut, du miffelt, 
er miſſet oder miſſt; Imper. miſs; Impf. maß; Gonj. maͤße; ; Mw. ges 
meffen; 1) zieltos m. Haben, eine gewiffe Ausdehnung, ein gemiffes Ma 
haben (er mifft -6 Fuß, d. i, er ift 6 Fuß groß); 2) ziel, die Ausdehnung, 
iden Umfang, die Größe oder Menge eined Dinges unterfuchen u, beftims 
ımenz; überh. eine unbekannte Größe mitteljt einer befannten finden und 
Ibeftimmen, (die Lange, Breite, Höhe einer Sache, eine Entfernung —; etwas 
mit dem Zirkel, mit der Elle, nad) Klaftern ꝛc. —3 den Wein mit der Kanneac,z 
raneig. fein Geld mit Scheffeln —3 Silben, Verſe —, d, i, ihr Zeitmaß beftim: 
ınen); auch mefjend einfüllen (Getreide in den Sad; Wein in die Kannen —)5 
1 meig. auch den Grad der inneren Stärfe vergleihend beftimmen, daher: 
ich mit Jemand —, di, die eigenen Kräfte, Eigenfchaften ꝛc. mit 
henen ded Andern vergleichen, oder Dagegen verfuchen im Wettftreit, Zwei— 
Tiampf ꝛc., es mit ihm aufnehmen; das Mw, gemeffen ald Bw, uneig. f. 
eyenau beftimmi, fcharf begrenzt (einem gemeffenen Befehl geben u, dgl.); — 
33feg, der Mefsbrief, in Seeftübten ein obrigkeitl, Zeugnifs über die Größe 
eines Schiffes; das dafür bezahlte Geld heist Mefsgeld; die Mefsfahne, an 
einer Langen Stange befeftigte Fahne der Feldmeſſer; das Meſsfaſs, ein als 
SMaf dienendes Faſs; die Meſskanne, Kanne zum Mefienz die Mefskette, 
=fchnur, der Mefsriemen, abgetheilte Kette zc, zum Meffen von Entfernungen 
ciuf dem Felde; die Mefsfunde od. =lehre, die Wiffenfhaft von der Meffung 
zäumlicher Größen oder Entfernungen, bef. auf der Erdoberfläche, überh. fr 
(Grbßenlehre (fr, Geometrie); fofern fie ausgeibt u, angewandt wird: Meſs— 
Wunftz daher: der Meſskundige, Mefsfünftterz die Mefsruthe, fange, 
der Meſsſtab, =flod, abgetheilte Ruthe od, Stange 2c. zum Feldmeſſen; die 
Mefsfcheibe, eine metallene Scheibe mit verjüngtem Mapftabe, beim Feld— 
meffen gebraucht; der Mefstifch, ein bewegliches Tiſchchen der Feldmeffer, auf 
welchem das Werkzeug befindlich iſt, durch welches man nad) den zum Behuf 
einer Meffung angenommenen feften Punkten hinſchaut; — Ableit, mefsbar, 


Bw., was gemeffen werden kann; die Mefsbarkeitz der Meffer, - 8, M. 


w. E., mer etwas mifft, bef. in Zſetz. Feld-, Kornmeffer 21,3 die Meflung, 
Dad Meffen, 

Mefler, f., -8, M.w. E., Verkl. dad Mefferchen (altd. mezzir, 
mezzer; verw, mit mezzon, megen, j. d.) vergl, Meiß, Meißel; niederd, Mes, 
Meft, holl. mes), überh. ein Werkzeug zum Schneiden, Stehen, Hauenıc.z 
daher chem. eine Urt Waffe zu Hieb und Stich (bbhm. mec, wend, mecz, 
Degen); gew, in engerer Bed. ein Schneidewerfzeug, beftchend aus einer an 
ber einen Geite geſchärften metallenen Klinge an einem ‚Hefte, zu verfchiedenem 


Ge: » 


| 
| 


Meſſing — Metall 161 


Gebraud) (Brod:, Feder-, Garten, Kühen:, Scheer-, Schlaht:, Zifh: 
mefjer 26,5 einem bas Mefjer an die Kehle fegen, uneig, f. ihn in die größte 
Gefahr, Angſt, Verlegenheit’fegen)z; Natur, dad Meſſerchen, eine Art 
Eleiner Seecicheln; — 3fes. dad Mefferbefteck oder -geſteck, ſ. Beſteckz 
der Meflerfifch, eine Gattung mefjerförmiger Schildfiſchez aud) ein Fiſch vom 
Karpfengefhleht: Dünnbaud, Zicke 20.5 dad Mefferheft, die Mefferklinge, 


⸗ſcheide, ſ. Heft, Klinge, Scheide; der Meflerrüden, der der Schneide 


entgegengefegte breite und fumpfe Theil der Mefjerklinge; die Meflerfchale, 
die Schale, womit das Mefferheft belegt iſt; mefjerfcharf, Biw,, fharf wie 
ein Meſſer; der Mefjerfchmied, Meffermacher, oberd, Mefjererz die 
Meſſerſpitze, die Spige eines Meſſers; auch fo viel man auf derfelden faſſen 
kann. 

Meſſing, ſ., -ed, o. M. (dän, und ſchwed. messing; angelf, maeslen, 
maestling, altnord, messling; oberd, auch Möſch, Meiſch; niederd, Mesken- 
von miſchen?) ein aud Kupfer und Zinf od, Galmei gemifchtes, gelbes 


Metall; — 3fes. das Meſſingblech; der Meflingbrenner, wer in einer 


- 


Meſſinghütte das Mefjing brennt od, röftet; der Meflingdrath ; der Meffing- 
feiler, Arbeiter in den Gewehrfabrifen, welcher den Befchlag zu den Schäften 
ausfeiltz das Meſſinggeſchirr; der Meflinghammer, ein großer Sammer, 
mit welchem das Meifing zu Blech geichlagen wirdz aud) ſ. v, w. Meſſingwerk; 
die Meffinghütte, f, Hütte; der Meffingkram, handel, -kraͤmer, =händ- 
ler; die Meflingplatte, =tafel; der Meflingfchaber, Arbeiter, welcher 
das Meſſingblech mitteljt des Schabeifens glänztz der Meffingfchläger, wer 
das Meffing unter dem Hammer zu Blech treibt; der Meflingfchmied, ein 
Handwerker, welcher alleylei Arbeit. aus Meſſing ohne Anwendung des Feuers 
verfertigt, Kaltſchmied; der Meflingichneider, ein Arbeiter, welcher die 
Meffingplatten in Zaine zerſägt; der Meflingvogel, eine Art Nachtfalter; 
die Meſſingwaare; dad Meflinawerk, eine Anftalt, wo das Mefiing ges 
brannt u. bearbeitet wird; der Mejlingzain, ſ. Zain; — Ableit. meflin= 
gen, Bw, aus Mefling gemacht; meſſingiſch, Bw., niederd, fi ge— 
miſcht, von der Sprache (meſſingiſch reden, d. i. Hoch- u, Niederdeutfch unter 
einander mifchen), s 

Mefskanne, ⸗kette, Funde, -kunſt, =ruthe, = fange, =tifh, ſ. 
meſſen; — Mefsleute, Mefsner, Mejsopfer, = priefler, =waare, 
woche, = zeit, 1. Meffe, 

Meite, w., M. -n (dem Stamme nad = Mese) Landid, f. ein rundlie 
ches, vertieftes Gefäß (def, Salzmefte f. Salzfaſs); ſchleſ. f. Schachtelz in 
Frankfurt a. M. ſ. v. w. Metze. 

Metall, ſ., -d, Ms -e (v. lat, metallum; griech, wera)..ov ; hebr. 
metil), gin dehn= und ſchmelzbarer, ſchwerer u. fehr dichter mineralifcher 
Körper, den man in der Natur felten rein od, gediegen findet; edle Metalle: 
Gold, Silber, Platinaz unedle: Kupfer, Zinn, Eifen, Blei 2c,3 in engerer 
Bed, bei, unedled Metall, zB, zu zarten Blättchen gefchlagenes Meſſing: 
Metall oder Metallgoldz auch verſchiedene gemiſchte Metalle heißen 
ſchlechtweg: Metall, 3. B. ein Gemenge aus Kupfer, Zinn u, Meffing, welz . 
ches die Studgieper anwenden; das Glofengut od, die Glodenfpeifes das Gieß— 
erz 26,5 uneig, f. Metallklang, heller Klang der Stimmes — 3fes, die 


Metallaſche, zu Aſche gebranytes Metall; das Metallblatt od, -blättchen, 


GSey ſe's Handwörterb, d. deutſchen Spr. 2. Theil, 11 


% 


162 | Metel — Metze =; 


zu einem dünnen Blatte gefhlagenes Metal; die Metallblüthe, flodige Theile, 
welche ſich auf der Oberfläche verwitternder Erze anfesen ; dad Metallgemifch, 
Miſchmetallz das Metallglas, aus metalliihen Körpern gefchmelztes Glas; 
der Metallkalk, verkarttes Metallz der Metallkünig, ſ. Königs die Me⸗ 
tallmutter, Exd: oder Steinarten, in welchen fi) die Metalle erzeugen; der 
Metallveiz, der Reiz, welchen Metalle auf Nerven und Muskeln äußern (fr. 
Galvanismus) ; dad Metallfilber, Blattfitber, aus Zinn oder weiß gebrann⸗ 


tem Rupfer geſchlagen — Ableit. metallen, Bw., aus Metall gemacht, 


von Metall (metallene Knöpfe u. dgl.); metallifh, Siw., metallähnlich 
oder zartig, Metall enthaltend (metallifcher Glanz, Sand ꝛc.). 

Metel, m., -8, landſch. eine zum Geſchlecht des Stechapfeld gehoͤ— 
rende Pflanze. 

Meter, Meterich oder Metram, ſ., -9, landſch. f, Mutterfraut. 

Meth, m., ed, M. (von mehren Arten) -e, (altd. metu, meto, angelf, 
medo, engl, mead, ſchwed. mjöd, bbhm. meduz urfpr, wohl Honig, - wie 
das flav, med, litth, medus, ſanskr. madhu, lat, mel, griech, nie), ein 
uralted, aud Honig u. einer andern Flüffigkeit, als Waffer, Wein, Bier ıc., 
wmittelft der Gährung bereiteted Getränf (Weine, Moſt-, Biermeth 2); ins: 
beſ. der Waſſermeth; das Methhaus; die Methſchenke; der Methſieder. 

Mett, fe, — es, o. M. (verw, mit dem altd, maz, |, Maß 1.2), niederd. 
reines, vom Fette abgelondertes Fleiſch, beſ. Schweinefleiſch; daher die 
Mettwurft, Wurft aus Mett, d, i, gehacktem Schweinefleifce, Schlackwurſt. 

Mette 1. w., M. -n, (oberd, Mettenz altd, mettina, fdjwed, maetta; 
v. d, lat, matutinus, morgendlic), matutinae horae 2c,, franz. matines), 
der Fathol. Frühgotteödienit vor Tagesanbruch; landſch. auch die evangel. 
Frühpredigt, ehem. überh, dad Morgengebetz aud der Gottesdienſt in der 
Nacht oder am Abend vor einem Feſte (3. B. Chriftmette); das Metten- 


brod , ſchwäb. uneig. die erſte Botſchaft von einer glücklichen Begebenheitz Die 


Mettenwurſt, bair., Schmaus, auf dem Lande in der Chriſtnacht nach der 
Mette gehalten. 

Mette 2. w., M. -n, od, das Mettengewebe, (ſ. Mädchenſommer) 
nieberd, die fliegenden Spinnweben im Herbſte, Sommerfaͤden ꝛc. 

Mettel, m., -3, M. w. E., landſch. f. Regenwurm. 

Mettwurſt, ſ. unter Mett. 

Metze 1. w., M.-n, (oberd. der Metzen; altd. mezzo5 goth. mitathsz 
angelſ. mittaz von meſſen, ſ. d.), ein Maß zu trockenen Dingen, = 5 
Schefjelz im Oberd, aud) ein größeres Maß, meift = + Malter; landſch. aud) 
f. Gefäß, Geſchirr überh., gew. Meſte; metzenweiſe, Nw., nad) Metzen; 
der Metzkaſten, in Mühlen ver Kaſten, in welchen der Müller feine Mahl: 
megen ſchüttet; meben, ziellof, Zw., der Müller mebet, d. i. er nimmt die 


Mahlmeße von dem zu mahlenden Getreide; der Mebner, -8, der Mühle, 


knappe, welcher dad Metzen verrichtet. 

Metze 2. w., M. -n (altd, muzza, niederd, Muse, Hol. morz urfpr, 
wohl überh, das weibliche Geſchlecht bezeichnend), eine unzuͤchtige weibl, Per— 
fon, etwas milder als Hure; ehem, überh, eine junge Weibsperſon, doch 


‚ mit verächtl. Nebenbegriff, als Beiſchläferinnz oberd, auch f. Hündinn, gew. 


Pete; uneig, ehem, eine Urt großer Kartaunen, auch) „die faule Magd“ ger 
nannt; das Mebenhaus, Hurenhaus, 


metzen — Meyer 163 


metzen 1, ziellof. Zw., |. unter Mege 1.5 — 2, ziel, Bw, (goth, maitan; 
altd. meizan, mezzon; dergl, Meffer, Meißel, d, lat, mactare x), alt u, 
noch oberd. f. fehneiden, hauen; ſchlachten; daher: der Metz, -en, M,-en, 
wer hautz nur nod) in: Steinmegz die Metze 3. oder Mebig, M. - en, 
oberd. f, Fleifchbanf (lat, macellum); — mebeln, ziel. 3w,, das Verdfte- 
rungswort von megen: wiederholt fchneiden oder hauen, bef, ungefchickter 
Weiſe zerfegenz mit vielen Hieben od. Stichen verwunden, niedermachen 
(fe, massacrer) 3 oberd, aud) f. ſchlachten; daher die Metzelbank f, Schladht: 
bank; die Mebelfuppe, f. Wurſtſuppe; der Mepler, —s, (altd. mezalari) 
f. Schlaͤchter; die Metzelei, M. -en, das Mepeln, Gemetzel (f, d) 3 — 
meßgen, (zgez. aus metzigen), ziel, 3m,, oberd,, Vieh fchlachten und 
aushauenz daher die Metzge, M. -n, Schlachtſtaͤtte, Fleiſchbank; 
der Mebger, -5, die Mebgerinn, M, -en, oberd., Schlächter, Flei— 
ſcher; der Mebgergang, hund, =burfche, =Fnecht ıc., f. v. w. Fleiſcher⸗ 

gang ꝛc. 

meucheln, zieltof. u. ziel. Zi, (altd, muhhilan; von muhhil, meudel, 
heimlich; vergl, mauchen, maucheln), überh, heimlich , hinterliftig, tuͤckiſch 
handeln; heimlich Böfes thun, zu eined Andern Verderben etwas an— 
ftiften; einen —, hinterliftig morden; — der Meuchel, —s, M. w. €, 
oberd, ein heimtuͤckiſcher Menſch; landſch. auch ein furchtſamer Menſch; 
der Meuchelbund, die Meuchelrotte, eine zu Anderer Verderben geſchloſſene 
heimliche Verbindung (fr, Gomplot); der Meuchelmord, ein hinterliſtiger 
Meife begangener Mord; der Meuchelmörder, die Meuchelmörderinn, 
wer einen Meuchelmord begehtz meuchelmörderifch, Bw. und Nw,, einem 
Meuchelmorde ähnlich, nad) Art eines Meuchelmörders ; die Meuchelei, M.-en, 
eine heimliche, hinterliftige Handlung od. Anftiftungz meuchlings, Ne, 
heimlicher und hinterliftiger oder heimtuͤckiſcher Weiſe; — der Meuchler, 
-8, die Meuchlerinn, M. -en, wer meucheltz; d. i. heimlich auf Anderer 
Berderben finntz auch f. Meuchelmorder; meuchleriſch, Bw, u. Nwi, nad) 
Urt eines Meuchlers, 

Meute, w., M. -n, urfpr, überh, Berfammlung, Verbindung (verw. 
mit Maat; ſchwed. mot, Zuſammenkunft; goth. ga-motjan, angelf, me- 
tan, engl, meer, begegnen, zufammentreffen); daher 1) Jäg. eine Anzahl 
von 50 bis 60 Jagdhunden zur Hesjagd (franz, meute); 2) gew, die Meu— 
terei, M. -en (ſchwed. myteri, engl, muting, franz, Emeute), eine widere 
gefegliche, aufrührifche Verbindung, Verſchwoͤrung, Zufammenrottung ; 
meuten, ziellof. Zw. (franz. mutiner, ital, mutinare), Meuterei anftiftenz 
der Meuterer oder Meutmacher, —s, wer eine Meuterei anftiftet. 

Mewe od. Möwe, w., M. -n, Verl. dad Mewchen, (alt, mewaz 
angelf, maew, engl, mew, holl, meeuw, franz, mauve, mouette) ein Ge⸗ 
ſchlecht Waſſervoͤgel mit geradem, löffelähnlichem Schnabel u, kurzen Schwimm⸗ 
füßen, von verſchiedenen Arten, als: die große bunte, die gemeine graue, die 
graubraune gefleckte Mewe 2c,; der Mewenbuͤttel, Strandjäger, eine Art 
Mewen; der Mewenſchnabel, uneig. eine Art Patſchfüße mit einem Schna⸗ 
bel, wie der einer Mewe; die Mewentaube, eine Abart der gemeinen Taube, 

Balskrauſentaube. 
Maewerle, w., M. -n, landſch. f. Maserle, Masholder. 

Meyer, meynen u, ſ. Meier, meinen ꝛc. 


Be 





- 


164 miau — Miene 


miau, ein Schallwort, welches dad Gefchrei der Katzen nachahmtz daher 
miauen, ziellof, Zw., miau fchreien, ſ. v. w. mauen, mauzen. 

mich (goth. mik, altd. mih, niederd. mi, engl, me), der Uccuf. des . 
perfönl, Firm. der erften Perſon ich: (ſ. d.). 

Michael, gem, abgek. Michel, m., -3 (Gebr. Urjprungs) EN, eines 
Erzengels; aud ein männl, Bornamenz gem, Michel als Gattungsna- 
men, bef, verachtl, für einen groben und dummen Menichen (ein grober, 
dummer Michel; vergl, Hans; ein deutfher Michel, wer nur feine deutfche 
Mutterſprache verfteht); das Michaelsfeft, ein chriſtl. Feft zu Ehren des 
Erzengeld Michael am 29. Sept. „.welder der Michaelstag (Michaelis, gem, 
Michelis oder Michelt) heißt, 

michel, Bw, (goth, mikls, althochd. wihhil, island, mikill, angelf, micel, 
alteng!, mickle; vergl. das griech. ueyus, weydım ıc.5; lat, magnus), vlt. f. 
groß, viel (nur noch in EN. wie Mihelftadt, Meklenburg zu). 

Mike, w., M.-n, niederd, 1) überh. etwas Gabelförmiged, 3. B. 
Schiffb. ein gabelförmiges Eifen oder Holz, ein gabelförmiger Ausſchnitt; eine 
. Stügez ein gabelförmiges Holz an den Pumpenz auch eine kleine Yumpe in 
den Häuſern; 2) ein Fleines Brod oder eine Brodfchnitte. 

miden, zielloſ. Zw., im Holftein, 1) umſchauen, ind Auge faffen, aus— 
erſehen; 2) in Sfeinigfeiten tadeln, ſchmaͤlen, grollen. 

Mider, m., -3, M, w. E., landfd), Fleiſch. die Eleinen fetten Ges 
daͤrme des Rindviehs. 

Midder, w., M.-n, niederd, f. Kalbs- oder Lammsdruͤſe, Kaͤlber— 
milch, (vielleicht weil fie mitten vor der Bruſt ſitzt). 

Miede, w., M.- 1, dir beiden Zughoͤlzer an den Schäften des Leinwe— 
berſtuhls. 

Mieder, m., —s, M. w. E., landſch. f. Stockeule. 

Mieder, fe, -3, M. w. E., Verkl. das Miederchen, (altd, muo- 
dar, muder, oberd. Müederz wahrſch. verw, mit Matte, Mütze, angelſ. 
mithan, decken, alſo urſpr. überh. Bedeckung), ein Kleidungsſtuͤck des weibl. 
Geſchlechts, beſ. auf dem Lande, welches Bruſt u. Leib bedeckt, das Leibchen. 

miegen, ziellof, Zw. (isländ. miga; lat, mingere, meiere; griech. Oyulzew), 
niederd, gem, f, harnenz die Miege, f. der Harn; das Mieg=eemfen od, 
=emerfen, niederd, f, die rothe oder braune Ameife, 

Miete 1., w., -nd, Verkl. Miekchen, fe, niederd, gem, (aus Ma— 
tiefen verkürzt) f, Marie, 

Mieke 2. w., M. -n (vergl. Mieze, Mischen), gem. f. Katze. 

Miene, w., M.-n (engl. mien, franz, mine, ital, mina; vergl, das 
fhwed, mynd, Form, mynda, bildenz d, althochd, meino, Zeichen; wahrſch. 
verw. mit mahnen, meinen; alfo urfpr, eine Geftalt oder Erfcheinung, die 
etwas bedeutet, der Ausdruck bes Geiftigen) , eine Gefichtöbemegung oder 
= geberde, ein augenblicklicher oder bleibender Gefichtdzug als Ausdrud einer 
inneren Empfindung oder Gefinnung, unwillfürlic) entftehend, oder willkürlich 
angenommen (Mienen und Geberden, vergl. d,5 eine freundliche, finjtere ac, 
Miene machen; eine fromme Miene annehmen; ſprichw. gute Miene zum böfen 
Spiel machen, d, i, bei unangenehmen Gefühlen vergnügt ausfehen) 5; in weite: 
ver Bed, überh. die angenommene Geftalt, der äußere Schein (die Miene 
haben, d, i. das Anſehen haben, danach ausfehen; Miene machen 2, 


Miere — Miethe | 165 


buch Ausfehen und Benehmen eine Erwartung veranlaffen, z. B. ber Feind 
machte Miene, und anzugreifen) ; uneig. auch von Zhieren u, leblofen Dingen 
f. Auöfehen, Unfehen (dev Wein, die Speife hat gute Miene); — der Mie— 
nendeuter, mer aus den Mienen auf den Gemüths= u. Geifteszuftand ſchließt; 
das Mienenfpiel, das wechfelnde Spiel, der ſchnelle Wechfel der Gefichtöbe: 
wegungen. 

Miere 1. w., M, -n (ceit. myr, angelf. myra, engl. mire; vergl. d. griech. 
wögwos, püögums), niederd. f. Ameiſe; daher Miereneier f. "Ameifeneier, x 

= larven. 

Miere 2. w., gew. M. Mieren, (die niederd. Korm f. Meier, fd.) 
gem. f. rother Hühnerdarm, Vogelkraut; gemeiner Hühnerbifs, Meier— 
Fraut. 

Mies, m. u. ſ., ed, M.-e, (altd. und angelſ. mios) oberd. gem. f. 
Moos, Flechte. 

Mies, w., dad Mieschen, die Miefefage, ſ. v. w. Mieze, f. d. 

Miefel, m., -8, M. w. €. (v. meißen, ſchneiden), Fafsb. die abe 
fallenden Ho ekhen. 

Miesmuſchel, w. (griech. zur/Aos, lat. mitulus), eine eföbare zweifcha= 

Ulige Mufchel mit-veilhenblauer Schale. 

Miete, w., M, -n (dan, mid, engl. mite; franz. mitez;- Nebenform 
von Motte, Made, f. d.), ſ. v. w. Milbe (Käfe:, Mehlmiete); landſch. auch 
f. Mücke; mietig, Bw., Mieten oder Milben enthaltend. 
mietern, aud mutern, mütern, zielloſ 3w., landſch. f. mauſen, mau⸗ 
ſtern (f. d.) von Krebſen; daher der Mieter oder Mieterkrebs, ein Krebs, 
der ſich hält. 

Miethe 1. w., M. -n (vergl. das mittl. lat. mota, altfranz. mote, Hü: 

gel) landſch. Landw., ein runder, oben zugefpister Garben-, Stroh- oder 
Heubaufen, Schober. 

Miethe 2. w,, M.-n (alto. miata, mieta, miete3 ſchwed. muta; "an: 
gelf. med, engl. Moses poln. myto; Bu; mizdaz; goth. misdo 5 griech. 
nıoFös) ehem. überh. Gabe, Geſchenk; Kohn, Belohnung, Bergeltung ; 
jest in engerer Bed. dad fuͤr eine gemiethete oder gedungene Sache, bef. für 
eine Wohnung, vertragdmäßig zu zahlende Geld, Miethzind (die Miethe 
bezahlen); das Berhältnifs zwilchen dem Abmiether und Vermiether und 
‚der dasſelbe beftimmende Bertrag (einen in die Miethe nehmen, zur Miethe 
wohnen; die Miethe auffagen, kündigen); miethen, ziel. Zw. (altd. mietan, 
mieten), um Lohn dingen (einen Knecht, eine Magd, Arbeiter 2c. —); den 
Gebraud) einer Sache auf eine gewiſſe Seit gegen vertragsmaͤßige Bezah- 
Yung fich verfchaffen (niederd. heuern), bef. fofern man die Sache ohne 
weitere Bearbeitung gebraucht, verſch. von pachten, (ein Haus, einen Wa: 
gen, ein Schiff, einen Garten 20. —)3 — 3fes. dad Mieth- od. Mieths— 
geld, das Geld, welches man dem gemietheten Gefinde zur Befeſtigung des 
Vertrages giebt, Miethgrofchen, -pfennig, Handgeld; auch f. Miethzins, 
Miethe; der Mieth- od, Miethöherr, die Mieth = od. Miethsfrau, Ei: 

genthümer oder Eigenthumerinn einer vermietheten Sachez das Mieth= oder 
Miethsjahr ‚ eines der Jahre, auf welche man etwas gemiethet, oder auch ſich 
vermiethet hat; der Miethfnecht, Lohn: od. Lehnknecht; die Miethkutſche, 
der Miethwagen, Lohnkutfche, gemietheter Wagen; der Miethladei, Lehn: 


J 


* 


166 Miethuhn — Mil ne 
fadeiz die Mieth- oder Miethöleute, der Mieth= oder Miethsmann, 
die Miethfrau, Perfonen, welche in einem Haufe zur Miethe wohnen; der 
Miethlohn, Dienſtlohn des Gefindesz das Miethpferd; die Miethstrup- 
pen, fremde, auf gewife Zeit in Sold genommene Truppenz der Mieth= od. 
Miethövertrag, fr.-Contract; das Miethvieh, landſch. fremde, gegen 
Lohn überwinterte Schafe; miethweife, Nw., zur Miethe, gemiethetz der 
Miethwohner, die Miethwohnerinn, wer zur Mietye wohnt; die Mieth- 
zeit, Zeit des Miethens; Dauer des Miethverhältniffess der Mieth- oder 
Miethszettel, ausgehängter Zettel, auf welchem eine Wohnung zur Miethe 
ausgeboten wird; der Miethzins, f. o. Miethez — Ableit. der Miether, 
-$, die Mietherinn, M. -en, wer stmas miethet oder gemiethet hatz 
der Miethling, -eö, M. -e, eine um Lohn gedungene Perfon, ein Ta— 
gelöhner, Knecht ꝛc.; def. uneig. verächtl. wer ſich durch Lohn zu etwas 
erfaufen läfft, wer etwas nur des Lohnes wegen thutz die Miethung, 
das Mierhen. 

Miethuhn, f., landſch. f. die große Waſſerralle. 

Mieze, w., M. -n, Verkl. das Miez chen (ſchwed. misge, ital. miciaz 
von ihrem Gefchrei; vergl. mauzen), Volks- u. Kinderwort f. Babe, 

Miezel, ſ. -8, M. w. E., ſchleſ. f. Kalb. - 

Milde, w., M.-n (altd, miliwa, milwe, goth. malo, ſchwed. mal, 
dan. möl; von malan, mahlen, malmenz ober”, milben oder milmwen, 
zu Staub machen) überh. ein freffended, zermalmendes Inſect, ingbef, ein 
Geſchlecht fehr Eleiner achtfuͤßiger Inſecten, die fih im alten Käfe, im 
Mehl rc. aufhalten, Miete; landſch. f. Motte; Bücher- und Holzmiade, 
Buͤcherwurm; milbig, Bw., Milben enthaltend, 

Milch, w., o. M. (alt. miluh, milich; niederd, Melt, angelf. meolc, 
engl. milk, dan. melk, ſchwed. mjölk, böhm. mleko 20.5 von melfen, f. d.), 
der weiße, füßliche Nahrungsfaft, welcher ſich in den Brüften der Frauen 
und den Eutern oder Zißen der ſaͤugenden Thierweibchen anſammelt und 
zur Ernährung der Jungen beſtimmt iſt (Frauenmilch, Kuh-, Schafz, Zie— 
genmilch 2c.5 füge, ſaure, geronnene, vide Milchz Wangen wie Milch und 
Blut, d. i, von zart: weißer und rother Farbe); uneig. verjchiedene milchaͤhn⸗ 
liche, weißliche Fluͤſſigkeiten oder Stoffe, z. B. der weiße, dickliche Saft, 
in welchem die jungen Bienen-Maden liegen; der Samen der männlichen 
Fifchez der milchweiße, dickliche Saft mancher Pflanzen, z. B. des %- 
wenzahns, der Wolfsmilch 21.5 ein aus oͤligen Fruchtkernen bereitete milch— 
ähnlighed Getraͤnk, Mandelmilch); — Zſetz. die Milchader, Adern, 
welche den Milchſaft in die große Gekrösdrüſe Leiten; milchähnlich, milchar— 
tig, Bw.; der Milchafch, ein Aſch (ſ. d.), in weichem man die Milch ges 
zinnen läfftz. dad Milchauge, Heilk. ein Auge, in welchem ſich die wäſſerige 
Feuchtigkeit verduntelt hatz der Milchbart, ein aus Mithhaaren (f. d.) be: 
ftehender Bart; auch ein junger Menfch, welcher einen folhen hatz ſcherzh. 
wer gern Milchfpeife iſſtz milchbärtig, Bw., einen Milchbart habendz der 
Milchbaum, landſch. f. Rüfter, Leenes das Milchboot, Naturk, eine Eleine 
milchweiße Seemuſchel; der Milchbrei, ein aus Milch und Mehl bereiteter 
Brei, Milchmus; das Milchbrod, Bert. = brödchen, ein Weizenbrödchen, 
wozu der Teig mit Milch angemacht wirds der Milchbruder, die Milch- 
ſchweſter, wer mit einer andern Perſon gleichzeitig aus denfelben Brüften ges 


Milch 167 


fängt worden iftz die Milchbrühe; der Milchdieb, uneig. f. weißer ober 
blafsgelber Schmetterling, Molkendieb, Buttervogel; die Milchdruͤſe, Drü— 
fen, in welchen ſich Mitch abfondert; die Bruſtdrüſe der Kälber und Lämmer; 
die Milchfarbe, die bläulich = weiße Farbe dev Milch; milchfarben od. »far- 
big, Bw.z das Milchfafs, Faſs zur Mid; Milch fäſsch en auch f. Mil: 
gloͤckchen ; dad Milchfieber, ein Fieber fängender Perfonen ; das Milchfleifch, 
Jartes, weiches Fleiſch, beſ. die Bruſtdrüſe der jungen Külberz die Milchfrau 
od. das Milchweib, Milchmaͤdchen, der Milchmann ꝛc., Perſonen, welche 
Milch zum Verkauf in die Stadt tragen; das Milchfrieſel, das weiße Frieſel 
der Wochnerinnen; dad Milchgefaͤß, Gefäß zur Aufbewahrung der Mil; 
Anat. die Saugadern, welche den milhähnlihen Speifefaft abfondernz; Die 
Milchgeſchwulſt, von ftodender Milch herrührende Gefhwulft; dad Milche 
gloͤckchen, eine Art bunter oder weißer Glockenblumen; das Milchhaar, die 
erften wollichten u. weißlichen Barthaare; der Milchharn, krankhafter, weiß: 
licher Harnz die Milchkanne, f. Kannez der Milchkern, oberd. f. Milch: 
rahm, Sahne (f. Kern); der Milchkoch, ein Badwert aus Milch und Eiern 
(fe Koh); dad Milchkraut, verfchiedene Pflanzen, deren Genuſs bei den Thies 
zen be Buflufs der Milch vermehren foll, oder die einen Milchſaft enthalten, 
insbef. ‚die Kreuzblume, Milchwurzz das Salz- oder Mutterkraut; eine Art 
der Wolfsmilch; das gemeine Lungenkrautz die Milchkuh, milchende Kuh; 
dad Milchlamm, ein noch faugendes Lamm; das Milchmaͤdchen, f. o. 
Milchfrau; die Milchmagd, Viehmagd, welche das Vieh melkt 20.5. die Milch- 
malerei , eine Art zu malen, wobei die Farben mit Mild; angerieben werden ; 
das Milhmaul, gem., wer gern Milch und Milchfpeifen ifft, Milchbart; der 
Milchmeffer, ein Werkzeug zur Prüfung der Reinheit der Milch; die Milch— 
mufchel, eine Art Miesmuſchelz der Milchnapf, f. Napf; die Milchpode, 
Kuhpocke; dad Milchpulver, zu einem teodenen Pulver eingekochte Milch; 
der Milhrahm, f. Rahm, Sahne; milchreich, Bw., viel Milch habene, 
gebendz der Milchreiß, in Milch gekochter Neisz das Milchrödel, Löwen 
zahnz die Milchruhr, Durchfall Kleiner faugender Kinder; der Milchfaft, 
Heilk. der aus ben Speifen fi abfondernde milchichte Nahrungsfaft (fr. Ehylus) 5 
"der Milchfauger, eine Art großer ausländifcher Schwalben, welche angeblich 
Menſchen und Biegen die Mildy ausfaugen, Ziegenmelker; auch f. Stockeule; 
die Milchſaͤure, Scheidek. eine aus dem Milchzucker gezogene Säure; das 
Milchſchaf, ein Schaf, welches gemolien wird; der Milchfchauer, ein fies 
berhafter Schauer ſchwangerer Perfonen, wenn ihnen die Milch in die Brüſte 
teittz der Milchfehorf, ſ. Anfprung ; der Milchſchwamm, ein Kleiner, efö- 
barer gelber Blaͤtterſchwamm, Rechling, Pfefferſchwamm; die Milchfchweiter, 
ſ. o. Milchbruder; die Milchſiene, ſ. Siene; die Milchſpeiſe, mit Milch 
bereitete Speiſe; der Milchſtaar, Heilk. eine Art des Staars, wobei ſich die 
Kryſtalllinſe in eine milchichte Feuchtigkeit auflbſ't; der Milchſtein, ein weiß— 
grauer Stein, welcher ſich im Waſſer auflbſ't und dasſelbe milchweiß färbt; auch 
eine Art milchweißen Marmors; die Milchſtraße, Sternk. ein breiter, Lichter 
Streif am Himmel, welcher durch unzählige Sterne gebildet wird, dicht. auch 
die Milchbahn; die Milchſuppe, aus Milch gekochte Suppe; gem. verächtl. 
f. ein ſchwächlicher, blaſſer Menſch; der Milchtopf; das Milchwaſſer, ſ. v. 
w. Molken ; auch die ſilberglänzende Milchfarbe der Perlen; milchweiß, Bw, 
ſ. milchfarben; die Milchwurz od, = wurzel, ſ. Milchkraut; auch f. Schwarz⸗ 


. 


x 


168 mid — Milz — — 


wurzel; ſchwarze Haferwurzel, Schlangenwurzel; der Milchzahn, die Zähne, 
welche die Jungen der Säugethiere mit zur Welt bringen od. doch während des 
Säugens bekommen u, ſpäter wieder verlieren ; auch die erſten Zühne der Kin: 
der; der Milchzucker, ein zuckerartiges Salz, welches man aus der Milch ge— 
winnt; — Ableit. milhen, Bw., Milch gebend, f. v. w. das niederd. 
melk, (mitchenes Vieh, alt: und neumilchen); milchen, ziellof. Zw. m. haben, 
Milch geben, gemolfen werden; verfh. melken, (die Kuh milcht gut); 


der Milcher, landſch. auh Milhner, Milchling, ein männlicher Fiſch 


mit milhähnlihen Samen (f. o. Milch), entg. Rogenerz milchicht, Bw., 
milhähnlih; milchig, Bw., Mild enthaltend; der Milchling, ein jun— 


ges, noch faugendes Thier, Säugling; der Pfefferſchwamm. 


mild od. milde, Bw. (altd. milti, milt; angelſ. milde, engl. u. ſchwed. 
mild; poln. mily, lat. mollis, griech. zeldıgos; verw. mit d. angelf. meltan, 
engl. melt, ſchmelzen, Malz ec.) überh. weich, gelinde, fanft,-entg. hast, 
rauh; insbeſ. nad) der koörperlichen Befchaffenheit eines Stoffes u. für den Zaft: 
finn: weich, biegfam, geſchmeidig (mildes Leder); muͤrbe, broͤckelig (milde 
Bergarten); für das Gefammtgefühl: fanft, angenehm, entg. rauh, heftig 
(mildes Wetter, milder Regen, Sonnenſchein 20); für den Gefhmad: ange— 
nehm, nicht feharf und ſauer (mildes Obſt, milder Wein); in fittlichem Ver— 
ftande: gelind, fanft, Liebreich, gutig, entg. Hart, ftreng (ein milder Sinn 3 
eine milde Behandlung 5 milde Sitten; ein mildes Urtheil, eine milde Strafezc.) 5 
insbef. f. wohlthätig, freigebig, mildthätig (ein milder Geber; eine milde 
Gabe; -feine milde Sand aufthun, d. i. Wohlthaten ſpenden; milde Stiftun: 
gen); — fer. mildherzig, Bw., ein mildes Herz habend und darin gegrün- 
det; die Mildherzigkeit; mildthätig, Bw., geneigt, Milde zu beweifen, 
finnv. wohlthätig, freigebigs die Mildthätigkeitz — Ableit. die Milde, 
o.M. (altd. milte) dad Mildfein, die milde Befchaffenheit, bef. uneig., finnv. 
Gelindigkeit, Sanftmuth, Mildthätigkeitz daher: mildreich, Bmw., reich 
an Milde, liebreichz die Mildigkeit, (altd. miltekeit) f. v. w. Milde, doch 
nur in fittlihem Verftande, bef. f. Freigebigkeit; mildiglich, vlt. Nw.-von 
mild: auf milde, d. i. wohlthätige oder liebreiche Weiſe; milden, vlt. 3w,, 
1) ziellos mit haben, mild, weich werden; 2) ziel. f. mild machen; mil- 
dern, ziel. Zw., milder machen, dem Geſchmacke nach (4. 8. die Säure 
durch Zucker —)3 dem Grade der inneren Stärkemach, finnv. mäßigen, 
ermäßigen, lindern (der Sonnenſchein mildert die Kälte; einen harten Aue- 
druck — 3 die Strafe, den Schmerz; —) 5 dem fittlidhen Gemüthe- u. Bildungs: 
zuftande nach (die Sitten der Wilden —)s der Milderer, -3, wer etwas 
mildertz; die Milderung, dad Mildern, die Ermäßigung, Linderung z 
das Milderungs- oder Milderwort, ein mildernder, ſchonender Ausdrud, 
den man ftatt eines harten oder sohen gebraucht (fr. Euphemismus). | 

Militz, m., -ed, 0. M. (verw. mit dem lat. milium, Hirſe), landſch. 
eine Art Nispengrad, weldes in fumpfigen Gegenden wächft und deſſen Blü— 
thenrispe der der Hirfe ähnelt: großer Militzz eine Art Schmiele, 


Waſſerſchmiele oder =hirfe: ſüßer Milig. 


Million, w. M. - en (aus vem franz, million), eine Zahl von taufend 
mal tauſend. . 
Milz, w., M,- en, (oberd. Das auch der Milz; altd, dazmilzi;z island, 


milti, angelf. u. nfederd, milte, engl, u. dän. wilt ; verw. mit mild, weiß), 


. 2 —4 


minder 169 


ein aus ſehr lockerem Zellgewebe und vielen Blutgefaͤßen beſtehendes blaͤu— 
lichrothes Cingeweide im menſchl. und thier. Körpery beim Menſchen in ber 
linken Unterrippengegend liegend, (die Milz ftiht, d. i. man empfindet einen 
ſtechenden Schmerz in der linken Weiche) ; aud) eine geronnene Maffe auf dem 
Kopfe der Füllen bei ihrer Geburt, Pferdegift; — 3ſetz. die Milzader, 
jede mit der Milz in Verbindung ftehende Schlag: und Blutaderz in engerer 
Bed. ein Aft der Pfortader, welcher nach der Milz zu geht; auch ein Aſt der 
Hohlader, der von der Vorhand bis zum Kleinen Finger geht u, ehem. in Milz 
krankheiten geöffnet zu werden-pflegte; der Milzbrand, eine töbtliche Krank: 
heit des Rindviehs, bei welcher die Milz ganz ſchwarz und flüſſig wird; die 
Milzentzundung; milzkrank, Bw.; die Milzkrankheit, jede Krankheit 
der Milz, bef. die Milzſuchtz dad Milzkraut, eine Art des Farnfrautes, 
welche ald Heilmittel gegen MizErankpeit gilt, Milzfarnz; aud f. Hirfd;- 
zunge, Mauerraute 21,5; goldner Steinbred; eine Art der Mondraute, Stein: 
farn: großes Milzkraut; das Milzftechen, Seitenftechen in der Milz: 
gegend; der Milzftrang, ein verfchlungenes Sehnengeäder auf ber linken Seite 
des Magenmundesz die Milzfucht, Bauchnervenfuht, Unterleibsfranfpeit u. 
- damit verbundene trübfinnige Laıme und Grilfenhaftigfeit (fr. Hypochondrie); 
milzfüchtig, Bw., mit der Milzfucht behaftet (fr. hypochondriſch); ein Milze 
füchtiger als Hw. (fe. Hypomondrift); das Milzweh, Schmerzen an der 
Milz. 
minder, Bw., Comp. des vlt. (jedoch im Niederd. noch gebr.) Bw. min, 
ein wenig, weldes auch im Althochd. nicht mehr als Bw, vorfommt, (dev 
Comp. goth. minniza; altd. minniro, minner, minre, und ald Nw. aud) 
min; ſchwed. minne, mindre, dan. mindrez franz. moindre, moins; lat. 
minor, minus; griech. nelov);. überh, Fleiner, weniger, geringer; dazu 
der Superl. mindeſt, der, die, dad mindefte ze, (goth. minnists, altd. min- 
nisto, minnest; lat. minimus; griech. weioros) überh, Eleinft, wenigit, 
geringftz insbef, der Forperlichen Größe und Ausdehnung nach: kleiner, 
entg. größer, nur alt u, oberd. (z. B, eine mindere Stadt; er ift der mindefte 
unter uns); uneig. oberd, dem Alter nach: jünger (fein minderer Bruder, 
Yat, minor); der Würde, dem Vorzuge nach: geringer (fi minder ſchätzen, 
als Anderes der Mindefte unter ung; mindere Brüder oder Minder: 
brüder, frr Minoriten, Benennung der Franciscaner-Mönche); gew. der 
Menge oder inneren Stärke nach: weniger, geringerz wenigſt ic, , entg. 
mehr, meift (5. B, nicht minderz die mindere Zahl oder Minderzahl, fr, 
Minorität, entg. Mehrzahl; mehr oder minder, d, i, in höherem od, ge: 
ringerem Grade; er ift minder reich, geſchickt ze, ald du; er hat nicht die 
mindefte Einfiht, d. i, nicht die geringfte, gar Feinez ich zweifle nicht im 
mindeften daran, f.v.w. nicht im geringften, f. gering; nicht das Min- 
defte wiffen, d, i, ‚gar nichts); — Bfeg. der Minderbruder, f, 0,3 die 
Minderherrfchaft, ſchleſ. eine Herrſchaft, deren Beſitzer eine Stimme auf den 
« Bürftentagen hat, z. U, v, Standesherrſchaft; minderjährig, Bw., noch nicht 
das gefegliche Alter zur eigenen Verwaltung feines Vermögens habend u, daher 
unter Vormundſchaft ftehend (fr, minorenn); finnv, aber verfchieden ; unmündig, 
ſ. d.z entg. groß-, volljährig; die Minderjährigkeit, der Zuftand des Min: 
derjährigenz; die Minderzahl, ſ. 0.5 mindeitfordernd, Bw., der Min— 
deſtfordernde ıc., wer für eine Arheit, Leiftung u, dgl, das Wenigfte fordert; — 


1 


170 Mine — Minne * 


Ableit. die Minderheit, ſelten, das Minder-, d. i. Weniger- ober 
Geringer-ſein, entg. Mehrheit; auch f. Minderzahl (Minorität, z. B. der 
Stimmen); mindern, Zw. (altd. minniron) 1) ziel,, minder machen, und 
zwar: der Ausdehnung nah: verkleinern, nur oberd, (3. B, Strümpfe —, f. 
abnehmen beim Stricken) z gem, der Menge od, inneren Stärke nad), gem, ver— 
mindern, find, verringern, entg. mehren; 2) rückz. ſi ch —, weniger od, 
geringer werden, abnehmen (dev Schmerz mindert fih); die Minderung, 
dad Mindern, die Abnahme; mindeftens, Nw., zum mindeften, aufs 
mindefte, wenigſtens. ! 

Mine, w., M. -n (aus d. franz. mine; ital. mina; engl, mine ; wahrſch. 
verw. mit dem franz. mener, oberd,. menen, führen), eine Erzgrube, 
ein Bergwerksgang; Krſpr. ein unterirdifcher Gang, um alles dariiber Be- 
findliche mittelft angezüindeten Pulvers in die Luft zu fprengen, Sprenggrube, 
Pulverfeller (eine Mine graben, fpringen laſſen 2c,)5 uneig. ein heimlicher 
Anfchlag, ein Eiinftliches Mittel zur Erreihung eines Zweckes (alle Minen 
fpringen laſſen, d, i, alle Mittel anwenden); — 3ſetz. die Minen= oder 
Minirbiene, eine Art Bienen, welche ihr Neft in die Erde graben, Höhen: 
bienes der Minengang; der Minengräber, Schanzgräber (fr, Minirer, 
Mineur); der Minenherd, der Ort, wo die Mine angezündet wird; die 
Minenfammer, der hohle Raum der Mine, welcher mit Pulver angefüllt 
wird; der Minenofen, eine ungefüllte, noch nicht geladene Minenfammer; 
die Minen- od, Minirfpinne, eine Art Spinnen, welche fih in der Erde 
ein walzenfdrmiges Neft graben; der Minentrichter, die bei Srrengung einer 
Mine auf der Oberfläche entftehende trichterförmige Sffnung; — Xbleit, 
die Miner, M. -n G. d. mitt, lat, minera), alt, und in neuerer Zeit von 
Einigen wieder eingeführt f, das gew, fr. Mineral, jeder auf od. unter der 
Erde befindfiche unorganifche Körper, Stein= oder Erzart, Berggut; 
daher die Neuw. das Minerbad, die Minerquelle, das Minerwaller (gem. 
fr, Mineralwafjer :d,); die Minerfunde od, =Iehre (fr, Mineralogie); mi- 
nerfundig, Bw, der Minerfundige (fr, Mineralog); minerhaft, Bw,, 
d. i. minerarfig (fr. mineraliſch) u. dgl: m, 5 miniren, ziellof, Zw., (franz. 
miner), Minen graben; daher unterminiren, ziel, mit Minen unter: 
graben; der Minirer, -$, Minengräber. 

Mingel, f., —s, M. w. E., landfe. ein Weinmaß, weldes 2 Pinten 
Hält. NA | 

Minte, w., M. -n, landſch. ein vierfpigiged Ding, von deffen Spißen 
immer eine in die Höhe fteht, man mag es legen, wie man will, 

Minne, w., M. Giest vbllig vlt.) -n, (altd, minna; verw. mit meinen, 
mahnen, von der Wurzel man, gedenken; vergl, das jchwed, minne, Willen; 
celt. mynno, wollen), alt u, dicht, f. Liebe, urfpr, in jeder Ber, (z. B. Gottes 
Minne und des Näaͤchſten Liebe); insbeſ. Geſchlechtsliebe, innige Neigung, 
zärtliched Verlangen ; fpäter beſ. finnlicher Liebesgenuſs; vlt, Rſpr. f. Güte, 
gütlicher Vergleich; minnen, ziel. Zw. (altd, minnon, ſchwed. minna), vit, 
f. lieben ; daher der Minner, -8, die Minnerinn, M. -en, vlt, f, Lieb— 

haber, Liebhaberinn; — 3fes. von Minne (meift vlt.) der Minnedichter, 
Liebesdichter, ſ. Minnefängerz minnegehrend, Bw,, vlt. f. Liebe begehrend; 
das Minneglüd; des Minnelied, Liebeslied; Lied eines Minnefängers; 
der Minnelohn od. » fold, Lohn, welchen die Liebe giebt, Liebesgenufsz der 


r Minute — mifchen 171 
Minnefänger, alt = finger, überh. Liebesdichterz; bef, Benennung ber deut: 
ſchen Liederdichter, weldhe vom 12ten bis 14ten Jahrh, zur Zeit der ſchwäbiſchen 
" Kaifer aus dem Haufe Hohenftaufen lebten und vorzüglich die Liebe zum Gegen: 

ftand ihrer Gefänge machten; daher: der Minnefang od, »gefang z verächtl. 
die Minnefängerei od. =fingereiz minneſiech, Bw., vlt, f. liebefrant; — 
Ableit. minnehaft, Bw,, vit, f. liebenswuͤrdig; minniglich, Bw. (altd, 
minneclich) vft, f, lieblich, anmuthig, liebenswuͤrdig, verliebt, 

Minute, w., M. -ın (aus d, lat. minuta, näml. pars), ein Eleiner Theil 
eined Ganzen: 1) zeitlich: der 60ſte Theil einer Stundez auch Überh, ein 
ſehr kleiner Zeittheil (id bleibe Leine Minute länger) ; 2) räumlich, Größent, 
der 6Ofte Theil eines Grades (ſ. d.)) Mal, die Eleineren Theile, wonach 
man die Berhältniffe des menfchl. Körpers beftimmt : der 48fte Theil einer 
Kopflänges Bauk. der 80ſte Theil eines Models; — das Minutenrad, in 
Uhren ein Rad mit 64 Zähnen, weldyes den Minutenzeiger umdrehetz der Mi- 
nutenring, der in 60 Theile abgetheilte Kreis auf dem Zifferblatt einer Uhr; 
die Minutenuhr, Uhr mit einem Minutenzeiger od, = weifer außer dem 
Stundenzeiger, 

Minzel.w., o. M, (altd, minza) oberd. f, Münze (eig: v, als diefes), 
eine Pflanze, 

Minze 2. w., M.-n, Verkl. das Minzchen, Minzel, landſch. 
f.v. w. Mieze, Katze; daher auch Minſel, landſch, f. die Kätzchen an Wei— 
den, Erlen ꝛc. 

mie (goth, mis, altd. mir, engl, me), der Dat, des perfönl, Fuͤrw. 
der erſten Perſon: ich (ſ. d.). 

Mirte od. Myrte (une, Myrthe), w., M.-n, der Mirtenbaum 
od.⸗ſtrauch (v. griech, avgros, lat. myrtus), ein im ſüdl. Europa, in Aſien 
und Afrika einheimiſches baum- oder ſtaudenartiges Gewaͤchs mit kleinen, 
länglichrunden, immergrünen Blättern von angenehmem Geruch, zu allerlei 
Schmuck dienend, beſ. als Sinnbild der Liebe und Treue zum Brautkranz; auch 
ein Sinnbild der Trauer u, des Todes; — mirtenartig, Bw.; die Mirtens 
beere, die eifdrmige Beere der Mirte; der Mirtendorn, f. Stechdoruz Mäu- 
ſedorn; der Mirtenhain, wald ꝛc., die Mirtenheide, eine Art des Wachs— 
baumes, ein Sumpfgewächs, deſſen Blätter den Mirtendlättern ähneln; auch: 
deutſche Mirtez der Mirtenkranz, die Mirtenkrone; das Mirten- 
laub; der Mirtenzweig ıc. 
miſchen, ziel, Zw, (altd, miscan; poln, mieszam; Yat, misceo, griech, 
uloyo), überh. verfchiedene Dinge oder Stoffe unter einander bringen, fo: 
wohl von trockenen, als flüſſigen Dingen, alfo von weiterer Bed. als das finnv, 
mengen, (Gerfte unter den Hafer —; gemifchtes Getreide, Obft, Zutterz 
die Karten miſchen; Wein mit Wafjer —; auch: Waffer unter den Wein mi- 
ſchen; fich unter das Volk miſchen, d. i. in deſſen Mitte begeben); in engerer 
Bed, durch Berbindung verfchiedener Stoffe einen neuen herftellen, mi— 
ſchend bereiten (Farben, Getränke —; Gift miſchen, d, i, mifchend berei— 

ten, oder auch: unter Speifen oder Getränke miſchen; ein gemifchtes Metal, 
d. i. ein durch Mifhung bereitetes)z; uneig. fich in eine Sache mifchen, d. i, 
unbefugt Theil daran nehmen, vergl, mengenz; mit etwas gemifcht fein, 
fi) darein miſchen, d. i. damit wechfeln, darin Eingang finden od. vor— 
kommen (unfere Freuden find mit Leiden gemifchtz es mifcht ſich viel Falſches 


172 Mifelfuht — mifs 


in feine Vorftellungen 26); — 3fes, die Mifchfarbe, aus verfhiedenen ein- 
fachen zufammengefegte Farbe; das Mifchfutter, gemengtes Vichfutter, bef. 
Wicken u. Hafer oder Gerftes das Mifchgefaß, der MifchErug, ein Gefäß, 
in welchem man Verfchiedenes unter einander mifht, bef. Getränke, 3. B. 
Waffer u. Wein; das Mifchgetreide, = For; der Mifchtheil, einzelner Be: 
ftandtheil eines gemifchten Ganzen (fr. Ingrediens) 5 der Miſchtrank, gemifchter 
Trank, bei. Arzneitrank (fr. Mirtur); dad Mifchwort, ein Wort, beffen 


Theile aus verfgiedenen Sprachen genommen find; — Ableit. mifchbar, _ 


Bw., was fich mifchen Läfftz der Mifcher, die Mifcherinn, wer etwas 
mifcht, def. in Zfeg. wie Giftmifherz der Mifchling, -ed, M. -e, ein 


gemifchted oder duch Miſchung entftandened Ding, z. 8. eine gemiſchte 


Steinart, Sprade u. dgl.; oberd. f. Mifhfutter, Miſchkorn; bef. ein von 
verfhiedenfarbigen Menfchen erzeugter Menfh Mutatte 2c.); auch ein von 


Thieren verfchiedener Art erzeugtes Ihier (4.8. ein Maulefet zc.) 5 der Mifch- 


maſch, - ed, M. -e Qriederd. Miskmask, engl. mishmash; franz. micmac; 


eigenthuml. verftärkenbe Bildung der Volksſpr. durd Wiederholung der Sfamm- 
ſilbe mit dem Ablaut, vergl. Ticktack, Schnickſchnack, Wiſchwaſch u. dgl.), gem. 
verächtl. f. ein Gemifch ohne Wahl und Ordnung, finnv, Menafelz daher 
mifchmafchen, 8w. gem, f. einen Miſchmaſch machen; die Mifchung, 
das Mifchenz das Gemiſchtſein, die Art und Weiſe wie etwas gemifcht 
iſt (Miſchung der Farben 26); aud das Gemifch od, Gemifchte ſelbſt; mi— 
ſcheln, ziel. 3w,, das verkl. mifchen, landſch. verädhtl, f, mifchen, bef. wies 
derholt mifchen. 

Mifelfuht, w., mifelfüchtig,, Bw, 1. Mafelfucht 2c. unter Mafe, | 

Mispel, w., M.-n, (andſch. auch Mespel, Nespel, Nispel, Hespel, 
Wispel zc,; ital. nespola, franz. nefle; poln, mispla; aus d, lat, mespi- 
lum , griech, neomıkor, weortin), die rundliche, fleifchige Frucht des Mis— 
pelbaumes, welche einen herben Gefhmac hat, und erft wenn fie gefroren 
und angefault ift, eſsbar wird; die Mispelbirn, eine Kleine, Längliche, gelb: 
Yihrothe Birn; mispelbraun, Bw,, von der braunen Farbe der faulenden 
Mispeln. 

mifs (altd. missi, missa, misse; angelf, und engl, mis, fihwed, miss; 
franz, mes; verw, mit miſſen; island, missa, verlieren; engl, miss, Ver: 
Yuft, amiss, übel, falſch; ſchott. miss, Gebredenz- der Grundbegriff der 
Wurzel fcheint: trennen, verlegen), ein Nw., ehem, auch felbftändig gebraucht 
f. verfehlt, falſch, ungewiſs, unrecht (bei Otfried auch ald Bw, mino misso 
dati, d, i, meine Mifjethatenz niederd, noch: Haben ift gewiſs, kriegen ift 
mis); jegt im Hochd. nur als erftes Glied in Bufammenfesungen gebr,, 
wo es bezeichnet 1) eine Berfchiedenheit, Uneinigkeit, mangelnde Überein— 
ſtimmung, bef, fofern fie fehlerhaft, und widrig ift (entfpr. d. lat, dis —5 
3, B, mifsgellig, mifsfarbig, mifstönen); 2) Entfernung, Abwendung, 
Trennung, VBerfehlung des Ziels, finnv, ab, fehl (3. B. mifsrathen f. v. w. 
. ab oder widerrathenz; mifsarten; Miſsgriff, vergl, Fehlgriff); 3) die Abs 
weichung von einer Negel, eine Unvollfommerheit, Lnregelmäßigfeit, u, 
im fittlihen Berftande ein Berfehen, Unrecht, Fehler, Irrthum, finnv, 
übel, ſchlecht, bbſe, unrecht, falfch (3. B, Mifsgeburt, Mifegeftalt, Miſsge— 
ſchbpfz mifslaunigz mifsbrauchen, mifshandeln, mifsdeuten, Mifsverftand zc,) 5 
4) den Mangel, die Abweſenheit des in dem Grundwort enthaltenen Begriffes, 


mifsachten — mifsbrauchen 173 


finnv. un —, ent—, nicht (4. B. Mifsgunft, vergl, Ungunftz mifsbilligen, d, i, 
nicht billigen; mifötrauen, mifsfallen, mifslingenz; mifsvergnügt 2c.). — Sn 
‚allen Haupt= u. Beiwdrtern hat mifs immer den Hauptton (5.8. Mi fe: 
trauen, Miföfalen, Mifsverftand, mifshellig, mifstrauifch 2c.)5;. in 
Beitwdrtern aber hat mifö entweder 1) den Nebenton, das Zw. felbft 
den Haupttonz dergleichen Zw. find der Regel nad) untrennbar u. nehmen 
im Mw. Eein ge an (5.8. mifsfallen, es miföfiel, Mw. mifsfallen; mifslingen, 
miſslungen; fo uud) mifsrathen, mifshandeln, er hat ihn mifshandelt 2c.) 5 
zum Theil aber find die Zeitworter diefer Art zwar untrennbar, fegen aber 
im Mw. das ge vor mifs u. legen dann im Mittelworte ben Hauptton auf 
mifs (3. B. mifsbilligen) ich miſsbillige, gemifsbilligt; miſsbrauchen, ic) 
mifsbraude, gemifsbraudit, doc auch: miſsbrauchtz mifstrauen, ich miſs— 
trauete ihm, gemifstraut 2c.); oder 2) mifs hat den Hauptton, das Zw, 
jelbft den Nebenton, a) in einigen zielfofen Zw., welde dann der Regel nad) 
trennbar find und das ge des Mw., fo wie das zu des Infinitivg zwi⸗— 
‚ Shen das Nw. und Zw, einſchalten (z. B. mifstönen, mifsgreifen, mife: 
arten, mifshandeln, d. i. ſündigen; alfo mifsgetönt, mifszutönen, mifgge- 
griffen, miſsgeartet; id) habe mifsgehandelt 5 die getrennten Formen: ich handle 
miſs, es tönt miſs, er ariff miſs ꝛc. find jedoch vlt. und ungebr.); b) in Zw., 
welche nad) dem miſs nod) eine tonlofe Vorſilbe haben; diefe find der 
Betonung zuwider untrennbar und erhalten im Mw. Fein ge (5. B. mifg- 
behagen, mifsbelieben, mifsgebären, mifsgeftalten; es mifsbehagt oder 
mifsbeliebt mir; Mw. mijöbehagt, mifsgeboren, mijögeftaltetz fo auch mife- 
verftehen: er mifsverftehtz mifsverftanden 2c.). 
miſs a ch ten,- untrb. ziel. Zw. (er mifsachtet mich, Mw. ge miſs achtet; f. 
mifs), nicht achten, gering achten, milder als verachten; die Mifsachtung. 
mifs arten, trb. ziellof. Zw. mit fein (er ift miſsgeartet; felten: er artet 
mifs), ſchlecht arten, ſinnv. aus-, abartenz die Mifsartung. 
mifsbehagen, untrb. ziellef. 3m. m. haben (es mifsbehagt mir, hat 
“mie miſsbehagt; ſ. mife), ſchlecht oder übel behagen; das Mifsbehagen, 
Unbehagen; mijsbehaglich, Bw., Mifsbehagen erregend od. empfindend, 
mifs belieben, untrb. ziellof. Zw. m, Haben (vergl. miſs), nicht oder 
wenig belieben (e3 mifsbeliebt mir); das Mifsbelieben, mangelndes Belie— 
ben, Mifsfallenz mifsbeliebig, Bw., nicht beliebend, mifsfällig. ' 
mis bieten, trb. ziellof. Zw. m. Haben, bef. obecd, f. zu wenig u. daher 
ohne Erfolg bieten (er hat mifsgeboten); das Mifsgebot, ein zu niedriged 
Gebot, 
mifsbilden, unteb. ziel, Zw. (Mm, mifsbildet oder gemifs bildet; n. X. 
weniger r. miföbilden, mifsgebildet), fehlerhaft, übel, unſchoͤn bilden; 
die Mifsbildung. i 
mifs billigen, untrb. ziel. Zw. (Mi. gemifsbilligt), nicht billigen, für 
unrecht. erflären, finnv. tadelnz die Mifsdilligung. 
mifsbrauchen, unteb. ziel. Zw. (er mifebrauht dich; Miv. gemife: 
braucht oder miſsbraucht; vergl. mife), falfch, der Beftimmung od, dem 
Zwecke zumider gebrauchen; auf unrechtmäßige, unerlaubte Weiſe ge— 
brouchen (ev mifsbraugt feine Macht zu Gewaltthäfigkeitenz den Namen Gottes 
miſsbrauchen einen —, d. i. feine Schwäche, Nachſicht, Leichtgläubigkeit 2c, 
ſich zu Nuge machen); der Mifsbrauch, fehlerhafte, zweckwidrige, unrecht= 


174 + Mifsbund — mifsfühlen 


mäßige Gebrauch (3. B. des Geldes; Miſsbrauch von feiner Macht machen); 
aud) eine tadelnswerthe Gewohnheit, ein fchädliches Herkommen (Mife- 
bräuche abſchaffen oder abftelen); mifsbrauhlih, Nw. u. Bw., nad) Art 
* a. ‚ auf zweckwidrige, unrechte Art (fr. abufine). 
has eg m. Be fe, ein zweckwidriges, nachtheiliges 

miſs denken, teb. ziellof. Zw. m. haben (Mm. miſsgedacht) it. f. unrich- 
tig, denfen, irren, 

mifsdeuten, untrb. ziel. 3w. (du miſsdeuteſtz Mw. gemifsdeutet od. 
mifsdeutetz ſ. mifs), falfch,.ubel, der Meinung des Redenden cd, Han 
delnden zumider deuten cd. auslegen; die Mifsdentung. 

Miſsdruck, m., Neuw. f. falicher, fehlerhafter Druck; aud etwas 
falſch, ſchlecht od. ohne Erfolg Gedrucktes, daher f. das fr. Maculatur. 

miſs duͤnken, trb. ziellof. Zw. mit haben (Mm. mifögebünft), vlt. f. 
übel, unrichtig duͤnken; Zweifel, Bedenklichkeit haben. 

miffen, ziel. 3w. (altd. missan; vergl. miſs), nicht haben, entbehren, 
ermangeln, bef. etwas für notwendig Geachtetes (id) kann ihn, feine Hülfexc, 
nicht miſſen oderd. aud mit dem Gen, eines Dinges —); landſch. auch f. 
vermiſſen, d. i, den Mangel, die Abwefenheit eines Dinged gemahr ıer= 
den, empfinden; oberd. rück. ſich —, f. ſich enthalten; niederd. auch ziel: 
los f. ausbleiben, fehlen (das kann nicht miffen). 

Miisernte, w., eine fehlgefchlagene, ſchlechte Ernte; miſs ernten, 
BA 3m. (Mw. mifsgeerntet), eine ſchlechte Ernte oder Mifsernte 
machen. 

Miſſethat „w. (in der alten Form erhalten fi. Mifsth atz vergl. miſs; 
goth. missadeds, altd. missität, missetät), ehem. überh. f. Verſehen, Feh⸗ 
ler, Fehltritt; jetzt beſ. bibl. f. Sünde, geſetzwidrige Handlung, beſ. ein 
grobes Verbrechen; daher der Miffethäter, die Miffethäterinn, Verbre— 
her, Verbrecherinn. 

Miſsfall, m., vlt. f. ein unerwuͤnſchter, übler Fall; insbef. eine zu 
Frühe Niederkunft. | 

miſs fallen, untrb. zielloſ. Zw. mit haben, ablaut. wie fallen, (f. mifege: 
fallen; altd. missevallenz es mifsfiel mir; Mw. mifsfalten), nicht gefallen, 
Unluft erwecken, entg. wohlgefallen; das Mifsfallen, —s, o. M., die 
Empindung des Nichtgefallens, der Unluft, ſinnv. Mifsbehagen, Unzu— 
friedenheit, Mifsbilligung, entg. Wohlgefallen, Beifal (einem fein Miſs⸗ 
‘fallen zu erkennen geben) 3 mifsfällig, Bw. u. Nw., Mifefallen erweckend 
(einem mifsfältig werden) 5 Miföfallen empfindend und Aufernd, entg. bei- 
fällig (etwas mifsfällig vernehmen 5 mifefälfige Urtheile u. dal.); die Mife- 
faͤlligkeit, das Milsfälligfein in beiden Bed. 

Mifsfarbe, w., ehem. überh. mannigfaltige Farbe; jegt nur; mider- 
fprechende, widrig verfchiedenartige, ob. falfhe, unechte, üble Farbe; 
. mifsfarben ob. -farbig, Bw. (altd. missevar, befleckt; bleich, fahl), von 
widrig verfchiedener, od. Über, verblichener, blaffer Farbe. 

Mifsform, w., fehlerhafte, midrige Form; mifsfürmig, Bw., eine 
Mifsform habend; mifs formen, trb. ziel. Zw. (Mw. mifsgeformt), Fehlers 
‚haft, widrig formen. x 

mifs fühlen, teb. ziel. Bro. (Mm. miſsgefühlt), Neuw. f. unrichtig, falfch 


Mifsgang — mifshellig 175 


fühlen; das Mifsgefühl, unrichtiged od. mangelndes Gefühl; auch wi⸗ 
driged, unangenehmed Gefühl. 

Mifsgang, mifsgängig, f. mifegeyen. 

mi ſs gebaͤren, unteb. ziellof. 3w., ablaut. wie gebären (Mm. mifsgeboren; 
vergl. mifs), zu früh gebären, fehlgebärenz aud eine Mifsgeburt zur Welt 
bringen; die Mifsgeburt, 1) das unzeitige Gebären, die Fehlgeburt; 
2) ein zur Weit gebrachtes Geſchoͤpf ven unregelmäßiger oder unvollfoms 
mener Geftalt, Miſsgeſchoͤpf (fr. Monftrum). ’ 

mifögehen, trb. ziellof. Zw. m. fein, ablaut, wie gehen (altd. missegän, 
übelgehen; Mm. mifsgegangen), vit. f. fehl, irre gehen; mifälingen ; uber 
ergehen; der Mifsgang, Fehlgang, ſchlechter Fortgang; miſsgaͤngig, 
Bw., ſchlechten Fortgang habend. 

miſsgelaunt, Bw., ſav. w. miſslaunig, übel gelaunt. 

Miſsgeſchick, ſ., widerwärtiges Geſchick, finnv. Unglück, 

Mifsgeihöpf, fr, ein fehlerhaft geftaltetes, haͤſsliches Geſchoͤpf. 

Miſsgeſtalt, w., fehlerhafte, unregelmäßige, haͤſſliche Geſtalt; auch 
eine fo geſtaltete Perſon oder Sache; miſs geſtalten, untrb. ziel. Zw., 
etwas —, haͤſslich, unfoͤrmlich geſtalten; das Mw. miſsgeſtaltet als 
Bw. ſ. v. m. miſsgeſtaltig, eine Miſsgeſtalt habend. 

Miſsgetoͤn, ſ., dicht. unangenehmes, widriges Getön, 

Miſsgewaͤchs, ſ. ein fehlerhaft oder unvollkommen gebildetes Gewaͤchs. 

Miſsglauben, m. / vlt. falſcher Glauben, Irr-, Aberglauben; mifs- 
glaͤubig, Bw., irr- od. aberglaͤubig. 

miſs gluͤcken, untrb. zielloſ. Zw. mit fein (es iſt mir miſsglückt, nicht: 
miſsgegluͤckt), nicht gluͤcken, übel gluͤcken, miſslingen. 

miſs goͤnnen, untrb. ziel. Zw. (Mw. mifsgönnt; vit. gemifegdnnt), ei— 
nem etwas —, nicht gönnen, ungern goͤnnen, ſinnv. beneiden; die Miſs— 
gunft, der Zuftand, die Empfindung des Nichtgönnens, Abgunft, finnv. 
Neid, Scheelfuhtz miſsguͤnſtig, Bw., Miſsgunſt habend und Yarin 
gegruͤndet. 

miſs greifen, trb. ziellof. Zw. m. Haben, ablaut. wie greifen (Mm. miſs⸗ 
gegriffen), falſch oder fehlgreifenz der Mifsgriff, ein falfcher od. verfehl— 
tee Griff; uneig. das Ergreifen eines unrechten Mittels, überh. f. Ver— 


ſehen, Fehler. 


mis handeln, trb. ziellof. Zw. m. haben (Mw. mifsgehandeltz vergl. 
miſs), alt, bef. bibt. f. uͤbel, unrecht handeln, fehlen, fündigen; — 
miſshandeln, untrb. ziel. Zw. (Mw. miſs h an delt, vlt. gemifs handelt) 
einen —, ſchlecht behandeln, thaͤtlich beleidigen, hart oder grauſam mit 
ihm umgehen; die Miſshandlung, ehem. f. boͤſe Handlung, Miſſethat; 
jegt nur: thätliche Beleidigung, graufame Behandlung, 

Mifsheirath, w., eine unpaffende, unvortheilhafte, nachtheilige Hei⸗ 
rath, beſ. zwiſchen Perfonen ungleichen Standes (franz. mésalliance)3 mi ſs⸗ 
heirathen, trb. zielloſ. 3w. (Mw. miſsgeheirathet), eine Miſsheirath eingehen. 
miſshellig, Bw., (gew. als miſshälligz von Hal), eig. verſchiedenen 


Hall oder Ton habend, nicht zuſammenſtimmend (fr. diſſonirend, dishar- 


monifh); gew. uneig. f. nicht uͤbereinſtimmend, uneinig, verſchiedener 
Meinung, beſ. nicht im Einklang lebend, zwietraͤchtig (entg. einhelligh; 


die Miſshelligkeit, mangelnder Einklang, Widerſtreit der Meinungen ic; 


| 


Uneinigkeit; Streitigfeit od. Streitſache (M. Mifshelligkeiten), 


’ 


170 Muiſsjahr — Mißsſchlag 


Miſsjahr, ſ., ein ſchlechtes, unfruchtbares Jahr, in welchem die Felo— 
früchte miſsrathen ſind. 
miſs kennen, untrb. ziel. Sw., ablaut. wie kennen (Mw. miſskannt), un⸗ 
recht oder ſchlecht kennen, nicht kennen, ſinnv. verkennenz die Miſs⸗ 
kenntniſs, ſelten f. unrichtige, ſchlechte Kenntniſs, unkenntniſo. 
miſs klingen, trb. zielloſ. Zw, mit haben, ablaut. wie klingen (Mw. 
miſsgeklungen), uͤbel, unrein klingen, nicht im Einklange fein; der Miſs— 
klang, falſcher, widriger Klang, Übelklang. 
Miſslaune, w., uͤble Laune; miſslaunig, Bw., uͤbel gelaunt, miſs⸗ 
gelaunt. 
mifslauten, teb. ziellof.3w. m. haben (Mw. miſsgelautet), uͤbel, widrig 
lauten; der Mifslaut, Übellaut; mifslautig, Bw., übel (autend. 
mifsleiten, untrb. ziel. 3m. (Mw. mifsleitet, ſeltner: gemiföleitet), 
falſch, übel leiten, ſinnv. verleiten; die Mifsleitung. 
mifslich, Bw. (v. miſs, ſ. d., u. lid, gleich z alfo eig. ungleid), ver: 
fchieden, welche Bed. das goth. missaleiks, altd. missilih, mislich, wirklich 
hat), niederd. f. unpafs, miſsmuͤthig; gew. was fehlfchlagen kann, un 
gewifs, zweifelhaft, bedenklich, gefährlich (ein mifsliches Unternehmen u. 
dgl.; in diefer Bed. vielleiht von miffen f. fehlen, fehlſchlagen gebildet) ; 
die Mifslichkeit, das Mifslichfein, die Bedenklichkeit, Gefährlichkeit, 
mifsliebig, Bw., alt u. oberd. f. miföbeliebig, mifsfällig. 
miſs lingen, untrb. zielloſ. Zw., ablaut. wie gelingen (vergl. lingen ; Mw. 
miſslungen; Impf. es miſslang mir), nicht gelingen, ſchlechten Erfolg ha— 
ben, ſinnv. miſsgluͤcken, mifsrathen; das Miſslingen als Hw. 
Miſsmuth, m., üble, unbehagliche Gemuͤthsſtimmung, finnv. Uns 
muth, Schwermuth, Truͤbſinn; miſsmuͤthig, gew. als miſsmuthig, 
Bw., Miſsmuth habend und zeigend, ſinnv. unmuthig, ſchwermuͤthig, 
verſtimmt, verdrießlich; die Miſsmuͤthigkeit, das Miſsmuͤthigſein. 
Miſspickel, m., -5, M. mw. E., Bergw. ein weißer Arſenikkies, 
Giftkies. 
miſs rathen, untrb. Zw., ablaut. wie rathen (Mm. miſsrathen) 1) ziel. 
(von rathen) einem etwas —, ſ. v. w. abrathen, zur Unterlaſſung 
einer Sache rathen (er miſsrieth es mir); 2) ziellos m. fein (vom 
gerathen, alfo f. mifsaerathen), fchlecht gerathen, nicht gelingen, finnv. 
miſslingen, (die Feldfrüchte find mifsrathenz die Arbeit ift mix mifsrathen). 
mifsrechnen, teb. ziellof. Im. (Mw. mifsgerechnet), falſch rechnen, ſich 
im Nechnen verfehen, fich verrechnen; die Mifsrechnung. 
Mifsrede, m., vlt. f. üble Rede; mifsreden, trb. Zw. f. uͤbel reden. 
Mifsruf, m., uͤbler, nachtheiliger Ruf (Neuw. f. das halbfremde: Mife- 
eredit). _ 
mißsfchaffen, trb. ziel. 3w., ablaut. wie fchaffen, felten f. bel, haͤſslich 
fhaffen; das Mw, mifögefchaffen als Bw. gebr. f. haͤſslich geſchaffen, 
mifsgeftalter. 
miſs ſchießen, trb. zielloſ. Zw., vlt. f. fehlſchießen; dar Miſsſchuſs f. 
Fehlſchuſe. 
miſs ſchildern, trb. ziel. Zw., Neuw. f. unrichtig, mifefällig ſchildern. 
Miſsſchlag, m., vlt. u. Lande. f. verfehlter Schlag, Fehlſchlag; mifs- 
ſchlagen, troͤ. zielloſ. Zw. m. fein, f. fehlfchlagen, miſsrathen. — 
mi ſs⸗ 


miſs ſprechen, trb. ziel. und ziellof. Zw., ablaut, wie fpreden, vit. f. 

ru ſprechen, fich verfprechen; Boͤſes fprechen. 
Mifsftand, mi,, übler, mifsliher Zuftand; Übelſtand (M. Nifsftände). 
mifsftimmen, teb. Zw. 1) ziel. falſch, unrichtig ſtimmen; uneig. in 
eine Üble Stimmung verfeßen, bef, das Mi, miſsögeſtimmt als Bw., 
ſ. v. w. verſtimmt; 2) zieltos, eine falfche Stimniung haben, nicht zuſam— 
menltimmenz die Mifsftimmung. 

mifs thun, trb. zielloſ. Zw., ablaut. wie thun (altd. missetuon), vlt. f. 
unrecht thun, fündigen, fehlen; ; daher die Mifsthat, gew. Miffethat, ſ. d. 

Miſston, ms, ein unreiner, falſcher, widriger Ton; mifstönen, 
trb. ziellof. Bw. m. haben (Mw. mifsgetönt), falſch, unrein, uͤbel toͤnen; 
miſstoͤnig, Bi,’ ſ. v. w. mifstönend, uͤbel toͤnend. 

miſstrauen, untrb. zielloſ. Zw. m. — gemifstraut, auch 
mifstraut), einem —, ihm nicht trauen, Fein Vertrauen od, Zutrauen 
zu ihm haben; das Mifstrauen, -8, der Mangel an Vertrauen u, deffen 
Hußerung, der Zweifel an der Güte, Fähigkeit, NedlichEeit ec. einer Per: 
' fon oder Sache, finnv, Urgwohn, Verdacht (Mifetrauen in etwas cher in 
Jemand fegen); mifstrauifch, Bw., Mifdtrauen-hegend, u, darin gegruͤn— 

det (ein mifstrauifher Menſch, Blid zc.). 

mifstreten, teb. ziellof. Zw. m. Haben, ablaut. wie treten (Mw. mifege: 
treten), felten f. fehltreten; der Nifstritt, niederd. f. Fehltritt. 
Miſstreue, w., vlt. fe mangelnde Treue, Untreue. 
Mifstroft , m, vlt. f. fchlechter, leidiger Troſt; mifs tröften, trb. ziel. 
3w., einen —, vlt. f. ihm ſchlechten Troſt geben. 
Mifsurtheil, ſ., Neuw. f. unrichtiges, falſches Urtheil; mi fs urtheilen, 
trb. ziellof. Zw. (Mw. mifsgeurtheilt) , Neum f. falſch urtheilen. 
Mifsvergnügen, fe, die Umluft tiber eine miföfällige Sade, finnv. 
Unzufriedenheit, Berdrufs, entg. Vergnügen; mifsbeignügt, Bw., Miſs⸗ 
vergnuͤgen empfindend, ſinnv. unzufrieden, verdrießlich, traurig. 
Mifsverhalten, f., ein uͤbles, geſetz⸗ oder vorſchriftwidriges Ver— 
halten; das Miſsverhaͤltniſs, ein unrichtiges, unangemeſſenes, unan— 
genehmes, widriges Verhaͤltniſs. 
miſs verſtehen, untrb. ziel. Zw., ablaut., wie verſtehen, (Mi, miſsver⸗ 
ſtanden; vergl. miſs), einen oder etwas —, unrichtig, falſch verſtehen; 
der Miſsverſtand, der falſche, unrichtige Verſtand, das Miſsverſtehen 
eines Wortes, einer Rede u, dgl; dad Mifsverftändrifs, f ſ. v. w. Mifes 
verſtand; auch überh, f. Irrthum, Irrung; Uneinigkeit, Miſshelligkeit, 
Spannung. 

Miſswachs, mi, td, o. M., fehlgeſchlagener Wachsſthum und uns 
gewoͤhnlich geringer Ertrag der Feldfruͤchte, vergl. Miſsernte; auch das 
fehlerhafte, unfoͤrmliche Wachſen 3. 8, eines Gliedes, in dieſer Bed, b. der 
Miſswuchs. 

Mifswende od. Miffewende, w., elt., die uͤble Wendung, das Fehl⸗ 
fchlagen einer Sache; ehem, auch f. Fehler, Bergehen, Tadel, 

Mifswort, ſ., Neuw, f. ein dem Begriff oder Zwecke nicht angemeffe> 
ned, auch ein Übel gebildeted, unrichtiged, unangenehmed Wort, 

mifsziemen, teb, ziellof, 3, m, haben (Mw. mifsgeziemt), vit. f. nicht 
ziemen, uͤbel anſtehen. 


Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 12 F 





— 


miſsſprechen — miſs ziemen 177 


” 


178 mifszieren — Miftel 


mifszieren, trb, ziel, Bio, (Mm. mifögeziett), felten f. nicht zieren, ent= 
ftellen, häfelich) machen, übel ſtehen; die Mifszierde, ſchlechte Zierde, 
Entftellung. 

Miſt 1., m., -ed, 0. M. (goth. maihstus, altd, misit, mistz angelf, 
meox, mix, engl, mixen, muck, fAwed, mock, mög; niederd. Meſs; 
wahrſch. verw. mit miegen, angel, mihan, migan, lat, mingere, harnen, 
defien Grundbegriff negen zu fein ſcheint; vergl, miftnafs u, Mift 2,), der 
Koth von Menfchen und bef. Tieren, insber. fofern er mit Stroh, Laub 
u, dergl, vermifcht zur Dimgung des Erdreichs dient, finno, Dünger, fd 
(Pferde, Kuh-, Schafmift z,; ſprichw. das ift nicht auf deinem Mifte ge: 
wadfen, di, es ift nicht deine Erfindung, dein Einfall 2c.), landſch. in weis 
terer Bed, f. alled Unreine, Schmußige, als: Auskehricht, Gaſſenkoth; 
gem, verächtl. f. eine fchlechte, untaugliche Sache; — 3fes, die Miftbahre 
0d, =trage, eine Bahre zum Fortſchaffen des Miſtes; der Miftbauer, ein 
Bauer, welcher den Mift aus der Stadt holt; das Miftbeet, ein mit Brettern 
umfchloffenes und mit Fenftern bededtes ftark gedüngtes Gartenbeet, auf wel- 
chem die Gewächfe früher getrieben und bef, zarte Pflanzen aus wärmeren Ge- 
genden gezogen werden, Zreisebeetz der Miftbeller, landſch. f. das Murmel— 
thierz der Miſtblaͤtterſchwamm, Miftfhwamm od. = pilz, ein auf Mift- 
haufen wachfender Hochftieliger Blätterfhwammz; der Miftfin?, Berg: oder 
Rothfinkz uneig. gem. f, eine ſchmutzige Perfon, in diefer Bed, auch der Mift- 
hammel; die Miftfliege, eine Art Stiegen, welche ſich auf dem Miſt auf: 
Halten; die Miftforfe, niederd. f. Miftgabel, eine große eiferne Gabel zum 
Faffen des Miftesz; die Miftfuhre, ſ. Fuhre; die Miftgauche od. =jauche 
(1. d.)/landſch. auch Miftgalle, = gällen (ſ. Galle 3.), das Miftwafler; 
die Miftgrube, Grube, in welche man den Mift fammeltz der Mifthanfen ; 
der Mifthof, Landw. ein Hof, wo der Mift gefammelt wird; der Miftkäfer, 
jeder im Mifte lebende Käfer; bef. der fchwarze Miftkäfer, Roſs-, Dredkaferz 

auch eine Art Speckkäfer; die Miftkarre od. der Miſtkarren, «wagen x. 5 
die Miftlache od. = pfiiKe, der Miftpfuhl, eine Pfüge v. zufammengelaufener 
Miſtjauche; die Miftmelde, ſtinkende od, Hundsmelde; auch f. gemeine oder 
Waldmelde; miftnafs, Bw., eig, nafs wie Mift, landſch. gem, f. völlig durch— 
näſſt (gehört vielleicht zu Mift 2.); die Miftftatt oder =flätte, Landw., der 
Platz, wo man den Mift aus den Ställen aufbewahrt; — Ableit. miflig, 
Bw., Milt enthaltend, mit Mift befudeltz; miften, Zw. 1) ziellos mit 
haben, fich feined Kothes entledigen, bef, von größeren Thieren (das Pferd, 
der Ochs miſtet); den Milt fortfchaffen (gew. nur ausmiften)z; 2) ziel; 
etwas —, als Koth oder mit dem Kothe von ſich geben (But —)5 mit 
Miſt duͤngen (den Ader —); der Mifter, - 8, wer den Mift aus dem 
Stalle fihafft, damit düngt cz die Miftung, dad Miften, d. i, Aus: 
miften oder Düngen; oberd. auch f. Miſthaufen, = plaß. 

Miſt 2., m., -ed, o. M. (angelſ. engl. holl. mist; öſtr. die Miſten; 
wahrſcheinlich von gleichem Stamm mit Mift 1. Grundbed. die Näffez vergl. 
d, griech. öulyAn, Nebel, öulyev, harnen) landſch. f. feuchter Nebel; daher 
miftig, Br. fi nebelig; mitten, unperf. ziellof, Zw. f. nebeln, 

Miftel, w., Mi -n (altd, mistil, mistel; dan. mistel, engl. mistletoe), 
ein Geſchlecht von Schmaroperpflanzen, welche auf Baumzweigen wach- 
fen; beſ. die bei uns einheimifhe weiße Miftel, deren Beeren einen zähen 








mit 179 
Saft enthalten, woraus der Vogelleim bereitet wird; daher: die Miſtelbeere; 
die Mifteldroffel, die größte Art Droſſeln, welde gern Miftelbeeren frifft, 
auch der Miftler, -8, Miftelfint, Miftelziemer, die Schnarrdroſſel zc. 
genannt; der Miftlerftich, bei Vogelſtellern: der Fang der Mifteldroffeln im 
Herbfte mittelft einer zahmen, auf welche jene begierig zuftoßen oder ftedyen, 
mit, Vw. und Nw. (goth. mich, altd, mit und alg Nw. miti, mite; an: 
gelf. midh, engl, with, hol. met, mede, ſchwed. u, dan. med; griech. 
uere; von derfelben Wurzel, wie Mitte, miſchen ꝛc., alfo urfpr, auf innige 
Verbindung oder Vermiſchung deutend) bezeichnet im Allgemeinen Gefellfchaft, 
Verbindung, Gemeinfhaft, Mitwirfung, finnv. nebft, fammt, body 
von weiterer Bed. ai diefe, welche bloß ein Außerliches Zufammenfein ausdrü— 
den, während mit von dem Begriff eines innigen Zufammenhanges zu dem be: 
ftimmteren eines Werkzeuges, Mittels, einer anhaftenden Eigenfhaft ꝛc. fort: 
fchreitet. Insbeſ. fteht mit 1) ald Bw, immer mit dem Dat. u. bezeichnet 
dann befonders folgende Berhältniffe: a) Gefellfchaft, Begleitung, Theil— 
nehmung (4 B. fomm mit mir! mit einem Andern arbeiten, efjen, reifen; 
Alle mit einander, finno, Alle zuſammen; etwas mit ſich nehmen; Semand mit 
Briefen abſchicken; er ift mit dem Gelde davon gegangen; im gem. Leben auch: 
mit ſammt, welches jedoch ein fehlerhafter Wortüberflufs iſt; alfo nicht: 
der Mann mit fammt feiner Frau, ſondern: mit, oder ſammt der Frau); 
b) Theilnahme, Übereinſtimmung (fid; mit dem Fröhlichen freuen ; mit einem 
leiden; Mitleid mit ihm haben; mit Semand gleichen Alters fein; meine Wünſche 
ftimmen mit ben feinigen überein); c) Bermifchung, Bermengung (Wein mit 
Waffer mifhen; Einen mit dem Andern verwechſeln); d) ein gegenfeitiged 
Berhältnifd (mit Semand ſprechen, fpielen, ftreiten; einen Vertrag mit Je— 
mand machen, eingehen 20.5 ex fteht mit mir in Verbindung, macht Gejchäfte 
mit mir 20.5 ich habe viele Mühe mit ihmz ich halte es mit dem Vater ꝛc.); 
e) einen Befis, eine anhaftende Eigenfchaft oder Eigenheit (ein Mädchen 
mit. blauen Augen und blondem Haare; der Mann mit dem Degenz mit einer 
Krankheit behaftet, mit vielem Berftande begabt fein; mit guten Anlagen ge: 
boren fein); daher dient mit aud) oft zur Beifägung einer den Gedanken ver- 
vollftändigenden Nebenbeftimmung und drüdt den begleitenden Umſtand, die 
Art u, Weife x, aus (mit Fleiß und Eifer arbeiten; mit Schmerzen gebären; 
. mit fanften Zone ſprechen; einen mit offenen Armen empfangensz mit Ehren 
zu melden; mit Erlaubniß zu fagen; mit Vortheil verfaufen; mit Verluft ſpie— 
len; etwas mit Freuden thun; mit Standhaftigkeit fterben 5 einen mit Nachſicht 
behandeln; mit gutem Gewifjen 20); H ein Werfzeug, Mittel, einen 
Stoff, ſinnv. mittelft, vermittelft, durch (mit der Hand winken; mit dem 
Fuße flogen; mit den Ohren hören; mit der Feder ſchreiben mit dem Meffer 
fchneidenz; mit der Elle meſſen; mit Geld erfaufen, bezahlen; mit Gottes 
Hülfez mit Farben malen; mit Seide ſticken; mit Eifen beſchlagen; mit Bäu— 
men bepflanzenz; ſich mit Kenntniffen bereihern, mit Ruhm bedecken 2c.); 
g) die Öleichzeitigkeit zweier Vorgaͤnge oder Veränderungen (mit Tages 
Anbruch aufftehenz mit dem Schlage eins wird zu Mittag gegeffen; mit den 
Sahren Elüger werden; mitdem früheften, d. i. aufs frühefte; mit diefen . 
Worten eilte ex fortz mit dem Tode hört alles Leiden auf 2c.); endlich h) dient 
mit in mandjen umfchreibenden ober eigenthümlich gewendeten Sägen zur An⸗ 
knuͤpfung des Gegenftandes einer Handlung (3. B. mit einer Sache fertig 


12% 


180 Mitältefte — Mitbruder 
werben, zu Ende ober zu Stande kommen, finnv. eine Sache vollenden; mit 
einem Sohne nivderfommen, d. i. einen Sohn gebären; einen mit einer Sache 
beauftragen; komm mir nicht mit deinen Klagen! d. i. bringe fie mir nicht 
vor; mit dem Effen auf Jemand warten; mit einer Perfon oder Sache zufries 
den fein; es ift aus mit ihm, d. i. er ift verloren; es fteht fihlecht mit ihmz 
weg mit folhen Reden! 2); — 2) ald No, bezeichnet mit gleichfalls eine 
Geſellſchaft, Begleitung, Gemeinfchaft, Theilnehmung, Genoſſenſchaft, 
und ſteht a) als ſelbſtändiges Wort, z. B. mit dabei fein, mit dazu gehd: 
ren, etwas mit anhören, mit zur Leiche gehen, es luuft viel Unridytiges mit 
unter, d. i. iff darunter gemifht, mit unter, f. hin und wieber, zuweilen, 
b. mitunter; b) in Zufammenfesungen, und zwar als zweites 
Glied der Zſetz. in Nw. wie tamit, womit, hiermit, fomit ꝛc.; bef. aber als 
erftes Glied oder Beftimmungswort mit dem Hauptton in Hw. und Bw., 
wie: der Mitäitefte, Mitarbeiter, Mitbefiger, Mithürge, Mitbürger, Mit: 
chriſt, Miterbe, Mitkiäger, Mitmenfh, Mitfhutdner, Mitfchufer, das Mit: 
gefhörf, die Mitfhuld; mitfhuldig, mitleidig 2.5 und ganz vorzüglich in vielen 
trennbaren Zeitwärtern, ald mitarbeiten, mitbieten, bringen, =efjen, = fahren, 
sgehen, =fommen, laufen, =leiden, =lernen, =madyen, = nehmen, = reifen, 
: fingen, =fpielen, =wirfen, =wiffen ꝛc. Diefe Zufammenfegungen laffen ſich 
durch neue Bitdungen nach dem jedesmaligen Bedürfniffe ins Unendliche vermeh— 

ren, ‚und erklären ſich nad) der odigen Begriffsbeftimmung des Vw. ınit duch 
ſich felbft; daher im Folgenden nur die allgemein üblichen oder einer befonderen 
Erklärung bedürftigen Zſetz. aufgeführt werden. - 

Mitältefle, m., wer neben einem Andern dad Amt eines Älteſten bes 
kleidet. 

mitarbeiten, trb. zielloſ. Zw., mit Andern zugleich arbeiten, Theil an 
einer Arbeit nehmen; der Mitarbeiter, die Mitarbeiterinn, 

Mitbeamte, =betiente, m., Amt3= oder Dienftgenoffe 

Mitbeftagte, m, und w., wer mit einem Andern zugleich beflagt od, 
angeklagt iſt, Mitangeflagte, 

mitbelegnen, trb. ziel. Zi, einen —, ihm mit Undern zugleich über 
diefelbe Sache die Shen ertheilen; daher der Mitbelehntez tie Mitbes 
lehnichaft, das Berhältnifs der Mitbelehnten, 

- Mitbericht, m., ein in derfelben Sache zugleich mit dent eined Andern 
abacfaffter Bericht (fr. Correlation); der Mitberichterftatter (fr. Gorreferent). 

Mitbefis, m., gemeinſchaftlicher Beſitz, Beſitz- Antheil; mitbefigen, 
trb. ziel. Zw., mit Andern zugleich beſitzen; der Mitbefiker. 

Mitbevollmaͤchtigte, m. u. w., wer mit einem Andern zugleich bea 

vollmächtigt iſt. 

mitbewerben, trb. rüdz. 3w., fih um etwas —, mit Undern zus 
aleich bewerben; des Mitbewerber, die Mitbewerberinn, (fr. Gompetent, 
Rival), 

mitbieten, trb. ziellof, 3w,, aufetwa8d-—, mit Andern zugleich bieten, 

mitbringen, trb, ziel. 3m., einen od, et was —, kommend mit fid) 
führen oder bei fid) haben, (einem etwas —, d. i. fürihn, ihm zum Ge⸗— 
ſchenk ꝛc. bringen): 

Mitbruder, m., jeder Nebenmenſch als Bruder betrachtet; insbeſ. ein 
bruͤderlich Befreundeter, Amts- oder Geſchaͤftsgenoſſe. 


mitbuhlen — mitgehen * 181 


mitbuhlen, trb. zielloſ. zw., um eine Perſon od. Sache —, mit Andern 
zugleich buhlen; der Mitbuhler „ gew. Nebenbuhler. 

Mitbuͤrge, m., wer mit einem Andern zugleich fuͤr etwas buͤrgt; die 

Mitbuͤrgſchaft, gemeinſchaftlich übernommene Bürgfdaft. 
Mitbuͤrger, m., die Mitbürgerinn, wer mit einem Andern Bürger 
derfelben Stadt oder deöfelben Stanted iftz die Mitbürgerfchaft, das 
Berhältnifd der Mitbuͤrger; aud die Gefammtheit der Mitbürger, 

Mitchriſt, m., die Mitchriftinn, jeder Chrift nach feinem Verhaͤltniſs 
zu andern Chriſten. 

Mitdiener, m,, wer mit einem Andern zugleich dient. 

mitdürfen, teb. ziellof. Zw., gem. auslaff. f. mitgehen, zreifen, =fahrenıc, 
dürfen. 

Miteigenthimer, m., die Miteigenthümerinn, f. Mitbefiker, 

miteilen, trb. ziellof. Zw. m, fein, mit Undern zugleic) eifen, forteilen. 

mitempfinden, trb. ziel. Zw., vergl. mitfühlen. 

Miterbe, m., die Miterbinn, wer mit Undern an derfelden Erbfchaft 
Theil hat, Erbgenoſs; miterben, trb. ziellof. Zw., an der Erbſchaft Theil 
haben. 

miteſſen, trb. ziel. u. zielloſ. zw., mit Andern in Geſellſchaft eſſen, an 
dem Eſſen Theil nehmen; der Miteſſer, die Miteſſerinn, wer mitiſſt; 

Miteſſer, uneig. f. Duͤrrmaden (ſ. d.), Zehrwuͤrmer. 
mitfahren, trb. zielloſ. Zw. 1) mit fein, in eines Andern oder mehrer 
Anderen Geſellſchaft fahren; m. haben, einem —, vlt. f. ihn behan— 
deln, ihm begegnen, vergl. mitſpielenz die Mitfahrt, Fahrt mit Anderen; 
ehem. f. Mitwirfung, Hilfe, 

mitfangen, trb. ziel. Zw., mit Undern zugleich fangen, 

mitfechten, trb. zietlof. Zw,, am Ösfechte Theil nehmen; der Mit: 
‚ fechter. 
mitfolgen, trb. ziellof. 3w., mit Andern zugleich folgen; die Mitfolge, 
- dad Mitfolgenz mitfolgig, Bw., vit. f. uͤbereinſtimmend, einftimmig, 

mitfceuen, teb. rücz. Zw., ſich —, an Anderer Freude Theil nehmen; 
die Mitfreude, Iheilnahme an Anderer Freude, 

mitfühlen, trb. ziel, u. zielloſ. zw., mit Undern zugleich 08, gleichmäßig 
fühlen; bef, mitfühlend als Bw., finno. theilnehmend; das Mitges 
fühl, die Theilnahme an Undrer Gefühl bei Freud’ und Leid (fr. Sympathie). 

mitführen, trb. ziel. Zw., einen od, etwad—, mit ſich fortbewegen. 

Mitgaſt, m., wer mit Andern zugleich Gaſt iſt. 

mitgebaͤren, trb. ziel. Zw., zugleich mit Andern gebaͤren; der, die 
Mitgeborene, M. Mitgeborene, gleichzeitig Geborene, Zeitgenoſſen; 
Geſchwiſter. 

mitgeben, trb. ziel, Zw., einem etwas —, zum Mitnehmen eder 
zur Begleitung geben; insbef. einer Tochter bei ihrer Verheirathung ein Heiz 
zathögut geben; die Mitgabe, das Mitgegebene, bef. ſ. v. w. die Mitgift, 
das Heirathẽgut. 

Mitgefangene, m. u. w., Gefangenſchaftsgenoſs. 
mitgehen, trb. zielloſ. ** mit einem oder mehren Andern zugleich, in 
Geſellſchaft gehen, ſie begleiten; uneig. von Dingen, zugleich mit Andern 
fortgeſchafft werden (der Wagen, der Brief 2c, geht mit). 


182 mifgenießen — Mitlaut 


—— „trb. ziel, und zielloſ. Zw., mit Andern gemeinſchaftlich 
genießen. 

Mitgenoſs, m., die Mitgenoſſinn, ſ. v. w. Genoſs, Theilnehmer 
an etwas. 

Mitgefhönf, ſ., ein Gefchöpf nad) feinem Verhaͤltniſs zu andern ſei— 
ner Art. 

Mitgefel, m., überflüffig f. Geſell; in engerer Bed. ein Handwerfö- 
gefell,, fofern er mit einem andern bei demfelben Meifter ift, 

Mitgift, w., M.-en, ſ. v. w. Mitgabe, f. d. unter mitgeben, 

Mitglied, fe, M. -er, nur uneig. eine Perfon, fofern fie mit andern 
zu ein und derſelben Geſellſchaft gehört, alfo gleihf. ein Glied desſelben 
Körpers iftz gew. ohne Bezug auf die Anderen f. Glied (ſ. d. z. B. ein Mit: 
‚glied der bürgerlichen Geſellſchaft, einer Familie zc, fein); die Mitgliedfchaft, 
Neum, f. das Verhaͤltniſs eines Mitgliedes. 

5 mithaben, trb. ziel. 3w., gem. f. mitgebracht, genommen, bei fich 
aben. 

mithalten, trb. ziel. Zw., mit Andern zugleich, gemeinſchaftlich halten, 
Theil an etwas nehmen (ein Feſt, eine Zeitung 2c.). 

mithelfen, trb. ziellof. Zw., mit Andern zugleidy bei etwas helfen; 
der Mithelfer, die Mithelferinnz die Mithülfe, 

Mitherr, m., wer zugleih mit einem Undern Herr über etwas iſt; 
die Mitherrfchaft; mitherrfchen, trb. zieltof. 3w.; der Mitherrfcher, die 
Mitherricherinn (halbfr. Mitregent, = inn). 

Mitherausgeber, m., mer etwas zugleich mit einem Andern heraus— 
giebt, 

mithin, beiordnendes folgerndes Bhw., weldes eine Schlufsfolge aus 
einem Urtheil zieht und eine nothwendige Folge bezeichnet, ſinnv. alfo, folg- 
lih, fomit, demnach. 

Mitjagd, w., das Recht der gemeinchaftlichen Jagd; mitjagen, trb. 
ziel. u. zielloſ. zwo., am Jagen Theil nehmen, 

Mitkaifer, m., wer mit einem Undern zugleich Kaifer iſt in demſelben 
Reiche oder in verſchiedenen Reihen, finnv, N ebenkaiſer. 

mitkaͤmpfen, trb. zielloſ. zw., am Kampfe Theil nehmen; der Mit— 
kaͤmpfer, Kampfgenoſs. 

mitklagen, trb. zielloſ. Zw., mit Andern zugleich klagen, beſ. vor Ge: 
richt; daher der Mitklaͤger, die Mitklägerinn. 

mitklingen, trb. ziellof, Iw., mit einem andern Tone zugleich klingen; 
der Mitklang, ein gleichzeitig vernommener, einftimmender Klang. 

Mitknecht, m., wer mit einem Andern zugleich Knecht iſt. 

mitfommen, trb. ziellof. Zw., in Geſellſchaft einer andern Perfon od, 
Sade fommen. 

mitfönnen, trb. ziellof. Zw., auslaff, f. mitgehen, = reifen 2c. koͤnnen. 

mitkriegen, trb. 3w. 1, ziellos, am Kriege Theil nehmen; 2. ziel. gem. 
f. mitbefommen, 

mitfundig, Bw., mit Andern derfelben Sache Fundig. 

mitleffen, trb. ziel. Bw., gem. auslaff. f. mitgehen, = reifen ꝛc. laſſen. 

mitlaufen, teb. zielfof. Zw. m. fein, in Anderer Gefellfchaft laufen. 

Mitlaut, m., ein Sprachlaut, welcher nicht für ſich allein, fondern 


mitleben — mitſchicken 183 


nur in Verbindung mit einem Selbftlaut deutlich hervorgebracht werden 
Fann, z. B. b, d, 9, p, Lac, (fr, Eonfonant); der Mitlauter, -3, das 

Schriftzeichen eined Mitlauted. 
miitleben, trb. ziellof. 3w., mit Undern in Geſellſchaft oder gleichzeitig 
leben ; daher der Mitlebende als Hw. f. Zeitgenoffe, 

mitleiden, trb. ziellof. u. ziel. 3w., mit Andern gemeinfchaftlich leiden; 
an Anderer Leiden Theil nehmenz der Mitleiver, -3, mer mitleidet, ob, 
mit Andern Mitleid hat (ſprichw. beffer Neider, als Mitleidver); dad Mit— 
leiden od. Mitleid, -8, o. M., dad Leid, d. i. die fchmerzliche Empfin= 
dung Uber Anderer Leid, finno. Mitgefühl, Barmherzigkeit, verſch. Beileid 
(Mitleid empfinden, mit Jemand haben ꝛc.); mitleidslos, =voll, mitleidg- 
werth od. - würdig, auch mitleidlos 2c., Bw.; mitleidig, Bw., Mitleid 
habend und zeigend, zum Mitleid geneigt; au: öffentliche Laften mit 
tragend (mitleidige Ortfhaften u, dgl.); die Mitleidigfeit, das Mitleidig- 
' fein, die Barmherzigfeitz die Mitleidenheit od, Mitleivenfchaft, der Zu— 
ftand, da eine Perfon oder Sache mit andern zugleich leidet, insbef. Heilk. 
die Iheilnahme eines Gliedes od, Körpertheiles an dem Erankhaften Zuftand od. 
u eines andern; landſch. dad gemeinfchaftliche Tragen bürgerlicher 
Laſten. 

mitlernen, trb. zielloſ. und ziel, Zw., mit Andern zugleich lernen; auch 
eine Sache in Verbindung mit einer andern lernen. 

mitmachen, trb. ziel. Zw., etwas —, mit Andern zugleich machen 
ober befolgen (einen Gebrauch, eine Mode —); gem. ziellos, an ſinnlichen 
Genüſſen, Ausfchweifungen 21. Theil nehmen, unzlichtig fein (er, oder fie macht 
mit); daher gem, der Mitmacher, die Mitmacherinn. 

Mitmenih, m., jeder Menſch nad) feinem Verhaͤltniſs zu andern zu= 
gleich lebenden Menfchen, Nebenmenſch, Nächiter. 

mitmuͤſſen, teb. ziellof. 3w., auslaſſ. f. mitgehen, =reifen ꝛc. muͤſſen. 

mitnehmen, teb. ziel. 3w., etwad —, mit fich fortnehmen (Geld, 
einen Brief); bei. zur Gefellfchaft, Begleitung, Führung (einen Boten, 
Führer 2); uneig. gem, einen —, f. enifräften, erfchöpfen (die Krankheit 
hat mic; ſehr mitgerommen) ; auch f. tadeln, verfpotten, durchziehen. 

Mitpfleger, m., wer mit Undern zugleich Pfleger iſt, 3. B. in Frank⸗ 
fürt a, M. die Abgeordneten der Bürgerfchaft, welche mit denen des Rathes 
gemeinfhaftlich die Einkünfte des Armenhaufes verwalten, 

mitplaudern, trb. zielloſ. zw., am Plaudern Theil nehmen. 

Mitprediger, m., Amtsgenoſſe eined Predigerd, 

mitrafen, teb. ziellof. 3w., mit Andern zugleich rafen. 

mitrechnen, trb. ziellof. u. ziel. 3w., mit einem Andern zugleich rechnen; 
etwas — zugleich mit andern Dingen in Rechnung bringen, 

mitreden, teb. ziellof. zw., mit Undern zugleich reden, am Gefpräche 
Theil nehmen; auch ziel. ein Wort —, d. i. fein Urtgeil, feine Meinung aus: 
ſprechen. 

mitreiſen, trb. zielloſ. Zw. m. fein, am einer Reife Theil nehmen. 

mitreiten, teb. ziellof. 3w. m, fein, mit einem oder mehren Andern 
zugleich reiten. 

mitfammt, Vw. gem. une. f. das einfache mit oder ſammt, ‚f. mit, 

mitſchicken, trb.ziel. 3w., mitandern Perfonen od, Sachen zugleich ſchicken. 


184 mitſchießen — Mittag 


mitfchießen, trb. ziellof. und ziel, zw., am Schießen Theil nehmen ; 
etwas —, mit Anderem zugleich fchießen. 

mitfchiffen ‚„teb, zielloſ. zw., an der Schifffahrt Iheil nehmen, 

mitfchleppen, trb. ziel. Zw., fehleppend mit fich fort nehmen. 

mitfchmaufen, trb. ziellof, und ziel. Zw., am Schmaufen Theil nehmen; 
etwas — mit anderen Speifen zugleich ſchmauſen. 

mitſchreiben, trb. zielloſ. und ziel, 3w., mit Andern zugleich ſchreiben; 
etwas — nebſt andern Dingen niederſchreiben. 

mitſchreien, trb. zielloſ. zw., mit Andern zugleich ſchreien. 

Mitſchuld, w., gemeinſchaftliche Schuld, der Antheil an einer Schuld; 
mitſchuldig, Bw., mit Andern gemeinſchaftlich eines Verbrechens ꝛc. ſchul— 
dig; beſ. als Hw. die Mitſchuldig en (fr. Complicen); der Mitſchuldner, 
Bl, wer mit Andern gemeinschaftlich eine Geldſummeꝛc. 

uldig iſt. 

Mitfihlier,'m., die Mitfchülerinn, wer zugleich mit einem Andern 
diefelbe Schule befucht oder denſelben Unterricht geniegt, Schulgenofs, 

mitſchwatzen, trb. zielfof. 3m., am Schwaben Theil nehmen, 

Mitfchwefter, w., eine ſchweſterlich befreundete Perfon (vergl. Mit: 
bruder). 

mitjenden, trb. ziel. Zw., mit andern Perſonen oder Sachen zugleid) 
ſenden. 

mitſein, trb. zielloſ. Zw., mit einem andern Dinge zugleich vorhanden 
ſein (fr. coexiſtiren); gem. auslaſſ. f. mitgegangen ſein; oberd. einem eines 
Dinges oder ein Ding —, f. es ihm zulaffen, zugeben, geſtatten. 

mitfiegen, trb. zielloſ. Zzw., mit Andern zugleich ſiegen; der Mitſieger. 

mitſingen, trb. zielloſ. u. ziel. zw., mit Andern gemeinſchaftlich fingen, 

mitſollen, trb. zielloſ. Zw., gem. auslaſſ. f. mitgehen, =reifen ꝛc. ſollen. 

mitſpeiſen, trb. zielloſ. u. ziel, 3w., am Speiſen Theil nehmen; etwas —, 
mit anern Dinge zugleich ſpeiſen. 

mitſpielen, trb, zielloſ. u, ziel, 3w., am Spiele Theil nehmen; etwas 
mit Andern zuſammen ſpielen; uneig. einem übel, ſchlecht ꝛc. —, ihm 
uͤbel begegnen, ihn ſchlecht behandeln; der Mitſpieler, die Mitſpielerinn. 

mitſprechen, trb. zielloſ. zw., mit Andern zugleich ſprechen, am Ge— 
ſpraͤche Theil nehmen. 

Mitſtand, m., M. Mitſtaͤnde, ein Reichs- oder Landſtand neben 
anderen. 

mitſtiften, trb. ziel..3w,, mit Andern gemeinſchaftlich etwas ſtiften; 
der Mitſtifter, die Mitſtifterinn. 

mitſtimmen, trb. 8w. 1) ziellos, mit Andern zugleich ſtimmen, feine 
Stimme mit abgeben; 2) ziel. etwas —, mit andern Dingen zugleich 
ſtimmen. 

mitſtreiten, trb. zielloſ. zw., am Streite Theil nehmen; der Mitſtreiter. 

mitt, vbllig vlt. Bmw. (altd. mitti, mitte, z. B. umbe mitten tac, um 
Mittag; mittera nahti, der Mitternacht; jetzt nur noch in Ableit. und Zſetz.3 
angelf. u. ſchwed. mid, engl. midst; gried,. «.eoos, lat. medius; verw. mit, 
f. d.), ebem. f. die Mitte (f. d.) ausmachend oder einnehmend, in der Mitte 
beſindlich, wofür jest: mittel, mittler, f. d. 

Mittag, m., —es, M. -e.(f, Mitt: Tag, altd. der mitti tag, mitte 


mittanzen — Mitte 185 


tac, mittertac, ſ. mitt), 1) die Mitte des Tages, die Zeit, wann die Sonne 
am höchften über dem Gefichtökreife feht, die Mittagdzeit, 12 Uhr; daher 
auch! die 12te Stunde oder der Glockenſchlag 12 (ed geht auf Mittag, wird 
bald Mittag fein; zu Mittag effen, d. i. eig. um 12Uhr, uneig. überh. die 
Hauptmahlzeit halten, wenn dies aud) einige Stunden fpäter gefchieht) 5 der Gen. 
Mittags als Nw. f. am Mittage, zu Mittag; 2) die Himmeldgegend, 
in welcher die Sonne zu Mittage ſteht, die Mittagsgegend, der Süden 
(das Haus liegt gegen Mittag; der Wind kommt von Mittag ꝛc.); — 3ſetz. 
die Mittagsblume, ein Pflanzengeſchlecht, deffen Blumen ſich meift Mittags 
Öffnen; das Mittagseffen, das Efjen, weldes man um Mittag zu fi nimmt, 
überh. das tägliche Haupteffen; von einfacher Koft auch: dad Mittagsbrod; 
ferner: die Mittagsmablzeit, dad Mittagsmahl (f. Mahl 3.), vornehm: 
die Mittagstafel; die Mittagsfläche, Erd: und Sternk., eine auf dem 
Geſichtskreiſe ſenkrecht ſteſende Ebene, welche durch die Scheitellinie und die 
Weltachſe geht; der Mittagsgaſt, wer bei Jemand zu Mittag fpeij’tz die 
Mittagsgegend, Südgegend, genauer: die Gegend des Himmels um den 
Mittagspunttz die Mittagsgefellichaft, Gefellfhaft zum Mittagsmahl; die 
Mittagshige, ⸗gluth, Hige ze. zur Mittagszeit; überh. eine große Hitze; 
mittagshell, Biw., hell wie am Mittage; die Mittagshelle; die Mittags: 
höhe, die Höhe der Sonne zur Mittagszeit; der Mittagskreis, Erd- und 
Sternk., jeder Kreis, welchen man ſich durd) die beiden Pole und den Gleicher 
gezogen denkt, da alle unter demfelben Kreife liegenden Hrter zu gleicher Zeit 
Mittag haben, auch der Mittagszirkel (fr. Meridian); das Mittagsland, 
Südland; der Mittagsländer, Südländer; die Mittagslinie, Sternk., 
die Durchſchnittslinie der Mittagsfläche mit der Fläche des Gefichtöfreifes; dad 
Mittagsmahl, die Mittagsmahlzeit, ſ. Mittagseffen; die Mittagspre- 
digt, um Mittag gehaltene Predigt, 3. U. v. Früh-, Nachmittagspretigt 20,5 
der Mittagsprediger; der Mittagspunft, Stern. der Durchſchnittspunkt 
des Mittagsfreifes mit dem Gefihtsfreife nach der Mittagsfeite hin, der Süd— 
punkt; die Mittagsruhe, der Mittagsfchlaf, die Ruhe, ber Schlaf um 
Mittag, bef. nach der Mittagsmahlzeit; die Mittagsfeite, Südſeite; die 
Mittagsfonne, die Sonne zur Mittagszeit, deren Schein und Wärme; die 
Mittagsftunde, die Mittagstafel, ſ. Mittagseſſenz der Mittagstifch, 
die gewöhnliche Mittagsmahlzeit (vergl. Tiſch); die Mittagsuhr, eine Sonnen: 
uhr, welche auf einer nad) Mittag gerichteten Fläche defchrieben iftz der Mit» 
tagswind, Südwind; die Mittagszeit, f. 0.5 mittagwärts, Nw., gem. 
fübwärts; — Ableit. mittägig, Bw., was zur Mittagszeit ift oder ge— 
ſchieht; mittäglih, Bw. u. Nw., 1) was jeden Mittag gefchicht (mittäg: 
lic) effen); 2) gegen Mittag liegend, ſuͤdlich (die mittäglichen Länder). 
mittanzen, teb. ziellof. 3w., am Tanze Theil nehmen. 

Mitte, w., M. feiten - n, (oberd. Mitt, Mitten, niederd. Midde; goth. 
midja, isländ. midia, altd. mitti; v. mitt, ſ. d.), der Punft oder Theil 
eines Sörperd od. Raumes, welcher von deffen Enden gleich weit entfernt 
ift (die Mitte eines Kreifes, des Leibes 2c.5 in der Mitte der Stadt; in der 
Mitte zwifchen Zweien ftehen, gehen ꝛc.; einer aus unferer Mitte, d. i, unter 
uns, aus unferer Gefellfhaft); auch von der Zeit (3.3. in der Mitte der 
Woche, um die Mitte des Sahres); uneig. ein Zultand, ine Befchaffenheit, 
welche von zwei Außerften gleich weit entfernt ift (in der Mitte zwifchen 


186 . mittel 


Furcht und Hoffnung ſchweben; die Mitte haltenz bie richtige Mitte 2c.) 5 alt 
und oberd. in Mitten od. zgef. inmitten f. in der Mitte oder mitten in zc, 
mittel, der, die, da& mittele od. mittle, Bw. (altd. mittil; vergl. mitt), 
in der Mitte befindlich, die Mitte haltend, meift vit. (außer in Zſetz.) und 
durd) die Comparativ: u. Superlativ- Form der, die, das mittlere, mittelfte 
verdrängt, welche der Bed. nad) nicht verfchieden find, da der Begriff der Mitte 
feine Steigerung zuläfftz vergl. die comparativifchen Formen: äußere, innere, 
obere, untere, (4. B. der mittele oder mittle Finger, gew. der mittlere oder 
mittelfte; der mittele, mittlere oder mittelfte Theil; ein Mann von mittler, 
gew. mittlerer Größe, von mittlerem Alter, nit: von mittelfter Größe ꝛc., 
da dies ungefähre Beftimmungen find, die Superlativ : Form mittetft aber 
immer die genaue Mitte bezeichnet) 5 mittler Zeit, oder mittler Weile, gew. 
mittlerweile, ein abfoluter Gen. als Nw. ber Zeit, ſ. v. w. unterdeffen, 
inzwiſchen; — 3fee. v. mittel: die Mittelader, Anat. ein Aſt der Leber: 
ader zwiſchen diefer und der Hauptader (fr. Medianader); dad Mittelalter, 
1) das mittlere Alter zwifchen der Sugend und dem hohen Alter; 2) der Zeit: 
raum der Weltgefhixhte vom Sten bis zum 16ten Jahrh. oder von der Völker— 
wanderung bis zur Keformation, 3. U. v. dem Alterthum und der neueren Zeitz 
‚die Mittelart, eine Art, welde zwifchen zwei andern die Mitte hält; dad 
Mittelband, ein in der Mitte befindliches Band, z. B. an Drefchflegeln das 
Vederne Band; am groben Geſchütze das Band zwifchen dem hinteren Frieſe u. 
dem Stabe des Mundftüdes, auch der Mittelgürtel; der Mittelbafs, Tonk. 
ein Bass für die Mittelbaſsgeige (fr. Violon) und dieſe ſelbſt; der Mittel- 
baum, Forftw. ein Baum von mittlerer Größe; der Mittelbegriff, ein zwi: 

fen zwei verwandten Begriffen in der Mitte ftehender, diefelben verfnupfender 
Begriff, bef. bei Sclüffen: das Mittelglied (lat, medius terminus); das Mit- 
telbein, ein zwifchen zwei andern in der Mitte befindliches Beinz die Mittel- 
berge, 0, E., Bergw., zwifchen andern in der Mitte liegende Erd: od. Stein: 
arten; der Mittelbruch,, Schloſſ. ein Eifenblech in einem Schloffe mit einem 
Loche, durd) welches der Schlüffel in die Einrichtung geftect wird; der Mittel- 
Deich, niederd., ein Deich, welcher zwifchen einem See: und Haffdeich in der 
Mitte liegt; das Mittelding, ein Ding, welches zwifhen zwei andern in der 
Mitte Liegt oder die Mitte Hält, alfo weder das eine, noch das andere ift, gew. 
verähtl.; die Mittelente, eine Art wilder Enten; auch die Schnarrentez die 
Mitteleule, Steineule; der Mittelfalk, Geierfalk; die Mittelfarbe, eine 
Farbe, welche zwifchen zwei Hauptfarben die Mitte hält; Mal, Mifchfarbe, Halb: 
farbe, Mitteltinte;s das Mittelfeld, das mittlere Feld z. B. eines Wappens; 
dad Mittelfell, Anat., ‚ein die Bruſthöhle und Lunge der Länge nad) in zwei 
gleiche Theile theilendes Häutchen (lat. mediastinum)z; der Mittelfinger, ver 
mittelfte Finger der Hand; der Mittelfries, an Kanonen der Fries zwiſchen 
dem Hinter» und Bodenfriefe; der Mittelfuß, ein Fuß von mittlerer Größe; 
auch der mittlere Theil des Fußes; der Mittelgalop, ein aus Trab u. Galop 
zufammengefegter Gang des Pferdes; die Mittelgattung, eine zwifchen zwei 
andern die Mitte haltende Gattung, Gattung von mittlerer Gütez das Mit- 
telgebirge, Bergw., das zwifhen dem Vorgebivge und dem hohen Gebirge, 
liegende, zum Bergbau geeignetfie Gebirge; die Mittelgeige, ver Heine Baſs 
(fr, Violoncello); das Mittelgefchirr, der Theil des Pferdegeſchirres, welcher 
die Mitte des Leibe bedeckt; das Mittelglied, das mittelfte von zwei ober 


mittel 187 


mehren Gliedern; vergl. Mittelbegriff; der Mittelgrund, Mal, der mittlere, 
zwifchen Vorder - und Hintergrund liegende Raum (vergl. Grund) 3 der Mit- 
telgurt, ein Gurt in der Mitte des Sattelö; das Mittelgut, Gut, d,i, 
Waare ıc, von mittlerer Güte; die Mittelhand, der Theil der Hand zwifchen 
den Fingern und der Handwurzel; der Mittelhecht, ein Hecht von mittlerer 
Größe, Schüſſelhecht; der Mitteihengft, auf Blechhämmern: eine Art ſchwar⸗— 
zer Doppelbleche von mittlerer Dide; das Mittelholz, Forſtw. ein aus Mit- 
telbäumen beftehendes Gehölz; das Holz von Mittelbäumen; dad Mittelhorn, 
ein Sagdhern von mittlerer Größe, z. U. v. Rüden- und Hiefhornz die Mit- 
telhülfe, eine feltene Art Scheidenmuſchelnz die Mitteljagd, die Jagd, welche 
zwifchen der hohen und niederen die Mitte Hält und das Rehwildbret, Birkwilb- 
bret und die Hafelhühner begreift; dad Mitteljahr, ein zwifihen andern Zeit: 
räumen in der Mitte Liegendes Jahr; aud) ein Jahr von mittlerer Güte, Frucht: 
barkeit, Luftbefchaffenheit ꝛc.ʒ der Mittelfnecht, ein Knecht, der zwifchen 
dem Groß: und Kleinknechte ſtehtz das Mittelfrauf, eine Art Kraut: oder 
Kopfkohl; dad Mittelland, f, v. w. Zinnenland, f. d.z mittelländifch, 
Bw,, zum Mittellande gehörig oder darin befindlich; von Ländern umfchloffen, 
daher: das Mittelländifhe Meer, EN. des großen Meerbufens des 
Atlantishen Weltmeeres, welcher von Europa, Afien und Afrika eingefcloffen 
ift, auch: das Mittelmeer; die Mittelleinwand, aus kurzem Werg ver: 
fertigte Leinwand, Wergleinwandz; die Mittellerche, Heide:, Waldlerche; 
der Mittelmann, ein Mann aus dem Mittelftande, verfh. Mittelemannz 
dad Mittelmaß, ein die Mitte Haltendes Maß, das rechte Maß od, Verhält: 
nifs im Gegenfag von zu viel und zu wenig; mittelmäßig, Bw., ein mittle: 
res Maß habend, das Mittelmaß haltend (mittelmäß.g groß, reich ꝛc.) 3 in 
engerer Bed. mehr ſchlecht ald gut, von geringer Befchaffenheit, finnv, gering, 
unbedeutend (mittelmäßige Kenntniffe, eine mittelmaßige Arbeit 2c.); die Mit 
telmäßigfeit, das Mittelmößigfein, die geringe Befhaffenheit; der Mittel- 
maſt, mittiere Maft auf dreimaftigen Schiffen; das Mittelmeer, f. unter 
mittelländiich; dad Mittelmehl, Mehl, welches zwifchen dem Schrot: und 
Griesmehle die Mitte hält, After-, Pollmehlz die Mittelmünze, eine Münze, 
nad) welcher man in den Salzwerfen zu Halle rechnet und wonach 12 Pfennige 
34 Mittelgrofhen, 3Mittelpfennige aber einen Mittelgrofhen 
machen; dad Mittelpapier, eine Papier: Art von mittlerer Güte od. Größe; 
der Mittelpreis, ein mittlerer Preis, der weder hoch noch niedrig iftz der 
Mittelpunkt, der mittelfte Punkt einer Fläche oder eines Körpers, bef, eines 
Rreifes od. einer Kugel (fr. Centrum; der Mittelpunkt der Erdez Mittelpunft 
der Bewegung, d. i. der Punkt, um welchen fid) ein Körper im Kreife bewegt; 
Mittelpunkt der Kräfte, d. i. der Punkt, in welchem die wirkenden Kräfte 
vereinigt fine); uneig, der Ort dder Gegenftand, in welchem fid mehre Dinge 
oder Thätigkeiten vereinigen oder fich darauf beziehen und davon ausgehen (im 
Mittelpunkt der Geſchäfte leben u, dgl); der Mittelrabe, die gewöhnliche 
ſchwarze Krähe; das Mittelrad, in Uhren ein Rad, weldes das Steigerad 
in Bewegung fest; die Mittelraft, die mittlere Raft (f. d.) an dem Schloffe 
eines Feuergewehrs; der Mittelreif, an Kanonen ein Reif, womit das Stück 
unter dem Zündloche verziert wird; das Mittelfalz, zufammengefegte Salze, 
welche aus der Verbindung der Säuren mit Laugenfalzen entftehen (fr. Neutral: 
ſalze); der Mittelfab, Sprachl, ein in der Mitte ftehender, die Verbindung 


188 mittel 


zweier Säge vermittelnder Satz; der Mittelfchlag, eine mittlere Art, Gattung, 
Größe und uneig. überh. Beſchaffenheit (vergl. Schlag); der Mittelfchlamm, 
sfchlih, Bergw,, ein Schlamm, Schlid) (f. d.) von mittierer Befchaffenheit ; 
die Mittelfchnepfe, eine Art kleiner Schnepfen, Haar-, Rohre, Halb: 
ſchnepfe 2c.; das Mittelfchrot, Sig. Schrot von mittlerer Größe; die Mit— 
telftadt, eine Statt von mittlerer Größe und Einwohnerzahl; der Mittels 
ftand, der mittlere Stand, bef. in Anfehung des bürgerlicyen Ranges und des 
Vermögens (im Mittelftande leben; zum Mittelftande gehören) ; mittelftändig, 
Bw., in der Mitte feinen Stand habend (Pflanz. eine mittelftändige 
Wurzel, aus deren Mitte der Trieb kommt); die Mittelfliimme, Tonk. 
‚die zwifchen dem Baſs u, Discant liegenden Stimmen: hohe Mitrelftimme 
(At); tiefe Mittelftimme (Tenor); der Mittelftollen, Bergw. ein 
Stolten don 30 bis 50 Lachter Tiefe, 3. U. v. Tage: u, Ziefftollenz die Mit» 
telftraße, eine zwifchen zweien in der Mitte liegende Straße; gew. uneig. bie 
Mitte zwiſchen zwei Außerften Graben od, entgegengefehten Bejchaffenheiten 2c,, 
auch der Mittelweg, dicht. die Mittelbahn, (die Mittelftrage halten, die 
goldene Mittelftraße 2c.)5 dad Mittelſtuͤck, das mittelfte Stück; überh. ein 
Stud aus der Mitte (. B. ein Mittelſtück von einem Fiſche, z. U, v. Kopf und 
Schwanz; die Mittelftüce einer Flöte u, dgl.)5 die Mittelftufe, die mittelfte 
von drei Stufen (Spradl. f, das fr. Comparativ); auch alle zwiſchen det ober: 
ften u, unterften befindlichen Stufen; die Mitteltiefe, die Tiefe in der Mitte 
eines Dinges (3. B, eines Faſſes); der Mittelton, ein zwifchen andern in der 
Mitte liegender Zonz in engerer Bed. der Ton in der Mitte zwiſchen dem 
Grundton u. feiner Quinte, od, die Terz (fr, Mediante)z; das Mitteltreffen, 
der mittlere Theil eines in Schlachtordnung geftellten Kriegsheeres (fr. Gentrum) 5 
dad Mitteltuch, Tuch von mittlerer Güte oder Breite; das Mittelvich, Vieh 
von mittlerer Größe und Güte; fo auch ein Mitteloch8, = pferd, = fhwein, 
eine Mittelfuh ꝛc.; der Mittelwall, Teftungsb, der Theil eines Walles zwi— 
ſchen zwei Bollwerfen, Zwijchenwall (fr, Courtine); die Mittelwand, mittetfte 
Wand; jede zmwifchen den Außenwänden eines Gebäudes befindliche Wand; der 
Mittelweg, f. Mittelftraßes der Mittelmegerich, weißer Wegeric), z. U. v, 
dem großen Wegerih; das Mittelmerg, das Werg, welches die zweite Hechel 
giebt, Hedez die Mittelmolle, die Wolle vom Schwanze und von den Schen— 
keln der Schafez aud) Wolle von mittlerer Güte; das Mittelwort, Sprachl. 


eine Art vom Beitwort abgeleiteter Wörter, welche an der Natur des Zeitwortes, 


und des Beiworted Theil nehmen und zwiſchen beiden gleihfam in der Mitte 
ftehen (fr. Participium): das erfte oder thHätlihe Mw., 3. B. liebend, 
findend 5 das zweite od, leidentlihe Mw., z. B. geliebt, gefunden 2c. 5 der 
Mittelzahn, bei den Pferden: bie zwifchen den beiden Vorderzähnen und den 
Edzähnen befindlichen Zähnez bei den Füllen: die Zähne, welche fie nad) dem 
dritten Jahre anftatt der Vorſchieber befommenz das Mittelzeichen, Jäg. 
das Zeichen einer Hirfehfährte, welches entfteht, \wenn der Hirſch mit dem Hin— 


terfuße nicht völlig in die Fährte des Vorderfußes eintritt; Die Mittelzeit, 


mittlere Zeit zwiſchen früh und fpät 2c,5 auch f. mittelzeitige Silbez mittel= 
zeitig, Bw., Verst. zwiſchen Länge und Kürze die Mitte haltend und daher 
im Verſe bald lang, bald Eurz gebraucht (mittelzeitige Silben od. Mittelzeiten) 5 
die Mittelzeitigkeitz der Mittelzeug, Zeug von mittlerer Güte dad Mit- 
telzeug, Hüttenw. eine Gattung Eifenerz, welches weder brüchig und fpröde, 


Mittel — mitten 189 


noch zu weich iſt; der Mittelzuftand, ein Buftand, welcher zwifchen zwei 
entgegengefedten die Mitte Hält, _ 

Mittel, f., -8, M. w. E. Verkl. (nur in uneig. Bed.) das Mi ttel- 
hen, (alt, mittil; engl. middle, franz. milieu; lat. medium; vergl, mitt), 
4) eig. dad in der Mitte zwifchen zwei Dingen Befindliche (alt: ohne alles 
Mittel, d. i, unmittelbar); daher der Stoff od, Raum, durdy welchen fid) 
etwas bewegt, od. welcher eine Bewegung fortpflanzt (fr, Mediums 3. B. 
die Luft ift das Mittel des Schalles 2c.); ferner der mittlere Theil eines Koͤr— 
pers oder Naumes, die Mitte (bibl, das Mittel des Landes; im Mittel eines 
Thales; bibl, Paulus trat ins Mittel unter fiez zwifchen zwei Dingen das 
Mittel halten; ſich ins Mittel fehlagen od, legen, ins Mittel treten, d, i, zwi⸗ 
fchen zwei ftreitenden Parteien eine Vereinigung zu bewirken ſuchen); uneig. 
dasjenige, wodurch etwas bewirkt wird, fofern es gleihfam in der Mitte 
liegt zwifchen der wirkenden Kraft und dem Bewirkten; alles was zur Erreis 
hung eined Zweckes dient (ein Mittel erfinnen, alle Mittel verfuchen, an— 
wenden; der Zweck heiligt nicht das Mittel; Mittel und Wege ꝛc.); in engerer 
Bed, ein Heilmittel, Arzneimittel (ein Mittel gegen das Fieber; ein Stär: 
kungs-, Schweiß:, Abführungs-, Brechmittel 2c.); Mehrh. die Mittel, 
fe Bermögen, Neihthum, Geld (die Mittel zu einer Unternehmung haben; 
bei Mitteln fein, vergl, bemitteit)5 2) (in diefen Bed. wahrſch. von anderem 
Stammez vergl. Maffe, Maat 26) Bergw. f. Bergarten (taube Mittel, 
Flbze, die kein Erz enthalten; ſchwebende Mittel, Erz: od, Steinmaffen, 
über und unter welchen die Erze oder Steine ſchon weggebrochen find); alt und 
landſch. auch f. eine Öefellfchaft, Zunft (bef, der Bergleute), Verbindung 
mehrer Perſonen; — 3fes, mittelfähig, Bw., Bergw. f. zunftfähig ; 
mittelfrei, Bw., im deutfchen Staatsrechte f. mittelbar freis mittellos, Bw,, 
ohne Mittel oder Vermögen, unbemitteltz der Mittelsmann, die Mitteld- 
perſon, wer zwiſchen ſtreitenden Parteien ins Mittel tritt, d. i. fie zu vereiniz 
gen ſucht, ſinnv. Vermittler, Schiedemann; — Ableit. mittelbar, Bw., 
durch ein Dazmwifchenbefintliched, durch Mittel bewirkt, in angewandten 
Mitteln gegrimdet (mittelbar mit etwas zufammenhangen, mittelbere Ver: 
bindung, Hülfezc. 5 es folgt nur mittelbar. daraus) ; insbef. durch ein Dritteß, 
Vermittelndes mit einem Andern in Verbindung oder Verhältnifs ftehend 
(mittelbare Reichsſtände, welche höheren Reichsſtänden und durch diefe dem 
Kaifer unterworfen waren); die Mittelbarfeit, das Mittelbarfein, Ver— 
mitteltfein; mittel, r. als das gew. mittelft (eig. der nebenwörtlich gez 
brauchte Gen. Mittels) Vw. mit d, Gen., durch das Mittel, mit Hilfe, 
f. v. w. vermitteljt (z. B. mittels des Geldes, feiner Klugheit 2.); mitteln, 
Zw. ungebr. f. vermitteln; vergl, auch aus⸗, er= u. bemitteln; dee Mittler, 
die Mittlerinn, gew, Bermittler, Mittelöperfon, f. d.5 insbef, bibl. heißt 
Chriſtus der Mittler, wegen feines Verföhnungstodes; daher auch dad 
Mittleramt, der Mittlertod. 

mitten, Nw. (altd. mittem, mitten ; urfpr. Dat. 08. Xccuf. des Bmw. 
mitt,f. ar 3 B. in mitten den Rings od. alter Dat. des Hw. die Mitte, 
3. B. in Mitten der Stadt, jegt: mitten in der Stadt), in der Mitte, immer 
mit einem nachfolgenden Vw., wodurch die Bed. von mitten näher beftimmt 
wird (3. B. mitten im Hauſe; mitten durch den Flufs, mitten unter euch, 
mitten ins Herz); auch von ber Zeit (5. B. mitten im Sabre, mitten im Lefen, 


190 Mitternaht — mittrinken 


d, i. wahrend des Lefens)z; aud) in Verbindung mit einem Nw, z. B, mitten 
entzwei, mittendurd, d. i. in der Mitte entzwei; mitteninne, di, 
mitten darin, in der Mitte, 

Mitternacht, w., M. nächte, (entft. aus dem Dat, in mitter nacht, 
vergl. mitt; altd, mittinaht; oberd. Mittnaht, niederd, Midnagt, engl, 
midnight), 1) die Mitte der Nacht, der Glockenſchlag zwölf in der Nachts 
in weiterer Bed, der mittlere Theil der Nacht, die Stunde von 12 bis 4, 
Mitternachtöftunde, zeit (um, gegen, vor, nach Mitternacht 2c.); 2) die 
Himmelögegend, weldyer Mittag entgegengefeßt ift, die Mitternachtsge— 
gend, der Norden (dev Wind kommt aus Mitternadht) ; — Bfes. die Mit- 
ternachtögegend, Nordgegend; das Mitternachtsland, Nordland; die 
Mitternachts= od. Mitternachtfeite, Nordſeite; die Mitternacht(Sftille; _ 
die Mitternacht@s)ftundez die Mitternachtsuhr, eine Sonnenuhr, welche 
auf einer nach Mitternad;t gerichteten Fläche befehrieben iftz der Mitternachts= 
wind, Nordwind; die Mitternacht(S)zeitz Ableit, mitternäcdhtig, 
Bw., was um Mitternacht ift oder gefchieht (der mitternädhtige Schlaf, b. 
als mitternächtliche) 5 mitternächtlich, Bw., 1) was jede Mitternacht ges 
ſchieht; auch überh. f. mitternädhtigz; 2) der Mitternacht ahnlich oder ans 
gemeſſen (mitternächtliches Dunkel); 3) gegen Mitternacht liegend (ein mit: 
ternächtliches Land), 

Mittfaften, o. E. (niederd, Midfaften, oberd. auch Mitterfaften), die 
Mitte der Faften (5. B. der Sonntag nad) Mittfaften). 

Mitthäter, m., die Mitthäterinn, wer an einer That Iheil hat. 

mittheilen, trb. ziel. 3w., einem etwas —, ihn Iheil daran nehmen 
laffen, es ihm gewähren, geben (dem Armen eine Gabe —; uneig. von lebe 
lofen Dingen, z. B. das Salz theilt dem Waſſer feinen Gefchmad mit); insbef, 
einem eine Nachricht, einen Gedanken ꝛc. befannt machen, eröffnen; 
daher au: ſich einem —, d, i. feine Gedanken, Empfindungen ꝛc. ihm 
Außernz; fich — auch f. mitgetheilt werden, auf Andere übergehen (4. B. 
feine Betrübniſs theilte fich dem Freunde mit); der Mittheiler, die Mitiheis 
lerinn, wer etwas mittheiltz die Mittheilung, das Mittheilen; dad 
Mitgetheilte, die mitgetheilte Nachricht (M. Mittheitungen); mittheilbar, 
Bw., was mitgetheilt werden kann; die Mittheilbarkeitz mittheilfam, 
Bw,, gern mittheilend, zur Mittheilung geneigt; die Mittheilfamfeit. 

mitthun, teb, ziel. 3w., etwas-—, in Öemeinfchaft mit Andern thunz 
mit andern Dingen zugleich thun, 

Mittle, fe, - 8 (wahrſch. Verkl, von Mud, Muth; alfo eig. Müthle), 
oberd. ein Getreidemaß — 6 Metzen. 

Mittler, m., die Mittlerinn, der Mittlertod ꝛc., f. mitteln unter 
Mittel, 

mittler, mittelft, der, die, das mittlere, mittelfte, Bwa; mittler- 
weile, Nw., ſ. mittel. 

mittoben, =tofen, trb, ziellof, 3w,, mit Undern zugleich toben, tofen. 

mittönen, teb, zielloſ. zw., mit einem andern Tone zugleich tönen, 
mittrauern, trb. zielloſ. Zw., an Anderer Trauer Theil nehmen, 

Mittrieb, m., Landw., dad Necht, fein Vieh mit dem eined Andern 
gemeinfchoftlich auf defjen Grund und Boden weiden zu laffen, Mitweide, 

mittrinfen, teb, ziellof. u. ziel. Zw., mit Andern gemeinſchaftlich trin= 
fenz der Mittrinfer, Trinkgenoſs. 





Mittfommer — mitzählen - 191 


Mittfommer, m, (vergl, mittz engl, midsummer), vlt. die Mitte des 
Sommerd um Sohannistagz fo auch: der Mittwinter, die Mitte ded 
MWinterd um Weihnachten, 

Mittwochen, m, -8, M. w. E,, abgek, der Mittwoch, -8, M. -en, 
(ergänze: Tag), n. U, die Mittwoche, M. -n (vergl, mitt), der mittelfte 
oder vierte Tag der Woche; der große od, ſchöne Mittwoch, bſtr. ber 
Mittwoh nad) Pfingftenz der Erumme Mittwoch, landſch. der Mittwoch 
in der Charwoche; dee Gen, Mittwoch als Nw. gebraudt f. am Mitt: 
woch, jeden Mittwoch; mittwöchentlich, Nw. u, Bw., alle Mittwochen, 
jeden Mittwoch gefchehend. 

mitunter, Nw, (gleichſ. mit darunter gemifiht), ſ. v. w. hin und wieder, 
dann und wann, zumeilen. 

Miturfache, w., eine neben andern Statt findende, mitwirfende 
Urſache. 

Mitverbrecher, m., die Mitverbrecherinn, Theilhaber an einem Ber: 
brechen. 

mitverſchworen, Bw., der, die Mitverſchworene, wer ſich mit An— 
dern gemeinſchaftlich zu etwas verſchworen, wer an einer Verſchwoͤrung 
Theil hat. 

‚Mitverwalter, =vermwefer, =vorftcher sc, m., mer zugleich mit An 
dern Verwalter, Berwefer, VBorfteher iſt. 

mitwandeln, = wandern, trb. ziellof. Z3w., mit Anden i in Gefellfchaft 
wandeln, wandern. 

mitwafchen, trb. zieltof, oder ziel, 3w., mit Andern gemeinfchaftlich 
wäfchenz etwas mit andern Sachen zugleich wafchen. 

Mitweide, w., ſ. Mittrieb; mitweiden, trb. ziellof. u, ziel, Zw., mit 
Andern gemeinschaftlich Weiden, 

mitweinen, teb. zieltof. Zw., mit Andern zugleid) weinen, 

"Mitwelt, ws, die gleichzeitig mit und Iebenden Menfchen, 3. U, von 
Bor: und Nachwelt. 

mitwerben, trb. zielfof. 3w., um etwas. —, mit Andern zugleich 
werben; der Mitwerber, gew. Mitbewerber, 

mitwirken, teb. ziellof. Am., mit andern Perfonen gemeinſchaftlich 
wirken, eines Andern Wirken od. Thaͤtigkeit unterſtuͤtzen, befoͤrdern (er 
hat zur Erreichung meines Zweckes mitgewirkt); mit andern Dingen od. Ur⸗ 
ſachen zugleich wirffam fein (die Freude hat zu feiner Genefung mitgewirkt) 3 
der Mitwirker, wer mitwirkt; die Mitwirkung, das Mitwirken, 

mitwiffen, trb. ziellof. 3, um etwas —, mit Andern zugleidy darum 
wiſſen; dad Mitwiffen, gemeinfchaftt. Wiffen auch die Mitwiſſenſchaft; 
der Mitwiſſer, die Mitwiſſerinn, wer mit Andern um etwas weiß. 

mitwohnen, trb. zielloſ. ZwB.e, mit Andern zuſammen wohnen; der 
Mitwohner, die Mitwohnerinn, landſch. f. Beiſaſſe, Schutzverwandter. 
mitwollen, trb. 3w. 1) ziel. etwas —, mit Andern thun wollen od, 
en 2) ziellos, auslaff. f. mitgehen, = reifen ꝛc. wollen. 
Mitz, w., M. - en, oberd. f. Metze, Mahlmetze; mitzen, Zw. f. metzen. 
mitzaͤhlen, trb. Zw. 1) ziel, einen oder etwas —, mit andern unter 
diefelbe Zahl begreifen, ſinnv. mitrechnen; 2) ziellos und ziel., Andern 
‚zahlen helfen. 


192 | Mitzeit — Model 


Mitzeit, w., die gegenwärtige Zeitz die Mitwelt, f. d. 

Mitzeuge, m., wer mit Undern zugleich Zeuge iftz mitzeugen, trb. 
ziellof. zw., mit Andern gemeinfchaftlic) zeugen. 

mitziehen, trb. ziel. u, zielloſ. zw., mit Undern zugleich, gemeinfchaft= 
lich, in Geſellſchaft ziehen (ſ. d.). j 

mobliht, Bw., Gerb. dad Leder ift moblicht, d. i. weich, weil «8 
eine uͤberfluͤſſge Gare befommen, d, i, zu lange im Kal gelegen hat. 

Mode, w., M.-n (aus dem franz. mode, u. biefes aus d, lat. modus, 
Maß, Art und Weife), die im gefellfchaftlichen Leben augenblicklich herr— 
fhende Gewohnheit u. Sitte, veränderliche Zeitfitte, Zeitgebrauch, = gez 
ſchmack; insbef, die herrfchende Form der Kleidung, alles Schmuckes, der 
Geraͤthe ꝛc., Kleidertraht, Trachtfitte 2c. (fich nach der Mode Eeidenz ein 
Mann nad) der Modez eine Mode mitmachen, befolgen 5 dies ift aus der Mode 
gekommen; es ift Mode, wird Mode, d. i. der Mode gemäß); — Zfeg. der 
Modedichter, = fchriftfteller, ein Dichter ze. welcher fi nad dem herrſchen⸗ 
den Zeitgefehmad richtet, oder welcher gerade Mode ift; die Modefarbe, eine 
Farbe, welche dem Zeitgeſchmack gemäß ift, dad Modegeräth, -kleid, der 
Movdehut, -fhuh ꝛc., Geräth, Kleid 2c. nad der Modez der Modeges 
ſchmack, vorübergehender Zeitgefhmad; der Modehandel, Handel mit 
Modewaaren; fo au die Modehandlung, der Modeladenz der Modes 
händler, die Modehändlerinnz die Modekrankheit, ſcherzh. eine herr— 
fchende, bald vorübergehende Krankheit; uneig, fpöttifh: eine Thorheit oder 
Schwäde der Zeit, Modethorheit; der Modenarr, die Modenarrinn, wer 
jede Mode genau befolgt u, darauf einen großen Werth legt; der Modeſchnei— 
der, ein Schneider, welcher nad, der neueften Mode arbeitetz Der Modeſchnitt; 
die Modetracht; die Modeſucht, Sucht, jede neue Mode mitzumachen; 
modeſuͤchtig, Bw.; der Modetand; die Modewaare, Waazen, welche 
in der Mode ſind; der Modezeug ꝛe.; — Ableit. modiſch, Bw., der 
Mode gemäß, nad) der Mode (modiſche Kleider; ſich modiſch kleiden; fr. 

modern). 
Model, m., -3, M. w. E. (aus d. lat. modulus, Verkl. v, modus, 
Map; franz, moule, engl, mould; dem Stamme nah = Modell, aber 
von verfhiedener Anwendung), Bauk. ein Maß zur Meffung der Glieder und 
Theile der Säulenordnungen; oberd. auch zur Beftimmung der Höhe des Salz: 
waffers in der Pfanne; eine Figur, ein Bild bei Näherinnen und Webern 
(Model in ein Tuch nähen); eine vertiefte Form zur Geftaltung eines flüffigen - 
oder weichen Körpers (Gießmodel, Knopf-, Kugelmodel 2c.); daher dad Mo— 
delbrett, Formbrett in Stückgießereien dad Modelholz, ein als Model die: 
nendes Holz; der Modelfchneider, Formſchneider; das Modeltuch, bei 
Näherinnen, ein Tuch mit.eingenäheten Figuren, Buchftaben zc, als Mufterz; — 
modeln, ziel. 3w., 1) nach einem gewiffen Maß od, einer Form bilden, 
geftaltenz bef, uneig. mit dem Nebenbegriffe des Kleinlichen und deö Öfteren 
. Anderns (etwas nad feinem Sinne modeln); 2) mit Figuren oder Bildern 

verfchen, bef. Web. (Zeug, ‚Leinwand modelnz gemodelte Bänder 26.5 gemo- 
delte Buchſtaben, d. i. mit zierlichen Zügen verſehene); der Modeler od, 
Modler, -8, wer etwas modeltz aud wohl f. Modellmacher. 

Model, fe, -08, M. - e (zunächſt aus dem franz. modele, ital, modelloz 
vd, lat. modulusz; vergl, Model), jeded nachzubildende Borbild, Mufter, 
8, 





modeln — mögen 193 


z. B. in den bildenden Künften ein nadter menfchlicher Körper (das Modell eines 
Malers 2c.)5 in engerer Bed. ein in verjuͤngtem Maßſtabe verfertigtes Vor— 
bild von Holz, Thon, Gips 2c. zu einer Kunft = oder Handwerksarbeit (7. B. 
das Modell einer Mühle, einer Bildfäule 2c.)5 daher: die Modellfunft, die 
Kunft Modelle zu machen; der Modellmarher, ein Künftter, welcher Modelle 
macht (fr. Modelleur) ; auch Modellfchneider, »tifchler, wenn die Mobelle 
in Holz gearbeitet find; die Modellſammlung; der Modellſtein, eine ver: 
fteinerte Bohrmuſchelz — modelliren, ziel. und zielloſ. Zw., Modelle aus 
weichem Stoffe machen; abformen, modeln, 

modeln, Bm., f. Model; — Modenarr ze. ſ. Mode. 

Moder, m., -3, 0. M. (hell. und niederd. Modder, Mudder; Pe 
modd, modder; engl. mud; vergl. d. lat. mador, Näſſe, madeo, griech. 
avögv, nafs fein; franz. moite, feucht; auch Moor :c.), mit Waſſer vers 
mengte, fchlammichte Erde, züher Schlamm ; niederd, f. Straßenfoth z 
Bergw. eine ftaubige, oft feuchte Erdmaſſe; auch ein von Faͤulniſs aufgelöf’ter, 
Leicht zerfallender Körper; — Zſetz. der Moderbuft, = dunft, =geruch, 
dumpfiger Gerud des Moders; die Moderente, nordifhe fhwarze Ente; 
Bergente; die Modererde; das Modererz, Bergw., in fumpfigem Boden 
gefundenes Eifenerz, Sumpf-, Wiefenerz; derr Moderfleden, Stockflecken 
im Tuchez der Moderhamen, ein Hamen zum Heraufziehen des Moders aus 
Gräben 20.3 die Modermühle, eine Mafchine in Form einer Windmühle zum 
Herausfchaffen des Moders aus Gräben zu; der Moderprahm, ein Prahm 
(f. 8.) zum Wegführen des Moders aus Kanälen 20.5 dad Moderwaffer, 
Sumpfwafferz; — Ableit. modericht, Bw., moderähnlich (ein moderichter 
Gerud 2c.); moderig, Bw., Moder enthaltend, daraus beitehend (mode: 
tiger Boden); modern, ziellof. Zw, m. haben, zu Moder werden, dur) 
Feuchtigkeit aufgelöf’e werden, verwefen (moderndes Gebein). 

Modefchneider ꝛc. — Modewaare, Modezeug; modiſch, ſ. Mode, 

mögen, ziel. u. jetzt gew. nur ziellof, — m, haben (goth. magan; alt: 
hochd. magan und mugan, zunädhft: körperlich vermögen, verſch. ——— 
können; Mittethochb: mugen, ich mac 2.5 oberd. mügenz, isländ. meigaz 
engl. may; poln. moge; vergl. Macht) umend. und zugleich ablaut. Präf. 
id) mag, du magft, er mag; wir mögen 20.5 Gonj. ich möge; Imper. 
- felten: möge; Impf. mochte; Conj. möchte; Mw. gemocht; 1) Straft, 
Vermögen zu etwad in ſich haben, koͤnnen, vermoͤgen, ehem, ſowohl ziel. 
mit dem Acc, (etwas mögen; ich mag das nicht, d. i. vermag), als mit dem 
Inf. (bibl. das Land mochte es nicht ertragen; mag aud) ein Blinder dem an- 
dern den Weg weifen ?) 3 jest in diefer Bed, vlt. u. nur noch in Verbindung mit 
einem Inf, als Hulfsw. der Weife od, ald umfchreibendes Zw. (vergl, dürfen, _ 

kbnnen, wollen) in folgenden befonderen Anwendungen-gebr.: Urſache haben, 
etwas zu thun (du magft dic) vorfehenz er mag ſich nur Huren); Macht, Erz 
laubniſs haben, durch Niemand gehindert fein, bef. mit dem Ausdrude der 
Gleichgültigkeit oder des Unwillens von Seiten des Redenden (meinetwegen mag 
er es thunz er mag fagen, was er wills es mag fein, gefhehen); moͤglich 
oder wahrfcheinlich fein, zu vermuthen fein, oft mit dem Nebenbegriff der 
Beforgnifs (ſtill! man möchte ung hören; ich fürchte, er möchte kommenz dare 
. aus möchte wohl nichts werden), daher oft ald umfchreibenter Ausdrud einer 
Bermuthung über eine ungewiffe Sache (es mag recht gut fein) dafs es fo 


Heyfes Handwörterb. d. deutſchen Epr. 2. heil, 15 


194 Moh 
gekommen iſt, d. i. es iſt vielleicht recht gut 20.5 es mochten etwa acht Tage 
verfloſſen fein, als ıc. ; eine fo gute Gelegenheit möchte ſich nicht wieder finden) 5 
ferner zum Ausdrud ded Wunſches, als umſchreibendes Hülfsw, flir die wün- 
ſchende Weife (den Optativ) des Zw. (möge er glücklich werden! möchtet du ge: 
fund fein!), in weiterer Anwendung auch eine Abſicht, eine Bitte, einen 
Math oder Befehl ausdrudend (ih gab ihm ein Zeichen, damit er ſchweigen 
möcjte; er bat mid), dafs ich zu ihm kommen mochte; er mag fi) nur in Acht 
nehmen; ſag' ihm, ex möge fegleich gehen)z; daher 2) Neigung oder Luft zu 
etwas haben, ſinnv. winjchen, begehren, wollen (ih mag nicht mehr effen, 
nichts weiter hören; ich mochte ihm nicht widerfpreihen ; ich möchte wohl wiffen, 
was an der Sache iſt; auslaff, ih mag nit, d, i. ich will nicht, habe feine 
euſt; er möchte gern, aber er kann nicht) 5 einen oder etwas leiden mode 
gen, d. i. gern haben; auch auslaſſ. einen oder etwas mögen f, gern 
haben, lieben (id mag ihn nicht; er mag das nicht, näml. leiden, u, niederd. 
bef. effenz; fo auch: id) mag nicht mehr, näml. effen), oberd, und-dicht, auch 
mit dem Gen,: ich mag deiner, ihrer zc. nicht; — flatt des Mw. gemocht 
ſteht in Verbindung mit einem Inf, dem Spradgebrauche gemäß der Inf, mö— 
gen (32. ich habe es nicht thun mögen ; id; hätte es wohl fehen mögen 3 aber: 
er hat es nicht gemacht u, dgl,; vergl, — können, wollen 20.)5; — Ab— 
Leit. die Möge, o. M., niederd, f. das Benmbgen, die Macht, Gewalt; 
auch die Neigung, Luft (über feine Möge effen); die Mögenheit, niederd, 
f. dad Vermögen, die Kraftz möglich, Bw., überhaupt was fein oder 
gefchihen mag oder kann, was Feinen Widerfpruch in fich ſchließt, gew. 
in engerem Sinne nur beziehungsweife: was unter gewiffen Umftänden fein 
oder geſchehen Fann, finnv. denkbar, glaublich (z. B. es ift nicht möglich, 
daſs er mich hintergeht; iſt es möglich! wie war es möglich? Ausdrücke der 
Verwunderung; etwas möglich machen oder zu machen ſuchen, d. i. etwas 
Schwieriges bewerkſtelligen); oft zur Bezeichnung der Ungewiſsheit (z. B. es 
iſt möglich, dafs ich komme, d, i. vielleicht komme ich); ferner mit Beziehung 
auf die handelnde oder redende Perfen im Dat: ven Kräften, Verhaͤlt— 
niffen ac ir Si nicht widerfprechend (ich will thun, was mir möglich 
ift; es war mit nicht möglidy; aud) ohne Hinzufügung des Datios: ich machte 
ihm alle möglichen Vorſtellungen u, als Hw, alles Mögliche verſuchen; fein 
Mögliches, oder im Superl, fein Möglichſtes thun); moͤglichſt als 
Nw. f. fo viel möglich (ich Habe ihn möglichſt gefchont); moͤglichenfalls, 
Nw,, auf od, für den möglichen Fall; möglicherweife, Nw,, oder getrennt: 
möglicher Weiſe, in fo weit es möglich ift; die Möglichkeit, 1) 0. M,, das 
Moͤglichſein, ſinnv. Thunlichkeit, Glaublichkeit, Wahrſcheinlichkeit; 
2) M. - en, was moͤglich iſt, eine mögliche Sache (das Reich der Möglich— 
Eeitenz gem; es war Feine Möglichkeit 2c,, d. i. es war nicht möglich; das ift 
die Möglichkeit! d, i. was möglicher Weife geſchehen Eonnte), 

abi m., - ed, M. (nur von mehren Arten) - e, (oberd, Mage, Magen, 
Mahen, Magfamenz hiederd. Mahn; v, altd. mago, maho, Gen, mahin ; 
ffav, mak; grieh, njzor), ein Pflanzengeſchlecht mit rundlicher Binhe 
und — kugelcunder Samenkapſel mit vielen kleinen Samenkoͤrnern, 
von verſchiedenen Arten: der wilde oder Feldmohn, auch Klapperroſe, Kornz 
mohn 20.5 der ftachelige, Stachel: oder Adermohnz insbef, der Gartenmohn, 
deſſen Körner einen einfhläfernden Stoff enthalten; auch f. Mohnfamenz das 


Mohr — Moͤhre IR gs 


Mohnhaupt vder der Mohnkopf, Samenfapfel des Mohns; die Mohns 
kloͤße oder »Flößchen, landſch, gem. Mohnpielen oder = flriezel, eine aus 
geriebenem Mohnſamen mit Milch u. Semmeln bereitete Speiſez dad Mohn— 
korn, Samenkorn des Mohns; der Mohnkuchen, =fladen, mit Mohn ge- 
bacener Rudenz das Mohnöl, aus Mohnfamen geprefites DL; der Mohn- 
feft, milchweißer Saft, welcher aus den geristen unreifen Mohnköpfen flieft 
(fr, Opium); der Mohnfamen; der Mobnfamenftein, eine körnige Stein: 
art, Rogenfteinz; Hirfenfteinz der Mohnftengel; die Mohnfuppe ic. 

Mohr 1., m., es, M.-e, (v. franz. moire, altfranz. mohere von 
mon, weid) und haire, Saarz engl, mohair, Haartuch), ein dichter, der= 
ber Seidenzeug: Seidenmohr, def, mit flammichter oder wolkichter Wäſſe— 
zung: gewäfferter Mohrz daher dad Mohrband, gewäffertes Seiden: 
band. 

Mohr 2.,,m., -en, M.-en, die Mohrinn, M, -en (engl, und dän, 
moor; von dem lat, Maurus, ein Mauritenier; vergl, das griech, zuavoos, 
dunfel), 1) eig, die braungelben Bewohner von Mauritanien in Nord: Afrika, 
fpäterhin überh, alle farbigen Muhamedaner, jest gew, Mauren genannt; 


2) die fhwarzen, Fraushaarigen Bewohner des ſuͤdl. Afrifa, Neger, 


Schwarze, (ſprichw. einen Mohren weiß waſchen wollen, d, i. dad Unmögliche 
verfudhen); 3) uneig, eine Art dunfelfarbiger Schmetterlingez eine ſchwarzbraune 
Spindelſchnecke; eine Art Dattelfchnede: die Mohrinnz; weiße Mohren, 
unpaffender Namen der Weißlinge oder Kreidlinge (fr, Albinos); minerali- 
[her Mohr, Scheidek. ein ſchwarzes Pulver aus Quedfilber und Schwefel ; — 
3fes, der Mohrenbauch, eine Eleine Porzellanfchnede, Schlangen: od, Otter: 
kbpfchenz; die Mohrenbinde, eine Art Stagelfchneden ; der Mohrenbund, 
Kopfbund od, :binde eines Mohren; eine Art runder Seeäpfelz dad Mohren= 
gefichtz; die Mohrenhirfe, eine Art des Honiggrafes aus Mauritanien 5 
das Mohrenhuhn, eine Art ſchwarzer Faſanen; der Mohrenkopf, Kopf 
eines Mehren; uneig, verfchiedene Thiere mit fhwarzem Kopfe, z. B. ein 
Pferd, eine weiße Taube mit fhwarzem Kopfe; eine Art Grasmüden, Schwarz: 
kopf, Mönd; das Mohrenkraut oder die Mohrenfalbei, ein aus Afrika 
ftammendes wolliges Gewächs mit weißen. haarigen Blumen; die Mohrentrone, 
eine feltene Walzenfchnede; der Mohrenfiimmel, Königskümmel; das Moh- 
renland, ein von Mohren bewohntes Land, bef, Äthiopien; die Mohren- 
müße, uneig, eine Art Sägeſchnäbler mit ſchwarzem Kopfe, aud der Moh— 
renvogel; der Mohrenpfeffer, Schwarzyfeffer; der Mohrenfklave, Ne= 
gerſklave; die Mohrentaube, eine Art fhwarzer Schleiertaubenz der 
Mohrenweizen, Kuhweizen; die Mohrmeife, Möndy:, Aſch- oder Grau: 
meife; aud) die Schwanzmeiſe (x, Moormeife); — Ableit, mohrifch, Bw., 
den Mohren angehörend, eigen. | 
Möhre, w., M.-n, (altd, moraha, ſchwed. mor-rot; angelf, mora, 
Wurzel), ein Doldengewaͤchs mit rübenartiger, eföbarer Wurzel, von 
verfchiedenen Arten: die gemeine oder wilde Möhre, auch weiße oder 
Schweinsmöhre genannt; bef. dir zahme oder Öartenmöhre, aud gelbe 
Möhre od. Ruͤbe u. Mohrrübe genannt (niederd, gelbe Wurzel od, bloß: 
Wurzel); eine Unterart derfelben ift: die rothe Möhrez die weige Möhre, 
f. Paftinakz die fal ſche Mögre oder Mohrrübe, oder dad Moͤhrenkraut, 
“eine Art Laſerkraut; der Moͤhrenkoch, Küch. eine mit Möhren bereitete 


13% 


— 


196 Mock — Mommeler 


» aufgelaufene Speifez der Möhrenfaft, aus Möhren ausgefochter füßer 
Saft, 

Mod oder Muck, w., M. -en, oberd, ein trächtines Schwein; die 
Mokel orer Model, M.-n, oberd. f. Kuh; dad Modelchen f. Kalb. 

mofen, gew. mofeln oder modeln, aud mogeln, ziellof. Zw., landſch. 
gem, f. mauchen, maucheln (f. d.), bef. ſich heimlich und durch Betrug 
einen Vortheil verfchaffen, 3. B. im Spiele, 

Mofer, m., -8, M. mw. E. (holl, moker) niederd. Schiffs. ein ſchwe— 
ver eiferner Hammer mit zwei Bahnen; der Moferbetel, ein eiferner Keil 
zum Holzſpalten. 

Mofrille, w., M.-n, eine Art eingefalzener Fiſche. 

Molch, m, - es, M. -e (altd. mol, oberd, Moll, Mallen, Moltwurm cz 
wahrſch. von mal, Maal, Flecken), eine Urt ſchwarzer, gelbgeflschter Ei— 
dechfen (fr. Salamander); auch eine in Sümpfen lebende brauntich = gelbe, 
braungefleckte Eidechle: der Waffermold, 

Molve, w., Mulde, 

Molken, die, o. E, (landfch, auch: das und der Molken, und die Molke; 
v. melkeny ſ. d., Mich, niederd. Melk), der von den Fett- us Säfetheilen 
gefchiedene waͤſſerige Aheil der Milch, Milhwaffer, Käfewaffer, oberd, 
die Schotten; der Molkendieb, landſch. auch Molkenſtehler, verderbt 
steller, auch: der Molk, gem, f, Schmetterling, bef, der weiße Schmetter— 
ling, welcher der Milch nachgehen fol, Buttervogel; die Molkenkirfche, 
eine Art hellrother und auf einer Seite milchweißer Frühkirſchen; molkicht, 
Bw., molfenähnlih, gelblihmweiß; molkig, Bw., Molfen enthaltene, 

Mol= over Mohlkraut, f., landſch. f. die Schlüffelblume, 

Moll, m, -d, M.-e, 1. ein dünnes wollenes Gewebe mit rauher 
Oberfläche; auch ein daraud gemachter Rock (Mollrod)z; 2, oberd, ein Stuͤck 
Rindvieh, bef, der Stier, 

Molle, w., M.-n, niederd, f. Mulde, 

mollig, Bw, (bair. mollet; hell, molligz Tat, mollis), landſch. f. weich, 
fanft. 

Moͤllſtroh, f. (0. Molt, Mull, Mil), niederd. f. Haͤckerling. 

Mollwurm, m., landſch. gem, f. Maulwurf, f. d, 

Molm, m., ſ. Mulm. 

molſch, Bw, (landſch. auch mulſch, molfchet, molz, malsk 2c,; verw, mit 
dem lat, mollis, ınild, fhmelzen zc,), landſch. gem. f. weich, von dem Obfte, 
wenn es in Faͤulniſs uͤbergeht. 

Molt, m., -ed,. oder Molten, -8, auch die Molt oder Molte, o. M. 
(altd, molta, v. malan, mahlen, mulian, müllen, ſ. d.), landſch. f. lockere 
Erde, Staub, Mulm; daher das Moltbrett, oberd. f. Streichbrett am 
Pflugez der Moltwerf oder -=wurm, f. Maulwurf (f, d.); letzteres auch f. 
Molch. 

Molte-, Molter- od. Multebeere, w. (vielleiht v. d. ſchwed. multen, 
faul, weich), eine Art braͤunlicher Brombeeren, welche in den Torfgegenden 
Schwedens, Norwegens und Preußens wächſ't, auch Mault-, Kraſſel- oder 
Krätzbeeren, kriechende Himbeeren 2c, genannt, 

Mommeler over Mummeler, —s, M. mw. E. (von d, oberd, memmeln, 
mummeln f, kauen, wiederkauen) [hwäb, der Stier. 


Min — Mönd) 197 


Mön, m, -ed, Mi -e, ein zum SKarpfengefchlecht gehörender Fifch. 
"Monat, ehem. gew. Monath geihr., m., —es, Mi-e, (v..mano, 
man, mon, Mond, f. d.z goth. menoths, altd. manod, isländ. manadr, 
angelf. monadh, engl. month, holl. maend, niederd. Maand, Mane, oberd. 
das Manetz griech. av, tat. mensis), die Dauer eines Mondmwechfeld oder 
die Zeit, im welcher der Mond fich einmal um die Erde bewegt, 29 Tage, 
42 Stunden, 44 Minuten: der natürliche od. aftronomifhe Monat, Mon: 
dbenmonatz gem. einer der zwölf Jahrsötheile von 30 bis 31 Tagen (der 
Februar nur von 28 bis 29 Zagen): bürgerlihe od. Sonnenmonatez 
ungenau aud) ein Zeitraum von vier Wochen; — 3 es. monatlang, Bw., 
einen Monat oder Monate lang dauernd; die Monatsblume, verfchiedene 
monatlich oder das ganze Jahr hindurch blühende Gewächſe, namentlich die 
Maßliebe, und ein Pflanzengefchlecht, zu welchem ber Fieberkfee gehört (Me- 
nyanthesL.); fo aud: die Monatsrofe; der Monatöflufs, der monatliche 
Blutabflufs beim weibl. Gefhleht, die monatliche Reinigung; die Monats— 
frift, die Dauer eines Monats (in Monatsfrift); das Monatsgeld, monat: 
lich gezahltes Gelds der Monatöfäfer, Käfer, die nur einen oder einige 
Monate leben, z. B. der Maikäferz der Monatönamen, Namen eines Mo: 
nats; der MonatSrettig, dad Monatsradieschen, eine Art Rettige und 
Radieschen, welche man alle Sommermonate hindurch ſäen kann; die Monat$= 
ſchrift, eine monatlich erfcheinente Zeitſchrift; der Monatsſtein, ein Edel: 
ftein, in welchen das Zeichen des Monats, worin man geboren worden, gegra: 
ben ift, und den man aus abergläubifchen Gründen in einen Ring (Monats: 
ring) gefafft trägt; die Monatstaube, gemeine Feldtaube, die mehre 
Monate nad) einander brütetz die Monatsuhr, eine Uhr, welche monatlich) 
nur einmal aufgezogen zu werden braucht; auch eine Uhr mit einem Monats» 
zeiger, welcher die Monatstage anzeigt; monatweiſc, Nw., nad Monaten, 
in jedem Monate (z. B. bezahlen); — Ableit. monafig, Bw., einen Mo— 
nat dauernd od. alf, gew. nur in Zſetz. wie drei-, viermonatigac,di. 
drei 20: Monate dauernd (wofür man gew., aber unr. dreimonatlich ſagt); 
monatlic), Nw. u. Bw., in jedem Monate, was jeden Monat gefchieht 
(monatlich zahlen; die monatliche Reinigung, au das Monatlide, f.v. w. 
der Monateflufs, f. o.). 

Minh, m., -e, M.-e, Verkl. dad Mönchlein, (altd. munih, 
oberd. Münch, nieberd. Monnit, Monk, ſchwed. munk, engl. monk; fat. 
Monachus vom griech, wovezos, alleinlebend; alfo uripr. ein Einficdler), eig. 
1) in der griech. und röm. Kirche ein im chelofen Stande lebender und fich 
gotteddienftlichen Verrichtungen widmender Stloftergeiftlicher, , Ordens— 
geiftliher, Ordengmann, entfpr. Nonne, (oberd. gem. einem ben Mönch 
ftehen, d. i. ihm die Kauft mit hervorftehendem Daumen zeigen, aud) f. bes 
trügen); uneig. 2) verfchiedene Ihiere, bef. folde, welche einen einer Mönchs— 
platte ähnlichen Scheitel haben, 3. B. der Kuttengeier oder Geierkoͤnig; eine 
Art Grasmuͤcken; eine Urt Meifen mit ſchwarzem Kopfe, Möndyz, Ach» 
meife, Meifenkönig 20.5 eine Art Haififche, Engelfiſch oder Meerengel; eine 
aſchgraue Kegelſchnecke: der graue Mind; eine Art Walzenſchnecken: 
der braungefledte Mönd, die Mönhskappe %.5 ferner landſch. f. 
ein gefchnittenes Ihier, bef. Pferd, ein Wallach; daher auch mönchen, 
3w. f. verfchneidenz; 3) verfchiedene Theile von Werfen der Kunft, Werk— 


198 Mond 


9 

zeuge ꝛc., ale: Bauk. die ſenkrechte Spindel einer Wendeltreppe; die Spindel 
auf einem Thurme, weldhe den Knopf trägt; Hüttenw. der Stempel, mit wel: 
chem die Kapellen in die Ringe (Nonnen) feitgeftogen werden; Wafferb. der 
emporftehende Zapfen oder Kolben, womit man einen Teich ab= und zufhugt 
(Waffermönd) ; landſch. f. Hohlkreiſelz Buchdr. der Fehler beim Auftragen der 
Farbe auf die Form, wenn diefe nicht gehörig gefhwärzt ift und der Bogen 
daher nicht vollftändig und gleichmäßig abgedruckt erfcheint, welcher dann 
Möoönchsbogen genannt wird; — Zfeg. der Mönchögeier, Geierkönig 
(1. 0); die Mönchsfappe, f. Kappe; uneig. eine Art Walzenfchneden; das 
große blaue Eifenhütlein, u. m. a. Pflanzen; die Mönchsfirfche, Suden: 
kirſchez des Mönchsklofter, Mannöttofterz der Moͤnchskopf, uneig. f. 
Löwenzahn (aud) Mönchsblatt oder = platte); Herzerbfe, Blafenerbfe; aud 
eine ehem. Münze, 3 Basen an Werth; die Moͤnchskrone, eine Art Difteln 
in füdl. Ländern mit einem eföbaren markigen Blumenboden (wollfüpfige Diftel) 3 
die Mönchskutte, ſ. Kutte; dad Moͤnchsleben; der Moͤnchsorden, f. 
Orden; der Mönchspfeffer, Keuſchbaumz die MönchSplatte, die kahle 
Platte, welche den Möndyen beim Eintritt in den Orden auf dem Kopfe ge: 
foren wird; der Mönchsring, der Haarring auf den Köpfen der Mönde 
(Kranz); die Mönchsfchrift, die edige lateiniſche Schrift der Mönde im 
Mittelalter, woraus unfere deutſche Drudfchrift entftanden iftz der Moͤnchs⸗ 
ſchuh, eine Muſchel im mittelländ. Meeres das Moͤnchsweſen, Altes, was 
das Leben, die Einrigtungen ec. der Mönche betrifftz — Ableit. münchen, 
3m. 1) ziellos, mönchiich fein, denken und handeln (auh: möndein); 
2) ziel. zum Möndye machenz uneig. landſch. f. verfchneiden (f. 0.2)5 die 
Mönchelei, moͤnchiſche Handlungsweiſe; die Möncherei, verächtl. f. das 
Moͤnchsleben, -weſen; auch f. moͤnchiſche Denfartz das Moͤnchthum, 
Moͤnchsweſen; moͤnchiſch, Bw., einem Mönche eigen, angemeſſen, 
aͤhnlich. 

Mond, m., -ed, M. -e, oberd. -en, M.-en, (goth. mena, altd. 
mano, mane, oberd. Man, Monz niederd. Maane, Maand, w.; island. 
mani, angelf. mona, engl. moon; griech. won; vergl. Monat), der Ne— 
benplanet der Erde, welcher mit feinem von der Sonne tmpfangenen 
Lichte bei Nacht leuchtet (dev Mond fcheint, geht auf und unter, nimmt 
zu, wenn die ung zugekehrte erleuchtete Fläche fi vergrößert, und ab, wenn 
diefelbe nach und nach Eleiner wird; daher: im abnehmenden, od. zunehmenden 
Montes vergl. Neu-, Vollmond; unter dem Monde, dicht. f. auf der Erde); 
in weiterer Bedeutung heißen auch die Begleititerne (Zrabanten) anderer Pla— 
neten: Mondez ferner fteht Mond dicht. f. Monat (altd. manod), in 
welcher Bed. die Mehrh. Monden lautet (zehn Monden find vorüber ꝛc.)3 
uneig. der halbe Mond, das Bild des fichelförmigen Mondes z. B. im 
türkifhen Wappen; Feftungsb. eine Art Außenwerfez der Mond oder 
Monden, ein fichelfürmiged Scyabeifen der Weißgerber (Streich-, 
Schlichtmond); Naturk, eine Urt mondförmiger Seeſterne; dad Moönds 
hen, eine Art Nachtfehmetterlingez; — Test. das Mondauge, ein 
krankes Auge, deffen Sehkraft mit den Monde ab: und zunimmt, bef. bei 
Pferden; daher mondaͤugig, aud mondblind, landſch. auch monz ober 
manäugig, mönig, Bw.z die Mondblindheitz die Mond» oder 
Mondsbahn, die Bahn oder der Weg des Mondes um die Erde; mondbes 


Mond 199 


glänzt, = beichienen, =beftrahlt, »erhellt ꝛc., Bw., vom Monde befdjie- 
nen 26.5 der Mondbefchreiber (fr. Selenograph); die Mondbefchreibung 
(Selenographie); der Mondbewohner,, =bürger, ein angenommener Be: 
wohner des Mondes; uneig. ſcherzh. ein Sonderling, unbeholfeneer Menſch; 
der Mond-, Monds- oder Mondenblick, augenblicklicher Schein dee Mon: 
des; die Mondfiniternifs, Verdunkelung des Mondes durch den Schatten 
der Erde, welche zwiſchen Mond u. Sonne tritt; der Mondfifch, Meerhahn ; 
die Mondfläche, fihtbare Oberflähe des Mondes; der Mondflecken, im 
Monde wahrgenommene dunklere Stellen ; der Mondflufs, ein mit dem Mond: 
auge (f; d.) verdundener Fluſs; mondflüflig, Bw., damit behaftet; monde 
formig, Biw., von der fihelähnlichen Geftalt des Mondes vor dem erften und 
nad) dem legten Viertel; der Mond= od. Mondenglanz; mondhell, Bw., 
vom Monde erkuchtetz dad Mond = oder Mondenjahr, ein allein nach dem 
Mondlaufe beftimmtes Jahr von 12 Mondenmoncten od. 354 Tagen 8 Stun: 
den 48 Minuten; der Mondkäfer, ein Käfer mit mondförmiger Zeichnung; 
das Mondkalb oder Monfalb (engl. mooncalf, nieverd. Manenkind), ein 
Fleiſchgewächs, welches zuweilen in der Bärmutter der Kühe u. der Menfchen 
entftehts auch f. unzeitige Leibesfrucht, Fehl-, Mifegeburtz die Mondkarte, 
bildlihe Darftellung der Mondſcheibe; der Mondklee, einige Arten des 
Schneckenklees; das Mondkraut, eine Art des Zaubenfarns, auch Mond: 
farn, =raute, Leberraute, Eiſenbrech zc,5 das Silberblatt; Hungerblümchen; 
dad Mond= oder Monvdenlicht, das Licht oder Leuchten des Mondes; der 
fcheinende Mond ſelbſt; mondlos, Bmw., ohne Mond, vom Monde nicht er: 
helltz die Mondmilch, eine in Bergktüften (ſchweiz. Mondlöcher) ſich fin: 
dende feine weiße Kalkerde, Berg:, Himmelsmehl; der Mondenmonat, ſ. 
Monat; die Mondnacht, mondhelle Nachtz die Mondraute, ſ. Mondkraut; 
der Mondſamen, der mondförmige Samen einer Schlingpflanze: Mondſa— 
menkraut; die Mondſcheibe, die erleuchtete Oberfläche des Vollmonds; der 
Mondfchein (feltener Mondenfhein), der Schein, das Leuchten des Mon: 
des, u. die Zeit, wo er jcheint (eö ift jest Mondſchein); Drechsl. ein Drehftahl 
mit mondförmiger Schneidesdie Mondfcheinnachtz die Mondfchnede, eine 
gewundene Schnede mit runder Mündung, die Schraube; die Mondfichel, 
die Sichelgeftalt des zu: od. abnehmenden Mondes; der Mondftein, landſch. f. 
Sraueneis, Spiegelfteins der Mondftrahl; die Mondfucht, eine Krank: 
heit, deren Anfälle mit dem Mondwechfel zufammenhangen, und beſ. in be 
wuſſtloſem Nachtwandeln im Schlafe beſtehen; mondfüchtig, Bw. ,-mitder 
Mondfucht behaftet; ein Mondfühtiger, Nachtwandlerz die Mondfüch- 
tigfeit, der Zuftand eines mondſüchtigen Menſchen; die Mondtaube, eine 
Art Haustauben, welche mehre Monate binter einander legen; die Monde 
oder Mondsuhr, eine ihr, welde die Stunden in der Nacht vermittelſt des 
Mondfchattens anzeigtz das Mond- oder Mondöviertel, die erleuchteten 
Theile der Mondflähe bei zu: und abnehmendem Monde vor 7 zu 7 Tagen 
(erftes, leptes Viertel 2c.); der Mondvogel, eine Art Nachtvögelz die Monds— 
wandelung oder der Mondwechfel, landſch. auch die Mondsbruͤche, die 
zegelmäßig wiederkehrende ftufenweife Zu: und Abnahme des Mondlichtesz die 
Mond = oder Mondszahl, die Zahl der Tage vom legten Neumond bis zum 
erften Januar, welche den Unterfchied des Sonnen= und Mondenjahres zu be 
rechnen dient (fr, Epakte); der Mondzirkel, ein Zeitraum von 19 Jahren, 


200 N Möne — Moos 

nad) defjen Verlauf die Neu: und Vollmonde wieder auf diefelben Tage fallen ; 
— Ableit. mondlih, Bw., den Mond betreffend, ihm eigen od, aͤhn— 
lich (nondliche Dämmerung) ; dicht. aud) f. monatlich. 

Möne, w., M. -n (vergl. menen u. mähnen 2.), ſchwäb. ein Öefpann 
zum Behuf des Ackerbaues; daher anmbnen f. anfpannen. 

mönig, Bw. (0. Mon f. Mond, ſ. d.) landſch. f. mondblind, mondfüchtig. 

Monkalb, fe, ſ. Mondkalb unter Mond. 

Montag, nu, -ed, M.-e, (niht Mondtag; von dem alten mane, 
mon f. Mond; altd. manetag, mäntac; oberd. Man: od. Mäntag; nieder. 
und hol. Maandagz eng!. monday), der zweite Tag der Woche, welder 
ehem, dem Monde geheiligt war; der blaue Montag, alt und oberd, der 
Montag vor Aſchermittwoch (von der Farbe des Altar Umhangs in den Kirchen), 
den man zu guter Legt vor den Faften mit Schmaufen zusubringen pflegte (gem. 
auch Frefömontag)z; daher gew. Handw. jeder müßig zugebrahte Montag (auch: 
guter Montag genannt), u. jeder müßige Tag überh. (vergl. jedoch blau); 
der verlorene Montag, landſch. der Montag nad) dem Fefte der Erfcei- 
nung Chriftiz der Gen. Montags ald Nw. der Reit f. am Montage; 
montaͤglich, Nw. und Bw., jeven Montag, alle Montage gefchehend, , 

Mook, m., es, M.-e, landſch. der Honigkuckuk. 

Moor, ſ., —es, M. -e, landſch. auch Möre, (altd. muor, muora; 
oberd. Muer; angelſ. mör, engl. moor; isländ. myri; mittl. lat. morus, 
mora; verw. mit Meer, Marfch, Moraftz Grundsegriff: Näſſe), ſumpfiges, 
fchwarzes Land, wie dasjenige, woraus man Torf ftiht (Hohe, Legmoor, 
f. unter lea); — Bfeg. der Mooraal, ein Aal aus fumpfigem Wafferz die 
Moorbeere, große Hridelbeerez Preigelbeere; die Moorbirke, Eleine Sumpf: 
birke in Nordamerika; die Moorboden; der Moordamm od, =deich, durch 
ein Moor geführter Dammz die Moorente, eine Art wilder Enten, Fliegen-, 
Madentez die Moorerde; die Mooreule, Sumpfeule; die Moorgegendz 
dad Moorgras, in Mooren wachſendes Rietgrasz der Moorgrund; die 
Moorheide, eine im Moore wachfende Heide: Art, Sumpf-, Torfheide 20.5 
der Moorkolben, landſch. f. Froſchwurm; dad Moorland; die Moor» 
quappe, ſ. v. w. Meerquappe; die Moorfchnepfe, Sumpffänepfe, 3. U. v. 
der Wardfchnepfes die Moorfeide, gemeines Wollgras; das Moorſpinnen— 
fraut, eine auf fumpfigen Wiefen wachfende Grasart mit einfacher Rispe; 
der Moorvogel, niederd. f. das Wafferhuhns das Moorvögelchen, die 
braune Grasmüde; daß Moorwafler, auf moorigem. Grunde ftchendes 
Waffer, Bruchwaſſer; die Moorweide, Rosmarinweidez Friechende oder 
Erdweidez — Ableit. moorig, Bw., Moor enthaltend, aus Moor bes 
ftehend; mooricht, Bw., moorähnlid). 

Moos 1., f., -e8, Mi -2, (altd. mos, mios; oberd. auch Mies, Ge: 
mies; angelf. mios, island. mosi, engl. moss, ſchwed. mossa, franz. 
mousse; lat. muscus; vergl. d. griech. uooxos, zarter Sproſs), eine Art 
zarter Gewaͤchſe mit unkenntlichen Bluͤthen, die an feuchten, kühlen Orten 
auf der Erde, auf Bäumen, Steinen ꝛc. wachſen: Erd-, Baum-, Farn-, 
Knoten-, Laub-, Leber-, Lungenmoos ꝛc.z landſch. auch eine mit Moos 
bewachſene Gegend, z. B. Jäg. ein Moos; niederd. f. Gemuͤſe (Mus), bef. 
Kohl; — 3ſetz. die Moosbank, eine mit Moos bewachſene Bank; die 
Moosblaſe, eine kleine Blaſenſchnecle; die Moosflechte, Stein-, Brunnen: 


Moos — Morchel 201 


flechte; moosgruͤn, Bw., grün wie Moos; mit grünem Mooſe bekleidet; die 
Mooshummel, eine Art unter dem Moofe niftender Hummeln; die Moos— 
fraße od. der Mooskratzer, Gärtn. ein Werkzeug zum Abkratzen des Moofes 
von den Bäumen; dad Moospulver, der Bärlappfamen od. das Herenmehlz 
die Moosroſe, eine Art Rofen, deren Zweige und Kelhe wie mit Moos be: 
wachſen find; der Moosfchimmel, ein milchweißes Staubmoosz die Moos— 
fchnede, eine Art Kleiner Erdfhnedenz der Moosſchwamm, ein unter dem 
Moofe wachſender efsbarer. Erdfhwamm, landfh. Dorn-, Miesfhwamm, 
Dörnlingz; dad Moosveilhen, März oder Schneeglöckchenz — Ableit. 
moofen, 3w. 1) ziellos, Moos anſetzen; 2) ziel. mit Moos bedeifen, gew. 
bemoofen; moofig, Bw., mit Mood bewachfen, bemooſ't; mooficht, 
Bw., moosaͤhnlich. 

Moos 2. oder Mob, fe, -ed, M. Möfer, (Nebenform von Moor; 
ſchwed. mossa, engl. moss), oberd. fe Moor, Bruch, Sumpfgegend (5.8. 
das Donau-Moos, Dadyauer Moos u. a.m. in Baiern) ; — 3fes. der Moo$= 
od. Mofelbär, großer Bär in den moraftigen Gegenden Polens u. Litthauens 5 
die Moosbeere, f. v: w. Moorbeere (f. d.), auh Moosheidelbeerez 
die Moosblume, Dotterbiume, die an feuchten Orten wächſ't; der Moos— 
emmerling, Rohrſperling; der Moosgeier, oberd. eine Art Geier, Froſch— 
geierz das Mooshuhn, Birkhuhn; der Mooskolben, Kolben des Kolben: 
rohres, welches oberd. auch dad Moosrohr heißt; die Moosfuh, der Moos— 
reiher, oberd. f. Rohrdommelz; die Moosfchnepfe, eine Art Waldfchnepfen, 
die fich in moraftigen Gegenden aufhalten; der Moosſperling, Rohre, Niet: 
fperling; die Moosweihe, Sumpfweibe; — Ableit. moofig od. möfig, 
Bw., oberd. f. fumpfig, moraſtig; möfen oder. möfeln, ziellof. Zw., oberd. 
nach Moor riechen oder ſchmecken. 

Mops, m., -6, M. Möpfe, Verkl. dad Möpächen (vergl. tas 
engl. mop, fhiefes Maul, häſsliches Gefiht5 mope, dumm und träumerifch 
fein), eine Art Hunde von mittlerer Größe mit breiter, ſtumpfer Schnauze, 
hangenden Lefzen und von mürrifchem Anſehen; auch: der Mopshund, 
Yandfh. Moppel, Möppel, Mopper; uneig. gem. ein ſtumpfnaſiger, 
aud ein müreifher, verdrießlinher,, oder ein dummer Menſch; daher das 
Mopsgefichtz; mopfig, Bw., gem. f. mopeaͤhnlich, häfslich, verdrießlichz 
mopfey, mopfeln, ziel. Zw., landfih. aem. f. prügeln, 

Morane, w., ſ. Muraͤne. 

Moraſt, m., - ed, M. Moraͤſte, (ſchwed. moras, dän. morads, franz. 
marais, ital. marazzo, engl. morass; mittl. lat. maristus; von gleichem 
Stamme mit Moor, Marſch 2c.), ſchwarze, fhlammige Erde, tiefer Koth; 
eine aus folhem Erdreich beitehende Gegend, Moor-, Sumpfgegend; 
der Moraftitein, eine Art Eifenftein, welde man in Moräften findet, Sumpf:, 
Mobererz; moraflig, Bw., Moraft oder Moräjte enthaltend, ſumpfig, 
ſumpfreich. 

Moͤrbraten, gew. unr. Mehrbraten, m. (v. mör, niederd. f. mürbe), 
niederd. das zarte, muͤrbe Fleiſch am Ruͤckgrat der Rinder und Schweine, 
auch Lenden-, Lammer: oder Lämmerbraten genannt, ſ. d. 

Morche, w., M. way landſch. der ſchwarze od. gemeine Nachtſchatten. 

Morchel, w., M. -n (oberd. Maurache, Morach, Mörcheling ze. 3 altd. 
morhila, ſchwed. re engl. moril, franz. morillez3 wahrſch. von mor, 


/ 


202 | ; Mord 


mohr, niederd. murk, ſchwed. mörk, ſchwarz), eine Gattung von Erd- 
fhwämmen, deren Hut einen negförmigen Überzug hatz bef. die efübare 
Art, wozu die Spis: u. Stodmordein gehören; in weiterer Bed. alle 
getrockneten eföbaren Schwaͤmme; Landfch. heißen die Trüffen: Erdmor: 
cheln. 

Mord, mu, —es, M. -e, (alte. daz mort, niederd. Moord; dän. 
ſchwed. bbhm. mord3 goth. maurthr, engl. murder, franz. meurtre, mittl. 
lat. murdrum; wahrſch. v. maro, mar, mürbe, morſch; daher fhweiz. 
mbrden, mürbden, niederd. murten, mödrten f. ftoßen, malmen; 
bair. Merder f. Holzfchlägelz vergl. Mörfer, morſchz verw. mit dem lat. 
mors?), vorfäßliche gewaltfame Zodtung eined Menfchen, fofern fie un: 
befugt und widerrechtlich ift, verfh. Zodtfihlag, Hinrichtung, (einen Mord 
begehen, Bruder, Vater-, Kinder, Selbfimord 20.53 Mord und Zodtfchlug) 5 
uneig. die vorfäpliche, boshafte Vernichtung einer Sache (einen Mord an 
der Unſchuld begehen 2c.); niedr. wird Mord Häufig als ein Fluchwort ge 
braucht, und in Zſetz. zur Bezeichnung von etwas Schrecklichem, Gewalti— 
gem, Abſcheulichem, 3.8. ein Mordkerl, Mordlärm, ein Mork: 
weg u. dgl. m.; — morden, ziellof. u. ziel. Zw. (altb. murdan, murdran, 
engl. murder, isländ. myrda, ſchwed. mörda), einen Mord beachenz einen 
Menfchen —, verfäßlih und gewaltſam tödtenz uneig. gewaltfam ver= 
nichten,, zu Grunde richten (die Unſchuld, die Freiheit 20.)5; — Bfeg. von 
Mord und morden: die Mordacht, Strafe der Acht für eine Mordthat z die 
Mordart, das Mordbeil, ehem. |. v. wı Streitartz die Mordbegierde, 
=gier, -luſt, =fucht, =wuth; mordgierig, -luſtig, =füchtig, =wüthig, 
Bw.; der Mordbrand, ein boshaft angeftifteter Brand, welcher Anderer 
Leben gefährdet; der Mordbrenner, die Mordbrennerinn, Brandftifter 
in der Abſicht dabei zu rauhen und zu morden; die Mordbrennerei, das 
Verbrechen eines Mordbrenners u. deffen Ausübung; morbbrennerifch, Bw. 
und Nw., nad Mordbrenner : Artz die Mordgefchichte, der Hergang einer 
Mordthat u. die Erzählung davon; das Mordgefchrei, Gefhrei beim Mor: 
den; uneig. gem. ein heftiges, ſchreckliches Gefchreis dad Mordgewehr, die 
Mordwaffe, Warte zum Mordenz; mordgewohnt, Bw., des Mordens ges 
wohnt; der Mordfeller, Feftungsh. Gewölbe unter dem Feftungswall, aus 
welchen der Graben beftrichen werden Tann (fr. Kafematte); die Mordnacht, 
eine Nacht, in welcher gemordet worden iſt; die Mordraupe, f. vw. Hau: 
pentödterz der Mordichlag, Krſpr. eine hohle Metalltugel mit einem platten 
Boden, worin ein Zündloch befindlich iſt; Bildh. ein Prellſchlag, wobei der 
Meißel abgleitet (in diefer Bed. wohl v. dem obigen landfch. mörden, Merder) 5 
der Mordſchwamm, töstender Blätterſchwamm; der Mordftahl, eine 
Stahlwaffe, z. B. ein Schwert und bef. ein Dolch, zum Morden; die Mord- _ 
that, oberd. aud) das Mordſtück, ein Mord; bei. die Mehrh. Mordthaten 
gew./als Morde; der Mordvogel, niederd. f. Raub: oder Stoßvagel; — 
Xbleit. von Mord: Mordio (v. Mord u. dem alten Empfindt. Do, jo), 
ein Ausrufswort, welches das Mordgefchrei, oder aud den Huͤlferuf beim 
Morde ausdrückt: Mordio od. Zeter Mordio ſchreien, gem. aud) f. ſehr heftig 
fchreien; mordlich oder moͤrdlich, Nw. u. Bw., meift vlt. f. mordähnlich, 
mordgleich, mordbewirfend, mörderifch (einen mordlich anfallen; bibl. mörb: 
liche Waffen); mordlings, Nw. niederd. f. mordlich, mordlicher Weiſe; — 

«“ 


Morelle — Morgen 203 


1 


von morben; der Mörder, 3, die Mörderinn, M, -en, (goth. maur- 


ihrja, altd. murdreo, oberd. Mürder, niederd. Mördener, engl. murderer), 
wer mordet oder einen Mord begangen hat (Vater-, Mutter:, Selbftmör: 
der 2c.)5; daher Die Mördergrube , eine Höhle u. in weiterer Bed, jeder Oct, 
welcher Räubern u. Mörbern zum Aufenthalte dientz die Mörderhand (durch 
Mörderhand fallen, d. i. ermordet werden); moͤrderiſch, Bw., Moͤrdern 
eigen, aͤhnlich, nad Moͤrderart (einen mörderiſch angreifen; mörderiſche 
Waffen, Gedanken zc.); auch einem Morden aͤhnlich (eine moörderiſche Schlacht, 
in welcher viele Menſchen geblieben find); moͤrderlich, Nw. u. Bw., ſ. v. w 
moͤrderiſch, beſ. gem. uneig. f. ſehr heftig, ſehr ſtark (mörderlich ſchreien, 
trinken u. dgl.). 

Morelle od. Morille, w., M.-n (aus d. fr. Am ar elle entſtez vergl. 
Marelle) landſch. große, faure Sirfche; auch f. Derzfirfche, und Kitſche 
überh. 

Morfling, m, ,es, M. -e, landfd. ein Karpfen ohne Milch und 
Rogen. 

Morgen 1.,m., -8, M.w. E. (goth. maurgins, altd. morkan, morgan, 
isländ. morgun, ſchwed. morgon, angelſ. morgen, engl. along oberd. 
gem, Morn), 1) die Zeit um Sonnenaufgang, die Frühe des Tay:? (der 
Morgen graut, bridit an; am frühen Morgenz einem einen guten Morgen 
wünſchen, bieten, ihm guten Morgen ſagen; guten Morgen, als hewbhn⸗ 
licher Morgengruß) 5 in weiterer Bed. auch die ganze Vormittagszeit; uneig. 
der Morgen des Lebens f. die Jugend; der Gen. Morgens als Nw. der Zeit 
f. am Morgen; in Verbindung mit einer andern voranftehenden Zeitbeftimmung 
auh: Morgen f. am Morgen, früh (Heute Morgen, geftern Morgen) 5 
2) die Himmelögegend, wo die Sonne aufgeht, die Morgengegend, der 
Diten (gegen Morgen liegen; der Wind kommt von oder aus Morgen); — 
fen. die Morgenandacht, das Morgengebet; das Morgenblatt, die 
Morgenzeitungz das Morgenbrov, =ejjen, =mahl, Frühſtück; die 
Morgendaͤmmerung; die Morgengabe, (eitd. EBENE RS mittl, lat. 
morgengaba, morganaticum 2c.), das Gefchent, weldes der Ehemann am 
Morgen nad) der Bermählung feiner Gattinn zu maden pflegte; der Morgen 
gang, Gang zur Morgenzeitz Bergw. ein Gang, deſſen Richtung nad Mor: 
gen gehtz die Morgengegend, der Oftenz auch eine gegen Morgen liegende 
Gegend; der Morgengefang, das Morgenlied; der Morgengruß; der 
Morgenhimmel, die Gegend des Himmels nach Morgen zu; der Himmel zur 
Morgenzeitz das Morgenkleid, die Morgenkleidung (fr. Neglige) 5 die 
Morgenkühle; das Morgenland, die von Europa aus gegen Morgen lie: 
genden Länder Afiens (fr. der Orient), in encerer Bed. Kleinafien (fr. die Le: 
vante); der Morgenlander, die Morgenländerimn, Einwohner des Mor: 
aenlandes (fr. Orientalen); morgenländifch, Bw. (fr. otientatifh) ; dag 
Morgenlicht, die Helle des Morgens; die Morgenſonne; die Morgenluft, 
die kühle Luft am Morgens; der Morgenpunft, der Punkt am Himmel, wo 
die Sonne aufgeht, Oftpunktz das Morgenroth od. die Morgenröthe, 
Röthe des Himmels beim Sonnenaufgang; auch die Zeit des anbrechenden Ta— 
ges; umeig. dicht. f. fchoner Anfang, aufblühende Schönheit, beginnendes 
Glück (die Morgenröthe des Lebens u. dgl.)z; morgenroth, Bw,, gelblich-roth, 
wie die Morgenröthe; die Morgenruh, der Morgenfchlaf, = fchlummer ; 


204 Morgen — morſch 


der Morgenfegen, das Morgengebetz die Morgenfeite, Oftfeites die Mor- 
genfonne, aufgehende Sonne und deren Glanz; die Morgenfprache, landſch. 
die Verfammlung und Berathung der Glieder einer Gefelfchaft, Zunft 2c. am 
Vormittage, auch: der Morgenrath, die Morgenrede, das Morgengefprädz 
der Morgenftern, der Wandelftern (Planet) Venus, fo fern er vor Sonnen: 
aufgang gefehen wird; uneig. ehem. eine Waffe, in einer mit eifernen Spigen 
verfehenen Keule beftehend; auch eine Epintelwalze; u. verfdiedene Gewächſe; 
der Morgenftillfiand, Sterne. fheinbarer Stiuftand eines Wandelfterns am 
Morgen in einem Punkte des Thierkreiſes; der Morgenftrahl, Strahl der 
Morgenſonne; die Morgenftunde, eine Stunde der Morgenzeit ; die Morgen: 
zeit ſelbſt (prichw. Morgenftunde hat Gold im Munde); der Morgenthau; 
die Morgenuhr, auf einer gegen Morgen gerichteten Fläche befchriebene Son: 
nenuhr, welche nur-die Vormittagsftunden zeigt; Die Morgenwache, ehem. Arfpr. 
die Wache od. Wachzeit gegen Morgen, und die frühe Morgenzeit ſelbſt; mor⸗ 
genwaͤrts, Nw., oftwärts; die Morgenmweite, Stern. der Abftand des 
Aufgangspunktes eines Sternes von dem Morgenpunfte; der Morgenwind, 
ein Wind, der aus Morgen, oder auch der Morgens wehtz die Morgenzeitz 
— Ableit. morgendlih, Bw. (altd. morganlih), was am Morgen ift 
oder gefchieht (dev morgendliche Glanz der Sonne); dem Morgen ähnlich, 
Thon, friſch wie der Morgen. 

Morgen 2., m., -8, M. w. €. (altd. morgan; urfpr. die Feldarbeit 
-eines Morgens bezeichnend, vergl. Tagewerk; alfo = Morgen 1.), ein Yeld- 
maß von verfehiedener Größe, auch Acker, Juchart, Mann = od. Tagewerk 
genannt (vier Morgen Landes 2c.); in Sachſen hält ein Morgen 150, im 
Hanndverfhen 120, in Hamburg 600, in Nürnberg 200 Geviertruthenz in 
der Mark Brandenburg ein großer 400, ein Eleiner Morgen 180 Ge: 
viertruthenz; das Morgenkorn, eine gewiffe Menge Korn, welche von einem 
Morgen entrichtet werden muſs; morgig, Bw., einen Morgen haltend, 
gew. nur in Zfeg. wie drei-, viermorgig Ic. 

morgen, Nm. der Zeit (altd. morgan, in morgan; oberd, gem. morn; 
angelf. to morgen, engl. to morrowz eig. um die Zeit deö folgenden Morgeng, 
alfo dem Stamme nad) = Morgen; vergl. das franz. demain v. d. lat. mane, 
am frühen Morgen), an dem nächltfolgenden Tage nach dem heutigen, 
vergl. geftern, heute (lieber heute, als morgens heute mir, morgen dirz et— 
was auf morgen verſchieben; aud) in Verbindung mit einer weiteren nachftehen: 
den Zeitbefiimmung, 3. B. morgen frlih, morgen Mittag, Abend 2c.); mor⸗ 
gend, Bw., was morgen fein oder gefchehen wird (ter morgende Tag 5 
morgendes Tages, f. v.w. morgen; meine morgende Abreife ꝛc.); landſch. 
auch morgig (der morgige Tag). 

Mornell,.m., — es, M. -e, oder die Mornelle, M. -n, der Kibitz; 
eine Art Negenpfeifer (Charadrius Morinellus L,), auch Zitronen=, Pos 
meranzenvogel, Poſſenr⸗ißer genannrz der langgeſchwaͤnzte Mernell, auch 
Seemornell, Seelerche. 

morſch, Bw. (von d. altd. maro, niederd. mör, mürbe; vergl. Mörſer, 
und das oberd. mürfen, mürſchen, märtſchen f. zerreiben, quetſchen; lat. 
marcidus, ital. marcio), durch Faͤulniſs muͤrbe geworden, durch innere 
Aufloͤſung Leicht zerbrechlich (Holz, Knochen, Zahn 2c.); gem. als Nw., um ein 
ploͤtzliches u, völliges Zerbrechen auszudrücken (3. B. das Bein brad) morſch 
entzwei). 


Moͤrſer — Moft 205 


Moͤrſer, landſch. auch Mörfel,m., -8, M. w. E. (landf, Mörfener, 
' Mörfchner, Mortel, Mörtel; niederd. Marter, dän, morter, ſchwed. mortel, 
engl, mortar, bbhm. mordir; fat, mortarium, franz. mortierz v, d, oberb, 
murfen, mürfen, niederd, murten, mörten, zermalmen; vergl. 
morſch, Mörtel), eim tiefes ſteinernes oder metallenes Gefäß, worin man 
mittelft einer Keule Mörferkeule, -ſtößel) harte Körper zerftößt od. 
zerreibt; ein mörferähnliches grobes Geſchuͤtz, aus welchem Beniben, Gra= 
naten, Feuerkugeln 2c, geworfen werden, ein Feuermoͤrſer; Schiff, dad Ge— 
haͤuſe der Kompafsrofez der Mörferblod, das Gerüft, in welchem der 
Feuermbrſer hängt; der Moͤrſerkuchen, landſch., ein in einer tiefen Form 
gebackener Kuden, 

Mörtel, m., -8, (altd, morterz oberd, Mörter, Mörtrich, bſtr. das 
Mälter; engl, mortar 5 lat, mortarium, franz, mortier; von gleichem Stamme 
mit Mörfer, f. d,5 alfo: zerftoßene, zerriebene Maffe), der mit grobem 
Sande oder Flein geftoßenen Steinen vermiſchte Kalk zum Mauern, 
Speife, Mauerfpeif: (altd. spisa); die Mörtelarbeit, halberhabene Gips— 
arbeit (fr, Stuccatur); die Mörtelhaue, eine Haue oder Hade zur Zuberei- 
tung des Mörtels; die Moͤrtelkelle, Mauerkelez die Mörtelpfanne, ein 
mit Brettern eingefchloffener Raum, in welchem der Mörtel bereitet wird; die 
Mörtelwäfche, dünner Mörtel, welcher zwifchen die Steinfugen gegoffen 
wirb. 

Mos, ſ., Ses, o. M. (auh Mofen, Mofesz aus d, jüdiſch- deutſchen 
mesum, Geld, verderbt), niedr. ſcherzh. f. Geld, 

Moͤſch, m., —es, M. -e, 1. landſch. f. Sperling; 2, f. Meiſch. 

Moͤſch, fe, -es, landſch. f. Meſſing. 

Mofchbeere, w., landſch. f. Vogelbeere. 

Moöſche, w., M. -n, landſch. auch Mot ſche, Motſchel, Mockel, Meuſch, 
Mutſche zc, (vergl, d. griech. 100205, Spröfsling, Junges, Kalb; altfranz. 
meschin, meschine, eine junge Perſon, junge Kuh), landſch. f. Kuh, beſ. 
eine junge Kuh, die nod nicht getragen hat, Färſe; das Mofchenkalb, 
landſch. f. Kuhkalb. 

Moͤſchen, m., - 8, niederd. die Moͤſeke, landſch. f. das wohlriechende 
Megerkraut. 

Moſchus, m., unbiegſ. u. o. M. (mittl. lat, muscus, franz. muscz vom 
perſ. mishk), ſ. v. w. Biſam, ſ. d.z daher die Moſchus- od. Moſchroſe, 
eine gelblich weiße Roſe von biſamähnlichem Geruch z die Moſchusente; das 
Moſchusthier ꝛc., ſ. Biſam. 

Moöſelbeere, w., ſ. v. w. Moosbeere; möfeln, 3w., ſ. unter Moos 2, 

Mofelwein, m., Wein aus den Gegenden der Mofel, 

Moſt, m., — es, M. (von mehren Arten) -e, (altd, most, dän, moost, 
ſchwed. und engl, must, ital. mosto, franz. moltz von dem lat, mustum, 
scil. vinum, d, i. neuer Wein), der ausgepreffte ſuͤße Saft verfchiedener 
Fruͤchte vor der Gaͤhrung (Apfel, Birn-, Weinmoft 2c.); insbef, der Weine 


moftz — 3fes. der Moftapfel, Honigapfel, Süßling; die Moftbirn, 


Zeigbien, Holzbienz der Moftmefjer, ein Werkzeug zur Beftimmung der 
Güte des Moſtes; — Ableit. moften, zieltof. Zw., Moft machen; mofteln, 
zielloſ. Zw., 1) f. v. w. moſten; 2) nach Moft ſchmecken (von jungem 
Beine); der Moftler, die Mojtlerinn, wer Moft macht, die Trauben 


— 


206 Moth — Mud 


tritt und prefit; moftig, Bw., Moft enthaltend; auch f, das r. mofticht, 
dem Moft ähnlich (moftig ſchmecken); der Moftrich oder Möftrich, - es 
M.-e, (gem, auch Muftertz ital, mostarda, franz. moutarde), niederd, 
der mit Moft oder Weineffig zubereitete zerriebene Senffamen, der Senf. 

Moth od. Modt, oberd, Mott, m., - es, o. M. (gem. auch Kamoth, 
Koth, Schmusz verw, mit Moder), landſch. f. Torf-, Moor= od, Moder— 
Erde; daher dad Motthuhn, landſch., be, niederd, f. Wafferhuhn, Strand: 
Läufer, 

Motſche, w., ſ. v. w. Mofchez landſch. auch f Stute; daher das 
Mötfchel, -8, M. w. E., f. Füllen 

Motte, w., M.-n, (niederd, Mutte, engl, moth; v. d, goth, matjan, 
effen, wie Made, Miete; vergl, Maß 1.), ein kleines fliegended Infect, 
deſſen Larve das Pelzwerk und Wollenzeug zerfrifft, u, diefe Larve felbft; 
die Schabe; landſch. auch f. Milbe; die Mottenfliege, ein Nachtſchmetter— 
ling, deſſen Larve die Wickelraupe iſt; der Mottenfraß, das Zerfreſſenwerden 
durch Motten, u, der dadurch verurſachte Schaden; auch etwas von den Motten 
Zerfreſſenes, 3. B, dergl. Kleidungsſtücke; mottenfraͤßig, Bw,, durch Mot— 
tenfraß beſchädigtz der Mottenkaͤfer, Pelztäfer; das Mottenkraut, ver: 
ſchiedene Gewächſe, welche die Motten vertreiben ſollen, als: der wilde Ros— 
marin oder das Mutterkraut; eine Art der Kbnigskerze, Mottenſamen; 
eine Art der Ruhrpflanze, Mottenblume?c. » 

motzen, moßeln, mößeln, ziellof. Zw., bair. f. zaudern, langfanı fein; 
der Motzer, die Motzel, f, eine träge, langſame Perfon, 

motzig, Bw, (vergl, Mus, mugen), Bergw, motzige Gänge, d. i, ſolche, 
die nicht weit ind Feld ftreichen. 

Möwe, w., ſ. Mewe. r 

Muh, m, — es, o. M., vlt, f der Schimmel; daher mucheln, auch 
müchten, müchteln, meudteln, müdzen, zielloſ. Zw, mit haben, 
(ſchwed. mögel, dan, muel, fpan, mocho, Schimmel; lat, mucor, Schim— 
mel, mucere, ſchimmlig fein), landſch. gem. nad) Schimmel oder Mober, 
überh. verderben, anbrichig riechen od. ſchmecken, vergl, muffen, muͤffen; 
müchlig od. muchlig, Bw., verdorben, anbrüchig riechend od, ſchmeckend, 
vergl, muffig, niederd. muljterig. F 

Mud od. Muds, m., —,es, M. -e, gem, ein fhmwacher, Faum ver= 
nehmlicher, abgebrochener Laut, beſ. als Zeichen des Mifsvergnügens, der 
Verdrießlichkeit (nicht einen Muck od, Mucks von fi) geben); mucken, ziellof, 
Zw. mit haben, (ſchwed. mucka, dan, mukkez; lat, mutire, mussare; 
engl, mutter; griech. alte) 1) einen Muck hören laffenz landſch. aud) f. 
ſich regen, eine geringe Bewegung machen, zucken, einem verftohlne 
Winke geben (oberd. au moden, moceln, heimlich, verftohlen thun; 
vergl. maucheln); in diefen Bed, aud) verft, mudfen (er darf nicht muden od, 
muckſen; nit gut: muchfenz oberd. mudezen, altd. muchazan, mucki- 
zan); 2) gem, fs Mifdvergnügen oder uͤble Laune durch einzelne mürriſche 
Laute, durch Stillſchweigen und verdrießliche Mienen aͤußern, maulen, ſchmol— 
Yen; 3) landſch. gem. die Sache muckt, od, es muckt mit der Sache, d. i. 
fie hat einen verftedten Fehler, geräth ins Stodenz der Muder od, Mudfer, 
-8, die Muderinn, gem, 1) wer mudt, d. i. fi muͤrriſch, unwillig, 
trohig benimmtz 2) Mucker auch: wer böfe Abſichten unter einem 


Muͤcke — Mudde 207 


ehicfifchen, lauſchenden Stillſchweigen verbirgt; insbef, f. Heuchler, 
Frönmlerz daher die Muderei, Denke u, Handlungsweiſe eines Mus 
ckers, Heuchelei; mudern, zielloſ. Zw., landſch. f. fotternz die Mude, . 
M.-n, gem, fs uͤble Laune, muͤrriſches Schweigen und Betragen; bef. 
eine einzelne launiſche Eigenheit, Grille, fehlerhafte Gewohnheit, ver— 
ſteckter Fehler (er hat feine Mucken; einem die Mucken vertreiben; das Pferd 
hat Mudenz die Sache hat ihre Muden, d, i, verborgene Schwierigkeiten); 
mudifch, Bw., gem, f. Übellaunig, muͤrriſch, Taunenhaft, eigenfinnig, 

Müde, w., M.-n, Verkl. das Muͤckchen, (oberd, Mucke, niederd, 
Mügge, altd, muccha, angelf. mygge, engl, midge, ſchwed. mygga, island, 
my, böhm, maucha, poln, mucha; lat, musca, franz. mouche, griech. 
zvia, Fliege), verſchiedene Geſchlechter von Inſecten mit zwei haͤutigen, 
durchſichtigen Fluͤgeln, einem laͤnglichen Leib, langen Fuͤßen und einem 
ſtechenden Eaugrüffel; insbeſ. die in feuchten Gegenden häufig mit einem 
feinen Summen berumfliegenden, fcharfjtehenden Infecten: große Müde, 
Schnafe (die Müden fingen, d. i. fummen); und die gegen Abend ſchwarm— 
weife in der Luft ſchwebende Heinere Gattung (die Mücken tanzen od, fpielen) ; 
oberd, in weiterer Bed, auch f, Fliege, Bremſe und überh, geflüigelted In— 
ſect; Zſetz. der Muͤckenbaum, die Schwarzpappel; die Muͤcken- oder 
Muͤckente, eine Spielart der Löffelente, Fliegenentez der Muͤckenfang, 
Naturk. eine Art des Leimkrautes; auch die Pechnelke, weil an der klebrigen 
Feuchtigkeit dieſer Pflanzen die Mücken hangen bleiben; der Muͤckenfaͤnger, 
Fliegenſchnäpper; das Muͤckenfett oder -ſchmalz, ſcherzh. f. etwas nicht 
Vorhandenes (z. B. einen nad Mückenfett ſchicken, d. i. ihn in den April 
fhiden); das Mücenfraut, Flöh- oder Pfeiltraut, welches die Mücken ver: 
treiben follz die Mücenmotte, eine Art mückenähnlicher Dämmerungsvdgelz 
der Muͤckenſchimmel, f. v. w. Fliegenſchimmel; das Mücdenfehen, eine 
Augenfhwäde, indem man beweglihe, ſchwarze Flecden vor den Augen zu 
fehen glaubt (franz, mouche volante); der Müdenfeiger od, =feiher (nicht 
s fauger!), eig, wer Mücden aus einem Getränfe ausſeigt; uneig. wer es mit 
Kieinigkeiten fehr genau nimmt (bibl. Mücken feigen und Kameele verfchluden) ; 
der Müdenftachel; der Muͤckenſtich; der Mücdenwürger, eine Art des 
Hundekohls, Sliegenfalle; — Ableit. müdlich, Bw, (gew. micklich gefpr,, 
u, vielleicht von anderem Stamme) nieberd, f. klein, undeutlich (@. 8. füreiben), 

muden, Muder, mudern, muckiſch, mudfen, f. unter Mud, 

Mud, n. & Muth, f., -ed, M. -e, landſch. auch das od, der Mutt, 
Mütt, Muid, aud die Müdde, Verkl. das Müttlein (altd, mutti, 
mutto; angelf, midd, franz. muid; vergl, Maß, Metze, d, lat, modius, 

‚ griech. uödıos), oberd, ein Maß 1) fuͤr trockene Dinge, bei. Getreide, etwa 
ein Scheffel, in manchen Gegenden aber auch 4 bis 6 Scheffelz 2) für Flüfe 
figfeiten, insbeſ. fhweiz. ein Weinmaß = 1 Saum, oder 92 Maß; in 
Zirol cin Olmaß, weldes 120 Pfund hält. 

Mudde, m. oder Mudder, m., o. M., nieberd. f. Moser, Schlamm; 
uneig, f. die Sau; auch ein ſchmutziges Weib; mudden, muddeln, ziel, Zw,, 
niederd, gem, mit einem feuchten Tuche Schmuß oder Staub abwifchenz 
muddern, Zw, (holl, modderen, engl. muddle) 1) siellos, den Moder 
oder Schlamm aufrühren (ein Schiff mırddert, wenn es den Grund aufrührt) ; 

2) ziel, von Schlamme reinigen; mudderig, Bio, f. moderig, ſchlammig; 





208 müde — muffeln. 


muddig, Bw,, niederd. 1) f. ſchlammig, trübez 2) moderig oder faul 
ſchmeckend, def. von angefaultem Obſt, ſ. v. w. molſch, in diefer Bed, auch 
mudig, gem, mudike. 

müde, Bw. (altd, muodi, oberd, müed, niederd, möde, dän. mode, ſchwed. 
mod; von mushban, muoan, mühen, ſ. d,; alfo gleihf, abgemüht), durch 
Anftrengung, anhaltende Bewegung oder IThätigfeit, Wachen ꝛc. der 
Kräfte beraubt und der Ruhe beduͤrftig; ſinnv. matt, ſchläfrig, vergl, d, 
(fi müde gehen, arbeiten, fprechen; ein müder Wanderer); uneig. dnrch 
oͤftere Wiederholung, anhaltenden Genufs 2c, der Neigung oder Luft zu 
etwas beraubt, finnv, überdruüffig, fatt, mit zu und dem Inf, (man muſs 
nicht müde werden, Gutes zu thun), oder mir dem Gen. und gem. Acc. der 
Sache (des Lebens müde fein; das, r. deffen bin id) müde 26); müden, 
ziel, und zielloſ. Zw., vlt. f. mitte werden, milde machen, gew. ermüden 5 

vie Müdigkeit, alt aud) die Müde, niederd, Möde, das Muͤdeſein, finno, 
Mattigkeit, Scläfrigfeit. | 

Muff 1. m, -15, M. Muffe, b. ats Müffe, Verkl. dad Muͤff⸗ 

Hen, (andſch. auch w. die Muffe; engl. muff, ital, muffolaz vergl, d, 
niederd. Maue, hol, mouw, Armel), eine zur Erwärmung der Hände 
dienende Pelzhuͤlle, in Geftalt einer hohlen Walze, in deren Höhlung man 
die Hände ſteckt, oberd, ein Stützel, Stuser, Schlupfer, Schliefer genannt; 
muffeln, ziel. 3w., (engl. muflle) landſch. f. mummen, verhuͤllen; auch f. 
betruͤgen; daher der Muffel, -8, f. heuchleriſcher Kopfhänger, Schein— 
heiliger. 

Muff 2. m., -ed, o. M. (ital, muffa; vergl, Much, mücheln) oberd, f. 
Schimmel, Schimmelgeruch, überh. faulichter, uͤbler Geruch; vom 
Knaſter jedoch ein dem Tabacksraucher angenehmer Geruch (daher Muffkna— 
fter oder bloß Muff f. angenehm riechender Tabak); muffen od. müffen, 
auch verft, mufzen, müfzen, zietof, 3w, mit haben, nad Schimmel 
oder überh, -verdorben, uͤbel riechen oder ſchmecken (das Mehl, die Butter, 
das Wildbret mufft); muffig oder müffig, Bw., ſchimmelig, anbruͤchig, 
uͤbel riechend. 

Muff 3. m., —es, M. -e, landſch. ein dumpfer Laut, den große Hunde 
hoͤren laſſen; auch ein Hund, der immer mufft od, bellt, und gem, ein 
muͤrriſcher Menſch; daher muffen und verft, mufzen, zielloſ. Zw, 1) f. 
dumpf bellen; uneig. f, murren, maulen, ſchmollen (vergl, muden); der 
Muffer, die Mufferinn, wer murrt, ſchmollt; muffig, Bw. f. muͤrriſch. 

Muffel, mi, -8, M. w. E 1. (franz, mufle, Schnauze; verw, mit 
Mops, Moppel), landſch. gem, ein Ihier, bef. ein Hund mit dicken, herz 
abhangenden Lippen; in weiterer Bed, ein hafsliches Geſicht mit herab— 

hangendem Maute, Fragengefiht Muffelg efid 1); bef. in den bildenden 
Künften: eine Thierlarve; daher muffelig oder muffig, Bw., ein häfelis 
ches Geſicht habend; — der Muffel 2., f. muffein unter Duff 1, 

Muffel, w., M. -n (franz, mouflez wohl verw, mit Muff 1, und dem 
engl. muffle, landſch. muffeln, verhülen) Scheidek. eine gewoͤlbte irdene 
Stuͤrze zur Bedeckung der Kapellen; auch ein aus Porzellanerde beftehender 
Saften, der in einen Bratofen eingemauert wird, 

muffeln, 1. ziel, 3w. f. unter Muff 1.5 — 2. zielloſ. Zw. (oberd. mumpfen, 
mimpfen, niederd, mummeln, engl, mumbie, mufile) ein Schallwort, welches 

den 


* 


muffen — Mühle 209 


ben dumpfen Laut nachahmt, der beim Kauen mit vollen Backen od. mit 
ahnlofem Munde entftcht 5 daher gem. u, verächtl. f. kauen u. effen überh. 

muffen, müffen, mufzen, muffig ic f. unter Muff 2. und 3. 

Müger, m, -8, M. w. E., landſch. f. die Spitzmaus, Reutmaus. 

mub, ein Naturlaut, welcher dad Gebruͤll des Rindviehs nachahmt; daher 
muhen, ziellof. Zw. (oberd, muhezen, muchzen, mugen; lat, mugire, griech. 
gevrav), mul) fchreien, bruͤllen (die Kuh muht). 

mühen, 3w. (alt. muohan, muowan, muojan, müejen, urfpr. bewe— 
gen, tann: durch Bewegung ermüden,, plagen; nieberd. moien, mogaenz 
vergl. d. lat. movere, bewegen; griech. zoyeiv, arbeiten) 1) ziel. einen-, 
gew. bemühen, ihm Mühe machen (bibl. was müseft du den Meifter 2); alt 
u. landſch. auch f. Eränfen, Summer verurſachen; 2) rückz. fih-, feine 
Kraft anftrengen, gew. fi) bemühen, ſich Mühe geben; alt u. landſch. 
auch f. fi) grämen, härmen, bekuͤnmern; 3) unp. ed muͤhet mich, f. 
es kraͤnkt, verdrießt mic); die Mühe, M.-n, (atd. mucha, muoja; 
oberd. Müe; niederd. Moie, Moitez ſchwed, möda, dän. mode; vergl. d. griech. 
10705, zöz90s), Unftrengung der Kräfte, ſowohl des Körpers, wie des 
Geiftes keinem Mühe machen; ſich (mir) Mühe geben, d. i. feine Kräfte ans 
ſtrengenz fi viele Mühe um, mit, bei etwas geben; viele Mühe auf etwas 
wenden ; Keine Mühe fheuen, ſparen; ſich die Mühe nicht verdriegen Laffen z es 
koſtet Mühe; es ift nit der Mühe werth, lohnt nicht die Mühe, od. es lohnt 
der Mühe nicht, f. lohnen) z alt u. landſch. f. Gebrechen, Befchwerde, Sram, 
Sorge, Kummer, Leidenz in der M. die Muͤhen auch hochd. dicht. (die 
Mühen des Lebens); — Bfeg. mühelos, abgek. mühlos, Bw., ohne Mühe, 
keine Mühe habend cher verurfahendz; die Muͤhloſigkeit; muͤhevoll, abgek. 
mühvoll, Bw., viel Mühe habend oder verurfadendz; voll Beſchwerde, Leid, 
Kummerz die Mühwaltung, bef. Kanzl. f. mit Mühe verbundene Thätig— 
keit, übernommene Bemühung; — Ableit. mühlich, Bw. (attd. müelich), 
vlt, ſ. v. w. mühfam, befhwerlich ; die Mühfal, M. -e, b. als das Muͤh— 
fal, -e6, M. -e, der Zuftand, da man Mühe hat, od. Befchwerden, 
Kummer ꝛc. leidetz auch die Befhwerd?, der Kummer, das Leiden ſelbſt; 
mühfelig, Bw., mit Mühfal verbunden, höchſt befchwerlich (eine mühe 
felige Arbeit, ein mühfeliges Leben); Mühfal erduldend, Fummervoll, elend 
(bibl. kommt her zu mir, die ihr mühfelig und beladen ſeid) z die Muͤhſelig⸗ 
keit, dad Muͤhſeligſein, die muͤhſelige Beſchaffenheit; auch eine mühe 
ſelige Sache, Beſchwerde (M. Mühſeligkeiten); muͤhſam, Bw., mit Mühe 
verbunden, Kraftanſtrengung erfordernd (eine mühſame Arbeit); geneigt 
und gewohnt Mühe anzuwenden (ein mühſamer Menſch) 3 die Mühfamse 
keit, dad Mühfamfein in beiden Bed. 

Mühle, w., M,-n, Verl. dad Mirhlchen, (altd. muli, mulin; 
oberd. Mül, Müti, auch Mülin, M. Mülinen; niederd. Möle, ſchwed. mölla, 
dän. molle, ieländ, mylna, engl. mill, franz. moulin; lat. mola, gried). 
gl); von mahlen, f. d.), eig. eine Mafchine od. ein Triebwerk mit Rätern, 
Walzen, Steinen 2c. zum Mahlen oder Zermalmen fefter Körper (Kaffee:, 
Hanf⸗, Senfmühle zc.), insbef. zum Mahlen ded Getreides zu Mehl, Korn: 
od. Mahlmühle (Hand, Waffer:, Wind, Roſs-, Schiffmühle; fpridw. 
das ift Waffer auf feine Mühle, d. i. feinen Abſichten gemäß, ihm erwünscht) 5 
MU, auch ein einzelner Gang der Mühle; in weiterer Bed, auch ähnliche, 


Heyſe's Handwörterb. d, deutſchen Spr. 2, Theil. 14 


210 Muhme — Mulde 


bef. von Waffer oder Wind in Bewegung geſetzte, Triebwerke nicht bloß zum 
Zermalmen, fondern auch zum Zerfchneiden, Schleifen, Walken u, überh. 
zur Verarbeitung verfchiedener Stoffe (3. B. Loh-, Marmor:, Hl⸗, Papier:, 
Pulver:, Säge: od. Schneide, Schleif-, Walkmühle 2c.); ferner ein befanns 
tes Brettfpiel, das Muͤhlenſpiel (Mühle ſpielen) ʒ und in dieſem Spiele die 
Stellung dreier Steine in gerader Linie (eine Mühle haben, bie Müpte auf: 
und zumadenz eine3widmühle, Doppelmühle, wo man durch Offnung der 
einen Mühe zugleich die andere zumacht); — Z3 ſetz. der Mühlarzt, gem. ein 
Müller, welder den Mühlenbau verftehtz der Mühlbach, Bad, welder 
eine Mühle treibt; der Mühlburfh, = -fnappe, = fnecht, Müllergehütfe, for 
wohl Gefell als Lehrling; das Muͤhleiſen, die eiſerne Achſe, um welche ſich 
der obere Mühlſtein drehtz der Mühlgang, f. Gang ; der Mühlgaft, f. v. w. 
Mahlgaſt; das Mühlgebiet, in Getreibemühlen das Geftell, auf welchem ſich 
der Stein, der Lauf u. der Rumpf befindet; die Mühl- od. Mühlengerechs 
tigteit, das Mühlcecht, die Befugnife eine Mühle zu halten; das Mühlges 
inne, f. Mahlgerinnez der Mühllauf, die hölzerne Einfaffung, in welder 
der Mütitein läuft; der Mühlmeifter, Borgefenter einer Mühle, Müller; 
die Mühlmese, ſ. Mahlmetze; der Mühlpfahl, f. Eihpfahlz dad Mühl: 
rad, das Waſſerrad, welches eine Mühle in Bewegung fest; der Mühlfteiger, 
Berg. ein Steiger, welcher bei den Pochwerken und Zinnwäſchen die Aufſicht 
führt; der Mühlftein, ein großer, platter, feheibenförmiger Stein, der zum 
Zermalmen des Getreides dient; uneig. landſch. f. Engelgrofchen ; der Mühl- 
wagen, ein Wagen, auf welchem Getreide u. Mehl nad) u. von einer Mühle 
geführt wird; dad Mühlwafler, ein Waffer, welches eine Mühle treibtz 
das Mühlwerk, Triebwerk einer Mühle; — der Muͤhlenanker, ein Anker, 
welcher eine Schiffsmühle feſthältz der Muͤhlenbau, die Muͤhlenbaukunſt; 
die Muͤhlenordnung, obrigkeitliche Verordnung für die Müller; der Muͤh 
lenſchreiber, ein vereidigter Aufſeher bei einer Muͤhlenwage, in welcher das 
in die Mühle gelieferte Getreide und das daraus erhaltene Mehl gewogen wird; 
das Muͤhlenſpiel, ſ. o. Mühle; der Muͤhlenteich, ein Teich, in welchem 
das für eine Mühle nöthige Waſſer ſich ſammelt ;. der Muͤhlenzwang, die 
Verbindlichkeit, fein Getreide in einer gewiffen Mühle mahlen zu laſſen ‚und 
das Recht, Andere dazu anzuhaltens — Ableit. der Mühler, Mühlner, 
oberd. f. Müller, f.d. 
Muhme, w., M, -n, Verkl. das Muͤhmchen, (altd. muoma, oberd. 
Muem, Maim, niederd. Moje, Möne; Nebenform von Mamaz vergl. d. lat. 
matertera von mater), des Vaters oder der Mutter Schwefter, die Bafe, 
gew. Tante, auch des Oheims od. der Tante Tochter, Bafe (fr. Goufine) 5 
in weiterer Bed. jede weibl. Seitenverwandte; Yandfch. uneig. f. Kinderwaͤr— 
terinn (Kindermuhme); Landw. auch eine Auffeherinn ber das Bich (Vieh: 
muhme) 3; ehem. auch f. Geliebte, Beiſchläferinn; der Mühmling, -e8, M.-, 
alt und noch dftr. f. Bermandter, bef. von mütterliher Seite; die Muhms 
ſchaft, vie. f. Verwandtſchaft. 
Mühfal, muͤhſam, mühfelig, Mühwaltung, f. unter — 
Muid, f. Mud. 
Muive, w., M.-n, (altb. muoltra, mulda; oberb. — Multer, 
Mueltern; niederd. Melde, Molle, Molge; angelſ. mele; wahrſch. verw. mit 
mahlen, Mehl, alſo urſpr. Mehltrog), ein laͤngliches hoͤlzernes Gefaͤß in 





Ber 


Mulje — Mumme | 21 


Geftalt einer halben ausgehöhtten Walze, Eleiner als ein Trog (Bade, Fleiſch— 
mulde 2c.) 5 Bergmw. eine muldenförmige Vertiefung in den Ftözen; dad Muls 
dengewoͤlbe, Bauf. ein muldenförmiges Gewölbe; auch f. Kreuzgewblbe; die 
Muldenmufchel, Napfmuſchel. 
Mulje, w., niederd. ein dur) Damme abgefchloffener Hafenraum, 
Mull, m., -d8,M. -e, die rothe Meerbarbe (Mullus barbatus L.) ; die 


- Kaulquappe, aud Müll, Müller. 


Mull od. Mül, f., - ed, 0. M. (landſch. aud Mil, Moll; goth. mulda, 
altd. moltaz angel. mold, engl. mould, ſchwed. mullz; vergl. Molt, Mutm, 
Gemüt, Maulwurf), kef. niederd. f. lockere Erde, Stauberde, Schutt, 
Kehricht; mullen od. müllen, ziel. Zw. (a’td. mulian) landfd. f. zerreiben, 
zermalmen, zerquetfchen, 

Mulle, w., M. -n, 1. ſchwäb. f. Katze, als Schmeihelmort ; 2, ein Fiſch. 

Müller, n., -8, M. w. E. (unächſt von müllen f. mahlen, od. durch 
Verkürzung des altd. mulinari, mulnere, oberd. Mülner von Mühle herzu: 
leiten; isländ. mylnari, ſchwed. mjölnarez niederd. Möller, engl. miller), wer 
zu mahlen oder einer Mühle vorzuftehen verfteht, bef, wenn er zugleich Ei— 
genthuͤmer oder Pächter einer Mühle ift, Mühlmeifterz Natur. eine Art 
Stachelboͤrſe; die Kaulquappez — 3fes. die Müllerart, eine kleine Art, 
welche die Müller ehem. zur Zierde trugen; müllerblau od. müllerfarben, 
Bw., weißlich blau, wie ſich die Müller zu Leiden pflegenz der Millerburfch 
od. =Fnecht, |. Müptburfh 5 der Müllerefel, ein Ejel, welcher Getreide: u. 
Mehlſücke trägt; der Müllerfäfer, eine Art Mehlküfer; auch f. Juliuskäfer, 
1. d.5 der Müllerkarren, = wagen; die Müllerwage, ein Werkzeug, womit 
man das Waffergefälle zum Behuf des Müplenbaues unterfuhtz der Müller: 
wein, die Muͤllerrebe, = traube, eine aus Burgund ffammende Weinfortez — 
Ableit. das Müllerchen, - 8, landſch. f. die geſchwaͤtzige Grasmuͤcke; die 
Miüllerinn, Ehefrau eines Müllers. 

Mülling, m., —es, M.-e, landſch. f. die Elritze. 

Mulm, m., Ses, 0. M. (landſch. auch Melm, Mölmz v. mahlen, mal: 
men; vergl. Mull, Malm), lockere Stauberde; Bergw. ausgewittertes, 
lockeres Erz (Eiſen-, Kupfermulm); auch f. verfaultes, in Staub zerfallendes 
Holz, u. f. Faͤulniſs ſelbſt (der Baum hat den Mulm); mulmicht, Bw., 
dem Mulm aͤhnlich; mulmig, Bw., Mulm enthaltend, daraus beſtehend; 
verwittert, bröcfelig (mulmiges Erz) 5 faulend (mulmiges Hol;); mulmen, 


+ Bw. 1) ziel. zu Mulm machen; 2) zieltos, zu Mulm werden, 


mulfh, Bw., f. molſch; mulfig od. mulfiht, Bw., landſch., durch 
Froſt u. nachherige Erweichung verdorben (die Trauben ſchmecken mulſicht). 

mulfterig, Bw. (engl. mouldy) niederd., ſchimmlicht, nah Schimmel 
riedyend oder ſchmeckend, vergl. muffig, müchlig. i 

multern, ziellof. Zw. (v. Molt, Mull, f. d,) landſch. ſ. v. w. mulmen, 
in Staub zerfallen; multerig, Bw., ſ. v. w. mulmig. 

Mumie, w., Mi -n (wahrfd). verw. mit d. arab. muma, Wade, Eopt. 
mum, Erdharz), eineinbalfamirter u. ausgetrockneter Leichnam, Doͤrrleiche. 

Mumme 1. w., M.-n, landfe. f. ein verſchnittenes Ihier, 

Mumme?. w., o. M., ein dickes, ſchweres, dunkelbraunes Bier, 
welches in Braunſchweig gehraut wird (angeblich nad) feinem Erfinder, Chrift. 
Mumme, 1489). 


14* 


212 Mumm — Mund 


Mumme3., Mummel, Muͤmmel ıc f. unter mummen. 

mummeln1. ziellof. 3w. (aud) mumpeln, oberd. mumpfeln 5 holl. momme. 
len, mompelen, engl. mumble, mump), nieberd. den dumpfen Raut mu 
od. mum hören laffen, wie/die Kühe; undeutlich ſprechen; murmeln, heim⸗ 
lich und unvernehmlich reden; vorn im Munde oder ohne Zähne kauen, 
vergl. muffeln, 

munmen od. landfch. gew. mummeln 2. ziel. 3w. (engl. mumm; ital. 
mommiare), einhüllen, verhuͤllen, bef. das Gefiht, verkappen, unkennt— 
li) machen, gew. nur ein= und vermummenz die Mumme, M.-n, 
(holl. momme; vergl. d, engl. mummer, franz. momeur, ein Vermummter) 
vlt. f. Larve, Maske (Mummen gehen oder laufen, ehem. f. masfirt einher: 
gehen) ; daher das Mummengeficht, e Fleid 20, , das Mummenfpiel, ehem. 
die Mummenfchanz (f. Schanze), ein Spiel, eine Yuftoarkeit, wobei man vers 
munmt erfheint (fr. Masferade); die Mummerei, M.-en, das Ver— 
mummen, Verkleiden, Unkenntlichmachen durd; Larve u. Kleidung; auch 
f. Mummenfpiel; uneig. f. VBerftellung, Taͤuſchung; — der Mummel, 
—s, M. w. E., gem. ein ertichtered Schreckbild für Kinder und abergläus 
bifhe Leute, durch eine vermummte Perſon vorgeſtellt, landſch. auch M ums 
mart, Mummanz, Mummelad, Mummelmann zc. genannt, an 
andern Orten: Bumann, Bugemann, Wauwau, aud der fihwarze Mann » 
Kinderfreffer; — die Mümmel, M. -n, oder das Mümmelchen, - 
niederd. f. Wafferlilie, weiße, od. gelbe Sceblume, weiche legtere auch * 
Muͤmmelkraut genannt wird (wegen des Verſtecktſeins od. der Bermummung 
der Pflanze unter dem Waffer, aus welchem nur die Blüthen Hervorragen). 

mumpfen, mumpfeln, zieltof. 3w., oberd. f. mummeln 1., muffeln, ſ. d. 

Mund 1., m, — es, M. Münde oder Münder ungebr.; Verkl. dad 
Mündchen, Muͤndlein, (gotk. munıhs, altd. muntz dan. u. ſchwed. 
mund, island. munnr; angelf. mudh, engl. mouth; verw. mit d. lat. man- 
dere, fauen?), 1) eig. der von den Lippen verſchloſſene, Zähne, Zunge us 
Gaumen enthaltende Raum zwilchen den beiden Kinnbacken im Geſichte 
ded Menfchen, zum Ein: und Auslaffen der Luft, zum Einnehmen der Nah: 
rungsmittel u. zur Auslaffung der Stimme u, Bildung der Epradjlaute die 
nend, niedr. das Dia [, vergl. d.z in engerer Bed. bloß die äußere Munde 
Öffnung und die | Kıppen, (ein Eleiner, fhörer, breiter Mund 2c.; einem das 
Brod vor dem Munde wegnehmen, d. i. ihm die Nahrung entziehem; mit trocke— 
nem Munde weggehen, d. i. nichts zu effen u. zu trinken befommenz einem ben 
Mund wäfferig machen, d. i. ihn lüftern, brgierig nad) etwas machen; dem 
Mund nidt aufthun, d. i. nicht reden; den Finger auf den Mund legen, zum 
Zeichen des Schweigens 5 reinen Mund halten, d. i. ein Geheimniſs verjchweigenz " 
in Aller Munde fein, d. i. der allgemeine Gegenſtand des Geſprächs; die Nach— 
richt. geht von Munde zu Munde; einem das Wort aus dem Munde nehmen, 
d. i. eben das fagen, was der Andere fagen wollte; etwas immer im Munde 
führen, d. i. immer davon fprechen 3 oberd. Kanzl. von Mund aus fi mind: 
lid) ; :2) uneig. f. Öffnung, Ein = od. Ausgang, vergl. Muͤnde, Muͤndung, 
nur in einigen Fällen, (z. B. der Mund einer Kanone, der Magenmund, Mut: 
termund, f.d.); — 3fes. die Mundart, eigenthümliche Spredmeife einer 
Gegend od, eines Ortes, die von der Hauptſprache nicht nur in der Ausſprache, 
fondern auch in den Wortformen u. Wörtern ſelbſt abweicht (fr, Dialekt; ober 


Mund 213 


beutfche, nieberdeutfhe Mundart 2c.); mundartifch od, mundar:lich, Bw., 
einer Mundart eigen ober angehörig; der Mundarzt, Hof: Zahnarzt; der 
Mundbaͤcker, an Höfen ein Bäder, welder nur für oe herrſchaftliche Tafel 
zu baden hatz der Mundbedarf, Bedarf an Lebensmitteln (fr. Proviant)z 
der Mundbiffen, ein Biffen, fo groß man ihn gewöhnlich in den Mund nimmt z 
die Mundfaäule od, -Faͤulniſs, ine Krankheit des Mundes, wobei das Zahn: 
fleiſch ſchwillt und blutet, |. Scharbeckz der Mundfiſch, landſch, f. Atant od, 
Jäſez das Mundgut, landic. f. Eſs- od, Mundwaaren; daher die Munds 
gutſteuer; die Mundklemme, krampfhafte Zuſammenziehung u. Verſchlie— 
Hung des Mundes, der Kinnbackenzwang, gem, die Maulſperrez; der Mund— 
koch, an Höfen ein Koch, welcher bloß für die herrſchaftliche Tafel die Speifen- 
bereitet; die Mundkuͤche, deſſen Küche, verſch. Hofküche; der od. das Munde 
lad, Feine, runde, von Weizenmehl gebadene Scheibdien, deren man fid 
ftatt des Siegelladts bedient (fr. Oblaten); das Mundleich (v. Leid) 2.), an 
Wafferfünften, die Außerfte Röhre, aus deren Mündung das Waffer aufiteigtz 
der Mundleim, aus Haufenblafe bereitster Reim, welchen man mit dem Munde 
befeuchtet; das Mundloch, die Offnung oder Mündung eines hohlen Raumes 
(3. B. eines Dfens, eines Flintenlaufes); Bergw. der Ausgang eines Stolleng 3 
Hüttenw, die obere Offnung des Ofens; an einer Flbte das Loch, in welches 
«man bläſ't; der Mundpropf, der Propf, womit die Mündung eines Geſqützes 
verwahrt wird; der Mundraub, Schiff. was beim Ein: u, Ausladen efsbarer 
Waaren von dem Schiffsvolk zugeftandenermaßen genommen worden; mund— 
recht oder = gerecht, Bw., dem Munde reht, angemeffen, anpaffend, zum 
Eſſen oder Sprechen; der Mundreif, Keif an der Mündung der Kanonen z 
die Mundrofe, Rofenmalve oder = pappel; der Mundſchenk, -en, werfen 
Geſchäft es ift, einem Andern das Getränk, bef. den Wein einzufhenfen und 
dar zureichen, ein Hofbeamter (Groß-, Obermundſchenk 2c.) ; daher das Munds 
fchenfenamt; der Mundfpatel, ein Spatel ver Wundärzte, womit Kindern 
die Zunge gelöfet wird; das Mundſtuͤck, 1) der Theil eines Dinges, Werk: 
zeuges ꝛc., welder in ben Mund genommen wird (3. B. einer Tabackepfeife, 
einer Trompete, eines Hornes 20,5 an einem Pferdezaume das Gebijs); 2) der 
Theil, welcher die Mündung enthätt od, ausmacht (das Mundſtück einer Kanone); 
3) gem, ſ. v. w. Mund: od. Maulwerk; der Mundtheil,der Theil von Nah: 
zungsmitteln, welcher für eine Perfon beftimmt ift (fr, Portion); dad Munde 
tuch, ein Tud zum Abwifchen des Mundes beim Effen (fr. Serviette); der 
Mundvoll, eig. x. getrennt ein Mund vell 2c, (vergl. Handvoll), fo viel der 
Mund auf einmal faſſen Fannz der Mundvorrath, Vorrath au Lebensmitteln 
(fr. Proviant); das Mundwaffer, ein den Mund reinigenbes, heifendes od, 
ſtärkendes Waſſer; der Mundwein, für die herrſchaftliche Tafel beftimmter 
Wein; dad Mundwerk, gem, Maulwerk, |. d.5 der Mundwinkel, die 
von den Lippen zu beiden Seiten des Mundes gebitdsten Winkel; — Ableit. 
munden, ziellof, 3m. m. haben, dem Munde behagen, wohl ſchmecken 
(dev Wein mundet mir); münden, ziellof, Zw. m. haben, in eine Öffnung ⸗ 
od. Mündung ausgehen, beſ. von Flüſſen f. auéfließen, ſich ergießen (die 
Elbe mündet in die Nordſee); die Muͤnde, M. -n, der Ausflufs eines 
Fluſſes (def. in EN, wie Angermünde, Swinemünde, Warnemünde; oberd, 
das Gemünd, ſ. d.; außerdem gew. Mündung); die Mündung, M. -en, 
überd, die Öffnung, der Ein= =.0d Ausgang eines Dinged, dad Munds 


214 Mund — munter 


loch (3.8, eines Gefüßes, einer Kanone, eines engen Thules 2c.) 5 insbeſ. 
der Ausfluſs eines Fluſſes od. überh, eines fliegenden Waffers in einen Fluſs, 
einen See oder das Meer; mündig, Bw,, 1. einen Mund habend, nur in 
5feg. wie groß:, klein-, rothmündig 2.5 2, ſ. Mund 2,5 mündlich, Nw, 
und Bw., mit dem Munde, fofeen derfelbe das Sprachwerkzeug ift, alfo in 
gefprochenen Worten, perfönlich und unmittelbar, entg, ſchriftlich (einem 
etwas münblich mittheilen 3 eine mündliche Nachricht, ein mündliches Verfprechen) 5 ; 
die Mündlichkeit, das Mündlichfein, muͤndliche Berfahrn, 

Mund 2. mw, 0, M, (altd, munt, angelf, mund, urjpr, Hand, wie auch 
das isländ. mund, verw. mit d. lat, manus, daher noch oberd, das Gemünd, 
ein Maß von der Breite der Handfläche), vlt. f. Schutz, Schirm, Fuͤrſorge; 
daher der Mund, — es, M. Muͤnder, vlt. f. ein freier, vermögender Mann, 
Beſchuͤtzer, Ehemann; dee Bormund, f. d, (altd, foramunto); die vlt, 
Mundgeld, Schusgeld, Vogtzins; Mundherr, Shugherr, Gönner; 
Mundmann, M. Mundleute, Schugverwandte;s munden, ziel, Zw, 
(altd, munton, angelf, mundan, mundian), beſchützen, beſchirmenz die 
Mundfhaft, das Verhaltnifs zwifchen dem Schirmheren und den Schug: 
befohlenenz; und die noch üblihen Ableit. der Muͤndel, —8, M. w. E., 
von weibl, Perfonen auh die Mindel, u, für beide Befät, dad Muͤndel; 
landſch. au der Mündling, das Mündlein, eine unmuͤndige, der Elke 
forge eine Vormundes anvertraute Perfon, beſ. ein älternlofes minder— 
jähriges Kind im Verhältniis zu feinem Vormunde (fs. Pupille) 5; daher das 
Mündelgut, der Mündelrath, das —— (fr. Pupillenrath, = ge: 
richt) ; die Mündelfache x; mündig, Bw., im Stande fi) ſelbſt zu be— 
ſchuͤtzen, in dem Alter u, Zuftande, ſich felbft gefeglich vertreten u, vertheidigen 
au Eönnen, der väterlichen od. vormundfchaftiichen Gewalt entlaffen, groß-, 
volljährig (fr. majorenn); in weiterer Bed, überh. fähig ſich ſelbſt zu leiten 
u. frei zu Handeln; die Mimdigfprechung od. smachung; die Mündigs 
keit, das Mündigfein, die Großjährigfeit. 

munten, gew. munfeln, zieltof. 3m. m, baben, (hol, moncken, moncke- 
len; oberd, auch maunkeln; isländ, mögla; verw, mit mauchen, meudeln) 
landſch. gem, f. trübe fein, dunkeln (es munkelt, als wern es regnen wollte); 
heimlich handeln u. bef. reden (man munkelt davon, d. i. man ſpricht heim: 
lich davon; ſprichw. im Dunkeln ift gut munfeln); munfen od. munffchen, 
oberd, auch f. muͤrriſch, verdrießlich thunz munfelig, Bw., niederd, f, triibe, 
nebelig; der Munker, -8, vit, f. Späher, Berräther, 

Miünfter, fe (nicht gut m.), -8, M. w. ©. (engl, minster, ſchwed. 
mönster 26.53 vom laf, monästerium, altd. munistri, Klofter, Stift), eine 
Stiftöfirche als weſentlicher Theil eines Stiftes, Doms, Hauptkirche (5.8 
das Straßburger Münfter). 

munter, Bw, (altd, muntar), urfpr, Förperlich beweglich, raſch, hurtig, 
lebhaft, aufgeweckt, entg, träge, langfam (ein munteres Pferd, Kind 26,5 
munter! ald Aufmunterungsruf) 5 in engerer Bed. wach, nicht fchlafend, 
nicht fchläferig, (munter werden, d, i, erwachen; einen munter machen ꝛc.)3 
in weiterer Anwendung f. gefund, friſch, heiter, lebendig (dev Kranke ift 
heute viel munterer; muntere Augen, Gefihtsfarbe u, dgl); geiſtig aufge— 
weckt, lebhaft, frohfinnig, luſtig (ein munterer Kopfz ein munterer Gefell- 
ſchafter, Scherz u. dgl,); uneig, auch von Farben und Tönen: hell, lebhaft 


Münze * muͤnzen 216 


(muntere Farben; ein munteres Tonſtück 2c.); die Munterkeit, dad Munter⸗ 
fein, die muntere Beſchaffenheit; muntern, ziel. Zw. (altd, munteron, 
muntrian), munter machen, nur gebr. in aufs, ermuntetn. 

Münze 1. w., o. M. eig. r. Minze, f. d. (alt, minza, nieberd, Minte, 
dan. mynte, engl. mint; lat. mentha, gried. wlvd«, alv9y), ein wohls 
riechendes Pflanzengefchlecht mit röhrenförmigem, vierfach eingeſchnittenem 
Blumenblatt, vier Staubfäden von ungleicher Länge zc., von verfchiedenen Arten, 
bef. die zahme od. Gartenmünze, die grüne od. Frauenmünze, die Eraufe Münze, 
gew. Kraufemünze, f. d., die rothe Münze im füdl. Europa, die Bach-, Fiſch-, 
Pfeffer:, Roſs- od. Pferdes, Acker-, Spitzmünze 2c. auch verfchiedene andere, 
an Geruch oder Geftalt der Minze ähnliche Pflanzen, 3. B. eine Art des 
Bienenkrautes: Bergmünzez die Feld: oder Wafferkreffe: Bachmünze; 
das Katzenkraut: Katzen münze; das gemeine Dürrkraut: gelbe Münzerc.; 
der Münzbalfam, aus der Münze bereiteter Balſam; aud) f. Frauenmünze. 

Münze 2. w., M.-n, (alt. muniza, munze, niederd. Münte, engl. 
mint, money, dän. mint, ſchwed. mynt, bbhm. mince, franz. monnaie; 
vom lat. moneta) 1) geprägted Metall, und, zwar ein einzelnes gepraͤgtes 
Stuͤck, Geldſtuͤck od. Schaumuͤnze (eine Gold-, Silber-, Kupfermünze, 
Gedähtnifs:, Denkmünzen 2c.), oder als Sammelwort: Geld, beſ. kleines 
Geld (Silber-, Kupfer-, Scheidemünze, Landmünze 2c.5 ſprichw. einen mit 
gleiher Münze bezahlen, d. i. ihm Gleiches mit Gleichem vergelten); 2) dad 
Haud und die Anftalt, wo Münze oder Geld geprägt wird, die Minze 
anſtalt; bisw. auch f. dad Muͤnzrecht; — 3fes. dad Münzamt; der 
Muͤnzbeamte or. = bediente; dad Münzeifen, f. v. w. der Münzftempel; 
der Münzfälfcher oder = verfälfcher, wer Münzen verfülſcht, 3. B. duch 
Befhneiten ; auch f. Falſchmünzer ; die Muͤnzfaͤlſchung, od. = verfaͤlſchung; 
der Münzfuß, die obrigkeitl. Beftimmung des Gewichtes u. Gehaltes (Schro: 
tes und Kornes) der gangbaren Münze (vergl. Fuß); die Münzgerechtigfeit 
od. dad Münzrecht, das Recht Münzen zu prägen; der Muͤnzherr, ein Her, 
welcher das Recht hat, Geld zu ſchlagen; ehem. in Reihsftädten ein Auffeher 
über die Münzanftalt; der Münz= od. Münzenkenner (fr. Numismatiker); 
die Münz= od. Münzenkenntnifs; die Münze od. Münzenfunde, =Iehre, 
» wifjenfchaft (fr. Numismatik); der Münzmeifter, Vorgefeste einer Münze; 
die Muͤnzordnung, landesherrliche Verordnung über das. Münzweſen; die 
Münzenfammlungz; der Münzichlag, das Schlagen, Prägen der Münze; 
die Münzforte, Münzartz die Münzftadt, eine Stadt, welche dag Münz— 
recht hat, oder in welcher fih eine Münganftalt befindet; die Muͤnzſtatt oder 
eftätte, ein Ort, wo Geld geprägt wird, die Münze; der Münzwardein, 
Münzprüfer (f. Wardein); dad Muͤnzweſen, Alles was die Münze und das 
Münzen betrifft 3 das Münzzeichen, Zeichen der Münzftadt auf den Münzen; — 
Ableit. münzen 1. ziel. Zw. (altd. munizon), Metall prägen‘, Münzen 
ſchlagen (gemünztes Silver; das Recht zu münzen haben ; uneig. neue Wörter 
münzen, d. i. bilden und einführen); der Münzer, -3, die Münzerinn, 
wer Münzen prägt; bef. in dem zgeſ. Falſchmünzer. 

muͤnzen 2. ziel. Bw. (vergl. das oberd. mündeln, vermuthen; altd, 
mindjan, gedenken ; angelf. myntan, halten, beffimmen, fchott. mint, etwas 
vorhaben, darauf zielen; engl. mind, Geift, Gefinnungs; vom gothb. munan, 
denken, meinen, f. d.) gem. etwas auf einen oder auf etwas muͤnzen, 


216 Mur — murmeln 


— 


d. i. mit einer Handlung od. Rede darauf zielen, es darauf abfehen, im- 


Sinne haben (3.8. das war auf mic) gemünztz er hatte es auf dich gemünzt; 
darauf war 68 nicht gemüngt). 

Mur od. Murre, w., M. -en (wahrſch. verw. mit maro, mar, mürbe, 
ſ. d.), in Tirol: Sand und Steingetriimmer,, welched vom Gebirge in 
die Thale Ebene niederrollt (trodene Mur), oder von Wetterbaͤchen 
herabgeſchwemmt wird (naffe Mur), daher der Murbruch, — 
Sandlauwine. 

Muraͤne, w., M.-n, verſchiedene eſebare Fiſche: 1) ein dem Aal 
ähnlicher, ſehr fchmackhafter Seefiſch, der Meeraal (lat. muraena, griech. 
pügewe); 2) ein dem Lachs ähnlicher Fifch in Pommern, Lahemuräne 
(Salmo muraenaL ); 3) ein dem Häring ähnlicher weißlicher Fiſch in den 
Seen der Mark Brandendurg, Schlefiens und Pommern: (gew. Maräne od. 
Moräne genanntz vielleid;t v. Moor 2). 

mürbe, Bw. (oberd. mar, mär, mürw; niederd, mör; altd. maro, maraw, 
muraw, mürwe; angelf. mearu, mearv; ſchwed. mör, dan. mor, franz. 
mür), bröcflig, leicht zerbrechlich, in Folge innerer Auflöfung leicht zer— 
fallend, finno. morſch, entg. feft (Holz, Stein); insbef. von eföbaren Dingen, 
leicht zu Fauen, ſinnv. weich, locker, entg. hart (mürbes Obſt, Fleiſch, Ge: 
bäch; uneig. f. matt, entkraͤftet, gtbrechlich; biegſam, nachgiebig (einen 
mürbe machem); die Muͤrbe od. Muͤrbigkeit, das Muͤrbeſein, die muͤrbe 
Beſchaffenheit; muͤrben, zielloſ. zw. m. fein, mürbe werden (die Äpfel 
mürben ſchon). 

Murchel, w., M. -n, landft. f. Kelleraſſel, Kellerwurm. 

murken, auch murkeln, murkſen 1. ziel. Zw. (goth. maurgjan, abſchnei— 
den, kürzen; lat. murcus, verſtümmelt; mittl. lat, murcare, abbeißen) landſch. 
f. ſchneiden, brechen (z. B. den Flachs murkeln, d. i. aus dem Groben brechen), 
ſtuͤmmeln; abſchlachten, morden (beſ. murkſen, abmurkſen); daher der 
Murk, -ed, M.-e, 1) oberd. ein Stuͤck Brod, ein Brocken; 2) ein 
kleiner "unanfehnlicher Menfch, in biefer Bed. gew. Murks; murffig, Bw., 
gem. f. Flein und unanſehnlich. 

murks, cin Säallwort, weldes den groben, —— Laut der 
Schweine nachahmt; daher murkſen 2. zielloſ. 3w., dieſen Laut hören 
laffen; uneig. gem. f. murren, Unzufriedenheit oder üble Laune Außernz der 
Murfs od. Murk, landſch. gem. f. ein mürrifcher Menſch, Murrkopf. 

Murkftein, m., ein aus Glimmer, Quarz und Öranat geuijgteb 
Geſtein, mit Granat gemengter Glimmerfchiefer oder Geftellftein. 

murmeln, ziellof, u. ziel. Zw. (ein Schallwort; altd. murmulon, mur- 
milon; dan, murmle, engt, murmur, franz. murmurer, lat. murmurare, 
griech). roguvosır ; vergl. murren) einen gelinden zitternden Laut, ein dum— 
pfes, ſanftes Geraͤuſch hervorbringen od. hören laffen (ein murmelnder Bad) 5 
bef. mit gedämpfter Stimme unvernehmlich reden, heimlich von etwas 
fprechen (einem etwas ins Ohr —, unverftändliche Worte; man murmelt 
davon); ehem. aud) f. murren; der Murmelbach, die Murmelquelle; der 
Murmelbraffen, = fifch, eine Art Meerbraffen, welche mit dem Maute Luftz 
blaſen ausfteigen Läfjt ; dad Murmelthier, (altd. murmenti, oberd, u. ſchweiz. 
Murmentel, Murmentle, Murmeten; ital. marmoutana, franz. marmottez - 
wahrſch. nicht v. murmeln, fondern aus mure montano, Bergmaus, verderbt), 


| 
\ 
\ 


Murner — Muſchel 217 


ein in den Alpen lebendes vierzehiges Saͤugethier von der Größe eines Kanins 
chens, zum Geſchlecht der Ratte gehörig, welches faft 8Monate des Sahres verfchläft, 
Berge, Alpratte, Alpenmaus ꝛc.; uneig. ein träger, ſchlaͤfriger Menſch. 

Murner, m., -8, Namen des Katers in „Reineke der Fuchs.“ 

Murre, w., M. - — 8* fe Marz 2. niederd. f. Kohlentopf, Feuerkieke. 

murren, zielloſ. Zw. m. ha ben (ein Schallwort; ſchwed. murra, morra; 
vergl. d. goth. maurnan, alte, mornan, engl. mourn, flagen, trauern 5 das 
oberd. marren f. Enurren), dumpfe brummende Laute hören laffen, um Un— 
willen, Verdruſs, Unzufriedenheit zu Außern (finno. das weniger edle 
drummen); überh. fein Mifvergimigen, bef. gegen Vorgefegte, laut wer— 
den laſſen (über etwas, gegen Jemand murren); der Murrkopf, gem. ein 
gern murrender, verdrießlicher Menſch; murrkoͤpfig, Bw., einen mürriſchen 
Kopf oder Sinn habendz die Murrmeife (mot verderbt aus Moormeife) 
Sumpfmeife; der Murrfinn, Neigung zum Murren, anhaltende üble Laune; 
murrfinnig, Bw.; mürrifch, Bw., Mifevergnügen u. uͤble Laune durch 
Murren od. auch durch Milena. Geberden außernd (mürriſch ausfehen), 
bef. als herrſchende Gemüthsſtimmung, finnv. verdrießlich, grämlich, uͤbel⸗ 
launig (ein mürriſcher Menſch, ein mürriſches Weſen). 

murſen od. muͤrſen, oberd. murten od. moͤrten, niederd. ziel. Zw. £. 
zermalnen, zerreiben, zerftoßen (daher Mörfer, Mörtel, morſch, f. d.). 

Mus, weniger r. Muß, f., -ed, M. -e, oberd. auch Müfer, (altd. 
muos, muas, Speiſe; oberd. Mues, ſchwed. mös; daher muasen, muefen 
f. effen; vergl. Maß 1.), ehem. überh. Speiſe, bef. gekochte Speife, Mahl 
zeitz dann ſ. v. w. Gemuͤſez jegt eine zu Brei gekochte Speife (3. B. Lun⸗ 
genmus), bef. von Obſt (Apfel-, Pflaumen=, Kirſchmus 2c.); in weiterer 
Bed, überh. f. Brei; — Zfeg. der Musapfel, Apfel zu Mus, def. eine Art 
platt gebrüdter Apfel; der Musfladen, =Fuchen, die Mustorte ; der Mus— 
garten, oft. f. Gemüfegarten; dad Mushaus f. Speifehaus ; das Muse 
kraut, die Muspflanze, ein Pflanzengeſchlecht, wovon einige Arten zu einem 
Mus gekocht und gegefien werden; der Musmenger (vergl. mengen 2,), vlt. 
f. Gemüſehändler; das Mustheil, Rſpr. der Theil der Lebenemittel, welcher 
nad ſächſiſchem Recht der Wittwe nad) dem Tode des Ehemanns zukommt; das 
Muswerk, vit. f. Gemüfe; — Wbleit. mufig, Bw., Mus enthaltend, 
viel Mus gebend; muficht, Bw., einem Mus ähnlich, breiartig; mufen 
oder mufen, 3w, 1) ziel. ein Sind—, vi, f. füttern; 2) ziellos, oberd. f. 
Muß effen, 

Mufche, w., M. -n, landf, 1. ein Fleiner Vogel, Fliegenvogel, auch: 
die Muſchel (wahrſch. verw. mit Mücke, lat, musca, franz. mouche); 2, ein 
Schoͤnpflaͤſterchen (franz, mouche); 3. tair. f. liederlicheWeibsperſon, Hure, 

Muschel 1. w., M.-n, Verkl. das Muͤſchelchen, (altd, muscula, 
niederd. Muſſel, engt, muscle, dän. muskel, ſchwed. musla; t, lat, musculus, 

Muskel u. Muſchel; vergl. d. griech). nis, uurlios, Maus, Muskel, Muſchel), 
über, blutlofe, weiche, wurmartige Schalthierez in_engerer Bed, Schal= 
thiere mit zwei durch ein Gewinde verbundenen Schalen, verſch. Schnede, 
3: B. Ramm:, Perlen, gemeine Mufchel cd, efotare Miesmufcel 26,5 oft das 
Thier ohne * Schale (Kat fleiſch mit Muſcheln etc.) 3 noch öfter die Schale 
des Thieres allein (verſteinerte Muſcheln, Farbenmuſcheln ꝛc.) ; uneig. ein von 

einer Muſchel verfertigtes od, einer Muſchelſchale ähnliches Gefuͤß od. Werkzeug 


218 Mufchel — Mufelmeann 


(3.3. ber Eieine mufchelförmige Schild an den Gefäßen der Hirfchfänger) 5 Anat, 
eine nad) außen gewundene Sinochenplatte an der inneren Fläche des Riech— 
od. Siebbeines; der ausgehöhlte Iheil des außeren Ohrs; die weibl, Scham: 
theile; — 3 fe. die Mufchelblume, eine ausländ, Wafferpflanze mit eifdr: 
migen Blättern; dad Mufchelerz, Eifenerz, welches in Geſtalt von Mufcheln 
bricht; der Mufchelfloh, eine Art Schitdfloh in ſtehenden Waſſern; mufchels 
frmig, Bw.; das Mufchelgold, mit Honig abgeriebenes Blattgold zum 
Malen, in Muſchelſchalen aufbewahrt; fo auh das Mufchelfilber; der Mu— 
fhelhut, ein Hur der Pilger, an deffen aufgefrempter Seite eine Mufchel bes 
feftigt iſt; der Mufchelkalf, aus Muſchelſchalen gebrannter Kalk; aud ein an 
Vrfteinerungen reicher Flözkalk; der MufchelfrebS, ein Seekrebs, welcher in 
einer leeren Muſchelſchale lebt, Einfiedierkrebs; die Mufchelmünge, kleine Mu: 
fheln, ale Münze dienend in Afrika 2c. 5 der Mufchelfammler ; die Muſchel— 
fammlung ; die Mufcyelfchale ; die Mufchelfcheide, eine Art, mit Muſchel— 
ſtückchen, Steinchen 2c. bedeckter Seeſcheiden; die Mufchelfeide, ein feidenarti- 
ges Gefpinft der Steckmuſchelnz dad Muſchelwerk, ein aus natürlichen oder 
nachgemachten Mufcheln zufammengefegter Zierath. 

Mufhel 2. w., M.-n, aud Mufhen, Mofchen, Maſchel, Machen, 
(mend, miech, mieschk, ruff. und bbhm. moschna, Sad, Beutel; vergl, 
Maſche), landſch. ein aus Baft od. Stroh geflochtener farfähnlicher Handkorb. 

Mufe I. w., M. -n (griech, Moüo«, Yat, Musa), bei den alten Griechen 
u. Römern eine Göttinn der ſchoͤnen Kuͤnſte u, der Wiffenfchaften, Kunſt— 
göftinn, deren man gew, neun annahm (die Mufe der Dichtkunſt, der Ge 
fhihte, der Sternfunde 2c.), bef. der Tonfunft und Dichtkunſt; uneig, f. 
Kunſt u, Wiffenfchaft ſelbſt, def. f. Dichtkunſt (ein Günftting, ein Freund 
ker Mufen 3 feine Mufe, d, i, feine Wiffenfchaft oder Kunft, beſ. Dichtkunſt)3 
der Mufenberg, verfchicdene Berge in Griechenland (Parnafs, Helikon, Din: 
dus), welche für Wohnfige der Mufen galten; der Mufengott, der Vorfteher 
und Anführer der Mufen, Apollo; die Muſenkunſt, ſchöne Kunft, beſ. Dit: 
Zunft; der Mufenquell oder born, Quelle auf dem Mufenberge Helikon: 
Hippofrenez ber Muſenſitz, Wohnfig der Mufenz uneig, ein Ort, wo Künfte 
und Wiffenfchaften geübt werden oder blühen, bef, eine Hochſchule (Univerfität, 
Akademie) ; der Mufenfohn, uneig. f. Hochſchüler (Student) ; — die Mufik, 
M.-en, (engl, music, franz, musique, lat, musica, vom gried), wovon, : 
eig. Mufenkunft überh.), Tonfunjtz auch eine einzelne Ausuͤbung derfelben, 
ein Ionfpiel, Tonſtuͤck (Mufit machen, eine Mufit aufführen); daher der 
Muſiklehrer, die Mufikftunde ꝛc.; mufifalifch, Bw., der Mufif gemäß, 
dazu gehörig, geſchickt (ein muſikaliſches Gehör); der Muſik kundig (muſi⸗ 
kaliſch fein); der Muſiker, -8, ein gebildeter Tonkuͤnſtler (verfh,Mufitus, 
ein ausübender Zonfpieler; Muſikant, ein gemeiner Zonfpieler, Spieimann), 

Mufe 2. w., M.-n (wahrſch. morgenländ, Uriprungs), ein palmen— 
ähnliches Pflanzengeſchlecht in Indien , Piſang (Musa L.), 

Mufel, m., -8, Mm. E., auch die Mufel od, Müfel, M. -n, (verw, 
mit meißen, Meffer 20.5 vergl, Miefel) landſch. ein von einem Ganzen abs 
gehauened od. abgebrochened unfoͤrmliches Stud, Block, Klotz, Schrot, 
J. B. die Blöde, woraus Bretter geſchnitten, die Klötze, woraus Scheite ge: 
Spalten werdenz daher mufeln, oberd. Zw. f. ſpalten. 

Mufelmann, m., die Mufelmänninn, (verderbt aus d. arab, Mo s— 


mujen — Muße 219 


lem, M, Moslemim, d. i. Anhänger des Islam, Redtgläubige), gem, f, 
Befenner der Lehre Muhameds, Muhamedaner, bef, Türken; daher mu— 
felmannnifh, Bw., muhamedanifh, tuͤrkiſch. 

mufen, 3m, 1, ſ. unter Mus; 2. niederd, f. maufen, ftehlenz; 3, f. ernft= 
haft nachdenfen, finnen (engl, muse, holl. muisen). 
muſig, müfig, auch mußig, Bw, (v, Mus, Brei?), Hüttenw. dad Zinn 
iſt mufig od, dörnig, d. i. nicht rein fließend, kluͤmperig und Fnotig, 

Muſik, w., fe unter Mufe 1, 

Muskate, w., M.-n (franz. muscade; wahrſch. verw, mit Muscus, 
Moſchus), die pfirfihähnliche Frucht ded Musfatenbaumes in Oftindien, 
deren nufsähnlicher Kern, die Muskatennuſs, jo wie das den Kern umge: 
bende faferige Gewebe, tie Musfatenblume od, »blüthe, als Gewürze die- 
nen; dad Musfatenöl, aus Muskatennüffen und - blüche bereitetes Di; die 
Muskatenrofe, Mofhusrofes — der Musfateller, - 8 (ital. moscadello, 
mittl, lat, muscatellus), ein füßer, gemoürzhafter, ital, Wein, Muskat— 
wein; daher Muskateller- oder Muskattrauben; die Muskatellerbirn, 
eine wohlf&medende, gewürzhafte Frühbirn; das Musfatellerfraut, eine Art 
Salbei in Stalien, 

Muskel, m., -5, gew, w., M.-n, (franz. u, engl, muscle; aus d. 
lat, musculus, eig. Mäushen, von mus, Maus, f, d.), die weichen Theile 
des thier, u, menfchl, Körpers, welche das Fleifch ausmachen ı, durch ihr 
Ausdehnen u, Sufammenziehen die Bewegung der. Körpertheile möglich machen, 
Fleiſchlappen, Sleifhmäufez die Muskelfafer, die reizbaren Faſern, aus 
welchen die Muskeln beſtehen die Muskelhaut, eine die Muskeln umgebende 
feine Hautz die Musfellehre (fr. Myologie) ; muskelſtark, auch musfelig, 
Bw., ſtarke Muskeln habend (gew. fr. musculds) ; die Muskelſtaͤrke. 

Mus ete, w., M.-n, (v. ital, moschetto, franz. mousquet; engl, 
musket; mittl, fat, muschetta, altfranz. mouchette, eine Art Wurfpfeile, 
v. dem ital, moschetto, franz, mouchet, d. i. Sperber, benannt), chem, 
eine Urt Buͤchſe mit einem Luntenſchloſs; jegt die größere Urt der Flinten, 
mit welchen die Zußfoldaten bewaffnet find, welche daher Musketiere heißen; 
die Musketenkugel; dad Musfetenpulver ꝛc. 

Muspel, w., M.-n, vtt, f. Nohrdommel. . 

Muß, ſ., r. Mus, ſ. d. 

Muſs, ſ., ſ. unter müſſen. | 

uße, w., o. M, (altd, muoz, m, oder f,, und muoza, muaze, w.; 
oberd, Mueß ; altd, muozon, frei fein, vacare; Grundbeb, freie Bewegung, 
Spielraum, daher urfpr, fowohl otium, als licentia; verw, mit muohan, 
mühen, |, d.5 goth. motjan, begegnen, motan, vermögen, können, ſ. muffenz 
vergl, das mittl, lat, musardus, altfranz, ınusar, ein müßiger Menſch; ital, 
musare, franz. muser, mäßig fein; daher amuser, gleichſ. entmüßigen), 
freie, gejchäftlofe Zeit zu beliebiger Anwendung, bef. Freiheit von beſtimm— 
ten Amts- od. Berufägefchäften (gelehrte Muße z etwas mit Muße verrid: 
ten, d. i. ſich binlängliche, bequeme Zeit dazu nehmen); — Zfes. die Muße— 
ſtunde; die Mußezeit; — Ableit. müßig, Bw. (niht müffigs. altd, 
muozig, müezec; landſch. aud) müßlich), alt u, oberd. f. los, frei, Ietig, 
locker (3, B. bair, einen Nagel mügig machen, d, i. los machen ; einen efange: 
nen müßig magen, d. i. befreien); auch mit dem Gen. der Sache: eines Dine 


220 müffen 


ges muͤßig fein, gehen, d. i. deſſen los fein, es vermeiden, fahren laſſen; 
jest: Muße, freie Zeit habend, geſchaftlos (eine müßige Stunde, müßige 
Zeit); in weiterer Bed. ganz unthätig, nichts thuend, unbeſchaͤftigt (müßig 
geben, d. i. nichts thunz ein müßiges Leben führen * auch von Thieren (die 
Pferde ſtehen müsig im Stalle) u: uneig. von Sachen f. ungebraucht, unge— 
nutzt, unwirkſam (fein Geld müßig liegen laſſen; eine müßige Erkenntniſs; 
ein müßiges Wort); der Muͤßiggang, der Zuſtand des Müß ggehens, bef. aus 
Trägheit, Unthätigkeit, unbeſcäftigtes erben, Nichtethun (ſprichw. Müßig: 
gang iſt aller Laſter Anfang); der Muͤßiggaͤnger, —s, die Muͤßiggaͤnge⸗ 
rinn, M.-en, wer müßig geht, den Mi; stagang Liebtz müßiggangerifch, 
Bw., einem Müßiggänger angemeffen, ähnlich; die Muͤßigkeit, (altd. müe- 
zekeiı), dad Muͤßigſein, die Unthätigkeit; muͤßigen, ze, u. rückz. 8w., 
alt u. oberd. f. frei, los machen (einen Gefangenen, einen des Gefängniſſes —); 
entledigen, uͤberheben, enthalten Keinen od. fid) eines Dinges—; oberd. auch 
bemüßigen); jegt nur in: abmüßigen, ſ. 3. 
müffen, ziellof. 3m. m. haben, (oberd. müeßen, ich mueß, niederd. und 
holl. möten, ſchwed. motta, engl. must; das altd. muozan, müezen, ich 
muoz, goth. u. angelf. motan, ſchott. mot bedenten uripr. Raum haben etwas 
zu thun (vergl. Muße); daher Statt haben, dürfen, fönnen, mögen; end— 
lic) mäüffen, indem der Begriff des Raumes in den der Leere, des Mangels od. 
Bedürfniſſes, der Begriff der Möglichkeit in den der Nottwendigkeit übergeht), 
unregelm. Präf. ich muſs, du mufft, er muſs; wir müſſen, ihr müffer od. 
muͤſſt ꝛc.; Conj. ich muͤſſe; Jupf. id) muffte, Gonj. muͤſſte; Mw. gemufftz 
drückt ais Hülfsw. ber Weife oder als umfihreibendes Zw. in unmittelbarer 
Verbindung mit einem Sn finitiv (vergl. dürfen, Eönnen, mögen ꝛc.) 1) die 
(objective) Nothwendi 3 eines Seins od. Thuns aus, welche ni Natur 
der Sache od. den Umftänden, nicht in dem Willen od. Gebot einer Perfon ges 
gründet ift (verfch. follen) alfe: einem Zuitande od. Leiden 26, unvermeid— 
lich) unterworfen, zu einem Ihun gezwangen od. genöthigt frin G. B. alle 
Menfhen müſſen fterbenz; wer leben will, mufs eſſen; der Schwädere mufs 
unterliegen; ich mufs Alles wiſſen, wenn ich beifen foll; aud) auslafl. ohne 
Inf 3.8. id) mufs fort, näml. geben, reifen 20.5 er muffte nach Haufe; dag 
mufft du nicht, näml, thun); insbef. ein als nothwendige Fuͤgung betrache 
tetes zufälliges Ereignife (es muffte ſich zutragen, dafs 2c.3 alle Tage mufte 
ſich ein Hindernifsfinden) ; in weiterer Bed. audy 2) eine in d er Vorausſetzung, 
Vermuthung, Meinung, dem Wunſch —— einer Perſon ge⸗ 
gruͤndete, alſo bloß gedachte (Fubjective) Nothwendigkeit G. B. das muſſt 
du ja beſſer wiſſen, als ich er muſs wohl krank ſein; jetzt muſs er ſchon da 
fein; es muſs wohl nichts an der Sache fein; muſſt du dich um Alles beküm— 
mern? d. i. glaubft du es nöthig zu haben 20.5 er muſs Alles wiffen, näml. 
feiner Einbildung nady; es müſſe dir gelingen! (Wunſch); du mufit aber auch 
Wort halten (Bitte); das mufit du nicht von mir verlangen; ich mufs dich um 
etwas fragen, bitten 20.3 ic muſs dir faaen, dafs zc., d. i. ich fühle mid 
gedrungen zc.) 5 daher auch einen möglichen Yall, u. f. mögen ſelbſt (er kommt 
gewiſs, er müſſte denn eine Abhaltung haben ; wer mufs (mag) es nur gemwefen 
fein 2) 5; — ftatt des Mw. gemufft ftedt in Verbindung mit einem Inf, dem 
Sprachgebrauche gemäß der Inf. müffen (3. B. ich habe es thun müſſen z er 
bat ſich Vieles müſſen gefallen lajfen ; aber: id) habe wohl gemufftz er hat fort 


müßig — Mufter 221 


gemufft u. dgl, m); — muͤſſen (müeßen) od. gem. müßigen od. bemüs 
figen, oberd. u. Kanzl. als ziel. u. rückz. 3w. einen od. ſich zu etwas —, 
ihn dazu nöthigen, zwingen, veranlaffen (fid zu etwas gemüßigt fehen ;) — 
das Muſs, undiegf. u. 0. M., gem. f. dad Müffen, der Zwang, die 
Nothwendigkeit (es ift ein Muſs; fprihm. Mufs ift ein bitter Kraut, od, eine 
harte Rufe). a, 

müßig, Müßiggang ꝛc. f. unter Muße; müßigen, Zw, 1. f. unter 
Muße; 2. ſ. uuter müffen, 

Mufter, fe, -8, M. w. E., Verl. dat Muſterchen, (okerd. auch 
die Muftirz dv. dem ital. mosıra, fpan. muesira; von mosırare, lat, 
monstrare, zeigen; franz. montre v. montrer; niederd. Munfter, holl. 
monster) 1) ein nachzuahmendes Vorbild; insbeſ. in finntichem Verſtande: 
eine nachjubildende Vorzeihnung, eine Form, ein Modell, bef. zum 
Nähen und Stiden (Stid:, Spitzenmuſter 21.3 auch die nad) der Größe und 
Form der Theile von Kleidungsſtücken gefchnittenen Papierftüde, wonach die 
Kleidungsſtücke zugeſchnitten werden); aud ein Bild, eine Figur, melde 
in einen Zeug gewebt oder daranf gedruckt ift (der Kattun hat ein ſchönes 
Mufter 2c.); Gärtn, die zierlihen Formen der Luſt- und Blumenſtücke; ferner 
in fittlihem Verftande: ein im feiner Urt vollfommener Öegenftand, ein 
Borbild, Urbild, (ſich Jemand zum Mufter nehmenz fie ift ein Mufter der 
Tugend; gem, auch im entgegengej,. Sinne: ein häfslihes Mujter, d, i. ein 
häſslicher, abfcheulicher Menfh); 2) ein Probeitinf, d. i. ein kleines Stud 
von- einem Ganzen, um beffen Beſchaffenheit daraus zu erfehen (5. B. Tuch-, 
Beugmufter 2c. 3 ſ. Mufterbudy, = Earte) 5 daher auch uneig. f- Probe; — 3 fe. 
das Mufterbild, ein nur in der Einbildungskraft, nit in der Wirklichkeit 
vorhandenes Mufter (fr. Ideal); dad Mufterbuch, 1) ein Bud, welches Näh—, 
Strick- oder Stitmufter enthättz 2) ein Bud mit Probeftüden von Zeugen, 
Bändern u. dgl, auch die Mufterfartez 3) f. v. w. Mufterjchrift, = werk, 
eine mufterhafte Schrift, ein mufterhaftes (claffiihes) Werkz die Mufters 
ſchrift, auch f. Vorfchrift zum Shönfcreisenz der Mufterfchriftfteller, ein 
mufterhafter (claſſiſcher) Schriftftelerz muftergultia, Bw., als Mufter gül: 
tig, mufterhaft (ein: übelacbildetes Neuw. f. das fr. claff.fh); die Mufters 
ſchule, eine Schu!e, deren Einrichtung andern als Mufter dienen fol (fr. Nor: 
malſchule) zʒ dad Mufterftück, ein mufterhaftes (claſſiſches) Stück von Schrifts 
werfen; dad Mufterwort, Spradi. ein, Wort, welches bef. hinſichtlich feiner 
Biegung od. Abrrandlung ald Mufter für andere feiner Art aufgeftelt wird (fr. 
Paradigma); der Mufterzeichner, die Mufterzeichnerinn, wer Mufter für 
Näherinnen, Stiderinnen, Kattundruder zc. zeihnetz — Ableit. mufters 
haft, Bw., zum Mufter geeignet, nur im fittl. u, giftigen Verftande: volle 
kommen wie ein Muiter, Nachahmung verdienend (ein mufterhaftes Bez 
tragen 2c.); die Mufterhaftigfeitz muflern, ziel. 3w., 1) mit einem 
Muſter oder mit Muftern (Budern, Figuren) verfehen (einen Zeug —, ges 
mufterter Kattun) ; 2) niederd. f. mit Kleidern verſehen, pußen (in diefer Bed. 
wohl = mauftern, maufen, f. d.); 3) nach allen feinen Theilen gerau uns 
terfuchen, prüfend beurtheilen (eine Schrift, ein Buch 2c.), bef- die Iruppen, 
das Heer —, befihtigen u, Kriegsübungen anftellen laffenz daher der Muftes 
rer, -8, mer etwas muftertz die Mufterung, das Muftern, bef. der 
Zruppen, die Heer-, Waffenſchau, ehem. Mannzahl (fr, Revüe); der 


’ 


222 | muftern — Muth 


Mufterherr, chem. ein mit der Mufterung der Truppen Beauftragter; der 
Muſterplatz, Platz zur Mufterungs die Mufterrolle od. der Mufterzettel, 
das Verzeichnifs der Soldaten; der Mufterfchreiber, wer den Vorgang und 
Befund einer Zruppenmufterung niederſchreibt; auch wer die Mufterrolle führt, 
muftern, 1. ziel. 3w., f. unter Mufterz 2. ziellof. 3w. (ein Schallwort, 
landſch. auch muffelnz lat. mussitare), niederd. f. fluͤſtern, murmeln. 

Muftert, m., -8, niederd. f. Moftrich (f. d.), Senf. 

Mustheil, f., f. unter Mus. 

Mutede, w., M.-n, landfch. f. die Seepflaume; Seefugel. 

muten, mutern oder mütern, ziellof. u. rückz. Zw., niederd. f. maufen 
(1, d.), bef. von den Krebfen ; daher der Muter od. Müter, —s, Muters 
krebs, gem. verderbt: Mutterfrebs, ein Krebs, welcher neue Scha= 
len befommt. 

Müterih, m., —es, landſch. f. dad Mutterfraut, 

Muth 1. m., — es, o. M., Verkt. (nur in einer Bed. f. u.) dad Muͤt h— 
chen, (altd. muot, oberd. Muet 5 goth. morhs, niederd. Mood, isländ. modr, 
angelf. fihmed, dän. mod; engl. mood, Hige, Zorn; von muohan, mühen, 
fe d., lat. movere, bewegen; Urbeb. Bewegung der Seele, motus animi; 
vergl. d. grieh. Yyuos v. Hreıv, in heftiger Bewegung fein), ehem. die empfine 
dende und wellende Seele des Menfcyen überh., wofür jest gew. dad Ge— 
muͤth, vergl. d., und die befondere Gemuͤthsart oder Gemitheftimmung, 
ſinnv. Sinn, Geſinnung (biöl. der Herr verhärtete ihm feinen Muth; daher 
noch jest: in trunfenem Muthe; wie ift dir zu Muthe? d. i. in welcher Ge: 
müthsftimmung befindeft du dich? es ward ihm dabei nicht wohl zu Muthez 
froher, heiterer, guter, luftiger Muth; gutes Muthes fein, d. i, vergnügt, 


heiter ſein; daher aud) die Zfeg.: Demuth, Groß:, Lang, Sanft-, Schwerz, 


Wehmuth, welche als alte Adjectiv» Formen auf - muoti weiblich find; u. bie 
neugebildeten männl. Zſetz. Edel:, Hoch-, Kleine, Mifs:, Über-, Wankel: 
muth 2c.); ferner das Begehrungdvermögen od. Gemüth im Zuftande der 
Erregtheitz daher ehem. f. Willen, Abſicht, Belieben (alt u. oberd. einer 
Sache Muth haben, d. i. gefonnen od, Willens fein, fie zu tbun); u, bef, Ges 
muͤthsbewegung, Leidenfchaft, zumal Zorn, Nachbegierde (daher noch: 
feinen Muth od. gew. fein Müthchen an Semand fühlen, d. i, feine Leidenſchaft 
gegen ihn auslaffen, feine Rache befriedigen) 5 jest gew. in engfter Bed. die 
Gemüthsverfaffung, in melcher man aus lebhaften Straftgefühl Gefahren 
u. Schmwierigfeiten gering achtet u, einen guten Ausgang erwartet, finne, 
Zuverfichtlichfeit, Herz, Herzhaftigkeit, Kühnheit, Iapferfeit (Muth 
baben, faſſen; den Muth veriieren, finken laffenz einem Muth machen, ein— 
flögen) 5; — 3fes. muthleer od, gew, muthlos, Bw., feinen Muth habend, 
ohne Muth, zaghaft, niedergefchlagen ; dir Muthlofigfeit, das Muthlosſein, 
die Zaghaftigkeit; muthvoll, Bw., mit Muth erfüut, vielen Muth habendz 
muthmaßen, untrb. ziel. Zw. (gleichfam mit dem Muthe d, i. Gemüthe meffen, 
ermeſſen), ehem, f. ſchäzen (taxiren); jest: aus wahrſcheinlichen Gründen dafür 
halten, glauben, ſinnv. vermuthen (id muthmaße es, ich habe gemuthmaft, 
dafs 2c.); die Muthmaßung, das Muthmaßen, die Vermuthung; auch das 
Gemuthmaßte oder Bermuthete;s muthmaßlih, Nw. u. Bw., einer Muth: 
maßung Ahnlih, gemäß, darin gegründet (ein muthmaßliches Urtheil); die 
Muthmaßlichkeit; der Muthwillen, b. ats: -wille (altd, muotwillo), eig. 


Muth — mutfchieren 223 


der Willen des Gemüthe (animi voluntas), daher ehem, ber eigne, freie Willen, 
die Willkür, Neigung, Luft (mit oder von Muthwillen, alt f, freiwillig); jegt 
nur : die ungezügelte Luft u, deren Befriedigung bef, zum Nachtheil Anderer, die 
Neigung Andern zu ſchaden oder body fie zu neden u, zum Beften zu haben, und 
jede einzelne daraus entfpringende Handlung, ſinnv. Frevel, Leichtfertigfeit, Über: 
muth (Muthwillen begehen, treiben, üben) ; in milderem Sinn: Eindifsher Uber: 
muth, Munterkeit, Luftigkeit ohne böstihe Abſichtz muthwillig, Bw,, ehem, 
f. freiwillig; jest: Muthwillen habend, ubend, darin gegründet (ein muth— 
williges Kind; ein muthwilliger Streich) 3 auch f. vorfäglid, leichtſinnig (muth— 
roillig ſündigen); die Muthwilligkeit, das Muthwiligfein, u, eine muthwillige 
Handlung, gew. Muthwillen; muthwilligen, ziel. Zw. einen—, vis fi 
eigenwillig, gewaltthätig, wiberrechtlic behandeln ; — Ableit.muthig, Bw, 
41) Muth, d. i. Herzhaftigfeit habend, u, darin gegründet od. davon zeus 
gend, ſinnv. herzhaft, beherzt, (ein muthiger Menſch, Angrifj); 2) f. lebende 
fräftig, lebhaft, aufgewecft, munter (ein muthiges Pferd); in 3feg, lautet 
es müthig, 3.3. demüthig, eine, frei-, großmüthig 2c,, auögen, unmus 
thigs die Muthigkeit, dad Muthigfein, nur in der 2ten Bed, von muthig, 
(3 B. eines Pferdes); muthigen, ziel. 3m,, muthig machen, gew, ermus 
thigen; — muthen, 3w. (altd, muoten, oberd, mueten) 1) ziellos m, fein, 
oberd, gemuthetfein, f. gefinnt oder gefonnen fein, einen Muth oder 
Sinn haben (wohl gemuthet fein, d, i. wohlgefinnt, oder gutes Muthes fein, 
vergl. wohlgemutb); m. haben, oberd. f. Luft, Verlangen empfinden und 
bezeigen (das Rindvieh muthet, d, i. es ift in der Brunſt; eines Dinges an 
Semand muthen, d, i. ihm fein Verlangen danach zu erkennen geben); 2) ziel, 
etwas von Jemand —, d. i. verlangen, begehren, darum anfuchen ; vergl, 
anz, zumuthen, (ein Geſell muthet das Meiſterrecht, d. i, er fucht bei ter In— 
nung darum anz ein Lehn muthen, db, i, den Lehnsheren um deſſen Ertheilung 
erfuchen; Bergw. eine Fundgrube muthen, d, i. um die Erlaubnifs zu deren 
Bebeuung anhalten); daher: die Muthe od. Muthung, das fürmliche Be— 
gehren, dad Anhalten um etwas, (ein Gefell verrichtet die Muthez der Berg: 
meifter nimmt die Muthung an 20); der Muther, -8, wer um etwas ans 
fucht od. anhält, bef, Bergw. ; das Muthgeld, der Muthgrofchen, Handw. 
das bei der Muthung entrichtete Geld; das Muthjahr, Handw, das zur. 
Muthung des Meifterrechtes beftimmte Jahr; der Muthſchein, ein Schein, 
welchen der Muther eines Lehns vom Lehnhofe erhält; der Muthzettel, Bergw. 
die Schrift, in welder der Muther um ein Berggebäude anfucht, 

Muth 2. m., -«3, 0, M, (niederd, Mood; vergl, Mudde) landſch. der 
Schaum auf dem Biere; auch f. Haferfchleim. 

Muth, f., auch Mutt, Mitt, ſ. Mud, 

Mutichel, landſch, 1.m., -8, M. w. E., der Baumfperling; — 
2.0, M. -n, ſ. Moſche; — 3. f., -8, M. w. €. (auh Mütſchel, 
Mütſchelein; v. mugen, ſtutzen), oberd, f. ein Stuͤck Brod, eine Brod— 
ſchnitte; fhmwäb, eine Urt Weißbrod; das Mutfchelmehl, zu Mehl zerrie— 
benes Brod, ; 

mutfchieren,, ziellof, Zw. (v, altd. muzon, nieberd, muten, mutern, lat, 
mutarez vergl, maufen), alt u. landſch. f. abwechfelnz die Mutfchierung, 
ehem, im beutfchen Staatsrecht, die Abwechſelung mehrer Brüder in der 
Regierung. . KT 


224 Mutte — Mutter 


Mutte, w., M.-n, niederd. 1. f. Motte; 2, Hindernifs, Wider⸗ 

ſetzlichkeit. 

Mutter, m., -8, M. w. E. ſ. Muter unter muten. 

Mutter 1. w., M. Mütter, Verkt, das Mütterhen, Muͤtter— 
lein, (altd, muotar, muoterz oberd. Muetter; niederd. Moder, Moer; 
holl. moeder; ſchwed. und dän. moder; engl, mother; gried. wijrne, lat, 
mater, ital. madre, franz. mere :c,), 1) ein weibl, Gefchöpf (Thier od, bef. 
Menſch), ſofern es ein Geſchoͤpf feiner Urt gebiert od, geboren hat, entfprs 
Vaͤter (Mutter werden, d. i. gebären ; eine Perfon zur Mutter machen, d, is 
ſchwängern), beſ. in Beziehung auf dad Kind cd, Junge (fie ift Mutter von 
vier Kindern 5; meine Mutter; wie die Mutter, fo die Tochter); insbef, «in 
zur Zucht beftimmtes weibl. Hausthier, eud ein weibl, Ihier üserh, in 
Bes, wie Mutterpferd, = fhaf, -ſchweinz Mutterfülen, = hafe, =biene 2c. 5 
uneig, eine weibl. Perfor, welche Mutterftelle vertritt, tie Gewalt, Fürs 
forge, dag Anfehen einer Mutter bat (Stief:, Schwiegermutter; Kinder:, 
Wehmutter; Haus:, Pflegemutterz; Landesmutter; landſch. aud eine Pathe 
in Bezug auf das Kind; Viehmutter, d. i. Aufieherinn über das Vieh); überh, 
eine bejahrte weibl. Perfon, bef, als vertrauliche Anrede (Mutter, Mütter 
den; ein altes Mütterchen); in weiterer uneig, Anwendung: eine Sache, 
welche einer andern dad Dafein giebt, od. diefelde in fich erzeugt us erhält 
(die Exde ift unfer aller Mutter ; die Roth, eine Mutter ter Erfindungen), bef, 
Bergw. die Lagerjtätten der Erze (f. Erzmutter; vergl, auch Perlenmutter) 5 
2) die Bärmutter (f. d.z griech, zujro@, lat, matrix, ital, madre, franz 
mere, engl, mother; daher gem, die Mutter ftößt auf, zur Bezeichnung von 
Leibſchmerzen 2c, beim weibl, Gejdleht, für deren Gig man aus Unmiffenheit 
die Bärmutter hielt)z daher in weiterer Anwendung ein hohler Naum oder 
Körper, welcher ein darein pafjınded oder gehöriged Ding aufzunehmen, 
od. auch etwas zu formen beſtimmt iſt (3. 8. der untere Theil einer Form zu 
Schwärmern; oberd. ein Ohr von Drath, in welches ein Häkchen eingreiftz f. 
auch Schraubenmutter, Schriftmutter) ; — in manden Zfes, ber Volksſpr. hat 
Mutter als Beftimmungswort verftärfende Kraft, z.B. mutternadt, 
d. i. ganz nackt, wie man aus Mutterleibe kommt; Mutterfind,=menfd, 
zfeele, d. i. ein von einer Mutter geborenes Kind, ein wirklider, natürlich 
entftandener Menſch, vergl. Menfchenkind (def. Fein Muttermenfd, Feine 
Mutterſeele hat es gefehen u. Bgl., d. i. auch nicht ein wirklicher Menfch) 3 daher 
mutterfeelenallein, landſch. auch mutterfeligallein, oder bloß 
mutterallein, d. i. ganz allein, von allen Menichen verlaffenz andere 
3feg. find: dad Mutterband, Unat, Bänder, welche die Bärmutter in ihrer 
Lage erhaltenz der Mufterbaum, Foritw, ein Baum, welden man zur Be: 
famung im Schlage ſtehen läſſt, Samenbaum; die Mutterbeſchwerde, -krank— 
heit, =plage, der Mutterfchmerz, dad Muttermeh, Beſchwerden oder 
Krankyeitszuftände des weibl. Geſchlechts, welde von Schwäche der Bauchnerven 
herrühren, nad) der gemeinen Meinung aber ihren Sig in der Bärmutter haben; 
die Mutterbiene, der Weifel, die Königinn (f o.); tie Mutterblume, die 
Blume, weldhe man zum Samentragen ftehen läfftz auch f. Küchenſchelle z Mitd= 
blume; der Mutterbruch, Brud oder Vorfall der Bärmutter ; der Mutters 
bruder, Oheim von mütterliher Seite; die Mutterbruft; das Muttereifen, 
ein Elfen zum Ausdrehen einer Schraubenmutterz; die Muttererbe, 1) die 
ge⸗ 


Mutter 225 


gewöhnliche Gartenerdez 2) die Erde, als eine Mutter aller Naturerzeugniffe 
betrachtet, x, die Mutter Erde; dad Mutterfieber, ein mit Mutterbes 
ſchwerden verbundenes Fieber; der Mutterflufs, weiße Zlufs (f. Fluſs)z das 
Mutterfüllen, f. 0.5 dad Muttergewächs, ein Fleiſchgewächs in der Bär— 
mutter; dad Muttergut, von der Mutter ererbteö Gut, mütterliches Ber: 
mögen; dad Mutterharz, der harzige Saft einer Art des Steineppichs in 
Athiopien, ald Mittel gegen Mutterbefhwerden (fr. Galbanum) z der Mutter- 
hafe, weibl, Safe, ſ. o.ʒ dad Mutterherz, uneig, die zärtlihe Empfindung 
einer Mutter für ihre Kinder; dad Mutterfalb, weibl, Kalb, f. 0,5 das 
Mutterkind, ſ. 0.5 auch) ein von der Mutter vorzüglich geliebtes Kind, Schoß— 
ind; die DER „Hauptkirche, vornehmfte Kirche eines Kirchfpielsz 
der Mutterframpf, Krampf des Muttermundes in der Geburt; dad Mutter= 
kraut verſchiedene Pflanzen als Heilmittel gegen Mutterbeſchwerden, beſ. das 
gemeine Mutterfraut, auch Mutterfamille, gem, Metram, Met- 
teram, Metterich, Meterkraut, Mägdeblume, Fieberfraut genannt (Matri- 
caria Parthenium L); ferner f. Kamille; Milchkraut od, Strandifop 5 Bienen- 
traut; Feldmünze (wildes Mutterfraut)z; Beifuß; Löwenfuß 2c.; der 
Mutterkrebs, weibl, Krebs, Eierkrebs z gem, auch ſ. v. w. Muterfrebs, f. 
mutenz der Mutterfuchen, die Nachgeburt, f. d,5 das Mutterlamm, 
weibl, Lamm; dad Mutterland, Geburts: od. Vaterland; bef. das Stamm: 
land einer Anfiebelung od, Volkspflanzung (Colonie); die Mutterlauge, Scheidek, 
eine auge, aus welder die Salztheile bereits geſchieden find, Hedlaugez der 
Mutterleib, der Leib der Mutter in Beziehung auf die darin enthaltene Frucht 
od, das daraus geborene Kind (das Kind im Mutterleibez von Mutterleibe an, 
d, i. von Geburt an); die Mutterliebe, zärtlihe Liebe der Mutter ‘gegen 
ihre Kinder; mutterlos, Bw., der Mutter beraubt, ohne Mutter; Mutter- 
lofe, Mutterlöschen, gem., eine Art kleiner Fiſche, welche man aus Schlamm 
entftanden glaubt; dad Muttermaal, ein Maal (ſ. d.), welches man gleich 
bei der Geburt mit auf die Welt gebracht; der Muttermenfch, ſ. 0.5 die 
Muttermilch, (uneig, etwas mit der Muttermild) einfaugen, d, i, in zartefter 
Kindheit eingeprägt erhalten); der Muttermord, an der Mutter begangener 
Mord; der Muttermörder, die Muttermörderinn; der Muttermund, 
Offnung od, Eingang der Bärmutter; mutternadt, Bw, ſ. 0.5 die Mut⸗ 
ternelfe, Samennelfe; der Mutterpfennig, gew. M. Mutterpfennige, von 
der Mutter erfpartes Geld, womit fie den Sohn in der Fremde unterſtützt; das 
Mutterpferd, Stute, f, 0.5 das Mutterfchaf, weibl, Schaf, fobald es 
gelammt hat; die Mutterfcheide, eine Häutige Röhre zwifchen dem Maftdarm 
und der Harnblafe im Becken beim weibl. Geflecht; der Mutterſchoß, bef. 
mit dem Nebenbegriff der zarten Sorgfalt, oder der Verzärtelung (im Mutter- 
ſchoße ſitzen; auch uneig, der Mutterfhoß der Erde); dad Mutterfchwein, 
weibl, Schwein, Sau, ſ. 0.5 die Mutterfchrefter, Muhme oder Tante von 
mütterlicher Seites die Mutterfeele 26, f. 0,5 der Mutterfohn, gew. verkl. 
das Mutterföhnchen, verzärtelter Lieblingsfohn der Mutter; die Mutter= 
fprache, 1) die Sprache des Landes, wo man geboren u, erzogen ift; 2)-eine 
Stamm = od, Hauptfprache in Beziehung auf die von ihr abftanımenden Zochter: 
ſprachen (die lateiniſche Sprache ift die Mutterfprache der italifhen, franzbſi— 
ſchen 2c.); der Mutterftaat, ein Staat in Bezug auf jüngere aus ihm ent: 
ftandene Staaten; die Mutterfkadt, Geburtsftadt, gew. Vaterſtadt; eine 


Hey ſe's Handwoͤrterb. d. deutfchen Spr. 2, hei, "15 ° 


x 


2a Mutter — Müpe 


Stadt im Berhältnifs zu einer von ihr ausgegangenen Pflanzftadt: Tochterſtadt; 
der Mutterfiein, eine verfteinerte zweifhalige Muſchel, welche den äußeren 
heilen der Bürmutter ühnelt, gem; auch Maunzenftein;z die Mutter- 
ftelle, Stelle der Mutter (Mutterftelle bei Semand vertreten); der Mutter- 
ſtock , ein zur Fortpflanzung dienender Bienenſtock, Pflanz-, Leibſtock 26,5 
auch der Hauptſtamm eines Gewächſes, z. B. des Weinſtockes; dad Mutters 
theil, der von der Mutter geerbte Theil des Vermögens; die Muttertrompete, 
zwei einer Trompete ähnliche häutige Röhren auf beiden Seiten der Bärmutter; 
das Mutterveilchen od, die Mutterviole, eine Art Nachtviolen in Italien, 
Frauenveilchen; dad Mutterwaffer, der Mutterwein, Waffer oder Wein, 
mit Heilfräutern abgezogen od, vermifcht, wider Mutterbefchwerben; der Mut 
terwiß, natürlicher, angeborener Witz od, überh, Verftand; die Mutterwurz, 
verfchiedene Gewächfe als Heilmittel gegen Mutterbefhwerden: Bärwurz 5 Wohl: 
verlei 26,5 die Mutterwuth, Liebeswuth (fr, Nymphomanie); der Mutter- 
zapfen od. das Mutterzäpfchen, ein Zäpfchen, welches in die Mutterfcheide 
geftect wird zur Beförderung der monatlichen Reinigung, od. Verhütung eines 
Vorfalls; der Mutterzimmt, die Rinde des Mutterzimmtbaumes, ſchwächer 
als die ehte Zimmtrinde, gegen Mutterbefhwerden gebraucht (fr, Caſſia); — 
Ableit. mütterli, Bw., die Mutter betreffend, ihr gehörig, von ihr 
herrührend oder audgehend (von mütterlicher Seite verwandt ; das mütterliche 
Bermdgen, aud bloß: das Mütterichie); der Mutter ahnlich, angemeffen, 
in der Empfindung u, Gefinnung einer Mutter gegründet (mütterlic) lieben, 
forgenz mütterlidye Pflege) ; uneig, die mütterlihe Erde, das mätterliche Land 
f.v.w, Muttererde, Mutterland, Geburtsland; die Mütterlichkeit, das Muͤt— 
terlichfein, die mütterlihe Gefinnungz die Mutterfchaft, Eigenfchaft, 
Stand einer Mutter; muttern, Zw. 1) ziel,, vlt, f. faugen; 2) ziellos m. 
haben, nad) der Mutter arten, der Mutter ähneln. 

Mutter 2. w., o. M, (verw. mit Moder, oberd, Motter, niederd, Mudde), 
der dicke Bodenfab mancher Flüffigkeiten, bef. ded Effigs und ded Weines 
(den Wein auf der Mutter liegen laffen, d. i. auf den Hefen, auf dem Lager) ; — 
dad Mutterforn, die Muttergerfte, (wahrſch. = Moderkorn zc,, weil 
diefe ausgearteten Körner eine Wirkung überflüffiger Näffe find und oft eine 
moderige Maffe enthalten), ſ. v. w. Brandforn. 

Mutter 3. w., vlt. f. Mauth; daher: das Mutteramt, der Mutter: 
frevel x, 

Muttern, w., ſchweiz. eine Art Roſsfenchel, gutes Futterkraut, 

Mus, Mutze, f. unter mutzen 1, 

Mübe, wi, M.-n, Verkl. dad Müschen, (niederd, Muse, Müſſe, 
ſchwed. mössa, iöländ, mussa, holl, muts; v. dem alten Zw, muozan, muzen, 
mugen, bebedten, bekleiden, putzen; ſ. mugen 2.), ehem. überh. eine Kopfe 
bedeckung, ſinnv. Hut (3. 8, Bifhofsmüge, Grenadiermüse); jest gew. eine 
bequemere, leichtere Kopfbedeckung für beide Gefchlechter, bei. aber für 

- männl, Perfonen, finnv, Kappe, für weibl, Perfonen gem, Haube (Pelze, 
Reife, Schlaf:, Nachtmütze 2c,)5 uneig, der zweite Magen der wiederfäuenden 
Thiere, auch Haube, Garn; Pflanz, die zarte Haut, welche die Spige der 
Büchſe an den Laub- u, Eebermoofen bedeckt; das Muͤtzchen, der Haſenklee; 
auch eine Art weißlich gelber Schnecken; — muͤtzenaͤhnlich, -artig, Bwss 
dad Muͤtzenblech, dünnes Blech zu den Schildern der Grenadiermützen; der 


v 


muben — Nabe 227 


Müsenhändler, ⸗macher; der Müsenfammt, geblümter Sammt zu 
Beibermügen; müßig, Bw., mit einer Muͤtze verfehen, nur in Zſetz. wie 
rothmüßig, ſchlafmühig. 

mutzen 1. ziel, 3m, (verw. mit megen ; lat, mutilare, ital, mozzare) landſch. 
gem. f. ſtutzen, abſtutzen, verkuͤrzen, verſtuͤmmeln, (die Bäume —); der 
Mutz, —es, M.e, landſch. überh. etwas Verkürztes, Geſtutztes ; insbeſ. 
ein Thier, z. B. ein Hund, mit geſtutztem Schwanze (ital, cane mo⸗z0); 
ein ungewöhnlich kleiner, auch wohl ein dummer Menſch; ein Hammel 
(aud) die Muse, der Mög); ehem, u, noch oberd, ein Furzer Noch, Reitrock; 
ein Furzed Oberfleid, Kamiſol, Wamms, bef. deö weibl, Geſchlechts auf 
dem Lande (auch die Motze, Muge, der Mugen s5 könnte aud) von mutzen 2, 
ſtammen); die Mutze, M. -n, oder der Mugen, -5, M. w. E., ein 
langes, ſchmales, vorn u. hinten abgeftumpftes Fahrzeug, als Fähre die: 
nend (auch Mutte, Mutje) 5; überh, ein Eleined Fahrzeug, Nachen ; — das 
Mutzohr, abgeftustes Ohr, und ein Thier mit ſolchen Ohren, 

mutzen 2. ziel, Zw. (niederd. auch muten, mutern, muſtern; entweder 
das alte muozan, bekleiden, |. Mützez oder von muzon, maufen (ſ. d.), mu- 
tare sc. vestes) alt und landſch. f. putzen, ſchmuͤcken; daher: aufmusgen, 
f. d.5 der Musnarr, vlt. f. Pugnarr, Kleidernarr, 

Muser od, Müser, m., -$, M. w. E., landſch. die Spigmaus. 

Myrte, wi, ſ. Mitte. 


N. 


N, der vierzehnte Buchſtabe des ABC, ein Mitl., und zwar der Zuns 
gen= Nafenlaut unter den flüffigen od. ſchmelzenden Mitlauten (I, m, n, 
x), hervorgebracht durch Anftemmung der Zungenfpige gegen die obere Zahn: 
zeihe,, fo dafs (verfchieden von dem I) der Mundkanal völlig verfchloffen wird, 
und der Luftftoß (mie bei dem m) durch die offene Nafe geht; häufig verdoppelt 
nad) gefhärften Selbſtlauten, z. B. Mann, können, nennen ꝛc. folgt dem n 
ein zu derfelben Stammfilbe gehörendes g, fo verfchmilzt eö mit diefem zu einem 
eigenthumlichen Gaumen = Nafenlaut, welder hervorgebracht wird duch An: 
drückung der Zungenmwurzel an den Hintergaumen u, Ausſtoßung der Luft duch 
die Nafe, z. B. eng’, jung, lange, fingen, Zunge; bdenfelben Laut erhält das 
n auch vor einem F, wobei jedoch das k feinen eigenthumlichen härteren Laut bes 
wahrtz vergl, Dank, Bank mit lang, bang; denken, finfen mit hängen, fingen 2c, 5 
gehören aber die zufammenftoßenden Buchftaben ng, nf verſchiedenen Stamm: 
filden an, fo behält jeder feinen felbftändigen Laut, 3. B, angreifen, ein- 
gehen, hin=geben, Unz= glaube, an-kleiden, Ein =Elang, Un: Eraut ꝛc. — Das 
anlautenbde.n ift in manden Wörtern Uberbleibfel des. alten Verneinungs- 
worted ni, fpäter ne, en, und bat daher verneinende Kraftz f. 3. B. nein, 
nicht, nie, niemand, nimmer. 

na, ein durch Verkürzung von nun entftandener Empfindungslaut der 
Volksſpr., be. Ungeduld oder Unzufriedenheit ausdrückend. 

Nabe, w., M.-n, (andſch. auch: der Nabel; altd, napa, naba; 
niederd, Nave, Navel, angelf. u, ſchwed. naf, engl, u. holl, nave; Grundber 
griff wahrſch. Hervorragung, vergl, Nabel, Schnabelz oder Höhlung, v. d, 

15* 


3 


228 Nabel — nad) 


alten naben, bohren), die in der Mitte eined Nades hervorragende hohle 
Walze, welche um die Uchfe läuft und in welcher die Speichen befeftige finds 
in engerer Bed, nur der vordere duͤnnere Theil diefer Walze, z. U. v. dem 
mittleren (B od) und dem hinteren (Stoß); der Nabenring, um die Nabe 
gelegte eiferne Ringe; naben, ziel. Zw., mit einer Nabe verfehenz ehem, 
auch f. bohren; der Näber, -8, M. w. E., Berti, dad Näberden, 
ein Bohrer zum Ausbohren der Naben, Nabenbohrerz in weiterer Bed, 
jeder Bohrer (altd, maba- ger, wahrſch. v. ger, Speer, f. Gehre 3,5 landſch. 
auch Näbiger, Näbingerz niederd, Nävigerz gem, auch Aber, Eber; isländ. 
nabar, ſchwed. nafware, angelf, nafegar; franz, navrer, bohren); der Naͤ⸗ 
berſchmied, Bohrſchmied. 

Nabel, m, —s, M. Naͤbel; Verkl. dad Naͤbelchen, (altd. nabalo, 
nabeéle; niederd. u, engl, navel; angelſ. nafela, island, nafli, ſchwed, nafle, 
dan, navle 2c,5 vergl, d, griech), örupeAög, lat, umbo, umbilicus; f. Nabe), 
überh. eine runde, beſ. gewundene Vertiefung oder Erhöhung, z. B. Bauk. 
der Schlufs eines Gewölbes; der Brennpunkt in der Uchfe einer Erummen Linie; 
die mittlere Vertiefung oder Spige in den Windungen einer Schnede; Pflanz. 
der Mittelpunft des Hutes eines Pilzes; die fpigige Erhöhung in der Mitte eines 
Schildes 2c, ; in engerer Bed, am thier, u, menfchl, Körper die germundene Ver— 
tiefung in der Mitte ded Bauches, welche die Narbe der abgetrennten Nabel: 
Schnur iſt; — 3feg, die Nabelbinde, Leibbinde für neugeborene Kinder, um 
den Nabel niederzudrücken; der Nabelbruch, ein Bruch in der Nabelgegend ; 
nabelförmig, Bw.; dad Nabelfraut, eine in warmen Ländern wachſende 
Pflanze mit rundlichen, einem Schilde oder Napfe ähnlichen Blättern, Nabel: 
pflanze, nabelfdrmiges Becherkraut 2c, 5 auch f. Bruchkraut od, Durchwachs; 
Elachs = od, Leinkraut; eine Art Mannsharniſch; eine Art Steinbrech: Nabel: 
fteinbeech, Zrauennabel 2,5; eine Art Wintergrün; der Nabelfamen, 
landſch. f. Klebkraut; auch eine Art der Hundszunge: Nabelfamenfraut; 
die Nabelfchnede, eine Erdſchnecke; die Nabelfchnur cd, der Nabelftrang, 
die hautige Röhre, welche das Kind im Mutterleibe mit dem Mutterkuchen ver- 
bindet; — Ableit. nabelig, Bw., einen Nabel habend (nabelige Schneden ; 
der nabelige Hut eines Pilzes) ; nabeln, ziel, 3w., mit einem Nabel verfe= 
ben, bef, das Mw, genabelt (ein gemabelter Schild); ein Kind —, d. i. 

“ihm den Reft der abgefchnittenen Nabelfchnur eindrücken und einbinden. 
naben, Näber ıc. ſ. unter Nabe, 

nach, Bio, und Nw. (altd. nah, oberd, nacher, nieberd, na, holländ. naar, 
urſpr. = nah (ſ. d.), in der Nähe, neben; dann: hinter, zufolge ꝛc.; vergl, 
d, griech, zerc, d, lat, post, secundum; d, franz. pres, aupres, apres) ift 
im Allgemeinen dem vor entgegengefest, Es fteht 1. ald Bw, immer mit 
dem Dat, u, bezeichnet dann 1) die Richtung einer Bewegung in die Nähe 
eincd Öegenftandes od, zu dem Gegenftande felbft hin, bef. wenn dieſer ein 
Drtift (z. B. nach Leipzig reifen, etwas nad) Frankreich ſchicken; nad) der 


Stadt, nad Haufe gehen, zeifen, eilen 2c,; verſch. zu Haufe gehen, fein, 


d, 1, zu Haufe herumgehen, fich befinden, — die Richtung auf Perfonen, 
als das Ziel einer Bewegung, wird hingegen gew. durch zu bezeichnet; 3. B, 
ich ging nach Haufe; aber: ich ging zu ihm ; komm zu mir 2c,) ; insbe], wenn 
nicht der Bielpunft, fondern nur die Gegend, wohin eine Bewegung ober 
auch ein Gegenftand im Stande der Ruhe gerichtet ift, im Allgemeinen bes 





* 


nah 229 


zeichnet wird, in welchem Balle häufig noch zu hinzugefligt wird (z. B. nad 
Abend zu fahren, ſchiffen; nad) dem Walde zu reitenz ber Wind hat fi nad) 
Morgen gedrehtz das Haus liegt nad) Süden); ferner in ber beftimmteren 
Bed,, dafs die Bewegung im der Abſicht gefchieht, eine Perfon od. Sache 
au treffen, zu erreichen, zu faffen, zu holen, verfh. von zu (3. B. nad) 
Jemand fchlagen, ftechen, ftoßen z die Hand nad) etwas ausſtrecken; nad) Hut 
und Stocd greifen; fidy nad) etwas umfehen, büden 20,5 nad Waffer, nad) 
Weine 2c, gehen; verfch. zu Weine gehen 3 einen nad) dem Arzte ſchicken, näml. 
um ihn zu holenz verfch, einen zu dem Arzte fhidenz ſprichw. die Kunft geht 
nad) Brode) ; daher bezeichnet nach auch uneig. die Richtung des Gemuͤthes 
auf einen Gegenftand, eine Begierde, ein Verlangen, Streben, Forſchen ꝛc. 
(nad) etwas verlangen, ftreben, trachten, ringen, fragen, forſchen, ſich er: 
kundigen 20,5 einem nad) dem Leben trachten); 2) überh, ein Dahinter= oder 
Späterfein, Nachftehen, Folgen 2,5 insbeſ. a) räumlich: Bewegung od, 
Berharren hinter etwad, gew, hinter, (3. B. Einer ging nad) dem Andern 5 
er folgte nad) mirz uneig, etwas nach fih ziehen, d. i. zur Folge haben) ; 
b) zeitlich: ein Späterfein, Nachfolgen (nad) dem Effen, nad) der Kirche, 
nach dem Tode, nach 5 Uhr 26,)5 c) der Ordnung, dem Range, der Würde 
nad), ſinnv. naͤchſt (er ift ber Erſte nach mirz nad) jenem ift mir diefes das 
Viebfte) 3 daher 3) uneig, eine Gemäßheit, Angemeffenheit, Übereinftimmung, 
finnv, gemäß, zufolge, in welcher Bed, nad aud oft Hinter feinem Hm, 
fteht, (3. B. nad) feiner Weife lebenz nad) Stand und Würden, nach Belieben, 
nad Wunſch; nad) der Reihe, oder der Reihe nach; meiner Meinung nad, 
feiner Natur od, Gewohnheit nad) 3 dem Anfcheine nad) 3 feinen Verdienften nah 
meinem Bedünken nad), oder: meines Bedünkend; aber nicht: meines Bedlin- 
Eens nad) !); insbef, die Befolgung einer Negel, Richtſchnur, eined Maß— 
ftabed, die Nachahmung eined Vorbildes, Mufterd ꝛc. (fich nach den Ge: 
fesen richten; nach der Regel gehenz nad) der Natur, nad) dem Leben malen 5 
Gott ſchuf den Menfchen nach feinem Bilde; nad) der Vorſchrift fhreiben 3 nad) 
dem Gehöre, nad Noten fingen); eine Ahnlichkeit (nach feinenf Water arten; 
nad) etwas ausſehen; es ſchmeckt nah Wein, riet nad Veilhen 26.) 3 aud) 
ſteht nach f. in Anſehung, in Betreff, wo es meift nachgefest wird (5. B. 
den Körper nad) ift er geſund; feinem Alter nach Eönnte er klüger handeln; ich 
Eenne ihn nur dem Namen nad); etwas nad allen feinen Theilen, od, allen 
Theilen nach Eennen 26.) 5 — 2, ald Nw. ſteht nach 1) ald felbftändiges 


. Wort, wo ed ein Hinter= od. Späterfein nah) Raum, Seit, od. Ordnung 


bezeichnet, z. B. hinten nach kommen z nach wie vor, od, vorwienad, 
d, i. ſpäter wie früher; nach und nad, d. i. langſam hinter einander, all: 
mählich, nah gerade, d, i. allmählich, endlich (3. B. nach gerade wird es 
Zeitz vergl, gerade); 2) in Zufammenfegungen und zwar a) als erſtes 
ober zweites Glied in zgef. Nw, u, Bdw,, als: nachher, nachdem, nachmals; 
hernach, demnach, danach, wonach, hiernach ze,5 b) ald erftes Glied mit 
dem Saupttone in Hw,, wie Nachbild, Nahfhrift, Nachtiſch, Nachſommer, 
Nachricht 26,5 und vorzüglich in vieleh trennbaren Zeitwörtern, melde in 
ber Regel den Dat, erfordeen, und in welchen das Nw. nad) die Bedeutungen 
des Vw. hat; alfo: Nichtung auf ein Ziel 3.3, naxheilen, = laufen, = ftreben) 3 
Dahinter od, Späterfein, folgen (nachgehen, nachkommen, nachtreten, nach— 
fegen, nachftehen); Gemäßheit, Ahnlichkeit, Überemftimmung (. 8, nad: 


230 | nachachten — Nachbar 


bilden, ⸗machen, ⸗-ſprechen, =bruden zc.), Die Zſetz. dieſer Art laſſen ſich 
nach dem Bedürfniſſe des Augenblicks ins Unendliche vermehren u. erklären ſich 
arbßtentheils durch ſich ſelbſt; nur die allgemein üblichen oder einer befonderen 
Erklärung bedürftigen werden im Folgenden aufgeführt, 

nachachten, teb, ziellof, Zw., auf etwas achten u. danach handeln (dem 
N ihr nachachten) 5 daher die Nachachtung, Kanzl. f. Beobachtung, Ber 
olgung, 

nachäffen, teb, ziel, und ziellof. Zw., wie ein Ufe ohne Befonnenpeit 
nachmachen (etwas —, einem nadäffen); der Nachäfferz die Nachaͤffung. 

nachahmen, trb. ziel, u. zielloſ. Zw, (entweder v. ahmen, zielen, viſiten, 
engl, aim; oder yon eigenem Stamm, verw. mit d. lat, im-itari, griech. w- 
weower; ſchwed. äm, jämn, gleich, ähnlich 5 die altd, Sprache kennt dies Wort 
nit und gebraugt dafür gilihison, gleichfenen, f. gleigen 2,, bilidon, bilden 
u.a,), ‚eine Perfon od, Sache zum Mufter od, Vorbild feines Thuns neh⸗ 
men, derſelben ähnlich handein od, ſich benehmen, bef, ſofern es mit Über: 
legung geſchieht, verfrh. nahmachen, nadhäffen, mit dem Dat, des perfon- 
lihen Gegenftandes (einem in einer Sache nahahmenz er ahmte mir darin 
nah; der Natur nachahmen, d, i, die Regelmäßigkeit, Einfachheit 2c, ihres 
Wirkens fi zum Mufter nehmen), auch mit dem Acc, der Sache, worin man 
einem nachahmt, oder welche man nachbildet oder nachmacht (etwas, aud) einem 
etwas —; er ahmt feinem Vater Vieles nad) 5 Stimme, Gang, Schreibart eines 
Andern nahahmenz fie ahmt ihr Beifpiel nach; die Natur nahahmen, d. i. 
Raturgegenftände treu nachbilden z — ift eine Per ſon der Gegenftand, welchen 
man vollftändig und täuſchend mit allen Eigenheiten nachzubilden od. darzuſtellen 
(zu copiren) ſucht, ſo ſteht auch dieſe im Acc.z z. B. er ahmt mid nad), di, 
er ſtellt meine ganze Perfönlichkeit od. Eigenthümlichkeit nachbildend dar; verſch. 
er ahmt mir nach, d. i. er folgt meinem Beiſpiel in irgend einem Stücke; fo 
auch: er ahmt den Schiller nach, u, er ahmt dem Schiller nad) 26.) 5 der Nach 
ahmer, die Nachahmerinn, wer nachahmt; die Nachahmerei, verägtL, 
f. das Nachahmen, die Rahahmungsfucht z die Nachahmung, dad Nach— 
ahmen; auch etwas Nachgeahmtes, ein Nachbild ; die Nachahmungsgabe, 
⸗ſucht, der Nachahmungstrieb ꝛe. 

Nacharbeit, w., nad) einer andern, d. i, fpäter verrichtete Arbeit, entg, 
Vorarbeit, 3. B. Bergw, die ledige Schicht nad) der ordentlichen z aud eine 
Arbeit, welche nad) einer andern als einem Mufter verfertigt wird; nachare 
beiten, teb, ziel, u. ziellof, 3w,, nach einem Andern od. nad) einer andern 
Arbeit arbeiten, in Anfehung der Zeit u, Ordnung (einem, od. etwas nachar⸗ 
beiten, auch f, einer Arbeit nachhelfen, fie verbeffern), oder als nad) einem 
Mufter, einem Ziele des Strebens, finnv, nachmachen ‚ = ftreben. 

nacharten, trb. ziellof, Bw, m. fein, einem —, ihm der Art od, na> 
türlichen Beſchaffenheit nach ähnlich werden (die Kinder arten den Altern nad), - 

Nachbar, m, -n, (weniger r. -8), M. -n od. -en, die Nachbarinn, — 
M.-en, (mit von nach, fondern von n air und bauen (f. d.) f, wohnen, 
alfo eig, ein Nahbauerz altd, nahkapur od, - gibur, nachgebur; angelf, 
nehgebur, engl, neighbourz niederd, Naberz altnord, nabui, ſchwed. nabo), 
überh, ein Nahmwohnender, Anwohnender; in engerer Bed, Derjenige, deffen 

Haus od. Grundſtuͤck unmittelbar an dad meinige grenzt (Baus:, Felde, 
Garten: Nachbar); in weiterer Bed, Yandich, alle anfafjigen Sinwohner eined 


nachbedenten — Nachbrunft 231 


Dorfes; — 3fes, dad Nachbarhaus, dad Nachbarland, die Nachbar- 
ſtadt, der Nachbarſtaat ıc., benachbartes, angrenzendes Haus, Land 2c,; 
das Nachbarrecht, ein dem Nachbarn zuftehendes Rechts aud das Recht in 

einem Dorfezu wohnen od, ſich anfäffig zu maxhen ; der Nachbarsnıann, ſ. v. w. 
Nachbar; M. Nachbarsleute, Nachbaren ohne unterſchied des Geſchlechts; — 
Ableit. nachbarlich, Bw., benachbart, angrenzend; das Verhaͤltniſs der 
Nachbaren betreffend od. darin gegründet (nachbarliche Beſchwerden, Freund— 
ſchaft 26,) 5 die Nachbarſchaft, 1) dad Verhaͤltniſs der Nachbaren und die 
darin gegründeten Pflichten (gute Nachbarſchaft halten); 2) die ſaͤmmtlichen 
Nachbaren und die nahe liegende Öegend (die ganze Nachbarſchaft fpricht da: 
von; ee wohnt in meiner Nahbarjhaft) 3 nachbarfchaftlich, Biv,, die Nach— 
barfchaft betreffend, 

nachbedenfen, teb, ziel, Zw., hintennach od. hinterher bedenken (ſprichw. 
vorgethan und nachbedacht hat Manchen in groß Leid gebracht). 

nachbellen, trb. zieltof. 3w, einem-—, hinter ihm her belleng einem 
Hunde —, fein Bellen nachahmen. 

Nachbeſchickung, w., Hüttenw,, wiederholte Befchicfung (ſ. d.) nad) 
einer mifsrathenen, 

nachbeſſern, trb, ziel, 3w., an einer fertigen Arbeit hie und da beffern 
(ein Kunſtwerk — 3 an einer Arbeit etwas —)5 die Nachbeflerung. , 

nachbeten, trb. ziel, Zw., ein Gebet —, nachſprechen; uneig, verächtl. 
ohne eigned Nachdenken u, Überzeugung etwas Gehörtes od, Gelefenes nach= 
fprechen (einem etwas —); der Nachbeterz; die Nachbeterei; die Nachbe= 
fung. 
nachbezahlen, trb. ziel. Zw., nach früher geleifteter Zahlung noch etwas 
hinzuzahlenz; auch hinterher bezahlen, entg. vorausbezahlen, 

Nachbier, je, After, Halb», Dünnbier, vergl, Kofent. 

Nachbild, ſ., ein nach einem Ur- od. Vorbilde gemachtes Bild, finnv, 
Abbild (fe. Copie); nachbilden, trb. ziel, 3w,, etwas —, nad) einem 
Vorbild od. Mufter bilden; in weiterer Bed, f. nachahmen; die Nachbils 
dung; der Nachbildner. | 

nachbleiben, tu, ziellof. Zw., zuruͤckbleiben; unterbleiben ; übrig bleiben, 
überleben. 

nachbleichen, teb. ziellof, Zzw., hintennach bleich werden, verfchießen 
(dev Zeug ift nachgeblichen). N 

nachbliden, trb. ziellof. 3m, ,-einem—, ihm mit Blicken folgen. 

nachbohren, trb. ziel, Zw., einem — nad) feinem Vorgange bohren; 
etwas—, nochmals bohren, u, dadurch verbeffern. 

nachbrechen, trb. ziellof, Zw. 1) m. fein, hinterher brechen, meifer 
brechen; 2) m, haben, brechend nachfolgen od. nacharbeiten, bef. Bergw. 

nachbrennen, trb, ziellof. Zw., hintennach od, fpäter brennen (Jäg, ein 
Gewehr brenntnad, wenn der Schufs fpäter losgeht). 

nachbringen, trb. ziel, Zzw. etw a8-—, hinterher, fpäter bringen; uneig. 
f. nachholen, einbringen; einem etwad-—, ihm nachfolgend bringen, 

nachbruͤllen, » brummen, u, dgl,, teb, ziel, und ziellof, Zw. , britilend, 
brummend nachahmen (einem —); hinterher brüllen, brummen (einem 
etwas -—), 

Nachbrunft, w., Jäg, die fpätere Brunftzeit der ſchwächeren Hirſche. 


232 Nachbruſt — nacheilen 


Nahbruft, w., Fleiſch. der hintere Theil der Rindsbruſt. 

Nachbuͤrge, m., ſ. v. w. Rüde, Afterbürge, ſ. d. 

nachdem, 1) Nw. der Zeit f. nach dieſem, b. nachher, hernach (z. 8, 
wie wollen es nachdem ſchon fehen)z; 2) unterordnendes Bow, oder Fügewort 
a) der Zeit, etwas Vorangegangened anknüpfend, f, v. iv, nad) der Zeit, 
ald ꝛc. (3. B. nachdem er dies gefagt hatte, ftarb er) 3 b) des Verhältniffes: 
nach Maßgabe deffen, in dem Maße wie (nachdem es Eommt, ſich teifft zc.) ; 
bef. in Verbindung mit je: je nachdem, (f. unter je), 

nachbenfen, trb. ziellof. 3w,, feine Gedanken auf einen Gegenſtand 
richten, etwas denkend betrachten, unterfuchen ꝛc. (einer Sache (Dat,) —3 
dem denket nach z od, über eine Sache —) 3 einem Andern —, d, i, feiner Ge= 
danfenreihe folgen, entg. vordenken das Mw, nach denkend oft als Bw. 
f. gewohnt od, geneigt nachzudenken (ein nachdenkender Mann); dad Nache 
denfen, die Überlegung, Befonnenheit (ohne Nachdenken handeln, fein 2c,) 3 
nachdenklich, Bw. geneigt u, fähig nachzudenfen (ein nachdenklicher Mann) 5 
einem Nachdenfenden ähnlich (nachdenklich ausfehen) ; Nachdenken erfordernd, 
bedenklich (eine nachdenkliche Sache). 
nachdichten, teb, ziel, u, ziellof. 3w,, nach eined Andern Borgange dich— 
ten (einem etwas —), 

nachdonnern, teb, ziellof, u. ziel, 3m,, donnernd nachtoͤnen; donnernd 
oder mit donnerähnlichem Schall nachfenden (einem Verwünſchungen —). 

nachdrängen, trb. ziel, u, rückz. Zw., einen od. fich —, hinter andern 
her drängen. 

nachdringen, trb. ziellof. Zw. m. fein, eindeingend nachfolgen (das 
Waffer deingt nad); mit Eifer verfolgen (dem Feinde nahdringen). 

nachdruͤcken, trb. ziellof. u. ziel. Zw., hinterher, nochmals drücken, Durch 
einen Druck nachhelfen; nachdruden, trb. ziel. Zw., oberd. f. nachdruͤcken 
(vergl. drucken) nad) eined Andern Vorgang drucken, druckend nachbilden 
(z. 8. ein Zeugmufter —)5 in engerer Bed. eine Druckfchrift widerrechtlicher 
Weiſe und zum Nachtheil ded rechtmäßigen Verlegers wieder abdrucken 5; daher 
der Nachdruder, -8, wer Bücher unrechtmaͤßig nachdruckt; der Nach— 
Druck, M, =drücke, 1) (0. nachdrücken), nohmaliged Drücken, wiederholter 
Druck, 3. B. das zweite ſtärkere Preffen des Weins, u. der dadurch gewonnene 
Moſt (VNachſchuſs, Nahlauf); Jäg. das Wicderfäuen des Rothwildes; gem. 
ein nachhelfender, verftärfter Druck, bef. uneig. eine angewandte größere 
Kraft (etwas mit Nahdrud unternehmen; mit Nachdruck reden; Nahdrud auf 
etwas Yegen 26.)5 2) (v. nachdrucken) dad Nachdrucken, insbef. das wider— 
rechtlihe Nachdrucken von Druckfchriften (Gefege gegen den Nachdruck); 
eine nachgedruckte Schrift (Nadhdrüce verkaufen); nachdruͤcklich, Bw. u. 
Nw., mit Nachdruck, Eräftig, derb (eine Sache nachdrücklich betreiben; nad): 
drückliche Worte) 5; die Nachdruͤcklichkeit. 

nachdunkeln, teb. ziellof. Zw. m. haben, nach einiger Zeit dunkler werden, 
nacheifern, trb. ziellof. Zw., einem in etwad —, ſich lebhaft beftreben, 

ihm nachzukommen, ed ihm gleich zu thunz der Nacheifer; die Nacheis 

ferung; der Nacheiferer. | | 

nacheilen, teb. zielioſ. Zw. m. fein, einem —, eilig nachfolgen; die Nach- 
eile, dad Nacheilen; landſch. bef. die Verfolgung flüchtiger Verbrecher, u. das 
Recht dazu. 





Nachen — nachfolgen 288 


Nachen, m.,-d,M. w. E. (altd. nahho, nache, angelf. naca ; mittl. 
lat. noa, noha, naca; verw. mit d. griedh.veös, lat. navis?), ein Fleiner 
Kahn, bef. oberd. u. dicht.; dad Nachenfraut, eine mit dem Löwenmaule 
verwandte fibirifche Pflanze mit nachenförmigem Samen, 
nacher, gem. oberd, Vw. f. nad). 

Nacherbe, m, die Nacherbinn, ein in Ermangelung od, nach Abgang 
des Haupterben eingefeter Erbe, oberd. Uftererbe. 

nacherhaiten, trb. ziel. Zw., hintennach, fpäter, noch dazu erhalten, 

Nachernte, w., Nachlefe nad) der Haupterntez nachernten, trb. ziel, 
Sw., nad) Andern, od. Nachgebliebenes ernten, 

nacherzählen, trb. ziel. 3m., einem etwas —, ed. nach deffen Vor— 
gang erzählen, feine Erzählung wiederholen; der Nacherzähler; die Nach— 
erzählung. 

on teb. ziellof. u. ziel. Zw., hinterher od. fpäter effenz dad Nach- 
effen, die Handlung des Nacheſſens; aud) eine Speife, welche nad) einem 
Hauptgerichte gegeffen wird, Nachkoſt. 

nachfahren, teb. Zw. 1) ziellos m. fein, hinter her fahren, ſ. d. (z. 8. 
mit der. Hand) 5 ſchnell nachfolgen (Jäg. die. Hunde fahren nad, d. i. verfolgen 
ein Wild); überh. f. nachfolgen (oberd. einem im Amte —)5 in engerer Bed. 
in einem Fuhrwerke od, Fahrzeuge nachfolgen (einem — 5 Bergw. den Berg: 
leuten nachfahren, d. i. nad) ihnen einfahren); 2) ziel. etmad—, auf einem 
Fuhrwerke oder Fahrzeuge nachbringen (Kiften und Kaften —) 5 der Nach- 
fahrer, -8, M. w. E., oberd. f. Nachfolger (gem. abgek. Nach fahr, 
M.-en, entg. Vorfahr);5 Bergw. ein Bergbeamter, welcher die Gruben be: 
fährt und die Arbeit beauffichtigtz die Nachfahrt, dad Nachfahren; oberd. 
f. die Nachfolge in einem Amte ꝛc.; die Nachfährte, f. v. w. Hinterfährte, 

nachfallen, teb. zieltof. Zw., hinter her fallen, im Falle folgen, 

nachfärben, trb. Zw. 1) ziel.,im Färben nahahmenz nochmals färben; 
2) ziellos m. Haben, feine Farbe dur) andere durchfcheinen laſſen. 

Nachfeier, w., fpätere Feierz nochmalige Feier nach der Hauptfeierz 
nachfeiern, trb. ziel. Zw., fpäter, oder nochmals feiern. 

nachflattern, trb. zielloſ. Zw., einem, m. haben, nad) feinem Bei— 
fpiele flatternz; m. fein, ihm flatternd nachfolgen, 

nachfliegen, teb. ziellof. Zw., einem —, m. fein, fliegend nachfolgen, 
nacheilen; m. Haben, im Fluge nachahmen. 

nachfliehen, trb. zielloſ. zw., einem-—, fliehend nachfolgen. 

nachfließen, trb. zielloſ. Zw. hinter her, od. noch dazu fließen. 

nachfolgen, trb. ziellof. Zw. m. fein, einer Perſon od. Sade-, 
fi) hinter ihe her bewegen, nad) ihr Fommen (vergl. folgen), u. zwar räum: 
lich, od. der Reihe, dem Range nad) (4. B. einem auf dem Fuße —; der Nach— 
folgende 20.) 3 zeitlich: nach Jemand Fommen, fpäter eintreten od. erfolgen 
(einem im Amte nadhfolgenz der nadfolgende Sohn, näml. dem Alter nad) 5 
die Strafe, die Neue wird nachfolgen)z uneig. dem Beifpiele, dem Willen, 
der Vorfchrift eined Andern gemäß handeln, ihm nachahmen, fid) nad) 
ihm richten (3. B. folge ihm nicht nad) 5 die Nachfolge od. Nachfolgung, 
dad Nachfolgen, nad Raum u. Zeit (5. B. die Nachfolge in einem Amte); u. 
bef. uneig. dad Handeln und Verhalten nach der Lehre und dem Beifpiel 
eines Andern (3. B. die Nachfolge Chriſti); der Nachfolger, die Nachfol- 


234 nachformen — Nachgefang 


gerinn, wer einem Andern nachfolgt, bef. in einem Amte, einer Würde ıc, — 


entg. Vorgänger; auch der Denk: und Handlungsweife nach (Schüler u. Nach— 
folger Chrifti); nachfolgends, nachfolglich, Nw., vlt. u. landſch. f. im 
Nachfolgenden, meiterhin, hernach. 

nachformen, teb. ziel. 3w., nad) einem Mufter formen, nachbilden. 

nachforſchen, trb. ziellof. zw., einer Perfon oder Sache —, forgfältig 
danach fragen, ſich erfundigen, fie genau unterfuchen; der Nachforfcher ; 
die Nachforfchung. 

nachfragen, trb. ziellof, Zw., einer Perfon od, Sache —, nach ihr fra- 
gen, ſich erkundigen; auch: fich darum befümmernz die Nachfrage, das 
Nachfragen, die Erkundigung; der Nachfrager. 

Nachfeift, w., oberd. f. eine ausſtehende verfallene Zahlung, ein Reft. 

nachfuͤhlen, trb. ziel. 3w., et was — hintennach fühlen; einem et— 
was—, mit oder gleich ihm fuͤhlen; dad Nachgefuͤhl, nachbleibendes, 
fortdauerndes Gefühl. ö 

nachfuͤhren, trb. ziel. 3w., einem etmas-—, ed hinter ihm her führen. 

nachfüllen, teb. ziel. zw., nochmals, von neuem, hinzu füllen. 

Nachgänger, m., gew. Nachfolger, entg. Vorgänger. 

nad)gebären, trb. ziel. Zw., nach Andern, fpäter gebären (ein nachge— 
bornes Kind, d. i, ein jüngeres, bef, ein nad) dem Tode des Vaters geborenes) j 
die Nachgeburt, ein aus Häuten u, Blutgefäßen deftehender, runder, ſchwam— 
michtee Körper, welcher mit der Frucht in der Bärmutter mittelft der Nabel- 
ſchnur verbunden ift u, nad) der Geburt aus der Mutter tritt, auch Afterbuͤrde, 
Mutterfuchen ic, genannt, 

nachgeben, trb, Zw. 1) ziel, etwa& —, nochmals, fpäter, hinzu geben 
(noch Geld nachgeben müffen)z uneig, cinemetwad-—, vlt. u. landfch, f, 
erlauben, zulaffen, geftattenz einem nichts —, d, i, ihm nicht nachſtehen, 
nicht geringer fein; 2) ziellos ohne Caſus oder mit d, Dat, der Perfon, eig, 
die Spannung vermindern, nachlaffen (man giebt nah, wenn man ein ge: 
fpanntes Seil u, dgl, nachläſſt); daher bef, von feinen Behauptungen, For— 
derungen, Anfprüchen ꝛc. ablaffen, fie aufgeben, nicht mehr AWiderftand 
Yeiften (er gab mir, meinen Gründen, Forderungen ꝛc. nadhz ſprichw. der 
Klügſte giebt nach); uneig, auch von Icblofen Dingen: Feinen Widerſtand 
Yeiften, Feine Spannfraft äußern (dev Boden giebt nad, d. i. weicht aus; 
die Stahlfeder giebt nah); nachgiebig, Bw., gern u. leicht nachgebend, nur 
‘von Perfonen, finnv, gefällig, fuͤgſam; die Nachgiebigkeit, 

Nachgeburt, f. unter nahgebären; Nachgefühl, f. nachfühlen, 

nachgehen, teb, ziellof. 3w, m, fein, 1) einer Perfon od. Sache—, 
hinter ihr her gehen, folgen, nachfolgen, der räumlichen Richtung nad) (einem 
auf dem Fuße, einer Spur —3 uneig, einer Perfon —, d, i. fi um fie bemü— 
hen, bewerden), der Ordnung od, dem Range nad) (dad Unwichtige muſs dem 
Wichtigen nachgehen) z uneig. fein Verhalten danach einrichten, befolgen, 

“ gehorchen (oberd, und Kanzl, einem Befehle -);5 2) einer Sache —, fie 

zum Siel feines Beftrebend machen, fie vorzugsweiſe betreiben (feinen Ges 
fhäften, den Vergnügungen 26, —)5 3) einem —, feinen Öang nachah— 
men; nachgehends, Nw., gem, fr nachher, nachmals. 

Nachgeſang, m., Schlufsgefang, Schlufsfag in einem Singgedichte 
(fr, Epode), 





Nachgeſchmack — nachhinken '235 


Nachgeſchmack, m., der nad) dem Genuffe einer Sache im Munde zurüce 
bleibende Geſchmack. 

nachgiebig,, ſ. unter nachgeben, 

nachgießen, teb, ziel, Zw., hinterher, noch dazu gießen zIgießend nach⸗ 
bilden (ein Bild aus Erz); der Nachguſs, dad Nachgießen; der nachge— 
goffene Körper. 
Nachglanz, m., zurückgelaffener, nachbleibender Slany 

nachgleiten, trb. ziellof. Zw., hinterher gleiten, gleitend folgen, 
nachgraben, tro. ziellof. 3w., einer Sahe-, ihrer Richtung beim 
Graben folgen; grabend auffuchen, (Schägen —); ei nem — nad) feinem 
Vorgange graben ; noch mehr, tiefer graben; die Nachgrabung. 

Nachgras, fr, Landw,, nachgewachſenes Grad, Grummet. 

nachgrübeln, trb. zieltof, Zw, einer Sadhe-, fie zum Gegenftand 
des Grübelnd mahen, durch Grübeln zu erforfchen ſuchen. 

Nachgrummet, ſ., (f. Grummet), zum dritten Male gehauenes Gras, 

nachguden, tub, ziellof, Zw. einem —, gem. f. nachblicken, nachfehen. 

Nachguſs, ſ. nahgiegen, 

nachhallen, trb. Zw, 1) ziellos, hinterher hallen, hallend folgen; 2) ziel, 
hallend nachahmen, zuruͤckgeben, wiederholen (die Berge hallten den Ge— 
fang nad); der Nachhall, nachbleibender Hall; auch f. Wiederhall, Echo. 

nachhalten, trb. Zw. 1) ziel, et was —, hinterher, ſpaͤter halten (5. B. 
eine verfaumte Lehrftunde) 3 2) ziellosm, haben, lange halten, dauern, ſinnv. 
anhalten; daher nachhaltig, Bw., fpäter noch anhaltend, dauernd, 

Nachhand, w., landſch. f. Hintertheil eines Pferdes, entg, Vorhand. 

nachhandeln, teb, zieltof, Zw., fein Handeln nad) etwas einrichten (dev 
Vorſchrift, dem Befehle —). 

nachhangen, r. als nachhängen (ſ. hangen), trb, ziellof, Bw, m, haben, 
einer Sache —, Hang od, Neigung dazu Haben, u, fich derfelben uͤber— 
laffen od. hingeben (feinen Gedanken, einer Leidenfhaft, dem Grame —); Jäg. 
einem Hirfche —, d, i, ihn mit dem am Hängefeile geführten Leithunde auf: 
ſuchen. 

nachhauen, trb. Zw. 1) ziellos hinterdrein hauen, hauend verfolgen; 
2) ziel, hauend nachbilden (eine Bildſäule); hintennach, noch dazu hauen. 

nachheben, trb. ziel, Zw., hebend nachhelfen od, nach ſich ziehen, 

nachheizen, trb. ziel, zw., nochmals, noch mehr heizen. 

nachhelfen, trb. zielloſ. Zw. einer Sache oder Perſon —, durch 
Huͤlfe ihre Bewegung, ihren Fortgang oder Erfolg befoͤrdern; der Nach— 
helfer, die Nachhelferinn; die Nachhuͤlfe. 

nachher, Nw. der Zeit und Ordnung, ſ. v. w, hernach (ſ. d.), nachmals, 
ſpaͤterhin, entg. vorher; nachherig, Bw., nachher ſeiend oder geſchehend, 
nachmalig. 

Nachherbſt, m., der letzte Theil des Herbſtes, Spaͤtherbſt. 

nachhetzen, trb. ziel, Zw, einem etwas —, ed hinter ihm her hetzen. 

Nachheu, ſ., Grummetheu, Grummet, ſ. d. 

Nachhieb, m., das Nachhauen; ein nachfolgender Hieb, entg. Vorhieb. 

nachhinken, trb. ziellof. 3w, m. fein, einem— hinkend folgen; uneig. 
verächtl. ihm unvollkommen u, ſtuͤmperhaft nachahmen; fpät u. langſam od. 
ſchwerfaͤllig nachkommen ; m, haben, einem-, fein Hinken nachahmen. 


236 Nachhochzeit — nachlallen 


Nachhochzeit, w., Luſtbarkeit nach dem Hochzeitstage. 

nachholen, trb. ziel. Zw., eig. etwas hintennach oder noch dazu holen, 
fpäter holen (noch Geld — ; einen Zurückgebliebenen —); uneig, etivad Ver— 
fäumted —, ed zum Erſatz fpäter thun, finnv, einbringen, wieder guit 
machen; die Nachholung. | 

Nachhuͤlfe, w., ſ. nachhelfen. 

nachhuͤpfen, trb. zielloſ. zw, eine m —, m, fein, huͤpfend nachfolgen; 
m, haben, fein Huͤpfen nachahmen. 

Nachhut, w., das Huͤten des Viehs in einer Gegend, wo ein Anderer 
bereitö gehuͤtet hat, der Nachtrieb, die Nachtrift, entg. Vorhut z auch der , 
nachziehende Theil eines Heeres, Nachtrab (fr, Arriere-Garde); nachhüten, 
trb. ziellof, 3w., nach einem Andern hüten, die Nachhut haben. 

nachjagen, trb. Zw. 1) ziellos m, fein, einem-—, hinter ihm her 
jagen, beſ. um ihn einzuholen; uneig. einer Sache—, begierig danad) 
fireben, fich derfelben eifrig befleißigen (dem Vergnügen —; bibl. der Gerech— 
tigkeit 26. —)5 2) ziel, hinrerdrein jagen (einem die Hunde —); die Nachjagd, 
niederd, die Verfolgung eines Flüchtigen. 

— —— ſ., Spaͤtjahr, Herbſt; auch f. Gnadenjahr (ſ. d.), Witt— 
wenjahr. 

nachjauchzen, -jubeln, trb. ziellof. 3w,, einem-—, hinter ihm her, 
oder nach feinem Vorgange jauchzen‘, jubeln, | 

nachkaufen, trb. ziel.3w,, etwa 8—, hintennach, fpäter, noch dazu Faufen, 

Nachkind, ſ., oberd, f. Nachkomme. 

Nachklage, w., Rſpr. eine Klage, welche nach ausgeklagter Sache 
der Beklagte gegen den Klaͤger anſtellt. 

nachklettern, ⸗klimmen, trb. zielloſ. zw. einem-—, kletternd folgen. 

nachklingen, trb. zielloſ. zw., hintennach klingen, fortfahren zu klingen, 
einen Klang nachlaſſen; der Nachklang, ein fortdauernder, nachhallender 
Klang; uncig. f. Nachwirkung, Nachahmung; Nachruhm. 

nachkommen, trb. zielloſ. 2w., hinterher, hintennach kommen, folgen, 
dem Raume nach (er kommt mir nach), auch f. einholen, erreichen (er kann 
nicht nachkommen)z der Zeit nach: ſpaͤter kommen, nachfolgen (id werde 
nachkommen; die Reue kommt nach); uneig. einer Vorſchrift ze, Folge leiſten, 
etwas befolgen, vollziehen (einem Befehle, feiner Pflicht, feinem Verſprechen —) 5 
der Nachkomme, -n, bei. M. die Nachkommen, 1) wer nad) und kommt, 
d, i. fpäter Lebt, insbef, die von ung adftammenden Perfonen, Sinder, 
Sindesfinder ꝛc., entg. Vorfahren (unfere Nachkommen); 2) bisw, auch f, 
Nachfolger im Amt, Befis zc,, Erbe; die Nachkommenſchaft, die Ge— 
fammtbheit der Nachkommen; der Nachkoͤmmling, - ed, M. Se, ſ. v. w. 
Nachkomme, wofür es bef, in der Einh. gebr. wird, doch nur in der Affen 
Bed., finno, Abkoͤmmling; die Nachkunft, das Nachkommen. 

nachfünnen, trb. zielloſ. 3w., auslaff. f. nachkommen, = gehen ꝛc. koͤnnen. 

Nachkoſt, w., ſpaͤter, beſ. nad) der Suppe, genoſſene Speiſe. 

nachkriechen, trb. zielloſ. ʒw. m, fein, einem —, ihm kriechend folgen; 
einer Sache—, fie kriechend zu erreichen ſuchen. 

nachkünfteln, teb, ziel, 3w,, Pünftlicg od. Fünftelnd nachmachen. 

nachlallen, trb. ziellof, u, ziel. 3w,, einem-—, ihm im Lallen nach— 
ahmen; etwas-, Fallınd nachfprechen. 


nachlaffen — nachleſen 237 


nachlaffen, trb, 3m. 1) ziel., hinter ſich oder zuruͤcklaſſen, indem man 
ſich entfernt (uneig. der Wein hat in dem Beuge einen Fleden nachgelaffen), bef. 
beim Tode zurücklaffen, hinterlaffen (er hat nicht viel Vermögen nachgelaſſen; 
nachgelaffene Schriften 2c,) 5 ferner auslaſſ. f, nachgehen, =laufen, = fließen 
Yaffen, folgen laffen (ex wollte mic) nicht nachlaſſen; Jäg. die Hunde —, di, 
fie der Führte nachgehen Laffenz noch Waſſer nachlaſſen); daher etwas feiner 
natürlichen Richtung od, Neigung folgen laſſen, es loslaffen (ein Geil, eine 
Schraube ꝛc. —);5 einem etmad-, zulaffen, geftatten (man hat ihm Vie— 
les nachgelaſſen; es ift ihm nachgelaffen worden); etwas von od, an et— 
wa8d-—, feine Anfprüche oder Forderungen zum Theil aufgeben, fahren 
laffen, erlaffen (ex hat vom Preife, von der Rechnung zc, einen Thaler nad) 
gelaffenz; es ift ihm nichts an der Strafe nadigelaffen worden); vlt. f, unters 
laffen (bibl. den Wucher —)5 2) ziellos m, haben, an Spannfraft, Stärke, 
Heftigkeit, Eifer 2c, verlieren, abnehmen, ſchwaͤcher werden (die Kälte, die 
Krankheit, der Schmerz, fein Fleiß 2c, läſſt nach, hat nachgelaffen); der Nach 
laf3, -ed, o. M,, 1) dad Nachlaffen, d. i, das Ablaffen, Abftehen von 
etwas (ohne Nachlafs arbeiten); dad Erlaffen, der Erlaſs, die Verzeihung 
(einem Nachlaſs bewilligen); 2) das Nachgelaffene, insbef, was ein Verftor: 
bener hinterläſſt, finnv, Verlaffenfchaft, auch die Nachlaſſenſchaft; ferner 
das Erlaffene von einer Forderung (fr, Rabatt) 5 die Nachlaffung, das Nach-—— 
laffen in allen Bed.; nachläffig, Bw., eig, an Spannfraft nachlaffend, 
nicht angefpanntz gew, von Perfonen, nicht in gehörigem Maße Straft, 
Fleiß, Sorgfalt anwendend, finnv, läffig, fahrläffig, träge (ein nad: 
läſſiger Menſch, nachläſſig arbeiten, fchreiben, tanzen 26,)5 von Handlungen u, 
Sachen, Mangel an Fleiß, Sorgfalt, Achtung gegen ſich feldft u. Andere 
verrathend (eine nachläffige Arbeit; ein nachläſſiger Gang; nachläſſige Klei— 
dung 2c,) 3 bisw, auch in gutem Sinne f, ungefünftelt, natürlich (nachläfige 
Loden) ; die Nachläffigkeit, das Nachläffigfein, die nachläffige Beſchaffen⸗ 
heit; auch eine nachlaͤſſige Handlung (M, Nachläſſigkeiten). 

nachlaufen, teb, ziellof, 3w. m. fein, einem — hinter ihm her laufen, 
ihm laufend folgen, bef. um ihn einzuholen 5 uneig, fid) um eine Perfon an= 
gelegentlich bemühen, bewerben, gew. tadelnd (den Mädchen —); von Flüffig- 
keiten: hinterher od, noch dazu laufen, fließen; der Nachlauf, das Nach— 
laufenz dad Nachlaufende, eine nachfließende Flüffigkeit (3. 8. was, wenn 
der Branntwein ſchon abgelaufen ift, von dem Lutter nod) gewonnen wird) 5 der 
Nachläufer. 

nachlauten, trb. zielloſ. zw., hintennach, fpäter lauten; der Nachlaut, 
ein nach dem Hauptlaute vernommener Laut, 

nachleben, trb. ziellof, Zw., 1) fpäter leben, daher: die Nachlebenden, 
f. v. w. Nachkommen; 2) einem, einer Vorſchrift ꝛc. —, gemäß Ieben, 
ri handeln, fid) danach verhalten (Lebe jeinem Befehle, feinem Willen zc, 
nad), 

nachlegen, trb. ziel, ENT fpäter, nochmald, noch hinzu legen (Holz —), 

nachleiern, trb. ziel, 3i., einem etwas —, nach feinem Vorgange 
leiern (f. d.). 
„ nachlefen, trb. ziel, u, ziellof, zw. 1) nochmals Iefen, d. i. ſammeln, das 
Ubriggebliebene aufs od. einlefen (nad) der Ernte, der Weinlefe 2c,)5 daher 
die Nachlefe, das Nachlefen, die Cinfammlung des nach der eigentlichen 


238 nachleuchten — nachquellen 


Lefe Übriggebliebenen; auch das in der Nachlefe Eingefammeltes — nach— 
leſen 2) einem-—, nad) feinem Mufter, feiner Weife Iefen, ihm im 
Lefen nachahmen; ihm im Lefen folgen, d, i. einem Vorlefenden folgen, 
indem man ſtillſchweigend mitlief’t (lies nah !); et was —, nachfchiagen und 
Iefen (eine angeführte Stelle —); die Nachlefung. 

nachleuchten, tcb, ziellof.3w., hinterher leuchten, leuchtend folgen (einem), 

nachliefern, trb. ziel, Bw, etwas—, fpäter, noch hinzu liefern; die 
Nachlieferung. 

nachloden, trb. ziel. Zw., hinter fich her locken, nachzufolgen locken. 

nachmachen, teb. ziel, 3w,, einem etwas —, es nad) feinem Bei— 
friele, eben fo wie er machen, finnv, nachahmen, nachthun; etwas —, 
nachbilden, nad) einem Mufter machen, bef. etwas Natürlihes, Echtes 
Fünftlich u. aus unechtem Stoffe nachbilden (nachgemachte Perlen u, dgl.) ; 
auch f. ſpaͤter machen, nachholen (eine Schularbeit). 

Nachmahd, w., die zweite, fpätere Mahd (ſ. d.)5 landſch. f, Grummet. 

nachmalen, trb. ziel. u. ziellof. 3w,, einem-—, nad) feinem Beifpiel 
od, feiner IBeife malenz etwas Gemaltes —, malend nachbilden (fr. co: 
pirenz ein Bild, Buchſtaben —). 

nachmals, oberd, auch nachmalen (vergl, Mal 1.), Nw, der 3eit, in 
der Folgezeit, ſinnv. hernach, nachher, fpäterhinz nachmalig, Bw., was 
nachmalß ijt od. gefchicht (fein nachmaliges Betragen ꝛc.). 

Nachmaft, w., fpätere, oder uͤbriggebliebene Maft. 

nachmeffen, trb, ziel, 3w,, etwas Gemeſſenes nochmals meffen, bef, zur 
Prüfung der Mefjung eines Anderen; die Nachmeflung. 

Nachmittag, m., die Tageszeit zwiſchen Mittag u. Abend; der Gen, 
Nachmittags als Nw, f. am Nachmittage, nah Mittag; die Nach- 
mittagsfirche, = predigt, ruhe, =flunde, =zeitz der Nachmittags- 
prediger; der Nachmittagsfchlaf ıc. ; nachmittägig, Bw., Nachmittags 
feiend oder gefchehend (ein nahmittägiger Beſuch); nachmittäglich, Bw., 
jeden Nachmittag gefchehend. 

Nachmitternacht, w., der Iheil der Nacht von Mitternacht bis zur 
Morgendämmerungz; nachmitternächtlih, Bw., in diefe Seit fallend. 

nachmüffen, trb. ziellof. Zw., auslaff. f. nachfolgen müffen, 

nachnehmen, trb. ziel. 3w,, hintennach, noch dazu nehmen, 

nachordnen, trb, ziel, Zw., etwas oder einen—, ihm feine Stelle 
in der Ordnung nach einem Andern anmeifen, verſch. unterordnen; der 
Nachgeordnete, ehem, im deutfihen Staatsrecht, ein dem Kreisoberften 
an die Seite gefehter Beamter, - 

nachpfeifen, trb. zielloſ. u, ziel. 3w., einem, hinter ihm her pfeifen; 
nach feinem Beifpiel pfeifen; pfeifend wiederholen (ein Lied), 

nachpflanzen, trb. ziel, Zw., fpäter, noch hinzu pflanzen. 

nachpfuſchen, trb. ziellof, u. ziel, zw., einem-—, nad feinem Vor— 
- gange pfufchenz etwas-—, pfufchend nachmachen; der Nachpfufcher. 
nachplappern, plaudern, teb, ziellof. u. ziel, Iw,, einem-—, nad 
feiner Weife plappern 2.5 etwa 8—, plappernd od, plaudernd nachfprechen, 
nachprägen,, teb, ziel. Zw., et was —, das Geprägte nachmachen, 
nachquellen, trb. zielloſ. zw,, hintennach, noch dazu quellen; quellend 
folgen, 7 


; 
nachrafen — Nachricht 239 


nachraſen, trb, ziellof. 3w,, einem-—, m, haben, nad) feinem Beis 
fpiel od. Vorgange rafenz m. fein, ihm rafend nachfolgen. 
Nachraub, m,, fpäterer Raub des früher Zurüchgelaffenen ; ehem, das 
Nutzungsrecht der Feldfrüchte, welches der Nachfolger eines verftorbenen Pfar— 
rers den Erben desſelben gefiattet (auch Nachr auch). 

Nachraum, m., Forſtw. ſ. v. w. Abraum, Afterſchlag; auch das in 
einem abgeräumten Gehaue ftehen gebliebene ſchwache Holz; nachräumen, trb, 
ziellof. u, ziel, 3w,, einem-—, nad) ihm nochmals räumen; etwas-, 
fpäter aufräumen. { | 

nachraufchen , trb. zielloſ. zw., m, haben, hintennach raufahen; m, 
fein, raufchend nachfolgen. 

nachrechen, teb, ziel. u, zielloſ. zw., hinterher, nochmals rechen, harken; 
insbef, nachdem die Garben aufgejtellt find, die zurüdgebliebenen einzelnen ähren 

. zufammenharken, wozu ein großer Rechen, der Nachrechen,, gebraucht wird, 
nachrechnen, trb. ziel, Zw., et was —, nochmals rechnen, beſ. um die 
Richtigkeit der Rechnung zu prüfenz rechnend erforſchen, ausrechnen (z. 8, 
das Alter einer Perfon); ein em —, nad) feinem Beiſpiele, ihm gleich 
rechnen; auch ohne deffen Wiffen, gleichſ. hinter ipm, etwas berechnen 
(3. 8. ich kann ihin nachrechnen, wie viel er gebraucht hat); der Nachrechner ; 
die Nachrechnung, 

Nachrecht, fe, ein erft nach gefchehener Sache in Anfpruch genomme= 
ned Recht; landſch. ein Antheil der Jäger, Förfter zc, an den eingehenden 
Strafgeldern, k 

nachreden, trb. ziel, u. ziellof, 3w,, einem—, ihm im Reden nach» 
folgen od. nachahmen, finnv, nachſprechen; etwas —, wiederholen, was 
Andere geredet haben, ſinnv. nacherzählenz; einem etwas-, es hinter 

feinem Ruͤcken, in feiner Abwefenheit von ihm fagen, ‚bef, Nachtheiliges, 
finno. nachfagen (man vedet ihm viel Böfes nah); die Nachrede, nachfol- 
gende Nede, Schlufärede, entg. Vorrede; Rfpr, die Antwortfhrift auf die 
Widerrede (fr, Duplit); gew. dad Neden od. Urtheilen über Jemand in feiner 
Abweſenheit, u, das ihm Nachgeredete, bei. ſofern es Nachtheiliges ift (einen 
in üble Nachrede bringen, üble Nachrede vermeiden); der Nachreder ‚ wer 
einem Andern etwas (Übles) nachredetz der Nachredner, wer fpäter redet, 
eine Nachrede hält oder fchreibt. 

nachreifen, teb. zieltof. Zw., fpäter, nad) der Abnahme reifen (Winterobſt). 

nachreifen, trb. zielloſ. zw. m, fein, einem-, hinter ihm her reifen, 
bef, um ihn einzuholen; die Nachreife, ehem. f. Verfolgung, 

nachreißen, trb, 3m. 1) ziellos, fortfahren zu reißen, meiter reißen; 
2) ziel. hintennach, noch mehr reißen; reißend, d, i. mit der Reißfeder, 
nachzeichnen, > z 

nachreiten,, trb. ziellof, 3w, m, fein, einem—, ihm reitend folgen, 
bef, um ihn einzuholen 5: ſcherzh., bef.in der Studentenfpr. auch ziel, etwa 8 —, 
f. nacharbeiten, Verſaͤumtes nachholen; der Nachreiter. 

nachrennen, trb. ziellof, 3m, m, fein, ein em — hinter ihm her rennen, 
bef. um ihm einzuholen; uneig, einer Sache —, d, i. eifrig danach ſtreben. 

Nachreue, w., hinterher, fpät empfundene Reue. 

Nachricht, w., M. -en (wahrſch. urfpr. eine Anzeige, nach welcher man 
ſich richten folz daher zur Nahricht!), die muͤndl. od, ſchriftl. Mit: 


1 


240 nachrichten — nachſchieben 


theilung ur. die mitgetheilte Kunde von Vorfaͤllen, Zuſtänden ec. beſ. fofern 
die Mittheilung nicht pflichtmäßig, auch nicht bffentlich, ſondern von einer Per: 
fon an eine andere gefchieht, verfch, Bericht, Anzeige, Meldung, Bekannt: 
machung (einem Nahricht von etwas geben, bringen, ertheilen; gute, fihlechte 
Nachrichten haben, bekommen 2c.); nachrichtlich, Nw,, ald Nachricht, zur 
Nahrichtz Kanzl, au) f. zur Nachachtung. 
nachrichten, trb. ziel, zw., nochmals richten (Säg, das Jagdzeug —, es 
vollig in Ordnung bringen, nachdem es aufgeftellt worden); hinter her richten 
(Jäg. die Tücher, Garne ꝛc. —, hinter den Treibern aufftellen); fpäter richten, 
d, i, verurtheilen, hinrichten; der Nachrichter, Vollzieher eines peinlichen 
Urtheild, Scharfrichterz die Nachrichterei, Scharfrichterei, 
nachringen, trb. ziellof. 3m, einem-—, nad) feinem DBeifpiele ringen; 
einer Perfon od. Sache—, fie ringend zu erreichen fuchen. 
nachrinnen, trb. zielloſ. zw., noch dazu rinnenz rinnend folgen. 
nachrollen, trb. Zw. 1) ziellos, hinterher rollen, rollend folgen; 2) ziel, 
etwas einer Sache —, es rollend Hinter ihr her bewegen. 

nachr uͤcken, teb. 3w. 1) ziellos m. fein, hinterher rücken (1. d.), lang— 
fam u. geordnet nachfolgen ; 2) ziel. etwas —, ruͤckend hinterher bewegen. 

nachrudern, trb. Zw. 1) ziellos m. fein, rudernd nachfolgen; 2) ziel. 
rudernd nachbewegen (das Schiff). 

nachrufen, trb. ziel. 3w., einem etwad-—, hinter ihm her rufen; 
such nach feinem Borgange rufenz der Nachruf, dad Nachrufen u. das 
Nachgerufene; uneig. Worte, die man an Jemand nad) feiner Entfernung od. 
nad) feinem Tode richtetz auch der Ruf, das Geruͤcht, welched man zu= 
ruͤcklaͤſſt. 

Nachruhm, m., der Ruhm nach dem Tode; nachruͤhmen, teb: ziel. 
3w. einem etwad-—, ed in feiner Abweſenheit von ihm rähmen, ruͤh— 
mend nachfagen. 

nachfäen, teb. ziel. Zw., fpäter, noch dazu fen, 

nachſagen, trb. ziel. 3w., einem etwas—, dad von ihm Geſagte 
wiederholen; es auf fein Zeugnifs wiederſagen; hinter feinem Rücken, in 
feiner Abweſenheit von ihm ſagen, finno. nachreden (einem Böfes zc. —). 

nachfammeln, trb. ziel. Zw., nach) einem Andern, Übriggelaſſenes ſam— 
melnz fpäter noch dazu ſammeln; die Nachfammlung. 

Nachlaß, m., f. unter nachſetzen. 

nachfchaffen, teb. ziel. Zw. (ſ. ſchaffen) 1. nach eined Andern Beifpiele 
ſchaffen; hintennach, fpäter fchaffen, d. i. hervorbringen (Mw. nachge: 
Schaffen); 2, einemetwäs-—, forgen, daſs es ihm nachgebracht werde 
(Mw. nachgeſchafft). j 

-nachfchallen, trb. ziellof. 3w., hinterher, od, hintennach ſchallen; der 
Nachſchall, gew. Nahhall, Echo. 

nachfchauen, trb. ziellof, Zw., einem-, hinter ihm her ſchauen, nach— 
blicken ; oberd. auch f. nach etwaß fehen, nachſehen. 

nachſchicken, trb. ziel. 3w., einem Jemand od. etwas — hinter 
ihm herfchicken (einen Boten, etwas Vergeſſenes); die Nachſchickung. 

nachichieben, trb. ziel. u. ziellof. Zw., nach Jemands Vorgang, hinterher 
fchiebenz; fchiebend nachhelfen; der Nachfchub, das Nachſchieben, vef. im 
Kegelfpiele: das Schieben nad) einem Andern, 5 

nach⸗ 





nachſchießen — nachſchreiben 241 


nachſchießen, trb. Zw., 1) ziel, a. ziellos m. Haben, nad) Jemands 
Vorgange, oder hinter ihm her [hießen (einem eine Kugel); Geld—, zu 
dem früher hergefchoffenen fpäter hinzugeben, vergl, zuſchießen z3 2) ziellos 
m, fein, fid plöglich und fchnell hintennach bewegen, insbef, nachfallen 
(die Wand fiel ein u, das Dad) fhofs nad), fehnell nachwachfen (die fpätere 
Saat ift der früheren Saat nachgeſchoſſen) der Nahfhufßs, das Nach— 
fhießen, ein nachfolgender Schuſs; was nachgefchoffen wird, nadıge 
ſchoſſenes Geld; der Nachwuchs; Weinb, f. v. w. Nachdruck, ſ. d, 

nachſchiffen, trb. zielloſ. Zw. m, fein, zu Schiffe folgen, 

na chlachten, trb, Zw, 1, ziel,, fpäter, noch dazu fchlachten; 2, ziellos 
m, fein, bef, nieberd, f. nacharten (ſ. ſchlachten 2.). 

nachfchlagen, trb, 3w, 1, 3iel, u, ziellos m, haben, hinterher od, hintens 
nach fchlagenz durch Schlagen nachbilden (Geld —, nachprägen) z Bergw. 
durch Schlagen, d. i. Graben, nachforſchen, folgen (einem Erze) z3 Tonk. 
einen Ton, eine Note —, nach einer andern anſchlagen oder hoͤren laſſen 
(auch ziellos: der Ton ſchlägt nach); eine Stelle in einem Buche —, aufs 
fuchen u. leſen, ſinnv. aufſchlagen; der Nachfchlag, ein hintennach erfols 
gender Schlag; insbef. Tonk. ein nachfchlagender Ton, entg. Vor-, Auf⸗ 
ſchlagz die Nachſchlagung — nachſchlagen 2, ziellos m, fein, ſ. v. w. 
nachſchlachten 2,, nacharten (1, ſchlagen 2.). 

nachſchleichen, trb. ziellof. zw. m, fein, einem — ſchleichend folgen, 
beſ. um ihn zu belauſchen; uneig. einer Perſon od. Sache —, fie heimlich 
aufzuſpuͤren, zu gewinnen, zu erlangen ſuchen. 

nachfchlendern, trb. zielloſ. Zw. m, fein, ein em —, ſchlendernd folgen, 

nachſchleppen, trb. Zw. 1) ziel, etwas —;hinter ſich her ſchleppen (ein 
Schiff); rückz. ſich —, mühfam nachfolgenz 2) ziellos m, Haben, fchleps 
pend nachgezogen werden (das Kleid ſchleppt nach) ; uneig, langfam u ſchwer⸗ 
faͤllig nachfolgen, in der Ton- und Redekunſt. 

Nachſchluͤſſel, m., ein nachgemachter Schluͤſſel, Bei-, Diebsſchlüſſel. 

nachſchmecken, trb. zielloſ. Zw., einen Geſchmack im Munde zuruͤck⸗ 
laffenz der Nachſchmack, landſch. f. Nachgeſchmack, ſ. d. 
————— trb. ziel, Zw., etwas —, flüchtig und ſchlecht nach⸗ 

reiben. 

nachſchnattern, trb. zielloſ. u. ziel. Zw., einem —, fein Schnattern 
nachahmen; etwas —, ſchnatternd nachſprechen. 

nachſchneiden, trb. ziel. 3w., nach Jemands Vorgang, hintennach, 
noch dazu ſchneiden, ſchneidend nachbilden, ſo auch: nachfchnitzen, 
ſchnitzeln; der Nachſchnitt, ſpaͤterer Schnitt; etwas Nachgeſchnittenes, 
durch Schneiden Nachgebildetes. 
Nachſchoſs, m., 1) ein fpäter aufgewachſener Schoſs, Nachſchoͤſs⸗ 

ling; 2) abermaliger Schoſs, nachtraͤgliche Abgabe. 

nachſchreiben, trb. ziel. Zw., hinterher od. hintennad) fhreiben ; ſchrift⸗ 
lich nachmelden; nach Jemands Beifpiel oder Vorgang ſchreiben (Einer 
ſchreibt dem Andern nad) 5 fchreibend nachbilden (eine Vorfgrift) 3 eined Anz 
dern Norte, während er fpricht, niederfchreiben (einen Vortrag 5 ein 
nachgeſchriebenes Heft, d. i. ein durch Nachſchreiben angefertigtes) 5 der Nach⸗ 
ſchreiber; die Nachſchrift, etwas nach dem Schluſs einer Schrift, z. B. 
eines Briefes, noch hinzu Geſchriebenes (fr. Poſtſcript)z eine nachgebildete 


Hepfes Handwörterb, d, deutſchen Spr. 2. Their 16 


242 Nachſchub — nachſinnen 


ea entg. Vorſchriftʒ eine dem Vortrag eines Andern nachgeſchriebene 
Schrift. 

Nachſchub, m., ſ. nachſchiebenz — Nachſchuſs, m., ſ. nachſchießen. 

nad; fehütten, trb. ziel. Zw., hinterher, hintennach, noch dazu ſchuͤtten. 

Nachſchwarm, m., der zweite Schwarm von einem Bienenſtock in 
einem und demſelben Sommer, entg. Vorſchwarm. 

nachſchwatzen, trb. ziellof. und ziel. zw., einem —, im Schwaßen 
nachahmen; etwas —, ſchwatzend wiederholen. 

nachſchwimmen, trb. ziellof. Zw. m. fein, ein ein —, ſchwimmend 
folgen. 

nachſchwingen, trb. ziel. Zw., etwas und bef. ſich einem —, im 
Schwunge hinter ihm her bewegen, im Schwunge folgen. 

nachſegeln, trb. zielloſ. Zw. m. fein, einem —, ſegelnd folgen. 

nachſehen, trb. Im. 1) ziellos, einem —, hinter ihm her ſehen, ihm 
mit den Augen folgen, finnv. nachblicken, -ſchauen; uneig. dad Nach— 
fehen haben, d. i. einer vorüsergegangenen Sache, einem verlorenen Gute 
gleich]. mit den Augen folgen, d. i. ſich getäufcht oder unbefriedigt fehenz ferner 
ſ. v. w. nad etwas fehen, feine Aufmerkſamkeit darauf rihten, nach— 
forfchen (fied nah, wo die Kinder find)s 2) ziel. etwas —, deſſen Rich— 
tigkeit, gehörige Befchaffenheitzc, unterfuchen (eine Rechnung, die Wäſche —) 5 
einemetwad-—, (gleihf. für ihn zurückſehen), etwas Tadelnswerthes, 
Unerlaubtee:c, nicht zu bemerfen fcheinen, ungerügt hingehen laſſen, finnv. 
überfehen, durch die Finger fehen (Eleine Vergehen kann man den Kindern 
nachſehen) 5; insbe. einem aulner —, Frift zur Zahlung gewähren; 
die Nachficht, das Nacyfehen, die Unterfuhung (3. B. einer Rechnung) 5 
gew. dad ingehenlaffen ? Überfehen r Nichtruͤgen einer Sache, und die 
Geſinnung od, Gemuͤthsart, worin es gegründet iſt (Kachſicht mit od. gegen 
Semand haben; ihm Nachſicht beweifen 2c.) 5 nachfichtsvoll, Bw.; nachſich⸗ 


tig, Bw. Nachſicht habend, zeigend, zur Nachſicht geneigt, u. datin gegruͤn⸗ 


det, ſinnv. mild, guͤtig (ein nachſichtiger Vater; nachſichtige — 
die Nachſichtigkeit, das Nachſichtigſein. 

nachſenden, trb. ziel. Zw., hinterher ſenden; die Nachſendung. 

nachſetzen, trb. Zw. 1) ziel., hinterher, hintennach, ſpaͤter ſetzen (die 
nachgeſetzten Worte, ſ. v. w. die nachſtehenden) 5 beſ. uneig. der Ordnung oder 
Wuͤrde nah: Jemand einem Andern —, d. i. ihn geringer achten, ſinnv. 
zurückſetzen, entg. vorziehen; 2) ziellos m. haben, einem—, ihm in Sisen 
(d. i. Sprüngen) nacheilen, ihn verfolgen (vergl. ſetzen) die Nachſetzung, 
dad Nachſetzen in beiden Bed.; der Nachſatz, der dem Vorderſatz entfprehende 
Sclufsfaß eines —— 

Nachſicht, nachſichtig ze, ſ. unter nachſehen. 

Nachſilbe, w., nachfolgende Silbe, insbeſ. eine dem Stammworte 
angehaͤngte Ableitungsſilbe, Endſilbe, entg. Vorſilbe. 

nachſingen, trb. ziel. u. zielloſ. Zw, einem —, nach feinem VBorgange, 
hinter ihm her fingen; ihm im Singen nahahmenz; etwas — fingent 
wiederholen, 

nachſinken, trb. ziellof. Zw., hinterher finfen, finfend folgen. 

nachſinnen, trb. ziellof. 3w., einer Sache (Dat.) od. überetwaß-, 
ed finnend zu erforfchen fuchen, finnv. nachdenken ; der Nachfinner. 


TI — — — 


’ 


- 


J 


nachſitzen — nadhitellen 243 


nachſitzen, trb. zielloſ. Zw., hintennach, fpäter fißen, bef. um Berfäumz 
tes. nachzuholen. 

Nachſommer, m., Sommerwetter im Herbfte, Spätfonmer, 

Nachforge, w., hinterher empfundene oder getragene Sorge, entg. 
Vor ſorge. 

nachſpaͤhen, trb. zielloſ. zw., einem od, einer Sache —, ihn od. 
fie auszuſpaͤhen ſuchen ; der Nachſpaͤher; die Nachſpaͤhung. 

Nachſpiel, ſ., ein dem Hauptſpiel folgendes kuͤrzeres Ton= od. Schau= 
fpiel; uneig. eine nachfolgende Begebenheit oder Handlung, entg. Vorfpielz 
nachſpielen, trb. ziel. u. ziellof. Zw., etwas —, hinterher, hintennach 
ſpielen; einem-—, im Spiele folgen oder nachahmen. 

nachfpotten, teb. zielloſ. Zw., einem —, hinter ihm her ſpotten; nach 
feinem Vorgange fpottenz; ihm mit Berfpottung nachahmen, 

nachfprechen, teb. ziel. und ziellof. 3w., etwa 8 —, Vorgeſprochenes 
wiederholen (ein Gebet), insbef. Anderer Worte und Gedanken ohne eigenes 
Nachdenken wiederholen; einem, feine Sprache nachahmen; der Nach— 
fprecher. 
nachſprengen, trb. Zw, 1) ziel. hinter her fprengen od. fpringen machen ; 
2) ziellos m. fein, einem —, ihm in größter Eile nachfolgen, 

nachiprießen oder = |profjen, trb. zieltof. Zw., hinterher auffprießen ; 
der Nachſproſs, ein nahgefommener Sproſs. 

nachfpringen, teb. ziellof. Zw. m. fein, einem —, nad) feinem Bei- 
fpiele ſpringen; ihm fpringend nachfolgen. 

nachfpüren, trb. ziellof. 3w., einer Perfon od. Sache —, fie auf- 
zufpüren fuchen, 

nächft, Nw. u. Vw., der nächfte ꝛc. Bw., nächftens, Nw., f. unter nahe. 

Nachftaar, m., Heilk. ein Staar, welcher nach unvollfommener Aus— 
ziehung oder Niederdruͤckung ded Staares entfteht, 

Nachftachel, m., landſch. f. Legeftachel der Bienen ıc. 

Nachſtand, m., f. unter nachſtehen. 

nachſtechen, trb. 3w. 1) ziel. ftechend, d. i. mit dem Grabftichel nach— 
bilden; 2) ziellos, hintennah, nach Andern ftechen (im Kartenfpiele) 5 
Bergw. den Häuern —, d. i. nachfahren; der Nachflich, ein nachgeftochener 
Kupferftich. 

nachſtehen, trb. ziellof. 3m. m. haben, nach oder hinter etwas ftehen, 
folgen, kef. das Mw. nah itehend f. folgend (nadftehende Worte 2c.) 5 
uneig. einer Perfon 0, Sache —, dem Werthe oder Range nach ge= 
ringer fein, nachgeſetzt werden (id) ftehe ihm nad) 3 das Angenehme mufs dem 
Nützlichen nachſtehen); oberd. f. rückſtändig fein (nachſtehende Gelder); der 
Nachſtand, ehem. f. Schaden, Nachtheil; oberd. f. Rückſtand, rücftändi: 
ges Geld; nachſtaͤndig, Bw., f. rüdftändig. 

nachſteigen, trb. ziellof. Bw. m. fein, einem —, fteigend folgen, 

nachftellen, trb. 3w. 1) ziel. nach od, hinter etwas ſtellen; auch uneig. 
f. v. w. nachfegen, zurückfegen; 2) ziellos einem Ihiere od. Menfchen —, 
eig. durch aufgeftellte Fallen, Schlingen u. dgl, zu fangen furchen (Vögeln, dem 
Wilde —); uneig. überh, durch Lift in feine Gewalt oder in feinen Befig zu 
befommen fuchen (einem Menſchen —; einem Amte— 2c.); die Nachftellung, 
das Nachftellen, Auflauern in feindlicher Abficht (M. Nachſtellungen). 

16 * 


244 nachſterben — Nacht | 


nachfterben, trb. ziellof. 3w., einem —, fterbend nachfolgen. 
nachfteuern, irb. Zw. 1) ziellos, mit Hülfe des Steuerruderd nach⸗ 


fchiffen; 2) ziel. nochmals, noch dazu feuern; die Nachfteuer, nachträge 


lich entrichtete Steuer; landſch. f. Abzugsgeld. 

nachftiden, trb. ziel, Zw., ſtickend nachbilden. 

nachſtopfen, trb. ziel, u. zielloſ. Zw., noch hinzu ſtopfen; ſtopfend nach— 

elfen. 

nachſtoßen, trb. ziel. u, zielloſ. Zw., hinterher, nochmals, noch dazu 
ſtoßen; ſtoßend nachhelfen; der Nachſtoß, nachfolgender Stoß; Fechtk. 
der Stoß, nachdem man den des Gegners abgewieſen hat. 

nachſtreben, trb. zielloſ. Zw, einer Sache —, fie zu erlangen ſtreben 


(der Tugend) ; einem —, nach feinem Beiſpiele ftreben, iym nachzukommen 


reben, 
nachſtreuen, trb. ziel, Zw., hinterher, noch dazu freuen, 
nachſtroͤmen, trb. ziellof. Zw. m, fein, firömend od, ftrommeife Folgen, 
nachitürzen, trb. 8w. 1) ziellos m. fein, hinterdrein ftürzen, ſtuͤrzend, 
d. i. in größter Eil, folgen; 2) ziel. etwad—, hinterher (kürzen, d. i. 
ftürgen machen, 

nachſuchen, trb. ziellof. u. ziel, 5w,, nach etwas fuchen, «8 aufſuchen; 
uneig. etwad oder um etwas —, bei einem Höheren darum anhalten, 
finnv, anſuchen; der Nachfucherz; die Nachfuchung, in beiten Bed.; die 
Nachfuche, Jäg. das Recht, ein angefhoffenes Wild in einem fremden Gebiete 
aufzufuchen, 

Nacht, w., M. Nächte, (goth. nahts, altd, naht, niederd, Nagtz angelf, 
neaht, engl. nightz altrord, ſchwed. dan, natt; flau, noc; fansfr, naktas, 
griech, vüS, vurrös, lat, nox, noctis, ital, notte, franz, muit 26,5 von nah, 
nahen, neigen, alfo: die Hereinbrechende, ſich Neigendez vergl, Gnade), die 
Zeit von Sonnenuntergang bid Sonnenaufgang, während deren die Sonne 
unter dem Geſichtskreiſe ſteht, entg. Tag (Tag und Nacht arbeitenz bie 
langen Nächte des Winters: die lange Nacht, f. unter langz uber Nacht, d. i. 
die Nacht hindurch); in engerer Bed, nur die Zeit der völligen oder größten 
Dunfelheit, ver, Abend, Dämmerung (eö ift Nacht; die Nacht bricht herein, 
überfüllt uns 2c.3 bei Nacht, in der Nacht; bei Nacht und Nebel davon gehen, 
d. i, unter Begünftigung der Dunkelheit) 5 oberd, auch f. Abend (zu Nacht effenz 
vergl, das Nachtbrod, = effen, =mahlz die Faſtnacht) ; mit hefonderer Beziehung 
auf Nuhe und Schlaf (der Kranke hat cine gute Nacht gehabtz fchlaflofe 
Nücte; einem eine gute Nacht od, ihm gute Nacht wünschen 5 gute Nacht ! gew, 
Grußformel vor Schlafengehenz aber nicht: wohlfälafende oder wohlruhende 
Nacht!); uneig, f. jede große Dumfelheit (die Nacht des Waldes, eines trüben 
Wintertages 2c.), auch ald Bild der Unwiſſenheit, des Todes und Grabe, 
des Elends und der tiefen Trauer (af diefem Volke ruht nod) tiefe Nacht 3 
Nacht deckt uns die Zufunftz das Reich der Nacht, d. i, das Todtenreich u. dgl. 
m); — Nachts od, weniger gut: des Nachts (altd, nalıtes, des nahtes, 
eig, ein unregelm,, wie von einem männl, Hw. gebildeter Gen.) als Nw. der 
Beit f. bei Nacht, in der Nacht; — 3fes. die Nachtarbeitz der Nachte 
arbeiter; das Nachtbeden, ſ. v. w. Nachtgeſchirr; die Nachtblatter, zur 
Nachtzeit zuweilen ausbrechende ſchmerzhafte Blatternz die Nachtblume, eine 
bei Nacht aufblüpende Blume, instef, eine oftind, ſternförmige Blume der Art 





- 





\ 


Nacht 245 


(Nyctantdes L.); dad Nachtbrod, Nachteſſen, oberd, f, Abendeſſen (ſ. o.)5 
der Nachtdrud (ſ. Drud), ſ. v. w. Alps; die Nachteule, überh. f. Eule (ſ. d.), 
beſ. die gemeine braune Eule; auch einige Arten der Nachtfalter: Nachteulchen; 
ber Nachtfalter, Nachtſchmetterling (vergl. Falter); der Nachtfroft, nächt— 
licher Froft, bef. im Frühling oder Herbſt; dad Nachtgarn, =neb, ein £er: 
chengarn, mit welchem Lerchen, 5* 2c. zur Nachtzeit geſtrichen werden; 
der Nachtgedanken, nächtlicher, beſ. finfterer, trübſeliger Gedankenz das 
Nachtgeſchirr, Geſchirr zum Urinlaſſen, Nachttopf; dad Nachtgeficht, -ge— 
ſpenſt, nächtl. Geſicht, Geſpenſtz das Nachtgeſtirn, bei Nacht leuchtendes 
Geſtirn, der Mond; dad Nachtgewand, ſ. Nachtkleid; die Nachtgleiche, 
die Zeit im Jahre, wo Tag und Nacht gleich lang ſind (fr. Aquinoctium), im 
Frühling d, 21. März, u, im Herbſt d. 21. Sept. (Frühlings- und Herbft: 
Nachtgleiche); die Nachthaube, eine Haube zur Kopfbedeckung bei Nacht, Schlaf— 
haube; dad Nachthaus,-haͤuschen, Schiff, das bei Nacht durch eine Lampe 
erleuchtete Behättnife des Kompaſſes; die Nachtherberge; die Nachtigall, 
M.-en (v. Nacht u. Gall, Schallz vergl. gellenz; altd, nahtigala, nahte- 
gal; ſchwed. näcktergal, engl, nightingale ; die Nadhtfängerinn), ein befannz 
tee Singvogel, welher feinen ſchönen Gefang vorzüglich bei Nacht hören läſſt; 
man unterfcheidet zwei Arten: den röthlihbraunen Zagefhläger od. Rothz 
vogel, u. den mehr grauen Sproffer, Sprofsvogel od. Nachtſchlä— 
ger; uneig. ehem, eine Art des groben Geſchützes; der Nachtigall= od. Nach— 
tigallenton 20.5 bie Nachtjagd, eine bei Nacht angeſtellte Jagd, Fackeljagdz 
bie Nachtkerze, uneig. eine amerikan. Pflanze (Önothera L.); dad Nacht— 
kleid, ein Kleidungsſtück, welches man entweder Nachts im Bette, od. auch 
Morgens und Abends vor od, nac) dem vollen Anzuge trägt; fammtliche Stücke 
. der Art machen die Nachtkleidung od, dad Nachtzeug (fe, das Neglige oder 
Des habille) aus; einzelne dazu gehörige Stüde find: die Nachtjiade, das 
Nächtkamifol, =mieder, = wamms, der Nachtrod, mantel; die Nachts 
haube, =müßeıc.; dad Nachtlager, das nächtliche Lager, ber nächtliche 
Aufenthalt, und der Ort, wo man übernachtet; die Nachtlampe, das Nachts 
licht, eine Lampe, ein Licht, welches man die Naht über im Schlafzimmer 
brennen Läfts die Nachtliebfte, eine Art oftind, Tuberofenz die Nachtluft, 
kühle Luft zur Nachtzeit; das Nachtmahl, oberd. f. Abendmahl, bef, das 
heil, Abendmahlz der Nachtmahr (f. Maͤhr), auch das Nachtmännchen, 
landſch. f. der Alps der Nachtmeifter, Hüttenw. ein Hüttenmeifter, welder 
die Schmelzhütten in der Nacht beaufihtigts der Nachtmenfch, Menfchen, 
welche bei Nacht follen fehen Eönnen (Albinos); die Nachtmotte, e fchabe, zur 
Nachtzeit herumfliegende Motte; die Nachtmüge, eine Müse zur Ko pfoededung 
bei Nacht, bef, für Männer, verſch. Nachthaube; uneig, gem, ein trüger, eins 
fältiger Menſch, Schlafmütze; der Nachtnebel, ein Fehler des Gefichts, wobei 
man in der Dümmerung blödfichrig ifts dad Nachtpfauenauge, ein dem 
Pfauenauge ähnlicher Nachtfalter; der Nachtpocher, Bergw., ein Arbeiter, 
welcher in dem Pochwerke über Nacht die Aufſicht hat; der Nachtrabe, vers 
fchiedene bei Nacht herumfliegende Vögel, namentlih: die Nachteulez eine Ark 
Kleiner Reiber: Nacht-, Schild-, Fiſchreiher; bef. die Nachtſchwalbez uneig, 
f. Nachtſchwärmer, od, Nachtarbeiter z der Nachtriegel, ein zur Sicherheit bei 
Nacht vorgefhobener Riegel; der Nachtrock, f. Nachtkleid; die Nachtruhe, 
nädtlie Ruhe, nächtlicher Schlaf; die Nacptrunde, ; Soldaten : Runde zur 


246 Nacht 


Nachtzeit; der Nachtſchatten (von undeutlicher Abſtammung), 1) ein Pflan: 
zengefhleht (Solanum L.) von verſchiedenen Arten, alö: der ſtrauchartige 
Eletternde Nachtſchatten (engl. nighr-shade) mit blauen oder weißen, 
bef, bei Naht angenehm riechenden Blumen, aber fhaslihen Beeren, auch 
Bitterſüß, Mäufeholz, Hinſch- oder Hintſchkraut, wildes Selängerjelieber ge: 
nanntz; der gemeine Nachtſchatten mit weißen Blüthenfträußen u, ſchwar— 
zen Beeren, auch Säukraut, oberd. Morde genanntz der Enollige Nat: 


fhatten: die Kartoffel (1, d,); bee fhHwarzeod, braune Nadhtfhat 


ten: die Enollige Braunwurz, das Feigwarzenfraut, u. m. a.; 2) f. Nacht— 
fhwalbe (vr. Nahtfhaden); die Nachtjchicht, Bergw. die Schicht (f. d.) 
in der Nacht von 8 Uhr Abends bis 3 Uhr Morgens; der Nachtichichter, 
Bergw. f. Nachtarbeiter znachtichlafend, Bw., gem. unr. bei nachtſchlafender 
Zeit f. zur Beit des nächtlichen Schlafes; der Nachtfchläger, f. o. Nachtigall; 
der Nehticntetterling, nur bei Nacht herumfliegende Schmetterlinge, Nacht: 
falter; die Nachtfchwalbe, eine Art großer Schwalben, afhgrau mit fhwar: 
zen Streifen und mit bärtigem Unterſchnabel, rur bei Nacht ausfliegend, auch 
großbärtige Schwalbe, Biegen: oder Kindermelker, Milhfauger, Nachtrabe, 
= vogel, = fhaben oder » fihatten genannt ; der Nachtichwärmer, die Nacht- 
ſchwaͤrmerinn, wer Nachts herum ſchwärmt oder ſich beluſtigt; die Nacht— 
ſchwaͤrmerei; der Nachtſchweiß, nächtlicher Schweiß, beſ. bei auszehrenden 
Kranken; das Nachtſiedel od.-ſedel, ehem. f. Nachtlager; das Nachtſitzen, 
Aufſitzen und Arbeiten bei Nacht (fr, Lucubriren); der Nachtſitzer ꝛc.; das 
Nachtſtellen, Jäg. das Umſtellen eines Gehblzes bei Nacht; das Nachtſtuͤck, 
ein Gemälde oder Kupferſtich, auf welchem eine Handlung, Gegend ꝛc. mit 
' nädtliher Beleuchtung dargeſtellt iftz der Nachtftuhl, ein ſtuhlähnliches Ge: 
räth zu Ausleerungen des Leibes dienend, Leibſtuhl; der Nachttifch, ein Eieiner 
Tiſch, ben man Nachts neben dein Bette ftehen hat und beim Aus= und An: 
kleiden gebraucht, Pugtifch «fr, Toilette); der Nachttopf, gem, f. Nachtge— 
ſchirr, ſ. de; die Nachtuhr, eine Uhr, welche die Stunden in der Nacht 
inittelft des Mond: und Sternerlichtes anzeigt; die Nachtviole, eine Pflanze, 
beren violenähnlihe Blumen nur bei Nacht angenehm riechen (Hesperis L.); 
der Nachtvogel, jeder nur Nachts ausfliegende Vogel, insbef, f. Nachteule, 
Nahtrabe, Nachtſchwalbe; auch f. Nahtfalterz uneig. f. Nachtſchwärmer; die 


Nachtwache, zur Nachtzeit verrigtete Wache; eine bei Nacht wachende Per: _ 


fon; aud) die Zeit, welche eine Wade bei Nacht auf ihrem Poften zubringen 
muſs, ehem, der dritte oder vierte Theil der Nacht (die Nacht hatte vier Nachts 
wachen); dad Nachtwachen; der Nachtwächter, bffentl. angeftellter Wäd: 
ter auf den Straßen der Städte bei Nacht; daher das Nachtwächterhorn, 
lied 2.5; nachtwandeln, feltener: nachtwandern, untrb; ziellof, 3w, m, 

haben, bei Naht herummandeln, bef, ohne Bemwufftfein mit gefdloffenen 
Augen als Mondſüchtiger; der Nachtwandler, die Nachtwandlerinn, wer 
nachtwandelt, Mondfüchtiger 26,5 der Nachtwanderer, ein Wanderer oder 
Sußgänger bei Nacht; der Nachtweifer, Schiff. ein Werkzeug, mittelft deſſen 
man die Entfernung des Nordſterns vom Pole miſſt; der Nachtwind, nächtli— 
her, kühler Wind; die Machtzeit, die Seit und Dauer der Nacht; dad Nacht- 
zeug, 1. v. w. die Nachtkleidung; der Nachtzug, Jäg. das Umziehen eines 
Gehölzes bei Naht mit Tüchern 0,5 — Ableit. nachten, zielloſ. Zw, m, 
haben, unp. ed nachtet, d, i. es wird Nacht, dunkel, entg. es tagt; 





| 
| 
| 
| 


nachtanzen — nachtreiben 247 


auch f, es ift Nacht oder finfterz nächten cder abgek. näct (altd, nähten; 
eig. in, dann vor der verflofienen Naht), oberd. Nw. ber Zeit f. geftern 
Abend, überh. gefternz; nächtig, Bw., Nächte enthaltend, aus Nächten 
beftehend, Nächte dauernd, nur in Zſetz. wie dreinächtig, übernächtig 2c.; 
nächtlih, Bw. u. Nw., bei Nacht gefchehend od. feiend (nächtliche Zufam- 
mentunft, Stille zc.); der Nacht ähnlih, angemeffen, alfo: dunkel, 
ſchauerlich, traurig; die Nächtlichkeit. 

nachtanzen, trb. ziellof. 3w., einem —, m. haben, nad) feinem 
Beifpiel oder Borgange tanzen; m. fein, ihm tanzend nachfolgen; der 
Nachtaͤnzer ꝛtc. 

nachten, Zw., naͤchten, Nw., ſ. unter Nacht. 

Nachtheil, m., - ed, M. -e, eig. (o. M.) der nachſtehende, ſchlechtere, 
geringere Theil oder Zuftand, entg. Vortheil (im Nachtheile fein, ſich im 
Naͤchtheil befinden) 5 überh. f. Schaden, Verluſt, Abbruch, Beeintraͤchti— 
gung (es bringt mir Nachtheil, gereigt mie zum Nachtheil 2c.); ferner die 
Sache oder der Umftand felbft, welcher Schaden, Verluſt ꝛc. bringt (ver: 
fihiedene Nachtheite 2c.); nachtheilig, Bw., Nachtheil bringend, finnv. 
ſchaͤdlich, entg. vortheilhaftz die Nachtheiligkeit, dad Nachtheiligfein, die 
Schaͤdlichkeit. 

nachthun, trb. ziel. 3wm., einem etwas —, es nach feinem Beiſpiele 
od. Vorgange thun, ihm gleich thun; hintennach thun. 

Nachtigall, w., ſ. unter Nacht. 

Nachtiſch, m., was an Obſt, Kuchen, Zuckerwerk u. dgl. nach der 
eigentlichen Mahlzeit aufgetragen wird (fr. Deſſert)). 

nächtlich, Bw., ꝛc. f. unter Nacht. 

nachtoben, trb. ziellof. Zw., einem —, m. haben, nad) feinem Bei- 
fpiele toben; m. fein, ihm tobend nachfolgen. 

‚nachtönen, trb. 8w. 1) ziellos, hintennady tönen, ſinnv. nachhallen; 
2) ziel. etwas —, hintennad) ertönen laſſen; in Tönen nachahmen oder 
wiederholen, 

Nachtrab, m., der hintere Theil eined im Zuge begriffenen Kriegshee— 
red, Nachzug, = hut (fr. Arriere: Garde); nachtraben, teb. ziellof. 3w., 
hinterher traben, trabend nachfolgen, 

nachtrachten, trb. ziellof. 3w., einem Dinge —, danad) irachten 
(ſ. 2). 

nachtragen, trb. ziel. 3w., einem etwas —, eig. ed hinter ihm her 
tragen, ihm tragend nachbringen; uneig. eine von ihm erfahrene Beleidi— 
gung us dgl, im Andenken behalten, um fie ihm gelegentlic) vorzuwerfen od. 
ſich dafür zu rächen; et was —, hintennach, noch dazu tragen (nod) Holz — 
u. dgl.); uneig. etwas Ausgelaſſenes od, fpäter Hinzugefommenes hinten= 
nach eintragen, d. i. einſchreiben (in eine Rechnung, ein Buch 2c.) 5 die Nach- 
tragung, dad Nachtragen; der Nachtrag, -ed, M. =träge, was nach— 
getragen wird, 3. B. nachgefihoffenes Geld, f. v. w. Nachſchuſs; bef. ein 
hinzugefügter ergänzender, erläuternder oder erweiternder Anhang zu einer 
Schrift; nachträglich, Nw. und Bw., ald Nachtrag, die Geftalt eines 
Nachtrags habend, 

nachtreiben, trb. Zw. 1) ziel. einem etwas —, hinter ihm her trei= 
ben; eine Bewegung durch Treiben befchleumigen ; niederd. f nachtragen in 


248 nachfreten — Nachminter 


uneig. Bed.5 2) ziellos m. Haben, nach oder hinter Jemand treiben, d.i. 
hüten; m. fein, hinterher treiben, d. i. ſchwimmend fortbewegt werden 5 der 
Nachtrieb, die Nachtrift, ſ. v. wm. Nachhut. 

nachtreten, trb. ziellof. Bw. m, fein, einem —, hinter ihm her tre= 
ten, ihm auf dem Fuße folgen; bei. uneig. f. ftlaviſch folgen oder nach— 
ahmen; daher der Nachtreter ꝛc.; der Nachtritt, dad Nachtreten. 

nachtrinken, trb. ziellof. u. ziel. 3,5; nach Jemands Vorgangs, hinten- 
nach trinken; nach etwas vorher Öenoffenen trinken (Waffer auf, die 
Arznei —) , 

Nachurtheil, ſ., ein hintennach gefällted Urtheil, ein Urtheil, zu ne 
man duch Schlüffe gelangt, entg. Vorurtheil. 

nachwachfen, trb. ziellof. 3w., hintennach, von neuem wachſen; 
einem —, ihm im Wahsthume nachfommen, ihn wachfend erreichen ; 
der Nachwuchs, dad Nachwachſen; dad Nachgewachſene. 

nahwagen, trb. rüdz. 3w., fih einem —, ihm zu folgen wagen, 

nachwägen, trb. ziel. Zw., nochmals waͤgen, bei. zur Prüfung der Ride 
tigkeit, 

Nachwaiſe, w., vlt. u. oberd, eine nachgeborene Waiſe, ein nach des 
Vaters Tode geborenes Kind, (empf fehlenswerth f. das fr. Poſthumus). 

nachwalzen, trb. zieltof. 3m. m. fein, einem —, nad) feinem Bei— 
fpiele, 0d. hinter ihm her malzen, ihm walzend folgen, 
nachwaͤlzen, trb. ziel. Zw., hinterher, oder noch dazu waͤlzen. 

nachwandeln, =wandern, teb. ziellof. Zw. m. fein, hinterher wandeln 
0d, wandern; einem nach wan deln uneig. f. nach feinem Beifpiele han⸗ 
deln, ihm nacfolgen ; der Nachwandel, der Wandel, d. i. dad Verhal⸗ 
ten nach eined Andern Beifpiele; der Nachwandler, wer nachwandelt. 

Nachweh, fe, bei. M. die Nachwehen, hintennach, 3. B. nad) über: 
ftandener Krankheit, insbef. nad) der Niederkunft, empfundene Schmerzen; 
uneig. die unangenehmen Folgen eines Zuftandes, Ereigniffes 2c. (4. B. die 
Nachwehen des Krieges). 

nachwehen, trb. 3w.. 1) ziellos m. Haben, hinterher wehenz 2) ziel. 
wehend hinterher treiben (der Wind wehte mir den Staub nad). 

Nachwein, mi, ſ. v. w. Lauer (ſ. d.), Lauerwein, Treſterwein. 

nachweinen, trb. zielloſ. Zw., einem, hinter ihm her weinen, feine 
Betrübniſs über einen Scheidenden, Serfkurbinen 2c. weinend äußern. 

nachweiſen, trb, ziel. Zw., einemetwas—, ihm anzeigen, wo «8 
gu finden iſt; et was —, duch Aufzeigung von Beweigmitteln, Urkun— 
den ꝛc. darthun (fein Recht); die Nachweiſung; der Nachweifer, wer 
Nachweiſungen giebt; auch f. ein Regiſter; dad Nachweifebuch (fr. Adrefs: 
buch); die Nachweifungsanftalt, = ftube (fr. Intelligenz = Gomptoir). 

Nachwelt, we, o. M., die nad) und lebende Menfchheitz vergl. Mitz, 
Vorwelt. 

nachwerfen, trb. ziel. Zw., einem etwas —, es hinter ihm her 

werfen; etwad — ‚ bintennach, noch hinzu werfen, 

Nachwillen, m., ein fpäter gefaffter Entſchluſs; insbef. landſch. ein 
bem letzten Willen beigefügter Anhang (gut f. das fr. Codicill). 

Nachwind, m., ein von hinten wehender, alfo günftiger, Wind, 

Nachwinter, m., Winterfälte zur Frühlingezeit. 











nachwirken — nadet 249° 


nachwirken, trd. ziellof. 3w., hintennach wirken, feine Wirfung fpäter 
äußern; die Nachwirkung (4. B. einer Arznei, einer Cur xc.). 

nachwollen, trb. zielloſ. Zw., einem, auslaſſ. f. nachfolgen wollen. 

Nachwort, ſe, eine kurze Nachrede, entg. Vorwort, 

nachwünfchen, teb. ziel. 3w., einem etwas —, ed ihm ald Wunſch 
nachfolgen laffen, nachfendenz die Nachwuͤnſchung. 

nachzahlen, trb. ziel. 3w., hintennach, fpäter, noch hinzu zahlen. 

nachzählen, trb. ziel, 3w., etwas Gezaͤhltes nochmals zählen zur Prü—⸗ 
fung der Richtigkeit; auch bloß f. zählen; die Nachzahlung ; der Nachzaͤh⸗ 
ler, Hüttenw. ein Aufſeher, welcher die aus der Grube gezogenen Kübel zählt. 

nachzaubern, teb. ziel. 3w., nad) eined Andern Vorgang zaubern; 
zaubernd nachbildenz; durch Zauberei nachfolgen machen, 

nachzeichnen, trb. ziel. 3w., nach einem Mufter zeichnen, zeichnend 
nachbildenz die Nachzeichnung, dad Nachzeichnenz; eine nach einem 
Mufter gemachte Zeichnung (fr. Copie)s der Nachzeichner, 

Nachzeit, w., felten f. die zufünftige Zeit, entg. Vorzeit, 

nachziehen, trb. Zw. 1) ziel, et was —, hinterher, Hinterdrein ziehen; 
uneig. zur Folge haben, gew. nad) fid) ziehen; 2) ziellos m. fein, hinter= 
her ziehen, im Zuge nachfolgen; üderh, f, nachreiſen, nachfolgen bef, mit 
Gepäckz Jäg. dem Wilde —, nachgehen, es aufſuchen; einem —, insbef, 
ihm in der Veränderung der Wohnung oder des Wohnortes nachfolgenz 
m. haben, hintennach, noch, mehr ziehen (das Zugpflafter hat noch nachge— 
zogen); die Nachzucht, was nad) andern, zuletzt gezogen od, aufgezogen 
wird, bef, die letzte Zucht, d. i. die letzten Jungen der Bienen vor dem Winter; 
der Nachzug, ein nachfolgender 8 Zug, be, ſ. v. w. Nadtrab; der Nach 
zügler, wer zum Nachzuge gehört, bef. ein abfichtli im Rüden des Heers 
zurücdbleibender Seldat, um zu plündern 26, (fr. Marodeur). 

nachzirkeln, teb ziel, 3w,, zirkelnd, ängftlich genau nachbilden. 

Naden, m., —s, Mm. E. (altd, hnacho u. ancho; angelf, hnecca, 
engl. neck 5 isländ. hnacki, dan, nakke; niederd, Nadez ſchwäb. Anke; verw, 
mit Anke, Unkel (f. d.), griech, &yzwv, lat, angulus; und andrerfeits mit 
neigen, niden, Genick; Urbed, das Biegfame), der hintere Iheil des Halfes, 
fo weit die Haldmirbel gehen, bef. am menſchl. Körper; in weiterer Bed, 
überh, Hinterhald u, Ruͤcken (gem, uneig. einem auf dem Nacken liegen, d, i, 
ihm zur Laft fein; einen harten od. ſtarren Naden haben, d, i, ffarrfinnig fein, 
vergl, hartnädig; einem ben Naden beugen, d. i, feinen Starrfinn brechen) 5 
auch f, die langen Nackenhaare beim weibl, Geſchlecht, der Nackenwulſt (fr, 
Chignon); dad Nadenhaar, Hinterhaarz der Nadenfchlag, uneig, gem. f. 
üble Nachrede, Unannehmlichkeiten (Nackenſchläge —— — nadeln, 
zielloſ. Zw., oberd, f. wanken, wackeln, 

nacket, gem. zgez. nackt, auch nackend, Bw, (landſch. gem, nadenbig, nadig, 


nackicht; goth, naqvarhs; altd. ns nacchut, nacket; angelf, nacod, 


eng!, naked; island, naktr, ſchwed. nakot, dan, nogenz niederd, naakt; lat, 
audus?), unbefleidet, bis auf die Haut entbloßt, vom menſchl. Körper 
(nadt u, bloß; den Nackten kleiden; eine nackte Geftalt; nadte Arme, Bruft 20,3 
in der anftändigen Umgangsfpr. lieber durch un bekleidet, bloß erfegt) 5 von 
Thieren, Pflanzen, dem Erdboden 2c,, ohne Haare, Federn, Blätter ıc, 
über unbewachfen, unbedeckt, finno, Fahl Kein nadter Hund, Vogel; Pflanze 


250 h Nadel — naffen 


ein nackter Stengel, Halm; dienadte Gerfte, eine Art Gerfte ohne Hülſen; 

die nadte Erde, nadte Felſen; ein nacktes Schwert, d. i. ein aus ber Scheide 

gezogenes) ; nacktarmig, =beinig ec. Bw,; die Nacktheit (gem, Nadigkeit, 

— Nackte), dad Nacktſein; etwas Nacktes, eine nackte Stelle, ſinnv. 
löße, 

Nadel, w., M.-n, Verkl. das Naͤdelchen, (gotb. nerhlaz altb, 
nadala; angelf. nädl; engl, needle; isländ, nal, ſchwed. näl ; niederd. Natel; 
von nahan, nähen), die Fleinen fpigigen frählernen Werfzeuge zum Nähen, 
Naͤhnadeln (fi mit der Nadel nähren ; etwas mit der heißen Nadel nähen, d, i. 
eilfertig und ſchlecht) in weiterer Bed, ähnliche Werfzeuge zu andern Zwe⸗ 
en, z. B. die Nadeln der Kupferftecher, der Goldſchmiede 21, Strick-, Kom: 
pafsnadel; bef. um etwas damit zu befeſtigen: Steck-, Haarnadeln 2c, 5 die 
Nadel in einem Flintenſchloſſe, d, i, das ftählerne Stud durd) defien Druck das 
Gewehr losgeht; (ſprichw. landſch. etwas bei einem auf der Nabel haben, d, i, 
einen Verweis, eine REM zu empfangen haben); die ſchmalen, fpigigen 
Blätter der Fichten, Tannen ꝛc., auch Tangeln genannt; Naturk. verfchie= 
dene Schalthiere, 3. 8. die gekerbte od, gefrönte, die ummundene Nabel, See— 
nadel 20, — 3ſetz. die Nadelbahre, Strumpfw. das Stück des Wirkftuhles, 
worin die Nadeln ſtecken; nadelbereit, Bw, Tuchm. völlig fertig zur Bear- 
heitung mit der Nabel (Tuch); die Navelbinfe, Eleinfte Binfe, Spiegbinfe 5 
das Nadelblatt, nadelförmiges Blatt, Zangel, ſ. 0,5 die Madelbüchfe, 
eine Keine Büchfe. zu Näh- und Stecknadeln; der Nadeldrath, Drath, moraus 
Nadeln gemacht werden ; die Nadeldrufe, eine in Geftalt kleiner Nadeln an- 
gefchoffene Drufe, Spießdrufe ; die Nadelfeder, die Feder eines Slinterfäloffes, 
welche die Nadel (ſ. 0,) mit dem Schlagſtücke zuſammenpreſſt die Nadelfeile, 
feine, runde Feilen der Goldſchmiede; der Nadelfiſch, dünne, lange Fiſche, beſ. 
diejenige Urt, deren Kiemen zuſammengewachſen find, Hornfiſch, Meernadel ꝛc.; 
nadelfoͤrmig, Bw.; dad Nadelgeld, eig. Geld wofür man Nadeln kaufen 
foll, in weiterer Bed, ein Sahrgeld für Frauen zu Pug und Kleinen Bedürf: 
niffen; dad Nadelgras, Alpenwegerich; das Nadelholz, Bäume, melde 
ftatt der Blätter Nadeln od, Tangeln haben, z. B. Fiäten, Tannen ꝛc., 3.U, v. 
Laubholz; ein aus folhen Bäumen beftehendes Gehblz; der Nadelferbel, ein 
dem Kerbel verwandte: Pflanzengefchlecht mit langen, fpisigen Samentdrnern, 
Hechelkamm, Schnabelmbhre; das Nadelfiffen, ein Kiffen, Näh- u, Sted- 
nadeln darauf zu ſtecken; der Nadelknopf oder =Fopf, der Knopf einer Sted- 
nadel; dad Nadelöhr, das hr (ſ. d.), d. i, die Kleine ffnung an dem dickeren 
Ende der Näh-, Pack-, Schnürnadeln ꝛc.; der Nadelſchaft, der mittlere, 
gerade Theil einer Nadel z. U, dv, der Spitze und dem Kopfe; die Nadelſpitze; 


der Nadelftein, vit. fe Polftein, Magnet; der Nadelftich ; die Nadelſtreu, 


Landw. die Nadeln des Nadelholzes ald Streu in den Viehftällen, z. U, v. Laub: 
und Strohſtreu; der Nadelwicler, ein Nachtfalter, welcher die Fichtennadeln 


zufammenwideltz der Nadelwurm, ein nabelförmiger Spulwurm in den Ge: _ 


därmen verfchiedener Fifhe und Vögel; — Ableit. nadeln, ziel: Zw. felten 
f. mit Nadeln verfehen oder befeftigen; Schuhm, f. annähenz der Nadler, 
- 3, ein Handwerker, welcher Näh = us def. Stecfnadeln verfertigt, landſch. 
Heftleinmader, Spengler; die Nadlerwaare, allerlei kurze Metallmaare, 


naffen, napfen, nafzen, naffezen, (engl, nap, angel, hnappian ; vergl,‘ 


d, griech. Unvog) ziellof. Bw, oberd, f. ſchlafen, ſchlummern, ſchlaͤfrig fein. 


| 





« 


Nagel 251 


Nagel, m., -d, M. Nägel, Verkl. dad Nägelchen, oberd, Naͤ— 
gellein oder Nägelein, (in beiden Bed, altd, nakal, nagal; ſchwed. nagel; 
angelf. nägel, engl, nail; von nagen, f. d,) 1) die hornartige Bedeckung der 
äußeren Enden der Finger und Zehen der Menfchen und einiger Thiere, da 
die meiften Klawen oder Krallen (f. d.) haben, (die Nägel abfehneiden, mit 
den Nägeln Eragen); uneig. Pflanz. der unterfte Theil eines Blumenblatteö; 
auch die Länge eined Nageld ald Laͤngenmaß = 2 30ll; ein weißliches Fell 
im Auge, auch dad Nagelfell 3 3feg. dad Nagelbein, Anat, f. Shränenbein, 
wegen der Ähnlichkeit mit einem Fingernagel ; die Nagelblüthe od, der Nagel⸗ 
flecken, weiße, woltichte Steden in den Nägeln; dad Nagelgeſchwuͤr, ein 
Geſchwür an oder unter dem Nagel; das Nagelfraut, eine Wiefenpflanze 
(Illecebrum L.), welche man für heilfam gegen Nagelgefhwüre hält; auch eine 
Art Habichtkraut oder Mäufeöhrchen, welche gegen Nietnägel gebraucht wird; 
der Nagelmage (ſ. Mage), vlt. Rfpr, ein Verwandter im fiebenten Grades die 
Nagelmufchel, eine zweifhalige, walzenfdrmige, an beiden Seiten offene 


Muſchel; dir Nagelprobe, Probe des völligen Austrinkens eines Glafes, indem, 


FR 


wenn man es umgekehrt auf den Nagel fest, nur ein Tropfen darauf flehen 
bleibt; der Nagelftein, ein Edelftein von der Farbe der Nägel (fr, Onyr) 5 der 
Nagelzwang, der Schmerz, welchen Nietnäget verurſachen ; Ableit. nageln, 
ziellof. Zw,, Jäg. mit den Nägeln oder Klauen in den Boden eingreifen 
(dev Fuchs Hat genagelt); — der Nagel 2), ein langed, an einem Ende 
zugefpigted, am andern meift mit einem Kopf verfehened, gem. eiferned 
Werkzeug zum Verbinden und Zufammenhalten, aud etwas daran aufzuhän- 
gen, 3. B. Band:, Brett:, Huf-, Latten:, Schloſs-, Schuhnagel 21,3 ein 
hölzerner Nagel heißt gew, Pflod, ſ. d.; (einen Nagel einfchlagen; etwas mit 
Nägeln befeftigen; anſchlagen 2c,5 etwas an den Nagel hängen, auch uneig, f. 
fi nicht mehr damit befchäftigen, es vernachläffigen ; einen Nagel haben, uneig. 
f. ftolz, hochmüthig fein); in weiterer Bed, aud die Wirbel an Saiten— 
Werkzeugen; im Wirtemberg, der fechzehnte Theil einer Klafter, rveil das 
Klaftermaß mit 16 Nägeln bezeichnet iftz fe. der Nagelbohrer, ein Eleiner 
Bohrer, die Löcher zu den Nägeln damit vorzubohrenz; das Nageleijen, ein 
vierediges Eifen, worin die Nagelküpfe gefchmiedet werden; nagelfefl, Bw., 
durch Nägel befeftigt, bef, in der Verbindung niet: und nagelfeftz; daß 
Nagelfeft, der Nagelötag, ehem. ein Fefttag zum Andenken der Nägel, wos 
mit Jeſus and Kreuz geheftet wurde; die Nagelfluh oder = flühe (f. Fluh), 
ſchweiz. eine Art Mengftein, aus verfchiedenfarbigen Kiefeln durch Jaspis oder 
Thon zufammengefügt, auch Nagelfels, Nageltuff (fr. Breccie) ; die Nagel- 
fügung „Anat. eine unbeweglihe Beinfügung nad) Art eingefhlagener: Nägel, 
wie die der Bühne in den Kinnladenz der Nagelhagel, Gefhüshagel aus alten 
Nägeln u, dgl,; der Nagelhammer, ein Hammerwerk, wo Kleine Eiferiftangen 
zu Nügeln gefchmiedet werden; dad Nagelherz, eine ftachlige Herzmufgel 3 
der Nagelkopf, die Nagelkuppe, = platte; das Nagelmaal, M. Nägels 
maale, Wunden oder Narben von eingefhlagenen Nägeln; nagelneit, Bw. 
gem, völlig neu, wie ein ungebrauditer Nagel, vergl. funkelnagelneu; der 
Nagelroche, eine Art ftahliger Rochen; der Nagelfchmied, ein Schmied, 
welcher eiferne Nägel verfertigt, oberd. aud Naglerz die Nagelſchmiede; 
die Nagelfchnede, eine Art Stachelſchnecke; der Nagelfhwamm, ein nagel: 
formiger Blätterfhwammz; dad Nagelwerk, ein aus Latten zufammenge: 


252 nagen — nah 


nageltes Bauwerd; — Ableit, nageln, ziel, 3m, mittelft eined Nagels od, 
mit Nägeln befeftigen (ein Schlofs an die Thür 2c,); der Nageler od, Nagler, 
-8, mer nageltz Tandfch, f. Nagelſchmied; das Naͤgelchen oder gew. Naͤ⸗ 
gelein, beſ. in der M. gebr., ein nagelfoͤrmiges Gewuͤrz, ſ. Gewuͤrznaͤge⸗ 
lein; landſch. auch f. Nelke, ſ. d.ez m. gelbe Nägelein f, Goldlack; der Näs 
geleinbaum, Gewürznelkenbaum; auch f. ſpaniſcher Flieder, deſſen Blüthen 
auch Räglein- oder Nägelchenbiumen heißen; das Nägeleingras, finger: 
förmiges Rietgras ; Ackernelkengras 2,5 das Nägeleinkraut, die Nelkenwurz; 
bas Hungerblümdhen; die Becherblume; die Nägeleinnufs, f. v. w. Nelken: 
nuſs; die Nägeleinfihmiele, eine Art Schmiele (f, d.) mit nelkenähnlichen 
Blüthen, kleines Nägeleingras; der Nägelein= od. Naͤgelſchwamm ‚ein 
efsbarer Blätterſchwamm mit gewürzhaftem Gerud) faft wie Gewürznägelein, 


nagen, ziellof, u. ziel. Bw, (altd, nagan od, gnagan, Smpf, nuog, Wim. . 


naganz ſchwed. naga, gnaga; dän. nagge, nogge; angelf. gnaegan, engl, 
gnawz; niederd. gnauen, knauen; griech. zwder, zradcır),, urfpr, überh. 
Fragen, fchaben (daher: Nagel); jegt in engerer Bed, mit den Zähnen etwas 


von einem feften Körper abfchaben, mühfam abbeißen (an einem Knodjen, an » 


einer Brodrinde — 5 aud) einen Knochen —5, uneig, am Hungertude (ſ. d.) —);5 
uneig. eine anhaltende, allmählich wen gleichf. verzehrende ſchmerz⸗ 
hafte Empfindung verurfachen (nagender Hunger, Schmerz, Kummer; der 
Gram nagt an feinem Herzen); der Nager, -8, wer nagtz bef, ein nagen= 
deö Ihier, ſ. v. w. dad Nagethier, Benennung der Säugethiere, welche mit 
vier fpisigen Schneidezahnen nagen, z. B. Mäufe, Ratten, Eihhörnden 20.5 
dad Nagemaul, landſch. f, der Zander, 

nah od, nahe, Bw, u, Nw., Comp, näher, Sup, nächlt, der, die, das 
nächte ꝛc. (urſpr. = nad, fd; goth, neho, nehva, altd, nah, nahi; 
Gomp, nahor, Sup. nahisto; niederd, nah, näger, nächſt; angelf. — 
neh; engl, nigh, near; isländ. naer), überh. wenig entfernt, entg. fern, 
weit, u, wie diefe ein durchaus bezuglicher Ausdruf, (nah und fern); eig, dem 
Raume nach (5. B. ein naher Ort, das nächfte Dorfz mein nädfter Nachbar; 
nahe dabei ftehen; Eomm näher; komm mir nicht zu nahz ein näherer Weg; 
der nächſte Weg, d. i. der Eürzefte zum Biel; daher auch in mehren uneig, 
Redensarten, z. B. einem etwas nahelegen,d, i. es ihm fehr bemerklich od, 
fühlbar maden, ihm deutlich zu verftehen geben, auch ihn zum Born reizen; 
daher eberd, nahe Reden f. kränkende; einem zu nahe treten, di. ihn 
Eränfen od, beeinträchtigen; ihm ift zu nahe gefchehen, d, i. Unrechtz; es geht 
mir nahe, d, i, eö trifft mein Gemüth, befümmert, ſchmerzt mi); der Zeit 
nad) (3. B. der Frühling ift nah; in den nächften, d. i. nüchftfolgenden, Tas 
gen, au: nähfter Tage, nadhftens, mit nächſtem; mit nächſter 
Poſt ſchreiben; er ift dem Tode nahe; ich war nahe daran zc., d. i. im Begriff) 5 
dem Außeren od. inneren Berhältnifd, der Berbindung, Verwandtſchaft ꝛc. 
nach, entg. entfernt (ein naher Verwandter; mit Semand nah befreundet fein, 
in nähere Verbindung treten; ihm nahe ſtehen; ſprichw. Seder ift fich felbft der 
Nächſte; ein naher Freund 2c,) 5 der inneren Befchaffenheit nach (diefe Farbe 
kommt der gelben nahe; dies kommt der Wahrheit am nächſten; die nächſte Bes 
deutung eines Wortes, d, i, die erſte); landſch. ein näherer Preis f, ein ges 
zingerer ; der nächte N rei f. der genauefte; etwas näher od. näheren Kaufs 
geben; da wohlfeiler; — der Superl, der, die, dad naͤchſte, als Bw, wu 





— —— — 





uähen 253 
| 
Hw,, bem Range, der Würde, dem Anfehen nad) unmittelbar einem Andern 
folgend (ich bin nach ihm der nüchſte ec.) 5 der, die Näͤch ſte, als Dw, f.v. w. 
Nebenmenſch (du fouft deinen Nächften lieben, wie dich ſelbſt); nächft, ganz 
nahe, unmittelbar an etwas grenzend, bef, darauf folgend nad) Raum, 
Zeit und Ordnung, 1) ald Nw. (3. B, er wohnt hier nüchſt anz die nächſt folz 
gende Nacht; der nächft vergangene Tag 2c,, gew. zgeſ. näch ſtfolgend, 
nächſtvergangen); oberd, f, vor kurzem, neulich, juͤngſt (z. B. nächſt, 
als ich im Garten war); 2) als Bw, m, dem Dat, ſinnv, zunaͤchſt (z. B. er 
ſaß nächſt mir; nächſt dir ift er mir der liebſte; nächſt dem oder dem nächſt, 
gew, zgef, nah ſtdem, dem nächſt, d, i, unmittelbar darauf, gleich nachher z 
nächftend, Nw. der Zeit, in.einer nahe bevorftehenden Zeit, in Furzer Zeit, 
in kurzem (er wird nächſtens ommen) 5; — 3f e$. vd. nah, näher: nahehin, 
nahezu, Nw., oberd. f. beinahe, ziemlich; nahefaulig od. nahfaulig, Bw., 
Bauk. von Säulen, die nur 64 Model von einander entfernt find; dad Naͤher⸗ 
recht, das nähere Recht, welches man vor Andern auf eine Sache bei deren 
Verkaufe hat, der Vorkauf, das Einſtandsrecht, auch der Naͤherkauf u, oberd. 
die Naͤhergeltung; — Ableit, die Nähe (altd, nahi, nahidaz niederd. 
Nägde), dad Nahfein, die geringe Entfernung (die Nähe der Stadt, der 
Berwandtfchaftz etwas in der Nähe betrachten); ein naher Ort, eine nahe 
Gegend (er wohnt in der Nähe); nahen, ziellof. u. rückz. Zw. (altd. nahan), 
alt u, dicht. f. nahe Fommen, fich nähern (ee nahete ſich mir, od, nahete mirz 
die Zeit, der Tag nahet heran, od, nahet fi); nähern, Bw, 4) ziel, einem 
etwas —, näher bringen; 2) rückz. ſich einem od, einer Sache —, ihr 
näher od. nahe kommen, gew, als nahen (er näherte fich uns; der Frühling 
nähert fichs fich der Vollkommenheit nähern ec.); die Näherung, dad Nähers 
bringen, Näherfommenz nahet oder nahend (alt nadet), oberd. Nw. fı 
beinahe, wahrſcheinlich. 
nähen, ziel, Zw. (althochd, naan, nahan, nawan; mittelhodhd,.naejenz 
niederd. neben, neijenz oberd, ndenz verw, mit nah, urſpr. überh, nah vers 
binden, zufammenfügenz vergl, d. griech. veo, 7790, lat, nere, fpinnen; 
nectere, knüpfen), mit Nadel und Faden zufammenfügen, mit der Nähs 
nadel arbeiten, verfertigen (Hemden, Kleider 2c.); Schiff, f. binden (einen 
Bloch); bair. gem, f. pruͤgeln; — 3 ſetz. der Nähbeutel, =Faften, =Forb, 
Beutel 2c, mit den Geräthfchaften zum Nühen ; das Nähgarn, die Nähfeivde, 
der Naͤhzwirn 2.5 das Nähfiffen, ein Kiffen, auf welchem die Näharbeit 
feft geftedt wird; der Naͤhkloben cd, dad Nähbrett, ein Hölzernee Werkzeug 
der Sattler, womit fie die zufammenzunähenden Theile auf dem Knie zufams 
menhalten; die Nähnadel, f. Nadel; das Nähpult, ein Pult mit einem 
Nähkiſſen und Nähkaſten; der Nahrahmen, ein Rahmen, worin eine Näh: 
arbeit ausgefpannt wird; der Nähriemen, Sattl, fchmale und dünne Riemen 
zum Nähen; der Nähring, ein Fingerring der Schneider zc, zum Andrüden 
der Nähnadel; die Nähfchule, -ſtunde ıc.; das Nähzeug, alle Nähgeräth— 
ſchaften, die Nüharbeit; — Ableit. der Näher, — s, die Näherinn, M. 
-en, wer näht, gem. die Nätherinn f. eine weibl. Perſon, die aus dem 
Nähen ein Gewerbe macht; die Näherei, 1) dad Nähen, die Art und 
Weiſe zu nähen, bef. verädhtl.; das Nähen ald Kunft und Gemerbe heißt 
gew. die Naͤtherei, 2) eine genähete Sache, Näharbeitz der Nähling od. 
Nathling, —es, Ms -e, oberd, fo viel Zwirn ꝛc. man auf einmal eins 


254 nähern — nähren 5 
faͤdelt; — die Nath „M. Näthe, (nicht Nahtz vergl. Gluth, Blüthe sc: 
von glühen, blühen), 1) das Nähen, die Art und Weife zu nähen 4. 8. 
eine Ihöne Nathz die verborgene, platte, Haus-, Bildernath 2c.)5 2) das 
Genaͤhete, der Ort, wo zwei Stücke zufammengenäht find (die Nath ift ge 
plagtz die Nüthe bügeln, auftrennenz niederd. fprihw. auf die Nath greifen, 
aus der Nath Elauben, näml. der Geldtafhe, d. i. das legte Geld zufammen: 
ſuchen; einem auf die Nath fühlen, d. i, ihm ausforfchen); in weiterer Bed. 
jede fihtbare nathähnliche Verbindung od, Fuge, 3. B. an Schiffen die mit 
Werg verftopfte Fuge zwifchen zwei Planken; der Ort, wo zmei Stüde Blech 
zufammengenietet find; die Stelle, wo ein Flintenrohr zufammengefchweißt iſt; 
Anat. Verbindung von Knochen, die mit ihren ausgezadten Rändern genau in 
einander greifen (4. B. Sch ädelnath); Pflanz. eine tiefe Furche an der Haut 
» einer Kapfel; der Nathhafen, Kürſchn. ein beim Nähen der Felle gebrauchtes 
sangenartiges Werkzeug; die Nathnadel, Schiff. eine große, dreieckige Segel: 
nadel; näthig, Bw., eine Nath od. Näthe habend, gew. nur in Zfeg. wie 
einz, zweinäthig 2u,; näthern, ziellof. Zw., landſch. f. nähen, bef. um 
feinen Unterhalt dadurch zu verdienen; die Nätherinn, die — ſ. oben 
Naͤherinn, Naͤherei. 

nähern, 3m.; das Naͤherrecht ꝛe. ſ. unter nah. 

Nahmen, m., f. Namen, 

nähren, ziel. u, rückz. Zw. (das goth. nasjan, altd. nerian, mittelh. nern, 
angelf. nerien hat die weitere Bed. erhalten, retten; vergl. geneſen; ſchwed. 
naera ; engl. nurse u. nourish; vergl. d. lat. nutrire, franz. nourrir), einen 
oder ſich —, mit Speife oder überh. den nöthigen Unterhaltämitteln ver— 
fehen umd dadurch erhalten, vergl. ernähren (ein Kind —5 Gott nährt die 
Vögel unter dem Himmel; einen mit etwas —, fi) von cd. mit etwas —); von 
Sachen auch ziellos: nahrhafte Theile enthalten, nahrhaft fein (Fleiſch nährt 
beffer, als Gemüfe) 5 fernee einen —, ihm feinen Unterhalt verfchaffen 
(fein Garten, feine Arbeit nährt ihn); ſich —, feinen Unterhalt verdienen 
(ſich kümmerlich, von feiner Hände Urbeit 2c. —5 bleibe im Lande und nähre 
dich redlich); uneig. Überh. fi unterhalten, in Sraft u, Ihätigkeit erhalten, 
befördern (3. B. ein Feuer, eine Leidenfhaft, den Kummer, den Geift, den 
Verſtand —, d. i, durch Unterricht und Übung ausbilden) ; — 3 ſetz. nahrlos, 
Bw. (qunächft v. d. altd. Hw. nara, nar f. Nahrung), Eeine Nahrung gebend 
(Speifen) ; feine Unterhaltsmittel od. Eeine Gelegenheit zu deren Erwerb gewäh⸗ 
vend (ein nahrlofer Ort, nahrlofe Zeiten); die Nahrlofigfeit ; der Naͤhrſtand, 
derjenige Stand der Menfhen, welder fich vorzüglich mit Hervorbringung und 
Verarbeitung der Naturerzeugniffe beſchäftigt, insbef. Aderbauer und Hand: 
werker, 3. U. v. Lehr: und Wehrſtand; der Nährvater, die Naͤhrmutter, 
ſ. v. w. Pflegevater,⸗ mutter; — Ableit. (zum Theil mit Rückumlaut des ä 
in a): der Naͤhrer, - 8, die Naͤhrerinn, -en, wer naͤhrt, Nahrung od, 
Unterhalt giebt; nabrhaft, Bw. (v. dem alten Hw. nara, nar f. Nahrung), 
Nahrung gebend, viel nährende Theile enthaltend (nabrhafte Speifen) 3 
landſch. f. fett, ergiebig (den Boden mit Mift nahrhaft machen); viele Mittel 
zum Lebenderwerb darbietend (ein nahrhafter Ort); die Nahrhaftigfeit, 
das Nahrhaftfein; nährig, Bw., niederd. f. erwerbfam, fparfam, hause 
hälterifch (v. närig, fd); nährlich, Bw. u. Nw., felten f. nahrhaft, 
einträglich ; landſch. f. dürftig, Fümmerlih, Enapp, kaum (fi nährlich 





| 
| 
| 
| 
| 


— — — 


Namen 255 


bebelfen, nährliche Zeiten 5 es reicht nährlic zus entweder: fo daſs es zur noth: 
dürftigen Ernährung genug iftz od. wahrſch. v. nah, ieländ, naer, engl, near, 
nearly, genau, knapp); der Nährling, -ed, M.-e, ein zu ernährender 
und zu erziehender junger Menſch (Neum. f. das fr. Aumnus) ; nahrfam, 
Bw., wenig gebr, f. gut nährend, fehr nahrhaftz um feine Nahrung oder 
feinen Unterhalt bemüht (ein nahrfamer Menſch); die Nahrſamkeit; die 
Nahrung, M.-en, was nährt, der nährende, den Körper erhaltende 
Stoff (Mitch giebt viele Nahrung) 5 alle genießbaren Körper, Speife und 
Tranf, ald Sammelm. 0, M. (einem feine Nahrung gebenz ber täglichen Nah: 
zung ermangeln); in weiterer Bed. der Lebensunterhalt u, alles dazu Noͤ— 
thige (feiner Nahrung nachgehen; einem feine Nahrung entziehen; gute Nah: 
rung haben, d. i. fein gutes Austommen) 5 ferner die Mittel und Öelegenheit 
zur Erwerbung des Lebendunterhaltd (eine Stadt hat gute Nahrungs die - 
Nahrung geht fchleht u. dgl.)5 landſch. aud ein Gewerbe oder Befisthum, 
woraus man feinen Unterhalt zieht (mas treibft du für Nahrung? Brau-, 
Schenfnahrung u. dgl.); uneig. Alles, was die Fortdauer einer Sache 
unterhält, ihr Gebeihen, ihre innere Kraft fördert od, vermehrt (dem Feuer, 
einer Leidenjhaft zc. Nahrung gebenz Nahrung für Geift und Herz 2c.) 5 nah⸗ 
rungslos, Bw., der Nahrung beraubt; nicht genügende Nahrung gewähren, 
vergl. nahrlos (nahrungslofe Zeiten); die Nahrungslofigkeitz dad Nahe 
rungsmittel, Lebensmittel, Speifen und Getränfez der Nahrungsmangelz 
der Nahrungsfaft, der aus den genofienen Speifen im Wagen bereitete näh— 
vende Saft, Milchſaft (fr. Ehylus)z die Nahrungsforge, gew. M. Nah- 
rungöforgen, Sorgen wegen des Lebensunterhaltsz der Nahrungsftoff, der 
in den Speifen enthaltene nährende Stoff. 
Namen, m. (b. als Namez ehem. gew. Rahme, Nahmen geſchr.), 
G. Namens, M. Namen, (goth. u. altd. namo; angelf. nama, engl. 
name; iöländ. nafn, ſchwed. namn 2c.3 gried. Cvoue ; lat, nomen f. gno- 
'men; fangfr, naman f. gnamanz v. der ſanskr. Wurzel gna (fpr, dfchna), 
griech, 7760, lat, gnosco, nosco, fennenz alfo: das Kennzeichen, Erkennungs⸗ 
mittel; n. A. von nehmen), jeded Wort, womit man einen Gegenftand 
bezeichnet oder benennt, Nenn = od, gem, Hauptwort (3. B. Mensch, Thier, 
Pflanze, Stein, Buch, dergl. Namen Gattungs= over Gemeinnamen 
heißen, weil fie einer ganzen Gattung von Gegenftänden gemeinfam zufommen 3 
das Ding mufs einen Namen haben; etwas beim rechten Namen nennen); in 
engerer Bed, die eigenthuͤmliche, unterfcheidende Benennung eines Einzel— 
weſens, ein Eigennamen (5. B, Deutfchland, Preußen, die Oder, Berlinz 
Johann, Friedrich 20.3 Luther, Göthe ac; ein Gefhlehts:, Tauf-, Vor, 
Zu-, Beinamen 2,5 einen mit Namen oder bei feinem Namen nennen; einen 
dem Namen nad) Eennen ; den Namen verändern 3 unter fremdem Namen reifen ; 
feinen Namen unterfohreiben) 3 bisw. im Öegenfaß der Sache felbft od. der 
That (Viele find nur dem Namen nad) Chriftenz er ift nur dem Namen nad, 
nicht in der That dein Freund) ; andrerfeits auch f, den benannten Öegenftand, 
bef. die Perfon felbft und deren perfönlihes Anſehen, (zu diefer Bed, maden 
den Übergang Ausdrüde wie: auf Semands Namen borgen ıc, d. i, als 
ob «8 für ihn wäre; in Semands Namen handeln, d. i, fi auf ihn be: 
zufend, an feiner Statt, auf fein Geheißz im Namen des Richters; im Namen 
Gottes taufenz in Gottes Namen, d, i, unter göttlihem Segen und Bei- 


256. | Napf 


ſtand; oft mĩſsbräuchlich, um gleichgültige Zulaſſung auszudrücken, 3.3, er mag 
es in Gottes Namen thun; fo geh in Gottes Namen! u, dgl, m.; in der älteren 
Sprade heißen bie drei Perfonen in der Gottheit: die drei Namenz landſch. 
Manns: und Weibernamen f, Manns: und Weibsperfen) 5; ferner f. eine 
Geſammtheit gleichbenannter Perfonen, ein Volk, eine Nation ꝛc. (3. B. 
er ift ein Feind des chriſtlichen, des deutfhen Namens); der Nuf, die Nach— 

rede, die öffentliche Meinung über unfern fittlichen Werth (einen guten 

Kamen haben; Semand einen böfen Namen machen; auf einen ehrlichen Namen 
halten; fi) einen Namen, einen großen, berühmten 2c, Namen machen) ; — 

der Gen, Namend Kanzl, f. im Namen (5. B, Namens des Richters) ; — 

3fes. das Namenbuch od, = büchlein, oberd. f. Buchſtabirbuch, Fibelz der 

Namenchrift, wer nur dem Namen nad Chriſt ift, Scheinchriſtz fo auch: der 
Namenfürkt, =held, =Fünig, u. dgl, m; der Namengeber, wer einer 
Perfon oder Sache einen Namen giebt; die Namengebungz; dad Namens 
gedicht ‚ ein Gedicht, in welchem die Anfangsbuchſtaben der Verje zuſammen⸗ 

gelefen einen Namen bilden, -Leiftenverfe (fr, Akroſtichon); namenlos, dicht, 

auch namlos, Bw,, ohne Namen, ungenannt oder unbekannt (fr, anonym) 3 

auch f. unberühmt z unausfpredlich, unnennbar (ein namenlofer Schmerz); Die 

Namenlofigleit; der Namenträger, landſch. aud Namenmeier, in gro: 

gen Handlungen ſ. v. w. Buchhalter; dad Namentuch, landſch. ein Tuch, in 

welches Mädchen Buchſtaben, Namen, Zeichen ꝛc. ausnähen lernenz der Nas 

menwechfel oder =taufch, Verwechſelung der Namen; insbe]. Redek. f. das 

fr, Metonymiez der Namenstag, der Tag, deſſen Kalendernamen zugleid) 

Semands Zaufnamen iſt; aud) das Namensfeſt, fofern er gefeiert wirds; der 

Namenszug, sin Schriftzug, welcher einen Namen vorftellt, bef. die in eins 

ander verfhhlungenen Anfangsbuchftaben des Namens; namfundig, Bw., dem 

Samen nad) befannt, berühmt ec.; Kanzl.f. namhaft (etwas namkundig machen) 3 

auch f. anſehnlich, beträchtlich; — Ableit. namentlih, Nw. u, Bw., mit 
Namen, mit ausdruͤckliche Nennung ded Namens; namhaft, Bw. und 

Nw., eig. einen Namen habend, bef, ald Nw. einen namhaft machen, d. i. 
feinen Namen nennen 5 in engerer Bed, einen berühmten Namen habendz das 

her f. nennenswerth, anfehnlich, beträchtlic (4. B. eine namhafte Geld: 

fumme, ein namhafter Schaden zc.); oberd. auch f. ausdrücklich, beftimmt 

(ein namhafter Befehl); nämlich, Nw. u. Bw. (v. Namen, = namentlid)3 

n.%, weniger r. nehmlich v. nehmen), 1) als Nw. die nähere und nament— 

liche AUnführung von etwas früher unbeftimmt u, allgemein Angegebenem 

einleitend (3. B. es waren mehre Bekannte da, namlih Hr. N. N, 20,5. in dies 

fem Fluſſe leben verfchiedene Fiſche, nämlich Hechte, Barfihe, Aale zc.); 2) als 

Bw. in Verbindung mit dem Artikel der zc.: der, die, das naͤmliche, d. i. 

der vorher genannte, eben derfelbe (die nämliche Sache, der nämliche Menſch; 

er ift noch) der Nämliche, d. i. unverändert berfelbe). 

Napf, m, -es, M. Näpfez Verkl. das Naͤpfchen (altd. hnapf, 

. naph; nieberd, Napp; angelf. hnäpp, ſchwed. napp, ital. nappo, Becher; 

vieleicht verw, mit nippen, alfo urfpr. ein Trinkgefäß?), ehem. überh. ein 

tiefes Gefaͤß; jegt ein gew. irdenes rundliches Gefäß, welches je nad) dem 

verfchiedenen Gebraud bald’ mehr tief, bald mehr breit ift, finne. Schale, 

Kumpf, Ah, G- B. Mühe, Suppen:, Spül:, Spudnapf zu; landſch. 

uneig. in das Näpfchen treten, di i. ein Verjehen maden, fi bei Jemand 

verhafft 





napfen — Narr 257 


verkafft machen); in ber Naturf, heigen Näpfchen bie Kelche, worin ge: 
wiſſe Früchte oder Blumen, z. B. die Eichen, Nelfen 2c,, figenz der Napfs 
fuchen, in einer napfähnliden Form gebadener Butterkuchen, Aſch-⸗, Topf: 
kuchenz die Napfmorchel, der Becherſchwammz die Napfmufchel oder 
efchnedfe, eine Gattung wenig‘ Eegelförmiger Schnecken ohne Windungen, 
Schüſſel-, Mulden:, Schalmufhel, Klippkleber 2,5 der Napfftein, napf: 
förmige verfteinerte Muſcheln, Schüffelfteine, 

napfen, ziel. Zw., im Holftein, f. ftehlen, maufen. 

Narbe, w., M.-n, Verkl. dad Närbchen, (altd, narwa; niederd, 
Narwe, Narez dan, narv, holl, nerf, erf, ſchwed. narf, ärrz von d, alt: 
riederd, naru, engl, narrow, engz verw, mit d, iöländ, naer, engl, near, 
nah angelf, nearvjan, verengen; alfo eig, Verengung, Schließung), eine ges 
fchloffene, geheilte Wunde und die davon zurtickgebliebine, gem. vertiefte 
Spur (Podennarben u, dgl,); ähnliche Vertiefungen auf der dußeren Seite 
der zubereiteten Felle, auch f. die ganze Außere Seite einer Haut, auf 
welder die Haare waren, die Narbenfeite (entg. Fleiſch- od. Aasſeite) ; Pflanz. 
eine Vertiefung an der Spitze des Griffels; ferner landſch. (oberd. Narb, 
Näch, Arb) f. die Krampe od. Klammer zu einem Vorlegeſchloſs z der Nar— 
benftrich, Weißgerb. das Streichen der Felle mit dem Streicheiſen auf der Nar: 
benfeite nach der Zängez narbicht, Bw., narbenähnlih, kraus (das Tuch 
narbicht machen); narbig, Bw., Narben od. narbenännliche Vertiefungen 
habend (ein narbiges Gefiht,. Leder, Papier); narben, Zw. 1) ziellos m, 
haben, eine Narbe bilden, fich zur Narbe fchließen (die Wunde narbt) ; 
2) ziel. (auh närben) narbig machen (ein Fell —, d, i. die Haare od, Wolle 
abftoßen); genarbt als Bw, f. narbig. - 

Narde, w., M. -n (v. dem lat, nardus, griech. v&odog ; eig. morgenländ, 
Urfprungs: hebr. nered, perſ. nardin), eine ojtind, Urt ded Bartgrafes mit 
einer Ähre (daher auh Spitenarde, d,i, spica nardi’genannt) und einer 
langen, gelbsraunen Wurzel von angenehm bitterem Gefhmadz daher dad 
wohlriehende Nardenwaffer u. Nardenoͤl; die celtifhe Narde od, der 
Nardenbaldrian, eine auf hohen Gebirgen wachfende Art des Balbrians; die 
wilde Narde, der Gartenbaldrian ; auch f. Haſelwurz diezahme Narte, 
der Schwarzkümmel, aud dad Nardenkraut; das Nardengras , Berften 
oder Pfrismengras, 

närig, Bw. (v, altniederd. naru, angelf. nearo, engl, near, narrow, eng, 
Enapp), ſchwäb. u, nieberd, f. ſparſam, geizig; naͤrlich, Bw. u, Nw. (engl. 
nearly) oberd, f. fpärlic), Enapp, kaum. 

Narr, m, -en, M.-enz die Närrinn, M. - en; Verkl. dad Närre 
hen, (altd, narro; niederd, Nare, dan, nar, ſchwed. narr; vielleicht v. d. 
altniederd, naru, angelf, nearu, eng, beſchränkt), überh, wer-der Bernunft 
zumider handelt, ein unfluger, alberner Menſch, finnv, Thor, aber härter 
und weniger edel als diefes, hisw, auch für das weibl, Gefhleht: der Narr, 
neben; die Närrinn, (fei Fein Narr! einen zum Narren machen, haben, 
ihn für einen Narren halten, d. i. ihn wie einen unvernlinftigen Menfchen be: 
handeln, finnv, ihn zum Beften habenz fich zum Narren machen, d. i. zum 
Gegenftande des Gelächters od, Geſpöttes; ſprichw. jedem Narren gefällt feine 
Kappe; Kinder. und Narren reden die Wahrheitz ein Narr macht mehre 2c.5 
ein guter Narr, wer auf unkluge Weife und zu feinem Nachtheile gutherzig 


Heyfe's Bandwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil, 47 


—J Narwall — Naſche 


X 
iſt; in der vertraulichen Sprache oft ſcherzh. u. ohne Gehäſſigkeit, beſ. Narr: 
chen, Närrinn für Kinder und kleine Mädchen) 5 in beſtimmterer Bed, wer 
eine unvermünftige, ungeregelte Liebe zu etwas gefaff: hat (ſprichw. gem, 
. einen Narren an etwas gefreffen habenz bef. Zfeg. wie Bücher-, Kleider-, 

Putz-, Kinder:, Modenarr od.-Närrinn); ferner ein Menfch, der zur Bes 
Iuftigung Anderer lächerliche Poffen macht, Luſtigmacher, Poffenreißer, 
Handwurft (Gofnarr, Schalksnarr); in engfter Bed, wer des Gebrauchs 
feiner Vernunft gaͤnzlich beraubt iſt, ein Verruͤckter, Wahnwitziger; Na- 
turk. ein zum Geſchlecht der Gans gehoͤrender Vogel, Einfaltspinſel, 
Waſſertoͤlpel; — 3fes. dad Narrenfeſt, ein im Mittelalter um Weihnachten 
begangenes Feſt mit allerlei ſeltſamen Poſſen; die Narrenfliege, eine Art 
ſchwarzer, rauher Fliegen; die Narrengeſellſchaft oder der Narrenorden, 
eine im 16ten Jahrh. errichtete, die Gebräuche der Ritterorden verſpottende 
Gefeufaftz; das Narrenhaus, Tollhaus, b. Irrenhaus; dad Narrenheil, 
Gauchheilz der Narrenhode, männliches Knabenkrautz die Narrenfappe 
oder mühe, Schellenkappe der ehemal, Hof: und Schallsnarrenz uneig. f. 
Sturmhut od, Wolfswurz; auch f. verſchiedene Schnedenartenz das Narren= 
-Fleid, die aus bunten Flicken zufammengefeste Kleidung eines Narren od, Hans: 
wurftes, fo auch: die Narrenjacke; die Narrenkolbe oder der Narrenfol= 
ben, ein Kolben (f. d.), wie ihm ehem. die Schalfsnarren trugen; uneig, 
landſch. f. Rohr: oder Wafferkolbenz die Narrenpofje, gem, Narrenspoſſe, 
bef, M. -n, Poffen eines Narren; überh, närriſche Poffen oder Späße; dad 
Narrenfeil, fprigw, am Narrenfeile ziehen, d. i, närriſch handeln; einen am 
Narrenſeile führen, d. i. ihn zum Narren haben; der Narrenftein, für Koh: 
len gehaltene trockene Beifußwurzeln, denen man alterlei Kräfte zuſchriebz bie 
Narrentheidung (f, Theidung), gem, aud Narretei, vlt, fs Narrenpoſſe; 
— Xbleit, narren, Bw. 1) ziellos m, Haben, vlt. wie ein Narr handeln, 
thöricht handeln; Spaͤße machen, Poffen treiben (gem, aud) närr ſchen); 
2) jiek einen —, auch närren, ihn zum Narren haben, necken, aufs * 
ziehen; die Narrerei, das Narren, die Neckereiz die Narrheit (gem, auch) 
Närrſchheit), der Zuftand u. die Handlungsweiſe eines Narren, finno, 
Thorheitz eine närrifche Handlung Narrheiten begehen); narrenhaft oder 
narrhaft, gem. närrifch, Bw., einem Narren ähnlich oder angenieffen 
(ein närriſcher Menſch, närriſch handeln z ein närrifher Anzug zu); naͤrriſch 
insbef. f. poſſenhaft, lächerlich ;, ſeltſam, fonderbar, auffallend (das ift 
doch näreifcht); auch f, verruͤckt, wahnfinnig (man möchte närriſch werden). 
Narwall, m., — es, M. -e, (ſchwed. narhvall, engl. narwhale, franz. 
narval; Nar= Nafe (2), lat, nares, d. i, Hervorragung; Wall,f, Wall 
fir), eine Art Wallfifcye mit zwei hersorragenden Zähnen im Oberfiefer, 
wovon es aber gewöhnlich nur einen unverfehrt behält, dad See= Einhorn, 
Narziſſe, w., M. -n (v, lat, narcissus, gricd, vdozı00og,d, vugzür, 
betäuben, wegen des ſtarken Geruds), ein Zwiebelgewaͤchs mit geraden, 
- glattem Stengel und einer feheblätterigen , weißen oder gelben wohlz 
riechenden Blume, landſch. auch Zeitlofe, Zittelrofe, Oſternlilie, Aprilblume ze. 
genannt; der Narzijfeniauch, eine Art des Lauches; die Narzifslilie, ſ. 
Liliennarziſſe. 
Naſche od. Naſch, w., M. -en, landſch. 1) oberd. f. in Mutterſchwein 
(auch Nuſſch); 2) im Holftein, f. Schachtel, Doſe von Holz oder Pappe, 





* naſchen — Naſe 269 


naſchen, ziel. u, zielloſ. Bw, (altd. nasconz; von hnasc, goth. hnasqvis, 
angelſ. hnesc, naesc, engl, nesh, nice, weich, zart, lecker; vergl. d. finn, 
naskun, fdmagenz ſchwed, snaska, ſchlingen), aus oder mit Lufternheit 
eſſen, bef. wenn es in Eleinen Biffen, heimlich und unerlaubter Weife gefchieht 
(etwas, oder von etwas —); uneig, überh, unerlaubt und flüchtig genießen 
(die Weiber naſchen gern) ; — 3 fen. der Nafchhunger od, die Nafchluft, die 
Luft oder Neigung zum Naſchen; die Naſchkatze, uneig. ſ. v. m. das Nafch- 
maul od, = mäulchen, eine naſchhafte Perſonz der Nafchmarkt, au manchen 
Orten ein Marktplag, wo Naſchwaaren, Obſt, Geflügel, Wild ꝛc. verkauft 
werden; dad Nafchwerf, allerlei Speifen zum Nafchen ; dad Nafchwildbret, 
Wildbret, welches über die Grenze in ein fremdes Gebiet übergeht, und dafelbft 
geſchoſſen wird, z. 8, ein Naſchhirſch; — Ableit. der Näfcher, —s, die 
Näfcherinn, M, -en, wer gern nafchtz die Näfcherei, das Nafchen, 
die Neigung und Gewohnheit zu naſchen; etwas zum Nafchen, eine 
Leckerei, beſ. M, Näfhereien, ſ. v, w. Naſchwerk; nafchhaft, gem, auch 
naſchhaftig, Bw,, geneigt und gewohnt zu naſchen; die Naſchhaftig— 
keit; näfchig, oberd, aud genäfchig, Bw., gern nafchend, nafchhaftz die 
Näfchigkeit. 
Nafe, wi, M.-n; Verkl. das Näschen, (altd, nasa, niederd, Näfe, 
angelf, näse u, nosu, engl. nose, island. nös, ſchwed. näsa u, nos; flav, 
nos; lat, nasus, ſanskr. nasas), der am Vorderfopfe der Menfchen und 
mancher Thiere unmittelbar über dem Munde hervorragende Körpertheil, 
welcher dad Werkzeug ded Geruches ift (eine große, lange, Eleine, ftumpfe, 
Habichts-, Adler-Naſe 2c, 3 auf die Nafe fallen z durch dieNafe fprechen, ſ. v. w, 
näſeln; die Nafe rumpfen, ſ. d.z der Nafe nad; gehen, gem, f. gerade aus, 
wohin die Nafe gerichtet iftz es liegt ihm vor der Nafe, d. i, ganz nahe vor 
ihm; einem etwas vor der Nafe weg nehmen; ihm die Thür vor der Nafe zu: 
maden, d. i. indem er eben hineingehen wollte; aud) in vielen uneig, Redens— 
arten des gem. Lebens, z. B. einen mit der Nafe auf etwas flogen, d. i, es ihm 
recht fühlbar oder merklich machen; einen bei der Nafe herumführen, d. i. Affen, 
anführen; einem etwas auf die Nafe binden oder heftenz ihm eine Nafe drehen, 
d, i. ihm etwas weiß madenz einem auf der Nafe fpielen oder herumtanzen, 
d, i. ihn geringfhäsig behandeln, zum Beften haben; die Nafe ins Bud) ſtecken, 
d, i. mit Aufmerkfamkeit lefen oder lernen; die Nafe hoch tragen, aufwerfen, 
d, 1, Stolz, Hohn, Verachtung Außernz entg. die Nafe bangen laffen, mit 
einer langen Nafe abziehen, d. i. Demüthigung, Beſchämung, Kleinmuth zei: 
gen; daher: eine Nafe bekommen, einem eine Nafe geben, d, i, einen 
Verweis); bef, als Werkzeug des Geruchs, daher f. den Geruchfinn oder die 
Spürfraft felbft (Jäg. ein Hund verliert die Nafez eine gute, feine Nafe 
haben) u, in uneig, Redensarten der Volksſpr. f. Wahrnehmungs: od. Erz 
Fenntnifävermögen überh, (3. B, die Nafe überall haben, in Alles fteden, d, i. 
fih um Alles befümmern, Alles unbefugt unterfuchen ; einem etwas unter die 
Nafe reiben, d. i. es ihm fehr derb zu verftehen geben); auch f. finnliche Be— 
gierde (es fticht ihm in die Nafe, d. i. reizt feine Lüfternheit)z; uneig. bef, alt 
u, landfch, eine nafenähnliche Hervorragung, 7. B. oberd, u, fehmweiz. ein 
vorfpringender Feld, Vorgebirge, eine ins Waffer hineinragende Landfpite 
(angelſ. nässe, engl, -ness ; island, u, ſchwed. näs); ein Berggipfelz niederd. 
f. Schiffefchnabel; der Hervorragende Theil des Pfluges, der Dachziegeln, des 


47# 


260 Naſe 

Hebels; Hüttenw. die Außerfte Spitze des Gebläſes; Zäg. das Näslein (ver: 
derbt: Näſslein, Näſchlein), eine geringe Erhöhung inder Führte eines Hirſches 26, 5 
ferner eine mit einer Naſe verfehene Perfon felbft in Zſetz. wie: Breit:, 
Stumpf=, Plattnafez oberd, ein eföbarer Fluſsfiſch, größer als ein Häring, 
auch Nafe: oder Nafenfifh, Näsling genannt; — 3fes. nasführen, 
unteb, ziel, 3w,, gem., einen —, ſ. v. mw, bei der Nafe herumführen, affen, 
täufhens das Nashorn, eines der größten vierfüßigen Landthiere mit einem 
zurüdigebogenen Horne auf der Nafe, in Afien und Afrika lebend (fe, Rhinos 
ceros); der Nashornkäfer, verſchiedene Käferarten mit einem Horn vorn auf 
dem Kopfes der Nashornvogel, eine Art Hornvögel in Indien; nas— 
ruͤmpfen, unteb, ziellof, 3w,, die Nafe rüwpfen zum Zeichen des Höhne, der 
Verachtung 26,5 nafeweid, Bw. (ſchwed, näsvis; vergl. d. lat. nasutus), eig. 
weife oder kundig mittels der Nafe, alfo eine feine Nafe, d, i, viel Spürkraft 
habend (4. B, ehem, von einem Hunde); jest nur tadelnd: voreilig, unüberlegt 
und ohne Befcheidenheit urtheilend oder abfprechend und dadurdy oft beleidigend, 
finnv, vorwigig, vorlaut, überklug (ein nafeweifer Rnabe, eine nafemweife 
Frage 2); der Nafeweis, —es, M. -e, eine nafeweife Perfon, ſ. v. w. 
der ober die Nafeweife; die Naſeweisheit, das Nafeweisfein, die Vorwitzig— 
keit; auch eine einzelne Außerung derfelben (M. Nafeweisheiten); — dad Na—⸗ 
fenband, der heil des Pferdezaumes, welcher über der Naſe des Pferdes liegts 
das Nafenbein, der Knochen unter dem Stivnbeine, welcher den oberen Theil 
der Nafe bildet; dad Nafenbluten, Biuten aus der Naſe; der Nafenbuch- 
ftabe oder -Laut, ein Sprachlaut, bei deffen Hervorbringung der Luftftrom 
durch die Nafe geht, z. B.n, m (fr. Nafal); der Nafenbusen, = popel od. 
= pöpel, landſch. gem, ber verdickte Naſenſchleimz der Nafenfifch, T. 0, Naſe; 
der Nafenflügel, die unteren auswärts gebogenen Enorpeligen Seitenwände 
der Nafe, auch Nafenlappenz; das Nafenfreit, (ſ Frett), ein amerikan, 
Thier aus dem Geſchlechte der Halbfüchſe mit langer, beweglicher Nafez die 
Nafenhöhle, der durch die Naſenſcheidewand getrennte hohle innere Raum der 
Naſe; der Nafenkeil, Sattl, ein mit einer Hervorragung verfehener Keil am 
Sattel; Hüttenw, ein in den Stichofen über der Form eingemauertes Stück 
Eifen; dad Nafenfraut, landſch. f. Lbwenmaul; der Nafenfriecher, eine 
Bremfe, deren Larven in den Stirnhöhlen der Rennthiere leben; die Nafen= 
kuppe, der unten hervorftehende, gerundete Theil der Naſe; dar Nafenloch, 
die Atafenlöcher, die beiden Öffnungen der Nafenhöhlen; der Nafenpopel, f. 

Naſenbutzen; der Nafenqueticher, od. die Nafenquetfche, landſch. gem, ein 
ſchlechter Sarg mit plattem Dedelz der Nafenring, ein Ring, der einem 
Thiere zur Bändigung, od, auch bei wilden Völkern den Menfchen zum Schmud 
durch die Nafenfcyeidewand gezogen wird; der Nafenichleim, gem. Ross der 
Nafenfchneller, ‘gem, auch -ſtuͤber, ein Schneller gegen die Nafe mittelft 
eines an den Daumen geftemmten und losgefchnellten Fingers; die Nafenfpige, 
die Äußerfte Spige der Nafe; dad Nafentuch, Schnupf-, Taſchentuch; die 
Nafenwurzel, der oberfte Theil der Nafe zwifchen den Augenhöhlenzs — 
Ableit. nafen, ziel, 3w., mit einer Naſe verfeben, bef. das Mw. g en a— 
fetz uneig. einen — (niederd, näfen), ihm eine Naſe, d, i. einen Verweis 
geben; fich —, gem. ſcherzh. fich mit den Nafen berühren, kuͤſſen; nafeln, 
zielloſ. Zw., Jäg. mit der Nafe riechen, fpüren, ſchnuppern; durch die 
Naſe ſprechen (auch ziel. etwas —); daher der Naͤſelbuchſtabe, -laut, 

















naſs — Natter 261 


ſ. v. w. Nafenbuchftabe 26,1. 0,5 nafig, Bw,, eine Naſe habend, in Zfes. 
Mi breit=, Langnafig zc.; der Näsling, —es, M.-e, Naſenfiſch, f. o. 
afe, \ 

naſs, Bw., Comp. naffer, Sup. naffeft, oberd, auch näffer, näffeft, (altd, 
naz, niederd, matt; verw, mit d, gried,, voros, Regenwind, verıog, naja, vorte, 
Näffez weew, lat, nare, natare, ſchwimmen), von einer Fluͤſſigkeit durch⸗ 
drungen od, fo damit benetzt, daſs fie dem Auge bemerkbar wird, ein hd: 
herer Grad von feucht (f. d.), entg. troden (ein naſſer Bodenz der Regen 
macht nafs) ; uneig. gem. f, trunken ob, den Trunk liebend (ein naffer Bruder, 
d. issein Säufer) z ferner f. naſs machend, viel Näffe, Regen ıc. bringend 
(naffes Wetter, ein naffes Jahr); Kaufm, f. flüffig (naffe Waaren, d. i, Wein, 
Bier, Branntwein, DL); das Naſs, —es, 0.M,, dicht, f, Fluͤſſigkeit, 
flüffiger Körper; — 3fes. der Nafshaufen, Brau, ein Haufen genäffter 
Gerftes naſskalt, Bw., kalt und nafs zugleich (naſskaltes Wetter); das 
Naſspochwerk, Hüttenw, ein Pochwerk, wo die Erze naſs gepodt werden; — 
Ableit, die Näffe, o.M,, das Nafsfein, die naffe Befchaffengeit, finno. 
Feuchtigkeit; auch dad Naffe, Feuchte, Fluͤſſige felbft (ic) der Näffe aus: 
fegen; etwas in der Näſſe liegen laſſen 2c.); naflen, ziellof, Bw, m. haben 
(nieberd, naten), felten fs naſs fein, Näffe von fich geben; näffen, Zw, 
4) ziel, naſs machen, gew, netzen; 2) ziellos f. naſſen; Jäg. f. den Harn 
laffen; näffeln, ziel. u. zielloſ. Zw., das verkl. näffen: ein wenig naſs 
machen, od, fein; näfslich, Bw,, ein wenig naſs, feucht, 

Naflel, w., M.-n, landſch. f Aſſel, ſ. d. 

Naſt, m., —es, M.-e (vergl, Knaſt), landſch. f. Aſt, Knorren. 

Nath, wi; Naͤther, Naͤtherinn ꝛc. ſ. unter nähen. 

Naͤther, m, —8s, M. w. E. (von nähen f, verbinden, flechten ?), 
Waſſerb. ein aus Ruthen geflochtener Zaun zur Sicherung eines Damms od. 
Ufers gegen das Waffer, ein Strichzaun. 

Naͤtſch, m., — es, o. M,, landſch. f. das ſpitzige Rietgras; Borften- 
gras od. haarfoͤrmiges Pfriemengras. 

natſchen 1. (mit gedehntem a) zielloſ. Zw., ſchleſ. f. mit unangenehmem 
Tone weinen; daher der Natſcher, die Natſcherinn. 
natſchen 2. (mit geſchärftem a), ziellof, Zw. (ein Schallwort) landſch. f. 
fhmasen, vergl. knatſchen. 

Matter, w., Mi -n, (goth. nadıs, altd, natara, natere; angelf, nädre, 
island, nadr, nadra; lat, natrix, v. nare, ſchwimmen, vergl, naſs; aljo 
eig. Wafferfchlangez Landfch. gem, mit Abftoßung des n: Atter, engl, adderz 
vergl, Otter), eine Urt Schlangen mit Schildern unter dem Bauche; insbef, 
die gemeine Matter, 1 bis 2 Fuß lang und giftig, auch Otter od. Viper ge: 
nannt; die gehörnte Natter ꝛe.; der Natterbiſs; die Natterblume, ge: 
meine Kreuz= oder Milhblume, auch das Natterzunglein; der Natterhals, 
uneig. eine Art Specht mit ſehr gelenkem Halſe, auch der Natterwendel, 
Natterzwang, Ditervogel, Wendehals 2c. genannt ; das Natterkraut, Schmeer: 
wur; oder fette Henne; Dtterkopfz Pfennigkraut zc,5 die Nattermilch, eine 
Pflanze mit Heilkräften gegen den Schlangendijs, deren Wurzel einen milchich— 
ten Saft enthält, Schlangenmord; die Natterfchlange oder der Natteraal, 
eine Agypt, Schuppenſchlange; die Natterwurz, eine Art Wegetritt mit ſchlan— 
genähnlich gekrümmter Wurzel, Schlungen:, Dradenmwurz, Kreböwurzel ac; 


4 


262 Natur u 


auch f, Natterfraut, oder Nattermilch; die Natterzunge, uneig. eine giftige, 
verleumbderifche Zunge od. Perfon z eine Art des Farnkrautes mit einem Stengel, 
deſſen gelbe Spitze einer Schlangenzunge ähnelt. 

Natur, w., M.-en, (althochd. natura neben dem urfpr, deutfchen chnuotz 
mittelh, nature; vom lat, natura v. nasci, geboren werden, entftehen), 1) die 
- urfprünglich angefchaffene eigenthuͤmliche Art, Befchaffenheit, Einrich— 
tung eines Dinges und die in bemfelben unbewuſſt wirkende Bildungskraft (die 
Natur der Dinge erforfchen z das Eis ift feiner Natur nad) Ealtz; die Natur des 
Menſchen, eines Menſchen; die Naturen find verſchieden; die Natur hilft fi 
felbft) ; insbef. die dem Menfchen angeborene eigenthuͤmliche Koͤrperbeſchaffen— 
heit (eine gute, ſchlechte, ſtarke, ſchwache, geſunde Natur haben); alt und 
landſch. der Geſchlechtsunterſchied und die Zeugungsglieder (die weibliche 
Natur; uneig. gem, die Natur iſt ihm dazu zu kurz, d, i, er iſt dem nicht ge= 
wachen); auch das aͤußere Verhältnis, in welches der Menfch durch feine 
Erzeugung und Geburt verfet ift (das Band der Natur vereinigt Ältern und 
Kinder, Gefhroifter ꝛc.)3 ferner die eigenthuͤmliche geiftige und fittliche An— 
lage und Befchaffenheit, Sinnes- od. Gemüthdart eines Menfchen (higi: 
ger, Kalter, lebhafter zc. Natur feinz die fittlihe Natur des Menfchenz es 
widerftrebt meiner Natus ꝛc.); daher überh. das geiftige Wefen (die Natur 
Gottes 5 die beiden Naturen in Chrifto: die göttliche und menfchliche), die innere, 
voefentliche Befchaffenheit einer Sache (e8 Liegt in der Natur der Sache; die 
Natur der Sprade 5 die Natur unferes Verhältniffes u, dgl, m.) 5 in der Theo— 
logie ift Natur (entg. der Offenbarung oder Gnade), der Gebrauch der dem 
Menfchen als ſolchem anerfihaffenen Kräftes 2) 0, M, die urfprüngliche Art 
und Weife zu fein und zu leben mit Ausſchließung alles durch bewufite Thä— 
tigkeit des freien Geiftes Hervorgebrachten, daher entg, der Kunſt und mit 
dem Nebenbegriff der Unfchuld und Einfalt (im Stande der Natur, der Natur 
gemäß leben; der Natur getreu bleiben 3 die Natur ift mit Wenigem zufrieden; 
von Natur viel Verftand haben 5 fie ift lauter Natur, d. i. völlig ungekünftelt); 
3) 0, M, die durch alle Förperlichen Dinge hindurchwirfende zeugende, ge= 
ftaltende und verändernde Straft, als Eins und zwar gew. als ein für ſich 
beftehendes Wefen betrachtet (3. B. die Natur wirft nad) unabänderlichen Ge- 
fegen; der Gang, der Lauf der Naturz der Stimme der Natur folgen, d. i. 
ihren Gefegen ; die Schuld der Natur bezahlen, d. i. ſterben) 4) o. M. der Ine 
begriff aller gefchaffenen Dinge, die ganze Schöpfung (Gott und Natur; 
in der Natur den Schörfer erkennen; in der ganzen Natur); in engerem Sinne 
die irdifche Körpermelt im Gegenfas des Geiftes, daher auch häufig mit Aus: 
ſchließung des Menſchen (Menſch und Natur; die drei Reiche der Natur; Natur: 
beſchreibung, -—geſchichte ꝛc.), u, entg. den Werken menſchlicher Kunſt, als 
Häufern, Städten ıc, (in der Natur leben, d. i, im Freien; die ſchöne, freie 
Natur ꝛc.); in den bildenden Künften alle darftellbaren fichtbaren Gegen 
ftände, mit Einſchluſs des Menfchen (die Natur nahahmen, nad) der Natur 
arbeiten, malen 26,)5 — 3fe$. die Naturbegebenheit od. das Naturereig- 
niſs, jedes Ereignifs in der natürlichen Körperwelt; die Naturbefchreibung, 
die Befchreibung der Naturkörper, gew. Naturgeichichte, mweldes eig. davon 
verfchieden ijt und die Lehre von der Entftehung und den Veränderungen der 
Erde und der Naturförper bezeichnet; der Naturbefchreiberz; die Naturbe— 
trachtungz der Naturdienft, die Verehrung der Natur als einer allwirken 








‘ 


Natur 263 


den Kraftz die Naturerfcheinung, eine Erſcheinung in der natürfichen Welt, 
— z3. B. Regen, Gewitter ze. (fr. Phänomen); das Nakurerzeugnifs,.(fe, Na: 
turproduct); der Naturforfcher, wer die Naturkbrper und Naturerfceinun: 
gen nad ihrem Wefen, ihren Gründen und Gefegen zu erforfchen ſucht; die 
Naturforſchung; die Naturgabe, eine natürliche, angeborene Anlage oder 
Fähigkeit (fr. Talent); naturgemäß, Biw.; der Natur angemeffenz die Na— 
turgefchichte, ſ. Naturbeſchreibung; das Naturgeſetz, Naturgeſetze, die 
Geſetze, nach welchen die Naturveränderungen erfolgen; auch die ſittlichen Ver— 
nunftgeſetze für unſere freien Handlungen; der Naturglauben, ber natürliche 
Bernunftglauben, entg. der, Offenbarung (fr. Naturalismus); der Naturgläu- 
bige (fr. Naturalift); der Naturkenner, ⸗kundige; die Naturkenntmifs, 
u. (objectiv) Naturkunde, die Wiſſenſchaft von der Natur, ihrer Erzeugniffen 
und Erfheinungen im meiteften Umfang, Naturwiffenfdaft; dad Naturkind, 
ein Menſch, der im Stande der Natur lebt; der Naturkörper, jedes Natur: 
erzeugnifs (fr. Naturalien)z; die Naturkraft, die wirkende Kraft der Natur 
überhaupt, und die jedem einzelnen Naturkbrper inwohnende Bildungskraft; die 
Naturlehre, die Lehre von den Naturerfcheinungen und : Ereigniffen nad) den 
darin wirkfamen Kräften u. Gefesen (fr. Phyſik); der Naturlehrer (fr. Phy— 
ſiker); der Naturmenſch, der Menſch im Zuftande der Naturz die Natur= 
ordnung, die gefegmäßige Ordnung der Natur; die Nafurpflicht, eine von 
der Natur auferlegte Pflicht, z. B. der Altern gegen die Kinder; dad Natur— 
recht, ein dem Menfchen als folhem, abgeſehen von der befondern bürgerlichen 
Verfaffung, zufommendes Recht, und der Inbegriff diefer Rechte, entg. dem 

' bürgerlichen Rechte; das Naturreic), die ganze Natur; die drei Naturreiche, 
die drei Hauptklaſſen der Naturförper: das Thier-, Pflanzen» und Mineral: 
reich; dir Naturfinn, Sinn für das Leben, die Ordnung und Schönheit der 
Natur; dad Naturfpiel, ein Naturförper, den die Natur gleihfam fpielend 
bildete, bef. ein folder, der eine zufällige Ähnlichkeit mit Körpern anderer Art 
hatz der Naturtrieb, ein in der Natur eines Wefens gegründeter unwillkür- 
licher Trieb (fr, Inſtinct; vergl. Kunfttrieb); das Naturvolk, ein im Stande 
der Natur, ohne künſtliche bürgerliche Verfaſſung lebendes Volk; naturwidrig, 
Bw., der Natur zuwiderlaufend, entg. naturgemäß; die Naturwidrigkeit; 
die Naturwiſſenſchaft, ſ. v. w. Naturkunde 'j. o. Naturkenntniſs)5 aud) jede 
einzelne darunter begriffene Wiffenfhaft (M. Naturwitfenfhaften); das Natur— 
wunder, eine wunderbare Erſcheinung, Einrichtung zc. in der Natur; dir 
Naturzuftand; der Naturzwed ꝛce; — Abieit. naturen, ziel, Zw., vlt., 
mit einer gewiffen natitrlichen Eigenthümtichfeit oder, Anlage verfehen (zu 
etwas wohl naturet, od. genaturt fein); natürlich, Bw. u.Nw., überh. in der 
Natur gegründet, der Natur gemäß od. angehörend; ingbef. 1)won Na— 
tur eigen, angelhaffen, -angeboren, im Gegenfag des Angerigneten, Er: 
worbenen, Erlernten 2c, (natürliche Fähigkeiten, Triebe; natürliche Bewegun: 
gen; die Sünde ift dem Menfchen natürlich; die natürliche Religion, entg. der 
geoffenbarten); aud im Gegenfag des Falſchen, finnv, echt, eigen (natürliches 
Haar ; die natürliche Geſichtsfarbe) ; in Naturverhältniffen od. Naturgeſetzen 
gegründet (Altern und Kinder ftehen in einer natürlichen Verbindung s der na: 
türlihe Tod, entg, einem gewaltfamenz natürliche Pflichten und Rechte); finnv, 
koͤrperlich, leiblich, zeitlich, entg. geiftig, geiſtlich (das natürliche Leben, - 
d. i. das koͤrperliche, thieriſche, entg. dem geiftigenz; der natürliche Tod, d. i. 


264 nau — Nebel 


der zeitliche, entg. dem ewigen); 2) in der Natur der Sache begründet, 
daraus nothmwendig herfließend und folgerichtig zu fihließen (der Wunſch gefund 
zu fein, iſt natürlich; die natürlihen Folgen einer Sadhez das ift ganz na= 
türlich 3 da er mich oft betrogen hat, fo kann ic) ihm natürlich nicht trauenzc.)5 
3) im Stande der Natur befindlich , gearlindet, Daraus hervorgegangen 
(dee natürliche Menſch, entg. dem Staatsbürger; die natürliche Freiheit; die 
natürliche Erbfolge 3.U. von einer vertragsmäßigenz ein natürliches Kind, 
d. i. ein außer der Ehe gleihf. im Stande der Natur erzeugtes) ; be. im Gegen: 
fa& des Künftlichen,, verftänsig Berechneten (der natürliche Tag, von Sonnen: 
aufgang bis Sonnenuntergang; das natürliche Jahr) 3 abjichtlog, ungekuͤnſtelt, 
ungezwungen, ungefucht, einfach, nicht verfünitelt, finnv. das fr. naiv 
(ein natürliches Kind; fie hat ein fehr natürliches Weſen; eine natürliche Stel: 
lung, Bewegung, Schreibart 2c.); 4) in der Natur ald der allwirfenden 
Kraft gegründet u. aus ihren Geſetzen herzuleiten (natürliche Erſcheinungen, 
gew. Naturerfcheinungen), entg. unnatürlih, über- oder widernatürlicy (die 
natürliche Zauberei; das geht nicht natürlich zu u. dgl. m.); zur Natur, ald 
dem Inbegriff der Förperlichen Dinge, gehörend (natürliche Körper, [.v.w. . 
Naturkörper); einem Naturgegenftande ahnlich, treu nachgebildet, natur— 
getreu (das Bild ift fehr natürlich; eine Rolle fehr natürlich fpielen) 5 die Na= 
türlichkeit, dad Natürlichfein, die natürliche Beſchaffenheit in allen Bed. 5 
insbef. finnv. Ungezwungenbeit, Kunftlofigkeit, Einfachheit. 

nau 1. Bw. u. Nw. (holl. nauw, angelf. hneav; verw. mit nah 2c.5 daher 
genau, benaut 2c.), niebderd. f. genau, eng, knapp, Fargz kaum; nauen, 
ziel. Zw. (mittelh. nouwen) f. beengen, preſſen, dringen. 

nau ?. Nw. (abgef. aus in Au, en ouwe v. ouwe, Au (f. d.) f. Fluſs) 
oberd. f. dem Strome nad), ſtromabwaͤrts; daber Zſetz. wienaufahren, 
ein Schiff nauführen, nauziehenz die Naufahrt, die Fahrt ſtromab— 
wärts, bef. die Fahrt auf der Donau von Ulm bis nad) Ungern, entg. Gegen: 
fahrt, Gegenteieb. 

Nau, m, —es, M.-e, landſch. f. Dübel. 

Nau od. Naue, w., M. -en (alt Nawe; griech. vets, lat. navis) oberd. 

Schiff, Laſtſchiff; daher der Naufaprerz die Naufahrt f. Schifffahrt. 

nauren, nuren, nureln, ziellof. Zw., ſchwäb. f. ſchlummern, einnicken. 

Nebel, m., —8, M. w. €: (altd. nepal, nebul; lat. nebula, griech. 
vepeln, dv. v&pos, nubes, Wolke), fichtbarer wäfferiger Dunft in der Nähe 
der Erofläche, welcher die Luft mehr oder weniger undurdjfichtig macht, und 
wenn er höher in der Luft Schwedt, Wolke heißt (der Nebel fällt, oder ſteigt; 
bei Nacht und Nebel davon gehen, f. Nacht); in weiterer Bed. trockne Ne— 
bel, nidht=wäfferige Duͤnſte (Sande, Heerrauch, f. d.)5 uneig. etwas 
Halbverhüllendes, Verſchleierndes; — Zfes. die Nebelbant, Schiff. einer 
Küfte ähnlicher ferner Nebel; der Nedelbogen, ern ar entftehender 
mweißgrauer Regenbogen ; die Nebeldede, = hülle, dad Nebelgewand, -kleid, 
der Nebelfchleier ꝛc. der Nebel od. etwas Nebelühntiches, fofern es bedeckt oder 
verhülltz der Nebeldunft, ferner Nebelz die Nebelferne, die wie in Nebel 
gehüllte, nicht deutlich zu erfennende Ferne z der Nebelfleck, Sternk. ein wie 
ein weißes Wölkchen erſcheinender Stern, od. mehre, wie in einen Nebel vinge: 
hüllte Sterne: Nebelſterne; das Nebelgebilde, die Nebelgeftalt, Gebitve, 
Geftalt aus Nebel, Dunſt-, Luftgebitdez nebelgrau, Bw., weißgrau wie 














neben 265 


der Nebel; die Nebelfappe, eine unſichtbarmachende Zauberkappe, d. i. 3au: 
bermantel (Tarnkappe); die Nebelkrähe, afhgraue Krähe mit ſchwarzen Flü— 
gen, Kopf und Schwanz, Aſch-, Holzkrähe 2c.; das Mebelmeer, ein weit 
ausgebrriteter Nebel, der eine Gegend wie ein Meer bevet; das Nebelreißen, 
bair. ein feiner Regenz der Nebelftein, ein trüber, halbdurchſichtiger Halb: 
ebelftein (fr. Chalcedon) ; — Ableit. nebelig, sau. neblig, Bw., Nebel 
enthaltend, aus Nebel beftehend (Luft, Wetter): nebelicht, zgez. neblicht, 
Bw., nebelähnlich; nebeln, Zw. 1) zieltos, meblig fein, bef. unp. ed nes 
belt, es fällt oder verbreitet fich ein Nebel; uneig. f. dunfel, unklar fein, 
dunkle Vorftellungen lieben; daher ein Nebeler od. Nebler, wer fid) in 
dunklen Gefühlen und Vorftellungen gefällt, 2) ziel. in Ableit, u. Zſetz. wie be= 
nebeln, umnebeln, 
neben, Bmw. u. Nw. (entft. aus d. althochd. in enan, mitteld. en- eben, 
neben (vergl. nau 2.), alfo eig. in gleiher Fläche oder Linie; oberd. aud) ne: 
bend, niederd. newen, neffen) bezeichnet im Allgemeinen die Nähe eines Din— 
ged zur Seite eines andern, im Grgenfag des vor und Hinter, und verſch. 
von bei, weldes die Nähe ganz allgemein bezeichnet. Es ift 1) Bmw, a) mit 
dem Dat. auf die Frage wo? ein Befinden oder Verweilen dicht zur Seite 
eined Gegenftandes anzeigend (3. B. er fist, fteht, Liegt, wohnt 2c. neben mirz 
er ging neben mir, oder neben mir her, neben dem Walde hin zc., d. i. er blieb 
oder verweilte im Gehen an meiner Seite, an der Seite des Waldes zu. uneig. 
neben der Wahrheit vorbeigehen, d. i. fie nicht treffen, nicht fagen); ferner 
uneig. einen Zufaß, eine Zugabe zu einem andern Öegenftande, welder 
als der vorzüglichere oder die Hauptſache betrachtet wird, ſinnv. außer (4. ©. 
bist. du follft Feine anderen Götter haben neben mir; er hat noch verfciedene 
Einkünfte neben feinem Gehalte); b) mit dem Acc. auf die Frage wohin? 
eine Bewegung oder Richtung dicht an die Seite eined Gegenſtandes an- 
zeigend (z. B. er fest, ftellt, legt fi) neben mich; aber: er feste ſich neben 
m ir nieder, wenn er ſchon an meiner Seite war und fich nicht erft nad) diefem 
Orte hinbewegtez fo auch: der Ball fiel neben mich hin; aber: der Ball fiel 
neben mir, d. i. an meiner Seite, zur Erde; man will den Sohn neben feinen 
Bater begraben 2c.)5; — 2) ald Nw. ſteht neben nur in 3feg. und zwar 
a) ald zweites Glied in Nw. wie daneben, woneben, hiernebenz b) als 
erftes Glied in zgef. Nw. wie: nebenan, nebenbei, nebenher (melde beſſer 
verbunden, als getrennt „neben her“ ac. geſchr. werden), u. in vielen Hw. 
wie Nebenweg, Nebenbuhler, Nebenſache 2c.3 in allen dieſen Zſetz. bezeichnet 
neben theils eig. das nahe Befinden zur Seite eines Dinges (z. B. Neben: 
bau, Nebenweg), theils uneig. ein außer einem andern Dinge ſeiner Art 
Vorhandenes (z. B. Nebenmenſch, Nebenbuhler) beſ. ſefern es ein Minder— 
wichtiges, Untergeordnetes iſt, entg. Haupt-, ſ. d. (3. B. Nebenſache, 
Nebeneinkünfte 2c.). Hiernach bedürfen die meiſten hieher gehörigen Zſetz. keiner 
befonderen Erklärung, als: die Nebenabſicht, entg. Hauptabfiht; nebenan, 
Nw., dicht daneben, zur Seite angrenzend (nebenan wohnen zc.); der Neben= 
anführerz die Nebenangelegenheitz die Nebenarbeitz die Nebenart; 
die Nebenausgabe; das Nebenband, Anat. ein Band, welches den Haupt: 
bändern der Knochen zur Hülfe dient; der Nebenbau; die Nibenbedeutung; 
die Bedeutung eines Wortes 2c. außer der Bauptbedeutung ; fo aud) der Neben- 
begriff; nebenbei, Nw., eig. daneben, zur Seite (3. B. das Zimmer neben: 


266. ; neben 
bei); uneig, außer der Hauptſache, ald Mebenfache, gelegentlich, ſinnv. neben: 
her, beiläufig (etwas nebenbei fhun, verdienen 2c.) ; die Nebenbefchäftigung ; 
der Nebenbeweis; das Nebenblatt, Pflanz. ein zwifchen den Blumen fte- 
hendes Blatt, gew. an Geftalt und Farbe von den andern Blättern verfchiedenz 
daher nebenblätterig, Bw., ein Nebenblatt oder Nebenblätter habendz der 
Nebenbruder, f. dv. w. Mitbruder, Nebenmenfhz; der Nebenbuhler, die 
Nebenbuhlerinn, wer mit einer od. mehren andern Perfonen zugleich um eine 
u. diefelbe Perſon oder Sache buhlt, d. i. fich bewirbt (fr. Rival); daher die 
Nebenbuhlerei; nebenbuhlerifch, Bw. 3 der Nebenbürge, f. v. m. Nad:, 
Afterbürge; der Nebenchrift, ſ. v. w. Mitchriſt dad Nebending, ein einem 
wichtigern nachftehendes Ding; nebeneinander, Nw., r. getrennt: neben 
einander, außer in Bier. wie die Nebeneinanderftellung s der Nebenein= 
gangz die Nebeneinkünfte; die Nebeneinnahmez der Nebenerbe, entg. 
Haupterbe, ſ. d»3 das Nebenfach; die Mebenfrau, eine Frau, welche man 
neben der eigentlichen Ehefrau bat, Kebsfraus die Nebengaffe; dad Neben- 
gebäude, Seitengebäude,, oder ein dem Hauptgebäude untergeordnetesz der 
Nebengedanken; das Nebengefchäftz das Nebengefihopf, f. v. w. Mit: 
geſchöpf; der Nebengewinn oder =gewinftz; das Nebengut, ein von dem 
Hauptgute abhängiges Gut; Rſpr. ein. augebradhtes Gut, entg. Erbgutz der 
Nebenhalm, ein neben ven Haupthalme aus der Wurzel gewachſener Halm; 
die Nebenhandlung ; das Nebenhaus, das zur Seite anſtoßende Haus, Nach— 
barhausz nebenher, Nw., eig. daneben, zur Seite fi) bewegend (nebenher 
gehen, reiten ꝛc); uneig. ſ. v. w. nebenbei, beiläufig, als Nebenfadye (etwas 
nebenher thun); die Nebenfammer; die Nebenkirche, eine der Haupt = od. 
Mutterkirche untergeordnete Tochterkirchez fo au die Nebenpfarre; die Ne— 
benkoſten; der Nebenmann, ein Mann, der ſich zur Seite eines andern . 
befindet, bef. als Soldat im Gliedez ein Mann, welchen eine Frau neben ih- 
vom rechtmäßigen Ehemann hatz der Nebenmenfch, f. v. w. Mitmenſchz der 
Mebenmond, der Widerfchein des Mondes in der mit Dünften angefüllten 
Luft, als ein zweiter Mond neben dem wirklichen erſcheinendz fo auch die Ne— 
benfonne; die Nebenniere, Anat. ein drüfenartiger Körper Über jeder Niere, 
welcher eine röthliche Feuchtigkeit enthält; der Nebenpfad ; der Nebenpfeiler, 
Bauk. der Pfeiler zwiihen zwei Bogenftellungen,„ welcher Kragfeine hatz die 
Nebenpflicht; die Nebenpforte; der Nebenpunkt, entg. Hauptpunkt, - 
f.d.5 die Nebenregel; die Nebenrolle, jede untergeordnete od. minderwich⸗ 
tige Role in einem Schaufpiel 2.5 di ebenfache, eine der Hauptſache nach— 
ftehende, minder wichtige Sache; der Nebenſatz, Sprachl. ein dem Hauptfag 
unfergeorbneter, grammatifch unfelbftändiger Satz; der Nebenfchofs oder 
-fchöfsling, Gärtn. ein neben dem Hauptfchoffe, d. i. nicht auf dem Schnitte 
des vorigen Jahres hervortreibender Schoſs, Wafferfhofsz die Nebenfchuld; 
der Nebenfchuldner ; die Nebenfihulter, Kriegsb, der von ter ftreihenden 
Wehrlinie abgefhnittene Theil eines Zwiſchenwalles; die Nebenſchuͤſſel; die 
. Nebenfeite, entg. Hauptſeite, f. d.5 die Nebenſonne, ſ. Nebenmond; die 
Nebenſtraße; die Nebenftube, überh. die zur Seite einer andern anſtoßende 
Stube; insbef, eine Eeinere, entg. Hauptſtube ; fo auch dad Nebenzimmer; 
das Nebenſtuͤck; die Nebenftunde, eine Stunde, welche man neben den den 
Berufsgefhäften gewidmeten zu beliebiger Anwendung übrig hatz das Neben 
thor; die Nebenthür; der Nebenton, Tonk. ein neben einem andern liegen: 





Neber — nehmen 267 


der, ihm folgender Ton (fr, Secunde) ; Sprachl. bie mittlere Betonung einer - 
Silbe, mweldye weder den hohen od. Hauptton hat, nod) tonlos iftz dergl. Gil: 
ben heißen nebentonig. (3. B. Mond in Vollmond, bar in dankbar 2c.); der F 
Nebenumſtand; die Nebenurfache; der Nebenverdienftz der Nebenmweg ; 
das Nebenweib, ſ. Nebenfraus der Nebenwind, aus einer Nebengegend 
wehender Windz der Nebenwinkel, Größent. ein neben einem andern in ber- 
ſelben Grundlinie liegender Winkels der Nebenwohner, Erdk. Erdbewohner 
unter gleichen Breitenfreifen, aber entgegengefegten Mittagskreiſen das Neben- 
‚wort, Sprachl. das Beftimmmwort des YAusgefagten (Prädicats), welches zum 
Zeit= od. Beiwort hinzugefügt irgend einen Nebenumftand ausdrüdt, auch Um: 
ftandswort (fr. Adverbium); nebenwoͤrtlich, Bw. u. Nw., dem Nebenmworte 
eigen oder ahnlich, nach Art eines Nebenwortes (adverbialifch); dad Neben- 
zimmer, f. Nebenftubez der Nebenzwed ıc. 

Meber, m., ſ. Näber, 

nebft (zgez. aus den in der Kanzl. noch üblichen nebens, nebenft, v. 
neben niederd. newens) Bw. mit dem Dat, bezeichnet eine Verbindung, Ge— 
meinschaft, Gefellfchaft, finnv. fammt, doch nur als ein Außerliches Zufam- 
menfein, verfh. mit, ſ. d. (3. B. ich nebft den Meinigenz die Mutter nebft 
der Tochter z er verkaufte das Haus nebft dem Garten). 
necken, ziel. Zw. (wahrſch. das verft. nagen, alfo eig. fehaben, beißen, 
wie die lat. mordere, rodere in uneig. Bed.z vergl. das ſchwed. nagga, zer: 
zeiben u. zanfenz isländ. hneixia, beleidigen) einen —, aus Muthmillen 
durch Eleine Beleidigungen, Anzuͤglichkeiten, Spöttereien ꝛc. plagen und 
reizen, ſinnv. verfpotten, zum Belten haben (ſprichw. was ſich liebt, das 
neckt fih 3 auch ziellos: ex neckt gern) ; der Neder, -8, die Nederinn, M. 
-en, wer gern neckt; die Neckerei, anhaltendes, wiederholtes, Necken; 
auch eine Handlung, Nede 2c,, modurd man Jemand neckt (M. Nedereien) ; 
nedhaft, Bw., wenig gebr., einer Neckerei ähnlich; zum Necken geneigt; 
die Neckhaftigkeit; nedifch, Bw., gern neckendz einer Neckerei ähnlich, 
fpaßhaft, drollig, poſſierlich; der Neckſtein, Bergw., eine bräunliche Bergart, 
die zinnartig ſcheint, ohne eö zu fein, alfo den Bergmann gleichfam neckt. 

Meer, w., M, -en (Holl. neer), niederd, Schiff. die Ruͤckſtroͤmung eines 
fließenden Wafferd, durch ein Hindernifs, 3. B. eine Sandbank, bewirkt. 

Neffe, m., -n, M. -n (alt. nevo, neve; niederd. Nevez angelf, nefaz 
isländ. nefi, Bruders engl, nephew; franz. neveu; lat. nepos, Enkel; 
verw, mit d. angelf, hneaw, goth. nehva, nah, genau; angelf. nehwan, 
heften 2c.5 daher urfpr. uberh, ein Verwandter), Bruderd= oder Schwelter- 
ſohn, entfpr. d. weibl. Nichtez alt u. oberd. auch f. Enkel; die Neffen» 
gunft od. =begünftigung, ſcherzh. die Nefferei, Begünftigung der näcften 
Verwandten (fr. Nepotiemus); die Neffenfchaft, der Stand, das Verhaͤlt— 
nifd eined Neffen; die fammtlichen Neffen. 

Neffe, w., M. -n ko. d. oberd. niffen, niffeln, reiben; niederd, 
nibbeln, engl. nip, nibble, nagen) landſch. f. Blattlaus. 

Neger, m, -8, M. w. E., die Negerinn, M.-en (vom franz. 
negre, ital. negro; u, biefe v. lat. niger, ſchwarz), Die ſchwarzen Bewoh⸗ 
ner des ſuͤdl. Afrika, vergl, Mohr. 

nehmen „Zw. (goth. niman, altd. neman, isländ. nema, ſchwed. nama, 
leit. nemuz ruſſ. imu; lat. emere, ad-imere), ablaut. ich nehme, du 


268 | nehmen i 


nimmt, er nm wir nehmen 26.5 Imper. nimm; Impf. nahm, Gonj. 


naͤhme; Mw. genommen; 1. ziel. überh. faſſen, ergreifen, an ſich bringen, 
ſich aneignen; insbeſ. 1) eig. etwasod, einen —, mit der Hand faffen, 
od. auf irgend eine Weiſe Förperlich fich nahe bringen od. zu eigen machen 
(etwas mit der Hand, in die Hand —; einen bei der Hand —; efwas auf die 
Schulter, auf den Rüden, in den Mund ꝛc. —; Hut und Stod —; ein Bud 


vom Tische, Geld aus dem Kaften —; ein Kind auf den Arm, aufden She — 5 


etwas zu fih nehmen, d. i. einfteden, 3. B. Geld, oder genießen, 5. B. 
eine Speife; Arznei nehmen) ; 2) in weiterer Bed. fih in den Beſitz einer 
Derfon oder Sache ſetzen, fih etwas aneignen, verfchaffen, es an ſich 
bringen, fich geben laſſen, fich deffen bemaͤchtigen (eine Perfon zur Ehe, 
zur Frau —, aud) eine Frau nehmen ; etwas in Befig nehmen; Geld für etwas 
nehmen; Plag nehmen, d. i. fi fegenz; Unterridyt, Stunden nehmen, db. i. 
fie fid) geben laffen 5; eine Abfchrift von etwas —, d. 1. es abſthreiben; das 
Maß zu etwas —; uneig. einem das Wert aus dem Munde —, f. Mund; 
ich nehme mir die Freiheit 2c.; ſich Zeit zu etwas nehmen, d. i. es nicht über: 
eilen), oft mit dem Nebenbegriffe der Öewalt, finnv. wegnehmen, rauben, 
ftehlen (einem Andern das Seine nehmen; die Feinde nahmen ihm Allee; ex 
nimmt, was er findet; einem die Feeiheit nehmen, ihn gefangen nehmen; ihm 
das Leben nehmenz uneig. einem den legten Biffen aud dem Munde nehmen); 
auch in vielen umfchreibenden Ausdrücken, welche irgend eine thätliche Veraͤn— 
derung, eine Berrichtung ıc. bezeichnen (z. B. die Flucht nehmen, f. v. w. 
ergreifenz feine Zuflucht zu Semand —, d. i. zu ihm fliehen; feinen’ Xßeg wo: 
hin — 3 Abſchied, Urlaub — 5 Anftand nehmen, etwas zu tkun, f. v. w. an— 
ftehen; einen Anlauf nehmen; das Wort nehmen, d. i. anfangen zu ſprechen; 
Theil, Antheil an etwas nehmen, |. Theil; id nehme mir ein Herz, d. i. faſſe 
Muth; er nahm fid) nicht die Mühe, d. i. bemühete ſich nicht); bisw. auch von 
leidentlichen Veränderungen, f. empfangen, erleiden, in einen Zuſtand 
gerathen (Schaden nehmen, d. i. erleiden; die Sache nahm eine gute Wendung, 
d. i. wendete fih gut; einen Anfang, ein Ende nehmen, d. i. anfangen, enden; 
überhand nehmen, ſ. Übergand);. 3) eine Perfon oder Sache in irgend ein 
näheres Berhältnils zu ſich feßen, deſſen befondere Natur durch einen Zufag 
beftimmt wird (4. B. ein Kind zu Fich nehmen, d, i. in fein Haus aufnehmen z 
einen in die Mitte—, an feinen Tiſch —, in die Koft, in die Lehre nehmen z 
Semand in jeinen Schutz, in Aufſicht —3 etwas, einen, oder fih in Acht neh: 
men, f. Acht; fi (mir) Jemand zum Mujter nehmen; ein Beifpiel an einem, 
od. an einer Säche nehmen, d. i. fie ſich zum Beifpiele dienen laffenz ein a 
in Pacht — 3 etwas in Arbeit — 3; efwas in Überlegung —; etwas zur Hand — 
etwas an fih nehmen, d. i. in Verwahrung z etwas auf od. uber fih — 
ſich anheifhig machen, es auszuführen oder zu verantworten); 4) etwas J 
Geiſt oder Gemuͤthe wahrnehmen, empfinden, ſinnv. vernehmen, vermer— 
ken, verſtehen, auslegen (etwas übel nehmen, ſ. übel z zu Herzen nehmen, ſ. 
Herz; etwas genau nehmen; eine Sache für die andere nehmenz ein Wort in 
diefem oder jenem Sinne nehmen; wie man’s nimmt, d. i. je nachdem man es 
verſteht nehmen Sie es, wie Sie wollen); auch unp. od. dog nur von Sachen 
in der Iten Perfon: es (die Sache) nimmt mich Wunder, di. es feheint 
mir, fommt mir vor wie ein Wunder, (jo auch ehem, es nimmt mich fremd, 
unbillig u. dgl.)5 2. rückz. ſich —, f. ſich benehmen, betragen (er hat ſich 











/ 


Nehrung — neigen / 269 


ſchlecht, ungeſchickt ze. babei genommen 2c.); — ber Nehmfall, Spradi. f. 
das fr. Ablativ, ein Verhältnifsfall der Latein. Sprache; der Nehmer, -8, 
die Nehmerinn, M.-en, wer etwas nimmt, gem. nur in Zfeg. wie Ab-, 
Einnehmer 20.5’ nehmlich, Nw. u. Bw., r. naͤmlich, f. unter Namen. 

Nehrung, w., M.-en (wahrſch. f. Niederung), in Preußen: eine 
an der See liegende niedrige Gegend (3. B. die Danziger Nehrung). 

Neid, m., -ed, 0. M. (goth. neiths, altd. nid, nitz niederd. Nied, 
angelf, nyth, fehwed. nid; v. angelf. nydan, isländ. neida, altd, neizen, 
preffen, drüden, ängften, vergl. Noth und nieten; alfo eig. Ungft, Bedrüdung), 
ehem. überh. heftige Gemüthsbewegung, Eifer, Zorn, Haſs, Eiferfudht, 
Geiz z jegt nur in engerer Bed. das Mifdvergnügen uͤber die Wohlfahrt u. 
die Vorzuͤge Underer, verbunden mit der Begierde, diefelben felbjt zu be= 
ſitzen, ſinnv. Mifegunft, Scheelfucht, erfteres_ einen geringeren, legteres 
einen höheren Grad des Neides bezeichnendz; — 3feß. der Neidbau, Ripr. 
ein Bau, welcher unternommen wird, um einem Andern zu ſchaden; der Neid⸗ 
hammel, gem., u. der Neidhart, alt u. landſch. (mittelh. niıhart), ein neis 
difcher Menſchz der Neidklee, öftr., türkifher Klee, blauer Steinklee, wo— 
mit man die Viehftälle räuchert, damit das Vieh nicht beneidet und befchrieen 
werde; neidlos, Bw., Keinen Neid empfindend; der Neidnagel, landſch. 
auch der Neidhafen, die Neidwurz, f. Nietnagel; neidvoll, Bw., von 
Reid erfüllt; — Ableit. neiden, Zw. (altd. nidan) 1) ziellos m. haben, 
Neid empfinden (neidend fieht er mein Glück); 2) ziel. Neid Über etwas od, 
einen empfinden, einem etwas miſsgoͤnnen, gew. beneiden, mit d. Acc. 
der Perfon (er neidet mid) darum), od. dem Arc, der Scheu. dem Dat. 
der Perſon (er neidet mie mein Glüd) 5; baher fidenswerth, Bw., werth 
beneidet zu werden (ein neidenswerthes Glück); der Neider, —s, die Nei— 
derinn, M. - en, wer Andere neidet (ſprichw. beſſer Neider, als Mitleider) z 
neidifch, ehem. auch neidig, (altd. nidig, nidec), Bw., Neid empfindend, 
hegend, verrathend, finnv. miſsguͤnſtig, (ein neidiſcher Menſchz etwas mit 
neidifhen Augen anfehen); neidiſch landſch. auch f. heftig, ftark (neidifch 
ſchlagen; eine neidifche Külte u. dgl.). 

Neife, w., M-n, ſchwäb. f. Nuſsſchale; neifen, neifeln (auch näu: 
fen zc.) ziel. 3v., fe Nüffe, Hülfenfrüchte 2c, aus der Schale nehmen, 

neigen, 3m. (altd. als ziel. Zw. hneigan, neigen, er neicte sich; goth. 
hnaivjan, isländ. hneigia; von dem jest untergegangenen ziellofen ablaut. altd. 
hoigan, nigen, Impf. naig, neic, 3.8, er neicÄhr, d. i. neigte ſich vor 
ihe; Mw. genigen; goth. hneivan. iständ, hulga, angelf. hnigan ; vergt, 
nicten 5 griech. vever, lat. nuere) 1) ziel, nad) unten bewegen, wenden, beu— 
gen, aus der aufrechten Stellung finfen laſſen (feinen Körper, das Haupt —3 
die Bäume neigten ihre Wipfel); in weiterer Bed, und uneig. F, irgend wohin 
richten, lenfen (fein Ohr, das Herz zu etwas —; den Willen eines Andern 
zu etwas — 26,)5 2) rüdz. fi) —, ſich beugen, insbef. fich vor Jemand —, 
aus Höflichkeit, ſ. v. w. verneigen, verbeugenz fich zu Jemand —, d. i. ſich 
zu ihm menden, ihm geneigt werden oder ſein; ſich zu einer Sache —, 
Neigung, Luft dazu befommen (vergl, geneigt, als Bw.); ferner von 
Sachen: [ich neigen f. geneigt werden oder fein, eine Richtung nach 
unten erhalten oder haben (das Haus, der Thurm zc, neigt fich, d, i. ſenkt 
ſich; eine Fläche neigt ſichz zwei Linien neigen ſich gegen einander, wenn fie ſich 


J 


270 nein — Nelke 


allmählid) einander nähernz die Sonne neigt fi, d. i. ſinkt) ; uneig. fich ſei— 
nem Ende oder Untergange naͤhern (der Tag neigt ſichz mein Leben neigt 
ſich 2c.)3 3) ſelten zielfos m, haben f, Neigung, Hang zu etwas haben (er 
neigt bahin, zum Böfen 20.) ; die Neige 1) o. M. dad Sinken, das zu = Endes 
gehen, die Abnahme, ter Berfall (der Wein, der Vorrath zc, geht auf die 
Neigez fein Vermögen geht auf die Neige; es geht mit ihm auf die Neige, d. i. 
zu Ende); 2) M. -n, Fluͤſſigkeit aus einem geneigten od. gelüfteten Faſſe, 
u. überh, der in einem Gefäße noch uͤbrige Reſt von einer Flüffigfeit (von 
der Neige trinken 5 verfchiedene Neigen zufammengießen) ; uneig, überh. f, Neft, 
Überreft (die Neige der Lebensfreuden) ; die Neigung, M.-en, dad Nei— 
genz felten das Sich- Neigen, gew. Berneigung, Verbeugungz das Ge— 
neigtfein, die Richtung nad) unten, die Abweichung von der wagerechten 
Lage (die Neigung eines Haufes, des Bodens; die Neigung der Magnetnadel, 
fr, Inclination); uneig, die Richtung des Willend auf etwas, ein zur Ges 
wohnheit gewordened, bleibended Verlangen nach etwas, ſchwächer als die 
finnv, Hang, Trieb, Begierde, Leidenschaft (Neigung zum Wohl: 
thun, zum Böfen, zum Trunk; gute, böfe Neigungen ꝛc.); in engerer Bed, 
die wohlwollende od. verlangende Richtung ded Gemüthes gegen Jemand, 
ſinnv. Oeneigtheit, Zuneigung, Liebe (Neigung gegen eine Perfon empfinden 5 
eine Ehe aus Neigung). 

nein, Nw, (entfl, aus ni-ein, n-ein, vergl, N; alfo eig. = nid ein, 
fein, d, i, gar nichts vergl. d. lat, non, altlat, nenu = ne- unum; vergl, 
aud) nihil, gried, oudev als Eräftigere Verneinung f. non, oüz; oberd. nain; 
mittel= u, niederd. nä, nee), der einfache Ausdruck der Verneinung auf eine 
Frage oder Bitte, — auch als Hw. das Nein G. B. er hörte von 
Allem nur das Nein); bisw. als Empfindl. Unwillen, Unglauben, Ver— 
wunderung ꝛc. ausdrückend (nein! das iſt zu arg; nein! das glaube id) nicht ze), 

neifen oder neißen 1., auch neufen, nöfen, nefteln zc., ziel, Zw, 
(sltd, neizan, neizen; vergl, Neid, nieten) landſch. f. bedruͤcken, quaͤlen, 
belaͤſtigen; verdrießen. 

neiſen oder neißen 2., auch neußen, ziel, Bw, (isländ. hnysa; holl. 
neuselenz engl. to nose; verw, mit Nafe), oberd. f. wittern, riechen, ſpuͤren, 
wahrnehmen, merken. 

Nelke, w., M. -n Ggez. aus Nägelke, d. i, Nägelchen, Nägelein, 
f. d, unter Ragel) 1) ein nagelfürmiges Gewürz: Gewuͤrznelke, Gewuͤrz⸗ 
naͤgelein, fd.35 2) (von der Ähnlichkeit des Gerude) ein befanntes inländi= 
ſches Pflanzengefchlecht u. deffen wohlriechende Blumen, be, die Garten— 
nelfen, landſch. auch Grasblumen genannt, von verfihiedenen Arten, z. B. 
die Bart:, Donner-, Feder:, Jungfer-, Sandnelfe ꝛc.; hohle oder einfache, 
und gefüllte oder volle Nelken; die ſtolze Nelke, büſchelige Federnelkez wilde 
Nelke, eine Art der Lichteofez ſ. auch Korn-, Mauer:, Meernelke; — 
3fes, nelkenartig, Bw.; der Nelkenbaum, Gewürznelkenbaum; auch 
ein immergrünes Gewäachs auf den Kanariſchen Inſeln, Koblbaumz; das Nel— 
kenblatt; die Nelkenbluͤthe, Blüthe des Gewürznelkenbaumes; daher die 
Neltenblütbfarhe; nelfenbraun, Bw., röthlih braun, wie die Gewürz: 
nelken; der Nelkenflor, f. Flor; dad Nelkengras, Näglein = oder Adernel: 
kengras; Sandnelke; das Nelkenkraut, die Nelfenwurz, landſch. f,Mürzwurz ; 
die Nelkenlaus, ein am Stengel der Nelken lebendes grünes Inſect, Mauke; 





’ 


h nennen — Nerv 271 


i die Nelkennufs ‚ eine an Geſchmack und Geruch Gewürznelken ähnliche Nuſs 


von einem Baume auf Madagaskarz der Nelkenpfeffer, die dem ſchwarzen 
Hfeffer ähnliche Frucht der Gewürgmirte, Wunderpfeffer, Englifhes Gewürz; 


die Nelkenrinde od, der Nelfenzimmt, die röthlid) = braune zufammengerollte 


Rinde eines in Brafilien ꝛc. wachſenden Baumes; das Nelfenröschen, bie 
Stechnelke; der Nelkenftein, verfteinerte Stacheln von Seefternen oder See— 


igeln; der Nelkenſtengel; der Nelkenſtock, eine einzeine Gartennelten- 


* 


Pflanze. 

nennen, ziel, 3w, (o. Namen, ſ. d., durch Lautverähnlichung oder Aſſi— 
milation f. nemnen; goth, namnjan, altd, nemnan, nemman, namta 
ginamt; nennan, nanta, ginant; angelf, nemnian; isländ. nefna ; ſchwed. 
naemnaz engl. name; niederd, ndmen 5, lat, nominare), umend, u, zugleich 
ablautend (od, vielmehr mit Rückumlaut): Impf, nannte, Eonj. nennete; Mw, 
genannt z (oberd, au nennte, genennt), 1) eine Perfon od. Sache mit 
einem Namen belegen, ihr einen Namen geben, beilegen, mit doppeltem 
Acc. des Gegenftandes und der Benennung (bibl, Gott nennete das Licht Tag, 
und die Finfternifs Nacht; er nannte mid, feinen Freund, feinen Vater 2c, 5 das 
Kind wurde nad feinem Vater genannt; etwas ſchön nennen, d. i. ihm bie 
Eigenfchaft der Schönheit beilegen); 2) eine Perfon oder Sache bei ihrem 
Namen rufen, mit ihrem Namen bezeichnen, erwähnen, anführen (einen 
bei od, mit feinem Namen —; ich kann ihn nicht nennen; er freute fi, als er 
feine Mutter nennen "hörte; er nennt fich Peter, d, i. er heißt ſoz Karl, ge: 
nannt der Große, d. i. mit dem Beinamen 20,5 oben, vorhin, mehr genannt, 
d, i, erwähnt, beſprochen; jo genannt od, zgef, fogenannt, als Bw, bei 
einer üblichen oder herkömmlichen Benennung, deren Richtigkeit man nicht ge: 


radehin anerkannt, z. B. die fogenannten Großen der Erde); oberd, auch f, 


beſtimmen, feſtſetzen (daher ein Genanntes f, ein feftes Gehalt); u. f. er= 


3 


wählen, ernennen (3. B. in Nürnberg ehem, die Genannten f. Gemeinde: 
bevollmächtigte, Glieder des großen Rathes); — 3 fep. der Nennfall, Sprachl. 
der Verhältnifsfal (Cafus), welchek den Gegenftand benennt, von weldem et: 
was gefagt wird, der erſte Fall (fr, Nominativ); der Nennwerth, der Werth, 
welchen eine Sache, z. B. eine Münze, dem Namen nad) hat (fr, Nominalwerth), 
entg. Sachwerth 5 dad Nennwort, Spradi., jedes Wort, weldhes einen Ge- 
genftand oder’ eine Eigenfchaft benennt (fr, Nomen), insbef, die Benennung 
eines felbftändigen Gegenftandes, aew. Hauptwort (fr, Nomen substantivum, 
oder bloß Subftantioum); — Ableit, nennbar, Bw., was genannt oder 
mit Worten ausgedrückt werden kann; die Nennbarkeitz der Nenner, 
-6, Rechenk. die Zahl eines Bruches, welche anzeigt, in wie viel Theile 
dad Ganze getheilt iſt, z. B. in 3 die Zahl 3, entg, Zähler; die Nennung, 
das Nennen, 

ner, Endf. (eine neuere unorganifche Nebenform von er, ſ. d.) zur Bildung 
männlicher Hauptwörter, welche männl. Perfonen bezeichnen; die mit 


dem zu thun haben od, in irgend einer Verbindung ftehen, was das Stammwort 


ausfagt (z. B. Falkner, Glödner, Kirchner, Zöllner, Harfner, Söldner, von 
Falke, Glode, Kirche, Zoll ꝛceʒ Redner, Bildner, Klempner, Lügner f. Reder, 
Bilder 2c, v, reden, bilden 2c ) 

Nerv, m., en, M.-en, aud die Nerve, M. -n (v, lat, nervus, 


griech. veügorv, Sehne, Schnur ꝛc.) 1) ehem, u, noch in der Volksſpr. f. Sehne, 


272 | Merz — Neffel 


Flechfe, Spannader, Gelenkband, insbeſ. die am Röhrbein hinunterlaufende 
Sehne des Pferdebeinedz dicht, f. die Bogenfehnez die Saite eines Tonwerk: 
zeugesz 2) gew. die aus dem Gehirn u. Ruͤckenmark entipringenden , dur) 

den ganzen Störper fich verzroeigenden, weichen, weißen, marfigen Fäden 

oder Fafern, welche der Sik der Empfindung und der Bewegung find. 
(z.B. Seh-, Geruchsnerven, der dreiäftige Nerv 2c.)5 ihrer Geftalt wegen 

vergleiht man fie mit Bäumen, und unterfcheidet daher: Nervenftämme, 

-üfte, :zweige 263 andere Zſetz. find: dad Mervenfieber, ein Fieber, 

welches von einem krankhaften Zuftande der Nerven herrührt; fo auch die 

Nervenkrankheit, Nervenfchwäche; nervenkrank, -ſchwach, Bw.; dad 

Nervengeflehtz dad Nervengras, landſch. f. Sandrohr; der Nerven⸗ 

fnoten, mehre zu einem Kndul vereinigte Nervenzweiges die Nervenlehre, 

= bejchreibung (fr. Neurologie) 5 das Nervenmittel, Heil: oder Stärkungs-⸗ 
mittel für die Nervenz der Nervenreiz, von den Nerven empfundener Reiz; 
der Nervenfaft, eine in den Nerven angenommene ſehr feine Flüffigkeit, die | 
man für den Sig der Empfindung u. des Lebens hätt, auch der Nervengeiftz 
die Nervenfalbe, nervenftärkende Salbe; nervenfpannend, = ftarfend, Bw, 5 
die Nervenftärkung ; die Nervenwarze, kleine Warzen am Ende der Zungen: 
und Nafen: Nerven, welche der Sitz des Gefhmades und Geruces finds der 
Nervenwurm, Fadenwurm, beſ. Haut-, Beinwurm; der Nervenzufallicz 
— Ableit, nerven, ziel. Zw., wenig gebr,, mit einer Verve od, mit Merz 
ven verfehen, entg, entnervenz ein Pferd nervet ſich, wenn ed mit den 
Eifen der Hinterfüße den Nerven der Vorderfüße befchädigtz nervig, Bw., 
(fe. nervös), Nerven habend, bef. ſtarke Nersen habend, Fräftig (Kauft, 
Körper 2c.); uneig. Fraftvoll, ftarf, nachdruͤcklich, bündig (nervige Sprache, 
Schreibart), in legterer Bed. auch nervicht. 

Nerz, m, —es, M. -e (auf Nörz, Nürz, Nurz), landfh. fe Sumpf: 
ofter, 

Nespel, w., landſch. f. Mispel, 1. d. 

Neſſel, w., M.-n (altd. nezzila, angelſ. netele, engl, nettle, niederd. 
Nettelz vom Sanskr. nadh, brennen, griech. zr/io, lett. neesu, jucken), ein 
Pflanzengeſchlecht, deffen meifte Arten mit zarten Stacheln befeßt find, 
welche bei leichter Berührung einen brennenden Schmerz verurfachen, da— 
her auch: Brennneſſel; verſchiedene Arten find: die gemeine große, die Eleine 
jährige Neffetz die hanfartige, in Sibirien; bie Römifhe, im ſüdl. Europa; 
die taube Neffel, ein der Brennnefjel ähnliches, aber nicht brennendes Pflan= 
zengeſchlecht; die todte Neffel, auch Hanfneſſel, Hohlzahn, Katzengeſicht 
denannt; — 3 ſetz. der Neſſelbaum, ein in Südeuropa einheimiſcher Baum, 
Bohnen =, Zirgeldaum (Celtis L.); das Neſſelblatt; das Neffelfieber, = frie= 
fel, die Neffelfrankpeit, =Tucht, ein Fieber, wobei Eleine, dem Nefjelbrand 
ähnliche Bläschen auf der Haut entſtehenz der Neflelfink, das Braunkehlchen; 
das Neffelgarn, ein chem. aus ven faferigen Stengeln der großen Brennnefjel 
arfponnenes feines Garn; jest uneig. feines Baumwollengarn 3 der Neſſel⸗ 
hopfen, ſ. v. w. tauber od, Fimmelhopfen; der Neſſelkoͤnig, landſch. f. Zaun⸗ 
tönigz die Neſſellaus, auf Neſſeln lebende Blattlaus; der Neſſelſchmetter⸗ 
ling, =vogel, =fpanner, = [pinner, verſchiedene Schmetterlingsarten, welche 
ihre Eier auf Neffein legen 5 die Neffelftaude, ein Staudengewächs mit fügens 
ähnlich gezühnten Blättern in Sicilien; das Neſſeltuch, ein feines Gewebe 

aus 


F 





j 


Meffeling — nett / 273 


aus Neffelgarn, f.d.3,; — Ableit, neffeln, ziel, Zw., einen—, mit 
Meffeln brennen, fchlagen; dad Neffeln, ſ. v. w. Neffelpeitfchen, 

Neffeling od. Nefteling, m., -ed, M. -e, eine Sarpfınart, Ukelei, 
Albele. 

Neſt, ſ., Ses, M. -er, Verkl. dad Neſtchen, Neſtlein, (altd. u. 
engl. nest, ſchwed. naesta; lat, nidus; v. nähen (ſ. d.), angelſ. nestan; vergl, 
Neſtel, Netzz alſo etwas Zuſammengefügtes, ein Geflecht), 1) eine aus 
weichen Stoffen bereitete Lagerſtaͤtte mancher Thiere, insbeſ. der Vögel, 
einiger Infecten und Eleinerein Säugethiere, vorzüglid um ihre Jungen darin 
auszubeden oder zu werfen (ein Vogel-, Basen: :,\Raupen:, Rattenneft zc )s 
aud die im Nefte befindlichen Eier oder Zungen Kein Neft Vögel, Miufez 
das Neft ausnehmen); gem. ſcherzh. f, Bett (lange im Nefte liegen) 5 u, f. eine 
- Schlechte Wohnung, ein Eleiner elender Ort (diefe Siadt ift ein elendes Neftz 
bef. auch in Zfeg. wie Selfen:, Diebs-, Raubnejt 2c.); 2) in weiterer Bed, 
ein Haufen dicht verbundener. Stoffe, 3.38, Bergw. eine Menge bei einander 
befindlichen Erzes ; Die oben auf dem Stopfe zuſammengeſchlungenen Haare, 
das Haarneſt, Zopfneft, die Nejtel der Frauenz — 3ſetz. das Neſtei, das 
Ei, welhes man beim Ausnehmen der Eier des zahmen Federviehs im Nefte 
liegen Läfft, damit neue dazu gelegt werden; die Meftfeder, die erften haarich— 
ten Federn der jungen Vögel; das Neftfüchen od. »Füchlein, (niederd. Neft: 
küken), bas in einem Nefte voll Eier zuletzt ausgebrütete Küchlein, landſch. 
auch der Neſt quakz uneig, fherzh. das jürgfte Kind unter mehren; tie Neſt— 
raupe, in ganzen Neftern beifammen lebende Raupen z die Nejttaube, eine 
aus dem Neft genommene Taube, die noch nicht auögeflogen it; nefterwe.fe, 
Nw., in ganzen Neftern cder Haufen (das Erz bricht neftermeife, ſ. 0,)5; — 
Ableit, der Neftling, 6, M, 8, jeder noch im Neft befindliche, noch 
nicht flügge Vogel, insbeſ. Säg, ein folder junger Raubvogelz auch der juͤngſte 
Vogel einer Pi dad Neſtkuͤchlein. 

Neſtel, w., M,.-n (altd. nestila, nestil; ſchwed. nast, nestla, angelſ. 
nostle; vergl. Neſt, Netz), beſ. oberd,, 1) etwas Geflochtened, daher: dad 
Haarnejt der Frauen (fr Neft 2)5 2) etwas Verbindendes, daher: eine 
Schnur, ein Riemen, ein Band, Senkel, bef. zu Befeftigungen an Klei- 
dungsftüden (Schnürz, Schuh-, Hofenneftelzc.)s die Neftelnadel, eine Schnür— 
nadel; auch die ſtarke Nadel, mit welcher das Haarneſt feft geftect wird, Nefts 
nadel; der Neftelftift, Stift am Ende einer Neftelz der Neſtelwurm, oberd, 
f. Bandwurm; nefleln, ziel. Zw. mit einer Neſtel verfehen, od. bifejtigenz 
der Neſtler, - 8, ober. ein Handwerker, welder Neſteln macht od. bez 
fhlägt, Neſtelmacher; in engerer Bed. ein Beutler, 

nett, Bw, (fhwed, naette, engl. near; v. dem ifal, netto, franz. net, 
u, diefe aus d, lat. niteo, glänzen, nitidus), bef, in der Volkefpr. üblich f. 
glänzend, rein, fauber, zierlich (fich immer nett halten; ein nettes Kleid 2.) 5 
huͤbſch, ſchlank, gefällig, angenehm (ein netter junger Menſchz ein nettes 
Mädchen); rein, d. i. von allem Ungehörigen oder Überfluͤſſigen befreit, 
genau, beftimmt (ein netter Ausdrud, nette Schreibart z Kaufm, fr. netto); 
die Nettheit oder gew. Nettigfeit, das Nettfein, finnv. Reinheit, Sau⸗ 
berkeit, Zierlichkeit; Genauigkeit; nettlich oder netlich, Bw, (v. nett. f. 
genau; oder v. niederd, neten f. genießen ?), öſtr. f. waͤhleriſch beim een, 
ekel, niederd, köriſch. 


Sey ſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2, Theil, 18 


/ E 2 | 


274 Ne — neu 


Netz, ſ., ed, Mi -8, Verkl. dad Nebhen, (goth, nati, altd, nezzi, 
netze, angel, island, engl, net, ſchwed. naet,. lat, nassaz; v. nahan, nd: 
ben (f. d.), vj79eıw, mectere, isländ, hnyta, angelſ. cnittan, Tnüpfenz vergl, 
d. niederd, knütten; Knoten, Neft, Neftel ꝛc.), ein aus Faden verfertigtes 
weit mafchiged Geſtrick, def; zum Fange von Fiſchen, Vögeln und andern 
Thieren, ſinnv. Garn (Fiſch-, Jagd-, Vogel-, Lerchennep 2c,; das Netz aus: 
werfen, ſtellenz uneig, einen ins Netz locken, ihm das Netz über den Kopf wer- 
fen, d. i, ihn mit Liſt fangen oder feſſeln) 5 uneig, in thier, Körpern eine von 
Gefäßen netzfoͤrmig durchkreuzte Haut, die Netshautz aud f. Darmhaut, 
u, f. Zwerchfell; neß= oder gitterförmig gezogene Linien, 3, 3, auf Land: 
Karten, od, um mittelft derfelben eine Zeichnung, einen Rifs 2c, zu madhen ; — 
3fes. der Nekbaum , Maur, die in der Mauer befeftigten Bäume eines Ge 
rüſtes; der Netzbruch, ein Bruch (ſ. d.), wobei das Neg in die Leiften od, in 
den Hodenſack teittz der Nebflügler, Infecten mit häufigen, netzförmig ge 
äderten Flügeln; nekfürmig, Bw.; die Netzh aut, ſ. 0, Netzz das Neb- 
jagen, Jäg. eine Jagd, wobei das Wild in aufgeftellte Netze getrieben wird; 
die Netzmelone, eine Art Melonen, deren Schale wie mit einem Neg überzo— 
gen iſtz die Nebfchlange, eine amerifan. Schlange mit negähnlichen Fledenz 
die Netzſchnecke, eine Stachelſchnecke mit negförmiger Zeihnungz das Neb- 
fehen, ein krankhafter Zuftand der Augen, wobei man ein ſchwarzes Netz zu 
fehen glaubt; der Netzſtricker, die Netzſtrickerinn, wer Nese ſtrickt. 

netzen, ziel, Zw. (altd. nezzan, nezzen, von naz, naſs), nafd machen, 
näffen, gew, benehen, finno, feuchten, (die Finger, das Papier —; fein 
Lager mit TShränen —); die Netze, landic, dad, womit man nebt, u B. 
fchlef. der Speichel, womit man beim Spinnen den Faden netztz die Negung, 
das Neben; das Nebfafs, Tuchm. ein Trog, worin das geſchorene Tuch an: 
gefeuchtet wirds; die Netzkammer, Brau, eine Kammer, worin das Malz an: - | 
gefeuchtet wird; der Netzkeſſel, Färb. der Keffel, in welchem die Zeuge geneft | 
werben ; der Nekftänder, Papierm. ein Ständer mit Alaunwaffer, worin das | 
Papier genäfft wird, — 

neu, Bw, u. Nw. (goth. niuis, altd, niuwi, niuwe, niu; angelf, nive, 
engl, new; isländ. u. dän. nyz3 niederd. nij, nige ; lat, novus, franz. neufz 
griech. veos), überh, erſt feit Furzer Zeit vorhanden, vor Furzem gefchehen 
oder fertig geworden, beginnend, finne. jung, friſch (ſ. d.), entg. alt 
(3. B. ein neues Haus, Bud); ein neues Pferd, d, i. das man erſt feit Eur- 
zem befist, verſch. ein junges; neue Häringe, d, i. erſt vor Eurzem gefan: 
gene oder eingefalzene, verfh, frifche, ſ. d,5 neuer Wein, d, i, diesjähriger; 
eine neue Einrihtung, Mode; der neuefte Geſchmack; das neue Jahr, dt, 
das beginnende; der neue Mond, f. u, Neumond; ein neuer Beamter, König, 
Prediger, entg, dem borigen, altenz ein neuer Freund, d, i. den man nod) 
nicht Lange hat; die neue Welt, d, i. Amerika 5 eine neue Begebenheit, Geſchichte, 
d, i. eine kürzlich vorgefallenez die neue oder neuere Gefdhichte, gew, von 
der Reformation an gerechnet, 3. U, dv, der alten und mittleren); insbeſ. noch 
unbekannt, noch nicht empfunden oder erfahren, (etwas Neues erzählen‘ 
was giebt es Neues? die Sache ift mie nicht neu); auch f, unerfahren, under 
mandert (er ift in diefer Sache noch neu; vergl, Nenling); vorher nicht da 
gewefen, anderd befchaffen als vorher (eine neue Lehre; neue Einfidten, 
Kenntniffe z neue Kräfte fammeln, neuen Muth faffen 5 bas wäre etwas Neues! 





neu 275 


das ift mir ganz neu, d, i, fremd, auffallend; bibl, ber neue Menfd, di, 
der gebefferte, fittlich gereinigtez ein neues Leben anfangen, d. i. ein anderes, 
befferes); ungebraucht, unabgenußt, in unverfehrtem Zuftande (ein neues 
Kleid; eine Sache wieder neu machen, d, i, ihre erfte Geftalt und Beſchaffen— 
heit wieder herftellen); aufö neue, von neuem (nidt! neuen), ald 
N, gebr. bezeihnen ein abermaliged Beginnen, eine Wiederholung (von 
neuem anfangen, aufs neue krank werben u, dgl. m.); dad Neurg, landfd, f. 
der Neumond; Zäg. f. friſch gefallener Schnee oder Thau; die Neuen, 
die noch lebenden Menfchen oder die Menſchen der neueren Zeit, entg, bie 
Atenz — 3fes. neubaden oder neugebaden, Bw., neu oder frifch ges , 
baden (Brod); uneig, ſpbttiſch: Eurzlich erft zu etwas ernannt oder erhoben 
(ein neugebacner Edelmann u, dgl.); der Neubau, der neue Anbau eines 
Drtes,- einer Gegend ꝛc. (fr. Golonie) 5 der Neubauer, -8, M, w. E,, An: 
fiedler (fr. Golonift) 5 die Neubegier, od, = begierde, das Iebhafte Verlangen, 
Neues und Unbekanntes zu erfahren, def, bloß um der Neuigfeit und des finn- 
lien Vergnügens willen, verfh, Wifsbegierdez ein höherer Grad vor: 
wisiger Neubegier ift die Neugier od. Neugierde; daher neubegierig, neu⸗ 
gierig, Bw., Neubegier oder Neugier empfindend, zeigend, darin gegründet z 
die Neugierigfeit, das Neugierigfeinz der Neubekehrte (fr, Profelyt); der 
Neubruch, ein neu ausgebrochenes, d, i, gerobetes und urbar gemachtes Land, 
auch dad Neugereut, Neureuf ꝛe.; neudeutſch, Bw., heutiged Deutſch, 
entg. altdeutſch; neuerdings, Nw., in neuer Zeit, neuerlich, vor Kurzem; 
auch f. von neuem; der Neufaͤnger (wahrſch. verderbt aus Neufinder), 
Bergw. wer einen neuen Gang gefunden und aufgenommen hatz der Neu— 
franke, Franzoſe; neufraͤnkiſch, Bw. f. franzſiſchz neugebacken, Bw. 
ſ. neubacken; neugeboren, Bw., eben oder kürzlich geboren (wie neugeboren 
fein, d. i. neue Kräfte, friſchen Muth empfinden) ; die Neugier 26, ſ. Neube⸗ 
gier ; der Neuglauben, ein neu aufgefommener Glauben (fr, Neologie) 3 neu⸗ 
glaubig, Bw,, einen neuen Glauben habend; auch f. neubekehrt der Neu— 
grieche, die Neugriechen, die heutigen Griechen, entg. Altgriehen; daher 
neugriechifch, Bw.;z neuhochdeutich, Bw., ſ. hochdeutſchz das Neujahr, 
das beginnende Jahr, der Anfang, bei, der erfte Tag eines Jahres (heute ift 
Neujahr; das große Neujahr, landfch, f. das Feſt der heil, drei Könige, der 
6te Jan.) 3 daher der Neujahrstagz die Neujahrsnacht; das Neujahr 
feft, =lied, =gefchenf; der Neujahrswunfch, ein Glückwunſch zum neuer 
Jahre; auch eine Eleine Schrift, ein Blatt, worauf derfelbe ſich befindet; das 
Neulicht, . v, w. Neumond; der Neumarkt, Benennung von Marktplügen 
in verſchiedenen Städten, entg. Altmarktz; neumodig od, neumodiſch, Bw., 
der neuen Mode gemäßz der Neumond, der Zuftand des Mondes und die Zeit, 
wo er uns die dunkle Seite zufehrt und nun wieder zuzunehmen beginnt, entg. 
Vollmond; die Neuftadt, der neuere Theil einer Stadt, entg. Altftadtz auch 
EN, ganzer Städtez neupermählt, Bw., fo eben erft vermählt, beſ. als Hw. 
die Neuvermähltenz der Neuvogel, landſch. f, die Schneeammer (v, das 
Neue f. der Schnee, f. 0,);5 dad Neuwort, ein neu gebildetes oder einge: 
führtes Wort (fr, Neologismus); — Ableit, die Neue, ungedr, f. Neu 
heit; Jäg. ſ. v. w, das Neue (f. d,); neuen, 3w, 1) ziel. neu machen, nur 
in erneuen gebr,; 2) ziellos in der Bienenzucht: die Bienen’ neuen, d. i. 
fangen an zu arbeiten; neuern, Zw. 1) ziel, wieder neu machen, nur in 


18* 


276 neun 


erneuern gebr.z 2) ziellos, Neues, Unbekanntes oder Ungemöhnliched 
einführen (3. B. er neuert in der Sprache, in der Kunft 2c.) 5; der Neuerer, 
-8, wer neuertz die Neuerung, das Neueren; dad neu Eingeführte, dir 
neue Gebrauch, die neue Einrichtung, M. Neuerungen (3. B. in der Sprade, 
in der Verfafjung ꝛc.) daher: die Neuerungsluft, -ſucht, netterungss 
luftig, = füchtig, Bw.z die Neuerungsſcheu; der Neu, ngsftifter 20.5 
neuerlich‘, Nw., in neuerer Zeit, unbeftimmt und ohne einen Zeitpunkt zu 
bezeichnen (3. B. es waren neuerlich viele Unruhen; ich habe ihn neueriich nicht 
geſehen) neulich, Nw. u, bisw. Bw., vor kurzem, einen nur nid;t genau 
angegebenen Zeitpunkt bezeichnend, finnv, Fürzlich, unlaͤngſt, jüngft (ich 
habe ihn neulic) gefehen; fein neuliches Schreiben 2); die Neuheit, dad 
Neuſein, die neue Befchaffenheit (3. B. eines Haufes, Kleides 2c.); inöbef, 
das bisherige Unbefanntfein (die Neuheit einer Lehre, Behauptung ꝛc.) 5 Die 
Neuigfeit, felten f. Neuheitz gew. eine neue Sache, Nachricht, Bege— 
benheit, M, Neuigkeitenz daher der Neuigkeitskraͤmer, die Neuigkeits— 
kraͤmerinn, wer Neuigkeiten zu erfahren ſucht u, wieder ausframt; der Neu— 
ling, —es, M.-e, wer in einer Sache noch) neu, d. i. unerfahren ift, 
neun, 9, Grundzahlw. (goth, u, altd, niun; angelf. nigon, engl, ninez 
niederd, negenz ſchwed. nio, dän. ni; lat, novem; grieh, Zurda), unbeugfs 
(3. 3, neun Uhr; es hat neun (nidt neune) gefhlagen; mit neun Kindern z 
alle neun (Kegel) werfen 2c.), außer bisw. im Dat, wenn es chne Si, fteht: 
neunen (3. DB, eine Zahl von neunen; Einer aus Neunen) die Neun, M. 
-en, die Zahl od. das Zahlzeichen 95 — 3fes. die (ungebr, das) Neun 
auge, ein aalförmiger Fluſefiſch mit fieben in einer Linie am Halle herunter 
Viegenden augenähnlichen Luftlöchern, auch Bricke; der Neunbatzner, oberd, 
eine Münze von neun Batzenz das Neuneck, eine von neun geraden Linien 
eingefchloffene Fläche mit 9 Eden; neunedig, Bw., neun Eden habend; 
neunfach od. neunfältig, Niv. u, Bw., neunmal genommen (das Neunfadhe zc.) 
das Neunheil, Yandfh. f. Bärlapp; neunjahrig, =ftündig, =tägig, 
⸗ woͤchig, und felten -=monatig, Zw., was neun Jahre, Stunten 2c, alt ift 
ober dauertz verſch. neunjährlich, -ſtuͤndlich, =täglich, = wöchentlich, 
s monatlich, Bw., was alle neun Sahre 2c, wiederkehrt; neunmal, Nw., 
od. neun Mal, in neun Wiederholungen, zu neun Malen; neunmalig, Bw., 
neunmal gefchehend 5 neunmännerig, Bw,, Pflanz. von Gewädfen mit neun 
Etaubfüden, deren Staubbeutel und Fäden unter fih nicht verwachfen find; 
neunpfündig, Bw., neun Pfund ſchwer; neunfilbig, Bw., aus neun 
Silben beftehend; neunflimmig, Bw,, Tonk. für neun Stimmen gefetz 
der Neunſtrahl, eine Art Scefterne mit neun Strahlen; neuntheilig, Bw, 
aus neun Theilen beftehendz; der Neuntödter, ein Kleiner Raubvogel zum 
Falkengeſchlechte gehöbrig, von dem man fabelte, dafs er täglich erſt neun Thiere 
tödte, bevor er eines verzehrez; man unterfcheidet den bläulich grauen großen 
Neuntödter, und den Eleinen N, od, Dorndreher; neunzehn, 19, unbeugfe 
Grundzahlw,, neun umd zehnz daher: der, die, das neunzehnte, Ord— 
nungẽzahlw.; neunzehntens, Nw., zum neunzehntenz das Neunzehntel, 
- 8, der neunzehnte Theil; neunzehnfach, =jährig, »jahrlich 2c.; neuns 
zehnmal, =malig ꝛc., wie neunfach, =jübrig ec. ſad.z neunzollig, Bw, 
neun Zoll lang, dit 2. — Ableit, v, neun; der Neuner, -8, M. mw. E., 
neun Einheiten zu einem Ganzen vereinigt, beſ. ein Neunpfennigſtück; aud) 











| Nibbe — nicht 277 
"ein Mitglied einer aud 9 Perfonen beftehenden Behörde; meunerlei, une 
beugf. Bw., von neum verfchiedenen Arten oder Befchaffenheitenz; der, die, 
dad neunte, (Ordnungszahlw. von neum der neunte Monat, zum neunten 
Mate); neuntehalb, unbeugf. Zahlw., das neunte halb, d. is acht und ein 
halb; das Neuntel, -8, der neunte Theil eines Ganzen; neuntens, 
Nw., zum neunten; neunzig, unbeugf. Grundjahlm., 90, zehn mal neun 
(nur im Dat, gebeugt, wenn es ohne Hw. ſelbſt als ſolches ſteht, 3. B. einer 
von Neunzigen u, dol.)3 8ſetz. neunzigfach, = jährig, »jährlich, = mal, 
= malig ıc. wie neunfad), neunjährig 26 ſ. d.3 Ableit. der Neunziger, -&, 
ein aus 90 Einheiten beitchendes Ganzes; Mitglied eined Vereins von 
90 Perſonen; gem. aud eine Perfon von 90 Jahren, mweibL die Neuns 
zigerinn; neunzigerlei, unbeugf, Bw., wie neunerlei, ſ. d.z der, die, dad 
neunzigfte, Ordnungszahlw. von neunzigz dad Neunzigftel, -8, der neun— 
zigite Theil; neunzigftend, Nw., zum neunzigften, 

Nibbe, w., M.-n, (engl, nib, holl. meb; vergl. nippen), nieberd,-f, 
Schnabel; Naſe; daher nibbeln, ziel, Zw, (engl, nibble), mit dem Schna— 
bel picken; benagen. 

Nichel, m., —8, o. M,, landfch, f. Raden, Kornraden. 

Nicht, m., -ed, o. M. (aus d. griech. övuzires verderbt ?), Hütten; 
ein weißer, feiner, mehlichter Körper, welcher beim Schmelzen des Zinks in 
Geftalt weißer Flocken in die Höhe fteigt, Hütten», Weiß-, Augennicht, 
Zinkblumen, Galmeiflug. 

nicht (goth. ni-vaihts, althochd. ri-wilt, neowilit, neohbt; mittelh. 
nieht, nihtz angelf, naviht; niederd, nid), nig; oberd. nit, netz engl. not 3 
entft, aus dem einfahen Qerneinungsworte nı, welches im Altd, auch allein f, 
unfer nicht fteht, und dem Hw. wihr (vgl, it, Wicht), Ding, Weſen; alſo 
urfpr, verneinendes Hw. oder Fürw. = fein Ding, nidtsz vergl, d. engl. no- 
thing, franz, ne-rien (d, i, rem) 1) alt u. noch oberd, verneinendes Fürw. fr 
nichts, mit vollftändiger Biegung: Gen. nichtes (3. B. mittilh. daz im nih- 
tes gebrast, d. i., dafs er Feines Dinges ermangeltez daher fpäter nichts 
f.u.); Dat. nicht e, nicht en (altd, niwihtu, nihtu), daher noch: zu nichte 
in: etwas zu nichte machen, d. i. es zu Nichts machen, zu Grunde richten, 
zerftören, vernichten; und mit nichten, als ftarfe Verneinung f. gar nicht, 
durchaus nicht, keinesweges; 2) verneinendes Nw. (fon in der älteren 
Sprache aus der vorigen hauptwortl. Bed, an die Stelle des bloßen ni, ne 
rüdendz vergl, nein), nur in Verbindung mit einem andern Worte oder einem 
ganzen Sase, verſch. nein, welches für ſich allein verneint; — nich £ verneint 
entweder 1) das Prädicat des Satzes felbft; dann fteht es, wie jedes andere 
Nw. a) wenn das Prüdicat ein Zw, ift, im Hauptfage nach, im Nebenfase 
aber vor demfelben (z. 3, er ſchläft nicht; fie denkt nicht. an ihn; es gefällt 
mir nicht; ich verſtehe ihn nicht; er kann nicht fchlafen 2c.5 aber: da er nicht 
ſchläft; weil fie nicht an ihn denkt z dafs es mir nicht gefällt 2c.)5 b) wenn das 
Prüdicat ein Beiwort ift, immer vor demfelben (5.3, er ift nit groß; 
weil er nicht groß iſt z mer nicht groß iſt 2c.)5 oder 2) mich t verneint irgend 
ein einzelnes Wortim Sage; dann mufs ed immer v.or demfelben ftehen 
(3 B. nit ip, fondern duz nicht Männer, fondern Weiber; hiernach unters 
ſcheide man: nicht der Verluſt ſchmerzt ihn, und: der Verluft fchmerzt ihn nichtz 

er ift immer nicht zu Haufe, und: er iſt nicht immer zu Haufez er thut oft 


% 


278 nicht 


nicht, was er fol, er thut nicht oft, was er fol, und: er thut oft, was er 
nicht ſoll -es beliebt mir nieht, zu effen, und: es beliebt mir, nicht zu effen, 
u, dgl. m.); — die ehem, übliche u, noch landſch. Verbindung von nicht mit 
einem andern verneinenden Worte in bejahendem Sinne gilt jet für ſprachwi⸗ 
drig (alſo nicht: es war Niemand nicht daz er hat Fein Vermögen nicht 
mehrac.) 3 fo auch der Gehraud) des nicht nach Zw., die ſchon eine Verneinung 
enthalten, wie: abfehlagen, verbieten, hindern, zweifeln ꝛc. (alfo nit: es 
ft ihm verboten, nicht zu ſprechen; ih zweifle, daſs er nicht kommt; 
fondern : — zu ſprechen, — dafs er kommt 2c,) 5 durch die Verbindung von nicht 
mit einer andern Berneinung entfteht vielmehr ein bejahender Satz (4.8, 
es iſt nichts in der Welt, was nicht veränderlich wäre, d. i. Alles ift verän- 
derlich; es ift mie. nit unlieb, hat mir nicht mifsfallen ꝛc. wodurch 
jedoch das Gegentheil nicht beftimmt behauptet, alfo weniger gefagt wird, als 
durch: esift mir lieb, hat mir gefallen); — bei Fragen wird nichtgebraudt, _ 
wenn man eine verneinende Antwort erwartet, obwohl man eine Bejahung 
wünſchte (3. B, wilft Du nicht mehr eſſen? wollen Sie nicht mitgehen?); oft 
ader auch, wo man mit Zuverficht eine bejahende Antwort erwartet (3. B. hap’ 
ich es nicht vorhergefagt 2 ift ed nicht wahr? auch bloß: nit wahr? oder 
nicht fo2); fo auch biöw, bei Musrufungen, wo das nicht jedoch in der 
Regel überflüffig und ſtörend ift (3. B. wie ſchön ift (nicht) die Eintracht unter 
Brüdern! wie unglücklich ift (nicht) der Menſch ohne Hoffnung! 20.) 5 — ver: 
ftürkte VBerneinungen find: gar nicht, ganz undgarnidt, durchaus 
niht, ſchlechterdings nicht, nicht im geringſtenec.z nicht doch! 
drückt ein Verbot oder einen nachdrücklichen Widerſpruch aus; nicht allein 

oder nur — ſondern auch werden als anreihende (copulative) Bindemwörter 
gebraucht. — Sn 3 ſetz. beſ. mit Verbal-, Hauptwdrtern od, hauptwbrtlich ge⸗— 
brauchten Infinitiven verneint nicht den Begriff des Grundwortes oder drückt 
den Mangel desſelben aus, ſinnv. un-z z. B. die Nichtachtung, mangelnde 
Achtung, ſinnv. Geringſchätzung, weniger als Verachtung; der Nichtchriſt, 
Nichtdenker, Nichtgelehrte (ungelehrte); der Nichtkenner ꝛtc.; das Nichtich, 
Philoſ., die außer dem Sch vorhandene vernunftloſe Körperwelt; der Nicht— 
leiter, Naturl. jeder Körper, welcher die in ihm erregte Eteftricität nicht fort: 
leitet, d. i, anderen nicht mittheilt, entg. Leiter, vergl. leiten; das Nichtfein, 
Nichtthun, Nichtwiffen ; Nichtwollenz die Nichtzahlung u. dal, m.; — 
Ableit, nichtig, Bw., Feine Wirklichkeit und Weſentlichkeit habend 
(nichtige Schatten, Traumbilder zc.)5 Feine Kraft und Gültigkeit habend, 
unfräftig, ungültig, leer (nichtige Verfprehungen, Entſchuldigungen, Anz 
fhläge; etwas null und nichtig machen) 5 Feinen od. geringen Werth habend, 
eitel, vergänglich, hinfällig (der nichtige Leitz das nichtige Erdenleben u, 
dgl.)3 die Nichtigkeit, das Nichtigſein in allen Bed,, ſinnv. Unwirklichkeit, 
Unguͤltigkeit, Werthlofigkeit, Eitelkeit, Vergaͤnglichkeit; auch eine nich— 
tige Sache, M. Nichtigkeiten (z. B. an Nichtigkeiten hangen) 5 — nichts, un: 
biegſ. verneinendes Fürw. (aus dem Gen, nihtes zgez. und feiner Bed, nad) an 
die Stelle des nicht eingerückt, ſ. dez gem, oberd, niſcht, niederd, nicks), ver: 
neint das etwas, ſ. v. w. nicht etwas, u, drüdt mithin dad Nichtvorhanz 
denfein jegliched Dinged aus, jedoh nur von Sachen, entfpr, dem perfönl, 
Niemand (id) habe, fehe ac, nichts, weiß nichts davonz ed kann nichts aus 
der Sache werden; es ift nichts daran, f. daran; aus nichtd wird nichts; ich 





' Nichte — nicken 279 


wuffte von nichts; mie nichts, die nicht s, gem, f. ohne Rückſicht auf mic 
und did), d. i. ohne ſich durch etwas irren zu laffen, mit Gleichgültigkeit und 
Leichtigkeit) ; verflärft: garnichts, durchaus, ſchlechterdings nichts; 
näber beftimmt durch Dinzufügung eines zum Hw. erhobenen Beiwortes, 4. B. 
nichts Gutes, nichts Neues ac. 5 nichts deſto weniger, als entgegenfeßendes 
Bdw., d, i, um nichts weniger, finnv, dennoch, deſſen ungeachtet; häufig in 
weiterer Anwendung f. fehr wenig (3. B. er hat nichts gelernt, weiß nichts; 
etwas für nichts achten, d. i. fehr gering); das Nichts als Hw, 1) ein 
Nichtvorhandened, Unwirkliches, Unding (das ift ein Nichts ac); 2) der 
Zuftand ded Nichtſeins; das Nichtdaſein (Bott ſchuf die Welt aus dem Nichts; 

in das Nichts zurückſinken); — 3ſetz. nichtsnutz, nichtsnutzig od.-nuͤtzig, 
Bw., keinen Nutzen habend, zu nichts taugend; gem, auch der Nichtsnutz f. 
ein nichtsnutziger Menſch; die Nichtsnutzigkeit; das Nichtsthun, Müßiggehn; 
der Nichtsthuer; die Nichtsthuerei; nichtswuͤrdig, Bw., keine Würde, 
keinen Werth habend; insbeſ. ohne allen ſittlichen Werth, in hohem Grade ver— 
derbt und laſterhaft (ein nichtswürdiger Menſch); die Nichtswuͤrdigkeit, das 
Nichtswürdigſein, die ſittliche Verderbtheit; auch eine nichtswürdige Sache oder 
Handlung (M. Nichtswürdigkeiten). 

Nichte, w., Mn, Verkl. dad Nichtchen, (durch die im Niederd. 
gewbhnl. Verwandlung des fin ch entſt. aus Nifte v. Neffe, 1.8.5 landſch. 
Niftel; Tat. neptis, franz, niece), ded Bruders od, der Schwelter Tochter, 
entfpr, Neffes oberd, auch f, Enfelinn, 

nichtig, nichts ꝛc. f unter Bit, 

Nick J. m. f. unter nicken; 2, ſ. niederd. f. Genick, f. d. 

Nikell. m., -8, o. M., ein ſehr Feuerbeftändiges , ftrengflüffiges 
Metall von graulichweißer Farbe, theils gediegen, theils vererzt, theils ver— 
kalkt gefunden; gereinigt heißt es: Nickelmetall, Nickelkoͤnig. 

Nickel 2.m, -5,M, mw, &, (engl. nag ‚heil. negge 5 mittl. lat. naccusz 
v; angelf. hnaegan, engl. neigh, mieheen;. od. verw. mit neigen, niden, alfo 
Kleinheit bezeichnend ?), gem. Nudſch. ein’ kleines Pferd; oberd. ein Fleiner, 
bef. eigenfinnigerMenfh, Murrkopf; uneig. gem. eine häfsliche, (hmugige, 
Viederliche Weiböperfon (ein häſslicher Nidel u. dgl.). 

Nikel 3. m., -8, M. w. E. (verw. mit Nagel?), oberd. f. Spike, 
ſpitzer Pfahl G. B. Feuernickel, ein zugefpigter Steden zu einem Knaben: 
fpiel) 3 ſchweiz. ein Hohlkreiſel. 

niden, ziellof. 3w. m. haben, (Ud. hnicchan, ſchwed. nickaz vergl. 
d. lat. nictare), das Verdfterungswort v. neigen (1. d.): fich wiederholt nei= 
gen (die nickenden Ähren, Halme zc.); gem. in engerer Bed. den Kopf wiedere 
holt oder auch fchnell und Furz neigen, insbe]. als Zeichen eines vertraulichen 
Grußes, der Bejahung oder Zuftimmung (einem nicken; fie nickte mir freund: 
lich z auch wohl ziel. einem Beifall, Dank ꝛc. —)5 auch f. ſitzend fchlummern, 
weil man dabei mit dem Kopfe niet (vergl. einnicken); der Ni, - 8, M, -e, 
landſch. f. eine nickende Bewegung mit dem Stopfe, bef. ald bedrutfame Ge: 
berde; niederd. überh. f. Neigung, Kippe; der Nicker, -8, wer nickt; 
landſch. auf f. v. w. Nick; ein leichter Schlummerz die Nickhaut, eine 
dunne, bewegliche Haut unter dem oberen Augenliede mehrer Thiere, womit 
fie beſ. im Schlafe das Auge verwahren, Blinzhautz der Nickſtuhl, ein Lehn⸗ 
ſtuhl, in welchem man ſchlummert; die Nickſtunde, Schlummerftunde, 


230 Nickert — nieder 


Nickert, m., ſ. Nix. 

Nickiſch, m., — es (auch Niekſchz wohl von niden?) landſch. f. das 
ſpitzige Rietgras. 

nie, verneinendes Nw. der Zeit (aus dem Berne: nungsmw. ni, ne und dem 
Nw. ie, je (1. d.) zoeſ. 3 goth. ni-aiv; altd. nio, nie), zu feiner Zeit, verft, 
niemald, nimmer, entg. je, (ich habe ihn nie gefehenz das wird nie gefches 
ben 2c.). 

niebeln od. nibeln, ziellof. unp. Zw., oberd. f. nebeln, fein regnen, 

nied oder nid (altd. nidaz die Wurzel v. nieden, nieder) ſchweiz. Vw. 
m. dem Dat. f. unter, unterhalb, entg. ob (nid dem Wald), 

nied, Bw., fchweiz. f. angenchm. 

Niedel, m., -8, oberd. u, bef. ſchweiz. f. Milchrahm, Sahne, 

nieden, Nw. (altd. nidana, nidane, nidenz angelf. neothan, island. 
nedan, dän. neden) vlt. u. diht. f. untenz daher: hienieden, fd. 

nieder, Nw. u. Bw, (altd. nidar, niderz niederd. nıdder, neer; island, 
nedar, ſchwed. neder; angelſ. neoihor, engl. nether) 1) Bw. nur ald Eigw. 
gebr. (mie hinter, inner, ober, unter 2c.): der, die, dad niedere, ein 
niederer ꝛc. eig. unten befindlich, dem Erdboden oder dem Mittelpunfte 
der Erde näher, als ein anderee Gegenſtand, entg. ober, body, finnv. nie= 
drig, f. d. (ein niederes Haus, eine niedere Gegend, Stufe 20.5 wegen der 
einem Compar. ähnlichen Form des Wortes wird der Comp. niedrer, der nies 
drere gar nicht, der Sup. niederft, niederfte felten gebraucht; gew. fteht 
dafür: niedriger, niedrigft, z. B. die niederfte, gem. niedrigfte Stufe); 
uneig. der Wuͤrde, dem Range nach geringer, als Anderes feiner Art (3. B. 
die niedere Saad, f. d.5 niedere Schulen, Geiftlichkeit, Gerichtsbarkeit; die 
niedere Schreibart, entg. die höhere 2c.) ; in fittlihem Verftande f. niedrig, 
unedel, gemein (ein niederer Eigennug, Stolz 20.); — 2) Nw. eine Bewes 
gung nach unten bezeihnend, finnv. unterwärtd, abwärts, entg. auf, in 
die Höhe: a) felten als felbftändiges Wort (nur in: aufund nieder gehen, 
laufen 2c. f.v.w. auf und abıc 5 u, ausfaff. z. B. nieder mit ihm! d. i. werft 
ihn nieder); b) gew. in Zſetz. und zwar ald zweites Glied der Zfeg. in 
den Nm. danieder, hernieder; bef, aber als erſtes Glied oder Beftimmunges 
wert mit dein Hauptton in Hw. u. Bw., 3. B. Niederfand, niederdeutfch 2c. 
entg. ober —, und vorzüglid in vielen trennbaren Iw., wo es cine Bewe— 
aung 08, Richtung nad) unten od. auch das Bewirken einer folchen Bewegung 
durch die in dem dw. enthaltene Thätigkeit bezeichnet, entg. auf—. Die meiften 
Bee. dieſer Art erklären ſich hiernach hin!änglich durch fich felbft, als: nieder— 
beugen (auch uneig. f. befümmert, muthlos machen, demüthigen), niederbe= 
wegen, = biegen, = bliclen, = blinfen, = bohren, = bringen, = buͤcken, =dräns 
gen,-dringen, niederdritcfen (auch uneig. ſ. v. w. unterdrüden, od. niederbeugen), 
niedereilen, = fliegen, = fließen, = fluthen, führen, = girken, = gleiten, = hal 
ten, = bangen, hängen, niederhauen (d. i. durch Hauen zu Boden ftrerten), 
niederhocken (f. boden), niederjagen (jagend nieverwerfen od, bis zum Nieder: 
“ fallen jagen), nirderfämpfen (kümpfend zu Boden werfen), niederfauern (fe 
Tauern), niederflappen, = Elettern, = Enieen, = follern, = Eriechen, =Eriimmen, 
langen, =laufen, =Teiten, = Ienfen, =locfen, = mähen, = meßeln, neigen, 
eplumpen, zpreffen, =raufchen, regnen, zrinnen, niederrollen (ziel. u. 
ziellos, ſ. vollen), niederrutfchen, niederfäbeln (ſäbelnd zu Boden werfen), 





— 





Niederbord — niederholen 281 


niederſchaffen, ⸗ſchallen, =fchauen, »fcheinen, -ſchicken, —ſchieben, 
⸗ſchleichen, =fchlendern, = fchleudern, -niederſchlingen, -ſchlucken (gem. f. 
hinunterſchlingen‚-ſchlucken), niederſchmettern (ziel. u. ziellos, f. ſchmettern), 
niederſchreiten, -ſchuͤtten, -ſchwanken, -ſchweben, = fchroemmen, -ſchwen— 
fen, -ſchwingen,-ſehen,-ſenden, = fenfin, -ſinken, nieberfprengeh Giel. u. 
ziellos, f. fprengen), niederfpringen, =fprigen, sfprühen, =fpülen, = ftampfen, 
efteigen, = ftellen, = [trahfen, = ftreichen, -ſtrömen, = fhülpen, ‚= tauchen, 
etaumeln, =thauen, = tragen, = träufen, =triefen, = tropfen ꝛc., niedertreis 
ben, zwacjfen, =walzen, =wälzen, = wandeln, = wandern, niedermehen 
(ziellos, von oben herab wehen; ziel. wehend niederwerfen), niederwuͤhlen, 
niederwuͤrgen (würgend niederwerfen; gem. auch f. hinunterwürgen), nieder— 
zerren, = ziehen, ezitlen, = zucken u. a. m. — Nur die folgenden Zfeg. bedür— 
fen, bef. wegen mehrfacher od. uneig. Bed., einer genaueren Erftärung. 
Niederbord, m., Schiff. ein niedriger Schiffsbord ; gem. ein Ruderſchiff 
mit niederem Borde, entg. Hochbord, ſ. d. 
niederbrechen, trb.3m. 1) ziellos m. fein, brechend nieberfalfen ; ; 2) ziel. 
brechend zu Boden ſtuͤrzen, finnv. abbrechen, niederreißen (ein Haut). 
niederbrennen, trb. Zw. 1) ziellos m. fein, durch Brand dem Boden 
gleich werden, finno. abbrennen; 2) ziel. durch Berbrennen zerflören, ein= 
aͤſchern. 
niederdeutſch, Bw., dem niedriger liegenden, noͤrdlichen Theile Deutſch— 
lands eigen oder angehoͤrend, dort einheimiſch, entg. ober-, hochdeutſch, (die 
niederdeutſche Sprache, Mundart, auch die plattdeutſche oder niederſächſiſche 
genannt); daher ein Niederdeutſcher, eine Niederdeutſche, die Niederdeut— 
ſchen, als Hw.; Niederdeutſchland, f., -8, das nördliche, niedriger lie⸗ 
gende Deutichland, entg. Obrrteutfhland. 
Niedere, w., M. -n, oderd. f. Niederung, niedrig Tiegende Gegend, 
niederfahren, trb. Zw. 1) ziellos m. fein, fich fchnell niedermwärts be= 
wegen; 2) ziel. durch Fahren niederdruͤcken od. zu Beden werfen; die Nies 
derfahrt, das Niederfahren in zieltofer Bed; auch der Ort, wo man nik= 
Tg entg. Au’fahrt. 
niederfallen, teb. zieltof. Zw. m. fein, zu Boden, auf die Erde fallen; j 
vor einem —, ſich vor ihm niederwerfen, auf die Kniee werfen; Jäg. von 
dem aufgetricbenen Geflügel f. fich niederſetzen; der Niederfall, das Nies 
derfallen; niederfällig werden, oberd. f. einen Rechtsſtreit verlieren. 
Niederfolge, w., landſch. die Berbindlichfeit der Unterthanen und Lehns⸗ 
leute, dem Lehnsherrn in niederen, d. i. geringern Fällen zu folgen, entg.. 
hohe oder Hceresfolge, 
niedergeben, trb. ziellof. 3w. m. fein, niedermärtd gehen od. fich be— 
wegen; v. der Sonne ſ. v. w. untergehen; der Niedergang, das Nieder— 
gehenz der Untergang der Sonne, und die Himmelsgegend, wo fie untergeht 
(vom Aufgang bis zum Niedergang) 5 ehem, die Höllenfahrt Chrifti. 
Niedergericht, fe, 1) f. v. w. Untergericht, entg. Obergericht 2) Jäg. 
ein niedered Gericht zum Vogelfange (f. Gericht 1.). 
niedergefchlagen, Bw., f. unter nieberfchlagen. 
Niederhemd, f., niederd. f. Unterhemd. 
niederholen, trb. ziel. Zw., Schiff. f. miederzicehen; der Niederholer, 
Schiff. ein Tau, mit welchem man etwas niederholt. 


282 Niederholunder — niederreißen 


— od. = holder, m., niedrig wachſender Ackerholunder, 
Attich. 

Niederjagd, w., ſ. v. w. die niedere Jagd, ſ. Jagd. 

Niederkleid, ſ., landſch. f. Unterkleid, Weſte u. beſ. Beinkleid. 

niederkommen, trb. zielloſ. Zw. m. fein, niederwaͤrts kommen, ge— 
langen, ſich niederlaſſen; gew. in engerer Bed. in dns Wochenbett kommen, 
entbunden werden (fie iſt mit einem Knaben niedergekommen); die Nieder— 
Funft, das Nieder- od. Herabkommen; das Entbundenmwerden, die Ent— 
bindung (fie erwartet ihre Niederkunft; eine ſchwere Niederkunft zc.). 

Niederlage, w., ſ. unter niederlegen. 

Niederland, ſ., -d, M. =länder und ande, überh. ein nitdrig lies 
gendes Land, entg. Oberland; insbeſ. die Niederlande als EN. die 17 am 
Niederrhein u. an der Norbſee gelegenen chem, niederdeutfchen Landfchaften, 
welche jest das Kbnigreich der Niederlande (Holland) u. das Königreid) Belgien 
ausmahenz der Niederländer, die Niederländerinn, Einwohner eines 
Niederlande, entg. Oberländerz Einwohner der Niederlande, bef. f. v, w. 
Holländer; niederländifch, Biw., einem Niederlande eigen, angebörig 2c., 
entg. oberländiſchz den Niederlanden eigen, dort einheimiſch, bef. f. v. w. 
holländifch (niederländifche Sprache, Malerei ꝛc.). 

niederlafjen, trb. ziel. u. rückz. zw., et was on. einen —, d. i. deffen 
Bewegung nach unten bewirken, niedergehen od, finfen laffen (3. B. einen 
Vorhang, einen oder ſich an einem Geile); ſich —, f. ſich ſetzen, nieder— 
feßen; u. uneig. an einem Orte feine Wohnung, feinen Aufenthalt neh— 
men, ſich anbauen oder anfiedelnz vie Niederlaffung, das Niederlaffen; 
das Sich = Niederlaffen, die Anfiedelung; auch ſ. v, w, der Niederlafs, 


—es, M. =läffe, eine durch die Niederlaffung Mehrer angebaute Gegend, 


ein Pflanzort, Anbau (fe. Colonie). 

niederlegen, trb. ziel. zw., auf den Boden, zu Boden, niederwaͤrts 
legen (eine Laft, einen —, d. i. zu Boden ſtrecken, erlegen) z in engerer Bed, 
einen od. fich — ind Bett legen, ſchlafen legen; etwa 8 bei Jemand —, 
in Verwahrung geben (fr, deponiren) ; Waaren an einem Orte —, zur Auf— 
bewahrung Binlegenz”uneig. ein Amt, die Regierung zc, —, ſich derfelben 
freiwillig begeben ; die Niederlegung, das Niederlegen in allen Bed.z die 
Niederlage, 1) das Niederlegen, gew. die Niederlegung ; 2) das Nieder- 
nelegtfein, oder Niederliegen, daher landſch. f. Bettlägrigkeitz insbeſ. das 
Geſchlagen- od. Befisgtwerden eines Kriegsheeres (eine Niederlage erleiden) 3 
3) ein Ort, wo Vorräthe, beſ. Waaren, niedergelegt und aufbewahrt 
werden, Vorrathöhaus (fe. Magazin); auch das Net, od, die Verbindlich— 
keit, etwas an einem Orte nieberzulegen, das Stapelrcht, Krahnredhtz — 
niederliegen, trb. Bw. 1) ziellos m, haben, zu Boden, auf der Erde 
Yiegenz gelagert, geſenkt fein; insbeſ. Franf, bettlägrig fein; uneig, ohne 


Lebhaftigkeit fein, gew. danieder liegen; 2) sie, etwa —, durch Liegen | 


niederdruͤcken. 
niedermachen, trb. ziel, Zw., niederwaͤrts richten, niederlaſſen (3. B. 
die Krempe eines Hutes, eine Tiſchklappe 2c,) 3 insbeſ. f. niederhauen, nieder— 
ſtechen, toͤdten (die Kriegsgefangenen wurden niedergemacht). * 
niedern, ziel. Zw., vlt, f. niedrig od. niedriger machen, zu Boden ſtuͤrzen. 
nieberreißen, trb. ziel. Bro, niederwaͤrts, zu Boden reißen (einen Aft); 














niebebreiten — nieberftürzen 283 


urch Zertrümmerung dem Boden glei machen, einreißen (ein Haus) 5; die 
Niederreißung. - 

niederreiten, trb. 3w. 1) ziellos m, fein, niederwärtö, hinab reiten; 
2) ziel. reitend niedertreten, umreiten. 

niederrennen, trb. 3w. 1) ziellos m, fein, nieberwärtd rennen ; 2) ziel, 
rennend zu Boden werfen, umrennen. 

niederfchießen, trb. Zw. 1) ziellos m. fein, fich plöglich und ſchnell 
niedermwärtd bewegen; 2) ziel, mit einem Schuffe zu Boden ftrecfen (einen 
Bogel)z; durch Schüffe der Erde gleich machen (ein Haus mit Kanonen —), 

niederfchlagen, trb. Zw, 1) ziel, niederwärtd, zu Boden fehlagen (der 
Regen fchlägt die Blüthen nieder; einen Baum —, d, i, füllen); niederwaͤrts 
richten, niederlaffen, fenfen (eine Klappe —z den Blid, die Augen —) 5 
Scheidek. einen in einer Fluͤſſigkeit aufgelöften Körper —, d. i, durch Hin: 
zuthun eines dritten, welcher das Aufiöfungemittel ftärker anzieht, bewirfen, 
dafs er fich als ein Niederfchlag zu Boden ſetzt (fr. präcipitiren) 5 ferner 
uneig. f. dämpfen, beruhigen, mildern (die Säure im menſchl. Körper — 3 
ein niederfchlagendes Mittel, d. i. welches die Wallung des Blutes mindert) 5 
plöglich zu nichte machen, aufheben, unfräftig machen, widerlegen (eine 
Sorderung, einen Rechtsſtreitz eine Hoffnungz einen Beweis —)3 einen —, 
ihn muthlod machen, in Traurigkeit verfeßen, beugen; daher nie der— 
gefhlagen als Bw, f.muthlos, traurig, gebeugtz dieNiedergefchla- 
genheit, Muthlofigfeit, Iraurigkeitz 2) ziellos m. fein, plößlich und 
heftig niederfallen (er fchlug auf der Straße nieder) 5; m. haben, niedermärts 
ſchlagen, 3. B. Tonk. beim Tactſchlagen; der Niederfchlag, das Nieder: 
Schlagen (ziellos), ein niederwärtd gerichteter Schlag, bef, Tactfchlag, entg. 
Aufſchlag; Scheidek. der aus einer Flüſſigkeit ald Bodenfaß auögefchiedene 
Körper (fr, Präcipitatz f. o. nieberjchlagen) ; die Niederfchlagung, das Nie- 
derfchlagen (siel.) in allen Bed,, 3.8, des Kupfers aus dem Kupferwaffer, 
einer Forderung ꝛc. \ 

niederfchreiben, trb. ziel. Zw., ſ. v. w. auffchreiben, zu Papiere Dringen, 
fchriftlich niederlegenz; die Niederfchreibung. 

niederſetzen, trb. ziel. Zw., etwas od, fih—, niederwärtö, auf den 
Boden, auf einen Stuhl 2c, feßen, Binfegenz uneig. ein Gericht, eine Be— 
hörde u. dgl, —, d, i. ernennen, einfegen, anordnen; die Niederfegung, 
das Niederfegen, eig. u: uneig.; der Niederfoß, ſ. v. w. Bodenſatz; nieder- 
fißen, trb. Zw. 1) ziellos m. fein, oberd. f. ſich niederfeßen; 2) ziel, durch 
Sitzen niederdruͤcken (ein Polſter). 

niederſtaͤmmig, Bw., einen niedrigen Stamm habend, entg, hoc: 
ftämmig, } 

niederftechen, trb, Zw, 1) ziellos m, haben, niederwaͤrts ftechen ; 2) ziel, 
mit einem Stiche oder mit Stichen zu Boden ſtrecken, tödten, 

niederftoßen, trb. 3m. 1) ziellog m. haben, niederwärts ſtoßen; 2) ziel, 
ftoßend zu Boden werfen, mit Stößen oder Stichen tödten, ſ. v. w. nie: 
derſtechen. Br / 

niederſtrecken, trb. ziel, zw., einen oder fi —, zu Boden ſtrecken, 
auf den Boden hinſtrecken; bef. todt zu Boden ſtrecken, erlegen, 

niederftürzen, trb, 3m. 1) ziellos m. fein, niederwärts, zu Boden 
ſtuͤrzen; 2) ziel. einen od, etwas —, zu Boden, hinabftürzenz; ſich —, 


\ 


284 niederthun — niemals 


J 

heftig niederwerfen, mit großer Gewalt niederwaͤrts bewegen (die Waſſer 
ſtürzten ſich nieder.) 

niederthun, trb. rüdz, Zw., ſich —, Jäg.f, ſich niederlegen. 

Niedertracht, w., vlt. f. Niedertraͤchtigkeitz; niedertraͤchtig, Bw., eig. 
ſich niedrig tragend, daher oberd. f. niedrig, klein, kurzbeinig (niederträch— 
tige Schafe 2c,) u. uneig. f. gemein, von niederer Abkunft; demuͤthig; herab— 
laffend (ein niederträhtiger Herr); chem. aud; f. niedergefhlagen, unglücklich; 
jest hochd. nur im fittl. Verſtande: niedrige Gefinnung habend, ehrlos, ohıre 
Ehrgefuͤhl und Selbſtſchaͤtzung; die Niederträchtigkeit, das Niedertraͤch⸗ 
tigſein; eine niedertraͤchtige Handlung (M. Niederträchtigkeiten). 

niedertreten, trb. Zw. 1) ziellos, an einen niederen Ort treten; Mziel. 
niederwaͤrts, zu Boden treten (die Schuhe, das Gras ꝛc.). 

niedertrinfen, trb. ziel. Zw., et was —, gem. f. hinuntertrinken; 
einen — zu Boden trinken, ihm bis zum Niederfallen zutrinken. 

Niederung, w., M.-en, eine niedrig liegende Gegend. 

Nieverwand, f. (v. Wand, Gewand, ſ. d.) vit, f. Unterffeid, Beins 
Tleider, 

niederwärt3, Nw., nach unten jur, ſinnv. ab=, unterwaͤrts. 

niederwerfen, trb. ziel. Zw., etwas,einen od. fih —, niederwaͤrts, 
zu Boden werfen; oberd. Ripr. f. in Verhaft nehmen; die Niederwerfung. 

niedlich), Bw. (alt. niet, nietsam ,. angenehm; von nicton, nieten, 
erfreuen, beluftigen 3 niederd. nike), Plein und zierlich, ſinnv. huͤbſch, artig, 
nett (Vogel, "Mädchen, Hut 2c.); alt u, landſch. von Speifen f. ſchmackhaft, 
lecker (fr. deticat); die Niedlichkeit, das Niedfichfein, die Actigkeit, Nettigs 
keit; aud eine niedlihe Sache (M. Niedtichkeiten), 

niedrig, Bw. (v. nieder, ſ. d.5 nieberd, neddrig, ſchwed. nedrig), eig, 
der Erdoberfläche oder dem Mittelpunfte der Erde verhältnifämäßig nahe, 
näher als andere Dinge fiiner Art, oder als gewöhnlich, finnv. niedır, entg. 
hoch (3. B. ein niedriger Berg, Baum; ein niedriges Haus, Land ꝛc.; nie: 
driger Wafferftandz; mit dem Kopfe niedrig Liegen 2c.) 5; uneig. überh. nicht 
hoch, insbef, von Tönen: tief (ein niedriger Zon, eine niedrige Stimmung); 
vom Preife: gering (ein niedriger Preis, niedrig fpieien); der Wurde, dem 
Range, dem Anfehen, der bürgerlihen Stellung und Uchtung nad) ge= 
ring, finno. umedel, gemein (aus niedrigem Stande, von niedriger Geburt, 
Herkunft, ıb. aus niederem Stande 2c. wegen ber in niedrig überwiegen: 
den fitilichen Bed.; ein niedriges Wort, di. ein der Pbbelſprache angehören: 
des, unanftändiges; eine niedrige Schreibart, d. i. eine pöbelhafte, verſch. 
niedere); bef. in fittlihem Verſtande: von gemeiner, unedler Geſinnung, 
ohne ſittliche Wuͤrde (ein niedriger Menfd 5 niedrige Geſinnungen, Geiz ꝛc.)3 
bibl. aud) F. demuͤthig (miedriges Gemüthes fein); die Niedrigfeit, dad Nie— 
drigfein in eig. u. uneig. Bed. (5. B. eines Berges, der Stimme, des Preifes, 
des Standes, der Gefinnung ꝛc.); niedrigen, ziel. Zw. vlt. f. niedrig machen, 
erniedrigen; die Niedrigung f. Erniedrigung; landſch. f. Niederung, 

Niefel, w., M.-n, landſch. f. Feifel, 1. d. 

niefeln, zielloſ. Zw., oberd. f. naͤſeln; ſchnaufen, ſchnobern. 

Niele, w., M.-n, landſch. f. der Schlingbaum. 

niemals, verneinendes Nw. (oberd. auch niem al, niemalen), das vers 
fürkte nie (fe d. u. Mal s unter Mal 1.): zu Feiner (vergangenen od. zulünfs 








r Niemand — niefen 285 


tigen) Zeit, entg. jemals, (3.3. ich habe ihn niemals gefehenz; das wird 
niemals geſchehen 2c.). 

Niemand, verneinendes perfünl. Fürw. der Zten Perfon, o. M. (aus dem 
alten Verneinungsworte ni und ieman, Jemand zgef.; altd. nioman, nieman, 
niemen), fein Mann od. Menfch, finnv. Seiner, entg. Semand, (5. B 
ed war Niemand da); Gen. Niemands (z. B. die Nacht ift Niemands Freund); 
die Übrigen File bleiben am beften ungebeugt; denn die Formen Nieman: 
dem, Niemanden verftoßen gegen die Bildung tes Wortes, vergl. Jemand, 
(alfo ich will Niemand ‚etwas davon ſagen; ich kenne hier Niemand); in ber 
Volksſpr. wird niemand auch als Bw. mit einem hauptwörtlich gebrauchten 
Eigenfhaftsworte im fühl, Gejgieht verbunden (3. B.c5 war niemand Fremdes 
ba, b. feine fremde Perfon). 

Niep, m., -ed, M.-e, landſch. Zudm. eine fehlerhafte Stelle in 
einem Quche, wo an ber einen Seite der Einſchlag mit der Lade nicht fo feft 
angeſchlagen iſt, als an der andern, der Vorſchlag. 

niepe od. nieper, aud nipp, nippe, niederd. Bw. f. genau, fcharf, hell, 
Elar (nur vom Geficht und Gehör gebraudt). 

Niere, m, M. -n, Verkl. das Nieren, (altd. nioro, niero, i8län$. 
nyra, fchmeb. njura, dan. nyre, poln-nerka; griedy. vepgös; lat. ren), im 
thier. u. menſchl. Körper zwei in der Lendengegend-liegende und zur Abſon— 
derung des Harns dienende roͤthliche fleifchige Iheile-von Bohnengeftalt (bibl. 
als Sig der Empfindung und der Begierden, z. B. du prüfeft Herzen und Nie: 
ven); in weiterer Anwendung Bergw. Erze und Bergarten von rundlicher, 
nierenaͤhnlicher Geſtalt (z. B. Kiesnieren), auch kleine, mit Erztheilen auge: 
ſchwüngerte Klüfte (verſch. Nefter, ſ. d.)5 — 3fes. der Nierenbaum, ein 
amerifan. Baum mit nierenförmigen Nüffenz der Mierenbecher, Anat. eine 
häutige Röhre, melde das Nierenwärzchen umgiebtz der Nierenbraten, der 
heil des Rückgrats, wo die Nieren gefeffen haben, als Braten zugerichtetz 
insbef. Kalbsbraten vom Hinterviertel mit den daran befindlichen Nieren; die 
Nierenentzundung (fr. Nephritis); das Nierenfett, das die Nieren um: 
gebente Fett; nierenfürmig, Bw.; der Nierengries, = fand, in den Nie: 
ren erzeugter Gries (f. d.); die Nierenkartoffel, länglich runde, nierenähn— 
liche Kartoffel; nierenkrank, Bw.; die Nierenkrantheit, = befchwerde, 
der Nierenfchmerz, das Nierenweh; die Nierenfchnitte, M,-n, Küg. 
mit gehadten Nieren belegte und in Schmalz gebadene Semmelſchnitte; der 
Nierenftein, ein in den Nieren entftehender fteinartiger Körper (vergl. Blafen= ) 
fein); Naturk. ein zum Specjtein gehörender, thonartiger, grüner Stein, 
Lendenftein 5 die Nierenftolle, Küch. zerlaffenes und in Geftalt einer Stolle 
erkaltetes Nierenfett, deſſen man fih an Speifen bedient; das Nierentalg, 
das Zalg, weiches die Nieren des Rindviehs umgiebt; die Ni erenwarze, Anat. 
Wärzchen, welche von ben Harngefäßen der Nieren gebildet werden; nieren— 
weile, Nw., in Nieren od. in Nierengeftatt (ein Erz bricht nierenweife, ſ. o.). 

niefche, oberd. Bw. f. fanft od. allmählich abhaͤngig. 

niejeln, ziellof. Zw. 1. (0. Nafe), landſch. f. naͤſeln; 2. fränk. f. fachte ur 
fein regnen, rieſeln. 

niejen, ziellof. 3m. m. haben, (oberd. aud) nieftenz altd. niusan, isländ. 
hniosa, ſchwed. njusa, nysa, dän. nyse; angelf. niesän, engl. neese, sneezez 
verw. mit Nafez ehem. ablaut. Impf. noͤs; jegt nur umend. niefete, geniefek 


286 nießen — nieten 


od, genieſſt), in Folge einer durch Reiz der Geruchsnerven bewirkten krampf⸗ 
haften Zuſammenziehung der Muskeln die Luft mit heftiger Erſchuͤtterung 
dur) die Nafe ausftoßenz das Nieſekraut, verſchiedene Niefen erregende 
Pflanzen, bef. der Bertramz das Gnaden= od. Gihtkrautz; wildes Niefe: 
Eraut od. wildes Knabenkraut, bei. ven Pferden ſchädlichz falſches Niefe: 
Eraut, der Mauerpfeffers das Niefemittel, ein Niefen erregentes Mittel; 
die Niefewurz od. Nieswurz, verfchiedene Niefen erregende Pflanzen, insbef. 
ſchwarze Niefewurz, bef. im ſüdl. Europa, auch Chriftwurz, Hlrbschen, 
Bärenfuß, mit fünfblätterigen Blumen; weiße Nieſewurz, mit ſechsblätte— 
rigen Blumen und einer ſehr ſcharfen, gefährlichen, ſelbſt tödtlichen Wurzel, 
auch Wendewurz; wilde N., eine dem Knabenkraut ähnliche Pflanze; fal ſche 
N., eine Art Feuerrbschen; die Reifblume; der Nieſer, -8, wer nieſet; 
gem, auch ein einmaliges Nieſen. 

nießen, ziel. Zw. ablaut. wie genießen, (goth. niutan, isländ. niota, 
angelf. neotan, altd. niozan, niezen), im Hochd. völlig vlt., doc) noch oberd. 
f. genießen, f. d.5 daher der Nießbrauch, der Genufs od. Gebrauch des Er: 
trages einer Sache, auch: der Geniegbraudy, die Nugung, Nusniefung (fr. 
Ufusfeuctus)z nießbrauchen, untrb. ziel. Zw., etwas —, den Nießbrauch 
davon haben z der Nießbraucher, - 8, auch) der Nießherr; der Nießbrauchs⸗ 
befiß; das Nießbrauchsgut ꝛc.; nießbar, Bw. u. Nw., als Nw. auch 
nießbarlich, oberd. f. genießbar; aud dem Nießbrauche nach od, darin ge= 
gruͤndet (ein Gut nießbarlich befigen) 5 Lie Nießbarfeit, ſ. v. w. der Nieß⸗ 
braud). 

Niet, ſ., ſ. unter nieten, \ 

Niete, 10, M -n (v. dem Hol. niet, nicht), ein nichtd gewinnendes 
Loos. 

nieten, ziel. u. rückz. Zw. (altd. nioton, nieten; isländ. hnioda ; Grundbed. 
preſſen, drückenz; daher Noth, ſ. d. u, vergl, Neid) 1) mittelft eined Nies 
te3 (1, u,) befeſtigen, inöbef, indem man dad Ende deöfelben breit oder Erumm 
ſchlägt; daher oberd, f. ſchlagen, prügeln; niederd, f. mit dem Kopfe oder mit 


’ 


den Hörnern ſtoßenz 2) rückz. fich —, oberd, f. fi anftrengen, bemühen, ' 


beftreben, abmühen (daher die Niete, ſchwäb. f. das Beftreben, u. das Mw. 
genietet als Bw., vlt. f. erfahren, geübt); ſich eined Dinges nieten 
od. genieten, alt u, oberd. fi fich ‚deffen erfättigen, «8 genug bekommen; 
auch fid) daran vergnügen, ergößenz; dad Niet, -ed, M.-e, Verkl. dad 
Nietchen, (iederd. Need), ein Nagel od, Pflock, womit etwas befeftigt 
wird; in engever Bed, ein ftumpfer metallenee Stift, welder zur Verbin: 
dung zweier Theile durch diefelben getrieben u, an den Enden breit gehämmert 
wird (nietz und nagelfeft, duch Niete u, Nägel befeftigt)3 landſch. auch 
die abgezwickten Spitzen der Hufnägelz das Nieteifen, ein Eifen zum 
Ummnieten der Hufnägel ; der Niethanmer, ein zum Nieten gebraudter Ham: 
mer; der Nietnagel, 1) ein Nagel, defjen Spige genietet, d, i, breit gehäm— 
mert wird; 2) (vd. nieten in ber Grundbed, drüden, daher fehmerzen), ein 
mit dev Wurzel im Fleiſch figendes ſchmerzendes Faſerchen von dem Fingernagel 
od, der aufgejprungenen Haut am Nagel, auch Noth-, Neidnagel (franz 
les envies), das Nagelftroh 2c,5 der Nietpfaffe (ſ. Pfaffe), Schloſſ. eine Art 
Meißel, welchen man auf die Niete fegt, um fie mit Hammerſchlägen breit zu 


ſchlagen. 











Nifel — Nifchel 287 


Nifel od, Niffel, w., landſch. ſ. v. w. Feifel, 

niffen, niffeln, ziel, 3w, (vergl, das niederd. nibbeln, engl. nibble, 
nagen) oberd. f. reiben, wetzen. 

Niftel, w., M.-n, (altd, nift, niftila; angelf. u. isländ. niftz fat, 
neptis; v. Neffe, f. d.), alt u, landſch. f. Nichte; die Niftelgerade, vie 
Gerade (ſ. d,), d. i. das Geräth, welches die nächſte Blutsverwandte mütterlicher 
Linie von ihrer verftorbenen Muhme, Bafe oder Nichte erbt. 

Nikawitz oder Nikowitz, m., -ed, M. -e, (v. böhm. ikawez) bſtr. f. 
Bergfink. 

Nilling od. Noͤlling, m., — es, M.-e, landſch. f. Iltiſs (ſ. d). 

Nilpferd, ſ., (vom Fluſſe Nil in Agypten) ſ. v. w. Fluſspferd, f. d. 

Nimbſch, m., -e8, o. M., landfch. f. das ſpitzige Rietgras. 

nimmer, verneinendes Nw. der Zeit 1) altd. (niomer, niemer, nimer, 
entft. aus nio, nie, und mer, alfo eig. nie mehrz niederd. nummerz engl. 
never ; vergl. immer), zu Feiner (vergangenen oder bef. zukünftigen) Zeit, nie, 
niemals, durchaus nicht (bibl. Hochmuth thut nimmer gut); 2) (entft. aus 
ni- mer; ſchwäb. nime) alt u. oberd, f. nicht mehr, nicht wieder (bibl. wenn 
nimmer Holz; da ift, verlöfchet das Feuer; er Eommt nimmer u. dgl. m.)5 
nimmermehr, Nw., das verft. nimmer (wobei die Bed. des mer innimmer 
vergefjen ift), fihlechterdings zu Eeiner Zeit (Liebe hört nimmermehr aufs ich 
werde es nimmermehr zugeben; nun und nimmermehr, d. i. weder jegt, 
noch zu irgend einer andern Zeit); auch f. durchaus nicht, auf Feine Weife (dad 
Eann ich nimmermehr glauben) 5 3fe$. der Volksſpr. find: -der Nimmerfroh, 
Nimmergenug, Nimmernüchtern zc. d. i. wer nie froh if, nie genug hats 
der Nimmerfatt, unbiegf., wer nie fatt wird, ein Unerfättliherz; Naturk, 
f. Kropf: oder Sackgans; amerifan. Baumpelifan; der Nimmerstag, gem. 
ſcherzh. auf Nimmerstag, d. i. niemals, 

nindert od. niendert, verneinendes Nw. (althochd. nioner, mittelh. nien- 
En v. ioner, iender f. irgend) alt u. oberd. f. nirgend, nirgends ; durchaus 
nicht. 

nippen, ziellof. u. ziel. Zw. (alt u. oberd. nipfen, nipfeln; nicberd. nibfen, 
nippern 3 verw. mit d. nieberd. Nibbe, engl. nib, holl. neb, Schnabel; nibbeln, 
engl, nibble, benagen; nip, kneipen) von Vögeln: mit der Spite des 
Schnabels hacken, od. trinken; daher: mit wenig geöffneten Lippen und 
in Eleinen, abgefeßten Zügen trinken (ee nippt nurz Wein aus einem 
Glaſe —) 5 uneig. ſchwäb. f. fticheln, necfen, plagen (daher nippig f. ned: 
ſüchtig); der Nipp, —es, M, -e, gem. f. ein einmaliges Nippen (einen 
Nipp tun); ſchwäb. f. Stof, u. uneig. Nippen, M. f, verſteckte Bosheiten. 

Nipps, m., -ed, M, -e, landſch. f. Knipps, Knirps, f. 

nirgend oder nirgends, auch nirgendwo, (nicht gut: nirgendswo), 
verneinendes Nw. des Ortes (altd. niergen, nirgen; aus ni, nicht, u. iergen, 
“ irgend zgeſ.; niederd. nergen, nargens), an Feinem Orte, entg. irgend, 

irgendwo, (überall und nirgends fein). R 
niirren, ziellof. 3w. m. haben, niederd. f. Fnirren ; Enurren (von Rasen). 

Niiche, w., M,-n (aus d, franz. niche, v. nicher, niften, alfo gleidf. 
eine neftartige Höhlung), eine Wandvertiefung, Blende, Bilderbiende, 
Niſchel od. Niefchel, m., -8, M. w. E,, landſch. gem, verächtl. oder 

ſcherzh. f. Schopf, Kopf. 


288 mM — Nobbe 


niſs, Nachſ. (goth. assus, in-assus; althochd. massa, nissa, nassi, nissi, 
nussi; mittell. nisse; angelf. nes, nessez engl. ness; oberd. nufe) bildet 
weibliche und gew. fühlihe Hauptwörter 1) felten ven Beiwör— 
tern (nur Finfternifs, Geheimnifs, Wildnife); 2) gew. von Zeitwdrtern, 
bef. zielenden mit ven Vorfilben be, er, ver, und zwar theils a) von dem Stamme 
dee Infinitivs (3. B. Verdammniſs, Bedrängnifs, Fäulniß, Bildniſs, 
Kenntnifs ft. Kenn: nifs mit eingeſchaltetem Wohllauts-t, Erlaubnifs, Ärger: 
niſs, Hindernifs, Verzeichniſs zc. von verbammen, beträngen, faulen, bilden, 
Tennen, erlauben 26,) 5 tbeitö b) von dem 2ten Mittelwort (5, B. Bewandts 
nifs, Gedächtniſs, Gefänanifs, Geftandnifs, Begängnifs, Vermächtniſs 2c. von 
bewandt, gedaht, gefangen, geftanden 2c.)5 diefe Hauptwörter bezeichnen 
1) einen Zuſtand oder eine Befchaffenbeit, felbftäntig gedacht, ſinnv. heit, 
keit (z. B: Kinfternifs, Bedrängnifs, Beforanifs, Betrübnifs, Verderbnifs, 
Verhältniſs); 2) eine Handlung, dod mehr von ihrer Außerlihen (objectiven) 
Ceite, alfo als Begebenheit der Geſchehenes aufgefafft, verſch. ung (vergl, 
Begräbnifs und Begrabung; Verfäumnifs und Verſäumung;; Verlbbniß und 
Verlobung; Erlaubnifs, Ereignifs, Empfängnifs, Zeugnifs 26.)5 daher aud) 
3) den wirfenden oder gewirften, hervorgebrachten Öegenftand felbft, dem 
Begriffe des Mittelwortes entfprechend (3. B. Hindernifs, d. i. das Hindernde; 
Benältnifs, Gefängnifs, d. i. das Behaitende, Fangende; Gedächtniſs, d. i. 
die gedenfende Kraft; Bildnifs, Geftändnifs, Vermächtniſs, Verzeichniſs, d. i. 
das Gebildete, Seftandene, Vermachte, VBerzeichnete); — die Mehrzahl der 
Wörter auf nifs St im Hochd. ſächl ich, z. B. das Argernifs, Bildnife, 
Bündniſs, Gedähtnifs, Hindernifs, Eraebnif ıc. (8. -niffes, M. -niffe); 
eine Kleinere Anzahl weiblich, z.B. die Vertammnifs, Fäulniſs, Finfter- 
nifs, Eriaubnifs, Betrübnifs ac. (M. -niffe); im Oberd. aber werden fie faft 
fämmtlich weiblich gebraucht. 

Niſs, w., gew. nur in der M. Niſſe, (altd. niz, isländ. nyt, angelf, 
hnitu, engl. nit, ſchwed. gnet, dan. gaid; niederd. Netez wohl nur Neben⸗ 
form von Nufs: ein Eleiner runder Körper), die Eier der Läufe in den Haas 
zen; auch f. die Eier der Bienen, Maden; niffig, Bw., Niffe habend, 
voll Niſſe; oberd. gem, f. ärmlih, armfelig, elend, filzig, vergl. lauſig. 

Niſſel, m., -8, od. Niffelfalat (landſch. aud) Niefe:, Nüſschen-, Nüfs 
likraut) oberd. f. Feldſalat, Furzer Fruͤhſalat. 

Niſſer, m, -$, M. w. E., oberd, eine Art Bremfen, welche das Kinds 
vieh plagen. 

niften, aud verkl. nifteln, ziellof. Zw. m. haben (niederh, neften 5 oberd. 
auch geniften, gniftenz engl. nestle, ſchwed. näsılaz v. Neft, ſ. d.), fein 
Neſt machen, bauenz im Nejte wohnen u, brütenz uneig. fih an einem 
Octe feftfeßen und aufhalten, doch nur vor Übeln, vergl. einniften, (die 
Bosheit niftet oder niftelt in feinem Herzen). 

Nie, m, —es, Me -e, gew. die Nire, M. -n (altd. mihhus, niches, 
island, nikr, ſchwed. nök, engl. nick, holl, necker; landſch. auch Nidertz 
v. d. altd. neihhan, neichen, benegen, ergießen; vergl. den Fluſsnamen 
Neckar), fabelhafte boͤſe Waffergeilter, melche oft Menfchen zu ſich herunter: 
ziehen folenz die Nirblume, f. v. w. Srofhbifss gelbe Seeblume, aud) Nix— 
wurzel genannt; das Nirhaar, der Fuchsſchwanz. 

Nobbe, w., nobben, Zw., niederd. f. Noppe, noppen, ſ. d. 5 
noch, 





= noch — Nonne 289° 


noch, 1) Ni. (goth, nauh, altd, noh5 niederd, nog3 aus dann-aud 
od, nu-aud verkürzt, od,mit nah, nähen, d,i, zufammenfügen, verwandt ?) 
a) verftärkend, eine Hinzufügung, VBermehrung, Steigerung bezeihnend 
(3. B. er gab nod) etwas dazu; hierzu kommt noch, dafs 20,5 noch ein Malz 
noch eins! nämlich möchte id) ſagen; bleibe nod) eine Stundez wenn man aud 
noch fo vorſichtig ift 20, 5 bef, zur Verſtärkung des Comparativs, z. B. noch 
größer, noch länger; das macht ihn mie noch lieber 2c.); b) als Nw. der Zeitz 
dauer, die Fortdauer einer Handlung oder eined Zuſtandes bis zu dem 
gegenwärtigen Augenblick od, einem beftimmten Zeitpunfte bezeihnend, f. v, w. 
bis jetzt, bis dahin, entg. nicht mehr (3. B. er lebt noch, ift noch gefund 2c. 5 
damals lebte er noch; es ift noch frühz er Fam, als ich noch fchlief5 er wird 
noch heute od, heute noch Fommenz; noch nicht, entg. fon, z. B. er ift noch 
nicht da); bisweilen in die Bed, von dennoch, deſſenungeachtet übergehend 
(3. B. wer kann da noch zweifeln! d, i. nad) Allem, was vorhergegangen oder 
gefagt ift)5 2) fhlehthin ausfchliegendes (erclufives) Bbw, (got, nih, Tat, 
nec, neque; altd, noh, aus ni-auh entſt., alfo ſ. v. w. auch nicht? ober 
urfpr, eins mit dem bejahenden Nw. und nur durd) Weglaffung deö ni ver: 
neinende Bed, erhaltend; vergl, Fein), entfpricht einem vorangehenden weber 
(mofür alt u, dicht, auch noch feht) und verneint eine nachitehende Sache 
oder Behauptung (weder diefes, noch jencöz er ift weder reih, noch armz 
ich wünfche weder Reichthum, nod Ehre 2c,5 bisweilen fteht noch auch nad 
einem andern Qerneinungsworte, 3. B. ich will dih nicht verlaffen, noch 
verfäumen 5 ich habe es niemals gefehen, no d) davon gehört u, dgl, m.); — 
nochmals, Nw,, nod einmal, finnv, abermals; nochmalig, Bw., was 
nochmals ift od. gefchieht, abermalig, wiederholt, 

NoE 1. m. u. ſ. —es, M.-t, (altd, hnach, Scheitel, Gipfel; isländ, 
hnükr, Bergfpige; oberd, Knod, Hügel) 1) ober. der Nock, ein aus 
dem Waſſer hervorragender Bügel‘ oder Feld; 2) niederd, Schiff, das Nock 
(Hol. nok), das Außerfte Ende der Rahen; die beiden oberen Eden an einem 
viereckigen Segel. 

Nock 2. oder Nocken, m, M.-en, auch die Node, M.-n, (tal, 
gnocco; vergl, Anode) oberd. eine Art feiner Mehlkloͤße. 

nöhlen oder nölen, ziellof, Zw. (wahrſch,. entft, aus d, oberd, nötteln, 
ndtteln, fi hin und her bewegen; niederd, ndteln, neteln, zaubernz 
v. altd, hnurten, fhütteln, ſchwingen, isländ. nudda; vergl, nufhen, nuf: 
fein), gem, bef, niederd, f. zaubern, zauderhaft arbeiten, fprechen ꝛc., Die 
Seit verlieren, 

nollen od. nullen, oberd,, u. nolfen, nulfen, nülfen, nünfen, nieverd, 
zielloſ. u. ziel, Bw, f. ſaugen; verächtl.f. trinken; daher der Noller, Nuller, 
Nulker, Sauger; Saugbeutel. 

Nonne, w., M-n, Bert, dad Noͤnnchen, (altd. nunnaz oberd, 
Nunn, Nunnenz angelf, niederd, dün, nunne, engl, nun; mittl, fat, nonna, 
eig, Mutter, wie nonnus, Vater, Pater; vergl, d. ital, nonno, nonna, 
Großvater, Großmutters griech. vavves, vevın, Oheim, Muhme) 1) eine im- 
ehelofen Stande in einem Kloſter lebende und fich gottesdienftlichen Vers 
richtungen widmende weibliche Perfon, bef, in der rom, Kirche, Kloſter-, 
Drdenöfrau, verſch. Kloſterſchweſter (ſ. d.), entfpr, Mönch 5 uneig, 2) verfchies 


Hey ſe's Handwörterb, d. deutſchen Spr. 2, Theil. 19 


‚290 Nöpel — Nord 


dene Thiere, insbe, ein weißlicher Taucher mit ſchwarzem Kopfe, Eisente 
(weiße Nonne); eine Art Nachtfalter; Landw. ein verſchnittenes Mutters 
ſchwein; auch eine verfchnittene Stute (vergl, Mönd); 3) verfchiedene 


hohle Werkzeuge od, Iheile v. Werfen der Kunft (vergl, Mutter u, Mönd),- 


insbef, Hüttenw. der Ring, worein bie Kapellen mit dem Mönde gefchlagen 
- werden; Hohlziegel mit auswärts gefehrter Höhlung; Fleiſch. ein trichterför— 

miges Werkzeug zum Füllen der Würfte, u, dgl, m, — Bes. das Nonnen 
brod, ein in Nonnenklbſtern haufig gebadenes Zuckerbackwerk; das Nonnen» 
fleifch, gem. ſprichw. es ift ihr fein Nonnenfleiſch gewachſen, d. i. fie hat Feine 
Anlage und Neigung zum Nonnenleben; die Nonnengans, Baumgans; das 
Nonnenglas, landſch. f. Arzneiglasz; dad Nonnenklofter, Frauenklofter 5 


das Nonnenkraut, Erdrauch; das Nonnenleben; dieNonnenmeife, 7 


landſch. f. Sumpfe, Monchmeiſe; die Nonnennelke, zahmer Schwarzkümmel; 
der Nonnenorden, ſ. Orden; der Nonnenſchleier; die Nonnentaube, 
Schleiertaube; der Nonnenteig, Küch. ein Teig aus Mehl, Milch, Wein, 
Eiern und Salz zu Buttergebädz die Nonnentracht, = weife, = zelle ıc.; — 
Ableit. nonnen, ziel, Zw., vlt, f. verfchneiden; nonnenhaft, Bw,, einer 
Nonne ähnlich oder angemeffen. 

Nöpel, m., -8, fränt, f. Apfel= od. Birnmoſt. 

Noppe od, Nobbe, w., M.-n, (verw. mit Knubbe, Knopf 2c.), Feine 
Knoten oder Fnopfähnliche Erhöhungen an IBollenzeugenz überh, f, Erz 
höhung, Berhärtungz noppen 1. ziel, 3w., 1) Echwed. nappa, engl, nap, 
hol. nypen) überh, kneipen, zwicken, vupfen, insbef. ein Tuch u. dgl, — 
die Wollfnoten mit dem Noppeifen, einer Eleinen Zange, abzwicken; auch 
Noppen an den Zeugen verfertigen, mit Noppen verſehen; von den Pfer: 
den: mit den Zähnen ſchaben; 2) (niederd, nuppen, holl, noopen; isländ. 
hnyppa) oberd. f. v. w, fnuffen, d. i. mit der Fauft ſtoßen, überh, ftoßen, 
plagen; der Nopper, -8, wer noppt; oberd, gem, f, Stof. 

noppen 2. od, noppeln, ziellof, Zw., oberd, f. ſich ſchnell auf und nie⸗ 
der bewegen, auf und nieder huͤpfen. 

Nord, m., -ed, o. M. (altd. nord, islünd. nordr, engl, north; franz. 
nord), {) die Himmeldgegend, weiche dem Mittag oder Suͤden entge= 
gengefegt ift, Mitternacht, Norden (der Wind kommt ausNord oder Norden 5 
Nord zum Dften, Nord zum Weften, Schiff, der Kompafeftrich, welcher 
114 Grad von dem Nordpunfte nad) Often, oder nad Weften liegt); 2) der 
aus Mitternacht wehende Wind, Nordwind; der Norden, —s, o. M., 
(urfpr, ein Nw. alt, nordana, nordan, angelf, northan, von Norden her) 
1) die mitternaͤchtliche Himmelsgegend, ſ. v. w. Nord 1) u, jet gebräuch— 
Yicher als diefes (das Haus Liegt gegen Norden 5 ſich nad) Norden wenden); 2) der 
nördliche Theil unferer Erd = Halbfugel, beſ. die nördlichen Länder von 
Europa (im Norden von Europaz die Mächte des Nordens), auch der noͤrd— 
liche Theil irgend eines Landes (der Norden von Deutfchland 26.)5 — 3fep. 


v. Nord: Nordafrika, -Amerita, ⸗Aſien, » Europa ꝛc., das nördliche 
Afrika 2.5 Norddeutfchland, das nördliche Deutſchland; norddeutſch, Bw. 5 


der Norddeutfche 2c. 5 die Nordgegend; die Nordgrenze; die Nordfante, 

Schiff. das nördliche Ufer eines Fluffes 2c,; der Nordkaper, eine Art Wall: 

fiſche, am häufigften in der Gegend des Nordfaps bei Norwegen, Eiswallfifh, 

Eisfiſchz and f. Butzkopf (f, d.), Sturmfiſchz der Nordländer ‚ die Nord⸗ 
’ 








Nörfling — Noͤßel 291 


laͤnderinn, Bewohner eines im Norden gelegenen Landes; norbländifch, Bw., 
zu einem nördlichen Lande gehörig, demſelben eigen; dad Nordlicht, eine bef, 
in Eälteren Gegenden häufig zur Nachtzeit am nördlichen Simmel fichtbare feus 
wige-Lufterfcheinung (niederd,. Nordblufe); dad Nordmeer, ein im Norden 
gelegenes Meer; die Nordmewe, der große Sturmvogel; der Nordnordoft, 
der Kompaföftrih, mwelher 22% Grad vom Norbpunfte nad) Dften liegt, und 
Fi ein aus diefer Gegend wehender Wind; der Nordnordweft, der Kompaſsſtrich, 
welcher 223 Grad vom Nordpunkte nad) Weften liegt; der Norboft, 1) die 
4 mittlere Himmelsgegend zwifchen Nord und Oft, nad einem Bw, gew. Nord⸗ 
a often (dev Wind kommt aus Nordoften); 2) ein aus biefer Gegend wehender 

Wind, f. v. w. Nordoftwindz; der Nordoſtering, Schiff. die Abweichung 
der Kompaſsnadel von Norden nach Oſten; nordoͤſtlich, Bw. aus Nordoſten 
J kommend od. dahin gerichtet; der Nordpol, der äußerſte Punkt der Erdachſe 
gegen Norden, entg. Südpol; der Nordpunkt, der Punkt der Nordgegend, 
3 welcher genau in der Mitte zwifchen dem wahren Morgen und Abend liegts der ' 

- Nordfchein, |. v. w. Nordlicht; aud der in den Sommermonaten am nörd: 

lichen Gefichtsfreife zurückbleibende ſchwache Schein der untergegangenen Sonne 

(fr. Zodiakal-Licht); die Nordſee, ein Theil des atlantiſchen Weltmeeres, nörd: 

ih von Deutfhland, auch: das deutfche Meer; die Nordſeite; der Nord⸗ 
fern, Polftern ; der Nordfturm, Nordwind, aus Norden wehender Sturm, 
Wind; nordwaͤrts, Nw,, nad Norden gerichtet, nad) Norden zu; der Nord—⸗ 
weft, 1) die mittiere Himmelögegend zwifchen Nord und Weft, nach einem Vw. 
gew. Nordweften (der Wind kommt aus Norbweften); 2) ein aus diefer Ge: 
gend wehender Wind, f.v.w. Nordweitwind ;-die Nordweitering, Schiff. die 
Abweichung der Rompafenadel von Norden nad Weſten; nordweftlich, Bw., 
aus Nordweften Eommend, oder dahin gerichtet; — Ableit. nordifch, Bw., 
zum Norden, d. i, zum nördlichen Theile der Erde gehörend, demfelben 
eigen (die nordifhen Reiche; eine nordifhe Kälte) 5 nördlich, Bw. u. Nw., 
gegen Norden liegend od. vaher kommend, nad) od. aus Norden (die nörd— 
lichen Länder; Schweden Liegt nördlich von Deutſchland; der Wind ift nördlich 2c), 
Noͤrfling, m., —es, Ms -e, (vergl, Orf) oberd, ein efbarer Fluſsfiſch, 
Goldfarpfen, Goldbraffen. 
nörgeln „zielloſ. Zw. m. haben (ein Schallwort, vergl, Enurren, fehnar: 
den), landſch. gem. f. murren, brummen, ſich mifsvergnügt od, verdrieglich 
zeigen. 
Nork, m., -es, o. M., Naturk. Glimmerſchiefer mit Schoͤrl. 
Noß, ſ., Ses, M. Noͤßer, (altd. nôz, nozili, isländ. naut; ſchwed. 
dõt, engl. neat, Rind; dän. nod, Stück Vieh; verw, mit nießen, Nugen), 
ober: u. mitteld, ein Stuͤck zahmes Vieh (ein Pferde, Rinds-, Schafnoßz 
die gefallenen Nößer; bei Zählungen aud) in der Mehrh, unverändert, z. B. 
er befist taufend Noß Schafe ꝛc.). 

Nößel, ſ. -8, M. mw. E., Verkt, das Noͤßelchen, (niederd, auch 
D£el, woraus RE Nbößel (= ein Dgel) entft.; ©. d. isländ. ausa, 
ſchwed. ösa, nieverd, Bfen, ſchöpfen lat, haurire; vergl. hören, Ohr; alfo 
eig, ein Schöpfgefäß, überh, Gefäß; daher in der Laufis: Noffelftangen, 
bie Stangen, an welchen die Zuber getragen werden), ein Maß zu. flüffigen 
und trocknen Dingen, die Hälfte einer Kanne oder eined Maßes, oberd, 
ein Seidel, Schoppen; uneig. in Thüringen ein Feldmaß: ſo viel Land als 


19% 








202 Noſſel — Noth 


man mit einem NRGhßel Getreide befüetz in den Salzkothen zu Halle ein größered 
Maf = + Quart od. 82 Pfannen; in Sachſen ein Holzmaß = „I, Klafterz 
nößelmweife, Nw., nad) od, in Nößeln, 

Noffel oder Nöffel, w., M. -n (vergl. Naſſel) oberd, f, Aſſel; Ohr⸗ 
wurm. 

Noſſelfink, m., ein Vogel von braunfahler Farbe mit weißlich gefäumten | 
Federn, zu den Bruftwenzeln od, Grasmüden gerechnet, der Todtenvogel. 

Note, w., M.-n, Verkl. dad Nötchen (v, d. lat, nota, Kennzeichen, | 
Merkmal), 1) eine Anmerkung, Bemerfung (ein Buch mit Noten verfehen, | 
entg, der Tert); 2) ein Furzer fchriftlicher Aufſatz, fofeen er etwas beurkun⸗ 
det oder an etwas erinnern ſoll, insbeſ. eine zu bezahlende Rechnung; ein 
Schein, eine Verſchreibung (Banknote); ein geſandſchaftliches (diploma 
tiches) Schreiben, eine Meldung, Erktärung u, dgl, enthaltend; 3) Tonk. 
Zeichen zur Darftellung der Töne, Tonzeichen (nah Noten fingen, fpielen 3 
uneig, es geht wie nad) Noten, 8, i. abgemeffen und geläufigs Geigen=, Baſs⸗, 
Klaviernoten ꝛc.z ganze, halbe, Viertel-, Achtelnoten 2c, dem Zeitmaße nad) 
unterſchieden); M. Noten auch f. geſchriebene od. gedruckte Tonſtuͤcke; — 
Zſetz. das Notenblatt, -buch; der Notendruck, -drucker; die Noten⸗ 
druckerei; der Notenhandel Mufikalienhander) ; der Notenkopf, der runde 
dicke Theil einer Note, z. U. v. Notenfchwanz, d. i. der an dem Kopfe anges| 
feßte dünne Strihs die Notenlinien, fünffache Linien, zwiſchen denen man | 
die Noten fehreibt, auch der Notenplan; das Notenpapier; dad Notens 
pult, ein Pult, auf weldes man die zu fpielenden oder zu fingenden Noten | 
Yegt; der Notenfihreiber, -ſtecher; der Notenflein, Sandftein mit notene | 
ähnlicher Zeichnung, ein Naturfpiel; — Ableit. die Notel, M. -n, (v. tat. 
norula), ein kurzer Aufſatz; aud eine Vertragsbedingung oder = Befchräne 
fu / | 










ng. 
nöteln oder neteln, ziellof. Zw., (doll. neuteln), niederd. f. zaudern, f. | 
nöhlen. N 
Noth, we, M. (nur in einzelnen Fällen) Nöthe, (goth. nauths, isländ. | 
naudz alth. nötz angelf. nead, engl, need; ſchwed. nöd, niederd. Nood 3 
von nieten (f. d.), drüden, prefien), eig. Drang, Gedränge, Enge, 
Klemme (nod) oberd.); daher äußerer oder innerer (fittlicher) Smang, Ge— 
walt, Nothwendigfeit, Drang der Umftände (die Noth hat ihn dazu getries | 
benz; wenn Noth an Mann gehtz im Fall der Nothz ohne Noth, d. i. ohne 
dringende Urfache) z der Zuftand ded Bedurfniffes, finnv. Nothdurft (etwas | 
aus Noth thun; ſprichw. Noth Eennt Fein Gebot, Noth bricht Eifen ; zur! 
Roth, zur Befriedigung des Bedürfniffes, Faum, knapp, 3. B. es reicht zur 
Roth Hinz er hat zur Noth zu eben u. dgl. m.); Bedruͤckung, Bedrängnifs, 
Pein, Leiden, Kummer, Mangel, Armuth, Krankheit u. Schmerzen 
(viel Noth haben, Noth leiden, d. i. Mangel; in der Noth, in großer Noth, 
aud in Nbthen feinz einem feine Noth klagenz einen aus der Noth retten 5 | 
ſprichw. Noth Ichrt beten; in Kindeönöthen fein, f. unter Kinds bie f chwere 
Noth, gem. f. die Fallſucht, niedr. als Fluch, Verwünſchung ꝛc. dafs dich die 
ſchwere Roth! nämlich treffe); insbeſ. f. Gefahr, Lebenögefahr (Feuers-, 
Waſſersnoth; ein Schiff befindet ſich in Noth z es hat Feine Noth, d. i. es iſt 
keine Gefahr vorhanden). z Anſtrengung, Mühe (viel Noth mit Jemand oder 
etwas haben z mit genauer Noth davon kommen u. dgl., d. i. mit Mühe, faum)z 


Noth 293 


von Möthen od. gem. zgef. vonnöthen als Nm. u. Bw. f.nöthig, noth- 
A wendig; alt u, oberd. auch bloß ndthen als folgerndes Bow. f. barum noth: 
wendig, deſshalb alfoz noth ald Bw., doch unbiegf., alt f. nöthig, noth— 
wendig, erforderlich (bibl. Eins ift mötß 3 Geduld ift ihm noth; es thut noth 
f. es ift nöthigz ehem, auch Comp. nöther, Sup. nötheſt); — 3fee. 
der Nothanker, der größte Anker, welder nur in dringender Noth ausgewor: 
fen wird; der Nothbau, Bau zur Abwendung einer Gefahr, oder nur auf 
kurze Zeit für das dringendfte Bedürfnifs z der Nothbehelf, etwas womit man 
ſich in der Noth oder zur Noth behitftz nothbruͤchig, Bw., Bergw. 'eine 
- Stufe nothbrüchig machen, d. i. fie zerfchlagen, um ihre innere Beſchaffenheit 
zu erfehen; der Nothbrunnen, landſch. Wafferbehäitniffe, in welde bei 
Feuersnoth Waffer geleitet wird; der Nothdamm, =deich, ein aus Noth 
einftweilen verfertigtee Damm ꝛc. bis zur Vollendung des Hauptdammes ; das 
Nothding, »geding, = gericht, ehem, ein Geriht, in einem außerorbents 
lichen, dringenden Falle gehalten; nothdringen, vit. Zw. der Kanzl. f. zwins 
gen; Mw. ehem. untrb. genothdrungenz jest trb nothgedrungen 
als Bw. u. Nw. f. gezwungen, genöthigtz daher die Nothgedrungenheitz 
die Nothdurft, 1) (fubjectiv) der Zuftand des Bedürfens, finnv. Noth, Be— 
bürfnifs (eö reicht zur Nothdurft Hinz nad Nothdurft zu leben haben z ſich der 
‚Nothdurft Anderer annehmen 3 oberd. auch f. Mangel, z. B. Nothdurft leiden), 
in engerer Bed. das Naturbebürfnifs der Leibesausleerung (feine Nothdurft 
verrichten); 2) (objectiv) der Gegenftand des Bedürfens, inäbef. vlt, Kanzl. 
das zur Sache Nöthige, Erforderliche (die Nothdurft beobachten 2c.)5 gew. das 
"zum Lebensunterhalt Unentbehrliche (einem die Nothdurft verſchaffen, des Leibes 
Nothdurft ec.)3 nothduͤrftig, Bw., Nothdurft habend, bedürftig (nothdürf— 
tig leben; oberd. eines Dinges nothdürftig fein); gew. kaum für das Bedürfs 
niſs hinreichend, nur der Noth abhelfend (fein nothdürftiges Auskommen haben)3 
die Nothduͤrftigkeit, das Nothdürftigſein einer Perſon od. Sache; der Notha 
erbe, Rſpr. ein Erbe, welchem man fein Vermögen zu hinterlaffen gewiffer: 
maßen genöthigtift, 3.3, ein Leibeserbe, entg. einem fremden Erben; die 
Notherbichaft, der Theil der Erbſchaft, weichen man den Geinigen zu vers 
machen geproungen iſt; der Nothfall, ein dringenter, zu etwas nöthigender 
Tall (für od. auf den Nothfall 2c.); das Nothfeuer, ein Feuer als Nothzeichenz 
ein aus Aberglauben bei anftectenden Seuchen angezundetes Feuer, durch welches 
men das Vieh treibt; die Nothfrift, landſch. Rfpr. eine ohne die höchſte Noth 
nicht zu verfäumende Friſt (fr. peremtorifcher Termin) ; nothgedrungen, Bw., 
fo, nothdringen dad Nothgeld, für einen Nothfall zurückgelegtes Geid, fo 
audi: der Nothgrofchen, = pfennig; daß Nothgeſchrei, Geſchrei um 
Sülfe in der Noth; die Nothhaft, M. -en, vlt. f. ein Nothfall, welcher 
als rechtmäßige Entſchuldigung giltz der Nothhelfer, die Nothhelferinn, 
wer in der Roth oder aus der Noth hilft, (in der röm. Kirche: die vierzehn 
Nothhelfer, 14 Heilige, welde in allen Nöthen vorzuglid angerufen wers 
den); die Nothhülfe, Hütfe in der Noth oder im Nothfalles das Nothjahr, 
ein theures Jahr, Mangeljahr; der Nothfnecht, ein Knecht, deffen man ſich 
F einftweilen aus Noth bedient; uneig. gem, eine Perfon, deren Hülfe man nur 
aus Noth in Ermangelung einer befferen gebraucht (Jemands Nothknecht fein) ; 
" nothleidend, Bw., Mangel leidend, hülfsbedürftig, bef. aud als Hw. (einen 
BHpenen unterſtützen; nothlos, Bw. u. Nw., meift vlt. f. feine Koth 





ai,‘ 


294 7 Noth 


habend, unnöthig , ohne Noth; diederd. f. unverklagt, nicht vor Gericht ver: 
folgt; die Nothlüge, Verläugnung der Wahrheit um einer mit ihr ftreitenden 
höheren Pflicht willen; gem. jede Lüge, um ſich aus einer Verlegenheit zu zie— 
hen; der Nothnagel, 1) f. v. w. Nietnagel (f. d.); 2) ein Nagel, deffen man 
fi aus Noth in Ermangelung eines befjeren bedient, daher uneig. gem. eines 


Andern Nothnagel fein; der Nothpfennig, f. Nothgeld; das Nothrecht, ein. | 


Recht, zu deffen Ausübung man gezwungen wird; eine Befugnifs, die man 
im Nothfalle hat, z. B. die Nothwehr; das Recht in Klagen über angethane 
Gewalt, beſ. über Nothzucht; nothreif, Bw., Landw. durd) große Hitze vor 
dem völligen Ausgewachfenfein gereift; die Nothſache, eine nothwendige, od. 
durch einen dringenden Nothfall herbeigeführte Sache 5 die Nothfchlange, ehem. 
eine Art groben Gefhüses (vergl. Feldſchlange); der Nothſchuſs, ein Schufs 
ald Nothzeihen, beſ. auf Schiffen; der Nothitall, 1) ein Geftell od. Gerüft, 
worin unbandige Pferde zum Stillftehen gezwungen werden; 2) (v. Stall f. 
Gefelle, Gehülfe) vlt. f. Nothhelferz; der Nothitand, Zuftand der Noth, bes 
drängte Lage; der Nothflein, Kragftein; der Nothftern, ehem. f. Schweif: 
ftern (fr. Komet); die Nothtaufe, Taufe eines in Lebensgefahr ſchwebenden 
Kindes ohne die, üblichen Feierlichkeiten, auch wohl durch eine nichtgeiftliche 
Perfon, oberd. Jähtaufe; nothtaufen, untrb. ziel. 3w., ein Rind —, ihm 
die Nothtaufe ertheilen; der Noththeil, Pflittheitz die Nothwehr, Gegen: 
wehr, zu welcher man durch Noth, bef. Lebensgefahr, gezwungen wird; noth= 
wendig, Bw. (von wenden; alfo eig. was die Noth abwendet?), durch die 
Umftände dringend erfordert, ſinnv. unentbehrlih, unerlafslich, ftärker als 
nöthig (die Sahe, das Geſchäft ift nothwendig; ich mufs nothwendig aus— 
geben, u. dgl. m.) 5 in bejtimmterem Sinne: was feiner Natur nad) nicht anders 
fein oder gefchehen fann, was den Grund feines Geins in ſich felbft hat, entg. 
zufällig, fowohl in natürlichem als ſittlichem Verſtande (das Feuer mufs noth: 


wendig brennen 3 wer den Zweck will, mufs notwendig aud) die Mittel wollen); - 


die Nothwendigfeit, das Nothwendigſein (3. B. eines Geſchäftes, eines Mit— 


telö zu einem Zmwede); auch dag Genüthigtfein (verfege mic) nicht in die Nothz _ 


mendigfeit 2c.) j etwas Nothwendiges (die Nothwendigkeiten des Lebens); das 
Nothzeichen, ein Zeichen, melches man in einer Noth oder Gefahr giebt, um 
Andere zur Hülfe aufzufordern 5 nothziehen, untrb, ziel. Zw., vlt. f. zwingen, 
insbef. nothzüchtigen; die Nothzucht, ehem. jeder einem Andern angethane 
Zwang; jest nur f. gewaltfame Entehrung od. Schändung einer Perfon, ehem. 
auch Nothzug, Nothzogung, Nothzwang, Nothnunft, auch bloß 
Nothz nothzüchtigen, untrb. ziel. 3w., ehem. überh. f. einem Gewalt ans 
thunz jest nur f. gewaltfam entehren, ſchänden, alt auh: nothzogen, 
nothzwängenz der Nothzüchtigerz; die Nothzüchtigung; — Xbleit, 
nothen, ziellof. Zw., vit. f. noth fin; ſchwäb. f. in Noth feinz daher der 
Nother, ſchwäb. wer in Noth iſt; nöthen, ziel. Zw. (alte. notan, nöten), 
alt u. oberd. f. noͤthigen, zwingen; ſich —, f. ſich Gewalt anthun, ſich 
bezwingen; der Noͤther, vlt. wer Andere noͤthet; oberd. wer ſich ängſtlich 
anſtrengt, ohne etwas auszurichten (ſchwäb. Notheler) z nothhaft, Bw., 
vlt. f. nothleidend, ſich in Noth befindend; landſch. in einer dringenden 
Noth gegründet und darum rechtmäßig (eine nothhafte Entſchuldigung); 
nothig, Bw., alt u. oberd. f. voll Noth, armfelig, dürftig; daher die 
Nothigkeit f. Armuth, Armfeligkeitz nöthig, Bw., was man braucht 


- 








3 


r ’ notteln — Nudel 295 


oder bedarf, finno. erforderlich, weniger als nothwendig (eine nöthige Sache; 


die ndthige Nahrungs; das Nöthige, Nöthigfte als Hw.; etwas für nöthig hal: 


ten, nöthig findenz etwas ndthig haben, d. i. brauchen, bedürfen); oberd. 


g 
; 


auch (dev Urbed. v. Noth gemäß) f. gedrängt, dichtz knapp, klein; nöthis 
gen, ziel. Zw. einen —, dur Gewalt, dringende Umjtände ıc. zu etwas 
bewegen, finnv, zwingen (den Feind zum Rüdzuge —; das Wetter nöthigt 
mich, zu Hauſe zu bleiben; ich bin genbthigt, fehe mich gendthigt 2c.3 ehem. 
insbef. f. nothzüchtigen); durch Gruͤnde, Vorſtellungen, Bitten ꝛc. zu etz 
was bewegen, auffordern, aufmuntern (einen zum Eſſen, zum Trinken 6, —) 5; 
daher niederd. f. zu Gaſte bitten, einladen ; der Noͤthiger; die Nöthigung ; 


nothlich, vie. Nw. f, mit Noth, zur Noth. 


notteln od. nötteln, ziellof. Zw. (altd, hnutten; isländ, nudda; vergl. 
d. lat, nutare) oberd. f. fich hin und her bewegen; rüttelm (an etwas —). 

Nöttin oder Nötting, w. (verw. mit Otter, Natter?) dfte. die große 
Erdfröte, 

November, m., -d, M. w. Er, (lat. November, d. i. eig. ber 9te 
Monat nad) dem altröm, Kalender), der elfte Monat des Jahres, Winds, 
Winter- od, Reifmonat, 

nu, Nw., gem bef. niederd, f. nun, |. d.5 dad Nu als Hw. f. ein Augen⸗ 
blick, fehe Furzer Zeitraum (im Nu, in einem Nu). 

nüchtern , Bw. (oberd. nüechter, niederd, nogternz ſchwed. nyckter; altd. 
nuohturn, nohturnz v. 9, lat. nocturnus, nächtlichz daher Nocturna sc, 
hora, die legte der 4 kanoniſchen Stunden, in welche die Nacht in den Kiöftern 
eingetheilt war, mit der Morgenröthe endend; n. U. von dem goth, uhtvö, altd, 
tohta, angelf. uhta, isländ, u. ſchwed. otra, holl. u. niederd. ucht, die frühe 
Morgenzeit, mit Vorfegung des zu n verfürzten Vw. en (vergl. neben) ; daher 
boll. nuchte, nuchten, frühmorgens), 1) deöfelben Morgens oder überh, 
Tages noch nichts gegeffen und getrunfen habend (ih bin noch nüchtern; ein 
nüchterner Magen) 5 uneig. f. unfchmackhaft, fihaal, ſchwach, Fraft= und 
geiſtlos (ein nüchterner Einfall, Wis, ein nüchternes Gedicht u. dgl. m.) 3 2) in 
engerer Bed, nicht betrunken, Feinen Rauſch habend od. vom Naufche wie— 
der befreit (er ift felten nüchtern ; wieder nüchtern werden); daher uneig. überh. 
f. mäßig (ein nüchternes Leben führen) ; u. in geiftigem u. fittl. Verſtande: fich 
feiner ſelbſt vollkommen bemufft, befonnen, feidenfchaftlos, Flar u. ruhig; 
die Nüchternheit, (olt. auch die Nüch ter e), das Nüchternfein in allen Bed, 
auch uneig, f. Mäßigfeitz Befonnenheit zc. 

Nuck, m., —es, M. Nude, od. die Nuͤcke, M. -n, niederd. f. Mucke, 
Tuͤck (ex hat Nude od. Nüden)z daher nudifch od. nüdifch, Bw. f. tuͤckiſch, 
heimtuͤckiſch; muͤrriſch; nuckern, niederd, Iw. fe murren, brummen, 

nudeln, ziellof. Zw. oberd. f, faugen, an der Mutterbruft fpielen. 

Nudel, m, M.-n, Berl. dad Nudelchen, (verw. mit Knoten, 
Knödel, lat. modus, nodulus; isländ. hnoda, hnudla, fneten) überh. eine 
meilt länglichrunde, Maffe von Teig, auf mancherlei Art als Speife zuberei: 
tet, ſinnv. Kloß (z. B. oberd. Dampf-, Milch-, Schmalznudeln 2c.)3 insbeſ. 
gerollte Teigſtuͤcke zum Maͤſten der Gaͤnſe (Stopfaudeln); gew. duͤnne, 
fadenaͤhnliche Teigſtriemen zur Suppe od. als eigenes Gericht (Fadennudeln, 
Nürnberger Nudeln); niederd., in der Mark Brandenburg, f. Kartoffeln; 


‚Holftein. f. kleine Pfeifen; oberd, uneig. f. ein rundes, dickes, fleiſchiges 


296 nüffen — nun 


Kind od. dergl. weibl, Perfonz — Bfeg. dad Nudelbrett, Küc. ein Brett, 
auf welchem der Nudelteig mit dem walzenförmigen Nudelholz dünn gerollt 
und dann zu Nudeln gefchnitten wird; die Nudelform, eine eiferne Form mit 
vielen Löchern, durch welche die Nudelmacher ven Nudelteig prefiens der Nu— 
delfuchen; das Nudelmehl; die Nudelfpeife, -ſuppe ꝛc.; die Nudel— 
fpriße, fprigenförmiges Werkzeug zur Bereitung der Fadennudelnz — Ableit. 
nudeln, ziel. Zw., ınit Nudeln ftopfen, mäjten (eine Gans); uneig. gem. 
t. überreichlich füttern od, nähren (ein Kind); oberd. auch) f. Ensten, etwas 
Weiches mit den Händen druͤcken (ein Kind). 

nüffeln, zielfof. Zw. (vergl. niefeln; isländ, nef, Nafe) landſch. gem. f. 
naͤſeln, ſchnuͤffeln. 

nuͤlen, (nuͤelen), Bw. oberd. und ſchweiz. f. wühlen, ‚ authöhlenz daher 
der Nüler, -8, f. Fughobel, Schindelhobel; die Nuͤlmaus, Leine Feld: 
der Erdmaus, Wähle, Scharrmaus, 

nulfen, nütken, niederd. Zw., f. nollen. 

null, Nw. (v, lat. nullus, franz, nul, kein), nur in der Verbindung null 
und nichtig: nicht vorhanden, nicht Statt habend, ungültig (etwas 
null und nichtig machen, für null und nichtig erklären); die Null, gem, auch 
Rulle, M.-en, (v. dem latein. nulla, sc, res), dad Zahlzeichen O, wel 
ches für fich allein nihte giltz uneig. eine Perfon ohne Bedeutung, Werth, Anz 
fehen, ein Lückenbüßer. 

Nummer, w., M,-n (aus d. lat, numerus), eine Zahl und ein Zahl— 
zeichen, bef, zur Bezeichnung eines Gegenftandes in einer gezahlten Reihe oder 
enge (die Nummer eines Haufes, eines Looſes u. dgl.); uneig, auch der mit 
einer Nummer bezeichnete Gegenſtand felbft 5.8, ev wohnt in Nummer 10; 
Nummer 6 ift herausgekommen, d. i. das mit diefer Nummer bezeichnete Loos); 
nummern, (gew. fr. numeriren), zählen, Zahlen ſchreiben und aus— 
ſprechen; mit Nummern bezeichnen (benummern). 

nun, Nw. u. Bw. (gem. nu; goth. altd. ſchwed. dan. ꝛc. nu; engl. now3 . 
griech. vür u. wir, vÜ; fat. nunc) 1) eig. als Nw. der Zeit: im gegenwärtigen 
Augenblick, in der gegenmärtigen Zeit, ſinnv. jet, jedoch mehr als diefes 
mit Hinfiht auf die obwaltenden Buftände oder Umftände (nun kommſt du zu 
ſpät; was ift nun zu thun? d. i, unter den gegenwärtigen Umftänden; was 
nun? von nun anz nun und nimmermchr, ſ. d.)5 2) als Nw, u. Bw. in mans 
herlei andern Bedeutungen, welche fammtlic aus dem urfprünglichen Zeitbe: 
griff fließen ; insbef, eine Folgerung ausdrückend od, den libergang von einem 
Gedanken zur dem andern vermittelnd (wenn id nun Recht habe 2c. wenn dem 
nun fo ift, jo 2.5 nun traf es fid) aber, dafs. 2c.); urſaͤchlich od. einen begrün: 
denden VBorderfaß einleitend, Innv. BA, da (nun eö fo weit gefommen ift, läſſt 
ſich nichts he ändern); eine Frage, Ausrufung, Aufforderung, Aufmun— 
terung, die Äußerung eines Entfehluffes u. dgl, einleitend od. begleitend 
(nun, wie ſteht's? was haft du mir nun zu fagen? wie nun, wenn es fo 
wäre? nun, vorwärtö! nun, nun, übereile dich nur nicht! /mäßigend, ober 
beſänftigend nun, wie lange foll ic) warten? nun, fo will id) es thunz nun, 
fo ſei's! 20.) 5 verfichernd, einräumend, zugebend (nun ja! nun gut! das ift 
nun freilich, ſo; es ift nun einmal nicht anders); 3) (aus niuwan, d. i. nit 
als, entftanden) alt u, oberd, f. nur, außer, außgenommen; — nunmehr, 








nunen — nufchen 297 


Nw., das verft. nun, volltönender und feierliher als num, jetzt; nunmehrig, 
Bw., was nunmehr ift od, geſchieht, finnv, jetzig, gegenwärtig. i 

nunen, naunen, nauneln, ziellof. Bw, oberd, f. fchlafen, fchlummern, 
bef, bei Tage (vergl. d, engl, nooning, holl, noen-slaepken, Mittageruhe), 

nuͤnnen, nuͤnken, ziellof. Zw. niederd. f. faugen, ſ. v. w. nollen (f, b.)5 
Nuͤnne od, Nunne, w., f. ein ſaugendes Kind; Nuͤnke, Nuͤneke, w,, f. 
die Mutterbruſt; ein Saugflaͤſchchen. 

nur, Nw. u. Bdw. (altd. niware, neware, newer, niur, entſt. aus ni 
wär, d. i. wäre es nicht, oder es wäre denn; vergl, d, lat, nisiz oberd, nuer, 
nurtz aud) numme, nummen, nun, aus dem altd. niwan, nicht als, zgez.) 
bezeichnet im Allgemeinen 1) eine Ausfchliegung, Ausnahme, Einſchran— 
fung, ſ. v. w. nichtd ald, Niemand als, nichtd weiter, nicht mehr als, 
finnv. allein (3. 8, er hatte nur einen Freund; es Eoftet nur wenige Grofchenz 
höre nur ein Wort; nur id) war gegenwärtig; es Famen ihrer nur Zwei; nur 
er bekam nichts; er thut es nur aus Eitelkeit; das macht ihn nur ftolz, d, i. 
es bewirkt weiter nichts, als dafs er’flolz wird; warte nur bis morgen, d. i. 
nicht länger als 20.5 daher aud) fürs ebenerft, faum, 3.8, id war nur 
fertig geworden, als er kam; — man ſtellt nur dem Worte, auf welches fi 
die Einfchränfung bezieht, fo nahe wie möglich, in der Regel unmittelbar vor 
basfelbez die veränderte Stellung ändert daher oft den Sinn; 3.8, nur ic) 
habe ihn gebeten, ich habe nur ihn gebeten, ich habe ihn nur gebeten, u, del, m.); 
2) feeht nur als entgegenfegended und einfchränfendes Bow, (z. B. ich 
wünfchte e8 wohl; nur kann ich's nit), u, in Verbindung mit dafs als ein 
fchränfendes Fuͤgewort, einen Vorbehalt ausdrüdend (z. B. wie du willft z 
nur dafs id) nicht mifsverftanden werde); 3) ald Nw, in mancherlei feinen Be: 
deutungen, mehr zur Färbung der Rede dienend, als für den Inhalt des Ge: 
dankens wefentlich, insbef, eine Zulaffung begleitend, bef. wenn fie mit Gleich: 
gültigkeit od, Unwillen ausgeſprochen wird (3. B. thue eö nur! geh du nur hin}. 
er Tann nur kommen); eine nachdrückliche Ermahnung, Aufmunterung, » 
Warnung, Bitte 3. B. thue es nur auch! handle nur danach! nur fort! nur 
heraus damit! nur nicht zu weitläufig! fieh nur, was du gethan haft! dafs du 
nur die Zeit nicht verfchläfft! warte nur! nimm es nur nicht üsel! u, dgl, m.)5 
einen mit Zweifel od. Beforgnifs verbundenen Wunſch (3. B. wenn er nur 
wieder gefund wird! wenn er nur zu Haufe iſt! möchte er nur kommen! 2c.); 
in Verbindung mit wer, was, wo, fo vielzc, dient nur zur Verallge⸗ 
mæeinerung ‚oder unbeſchraͤnkten Ausdehnung des Begriffs, ſinnv. irgend 
(3. B. wer nur kommt, wird gut aufgenommen; er bekommt, was er nur 
verlangt 3 wo ich ihn nur antreffez fo viel ich nur Fann, u, dgl. m.), 

Nufh, Nueſch, m., 8, M. -e od. die Nufche, M, -n (altd. nuosci, 
nuosca, nuosche), oberd. f. Ninne, Öerinne, Kanal, Trogs 

Nufh, w., M.-en, (vergl, Naſch) oberd. f. Mutterfchwein, 

nufcheln oder nufeln, nüfeln, ziellof. Zw. (vergl. nieſeln, näfeln) oberd. f. 
durch die Nafe od. überh. unverftändlich fprechenz auch verdrießlich reden. 

nufchen od, nufeln, oberd. nufjen, nuſſeln (mit weichem ff), niederb,, 
ziellof. Zw., 1) eig. mit der Nafe in etwas herumwuͤhlen (engl. muzzle); 
dann in etwas herumfuchen, bef. langſam und wählerifch effenz 2) überh. 
etwas langfam u. zögernd verrichten, zauderhaft arbeiten, f. v. wı nöhlen, 
ſ. d.z daher der Nufcher od, Nufieler f. Zauderer. 


298 Muffe 


Nuſs, w., M. Nuͤſſe; Verkl. dad Nüfschen, (altd. hnuz, nur 
isländ. hnot, angelf. hnut; engl. u, niederd. nut, M. Nöte} dän. nodd, 
ſchwed. nöttz fat. nux, franz. noix), verfchiedene rundliche Früchte mit 
harter Schale (u B. Erd», Musfat-, Zirbelnuſs 20,5 Buchnuſs; landſch. 
auch Eihen-, Mandelnüffe); in engerer Bed, die Dafelnufs (f. d.) und die 
Waͤlſche od. Wallnuſs (f. d.), (iprihiw; eine harte Nufs f. eine mühfamey/ 
ſchwierige Sache; in einer Nufs, d, i. in einen Heinen Raum zufammengedrängt, 
Yat, in nucez in die Nüffe gehen, gem. f, verloren gehen, durchgehen); Pflanz, 
derjenige Samen, welcher mit einer harten, nicht auffpringenden Schale bes 
kleidet iſtz in weiterer uneig. Bed, ein rundlicher Körper od, eine runde Erz 
höhung, 3. B. verhärtete Stückchen Thor im Sandfteinez an Feuergewehren 
das rundlihe Eifen, auf welchem die Federn ruhen; eine hohle Kugel als Ge: 
winde am Mefstifjez eine eiformige Walze an einem Schloffez vergl. auch 
Pfeffernuſs; ferner eine rundliche Vertiefung (vergl. Nuth, Nuſch), z. B. die 
Kerbe od, Rinne einer Armbruſt; aud) die Kerbe am Pfeil, mit welcher er auf 
die Sehne gelegt wird; Jäg. das Geburtsglied einer Hündinn, Wölfinn 20,5 — 
3feg. dad Nufsband, Schloſſ. ein Thlirband, deſſen beide Theile mittelft 
einer Nufs zufammenhangenz; der Nufsbaum, ein Baum, welder Nüffe 
trägt, bef. der Wallnufebaum ; daher das Nuſsbaumholz; der Nufsbeißer, 
Namen verfhiedener Thiere, insbeſ. f, Nuſshäher ; Kernbeißer 5 kleine Hafelz 
maus; auch ein Afterrüffelkäferz dad Nufsblattz der Nufsbohrer, die 
Larve eines Rüffelläfers, welche in den Hafelnüffen lebt die Nufsdolve, ein 
Doldengefhleht mit großer, in zwei Nüffe getheilter Frucht; die Nufsfarbe, 
heilbraune Farbe der Hafelnuffes daher nufsfarben od, nulsfarbig, Bw., 
f. v, w. nuſsbraun; das Nufsgras, eine fpanifche Grasart mit einer zwei— 
fächerigen Samennufs ; der Nufshäher, =hader, = fnader, die Nuſskraͤhe ic. 
ein f[hwarzbrauner, weißgefledter Häher, welcher fid von Nüffen und ähnlichen 
Früchten nährt, auch Zannenhäher od, = Erähe, Ecchen häher, landfh. Harruſch, 
Markolph 2,5 dad Nufsholz, ſ. v. w. Nuſsbaumholzz der Nufsfamım, eine 
Art Stachelſchnecken in Oſtindien; der Nufskern, ſ. Kern; der Nufsfnader, 
wer Nüſſe knackt; der Nuſshäher; ein Werkzeug zum Aufknacken der Nüſſe; 
dad Nuſsoͤl, aus Nüſſen gepreſſtes DL; die Nuſspfirſich, eine frühreife, 
kleine, weiße Hrſih deren Kern wie ein Nuſskern ſchmeckt; die Nuſsſchale, 
ſowohl die grüne fleifhige, als def. die harte holzihte Schale der Wall: und 
Haſelnüſſez die Nufsftaude od, der Nufsflrauch, die Hafelftaude, ſ. d. 

nuffeln, 3w., J. nufchen. 

nuffen od. nußen, ziel. Zw. (altd, chnussan, angelf, cnyssan), obesd, f.. - 
ſchlagen, ſtoßen, pruͤgeln, puffen. 

Nuͤſsleinſalat, m., oberde ſ. v. m. Niſſelſalat, 

Nuſt, m, —es, M.-e, ſchwäb, der Guſs — in Fi Küche, 

Nufter od, Nuͤſter muß, -8,M w. © (erderbt aus Pater⸗ 
nofter), gem. oberd, der Nofenfrang zum Beten; überh. eine Storallen= od, 
Perlenſchnur (Balsnufter) 5 daher nuſtern, ziellof, Zw., f. den Roſenkranz 
beten, 

Nufter oder Nüfter, w., M.-n, gem. niederd, f. Naſenloch; hochd. 
Schriftſpr. nur von den weitgedffneten Nafenlöchern fchnaubender Pferde und 
Rinder; das Nüftergat, Schiff. die vieredigen Einſchnitte, durch welche das 





Nuth — nuben 299 


Maffer zu den Pumpen läuft, nüftern ober nuftern, zielloſ. Zw., hieberd, f. 
mit der Nafe unterfuchen, ausfpüren; oberd, f. leife reden, fluͤſtern. 
Nuth, w., M.-en, (ltd, nuat, nuot; oberd. Nuct), bei Holzarbeitern, 
eine rechtwinkelige Ninne, in welche ein einpaffender Theil gehoben wirds 
daher der Nuthhobel (vererbt Nothhobel), ein Hobel, mit weldem bie 
Nuthen ausgehobelt werden; der Muthenreißer, ein Werkzeug der Glafer 
zur Eröffnung od, Erweiterung der Nuchen eines Fenſterrahmens. 
nutfchen oder nutſcheln, ziellof, u. ziel, Zw. (ein Schallwort, vergl, lut— 
fhen), landſch. gem. f, ſaugen, beſ. an etwas Saftigem; der Nutfch, — es, 
M.-?, etwas, woran man faugtz der Nutfchbeutel, das Nutſchkaͤnn⸗ 
chen, Nutfchläppchen, ſ. Lutſchbeutel, Kinderbutte, 
nutzen od. nüßen, Zw. (altd. nuzan, v, dem ablauf, niuzan, genießen, 
Impf. nÖz, nuzumes, abgel,; angelf, nyttian, isländ, nytia, nytaz niederd, 
nutten), 1) ziellos m, haben u, dem Dat, der Perfon, ald Mittel zum 
Zweek brauchbar fein, finnv, dienen, taugen, helfen, Vortheil gewähren; 
in diefer Bed, gew, ni ben (es nügt mir nichts; wozu nügt es? was nützt dir 
bein Klagen? 2c.)5 2) ziel, etwas —, ed ald Mittel zur Erreichung eines 
Zweckes anwenden, gebrauchen, benußen, VBortheil daraus ziehen; in 
dieser Bed, gew, nu tzen (eine Sache gut nugenz ein Landgut, fein Geld 2, —3 
jeden Vortheil, die Gelegenheit 2c, —3 dem herrſchenden Sprachgeſetze nad) 
follte umgekehrt nutzen ziellos, nügen zielend fein, alfo: der Garten nugt 
mir; ich nüge den Garten u. dgl,, wegegen jedody der Gebraud) ftreitet) ; — 
nutz oder nuͤtz, nuͤtze, Bw., Comp. nuͤtzer, Sup, nuͤtzeſt, (altd, nuzzi, 
angelſ. nyt, isländ. nytrz niederd. nutte, hol, nur), nuͤtzend, brauchbar, 
nuͤtzlich (das iſt zu nichts nutz od, nützez auch: es iſt nichts nutz, u, ehem. kein 
nutz od, kein nütze; als gebeugtes Eigw. völlig vlt, z. B. bibl. ſehr nütze Leute, 
u, dgl. m.) — der Nuß, — es, vlt. f. der Nutzen; nur noch gebr, in: ſich 
etwas zu Nutze machen, d. i, es zu feinem Vortheil anwenden, u. in den 
gef. Eigennutz; der Nutzen, -8, o. M,, die Brauchbarkeit, die vor— 
theilbringende Belchaffenneit einer Sache (die Sache Hat einen vielfachen 
Nusen, ift nit ohne Nutzen); dad Gute felbjt, der VBortheil, Gewinn, 
Ertrag, welchen eine Sache gewährt Gutzen bringen; es gereicht ihm zum 
Nutzen; ich fehe dabei nicht auf meinen Nusen) 5 insbef. der durch den zweck⸗ 
maͤßigen Gebrauch eines Beſitzthums gewonnene Ertrag (großen Nutzen 
aus einem Landgute ziehen; etwas in feinen Nutzen oder zu feinem Nutzen ver: 
wenden ꝛc.)) — 3fes. die Nutzanwendung, die Anwendung einer Sache zu 
feinem Nugen 5 gew. nur in fittl, Verftande : die Anwendung einer Lehre u, dgl. 
zur Belehrung und Beſſerung; der Nubgarten, ein Garten, aus welchem 
man Nugen zieht, entg, Luftgartenz; das Nutzholz, Holz, welches zur Ver: 
arbeitung, zum Bauen 2c, gebraucht wird, entg. Brennholz; fo auch die, 
Nußeiche, entg. Brenneiche, u, dgl. m.z nußlos, Bw, ohne Nutzen, insbeſ. 
was feinen Nugen gewährt, weil man Eeinen daraus zu ziehen ſucht, ſinnv. 
ungenugt, verſch. unnüg (3. B. er ließ die Gelegenheit nuglos vorlibergehen) ; 
die Nuslofigkeitz die Nutznießung, der Genufs des Ertrages einer Sache 
ohne Eigenthumsrecht, ſ. v. w. Nießbrauch; der Nutznießer, Nießbraucher; — 
Ableit, nutzbar, Bw., was Nutzen bringt, oder genutzt werden Fann, 
ſinnv. brauchbar; nur von Saden, fofern fie Vortheil od. Gewinn bringen 
Tonnen, verſch, nützlich, (ein nugbarer Bodens das Schaf ift ein nutzbares 


800 O — ob 


Thier); die Nutzbarkeit, dad Nutzbarſein, die nutzbare Befchaffenheit; 
nutzig, nüßig, Bw., Nutzen habend, gewährend, nur in den Zfeg. nichts⸗ 
nugig, gemeinnügig; nuͤtzlich, Bw, Nusen, Bortheil, Gewinn bringend, 
finnv, dienlich, vortheilhaft, förderlich, heilfam ꝛc., entg. ſchädlichz im 
weiteften Umfange ber Bedeutung, ſowohl zeitliche, als geiftige cder fittliche 
Bortheile gewährend (ein nugliches Gewerbe; fein Geld nüslid anwenden; eine 
nügliche Arznei; ein nügliches Budyz nützliche Lehren 2c.); die Nüslichkeit, 
das Nüslichfein z auch eine nüßliche Sache (M, Nüslichkeiten) 5 die Nusung, 
dad Nuten, der Gebrauch einer Sache, um VortHeil od. Gewinn daraus 
zu ziehen, in engerer Bed. f. Nutznießung; aud der Ertrag oder Gewinn 
felöft, die Einfünfte von einer Sache (die Nusungen eines Gutes od, von einem 
Gute); daher der Nutzungsanſchlag u. dgl. m, 


D, 


D, der funfzehnte Buchft. des ABC, ein Selbſtl., deffen Laut zwifchen 
a und ur in der Mitte Liegt; gefhärft in Wort, fonft, Gott, Stod, 
follzc., gedehnt in todt, Brod, loben, Obſt, Mond; die Dehnung 
ausgedrückt 1) durch 00 in Boot, Loos, Moor, Moos; 2) gew, durch 
oh in Bohle, Bohne, bohren, hohl, Ohr, Sohn c.z D-(b, alö 
De), d, Umlaut von o (nicht Doppellaut), gefhärft in Götter, Stöde, 
öfter, köſtlichz gedehnt intödten, Ofen, höhlen, Söhne, 

o, oh, 1) ein Empfindl, als natürlicher Ausdruck mannigfaltiger Iebhafter 
Gemüthsbewegungen, beſ. der Derwunderung, Freude, ded Bedauerns, der 
Sehnſucht, der Klage, des Unwillens ꝛc. (4. B. o, wie ſchön! o, herrlich! 
o, wie ſchade! o weh! o ih Armer! o Himmel! o, nicht doch)3 auch zur 
Verſtaͤrkung einer Bejahung oder Verneinung (o ja} o nein!); 2) ein Na— 
turlaut, welcher ſtill zu halten od, zu ſtehen gebietet, be. den Pferden zuge— 
rufen, auch: oha. 

ob 1. (altd. oba, opa, ſanskr. upa, Nebenform von über) 1) Nw. £ 
oben (ſ. d,), daruͤber, als feldftändiges Wort völlig vlt., aber in Zſetz. vor— 
Tommend, wie Obdach, Obhut, obfhweben, obwalten ꝛc. (f. d.) und den Aus: 
drüden der Kanzl, obbemeldet, -befagt,=:berührt, -zerwähnt, ge 
nannte. f, oben bemeldet, befagt 26,5 2) Vw. mit dem Dat. f. über, und 
wie diefes auch f. jenfeit, während, wegen (lat. ob); nur alt, landſch. u, 
dicht. (z.B. ob dem Haupte ſchweben; Hftreich ob der Ens z ob dem Mahlez 
bibl, 05 dem Glauben kämpfen; dicht, er erzurnte ob ſolchem Frevel z vergl, 
darob), 








ob 2, Bdw. (goth. jabai, altd, ibu, ipu, oba, obe ꝛc., wenn, ob3 aus 


dem alten Nw. des Ortes i, goth, ja, gebildet, alfo etymologifh = d. Lat, ibiz 
niederd, of, oftez island, ef; angelf, gif, engl, if; dan, om), ein Fügewort 
der Gegenftandsfüse (vergl, dafs), welches einen Sat; ald Gegenftand des 
Zweifels oder der Frage darftellt, alſo Ungewiſsheit od, bloße Möglichkeit 
ausdrückt (4. B, ich weiß niht, ob er es thun wird; man fragte ihn, ob er 
fich wohl befindez ich erfundigte mih, ob er angekommen feiz oft mit Beifü— 
gung eines Gegenfages durch oder, 3. B. ich frage dich, ch du willft, oder 
nicht z ic) Eonnte nicht erfahren, ob ex noch lebt, oder todt iſt) z nad) als bes 


Obacht — ober 501 


deutet od f. ©, 10. wenn (3.3, mir ift, als ob id) Hunger hätfez es fieht fo 
aus, als ob ed regnen wolltez er ftellte fich, als ob er nichts fähe)z fo auch in 
ben Zſetz obgleih, obfhon, obwohl, fd, 

Obacht, w., o. M. (v. ob 1. und Acht), alt u, oberd, f, Acht, Achtung, 
Aufficht auf od, über etwas (etwas in Obacht nehmen) 5 daher: beobachten, 

Obdach, fi, -2d, ein Dad) über etwas; gew, ein mit einem Dache 
verfehener Ort, bedeckter Aufenthalt, Derberge (etwas-unter Obdach bringen, 
ein Obdach finden), 

oben, Nw. des Ortes, (v. ob 1,3 alte, obana, opana, ſchwed. ofwan, 
dan, oven, oppe; niederd, bawen, holl. boven, angelf, bufan, engl, above), 
mehr von dem Mittelpunfte oder der Oberfläche der Erde entfernt, überh, 
auf oder tiber der Grundfläche eined Dinged, in der Höhe, entg. unten, 
(oben in der Luft, auf dem Berge, im Haufez oben liegen, oben wohnen z 
versch, hinauf, ſ. d., alfo nit: oben gehen, f. hinauf gehen!); aud), in 
Verbindung mit den Bw, von und nad), und mit bis (von oben bis untenz 
nad) oben hin; etwas bis oben anfüllen) 3 insbef, in dem oberen Theile einer 
befchriebenen oder bedruckten Seite, daher überh, f, früher, vorhin, im 
DVorigen, nur von Schriften, entg, unten (wie ich ſchon oben gefagt habez bie 
oben erwähnte Sache u, dgl, m.)3 — als erftes Glied in folgenden Zſetz. mit 
Bw, u, Nw,: obenan, Nw,, an der oberften, erften, vornehmften Stelle 
( 2. figen, ftehen 20); obenauf, oder oben dazauf fein, uneig. f. alle 
Schwierigkeiten überwunden habenz obenaus oder oben hinaus wollen, d. i, 
hohe Dinge unternehmen, ehrgeizig und hochmüthig ſein; obenein oder oben= 
drein, Nw,, überdies noch, als ein Übriges oder Überflüffiges (etwas obenein 
gebeitz ee wurde noch obendrein gelobt) ; obenhin, Nw,, auf der Oberfläche 
hin, oberflählih, ungenau, ungründlich (etwas obenhin machen 2.) 3; — daB 
Obenwerk, Schiff. der über dem Waffer befindliche Theil des Schifftörpers; — 
Ableit. obig, Bw,, oben befindlichz bef. uneig, f. im VBorhergehenden 
angeführt. (der obige Sag u, dgl.)5 aud) dad Obige ald Hw. (im Obigen ꝛc.). 

ober (v. 0b, oben abgel, wie außer, inner, hinter zc. von aus, aufen, in, 
innen, hinten 26) 1, Vw. mit dem Dat. alt u, oberd, f. uͤber, oberhalb (ex 
wohnt ober mir u, dgl,);5 2, Bw. in der Form eines Gompar. nur als Eigw, 
gebr.: der, die, dad obere, ein oberer; Sup, oberft, oberjte ꝛe.3 
oben friend, oben befindlich, entg. unter, unterft, (die obere Seite, 
Fläche; die oberen Zimmer; das obere Stockwerk, von zweien; ein oberes Stod= 
werk, d. i, eines der über dem Erdgefchofs befindlichen ; das oberfte Stockwerk, 
das höchfte unter mehren; das Oberfte von der Milch, d. i. die Sahne; das 
Unterjte zu oberft kehren); insbef, eine hoͤhere Stelle der Erdfläche einneh— 
mend, höher gelegen, entg. nieder (das obere Deutfchland, die obere Stadt), 
bei, in Ifeg, mit Länder- u. Slufsnamen, z. B. Oberdeutfhland, Ober: 
fahfen, Ober:Ungarn, :Stalien, der Oberrhein zc,z uneig, dee 
Würde, dem Nange, der Macht nad) höher, entg. nieder, unter (die 
oberen Stände, Klaſſen; die oberfte Stelle einnehmen; tie obere Gerichtöbars 
keit; die oberfte Gewalt ; die oberen Götter, entg. den niederen u. Halbgöttern)5 
ein Oberer, dee Obere, die Oberen oder Obern als Hw. f. Bors 
gefeiste, Obrigkeit (mit Bewilligung der Obern); der Ober, -8, M. w. E. 
in der beutfchen Karte: dad dem Range nach auf den König folgende Kar— 
tenbild (was in der franzöf. Karte die Dame ift); der O berfte, die Obers 





302 ’ oben. 


ften, überh. die Bornehmften, höchften Vorgeſetzten (bibl. die Oberften 
der Gemeinde 2c.) 5 insbef. der Oberfte, od. gem. Oberſt, -en, (ehem. Obrift, 
Obrifte gefhr.), in einem Kriegsheer der Erfte unter den Hauptleuten, Der 
Anführer eined Regimentes. — Als erftes Glied in vielen Zfeg. mit Hw. u. 
Bw., die größtentheils Feiner befonderen Erklärung bedürfen, bezeichnet o ber 
entweder räumlich die höhere Lage, den oben befindlichen Theil, oder uneig, 
höhere Würde u, Macht, entg. nieder, unterz als: die Dheracht, hd: 
here Acht (verderbt: Aberacht, f. d.); der Dberalte od. Oberältefte, Landis. 
der Obermeifter oder Altefte eines Handwerks; dad Oberamt, ſ. Amtz der 
Dberamtmann; der Oberarm, obere Theil des Arms bis sum Elbogenz der 
Oberarzt; der Oberauffeher; die Oberauflicht; der Oberbau, der Bau 
über der Erde, entg. Unter = od. Grundbau; der Oberbaum, Forſtw. f. v. w. 
Hauptbaum z der Oberbefehl; der Oberbefenlshaber ; das Oberbergamt; 
der Oberbergmeifter, = berghauptmann, = bergrath ꝛc.; das Oberbett, 
Deckbett; das Oberblatt, das breite Leder des Pferdegeſchirrs über dem Kreuze; 
das Oberblech, das Eiſenblech, womit die Wagen-Achſen oben belegt wer: 
den; der Dberboden, der obere Boden eines Gebäudes; DOberdeutfchland, 
das höher gelegene, ſüdliche Deutfchland, z. U. v. Nieder» und Mitteldeutſch— 
landz oberdeutfch, Bw., zu Oberdeutfchland gehörig; die Oberdeut— 
fhen, als Hw., Einwohner Oberdeutfchlands; der Dbereinnehmerz der 
Dber- Enke, ſ. d. z der Oberfeldherr; die Oberfläche, die obere Fläche 
eines Körpers, entg. Unter= oder Grundfläche; gew. überh. die äußere Fläche, 
das Außere, entg. dem Inneren (die Oberfläche einer Kugel, der Erde 2c.) 5 uncig. 
die Außenjeite, das zunächſt ins Auge Zallende einer Sache, entg. der Tiefe od. 
dem Grund (bei der Oberfläche ftehen bleiben 2c.) 5 oberflächlich, Bw., auf 
der Oberfläche befindlich oder dazu gehörend 5; beſ. uneig. f. ungrundlid, nicht 
genau und tief eindringend „ finnv. flach, ſeicht (etwas oberflächlich behandeln z 
oberflädliche Kenntnifte zu.) z daher die Oberflächlichfeit, mangelnde Tiefe, 
Ungründlichkeit, Flachheit 2c.; der Oberfürfter, f. Förſter; die Oberfürs 
ſterei, defjen Amt, Wohnung und Bezirk; der Dberforftmeifter, Ober— 
landforftmeifter, ein vornehmer, über einen großen Forſtbezirk geſetzter Forft: 
beamterz; der Oberfuß, 1) der Theil des Fußes nach dem Knöchel zu, die Fuß: 
wurzel3 2) die obere Fläche des Fußes, entg. der Sohle; Lad Dbergericht, 
eine höhere, andern übergeordnete Gerichtsbehörde, entg. Untergerichtz der 
Dber- Gerichtsherr, ein Gerihtöherr, der die höhere Gerichtsbarkeit hat; 
das Obergeſchoſs, entg. Unter: oder Erdgeſchoſs; die Obergewalt; das | 
Obergewehr, Gewehre, welche in die Höhe gerichtet getragen werden, als | 
Slinte, Spies u. dgl. 3. U. v. Unter: od. Seitengewehr; der Obergurt, Sattl. 
der Gurt, welcher zur Befeſtigung des Sattels über denfelben gegürtet wird z 
oberhalb (v. Halbe, d, i. ©eite), Vw. mit dem Gen., auf der oberen a 
"Seite, nad) oben zu, entg. unterhalb, (oberhalb des Berges, der Stadt, 
der Brüde ac); die Oberhand, eig. der obere Theil der Hand, die Hand: 
wurzelz auch die obere Flaͤche der Sand, entg. der inneren. Band uneig. f. über: | 
Yegene Macht in einem Streite (die Oberhand gewinnen, behalten 2c.) 5 aud) die 
Stelle zur rechten Hand, als die vornehmfte (einem die Oberhand geben); das 
Dberhaupt, die oberfte, herrfchende Perfon in einem Lande od, über ein Volk; 
dad Oberhaͤus, der obere Theil des Hauſes; in England die Verfammlung 
der vornehmften Neiheftände (Oberparlament), entg. Unterhaus; die Obere 








ober 503 


haut, die oberfte od. Außere Haut (fr. Epidermis); die Oberhefen, f. Hefen; 
dad Oberhemd, ein feineres Hemd, weldes über dem gröberen Unterhemd 
getragen wird; der Dberherr, der höchſte Herr unter mehren; aud) überh. f, 


Herrſcher, Fürftz oberherrfich, Bw., dem Oberheren gehörig oder zukom— 


mend; die Oberherrlichkeit, die oberfte Herrlichkeit (ſ. d.)5 die Oberherr= 
Schaft, höchſte Herefhaft oder Gewalt; vberherrfchaftlich, Bw. 5 der Obers 
hirt, uneig. ein geiftlicher Vorgefegter; dad Oberhofgericht, der Oberhof- 
meifter u. dgl. m. ſ. Hofgericht, Hofmeifter zc. unter Hof; das Oberholz, 
Forſtw. 1) hoch aufgewachſenes Holz, Stammholz, entg. Unterholz 5; 2) das 
obere Holz, die Afte dev Bäume, entg. dem Stammholz; der Oberjäger; 
der DOberjägermeiiter, Dberlandjagermeifter, der oberfte Sägermeifter eines 
Landes; der Oberfämmerer, die Oberfämmerei, f. Kämmerer 26.5 der 
Oberkammerherr; der Oberkellner: der Oberfiefer, f. Kiefer 1,5 der 
Dberfirchenrath ; die Oberklaue, Jäg. die Eleinen Klauen oder Hornfpigen 
an den Läufen des Roth: und Schwarzwilds; das Dberfleid, ein Kleidungs: 
ſtück, welches man über andere trägt; auch ein Kleidungsſtück, melches den 
oberen Leib bedeckt; der Oberkörper; das Oberland, der höher gelegene 
Theil eines Landes, entg. Niederlandz; der Oberländer, die Oberländerinn, 
Bewohner des Oberlandes; oberländifch, Bw., zum Oberlande gehörig, dort 
einheimifch; die Oberlaſt, die Ladung auf Flößen und im oberen Theile der 
Schiffe, entg. Unterlaft; oberläftig,, Bw., Schiff. zu viel Oberlaft habend ; 
der Oberlauf, Schiffb. das oberſte Verde eines Schiffes; das Oberleder, 
an Schuhen zc, das Leder, welches den oberen Fuß bedeckt, entg. Hinterleder 
und Sohle; dad Dberlehen, ein von dem oberften Lehnsheren unmittelbar ab: 
hängiges Lehen, z. U, von Afterlehen; der Dberlehrer, ein andern vorgefester 
Lehrers; auch ein Lehrer in höheren Schulen od. Schulklaffen, entg. Unterlehrerz 
der Oberleib, der obere Leib bis in die Bauchgegend ; die Oberlippe, ſ. Lippez 
die Sbermacht, die oberſte, herrſchende Macht, verſch. Übermachtz; der Obers 
mann, gem. wer in einem Streite die Oberhand. behältz bei den Soldaten: 
wer andern in Reihe und Glied zur rechten Hand ſteht; aud ein Schiede= 
zihter, gew, Obmannz der Obermeifter, der einer Innung vorgefegte Hands 
werksmeiſter; die Oberpfarre; der Oberpfarrer, =prediger; der Ober— 
priefter ; der Dberrichter, der höhere oder vorgefegte Richter; Richter in 
einem Obergericht; oberrichterlich, Bw.; der Oberrift, f. Rift; der Obers 
rock, ein Roc, der Über andere Röcke gezogen wird, entg. Unterrodz; das obere 
Kleidungsſtück, entg. der Weſte; verſch. Überrodz; der Oberfaß, Vorderſatz 
eines Schluſſes; die Oberſchale, Fleiſch. das obere Stück Ziem von der Keule 
des Rindes; die Oberſchar, Bergw. der rückſtändige Raum, welcher noch ge: 


muthet werden Fann (f. Schar); der Dberfchenf, oberfte Mundſchenkz der 


Dberfchenkel, obere Theil des Schenkels; oberfchlächtig, Bw., Mühlenb. 
durch die Schwere des von oben herabfallenden Waſſers getrieben, — auch 
oberſchlaͤgig, entg. unterſchlächtig (ein oberſchlächtiges Waſſerrad) ; die Obers 
ſchule, eine Höhere Schule; der Ober-Schulrath; der Oberſitz, der höhere 
Sig, die Oberſtelle; der Oberftaller, ſ. Staller; der Oberftallmeifter; der 
Dberfteiger, Bergw., f. Steiger; die Oberftelle, höhere oder vornehmfte 
Stelle, Vorrang oder Vorzug; die Oberflimme, die höchſte Singftimme (fr. 
-Discant, Sopran); der Oberftrich, Sprachl. f. das Auslafungs: od. Küre 
zungszeihen (fr, Apoſtroph) 5 die Oberftube; der oder gew. das Obertheil, 


ER SEC 


504 | | obgleich — Sblei 


der obere Theil eines Dinges; dad Oberverdeck; der Obervogt; der Ober» 
vormund; die Obervormundfchaft; obertvärts, Nw., nach oben gerichtet, 
entg. unterwärtd ; das Sberwaffer, Schiff. das Fluſswaſſer, welches aus 
höheren Gegenden ins Meer fließt; uneig. Oberwaffer haben, d. i. die 
Oberhand od. das Übergewicht haben; die Oberwelt, alles auf und über der 
Erdfläche Befindiihe u. Gefchehende, entg. Unterwelt; der Oberwuchs, Torftw. 
4) die Afte eines Baumer, das Oberholzs; 2) alles in die Höhe wachfende oder 
gewachſene Holz, entg, Unterholz 5 der Oberwundarztz; der Oberwurf, Säg. 
der obere Kinnbaden eines wilden Schweines; der Oberzehnter, f. Zehnter; — 
einige Zfeg. werden mit oberſt gebildet, z. B. der Oberfihofmeifter ; der 
Oherftwachtmeifter, ſ. Wahtmeifters; — Ableit. das Obers, (d. i. das 
oben Befindliche) oberd. f. Rahm, Sahne auf der Milch; die Oberfchaft, 
pit., der Stand, die Wuͤrde, das Anſehen eines Oberen; auch f. Obrigs 
keit; die Obrigkeit (v. obrig neben ober, wie übrig neben über; oberd. 
Oberkeit, niederd. Owerhed, ſchwed. öfwerhat), ehem. f. überlegene Ge— 
walt, Oberherrſchaft, Oberherrlichkeit; jest die Gefammtheit der einem 
(def. ftadtifhen) Gemeinmefen vorgefeßten gebietenden und in Nechtöftreis 
tigkeiten entfcyeidenden Perfonen (der Obrigkeit gehorchen; geiftliche, welt 
liche, Hohe, niedere Obrigkeit); au eine einzelne vorgefegte Perfon (M. 
Obrigkeiten); obrigkeitlich, Bw., der Obrigkeit gehörig, zufommend, von 
ihr ausgehend (die obrigkeitliche Gewalt, ein obrigkeitlicher Befehl 2c.). 

obgleich, obſchon, obwohl, alt u. cberd. aud) obzwar, Bdw. (sgef. aus 
ob f. wenn und glei) 2c.5 vergl, ob 2. und gleich 3), als einräumende 
(concefjive) Fügewörter von —— weſentlich verſchiedener Wed. gebr. f. wenn 
gleich, wenn ſchon, wenn auch, wenn zwar, wiewohl; entweder einen 
Nachſatz einleitend (z. B. er hat es gethan, obgleich oder obſchon zc, es ihm ver: 
boten war), oder einen Vorderfag, mit nachfelgendem fo — doch od, dennoch 
im Nad;fage (obgleich er arm ift, fo lebt ex doch zufrieden 2c.); in obgleich 
und obſchon (feltener in den übrigen) werden die Theile der Zfes. häufig 
durd) ein dazwifchen tretendes Für, oder Hw. getrennt (3. B. ob erz leich arm 
ift 20.5 ob ich gleich gefagt habe 2,5 ob die Menfchen gleich fterben müffen, b. 
obgleich die Menfchen 2,5 bibl, ob ic) ſchon wandere im finftern Thal z ob bu 
wohl ſolches alles weißt; b. obwohl du zc.). 

obhaben, trb. ziel, Zw. (v. ob 1.) vlt. oberd, f auf fich haben (in ber 
fprahmwidrigen Redensart: meine vbhabenden Pflichten u, dgl, f, die Pflichten, 
die ic) auf mir habe). 

obhalten, trb. ziel, 3w. (v. ob 1.) vlt, f. ſchuͤtzen, vertheidigen; der Ob— 
halt f. der Schuß, die Bewachung. 

obhanden, Nw. u. Bw, (gleihf. auf der Hand) oberd, f. vorhanden, 

obherefchen, trb. zielloſ. Zw, (9. ob 1), alt und dicht, f. über etwas 
herrſchen. 

Obhut, w. (v. ob 1), der Schuß, die Aufſicht uͤber etwas, vergl, 
die Hut, 

obig, Bw., f. unter oben. 

Dblaft, w., M. -en, vlt, Kanzl. f. obliegende Laft, Verbindlichkeit. 

Oblei, w., M.-en (aus d. lat, oblata verderbt), landſch. f. jedes in Les 
bensmitteln cd, Geld beftehende Geſchenk an Klöfter u. geiftliche Stiftungen 
(daher das Obleihaus, Verwahrungshaus für ſolche Gabenz der Obleie 

f[hreiber, 





obliegen — obftehen 305 


fhreiber, wer darüber Rechnung führt); in manchen Gegenden auch Geld: 
abgaben von dem Befis einer Sache od. für eine Vergünſtigung. 

obliegen, trb. zielof. Zw. (v. ob 1.) 1) m. fein, vlt. f. die Oberhand 
gewinnen, den Sieg davon tragen, entg, unterliegen (bibl, du haft’ gekäm— 
pfet und bift obgelegen) 2) m. haben, einer Sache (Dat.)—, ſich der— 
felben anhaltend befleißigen (z. B. den Wiffenfaften —) 5 es, eine Sacheꝛc. 
liegt mir ob, d. h. ift mir auferlegt, ich bin dazu verpflichtet od. ver— 
bunden ;: daher die Obliegenheit, M. -en, das Auferlegte, die Verpflich- 


tung, Pflicht, 


Obmacht, w., die Macht über etwas, überlegene Macht, Übermacht. 

Obmann, m. (v. ob 1.), alt u. landſch. f. Auffeher, Vorgefehter, Borz 
fitser eines Gerichts; Sieger; jegt noch gebr. f. Schiedörichter, 

Obrigkeit, w., f. unter ober; — obfchon, f. obgleich. 

obfchweben,, trb. ziellof. 3w. m. haben (v. ob 1.), meift vlt, daruͤber 
ſchweben, uneig. f, vorhanden fein, drohen (die obſchwebende Gefakr). 

obfehen, teb. zielloſ. Zw., vlt. f. die Aufficht Uber etwas habenz die 
Obſicht f. Aufficht. 

obſiegen, trb. zielloſ. Zw. m. ha ben u, dem Dat, (v. ob 1.), über Je— 
mand od. etwas ſiegen (einem Feinde, den Leidenſchaften ꝛc. —) 3 der Obfie« 
ger, die Obſiegerinn, ſ. v. w. Sieger 20.5 obſieglich, Bw., oberd. ob⸗— 
ſiegliches Urtheil erhalten, d. i. vor Gericht ſiegen. 

obſorgen, trb. zielloſ. Zw. m. dem Dat., oberd., für etwas Sorge 
tragen; die Obſorge, f. Sorge fuͤr etwas, Fuͤrſorge. 

Obſt, fe, es, o. M. (altd. opaz, obaz, obez; oberd. Obes, Obs; 
niederd. Awetz angelf. olat, holl, oolt; poln. owoc), ein Sammelw.: eſs— 
bare Früchte aller Artz in engerer Bed, diejenigen Baumfrüchte, deren 
Samen mit einem efsbaren Fleifch umgeben ift, ats: Apfel, Birnen, 
Kirfhen, Pflaumen ze. (Kerns, Steinobft, ſ. unter Kern); — Bfeg. die 
Obſtart, forte; der Obſtbaum, Fruchtbaum; der Obftbrecher, Obfte 
hamen, Gartenwerkzeuge zum Abbrechen des Obſtes; der Obftbrei od, das 
Obſtmus (fe. Compote); die Obſtdarre, f. Darrez die Obfternte; der 
Obſteſſer; der Obſteſſig, aus Obſtwein bereiteter Eſſigz die Obftfrau, 
das Obſtweib, mit Obft handelnde Frauz der Obſtgarten; der Obfigärte 
ner; der Obfthandel; der Obfthändler, die Obſthaͤndlerinn; das Obft« 
jahr, ein Jahr hinſichtlich feiner Fruchtbarkeit an Obſt (ein gutes od, ſchlech⸗ 
tes Obſtjahr); der Obſtkaͤfer, eine auf Obftbäumen lebende Käferartz die 
Obſtkammer; der Obftkeller; der Obftfuchen, mit Obft gebadiener 
Kuchen; die Obftfunde (fr. Pomologie)z; der Döftkundige, Obftfenner 
(fr. Pomolog); der Obſtmarkt; der Obfimonat, September; der Obft- 
moft, aus Obft geprefiter Moft, weldyer nach der Gährung Obftwein (fr. 
Eider) Heißt; die Obſtmotte, eine Art Motten, deren Larven ald Würmer 
im Obfte leben; die Objtpflanzung; obftreich, Bw.; die Obftzucht ob. 
Obſtbaumzucht u; — Ableit. der Obſter od. Obftler, die Obfterinn, 
Obſtlerinn, oberd, f. Obſthaͤndler, -inn; Obſthuͤter od. =wächter, 

obftehen, trb. ziellof. Zw. (v. ob 1.), einem-—, vlt. f. widerftehen, 
Miderftand leiſten; der Obſtand, oberd. aud) die Obftatt, alt u, landſch. 
f. Widerftand (einem Obftand od, Obftatt halten); auch die Widerfiand 
leiſtende Partei (fr. Oppofition), 


Deyfe’s Handwörterb. d, deutſchen Spr. 2, Theil. 20 


306 obwachen — Ochs 


obwachen, trb. ziellof, Zw. (v. ob 1,) vlt., über etwas wachen, dafür 
forgen, 

obwalten, teb, ziellof. Zw. m, Haben (v. ob 1.), über etwas walten, 
gebieten, herrſchen (m. u Dat., z. 3, einem Volke —)5 ger, umeig. mit 
Einflufd vorhanden od, gegenwärtig fein, beitehen, vergl, herrſchen (die 
obmwältenden Umftände, Urfaden 2); der Obwalter, felten f. Gebieter, 
Herrfcherz die Obwaltung. 

obwendig, Bw, (vergl. aus-, inwendig), vlt. f. oberwärts befindlich. 

obwohl, obzwar, Bdw,, ſ. obgleich. 

Ocher, Oder od. Dfer, m., -5, 0, M. (aus dem lat. ochra, griech. 
özow, verw. m. ©xo0s, blafs, gelblich), ein erdiger Metallfalt (Metall: 
Oxyd: Eifen:, Blei, Kupferocher ꝛc.)3 in engerer Bed. f, Eifenocher: Berges 
gelb, Gelberde, eine braungelbe Malerfarbez daher die Ocherfarbe, das 


Ochergelb; ocherfarben, ochergelb, Bw.; die Ochererbfe, eine in Sta: 


lien, Spanien ꝛc. wachfende Erbfenart. 5 fi 
Ochs od, Ochſe, m., -ım, M. Sen, Verkl. das Sch schen, Och s— 
lein (goth. auhsa, altd. ohso; niederd. Oſſez angelſ. oxa, engl, ox, ſchwed. 
oxe; islünd. uxe, jedes Laſt- u. Zugthier fanskr. ukschan, von der Wur⸗ 
zel vah, lat, vehere, griech. özeiv, ziehen, fahren; vergl, Wagen), das 
männliche Rind (f. d.), entg. Kuhz in weitefter Bed, von den verfchiedenen 
Arten diejes Thiergeſchlechts, 3. B. der wilde Ochs, Auer:, Büffel:, Bifam: 
ochs; in engerer Bed. der zahme od, gemeine Ochs, ſowohl in feiner unver: 
fehrten natürlichen Befhaffenheit, zur Fortpflanzung dienend (auch Stier, 
Zuchtochs, Brül:, Brummochs, Bulle ꝛc. genannt), als auch bef. verſchnit⸗ 
ten, als Zugthier dienend und zur Maft beffimmt (Zugochs, Maft:, Schlacht: 
ochsz; ſprichw. die Ochfen hinter den Pflug fpannen, d, i. eine Sache verkehrt 
anfangen; da fiehen die Ochſen am Berge, d. i. man weiß ſich nicht zu rathen 
und zu helfen; bibl. du follft dem Ochſen, der da drifcht, das Maul nicht ver: 
binden, d. i. dem Arbeiter den Genufs bei der Arbeit nicht wehren) 5 uneig. 
gem, ein Scheltwort für einen plumpen, groben, od. dummen Menfhenz— 
3feg. dad Ochſenauge, das Auge eines Ochfen od, ein demfelben ähnliches 
großes, flieres Auge; uneig. Küch. ein auf zerlaffene Butter gefchlagenes und 
darin gebadenes Ei, Spiegelei; Bauf, eine runde od, länglich-runde Fenſter— 
offnungs landſch. f. das große Gänſekraut; die Feldfamille od. das Kuhauge 
(f.d.)5 aud das Goldhähnden, eine Art des Zaunkönigs; ochfenaugig, Bw, 


Ochſenaugen habend; der Dehfenbauer, ein Bauer, welcher Feine Pferde, 


fondern nur Ochfen hältz die Dehfenblume, blauer Kuhweizen (f. d.), auch 
Ochſenweizen, Rinderweizen 20.5 dad Ochſenbrech, die Hauhechel (f. d.), 
auch Dchfenbruch, =Fraut 2c.z; die Ochfenbreinfe, Rindviehbremſe; der 
Ochſendarm, uneig, eine Röhrenfchnede, aud Kuhdarm; ochſendumm, 
Bw., gem, fo dumm wie ein Ochſe; dad Ochſenfell; das Ochſenfleiſch; 
die DOchfengalle, uneig. die runden, in der Mitte erhabenen Gläfer in Eleis 
nen Laternenz der Dchfenhandel; der Ochfenhändter ; die Ochſenhaut; 
dad Ochſenherz, uneig, eine Art herzförmiger Gien = od, Breitmuſcheln; der 
Ochſenhirt; das Ochſenhorn, uneig. Bauk. eine Art Zonnengewölbe; der 
Ochſenhuf, die Ochſenklaue; das Ochfenfalb, männliches Kalb, Bul: 
lenkalb; der Dchfenfopf, der Kopf eines Ochſen od. ein demfelben ähnlicher 
Kopf 3. ©, eines Pferdes; uneig, Natur, eine Art Poſaunenſchnecke; gem, f 





Ockelei — Sder | 307 


Dummkopf; in Berlin ehem, Namen des Arheitshaufes, weil es das Zeichen 

eines Ochfenkopfes führte; der Ochſenmarkt; der Ochfenftall; der Ochfen- 

ziemer, das getrocknete Zeugungsglied eines Ochfen, als Peitfche gebraucht; 
die Ochfenzunge, Rindszunge; uneig. eine Pflanze, deren längliche, rauhe 

Blätter Ähnlichkeit mit einer Ochfenzunge haben (anchusa L.), von verſchiede— 

nen Arten, worunter die ehte rothe Ochſenzunge, ein Färbekraut; — 

Ableit, ochfen, ziellof, Zw., landſch. f. rindern, ſ. d.z Studentenfpr, f. 

arbeiten; ochienhaft, Bw., einem Ochfen ähnlid, plump od, dumm 
wie ein Ochs; die Ochſenhaftigkeit; ochſig, Bw. u, Nw., gem. ſ. v. w. 
—— — landſch. niedr. f. in hohem Grade, ſehr; der Schsler, -ß, 
oberd. f. Ochfenbauerz; der Ochsner, -&, landſch. f. Ochſenknecht. 

Ockelei, w., ſ. Ufeleiz — Ocker, m., ſ. Oder, 

Od, ſ., -d, M.Se (altd, ôt, goth. aud, altnord, audr, angelf, ead), 
vlt. f. Eigenthum, Beſitz, Gut; day, der Ddzins, vlt. f. Zins von liegen⸗ 
den Gründen; odig, Bw. (altd, otag, odec) f. reich, beguͤtert; vergl, 
Kleinod, 

öde, Bw, 1, (altd. odi, ode, goth, authis, altnord. audr; dän. ı, 
ſchwed. öde), ehem, überh. leer, hohl; jest: wuͤſt, unbewohnt, unbe= 
baut, einfam und verlaffen (eine dde Gegend, einen Acer öde liegen Lafjen)5 
uneig, ehem, f. eitel, nichtswuͤrdig; oberd, f. Ieer od, hohl im Magen, 
ekel, übel (daher: bdehn, oberd, ziellof, Zw. f. efeln, ekelhaft, widerlich 
\ fein); u. f. abgeſchmackt, ſchlecht; nicht aufgeräumt, unfreundlich (ein 
oder Menſch); 2) (au od, ode; oberd. Ödi, angelf. adhe, eadh; vergl. 
d. lat. otium; mit dem vorftehenden ein Wort, indem die Bed. leer, vacuus, 
in leicht, Facilis übergeht), vlt. f. leicht, möglich; die de, M.-n, das 
Sdeſein, der Zuſtand der Leere, die Einſamkeit, Berlaffenheit; eine 
öde Gegend, Wildniſs, vergl. Einoͤde; oͤden, ziel. Zw. (altd. odjan; 
oberd. auch Ödnen, digen), alt u. landſch. öde od, leer machen, gew. ver= 
oͤden; oberd. auch f. verbrauchen, vermindern, verſchlimmern; die Odung, 
dad Sden, Odemachenz eine oͤde Gegend, unbebaute Landſtrecke. 

Odel, m., -8, oberd. f. Miſtgauche, unreines Waſſer. 

Sdem, m., -8, o. M., oberd. u. dicht. Nebenform v. Athen, f. d. 

oder 1., beiordnendes Shi. (goth. aitthau, altd. edo, eddo, oda, odar; 
altnord. edha, angelf. odhdhe; ſauskr. ura, lat. aut; niederd. edder, Dr, 
engl. or; fpätere Nebenform: altd. alde, alder, noch ſchweiz.z ſchwed, eller), 
dient im Allgemeinen zur Sonderung zweier od. mehrer möglichen Fälle, 
Behauptungen 0d. Benennungen, insbef, 1) mit ausſchließend entgegen⸗ 
ſetzender Kraft (disjunctiv), ſo daſs die Annahme des einen Falls den andern 
aufhebt (z. B. er muſs ſehr unwiſſend, oder ſehr boshaft ſein; er mag wollen, 
oder nicht; gieb mir die Waare, oder das Geld); zur ſtärkeren Hervorhebung 
des Gegenfages geht in diefer Bed. gew. entweder (f. d.) voran (5.8. er ift 
entweder krank, oder verreif’tz entweder ich, oder du 20.53 oder aber, verft. 
f. das einfahe oder, ift vit. u. überflüffig); 2) erläuternd od. mehre Fälle, 
usdruͤcke ıc. verfnüpfend, von denen einer für den andern gefest werben 
kann (3. B. nicht Ieder kann Herr fein oder Andern befehlen; eine Waife oder 
in älternlofes Kind). 4 
I oder ?., Bdw., oberd. in einigen Gegenden gem. f. aber, 

Diver, w., M. -n, landſch. f. Holzbirn, Knoͤdel. 
















| 


20 * 


308 Ddermennig — offen 


Dpermennig, m., — es, ob. 1m. (gem. auch Odbermenges aus dem 
lat, agrimonia verderbt), ein Pflanzengefchlecht mit fünf eingeferbten Blus 
menblättern und zwölf Staubfäden: Agrimone; die gewöhnlichſte Urt heißt 
Leberklette. 

odmuͤthig, Bw. (Gederd. oodmödig, holl. ootmoedig) alt u, niederd. 
f. demuͤthig. 

Sdung, w., ſ. unter ddez — Odzins, f..unter Od. 

Ofen, m., -d, M. Ofen; Verkl. dad Ofchen (altd. ovan, ofan, 
altnord, ofn, angelſ. ofen, engl. oven, dän. ovne, niederd. Aven; vergl, 
d, griech. Zrvös; goth. auhns, ſchwed. ugn, finn, uhni; wahrſch. von dem 
Stamme des fansfr, agni, lat. ignis, litth, ugnis, euer, mit Übergang 
des Gaumenlauts in den Eippenlaut, vergl. Neffe, Nichte), ein eingefchloffes 
ner feuerfefter Raum, um Feuer darin anzumachen und zu unterhalten, 
zu verfchiedenem Gebrauch (3. B. Back-, Brate, Brenn-, Schmelz, Ziegel, 
Kalk-, Glasofen 26,5 der Hohe Ofen, ſ. unter hoch); in.engerer Bed, ein 
Stubenofen zur Erwärmung der Luft in einem Zimmer (ein eiferner, blecher— 
ner, Kachel-Ofen 21,5 den Ofen heizen; einen Dfen fegen, d. i. aufbauen; 
den Ofen hüten, hinter dem Dfen fisen, boden zc,, d. i. fid) gern am warmen 
Ofen aufhalten, daher f. froftig, mäßig u, bequem fein); uneig, eine noch nicht 
mit Pulver angefülte Minenkammer; oberd. ein emporragendes, durchklüf— 
tetes Zelfenftük, eine Felshöhle; Naturk, glühender Dfen, eine Art 
Schraubenfhneden: Goldmund; und eine Art Pojaunenfhneden: Schwanz: 
hornz — 3fes. der Ofenanker, eiferne Schienen zum Zufammenhalten der 
Ofenkacheln; das Dfenauge, ein Loch unter der Vorwand des Schmelzofeng, 
durch welches man das geſchmolzene Metall ausfliegen läßtz die Ofenbanf, 
eine Bank an ober hinter dem Ofen; die Dfenblafe, ein in den Stubenofen 

‚ oder deffen Brandmauer eingefegtes Eupfernes Gefäß (ſ. Blafe) zu warmem 
Waffer, auch: Ofenkeſſel, Ofentopf; der Ofenbrand, fo viel auf einmal 
in einem Ofen ‚gebrennt wird (z. B. ein Ofenbrand Ziegel, Töpfe 2c,); der 
Dfenbruch, Hüttenw, was ſich in einem Dfen anfegt u, herausgebrochen mer: 
den muſs; die Dfengabel, ein gabelfürmiges Eifen, das Holz im Ofen zurecht 
zu legen; der Ofenheizer; der Dfenhoder (vergl. Hoden), wer immer hin 
ter dem Ofen fist, auch Ofenſitzer, Ofenbruder; die Ofenkachel, 1. 
Rachel; die Ofenkrüde, ſ. Krüde 1.5 dad Ofenloch, die Mündung, od, 
auch das Rauchloch des Ofens; der Dfenmeifter, Hüttenw. Auffeher über 
einen Schmelzofen; die Ofenröhre, j. Röhre; der Ofenſchirm, ein zur 
Abwehr der Hige vor den Ofen geftellter Schirmz der Ofenſetzer, ein Töpfer, 
welcher Ofen fest; der Dfenftaub, Hüttenw, der Hüttenraud;, der ſich über 
den Schmelzofen anlegt; der Ofenwiſch, Bäd, ein Strohwifh an einer - 
Stange zur Reinigung des Ofen; — Ableit, der Dfener od, DOfner, -B, 
alt u. oberd, f. Ofenſetzer. 

offen, Bw. u, Nw. (altd, ofan, offan, wahrſch. Mm, v. einem Zw, ufan 
v. ber Wurzel uf; verw. mit Uf, auf; altnord. opinn, angelf, u. engl, open; 
f web. öppen, dän. aaben, niederd. apenz vergl, d. lat. aperio, apertus), 
überh, nicht eingefchloffen, nicht verfchloffen od. zugemacht 4. B. die Thür ift 
offen, das offene Fenfter, ein offener Zopf, mit offenem Munde, eine offene 
Wunde; einen mit offenen Armen empfangen, das ift mit ausgebreiteten, alfo 
freudig und liebreich: das offene freie Feldz eine offene Stadt, d. i. bie Feine 








i 
\ 


offen | 309 


Mauern und Thore hat, in engerer Bed, eine unbefeftigtes ein offener Wagen, 
d. i, ein unbedeckter; ein offener Brief, d. i. ein unverfiegelter; mein Haus 
fteht ihm offen, d. i. er hat darin freien Zutritt; uneig, offne Kaffe bei Jemand 
babenz den Himmel offen fehen, d. i, die höchfte Glückſeligkeit echoffen od. em⸗ 
pfindenz — offen und auf unterfcheiden ſich dadurch, dafs erfteres ein ſelb⸗ 
ftändiges Bw. und Nw. ift, lesteres hingegen nur in trennbarer Zſetz. mit Zw. 


als Nw, gebraucht wird, und zwar, wo es uberh. mit offen finnv. ift, immer 


in 3w,, die eine Thätigkeit oder Veränderung ausdrücken, fo dafs es die Er- 
Dffnung einer Sache dur den in dem Zw. ausgebrüdten Vorgang bezeichnet, 


z. B. aufmaden, = brechen, = fhließen, fchneidenz während offen das ſchon 


Gedffnete 09, überh. Unverſchloſſene ausdrückt; 3. B, mache die Thur aufs aber: 
die Thür fteht offen, verſch. v. er fteht früh aufs die Thür blieb offen, 
weil fie Niemand zumachte; aber er blieb lange auf, auslaff, f. aufgerichtet, 
außer Bette; die Knospe briht auf, d. i. Dffnet ſich; er brach den Brief auf; 


"aber ic) fand den Brief offen u, dgl. m.5 vergl. auf); in einzelnen beſtimm⸗ 


teren Bed. insbef, f. unbedeckt, entblößt (die offene Bruft z offener Froſt, de i. 
ohne dafs die Erde mit Schnee bedeckt ift)5 unbefeßt, unaudgefüllt (ein offe— 
ner Platz)3 unverſtopft (offener Leib, d. i, gehörige Leibesausleerung) 5; mit 
weiter geöffnetem Munde ausgefprochen (Sprachl. das offene e, d, i. das 
dunkle, dem & ſich nähernde in geben ꝛc., entg. dem gefchloffenen od. hellen 
in jeder 2c,)5 ferner uneig. f. erledigt (ein offenes Lehen, eine effene Stelle), 
frei (kandw. die offene Zeit, während welcher die Wieſen, Ader ꝛc. mit 
dem Vieh betrieben werden dürfen), unbefchränft (ein offener Wechſel, 
der auf Feine beftimmte Summe geftellt ift), öffentlich (offene Tafel haltenz 
offene Fehde; auf offener Straße 2c.); in geiftigem und ſittlichen Verſtande: 


| —— leicht us ſchnell begreifend (ein offener Kopf); frei, unver— 





ftellt und unverſteckt, nicht zurückhaltend und verfchloffen, ſinnv. auf- 
—9* freimuͤthig, offenherzig (eine offene Miene, ein offenes Weſen, offen 
ſprechen) ; — Bfes. der Offenbaſs, eine hölzerne Orgelpfeife von 16 Fuß; 
die Offenfloͤte, eine acht- und vierfüßige Orgelpfeife; offenherzig, Bw, 
ein offenes Herz, d, i, eine aufrichtige Gefinnung habend und darin gegründet, 
ſinnv. freimüthig, entg, zurückhaltend und verftellt (ein offenherziger Menfch, 
ein offenherziges Bekenntniſs); die Offenherzigfeit ‚, finnv, Aufrichtigkeit, 
Sreimüthigkeit; offenfundig, Bw., öffentlich od. allgemein befannt, land» 
kundig (fr. notorish); die Offenkundigkeit; das Offenftüf, Gärtn. ein 
offenes Luſtſtück (j. d.)5; — Ableit, offenbar ‚ Bw, (eig. wohl Zſetz. aus 
offen und bar, d. i. bloß, nicht Ableit. durch die Nachſ. bar, welche fonft 
mit feinem Bw. verbunden wird; hiernach erklärt fich aud eher die abweichende 
Betonung, daſs nämlich der Hauptton auf bar liegt), eig, das verft. offen: 
unbegrenzt, unbedecft (die offenbare See; landſch. offenbarer Froft fi offener 
od. Barfroft)z; gew. uneig, fiir Jeden fichtbar oder erfennbar, allgemein 


| dafür erfannt, nicht verborgen od. heimlich, augenfcheinlich (eine offenz 


bare Lüge; es ift offenbar richtig 2c. 3 ein offenbarer Feind); auch f. befannt, 
offenfundig (bibl, vieler Herzen Gedanken werden offenbar werben); offenbars 
lich, vie. Nw. f. offenbar, öffentlich ; offenbaren, ziel. Zw. (Mw, geoffen« 
bart od. offenbart), einem etwas oder ſich —, überh, offenbar 
machen, befannt od, erfennbar machen (Gott hat fi dem Menſchen duch 
feine Werke offenbart), in engerer Bed. etiwad Geheimes, Verborgened abs 


310 | oft 


ſichtlich und vollftändig befannt machen, finnv. anzeigen, entdecken, er⸗ 
öffnen, and Licht bringen (ein Geheimnifs offenbaren; ſich einem offenbaren, 
d. i, feine geheimen Gedanken u. Gefühle); insbeſ. übernatürliche Wahrheis 
ten, Religionölehren 2. bekannt und erfennbar machen (die geoffenbarte 
Religion); die Offenbarung, dad Offenbaren, die Bekanntmachung, 
Entdedung von etwas Geheimem od. Verborgenem; dad Geoffenbarte felbit 
(die Offenbarung des Johannes); insbef, die geoffenbarte Religion, und die 
heilige Schrift als göttliche Eingebung betrachtetz daher: der Dffenbas 
tungsglauben, der DOffenbarungsgläubige 25 die Offenheit, das 
Dffenfein, nur in uneig. fittl, Bed., finnv. Aufrichtigfeit, Offenherzigkeit, 
entg. Zurückhaltung und Verftellungs öffentlich, Bw. u,Nw. (altd. offanlih, 
offenlih), offen d. i. vor aller Augen feiend od. gefchehend, Allen ſicht— 
bar u. in,weiterer Bed. wahrnehmbar, od. zugänglich, entg, geheim, ver: 
borgen (auf Öffentlicher Straße; fich nicht Öffentlich zeigen; ſich Dffentlich hören 
lafienz etwas Dffentlich bekannt machen; ein Öffentlicher Ort, Garten; ein 
Öffentliches Haus 2c.)5 fich auf die bürgerliche Gefellfhaft, die Gemeine, 
den Staat beziehend od. damit zufammenhangend (ein öffentliches Amt be 
kleiden z ein Öffentliches Gebäude; die Öffentliche Ordnung); die Offentlich- 
feit, das Öffentlichfein od. = Gefchehenz aud f. v. w. Offenkundigfeit 
(die Sffentlickeit nicht fcheuen) 5 öffnen ‚ del. u. rückz. Zw. (altd. offanon, 
offenen), et was —, machen, dafs ed offen fei, edler als die finnv. aufs 
machen, aufthun, entg. fließen, (3. B. die Thür, ein Fenſter, eine 
Flaſche, einen Brief, den Mund, die Augen 26. —; uneig, einem die Augen — 
d. i. ihm Einfiht in etwas od, Kenntnifs davon verfchaffens eine Ader— 
ſchlagen; ein Geſchwür, einen Leihnam—, aufihneidenz die Laufgräben — 
fie durch Graben verfertigen); ſich —, -in ziellofer Bed. f. offen werden, 
aufgehen, aufgemacht werden (die Blume öffnet fi, d. i. entfaltet ſich; 
die Thür Dffnete fih, d. i. fprang auf, od. wurde aufgemacht; der Himmel 
bffnet jich, wenn fich die Wolken trennen) ; uneig. einem etwad—, ihm 
den freien Zugang, Genuſs, Gebrauch gewähren od. geftatten (die Vor: 
rathshäuſer dem Volke dffnen; ein Feld, eine Wieſe u. dgl.—, d. i. zur Vieh: 
weibe geftattenz fich eine Bahn —; dem Lafter Thür und Thor ffnenz; einem 
fein Herz —, d. i. feine Gedanken und Empfindungen offen mittheilen);, ehem. 
auch f. verſtaͤndlich, deutlich machen (bibl. die Schrift öffnen); der Offner, 
-d, ein grober Kamm der GSeidenweber, dur welchen die Kettenfäden ges 
zogen werben; Die Öffnung, M.-en, die Handlung des Offnens (die 
ffnung der Thür, eines Briefes 2c. gew. das Off nen); ber 3uftand des 
Offenſeins (nur von ber Leibesbffnung, 3. B. Feine Offnung haben, d. i ver: 
ftopft fein); die offene Stelle eined Dinges, ſinnv. Loch, Mündung (in 
der Mauer eine Öffnung laſſen, die Offnung einer Flaſche 2c.). 

oft, Nw. der Zeit, Comp. öfter (nicht dfterer!), Sup. oͤfteſt, am 
öfteften (nicht dfterft 2c.!) (goth, ufta, altd. ofto, ofte, Comp. oftor, 
ofter; angelf, u. engl. oft, often, ſchwed. ofta, dan. ofte, altnord. opt), 
überh. mehr als einmal, mehrmald, wiederhofentlich (ich denke daran, fo 
oft ich ihn fehes wie oft war er hier? ich fehe ihn öfter, als dich, jenen aber 
am öfteftenz; öfter, ald man glaubt ꝛc.); in beftimmterer Bed. vielmald, in 
vielfachen Wiederholungen, finno. häufig, welches jedoch mehr auf die 
Menge oder Mafje geht, oft hingegen immer auf zeitliche Wiederholung (vergl. 





[4 





m 


een u — fe 


oh — ohne 311 


es regnet oft, wobei body nicht viel Regen zu fallen braucht, und: es fallt häu— 
figer Regen; ich habe das oft gefehen, erfahren 20.5 mehr als zu oft, d,i. 
Öfter ald man wünſcht; ſprichw. unverhofft kommt oft); der Gomp. öfter 
wird als Nw. aud ohne ausdrüdliche Vergleichung f. ‚oft, mehrmald, mehr 
ald einmal gebraucht und in demfelben Sinne auch öfters (3. B. ich habe ihn 
fchon bfter od. bfters befucht); ferner ift öfter Bw, (ohne Gomparativ : Beb., 
wie inner, außer 2c. von innen, außen; ft. des altd, oftig) f. oft feiend od, 
gefchehend, mehrmalig (öftere Berfuhe machen, feine Öfteren Reifen 20.5 
zum dfteren, als Nm, f. oft, mehrmals); oftmals, alt u. oberd. auch 
oftmalen, dftermals, Nw., zu Öfteren Malen, f. v. w. oft, öfters; 
oftmalig, Bw., oftmals feiend ‚oder gefchehend (feine oftmaligen Befuche, 
T. v. w. Öfteren). 

oh, Empft,, f. o. 

Oheim, alt u, landſch. auch Ohm, Ohm, m., —es, Mi -e (altd. 
ohein, nieberd. Ohm, verkt. Ohmeenz angelf. eam; arab. am; vielleicht 
verw. mit Ahn; vergl. das lat. avus, avunculus), des Vaters oder der 
Mutter Bruder, ſ. v. m. Onkel; chem. u. noch niederd. (Ohm, Dhme) 
auch fr Neffe, Nichtez die Kaifer nannten fonft die weltlichen Kurfürften: 
Oheim; die Ohme, M.-n, vit. bibt. f. Muhme; die Obeimfchaft od, 
Ohmſchaft, der Stand, das Verhältnifs eines Oheims; die Verwandt— 
ſchaft; landſch. auch f, Geſellſchaft, Zunft 

SH, k, FD. | 

Ohm 1: Man f. Oheim; — Ohm 2., w., ohmen, ohmig ꝛc. f. 
Ahm ꝛe. — Ohm 3., m, landſch. f. Spreu vom Getreide, 

Dhmblatt, f., landſch.f. Klette. 

Ohmchen, fe, -5, M. w. E., landſch. f. Heimen, Hausgrille. 

Ohmkraut, fe, eine Eleine rauhe Pflanze, auf trocknen Feldern wach— 
fend, ein gutes Schaffutter (aphanes arvensis L.), auch Ackerſinau, Frauen— 
mäntelchen, kleines Nadelfraut 20.5 dad gemeine Kreuzkraut. 

‚ohne, Vw. u, Nw, (goth, inuh, altd. anu, ano, ane, urſp. ald Nw, u, 
Bm. f. v. w. aufer, ausgenommen, ohne einen beftimmten Fall zu fordern 5 
altnord, an; oberd. än, one; niederd. anez griech. &vev) 1) Bw, mit dem 
Ace. Mangel, Abweſenheit, Ausſchließung bezeichnend, entg. mit (z. B. 
er kann ohne dich nicht leben; ohne mich, ohne meine Hülfe kann es nicht ge: 
ſchehen; er ift ohne Freund; es waren zwanzig Perfonen da ohne die Kinder, 
b. mit Ausſchluſs der Kinder, die Kinder nicht gerechnetz bef. vor Wörtern in 
der Mehrh, od. vor Sammel: und Begriffswörtern mit Weglaffung des Artiz 
feld, 3. B. ein Baum ohne Blätter; ohne Geld, ohne Sorge, ohne Fehler, 
ohne Ende, ohne Unterlafs, ohne Zweifel, d. i. fo dafs nicht daran zu ziveis 
fein iſtz ohne Anſehn der Perfon, ohne Unterſchied; ohne Umftände! er ift 
ohne Rettung verloren, d. i. ohne gerettet werden zu Tonnen; ohne weite: 
zes, d, i. ohne weitere Umftändez durch Hinzufügung von alle obJeinige 
wird der Begriff des ohme verftärkt, z. B. ohne alle Barmherzigkeit, ohne 
einigen Verzugz nicht ohne f. mit drückt eine nad) Umftänden bald mil- 
dernde, bald nachdrückliche Bejahung aus (z. B. nicht ohne Nutzen; ich ſchied 
nicht ohne Beforgniffe 2c.); ehem, auch mit d. Gen. (daher zweifelsohne 
vlt. f. ohne Bweifelz eines Dinges ohne fein f. entbehren, einer Sache ohne 
werden f. los werden, vergl, anwerden), u. landfch, gem, mit d. Dat. (5. B. 


312 Ohnvogel — Ohr 


ohne großer Gefahr; ohnedem, unr. f. ohnedies); 2) ale Nw. u. Bhw. von 
derfelben Bed., insbef. a) landſch. u. Kanzl. ed ift nicht ohne, auslaff. f. es 
ift nit ungegründet, läſſt fich nicht leugnenz b) vlt. f. außer, ausgenoms 
men (bibl, es ift Eein Erbe ohne du und ich; wo ift ein Gott ohne der Herr ?); 
c) gew. in Verbindung mit dafs, od. mit zu und einem Infinitiv, den 
Mangel eined Thuns od, Umftandes, eine Unterlaffung ꝛc. bezeichnend 
(z. B. er Fam, ohne dafs er gerufen war, cd, ohne gerufen zu fein; er ging, 
ohne ein Wort zu fagenz er reif’te ab, ohne dafs ich es wuffte ꝛc.); — 3feg. 
mit-ohne als regierendes Bro,: ohnedies. od, ohnehin (niht ohnedem, 
f. 0.), Nw., ohne diefes, wenn diefes auch nicht wäre, finnv, außerdem (5.8. 
ich Hätte es ohnedies od, ohnehin gethan)z der Ohnehofe, M. -n, Neuw. f. 
das franz. Sansculotte, vergl. Barſchenkler; der Ohnefopf, ein Ding ohne 
Kopf; der Ohneſorge, Volksſpr. f, ein Mensch ohne Sorge (Hans Ohne: 
ſorge); — die Zfeg. mit ohn als nebenwörtliches Beftimmungswort, z. B. 
ohndenflih, ohnerachtet, obngeadtet, ohngefähr, ohn— 
längſt, obnfhwer x. find vlt, und durch undenklich, uneradtet, 
ungeadhtet, ungefähr, unlängft, unſchwer erfest (f. d. u, vergl, 
un); ausgenommen: die Ohnmacht, Abweſenheit od, Mangel der Macht, 
Kraftlofigkeit, Schwäche (die Ohnmacht feiner Feinde); gew. in engerer Bed. 
der Krankpeitszuftand, wobei ein Menſch auf einige Zeit vollig kraft- und be: 
mwufitlos wird (in Ohnmacht fallen, liegen); ohnmächtig „Bw., überh. 
machtlos, kraftlos; insbef. von einer Ohnmacht befallen (ohnmächtig fein, 
werden)s die Ohnmächtigfeit, das Ohnmädtigfein in: beiden Bed.5 — 
Ableit. ohnen od. ohnigen, ziel. Zw., völlig vlt. f. befreien, berauben, 
entbehren; ohnig, Bw.,, völlig vlt. f. befreit, beraubt, 

Dhnvogel, m. (geich. övorgörelos, d. i. Klapperefelz alſo nicht von 
ohne, fondern wahrſch. verw. mit d. griech, övos, Efel), oberd, f. Kropf- 
sand, Vielfraß, auch Efelfchreier genannt. 

oho od. hoho, ein Ausruf, um Stillftehen od. Innehalten zur gebies 
ten; aud als Empfl. zum Ausdruck des Widerſpruchs, des Zweifels od. 
ungläubigen Spottes. x A 

Ohr, ſ., -es, M. -en, Verkl. das Ohrchen, Ohrlein (goth. auso, 
altd. ôra, ore, altnord, eyra, angelſ. u, engl, ear, ſchwed. dera, dän, öre, 
holl. oor; griech. oös, lat. auris, franz. oreille; vergl. hören, goth. hausjan, 
altd. horjan mit d. lat. haurire, ſchöpfen), dad Werkzeug ded Gehörfinnes 
bei Menfchen und Thieren (day Außere, das innere Ohrz lange Ohren haben; 
einen beim Ohre zupfen; die Ohren Elingen, faufen, braufen, gellen mir, 
d. i. ich vernehme in den Ohren einen Elingenden, faufenden 2c. Schall; gem. 
einen hinter od. an die Ohren fchlagen, d. i. ihm eine Ohrfeige geben; fi) auf 
das Ohr legen, d. i. ſich fchlafen legen; ſich hinter den Ohren Fragen, alö Ges 
berde der Verlegenheit; es ift mir zu Ohren gekommen, d. i. id habe gehört, 


erfahren 20,5; uneig. fprihw. Redensarten find: einem das Fell über die Ohren _ 


. ziehen, gem. f. ihn um alles das Geinige bringen; bis über die Ohren in 
Schulden fteden, d. i. im höchſten Grade verfihuldet fein; es hinter den. Ohren 
haben, d. i. Elüger od. fchlauer fein, ald man zu fein fcheintz fich etwas hinter 
die Ohren fchreiben, d. i. es ſich forgfültig merken; hinter den Ohren noch nicht 
troden fein, d. i. noch fehe jung und unerfahrenz die Ohren hangen lafjen, 
d, i. muthlos und niedergefhlagen fein; die Ohren ſpitzen, d. i. genau zuhören 








Ohr 313 


od, horhenz; einem beftändig in den Ohren liegen, d. i, ihm immer von ber= 
felben Sache vorreden; einem bie Ohren Eigeln, d. i. ihm etwas Angenehmes 
od, Schmeichelhaftes ſagen z tauben Ohren predigen, d, i, Menfchen, bie nicht 
hören wollen, ermahnen; ein offenes Ohr finden, d. i, geneigtes Gehör; id) 
bin ganz Ohr, d, i. ich höre aufmerkfam zus thue die Ohren auf, d, i. höre 
zu, u. dgl, m,)3 uneig. verfchiedene ohrähnliche Dinge, Hervorragungen 
od. Vertiefungen, 3. B. die Ede od, der Anfag am Schloffe einer Schnede; 
Landw, zwei längliche, krumme Hölzer an einem Hakenpfluge; auch das 
Strichbrett eines Pfluges; Bauk. ein Fleines Gewölbe in und an einem größe: 
ven; Sciffb. der über: od, ausgebaute Theil eines Schiffes; die Zapfen einer 
Kanonez die krummen Widerhafen an der Büchfe eines Rades; die umgebo= 
gene Ede des Blattes eines Buches (Efelsohr); das rauhe Ohr, eine 
Art Stahelfchnedenz das Ohr der Diana, eine Art Flügeljchneden 5; — 
Bfeg.v. Ohr: der Ohrbock, landſch. gem. ein Geſchwür hinter dem Ohre, 
auch Ohrdrüfe, Ohrenbeule 20,5 Anat, ein Theil deö Außeren Ohres: die vor— 
dere Ohrede, od. dad vordere Ohrblatt, z. U, v. dem hinteren Ohrblatt 
od, dem Gegenbock; tie Ohrdruͤſe, die größte Speicheldrüſe, unter dem 
äußeren Ohre liegend; die Ohreule, eine Gattung Eulen mit ohrähnlich em= 
porragenden Federn zu beiden Seiten des Kopfes: die große Ohreule od. 
der Uhu, die mittlere, wdieEleine Ohreulez die Ohrfeige (wahrich. 
nicht v. Feige ald Frucht, fondern verw. mit fegen 2c.3 altd, orslac, niederd. 
Ohrbatſche 2c,), ein Schlag mit der flachen Hand an das Ohr oder auf die 
Bade, gem. auch Maulfhelle, edler: Backenſtreichz ohrfeigen, untrb. ziel. 
Zw., einen —, ihm Ohrfeigen geben; der Ohrfinger, Kleine Fingers; der 
Dhrflügel, der obere abſtehende Theil des äußeren Ohresz ohrfürmig, Bmw. 5 
das Ohrgehänge, od. =gehenk, gem. auch die Ohrbammel od. = bom= 
mel, wenn es ein bloßer Ring ift: der Dhrring, zierlihe Gehänge von edlem 
Metall, Perlen, Ebelfteinen u, dgl., als Schmud in den Ohren getragen; 
dad Ohrgemwölbe, f. 0. Ohrz der Ohrfäfer, f. v. w. Ohrwurm; das 
Ohrkiſſen, ein kleines Kopfkiffen, worauf man das Ohr legt; in einer Kut- 
The ein Kleines Winkelkiffenz; der Ohrlack, Mal, eine Art Lad, welche ehe- 
mals in Geftalt von Ohren zu uns gebracht wurde, z. U, v, Holz: u. Plattladz 
dad Ohrläppchen, der unterfte, gerundete, herabhangende Theil des menſchl. 
Ohres, landſch. au der Ohrzipfel, oberd. gem. das Ohrwaſchel z das 
Ohrloch, die Augere Höhle des Ohres; ein in das Ohrläppihen geſtochenes 
Loch zum Tragen eines Ohrgehänges; der Ohrlöffel, ein Löffelhen zur Rei: 

nigung des Ohres, oberd. der Ohrgriebel, -griffel;z eine Art Stachel: 
ſchwämme; eine Art Schraubenfchneden;z das Ohrmaal, in Schäfereien: 
ein Maal od, Kennzeichen in den Ohren der Schafez die Ohrmufchel, die 
innere muſchelfbrmige Höhlung des Aufßeren Ohresz; eine Art Bohrmufceln z 
der Ohrring, ſ. Ohrgehängez die Ohrfchnede, eine dem Menſchenohr 
ähnelnde Schnedenart, Meerohr, Seeohr 20,5 die Ohrtaube, eine Art Zur: 
teltaubenz der Ohrwurm, ein glängendbrauner Käfer mit einer Zange am 
Schwanze, von welhem man wähnt, er krieche gern in die Ohren, auch Zan— 
genkäfer, Ohrkneiper, =bohrer, Ohrengrübler zc, genannt, 
(prichw. „er ift fo freundlich wie ein Ohrwurmdhen, 4 weil diefer Käfer fehr 
ſchnelle, gefhmeidige Bewegungen mat); aud eine Art Affeln mit zangen- 
fürmigem Schwanze; Jäg. eine Ohrenkrankheit der Iagbhundes die Ohrs 


314 She — Dftober 


zange, eine Zange mit zwei Widerhafen an der Spige jeber Kneipez — von 
Ohren; das Ohrenband, Anat. verfhiedene Bänder in der Gegend 
des Ohres; die Dhrenbeichte, Beichte einer einzelnen Perfon, dem 
Beichtvater ins Ohr gefagt, 3. U. v. der allgemeinen Beichte; der Ohrenblaͤ— 
fer ‚ die Ohrenbläferinn, wer Jemand nachtheilige Dinge von Andern heim: 
lic) mittheiltz daher: die Ohrenbläfereiz das Ohrenbraufen, =faufen, 
=Flingen, das Braufen 2c. in den Ohren (f. 0, Ohr); der Ohrendrath, ein 
nad) dem Ohre eingebogener Drath, um Ohrgehenke daran zu tragen, ohne 
die Ohrläppchen zu durchſtechenz der Ohrenkitzel, ein Kigel in den Ohrenz 
uneig, die Begierde nad Neuigkeiten 5 aud was die Ohren Eigelt, d, i. was 
man gern hörtz die Ohrenmorchel, eine Art runder Mordeln, verſch. 


Spitzmorchelz der Dhrenräumer, Ohrlöffel (ſ. 0,); die Ohrenſchlange, 


eine kleine dunfelgraue Schlange, bie gern in die Ohren der Menſchen kriechen 
fol; dad Ohrenſchmalz, eine gelbe, fettige Maſſe, die fi) in dem Gehör: 


gange abfondertz der Ohrenfchmaus, uneig. ein Genufs für das Ohr, vi. 


den Gehdrfinn; der Ohrenfchmerz, wenn ex heftig ift auch: Ohrenzwang, 
die Ohrenklemme; der Ohrenſchwamm, ein ohrförmiger Becherſchwamm, 
das Sudasohrz der Ohrentaucher, eine Art Taucher mit einem großen Ge: 
derbüfchel neben jedem Auge, der gedhrte Taucher; der Ohrenzeuge, wer 
etwas bezeugt, was er ſelbſt gehört hatz — Ableit. öhren, ziel, Zw,, mit 
Ohren verfehen, nur das Mw. geöhrt ald Bw. gebr, (5. B, ein ſchön ge: 
ohrtes Pferd; ohrig od. ührig, Bw., Ohren habend, nur in Zſetz. wie 
große, lang-, dickohrig 2c,; der Ohrling, -ed, M.-e, Ohrwurm. 

Ohr, fe, -8, M.-e, Verkl. dad Shrchen, Öhrlein (Nebenform 
von Ohr; engl, ear, niederd. Ohfe, sken, ſchwed. hösja, holl. heuse), 
eine rundliche Offnung, in einzelnen beftimmten Anwerdungen, namentlich; 
dad Ohr einer Nadel, Nadelöhr (1, 8.);5 einer Senfe, eines Beiled xc,: 
das Loch, in welchem der Stiel ſteckt; aud der Henkel, die Handhabe an 
Zöpfen u, a. Geſchirren ein Fleiner Ning od, rundgebogener Drath, zur 
Befeftigung dienend, 3.B. an Münzen ein am Rande befeftigter Ring, mit: 
telft defjen fie an einem Bande um den Hals gehängt werden können ; an Kind: 
pfen die angelötheten kleinen Ringe, mittelft deren fie an Kleidungsſtücke ge- 
näht werden; insbef. ein rundlicher Drathring, in welchen ein Haken eine 
greift, zur Befeftigung von Kleidungsftücden u. dgl, 5 oͤhren, ziel. Zw. mit 
einem Ohre verſehen (eine Nähnadel ꝛc.). 

Ohre od, Ohre, w., M.-n, landſch. f. der Ahorn, 

Dhfe, w., Mn, niederd. f. Öhr, ſad. 

Ohſt od. Doft, Ohſtmonat, m., vlt. u. landſch. gem. f. Auguſt, Ernte— 
monat; ohften, 3m. f. ernten; daher: der Ohſtknecht, das Ohftwet- 
ter, die Opftzeitw.dgl.m. 

Dfelei, w., ſ. Ukelei; — Oker 1., m., ſ. Oder. 

Dfer?., m, -?, M. -n (wahrſch. verw, mit Ede, ſ. d.), niederd. der 
fpige Winkel; den der untere Theil des Daches mit dem Boden bildet, 
und diefer Theil des Bodens felbft ; in Hamburg heißt der ganze oberfte Haus: 
boden: Ofen. 


Dftober, m., -3, M. w. E. (von dem lat. October, v. octo, acht, 


weil es urfpr. ber adyte Monat war), der zehnte Monat ded Jahres, Wein— 
od, Windmonat, 


—— 





Öl, ehem. gew. Shl, fe, -ed, Ms -e (goth, alev; altd. olei, "oli; 
niederd. Dlje; altnord. olia, angelf. ele, engl. oil, ſchwed. olja; böhm. 
oleg, franz. huilez; lat. oleum, grich. «or; das deutjche Wort ſchwer— 
Yid) aus dem Latein. hergeleitet, fondern mit diefem von gleiher Wurzel: al, 
daher altnord. ala, lat. alere, nährenz alfo: nährente, fette Stüffigteit 3 
vergl. das angelf. eala, engl. ale, ſchwed. oel, nieberd, hl f. Bier), eine 
fette, brennbare und im Waffer nicht auflöslihe Flüffigkeit, aus thie: 
riſchen u. bef, Pflanzen: Stoffen gezogen; (man unterſcheidet: flüchtige od. 
wefentlide Dle, 3. B. das Alant:, Anis:, Dil:, Fenchelbl 26,5 fette 
od. milde Dle, 3. B. das Ameifendt, Eierbl, der Thran ac., und bef, aus 
Pflanzenftoffen: das Baum:, kein, Mandel:, Nuſs-, Rübdl 2c.53 brenz: 
liche od, ſtinkende Dle, 3. B. Bernftein u, Hirſchhornbl)3 in engerer 
Bed. gew. dad ÖL, deffen man fidy an Speifen bedient: Baumoͤl; oder 
zum Brennen, meift Ruͤb- od. Leinoͤl (Öl preffen, ſchlagen, d. i. es duch 
Preſſen od. Stampfen aus Früchten od. Samenkbrnern gewinnen; in Sl ma: 
len, d. i, mit Dlfarben 5 ſprichw. HI ing Teuer gießen, d. i. eine Leidenſchaft 
noch heftiger aufregen, ein Übel ärger machen); uneig. verfchiedene dem Si 
ähnliche, aus Erd- od. Steinarten kuͤnſtlich bereitete od, natürlich er= 
zeugte Flüffigfeiten (Erd: ‚ Steindl, Vitriol-, Weinftein:, „Kupferdt 2c,) 5 
— 3fes. das Dlbällchen, ein Eleiner Ballen der Kupferdruder zum Abs 
wifchen der Kupferplattenz der Ölbaum, ein im ſüdl. Europa wachfender 
Baum, aus defien Früchten das Baumdi geprefit wird, Dlivenbaum, feit 
alter Zeit ein Sinnbild de? Friedens und des ftillen häuslichen Glücdesz; der 
wilde HElbaum, ein in Böhmen, Spanien ꝛc. wachſender Baum mit oli- 
venägnlichen Früchten (böhmifcher Sltbaum); auch f. Lebensbaum; das Sl⸗ 
baumharz, . u. Olftraud) ; die Ölbeere, die Frucht des Ölbaums , gew, 
Olivez der Dlberg, ein mit Ölbäumen bewachfener Berg, bef. der durch 
Chriſti Leidensgefchichte befannte Berg bei Serufalem; das Slbild, ſ. Öige: 
malde; die Olblaſe, eine kupferne Blaſe, worin die Maler das DI zu Fir⸗ 
niſs, die Kupferdruder ihre Schwärze aus Nuſsbl kochen; das Dlblatt, ein 
Blatt vom Slbaumez dad Olblau ‚ Mal, die beite Schmalte, weil ſie mit 
einem lfirniſs aufgetragen werden kann; die ldruſen 9 E. (vergl, Dru: 
fen), der dide Bodenſatz des Hles: die Ölhef enz auch die Überbleibſel der 
ausgepreſſten Oliven: Dltrefterz die Slfarbe, mit Lein⸗, Nufe- od. Mohnbl 
od, einem daraus gefottenen Firnifs angemachte Malerfarbe; das Slfaſs; 
die Olflaſche; der Olflecken od, -fleck; der Olgarten, ein mit Ölbäumen 
bepflanzter Garten ; ölgelb, Bw., von der grünlich gelben Farbe des Dles; 
das Olgemaͤlde, ein mit Ölfarben gemaltes Bild; der Olgoͤtze, vieleicht 
urfpr. ein Götzenbild, welches man mit DL zu falben pflegtez baber im Senne: 
bergifchen ein mit Hl beiriefter Sampenpfoften 5 gew. uneig. ein bummer, trä= 
ger Menfchs der Ölyandel; der Ölhändler; die ‚Dlhauf, eine Art mit 
Hlfienife überftrichenes Pergament; die Olhefen, ſ. Sldruſen; das Ölyorn, 
ein hornförmiges Dlgefüßz Naturk, die größte Art Schrauben» od, Mond: 
ſchnecken z der Olkaͤfer, Maiwurmz die Olkelter, ſ. v. w. Hlpreſſe; das 
Dlfind, bibl. f. ein Geſalbter; ber Olkitt, ſ. Kittz der Olfrug, ein 
Krug zu Sl; der Slkuchen, mit DI gebadener Kuchen z aus Oltreftern ges 
formte Kuchen zum Viehfutter (kein, Hanfkuchen r2c.)3 eine Art Stachel⸗ 
— die Öllampe, ſ. Lampe; die Olleſe, Oliden-Erntez der Öls 


316 Dlantbaum — Oper 


maler, der mit Hlfarben maltz die Ölmalerei, das Malen mit Dlfarben ; 
aud ein Olgemäldez die Olmühle, eine Stampfmühle, in welcher ÖI ge: 
Thlagen wird; der Olmüller, Eigenthümer einer Ölmühle, auch Olſchlaͤ⸗ 
ger; die Olpalme, eine Palmenart, aus deren Früchten das Palmbi ge: 
wonnen wird; die Ofpreffe, 1. Preffes der Olrettig, eine Art Rettige in 
China, aus deren Samen HI geprefit wird; das Ölröschen, Yandfh. f, 
CHriftwurz, ſchwarze Nieswurz; der Dlfamen, Rüb- od, Leinfamen; der 
Slſtein, ein mit Erdbi durchdrungener Stinkſtein in Tirolz auch ein mit DI 
zu befeuchtender Wesftein; der Olſtrauch, ein Strauchgewächs in Brafilien, 
welches das fogen, Slbaumharz liefern ſollz der Olzucker „ mit Zucker ange: 
riebenes flüchtiges Ol; der Olzweig, Zweig von einem Slbaum, als Sinn: 
bild des Friedens; — Ableit, Ölen, ziel, Zw., mit Oi verfehen, trans 
fen, beftreichen (den Salat; ein Schloſs —, mit Di fhmierenz gebltes Pa: 
pier); mit DI falbenz daher: die letzte Olung, in der Eathol. Kirche die 
Salbung eines Sterbenden mit geweihetem Hle; ölenzen, zielloſ. 3w., vlt, 
f. nad) Ol riechen od. ſchmecken; der Olerer, -8, dftr. f. Seifenfieder; 
oͤlicht, Bw., dem Öle ähnlih; oͤlig, Bw,, Öl enthaltend, gebend; 
mit Ol vermengt, beftrichen,, befleckt. 

Dlantbaum, Ditbaum, m., landſch. f. Ahlbaum, Traubenfirfch- 
baum, 

Olb, Olbs od. Olbſch, m., -ed, M. -e (altd. albiz, alpiz, altnord. 
alft; v. d. altd, alba, altnord, elf, Fluſs), Alt u, noch ſchweiz. f. Schwan. 

Dibend, Dlbent od. Dlfent, ſ., -*d, M. -e (goth, ulbandus, altd, 
olpenta, w.; angelf. olfend; aus d, griech. Mepas, Elephant, entft.), vit. 
f. Kameel; aud andere große Thiere. 

Dleander, m., —s, M. w. E., die Lorberrofe (f. d,)5 wilder 
Dieander, Schotenweideric), A 

Dleib, f., -S, M.-e, 08, verkl. Dleibel, im Elſaſs f. Überbleibſel. 

Dlive, w., Mi -n (v. d, lat, oliva; franz, olive), die länglichrunde, 
gelbgrüne Frucht ded Olbaumd, Olbeere; daher: die Olivenfarbe; oli= 
venfarben od. olivengrün, Bw.; das Dlivenerz, =Fupfer, olivengrünes 
Kupfererz; olivenfürmig, Bw.; der Dlivenfern, uneig. eine Art Rollen: 
od, Walzenfchneden; dad Dlivenöl, Baumbl; der Dlivenftein, olivenför: 
mige Steine. 

Dig, DIE, w., M.-e, landſch. f. Zwiebel. 

D lm, m., -es, Ms -e, 1, altu, landſch. f. Molch (ſ. d)3 — 2. niederd, 
f. Mulm, Faͤulniſs; daher olmig, olmerig, Bw, f. mulmig, faulend; 
olmen, zieltof. 3w. f, faulen, modern. ’ b 

Dlfenih, fr, —s (landſch. auch Olsnich, Dlferih, Ölnich, Alſenach, 
Slswurz; wahrſch. verderbt aus d, Lat, selinum), eine zum Geſchlecht der 
Silge gehörende, in Thüringen wild wachſende Pflanze (selinum silvesire L.). 

Dltbaum, m., f. Olantbaum; — Oltwurz, w., landſch. f. Want. 

Dmat od, Omahd, fi, Ses, o. M. (altd. amad, oberd, auch Amat, 
Dmd, Omdz v, Mahd, mähen), oberd. f. Grummet, Nachheu. ’ 

Onkel, m., -8, M. w. E. (aus tem franz, oncle, u. dieſes verkürzt 
aus dem lat. avunculus), f, v, w, Ohein. 

Oper, w., M.-n (0, d, ital, opera, unter welchem Namen diefe Schaus 
Tpielgattung im A6ten Sahrh, in Stalien aufkamz eig. überh. Wert, Kunſt— 











i Opfer 317 
wert, v. d. lat, opus, dem Ötegreiffpiel entg.), ein Singfpiel, mufifali= 
ſches Schaufpiel, di. ein dramatiſches Gediht, das entweder burdgängig 
fingend und unter Mufikbegleitung vorgeftellt wird: große Operz oder in 
welchem Gefpräh und Gefang abwechſeln: Singfpiel in engerem Sinne, 
Liederfpiel (fr. Operette) 5 daher der Operndichter; dad Opernhaus; der 
Dpernfänger, die Opernfängerin; der Opernguder od, das Opern- 
glas, eine Art kleiner Ferngläfer, ‘ 

Opfer, f, -d, M. w. E. (altd. opfar, opphar,opher; altnord. offr, fejwed. 
u. dän. offer; v. d, lat. offerre, darbringenz daher engl. offering; franz, of- 
frande v. offrir), jede der Gottheit od, auch einem Gösen als Zeichen der 
Verehrung, ded Danfed ꝛc. dargebrachte Gabe, die chem, an einem ge— 
weiheten Ort, auf einem Altar 2c. niedergelegt, od, auch verbrannt wurbe (ein 
biutiges od. Schladhtopfer, d. i. ein lebendes Geſchöpf, welches der Gottheit 
gefchlachtet wurde, entg. unblutige Opferz Brand», Dank-, Suhnopfer ꝛc.)5 
uneig. Gebete od. Geſaͤnge zur Verehrung der Gottheit (Dank:, Mokgen-, 
Asendopfer)s in weiterer Bed. jedes der Kirche und den dabei angeftellten 
Personen dargebrachte Geſchenk, 3. B. das Beiht:, Tauf-, Mefsgeld ıc, 
(daher: zum Opfer gehen, landſch. f, das Mefögeld auf dem Altar darbringen), 
uneig. jede Sache od. Perfon, die für eine andere gleich]. dargebracht, 
d, i, hingegeben, aufgeopfert wird, od. ſich felbft dafür hingiebt, d. i. 
untergeht od, doch ein Ubel erleidet (3. B. er ift das Opfer der Freiheit gewor- 
den; die Gerechtigkeit fordert ein Opfer; einem fein Liebſtes zum Opfer brin= 
gen); Alles, deffen Beſitz oder Genuſs man fich um eines Andern willen 
verfagt (ich habe ihm viele Opfer gebracht u. dgl.)5 opfern, ziel. Zw. (altd, 
epharon, opferon; angelf. ofirjan), etwas —, ald ein Opfer darbrin= 
gen (ein Thier, Früchte 26,5 uneig, Gott feinen Dant—); Geld. ald freiwil= 
lige Gabe an die Kirche od, für den Öeiftlichen darbringen, bef, auf der 
Altar legen; uneig. um eined Andern willen hingeden, preiögeben, fih 
einer Sache begeben, vergl. aufopfern (einem etwas, fein Liebftes, fein 
Glüdz,—); der Opferer, -8, wer opfertz die Dpferung, das Opfers — 
3feg. v. Opfer u, opfern: der Opferaltar, =herd, =tifch, Altar ꝛc. auf 
welchem geopfert wird; der Opferbrauch od. gebrauch; das Opferfeftz 
dad Opferfeuer, die Opferflamme; das Opferfleifch, Fleiſch des Opfer- 
thiers; die Opfergabe, als Opfer dargebrachte Gabe; das Opfergefäß, 
»geräth ec.ʒ das Dpfergeld, der Opferpfennig, geopfertes Geld (f, 0.) 5 
nieberd, auch ein Handgeld, welches man dem Gefinde giebt, das man behalten 
will; der Opferfaften, Opferftod, ein Kaften in der Kirche, in welchen dag 
Opfergeld gelegt wird; der Opferkelch, der Kelch mit dem Weine zum 
Abendmahl; der Opferfuchen, Kuchen, welche ehem, der Gottheit geopfert 
wurden; dad Opferlamm, ein Lamm als Opferthierz; uneig. Chriſtus als 
unſchuldiges Opfer für die Menfchheit; dad Opfermahl, der Opferfchmaus, 
Feſtmahl beim Opfer; der Opfermann, niederd, f, Kirchner, Küfter, der 
das Opfergeld in Empfang nimmt; das Dpfermeffer, der Opferftahl, zum 
Opfern gebrauchtes Schlachtmeſſer; der Opferpriefter, die Opferprieftes 
rinn, das Opfer verrichtender Priefter 2,5 die Opferfchale, Schale zur 
Auffangung des Blutes der Opferthiere, od, zur Darbringung eines Trank— 
opfers; das Opferthier, jedes geopferte od, zum Opfer beftimmte hier z 


318 Oppenwall — ordentlich 


der Opfertod, Tod eines als Opfer fallenden Gefchöpfes, bef, eines ſich auf: 
opfeenden Menfchen, R ; 

DOppenwall, m., nieberd, Waſſerb. dad Ufer, von welchem der Win 
herweht. 

Drant, m, — es, o. M., eine Pflanze, auch Dorant, wildes Loͤ— 
wenmaul, Staͤrkkraut ꝛc. (antirrhinum orontium L.); auch der gemeine 
Doſt od, Wohlgemuth (origanum vulgare L., griech. öolyavov, woraus 
wahrſch. das deutfche Wort verderbt ift), 

Drden, m., -8, M. w. E., (0, d. lat, ordo, ordinis, Reihe, Orb: 
nung, Stand; engl, order, franz. ordre), überh. ein Stand, d, i. eine 
Sefammtheit von Menfchen derfelben Urt (fcherzh. der Männer:, Weiber-, 
Zunggefellen: Orden 26,)5 in engerer Bed, eine durch gewiffe Geſetze, Re— 
geln od. Vorſchriften zu einem Ganzen verbundene Gefellfchaft od. Vers 
brüderung (geiftiihe, Mönchs-, Nonnenordenz weltlide, Ritterorden 2c,) ; 
eine zu gewiffen Zwecken verbundene geheime Geſellſchaft mit eigenthüm— 
lichen Gebräuchen, Sinnbildern, Abzeichen (3. B. ber Freimaurer: Orden) 5 
cuc das aͤußere Abzeichen einer ſolchen Gefellfchaft, u, insbeſ. ein von 
einem Fürften ertheiltes Ehrenzeichen, in einem Stern, Kreuz u. dgl, be: 
ftehend, welche man auf das Kleid geheftet od. an einem Bande trägt (einen 
Orden haben, tragen; der Orden des goldenen Vließes, der ſchwarze u, rothe 
Adlerorden u. dgl, m.)5; — 3fes. dad Drdensalter, das zur Aufnahme in 
einen Orden erforderlie Alters das Drdensband, ein Band als Ordens: 
od, Ehrenzeihens der Drdensbruder, die Drdensfchweiter, Mitglieder 
von Orden, bef. geiftlihen; fo auch das Drdensglied, der Ordensmann, 
Ordensleute od. =perfonen 2c.; der Drdensgeiftliche, ein Fathot. Geift- 
licher, der zugleich Glied eines geiftlichen Ordens ift, z. U. v. Weitgeiftlicher 5 
die Ordensgeiftlichfeit, die Gefammtheit der Ordensgeiſtlichenz das Dr- 
denskleid, die Ordenskleidung; das Drdensfreuz, ein Kreuz als Or— 
denszeichen Der Drdensmeifter, der Borgefeste eines Ritterordens; die 
Drvendregel, die Regel od, der Snbegriff der Vorſchriften für die Mitglieder 
eines Ordens; der Ordensritter, Mitglied eines Ritterordens; das Or— 
denszeichen, das Ehrenzeichen eines weltlichen Ordens. 

ordentlich, Bmw: u. Nw. (oberd. ordelich, ordlichz altd, ordenlich, v. d. 
althochd. ordo, m., ordena, w., d. i. Ordnung, Neihenfolgez bibl, Or: 
den f. Ordnung: nad) dem Orden ihres Alters; ſchwerlich aus d. lat. ordo 
entlehnt, fondern mit diefem urverwandt, d. i. von gleicher Wurzel), überh. 
der Ordnung, Neihenfolge, geregelten Einrichtung gemäß od. diefelbe 
befolgend, finnv. geregelt, regelmäßig, entg, unordentlich (etwas or: 
dentlich legen, ftellen ze. 5 etwas ordentlich erzählenz eine ordentliche Haushal- 
tung, Wohnung, d. i, eine gehörig eingerichtete 3 eine ordentlich gehende Uhrz 
ein ordentlicher Menſch, der in feiner Lebens- und Handlungsweiſe eine gewiffe 
Ordnung beobachtet; ordentlich leben, d. i mäßig und regelmäßig, nicht aus— 
ſchweifend 2c.) 5 insbef, der gefegmäßigen Einrichtung, Befchaffenheit, Vers 
faffung gemäß od. dazu gehörend, finnv. regelmäßig, verfaffungsmäßig, 
entg, außerordentlich (die ordentliche Obrigkeit; ein ordentlicher Lehrer, 
Richter 2c.), daher auch f. gewoͤhnlich (feine ordentliche Mahlzeit haltenz or— 
dentlicher Weife 2c.)5 der gewöhnlichen Form gemäß, finnv, foͤrmlich, ge= 
hörig, vollftändig (eine ordentliche Hochzeit z das Licht ift nicht ordentlich 

















Orẽego — Orf 319 


gepugt) 3 daher im gemeinen Leben auch häufig f. recht, wahrhaft, wirklich, 
in hohen Grade (4. B. das heißt ordentlid) getrunken! fie fagte uns orbent: 
liche Grobheitenz er nahm es ordentlich übel; es ift ordentlid) Ealt, u. dgl. m.)5 
die Ordentlichkeit, dad Ordentlichſein, die ordentliche Beſchaffenheit; — 
ordnen, ziel. 3w, (altd. ordinon, ordenen; lat, ordinare), die Folge 
eined Mannigfaltigen od. einer Mehrheit von Dingen nad) einer ge— 
meinfchaftlichen Regel beftimmen, u, jedem einzelnen feine gehörige 
Stelle anmeifen (eine Bücherfammlung, die Truppen, mehre Perfonen nad) 
dem Alter, der Größe, dem Range 2,5; feine Gedanken über etwas, den 
Stoff zu einee Schrift 2..—), überh. mit einer höheren Negel uͤbereinſtim— 
mend einrichten, gefehmäßig beftimmen, finno. regeln, anordnen, Iei= 
ten (feine Begierden ordnen; Gott ordnet die Schickſale der Menfchen); alt u. 
Landfch, auch f. verordnen, befehlen (bibl, wie ich ihnen geordnet habe), und 
f. einfeßen, ernennen (bibl, Gott hat geordnet die Herrfchaftenz id) ordne 
dich zum Diener 26,)5 der Ordner, -8, die Ordnerinn, mer etwas ord— 
netz Neuw. f. Vorfteher (fr, Director); die Ordnung, M. -en (altd, or- 
dinunga), 1) felten die Handlung ded Ordnens, gew. dad Ordnen, die 
Unordnung; 2) dad Geordnetfein, überh. die Art und Weife, wie etwas 
geordnet ift, die Folge od, Reihe der Dinge od, Theile in Raum und Zeit 
(die Ordnung der Worte in einer Rede; eine gute od, ſchlechte Ordnung z die 
Ordnung eines Zuges 2c,)5 insbeſ. die richtige od, regelmäßige Folge od. 
Stellung, u, in weiterer Wed, jede geregelte, gef = od, vorfchriftmäßige 
Einrichtung, entg. Unordnung (die Truppen in Ordnung ftellenz; eine Samm- 
lung, feine Uhr, feinen Anzug in Ordnung bringen, halten 26.3 die Ordnung 
lieben; ſich an eine gewiffe Ordnung gewöhnenz die Ordnung der Natur, d. i. 
die gefeginäßige Folge ihrer Veränderungen; die bürgerliche Ordnung); Bauf, 
das feftgefeßfe Berhältnifs eines Ganzen und feiner Theile (die Säulenord: 
nungen); 3) die geordneten Dinge felbft, eine geordnete Gefammtheit, 
finnv. Klaſſe (die Schüler der erften Ordnungz die Ordnungen der Naturkör- 
per u. dgl); 4) die Regel od, der Inbegriff der Vorſchriften fir die Ein— 
tihtung, dad Verhalten od, die Handlungsweiſe (Gottes Ordnungz die 
Lebensordnung bie Brau:, Feuer-, Gerihts-, Hof-, Kleiver:, Markt: 
Ordnung u. dgl, m.); Bes. ordnungsgemäß od. ordnungsmäßig, Bw, 
der Ordnung gemäß; ordnungslos, Bw., ohne Ordnung; die Ordnungs⸗ 
liebe, Liebe zur Ordnung; ordnungsliebend, Bw.; der Ordnungsſinn, 
der. Sinn für Ordnung und die Neigung dazu; ordnungswidrig, Bw., der 
guten Ordnung zwoiderlaufend; die Drdnungszahl, das Orbnungszahl- 
wort, Sprachl. die von den Grundzahlen (f. d,) abgeleiteten Zahlwörter, 
welche auf die Frage ber wie vielfte? einzelnen Dingen in einer Reihe ihre 
beſtimmte Stelle anweifen (3. B. der erfte, zweite, dritte 2c.). 

Drego, mu, -8, o. M. (verderbt aus d. lat. origanum creticum)y 
nieberd, der Fretifche Doft, zu Salat und ald Gewürz gebraucht. ’ 

Drelbaum, m, , landſch. f, Mehlbeerbaum, 

Drengel, m., -8, o. M., landſch. f. Manndtreu (eryngium L., aus 
welchem lat, Namen Orengel verberbt ift). 

Orf, m, —es, M.-0, od, die Orfe, M. -n (andſch. auch Urf, Erf, 
Orbe, DOrfling, Nörfling genanntz lat, orphus, griech. Sgpos), der Gold— 


320 Orgel — Ort 


braſſen od. die Goldforelle; die weiße Orfe, in Sachſen: ein dem Orf 
ähnlicher weißer Fiſch. 

Orgel, w., M.-n, Verkl. dad Orgelchen (althochd, organa, w., 
mittelhochd. orgen, orgil; engl, organ, franz. orgue, mittl, lat, organum 
vom griech. Sgyaror, Werkzeug und insbef, Tonwerkzeug), ein aus vielen 
Pfeifen zufammengefegted Tonwerkzeug, in weldem die Töne mittelft des 
durch Blafebälge in die Pfeifen gebrachten Windes durch Niederdrüden der Ta— 
ften eines Griffbrettes hervorgebracht werden, beſ. zu kirchlichem Gebraud) (bie 
Orgel fpielen, ſchlagen) ; aud der erhöhete Drgelplag in der Kirche; in 
weiterer Bed, ähnliche Tonwerkzeuge im Kleinen (Hand, Drehorgelz f. 
auch Waffervogel); uneig. ein aus mehren Flintenläufen von verfchiedener 
Länge zufammengefehtes Geſchütz, Orgelgeſchütz; — Bfes, der Drgels 
bau, der Bau einer Orgel, und die Kunft Orgeln zu bauen; der Orgels 
bauer, wer Orgeln baut, Orgelmacher; der Drgelklang, =ton ꝛc.; die 
Drgelpfeife, eine der ftufenweife abnehmenden hölzernen u, zinnernen Pfei— 
fen der Orgel; uneig, Schiff. die in einem Hafen reihenweife eingerämmten 
Pfähle; eine Art Scheidemufhelz das Drgelfpielz der Orgelfpieler (fr, 
Organift)z; der Drgelftein, eine Art aus Röhrchen zufammengefester Stern- 
Eorallenz die Orgelſtimme, ein einzelnes Pfeifenwerk einer Orgel; dad 
Orgelwerk, das Innere einer Orgel, u, die Orgel ſelbſtz Naturk, eine Art 
Röhren od, Pfeifenkorallen z der Drgelzug ‚ ein Zug an der Orgel, durch 
welchen eine Orgelflimme mit dem Zaftenwerf in Verbindung gebracht wird 
(das Orgelregifter); — orgeln, ziellof. Zw., gem, f. die Orgel fpielen, doch 
gew, nur von dem Spielen einer Drehorgelz; uneig, orgelähnliche Töne her— 
vorbringenz der Drgeler, -8, mer orgelt. 

Drkan, m., 28, M, -e (ital, orcano, franz. ouragan, engl. hurri- 
canez fol aus einer amerifan. Sprache herftammen), ein heftiger, reißen— 
der Sturm, Wirbelwind, Windsbraut. 

Orle, w., Mı -n, landſch. f. Erle, 

Orlog, m., ⸗8, M. -e (altd, urliugi, urliuge, urlig, ſ.3 angelſ. or- 
lege, altnord. orlög, ſchwed. örligz; vw, uru.liegenz urſpr. überh, ver: 
hängniſsvolle Entſcheidung, Scidfal, bei. Kampf, Krieg), altniederd. f, 
Krieg, inöbef. ein großer, fürmlicher Krieg, entg. einer Fehde; daher daß 
Orlogſchiff, vie Orlogsflotte, niederd, f. Kriegsfhiff, Kriegsflottes orlo— 
gen, zieltof, Zw. f. Krieg führen, 


Ors, fe, sd, M. -e (mittelhochd. ors, Streitroſs; engl, horse) völlig f 


vlt. f. Roſs, Pferd. 


Ort 1., m. Gberd. ſ.), -d, M. Orte u, Örter (ſ. u), Verkl. das 


Srtchen (altd. ort, ſ., Rand, Grenze, Spitze, Ede, Anfangz3angelſ. 
\ord, altnord, oddr, ſchwed. ortz wahrſch. verw, mit dem lat. ora) 1) alt 
md noch landſch. fe Spike, Eike, Schärfe (M. gew. Orter), insbef, 
\iederd. f. Winfel, Ecke (um den Ort gehen, d. i. um die Ede; daher: 
- Sırthaus, Ortftein, f. Eckhaus, Edftein), bef. eine ind Waſſer ra= 
gende Landſpitze (daher EN. wie Daggerort, Leerort 2,)5 oberd. vierortig 
f. vieredigs ſtumpf-, rehtortig 2c. f. ftumpfs, rechtwinklig 26,5 Bergw. 
die Spitzen an den Bergeifen: Drterz auch cin ſpitziges Werkzeug, bef. 


die Ahle der Schuhmacher (M, Orte); 2) der Anfangs= od. Endpunkt, 


YUnfang oder Ende, gleihfaus meift vlt, u. landſch. (z. B. Bergw. das Ende 
jedes 








Drt 321 


jedes wagerecht getriebenen Berggebäudes, M. Örterz vor Ort arbei: 
ten, d.i, am Ende ber Grube; alt.: bis zu Tages Ort, d. i, bis zum Ans 
bruch des Tages; er fagt es ihm von Ort, d. i. vom Anfange anz bes Lebens 
Ort, d. i. Ende, u. dgl. m.); 3) gew. ein Punft im Raume, od. ein bes 
grenzter Theil ded Raumes, bef. infofern ein körperlicher Gegenftand benfel: 
ben einnimmt od. einnehmen kann, verfh. Raum, finnv. Pla, Stelle 
(lege es an jenen Ort; ein jedes Ding an feinem Orte; es findet ſich nicht am 
rechten Orte; ein bequemer Ort; etwas an allen Orten fuhen, auch: aller 
Drten, f. an allen Orten, überall; einem Beit und Ort der Zufammenkunft 
beſtimmen; uneig, etwas an feinen Ort geftellt fein laffen, f. v, mw. es dahin 
geftellt, d. i, ununterſucht, unentfchleden laffenz etwas am unredhten Orte an- 
bringen, d. i. unpafslich, zur Unzeit); in beftimmterer Bed. der Theil od, die 
Gegend einer Schrift zc., wo ein Sat, ein Ausſpruch ꝛc. ſich befindet, 
verſch. Stelle, weldes zugleich den Sag od. Ausfprud) felbft bezeichnet (5.8, 
davon ift an einem andern Orte die Rede gewefenz am angeführten Orte 2c.) 5 
bei den Markfcheidern: jeder Punkt in der Grube, fofern er durch eine ſenk— 
zechte Linie auf der Erdoberfläche angegeben wird: der od, das Ort, au 
die Drtungs ehem, f f. Himmelsgegend (bibl. die vier Winde aus den vier 
Hrtern des Himmels); alt u. noch oberd. u, ſchweiz. eine Landes— ⸗Abtheilung, 
ein Bezirk (M. Orte und Drterz fr. Provinz, Canton); bef. ein von 
Menfhen bewohnter begrenzter Raum, Wohnplatz, Wohnſtaͤtte von 
weiterem od. engerem Umfange — daher ſowohl Staͤdte, Flecken, Doͤrfer, 
als einzeln liegende Schlöffer, X Landhaͤuſer 2c. bezeichnend (in meinem Orte; 
mein Geburts⸗, Wohnort 2c.; ein feſter, ein offener Drtz der Prediger des 
Ortes; die umliegenden Hrter; hieſigen Orts, d. i. am hieſigen Orte; hieſiger 
Orten, d. i. in hieſigen Orten); auch ein von Menſchen zu beſtimmten 
Zwecken — Raum, fei es ein offener Platz, od, ein Gebäude, ein Saal 
u. dgl. (3.3. öffentliche Drter, Luft:, Vergnügungsdrterz Aue ee Hrter 
u. dgl. m.); uneig. aud) f, eine —**— od. Behörde, o. M., 6.3. etwas 
gehörigen Ortes anbringen, d. i. bei der rechten Behörde; es iſt höhern Orts 
befohlen worden; ich meines Orts, d. i. ich für meine Perſonz — für bie 
Mehrheitsform von Ort in allen unter 3) vereinigten Bedeutungen gilt im All— 
gemeinen die Regel: Orte ift mehr zufammenfaffend (collectiv), Orter ab: 
fondernd od. vereinzelnd (disjunctiv) und ſteht daher mehr für einzeln gedachte, 
beftimmt begrenzte Plätze, bef. Wohnplätze; 3. B. man kann nicht an allen 
Orten zugleich fein; aber: ich kenne verſchiedene Hrter dieſes Landes; — 3ſetz. 
v. Ort: dad Ortband (niederd. Oortband; verderbt: Ohrband), das hohle 
Blech unten an der Spitze einer Degenſcheide (x. Ort f. Spige); der Ortbe— 
fhreiber (fr. Topograph); die Ort» oder rterbeſchreibung, Beſchrei⸗ 
bung der Örter, d. i. Städte, Flecken, Dörfer ıc. (fr. Zopographie), verſch. 
DOrtöbefchreibung, ſ. u.; das Ortbrett, landſch. f. das Außerfte Brett, Geiz 
tendrettz der Ortfäuftel, Ortpaufchel, ein Fäuſtel, deffen die Bergleute 
ſich bedienen, wenn fie vor Dit arbeiten (f. o); die Ortfeder, Ortfpule, 
die Feder am Ende des Flügels, Eckfederz; der Drthab od. Orthaber, vr. f. 
Urheber, Anfänger, Stifterzs Anführer, Befehlshaber; der Drthäuer, 
Berg. ein Bergmann, welder vor Ort arbeitet (1. 0.)5 dad Ortland, im Ds: 
nabrück. ein Stud Land eines Einzelnen, weldes an bie Gemeiniweie ſtößt, 
alſo: Grenzland; das Ortmaal, vit, f. Grenzzeichen; der Drtpfahl oder 


Heyfes Handwörterb. d. deutfhen Spr. 2, Iheii, 21 


322 Ort 


Ortpflock, bei den Markſcheidern ein Pfahl, welcher einen in der Grube be: 
findlihen Ort auf der Erdoberfläche bezeichnetz dad Ortſcheit, (v Ort f. 
Ende), das bewegliche Holz, an welches die Stränge der vor den Wagen zu 
fpannenden Pferde befeftigt werden, auch der Schwengel, Vorſchlag 2c. ge 
nannt; dad Drtfchid (v. Ort f, Spise, u, Schid f. Geſchick, f. d.), Bergw. 
eine Kluft, welche nad) einem fpigen Winkel über einen Gang ſtreicht, verſch. 
Kreuz: od, Querkluft; ortfchidig, Bw, Ortſchicke enthaltend; ortichief, Bw. 
landſch. f. ſchiefwintligz; die Ortfemmel, niederd., zwei mit den Eden zu: 
fammenhangende runde Semmeln, Edfemmeln, 3. U. v. Schicht- od, Reihen: 
ſemmeln ; der Ortſtein, landſch. f. Eckſtein; Grenzſtein; auch ein feſter eiſen⸗ 
ſchüſsiger Sandſtein, Eiſenkloß; ortweiſe, Nw., nad einzelnen Hrtern, Ort 
für Ort; der Ortziegel, landſch. f. Eckziegelz — von Orts: die Ortsbe— 
ſchaffenheit; die Drtöbefchreibung,, Beſchreibung eines einzelnen Ortes; 
der Drtögeiftliche, = pfarrer, pprediger; die Ortsgeſchichte; die Orts⸗ 
gelegenheit, ſ. Gelegenheit; der usfinn, der Sinn, d. i, die natürliche 
Fähigkeit, die Ortsverhältniffe aufzufaffen und feftzugalten; — Ableit, der 
Drtel, —s, M. m. E., oberd, die Pfrieme od. Ahle der Schuhmacher; die 
Spibe am Bergeiſen (vergl, o. Ort 1.); orten, zielloſ. 8w. (altd, orton, 
begrenzen) völlig vlt, f. einen Ort haben, einnehmen; fich erſtrecken; einen 
Winkel bilden; ſ. auch u. Ort 2.5 oͤrtern, ziel, Bm. (gem. extern) 
1) Handw. die Enden der Bretter ꝛc. abfägenz; daher: die Orterban, 
die Drterfäge, Tiſchl.z 2) vlt. f. endigen, entfcheiden; mod) oberd. (auch 
Brteln) f, genau unterfuhen, von allen Seiten betrachten; daher: er: 
brternz ortig, Bw, 1) landſch. f. Ecken, Winkel habend, eckig, in Zſetz. 
wie recht⸗, ftumpf=, ſcharfortig (f. 0,)5 2) oberd. orfig od, ort, fa unges 
rade der Zahl nad) (ort oder eben, d. i. ungerade oder gerade; vielleicht auch 
in diefer Anwendung urfp. u. eig. eckig, d. i. uneben, entg. eben); örtlich, 
Bw., einen Ort betreffend, davon ausgehend, darin gegründet (fr. localz 
Örtliche Verhältniſſe, ein brtliches Bedürfniſs); einen beftimmten Ort eins 
nehmend und araul befchränft (ein brtliches Übel, eine drtlihe Krankheit 
u, dgl.); dad Ortliche als Hm. f. die Ortsbeſchaffenheit; die Ortlichkeit, 
das Ortlichſein; die Örtliche Beſchaffenheit (fr. Localität) z3 die Oriſdaft, 
M.-en, ein aus mehren Wohnungen beſtehender, von Menſchen be— 
wohnter Ort, bef. kleine Drter, als: Dörfer, Weiler 20,5 landſch. z. B. 
fhweiz. auh f. Landſtrich, Bezirk (fr, Canton); die Ortung, M. -en, 
Bergw. eine Ecke, ein Winkel eined Berggebaͤudes; auch die Zeichen, 
welche in Grubengebäuden in das friſche Geftein eingehauen werben. 

Dit 2m u. ſ., ed, o. M,, auch Ortels (engl. orts, Brocken, 
Überbleibſel von Speiſen; irland, orda, Überreſt), niederd, f. was das 
Vieh vom Futter liegen laͤſſt und verfchmähtz daher: das Ortſtroh, übrig 
gelaffenes Futterſtroh orten od. verorten, auch Örden, Dren, ziel. Im. 
(n. A. v. Ort 1, f. Winkel, alfo eig. in den Winkel der Krippe fchieben), aus 
° dem Futter od. den Speifen nur dad Befte ausfuchen und das Übrige lie 
gen laſſen. 

St 3. m. uf, Jes, M. Orte (nad) einem Zahlw. aber unverändert 
Ort), landfch. f. ein Viertel (Quart), der vierte Iheil von Gewichten, 
Münzen und Mapınz insbef. 1) niederd, der vierte Iheil eines Quent— 
chens: Ort od, Drtchenz 2) in verſchiedenen Gegenden: der vierte Theil 








Drte — Oft 323 


eines Thalers, Guldens, Groſchens; ein Ortöthaler (niederd, r. Ort 
Thalers) oder Reichsort = 6 gGr.; ein Ort- oder Ortögulden = 
15 Kreuzer (oberd. auch Ortler, Drterer); ein Ortögrofihen — 
3 Pfennige, in Meklenburg 43 Pfennig; 3) niederd. der vierte Theil einer 
Kanne oder rings Maßes; in den Hallifhen Salzwerken ber vierte Theil ei- 
ner Pfanne  _ . x 

Drte od. Orte, w., M. -n (auch Urte, Irte, f. d.z u. vergl. Ort 2, 
und Wirth), oberd. u. bef, ſchweiz. f, die Nehnung des Wirths, die Zeche; 
daher der Drten= od. Drtengefell, f. v. w. Irtengefell, f. d. 

orten, 3w., f. unter Ort 1. u. 2,5 örtern, örtlich, Ortſchaft zc. 
fr. Ort 1. 

Orvelkraut, f., landſch. eine Art ſchoͤner großblättriger Taubneffeln. 

Dfche od, Oſch, w., M, -ın, oberd, f. dv. w. Eiche 2., f. d. 

Dfe, w., M. -n, 1) ſ. v. m. Ohſe, Ohr, f.d.3 2) landſch. die 
Dachrinne; dad unterfte Ende ded Daches, wo das Regenwaffer abläuft; 
auch: das ablaufende Waffer ſelbſt; 3) ſchwäb. ein Schöpfgefäß ; öfen, 
ziel. Zw, (ſchwed. ösa, lat. haurire; vergl. Ohr, hören), landſch. f. ſchoͤpfen; 
erfchöpfen, aufbrauchen, Irer, öde machen (au: bſigen, erbſen, ver: 
dien 2c.); das Osfaſs, Schöpfgefäß, Gelte; Schiff. hölzerne Schaufel 
zum Ausſchöpfen des Waſſers; das Osgat, Loch im Schiffe, durch welches 
das Waffer ausgeſchöpft wird. 

Dfel, w., M. -n, landſch. f. die noch glimmende Lichtſchnuppe; 
auch f. glühende Aſche. 

Del, fe, -5, landſchaftl. f. Nößel, ſ. , 

Oſt, m., -«3 (felten), o. M. (altd. ost, angelf, u. engl. east, franz. 
est, verw, mit d. lat. ortus v. oriri), 1) die Dimmeldgegend, in melcher 
die Sonne aufgeht, Morgen, Dften (der Wind kommt aus Oft od. Oftenz 
Oft zum Süden, Oft zum Norden, Schiff. der Kompafeftrich, wel: 
her 114 Grad vom Oſtpunkte nad) Süden, oder nad Norden liegt) ; 2) der 
aus Morgen wehende Wind, der Oftwind; der Offen, -&, o. M, (urfpr, 
ein Nw. altd, ostana, ostan, von Often herz jedoch auch der od, daz ostan, 
f. oriens) 1) die öftliche Himmeldgegend, f.v. w. Oſt 1) und jet ge: 
bräudlicher als diefes (3. B. das Haus Liegt gegen Oftenz ſich nad) Often wen- 


| den 26.); 2) der von Europa aud öftlich gelegene Theil der Erde, die More 


genfänder (fr. der Orient); auch der öftliche Theil irgend eines Landes (der 


! Often von Deutfhland) ; — 3feg. v. Of: Dftafrifa, -Afien, -Europa 2e., 


das Bftliche Afrika 2c. ; die Oftgegend; die Oſtgrenze; Oftindien, f., -$, 


‚ das von Europa aus öſtlich gelegene Indien in Afien, entg. Weftindienz daher 
‚ der Oftindier; oftindifh, Bw. ; der Oftindienfahrer, ein nach Oftindien 
ſegelndes Handelsſchiff; die Oſtkante, Schiff, das öſtliche Ufer eines Fluſſes 3 
das Oſtland, ein gegen Oſten liegendes Land, Morgentand; daher der Oſt— 


länder, die Oſtlaͤnderin; oſtlaͤndiſch, Bw.; die Oſtlinde, landſch.f. 
Stein-, Wald: od. Sandlinde; der Oſtnordoſt, der Kompafsftrih, welcher 
224 Grab vom Oſtpunkte nad; Norden liegt, und ein aus diefer Gegend we: 


hender Wind; der Oſtpunkt, |. v. w. Morgenpunkt; die Oftfee, der Theil 


des Atlantifchen Meeres zwifhen Schweden, Deutfdland und Rufslandz die 
Dftfeite; der Oſtſuͤdoſt, der Kompaſsſtrich, weiher 224 Grad vom Oft: 
punkte nad Süden liegt, und ein aus diefer Gegend wehender Windz der Oſt⸗ 


——— 


324 | Oſt — Hftern 


vogel, Strandpfeifers oftwärts, Nw., nah Often gerichtet, nah Oſten 
zu; der Oftwind, aus Often wehender Wind; — Ableit. oͤſtlich, Bw. u, 
Nw., gegen Oſten liegend, oder von Oſten fommend (die öſtlichen Länder; 
Deutſchland Liegt Dftlid von Frankreich; der Wind ift öftlich ꝛc.); — in Zſetz. 
war ehem. dad jegt vlt. Bw. offer üblid) (altd, ostar, nach Oſten hin); daher: 
oſter halb, Nw. f. oſtwärts; das Ofteriand, DOftermeer, bie Ofter- 
fee, der Ofterwind, DOfterwald u. dgl. m. f, Oftland, Oſtmeer 20.3 
und noch Dfterreich, ſ., -8, od. zgez. Oftreich (altd. ostarrichi) ald EN, 
eines deutſchen Staates; daher der Dftreicher, die Oftreicherinn; oͤſt— 
reichifch , Bw. 

Dfter, w., M.-n, landſch. f. Auſter. 

Dfterluzei, w. (aus dem griech. u. let. aristolochia, d, i. geburtbe: 
fördernd, verderbt), eine in ſtreich, Frankreich 2c, wachfende Pflanze mit 
ſtark riechender, bittrer Wurzel, welche Brechen erregt, Hohlwurz, Herz— 
wurz. 

Bſtein die, o. E. (altd. Östra, w., gew. nur M. ostrun, ostarun, 
®. ostrono, D. ostrom, ostoronz angelf, u. engl, easterz holl, oosterz 
verw, mit Oft, Aufgang), das Felt der Auferftehung Chriftiz bei den Su: 
den dad Felt ded Auszugs aus Uegypten (hebr. Paſſa od. Pafhaz daher 
nieberd, Pasten, Pausken, oberd. aud Paſch, Paſchen, franz. Päques); 
Dftern ifteig. Mehrh., wie Pfingften, Weihnachten ꝛc. (3. B. die Oftern 
find nahe, auf Fünftige Oftern), wird jedody häufig mit Weglaffung des Arti— 
kels u, bef. nach einem Vw. als Einheit’ betradtet (z. B. Oftern ift nahe, 


füllt gewöhnlich in den April; der Sonntag vor Oftern; nad), zu, um Oftern 


u. dgl. m); — in Bfe. lautet es nur Ofter: der Dfterabend, der Abend 
vor Oſtern; die Dfterbiume, verfhiedene um Oftern blühende Pflanzen: bie 
gemeine Küchenſchellez der Kleine Ziegenbart; die gelbe Schlüſſelblume; bie 
Narziſſe 20,5 die Maßliebe: das Oſtexblümchenz der Dfterdienstag, 
Dienstag nach Oftern; das Dfterei, buntgefärbte und gefuchte Eier, womit 
man ſich am Ofterfefte zu beſchenken pflegt; Natur, eine Urt eiförmiger Herje 
muſcheln; die Oſterfeier; das Oſterfeſt; der Ofterfeier= od. Ofterfeft- 
tag, aud) bloß Oftertag; das Oſterfeuer, am Ofterfeft od. Ofterabend an: 
gezündetes Freudenfeuer; der Dfterfladen, »Fuchen, aus Weizenmehl und 
Waffer gebadene dünne Kuchen der Iuden (jüd. Mazze); überh. zu Oftern 
gebadene Kuchen; die Dftergrenze, der Tag, auf weichen der erſte Vollmond 
nad der Frühlingsnachtgleiche fällt, welcher bie Zeit des Ofterfeftes beftimmt, 
das den nächften Sonntag darauf gefeiert wird; das DfterFälbchen, ſchleſ. f. 
Sonnenkäfer oder Blattlauskäfer; die Ofterferze, der Ofterftod, Wachs— 
kerze, welche in kathol. Kirchen während der Ofterzeit brennt z Oſterkerze 
auch f. Kbnigskerze, Wollkraut, auch: das Oſterkraut; das Oſterlamm, 
das Lamm, welches ehem. die Juden an ihrem Oſterfeſte mit beſondern Feier— 
lichkeiten zu eſſen pflegten; die Oſterlilie, landſch. f. die gelbe Narziſſe z der 
Oſtermarkt, die Oſtermeſſe, Markt oder Meſſe, um Oſtern gehaltenz ‚der 
Oſtermonat, April; der Oſtermontag, Montag im Oſterfeſte, der zweite 
Oſterfeiertag; die Oſternacht, Naht vor Oſtern; die Oſterpalme, landſch. 
die Blüthenkätzchen der Weiden; die Oſterſchelle, weiße Windblume; der 
Oſterſonntag, der erſte Ofterfeiertag; das Oſterveilchen, landſch. f. das 
dreifarbige Veilchen od. Stiefmütterchen das Oſterwaſſer, in der Oſternacht 








Oſtgegend — P 325 


geſchöpftes Waſſer, welches ſchön machen folls die Oſterwoche, Woche des 
Oſterfeſtes; die Oſterzeit ꝛc.ʒ — Ableit. oͤſterlich, Bw. (altd. ostarlih, 
auch ostrig), was um Oſtern iſt od. geſchieht (die öſterliche Zeitz bſterliche 
Beichte, in der kathol. Kirche) 3 chem. uneig. f. Freude bringend, erfreulich, 
Oſtgegend, -grenze eꝛc. — Oſtwind, f. unter Oft, 

Othem, m., -8, landſch. f. Odem, Athem, ſ. d. 

Dtte, w., M. -n, der Otten- od. Otterbaum, landſch. f. die Erle. 

Otter 1., w., M.-n, (oberd. Atter, Ader, niederd. u. engl, adder; 
angelf, aetter, aettor, Schlange, Gift; verw. mit d. altd. eitar Gift?), Be— 
nennung aller giftigen Schlangenarten in Europa, deren Bauch mit Schil— 
dern beſetzt iſt (vergl. Natter)5; — 3ſetz. die Ottergalle; das Ottergift; 
das Dtterngezücht, ſ. v. w. Schlangenbrut; bibl. uneig. f. boshafte, ſchünd— 
liche Menfhenz; das Dtterföpfchen, einem Otterfopf ähnelnde Muſchel, als 
Münze dienend, Münzmufchel, Muſchelmünze; auch eine andere Art Porzel: 
lanſchnecken; f. Wafferjungfer; eine Pflanze mit ährenformigen, blauen Blu: 
men, deren Samen einem Otterkopfe ahnelt: Natterkopf, Natterfraut, Schlan— 
genhaupt 2.5 der Otterflich, Stih, Biſs einer Otter ; der Ottervogel od, 
Dtterwindel, f. v. w. Natterhals; die Otterwurz, Natterwurz. 

Dtter?., w., M.-n, od der Otter, -3, M. w. E., (altd, otrar, 
oberd, Otter, m,; altnord,. otr, angelf, oter, otor, engl, otter, dan, odder, 
ſchwed. utterz litt}, udra; wahrſch. verw. mit dem isländ. uddr, Keuchtigkeitz 
lat, udus, feucht fansfr. uda, Wafler), ein im Waſſer Iebendes Saͤu— 
gethier mit vier Schwimmfüßen, welches ein ſchönes Pelzwerf giebt, von mehren 
Arten: Fish, Fluſs-, Meer-, Sumpfoiter; — 3fes. der Dtterbalg, 
dad Dtterfell, die Otterhautz der Dfterfang; der Dtterfänger; der 
Dtterfuß, uneig, eine Kammmuſchelz der Otterhund, eine Art Dachshunde 
zum Otterfangz die Otterjagd ıc. 

Otto, m., -d, M. die Ditone, (oltd. Otto, Odo, wahrſch. v. Öt, 
Od (f. d.), alfo: der Begüterte), ein deutfcher männl, Taufnamez, daher 
Dttilie, -nd, weibl. Taufname. N 

Drelbaum, m., landſch. f. Mehlbeerbaum, 

Drhoft, f., -ed, M. -e, (aus dem Holl. okshoofdt, ſchwed. ox-hufwud, 
d. i, eig, Ochfenkopf; engl. hogshead, d, i, Schweinskopf; vielleicht von ehem, 
üblichen Zeichen der Gebinde), ein größered Fluͤſſigkeitsmaß, bef. zu Wein, 
— 14 Ohm, 6 Anker, od, 60 Stübchen; vach einem Zahlw. in der Mehrh. 
unverändert (z. B. zehn Orhoft Wein), 


P. 

P, der ſechzehnte Buchſtabe des ABC, ein Mitl,, und zwar der haͤr— 
teſte Lippenlaut, verſchieden von b, mit welchem cr in mundartlicher Aus: 
ſprache häufig verwechſelt wird (vergl, packen, backen; Pein, Bein; Paar, 
bar; platt, Blatt); im Althochd. vertritt das p in der Regel die Stelle unſe— 
res b (3. B. pim, prehhan, pruodar für bin, brechen, Bruder); in mans 
hen Wörtern ſchwankt auch jest der Gebrauch zwiſchen b und p (3.8. Banner, 
burzein, Budel, neben: Panner, purzeln, Pudel); verdoppelt wird das p 
nad gefhärften Selbfilauten (5. B. Kappe, Treppe, Lippe, dop— 
pelt, Schuppe), Über pf, ph ſ. u. | 


326 paar — Pacht 


paar (engl, pair, franz. paire, ital. paro, ſchwed. böhm. par; v. d. lat. 


par, gleich, geſellt, ein Paar) 1) als Bw. von der Zahl: gleich, gerade, 
durch 2 theilbar, entgeg. unpaar (paar oder unpaar fpielen, ein bekanntes 
Kinderfpiel; felten al Eigenw, gebeugt: eine paare Zahl, gew, eine gerade) 5 
oberd. auch f. zufammengehörend, ein Paar ausmachend (diefe Handfhuhe 
find nicht paar u. dgl.); 2) ale Hw, das Paar, -d, M,-e, Verkl. dad 


Paͤrchen, oberd. Pärleinz zwei zufammengehörige Dinge einer Art (4.8. - 


ein Paar Augen, Ohren, Arme 2c,;,ein Paar Schuhe, Strümpfe, Schnallen 
2,5 ein Paar Ochfen, Pferde 2c., d. i. ein Geſpann; fo aud) ein Paar Tän— 
zer, d.i. Zänzer u. Tänzerinn); in engerer Bed. zwei zur Fortpflanzung 
der Gattung verbundene Geſchoͤpfe beiderlei Geſchlechts (z. B. ein Paar 
Tauben od, ein Taubenpaar; ein Brautpaar, Ehepaar ꝛc.; ein Paar ob, ein 
Pärden werden, d. i. ſich Heirathen); in weiterer Bed. zwei neben einander 
geordnete Gegenftände (4. B. fie folgten einander in Paaren, zu Paaren od, 
paarweife gehen, d. i, immer zwei und zwei; daher zu Paaren treiben, 
d. i. eig. in Ordnung bringen, die gefiörte Ordnung mit-Geroalt wieder her- 
ftellen, uneig. f. bändigen, überwältigen; — nad einem Zahlworte bleibt 
Paar in der Mehrheit unverändert, z.B. ſechs Paar Tauben, 12 Paar 
Strümpfe 20,3 außer wenn es auf Menfchen geht, 3. B. der Geiſtliche hat 
heute zwei Paare getraut; vier Paare Tänzer 2c.5 im gemeinen Lehen mwitd 
es oft auch in der Einh, ungebeugt gebraucht, z. B. von ein Paar ſchönen Au— 
gen ft, von einem Paare fchöner Augen); 3) ein Paar ob. gew. einpaar, 
als unbiegf. Bw, f. einige wenige, bef. in der Sprache deö gemeinen Lebens 
(5. B. ein paar Thaler, Worte ꝛc.; feit ein paar Zagen, d. i. feit einigen 
Tagen; vor ein paar Stunden 2c.); — 3ſetz. paarweife, Nw. in Paaren, 
je zwei und zwei; — Ableit. paaren, ziel. 3w., zwei Dinge einer Art 
zu einem Paare verbinden ; paarmeife zufammenftellen (Pflanz. zwei Ähren, 
zwei Trauben find gepaart); in engerer Bed, zur Fortpflanzung der Gat— 
tung vereinigen; ſich —, f.v. w, begatten; uneig. f. innig verbinden (bei 
ihm paart ſich Gefühl und Verftand) , die Paarung, das Paaren, 
Pabſt, b. Papſt, f. d. 

Nacht, m., -d, M. (felten) Paͤchte; in Niederd. gem. die Pacht, 
M.-en, (alt w. oberd. auch pfahte, Pfachtz v. d. lat, pactum, Vertrag), 
ehem. u. noch oberd. überh. ein Vertrag (fr. Pact, Gontract), aud) ein Ges 
ſetz; gew. in engerer Bed. ein Vertrag, worin man einem Andern die 
Nutzung einer Sache gegen eine Geldfumme auf eine gewiffe Zeit übers 
läfft, u. der Niebrauch einer Sache vermöge eines folchen Vertrags (der 
od. die Pacht eines Ackers, Gartens, der Jagd, Fifcherei, der Zölle 2c.; etwas 
in Pacht nehmen; einem etwas in Pacht geben); auch f. dad Pachtgeld (3. B. 
das Gut bringt 1000 Thaler Pacht; die Pacht bezahlen 2c.)5 — Bfesg. der 
Pachtbauer, ein Bauer, welcher ein Bauergut in Pacht hatz der Pacht: 
brief, die Pacht-urkunde, der Pachtvertrag; dad Pachtgeld, der Pacht: 
ſchilling, Pachtzins, das Geld, welches der Pachter dem Eigenthümer ver— 
tragsmäßig entrichtet; dad Pachtgut, der Pachthof, die Pachtmühle, 
-weide, u. dgl, m.; der Pachtherr, Eigenthümer einer verpadhteten Sache; 
dad Pachtjahr, eines der Jahre, auf welche ein Pacht gefchloffen iftz die 


Pachtleute, Perfonen, die etwas in Pacht Haben; pachtweife, Nw., als 


Pacht, nach Art oder vermöge eines Pachtes; — Ableit. pachten, ziel, Bw. 





Packen 327 


etwas —, in Pacht nehmen, ſinnv. miethen, ſ. d, (die Zblle, die Jagd, 
ein Gut, ein Wirthshaus 2c, —); der Pachter od, Pächter, s, die Paͤchte— 
rinn, M, -en, wer etwas, beſ. ein Landgut, pachtet, od. in Pacht hat, der 
Pachtinhaber; pachtlich, Bw. u. Nw,, ald Pacht, nad) Urt eines Pachtes. 
paden, ziel, Zw. (altd, pahhan, urfpr, = baden, nur ziel, : machen, dafs 
etwas badtz d, i, fefthalten, feſtmachen; angelf, bacan, ſchwed, packa, 
engl, pack; vergl, d, griech, 7770, lat. pago, pango) 1) ergreifen und feſt— 
halten, mit den Händen, Klauen od, Zähnen, finnv. faffen (der Adler packt 
feine Beute gem, einen beim Kopfe —, einen Dieb —)z uneig. f, faffen, ers 
greifen (Entfegen pacdt den Wandrer); 2) mehre Dinge feft zufammen- 
legen, zufammenfügen, entweder in ein Behältniſs od. unter einen gemein; 
chaftlihen Verband (Waaren in eine Kifte, Kleider in den Koffer, Häringe 
in eine Zonne, Bücher in einen Ballen 20.5 auch fagt man: ein Faſs, ei: 
nen Koffer, eine Kifte zc. paden, f. padend anfüllen); 3) uneig. ſich —, 
gem, u. verächtl, f. ſich aufmachen und fchnell hinwegbegeben (pade dic) 
nah Haufe, pade dich fort 20,)5 — der od, das Pad, -ed, Mi -e, 
Verkl. dad Päckchen od. Paͤcklein; auch der Paden, -8, M. w. E., 
und mit fremdartiger Endung: das Paket, -ed, M.-e (franz. paquet, 
ital, pacchetto) 1) mehre zufammengepacte und durd) einen Umfchlag 
od. eine Hülle verbundene Dinge (ein Pak, Päckchen, Padet Bü: 
her, Briefe, Waaren 2c.5 mit Sad und Pad fortziehen, d. i, mit Habe und 
Gut); Tandfh. auch eine beftimmte Menge, z. B. ein Pad Tücher — 
10 Stud; 2)da8E Pack, uneig. gem. u, verächtlich: ein Sammelw, f. nie— 
drige, unfittliche Leute, fchlechtes Gefindel (Diebs-, Lumpenpad 2c.); der 
Pack, oberd, f der Trofs bei einem Heere (franz, Bagage); — 3 ſetz. der 
Packan, Volksſpr. wer feft anpackt, bei, ein großer Hund; das Pad: od, 
gew, Padetboot, ein Fahrzeug, welches als Wafferpoft Briefe, Packete und 
Perfonen befördert; dad Padeifen, in Salzwerken Eleine eiferne Spaten zum 
Ausftechen des Salzes aus den Körben, auch: der Packſpaten; der Pad- 
efel, dad Padpferd, Efel, Pferd, welche Gepäd tragen; das Packgarn, 
der Packzwirn, Garn od, Zwirn zum Zunähen der Packe; dad Padgeräth 
(fr, Bagage); dad Packhaus, der Packhof, öffentliche Gebäude, wo die 
aus und eingehenden Waaren auf: und abgepadt und bis zur Entrichtung ber 
obrigkeitlichen Abgaben aufbehalten werden; die Packhuͤlle (fr. Emballage) 3 
die Packkammer, Kammer zur Aufbewahrung bes Gepäds, bef, in Poſthäu— 
fern; die Padleinwand, dad Padlinnen, grobe Leinwand zum Paden, 
au: dad Packtuch; die Packnadel, große Nähnadel zum Zufammennähen 
der Packhülle; dad Packpapier, grobes u. ftarkes Papier zum Einpaden 5 
der Padfattel, ein Sattel, welder Laftthieren aufgelegt wird; die Pad 
feide, ungefärbte u. noch nicht völlig zugerichtete Seide, welche in.Paden ver: 
ſendet wird; der Packſtock, = Enüttel, =bengel, das Padfcheit, ein ftar- 
fer Stock zum Feftziehen der Padftride und zum Klopfen der Ballenz der 
Packwagen, Wagen mit Gepäck; dad Packwerk, Wafferb, ein aus Reis: 
bündeln und Würften verfertigtes Werk gegen das anſpülende Waffer am Uferz 
das Padzeug, allerlei zum Einpacden dienende Stoffes — Ableit. der 
Pader, -8, wer packt, di. anpackt, bef, Säg. ein großer ftarfer Hund 
(Saupader), oder Waaren ein= und aufpackt; die Paderei, anhaltended 
Packen; die Päderei, M. - en, zufammengepadte Dinge, Gepaͤck. 


328 packern — Palme 


packern, zielloſ. Bw, (ein Schallw,) niederd. f. traben, mit kurzen Schrit— 
ten laufen. 

Pad, m., -ed, M.-e, 1) (vergl. Pfote) niederd. f. Fußſohle; 2) f. 
Mad; pabden, pabdeln, padjen, auch pedden, ziellof. Zw. nieberd, f. 
mit kleinen Schritten gehen, laufen, bef, von Kindern; das Padgericht, 
in Osnabrück f. Gaugeriht (v. pabden, gehen, mweil bis zur Entſcheidung 
viele Gänge nöthig waren). 

Padde, w., M.-n, (v. pabden, f. 0.) niederd, f. Siröte (engl. pad- 
dock ; vergl. Schildpatte) 5 auch Froſch; uneig. das Auffchwellen ded Rind— 
vichd, eine Krankheitz das Paddengras od, Pädergras f. Quecke; Krö: 
tenbinfe; der Paddenhecht f. Märzhechtz der Paddenftuhl f. Kröten: od, 
Miſtblätterſchwamm. 

paff, ein Schallwort, welches einen gedaͤmpften Knall nachahmt, wel— 
cher, wenn er feiner iſt, durch piff, wenn er gröber und ſtärker iſt, durch 
puff ausgedrückt wird (piff, paff, puff) ; daher paffen, zielloſ. Zw. gem, f. 

en Schall paff hören laſſen od. hervorbringen; insbeſ. mit dem Munde 
beim Tabackrauchen; daher auc gem. verädtl, f. Taback rauchen, 

Mage, m., -en, M, -en, niederd. f. Pferd, be. ein altes, ſchlechtes 
Bauernpferdz die Pagemünze f. Pferdemünze. 

Paguge, m., ſchweiz. f. Bürenflau. 

gab, ein Empfindt. ftolge Beratung oder Öfeichgültigfeit ausdrückend, 

Daiß od. Pois, w., M.-en (wahrſch. verderbt aus Paufe, alt:öftr, 
Paws f. Rait), oberd, Bergw. eine halbe Schicht; bair. aud) f, eine Weile, 
eine Zeitlang» 

Palaſt, b. ars Pallaft, m., -3, M. Palaͤſte, (v. lat, palatium, Na: 
men eines Hügels des alten Noms, auf weldhem die Wohnung der Kaifee 
ftand; mittelhohd. palas, vergl. Pfalz; ital, palazzo, franz. palais, engl, 
palace), ein großes prächtiged Wohnhaus, bef. eines Fürſten, vgl. Schlofs, 

Dale 1., w., M. -n (vergl. Peltez engl. peel, franz. pelure, Schale; 
verw. mit pellis, Fell?), niederd, f. die Hilfe od, Schale der Huͤlſen— 
Früchte; haher palen, ziel. Zw. (auch pellen, boll, pellen, engl, peel, 
franz. peler) niederd, f. aus den Huͤlſen [treifen, läufeln, ausfernen (Erb: 
fen, Bohnen 2, —); die Palerbfe, niederd, f, grüne Schotenerdfe. 

Dale 2., w., M. -n (lat, pala, franz, pelle, Schaufel), ſchweiz. f. 
Brodſchieber, Backſchaufel. 

Pallaſch, m., -d, M. —e (ein ſtav. Wort; ruf, palasch, Säbel), 
cin Tanges Schlachtſchwert der Reiterei mit breiter, einſchneidiger Klinge. 

Pallaſt, f. Palaft. 

Palle, w., M.-n, niederd. Schiff. hölzerne od. eiferne Sperrfegel, 
welche den Rüclauf der Spillen verhindern; daher niederd, gem. zu Pall 
fesen f. feft fegen, pall ftehen f. unbeweglich ſtehen. 

Palme 1., w., M.-n, od. der Palmbaum (franz, palme, engl, 

alm; v, d, lat. palma), ein in heißen Ländern einheimifches zahlreiches 
Baumgefchlecht mit geradem, einfahem Stamm ohne Alte und Zweige, 
mit einer immergrünen Blätterfronez verfchiedene Arten find: die Dattelz, 
Kokos, Mehl:, De, Schirm:, Wein, Iwergpalme 2c.; die Palme, aud 
f. der Palmzmweig od. dad Palmblatt, ehem. das Ehrenzeichen eines Giegers, 
aud) ein Sinnbild des Friedens (Sieges:, Friedenspalmen); — Bfes. der 


‘ 


I 


r 


| 
| 
| 








pw pe— 9 


Palmbohrer, eine Art Rüffelküfer in Sütemerita, auch: der Palmmurm; 
dad Palmeichhörnchen, eine Art Kleiner grauer Eichhörnchen in warmen 
Ländern; die Palmenblüthez die Palmenpiftel, Stehpaimes Mäuſe— 
dorn; der Palmenhain, = wald; der Palmefel, im der röm. Kirche: ein 
geſchnitzter Eſel, welder am Yalmfonntag das Ehriftusbild tragend herumge: 
fahren wird; das Palmgewaͤchs, palmenähnlihe Gewächſe mit aftlofem 
Stiel und einer Blätterkrone; die Palmgraupe, das graupenförmig zuberei- 
tete Mark der Mehl: oder Sagopalmez der Palmkaͤſe, die jungen Blätter 
der Dattelpalme, welche man eingemacht genießt; der Palmkohl, ale Ge: 
müfe:genoffene Blätter ber Dattel- u. Kokespalme; das Palmmehl, Mehl 
aus dem Marke der Sagepalme; das Palmoͤl, aus Palmfrüchten geprifites 
Dt; der Palmfonntag, der Sonntag ver Oftern, an welchem dem in Jeru— 
falem einziehenden Chriftus Palmen auf den Weg gefreut wurden; die Palm— 
weihe, Weihe ber Palmzweige am Palmfonntag in der. rim, Kirche; der 
Palmwein, aus dem Saft der Palmbäume, bereiteter Wein; die Palm— 
woche, die Wode vom Palmfonntage bis zum Ofterfeftes der Palm- 
zweig, P0 

Palme 2. w., M.-n, verfchiedene inlaͤndiſche Gewaͤchſe, nament: 
lich: der Chriſt- u. Mirtendorn, u, der Maͤuſedorn, beide auch Stech— 
palme genannt; landſch. f. die Schwarzpappels 

Palme 3. mus M.-n, (oberd. der Palmz wahrſch. nur von Palme1, 
auf diejenigen einheimifhen Gewüchſe übertragen, die fhon um die Ofterzeit 
Knospen zeigen und deren man ſich daher am Palmfonntage ftatt echter Palm: 
zweige bedient), die wolligen Bliüthenfnogpen der Weiden, Erlen, Ha= 
feln x. auch Ofterpalmen, Palmfätschen genannt; in Weinländern: die 
Augen od. Sinodpen des Weinſtocks; niederd. überh. f. Knospe; — der 
Palmhonig, der Honig, welchen die Bienen in der Palmzeit von den Palmen 
od, Blüthen eintragen; die Palmweide, Saal: od. Buſchweide, deren Zweige 
man vorzüglich ftatt der wahren Palmen in ber röm, Kirche gebraucht z der 
Palmzweig, ein Weidenzweig mit Blüthenkätzchen. 

Palme 4. w., Mi-n, (ital, palmo, franz. palme; v, lat. — 
griech. zuAzzın, die flache Hand), eine Spanne ald Laͤngenmaß in Italien 2cz 
niederd, Schiff. ein Laͤngenmaß zur Beftimmung der Die der Rundhölzer, 
in Hamburg = 424 Linien Parifer Maß, 

palsfen, plasfen, pulöfen, ziellof. Zw., nieserd. Schallw. f. plätfchern, 

Halter, m., -8, M. mw. E., od. Palſternack, landſch. f. Paftinafe, 

Dalte, w., —* =; oder der Palten, -83, M. mw. E. (aud 
Putte), niederd, f. Lappen, Flicken; daher palterig, Bw., (engl. pal- 
try, dän. palted) f. zerlumpt, zerriſſen. 

Pamel, m., -$, od. Pamken, ſ., -d, M. mw. E. (vergl. das franz. 
paumelle, Gerfte u, d. bair. Pummnudel, mit Hefen bereitete Mehlfpeife), 
nieberd, bef. in Pommern: aud feinem Noggenmehl gebackenes Hefenbrod; 
eine Urt Weißbrod od. Semmel. 

Pampe, w., M.-n, od. der Pams, Pamps, sberd, Pampf, —-es, 
M. -e, landſch. gem. f. ein dicker Brei, eine zu dick gerathene Bruͤhe; 
pampen, oberd, pampfen, ziellof. Zw., gem, f. ftopfen, ſich mit‘ Spei- 
fen volljtepfen (ogt. fhlampampen ); daher ein Pampbruder, eine Pamp- 

ſchweſter, gem. f. Treffer, Schlemmer. 


330 pampeln — Pantoffel 


pampeln, ziellof. Zw., Landfch. f. baumeln, hin und her ſchweben. 

pampern, aud) pempern, pimpern, pumpern, ziellof. 3w., oberd. Schallw,, 
welche einen durch Stoßen, Klopfen, Fallen ꝛc. verurfachten helleren od, 
dumpferen Schall nachahmen. 

Pams, m., -rd, M. -e (vergl. Pans zc.), bair. verächtl. f. Bauch, 
Dickbauch, Wanſt; uneig. f. Kind. 

Pamuchel od. in Preußen Pamochel, m., -8, M. w. E., eine Urt 
Stockfiſche. 

Panele, m., M. -n, od. dad Paneel, -ed8, M. -e, (engl pane, 
pannel, vieredige Scheibe, Feld), be. niederd,, die bretterne Bekleidung 
des unteren Iheiled der Wände in einem Zimmer, das untere Wandge— 
täfel, Taͤfelwerk. j 

Panier, f., -18, M.-e, (sunädft v. dem franz. banniere, ital, ban- 
diera, mittl. lat. banderia, und dies von d. deutfchen Band) f. v. w. Pan⸗ 
ner, Banner? Haupt-, Heerfahne. 

Panne, w., M. -n (vergl. Wanne), bei den Falfenjägern die große 
Schwungfeder der Falken. 

Pans od. Panfh, m., es, M.-e, aud der Panfen, -8, ob. die 
Danfe, Panze, M, -n (engl. paunch, franz. panse, holl. pens) f. v. w. 
Banſen, ſ. d.z auch f. Wanft, Dickbauch, Schmeerbauch; niederd, uneig. 
die Panſe f. ein ungezogenes Kind (vergl. Pams). 

panſchen od, pantſchen, oberd. auch paͤntſchen, ziellof. Zw. m, haben 
(ein Schallw., vergl. manſchen), gem,, in einer Fluͤſſigkeit mit den Hänz 
den wuͤhlen, Flüffigfeiten unter einander rühren oder mifchenz oberd, 
auch f. Schlagen, bef, Kinder mit der flachen Hand (vergl. patfchen); der 
Panſch od. Pantſch, -eö, od. die Panfche, Pantfche, gem. f. ein wider: 
liches, unreinliches Gemenge; uneig. eine unangenehme DBerlegenheit, 
Klemme, Gedraͤnge (in die Panſche kommen). 

Panſter, f., 2s, M. w. E. (auch Panzer geſchr, und mittl. lat. lo- 
rica genannt, alſo wahrſch. urfp. = Panzer), Mühlenb. ein hohes unter— 
ſchlaͤchtiges Waflerrad, welches zwei Mahlgänge treibt: dad Panfterrad; 
daher die Panftermühle; das Panfterzeug, das Panfterrad mit feinem 
Zubehör. 

Panter, m., —8, M.w. E., niederd, ein dünnes, flaches Holz, wo: 
mit mande Schullehrer die Kinder auf die flahe Hand ſchlagen; auch f. 
Schlag. 

Panther, m. (m. A. f.), -8, M. w. E., od. dad Pantherthier (v. 
gried). n&v9ng, lat. panthera), ein in Afrika und Afien lebendes Raubthier 
von der Größe eines Bullenbeigers mit ſchön gezeichnetem Felle, auch Parder, 
Pardel genannt, verfh. vom Leoparden; daher das Pantherfell ꝛc.; die 
Pantherkatze, ein etwas Eleineres Raubthier in Süd-Amerika: amerikanifche 
wilde Kate od. Bergkatze; der Pantherftein, weißer Jaspis mit gelben 
Flecken. 

Pantoffel, m., -8, M. w. E od, gem, weniger r. nz; Verkl. das 
Pantoͤffelchen; (mittl, lat: pantofla, ital. pantufola, franz, pantoufle, 
engl. pantofle, böhm, pantoffelz niederd, u. ſchwed. toffel, isländ. tapla; 
von dunkler Abkunft), eine Art bequemer Hausfchuhe mit kürzerem Obesle-- 
der, auch wohl ohne Hinterleder, Halbfehuhe, von Männern und def, von 


————— oo 


Pantiy — Papagei 531 


Frauen getragen (daher ſcherzh. ſprichw. unter den Pantoffel kommen, unter 
dem Pantoffel ftehen, d, i. unter der Herrfchaft ver Frau, welcher der Pan- 
toffel als Waffe dient); das Pantöffeldhen, uneig. landfe, f. der Ma— 
rienſchuh (f. d.)3 auch eine Art Klippfleber (Mönchsſchuh); der Pantoffels 
baum od. Pantoffelholzbaum, die Korkeiche, aus deren Holze (Pantoffel— 
holz) unter anderm auch Pantoffeln geſchnitten werden; dad Pantoffeleifen, 
Schmied. ein Hufeifen von eigenthümlicher Form; pantoffelförmig, Bw.; 

der Pantoffelmacher; die Pantoffelmufchel, pantoffelförmige Muſcheln; 
das Pantoffelfchwarz, aus Korkrinde gebrannte ſchwarze Farbe; — pan- 
toffeln,, ziel, Zw., Lohgerb. Leder auf Pantoffelholze reiben, 

Pantſch, m., pantichen, 3mw,, f. panfchen. 

Panze, w., od, Panzen, m., 1. f.v. w. Panfe, Panfen, 1. Pans; 
2, bair. der Panzen, -8 (auch Panz, Ponz, Punz, Punzen), ein Faſs, 
bef, ein folches, welches 2 Eimer und etwas darüber hält, 

Panzer, m., -d, M. w. E. 1. landſch. gem. f. Banſen; Wanftz 2. f. 
v. w. Panfter, 

Panzer 3. m. (alt u. oberd. f.), -8, M. mw, E. (mittl, lat, panceria, 
ital, panciera ; ſchwed. pansar, böhm, pancyr, poln, pancerz; wahrſch. nicht 
deutfchen Urfprungs), eigentlich ein Geflecht aus Metallringen, chem, ald 
Theil der Bewaffnung über den Leib od. einzelne Theile desſelben gezogen 3 
insb. eine folche Bedeckung des Numpfed, ein Panzerhemd, Panzerrock; 
in weiterer Bed. jede feite, gegen Hieb und Stich ſchuͤtzende Bekleidung 
des Leibes, finnv. Harnifh, Kuͤraſs; Jäg. eine aus Leinwand und Fiſch— 
bein gemachte Bekleidung der Jagdhunde bei der Schweinsjagd’z ſchweiz. ein 
MWammed, Kittel (Banzer); au dad Schild der Schildfröten und an- 
dere panzerähnliche Bekleivungen; — 3ſetz. panzerfegen, untrb. ziel. Zw., 
plt., eig, den Panzer fegen, d. i, pusenz uneig. einen —, ihm einen derben 
Verweis geben; der Panzerfifch, eine Gattung von Fifchen, deren Körper 
mit Enohenharten Schuppen od, einem beinartigen Panzer bedeckt iſt; der 
Panzerhahn, Seehahn mit rauhem, ſtacheligem Körper; der Panzerhand- 
ſchuh, das Panzerhemd, die Panzerhoſe, der Panzerrock, die Pan— 
zerſchuͤrze, drätherne od. blecherne Theile der Panzerrüſtung; die Panzer— 
kette, eine Kette zum Schmuck mit länglichen, nach Art der Panzergelenke 
gebogenen Gliedern; die Panzerklinge, eine Art ſtarker Stoßklingen, um 
damit durch einen Panzer zu floßenz Degen mit ſolchen Klingen hießen ehem. 
Panzerrenner, Panzerſtecher; das Panzerthier, f. v. w. Gürtelthierz 
— Ableit. panzern, ziel. 3w., mit einem Panzer beffeiden ; uneig, ſich 
gegen etwas ruͤſten, waffnen, ſchuͤtzen. 

Papa, m., -5, M. (felten) -$ (ein Naturwort, perf. papa, baba; 
griech. nanas, nanmes; lat. franz. engl. 2c, papa), Kinderwort f. Vater, 
entſpr. Mama, gew. nur als Anredewort. 

Papagei, m., — es (auch -en), M. -e (auch -en), Verkl. dad Papa⸗— 
geichen, (niederd, Papegoje; mitt, lat, papagallus, ital. papagallo, alt: 
franz. papegaut, ſpan. papagayo, engl. popingayz; aus dem arab, babagha, 
welches aber in ben vorftehenden Umbildungen als Pfaffenhahn (papa-gallus) 
od. Pfaffenhäher (papa-gay) verftanden zu fein ſcheint; darauf deutet auch der 
franz. Namen perroquet, engl- parrot, vom lat. parochus, fpan, perroque, 
Pfafje), ein in Afien, Afrika und Amerika einheimifches zahlreiches Geflecht 


332 \ papeln — Papier 


von Waldvoͤgeln, mit dickem, gekrümmtem Oberſchnabel u. kürzerem Unter: 
ſchnabel, welche leicht Wörter nachplappern lernen u. meiſt ſehr ſchönes buntes 
Gefieder haben, alt. u. oberd. Sittich, im gemeinen Leben als Anrede- und 
Liebkofungswort auch abgek. Pape, Papchen; uneig. f. die Mandelfrähez 
auch eine Urt Seefiſche mit fhönen bunten Farben, der Papageifiſch; pa— 
pageienmäßig, Bw. u, Nw., nad) Art der Papageie (3. B. fhivagen) 5. die 
Dapageiente od, derPapageitaucher, eine Art grönländiſcher Taucher mit eis 
nem Papageifchnabel und [hwarzen, geld geftreiften Federn; die Papageife— 
der, uneig, —— dreifarbiger Sammtblumen, das Papagei— 
Frauf; papageigrum, „Färb., aus Blau und Gelb gemifhtes Grün; 
die Papageinatter, eine Art bunter Nattern in Kanada; der Papageiſa— 
men, Saflorfamen, den die Papageien gern freffen; der Papageifchnabel, 
uneig. Naturk. eine Art Tulpen; eine verfteinerte Mufchel; eine Art Hornfi: 
fe; die Papageitaube, eine Art bunter Tauben auf der Thomasinfel, 
papeln od. papern, oberd. pappeln, pappern, ziellof, und ziel, Bw, 
(vergl. babbeln; engl, babble, franz. babiller), gem. f. plappern, kindiſch 
ſchwatzen, plaudern; oberd. auch f. liebfofen, ſtreicheln; der Papelhans 
od. Paperhans, gem. f. Schwätzer; papelig lig od. paperig, Bw., f. ges 
ſchwaͤtzig, plauderhaft; oberd, auch f. zartlicy, verzaͤrtelt. 


ſPapier, fir —es, M. -e (von mehren Arten, od. auch f. Schriften, 


Brieſſchaften ꝛc.), Berk. dag Papierchen, (franz. papier, engl. paperzc.z 
vom lat. papyrus, gried. mazugos, d. i. die ägyptiſche Papyrusftaude, einer 
der älteften Schreibeftoffe), eine aus Pflanzenjtoffen verfertigte Maffe in 
Geſtalt dünner biegfamer Blätter, beſ. um darauf zu ſchreiben (Baumwol: 
len, Strohpapier zc. 5 5 vorzugsmweife 2a aus leinenen, zum Theil auch wol: 
lenen od. feidenen, Lumpen bereitete Qumpenpapier, von verfehiedener Be- 
ſchaffenheit und zu verfchiedenen Zweden (Schreib, Poft: od, Brief, Drud:, 
Löſch-⸗, Pad, Buder:, Seidenpapier 20.3 ein Buch, Ries, Ballen Papier 20,5 
Papier machen; das Papier leimen, f.d.); ein Papier (M. Papiere), ein 
Stuͤck od, Blatt Papier von Kunbefkinenfee Größe, bef, ein befchriebenes od, 
bedrucktes einzelmed Blatt, Brieffchaften, Rechnungen, Scheine, Auf— 
füge, Handſchriften u. dal. (ed findet fi) nidit unter meinen Papierenz 
Staatöpapiere ꝛc.)3 uneig. Naturk. dag Türkiſche Papier, verſchiedene 
Schnedenarten; das eingerollte Papier, eine Art Blafenfchnedenz; — 
3fes. der Vapierbaum, die weiße Pappel; auch eine Art Mautbeerbäume 
in Japan, aus deren Baft Papier verfertigt wird; die Papierblume, ſ. v. w. 
Flocken- od. Strohblume, ſ. d.5 die Papierdüte, ſchweiz. das Papierhäus- 
lein, ſ. Dütez die Papierform, die drätherne Form der Papiermaher, mit 
welcher die Papiermaffe gefhöpft u, zu Bogen geformt wird; dad Papier— 
geld, Papierzettel od. Scheine, welche die Stelle des baren Geldes vertreten; 
der Papierhandel, die Papierhandlung; der Papierhändler ; die Paz 
pierhaube, Natur, eine Art Pofaunenfhnetenz ter Papierkäfer, ein dem 
Papiere ſchädlicher Schabläferz die Wapierlaterne, eine Laterne von ölge— 
tränftem Papier; die Papierlaus, Bücherlaus der Papiermacher, Pa— 
piermuͤller; die Papiermuͤhle, ſ. Mühle; die Papiermaſſe, die breüchte 


Maſſe der zerſtampften Ara woraus Papier gemaht wird; aud eine 


ähnliche Maffe zu Dofen, Larven u, dgl. m,, Papierteig (franz. papier 
mache); dad Papieröl, von verbranntem Papier zurüchleibende braune 


papp — Pappel 333 


Feuchtigkeit; die Papierrolle, f. Rollez uneig. Naturk, eine Art fehr dünner 
durchſcheinender Blafenfhneden, f. v. 10. das eingerollte Papier, f. 0,5 die 
Dapierfchere, eine lange Schere zum Schneiden des Papiers; dad Papiers 
fhnigel, f. Schnitel; die Papierflaude (Papyrusftaute, f. o.), ein ägyp⸗ 
tifches Staudengewächs, aus deſſen innerer Haut im Alterthum Papier bereitet 
wurde; — Ableit, papieren, Bw., von Papier, aus Papier gemacht 
(papierne Tapeten u, dal.); der Papierer, -8, oberd. f. Papiermacher. 
papp, ein Naturlaut der Kinder, welcher in der Kinderſpr. ſowohl zur Be: 
zeihnung des Effens, als auch ded Sprechend bientz daher: die Pappe 
(andſch. auch Pappe), M.-n, od, der Papp, —es, M.-e, 1) Volke: 
und Kinderfpr, f. ein dicker Mehl- oder Scmmelbrei (Kinderpappe 5 lat. papa, 
ital. pappa, engl, pap); Buchb. dicker Mehibrei ald Kleiſter; Schiffb. ein 
Gemifc von Harz, Talg, Schwefel, Ihran und zeritoßenem Ölafe, 
womit die Schiffe beftrichen werden, um fie gegen Würmer zu verwahren 5 
2) eine dicke, fteife und fefte Papiermaffe Pappendedel) zu Bücherein= 
bänden u. allerlei andern Arbeiten (Papparbeiten); pappen, ziellof. u. ziel, 
3w., 1) Brei effen, überh. effen (von Kindern; aud) pappeln); 2) mit 
Pappe od, Kleiſter befeftigen, kleiſtern; 3) in Papp arbeiten, aus Papp 
verfertigen; pappeln, ziellof. u. ziel. 3m. 1) f. v, w. pappen 1); 2) f. v. 
w. papeln (1.d.)5 ſchweiz. überh. f. undeutlich ſprechen; päppeln, ziel. Zw., 
landſch. gem. f. auffuͤttern, beſ. ein Kind ohne Muttermilch ernähren; uneig. 
f. zartlich, ſorgfaͤltig behandeln, pflegen (daher aufpäppeln, verpäppeln ꝛc.); 
— 3ſetz. von Pappe; die Papparbeit, Arbeit aus Papp (f. Pappe 2.), 
z. B. ein Pappkaften, eine Pappfchachtel u, dgl. m. 5 der Papparbei- 
ter, wer Papparbeiten madjtz der Pappband, Bud:Einband von Pappz 
der Pappdedel od. Pappendedel, ein Deckel, bef. Buchdeckel od. «Schafe 
von Pappz aud überh. f. Pappe 2); der Wappenmacher, ein Papierma- 
der, welcher vorzugsmweife Papp madtz der Nappenftiel (vielleicht aus Pfei⸗ 
fenftiel verderbt ?) gem. für eine unbedeutende Kleinigkeit, eine werthlofe 
Sache (das ift Fein Pappenftiel! u, dgl.)5 — Ableit. pappen, Bw., von 
Papp, d. i. Pappendedel, gemacht (pappene Käſtchen) z pappicht, Bw, 
gem. einer Pappe, d. i. einem Brei aͤhnlich. 
Pappel 1., w., M.-n od. der Pappelbaum (niederd, Pöppel, engl. 
poplar, franz. peuplier, vom lat, populus), ein Geſchlecht von Bäumen 
mit längliyen, hangenden Blüthenfäschen und mechfeläweife ſtehenden 
‚ Blättern; verfchiedene Arten find: die ſhwarze od. Shwarzpappel, 
aub Pappelweide, fhwarzer Alberbaum, Sarbaum, Wollenbaum, 
Rheinweide zc, genanntz die italiänifche od, lombardiſche Pappel, 
eine Abart der vorigen; die weiße od, Weißpappel, auch Silber, Schnee: 
pappel, Weißbaum, weiße Eipe, Aber, Albele 2c, genanntz bie kleine od, 
Bitterpappel, gem, Espe, auch Flatterpappel, Zitterbaum, Faulefche, 
niederd. Beberefche genannt; die Balfampappel u.a. m. — 3 ſetz. daß 
Pappelblatt; die Pappelblüthe, das Pappelholz; die Pappelfnospe, 
die Laubknospe der Schwarzpappel, woraus dad Pappeloͤl, ein fhmerzftillen: 
des Mittel, und die Pappelfalbe bereitet wird; der Pappelnager, ‚eine Art 
Rüſſelkäfer; die Pappelpflanzungz der Pappelfchwärmer, eine Art Düm- 
merungsvögel; der Pappelfpinner, eine Art Nachtfalter; der Pappelftein, 


334 Pappel — Pardel 


ein Kupfergrun (f. d.)5 der Pappelwald; die Pappelmeide, f. v. w. 
Schwarzpappel; aud) die gemeine weiße Weide, 

Pappel 2., w., M. -n, verſchiedene Gewaͤchſe (von der Ähnlichkeit 
ihrer Blätter mit denen des Pappeldaums fo benannt, oder von verfchiebener 
Abftammung?), insbe, die Malve (ſ. d.), auch das Pappelfraut od. die 
Pappelblume genannt; der Eibifh: wilde od. weiße Pappelz eine 
oftindifche Pflanzger Sammtpappel; die Schweißwurzel: Rofspap: 
pelz — der Pappelfäfe, der plattrunde, käſeförmige Samen der Malve; 
die Pappelrofe, eine mit dee Malve verwandte Pflanzengattung. 

pappeln, päppeln, pappen, 3w.; pappen, pappicht, Bw, zu f. 
unter papp. j 

Papſt (b. als Pabft), m., —-es, M. Väpfte (altd. babisı, babest, 
babst, niederd. Paweft, Pauftz ital. papa, franz. pape, engl. pope; v.d. 
lat. papa, Vater, als Ehrennamen eines Biſchofs), das geiftliche Oberhaupt 
der römifch=Fatholifchen Kirche, der oberfte Biſchof; — 3fes. die Vapft- 
krone od. Papſtmuͤtze, die dreifahe, in eine Spise ausgehende Krone der 
Püpftez uneig. Naturk. eine Art Spindelwalzen, u. eine Art Flügelſchnecken; 
die Papftmeide od. wiede, landſch. 1) der Vogelkirſchbaum, auch Papft- 
baum genannt; 2) der Schling- od. Mehlbaum; die Papftwürde ıc.5; — 
Ableit. päpftifh, Bw-, zum Papftthum gehörend od, darin gegründet, 
meift verächtl. (fe. papiſtiſch); papftlich, Bw., dem Papſte gehörig, eigen, 
angemeffen (der päpftliche Stuhl; die päpſtliche Würde); ver Päpftler, -8, 
verächtl, ein Anhänger des Papftes od. ded Papitthumd (fr. Papift); die 
Päpftlerei, Unhänglichfeit an dad Papſtthum; das Papſtthum, die 
päpftliche Würde und Herrſchaft; die römifch= Fatholifche Kirche, fofern 
fie unter päpftlicher Herrſchaft ſteht. 

Paradies, fe, -d, M.-e (altd. paradis, franz. paradis, engl. para- 
disez zunächft aus dem lat, paradisus, grieh. egadsıoos, ein Thiergarten, 
Baumgarten, aus dem Perfifchen entichntz ſanskr. paradesa), der urfprüngs 
liche, überaus anmuthige Wohrplatz der erfterfchaffenen Menfchen, der 
Garten Eden; uneig. ein höchft fhöner und angenehmer Ort, Luftgars 
ten, Wonnegefilde; aud der Aufenthalt der Ocligen nad) dem Tode; 
— 3feg. der Paradiesapfel, 1) eine Art Zitronen, Adamsapfelz 2) eine 
Art vother und weißer ſchmackhafter Apfelz der Paradiesbaum, landſch. f. 
wilder Olbaumz die Paradiesfeige, die mehlartige, ejsbare Frucht einer 
Art der Mufe (f. d.) od. des Pifangs in Oſtindien; auch dies Gewächs felbftz 
der Paradiesfiich, eine Art. Fingerfiihe; dad Paradiesholz, 1) Holz ber 
Aloe; 2) das koſtbare, wohlriehende Holz eines oftind. Baumes; dad Para- 
dieskorn, Paradiesförner, ein pfefferförmiges Gewürz, der Samen eines 
“ oftind. u. afrik. Gewächfes (fr. Kardamomen); der Paradiesrabe, eine Art 
Fliegenfänger; der Paradiesvogel, ein zahtreihes Geſchlecht fehr fihön gefies 
derter Vögel mit anßerordentlid) langem Schwanze in Oftindien, Neu-Gui— 
nea 26, auh Waradieshäher genannt; — Abteit. paradiefiih, Bw., 
dem Paradiefe ähnlidy od. angemeffen, überaus anmuthig (eine paradies 
fiibe Gegend). 

Parchent, m., ſ. Barchent. — pardauz, f. bardauz, 

Pardel, m, -8, M. w. E. 1, auch Parder (alt Pard, lat, pardus, 
pardalis, griech. rugdarıs), f. v. w. Panther, ſ. d.5 2, ein zum Stibige 


— 


| 


EBENE 


Dardune — Partei 335 


gefchlechte gehörender Vogel, grauer Kibitz, Brachvogel; der Pardervo— 
gel, der grüne Regenpfeifer, 

Nardune, w., M.-n, Schiff. lange, ftarfe Taue zur Befeftigung der 
Stengen und Bramftengen an beide Borbe des Schiffes. 

Pariſen od, Parifer, die, o. E. (preuß. Pares ken, vom litth, pares- 
kay, eine von Lindenbaft geflochtene Fußbekleidung der ehemaligen Litthauifchen 
Bauernz alfo niht von Paris) in Berlin: warme Pantoffelfehuhe von 
Filz oder grobem Wollenzeuge. 

Park, m., -ed, M. -e (zunächſt vom franz, parc, engl. park entlehnt; 
aber urfpr, deutſch, v. althochd. perkan, park, d.i. bergen, barg; vergl, 
Pferch, Burg), ein eingehegter Wald, gew. ein Ihier= od, Wildgarten, 
auch ein Luftwäldchen, Luftgehölz, waldähnliche Gartenanlage; Krfpr, 
der Aufbewahrungsplak für das grobe Geſchuͤtz, Geſchuͤtzplatz (Artillerie: 
Park); auch das aufbewahrte Geſchuͤtz ſelbſt. 

Parſch od, Paarſch, m., -Aes, M.-e, landſch. f. Boͤrs, Barſch, ſ. d. 

Part, m, (andſch. auch ſ. od. w.), —es, M. Se (niederd, -en) (vom 
franz. part, lat, pars), gem, f, Theil, Antheil (z. B. eine Waare in drei 
Parte theilen; Part an etwas haben; öfter. Part od. Parte geben f, mittheilen, 
Nachricht geben); auch f, die freitende Partei (dev Gegen: od, Widerpart); 
parten, 3m. (hol. parten), landſch. gem, 1) ziel. f. theilen, abtheilenz 
2) ziellos m, haben f, Iheil an etwad habenz daher der Parter, -8 
(engl. parter, partner) nieberd. f. Iheilerz Iheilhaber; der Partfrämer, 
landſch. ein Kleinhändler, der in einer Bude einzelne Waaren verkauft, 

Partei (ehem, Partey, nicht gut Parthei gefär.), w., M, -en (vom 
franz, la partie entlehnt, der Bed. nad) jedod, mehr dem franz. le parti ent: 
ſprechendz engl. party), über. Iheil, AUbtheilung, ger. nur in folgenden 
beftimmteren Bedeutungen: eine Abtheilung od. Gefammtheit von Men 
fhen einer Art od. Berrichtung (4. B. Jagdpartei, d. i. die zur Jagd od, 
Jägerei gehörende Perſonen; Krſpr. ein Soldatenhaufen , fr, Detachement, 
z. B. ftreifende Parteien; auf Partei ausgehen, f, Beute machen) , in engerer 
Bed. eine Geſammtheit gleichgefinnter Perfonen im Gegenfag Derer, welche 
entgegengefegte Meinung hegen, im allgemeinften Sinne und ohne gehäffigen 
Nebenbegriff, verfh, von Rotte, Secte, action, Complot (bie Geſell⸗ 
haft war in mehre Parteien getheiltz Staats- Glaubens: oder Religions— 
parteienz; von einer Partei zur andern übergehnz eines Andern Partei hal: 
ten, nehmen, ergreifen; fih zu einer Partei fehlagen, d. i. dafür er: 
klären; in einer Sache Partei nehmen, d. i. ſich für eine, od. die andere 
Meinung erklären; fich eine Partei machen, d. i, einen Anhang); insbef, 
mehre Perfonen, oder auch sine einzelne Perfon, fofern fie mit Undern 
in einem Rechtsſtreit begriffen find, od. auch eine gerichtliche Verhand— 
lung, einen Bertrag u. dgl. abſchließen (die Parteien vor Gericht laden, hö— 
ten, vergleichen 2c. 5 die Hagende Parteiz die contrahirenden Parteien 2c.); — 
Z3ſetz. der Parteifuͤhrer, dad Parteihaupt, Anführer einer Parteiz der 
Parteigaͤnger, wer ſich zu einer Partei ſchlägt, od, einer Partei anhängtz 
Keſpr. Seldaten, die auf Partei, d. i. Beutemahen (j. 0,) auszugehen be- 
flimmt find, Freibeuter; der Parteigeift, die herrſchende Neigung, Parteien 
zu ſtiften, od, einzelnen Parteien anzuhangen und fie zu begünftigen ; parteis 
los, Bw,, zu Eeiner Partei gehörend, Feine Partei nehmend, finnv, unpar: 


336 parten — Paſs 


teiiſch (fe, neutrat) ; die Parteilofigkeit (fe. Neutratität); die Parteifucht, 
die Sucht, eine Partei zu haben od, zu fliften, im höchſten Grade: Partei— 
wuth; verih. Parteienwuth, d. i. die Wuth der Parteien gegeneinander z 
parteifüichtig, Bw., Parteiſucht habend u. zeigendz — Ableit. parteien, 
rückz. Zw., ſchweiz. ſich —, f, ſich in Parteien theilen; Partei wider Je— 
mand nehmen; parteiiſch od. parteilich, Bw., einer Partei zugethan, 
entg. parteilos; gew. in engerer Bed. ungerechter Weiſe, aus Vorliebe, 
Vorurtheil, Eigennutz ꝛc. fuͤr oder gegen eine Partei eingenommen, entg. 
unparteiiſch (ein parteiiſcher Richter, ein parteiiſches Urtheil 2c.);5 die Par— 
teilichkeit, das Parteiiſchſein (z. B. eines Richters); auch eine parteiliche 
Handlung (M. Parteilichkeiten); die Parteiung, Spaltung in Parteien, 
Entzweiung, Uneinigkeit. 

parten, Z3w.; der Parter, ſ. unter Part, 

Partenblatt, ſ., landſch. f. der große Wegerich od. Wegebreit. 

Partiſane, w., Mi -n (zunäüchſt aus dem franz. pertuisane, ital, par- 
tigianaz urfpr, aber deutfh von Barte (altd, parta) und Eifen; alt: bie 
u, das Parteifen, ſchwed. bardisan, niederd, Bardefan, engl. partisan), eine 
ehemalige Waffe, beftehend in einem langen Spieße mit einem zweiſchneidigen 

Beil (einer Barte) unter dem Stedeifen, ein Sinebelfpieh, eine Art Delle 
barte (vergl. d.), £ 

Parude od. Parüde, w., M.-n, alt und landſch. f. Perücke. 

parzen od, barzen, Zw. (aud) pörzenz ein Intenfioum von beren, tragen, 
heben; vergl. geberden, em-por 2c.) oberd, und ſchweiz., ziellos f. hervorra— 
gen, ſtrotzen; rückz. fich —, f. fi) ſtraͤuben, brüften, geberden. 

Paſch, m., —es, M. -e (oberd. Päſche), wahrſch. v. d, niederd. pafs, 
gleid,es Maß habend, pafiendz od, von par, paar, mit ausgefloßenem ı?), 
im Würfelfpiet der Wurf, wenn zwei od. drei Wuͤrfel gleichviel Augen 
zeigen, Gleichwurf; oberd, auch f. Wuͤrfel; daher pafıhen 1., ziellof. Zw. 
mit haben, einen Paſch werfen; landſch. gem, f. würfeln, mit Wuͤrfeln 
fpielen; der Pafcher, f. Wuͤrfler. 

yafchen 2., ziel, Zw. (auch päſchen;z vergl. d. bair. paufhen, pu= 
fen, Geld ac. unterfhlagen ; wahrſch. v. d. franz. passer, mitt!. lat. pas- 
sare), bef. overd. verbotene Waaren heimlich einführen, ſchwaͤrzen, nie: 
derd. ſchmuggeln; überh. heimlich und verbotener Weiſe handeln; der 
Paſcher, -s, Schmugglerz die Pafıherei. 

pafchen 3., ziellof. Zw., öfte, Schaltwort ſ. patſchen, Elarfchen. 

pafchen 3., zielloſ. Bw, m. haben (v. ital, paciare), ſchweiz. f. Frieden 
machen, fich verföhnen, 

Paſe, w., M.-n, in Hamburg: in leinene Beutel gefüllte Wurſt, 
Beutelwurſt. 

Paſs 1., m., -es, M. Paͤſſe (entlehnt aus d. lat. passus, ital. passo, 
franz. pas, Schritt ec.) 1) ein gewiſſer Schritt oder Gang der Pferde, in 
dem fie Vorder: und Hinterfuß auf einer Seite zugleid, erheben, der Paſs⸗ 


gang, Antritt, Dreiſchlag; der halbe Paſs, cin Gang, der halb Paſs, 


halb Zrab iftz daher: der Paſsgaͤnger, ein Pferd, weiches den Paſs geht; 
2) uneig. landſch. f. ein eintretender Umland, vorfommender Fall (in die: 
fem Paſſe mag es gelten u. dgl. 5 ital, passo)5 3) ein Engweg, enger Durch⸗ 


gangz bef. aus einem Lande in ein anderes (ein Engpaſs; die Päſſe befegen) 3 \ 


— — 








Paſſe — paſſen 337 


Schiff. eine Meerengez 4) der Durchgang, dad Durchreifen durch einen 
Ort (freien Pafs haben; einem den Pafs abfchneiden, verbauen 26); daher 
aud) f. Pafsbrief, Pafszettel (franz. passeporı), ein obrigfeitlicher Frei— 
brief, Geleitbrief, Reiſeſchein zu ungehinderter Fortfegung des Weges; da: 
her das Pafsamıt, Amt, weldes Päſſe auöfertigt; der Pafsfchreiber, wer 
Päſſe ausfertigt. — Pafs 2. f. unter paffen 1. 

Paſſe 14. w., M.-n, Schiff Fleine Kanonen, deren man fid) auf den 
Maftlörben und auf Heinen Schiffen bedient; — Paffe 2. ſ. unter paffen 2. 

Naffelbeere, w., landſch. f. Ulpen= od, Berg-Johannisbeere, Ber— 
beriöbeere, 
paͤſſeln, pafcheln od. päfteln, zitllof. u, ziel, Zw. (auch bäfcheln, bäftenz 

vergl, d. engl. busy, geſchäftig, bustle, gefchäftig fein, fchwed. pussa), oberd, f, 
tändelnd arbeiten, Fleine Handarbeiten machen, ohne fie handwerksmäßig 
erlernt zu haben. 

pafjen 1. Zw. (fhwed. passa; verw, mit d, altd. paz, baz, baſs, gut, 
beffer, d, i. angemeffenz vergl. unpafs), 1) ziellos mit haben, angemeffen 
fein, das gehörige Maß haben, mit dem Dat. (das Kleid, der Hut xc. 
pafjt mir; der Dedel paft nicht auf das Glas) ; uneig. f. ſich fchicken, fügen, 
geziemen (das paſſt, wie die Fauſt aufs Auges dies Wort pafjt nicht in den 
Bufammenhang 5 es paſſt nicht für ihn 2c,) 5 niederd. f. gefallen, anftehen, ge= - 
nehm fein (ed paſſt mie nicht) ; 2) rückz. ſich -, ſich ſchicken, pafslich, gezie= 
mend fein (das paſſt fich nicht) 3 3) ziel, paffend machen, angemeſſen einriche 
ten, anpafjen (einen Dedel auf das Glas, einen Pfropf aufdie Flafche) 5 niederd, 
f. meffen, def. mit dem Zirkelz — paſs, unbiegf. Bw, gem. bef. niederd, f. 
das rechte Maß habend, pafjend (das Kleid ift mir pafs)z der Paſs, -eB, 
M. Päffe, gem. bef. niederd, 1) ein Maß od. ein abgemeffenes Ding (da: 
her: ein Paſsglas, ein in abgemefjenen Zwifchenräumen, welche man Päſſe 
nennt, mit Riefen verjehenes hohes Trinkglas; ein Glas mit drei, vier Päſſen; 
einen Paſs austrinken 2c,)5; ehem. in der Tonk. f. Taft (nad) dem Paffe tan: 
zen); auch ein Gewicht (daher noch in einigen Salzwerken: der Waffer- 
paſs); 2) in engerer Bed. das rechte Maß (die Schuhe find mir zu Paſs 
gemacht, d. i. paffend) ; Die rechte, gelegene Zeit, bequeme ©elegenheit 
(das kommt mir zu Paffe, franz. a propos); landfch. uneig. auch der gute 
Geſundheits- od. Gluͤckszuſtand (wohl zu Pajs fein, f. fid) wohl befinden z 
vergl. unpafs); — Dfes. die Paſsform, zufammengepaffte Formen der 
Kattundruder; die Pafsfarte, Schiff, eine Seekarte, auf welcher man mit 
einem Bietet (Paſſer) die Entfernungen meffen kann; die Pafsfugel, eine ge: 
nau in das Rohr paffende Büchſenkugel, entg, Laufkugelz — Ableit, der 
Paſſer, -8, nieberd, f. Zirfelz auch f.v. w. Pafsform; pafelic), Bw., 
paffend, angemeffen, fchicklich, geziemendz; die Pafslichkeitz pafslich, 
Bw., landſch. f. erträglich, leidlih, mittelmäßig (fe: paſſabelz wohl eher 
mit d, fr. pajjiren als mit paffen zufammenhangend). 

paflen 2, ziellof. Zw, mit haben (engl. pass 3 v. d. ital, passare, franz. 
passer, alfo eines Stammes mit Paſs 1. u. d. lat, passus, Schritt; eig. et: 
was vorübergehen laffen, dann: unthätig fein, warten 2), 1) im Karten: 
fpiel: dad Spiel nicht unternehmen, befjere Karten abwarten (franz, pas- 
ser); 2) gem, überh, auf etwas warten, lauern (auf einen —3 darauf kann 
ich nit paffenz vergl, aufpaffen, verpaffen); auf etwas achten, 


- Heyfes Handmwörterb, d, deutfchen Spr. 2, Theil, 22 


538 Pafjer — Pathe 


Acht geben, aufmerfen (einem auf den Dienft paffen, d. i. auf feine Hands 
lungen genau achten, um ihm zu fehaden, wenn er etwas verfieht); nieder, 
auch Pafs geben, f. Acht geben; die Paffe, 1) 0. M, Kartenip. das 
Paſſen (die Paffe haben, d. i, paflen) ; gem. f. die Yauer (auf der Paſſe fte: 
hen); 2) M.-n, in Mühlen, ein Werkzeug zum — der Muͤhle. 

— Paſsform, Paſsglas, ſ. unter paſſen 1. — Paſsgang, 
Paſsgaͤnger, f. Paſs. 

Paſshanf, m., landſch. f. Baſthanf, Hanf, wie er aus der Breche kommt. 

paſſig, Bw. (vergl. d, franz. passer, ital. passare, durchſtechen, durch— 
preſſen; fs au Pofamentier), Handw. mit erhabenem od. vertieftem Bild- 
werk verfehen, figurirt, entg. glatt (paffig drehen, b. i. dreshfeln 2c,), 

Paßkarte, -kugel; pafslich, pafslich, f. unter paffen 1. is 

Daftel, m., -8, landſch. f. Farberwaid, Scharte, 

Daftete, w., M.-n, Berlt. das Paftetchen, (ehem. aud) die Pa— 
fteiz; mitt. lat. pastata, franz. päte, engl. pasıyz v. d, mittl. lat. u. ital. 
pasta, franz. paste, päte, Teig), eine in einen Kuchenteig gebackene 
Fleifch = oder Fifchfpeife, cin Fleiſchkuchen, cine Teig- oder Backfpeife 
(Fleiſch- Hühner-, Tauben:, Wild-, Fifhpaftete ꝛc.); niederd, die ganze 
Paſtete uneig. f. das ganze Ding, die ganze nickt naher bezeichnete Sache; 
der Paftetenbäder, die Paſtetenbäckerin; die Paftetenbäderei; das 
Daftetenbrod, Küch. der Teig einer ausgebadenen Paftetez aud) eine Art 
Zwieback; die Paftetenform; der Vaftetenkranz od. =rand, der Teigrand 
einer Paftete, der Paftetenofen, ein Eleiner Badofen zu Yafketen; der Pa⸗ 
ſtetenteig zc. 

Paſtinake, w., M. -n, od. der Paſtinak, -ed, M. -e, (andſch. 
gem. auch Paſternak, Palſternak, Paſtnach, Paſtenei ꝛc.3 — bei: pasti- 
naca), ein Doldengewaͤchs, deſſen weiße, fleiſchige und ſuͤße Wurzel als 
Gemuͤſe genoſſen wird; beſ. heißt dieſe Wurzel ſelbſt: Pa ffinafe od, 
Naftinakwurzel; wilde Paftinake, landſch. f. die wilde Möhre; Waf: 
ferpaftinakf. Wafferpeterfilie, 

paten, ziel. Zw, (hol, psoten ; vergl, impfen, welches aus in-paten, 
impten entftanden zu fein fheint), niederd. f. pflanzen; die Date, M, -n, 
nieberd, f. Pflanze, junger Baum, bef. ein Setzling von Weiden od, Pap- 
peln; die Patbohne, Waterbfe, f. Saatbohne, » Erbfe. 

Pathe, m., -en, M. -en, und von einer weibl. Perfon: die Pathe, 
M.-n, 05. aud Pathinn, M.-ın, (aus dem lat, pater, Vater entft.; 
vergl. Gevatter), 1) ein Taufzeuge in Beziehung auf dad Tauffind, verſch. 
Gevatter (5. B. ex ift mein Pathez fie ift feine Pathe od. Pathinn; fränk. Tob, 
weibl. Todaz oberd. und ſchweiz. God, Göte); 2) der Täufling oder das 
Tauffind in Bezug auf die Iaufzeugen, in diefer Bed, bef. das Verkl. dad 
Pathchen od. Paͤthchen; in der röm. Eathol. Kirche heißen auch die 
Zeugen bei der Firmelung, und die arfirmelten Perfonen in Bezug auf 
diefe Zeugen: Pathen; — der Pathenbrief vd. -zettel, ein mit Sprü: 
hen u. guten Wünſchen befchriebener, auch wohl mit Sinnbildern verzierter 
Bettel, in welchen das Pathengeld gewidelt wird; das Wathengeld, das 
Geld, welches die Pathen dem Täuflinge ſchenken, aud der Pathengrofchen 
od. = pfennig; das Pathengeſchenk, Geſchenk des Pathen an ben Täufling; 


— 


DE En ZT 


Patrolle — patſch 339 


die Pathenftelle, tie Stelle, das Verhältnifs eines Pathen (Pathenftelle ver: 
treten, d. i. Pathe fein). 

Matrolle, w., M.-n, 1, (verderbt aus d. franz. banderole), die mit 
einer Quaſte verfehene Schnur an einer Trompete; 2. auch Patrulle, gem, 
f. Patrouille (zunächſt von dem franz. patrouille, ehem. aud) patouille, ent: 
lehnt, welches jedoch wahrfch. von beutihem Stamm ift, vergl, d. nieberd. 
pabden, pedden, mittl. lat. battire, gehen), die unıhergehende Solda— 
tenwache, Schaar= oder Streifwache. 

Patrone, w., M.-n (mittl, lat, patronus, franz, patron, Mufter, 
Vorbild; wahrſch. bildlide Anwendung v. patronus, Patron, d, i. Schusherr 
26), Handw, fe Modell, Mufter, insbef. die gezeichneten Mufter der Weber, 
u, die Vorzeihnungen der Formfchneider ; gem. Krfpr, die Pulver- od. Schufse 
hülle, das Schuſsfutter; aud die Papierhülfe fammt der Pulverfüllung, 
die Ladung od.der Schuſs; Buchdr. die Papierftreifen, welche auf den Bud): 
druderrahmen gelegt werden; die Patron- od, Patronentafche, Taſche 
der Soldaten für die Patronen, Ladungs-, Schufstafhe, 

patch, ein Naturlaut, welher den Schall nehahmt, den flache Kör- 
per im Fallen od. Aufeinanderfchlagen hervorbringen (ſinnv. klatſch), oder 
auch den Schall, welchen das Gehen im Waſſer verurfachtz daher pat— 
fchen 1., 3w. der Volksfpr. (engl, pash, pat, beat; dän. baske; altd. 
battan, angelf, beatan, lat. batuere, mittl. lat, battare, franz, battre, 
griech. nerdoosır, ſchlagen) 1) ztelos mit haben, durd Fallen, Schla= 
gen, Treten ꝛc. den Schall patfch hervorbringen (2. B. es regnet, daß es 
patſcht; mit der Hand patfchen, oberd, f. ſchlagen, Elatfhenz im Waffer, im 
Kothe —)5 uneig. oberd, f, ungeſchickt oder unvorfichtig gehen, fid) unge= 
fchieft benehmen, fehlen; 2) ziel, f. fchlagen be. mit der flahen Hand 
(ein Kind —); durch Schlagen nieder= oder zufammendrücken (die Tenne 
—, eben fehlagen) 5 daher auch ſchweiz. ſich — (od. bätſchen), f. zuſam— 
menfallen, zufammenbacden, fid zu einen Klump zufammenballen; 
der Patſch, -8, M. -e, gem: f. ein Schlag, bef. mit der flahen Hands 
ftehendes Waſſer od, Koth, worin man patſcht; ſchweiz. (auch Bätſch) f. 
Klumpen, zuſammenklebender Buͤſchel; bair. auch f. eine Ungeſchicklich— 
keit, vw. f. ein ungeſchickter Menſch; die Patſche, M. -n, Verkl. das 
Patſchchen os. Paͤtſchchen, Volkes u. Kinderſpr. ein Werkzeug zum 
Schlagen, z. B. ein breites, flaches Holz an einem ſchiefen Stiele zum Feſt— 
fhlagen der Tennen, der Sartenbeete 20.5 niederd, auch f. Ruder; bef. die 
Hand, auch der Handfhlag, auf): Patfhhand, Patſchhändchen; 
eine Fluͤſſigkeit, welche patfcht, wenn man darin geht, bef. Straßen 
koth; daher uneig. gem, f. eine Berlegenheit, Unannehmlichfeit (in die 
Patſche kommen u, dgl); — 8ſetz. der Patfchfuß, Shwimmfug der Waffer: 
vögelz ein Waffervogel mit folhen Füßen; patfchfüßig, Bw., Patſchfüße 
habend; die Patichhand, f. 0:5 patſchnaſs, Bw,, gem. f. fehr naſs; — 
Ableit. der Patjcher, -8, wer patfchetz oberd. verächtl. f. Fuß, Schub; 
uneig. f. ein plummper, ungeſchickter Menſchz aud eine Ungefchicklichkeit 
(vergl. Pati); patſcheln, ziellof, u. ziel, Zw., das verkl. patſchen, insbef. 
in etwas Naſſem gehen od, ſich herumbewegen; mit den Händen ftrei= 
⸗ ein); paͤtſchen, zielloſ. zw., im Brandenb. f. rudern (f, o, 

atſche). 


22% 


340 patfchen — Paufcht 


patfchen 2. od. batfchen, ziel, Zw., (engl. patch; auch bagen, pa&en), 
ſchweiz. f. flicken, Lappen auf einander nähen, 

Patſcherpe, w., M.-n, (xvahrſch. ſlav. Urfprungs) landſch. gem. 1) f. 
Vogelfirfhe (auh Scherbke); 2) f. Schlingbaum (auch Petfcherpe, 
Scherpe). 

Patt od. Patz, m. -ed, M-e (vergl. das oberd. Batzen, Patzen, 
ein Klumpen von weichem Stoffe), niederd. f. Grind; daher der Patt- od. 
Patzkopf, f. Grindkopf. 

Patte, w., M. -n, Eranz. patte), Aufſchlag am Kleide, Ta— 
ſchenklappe. 

patzen, ziel. u, zielloſ. zw., oberd. ſ. v. w. patſchen, ſchlagen. 

patzig, Bw. (landſch. auch pratzig, protzig), niederd. f. ſtolz und trotzig, 
grob und beleidigend im Reden; die Patzigkeit, das Patzigſein. 

pauen 1., zielloſ. Zw. (ein Schallwort), niederd. in feinem, klaͤglichem 
Tone reden, wie ein klagendes Kind; auch von dem Geſchrei der jungen 
Truthuͤhner; in Hamburg f. zanken, widerbellen; daher die Pauke, 
niederd. f. ein Kind, das immer Elagt und heult, 

: pauen 2. ziellof. u, ziel. Zw., niederd, f, in Koth treten, mit den Füßen 
neten. 

Pauke, w., M.-n, (wahrſch. v. d. altd, piokan, pouc, biegen, bog, 
wegen ber gewolbten Geftaltz ali:oberd, auch: Puk, Baukel, Bunge, fihwed, 
pukor), ein Feffelfürmiges, metallened, oben mit einem Felle befpanntes 
Tonwerfjeug, welches, mit Stöden geſchlagen, einen ſtarken, dumpfen Schau 
giebt (au Keffelpaufe od, Keffeltrommel genanntz die Paufen fchlagen zc,) 5 
uneig, ein walzenfürmiged Gefäß, bef. zum Kaffeebrennen (Saffeepaufe od, 
-trommel); bei den Orgelbauerns eine Orgeljtimmez Anat. der Theil des 
innern Ohres, wo der Gehörgang nad) innen endet; — paufen, zielloſ. u. 
ziet, 3w,, die Paufen fchlagenz gem, in weiterer Bed. und als Schallwort 
überh. f. ſchlagen mit Hervorbringung eines dumpfen Schalles, aud) f. prüs 
geln (einen derb pauken, durchpaufen u, dgl. m.) 5 niederd, auch f. ſchwatzen, 
plaudern; fehelten (vgl. pauen) der Paufer, -8, wer pauft, ein Pau— 
kenſchlaͤger; niederd. f. Schwäßer, bei. wer einem Andern nad) dem Munde 
fhwagt (Maulpaufer); die Paukerei; M. -en, gem. f. Schlägerei; 
Studentenfpr, f. Zweikampf; — 3feg. v, Paufe: das Paufenfell ‚, bas 
über eine Paufe gefpannte Fellz Anat. ſ. v. w. das Trommelfell im Ohre; 
die Paufenhöhle, Söhlung im Ohres der Paukenſchall; der Pauken— 
ſchlag; der Paukenſchlaͤgel, Paukenſtock; der Paufenwirbel, Wirbel 
od, Schraube zum Spannen des Paufenfells; ein gewirbelter Paukenſchlag. 

Pauluhn od. Pageluhn, f., (aus Pau f, Pfau und . zgeſ.) nie: 
derd. f. Pfau, 

Pausback, Pauſch ꝛc. ſ. Bauſch. 

Pausblume, w., landſch. f. Schlüffelblume, 

yaufchen od. päufchen, ziel. Zw., Bergw. f. fihlagen, zerſchlagen, 
Hein fchlagen (Erz, Schladen); aud f. ſchmelzen, ausfchmeljen (ausge: 
pauſchte Schladen, die fhon mehrmals ausgeſchmelzt find und fein Erz 
mehr enthalten); der Päufchel, -8, M. w. E., ein ſchwerer Hammer 
im Bergbau, 

Paufcht, m., -ed, M,-e, Papierm. f.v, w. Buſcht, fd. 


TE —— 


— nn nn en 


BEE 


— — — — — 





Pauſe — Pech) 541 


Pauſe, w., M.-ın (niederd. Poos, Pofes Bergw. Pofe, Bofe; v. d. 
lat. pausa, u. biefes von d, griech, mavcıs v. navew, aufhören machen), daß 
Aufhoͤren, die Unterbrehung, der Stillftand od, Nuhepunft, die Raſt; 
bef. Zont, dad Innehalten, die Nuhezeit, und dad Zeichen dafıır: 
Schweige- od. Ruhezeichen (eine ganze, halbe Paufe 2c.) ; paufiren, ziel: 
lof. Zw. (mittl, lat, u, ital, pausare) eine Paufe machen, innehalten. 

paufen u. verft. pauften, ziellof. 3w., landſch f. baufen, baufchen, ſ. d— 

Pautkebeere, w., preuß. f, Kratz- od. Ihaubeere, 

Navian, m., -e&, M.-e (ital, babuino, franz. babouin), eine Art 
kurzgeſchwaͤnzter, großer Affen in Afrikas uneig. ein HAfslicher, auch wohl 
ein geiler Menſch; Schiff. der Bootswädhter. 

Pech, fr, -d, Ms -e (ungebr.) (wohl v. d, lat, pix, griech. loo« ent: 
lehntz altd. peh, angelf. pic, engl, pitch, ſchwed. beck, nieberd. Pi), 
ein verdichted, klebriges Harz von fchwarzbrauner Farbe, aus Fickten- od, 
Kienſtbcken gefotten (ſprichw. wer Ped) angreift, befudelt ih); uneig, Stuben: 
tenfpr. f. Ungluͤck, Miſsgeſchick; — 3fes. der Pechbaum, ein pechgeben— 
der Baum, def, die gemeine Kiefer; die Pechblende, Bergw,, ſchwarze 
Blende, aus Eifen, Zink, Schwefel und Xrfenik beſtehendz der Pechbren- 
ner, wer Pech aus dem Harze od. den Kienftöden brennt, aud Pechhauer 
genannt; der Pechdrath, zufammengedrehete und mit Pech beftrichene Fäden, 
deren fi) die Schuhmacher zum Nähen bedienen; dad. Pecherz, Bergw. 
ſchwarzes, glänzendes Kupfererz; die Pechfadel, ſ. Fackel; die Pechflechte, 
eine in Schweden auf Klippen wachſende ſchwärzliche Flechtenart; das Pech— 
holz, Forſtw., jedes Holz, aus welchem Pech gebrannt werben kann, Harz-, 
Nadelholz; die Pechhütte, eine Hütte, in welcher Pech gebrannt wird; die 
Pechkappe, =haube, -mübße, eine inwendig mit Ped) überzogene Kappe, 
um damit den Kopfausfchlag abzureißen; uneig. eine Eleine ſchwarze Kappe, 
welche man unter dem Hute trägt; die PechFohle, eine Art fefter und fetter 
Steinfohlen, Schmieder, Glanz-, Harzkohle; auch ein ſchwarzes, glänzen: 
des, derbes Bergpech, ſchwarzer Bernftein; der Pechkranz, ein aus brenn- 
baren Stofien geflodhtener, mit Pech Überzogener Kranz, zur Erleuchtung, 
oder im Kriege zum Anzlinden von Gebäuden 2c, gebraucht; die Pechnelke, 
eine Wiefenpflanze mit röthlichen oder weißen, nelfenähnlichen Blumen, auch 
Pechblume, Gauchnelke, Kuckuksblume ꝛc.; eine verwandte Pflanze mit ro: 
then, ährenformigen Blumen mit einer Eebrigen Feuchtigkeit, Kiebenelke, 
Müdenfangz aud) eine Art bes Leimkrautes; der Pechofen, der Ofen in ei: 
ner Pehhütte, in welhem das Pech gebrannt wird; das Pechoͤl, ein mit 
Wein aus dem Peche gezogenes DL, ald Heilmittel in Nervenkrankheiten ge: 
braucht; das Pechpflafter, aus Pech beveitetes Pflaſter; pechſchwarz, Bw, 
fo ſchwarz wie Pech, ſehr ſchwarzz der Pechflein, eine in der Gegend von 
Meigen fi findende Steinart von verfsiedenen Farben; die Pechtanne, 
“ Fichte, Harz: od. Rothtannez die Pechtonne, eine mit Pech und brennbaren 
Stoffen angefülte Tonne zur Erleuchtung oder als Feuerzeichen bei Nacht; 
der Pechtorf, der beſte ſchwarze Torf; — Ableit. pechen, Bw. 1) ziel: 
los, Pech machen, brennen (oberd, auch pecheln, picheln)z; wie Pech 
kleben; 2) ziel. mit Pech beſtreichen, uͤberziehen, verkleben, gew. pichen; 

der Pecher, Pecherer, Pechler, - 8, landſch.f. Pechbrenner; pechicht, 


342 pedden — Peitſche 


Bw., pechaͤhnlich; pechig, Bw., Pech enthaltend, mit Pech beſchmiert 
oder beſudelt. 

pedden, ziel. und zielloſ. Zw., niederd. f. treten, gehen, vergl, padden. 

Meddig od. Peddik, m., -e6, 0. M. (angelj. pitha, engl, pith), nie: 
derd. f. das Innerſte, Mark; bef. Forſtw. das Mark im Holze; der verhär- 
tete Eiter in einem Geſchwüre. 

Peden, die, o. E., landſch. f. Quecken, Gradwurzeln, vergl. Pad- 
dengras. 

Pegel, m., -8, 1) alt und landſch. ein Maß; insbeſ. Waſſerb. dad an 
einer Brücke od. Schleufe eingehauene Merkzeichen der Wafferhöhe, der 
Maffermefferz ehem, niederd, ein Maß zu Fluͤſſigkeiten, ein halbes Nößel; 
auch ein Ring im Innern einer Kanne zum Abmefjen des Trunkes; 2) in Dam: 
burg: mittelmäßige Alte der Bäume als Brennholzz — pegeln, zielloſ. 
Zw., 1) die Tiefe des Waſſers meffenz 2) gem. niederd, f. faufen (auch: 
pihen, picheln)z daher der Pegler, -3, f, Saͤufer. 

Neil, ſ., -e8, M. -e (wahrfh. = Pegel, aus welchem Peil zgez.), 
Schiff. ein Merfmal der Waſſerhoͤhe; peilen, Schiff. f. meffen, unterfus 
chen, 3. B. die Meerestiefe mit dem Senkblei, die Höhe der Sonne über ber 
Mittagslinie ze. , der Peilkompaſs, ein Kompafs zur Unterfuhung der Tage 
entfernter Gegenſtände; der Weilftock od, dad Peilholz, ein Stab zum Meften 
der Waſſerhbhe. 

Deilkefpiel 2c. f. Beilkefpiel. 

Nein, w., 0, M. (altd, pina, niederd, Pien, angelf. pin, engl. pain, 
franz. peine; vom Yat. poena, griech. own, Entgelt, Strafe); ehem. f. 
Strafe (vergl. Pon), inöbef. Leibeöftrafe, Marter, Folterz daher jest: 
heftiger Schmerz, Dual des Körpers od. der Seele (Pein empfinden, eis 
nem Pein verurfahen 2c.)5 niederd, auch f. Mühe, Anftrengung, Arbeit; 
— 3feg. die Peinbank, Folterbankz peinvoll, Bw., fhmerz:, qualvollz 
— Ableit. peinen, ziel. Zw. (altd. pinon, niederd, pienenz angelf, pi- 
nian), alt und landſch. f. ſtrafen, plagen, quälen, gem. peinigen; oberd. 
auch f. antreiben, bemühen; ſich —, f. fich anftrengen, beftrebenz pei⸗ 
nigen, ziel. Zw., einen —, ihm Bein verurfachen, ſinnv. quälen, mars 
tern, foltern; daher die Peinigung, dad Peinigen; der Peiniger, - €, 
die Peinigerinn, M, -en, mer peinigtz ehem, bef. der Henker; peinlich, 
Bw., 1) Rfpr. Leibes- und Lebensſtrafen betreffend (fe, criminal od, cri- 
minell; das peinliche Gericht, weldes über Leben und Tod richtet; pein— 
liche Gefege; einen peinlich anflagen, d.i. auf Leib und Lebenz die peinliche 
Frage, ehem. die Befragung eines Beklagten durch die Folter, fr. Tortur); 
2) großen Schmerz verurfachend, fehr fchmerzhaft (ein peinliher Zod) 5 
def. dad Gemuͤth quaͤlend, große Unluſt verurfachend (eine peinliche Lage) 5 
3) uͤbertrieben ängftfich und bedenklich, ſchwierig und mühfelig (ein pein: 
licher Menſch, peinlich fein, arbeiten 26,)3 die Peinlichfeit, dad Peinlich- 
fein in den Bed. 2) u. 3); ehem, auch die peinliche Gerichtäbarkeit, das 
Halsgericht. 

Peitſche, w., M -n, Verkl. dad Peitſchchen (iederd. Pietske, 
ſchbed. piska, böhm. bie, poln, bicz), ein Werkzeug zum Schlagen, be— 
frehend aus einer Schnur, die an einem Stocke befeftigt ift, bef. zum 
Untreiben der Thiere dienend, vergl. Geifel, Karbatſche (Buhrmanns:, Hetz- 





N 
| 
N 


ET I 


— 


Peitſchker — Pelz 343 


Hundepeitſche 26,5 mit der Peitſche Enallen, klatſchen) Bergw, ein breites, 
flaches Holz, womit die Rupferblehe gleich gefhlagen werden; uneig. Na: 
turk. ein langer, ſchmaler Fiſch, der einen Enurrenden Laut von ſich giebr, 
daher: Knurrpeitfche od. gem, Knurrpietfche, aud Meer: od, Stein: 
peitſchez — Bes. dad Peitfihengefnall; der Peitfchenhieb; der Peit— 
ſchenknall; der Peitfchenflab, =fiiel, -ſtock 2c.; die Peitfchfchlange, 
eine fihöne, unſchädliche, über ſechs Fuß lange und fehr dünne Schlange in 
Alien, Afrika und Amerika; — peitſchen, ziel, u. zielof. Zw., (niederd. 
pietöfen, flav.. bic, bicz; wahrſch. ein Schallw. wie patfchen), mit der 
Peitſche Schlagen (ein Pferd, einen Hund), od. knallen; in weiterer Bed, 
klatſchend an etwas ſchlagen (die Wellen peitſchen das Ufer od. an das Ufer); 
eine Flüſſigkeit anhaltend ruͤtteln (den Wein peitſchen, d. i, mit Hauſenblaſe 
umerütteln, um ihn klar zu machen), der Peiticher, -8, wer peirfcht, 
Peitſchker od. Peitzker, m., -8, f. Beißker. 

Det, w., ſchweiz. f. Petze. 

Pekeſche od. Pikeſche, w., M. -n (wahrſch. ſlav. Urſprungs), ein pol— 
nifcher Überrock mit Schnüren und Quaften befest. 

Delle, w., M. -n (bel. pelle, engl, peel; verw. mit d, lat. pellis, 
Hautz vergl. Pale, palen), landſch., bef, ſchweiz. u, brandenburg, f. Schale, 
Hülfe, insbeſ. die Auferfte grüne Scale der Nüſſe, die Hülfe der Schoten 
u, die Schale der Kartoffeln ; daher Dellfartoffeln f. Kartoffeln in der 
Scale; pellen, ziel, Zw, (engl. peel, franz, Beled), landſch. f. ſchaͤlen, der 
Schale berauben, 

Peltfchen, die, o. E., landſch. gem, f. dad Beilfraut od, die Vogel: 
weide. 

Pelz, m., —es, M.-e, Verkl. das Pelzchen (altd. pelliz, pellez, 
angelſ. pylce, engl, pelt, ſchwed. pels, franz. pelisse; vom lat. pellis, 
verw. mit Fell, Filz), in weitefter Bed. Haut, Dede, Bekleidung, bef. 
eine weiche, dicke, filzichte Decke, z. B. der Schimmel, die Sahne, in ein: 
ander gefchlungenes Moos u. dgl. m. ; in engerer Bed. eine mit weichen Haas 
ren Dichtbewachfene Thierhaut (3. B. des Schafes, des Bären); uneig. gem, 
überh, f. die Haut eined Ihiered od. Menſchen, u. der Leib felbit G. B 
einem auf den Pelz fihiegenz einem den Pelz ausklopfen od. wafchen, gem, f. 
ihn fchlagen ; einem den Pelz waſchen und ihn nicht naſs machen, d. i. ihn mit 
übertriebener Schenung behandeln) 53 insbef. als Stoffnamen o. M. mit Bei— 

+ behaltung der Haare gegerbte Ihierhaut, Pelzwerk, Rauchwerk (einen 
Rot mit Pelz futtern)z; ein aus Pelzwerf geinachter oder damit gefutterter 
Rock od. Mantel (einen Pelz anziehen, tragenz ein Schaf, Fuchs-, Wolf:, 
Zebelpelz 20.)5 — Bet. dad Pelzfutter, Unterfutter von Pelzwerk; der 
Pelzhandel; der Pelzhaͤndler; der Pelzbandfehuh, die Deigkappe, 
zmüße, der Pelzkittel, toller, = Tragen, mantel, —rock, —ſchuh, 
eftiefel ꝛtc. , verfchiedene aus Pelz verfertigte oder damit — Keidungs: 
ftüdez der Pelzkäfer, der Käfer, deffen Larve die Pelzmotte, eine dem. 

Pelzwerk ſchädliche Motte, iftz der Pelzkamm, ein eiferner Kamm der Kürſch— 
ner zum Reinigen des Pelzwerks; der Pelzfern, ein Pflanzengefchlecht in 
Afrika und China mit wolligen Iweigen, Blättern und Samenfernenz die 
Delzmeife, Schwanz: od. Bergmeife; die Pelzraupe, mit dichten Haaren 

bedeckte Kaupez der Pelzſammt, langhariger Sımmt zum Kleiderfutter, 





344 pelzen — Perle 


Felbel; die Pelzwaare; das Pelzwerk, Sammelmw, o. M,, Pelze und bar: 
aus verfertigte Kleidungsftüdes — Ableit. pelzen, ziel. Zw. 1) ſchweiz. f. 


die Haut von etwas abziehen, ed fchinden, fehälen (einen Hafen, Kar: 


toffelnz; vergl, pellen) 2) oberd, gem. f. den Pelz fchlagen, einen pritgeln 
od. werfen (engl, pelı); uneig. auch f. ſchimpfen, ſchmaͤhen; der Pelzer, 
-8, landſch. wer pelzt; niederd. f. Pelzarbeiter, Kuͤrſchner; pelzicht, 
Bw., pelzaͤhnlich, haͤutig, zaͤh (pelzichte Birnen 2c.); pelzig, Bw., mit 
einem Pelze uͤberzogen; Naturk. mit dichten Haaren beſetzt. 

pelzen, ziel. Zw. 1. ſ. Pelzs 2. (altd. belzen; vielleicht von Pelz in der 
weiteren Bed. Haut, Rinde) oberd, f. pfropfen, impfen, indem man das 
Pfropfreis zwifchen die Rinde und das Holz einfegt 5 in weiterer Bed. f, pflan= 
zen, ſetzen; uneig. f, erzeugen; daher: das Pelzbein, = mefler, Werk: 
zeuge der Gärtner zum Pelzen; die Pelzſchule, eine Baumſchule von ges 
pelzten Bäumen; das Pelzwachs, Baumwachs zum Verkleben der Stelle, 
wo ein Baum gepelzt iftz der Pelzer, -&, wer pelzt, landſch. f. Baum— 
gärtnerz auch f. ein junged Stämmchen, auf weldes ein Impfreis ge: 
fest ift. 
pemmeln, zielloſ. 3w,, landſch. gem, f. tandelnd herumlaufen, 


Pendel, fe, -3, M. w. E. (ehem, Pendul geipr.; franz, pendulez ' 


v. d, lat. li etwas Hangendes, Schwebendes), ein Schwing od. 
Schwunggewicht, d. i. ein an einem feften Punkt fo aufgehängtes Gewicht, 
daf es fich in gleihlinigen Schwingungen hin und herbewegt (fr. auch Perpendi— 
kel), bef. an einer Uhr, welche daher eine Pendeluhr heißt, 

Penich, m., -8, landſch. f. Fench, fd. 

Nenn, m, es, M.-e (engl. pin; vergl. Pinne), niederd. f. hölger- 
ner Nagel, Zapfen, Pflock; hoͤlzerner Thürriegel; pennen, ziel, Zw. 
f. mit hölzernen Nägeln verſehen; verriegeln. 

Denfel od. Pemfel, m., -8, M. w. E., landſch. f. Pinfel, f. ®. 

Denterbalfen, m., Schiff. Bi lofer Balken, deffen man fich bedient, 
um den Anker auf den Bug zu feßen od. zu Eippen, was man aufpentern 
nennt; der Penterhafen, ein Hafen zum Aufpentern od. Kippen des Ankers, 

Peping od. Pepping, auch Pipping, Peperling, m., -ed, M.-e 
(engl, pippio), eine Art fehr feiner, wohlſchmeckender Apfel, Aa dir 
Rußling genannt. 

Pergament, f., -ed, M. -e (ehem. Pergamen ; landſch. zgez. Perment, 
Pirment, Pirmat, Permut u, dgl. m,5; franz, parchemin 3 'onm lat, charta 
pergamena, mittl. lat, pergamentum, von der Stadt Pergamum in Aften, 
wo es zuerft bereitet fein fol), ald Schreibeitoff zubereitete, gefchabte und 
getrocknete Ihierhaut, Schreibleder, Hautpapier, Lederpapier, ehem. 
auch Buchfell genanntz auch eine Handfchrift, Urkunde u, dgl, auf Pers 
gament (ein Pergament); — 3feg. der Pergamentband, Einband eines 
Buches aus Pergament; dad Pergamentband, Anat, pergamentactige 
Bandadern od, Sehnen; die Pergamenthaut, Anat. pergamentähnliche 
Häutchen in menſchl. u. thier. Kbrpern; der Vergamentmacher, = fchaber 
2.5 — Ableit. pergamenten, Bw., aus Pergament gemacht; der 
Dergamenter, -8 (oberd, Permenter, Pirmenter 2c.), landſch. f. Perga= 
mentmacher, 

Derle 1., w., M-n, Bert. dad Perfchen (althochd. perala (neben 





— — 





— er 


man mn 





Perle 345 


merigrioz, lat, margarita, vgl. Margarethe), mittelh, diu berl, verkl. 
daz berling nieberd, Berelz ſchwed. perla, engl, pearl, franz. perle; viel 
Veiht von Beere? vergl, d. lat, gemma, bacca), rundliche, weiße, matte 
glänzende Auswuͤchſe in den Schalen der Perlenmuſcheln, als ein koſtba— 
rer Schmuck dienend (daher auch uneig, f. eine Sache od. Perfon von vorzüglis 
chem Werthe); echte Perlen, entg. den unechten od. falfdyen Glas- 
od, Wachöperlen, weldhe auch Wefferperlen genannt werden (Perlen fiſchen, 
d, i. die Perlenmufcheln aus der Tiefe des Meeres heraufholenz; Loth, Zahl-, 
Kerten:, Staubperlen, verfch. Perlenarten)z; in weiterer und uneig. Anwen— 
dung: verfchiedene rundliche Maſſen, 3. B. die Eraufen Auswüchſe un der 
fogen, Rofe des Hirſchgeweihs; verhartete Feuchtigfeit im Auge; beim Ein- 
ſchenken von Getränken auffteigende Luftbläschen; Thautropfen, Thränen u. 
dgl.; Landfch. f. dad Heupferd od, die Waſſerjungfer (vermuthtidy weaen der 
glänzenden Augen); das Perlchen, eine Urt Blafenfchnecke: weißer 
Kürbifs, u. eine Urt geſaͤumter Porzellanſchnecke; — 3fes. die Perl- 
afche, reinfte Pottafche; die Perlbirn, eine Art Eleiner, länglicher Septem- 
berbirnen, Honigbienz die Perlbohne, eine Bohnenart mit kleinen, faft 
zunden, weißen Bohnen; die Perleule, Schleiereute mit perlförmigen Fledenz 
die Perlfarbe, grau: od. bläulich-weiße Farbe der Perlen; daher perlfarben 
od. perlfarbig, Bw.; der Perlfifch, ein ſchmackhafter Weißſiſch in Oftreich 5 
die Perlfliege, eine Art.Eleiner Flor- od, Stinkfliegen; das Perlgras, ein 
auf unfruchtbaren Hügeln wachfendes Futtergras, bef. das Hafergras; die 
Derlgraupe, Eleine ganz runde, periförmige Graupen, oberd. Perlgerfte; 
die Perlhirfe, Steinhirfes dad Perlhuhn, eine Art afrifan, Hühner mit 
perifarbigen Flecken auf ſchwarzem Gefieder; der Perllauch, eine Art Lauch 
mit vielen Kleinen perlähnlichen Zwiebeln; die Perl= od. Perlenmufcel, 
jede Muſchelart, in welcher fi Perlen erzeugen, bef. die Perkmuttermufchel, 
ſ. u.ʒ die Perlmutter od. Perlenmutter, gew. Perlemutter genannt, 
die innere glänzende Schale der Perlmuttermufchel, zu allerlei Eleinen Kunſt⸗ 
arbeiten gebraucht; die Perlmuttermuſchel, die Art Miesmuſcheln, welche 
die ſchönſten und koſtbarſten Perlen liefert; die Perlmutterſchnecke, eine 
Schneckenart mit unregelmüßig gewundenem Gehäuſe, deren Schale inwendig 
wie Perlmutter glänztz der Perlmutterſtein, ein perlmutterähnlicher Alaba: 
ſter; der Perlreiher, braſiliſcher Reiher; das Perlſalz, Scheidek. Harnſalz 
vom zweiten Anſchuſſez der Perlſand, mit runden Quarzkbrnern gemiſchter 
Sand; die Perlſchrift, feinfte Oruckſchrift; der Perlftein, ein Trapp mit 
Kalkſpathkbrnern ; der Perlzwirn, feiner Zwirnz — die Perlenaufter, 
Perlmuſchelz; die Perlenbank, Felſenbank im Meere, an welcher fi Perl: 
mufcheln finden; der Perlenfang; der Perlenfänger od, =fiicher, =tau= 
her, =fucher; die Perlenfifcherei; der Perlenfranz, die Perlenkrone, 
Kranz, Krone mit Perlen befestz das Perlenkraut od. Perlfraut, wilder 
Steinfamen, Steinhirſe; Aderipergel; das Perlenfupfer, in Körner ge: 
goffenes ſchwed. Kupfer; der Perlenfamen, die Eeinften Perlen, Staub: od, 
Samenperlen; der Perlenfchmud; die Perlenſchnur; der Perlen— 
ſchwamm, gefprentelter röthlihgrauer Fliegenſchwamm; der Perlenfticer, 
die Perlenftiderinn, wer mit Perien ſtickt; die Perlenftiderei; dad Per- 
ienthierchen, eine Art Flimmertbierhen, das Knopfthierhen, mit bloßen 
Augen nit erkennbar; der Perlenvogel, sin perlfarbiger Schmetterling; 


346 | Derle — Perfon 


die Perlenwarze, Eleine halbrunde Auswüchſe in den Perlmuſcheln, von ge: 

ringerem Werthe alö die Perlen; — Ableit. perlen, ziellof. 3w. m. ba: 

ben, Eleine Luftbläschen auffteigen laffen (der Wein perlt im Glaſe); dicht. 

perlähnliche Tröpfchen bilden od. zeigen (dev Thau perlt auf der Rofez das 
Laub perit vom Thaue); Perlicht, Bw., perlähnlich, 

Perle 2. w., M.-n, landſch. ein mit Löchern durchbohrted Brett, 
z. B. die durchlöcherte Scheibe des Butterfaffes, 

Perrüde od. Perüde, w., M.-n, Verkl. dad Pecruͤckchen, (auf 
Perrude, und ehem, Parude; vom franz. perruquez engl, peruke, peri- 
wigz ein Wort von dunkler Herkunft), eine aus fremden Haaren verfertigte 
Kopfbedeckung, Haarhaube, Haarmuͤtze (Beutel:, Knotenz, Stutz⸗ 
Schwanz:, od, Zopfperrücke 2c,); der Perruͤckenbaum, f. Fürberbaum ; 
der Perrüdenfopf, Perruͤckenſtock; ein hölzerner Kopf od, runder Kiog, 
auch ein bloßes Geftell, die Perrüce darauf zu feßen od, zu hängen; uneig. ein 
alberner, ſteifer Menſchz der Perruͤckenmacher; die Perrudenfchachtel, 
Schachtel zur Verwahrung der Perrüden; die Perruͤckentaube, Hauten: od. 
Säleiertaube, 

Ders, m., — es (altfranz. pers, aus d. mittl, lat, persicus, blauge: 
färbt), oberd, f, farbiged Baummollenzeug, Kattunz; perfen, Bw., f. 
Fattunen, 

Perſch od. Perfing, m., zes, M, -e, auch: Perske, Perſchke, 
Poͤrſchke, w. M.-n, landſch. f. der Bord od. Bars, f. d. 

Derfig od. Perfih, m., —es, M.-e, landſch. f. Pfirſich. 

Perfon, w., M.-en, Berl. dad Perſoͤnchen (v. d. lat. persona, 
eig. Maske, Rolle; franz. personne, engl. person), 1) überh. ein Menſch, 
ohne Rückſicht auf das Gefchleht, ald ſelbſtbewuſſtes, willenäfreied Einzel— 
wefen, entg. der felbftlofen Sache (z. B. dreißig Perfonen; die Perfon bezahlt 
einen Thaler; eine männliche, weibliche Perfon, gem. Manns: , Frauen: od. 
Weiböperfonz in Perfon, in eigner Perfon, d. i, ſelbſt; ich für meine 
Perfon, d. i. was mic ſelbſt betrifft); 2) ein Menfh nach gewiffen be= 
fonderen Beziehungen: a) nad) Geftalt, Größe, Wuchs, Außerer Bil- 
- dung (eine anfehnliche, od, unanfehnliche 2, Perſon; einen von Perfon 
fennen, d. i. feiner äußeren Geftalt nah; er ift Elein, groß, ſchön ze. von 
Perfon); b) dem bürgerlichen und gefellfchaftlichen Berhältniffe, dem 
Stande, Range nach ꝛc. (die Perſon anſehen, d. i. in der Beurtheilung u, 
Behandlung Anderer ſich durch ihre Außeren Verhältniſſe beſtimmen laſſen; 
ohne Anſehen cd, Unterſchied der Perſon ſtrafen, richten u. dgl.); insbeſ. von 
Derfonen von Nang u. Unfehen f. Menfch, Leute gebraucht (4. B. hohe, 
fürftlide Perjonen, eine Standes-, Raths-, Gerichtsperfon 2c.); aber aud) 
mit dem Nebenbegriffe der Geringſchätzung, bef. von weiblichen Perfonen 
(z. B. was will die Perfon?)5 ce) der ganzen aͤußeren und inneren Eigen- 
thuͤmlichkeit nach, bef, fofern diefelde im Schauſpiel Fünftlerifch dargeftellt 
wird, ſinnv. Rolle (ein Schaufpiel mit ſechs Perfonen 5 eine Perfon gut fpie: 
len od, darftellen; ftumme Perfonen, Nebenperfonen, die im Schaufpiel 
auftreten, ohne zu reden; uneig. auf Verhättniffe des Lebens Übertragen: 
feine Perfon gut, od. ſchlecht fpielen; eine lächerliche Perfon machen cd, ſpie— 
ten, d. i. fich lächerlich benehmen)z; 3) jeded felbftändige und vernünftige, 
od, ald folches gedachte und vorgeftellte Weſen (z. B. in der Fabel treten 








| Peruͤcke — Peft 347 


Thiere als Perſonen auf; Tugenden, Laſter u. dgl, als Perſonen aufführen z die 
drei Perſonen in der Gottheit: Vater, Sohn und heiliger Geift); 4) Sprachl. 
dad dreifad) verſchiedene Berhältnifd, in welchem der Gegenſtand der 
Nede zu daten ſteht, je nachdem er entweder der Redende felbft iſt (erfte 
Perfon, z. B. ich ſchreibe), oder der Ungeredete (zweite Perfon, z. B. 
du Liefeft), oder endlich ein Dritter, von welchem geredet wird (dritte Perjon, 
z. B. er, fie, es Lieft); — Bfeg, die Perfonendichtung, Dicht: u. Re: 
dei., Darftellung lebloſer Gegenftände als Perfonen (fr. Perfonification oder 
Profopopdie); der Perfonennamen, diejenigen Haupt: oder Nennwörter, 
welche Perfonen bezeichnen, entg. Sahnamenz das Perfonen= od. Perfon- 
wort, ſ. v. w. perfönliches Fürwort (fr. pronomen personale, f, Fürwort), 
diejenigen Fürwbrter, melde die 3 ſprachlichen Perfonen (f, o. 4) ausdrücken 
(ch; du; er, fie, es; M, wir, ihr, fie); — Ableit. perſoͤnlich, Bw. 
u. Nw., die Perſon betreffend, ihr angehoͤrend, oder fie angehend (per: 
fönliche Beleidigungen , perſönliche Feindſchaft, perfünlihe Eigenfhaften, Ver: 
hältniffe 2c.) 3 insbef. in dem Weſen der Perfon als fittlich= freien Einzel— 
weſens gegruͤndet (perfönliche Rechte und Pflichten) ; als Nw, ſ. v. m. in 
Perſon od. von Perfon (f. 0.5 3. B. perfönlid) erfcheinens Jemand perfänlich 
kennen); Sprachl. perfönlide Fürwörter, f. o. Perſonenwort; per: 
fünlide Zeitwbrter (fr. verba personalia), ſolche die mit den Fürwör— 
tern ich, du, ex 2c, verbunden die 3 fprachlichen Perfonen ausdrüden, entg. unperz 
föntidje Zw. (f. d.); die Perfünlichkeit, dad Perfönlichfein, die Eigenfchaft 
der felbftbewufften und willensfreien Perſon; die befondere Eigenthuͤm— 
lichfeit einer Perfon (eine anziehende Perfäntichkeit); dad Berhältnifs, die 
Rage und Umſtaͤnde einer Perſon (bef. in der Mehrh, Perfönlidkeiten, 
fe, Perfonalien ob. Perfonatitäten) ; insbef, auch feindfelige, gehäffige An— 
griffe auf die Perfon, perfönliche Anzuͤglichkeiten (Perfönlichkeiten bei einem 
Streite einmifchen). 

Peruͤcke, w., ſ. Perruͤcke. 

Peſel, m., As, M. w. E., im Brandenb. der Peſerich, —es, M. 
-e (holl. pees, engl, pi⸗-le; = Fiſel), niederd. gem, f. das männliche 
Glied, beſ. der Ochſenziemer. 

Perl, w., M. -n, auch Pifel, Püfel, niederd. f. Stube, Gemach. 

Peſt, w., M. -at, (v. d. lat. pestis; daher franz. peste, engl. pest), 
eine bösartige; anfterfende und ſchnell tödtende Krankheit, finnv, Seuche, 
landſch. aud dad Sterben (auch die Peftilenz, v. lat, pestilentia), bei 
Menſchen und Vieh (die Peſt herrfht od, wüthet in einem Lande; die Rinder: 


peſt 26; daß dich die Peft! näml. befalle, gem, Verwünſchung); in engerer 


Bed. die morgenländifche (orientaliſche) Peſt, welche Giftbeulen erzeugt und 
in wenigen Stunden tbdtet; uneig. f. eine hoͤchſt ſchaͤdliche, verderbliche 
Sache (unſittliche Menſchen find eine Peſt der Geſellſchaft); — 3fes. peſt⸗ 
aͤhnlich, peſtartig, Bw. (z3. B. eine peſtartige Krankheit); die Peſtartig— 
keit; der Peſtarzt, Arzt für Peſtkranke; die Peſtbeule, -blaſe, -blatter, 


‚edrüfe, Beulen, Drüſen ꝛc., welche bei Peſtkranken ausbrechen; der Peft- 


dampf, -hauch, -qualm, verpeſteter, verderblicher Dampf ꝛc.; der Peſt⸗ 
eſſig, mit Kräutern zubereiteter Eſſig als Schutzmittel vor Anſteckung durch 
die Peſt; der Peſtgeruch; peſtkrank, Bw., von der Peſt befallen; der, 
die Peſtkranke ats Hw.; das Peſtmittel; der Peftwogel, auch Pefti- 


348 Peftel — Petſchaft 


lenzvog el, eine Art Seidenſchwänze mit weißlich gefaumten Federn, welche - 


nad) dem Volksglauben durch ihre Annäherung eine bevorftehende Peft ankün— 
digen, Todtenvogel, Neſſelfinkz die Peſtwurzel, eine mit der Kreuzwurzel 
u, dem Huflattid verwandte Pflanzengattung (tussilago petasites L.); auch 
f. Geißraute, (beide auch Peftilenzwurz genannt); — Ableit. pefthaft 
u, (felten) peftifch, Bw., peitähnlich, peftartig. 

Peftel, w., M.-n, Landw. Zaunpfähle mit Löchern, durch welche 
die Latten oder Stangen geftedit werden. 

Peter, m., -5, M. w. E., Berl. Peterchen (mit lat. Endung 
Petrus, z.B. der Apoftel Petrus; v. d. griech neroos, Stein, Fels), ein 
männficher Taufnamenz; Volksſpr. ein dummer Peter, fi dummer 
Menſch (vergl. Hane); — 3fes. der Petermann od. das Petermännchen, 
1) eine rheinländiſche Münze mit dem Bilde des Xpoftels Petrus, in Aachen 
— 4% Pfennigez ein großes Petermännden cd, ein Peterbagen, 
im Zrierifhen = 5 Kreuzer od. 3 gewöhnliche Petermänndyenz 2) eine Art 
groben Wollenzeuges 5; 3) Naturf, verfchiedene Seefifche, namentlich: her Sta: 
cheldrache u. ſ. v. w. der Petersfiſch od. Meerſchmied; dad Peterskorn, 
landſch. f. Dinkelz Lolch od, Mäuſehafer; das mittlere Zittergras; das Pe— 
terskraut, f. Glaskraut; herbſtlicher Löwenzahn; eine Art Heckenkirſchen; 
eine Art Sohanniskrautz; der Abbifs od. Teufelsabbifs ; die Kreuzwurz 26 5 
der Petersſchluͤſſel, landſch. f. Schlüſſelblume, Himmelsſchlüſſelz u. f. 
Mondraute; der Petersvogel (auch St, Peter genannt), Schiff. f. Sturm: 
od. Ungewittervogel (weil er nahe über dem Waffer flatternd gleihfam wie 
der Apoftel Petrus darauf zu gehen ſcheint) die Peterswurz, eine Art des 
Zohanniskrautes in Sibirien, Kanada 2c.; — Ableit. das Peterlein, - 8, 
auch der Peterling, - es, landſch. f. Peterfilie, auch f. Sartenfchierling 
od. Gleiße. 

petern, auch pettern, pittern, ziellof. Zw., Tandfch. gem. f. mit den 
Fingern: in etwas grübeln oder ſtoͤckern (3. 8, in der Nafe), an etwas 
zupfen, ſpielen, Fünfteln. 

Peterfilie, w., o. M. (gem, Peterfiliez oberd, Peterlein, Pe: 
terlingz niederd. bloß Silk; lat. petroselinum, vom griech, mergooekıvor, 
d. i. wörtlich: Steineppic), ein Doldengewächs, deffen Blätter und Wur— 
zel in den Küchen gebraucht werden, insbef. die gemeine, ſchmalblaͤttrige 
Peterſilie, auch Öarteneppich genannt; andre Arten find: die fraufe 9,5; 
die englifches die breitblättrige od, ſtarkriechende P., Wafferpe: 
terfilie; wilde Peterfilie od, Hundspeterfilie, landſch. f. Schier— 
ling, Gleißez Bergpeterfilie, eine Art des Bogelnefies, ſ. d.; 8ſetz. 
dad Peterfilienblatt, -kraut, die Peterfilienwurzel ꝛc.; der Peterfi- 
lienwein, eine Art Weinftöde, deren Blätter dem Peterfilientraut ähneln, 

Petſchaft, fe, -ed, M.-e, alt und landſch. auch dad Petfchier, —-es, 
N, -. (gem, auch Pitfhaft, ehem. Bitſchig, Pitſchet ein flav, Wort aus 
dem böhm, peczet erft im Löten Jahrh. ins Deutfche übergegangen, und dur) 
Umwandlung der Endung in [haft ein deutfches Anfehen gewinnend), ein 
Werkzeug von Metall od. Stein zum Siegel (ein Petſchaft ftehen); das 
Petſchier (nicht leicht Petſchaft), auch der Abdruck des Petſchafts, 
dad Siegel; der Petſchaft- od. Petſchierring, Siegelring; der Petſchaft⸗ 
od. Petfchierftecher,, wer in Petſchafte Namenszuge, Wappen ıc. ftihtz das 


Sp 





—— ——— 


— üüü— 


DEF 


— — 








» » 


Petſche — Pfaffe 349 


Petſchierwachs, oberd. f. Siegellack; petfchieren, ziel. Zw., landſch. f. 
iegeln. 

Wette, w., M.-n, landſch. gem., def. auf der Elbe, f. Steuer od, 
Ruder; perfchen, zielof. Zw., f. rudern, 

Petſchel, fe, -8, M. mw. E., ſchleſ. f. dad Kalb. 

Petſchier, ſ., ſ. Petſchaft; — pettern, 8w., ſ. petern. 

Peg, m., —es, M. -e (angelſ. bes, isländ. besse), Benennung des 
Bären, bef. als EN. 

Pepe, w., M. -n (auch Betzze, Bätze geſchr.z angelf, bice, engl. 
bitch, franz, bichon, ſchwed. byckjaz vergl, das böhm. pes, poln, pies, 
Hund), eine Hündinnz uneig, gem, eine verächtliche, Tiederliche Weibs— 
erfon. 
i Nebel, fe, -d, M. m. E, (bair. der Bätz, das Bäplein), oberd. f. 
Schaͤfchen, Lamm. 

Peunt, w., M. -en, (altd, piuntz vergl, d. engl, pound, umzäunter 
Play für das Vieh, angelf, pyadan, einfäliegen) oberd. f. ein eingezaͤuntes 
Grundftück, 

Peuſchel, ſ., -8, (eig. Bäuſchlein, v. Baufh, f. d.) oberd. f. Ein— 
geweide, bef, von Fiſchen. 

pf, ein in der hochd. Sprache und in noch weiterer Ausdehnung in der 
oberd. Mundart vorfommender, aus der Verbindung des P mit dem Lippen: 
Laut f erwachfener zufammengefeßter Mitl., welcher fih im Althochd. (mo 
jedoch gew. ph tafür gefest wird) aus einem urfprünglichen (gothifchen od. la: 
teinifchen) p entwidelt hat, aber nicht in die niederd, Mundart übergegangen 
ift, welche überall p od. pp an die Stelle des hochd. pf ſetzt. In der Aus: 
ſprache muß das pf von dem f und v durch den ſchärfer pfeifenden Laut unter: 
fhieden werden (vergl, Pfand, Pfarre, Pfeil, Pflaume, mit fand, 
Barre, feil, Beilden, Flaum). Es findet fih anlautend in: 
Pfad, Pferd, Pfliht 2c.: in- u. auslautend-nur nad) gefhärften Selbſt— 
Yaufen und nad m, felten nad r, z. B. Apfel, Eopfen, Kopf, Kampf, 
Schimpf, flumpf, Karpfen ꝛc. 

Pfacht, w., altoberd, 1) f. Pacht (f. d.), Geſetz, Satzung; 2) (fhweiz, 
aud das Pacht) f. die Eiche, d. i, das Eichen, das Eichmaß, uneig. überh, 
das rechte Maß; pfachten, ziel. Zw. oberd. 1) f. pachten, verpachtenz 
2) Guch pfächten) f, eichen, abmeffen, prüfen, 

. Pfad, m,, -es, M. -e (alt. phad, fad, pfatz nieberd, Pad, Pab- 
weg; angel, paad, engl. pathz griech, n«ros, Pfad, aureiv, gehen; vergl. 
d. nieberd. pabden, pedden), ein fchmaler Fußweg, Fußſteig, auch Fuße 
pfad; dicht. uneig. überh. f. Weg (der Pfad des Lebens u, dgl); — 3feg. 
das Pfadeifen, Bergw, ein umgebogenes Eifen in der Haspelftügez pfadlos, 
Bw., ohne Pfad, unwegſam; die Pfadfchau, oberd, die obrigkeitliche Be— 
fichtigung dev Wege; — Ableit, pfadig, Bw., oberd, f. wegfam, gang— 
barz pfaden, ziellof. Zw. 1) vlt. f. gehen; 2) ſchweiz. f, einen Pfad ma— 
hen, den Weg bahnen. 

Pfaffe (oberd. Pfaff), m., -n, M. -n, Verkl. dad Pfaͤffchen, 
Pfäfflein, (altd. phaffoz niederd. Pape, angelf. papa, flav. pope; vom 
lat. papa, griech. nenzes, Vater, ehem, Ehrennamen der Geiftlihen), ein 
Geiſtlicher, Priefter, insbes, ein Fathol, Priefter, oberd, in engerer Bed. 


350 ' Pfahl 


ein Weltgeiſtlicher, verſch. Mönch, feit der Reformation nur in verächtl. 
Sinne; auf niederd. Hochſchulen ehem. f. Student (vie fogen, Füchſe hießen 
Halbpfaffen); Handw, ein Geſelle, welcher einen Beiftlichen vorftellt, 
wenn ein Lehrling zum Gefellen gemacht wird (Gefellen:, Schleifpfaffe); uneig. 
Naturk, f. die großbartige Schwalbe, Nachtfchwalbe; das ſchwarze 
Blashuhn, Waſſerhuhn; der Dompfaffe, f. d.5 der Fliegenſchnaͤpper: 
dad Pfäffchenz eine Art Helmſiſche: Meerpfaffe; Handw, ein Zapfen bei 
den Braueen (vergl, Mönch, Nonne); Schloſſ. eine Urt Meißel (Niet: 
pfaffe, Pfaffendorn); — 3fes, ver Pfaffenbaum, der gemeine Spin: 
delbaum, deffen Holy Pfaffenholz, die einer vieredigen Iefuiter-Müge Aynliz 


hen Beeren aber Pfaffenhütchen, =Fappe, zmüße, =röschen ꝛc. heißen; ' 


die Pfaffenbeere, landſch. f. ſchwarze Sohannisbeere, Gichtbeerez die Pfaf— 
fenbinde, landſch. f. Sieberwurgel; das Nfaffenbifschen, Pfaffenſtuͤck, 
der Pfaffenfchnitt, gem, das befte, ſchmackhafteſte Stück von einem Braten 
od, einem Fiſche; die Pfaffendiftel, landſch. f. Lbwenzahnz das Pfaffen- 
hoͤdlein, landſch. 1) f. das kleine Schöllkrautz 2) verderdt f. Pfaffenhütchen, 
0,5 die Pfaffenmuͤtze, 1) ſ. Pfaffenbaum; 2) Bauk. eine Art Handram: 
me; 3) Kriegsb. ehem. ein abgeſondertes Befeſtigungswerk; der Pfaffen— 
pfennig, ehem, fr Blech- ob. Hohlmünze; die Pfaffenplatte, f. Patte; 
uneig. f. Löwenzahn, defjen weißer Sructboden, wenn der Samen davon abge— 
blafen it, einer Möndsplatte ähnelt, auch dad Pfaffenfraut, Pfaffen- 
röhrchen gehannt; der Pfaffenfhuh, f. v. w. Marienſchuh, f. d.z der 
Pfaffentrug, das Pfaffenwefen 1.5; — Ableit. das Pfaffenthum, 
-8, Stand, Würde, Weſen der Pfaffen; auch f. v. w. die Pfaffheit, 
alt u. oberd, f. die Geſammtheit der Pfaffen, die Priefterfchaft, Geiſtlich— 
Feit, beſ. Weltgeifttichkeitz die Pfafferei, gem. veräghtl, f. Denf- u. Hands 
lungsweiſe der Pfaffen; pfaͤffiſch, Bw., verächtl. f. pfaffenaͤhnlich, der 
Denkweiſe der Pfaffen gemäß; pfaͤfflich, Bw., alt oberd, f. den Pfaffen 
gehörig, geiſtlich, bef. weitgeiftlich 5 der Pfaͤffling, ⸗es, M. -e, gem. ein 
Anhänger der Pfaffenz eine Upfelart (Ulmer Pfäffling). 

Pfahl, m., -es, M. Pfähle, Verkl. das Pfählchen, (altd. pfalz 
niederd. Paal, angel. pal, engl. pale, ſchwed. pale, franz. pal, ital, palo; 
vom lat, palus), ein unten zugefpißted, gem. rundes Holz (länger, als 
ein Pflock, kürzer und dicker als eine Stange), weldes zu verſchiede— 
nen Zwecken in die Erde gefhlagen wird (Pfähle einrammen, ein Zaun von 
Pfähtenz ein Zaun, Grenze, Brücken-, Schanz, Schandpfahl zu; vorge 
ſchuhete Pfähle, Bergw. mit eiferner Spige beſchlagene; in meinen vier 
Pfählen, uneig. f. in meiner Wohnung; ein Pfahl im Fleiſche, d. i. ein 
empfladliches Leiden, eine drückende Beſchwerdey; — Zfeg. der Pfahl: 
bauer, landſch. ſchuzverwandte Bauern, die als innerhalb der Grenzpfähle 
des Dorfes wohnhaft angefehen werden; der Pfahlbaum, Forſtw. ein zu eis 
nem Pfahle brauchbarer Baum, fo auch: die Pfahleiche; die Pfahlbohle, 
Bauf, eine ftarke, gleid) einem Pfahle zugefpigte Bohle; die Pfahlbrüde, 
eine auf Pfählen ruhende Brücke, Jochbrücke; der Pfahlbürger, landſch. 
ein Bürger, welcher außerhalb der Stadtmauern, aber innerhalb der Bann— 
pfähle der Stadt wohnt, ein Vorftüdterz dab Pfahleifen, ein zugefpistes 
Eifen , womit die Löcher für hölzerne Pfähle vorgeftoßen werden; das Pfahl— 
gericht ‚ ein Gericht, welches fi nur über einen Hof in eines Andern Gebiet 


» 








er 





en 


— — 





Pfaid — Pfand ——— 


erſtreckt, Zaungericht; der Pfahlgraben, ein mit Pfählen beſetzter Gra— 
ben; der Pfahlmaſt, Schiffb. ein aus einem Stücke gemachter Maſt; die 
Pfahlmuͤhle, eine auf eingerammten Pfählen ſtehende Waſſermühle; der 
Pfahlſchwanz, Bergw. das obere, breite Ende eines Pfahles; das Pfahl— 
werk, ein aus neben einander eingeſchlagenen Pfählen beſtehendes Werk, beſ. 
Feſtungswerk; die Pfahlwurzel, die ſenkrecht in die Erde gehende Haupt: 
wurzel vieler Bäume, Herz⸗, Zapfen-, Pfeilwurzel; der Pfahlzaun, ein 
aus eingeſchlagenen Pfählen beftchender Zaun; — Ableit. pfaͤhlen, ziel, 
3w., 1) mir Pfählen verfehen (den Wein, einen Hopfengarten); 2) auf eis 
nen Pfahl ſpießen (einen Verbrecher), 

Pfad, w., M. -en, (gem, Pfad, Pfoad gefpr.; goth. paida, altd, 
pheit, pfeite; fanstr, pata, finn, paita), altd. f. Kleid überh.; noch oberd, 
1) f. Roc, Mannsrodz 2) f. Hemd (Leibpfaid)z daher der Pfaidler, 
-8, in Wien f, Kleiderhändler, Troͤdler. 

Pfalz —J— w., M.-en, (altd. phalanza, pfalenze, palenz, = Palaſt, 
ſ. d., vom lat, palatium, mittl. lat. palantia) 1) ehem.f. Scdlofs, Palaft, 
5 8. ein Rath- od. Gerichtshaus; insbeſ. die verfihiedenen Palaͤſte der 
ehemal, deutfchen Könige, weiche bald hier, bald dort im Reihe Hof hiel: 
ten (daher Pfalzſſtadt, eine Stadt mis einer Eaiferlihen Pfalz); 2) da& 
zu einer Faiferl. Pfalz gehörige, dem Kaifer unmittelbar unterworfene 
Gebiet; daher noch als EN. die Dberpfalz, ein Theil von Baiern, u, 
die Unterpfalz od. Pfalz am Rheine; davon: der Pfälzer, -8, die 
Pfälzerinn, Einwohner der Pfalz; pfaͤlziſch, Bw., zu der Pfalz gehoͤ— 
vend, dort einheimifch; — Bes. das Pfalzgericht, ehem. f. Hofgericht; 
der Pfalzgraf (alt. phalinzgravo, lat. comes palatinus; vergl. Graf), 
4) der Verwalter, Landpfleger und Eandrichter einer Faiferl. Pfalz; fpäterhin 
eine erbliche fürftlihe Würde (z. B. die Pfalzgrafen am Rhein) ; 2) feit Kart IV. 
ie ein bürgerlichen Perfonen, Gelehrten zc. von dem Kaifer ertheilter Titel, 
mit geringen Vorrechten verbunden; die Pfalzgrafinn, Gemahlinn eines 
Pfälzgrafen; pfalzgräflih, Bw., die Pfalzgraffchaft (f. gräflich 26); 
die Pfalzgrafenbirn, eine f[hmadhafte Bien mit röthlicher Schale, auch 
Pfalzbirn, Pfalzgrafer genannt, 

Pfalz 2., w., pfalzen, 3w., landſch. f. Balz, balzen, f. d. 

Pfaͤmmet, fr, —es, M.-e, fhmeiz. ein Tagewerk; der zugenteffene 
Theil, beſ. an Speife und Trank; aud) der Wirthshaustiſch. 

Pfand, fe, -es, M. Pfänder, (altd. fant, pfant, niederd, Pand, 
ſchwed. pant, engl, pawn, mitit, lat. pannum; verw. mit Bann, binden ? 
vergl. auch das lat. pigaus), was zur Sicherung der Unfprüche dient, die 
Einer auf den Undern bat, bef. zur Buͤrgſchaft für eine cingegangene 
Verbindlichkeit, gew, nur von Sachen, da man für Perfonen das Wort 
Geifel (f. d.) gebraucht (einem etwas zum Pfande gebenz fein Pfand Ilöfenz 
Pfänder fpielen, f. u. Pfänderfpielz uneig, fein Leben, feine Ehre zum Pfande 
fegen; Kinder heißen Pfänder der Liebe, als thätige Beweife und Verfis 
Gerungsmittel derfelben); in engerer Bed. eine Sache, die dem Gläubiger 
zur Sicherung feines Darlehns gegeben wird, gew. nur von bewegli: 
den Dingen, da mar für unbewegliche Güter lieber Unterpfand (fr. 
Hypothek) gebraucht (Geld auf Pfänder leihen, verleihen; ein Pfand ift ver: 

fallen, wenn es nicht zur beftimmten Zeit eingelöpt ift und daher Eigenthum 


Sa8:. 7. Pfaͤnich — Pfanne 


des Gläubigers bleibt); niederd. auch f. Stuͤck, Iheil, Antheil (daher das 
Deihpfand, ein Theil eines Deiches, weldyen Semand in gutem Stande zu 
erhalten verbunden ift); — 3ſetz. der Pfandbrief, eine Urkunde, worin 
Semand ein unbewegliches Guf zur Sicherung feiner Schuldforderung angewie— 


fen wird, auch die DINMHSUERteIINNgE der Pfandbürge, aud) Pfands : 


mann, ehem, f. Geifel, Leiftbürges der Dfanbveich, niederd. ein in Pfäns 
der, d. i. Theile (ſ. o.), eingetheilter Deich; der Pfandgläubiger, ein 
Gläubiger, der auf ein Pfand geliehen hatz das Pfandhaus, ein Dffentliches 
Haus, in welhem Geld auf Pfänder ausgeliehen wird, Beihhousz der Pfand⸗ 
herr, Inhaber eines Pfandes, aud Pfandhaber, zinhaber; das Pfandlehen, 
ein Lehengut, weldes man als Unterpfand befigtz die Pfandlöfung, Einlö⸗ 
ſung eines Pfandes; das Pfandrecht, das Recht zu einer Forderung ver— 
möge eines Pfandes, welches man in Händen hat; der Pfandſchatz, ſchweiz. 
eine Geldſtrafe, bef, für unterlaſſene Frohnarbeit; der Pfandſchein, ein 
Schein über ein übergebenes Pfand; der Pfandſchilling, 1) die Geldſumme, 
welche man gegen ein Pfand aufgenommen hat; 2) das Strafgeld, welches 
ein Gepfändeter zu entrichten hat; 3) das Geld, welches der Richter für die 
Einwilligung in die Verfhreibung eines Pfandes erhält; die Pfandfchuld, 
eine Schuld, bei weldyer der Gläubiger dur ein Pfand gefichert iftz; der 
Pfandjchuldner, wer auf ein Pfand Geld gelichen hatz dad Pfandfpiel 
od, gew, Pfänderipiel , ein Gefelfchaftöfpiel, bei welchem begangene Fehler 


durch erlegte Pfänder gebüßt und diefe nachher auf fcherzhafte Weife wieder eine 


gelöft werden; der Pfandflall, ein Stall, in welchem gepfändetes Vieh bis 
zur Einlöfung aufbehalten wird; pfandmweife, Nw., in Geftalt eines Pfan- 
des, ald Pfand; — Ableit. pfandbar, Bw:, was ald Pfand dienen 
Tann; pfandlich, oberd, pfändlid, Bw, u, Nw,, ald ein Pfand, durch 
ein Pfand bewirkt (etwas pfandlich befisen, pfandliche Sicherheit) 5 > 
Pfandſchaft, die Eigenfchaft eines Dinges fofern es ein Pfand ift; 
Pfand ſelbſt; pfänden, ziel. Zw. — 4) einen —, ihn durch Abnehmung 
eined Pfandes zur Leiltung einer Berbindlichfeit, zum Schadenerfag * 
zwingen; et was —, es zum Pfande nehmen, als Pfand behalten, bis 


Schadenerſatz geleiſtet wird (Vieh —); zum Pfande geben, einſetzen, gew. 


verpfaͤnden; daher: das Pfaͤndegeld, das Geld, womit eine gepfändete Sache 
eingelöfet wird; das Pfaͤnderecht, das Recht, Jemand zu pfänden; pfaͤnd⸗ 
bar, Bw., was gepfaͤndet werden kann; der Pfaͤnder, -8, wer einen 
Andern pfändet, ‚def. der Flurſchuͤtz, Feldhuͤter, landſch. auch der Pfaͤn— 
demann; die Pfaͤndung, das Pfaͤnden; pfaͤndern zielloſ. Zw., landſch. 
f. Dänder fpielen, 

Pfanich, m., — es, landſch. f. Fench ʒ uf. denchel. 

Pfanne, w., M. -n, Verkl. dad Pfaͤnnchen, Pfaͤnnlein, (altd. 
phanna, ie 3905. aus phatena vom lat, patena; nieberd. u. angelf, 
panne, engl. pan, ſchwed. panna, flav. panew) 1) ein flach vertiefte Ge— 
fäß, 3. 8. die Mörteipfanne.der Maurer, die Länglic) vieredigen, kup— 
fernen Gefüge, in welden das Bier gefotten wird (Braupfannen), fo wie 
die ähnlichen blechernen Gefäße in Salzwerken, in denen die Soole zubereitet 
wird (Siede-, Sog:, Wärmpfannen, gew, von beftimmter Größe; 
in den Salzwerken zu Halle hält eine Pfanne 5 Zober Soole), in Blehhütten: 
eiferne eingemauerte Kaften, worin das Zinn gefchmelzt wird 20,5 insbef. in 


/ 





Pfarre 858 


ben Küchen: viereckige od, gew. runde blecherne od, irdene Gefaͤße von gerin— 
ger Tiefe (Brat:, Schmorz, Kuchenpfanne ec. ; fprichw, uneig. einen Feind in die 


Pfanne hauen, di. niederhauen, vergl, den niederd. Ausdrud: einen in 


Kochſtücke hauen); 2) in weiterer Anwendung eine flach eingebogene od. vera 
tiefte Flaͤche und ein mit einer ſolchen Flaͤche verſehenes Ding, insbeſ. die 
Vertiefung, in welcher ſich der Zapfen einer Welle umdreht (Sapfenpfanne); 
die flachrunde Vertiefung am Schloſſe eines Feuergewehrs, in melde das Zünd— 
Eraut gefhurtet wird (SZSündpfanne); die Hohlziegel, niederd. auch die fla= 
hen Dachziegel (Dahpfannen); Anat, die halbkugelfoͤrmige Vertiefung 
am Ende mander Knochen, in welder fid) das Eugelige Ende eines andern 
Knochens bewegt und dadurch ein Gelenk bildet, def. die Pfanne des Bedens 
im Hüftbeinez niederd, f. Hirnſchale (Bregenpanne); das Pfännlein cd, 
gem, Pfändel, Pfändle, oberd. f. ein zum Weinen verzogener Mund; 
dad Pfaͤnnlein, auch landſch. f. der gelde od, feharfe Hahnenfuß; das 
Pfaͤnnel, —s, Hüttenw. runde eiferne Schalen, in welche das abges 
ſtochene Werk zu Pfännel ſtücken gegoffen wird; — 3fes, der Pfannen= 
baum, ein Baum, woran die Salzpfannen hangen; dad Pfannenblech, 
Blech, woraus Pfannen gemacht werden, fo auch: das Pfanneifenz; der 
Dfannenbod (ſ. Bo 3.), ein Geftell, die Salzpfannen darauf zu fegen; der 
Pfannendeckel, Dedel einer Pfanne, insbeſ. der ftählerne Dedel auf dee 
Bündpfanne eines Schießgewehrs; dus Pfannengeld, Abgabe für die Auss 
übung der Braugerechtigkeit, eig. für Benugung der Braupfannez der Pfan— 
nenhafen, Hafen, worin die Salzpfanne hängt und welde in die Pfannen 
haspen eingreifen; der Pfannenfnecht, Küch. ein Werkzeug, worin der 
lange Stiel einer Pfanne wie in einer Gabel ruht; der Pfannenkuchen od, gew. 
Pfannkuchen, verfhichene in der Pfanne gebackene Kuchen, insbef, niederd, f. 
Eierkuchen; in andern Gegenden, z. B, in Berlin, ein länglichrundes, gew. mit 
Mus gefülltes, in Schmalz gebadenes Backwerk, oberd, Krapfen (f, d,), bair, 
Pfänzlein, Pfänzel; dad Pfannenloch, Ofenloch unter der Salzpfanne; 
der Pfannenmeifter, Auffeher über die Pfannen in Salzwerfenz der Pfan— 
nenfihmied, ein Handwerker, welcher Pfannen fhmiedetz der Pfannen» 
fein, die kalkartige Maſſe, welche fid) beim Salzfieden in den Pfannen anfegt, 
Salzſtein; der Pfannenſtiel, Stiel einee Küenpfannez uneig. landſch. f, 
die Schwanzmeifez der Pfannenziegel, Hoblziegel; der Pfannenzuder, 
Buder, welder fi in der Kühlpfanne als eine lodere Rinde anſetzt; das 
Dfannwerf, Beſitz u. Benusung eines Salzkothes als ein Gewerbes; daher 
pfannwerfen, untrb. ziellof, 3w., ein Salztoth befigen und.nugen; — 
Ableit. der Pfänner, -6, wer Salzguͤter beſitzt; in engerer Bed, wer 
ein Koth und die dazu gehörige Saljpfanne beſitzt und auch die Soole An: 
derer: darin verfieden läßt, aub Pfannherr genanntz Die Pfännerei, 
-M.-en, ein Koth mit einer Pfanne als Antheil eines Pfaͤnners; auch 
f. v. mw. Die Pfaͤnnerſchaft, die ſaͤmmtlichen Pfaͤnner eines Ortes; dad 
Pfaͤnzel, Pfänzlein, ſ. o. Pfannkuchen. 

Pfarre, wi, M.-n, oberd. auch die Pfarrei, M.-en (altd. pfarra, 
niederd. Parre, engl. parish, franz. paroisse; vom lat, parechia, Kirch- 
fpiel, und diefes wahrſch. aus d. griech, zaooızla entft.), die Stelle eines 
Geiftlichen od, Pfarrers (f. u), bef. hinſichtlich der ihm anvertrauten Ge: 
- meinde und der damit verbundenen Einkünfte (eine gute, einträgliche Pfarre 2c.)3 


Heyfes Handwörterb, d. deutſchen Spr. 2, Theil, 23 


1115 7 pfarzen — Pfau 


aud die Wohnung ded Pfarrerd; der Pfarrer, -8, M. mw. E. (gem, 
abgek. Pfarr, niederd, Parrer, Parr), ein Geiftlicher, fofern er einer 
Gemeinde vorſteht und die gortesdienftlichen und kirchlichen Handlungen in der: 
felben verrichtet, be. oberd. auch als Anredewort und Titel (Herr Pfar: 
ver), wofür mittel: u, niederd. gew. Prediger u. das fr, Paſtor; auch der 
Pfarrherr; die Pfarrerinn od. Pfarrfrau, deffen Gattinns — SfeR. 
von Pfarre: der Pfarrader, dad Pfarrfeld, land, gut, -holz, die 
Pfarrhufe, ewiefe u, dgl. m., zu einer Pfarre gehörender Ader, dergl. Land, 
But zc. 5 dad Pfarramt, der Pfarrdienſt; das Pfarrdorf, ein Dorf, in 
welchem ein Pfarrer angeftelt ift und wehnt; die Pfarrfrohne, -fuhre, 
Frohnen und Zuhren, welche die Pfarrgenoffen für ihren Pfarrer thun müffen 5 
das Pfarrgebäude, haus, die Pfarrfcheune zc., zu einer Pfarre gehb— 
zende Gebäudez die Pfarrgebühr, dem Pfarrer für feine Amtsverrichtungen 
zu enteichtende Gebühren 5 die Pfarrgemeinde; der Pfarrgenofs, Glied ei: 
ner Pfarrgemeinde, auch das Pfarrkind, u, M. die Pfarrleute; die Pfarr- 
firche, die Hauptkirche einer Pfarre, die Kirche des Pfarrdorfes entg, der 
Tochterkirche od, dem Filialz das Pfarrlehen, die Befugnifs, einen Pfarrer 
zu berufen und anzuftellen, auch das Pfarrrecht, der Pfarrſatz, die Pfarr— 
verleihung (fr. das Patronats: Recht); dad Pfarrvieh, das Vieh des Pfar: 
rers, fo auch: die Pfarrfühe, =pferbe, -ſchafe 2c.z die Pfarrmohnung, 
der Pfarrzehnte, =zind, dem Pfarrer. zu entrihtender Bing; — Ableit. 
‚pfarren, zielloſ. Zw., landſch. in eine Pfarre gehören (4. B. das Dorf N. 
pfarrt nad) B,, d. 1. ift dahin eingepfarrt, vergl. einpfarren) 5 pfaͤrrig, Bw, 
ſchwäb. u. ſchweiz. f. eingepfarrtz uneig, eine Geldſchuld habend. 

pfarzen od. pfärzen, ziel, Zw. (engl. parch), cberd, in Schmelz 
röften. 


Pfatſch, m, ſchwäb. f. Path; pfatfchen, pfatſcheln, 3m. f. . 


patfchen, plaͤtſchern. 
Dfatt, fe, —es, M.-e (vergl, Fette), alt und landſch. f. Einfriediz 


gung, Zaun, 


Pfau 1., m., — es (alt u. oberd. -en), M. -e, od. gew. -en, (altd. 


phao, phawo, oberd. Pfaw, Pfab, niederd, Pau, Pauluhn (ſ. d.), angelf. 


pawa, dan, paa, engl. peacock; ital, pavone, franz. paon; vom lat, 


pavoz griech, zeos), ein zum Hühnergefchlecht gehörender, aus Afien 
ftanımender, großer Vogel mit fhönem, goldſchillernden Gefieder, einem 
Federbufihe auf dem Kopf und einem langen, bunten, mit augenförmigen 
Flecken bezeichneten Schweif, welchen der männliche Pfau od. Pfauhahn 
fächerartig aussreitet („ein Rad ſchlagen“)z der weibliche Pfau, die Pfau— 
henne, feltner die Pfauinn, ift faft ganz grau und hat keinen Langen 
Schweifs auch eine Art Lippfiihe (Meerpfau); Sternd, ein füdliched 
Sternbildz — 3feg. dad Pfauenauge, augenähnlider, ſchöner Fleck auf 


den Enden der Federn des Pfauenfhweifesz verfihiedene ſchöne Schmetterlinge‘ ' 


mit ähnlichen Fledenz eine Art Lippfifche mit einem ähnlichen Flecken auf dem 
Schwanze; eine Art Marmor mit rothen u. braunen augenförmigen Fleden 
auf grauem Grunde; dad Pfaueneiz die Pfauenfeder, uneig. ein Stüd 
des Enorpeligen Theild vom Gewinde der Perlmuſcheln, aud der Pfauen— 
ſtein genannt 5 eine Art Aftermoos; dad Pfauenfleifihz der Pfauenfamm, 
eine Art Orüſenblume; der Pfauenkopf; der Pfauenſchwanz od. Pfauen- 











Pfau — Pfeffer 355 


fchweif, uneig. f. die Pfauen- od. Pfautaube, f. d.z ein dunkelrother u. brau: 
ner Zagfalterz ein indifches Staudengewähs mit dem Ritterſporn ähnlichen 
Blüthen; ein in bunten Farben fpielendes verwittertes Kupfererz; ein Stahl: 
waffer, auf deffen Oberfläche ſich eine bunt ſchillernde Haut anfestz ein dem 
Pfauenſchweif ähnliches Feuerwerksſtück; der Pfauenfpiegel, das breite, 
fhönfarbige Ende der Deckfedern des Pfauenfchweifes ; uneig, verfchiedene ſchöne 
Schmetterlinge; der dreimal getheilte Zweizahn oder Wafferdoftz5 das gemeine 
Flohkraut, auch Pfauenkraut genannt; der Pfauenftolz, Stolz auf Schön- 
heit und Außerlihe Vorzüge; der Pfauenwedel, ein Wedel von Pfauenfedern 5 
die Pfauenzunge 2c.; — der Pfaufafan, eine Art Fafane mit himmel: 
' blauen, augenfürmigen Fleden auf den Flügeln und grünen Fleden auf dem 
Schwanzez der Pfaufifch, Meerpfau; die Pfaufliege, Wafferjungferz der 
Pfauhahn, die Pfauhenne, f. 0.5 dad Pfauhuhn, der junge Pfau; die 
Pfauhennes;s Pfauhühner, f. Pfauen überh.; die Nfaunelfe, eine Art 
fhönfarbiger wilder Nelken; ftolze Nelke, hohe Feder: od. Bufchneltez der 
Pfaureiher, ein afrikanifcher Reiper mit einem röthlichgelben Buſch auf dem 
Kopfes die Pfautaube, eine Art Tauben mit breitem, fücherförmigem 
Schmwanze. 

Pfau 2., m, -ed, o. M,, landſch. verderbt f. Cpheuz daher Mauer- 
pfau, ſ. d. 

pfauchen, zielloſ. Zw., landſch. ſ. v. w. fauchen, pfuchzen, fd, 

pfauſen, pfauſten, pfauzen, zielloſ. Zw. (Schallwörter), oberd, f, bla— 
ſend ed, ſchnaubend athmen; aufgeblafen fein; ſchmollen, trotzen. 

Pfebe, w., M.-n, (altd. pfedemo, gem, oberd. Bäbene; vom lat. 
pepo, u, dieſes vom griech. menwv, eig. reif, mürbe), eine Art Kuͤrbiſſe 
mit lappigen Blättern und glatter, vielfamiger Frucht, aud der Pfebenfür- 
biſs genannt; oberd. überh. f. Kürbifs, Melone, 

Dfeffer, m., -8, 0. M., (nicderd- Peper, engl. pepper, dän, peber, 
franz. poivre 20.5 v. lat. piper, griech, mexedı; ſanékr. pipali), die ald ein 
fharfes Gewürz dienenden runden Beeren verfchiedener ausländifchen Ge— 
wächfe, bef. des gemeinen Pfefferftrauches in Oftindien, welche, wenn fie 
reif find, den weißen, und wenn fie unreif find, den Shwarzen Pfeffer 
geben (ganzer, geftoßener Pfeffer z ſprichw. wäre er doch, wo der Pfeffer 
wählt, d. i, weit von hierz uneig, gem. ein Schlag aus dem Pfeffer, d. i. 
ein ftarfer, heftig brennender Schlag) 5 landſch. auch eine mit Pfeffer ftark 
gewürzte Brühe, und eine mit foldyer Brühe zubereitete Speife (Hafen: 
pfeffers fprihmw, da liegt der Hafe im Pfeffer, d. i, darin liegt der wahre 
Grund der Sache) 5 ehem. in weiterer Bed, f. jedes Gewuͤrz; andere auslän= 
difche Pfefferarten find: der lange Pfeffer in Oftindienz; der indiſche 
oder fpanifhe Pfeffer, mit tutenförmigen, rothen Schoten, deren Sa— 
mentörner einen fharf brennenden Gefhmad haben, auch Taſchen-, Scoten- 
pfeffer 20. genonnt; der Bogelpfefferin Amerika, eine Art des fpanifchen 
Pfeffersz; der falfche indifhe Pfeffer, eine Art des Nachtſchattens auf 
der Inſel Madeira; der jamaifhe Pfeffer od. Nelfenpfeffer in Ja— 
maika; der japanifhe Pfeffer 20,5 aud) verfchiedene einheimifche Ge— 
wächfe wegen ihrer brennenden Schärfe, z. B. der Froſch-, Mauerz, 
Schwanz-, Stein-, Wafferpfefferz bef, die ſchwarzen Beeren des Keuſch— 
baums: deutſcher Pfeffer; — 3ſetz. der Pfefferbaum od. -ſtrauch, 

"93% 


356 pfeifen 


die Pfefferftaude, ſ. 0.5 auch f. Kellerhals, ſ. d.3 der wilde Hfeffer: 
baum, eine Art des Sumachs in Oftindien; die Pfefferbruͤhe; die Pfefz 
ferbuͤchſe, das Pfefferfaſs od. -faͤſschen, ein kleines Tifchgeräth zu geſto— 
fenem Pfeffer; der Pfefferfraß od. =freffer, Pfeffervogel, ein ſchön ges 
fiederter brafilifcher Vogel mit fehr großem, fügenähnlich gerändertem Schna= 
‚bet, Hohlſchnäblerz die Pfeffergurfe, mit zerftopenem Pfeffer und Effig ein- 
gemachte Eleine Gurken; das Pfefferholz, landſch. f. das Holz des Spindel» 
baumes u, diefen Baum felbft, auch Pfefferröslein (werderbt aus Pfaffenholz, 
Pfaffenröslein, ſ. Pfaffe); auch f. Keufgbaum, Mönchspfefferz dad Pfef— 
ferkorn; das Pfefferkraut, eine Art Kreſſe von pfefferähnlichem Geſchmack 
in England und Frankreichz auch f. Saturei, niederd. Kölle, Kbllen, auch 
Wurſtkraut genannt; der Pfefferkuchen, ein Backwerk aus Mehl, Honig 
und Pfeffer od, anderm Gewürz, auch Honigkuchen, oberd. Lebkuchen; der 
Pfefferkuͤchler, Pfefferkuchenbäcker ʒ der Pfefferkuͤmmel, Gartenkümmel, 
römiſcher Kümmel; die Pfeffermuͤhle, kleine Handmühle zum Mahlen des 
Pfeffers; die Pfeffermuͤnze, eine Art der Münze (ſ. Münze 1 ) von ſcharfem 
Geſchmack; daher das Pfeffermuͤnztuͤchlein, mit Pfeffermuͤnzoͤl angemachte 
kleine Zuckerplätzchen; die Pfeffernuſs, ein nuſs⸗ oder würfelförmiges Gebäck 
aus Pfefferkuchenteigz das Dfefferöl, aus dem ſchwarzen Pfeffer gezogenes 
gelbliches Dis der Pfefferfehwanm, eine Art efsbarer Blätterſchwämme mit 
beigendem Saft, auch Pfefferling od, Pfifferling, Bitterling genanntz 
der Pfefferflein, aus Kleinen Körnern zufammengefepter Kaltftein, Rogen- 
fein; der Pfefferſtrauch od, die Pfefferſtaude, der Strauß, auf welchem 
der Pfeffer wächſtt; — Ableit, der Pfefferling, ſ. o, Pfefferſchwamm; 
pfeffern, Zw. 1., ziellos m. haben, wie Pfeffer brennen (es pfeffert auf 
der Zunge), uneig, landſch. fe weh thunz 2) ziel. mit Pfeffer wuͤrzen (eine 
Speife) 5 uneig, f. einer Sache unangenehme Schärfe od. Nachdruck geben 
(ein Schlag ift gepfefferts gepfefferte Worte u. dgl.) ; ſchwäb. am Zage der 
unfhuldigen Kinder, welher der Pfeffertag heißt, mit einem Rüthchen 
Schlagen, wie die Knaben den Mädchen thun, um Feine Gefchenfe (vielleicht ur- 
ſprünglich Pfefferkuchen 2c,) von ihnen zu erhalten, 

pfeifen, ziellof, u, ziel, Zw. (mittelhochd. pfifen, Impf. pfeif, Mw. ge- 
pfiffenz; niederd, pipen, ſchwed. pipa, engl, pipe; ein Schallwort, vergl, 
piepen), ablaut. Smpf. pfiff, Gonj. pfiffe, Mw. gepfiffenz einen feinen, 
hellen Ton hören Taffen od. hervorbringen (der Wind pfeiftz die Kugeln pfei— 
fen in der Luft; Vögel, Mäufe 2c. pfeifen; mit dem Wunde pfeifen, indem 
man durch die enge Oeffnung der zugefpisten Lippen die Luft ausſtößt); nie: 
derd, uneig, f. mit feiner, ſchwacher Stimine reden, bef. Elagenz in engerer 
Bed. auf einer Pfeife (ed. Beinen Flöte) blafen (ſprichw. wer gern tanzt, 
dem ift leicht gepfiffen, 8, i. wem etwas Vergnügen madt, der ift leicht zu 
befriedigen; auf dem legten Loche pfeifen, gem, f. in den legten Zügen liegen, 
dem Untergang nahe fein); etwas —, d. i. ed mit dem Munde pfeifend 
od. auf einer Pfeife hören laffen (ein Lied, ein Stückchen); oberd. gem. f. 
feine Nothdurft verrichten; daher wohl uneig. einemetwas —, gem, f. das, 
was der Andere wünſcht oder erwarfet, nicht thunz — Bfeg, bie Pfeife 
ammer, Hedenammer, gefleckte Ammerz die Vfeifdroffel, eine Art Drof: 
feln, größer alö die Sangdroffel, die einen pfeifenden Laut von ſich giebt, Zip: 
broffel; die Pfeifente, eine Art wilder Enten, die im Auffliegen und Fallen 





Pfeil 857 


einen pfeifenden Ton hören laſſen; der Pfeifholder, landſch, f. Kirſchvogel, 
Dirolz der Pfeifholter (aud) Pfeffolter, Pfeiffolt?) landſch. f. Schmetterling z 
die Dfeiflerche, Pieplerdes — Ableit. der Pfeifer, -$, (altd, phifari) 
wer pfeift, insbef. wer die Pfeife zu blafen verfteht (Sad, Querpfeifer 26.) 5 
alt u, landſch. überh. f. Spielmann, Mufifant (Kunft:, Stabtpfeifer) ; 
Naturk. verfchiedene Vögel, welche einen pfeifenden Ton hören laſſen; eine 
Art Sechahn, die Meerleier; auch die Raupe des Rüſſelkäfers, welche die 
Rübfamenfhoten aushöhlt (wohl von Pfeife f. Nöyre); die Pfeiferei, ver: 
ächtl. f. dad Pfeifen; — die Pfeife, M, -n, Verkl. das Pfeifchen, 
(altd, phifa, pfifez engl, Afe, pipe; niebderd. Pipe, ſchwed. pipa, dän. 
pibe) 1) ein röhrenformiged Tonwerkzeug, weldes vermittelft der eingebla- 
fenen Luft einen pfeifenten Ton giebt, z. B. Flöten, Schalmeien, Orgelpfei— 
fen (f. d.); gew. nur die Fleineren Tonwerkzeuge diefer Urt, welche einen 
fharf gellenden Zon geben, und zur Begleitung der Trommel bei den Solda- 
ten, zum Kinderfpielzeug u. dgl. dienen (Balm:, Rohr-, Schnurr-, Quer-, 
ı Sadpfeife ꝛc.; fprihw. nad) eines Andern Pfeife tanzen, d. i. fich nach jeinem 
Willen bequemen; Pfeifen ſchneiden, weil man im Rohre fist, d. i. die Gele 
genheit nugen); 2) in weiterer Anwendung überh, eine Möhre od, ein mit ei= 
nee Möhre verfehened Ding, 3. B. die Bellen in den Wahöfcheiben, bie 
Röhre eines Eeuchters, eine Brunnen: od. Wafferrbhre, Wafferleitung (niederd, 
Pipe); die Röhrknochen der Menſchen u, Thiere; Gärtn. ein mit einem Auge 
verfehenes, von einem Scyöfsling abgeftreiftes ringfürmiges Stüd Rinde, wel 
ches auf ein anderes Neis aufgejhoben wird, um einen Baum zu pfeopfenz 
auch f. Fächſer, Shöjsting ; bef. dad röhrfürmige und mit einem Kopfe ver: 
fehene Werfjeug zum Tabackérauchen, die Tabackspfeife (eine thönerne 
Hfeifez eine Pfeife ftopfen, anzunden, rauden 2c.)5 — 3feg. der Pfeifen 
befihlag, Beſchlag eines Pfeifenkopfes; der Pfeifenbohrer, Drechsl, ein 
langer Bohrer zum Ausbohren der Pfeifenrbhrez das Pfeifenbrett, ein 
burdjlöchertes Brett, worin die Orgelpfeifen ſtecken; ein Geftel für die Ta: 
backspfeifen; der Pfeifendeckel, Deckel eines Pfeifenfopfes; das Pfeifen- 
holz, ein Holz, woraus Pfeifen geſchnitten werden, bef, das Holz des Pfei: 
fenſtrauches Tandfch. aud) f, die Sahlweide od. Hohlweide; der Pfeifenkno— 
“chen, Röhrknochen, auch bloß Pfeife, 0.); der Pfeifenkopf, Kopf einer 
Tabackspfeifez der Pfeifenmacher, wer Tabackspfeifen, bef. von weißem 
Thone macht; der Pfeifenmetgel, eine Art Mergel in Geftalt aufrechtſte— 
hender Orgelpfeifen; die Pfeifenmufchel, einſchalige, ungewundene, pfei: 
fenühnliche Schneckez der Pfeifenraͤumer, ein Werkzeug zum Ausräumen ' 
der Tabackspfeifen; das Pfeifenrohr, Rohr einer Tabackspfeife; die Pfei— 
fenſpitze, das gewöhnlich hörnerne Mundſtück einer Tabadspfeifez der Pfei⸗ 
fenſtiel, der Stiel od, auch ein abgebrochenes Stück einer thönernen Tabacks— 
pfeifes der Pfeifenſtopfer, wer die Pfeifen ſtopft; auch ein Wetkzeug, den 
brennenden Taback in der Pfeife feftzudrüdenz der Pfeifenſtrauch, landſch. 
f- fpanifher Holunder, aus deſſen Holz man Pfeifenrögre macht; der Pfei- 
fenthon, ein weißer, feiner Thon, aus welhem Zabadspfeifen gebrannt 
werden; dad Pfeifenwerf, ein aus Pfeifen zufammengefegtes Werk, bef, Or: 
gelwerk; — Ableit. von Pfeifer pfeifen, ziel. Zw. (nur umend, pfeifte, 
oepfeift), Gärtn. mittelft einer Pfeife (f. o.) pfropfen 08, veredeln. NL 
X Pfeil, m, es, M.e, Verkl. dad Pfeilchen, (altd. pbil, pil, 


\ 


358 Pfeiler — Pfennig 


niederd. Piel, ſchwed. pil; vom lat, pilum, Wurffpieß), ein Geſchoſs, be— 
ftehend in einem leichten, hölzernen, an einem Ende befiederten, an dem 
andern zugefpigten und gew. mit Widerhafen verfehenen Stabe, welcher von 
einem Bogen abgefchnellt wird (ſchnell wie ein Pfeitz feine Worte dringen 
wie Pfeile ins Herz 2c.); uneig. dicht. f. die Sonnenftrahlenz; Stern, ein 
Eleined Sternbild nördlid, über dem Adler; Naturk. eine Art Spinnenfifch 
it fpisem Kopfes — 3fes, die Pfeilblume, eine oftindifche Pflanze mit 
pfeilförmigen Beuteln an den Staubfädenz der Pfeildrache, eine Gattung 
des Seedrachen mit langem Stachel auf dem Rüden; der Pfeilfiich, eine Art 
Hecht mit pfriemenförmigem Maule; pfeilfürmig, Bw.; dad Pfeilfutter, 
der Köcher; die Pfeilhöhle, Anat, eine Höhte’in dem Hirnhäuthen, der 
Mfeiladergangz das Pfeilfraut, verfhiedene Pflanzen mit pfeilförmigen 
Blättern, inöbef. eine Art des Wegetritts (polygonum amphibiumL.)z eine if 
Flüffen und Seen wachſende Pflanze (sagittaria L.); die Pfeilmaus, Spring: 
maus; die Wfeilmufchel, eine vielfchalige, faft walzenförmige Muſchel chne 
Gewinde, lange Spitzmuſchel; die Pfeilnath, Anat, eine Nath in der Hirn: 
ſchale; die Pfeilnatter od, Schlange, eine Art ſich ſehr ſchnell bersegender 
Schlangen in Surinam; die Pfeilſchnecke, eine Art länglicher Blaſenſchnecken, 
der bunte Bohrer, das Springhörnden, der Strohhalm; pfeilfihnell, Bw., 
ſchnell wie ein Pfeil, ſehr fhnellz die Pfeilfchnelle, fehr große Geſchwindig— 
keit 5 der Pfeilſchwanz, ein Thier mit pfeilfbrmigem Schwanze, insbe, eine 
Art Schmetterlinge, deren Raupen einen pfeil= od. hornähnlichen Fortfaß auf 
dem Hinterleibe habenz das oftind. fliegende Eihhornz eine Art Rochen mit 
einem Stachel am Schwanze; die Spisente; eine Art Eeiner Taucher; der 
Hfeilftein, ſ. v. w. Fingerftein; die Pfeilwurz oder »wurzel, eine ſüd— 
amerikanische Pflanze, deren Wurzel als Nahrungs= und Heilmittel dient 
(engl, arrow -root)5 die Pfeilwurzel, auch f. v. w. Spieß-, Pfahlwur: 
sel, ſ. d. 
Pfeiler, m., -3, M. w. E., Verkl. dad Pfeilerchen, (altd, philari, 
niederd, Piler, engl, pillar, ſchwed. pilare, franz, pilier ꝛc. vom mittl. 
lat. pilare, altlat. pila), eine eckige, aus Stein gehauene od. gemau— 
erte Stuͤtze, entweder frei ſtehend, oder zum Theil in eine Wand eingemauert 
(Wandpfeiler), verſch. Säule; auch der ſchmale Mauerraum zwiſchen 
zwei Fenſtern; Bauk. der Schaft einer Säule, entg. dem Fuß u, Gebalk; 
Bergw. dad Geſtein, welches man in den Gängen zur Tragung des Hans 
genden ftehen läfftz der Pfeilerftein, Säulenſteinz die Pfeilerweite, die 
Weite zwifchen zwei benachbarten Pfeileenz pfeilern, ziel. Zw., mit Pfei— 
lern verſehen, unterſtuͤtzen. 
Delle, m, M. -n, (auch die Pfrille) oberd. f. Elritze, ein Fiſch. 
Pfelle od. Pfeller, m., -, M. w. €, (altd. pheller, phellol, pfelle, 
pfelʒ vergl. d. lat, palla, pallium) alt oberd. ein koſtbarer Seidenſtoff, u, 
ein daraus verfertigter Rock, Mantel u, dgl, 
Nfennich od. Pfench, m., - «8, oberd. f. Fuchsſchwanz, Send, f. d. 
Pfennig, alt u, oberd. Pfenning, m., -ed, M.-e, (altd, pfantinc, 
pfending, phenninc, pfenninc; dan, pendig, angelf, penig, pening, 
engl. penny, ſchwed. penningz die Altefte Form pfantine macht die Abftam- 
mung von Pfand wahrfcheinlichz eö bezeichnet urfpr, jedes bewegliche Gut, 
welches als Pfand dienen kann, dann bef, ein Gelbftückz vergl, jedoch auch das 











Pferch 359 

* \ 
Tat, pendo, wägen, zahlen), 1) ehem. f, Geldſtuͤck, Muͤnze überh. 4, B. 
Schau-, Denk-, Blechpfennig 2c, f. s münzez vergl, aud) Weißpfennigz in 
biefer allgem, Bed. ward es ehem, zur Unterfcheidung bejtimmter Münzforten 
mit verfchiebenen beimdrtlichen Bufägen verbunden, welche dann zu felbftän: 
digen Hauptw, wurden, 3.8. Gulden aus: gulden Pfenningz Heller aus 
Haller Pfenningz Grofchen aus groß Pfenning (denarius grossus); Kreuzer 
aus Kreuzer: Pfenning 2c.)5; daher noch uneig. f. Geld uͤberh. in Bfeg. wie 
Beiht:, Noth-, Behrpfennig ꝛc.; in weiterer Bed, ehem, auch f. Geldes— 
werth, Vermögen, Waare (daher noch bei Steuern u, Xuflagen, der vierte, 
fünfte 20, Pfennig, d. i. der 4te, Ste Theil des Vermögens od, Werthes der 
liegenden Gründe); 2) jegt gew. eine kleine Fupferne Scheidemünge von ver: 
fchiedenem Werth, meift = „; Grofhen, zZ Kreuzer, od. 2 Heller (einen bei 
Heller und Pfennig bezahlen, d. i. völlig, ohne den aeringften Abzug) 3 uneig, 
Naturk. gewiffe verfteinerte Schnecken (auch Pfennigfteine fr, Heli— 
eiten), u, verfteinerte, faft runde Mufcheln (fe, Chamiten); 3) ein Gewicht 
= 4 Quent, od. 2 Heller; landfd, aud ein Gold- und Silbergewicht = 
yir Mark od. 13 Loth; — Bfes. dad Pfennigerz, ein Eifenerz, welches in 
Stümpfen in flahen Stücken gefunden wird; der Pfennigfuchfer, gem. f. 
ein ſchmutzig geiziger Menſch; dad Pfenniggeld, vit. f. Geldftod, Haupt: 
geld (Capital); auch f. Binfen, Gefälle, Abgaben; das Pfenniggewicht, 
Hüttenw. eine Art des Probirgewichtes, wo die Mark in 156 Theile getheilt 
wird; dad Pfennigkraut, eine Art des Weiderichs, deffen Stengel mit Hei: 
nen runden Blättern gleich Pfennigen befest ift, Wiefengeld, Wiefenkraut, 
Egelkraut; aud) die Feldtafche, u. der Bauernfenf, wegen ihrer runden, fla= 
hen Samenſchoten; bie Pfenniglinfe, Gartenlinfe,; die Pfennigmarf, 
Hültenw. die in 156 Theile getheilte Mark, ſ. Pfenniggewidts der Pfennig 
meifter, alt u, landſch. f. Einnehmer, Schagmeifter, Kaffenverwalter; die 
Pfennigſchenke, eine geringe Schenke od. Kneipe; der Pfennigftein, f. o. 
Pfennig; der od. dad Pfennigwerth, gem. verkürzt: Pfennwerth, 
Pfennert, —es, alt u, oberd,. was einen Pfennig werth iftz in weiterer 
Bed. was Geld werth od. verkäuflich ift, eine Waare, bef. eine geringe Waare 
(3. B, in Nördlingen ein kleines Brod, in Nürnberg ein Maß: Pfennfert)z 
daher pfennwerthen od. pfennferten, oberd, Zw. f. im Kleinen Faufen 
oder verkaufen; pfennigwerth, aud pfenniggut, pfenniggültig, Bw, 
oberd. f. geldeswerth, vollgüttig; — Ableit, der Pfenniger, -$, eine 
Minze, welche eine gemiffe Anzahl Pfennige gilt, nur in Zſetz. wie Acht-, 
Sechs-, Vierpfenniger, 

Pferch, m, —es, M. -e, od. die Pferche, M, -n, (mittelhochd. 
pferrib, vem althodd, parric, parc, mittl, lat, parcusz von bergen, altd. 
perkanz vergl. Park), ein mit Hürden eingefhloffener Raum auf einem 
Brachfelde, in welchem man eine Schafheerde übernachten läſſt, um das Land 
zu düngenz überh, ein eingefriedigter oder eingezaunter Raum; auch die 
Art und Weiſe, ſolche Pferche zu machen, und mittelft derfelden das Land 
zu büngen, heißt: die Pferche, vw. in der Landw. heißt der zuruͤckbleibende 
Dinger, u. in weiterer Anwendung aller Koth der vierfüßigen Thiere: 
Pferch; — Bfes. die Pferchhütte, der Pferchkarren, Hütte od, Kar: 
ren, worin der Schäfer bei dem Pferch übernachtet; dad Pferchlager, bie in 
dem Pferche gelagerten Schafe; die Gefammtzahl der Schafe bei einem Gute; 


360 | Per 


u. 
der Pferchichlag, das Auffälagen ver Pferde; — Ableit, pferchen, 
ziel. u. zielloſ. zw., einen Pferch machen; mit Pferden beziehen und da= 
durch duͤngen (einen Acer); in einen Pferh einfließen (die Schafe), das 
ber uneig, überb. in einen engen Raum zufammendrängenz ten Pferch od. 
Koth von fich laffen, miſten. 

Pferd, fe, -d, M. -e, Verkl. dad Pferdchen, (niekerd. Peerdz 
mittelh. pfaerit, pferit, pfert, bef. Reitz od. Reifepferd; erſt im Mittelhochd. 
aus dem mift!. fat, paraveredus, Nebenpferd, v. veredus, Pferd, bef, Peft: 
pferd, entftandenz bie ältere Sprache gebraucht dafür hros, Rofs, u, marah, 
vergl. Mähre 2), ein befanntes, fehr nuͤtzliches, zum Neiten, Ziehen 
und Laſttragen dienendes vierfüßiges Säugethier mit ungefpaftenen Hufen, 
einer Mähne und einem langhaarigen Schwanze, auch Roſs, Gaul ꝛc. ge 
nanntz doch ift Pferd im Hochd. die allgemeinſte, keinen Nebenbegriff erthals 
tende Benennung der ganzen Ihiergattung 3 das ungefihnittene männliche Pferd 
heist Hengftz das entmannte: Wallach; des weibliher Stute; das 
junge: Füullenz (ein Ader:, Kutſch-, Reit, Zug-, Poſt-, Hand:, Eat: 
telpferd 20.3 ein wildes, ein zugerittenes od. eingefahrenes Pferd; Pferde hal- 
ten; die Pferde anfıhirren, an- od. ausjpannen 2,5 zu Pferde reifen, b.i, 
reitend; uneig. fprihw, fid vom Pferde auf den Efel fegen, d. i. feinen Zu: 
fand verſchlimmern; die Dferde hinter den Wagen ſpannen, d. i. eine Sache 
verkehrt anfangenz fid aufs hohe Pferd fesen, d. i. fid ein ſtolzes Anfehen 
geben; auf einem fahlen Pferde betroffen werden, f. fahl); auch f. Pferd und 

„ Reiter zufammen, (5. 8. ein Gefolge von zehn Pferden, d. i. zehn Begleitern 
zu Pferde); uneig. heißen die großen, grünen Heuſchrecken: Bferdchen, 
Gras- 0d, Heupferdchen; — in Bfes, bezeichnet Pferd, wo es nicht in 
feiner eig. Bed. ftcht, häufig das Größte feiner Urt (5. B. Pferdeameife, 
Pferdenufe)z; bisw, aud) etwas Schledhtes, Geringes, nur für Pferde, 
nicht für Menſchen Braudbares: die Pferdeameiſe, die größte, ſchwarze 
Ameiſez die Pferdearbeit, eine mit Pferden zu verrichtende Arbeit, eine Ar: 
beit für Pferdes daher uneig. eine ſchwere, mühfame Arbeit; der Mferdearzt, 
ein Arzt f. Pferde; fo auch die Pferdearznei, die Pferde-Arzneikunde; 
der Mferdebändiger; der Pferdebauer, ein Bauer, welcher Pferde hait, 
z. U. v. Ochſenbauer; die Dferdeblume, Löwenzohn, Wachtelweizen; die 
Nferdebohne, große Bohne, Feig-, Feld-, Futter-, Rofsbohne 2c., wovon 
die Sıuhohne eine Abartz die Pferdebremfe, zwei Gattungen von Bremfen, 
deren eine ihre Eier auf die Schultern und an die Kniee, die andere an bie 
" ‚Lippen der Pferde Yegtz die Pferdedede, ſ. Schabradez der Pferdedieb; 
der Pferdediebſtahl; der Pferdedienft, ein mit Hferden zu leiftender Dienft, 
bef. Frohndienſt, Pferdefrohne; die Pferdedille, eine ſchlechtere Art Dilez 
der Dferdefenchel, Roſs- od, Waſſerfenchelz das Pferdefleiſch; die Pfer— 
defliege, eine Art Viehbremſe, welche befonders die Pferde plagt; der Pfer⸗ 
defuß, uneig. Naturk, eine Gienmuſchel; dad Pferdefutter; dad Pferdes 
geräth, ⸗geſchirr; das Pferdegift, Alles, was für Pferde ein Gift iſtz beſ. 
ein platter, halbrunder, weicher Körper, welchen die Füllen auf der Zunge 
mit auf die Welt bringen und ſogleich verſchlucken follen, auf Pferdemilz 
genannt; dad Pferdegras, wolliges Honiggras, Rofsgras; dad Pferdes 
auf, ein Bauerngut, zu deffen Beftellung menigfiens ein Paar Pferde gehals 
ten werden müffen; dad Pferdehaar, ein Haar od, (ald Sammelwort) Haare 


4 F * Pferſich — Pfingſten 561 


von einem Pferdes insbeſ. die langen Haare der Mähne und bes Schmeifes, 
f während man die kürzeren des Leibes Nofshaare zu nennen pflegt; pferde 
haaren, gew. als -bären, Bw., von Pferdhaaren gemaditz Dir Dferdes 
- hai, die größte Art des Haies; der Pferdehandel; der Pferdehaͤndler; 
der Pferdehirſch, Brand-, Roſshirſch mit langen Haaren am Halfe; der 
Mfervehuf, f. Huf; uneig. Naturk. eine Urt des Waffernabeldz eine Gien— 
muſchel (f. Pferdefuß); der Pferdejunge od, =bube, Pferdefnecht, Hüter 
und Wärter der Pferde; die Pferdefaftanie, wilde od. Rofekaftaniez der 
Pferdekopf; die Pferdelaus, auf Pferden lebende Laus; fliegende 
Pferdelaus, f. Lausfliegez der Pferdelenker; der Pferdemarkt, f. 
> Markt; pferdemäßig, Bw. u. Nw., einem Pferde gemäß, wie ein Pferd 
(pferdbemäßig arbeiten, gem, f, viele und ſchwere Arbeit thun); der Pferde= 
miſt; die Pferdemühle, von Pferden getriebene Mühle, gew, Rofsmühlez 
\ die Pferdemünze, wilde Münze, Rofsmünze, niederd. Pagemünze 20,5 auch 
die kleine Feld; oder Ackermünze; die Pferdenufs, die größte Art Wallnüſſe; 
die Pferderaupe, ein raupenähnliches Waffer - Infect mit einem röhrfbrmigen 
Küſſelz der Pferdefamen od. die Pferdefant, Roſs- od. Waſſerfenchel z der 
Merdefhwanz, edler: Pferdefchweif od. Roſsſchweif; Pflanz. das Kan- 
naeoakrautz aud der Schachtelhalm, das Schaftheu ; der Dferdefchwefel, der 
—  gedöfte und unreinffe Schwefel, als Pferdearznei gebrauhtz die. Pferde— 
ſchwemme, ſ. Shwemme; der Pferdeftallz der Pferdeftein, ein fteinar- 
tiger Korper, welcher ſich zuweilen in dem Magen, den Gedärmen, od, der 
Gallen! und Harnblaſe der Pferde erzeugt; der Dferdeverleiher od. = ver- 
miether, wer Neitpferde für Geld verleiht; bie Pferdewurz, eine Art der 
Eberwurz, weiße Rofswurg, wilde Artiſchocke; das Nferdezeug, Pferdege⸗ 
ſchirr; die Pferdezucht, Vermehrung und Aufziehung der Pferde; — Ab: 
— Leit, pferdeln, zielloſ. Zw., ſchweiz. f. nach Pferden riechen; der Pferd- 
ner, -d, oberds f, Pferdebauer, ſ. d. 
Pferſich, m., —es, M.-e, oberd. f. Pfirſich, f.d. 
pfetzen od, pfitzen, ziel. Zw., alt u. oberd. f. fetzen (ſ. d.), ſchneiden od, 
reißen; beſ. kneipen (niederd. pegen)z daher der Pfetzpfennig, landſch,f. 
Geizhals, Knicker. 
pfiefen od. pfeifen, ziellof. Zw., ſchwäb. f. ſchwellen, aufſchwellen; 
auch f. ziſchen; der Pfies od, Pfeis, ed, M.-e, ſchwäb. f. Geſchwulſt. 
Pfiff, m, ᷑es, M.e (von pfeifen), das Pfeifen, u. beſ. ein durch 
Pfeifen hervorgebrachter einzelner Ton; aud ein dadurch gegebenes Zei— 
chen (3. B. der Hund verficht dem Pfiff); daher uneig. eine feine Bit, eim 
verſteckter Kunftgeiff, Rank; bair. auch f.v, w. Pfifferling 2.3 vfiffig, 
Bw., f. ſchlau, liſtig, verfchmißt, durchtrieben; die Pfiffigkeit, Schlau— 
heit ꝛc.; aud ein liſtiger Streich; der Pfifſicus, (mit latein. Endung), 
ſcherzh. f. ein pfiffiger Menfh, Schlauferf. 
Dfifferfraut, ſ., landſch. f. Tauſendguͤldenkraut. 
Pfifferling, m., —es, M. -e, 1. ſ. v. w. Pfefferling, Pfeffer— 
ſchwamm, fd — 2. (von pfeifen, ſ. d.) gem. oberd. f. thieriſcher Koth; 
daher uneig. fi eine geringfügige, werthloſe, unbedeutende Sache (keinen 
Hfiferling darum geben; vergl, Dred). 
Pfingften, die, o. E. (altd. imfchustim, mittelh, pfingesten, nieberd. 
Pingſten, ſchwed. pingest; franz, pentecötez aus dem griech. werınzoori, 





a A Tu 


TE 
* — ———— 


* * 
ET, 
* 


Er 
were 


9* — * 





862 ; Pfinztag — Pfirſich 


d. i. der funfzigſte, näml. nude, Tag), das chriſtl. Feſt zum Andenken 


der Ausgießung des heil, Geiſtes, 50 Tage nad) Oſtern gefeiertz eig. nur 


Mehrh., wie Oſtern, Weihnachten ꝛc. (3. B. kalte Pfingftenz die Pfingften 
fallen fpät 2c.), häufig jedoch mit Weglaſſung des Artikels und beſ. nach einem 
Bmw. als Einheit betrachtet (z.B. Pfingften ift vorüber; auf, bis, nad, 
um Pfingften 20.)5 — in 3feß. lautet es nur Pfingft: der Pfingftabend, 
der Abend vor Pfingftenz dad Pfingſtbier, landſch. Bier, welches die Ein: 
mwohner eines Ortes oder die Glieder einer Zunft um Pfingften gemeinſchaftlich 
auftrinken; u. die Zufammenfunft zu diefem Zwecke, auch die Pfingftgilde 
genannt; die Pfingfiblume od. Pfingftrofe, Königs: oder Gichtroſe (fr. 


Päonie); der Pfingfifeiertagz; das Pfingſtſeſt; das Pfingfthuhn, ein 


dem Grundheren zu Pfingften dargebrachtes Zinshuhn; ber Pfingftmonat, 
der Monat, in welchen Pfingften zu fallen pflegt, Maiz der Pfingſtmon⸗ 
tag, der Montag im Pfingſtfeſte, zweite Pfingſtfeiertagz die Pfingſtnacht, 
Nacht vor Pfingſten; der Pfingſtochs, ein geputzter Ochs, welcher zu Pfing— 
ſten feierlich auf die Gemeinweide getrieben wird, welche nun wieder beweidet 
werden darf (daher uneig. geputzt wie ein Pfingſtochs, d. i. geſchmacklos mit 
Putz überladen); dad Pfingſtſchießen, Scheiben: od. Vogelſchießen um Pfing— 
ſten; der Pfingſtſonntag, der erſte Pfingſtfeiertag; der Pfingſttag, f.v. w. 
Pfingſtfeiertag, deren 2 bis 3 find; der Pfingſtvogel, landſch. f. die Gold: 
amfel; die Pfinaftweide, =wiefe, der Pfingftanger, eine bis Pfingften 
gehegte Gemeinweide; die Pfingſtwoche; die Pfingfizeit 20.5 — Ableit. 
pfingſtlich, Bwi, felten f. was um Pfingften iſt oder geſchieht; wer 
Pfingſtling od. Pfingftel, -&, bair, ein Strohmann, welder am Pfingft: 
monfag von den jungen Leuten feierlich) herumgetragen wird, auch Pfingft: 
Lim mel genannt. 

Pfinztag od. Pfinstag, m. (miht Pfingfttag! altd. phinztac, d, i, der 
5te Wochentag, von dem griech. zevre, fünf, gebildet, wie Pfingften von 
tevrnroors; neugried. 9 eumen; in der röm. Kirchenſprache: Feria quinta, 
quinta-sabbati), oberd. f. Donnerstag. 

Pfipps, m., ſ. v. w. Pipps, ſ. d. 

pfirren, ziellof. 3w, m. haben, (ein Schallwort) ſchweiz. f. ſich wie ein 
Kreifel herumdrehen, wirbeln; uneig. fih in gefhäftigem Müfiggang 
unruhig bewegen; die Pfirre, M. -n, ſchweiz. f. der Kreiſel; uneig, eine 
unrubig gefchäftige und doch nichts ausrigtende weibl. Perfonz auch die ge 
ſchäftige Unthätigkeit. 

Pfirſich od. Pfirfiche u. gem. age. Pfirſche, w., M. -enz auch der 
Pfirſich, -ed, Me -e (oberd. der Pferſich, Pferfings aus dem ital, persica, 
3905. pesca, und dieſes aus dem lat. persicum malum, d. i. perfifcher Apfelz 
niederd. Päske, franz. peche, engl, peach), die runde, fleifchige, ſehr 
faftige und ſchmackhafte Frucht des Pfirſichbaumes, welder zum Geſchlecht 
des Mandelbaumes gehört und aus Perfien ftammt, zunächſt aber aus Stafien 
in unfere Gärten gefommen iſt; dad Pfirfichblatt, uneig. eine Art Venus: 
mufcheln auf Domingo, welde gefhliffen eine ſchöne rothe Farbe habenz die 
Pfirſichbluͤthe, die bläulichrotbe Blüthe des Pfirſichbaumes z daher pfirfich- 
blüthen, Bw., ſ. v. w. pfirfichblüthfarben od. sroth; der Pfirfihbrannt- 
wein, über Pfirſichkerne abgezogener Branntwein (fr. Perfico); der Pfirfich- 
fern, der in einer fteinharten Schale befindliche, angenehme bittere Kern der 





ER ED 


* 


pfispern — Pflanze 363 


Pfirfihz dad Pfirfichkraut, einige Arten des Wegetritts, deren Blätter Pfr- 
fihblättern ähnelnz der Pfirfichftein, der Pfirfihkern mit der fteinharten 
Shalez Natur, ein Naturfpiel von ähnlicher Geftaltz die Pfirfichweide, 
eine Art Weiden, deren Blätter Pficfihblättern ähneln, Pfahl:, Bufdhweide ıc. 
- pfispern, ziellof. Zw., oberd. f. fispern od. wispern. 

Pfiſter od. Pfifterer, m., -8, M. mw. E. (vom lat. pistor), oberd, f, 
Bäcker, bef. ein Mundbaͤcker an Höfen und in Klöfternz die Pfifterei, od, 
abgek, die Pfifter, (at, pistrina) f. Bäckerei, Backhaus; pfiftern, ziellof. 
3w., f. Backen, Bäckerei treiben, 

pfit, ſchweiz. Empfindt, f. pfui. 

pfißen, pfitfhen, pfutfchen, zielloſ. Zw., oberd. Schallwörter, welde 
eine mit dem Laut pfiß, pfitſch verbundene fchnelle Bewegung ausprüdenz 
dann überh. f. ſich ſchnell od, plöslich bewegen, fchnell entweichen (z. 8. 
aus der Hand —)5 uneig. mit Lachen, Geheimniffen u. dgl. herauspfitzen, 
auch -pſitzern, d. i. plöglic) herausbrechen, herausplatzen; der Pfitz, ſchwäb. 
f. Sprung; alle Pfig f. alle Augenblickez der Pfitzauf, ſchwäb. f. ein in 
die Höhe gehendes Eiergebäck; aud ein unftäter, unruhiger Menſchz der 
Pfitz- oder Pfitfchpfeil (vergl. Flitzpfeil), f. ein vom Bogen abgeſchoſſe— 
ner Pfeil, 

Pflanze, vo, M. -n, Berk, dad Pflängchen, (altd, phlanza, 
ſchwed. planta, engl, plant, franz. plante; vom lat, planta), ein organi= 
ſcher Naturförper, welcher Leben ohne Empfindung und willfürliche 
Bewegung hat, jedes Gewaͤchs; in engerer Bed, gem, ein Gewaͤchs, wel— 
ches faftige Stengel ımd Blätter od. Kraut hat, alfo alle Gewähhfe mit 
Ausſchluſs der Bäume, Sträuder, Moofe und Schwämme; bef. ein junges 
Gewaͤchs, auch ein junges Baͤumchen, fofern es verpflanzt werben fol, 
(Pflanzen ziehen, fegen, verfesen 26); uneig. auch f, ein Sind (Ehepflanzen; 
ein ſchönes Pflänzchen, bef. pöttifch in üblem Verftande); — Bfeg. die 
Pflanzenaſche; die Pflanzenbefchreibung; die Pflanzenerde, für das 
Wachsthum der Pflanzen geeignete Erde; mit verweieten Pflanzentheilen wer- 
mifchte Erde, Gartenerde; die Pflanzenfarbe, aus Pflanzenftoffen gezogene 
Farbe; der Pflanzenfloh, ein Eieines, flohähnliches, auf Pflanzen lebendes 
Snfectz der Pflanzengarten, ein Garten für ausländiſche Gewächſe (fr, bo: 
tanifcher Garten); der Pflanzenkenner od, »Fundige (fr, Botaniker); die 
Pflanzenkenntniß, =Tunde, -lehre, =wiffenfchaft (fr, Botanik); das 
N flanzenleben, das empfindungs » und bewuſſtloſe Leben der Pflanzen (daher 
uneig. von Menſchen: ein Pflanzenleben führen, d. i. nichts thun, als ſich er: 
nähren, f&lafen 2c. fe. vegetiren) die Pflanzenmilch, der milhartige Saft 
mander Pflanzen; dad Pflanzenreich, der Inbegriff aller organifhen Erb: 
gewächfe, das Gewächereich; der Pflanzenfaftz das Pflanzenfalz, aus 
Pflanzen gezogenes Salz; die Pflanzenfaure (fr. vegetabitifhe Säure) 5 der 
Pflanzenftein, vecfteinerte Pflanzen oder PflanzentHeile (fr. Phptolithen) 
Steine mit pflanzenähnlichen Zeichnungen (fr, Phytomorphen) 3 der Pflanzen- 
floff, jeder Beſtandtheil der Pflanzen; dad Pflanzenthier, Thiere, welche 
an Geftalt, Fortpflanzung und Wachsthum den Pflanzen ähneln, 3.8, die 
Korallen, (fr. Boophyten); — Ableit, pflanzen, ziel. 3w., eig. junge 


Gewaͤchſe von einem Orte nad) einem andern verfeßen und zum Wachfen 
in der Erde befoftigen (Bäume, Blumen, Kohl ıc. —)3 durch Bepflanzen 


364 —— Pflaſter 


anlegen (einen Weinberg, einen Garten —); uneig. f. ſenkrecht an einem 
Orte befeftigen, aufſtecken od, aufitellen und richten (die Kane auf den 
Thurm; die Kanonen auf den Wall —); an einen Dre bleibend verfeßen od, 
niederfeßen (eine Familie an einen Ort —, gew, verpflanzen; fih an ei— 
nen Ort hinpflanzen, ſcherzh. f. hinfegen, niederlaffen); in fittlichem 
Berftande den Grund zu einer bleibenden Wirfung legen (einem gute Ge: 
finnungen w. dgl. ins Herz pflanzen); 3fes. v. pflanzen: der Pflanzort, 
ein Ort, wo Menſchen ſich niedergelaffen und angebaut haben (fr. Eolonie), 
wenn es eine Stadt ift: die Pflanzftadtz ein ganzer Staat: der Pflanz= 
ſtaat; daher: der Pflanzftädter, Pflanzbürger, Einwohner, Bürger ei: 
ner Pflanzftadt; die Pflanzfchule, ein Platz, auf welchem junge, fünftig 
zu verpflanzende Gewächſe, bef. Bäume, gezogen werden, auch Pflanz: 
garten, Baumſchule 2.3 uneig. eine Anftalt, in welcher junge Leute zu 
'einem Eünftigen beffimmten Berufe erzogen werden (4.8. eine Pflanzſchule für 
Prediger, Schullehrer 2c. fr, Seminarium); daher der Pflanzfchüler, 3ögs 
ling einer Pflanzſchulez — Ableit. der Pflanzer, -8, 1) wer etwas 
pflanztz aud ein Werkzeug zum Pflanzen, Pflanzſtock, Pflanzholz; 
2) wer eine Pflanzung anlegt od, befißt G. B. in Weftindien)s auch wer 
fi) an einem unbewohnten Orte niedergelaffen und angebaut hat (fr. Co— 
Lonift)z; der Pflänzling, —es, M. -e, landſch. ein junger, aus dem 
Samen gejogener Daum, ein Pflanzreisz uneig. ein junger Menſch, 
fofern er von Semand aufgezogen iftz die Pflanzung 1) die Handlung des 
Pflanzen? (o. M)3 2) M. -en, ein bepflanzter od. überh. angebauter 
Drt (eine Baumpflanzung), eine. Niederlaſſung, ein Pflanzort, f. d. (fr. 
Gotonie); — pflänzeln, rückz. Zw., ſich —, oberd, f ſich jugendlich zie— 
ren, putzen, ſchmuͤcken. 

Pflaſter 1., ſ. -8, M. w. E., Verkl. das Pflaͤſterchen, (an: 
gelf. u. engl. plaster, ſchwed, plaster, holl. plaester, franz. emplätrez alle 
von dem lat, emplastrum u, diefes v. griech, Zumluorgov v. Zumhaoosır, aufs 
fchmieren), eine zähe, teigartige Maffe, welche man auf Leinmand, Le 
der u. dgl. ſtreicht, um fie als Heilmittel auf einen kranken Körpertheil 
zu legen, durch größere Dichtheit und Zähigkeit von der Salbe verfchieden, 
(das Pflafter aufftreihen; Wunde, Zuge, Blaſen-, Cenfpflafter, englifches 
Pflafter 2.)5 def. auch dad mit einer folchen Maſſe beftrichene Stuͤck Rein 
wand ꝛtc. felbft (ein Pflafter auflegen, es abnehmen); landſch. auch f. Moͤr⸗ 
tel od. Gips zum Überziehen der Wände und Decken (engl. plaster; franz. 
plätre)5; — der Pflafterfäfer, die fpanifche Fliege (ſ. Stiege) 5 der Pfla⸗ 
ſterſpaͤtel, ein Spatel der Wundärzte zum Pflafterftreihen; der Pflafters 
fireicher, verächtl. f. Wundatzt; — pflaftern 1., ziellof. u. ziel, Zw., ein 
Pflaſter legen’; mit einem Prlafter-belegen, gew. bepflafternz eine 
Büchſenkugel —, d. i, ein mit Talg beftcichenes Läppchen unter dies 
felbe legen. 

Pflaſter ., fe, —8, M. w. €, (alt. phlastir, niederd. Plafter;. ital, 
piastro, lastro und mittt. lat, lastra, Pflafterftein ; wahrſch. verwandt mit 
platt, 58), ein mir platten Steinen, u. überh. mit Steinen feft be— 
legter Fußboden, bef. der mit Steinen ausgeſetzte Boden der Straßen 
(das Strafenpflafter; das Pflaſter legen, aufreißen 2c. 5 das Pflafter treten, 
d, i, mäßig in den Straßen umhergehen; es ift hier ein theures, eim heißes ꝛc. 








pflatfchen — pflegen 365 


Pflafter, d. i. ein theurer Aufenthaltsort); — dad Pflaftergeld, Wege: 
geld zur Unterhaltung des Pflafters entrichtetz die Pflafterramme od. der 
Nflafterftögel, Handramme zum Pflafternz der Pflafterftein, ein Stein, 
welcher zum Pflaftern beftimmt od, ſchon gebraucht iſt; der Pflaftertreter, 
verächtl. ein Müßiggänger, der fi auf den Straßen herumtreibtz — pfla— 
fiern 2., ziel. 3w., mit Pflafterftiinen belegen (einen Hof, eine Strafe 
26); der Pflafterer, -8, wer Steinpflafter legt, auch Pflaſterſetzer, 
Steinſetzer. 

pflatſchen, pflaͤtſchen, pflaͤtſcheln, oberd, Zw. f. platſchen, plaͤtſchern. 

Pflaum, m., — es, oberd. f. Flaum. 

Pflaume, wi, M.-e, Verkl. das Pfläumchen, (niederd. Plumme, 
engl, plum, ſchwed. plommon, dän. blommeé; landſch. gem. auch Prume, 
franz. prune, vom lat, prunum, gried). mgoüzwov, mit \bergang des r in 1) 
die runde od. länglichrunde faftige Frucht ded Pflaumenbaumes od. 
Pflaumbaumes, von verfhiedenen Arten nach Form, Farbe und Geſchmack, 
z. B. die jpanifche od, ſchwarze Pflaume, die gelben Spillinge, die Hunds-, 
Katharinenz, Eierz, Herrenpflaume, die runde Königspflaume 2c. 5 in enges 
ver Bed. nennt man nur die runden und die größeren eirunden Arten 
Pflaumen; die kleinere längliche, außen dunkelblaue, inwendig honiggelbe 
Art hingegen: Bwetfchen (f. d.); der Pflaumenbaumfpinnet, ein Nadt: 
falter, defjen Larve auf den Pflaumenbäumen lebt; die Pflaumenblüthe; der 
Pflaumenkern, der kleine, platte in einer ſteinharten Schale eingeſchloſſene 
Kern der Pflaumen; mit dieſer Schale: der Pflaumenſtein; der Pflau— 
men- od. Pflaumkuchen; das Pflaumenmus, ſ. Mus; der Pflaumen⸗ 
ſchmetterling, eine Art Schmetterlinge, die ſich gern auf Pflaumenbäumen 
aufhalten; die Pflaumentorte; die Pflaumpalme, eine Art oſtind. Pal- 
men mit eifdeniger, pflaumenähnliher Frucht. 

pflegen, ziellof, u. ziel. 3w,, (altd. phlekan, pilegen, in jeder Bed. 
ablaut, Prüf, ich pflige; Impf. pflac, wir pflägen; Mw. gepflegen; nies 
derd, plegen; angelf. pleggan, island, plaga, ſchwed. plaega, engl. plyz 
urſpr. überh. arbeiten (daher Pflug?), als Gefchaft treiben, üben, leiftenz 
daher Pflicht), jest gem. bloß umend, Impf. pflegte, Mw. gepflegt; nur 
in einzelnen Bed. (f. u.) noch ablaut, ich pflege, (du pflegſt ꝛc.; oberd, du 
pflichſt, er pflicht) 5 Impf. pflog (alt pflag), Gonj. pflöüge, Mw. gepflo= 
gen; 1) mit d, Gen. der Sache, ftatt deſſen jegt in manden Fällen auch der 
Accuſ. gebraudit wird: a) ausuͤben, handhaben, verwalten, die Auf— 
fiht über etwas führen (eines Amtes pflegenz des Volkes, des Landes pfle- 
gen 2c.); b) üben, halten, unterhalten, einer Sache obliegen (Rathes 

mit Semand —, der Freundfhaft —5 auch mit dem Acc, Rath, Freundfcaft, 
Unterhandlungen pflegens feiner od. feine Gefundheit —)5 c) ‚gebrauchen, 
genießen, fich einer Sache Kingeben, widmen (dev Ruhe, der Liebe, der 
Woluft —; in den Bed. b) u, c) gew, ablauf. 3.8. er pflog mit ihm 
Rath; gepflogene Unterhandlungenz er hat der Ruhe gepflogen 2c.)5 
d) Sorge tragen fie die Erhaltung, das Förperliche Wohlbefinden, die 
Bequemlichkeit 2c. einer Perfon od. Sache, ſinnv. warten (3,3, feines 
Leibes od, feinen Leib —, eines Kranken od, gew, einen Kranken pflegen; einen 
Schoßhund — 26)5 2) ziellos mit, haben: gewohnt fein, jedod nicht bloß, 
wie diefes, von empfindenden und vernünftigen Weſen, fondern auch von Sa— 


366 Pflicht 


chen f. gewöhnlich fein, immer in Verbindung mit zu und einem Infimi- 
tiv (3. B. er pflegt nad) Tiſche zu ſchlafen; er pflegte zu fagen 2c.5 fo pflegt 
es zu gefchehenz; nad) einem Gewitter pflegt die Luft fi abzukühlen); — Ab: 
Leit, die Pflege, o. M., 1) überh. die Handlung ded Pflegens, insbeſ. 


die Verwaltung, Handhabung, Ausübung, Auffiht und Sürforge 


G. B. die Rechtspflege, Amts-, Landes, Armenpflege zc.) 3; in engerer Bed, 
oberd, die Verwaltung eined Guted oder Landbezirfes, und das Gut od, 
-der Bezirk felbft-(aud das Pflegamt und oberd, die Pflegei); landſch. 
auch überh. eine Gegend, ein Landftrich in Beziehung auf den Ertrag und 
die Nugbarkeit (z. B. ein in der beften Getreidepflege gelegenes Gut; fo aud) 
Ader:, Bienenpflege 20.); 2) die Erhaltung, Aufzsehung und Verforgung 
von. Perfonen, auch Ihieren od, Pflanzen (die Pflege eines Kindes; ein Kind 
in der Pflege haben; vie Pflege der jungen Bögel, der Blumen 2c.)5 in enge: 
ver Bed, die Sorge für das Förperliche Wohlbefinden, die forgfältige 
Wartung (Pflege eines. Kranken, Alten 2); — 3feg. v. Pflege: ber 
N flegamtmann, oberd. der Amtmann einer Pflege oder eines Pflegamtes 
(f. 0.)5 pflegbefohlen, Bw., Jemandes Pflege od. Aufſicht anvertraut (auch 
als Hw. mein Pflegbefohlener zc.); pflegbedürftig, Bw.; die Pflegeältern, 
Eheleute, welde ein fremdes Kind in ber Pflege haben, einzeln: der Pflege⸗ 
vater, die Pflegemutter; das Kind aber: das Pflegekind, der Pflege— 
ſohn, die Pflegetochter; dad Pflegegericht, oberd. ein der Verwaltung 
eines Andern Anverfrautes Gerichts der Pflegefchreiber, oberd. der Gerichts: 
fcreiber in einem Pflegamtez der Pflegevogt, oberd, f. Pfleger, Vormund; 
— der. Pfleger, -8, die Pflegerinn, M, -en, 1) meift vlt f, Verwal⸗ 
ter, Auffeher, Vorfteher (bibl. Richter und Pfleger; Landpfleger); oberd. 
def. f. Amtmann, Schlofsvogt, Öerichtöverwalter u, dgl.; auch f. Vor— 
mund u. Fürforger (fr. Curator); 2) gew. wer für einen Andern durch 
Huͤlfsleiſtung, Handreihung und Wartung ſorgt (der, Pfleger, die Pfle— 
gerinn eines Kranken, eines Kindes 2c.); pfleghaft, Bw., landſch. f. ver 
pflichtet, leibeigen; pfleglich, Now, u, Vw., vlt. f. einer Flugen Verwal⸗ 
tung gemäß (4. B. einen Wald 2c, pfleglich nugen); oberd. f. gewöhnlich; 
der Pflegling, -ed, eine der Pflege eined Andern anvertraute (männt. oder 
weibl.) Perfon, bef. ein Pflegefindz; die Pflegniſs, vlt. f. die Pflege, 
dad Pflegamtz die Pflegfchaft, 1) dad Verhaͤltniſs od, die Obliegenheit 
eined Pflegerd, die Verwaltung, Fuͤrſorge; 2) der Bezirk eines Pfle— 
gers, die Pflege (f.d.)5 die Pflegung, ungebr. f. dad Pflegen, gem, die 
Berpflegung. 

Pflicht 1., w., M.-en, (attd. pfliht, M. pflihtez ſchwed. u. niederd, 
pligtz engl, plight, Pfand; von pflegen, f.d.5 daher ehem, auch f. Pflege, 
Sorge, Gewohnheit, Umgangs noch oberd. f. Pflege in der Bed. Gegend, 


Landfhaft), Alles, was man zu Üben oder zu Feiften ſchuldig iſt, fei es. 


nad) äußerem menfchlihen Recht und Gejeg, oder nad) inneren ſittlichen Beweg— 
gründen, alfo von weiterem Umfang der Bed. als die finnv, Schuldigkeit, 
Obliegenheit, Verbindlichkeit natürliche, bürgerliche, Amts-, Berufes 
pflichten, Pflichten gegen uns ſelbſt, gegen Gott ꝛc.; feine Pflicht thunz feine 
Pflichten beobachten, erfülien, od, unterlaffen, verabfäumenz ſich od. einem et= 
was zur Pfliht machen; eine heitige, eine angenehme, eine ſchwere Pflichtz 
die eheliche Pflicht, d. i. die eheliche Beiwohnung) z landſch. f. Steuern, Abs 


— — — — — 


— — — — — — 








| Pflicht — Pflock 367 


gaben, Gebuͤhren (wer Pfarrer fammelt feine Pflicht; Pftihteier, Pflicht: 
foren ac dei, Abgaben an Eiern, Korn); auch f. ein feierliched Verſpre— 
«hen, wodurd man fid) zu etwas verbindlich macht, bef, das Geluͤhde der 
Treue; einem die Pflicht leiftenz in Pflicht ſtehen; einen in Eid und Pflicht 
nehmen 20); — 3feg. pflihtbrühig, Bw., feine Pflicht brechend, eid— 
brüchig; pflichtfrei od. pflichtlos, Bw., keine Pflichten zu erfüllen habend, 
der Pflicht entbundenz; pflihtlos auch f. pflihtwidrig, pflichtbrüchig; das, 
Pflichtgebot (dad unbedingte Pflihtgebot, fr. der Eategorifche Im: 
perativ); dad Pflichtgefühl, das Gefühl oder lebhafte Bewufftfein der zu 
erfüllenden Pflicht; pflichigemäß, pflichtmäßig, Bw. u. Nw., der Pflicht 
gemäß od, angemefjenz die Pflichtmäßigkeitz der PflichtgenofS, ehem, ein 
Einwohner ohne Bürgerrehtz; die Pflichtleiftung; pflichtfchuldig, Bw, 
durch die Pflicht. auferlegt oder erfordert (die yflihtfhuldige Treue); der 
Pflihttag, vis f. Gerichtstag; der od, dad Pflichttheil, Rſpr. der Theil 
des Vermögens, welchen ein Erblaffer den nächſten Blutsverwandten nad) den 
Gefegen hinterlaffen muſs, oberd. die Notherbſchaft; pflichttreu od, pflicht- 
‚getreu, Bw., feiner Pflicht treu; die Pflichttreuez entg. pflichtvergeffen, 
Bw., die Pflichtvergefenheitz die Pflichtverletzung; pflichtwidrig, 
Bw., der Pflicht zuroiderlaufend; die Pflichtwidrigkeit; — die Pflichten= 
lehre, die Lehre von ten Pflichten, fittlihe Rechts- und Tugendlehre; — 
Ableit. pflichtbar od. pflihtig, Bw., zu gewiffen Reiftungen, Dien— 
ften, Abgaben 20. verbunden (pflihtbare Güterz yflichtige Unterthanenz 
bef. auch in den Zſetz. dienft:, ſteuerpflichtig 2c.); die Pflichtigkeit, das 
Pflichtigſein; pflichtlich, Bw., Neuw. f. einer Pflicht aͤhnlich, in der 
Pflicht gegruͤndet. 
| Pflicht 2., w., M. -en (niederd, Plicht, Hol. plegı), Schiff. auf 
Flußſsſchiffen ein Fleined, die Stelle einer Koje vertretendes Behältnife, 
. in welches man durch ein viereciges Loch feigt, das mit einem Deckel oder einer 
Lufe zugedeckt wird; insbef, die Hinterpflicht, die Schlafftelle; die Vor: 
ber: cd, Vorpflidt, die Vorrathsfammer, die Steuerpflicht, das 
Halbverdeck am Hintertheile; daher: der Pflichtanfer, der in der Außerften 
Roth gebrauchte Hauptanker, der gew. an der Steuerbordfeite liegt, 
+ pfliefen, zielof. Zw., landſch. f. zifchen, bef. von Gänſen. 
pflispern, ziellof. Zw., landſch. f, fluͤſtern, wispern. 
pflitſchen, zielloſ. Zw., landſch. 1) (vergl. pflatfchen) f. plaͤtſchern im 
WBaſſerz2) ſ. v. w. pfitzen, pfitſchen, ſ. d.5 daher der Pflitſchpfeil, 
Pflitſchbogen f. Flitzbogen. 
Pflitter, m., -8, ſchwäb. f. Naͤſſe; pflitterig, Bw. f. waͤſſerig, 
weich; weichlich; pflittern, zielloſ. Zw.,_f. leicht in Thraͤnen ausbre— 


F auch f. kichern; pflitzen, f. weinen. 


Plock 1., m., -es, M. Pfloͤcke, Verkl. dad Pfloͤckchen, (niederd. 
Augge, ſchwed. plugg, engl, plug, wahrſch. verw. mit dem goth, bliggvan, 
ſchwed. plagsa, ſchlagen z niederd. pladen, heften), ein Eleiner, kurzer 
Pfahl oder hoͤlzerner Nagel, etwas daran oder damit zu befeſtigen; auch die 
Kleinen hölzernen Nägel der Schuhmaderz Bergw, dasjenige, womit man ein 
zum Sprengen gebohrtes Loc), nachdem es geladen ift, wieder ausfüllt, gew, 
Lehm; daher der Pflodbohrer, Bergw. ein Bohrer, womit das Zündloch 
durch ben Pflock gebohrt wird; das Pflockſchießen, Bergw, ehem, d. Spren- 


368 Pflock — Pflug 


gen des Gefteinss der Pflodfifch, eine Art Wallſiſche mit einem großen 
Höder nach dem Schwanze zus; — pflöden, ziel, Zw., mit Pflöcken bes 
feftigen oder verfehen; der Pfloͤckort, (vergl. Dit), Shuhm. das fplkige 
Eifen, mit welchem die Löcher zu den Pflöcken in die Aofüge gefchlagen werden, 

Pflock 2., m., -es, M. Pfloͤcke, od. die Pflode, M.-n, vum | 
Flafe, ſ. d. 

Pflote, w., M.-n (auch Pflaute, Pflautſch), ſchwäb. f. eine plumpe, 
ſchmutzige Hand; der Pflotſch, f. ein plumper, träger Menſch; pflote 
ſchig od. pflotzig, Bw., f. plump, träge, | 

pflüden, ziel, Zw. (niederd, plüden, angelf. pluccian, engl, pluck, 
ſchwed. plocka; verw. mit Flode) 1) mit den Fingerfpigen abreißen od, aus= 
ziehen, ſinnv. zupfen, rupfen (ein Huhn, eine Gans ıc. —, auf ſolche Weife der 
Federn berauben; fpridw. uneig. ein Hühndyen mit Jemand zu pflücden haben, 
d. i. eine Heine Streitfahe abzumachen)z auch f. ausleſen, Flauben (Salat, 
Tolle ꝛc. —)3 dicht. Töne pflüden, d. i. auf einem Saiten: Inftrument mit 
den Fingerfpigen hervorbringen 2) mit den Fingern abbrechen, bef. Blu: 
men und Obſt; auch in Eleine Stücke zerbrechen oder zerlegen (Küch. ge— 
pflückte Semmeln, ein gepflücter Seht); dad Pfluͤckſel, -&, etwas Elein 
Gepflücktes od, Zerpfluͤcktes. 

Pluder, m, -8, M. w. E., landſch., die Haferfchlehe. 

pfludern, zielof, Zw., ſchwäb. f. flattern; eilig Handeln, 

Pflug 1., m., —es, M. Pflüge, (alt. phluog, pfluoc, altnord, 

logr, nieberd. angelf, ſchwed. plog, engl, plough, ypoln. plug; wahrſch. 
von pflegen (f. d,) in der urfpr, Bed, arbeiten, insber, das Feld bearbeiten), 
das Ackergeräth zum Durchfurdyen ded Bodens (ſprichw. die Pferde Hinter 
den Pflug fpannen, d. i. eine Sache verkehrt anfangen; das ift mein Ader 
und Pflug, d. i. mein nothwendigſtes Erwerdsmittel); auch ein befpannter 
Pflug u. eine damit zu leiſtende Frohne; landſch. jo viel Acker als ein Land: 
mann das Jahr über mit einem Pfluge beftellen kann, ungefähr eine Hufez in 
weiterer Bed. Waſſerb. ein Feilfürmiged Werkzeug, den Schlick aus einan— 
der zu treiben; — 3feß. der Pflugbalken od. Pflugbaum, das deichſel-⸗ 
ühnliche Holz, welches das Pflugeifen trägt, der Grendelz das Pflugbeil, 
ein Eleines am Pfluge hangendes Beil, deſſen man fid) im Nothfall bedient; 
der Pflugbürger, Pfahl: od. Ackerbürger; der Nflugdienft, die Pflug 
frohne; das Dflugeifen, ein langes, vorn gefrämmtes fehneidendes Eifen, 
dicht vor der Pflugfhar in dem Pflugbalken befeftigt, das Erdreich zu zer: 
Schneiden, aud das Pflugmeffer, landſch. Pflugſech (f. Seh); der Pflug- 
hafen, ein Häfen zum Pflügen, ſ. Hakenpflugz der Pflughalter, wer beim 
Pflügen die Pflugfterze halt, z. U. von dem Pferdelenker; das Pflughaupt, 
das unterfte Holz des Pfluges, als der Haupttheil (landſch. gem, P — 





Pflughbt); die Pflugkehre, -wende, das Umwenden mit dem Pfluge 
und der Ort, wo es geſchieht (vergl, Kehr); die Wflugnafe, der Theil de 
Pfluges, wo das Streichbrett und bie Griechſäule vorn an einander ftoßenz 
der Pflugochs, =ftierz das Pflugpferd; das Pflugrad; das Pflug- 
recht, das Vorrecht des Pflugesa deſſen Entwendung ſchärfer beftraft wird, 
als ein anderer Diebftahlz; landſch. auch die Eintheilung des Ackers in drei Ar= | 
ten; auch f. der Rain; die Pflugreute, ein mit Eifen beſchlagener langer 
Stock, womit der Pflüger die an das Streichhrett ſich anhängende Erde ab» 


v 


Plug — pfnutfchen | 369 


ftöpt, auch die Pflugſcharre, der Pflugfchorrerz die Pflugfchar (ſ. Schar), 
das vorn jpisige, hinten breiter werdende Eifen, weld;es die burd das Pfluge 
eiſen aufgeriffene Erde heraushebt und auf die Geite legt; uneig. Naturf. eine 
Gattung Spiegelfilhe; eine Art Miesmufhelnz der Pflugfchaß, eine Abgabe 
des Landmanns nad der Zahl dev Pflüge, welche er hält, aud der Pflug» 
ſchoſs, dad Pfluggeld; der Pflugſchnabel, Flammenreiher (f. d.); die 
Pflugſterze (ſ. Sterze), die beiden langen Sterzen, an welchen der Pflüger 
den Pflug handhabt und niederdrücktz verſch. die Pflugftürze, das Streich— 
brett am Pfluge, Pflugdretts das Pflugſtoͤckchen, das Holz am Pfluge, an 
welchem die Räder befeftigt find, aud das Pfluggefteilhenz das Pflug⸗ 
wetter (ſ. Wetter), das lange Holz am Pfluge, welches vorn die Wage trägt; 
— Xbleit. pflugbar, Bw., was gepfluͤgt werden kann, zum Acker— 
bau tauglich; pfluͤgen, ziel, u, zielloſ. Zw., das Erdreich mit dein Pfluge 
aufreißen, mit dem Pfluge bearbeiten, finno. ackern (mit Ochſen, mit 
Pferden —; ein Feld —; ſprichw. mit fremdem Kalbe pflügen, f. Kalb); in 
engerer Bed, zum letzten Male unmittelbar vor der Saat pflügen, z. uU, v. 
brachen, ftürzen, ftreichen, felgen; uneig. Schiff. der Anker pflügt, wenn 
er nicht feſt hält, fondern dem Schiffe folge und den Meereögrund aufreißtz 
dicht. das Meer pflügen, d. i. mit den Schiffe durchſchneiden, furchen; der 
Pflüger, -8, wer pflügt, der Ackersmann. 

Plug 2, m., -8, M. Pfluͤge (niederd, Plog, holl. ploeg), niederd. 
f. ein Haufen Leute, die unter einem Auffeher eine gemeinfhafttihe Arbeit 
verrichten, 3. B. beim Zorfgraben, bei Deicharbeiten; in weiterer Bed, überh, 
f. Menfchenhaufen, Rotte, Partei, ſchlechtes Gefindel, 

pflügig, Bw., Tuchm. bezeichnet die fehlerhafte Befchaffenheit an Tuͤ— 
chern von gemengten Farben, wenn ganze Knoten von einer Farbe unter den 
andern erſcheinen. 

pfnaufen, pfnufen, pfnaften, pfneiſchen, pfniefchen, pfnüfchen 
pfnachfen, pfnogen, ziellof. 3w. (Scallwörterz vergl, das griech, zuen), 
oberd. f. ſchnauben, ſchnaufen, durch die Naſe hauchen, ſchwer athmen, 
keuchen; daher der Pfnaſt, oberd. f. Dampf, Hauch; — insbeſ. pfnei— 
ſchen ats ziel. 3w., Jäg. f. durch den Geruch der Speiſe anlocken, koͤ— 
dern; auch den Jagdhunden das Genieß (ſ. d.) geben, welches auch die 
Pfneiſche od. das Gepfneiſche heißtz pfnieſchen od, pfnuͤſchen f. nieſen; 
pfnotten od. pfnotzen f. ſchmollen, maulen, 
pfneiſten, zielloſ. Zw., ſchweiz. f. funken, funkeln; der Pfneiſten, -8, 
f. Funken; pfneiſtig, Bw. f. haſtig. a 
Pfneller, m., -8, od. der Pfnill, -ed, M. -e, ſchweiz. ein am Stall 
angehängter Bretterverfchlag zur Aufbewahrung des Heues. 

pfnittern, zielloſ. zw. (auh pfniggen) ſchweiz., bei verftopfter Nafe 
mit Gewalt die Luft durch diefelbe ausſtoßen; auf f. Fichern (hair, 
pfnuchezen). h 

pfuofert, Bw., ſchweiz. f. narbig, blatternarbig, knorrig. 

Pfnuͤſel, m., -8 (f. pfnaufen),. ſchweiz. f. Schnupfen; pfnuͤſeln, ziel: 
of. Zw. ſ. verfchnupft, durch die Nafe reden; — pfnufen, pfnüfchen, 
3w. f. pfnaufen, 

pfnutichen, ziellof, Zw., dandſch. gem, f. ſchluchzen. 


Heyfes Handwoͤrterb. d. deutſchen Spr. 2, Theil. 24 


370 pfodeln — Pfragner 


pfodeln, pfoßeln, ziellof. 3m, , ſchweiz. f. fhlottern; pfodelig, Bw. 
f. J 

Pforte, w., M. -n, Verkl. dad pfoͤrtchen (altd. phorta, porte, 
niederd. Poorte, ſchwed. ae von dem lat. porta), überh. f, v, w, Thür, 
Thor, bef. in der höhern Schreibart und uneig, (z. B. die Pforten des Him: 
mels, der Hölle, des Grabe u, dgl); im gem. Leben in engerer Bed, ein 
kleineres Nebenthor, eine Nebenthuͤr für Fußgänger; in weiterer Bed, jede 
Öffnung, Durchgang, Engpafd, 3. B. die Weſtphäliſche Pfortes Schiff. 
die Öffnungen für die Kanonen (Stück- oder Gefhüspforten, aud 
Pfortgate, ſ. Sat); die hohe od, Dttomanifhe Pforte, eig. ber 
Palaft des türkiſchen Kaifers, dann defien Hof, u. das ganze türkifche Reich; 
— 3fes. die Pfortader, Anat. eine der drei großen Blutadern, welche das 
Blut von den Verdauungswerkzeugen in die Leber führt; die Pfortlufe, 
Klappe, weldje eine Stüdpforte des Schiffes verfäließt; das Pforttau, Taue, 
mit welchen die Stüdpforten geicloffen werden; das Pfortengericht, landſch. 
ein Gericht, welches in den Klöftern vor den Thoren gehalten wurde; — Ab: 
Veit. der Pfortner, As, die Pförtnerinn, M. -en, wer an einer 
Pforte Wache Hält, Thorwaͤchter, Ihorwärter in großem Häufern (franz. | 
Portier) u. bef, in Klöſtern. 

Pfoſch, m., —es, M.-e (verw, mit d, lat. pascere?), Züg, f, Fraß, 
Futter od. Koͤder für wilde Thiere; der Pfofchherd, eine Art Vogelherd 
auf bloßem Rafen, entg. Bufchherd, 

Pfoſche, w., M.-n, obere. f. Steckruͤbe, Scherrübe, 

Pfoſe, w., M. -n Grielleicht von pfauſen, ſchwellen), ſchwäb. f. 
Pflaume. 

Pfoſte 1., w., M. -n, oder der Pfoſten, -3, Mw. E., Verkl. 
dad Pfoͤſtchen, (ſchwed. u. engl. post; vom lat, postis), ein fenfrecht 
ftehender Stüß= oder Tragbalfen, z. B. die Brüdenpfühle, Thür- und 
Senfterpfoften, Bettpfoften 26,5 insbef. die Ihürpfoften, daher auch f. Thür 
und Thor ſelbſt; in weiterer Bed. überh, ein dickes Brett, eine ſtarke 
Bohlez oberd. auch f. Stange, 3. ®. Bohnen: und Hopfenſtange. 

Pfoſte 2., w., ober der Pfoften, -$, gew. nur M. Pfoften od. Po⸗ 
fien, (franz. — wahrſch. v. ap boffen, engl. push, franz. pousser, 
ſchlagen, ftoßen), oberd. F zerhacktes Blei, Stücke von Bleifugeln, gro— 
bes Bleifchrot zum Schießen. 

Dfote, w., M. -n, Berk. das Pfotchen, (niederd. Pote, Hol, 
poote, franz. patte; von aaa Stamme mit Fuß, niederd. u, Hd foot3 
gried). nous, mod-05 2.), eig. die Fuͤße der Fleineren vierfüßigen Thiere, 
bef. wenn fie mit Zehen verfeben find (3. B. die Pfoten des Hundes, der Katze; 
auch Hammel, Haſenpfoten) z in engerer Bed. nur die Vorderfüße ſolcher 
Ihiere (der Hund giebt die Pfote; das Eichhbrnchen hält feinen Fraß mit den 
Pfoten); verächtl. oder fherzh. aud von den Füßen der Menfchen (große 
Pfoten habenz einen auf die Pfoten treten), u. f. Hand (einen auf die Pfote 
Eopfenz; ſchmutzige Pfoten u, dgl.); dad Pfötchen, auch f. die zufammene 
gehaltenen Fingerfpisen (ein Pföthen machen), u. fo viel als man mit den ' 
Fingerfpigen einer Hand auf einmal faffen Fannz pföteln, ziel, Iw., 
Neuw. fe mit den Pfoten oder der Hand Fragen od, ſtreicheln. 

Pfragner od, Fragner, m, -8, Mm. E. (wahrſch. v. fragen, wie 7 








Aula pfreng — Pfründe 871 


Frätſchler v, frätſcheln, ſ. d.z vergl. das dün. vrage, mäfeln), oberd. ein 
Kleinfrämer, Höfer, Lebensmittile, Gemüfer, Obſthaͤndler. 

pfreng, Bw., oberd. f. eng, —— pftengen ziel. Zw. (nieberd. u. 
hol. prangen) f. einengen, preffen, — die Pfrengniſs, Pfrangſal, 
f. Beſchwerung, Nöthigung., 

Pfriem, m., es, M.-e, auch der Pfriemen, -8, M. w. E., u 
die Pfrieme, Mi-n, (altd. phrimo, niederd. Preem, — * priem, ſchwed. 
pren; vergl, d. lat. —— Spieß, u. das altd, bram, Stachel; bremen, 
ftechen 2c, unter Brom, Bremfe), überh. ein langer, ſpitziger Sorper, re 
her f. Sinfter, Hafenheive: Pfriemen od, das Pfriemenkrautz ind 
def. die dünnen zugefpißsten Eifen der Sattler, Riemer, Schuhmader ꝛc. 
zum Durchftechen des Lederö, auch Ahle, Drt genannt, wenn fie dünn und 
gebogen find; uneig. Landfch. ein fehmales, fpig zulaufendes Stück Landes; 
Naturk. verfchiedene Schneckenarten; — pfriem- od. pfriemenfürmig, Bw. 
lang, dünn und zugefpigt (3. B. ein Blatt); dad Pfriemengras, Borften: 
gras; Federgras; das Pfriemhorn, die Pfriemfchnede, eine Art 
Schraubhbrner. 

Pfrill, m., Aes, M. -e, oder die Pfrille, M. n, oberd, f. Elritze, ſ. d. 

Pfropf, m., -5, M. Pfroͤpfe, auch der Pfropfen, -3, M. w. E., 
Verkl. das Pfroͤpfchen, (niederd. u, ſchwed. propp, engl, prop), ein 
Stuͤck einer gew, weicheren Maffe, womit eine Offnung verftopft wird, 
von weiterer Bed. ald Kork (ſ. d.), von engerer, ald Stöpfel, welder 
auch von Glas, von Stein zc. fein kann (3. B. der Pfropf auf einer Flaſche, 
gew. ven Korkholz; der Pfropf von zufammengeprefftem Papier, Werg ꝛc., 
welchen man auf die Ladung eines Schiefgewehrs fegtz der Ranonenpfropf, 
ein rundes Stüd Holz, womit die Mündung einer Kanone verſchloſſen wird 
20); der Pfropf, landſch. auch f. das Pfropfreis; der Pfropfzieher, 
ein Werkzeug zum Ausziehen der Korfpfropfen aus den Flaſchen; — pfrop⸗ 
fen, ziel. Zw. (niederd, proppen, ſchwed. proppa) 1) in eine Offnung hinein 
zwaͤngen od. ſtopfen (einen Kork auf die Flaſche, Kleider in den Mantelſack etc.)3 
etwas voll—, gedrängt anfüllen, vollitopfen (einen Korb, Kaftenzc. mit 
Wäfhe voll —; gepropfe voll, gem, f. gedrängt voll; fich voll pfropfen, d. i. 
übermäßig mil Speife anfüllen) ; in engerer Bed, mit Propfen verfchliegen 
Glaſchen —);5 2) ein Reis von einem veredelten Baum in den Spalt ein= 
ſetzen, welchen man in den Stamm eined Wildlings gemacht hat, und 
diefen dadurch veredeln, vergl, impfen, pelzen, fowohl ziellos (3. B. in den 
Spalt, in die Rinde, in den Kerb —), als ziel. (ein Reis pfeopfen; einen 
Baum —, di; pfropfend veredeln; ein gepfropfter Baum); uneig. Zimmerl. 
an ein ſchadhaft gewordenes Zimmerholz ein friſches Stück anſetzen; das 
Pfropfbein od.-beinchen, der Pfropfmeißel, das Pfropfmeſſer, Werk: 
zeuge der Gärtner zum Pfeopfenz dad Pfropfreis, ein jähriger Schöſſting 
mit Knoepen, der auf einen andern Stamm gepfropft wird; die Pfropffäge, 
Baumſäge zum Abfügen der Stämme, auf welche gepfropft werden ſoll; die 
Pfropfſchule, Baumfchute von gepfropften Stämmen; dad Pfropfwachs, 
Baumwachs zum DVerkleben des Spaltes, in welchen gepfropft iſt; — der 
Bar wer pfeopft, fei ed Flafchen oder Bäume, 

Pfründe, w., M. n (altd. phruonta, fruonda, pfrundez vom mittl. 


24* 


372 pfuchen — pfui 


lat, praebenda, d,i. das Darzureichende; daher auch das altfranz, prou- 
vende, hol. provande), eig, überh. Nahrungsmittel, welche vertragsmaͤ— 


1 fig gereicht werden (daher noch bair, was die Altern ſich zum Lebensunterhalt 


ausbedingen, wenn fie den Kindern das Hausmwefen übergeben); insbef. der 
Unterhalt, welchen Jemand aus einer Stiftung Iebenslänglih erhält, . 
daher eine Stelle in einem Verpflegungs- oder Urmenhaufe ꝛc.; gem. in 
engerer Bed. ein mit Einfünften verbumdenes geiftliches Amt, eine eins 
träglihe Stelle in einem geiftlihen oter Ritter: Orden; der Pfruͤndenkauf, 
die Erkaufung einer Pfründe (fr, Simonie)z das Pfruͤndgeld, das in einer 
Pfründe einkommende Geld; das Pfruͤndgut, ehem. ein Gut, welches Je— 
mand zur Pfründe angewieſen iſt; — pfruͤnden, Zw, 1) siel, einen — 
ihn vertragsmaͤßig ernähren; ihm eine Pfruͤnde verleihen; 2) ziellos, al⸗ 
Pfruͤnde eintragen (die Abtei pfründet gut) z3 der Pfruͤndner, landſch. auch 
Pfruͤnder, —8, wer eine Pfruͤnde hat. 

pfuchen, pfirchezen, pfuchzen, zielloſ. Zw. (v. dem oberb, Naturlaut 
pfuh, pfuch), oberd, ſ. v. w. fauchen (ſ. d.), von Kagenz auch f. Feu- 
hen; niefenz heimlich lachen. 

Pfudeiſen „ſ., Bergw., ein gekruͤmmtes Eiſen in ven Scheren ber 
Haspelſtützen. 

Pfuhl, m., -es, M. Pfuͤhle u. Pfuhle (altd. pfuol, niederd. Pohl, 
Puhl, angelf. pul, engl. pool, ſchwed. pölz; verw. mit dem lat. palus, 
Sumpf), ſtehendes, unreined Waſſer, größer und tiefer als eine Pfüse, 
einee als ein Sumpf, ſinnv. Lache G. B. Regen», Miſtpfuhl 2c.)3 bibl. 
uneig. der feurige Pfuhl, f. die Hölles — der Pfuhlfiſch, in einem 
Pfuhle lebender Fish, bef. Karpfen: Pfuhlkarpfenz; die Pfuhlfchnepfe, 
Sumpf, Riethſchnepfe; pfuhlen, ziellof. Zw., landſch. f. nach dem Pfuhie 
riechen od. ſchmecken; pfuhlicht, Bw., pfuhlähnlid. 

Pfuhl, ſ.,-es (vergl. d. griech. — Koth), ſchweiz. f. Aus kehricht; da⸗ 
her verpfuhlen, Zw, f. unnütz durchbringen, verſchwenden ; die Pfuh— 
lerinny eine ſchlechte Haushälterinn od, Köchinn. 

Pfuͤhl, m. (oberd. auf f.), -2d6, M.-e, Verkl. das Pfuͤhlchen, 
(td, phulwo, oberd. aud) Pfulben, Pfülbe, Pfülb, Pfulg, Pfulgen; nie 
derd. Pohl, engl. pillow, vom fat. pulvinar, pulvinus), überh. f. Bett= 
kiſſen, Polfterz insdef, dasjenige Bettſtuͤck, welches wiſchen dem groͤße⸗ 
ren Unterbett und den kleineren Kopfkiſſen die Mitte hält u. ſowohl unter 
den Kopf, als unter die Füße gelegt wird (Kopf-, Fußpfühl); uneig, Bauf, 
ein jedes runde, einen halben Streisbogen bildende Glied, oberd. der Pfuhl 
genannt, aud) der Wulft (lat. torus); Krfpr, ein Stück Holz, welches auf 
den Nichtriegel zur Unterftüsung des Bodenftüds einer Kanone gelegt wird, 

Nuhlbaum, m., Bergw. der Baum, woran ſich der Korb eines Göpels 
befindet; die wagerechten Balken, in melde die Haspelftügen eingezapft ſind; 
das Pfuhleifen, Bergw. Erumme Eifen, in welche die eiſernen Knöpfe des 
Rennbaumes befeſtigt ſind. 

pfui, Empfindl. (oberd. pfei, pfuch, niederd. ſchwed. franz. A, engl. fy, 
faugh, tat. phy, griech geil), natüclicher Ausdruck des Widerwillens, 
Ekdls, Abſcheues, durch ein Wegblaſen od. heftiges Ausſtoßen der Luft, (pfui, 
wie häßlich! pfui, ſchäme did! auch mit dem Gen, pfui der Schande! u. dal. 








— 





nn 


Pfumpf — Pfund 873 


m.) 3 pfuien, ziellof. Zw., gem. f. pfui über etwas außrufen, feinen Efel 
darüber aͤußern. 

Pfumpf, m., -es, M.-e, ſchweiz. eine Furze, dicke, unbehuͤlfliche 
Perſon; die Pfumpfnafe, fränk. f. Stumpfnafe. 

Pfund 1., f., -ed, M.-e, jedoch nad einem Zahlw, in der Mehrh. 
unverändert, 3, B. zehn Pfund zc. (altd. phunt, funt, pfuntz goth. niederd, 
ſchwed. dan. pund, engl. poundz vom lat. pondo, Pfund, pondus, Ge: 
wit, v. pendere, herabhangen laffen, wägen), 1) cin beſtimmtes Ges 
wicht von verfchiedener Schwere, insbeſ. dad gewöhnliche oder Kramer— 
pfund = 16 Unzen od, 32 Loth (z. B. ein Pfund Brod, Fleiſch, Butter ꝛc.; 
etwas nad) Pfunden verkaufen); dad Upothefer= od. Medicinalpfund = 
42 Unzen od, 24 Loth; ald Gold: u. Silbergewicht ehem. f. v.w, eine Mark 
= 8 Unzen ober 16 Loth; dad ſchwere od. Schifföpfund, ein Gewidt von 
ungefähr 3 Bentnernz 2) eine gewilfe Menge gemuͤnzten Geldes, ehem. 
als wirklihes Gewicht: ein Pfund Schillinge, Pfennige zc, d. i.: fo viele als 
auf ein Pfund oder eine Mark gehen, gem. 20 Schillinge od. 240 Pfennigez 


jetzt noch als Rechnungsmuͤnze, z.B. ein Pfund Flämiſch, in Hamburg 


= 21 Thaler; im Wirtemberg. ein Pfund = 20 Shillinge od. 120 Pfens 
nige; in England: ein Pfund Sterling 6 Thaler Gold; 3) oberd. in 


weiterer Bed. eine Zahl von 240 Stuͤcken jeder Art von Dingen (z.B. ein 


Pfund Bäume, Semmeln, Krautföpfe, Nüffe u. dgl. m.) z öſtreich. ein 
Pfund Holz, d. i. 120 mäßige Reiſigbündel; 4) uneig. (dem griech. zuhavros, 
Talent nacdhgebildet, d, i. eig. Gewicht, dann dus Zugewogene, vom Schickſal 
Zugetheitte) bibl, f dad dem Menfchen zugetheilte Maß natürlicher Fähig= 
feiten, Anlagen, Naturgaben (fein Pfund vergraben, d. i. feine Fähigkeiten 
unausgebildet und ungenutzt laffenz entg. mit feinem Pfunde wuhern); — 
3feg. der Pfundapfel, die Pfundbirn, =Fartoffel, nufs, Arten ſehr 
großer u. ſchwerer Apfel, Birnen 20,5 das Pfundgewicht, ein Gewicht von 
einem Pfunde: der Pfundflein, wenn eö ein Stein iſt; das Pfundholz, 
ausländiſche Holzarten, welche pfundweife verkauft werden ; das Pfundleder, 
ftastes Sohlenleder, welches nad) Pfunden verkauft wird; die Pfundfchagung, - 
ſchweiz. ein Flächenmaß od, eine Strede von 80 Klafternz pfundweife, Nw., 
nad Pfunden (z. B. verkaufen); der Pfundzoll, in Seeſtädten: der Zoll, 
welcher von den Schiffefradhten nach Schiffepfunden entrichtet wird; das Ge: 
baude, wo dies gefchieht, Heißt dad Pfundhaus; die zur Erhebung diejes 
Zolles angefegte Behörde: die Pfundkammer; der Einnehmer bei einer jol- 
hen: der Pfundſchreiber; — Ableit, pfunden,, ziellof. 3m. , vit. f. ein 
od. mehre Pu wiegen; pfünden, ziel. Zw. f. waͤgen; der Pfunder od. 
Pfundner, -3, altoberd, eine Münze, ein Pfund od, 240 Pfennige gelz 
tend; auch ein Öetränfmaß ; der Pfünder, -8, 1) in niederd, Seeftädten, 
wer Kaufmanndgüter wägt; 2) was ein Pfund fehmer iſt; in Zfeg, wie 
Sechs⸗-, Zwölfpfünder 2c. eine Kanone, die eine Kugel von fo viel Pfunden fchießtz 


pfündig, Bw., ein od. mehre Pfund wiegend, bef. in Zſetz. wie zweiz, dreis, 


fehö:, zwanzigpfündig 20.5 pfündiges Zinn od. Pfundzinn, di, uns 
reines Zinn, welches eine gewifje Anzahl Pfunde Blei im Zentner enthält (58 
zehn-, zwanzigpfündiges Zinn); pfündige Pfennige, d. i. pfundweife 
gerechnete, od, auch ſolche, von denen die beitimmte Zahl ein volles Pfund auss 


machte (wichtige Pfennige), 


374 Pfund — Philipp 


Pfund ?., fe, -d, M.-e, Bergw. ein rund audgefchnittened Holz, - 
in welhem der Erumme Zapfen des Verghaspels fih umdrehtz das Pfund- 
holz, Bergw. Höfzer, die in die Halbgerinne gelegt werden, F 

Pfund 3., ſ., Ses, M.-e, Jäg. ein Schlag, ein Streich mit dem 
Weidemeſſer zur Beitrafung von Fehlern gegen die Weidſprache. 

Pfundgeld, ſ. (nicht von Pfund, fondern von dem lat. fundusz vergl, 
Fundſchoſe), oderd. f, die Kauf- und Unnehmelehen ven unfreien Grund: 
ſtücken. 

Pfuſche, w., Mi -n (vergl. foß, niederd. fuſſig f. locker, faferig) thü— 
sing. ein ſich nicht gehörig ſchließender, flatterig bleibender Kohlkopf; der 
Pfuſchenkohl, in kleinen, ungeſchnittenen Kbpfen eingemachter Weißkohl. 

pfuſchen, Zw., (oberd. pfutſchen, vergl. pfitzen, von dem Naturlaut 
pfuſch, pfutſch, welcher ein Ziſchen, auch eine ſchnelle, augenblickliche Be— 
wegung ausdrückt) 1) ziellos, gem. f. einen ziſchenden Schall hören laſſen 
(das Schießpulver pfufcht); 2) ziellos u, ziel, etwad in Haft, eilfertig und 
Hichtig verrichten, insbeſ. ſchlecht und ſtuͤmperhaft, aud ohne Beruf und 
Berechtigung arbeiten (in ein Handwerk, in eine Kunft pfuſchen; auch: eine 
Arbeit —)5 der Pfufcher, -8, 1) der zifchende Laut des Schießpulverß, 
def. wenn es unwirkjam von der Pfanne abbrenntz daher gem, uneig. f. Feh— 
ler, Verſehen; 2) wer pfuſcht, d. i. eilig und ffümperhaft arbeitet, ſinnv. 
Stuͤmper; in engerer Bed, wer ein Handwerk ‚oder eine Kunft ausuͤbt, 
ohne es gehörig erlernt zu haben, ein nicht zunftiger Handwerker; die Pfu— 
fcherei, das Pfuſchen; eine gepfufchte Atbeit; pfufcherhaft, Bw, u. 
N, nach Art eined Pfuſchers; die Pfufcherhaftigkeit; pfufchern, 8w., 
gem. f. ein Pfuſcher fein, als Pfuſcher arbeiten. 

pfufen, pfuͤſen, zielloſ. Zw., ſchweiz. f. v. w. pfaufen, pfiefen, f. d. 

Pfuͤtze, w., M..-n, Verkl. dad Pfuͤtzchen, (altd. puzza, ſchwed. 
puss; niederd. Pütte, isländ. pytt, engl, pitz vom lat, puteus, Brunnen, 
ebem. überh. ftehendes Waffer) ein kleines unreined ſtehendes Waſſer, ein 
Fleiner Pfuhl, finnv. Rache; ehem. (wie noch das niederd. Pütte, Püttje) 
auch f. Brunnen, Pumpe; Zſetz. der Pfuͤtzeimer, die Pfuͤtzkanne, 
⸗ſchale, Bergw. Gefäße zum Ausſchbpfen bes Grubenwaſſers; die Pfuͤtzmade, 
Würmer, die ſich an Miſtpfützen aufhalten, zum Köder beim Fiſchfange brauch— 
bar; pfuͤtznaſs, Bw., gem. f. völlig durchnäſſt, wie aus einer Pfütze gezo- 
gen; ‚die Pfuͤtzenwanze, dünne, ſchmale Waſſerwanzez — Ableit. 
pfuͤtzen 1., ziel. 3w,, gem. u. Bergw. f. ſchoͤpfen, pumpen (niederd, püt- 
ten, franz. puiser); pfüßicht, Bw., einer Pfuͤtze ähnlich; pfuͤtzig, Bw., 
Pfuͤtzen enthaltend, fumpfig, ; 

pfüßen 2., ziellof, Zw. , ſchweiz. |. v. w. pfißen, f.d.5 beſ. f. zerplaßen, 

ringen, 
" a 'ein zufammengefegtes Schriftzeichen für den einfachen Lippenhauclaut f, 
im Altd. häufig für f, ff, pf gebraucht, jegt nur noch in griechiſchen Wörtern 
(3. B. Philipp, Phiofophie, Elephant), ferner in Epheu, Kampher u. 
einigen bdeutfchen Eigennamen, als: Weftphalen, Adolph, Rudolph, 
wofür aud Einige ſchon Weftfalen, Adolf zc. fhreiben. 

Philipp, m., -8, M. -e, ein aus dem Griech. (plAuzos) entlchnter 
männl, Vornamen), welcher eig. Pferdefreund bedeutet; der Philippsthas 
fer, ein ſpaniſcher Thaler = 1 Thir. 12 9Gr. 














picheln — Pieke 875 


picheln ot, pichen 1., zielloſ. Bw, (f. v. w. pegeln, f. d.) landſch. gem. 
f. ſaufen. 

pichen 2. , ziel. Zw., ſ. v. w. pechen, f. d. (3. B. Fäffer pichen); Forſtw. 
Baͤume —, ſ. v. w. harzenz die Pichleinwand, mit Pech überzogene eins 
wand; die Pichnelfe, ſ. v. w. Pechnelkeʒ; das Pichwachs, Tandfd;. dag 
grobe Wachs, womit die Bienen die Rigen der Stöde verfhmieren, Stopf-, 
Vorwachs 2c. 

Pick, Pickart, Pie, ſ. unter piden. 

Pidel, m. od.f., -8, M. w. E., Verkl. dad Pickelchen, (vergl, 
b. oberd, Peckel, Pecken f. Gebrehen, Fehler) niederd, f. kleiner Fleck, 
Eleined Gefhwür, Hitzblaͤschen auf der Haut, 

Pidelbeere, w., landſch. f. Heideldeere (f. Bickbeere); auch f, Preis 
ßelbeere. 

Pickelfloͤte, w. (. d. ital, piccolo, Hein), kleine Querpfeife mit fel— 
nem, hellem Ton. 

Pickelhaͤring, m. (Hol. pekelhaaring, engl, picklo-herring, d. 1, eig, 
Potel:Häring, eingefalzener Häring, wahrfh, als eine Lieblingsfpeife 
des Volks und zugleich wegen des ſcharfen Gefhmads auf den witzigen Luſtig— 
macher Übertragen; vergl, Hanswurſt, das franz. Jean Potage, das engl. 
Punch u, Jack Pudding) auf der ehemal, deutſchen Bühne der Luſtigmacher, 
Poffenreißer, Handmurft. 

Pickelhaube, w., r. Bicfelhaube, ſ. d. 

picken 1., siel, u, ziellof. Zw, (v. dem fhellnahahmenden Naturlaut pick; 
mittelhochd. bicken, holl, beckenz; ſchwed, picka, engl, peck, franz. pi- 
quer), überh. hacken, mit etwas Spitigem hauen; insbef. mit dem 
Schnabel hacken; den Schall pick, pick hören laſſen, Teife fchlagen (eine 
Taſchenuhr pickt); der Pi, -d, M. -e, gem, f. ein leichter Hieb oder 
Stoß mit etwas Spitzigem; der Schlag iiner gehenden Uhrz oberd, auch f, 
Groll, heimliher Widerwillen (fonft auch: Piek, Pieke); der Pidart, . 
—es, M.-e, landſch. f. Rohrdommel, weil fie Menſchen und Thieren nad) 
den Augen piden fol; die Pide, M.-n, ein eifernes, ſpitziges Werkzeug 
zum Picken, Ausbrechen od. Behauen der Steine, landſch. auch der Pickel; 
niederd, überh. f. Hacke; der Pier, „8, wer pickt; pideln, Zw., fanft 
picken, leife berühren; pickern, Zw. gem. f. wiederholt picken. 

picken 2., zielloſ. Zw. (von Pech) oberd. f. kleben, haften. 

Pickenick od. Picknick, m., 5, M. -e (aus dem franz. piquo-nique), 
ein gemeinſchaftlicher Schmaus, wozu Jeder feinen Beitrag an Speiſen 
giebt, ein Zuſchuſsmahl. 

Pickroſine, w., die befte Sorte fpanifcher Nofinen, Tange Rofinen. 

Piek 1., m, -d, M.-e, Schiff. Benennung gewiffer Taue; baher 
piefen, ziel. Zw., die Nahen an der einen Seite aufholen us an der ans 
dern niederlaffen; — Piel 2, w., M. -en, Schiff. die unterfte u, hin— 
terite Abtheilung oder der Naum im Schiffe dicht am Hinterfkeven ; daher 
das Piekholz, gabetförmige Hölzer zunächſt bei dem Vorder» und Hinterfte: 

ven; die Piefpforte, Schiffb, eine Hinten in der Piek gemachte Pforte. 
Pieke od. Pike, w., M. -n, (Gunädft aus dem franz, pique, engl. 
pike, ſchwed. pickz verw, mit piden), ein Spieß mit einem langen 
Schafte, womit ehem. die Fußſoldaten im Kriege bewaffuet waren, welche 


376 | Piel — Pille 


daher auch Piekeniere od. Piekenträger hießen; baher in der franzöf, 
Spielfarte: Piek (pique), die Farbe, deren Beichen dad Eifen einer 
Pieke iftz auf Gröntandfahrern: gekruͤmmte eiferne Haken; landſch. ein 
Laͤngenmaß von etwa 2 Klaftern; uneig. gem, (auch) der Piek, Pic) f. 
Groll, heimlicher Hafs (eine Pieke auf Semand haben). 

Piel, m. od. Viele, w., M. Viele, Vielen (wahrſch.— Pfeil), nie: 
derd, die Bee in der Haut fisenden zarten Federkielez daher die Piel-Ente, 
Pielke, M.-n, landſch. f. junge Ente, junge — 

Pielkefpiel, Ktafel, niederd. f. Beilkeſpiel ꝛtc. ſ. d. 

piep od. pip, ein Schallwort, welches einen feinen, helfen Ton nad: 
ahmt, 3.8. den Ton junger Vögel, beſ. Hühnerz daher der Piep, -e&, 
M.-e, gem. ein einzelner Laut diefer Art; piepen, verkl. piepeln, auch 
piepſen (lat, pipare, pipire, griech. mınzllo), zielloſ. Zw. den Laut piep 
hören laffen (ein piependes Küchlein); uneig: gem. f. mit feiner Stimme 
fprechen od. weinen; von Kindern: weinerlich fein, verzaͤrtelt od. kraͤnk⸗ 
lich ſein; niederd. f. pfeifen; — die Piepgans, eine piepende junge Gans; 
der Piephahn, das Piephuhn, Kinderfpr. f. Hahn, Huhn; uneig. f. ein 
piependes, weinerliches Kind; piepjung, Bw., hamburg. f. ſehr jung; die 
Pieplerche, die kleinſte Lerchenart, Heuſchreckenlerche, Heidelerche zc., auch 
der Pisperling; der Piepmatz, landſch. gem. f. ein kleiner piepender Vogel; 
der Piepſack, niederd. f. Dudelſackz auch ein oft piependes Kindz — der 
Pieper, -85 wer piept; der Pieperling, — es, niederd. f. ein verzaͤrtel⸗ 
ter Menſch; piepig, Bw., niederd. gem. für oft piepend, weinerlich, 
kraͤnklich. 

piff, ſ. paff. 

Pilger, m., —s, M. w. E., alt auch der Pilgrim, -8, M.-e; 
weiblich: die NPilgerinn, M. - en (ehem. auch der Pilgramz altd, piligrim, 
ſchwed. pelegrim, engl. pilgrim, franz. p@lerin’; vom ital. pelegrino, und 
diefes aus dem laf. peregrinus, der Fremde, eig, Wandrer), ehem. f. Frem⸗ 
der, Außländerz ein Fußreifender, Wandrer; gew. in engerer Bed, wer 
nach einem entfernten Undachtdorte wandert, ein Wallfahrer, Waller; 
— 3fes, die Pilgerfahrt, Wallfahrt; die Pilgerflafche, Kürbiſsflaſche 
eines Pilgerss der Pilgerhut, Muſchelhut (f. d.) der Pilger; die Pilgerklei= 
dung, der Pilgermantel, vod rc; das Algerien, uneig. das menfih: 
liche Leben überh. mit einer Wanderung verglichen; der Pilgerömann, ſ. v. 
w. Pilgerz das Pilgermaͤdchen; die Pilgerſchaar; der Pilgerſtab, ein 
langer Stab oben mit zwei Knöpfen, wie ihn die Pilger führen; überh. f. 
Wanderftab; die Pilgertafihe, Neifetafche der Pilger; — Xbleit, die 
Pilgerſchaft, felten Pilgrimfhaft, der Zuftand eines Pilgerd od. eis 
ner Pilgerinnz aud) f. Pilgerfahrt, Wanderung nad) einem Gnadenorte; 
pilgern, ziellof. Zw, mit fein, und ohne Angabe des Ziels od. des durchpil— 
gerten Raums mit haben (5. B, er hat den ganzen Tag gepilgert), eine Pilz 
gerfahrt unternehmen oder darin begriffen fein, wallfahrten; überh. f. 
wandern (uneig. durchs Leben —). 

Hille, w., M.-n, Verkl. dad Pillchen (engl. pill, franz. pilule; 
vom lat, pilula, Kügelchen, Büllchen, v. pila, Ball), Urzenei in Geftalt 
von Kuͤgelchen, Arzeneikuͤgelchen, welche oft vergoldet od. verfilbert werden, 
und die man ganz hinunterfchludt; uneig, f. etwas Unangenehmes, Widri— 








pillen — Pimpinelle | 377 


ges, ein Verweis, Vorwurf (z. B. einem eine Pille zu verſchlucken geben, 
d. i. ihn eine bittere Bemerkung, 'einen Verweis anhören laſſenz bie Pille 
vergolden od. verfilbern, uneig. f. den Vorwurf od. Verweis durch Einkleidung 
verſtecken); die Pillenblume, eine Pflanzengattung mit runden Honigdrüfen 
im Kelchez der Pillendreher, gem, verächtl. f. Apotheker; der Pillenfarn, 
eine Art Farntraut, deffen weibliche Befruhtungstheile in Geftalt Eleiner Pil— 
len an der Wurzel figen (pilularia L.); die Pillennefjel, eine Neſſel-Art mit 
kleinen kugelrunden Fruchtkätzchen im füdl, Europas die Pillenfchachtel; der 
Pillenteig, teigartige Maffe, aus welder Pillen geformt werben, 

pillen, 3w., f. billen. 

Pilot, m., -en, M.-en (zunächſt entlehnt aus d, franz. pilotez ital, 
piloto, holl. piloorz vieleicht deutfhen Urfprungs, von Loth, Senkblei, 
vergl, Lootfez od, v. bem niederd, pilen f, peilen (f, d.), meffenz; zufammen- 

geſetzt aus pilen u, Loth Fann es nicht fein), der Steuermann, auch f. 
2ootfe, Lootsmann, f. d.5 Naturk, ein Fleiner Fiſch, welcher den Hai be: 

gleitet u. ihn zu feinem Raube zu leiten fheint, 

a w., M. -n, landfd, 1) f. Bilfez 2) f. Srieche, Pflaumen: 

ſchlehe. 

Pilſenſchnitt, m., Landw. das von einer kleinen Larve herrührende Bleich— 

werden und Abſterben einzelner Kornaͤhren. 

Pilz, m., ed, M, -e, Verl. dad Pilzchen (altd, buliz, v. d. Yat, 
boletus, griech. BoAlrys) ; eine Gattung fleifchiger, lederartiger oder hol- 
zichter Gewächfe mit einem meift gerundeten Kopfe, der auf einem Stiele auf: 
fist, Erdſchwaͤmme; in engerer Bed, nur die efebaren Schwaͤmme; in 
enafter Bed. der Loͤcherſchwamm; (in die Pilze gehen, d. i, eig. in den Wald 
gehen, um Pilze zu fuchen, uneig, f. davon gehen, verloren gehen); Pilzicht, 
Bw., pilzähnlich, zäh und ſchwammicht; pilzig, Bw., Pilze enthaltend, 
mit Pilzen bedeckt, 

Pimpe, w., (vergl. Pampe) niederd. f. Mehlbreiz der Pimper, -8, 
öftr. eine in Schmalz gebackene Mehlſpeiſe. 

pimpeln, ziellof. Zw., landſch. gem. f. weichli und weinerlich Flagen,- 
verzärtelt feinz auch f. bimmeln, d. i. mit Fleinen Glocken laͤuten; pimz 
pelig, Bw., f. weichlich, verzärteltz — die Pimpelmeife (von ihrer fei- 
nen Stimme, oder von Pimpe, Mehl, wegen ihres weißen Kopfes; holl. 
pimpelmees), die Eeinfte Art Meife, Blau-, Mehlmeife, 

pimpern, zielloſ. Zw., oberd. Schallw,, f. pampernz daher: die Pim— 
pernufs (niederd. au Pimpelnufs), verfhiedene nufsähnlide Früchte, de: 
ven loderer Kern in der Schale Elappert, inöbef, 1) die Frucht des Pimper— 
nufsbaumes (staphylea L.) im füdl, Europa, auch Klapper-, Judennuſs, 
wilde Piſtazie; 2) die Frucht der echten Piftazie in Aſien; 3) niederd, auch f, 
Haſelnuſs. — 

Pimpinelle, w., M.-n (andſch. gem, auch Pimpernelle, Bibernellz franz. 
pimprenelle;3 mittl, lat, bipinella) 1) eine als Heilmittel gebratichte 

Pflanze mit einer Wurzel von ſcharf brennendem Gefchmad und einer eifdrmi- 
gen Frucht; verfchiedene Arten: die Stein:, und die Bod:Pimpinellez 
2) eine Art der Becherblume, ein gutes Futterkraut; die Pimpinellrofe, 
eine Art niebrigwachfender Rojen mit gelblichen oder blafsrothen einfachen Blü— 


J—— Pin —pinne 


then, kleinen runden Blättern, welche denen der Pimpinelle ähneln, u. vielen 
Stadeln. ; 

Pin, m., -e6, M. -e (vergl. das lat, pinus, Fichte), oberd, f, Fich⸗ 
tenzapfen, Fichte, 

Pinaſſe, w., M.-n, (franz, pinasse, engl, pinnace, ital. pinaccia; 
vergl. Pine), eine Urt fchnellfegelnder Schiffe, Jachtſchiff; auch eine 
Art Schaluppe, 

Pinelmeife, w., landſch. f. v. w. Pimpelmeife, Blaumeife. 

Pinetſch od. Binätſch, m., —es, landſch. gem. f. Spinat, 

Pinge, w., M.-n (vergl. das bair. Pinke, Blatternarbe; und dag 
ſchwed. bunke, Gefäß u. Beule) Bergw. eine keſſelformige Vertiefung od, 
Grube, bef, von einem eingefallenen Berggebäude herrührend. 

Pingel, w., M. -n, niederd. f. Klingel, Schelle, kleine Glocke; 
pingeln, Zw., f. klingeln, mit Fleinen Glocken läuten, 

Pinie, w., M.-n (vom lat, nux pinea5 v. pinus, Fidte), die Zir— 
beinufd (aud) Pignole od. Piniole, u. gem. Pinnüfshen, Pini- 
hen genannt), die efsbaren, mandelähnlichen Samerferne in den Zapfen des 
Ninienbaumes od. Zirbelbaumes, einer Kieferart im füdl, Europa, welcher 
Baum aud Pirie heißt, 

pin, ein Schallw., welches den Schall ded Feuerfchlagend nachahmt, 
u, mit pank verbunden aud) den Schall des Schmicdene (pink, pant);, 
daher der Pink 1., -eö, M, -e, gem. f ein Schlag mit dem Stahl an 
den Stein; pinfen, 8w. gem. f. Feuer anfchlagenz aud f. auf dem Am— 
bof3 haͤmmern (niederd, pinkepanken). 

Pink 2. od, Pienf, m., -en, M. -en, oberd. f. Fink (f. d.); der 
Dinkert, —8, M. -e, bei den Vogelftellernrein Lockfink. 

Pinke 1., w., M. -n, (engl. pink, franz. pinque), ein plattes, 
großes Laftfchiff mit einem langen, hohen Hintertheile, 

Pinke 2., w., M.-n, landſch. eine Art Fleiner Qachfe; aud ein Aal, 

Pinkel, m., -8, M. mw. E. (vergl. das oberd, Pünkel, Binkel 
(1. d.) f. bauſchige Maſſe, Bund, Bündel; angelf, u. ſchwed. bung, pung, 
Bündel), niederd. F. der Majtdarm (auch: der Pinken, Pinkeldarmz Pin: 
tel und Panßen f. das ganze Eingeweide)z; auch eine Urt Wiürfte, zu denen 
man ſich des fetten Rinder : Maftdarms bedient. 

pinfeln, zielloſ. Zw., niederd. Kinderwort f. piffen. 

ginfen, 3w,, ſ. unter pinfz — Pinfert, ſ. unter Pink 2. 

Pinne, w., M.-n, Verkl. dad Pinnchen Gengk, pin, dän, pind, 
fat, pinna), bef. niederd. f. Finne (ſ. d.) in folgenden Bed, 1) ein Fleiner 
fpißiger Nagel, eine Zwecke; Drechsl. der fpigige Zapfen in den Pfeifen der 
Drehbank; Kleine fpisige Stäbe der Feldmeffers Schiffb. jeder in ein Loch ein- 
gelaffene Sapfen; 2) die duͤnne, fchmate Seite des Hammers; 3) Natur, 
eine lange, ſpitzige Mufchel, Stecfmufchel ; 4 Jäg. dir ſtarken Schwung— 
federn der Falfen (lat. penna); — der Pinnebaum, der mit Pinnen be: 
fhlagene Bruftbaum an den MWebftühlen der Sammtweberz der Pinnham— 
mer, f. Finnhammer; das Pinnholz, niederd. das Holz des Faulbaums, 
woraus die Schuhmacher Pinnen machen; der Pinnenwächter, eine Axt klei— 

ner Krebſe, welche in die Schale der Stedmufcheln Eriehen und diefe gegen 


— — 





Fr ven n-, 


4 P 
— — 








Pinfel — Pipps 879 


eine Art Seekatzen vertheidigen ſollen; — pinnen, ziel, Bw., Schiff, zwei 
Hölzer vermittelft eines Zapfend zufammenfügen, 

Pinfel, m, -#, M. w. E., Berk, dad Pinſelchen (andſch. gem, 
auch Penfel, Pemſel; ſchwed. pensel, engl, pencil, franz, pinceau; v. d. 
lat, penicillus od. penicillum, d. i. eig. Schwänzchen, das verkl. penis), 
3) ein Borften= od. Haarbuͤſchel an einem Stiele befeftigt zum Auftra— 
genzeiner Fluͤſſigkeit (3. B. Leim-, Kleifterpinfel), u. bef. zum Malen (Ma: 
ferpinfel; den Pinſel gut zu führen wiſſen); daher-uneig, die Urt der Pinfel- 
führung und des Malens uͤberh. (3. 3. ein markiger, kräftiger, weicher ıc, 
Pinfel); 2) uneig, ein einfältiger Menſch (Einfaltspinfel), als bloßes millens 
lofes Werkzeug in Anderer Händen; auch eine Urt Meerfchwalben; 3) (nie: 
derd, Peſel, ſ. d., Pint) Zäg. das männliche Glied des wilden Schweines 
und des Rehbocks, aud des Wallfiſches; — Abb pinfelförmig, Bw. ; 
der Pinſelkoͤcher, eine Art Seeköcher; das Pinſelmoos, eine Art Korallen: 
moos, mit borftenartigen Äſtchen befegt; der Pinfelfchwanz, ein pinfelför: 
miger Schwanz; ein Thier mit folhem Schwanze, insbef. eine Art Vielfuß; 
der Pinfelftiel, der hölzerne Stiel eines Pinfelsz der Pinfelftrich, ein Strich 
mit dem Malerpinſel; der Pinſeltrog, Eleiner bieherner Trog, mit DI an: 
gefüllt, zum Reinigen der Malerpinfelz — Ableit. pinfelhaft, Bw., eis 
nem Einfaltspinjel ahnlich od. angemeſſen; die Pinfelhaftigkeit; pin- 
feln, zielof. u. ziel, 3w,, den Pinfel handhaben, führen; etwas —, 
mittelft eines Pinfeld beſtreichen; verägtt. f, malen, fchlecht malen; der 
Pinſeler, -#, wer pinfelt, ſchlecht malt; die Pinfelei, M. -en, 1) dad 
Pinfeln, Schlecht-Malen; aud eine fchlechte Malerei; 2) das Benchs 
men, od, auch eine einzelne Handlung eines Einfaltepinfels. 

pinfen od. pinjeln, ziellof. Zw. (ein Schallw., vergl, winfeln) niederd. f. 
ächzen, ſich mit weinerlicher Stimme beflagen; auch f. Fnaufern, genau 
Dingen ; daher der Pinfeler, -8, wer weinerlich klagt; ein Knauſer. 

Pint, m., -d, M. -e, niederd. gem. 1) f. Spise (vergl. Pinne); 2) f. 
dad männl, Glied (f. Pinfel)5 daher das Pinthen, -8, eine Art ded“ 
Runzelſchwamms, Giftſchwamm, Giftmorchel, Hirſchbrunſt (phallus 
impudicus L.). 

Pinte, w., M.-n (andſch. auch der Pintz engl, pint, franz, pinte, 
ital. pinta), landſch. ein Fluͤſſigkeitemaß, etwa eine Kanne haltend, 

pip, pipen, pipig zc., f. piep ıc. 

Pipe, w., M.-n, 1) niederd. f. Pfeife (ſ. d.), Roͤhrez 2) (mitt. at, 
u. fpan, pipa, ital. pippa, engl, pipe; wegen der rührenartigen Form), 
eine Art langer ſpaniſcher Wein- u, Olfäffer; auch als Flüffigkfeitämaß, 
gew. 5 Eimer oder 300 Maß haltend; der Pipenflab (niederd, Pipftavez 
oberd. auch Pfeifholz genannt), gefpaltenes Eichyenholz zu den Dauben der Pi: 
gen u, a, Fäffer, — 
Pippau, m., -es, o. M., landſch. cine dem Habichtskraute verwandte 
Pflanze, unechtes Habichtekraut; auch f. Löwenzahn, 

Pippe, w., M. -n, vit. f. Zapf, Zapfen; daher dad Pippenge- 
haͤuſe, Bergw. das metallene Hahnenftüd an einem Wafferfäulenwerke, 

Pipping, 1. Peping. 

Pipps od. Pips, m., -ed, M. -e (altd. phpfis, ſchweiz. Pfiffi, oberd. 
Pfipps, Pfiz, Zipf, niederd. aud Pipp, Zipps; ſchwed. pipp, engl. pip, 


380 Piraas — Plache 


franz. p&pie, mittl, lat. u. ital, pipitag aus dem lat, pituita, ‚Söhleim); 
eine Krankheit des Federviehes, bef. der Hihner, beftehend in einer Ver— 
ftopfung der Drüfen und Verhärtung der Zungenfpise (einem Huhne den Pipps 
reißen, d. i, die verhärtete Zungenhaut abziehen) 5 uneig. f. der Keim zu einer 
tödtlichen Krankheit; ſcherzh. f. eine Franfhafte od. fehlerhafte Eigenheit; 
pippfig, Bw. (alt. u, landſch. pfisig, pfifig), den Pipps habend; pippfen, 
zielloſ. Zw., den Pipps haben. 

Piraas od. Pieraas, aud Piraf gefhr., f.u-m., -ed, M. Piräfer 
(vd. Has, f.d., f. Köder, u, dem holl, pir, pier, Regenwurm), niederd, 
gem. f. Negenwurm, fofern er ald Köder am Angelhafen dient. 

Nirol od, Pirolt, m., -ed, M. -e (Schallw. den Ruf des Vogels nad): 
ahmend), die Golddroſſel od. Goldamfel, der Pfingftvogel. 

piladen, ziel. Zw., niederd. gem. einen —, f. plagen, quälen, peinigen, 

pifchten od. piften, zielof. Zw. (landſch. auch biſen, biſchen), gem. 
‚ den aut pfcht od. pft hören laffen, um Stillſchweigen zu gebieten od, einem 
zuzurufen (einem pifchten), 

pispern, zielloſ. u. ziel, Zw. (ein Schallw., oberd, pfuftern, niederd, 
auch puftern) gem, f. leiſe flüffernz der Pisperling, -*8, M.-e, landſch. 
f. die Pieplerche. 

piffen, ziellof, u. ziel. Zw. (ein Schallw., landſch. auch piſchen, pifelnz 
ſchwed. pissa, engl. piss, franz. pisser, ital. pissare), gem. f. harnen, 
fein Waffer laffen 08. abfchlagenz die Piffe, niedr. f. der Harn, Urin; 
der Piffer, -8, wer piſſt; die Piſsback, Schiff., ſ. v. w. Backpiſs, f.d, | 
unter Badz der Pifstopf od. niederd, Piſspott, niedr, f. Nachttopf, Nacht: . 
geſchirr. 

Piſsgurre, w., M.-n, oberd, f. Beißker, eine Art Weißfiſche. 

Piſtole 1., we, M, -n, au das Piſtol, -8 (v. ital, pistola, franz, 
pistolet, engl. pistol; vielleiht v. dem lat, pistillum, Stempel, Mörfer: 
keule, wegen der Ahnlichen Geftaltz n. X. von der Stadt Piftoja in Stalien, 
wo die Piſtolen erfunden fein follen), ein kurzes Schießgewehr, welches mit 
einer Sand gehalten und abgefeuert wird, oberd. Fauſtbuͤchſe, ehem. Fauft= 
ling genannt; die Piftolenholfter, f. Holfter; die Piftolenfappe od, der 
Hiftolenmantel, eine Tuch- od. Lederkappe zur Bededung des Schaftes der 
Piſtolen in der Holfterz die Piftolenfugelz; der Piltolenlaufz der Piſto— 
lenfchufs. 

Piftole 2., w., M. -n (0. d. franz, pistole, angeblich von Piftoja 
in Stalien, wo fie zuerft geprägt fein follen), eine franz. u. ſpan., auch 
deutiche Goldmuͤnze, welche 5 Thaler in Golde gilt (gem. Lonisd’or). 

Piſtole 3., we, M.-n, Papierm, ein Gefäß, mittelft deſſen beim Pa: 
pierichöpfen die Wärme in der Arbeitsbutte erhalten wird, 

Pitſchaft, 1. Petichaft. 

Pittauer, m., -d, M. w. E., (franz. buror) landſch. für Rohre 
dommel. 

pitzeln, Zw., f. bißeln. 

Pitzer od. Pizer, m., -8, landſch. f. die Schweinmelde. 

Plache, w., M. -n (verw, mit flach, blach, ſ. d.z vergl. d. niederd. 
Plack, Placke, d. lat, pläga, u, d, griech. 2u), oberd. 1) f. Flaͤche, 
Ebene; 2) (gew. Plahe, Blahez auch Plane, f.d,5 ſchwed. plags) 





Plachmahl — Plage 381 


grobed Tuch oder grobe Leinwand zum Einpaden, als Dede Über Wagen 
u. dgl, 5; bef. die auf der Jagd zum Umſtellen einer NBaldpartie dienenden 
Tücher (daher Plachenknechte, die Jäger, welche diefes Jagdzeug zu beſor— 
gen haben); landſch. aud weite, aus verfhlungenen Striden gemachte Nege, 

Plachmahl, f., Hüttenw. das durchfchwefelte Silber, welches bei der 
trocknen Scheidung des Goldes vom Silber gewonnen wird. 

Pak, m., —es, M. -e, od. der Pladen, -8, M. ME, (vergl. 
Plache) niederd. ein flaches Ding, insbeſ. ein Lappen, liefen, Stuͤck 
Zeugz ein Fleck od. Flecken, Klecks; die Plade, M, -n, Bauf. eine 
gegoffene eiferne Platte zur Bekleidung der Hinterwand eines Ramins ; Landw. 
ein flaches Stuͤck Land; pladen 1., niederd, Zw. 1) ziellos f. flecken, 
ecke machen; Flecke bekommen; 2) ziel. f. flach u, breit machen, feſt 
fchlagen (3. B. Wafferb. eine Art Dämme u. Deiche machen, indem man bie 
aufgefhüttete Erde mit Waffer begießt, feft ftampft und mit dem Plackſcheit 
feftihjtägt, welde Art des Dammes ein Pradwerk heißt); anheften, an— 
Eleben (ein Papier, ein Bild an die Wand) ; daher niederd. das Plackat, -es, 
M. Se (gem; wegen der fremdartigen Endung Placat gefhr.), eine öffentz 
lic) angefchlagene obrigfeitl. Verordnung oder Bekanntmachung; der 
Placker, -8, niederd. f. Flecken; uneig. gem, f. Fehler, Verſehen, Ver— 
ftoß (oberd, Blader); aud ein Wandleuchter (franz. plaque) ; pladerig, 
Bw., niederd. f. fleifigz pladeln, siel, 3w,, mit Eleinen Stecken od, Lap⸗ 
pen verſehen, beſetzen. 

placken 2. od. plackern, zielloſ. Zw., (Schallw., niederd. auch plick— 
placken), einzelne, unordentliche Schuͤſſe abfeuern, ſtatt dafs fie zu glei— 
cher Zeit fallen ſollten (beſ. bei den Ubungen der Soldaten); daher der Placker, 
-8, ein einzelner, fehlerhafter Schuſs. 

pladen 3., ziel, Zw, (das verft. plagen, ſ. d.), gem. f. fehr plagen, 
quälen, einem bart zufigen (die Unterthanen —); aud) rüdz. fi —, f. fi) 
abmuͤhen; der Plader, -8, wer Andere plackt od, plagtz die Plackerei, 
M.-ın, das Packen, die Erpreffung, Scherereiz die Beichwerde, bes 
ſchwerliche Arbeit. 

Pladde, m, M.-n, niederd. f. Fetzen, Lappen. 

pladdern, ziellef. Zw. (vergl. platſchen, plätſchern), niederd. Schallwort, 
weiches das Geraͤuſch des herabfatlenden, ausgegoffenen, oder bewegten 
Waſſers nachahmt (z. B. es regnet, dafs es pladdertz im Waffer pladdern 
20.); auch f. plaudern; pladdernaſs, Bmw, , gen, f. ganz durchnäſſt. 

Page, w., M.-n fhwed, plaga, engl. plague, ital, piaga; wahrſch. 
verw. mit d. lat, pläga, griech. Anz, alfo uripr. Schlag, Hieb, Wunde, 
franz. plaie), ein drücfendes, läftıges Übel, finnv. Dual, Peinz insbef, 
allgemeine Unglücköfälle, als Strafgerihte Gottes angefeben (Tandpla: 


gen, ald Theurung, Peſt 20.5 bie ägyptiſchen Plagen) plagen, ziel. Zw. 


( chwed. pläga, engl, plague; griech. mAjoosıw, mittl. lat. plagare, fnlagenz 
vergl, auch bläuen, Flegel u. d. lat. Nigere), einen —, ihm große Be— 
ſchwerde verurſachen, finnv, beläftigen, quälen, peinigen (von od, mit et: 
was geplagt feinz einen um etwas —; auch ſich mit einer Sache —, d. i. bez 
mühen, quäten)z bibl. mit einer Plage ſtrafen, züchtigen; der Plage— 
geift, ein Wefen, eine Perfon, welde Andere plagt, ſtärker: der Plages 


teufel; der Plager, -8, die Plagerinn, M, -en, wer Andere plagt, 


—⸗ 


382 Plagge — Plane 


Plagge, mi, M. -n (vergl, Plack, Placke), nieberd, ein ausgeſtochenes 
flaches Raſenſtuͤck, eine Erdſcholle (Gras, Heideplaggen); der Plaggen— 
maier (d. i. Mäder), wer Plaggen hautz plaggen, Zw, 1) ziellos f, Plag- 
gen hauen od. ſtechen; 2) ziel. mit ‘Plaggen belegen, 

plampen od, plampeln, zielloſ. Zw., ſchweiz. f hin und her fhwanfen, 
baumeln (3. B. von einer Glodez; mit Haben); uneig. m, fein, fich lang= 
fam und ſaumſelig bewegen, nachläffig und müßig einhergehen, ſchlen— 
dern; in diefer legtern Bed. au: plämpeln u. plampern od. plempern; 
plampen, alt aud) f.plaudernz (vergl, verplempern); — die Plampe 
od. Plämpe, M.-n, landſch. gem, etwas Herabhangended, das hin und 
ber ſchwankt; bef. ein Furzer Degen mit breiter Klinge (landſch. auch Plite, 
Plaute)z; der Plampel cd. Plämpel, -5, M. w. E., ſchweiz. f. das 
Pendel einer Uhrz uneig. ein träger, fchlaffer Menſch; ein fchaales, kraft— 
loſes Getränk, ſchlechtes Bierz daher plämpelig, Bw., f. ſchaal, un= 
ſchmackhaft. 

plan, Bw. (vom lat. planus), eig. eben, flach; gew. uneig. f. allgemein 
verſtaͤndlich, deutlich, faſslich (ſich plan ausdrücken, eine plane Schreibart) ; 
daher der Planſpiegel, ein ebener Spiegel, entg. Hohlſpiegel 2,5 planen, 
ziel. Zw. (gew, mit frembartiger Endung planiren), ebenen, glätten (eis 
nen Plag, ein Metall); daher der Dlanhammer Planirhammer), ein 
Hammer zum Glätten des Metals; die Plankugel (Planirfugel), ein 
Werkzeug zum Ebnen der Bleche zu Uhrgehäufen; — der Plan, -e, M. 
Plane u. Pläne, 1) eig. (lat. planum, franz. plaine, engl. plain), die 
Ebene, Fläche; daher oberd. f, Fußboden, Erdboden (auf dem Plane lie- 
gen) ; in engerer Bed. ein zu einem gemiffen Zwecke beftimmter od, brauch— 
barer ebener Plaß unter freiem Himmel (z. B. Bleich-, Fecht-, Kampf—, 
Schieß-⸗, Zanzplan 2.)5 ehem. bef, f. Kampfplat, Schlachtfeld (den Plan 
behalten, auf dem Plane fein 26,)5 Forſtw. ein mit Baumen bemachfener 
ebener Plab (daher: das Holz planmweife verkaufen, d. i. nad) Plägen von 
beftimmter Größe); in allen diefen Bed. gem, M. Plane; 2) (M, gew. 
Pläne; franz. plan) der gezeichnete Grundriſs einer Gegend, einer Stadt 
“ oder eined Gebäudes (den Plar von einer Gegend aufnehmen); aud der 
Grundrifd od. Entwurf zu einem zu errichfenden Gebäude, einer Anlage 
u. dgl.; daher in weiterer uneig. Bed. überh, f. Entwurf zu einer Urbeit od, 
Unternehmung jeder Art, fei er aufgezeichnet oder nur in Gedanken gemacht 
(den Plan zu einem Schaufpiere u. dgl. maden, entwerfen; einen Plan aus: 
führen; er hat mehre Pläne im Kopfe; alle meine Pläne find geſcheitert; auch 
verkl. ein Plänchen); — 3ſetz. der Planhirſch, Jäg. ein Hirſch, wel: 
cher bei einem Kampfe mit andern den Kampfplas behauptet, auch Platzhirſch; 
planlos, Bw. u. Nw., feinen Plan habend, ohne regelmäßigen Plan (plan: 
ios Handein); die Plenlofigfeit: entg. planmäßig, Bw., einem Plane 


emäß, nad einem Plane; die Planmäßigkeit, der Planmacher, die. | 
9 ’ 


N lanmacherinn, wer gern Pläne macht; planvoll, Bw., viele Pläne im 
Kopf abend; -planweife, Nw., f. 0.5 — der Planer, —s, M. Pläner, 
landſch. f. breite, flache Steine, Platten, ; 

HM ane, w., M.-n, landſch aud der Plan (r. Plahe, Plache, 
ſ. d), landſch. f. grobed Tuch, grobe Leinwand, fofern fie ald Decke, 
bef. über einem Wagen, dient; Jäg. leinene Tuͤcher zum Umftellen eines Ge: 





— 


plangen — plappern 383 


hölzess Bergw. grobe Tücher von Zwillich, auf denen der grobe Schlich ge: 
flauet wird 5 daher der Planenherd, Hüttenw, das Geftelle, auf welches die 
Planen zu dieſem Zwecke gelegt werben, 

plangen, ziellof. Zw. (aus beslangen, alt. pelangen, f, langen, ver: 
langen , 2985), Öftreih. unp mich plangt um etwas, f. mich verlangt, 
ich bin lüftern danach; daher der Planger, 8, f. Luͤſternheit, unzeiti— 
ges Verlangen; plangig, Bw., f, luͤſtern, naͤſchig. 

Planke 1., w., M. -n, (ſchwed. planka, engl. plank, franz. planche, lat. 
planca; verw. mit Plad, Place, ſ. d.) 1) ein dickes Brett, eine Bohle; 2) eine 
Bretterwand, bef, ein Bretterzaun od. =Verfchlag (landfh. auch Pleiche, 
Bleiche genannt); daher der Planfengang, Schiffb. eine Reihe aneinander: 
gefegter Stücke von Planken 2c.5 das Plankeifen, ein Werkzeug des Schiffe- 
zimmermanns, mit deſſen Schneide das Werg beim Kalfatern in die Fugen der 
Planken getrieben wird; dad Plankwerk, ein aus Planken beftehendes Werkz 
planfen, ziel. 3w., mit Planken befleiden, od. einfließen (einplanten). 

Planke ?., w., M.-n (aud) der Plan), nieberd. ein kleines Fluͤſ⸗ 


ſigkeitsmaß — + Nöfel od, g Kanne, 


planfen, 3w. 1. f. unter Plante 1,5 — 2. (Schallw,) bair. f. ſchwatzen, 
auöplaudern; plänfeln; zielof. Zw. oberd. f. wiederholt erklingen, od. erfchals 


len laſſen; insbef. einzelne, ſchnell aufeinander folgende Schüffe thun (vergt, 


pladen 2,), u. von der Reiterei: in Fleinen Haufen herumſchwärmen u. 
einzelne zerftreute Angriffe machen (auch: plänfern, n. A. blänfern); 
daher der Plänkler, -8, wer plänfelt, Vorpoſtenfechter; die Plänfelei, 
M. -en, das Plänfeln, ein kleines Handgemenge, Vorpoftengefecht. 

planlos, planmäßig, Planfpiegel, planmeife zc. f. unter plan. 

planfch od. plantſch, ein Naturlaut, welher den Schall eines fallen- 
den ed, anfchlagenden weichen od. flüfjigen Körpers nachahmt (vergl. patſch, 
platſch)j daher ver Planfch, -ed, M, -e, gem, ein folder Schall; plans 
fihen od. plantfchen, auch planfchern, ziellof. Zw., diefen Schall hören 
laffen dd. verurfachen, ſinnv. plätfchern, panſchen, pladdern ꝛc. G. B. 
es regnet, daß es planfcht; im Waffer planfchen); oberd. etwas plantjchen, 
f. ausplaudern; dev Planfcher, -&; die Dlanfcherei ıc. 

Planſche od. Plantjche, w., M.-n (aus dem franz. planche, fpan. 


. plancha), in Münzen u, bei Metallarbeitern f. eine Metallplatte (Gold-, Sit 
„ berplanfihe 2c.) ; daher der Planſcheneinguſs, eine eiferne Form, in welder 


das Silber zu vieredigen Platten gegoffen wird, der Planfhenhammer, ein 
ſchwerer Hammer, die Sitberplanfihen dünner zu ſchlagen. 

pläntern,. ziel, Zw. (v. altd. plentan, engl. blend, vermiſchen, verwir: 
von), Forſtw. ee Waldung —, miſchweiſe, planlos aushauen od, lich⸗ 
ten; die Plaͤnterwirthſchaft, der gemiſchte Waldbetrieb. 

plappen, zielloſ. Zw., ſchweiz. Schallw. f. klatſchen, platſchen, von dem 
anſchlagenden Waſſer ec., auch f. hin und her wanken, wackeln im Gehen. 

plappern, zielloſ. u. ziel, Zw. (ein Schallwort 3 niebderd, blabbern, 
blubbernz gem. aud) papern; papeln 2c.5 engl, blab, ſchwed. pladdra, Lat, 
blaterarez vergl. plaudern), fchnell, viel und gedanfenlos ſprechen, ſinnv. 
plaudern, ſchwatzen, klatſchen; bef. nur die Sprachlaute bervorbringen, "ohne 


ſich des Sinnes derfelben bewufft zu fein (Eleine Kinder, Papageien 2c, plays 
pern); der Plapperer, -8, gem. auch dad Plappermaul, die Plapper⸗ 


384 Plappert — platt: 


tafche, der Plappermatz, Plapperhans u. dgl. m., eine gern plappernde 
Perfonz die Plapperei, M. -en, das Plappernz dad Geplappertez 
plapperhaft, Bw., gern plappernd; die Plapperhaftigkeit, dad Plap- 
perhaftfein, 

Plappert, oberd. auch Plapphart, Plappharter, m., ſ. v. m. 
Blaffert. 

Plarer, m., -8, M. w. E., Hüttenw. der Schmelzer in einer Ei— 
ſenhütte. 

Plarre, w., M.-n, oberd. der Plaͤrren, —s (auch die Flarr, Flär- 
ven), landſch. eine breite Narbe od. Wunde; große Blatter, bef. eine 
Blatterkrankheit des Rindviehs. 

plarren, oder blarren, zielloſ. Zw. (niederd. plieren, plüren, engl. 
blear), oberd. f. mit truͤben od. zuſammengezogenen Augen ſehen, blin— 
zeln; daher die Plaͤrre, (auch dad Geplärr; franz. berlue) oberd, f. Ne— 
bel od. Dunkelheit vor den Augen, Triefaͤugigkeit; das Plaͤrrauge (nie: 
derd, Plüroge), f. Triefaugez plärräugig, Bw., (engl. blear- eyed) f, 
triefaugig; blinzelnd. 

plärren, zielloſ. u. ziel. 2w. (ein Schallwort; altd. blören, niederd. bla: 
ven, blarren, engl. blare; vergl. d, lat. plorare, franz. pleurer), in 
widrigen Tönen fhreien, weinen, fingen (ein plärrendes Kind; einem die | 
Ohren voll—, ein Lied — 20); die Plärre, M. -n, od. das Plärrmaul, 
gem. verächtl. f. ein großer, weit geöffneter Mund; der Plärchahn, 
Kampfhahn od. Brausbahn, 

Plaͤſch, m., — es (vergl, Plad, Planſche), oberd, f. Lahn, geplattes 
ter Drath. 

Pätengras, ſ., landſch. f. die Quecke. 

plätern, zielof. w., (vergl. pladdern) nieberd. f. plaudern; der Pläter, 
-5, f. der plaudernde Mund, das Plappermaul, 

platfch, ein Naturlaut, welcher den Schall eines fallenden weichen 
Körpers od. eines Schlages in eine Fluͤſſiakeit nachahmt (vergl, planfd)3 
daher der Platich, -es, gem. ein folder Schall, od. ein damit verbunde— 
ner Fallz platfchen, ziellof. Zw. (niederd. plasfen; vergl. d. griech. mAurcooe), 
gem., den Schail platſch hören laffen od. hervorbringen; plätfchen, ziel: 
lof. u. ziel. Zw., landſch. gem. f. platfchen machen (ins Waffer —, d. i. mit 
der Hand flagen, dafs es platſchtz die Thür —, d. i. ſtark zuſchlagen) 3 gew. 
u. edler die Wiedecholungsform plaͤtſchern, ziellof. Zw. m. haben, (nicderd. 
plaftern, plattern), den Schall platſch wiederholt hören laffen od, herz 
Vorbringen, nur vom fanften Rauſchen des anfchlagenden cd. bewegten Waf- 
fers (die Quelle plätfigert, mit der Hand im Waſſer plätfern u. dgl. m.); 
ach: Scherben od. flabe Steinen ſchräg über eine MWafferflähe werfen, fo 
daſe fie mehrmals hüpfend abprallen, ein Kinderfpiel, das Plätjcherfpiel 
genannt; — der Platfeher, —8, landſch. f. Enterich. 

platt, Bw., Comp. platter, Sup. platteit, (ſchwed. platt, Mat, engl. 
flat, dän. Hadz; franz. plat, ital, piatto, griech. nAarös; altlat. plotus, 
Platifußz verw, mit Blatt, Fladen ꝛc.), in die Breite ausgedehnt u. nicht 
erhaben, finnv. flach, welches mehr der Vertiefung, platt hingegen der Er: 
höhung entg. ift, (ein platter Stein 20.5 etwas platt drücken, ſchlagen 2c. ; 
das platte Land, d. i. bad ebene, nicht bergige, entg. dem Gebirge, au | 





platt 385 - 


% 


entg. der Stadt; auch weniger erhaben, als gewöhnlich (eine platte Stirn, 
Naſe; ein plattes Dach; platte Stickerei ze.) ; oberd. auch f. flach, weniger 
tief (eine platte Schüffel) ; auch f. im platten Lande üblich, insbef. f. platt: 
deutfch (platte Sprache, platt fprechen) ; uneig. fich nicht über dag Gemeine 
erhebend, finno. fchlecht, unedel, alltäglich, niedrig (ein platter Ausdruck, Witz; 
ein platter Menfch) ; oberd. auch f. verſtändlich, plan; niederd. f. ohne Falſch 
u. Umfchweife, geradezu, gänzlich, durchaus (einem etwas platt abſchlagen; 
eö ift platt unmöglich, vergl. platterdings; Schiff. den Wind platt vorm Laken 
haben, d. i. gerade im Nüden); — 3fes. der Plattbaum, ein zum Vogel- 
ftellen bis an den Gipfel entäfteter Baum, an welchem Leimruthen befeftigt wer= 
ben, Beldbaum; der Plattboden, Naturk. ungenabelte Kreifelfchnede; die 
Plattdecke, Bauf. ebene Zimmerdecke, z. U. v. einer gewölbten, einer Felder 
decke 2c.; plattdeutſch, Bw., f. v. w. niederdeutfch (f. d.) entg. dem ober- 
und hochdeutſch (das Plattdeutfch, d. i. die plattdeutfche Sprache); der 
Pattehrke, -n, eine Art nordamerikan. Taucher, deffen Füße nahe am Bürzel 
fiehen, auch Arſchfuß; die Platterbfe, Kichererbſe; der Wlattfifch, Fifche 
mit plattem Körper, Schollen, insbef. die Platteife, ſ. u.; der Plattfuß, 
1) die Fußſohle; 2) ein platter Fuß ohne gehörige Einbiegung der Fußſohle; u. 
ein Menfch mit foihen Füßen; Naturk. eine Art Eegelförmiger Meereicheln; 
plattfüßig, Bw., Plattfüße Habend; das Plattgarn, plattes Leinengarn 
zum Stopfen: auch f. Plattneg; der Platthuf, ein ungewöhnlich platter, breis 
ter Huf; platthufig, Bw., Platthufe habend; der Plattfopf, ein platter 
Kopf, eig. u. uneig. f. Flachkopf; plattköpfig, Bw.; die Plattlaus, Filze 
laus; das Plattloth, Schiff. eine bleierne Platte, das Zündloch der Kanone 
zu bedecken; die Plattnafe, eine platte, ungewöhnlich breite Nafe; auch ein 
Menſch od. ein Thier mit folder Naſe; plattnafig, Bw.; das Plattneg, 
ein Neg der Vogelfteller, mit welchem der Plattbaum (f. 0.) umſtellt wird; die 
Dlattrofe, landich. f. Mauerpfeffer; das Plattfchiff, ein Schiff mit plattem 
Boden; der Plattfchnabel, ein platter Schnabel; eine Gattung mit dem lies 
genfänger verwandter Vögel in Amerika; der Wlattfpiegel, f. v. w. Plans 
fpiegel; der Plattftampfer, Hutm. eine meffingene Platte, den abgeformten 
Hut glatt zu drücken; ter Plattſtein, breite Steine, mit welchen ein Fußweg 
(fr. Zrottoir) an den Häufern entlang gelegt iſt, Schritt= od. Trittftein; der 
Mattſtich, ein platt liegender Stich im Nähen od. Sticken; das Plattſtuͤck, 
Tuchm. die obere Scheide am Rahmen; Zimmer!. die über den Ständern liegende 
verbindende Schwelle; der Plattwirbel, eine Kegeltute an den Küfien von 
Guinea; der Plattwurm, eine Gattung platter Würmer, die im Waffer leben ; 
der Nlattziegel, flacher Dachziegel, entg. Hohl-, Kehlziegel ꝛc; — platz 
terdingd, Nw., gem. bef. niederd. f. fehlechterdings, durchaus (z. B. id) will 
es platterdings nicht 2c.); — Ableit. v. platt: die Platteife, Mi-n, 
(au ber Platteiß, niederd. Platteiste, böhm. plateys, plateysck; mittl. 
lat. platessa, griech. nAavet; engl. plaice; das -eiße ift alfo nur Endung), 
eine Art Schollen od. Pattfifche in der Nordfee, Halbfifch, Goltbutte; die 
Nlattheit, das Plattfein, die platte Befchaffenheit (4. B. eines Landes): 


uneig. f. Gemeinheit, Niedrigkeit (3. B. des Ausdruckes); auch eine einzelne - 


platte Äußerung (M. Plattheiten; fr. Platitüde) ; das Platting, -es, M. -e, 
Echiff. plattes Tauwerk; der Plattling, -es, M.-e, Neu. f. ein platter 
Menſch, Plattkopf; — die Platte, M. -n, Verl. das Plätthen, 


Deyfes Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 25 


ı 


388 plaß 


(ſchwed. plät, engl. plate; mittl. Tat. plata), 1) eine ebene Fläche, zB. 
der flache, kahle Gipfel eines Berges od. Felfens ; der Scheitel od. Wirbel 
des Kopfes, bef. wenn er von Haaren entblößt ift (eine kahle Platte, od. fchlecht: 
weg eine Platte haben, ſ. v. w. Glase); 2) ein platter Körper (4. B. eine 
Steine Marmor-, Metallplatte; die Kupferplatten der Kupferftecher, die Holge 
platten der Holz- und Formſchneider ꝛc.): in engerer Bed. heißen fleinerne 
Platten ſchlechthin: Platten (den Fußboden mit Platten belegen; eine Tiſch— 
platte, d. i. ein fteinernes Tiſchblatt); insbef. Bauk. ſowohl das obere platte 
Glied am Säulenknaufe, als auch das untere des Fußgefimfes; in den Münzen: 
die, runden, zu prägenden Metallſtücke; Hutm. der obere, platte Theil des _ 
Hutkopfes; der platte Kopf eines Nageld; chem. das aus einer Platte gemachte 
Bruftftüc eines Harnifches (Bruftplatte); landſch. eine flache Schüffel (auch 
das Platt: franz. le plat); niederd. auch f. Schurz, Schürze (gew. Plate); 
3) (v. platten) ein Werkzeug, um etwas platt zu machen oder zu plätten, 
ſ. v. w. Platt- od. Plätteifen, ſ. d.; Zſetz. v. Platte: die Plattenfeile, 
Schloſſ. eine Art feiner Feilen; der Plattenhammer, in Eifenhämmern ein 
Schwanzhammer zum Schmieden der Eifenplatien, aus welchen Gewehre gemacht 
werden; det Plattenſchlaͤger, wer Platten aus Metall ſchlägt; — die Plaͤtte, 
M.-n, 1) gem. das Plattſein, Geglättetſein; 2) ein plattes Ding, ine= 
bef. bair. ein plattes Schiff Poftplätte, cine Art Jachtſchiff, eine Fähre; 
3) f. das Plätten; — platten, ziel. Zw., platt machen, abflachen od. ebe= . 
nen, gew. abplatten (z. B. die Erdfugel ift an den Polen geplattet od. abge= 
plattet); platten, ziel. 3w., völlig platt drücken und glätten (z. B. Gold- 
und Silverdrath zu einem dünnen, glänzenden Lahn quetichen; Zimmert. zwei 
Balken platt auf einander nageln) ; insbeſ. Wäſche —, d. i. mit dem Plätt— 
eifen platt bügeln; der Plaͤtter, -$, die Piätterinn, M. -en, wer plättet, 
fei es Drath, od. bef. Wäſche; das Plättbrett, ein. Brett, Wäfche darauf 
zu plätten; das Plaͤtteiſen, der eiferne Bolzen, welcher glühend in das Werk 
zeug zum Wild: Plätten geſteckt wird: auch das ganze Plättwerkzeug, die 
Platte (f. 0.), verſch. Bügeleifen; der Plaͤtthammer, ein Glätthammer der 
Radler; die Plättmühle, ein Triebwerk mit zwei ftählernen Walzen zum Plätz 
ten des Drathes, auch in Papiermühlen zum Glätten des Papiers; der Plätt« 
teller, eine Unterlage von Thon od. Metall, das heiße Plätteifen daranf zu 
fielen; der Wlätttifch, ein Tiſch, auf weichem Wäfche geplättet wird; Die 
Prättwäfche, Wäſche, welche geplättet werden muſs, z. U. v. Roloälhe; — 
plätteln, ziellof. Zw. (auch plaßgen), oberd. u. ſchweiz., mit flachen 
Steinchen (Plättlein) od. Kleinen Eifenplatten nach einem Ziele werfen, 
ein Rnabenfpiels platten, ziel. Zw., Vögel mit Leimruthen an einem Platt> 
baume (f. 0.) fangen; landſch. auch f. plätten (Drath); daher der Plattner 
od. Plaͤttner „s, f. Drathplätter; chem. auch der Verfertiger der Bruſt— 
harniſche aus eiſernen Platten, Harniſchmacher; plaͤttſchen @Letfchen), 
ziel. Zw., oberd. f. platt ſchlagen od. drücken. 

platz, ein Naturlaut, welcher den Schall nachahmt, den ein falender od, 
mit flacher Hand gefchlagener platter Körper bewirkt (vergl. platſch), u. 
bef. den Schall der zufammengeprefften, fich plöglich ausdehnenden u. einen 
Ausgang gervinnenden Luft; von einem gröberen Schale auch: plauz, ploß, 
plug, von einem feineven: plitz; der Platz 1., -e8, M. Plage u. Pätze, 
gem. ein ſolcher Schall (es that einen Platz, — mit einem Plage ꝛc.); 





Platz 887 


auch ein Schlag mit der flachen Hand od. einem breiten Werkzeuge (einem 
einen Platz, Pläge geben) ; Forſtw. die Stelle an einem Baume, wo berfelbe 
durch einen Dieb als ein zu fällender bezeichnet iftz auch als Ausdrud der Ges 
ſchwindigkeit, des Augenblidlichen (etwas auf den Platz, od. gew. Plotz 
od. Plug, ſchaffen, d. i. im Augenblick); platzen, zielloſ. Zw. (altd. plestan, 
niederd. plaſſen engl. plash) 1) m. Haben, den Schall platz hören laſſen 
(ich höre etwas plagen, es hat geplagt; es regnet, dafs es plast) od. hervor— 
bringen (3. B. mit der Knallbüchfe —, landſch. f. Enallen); 2) m. fein, mit 
diefem Schall, u. in weiterer Anwendung auch ohne hörbaren Schall, plöglich 
zerfpringen, zerreißen, berſten (die Blaſe ift geplagt; die Kaftanien plagen auf 
den Kohlen; die Rinde eines Baumes, eine Nat) u. dgl. plaktz gem. fo viel 
efjen, dafs man plagen möchte; vor Lachen plagen wollen) ; gem. auch f. heftig 
und mit Geräuſch niederfallen (ev plagte auf den Boden); plößlicy und mit 
Ungeftüm zum Vorfchein kommen (ev plagte ins Zimmer herein) ; mit etwas 
herausplagen, f. d. vergl. Losplagen; landfch. auch f. prahlen; — 
3feg. d. plagen: die Platzbuͤchſe, ein ausgehöhltes Rohe mit einem Stöps 
fel, welches mittelft dev zufammengeprefften Luft einen Knall giebt, auch Klatſch⸗ 
od. Knallbüchſe; das Platzgold, -pulver, =filber, die Platzkugel, ſ. v. w. 
Knallgold, Knallpulver ꝛc., |. d.; das Platzgras, -kraut, ſ. v. w. Berfts 
gras; der Platzkäfer, eine Art Laufkäfer, welcher bei der Berührung einen 
platzenden Schall aus dem After von ſich giebt; der Platzregen (niederd. 
Plaſsregen), ein heftiger, in großen Zropfen fallender Regen ; plagregnen, 
untrb. ziellof. Zw., ein Neuw. f. heftig u. in großen Tropfen regnen 5; — Ab⸗ 
Leit. die Platze, gem. f. das Platzen, Zerplatzen (dafs du die Plage kriegteſt! 
eine niedrige Verwünſchung); auch f. Platzbüchſe; der Plaker, -8, gem. f. 
ein Platz, plagender Schall; wer plagt, landſch. uneig. f. Prahler; plägen 1. 
Zw. 1) ziel. felten f. plagen machen (eine Blafe —, eine Nath plägen); gew. mit 
der flachen Hand od. einem breiten Werkzeuge fchlagen (ein Kind auf den 
Hintern —); Forſtw. einen Baum —, mit der Art anbauen, um ihn zu 
zeichnen (vergl. 0. Pla); 2) ziellos, den Schall plaß hervorbringen, Enallen 
(mit einer Knallbüchfe plägen) ; die Plaͤtze, M. n, Bergw. eine Haue zum , 
Sprengen dei Steine; Küch. ein breites, ſtarkes Meffer, mehr zum Hauen 
als zum Schneiden; Jäg. die vorderen Schlägel einer wilden Sau ; der 
Plaaͤtzer, -S, wer plätzt; ein Schlag mit der flachen Hand ꝛc. 

Platz 2. m., -e8, M. Pläge, Verkl. das Plätzchen, (von platt), 
4) Goln. placek, vergl. laden u. d. lat. placenta, griech. miezoös) eift 
platter, dünner Körper, nur in der engeren Bed. ein dünner, get. runder 
Kuchen (oberd. auch dev Plägen; z. 8. ein Eier-, Ofterplas, Zuderplägchen ; 
vergl. auch Pleg),; 2) (miederd. Plafs, ſchwed. plats, engl. place, franz. place, 
ital® piazza, poln. plac), a) ein ebener Theil der Erdfläche (ein freier, grüner 
Platz 2c.), bei. fofern er zu gewiffen Sweden, Zufammenfünften, Verrich⸗ 
tungen od, Vergnügungen beſtimmt ift, ſinnv. Plan (4. B. ein öffentlecher 
Has, Markts, Schaus, Spiele, Lanze, Reite, Schieß-, QTummel:, Kampf: 
plas); insbeſ. f. Kampfplag, Schlachtfeld (den Platz behaupten .. auf dem 
Plage bleiben, |. d.), u. landſch. f. Zanzplag in Dörfern (daher söerd. Platz⸗ 
burfhen u. -mädchen, f. gepuste Tänzer u. Tänzerinnen; der Platz⸗ 
meifter f. Vortänzer u. Anordner des Tanzes; PlagEnchte, deſſen Ge— 
hülfen); Forſtw. ein beftimmter Theil der Erdfläche mit dem darauf befind: 

1 


25% 


388 plaudern — Plauze 


lichen geſchlagenen Holze (funfzehn Schock Scheite machen einen Platz); b) in 
weiterer Bed. ein begrenzter Theil des Raumes, welchen ein Gegenſtand 
einnimmt od. einnehmen kann u. ſoll, ſinnv. Ort, welches jedoch den Raums 
theil mehr als Punkt, Platz hingegen nach ſeiner Ausdehnung bezeichnet, (da⸗ 
her auch Platz öfter mit Raum, als mit Ort vertauſcht werden Eann), u. Stelle, 
welches mehr den Ort in einer beftimmten Kangordnung od. Reihe bezeichnet (z.B. 
einem Platz machen; Plag füretwas od. Jemand laſſen; es ift an diefem Tifche 
für zehn Perfonen Platz; Plagnehmen: d. i. fich ſetzen; dies ift mein Platz; 
einem feinen Pla& anweifen, ihn von feinem Plage verdrängen; einen Pla& be= 
legen; das Echaufpielhaus hat über taujerd Pläse, d. i. Raum für mehr als 
taufend Perfonen; alle Plätze find befest 2c.); uneig. f Statt, Raum (4. 8. 
Semands Bitte Plag finden laſſen, d. i. fie bewilligenz ber Wahrheit, der 
Billigkeit ꝛc. Platz geben); auch f. Berufsftelle, Amt, gew. Stelle (eines 
Andern Plag einnehmen, an deſſen Pla Eommen zc.); c) ein von Menfchen 
bewohnter Ort, Stadt, Tleden, Feſtung ꝛc., bef. in der Kriegs- u. Kauf _ 
mannsfpr. (ein offener, ein feiter Platz; ein Handeleplag ; es find wenig Waa- 
ven auf dem Plage, d. i. im Orte 2c.); — Bfes. der Platzbaͤcker, eig. ein 
‚Bäder, welcher nur Pläse bäckt; landſch. ein Bäder, der Fein ordentliches 
Backhaus hat und nur ſchwarzes Brod baden darf; der Plashalter, gem. 
Statthalter; der Platzhirſch, ſ. Planhirſch; der Platzknecht, Platzmei— 
ſter, ſ. o.; das Platzrecht, landſch. f. Grundrecht; — Ableit. plaͤtzen 2. 
zielloſ. zw., Jäg. f. Platz machen, von dem Rehbock, wenn ex da, wo er. 
ſich niederlaſſen will, Moos und Raſen wegſcharrt; plaͤtzig, Bw., Forſtw. 
ein plätziger Hau, ein ſolcher, wo nur hin und wieder kleine Striche od. Plätze 
abgeholzt werden. > 

plaudern, ziellof. u. ziel. 30. (oberd. auch plodern, blodern, niederd. pludern, 
plabdern, ſchwed. pladdra, bladdra, lat. blaterare, ein Schallw. vergl. plap⸗ 
pern), viel und ſchnell reden, beſ. von unwichtigen Dingen und bloß zur Unter⸗ 
haltung, finnv. ſchwatzen; überh. vertraulich mit einander reden; auch mit 
tadeindem Nebenbegriff f. zur Unzeit und auf flörende Weife Gefpräche führen 
(4. B. in der Schule, in der Kirche —); etwas Anvertrautes Andern 'ges 
ſprächsweiſe mittheilen (von etwas plaudern, u. bef. etwas ausplaudern); 
der Plauderer, -8, die Plauderinn, DM. -en, eine gern plaudernde Pers 
fon, wofite auch die mehr od. weniger gem. Zfes. das Plaudermaul, der 
Plauderhans, mas, -ſack, die Plaudertafche ꝛc; die Plauderei, das 
Plaudern; auch das, was man plaudert, der Gegenfland des Geplauders 
(M. Plaudereien); plauderhaft, Bw., gern plaudernd, find. ſchwatzhaft, 
geſchwätzig; die Plauderhaftigfeitz die Plauderfiunde, eine zum Ber 
plaudern geeignete u. beftimmte Stunde. 

pläudern, ziel. Zw., (ogl. pludern) landſch. f. fücheln (fich mit dem Hute =). 

Plaute, w., M.-n, landfch. gem. 1) f. Bruſtſchild, Platte (f. d.) ; 
2) ein Eurzer, breiter Degen, |. v. w. Plämpe (f. d.), verächtl. überh. f. 
ein großer, unförmlicher Degen (landſch. auch Plose, Plinte). 

plauz, ein Naturlaut, welher einen dumpfen Schall nachahmt (vergl. 
plag); daher ver Plauz, -e8, gem. ein folher Schall; auch ein denfelben 
hervorbringender Fall od. Schlag. 

Plauze, w., M.-n, 1) Bergw. eine Art Zwitter, welche auf dem Zinn⸗ 
walde in fandigem Gefteine bricht; 2) landfch. gem. f. Eingeweide. 





a Dleihe — Plonen 389 


Pleiche, auch Bleiche gefpr., w., M.-n, landfch. f. Planke, Bretterivand. 
Pleit, m., -8, M. -e, (au) Plaid, Ploit geſchr.; altſächſ. pleo, 
pleoh, engl. plea,, franz. plaid, holl. pleyı) altniederd. f. Rechtsftreit 
(Procefs) ; pleiten, ziellof. Zw. (auch ploiten, plechten; holl. pleyien, engl. 
plead, frang. plaider) f. einen Rechtsſtreit führen, rechten (fr. proceffiren). 

plempern, 3w. |. plämpern. 

plengen, zielloſ. Bw. , nieberd. f. fehleppen, ſchwere Arbeit thun. 

plentein, 3w. 1. f. plänfeln; 2. (goth. us-pliggvan) oberd. f. ſchleu— 
dern, werfen, treffen; mit dem Plenkel dreſchen; der Plenkel, -8, oberb. 
der Schwengel einer Glocke; eine Art Drefchflegel, deſſen Schlagholz unbes 
weglich an dem Stiele befeſtigt iſt. 

Plente, w., M. -n, ſchleſ. ein alter Weiberrock. 

Plenten, m., -8, (aus dem ital. polenta verderbt), oberd. f. Mus aus 
Bucweizenmehl; ter Buchweizen felbft. 

plentern, Zw., 1. f. pläntern; 2. nieberd. f. verfchl eubern, unnüß ver: 
thun (vergl. plämpern). 

Pletſche, w., M.-n, (v. platt, Blatt), landſch. f. ein platte, breites 
Ding, insbef. oberd. ein großes, breites Pflanzen-, bef. Kohlblatt (gem. 
Blätſche); aud ein breites Maul, verdrieglich herabhangende Lippen (f. v. 
w. Flatſche, Flabbe); in der Lauſitz: ein breites Holz zum Balljchlagen ; 
ſchleſ. ein bauchiges, flaches irdenes Gefäß. 

Pletz, m., -8, M. -e, od. der Pleben, -8, M. w. E., (altd. plez, 
plezzo), oberd. f. ein dünnes Stüd, ein Schnitten, eine Scheibe (4. B 
von einem Apfel, einer Rübe 2c.); ein Fleck auf der Haut; ein Fled od. Fli⸗ 
den von Zeug (vergl. Bletz); daher pletzen od. blegen, ziel. Zw., f. fliden. 

Pi, m., -e8, M. -e, niederd. f. Sliden, Eleines Stud: uneig. überh. 
f. Kleinigkeit; daher die Plickſchuld, f. eine Kleine Schuld. 

Plimm, m., -e8, M.-e, ein weißer, feſter Eifen- od. Stahlftein 
in Steiermark. 

plinfen, ziellof. Zw., Tandfch. f. blinken, blinzen, mit den Augen winfen. 

Dlinfe od. Plinze, w., M.-n, landſch. eine Art dünner zufammenges 
rollter u. in Butter gebadener Eierkuchen; das Plinſenblech, = eifen, die 
Plinfenpfanne, der Plinfentiegel, flache blecherne u. ivdene Gefäße zum 
Plinfenbaden. # 

plinfen od. plinzen, Zw. landſch. f. blinzen. 

Plinte, r. Plinthe, w., M.-n, (franz. plinthe, engl. plinth; vom 
griech. mA os), Bauk. die Unterplatte, ‚vieredige Unterlage bef. des Säu— 
lenfußes. 

Plite od. Pliete, w., M. -n, niederd. 1. etwas Plattes od. Breites, 
insbeſ. ein breiter, kurzer Degen (ſ. v. w. Plämpe); daher uneig. in Ham— 
burg f. ein jähzorniger Menſch; eine Urt kleiner Plattfiſche; hannöv. eine 
Brodſchnitte; 2. ein Schlag, eine Wunde; 3. eine unzüchtige Weibsperfon. 

Pitt, m., Jes, M.--e, od. der Plittfiſch, landſch. 1) f. Ukelei; 
2) f. Bleibe. | f 

Mloje, w., M.-n (Holt. pleye; aus d. lat. plica, franz. pli), nieberd. 
f. alte; plojen, ziel. Zw., f. falten, in Zalten legen. 

Dlonen, die, o. E., (vergl. Plunder, niederd. Plunnen, f. £umpen, Lap⸗ 

pen), landſch. f. Eingeweide. 


390 plören — plump 


plören, ziel. Zw., nicderd. f. unter einander fchüitten; daher Pıidrwein, 
f. vermifchter Wein. 2 — 
Pott, m., Aes, M.-e, (das altlat. plotus, plautus) landſch. f. ein 
breitfüßiges Thier, Patſchfuß. 
Plotz, 1. m., -es, (auch Plus u. oberd. Pflauz, Pflutz; vergl. Platz 1.), 
gem. der Schall, welchen ein platter, ſchwerer Körper im Fallen verurfacht; 
auch als Ausdruc der Gefchtwindigkeit, des Augenblidlichen, bef. auf den 
Plotz, gem. f. im Augenblick, auf der Stelle; daher plößlich, Nw. u. Bw., 
(oberd. auch plitzlich; ſchwed. plötslig, holl. plotselyk), im Augenblick ges _ 
fhehend, ganz unvermuthet, auf einmal, (plöstich erben, ein plöslicher 
Tod); die Plöglichkeit. , 
Ploß 2. m., -e8, M.-e, od. die Plotze, M. -n,roberd. f. Plante, 
Plämpe, ſ. d. — 
Ploͤtze, w., M.-n, landſch. auch der Ploͤtz, es, M. -e, (auch Bles, 
Blötz; mittl. lat. Mora), eine Art platter Weißfiſche, Rothfeder. 
plogen od. bloßen, 3w., (vergl. Blotter f. verdickte Flüſſigkeit, 
Sahne ꝛc.), ſchwäb. f. Butter ausrühren, Butter machen. 
plößlich, f. unter Plotz 1. 
pludern 1. ziellof. Iw. (oberd. plodern; altd. plodan, auflöfen), weit, 
ſchlapp und faltig fein, fehlottern; daher die Pluderhoſe, gew. M. -hoſen, 
(poln. pludry), Lange, weite u. faltige Beinkleider, wie fie ehemals üblich waren. 
pludern 2. ziellof. Zw. bair. f. flattern mit mühfamem Flügelfchlage ; 
auch den Schall einer aus engmündigem Gefäße gegoffenen Flüffigeeit hören 
laſſen; der Pluderer, -$, bair. ein Geſchirr mit großem Bauch u. engem 
Halſe. 
Plumbe, auch Pluͤmpe, w., M. -n, ſchweiz., eine große kupferne 
Glocke, dergleichen die Älpler den ſchönſten Kühen zur Zierde anhängen. 
Plume, w., M.-n, (lat. pluma, franz. plume, engl. plume), niederd. 
f. Slaumfeder, Fettfederz die Pluͤm-Ente, eine Art amerikan. wilder Enten 
mit zwei lang herabhangenden haarigen Federn auf dem Kopfez das Pluͤmen— 
ſchwänzel, -8, eine Art Droſſeln in Braſilien mit wolligem Rücken u. Schwanz 
u. einem haarigen Kamme. 
iR od. plumps, ein Naturlaut, welcher den Schall eines fallenden, 
ſchweten Körpers nachahmt, bef. wenn derſelbe ins Waffer fällt; der Plump 
od. Plumps, -es (oberd. auch Plumpf), ein folcher Schall od. Fall; plump, 
Bw., Comp. plumper, Sup. plumpſt, (engl. plump, holl. plomp), von 
großer Maffe und roher Form, unförmlich did und fchwerfällig (ein plumper 
Körper, plumpe Hände, Füße, Stiefel u. dgl.); unbehülflih, tänpifch, töl- 
pifch, ohne feine Bildung, Gemwandtheit u. Geſchmack (ein plumper Menfch, 
ein plumpes Benehmen); auch durch Grobheit od. Unfittlichkeit beleidigend 
(eine plumpe Antwort, plumpe Späße);, die Plumpheit, das Plumpfein einer 
Perfon od. Sache ; auch eine plumpe Außerung, Rede, Handlung (M. Plumps 
heiten); plumpen, ziellof. Zw. (ſchwed. plumpa, engl. plump)-1) gem. den 
Schall plump hören laffen, m. haben (es hat geplumpt) ; mit diefem Schalle 
fallen, m. fein (er ift ing Waffer geplumpt ; auch plumpfen, oberd. plumpfen, 
pflumpfen 2c.); 2) ſich plump bewegen, (er plumpt einher), plöglich u. auf 
ungefchicte u. unbeholfene Weife zum Vorſchein Eommen (in das Zimmer 
plumpen; mit etwas heraus —, d. i. es plump u. geradezu hevausfagen) ; 


\ 





Bir 0 plander — Plut 391 


3) landſch. f. pumpen; die Plumpe, M. -n, landſch. f. Pumpe; — 
3fe#. die Plumphofe, ſchweiz. f. Pump = od. Pluderhofe; die Plumpfeule 
od. der Plumpftoc, große, ſchwere Stangen dev Fiſcher, womit fie „ins 
Waſſer plumpen“, um bie Fifche ins Netz zu treiben; der Plumpfad, (auch 
Klumpfad), ein zufammengedrehetes Tuch, um damit bei Spielen Schläge aus- 
zutheiten ; daher auch win Spiel mit dem Plumpfad; uneig. gem. f. ein plum⸗ 
per Menſch. 

Plunder, m., -$, 0. M. (vergl. d. niederd. Plunden, Plunnen, 

“ Plunnken f. Lumpen, Lappen, holl. plunje), alte, abgenugte Kleidungs⸗ 
ſtücke, Wäſche u. dgl.; in weiterer Bed. überh. altes, untaugliches Geräth, 

u. uneig. verächtl. f. jede geringfügige, fehlechte Sache; alt u. noch oberd. f. 
Kleidung u. Geräth, Habfeligkeiten, Gepäd ꝛc. ohne verächtlichen Nebenbe— 
griff; — 3fes. die Plunderfammer, der Plunderfaften zc., eine Kamz 
mer, ein Kaften zur Aufbewahrung von altem Plunder; der Plunderfram, 
allerlei Plunder; u. der Handel damit, Trödelfram; der Plundermann, 
Landfch. gem. Plundermaß, Lumpenfammter; der Plundermarkt, Trödel 
markt; der Plunderwagen, oberd. f. Wagen mit Gepäck, Hausrath zc. 
(fe. Bagagewagen); — Ableit. pluͤndern, Zw. (ſchwed. plundra, engl. 
plunder) 1) ziel. dev Kleidung, des Hausgeräthes, überh. der beweglichen 
Güter gewaltſam berauben, zunächft im Kriege (einen befiegten Feind, ein 
Haus, eine Stadt — ; auch ohne Zielw. die Soldaten haben geplündert 2c.); in 
weiterer Anwendung überh. f. berauben, ausrauben (eine Kaffe, Bücer- u. 
Kunftfammlungen u. dgl. ; eine Buhlerinn plündert ihren Liebhaber, indem fie ihm 
das Seinige ablockt; uneig. einen Schriftfteler, ein Buch —, d. i. ausfchreiben 
u. das Ausgefchriebene für Eigenes ausgeben) ; 2) ziellos m. haben, oberd. u. 
Schweiz. mit Gepäd u. Habfeligkeiten fortziehen, insbef. bei einer Feuersbrunſt, 
oder beim Umzug in eine andere Wohnung ; daher auch f. ausziehen, eine ans 
dere Wohnung beziehen; der Plünderftod, ein von Raubbienen bewohnter 
Bienenſtock; der Plünderer, -8, wer plündertz die Plünderung, das 
Nluͤndern; daher die Plünderungsfucht; plünderungsfüchtig, Bw. ze. ; 
die Plünderei, M. -en, anhaltendes ‘od. wiederholtes Plündern. 
Plundermilch, auch Plumpermilch, w., niederd. f. dicke, geronnene 
Mil. 
Plunz, m., -e8, M.-e, od. der Plunzen, -8, (veral. plugig, u. das 
alte blonen f. ftrogen), Landfch. gem. f. Klumpen, dide Maſſe, Wanft ; 
die Plunze, M. -n, oberd. f. Blutwurſt; verächtl. f. Weibsperfon. 
plüren, zielloſ. Zw., niederd. ſ. v. w. platren, ſ. d. 

Pluͤſch, m.,-e8, M.-e, (zunächſt aus d. franz. peluche, ital. peluccio;; 
engl. plush; aber verw. mit d. niederd. plufen, plüfen; daher auch niederd. " 
Plüs), ein fammtartiger, aus Leinen u. Seide 0d. Kameelhasr gewebter 

Zeug, Halbfammtz daher plüfchen, Bw., aus Plüſch gemacht. 
plufen od. plüfen, ziel. u. ziellof. Zw. (holl. pluisen), niederd. f. fäfeln, 
zupfen, zaufen, rupfen, pflüden (z. B. Hühner —; die Wolle, des Taus 
werk — aus einander zupfen); Lofe fein, flattern, ſchlottern; pluftern, ziel. 
3w,, das verſt. plufen, niederd. f. zerzaufen, knüllen, durchwühlen u. verwirren. 
plutſchen, zielloſ. Zw. , ‚öfte. f. ffammeln, mit fehwerer Zunge fprechen, 
AMlutz, m., -e8, ſ. v. w. Plotz, ſ. d.; plußen, ziellof. Zw., Tandfch. 
gem. f. einen Plus hören laſſen; mit dumpfem Schalle fallen. 


392 Plutzer — pochen 


Plutzer od. Pluͤtzer, auch Plotzer, m., -8, M. w. E. (überh. etwas 
Aufgedunſenes) oberd. f. Kürbiſs, Melone; ein als Flaſche dienender ausge: 
höhlter Kürbiſs; ein weitbäuchiges irdenes Gefäß, ſteinerne Flaſche; plutzig 
od. pluͤtzig, Bw. (gem. auch plüſſig, pluſtrig, plüſs; ſchwed. plösa, anfüllen), 
niederd. f. aufgeblaſen, gedunſen, voll u. dick (ein plutziges Geſicht, plutzige 
Hände ꝛc.). 

Poͤbel, m., -8, o. M. (alt auch: Popel, Pepel, das Pöſel, Böfel ; v. lat. po- 
pulus, franz. peuple, engl. people, Volk), das gemeine Volk, der große Haufen, 
nur mit verächtiichem Nebenbegriff in Anfehung feiner Rohheit und mangelnden 
Bildung; daher uneig. f. Perfonen von gemeiner, niedriger Denkungsart, 
unedler Handlungsweife, faylechten Sitten (es giebt Pöbel in allen Ständen ; 
vornehmer Pöbel 2c.); — Z3ſetz. der Pöbelhaufen; die Pöbelherrfchaft, 
die in den Händen des Pöbels befindliche Herrfchaft od. höchfte Gewalt (fr. Och— 
lokratie); der Poͤbelkaͤfer, gemeine Lauftäfer; pöbelmäßig, Bw. , f. v. w. 
pöbelhaft; die Pöbelfprache, Sprache des niedrigften Volkes; fo auch das 
Möbelwort: das Poͤbelvolk, gem. f. Leute, die zum Pöbel gehören; — Ab— 
Leit. die Wobelei, ein pöbelhaftes Benehmen; auch eine einzelne pöbelhafte 
Handlung od. Außerung (M. Pöbeleien) ; pobelhaft, Bw., dem Pöbel an: 
gemeffen, gleich od. ähnlich (ein pöbelhafter Menſch; ein pöbelhaftes Betra— 
gen 2c.); die Pöbelhaftigkeit. - 

pochen, Zw. (altd. pohhan, oberd. puchen, nicderd. pucken, boken; 
ſchwed. boka, holl. beuken, poln. pukan) 1) zielloes m. haben, dumpf 
ſchallen, Elopfen (ich höre pochen, es pocht; das Herz pocht); mit Hervor—⸗ 
bringung eines dumpfen Schalles gegen etwas flogen, fehlagen, Elopfen (an 
die Thür — ; im Schaufpielhaufe —, d. i. zum Zeichen des Mifsfallens mit den 
Füßen od. mit Stöden auf den Boden ftoßen); uneig. vlt. f. ungeftüm u. laut 
zanfen (bibt. mit feinem Nächften pochen); einem —, ihm ungeffüm u. tro> 
gig drohen; auf et was —, ein übertriebenes Vertrauen darauf mit Stolz 
äußern, darauf trogen (z. B. auf fein Glück, feinen Reichthum ꝛc. —); dag 
Pochſpiel (f. u.) ſpielen; 2) ziel., felten einen —, f. ſchlagen; ehem. un: 
eig. f. bedrücken, quälen (bibl. das Volk pochen und plagen); etwas —, 
zerftoßen, ftampfen (das Erz in den Pochwerken); — der Poch, - 88, M. -e, 
gem. f. Schlag (Poche Eriegen) ; die Woche, M.-n, landſch. ein Werkzeug 
zum Pochen od. Kiopfen z. B. ded Flachſes, der Leinwand zc. ; der Pocher, -$, 
wer pocht, bef. ein Arbeiter in einem Pochwerke; uneig. wer auf etwas pocht, 
- ein troßiger Prahler; die Pocherei, gem. f. wiederholtes Pochen; — Zfeb. 
das Pochbrett, Spielbrett ‚zum Pochfpiel; das Vocheifen, ſchwere vicr— 
eckige Eifen an den Pochftempeln, mittelft deren das Erz gepocht wird; das 
Pocherz, Bergw. Erz, welches gepocht werden mufs; dag Pochgerinne »d. 
der Pochgraben, das Gerinne, duch welches das nöthige Waffer auf den 
Pochkaſten geleitet wird; die Wochheie, Bergw. ein hölgerner Schlägel (ſ. Deie); 
der Pochherd, der geebnete Platz, auf welchem das gepochte Erz gewafthen 
wird, aud die Pochbank; der Pochjunge, in den Pochwerken befchäfiigte 
Bergjungen; der Pochkaſten, der bretterne Kaften, worein das Erz gefchüttet 
u. worin es durchgepocht wird; der Pochfnecht, ein Arbeiter in einem Poch— 
werke; die Pochlafche (f. Lafche), Seitenbretter an den Pochtrögen ; das Poch⸗ 
mehl, das fein gepochte Erz oder Gefteinz die Pochmühle, |. v. w. das 
Pochwerk; das Pochrad, Wafferrad, welches die Pochftempel in Bewegung 


Pocke — Poiße 393 


fest; bie Pochſaͤule, hölzerne Säulen, zwifchen denen bie Pochftemper fich 
bewegen; die Pochfchlage, ein großer eiferner Hammer, womit die gewaſche— 
nen Erze vollends Elein gepocht werden, aud) der Pochhammer; der Poche 
ſchlamm, das Elein gepochte Erz, wenn es aus dem Pochtvoge in den Schlemm⸗ 
graben gelaufen ift; das Pochfpiel, ein Brettfpiel mit Karten u. Würfeln; 
der Pochfteiger, ein Steiger (f. d.), welcher die Aufficht über ein Pochwerk 
hat; der Pochitempel, die mit den Pocheifen befchlagenen hölzernen Stampfen, 
mitteljt deren die Erze in dem Pochtroge Elein gepocht werden; die Pochwelle, 
die Welle des Pochrades; das Pochwerf, ein Hüttenwerk, in welchem das 
Erz mittelft vom Waſſer getriebener Stempel gepocht wird; auch das Erz, wel- 
ches gepocht werden fo!l. 

Pocke, w., M.-n (engl. pock, verw. m. Bud, Budel, Erhöhung ; 
def. in Nicderd. üblich, in Oberd. unbekannt), eine Blatter, Eiterbeule; bef. 
M. die Poden od. die Pockenkrankheit, f. v. w. die Blattern, z. 8. 
Schaf⸗, Kuh-, u. insbeſ. Menfchen= od. Kinderpodenz; — 3fes. das Pocken⸗ 
blatt, landſch. f. Wafferampfer; das Pockengift, Blatterngift; die Pocken— 
grube od. =narbe, Blatternarbe; podengrübig, Bw. , blatternarbig ; 
das Pockenholz, od. Btatterholz, Franzoſenholz; pockenkrank, Bw., auch 
als Hw. ein Podenfranfer, der, die Podenkranke ꝛc.; die Podenraute, 
Geißraute, Fleckenkraut; der Pockenruͤcken, ein Art Hornfifche, deren Rüden 
mit Wärzchen befegt ift; der Pockenſtein od. Blatterſtein, eine Art des Grün— 
fteins (fr. Variolit); die Pockenwurzel, Chinawurzel. — Ableit. poden, 
ziellof. Iw., niederd. f. die Pocken bekommen; podig, Bw., die Poden 
habend. 

Pockel, w., M.-n, vit. f. die Buckel. 

Pofel, m., -8, 0. M. (etwa das oberd. Pofel, Pöfel f. Pöbel?), landſch. 
gem. f. fchlechte, unbraudpbare Waare, Brad, Schofel; öfte. f. eine 
Menge, ein Gewimmel (4. B. ein Pofel Schafe) ; daher pofeln, ziellof. Zw., 
oberd. f. in Menge hervorbrechen, quallen. 

Dofefe, od. Bofeſe, r. Pafefe, w., M.-n, (aus d. ital. pavese, 
franz. pavois), 1) chem. eine Art großer Schilde von Eiſenblech; 2) oberd. 
Küch. ſchildförmige, mit Kalbehien od. Pflaumen u. dgl. gefüllte, gebackene 
Semmelſchnitten, Nierenfchnitten. f 

Pogge, w., M.-n, (vergl. Padde), niederd. f. Froſch; Kröte; daher: 
das Poggenauge, eine Art ſchädlicher Pilze; der Poggendeich, Wafferb. 
ein kleiner Sommerdeich ; das Poggengras, die Krötenbinfe; der Poggen- 
ſchott, (d. i.⸗ſchuſs), niederd. f. Froſchleich; der Poggenſtuhl, f. Erd: 
ſchwamm, Pilz. 

Pohl, m., -es, (aus d. franz. poil, Haar) bei den Sammtwebern 1) dag 
Haar des Sammtes, aud) der Flor genannt; 2) die Rolle, worauf die Pohl: 
fäden gewicelt werden; die Pohle, M. -n, die obere Kette am Stuhle, 
welche den Pohl des Sammtes macht; der Pohlarm, zwei höfgerne Arme 
über dem Hinterbaume, welche die Pohle tragen; der Pohlfaden, Kettenfaden 
einer Pohle; der Pohlkamm od. =fchaft, Schaft, in welchen die ‚Kettenfäden 

einer Pohle eingereiht werden, — pöhlen, ziel. Zw., Gerd. der Haare berau⸗ 
ben, gem. abpöhlen (ein Fell). 

Poiße, m., -n, M.-n, (vergl. d. ſchwäb. Bofch, junges Rind; Tat. 

* bos), landſch. gem. f. ein im Alter gefchnittener Zuchtoche. 


x 


394. Pok — Pole. 


Pok, m, -es, M. -e, (holt. pook; vergl. d. lat. pugio, Dolch, pungere, 
ftechen, picken 2c.) niederd. f. Dolch, Meffer; Stich, Wunde; daher poken, 
3w. , f. ſtechen. 

Pokal od. Pocal, m, -e8, M. -e, (franz. bocal, ital, boccale, wohl 
von.bocca, Mund; nicht v. d. lat. poculum, welches ital. poculo Yautet), 
ein großer Becher, Doppelbecher, Doppelglas. 

Poͤkel, m., -$, 0.M., (niederd. Pädel, Holl. pekel, oberd. Picchet, 
engl. pickle; wahrſch. verw. mit Büch, Buk, engl. buck, Lauge; vergl. 
beuchen, büfen; n. X. von einem gewiffen Wilhelm Böker, ald dem Erfin— 
der des Einpöfelns, im 14ten Jahrh. ?), Salzwaffer, Salzbrühe über ein 
gefalzenem Steifch oder Fiſchen; püfeln, Zw. 4) ziel. in Salz od. Salzwaſſer 
legen, einfalzen, gew. einpöfeln; 2) ziellos m. haben, in Salzwaſſer ver 
wandelt werden (das Salz pöfelt ſchon, d. i. fchmilzt auf dem Fleifche); vom 
Salz durchdrungen werden (das Fleiſch pökelt gut) ; das Poͤkelfleiſch, einge: 
falgenes Fleiſch; der Poͤkelhäring (vergl. Pickelhäring), eingefalzener Häring ; 
verſch. Bückling; der Poͤkelhecht, Salzhecht; der Poͤkelrogen, eingefalzener 
Fiſchrogen (fr. Kaviar). 

Pol, m., -e8, Me⸗e, (franz. u. engl. pole; v. lat. polus, griech. 
‚nöh0g v. new, nol&o, umdrehn; alſo eig. der Drehpunkt), die beiden End— 
punfte der Achfe, um welche fidy eine Kugel dreht, Angelpunkte; insbef. 
die beiden Endpunkte der Erdachfe: der Nord- u. Südpol; am Magnet 
die beiden einander entgegengefegten Punfte, welche die ſtärkſte Anziehungs- 
Eraft äußern, u. von denen, wenn der Magnet frei hängt, der eine ſich nach 
Norden, der andere nad) Süden wendet; — Bfes. der Polbär, Eisbär; 
die Pol=- Ente, eine Art Patfchfüße um Spisbergen ; der Polfuchs, eine Art. 
in der Nähe des Poles Iebender Füchfe, die im Sommer graublau, im Winter 
weiß find; (gew. Polarbär, zente, =fudhs); die Polhöhe, der Bogen 
der Mittagskreifes zwifchen dem Pole und dem ‚Gefichtskreife eines Ortes; der 
Dolkreis, (gem. Polarkreis od. zcirkel) Erdk. die Kreislinie, welche man 
fich um jeden der beiden Erdpole mit einem Halbmeffer von 232 Graden gezogen - 
denkt, und der von diefen Kreifen eingefchloffene Raum; der Polſtein, Neuw. 
f. Magnet, ſ. d.; der Polſtern, (gew. Polarſtern), der dem Nordpol am 


nächſten ſtehende letzte Stern im Schwanze des kleinen Bären, Nordſtern, ehem. 


auch Meerſtern, als Leitſtern dev Seefahrer; die Poluhr (gew. Polaruhr), 
eine Sonnenuhr, welche auf einer Fläche beſchrieben wird, die ſowohl durch die 
Weltpole, als auch durch Oſten u. Weſten geht. 

Polack od. Polak, m., ſ. Pole. 

Polake, w., M. -n, (ital. polacra, franz. polacre, polaque, engl. 
polaque), eine Art dreimaftiger Schiffe, bef. im mittländ. Meere, 

Polchen sd. Pölchen, m., -$, M. w. E., preuß. eine ehem. polnifche 
Kupfermünze, = # poln. Grofchen. od. ZI; poln, Gulden. 

Nolder, m., -$, M. w. E., 1. (holt. polder; wahrſch. verw. m. dem 


niederd. Pool f. Pfuhl, Sumpf), niederd. eine durch Eindeihung dem Meere 


od. einem, Fluffe abgewonnene Niederung; — 2. Schiffb. die über den 
Schanddeckel hervorragenden Enden der Inhölzer, um welche das Tauwerk 
belegt wird (auch: Pöller). 

Pole, m., -n, M. -n, die Polinn, M. -en; gem. auch: der Po— 
lad, -en, die Poladinn, M.-en, (poln. Polany od. Polak), die flas 





Ey , 


Polei — KPolfter 395 


vifchen Eingeborenen u, Bewohner des Landes Polen, f., -8; dee Polad, 
auch ein aus Polen ſtammendes Thier, bei. Pferd; ein gefchnittenes Huhn; 
uneig. gem. f. Schläge auf den Hintern, bef. mit einer kurzen ledernen Peitfche 
(einem einen Polacken geben) ; auch der Ueberreft eines Trunfes im Gtafe, u, 
des Tabads in einer nicht ausgerauchten Pfeife; polnifch, landſch. gem. auch 


polifch (weiches eig. richtiger ift, von Pole. gebildet, wie preußifch, ſchwebiſch x. 


von Preuße, Schwede), den Polen eigen, aus Polen ftammend, zu Polen 
gehörig (die polnifche Sprache; polnifche Pferde); oberd. auch f. feltfam, fon- 
derbar (das kommt mir polifch vor); der polnifhe Bod, ein Marterwerk- 
zeug (f. Bock 3.); Naturk. dev polnifche Hammer, eine Art Kammmuſcheln; 
die polnifhe Müsge, eine Art Korallen; der polnifche Säbel, eine Art 
Sceidemufchein. 4 

Polei, m., -e8, o. M. (dän. poley, engl. poly, böhm,-poleg, ital. 
pulegg}o, v. lat. pulegium, puleium, v. pulex, Floh, alfo eig. Flohkraut, 
wegen feiner Wirkung gegen die Flöhe), eine flarkriechende, bitter und ge ' 
würzhaft fchmedende Pflanze, zur Gattung der Münze gehörend; wilder 
Polei, f. Feldmünze, Bergmünze, Quendel. 

Polente, Polfuchs, Polhoͤhe, ſ. unter Pol. 

politzen, ziel. Zw., Goldarb. eine Arbeit vor dem Glänzen (od. Poliren) 
mit Bimsſteinen ſchleifen. 

Polizei, w., o. M., (franz. police, engl. polity, lat. politia, v. griech. 
nolrrelie, Staatsverwaltung), die Handhabung der Ordnung und beſ. die 
Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe u. Sicherheit in einem Staate od. einer 
Stadt (es herrfcht hier eine gute Polizei); die damit beauftragte Behörde, f. 
v. w. das Polizeiamt, die Poldeidehoͤrde, die Geſammtheit der Polizei⸗ 
beamten; daher auch: der Polizeidiener z das Polizeigericht; polizei⸗ 
mäßig, Bw., den Polizeigeſetzen gemäß, entg. polizeiwidrig, denſelben zu⸗ 
widerlaufend; die Polizeiordnung; der Polizeireiter, ein reitender Polizei⸗ 
diener; der Polizeirichter; die Polizeiſache ꝛc.; — polizeilich, Bw., die 
Polizei ka dazu gehörig od. davon ausgehend. 

Noll, m., -e8, M.-e, landſch. f. ein verfchnittener Eber; ein unge: 
ſchickter, unbehülflicher Menſch. 

Poll 4. m., Aes, M.-e, od. die Pole, M. -n, (engl. poll, Kopf), 
niederd. f. Kopf; Federbuſch auf dem Kopfe von Vögeln; Gipfel von Bäumen 
u. Pflanzen ; daher pöllen ‚ ziel. Zw., (engl. poll), niederd. f. Eöpfen, des 
Gipfels berauben. 

Noll 2. m. od. f., -e8, o. M., 0d. das Pollmehl, (landſch. auch Pohl⸗, 
Pulmehl, u. die Poehl; vergl. d. lat. pollen, feines Mehl), Landfch. f. die 
mittlere Gattung des Mehts, Mittel-, Halb-, Aftermehl. 

Pollak, m., -e3, M. -e, (vergl. das oberd. Bolch f. Kabeljau), 
ein dem Kabeljau ähnlicher Fiſch (Gadus pollachius L,), auch: gelbes od. 
weißes Kohlmaul. 

Poͤller, m. 1. f. Böllerz 2. f. Polder 2. — Pollmehl, f. Poll 2. 

polnifch, Bw., f. unter Pole; — Polftein, Polftern,, m., f. Pol. 

Polſter, m., u. gw.f., -$, M.w. E., Verkl. das Polſterchen, 
(altd. der polstar, bolster; oberd. Bolfter u. Pfulfter; isländ. palster, 
ſchwed. u. engl. bolster; wahrfch. verw. mit bol 2), überh. ein mit Zeug od. 
Leder überzogenes Feder = od. gem. Hanrkiffen, bef. wenn es auf einem Sig, 


396 Pölten — Pomeranze 


einer Lehne ze. befeftigt ift (ein Stuhl-, Wagen, Eopha=Polfter 2c.); in 
weiterer Bed. auch Strohmatten od. Strohwiſche, welche man, um Reibung 
zu verhüten, zwifchen harte u. ſchwere Körper legt; Mühlenb. f. Unterlage 
überh.z die Polſterbank, tas Polfterbett, ver PVolfterfeffel, — ſitz, 
ſtuhl zc., mit Polftern verfchene Bank, Ruhebett, Seffel 20.5; dee Polfter- 
ritter, alt Tpottweife f. ein auf dem Polſter veitender, d. i. ein weichliches Leben 
führender Ritter; polflern, ziel. Zw., mit Polftern verfehen, befcylagen 
(einen Stuhl, einen Wagen 2c. — ; uneig. mit Fleiſch od, Fett gepolfterte Glicder 2c.). 

Pölten, m., -$, landſch. gem. ein Mannstaufnamen (verderbt aus d. 
griech. Dippolytus). 

poltern, zieliof. 3w. m. haben (en Schallw., oberd. auch poldern, pols 
lern, niederd. pultern, bullern, bollern, f. d.; ſchwed. bullra), ein ſtarkes 
und dumpfes, rollendes od. doch anhaltendes Getöfe hören laffen od. erre— 
gen (ich höre es poltern; wer poltert fo? an die Thür poltern, d, i. ungeftüm 
ſchlagen od. ſtoßen); gem. überh. f. lärmen ; insbef. ungeſtüm u. haftig reden, 
bei. im Eifer od. Zorn, zanfen (ev poltert beftändig) ; in Kupferhämmern : 
die aufgetieften Keffel 2c. mit dem Polterhammer gleich ſchlagen; auch m. fein, 
ſich polternd ürgendwohin bewegen (ev ift in die Stube, von der Treppe hin- 
unter gepoltert ꝛc.); der Polterer, -8, wer poltertz bef. ein leicht aufbraus 
fender u. dann ungeftüm eifernder u. zankender Menſch; — 3fes. der 
Molterabend, der Abend vor einer Hochzeit, wahrfch. weil in dem Hochzeit— 
hauſe nicht ohne Gepolter Alles aufgeräumt wird, fodann auch wegen der Volks— 
fitte, vor der Hausthür altes Gefchirr polternd zu zerbrechen u. fonftiger lär— 
menden Luftbarkeiten; der Poltergeiſt, nach dem Volksaberglauben ein unfichtbar 
im Hauſe polternder bösartiger Geift, niederd. Rumpelgeiftz auch ein lärmender, 
polternder Menſch; der Polterhammer, -ſchlägel, die Polterfchlage, ein 
hölzerner Hammer in Kupferhämmern u. bei Kupferfchmieden; die Polterfams 
mer, eine Karnmer, in welcher man abgenustes Hausgeräth verwahrt, Rum— 
pelfammer ; die Poltermeſſe, Landfch. die am grünen Donnerstage und Char— 
freitag gelefene kathol. Meſſe (vergl. Pumpermette) ; die Polternuſs, landſch. 
f. große Wallnuſs mit verhältnifsmäßig Eleinem Kern, Pferdenufs. 

Polz, m., -ed, M. -e, (wahrfch. verw. mit dem lat. fulcio ſtützen; 
od. = Bolz?), öfte. f. Pfeiier, Stüge; daher: pölzen, ziel Bw. (gem. 
pelzen) f. fügen (bef. unterpölgen). 

Pomade, w., M.-n, (aus d. franz. pomade, ital. pomata, v. pomo 
franz. pomme Apfel, weit man fie ehem. mit Apfelfchnitten bereitete), eine aus 
Fett und wohlriechenden Stoffen bereitete Salbe für die Haut (Lippenpomade) 
u. bef. für die Sdaare, Haarſalbe, Haarwachs ; Studentenfpr. f. Bequemlichkeit, 
Ruheſucht, Leichtigkeit. 

Domeranze, w., M. -n (werberbt aus d. ital. pomo d’arancio, neu— 
Tat. pomum aurantium, Goldapfel, franz. orange), die runde, goldgelbe, 
angenehm bitter ſchmeckende Frucht des Pomeranzenbaumes, ver mit dem 

-" Zitronenbaume zum einer Gattung gehört; daher: das Pomeranzenblatt; 
die Pomeranzenblüthe zc.; die Pomeranzenbirn, eine rundliche, faftige 
Birnen-Art; bie Pomeranzenfarbe; pomeranzenfarben, = farbig od. 
= gelb, Bw. (fr... orange); der Pomeranzenkürbifs, eine Art Eleiner Kürbiſſe; 
die Pomeranzenlaus, eine Art Schitdläufe, Zitronenlaus; das Pomerans 
zenölz; der Poimeranzenfaftz; die Pomeranzenfchale; der Pomeranzen- 


\ 


Pommer — Por ‘597 


ſchnäbler, eine Art Droſſeln mit pomeranzengelbem Schnabel; der Pome— 
ranzenfhwamm;, ein ‚auf ber Oberfläche pomerangengelber Blätterſchwamm; 
der Pomeranzenvogel, ein Zagfalter. 

Pommer, 1. m., -n (nit -$), M. -n, wer aus dem Lande Pom— 
mern, -8, gebürtig if; weibl. die Pommerinn, M. -en; (nicht gut: 
Pommeraner, Pommeranerinn); pommeriſch, gem. abgek. pom- 
merſch, Bw., aus Pommern ſtammend od. dort einjeimiſch; — Pommer 
2.m., -8, M. w. E., oberd. (gem. Pummer) f. Spitzhund; ein Rauſch; 
eine Schalmei; eine dicke, doch regſame weibl. Perſon. 

Pommeſine, w., M. -n, (vom franz. pomme de Sine) landſch. f. 
Anfelfine. 

Pomochel od. Pomuchel, m., -$, M. w. E., (wahrſch. flav. Ur: 

fprungs) , preuß. f. Dorſch. 
Pomp, m., -e$, 0. M. (v. lat. pompa, u. diefes v. griech. moumı, 
Sendung, Geleit, Aufzug), feierliches Gepränge, bei. bei Aufzügen; überh. 
f. große Pracht, Prunf; pomphaft, Bw., mit Pomp verbunden, finnv. 
prächtig, prunfvoll, hochtrabend, (fr: pompös) ; die Pomphaftigkeit. 

Dompe, w., M.-n, 1. f. Pumpe; 2. Landfch. f. Eſelsgurke (wahrſch 
von dem Schall beim Aufplagen; vergl. pumpen). 

Pompelblume, w., landſch. f. Löwenzahn; Nofenpappel. 

Pompelmus od. Pompelmufe, w., M. -n, (engl. pumplenose), 
eine Art oftind. Apfelfinen, welche die Größe eines Menfchenkopfes exreichen. 

pompen, ziellof. Zw., ſchwäb. Schallw. f. pumpen (T. d.); daher der 
Domper, -$, f. ein Schlag ; die Trommel. 

Pomphoſe, w., ſ. Pumphofe. 

Povanz, m., -238, M. -e, (landfch. aach Popel, Popelmann, u. Pö— 
pel, Hullepöpel, f. eine vermummte Perfon, u. Pöpel auch f. Schleier, 
Kappe zur Berhüllung des Geſichts; einpöpeln, verpöpein f. einhüllen, 
vermummen; vergl, Mummel), ein Schreckbild, womit man Kinder in Furcht 
ſetzt; Tandfch. auch f. Zeufel; uneig. überh. f. Schredbild, ein eingebildeter 
od. vorgefpiegelter Gegenftand des Schredene. 

Popel od. Pöpel 1. m., -8: pöpeln 1. 3w., f. unter Popanz. 
Poͤpel od. Vopel 2. m., -8, 0. M., landſch. gem. f. eine zufammenhan: 
gende, dicke Maſſe; insbef. verdickter Nafenfchleim ; zäher Eitet aus einem 
Geſchwürz fumpfiger Boden; fhwäb. ein Knäuel Garn; poͤpeln od. po— 
peln 2., ziellof. Zw., gem. f. mit dem Finger in der Naſe ſtören; Landich. 
auch f. Kinderei treiben, tändeln. 

Popo, m., -8, 0. M., gem. bef. niederd. Kinderfpr. f. der Hintere. 

Poppe od. Poper, w., M. -n, oberd. f. Kügelhen, Körnchen, Kno: 
ten, Bläschen; bef. Digblätterchen, Finnen im Geficht (lat. populaz vergl. 
Pocke, Piel); das Poppelchen, -$, niederd. f. die gelbe Seeblume. 

poppeln, ziellof. Zw. (auch pofeln, pobeln, pfopfern ; engl. bubble, holl. 


bobbelen), oberd. f. aufwallen, wirbeln, fprudeln (das Waſſer poppelt im 
. Sieden aufz der Rauch poppelt aus dem Ofen) ; vergl. auch puppern. 


Por, od. Bor, w. (v. peran, beren, tragen), alt f. die Höhe (daher 


‚empor, f.d.); die Porkirche, Porfcheune, f. v. w. Emporkirche, = fcheune 


( d.); die Porlaube, landſch. f. eine in der Höhe befindliche Laube, ein fol 


cher bedeckter Gang an einem Haufe (vergl. Laube); porſchuͤſſig, Bw., Bergw., 


7 a Porgel — Porzellan 


auf der Oberfläche der Erde angefchofen, am Tage liegend (Erz); der Pors 
wifch od. Borwifch, landſch. ein Borſtwiſch an einem langen Stiel zum Fegen 
in der Höhe. 

Dorgel, m., -$, landſch. f. Portulak. . 

Porree, m., -8, o. M. (zunächſt. v. d. franz. porrée; ital. porro, late 
porrum; oberd. Pori, Porn, Pfarren; niederd. Burree), fpanifcher od. zah⸗ 
mer Laud). 

Porſch, m., -08, o. M. (verw. mit beren, em- -por, Borfte ze. ; ; alfo 
eig. etwas Emporragendes, ſich Sträubendes), verfchiedene Gewächfe, insbef. 
‚ eine firauchartige fehr flark riechende Pflanze, mit rosmarinähntichen Blättern, 

wilder Rosmarin, (Ledum palustre L.) aud) weiße Heide, Mottenz od. 
Mutterkraut ꝛc. genannt (landſch. Porft, niederd. verderbt: Poft, Poftfraut 
Schweine, Küh-, Sumpfpoft 2.); die Mirtenheide (f. d.z auch Porſt); 
Bärenklau (auch Porft, preuß. Bartſch); Kellerhals; landſch. auch f. Heiz 
delbeerfraut (auch Porß); — der Pörfchel, -8, M. w. E., ſchleſ. f. 
Spige, Gipfel, beſ. Wipfel eines Baumes ; pörfchefn od. hörfeln rückz. 
Zw., ſich —, f. ſich borſten, aufſträuben; uneig. ſich ſperren, ſträuben, 
toiberfegen ; — der Pörfchkohl (auch Berſchkohl), landſch. f. Wirſing. 
porſchuͤſſig, Bw., ſ. Por; — Porſt, m., ſ. Porſch. 

Dort, m., -e8, M.e (aus d. franz. port; lat. portus), alt u. dicht. 
f. Hafen. 

Porte, w., M. -n, niederd. f. Pforte (1. 8.); Schiff. f. Schießloch; 
Fiſch. der Eingang einer gewifjen Art Fifchergarne. 

Portulak, m., -08, 0. M. (v. lat. portulaca, porcilaca; ital. auch 
porcellana, engl. purslain), ein Gartengewächs, welches als Salat genofjen 
wird, landſch. verderbt: Burzel⸗ od. Bürzelkraut, Bürgelkraut, oberd. Grenfel. 

Porwiſch, m., f. unter Por. 

Porzellan, b. als Porzellän, f., es, M. (v. mehren Arten) -e, (vom 
‚ital. porcellana, da das erfte chinef. Porzellan von Italien aus zu uns gebracht 
"wurde; franz. porcelaine, engl. porcelain; wahrſch. urfpr. Namen einer 
Schnecke (ſ. Porzellanfchnede), deren milchweißem Glanze die Porzellanmaffe 
ähnlich ift), eine im Feuer halb verglafete, milchweiße Maffe aus reinem, 
weißem Thone, Kiefel od. Quarz u. etivas Gips, zu allerlei Gefchirren u. 
Kunſtarbeiten, Edelthon, Weißirden, (chineſiſches, japaniſches, Meißner, 
Berliner Porzellan zc.); auch als Sammelw. f. Porzellangeſchirr, Gefäße aus 
Porzellan (viel Porzellan haben); unechtes od. Halb-Porzellan, por— 
zellanähnliches Steingut (fr. Fayence); — 8ſetz. porzellanblau Bw., Färb: 
fehr bleichblau; die Porzellanerde od. der Porzellanthon, eine feine, weiße 
Thonerde, woraus Porzellan verfertigt wird; das Porzellanglad, ein weißes 
Schmelzglas; die Porzellanglätte, die Stüffigkeit, in welche-das Porzellan 
vor dem völligen Ausbrennen getaucht wird, um ihm den glasartigen Überzug zu. 
geben der Porzellanhandel, die Porzellanhandlungz der Porzellan- 
händler; die Porzellankapfel, Kapfel aus Porzellänmafje, worin das Por 
zellen in den Brennofen gebracht wird; die Porzellanfrabbe, eine Art Kleiner 
Seekrabben, Fliegenkrebs; der Porzellanmacher (fr. = Fabricant),, inöbef. 
der Porzellanformer, =dreher, = brenner ꝛc.; der Porzellanmaler, wer 
auf Porzellan malt; die Porzellanmalereiz; die "Porzelanmaffe; die Porz 
zellanfchede, eine Art Scheren (f. d.) mit bläulichen od. röthlichen Flecken auf 





m ! a? Poſament — Poße 8399 


weißem Grunde; die Porzellanfchnede od. =mufchel, auch Porzellane, 
Venusſchnecke, Muttermufchel (lat. porcellana, concha cyprea), eine Art ein= 
facher, gewundener, meift eirunder Schnecken mit einer fchmalen u. langen ge= 
zähnten Öffnung in der Mitte; die Porzellanwaare 20.5 — Ableit. por= 
zellanen, Bw., aus Porzellan verfertigt, 3. B. porzellanene Zeller; gew. 
durch Zſetz. mit Porzellan erſetzt, als: Porzellanteller, =fhüffer, 
znapf, zgefäß, -geſchirr «. | 

Pofament od. Paffement, f., -ed, M. -e, (franz. passement, ital. 
passamano; wahrſch. v. passare, passer, durchziehen, näml. die Fäden), 
vlt. f. Borten, Schnüre u. Ahnlichye Arbeiten aus gefponnenem Gold u. Sil— 
ber, Seide, Wolle 2c., zum Befegen von Kleidern 2c. dienend; daher der Po— 
famentirer, -8, M. w. E., od. gew. Pofamentier, -8, M. -e, 
(franz. passementier) ter bergleichen Arbeiten verfertigt, Bortenwirker, 
* Bortenmader. 
Poſaune, w., M. -n, (altd. pusunes busine, bosune; niederd. Ba— 
ſune, hol. bazuin, ſchwed. basun, altfranz. buisine; verderbt aus d. lat. 
buccina, bucina; grich. Pvxcım),, ein trompetenähnliches Blafe = Inftru: 
ment, ehem. aus einer einfachen metallenen Röhre mit weiter Öffnung beftehend, 
jest aus einey gewundenen Röhre, deren bewegliche heile in einander ftecten und 
auf und ab gefchoben werden, um die Höhe und Tiefe des Tones hervorzubringen 
(die Pofaune od. auf der Pofaune blafen; in die Pofaune flogen, uneig. f. gro= 
» fen Lärm machen, um Auffehn zu erregen); auch ein Orgeltegifter, welches 
Pofaumentöne nachahmt; der Pofaunenbais, ein Bafs, welcher Pofaunen- 
töne nachahmt ; auch ein Orgelzug; der Pojaunenbläfer (fe. Pofaunift)'; das 
Mofaunenhorn, eine Art Stachelfehneden, deren ſich die Indier als eines 
Blashorns bedienen; die Pofaunenfchnede,- ein Befchlecht einfächeriger ge— 
wundener Schnecken, Meerhorn, Seetrompete 2.5 der Pofaunenton 20.5 — 
pofaunen, zieltof. u. ziel. Zw., eig. auf der Pofaune blafen; gew. uneig. f. 
mit lauter Stimme reden, laut verfünden, prahlend befannt machen (def. 
auspofaunen); der Pofauner, -8, felten f. Pofaunenbläfer ; uneig. 
wæer etwas laut verfündet, ein Prahler. x 

Dofe, w., M.-n, 1. niederd. f. Federkiel, Federſpule; insbef. die unz 
gefchnittene Schreibfeder; auch die gefärbten Federfpulen als Auffäge auf 
Thonpfeifen; — 2. (oberd. die Boße od. der Boßenz vergl. Boſe; wahrfch. 
v. boßen f. fchlagen, bläuen) Landfch. f. ein Bündel Flachs; — 3. niederd. u. 
Bergw. (vergl. Paufe); eine abgemefjene Dauer bis zu einem Ruhepunkte 
G. B. eine. Poſe läuten); auch von Krankheits-Anfällen; Bergw. ein Zeitraum 
von 4 Stunden Arbeit, die Hälfte einer Schicht; bair. (Poi s) f. Meile, 
Weilchen. 

poͤſeln , zielloſ. Zw., (vergl. päſſeln, poßeln, puſſeln), niederd, f. mühſam 
u. emſig arbeiten, bef. ohne etwas zu Stande zu bringen. 

poſen, ziellof. Zw., nieberd. f. waten, im Wafjer, Schlamm ac. 
oß, m., -es, M. -e, oberd. ein Mühlfnecht, welcher geringe Arbeiten 
verrichtet; der Poßel, Poßler, —s, oberd. f. ein Gehülfe zu geringen Ar— 
beiten, Handlanger, Zaglöhner; poßeln od. pofteln, (auch pöſeln, pöſchelnz 
vergl. päſſeln), oberd. Zw. f. Eleine Arbeiten verrichten. 

Poſſe, w., M. -n, (oberd. auch dev Boß, niederd. Buße, Puse; ſchwed. 
puss, holl. poetsz vergl. d. ifal. pazzo, Narr; wahrfch. verw. mit böfe, 


400 Poſſekel — Poſt —— 


- altb. pösi, bösi, d. i. urſpr. eitel, nichtig, albern, täuſchend zc.; daher 
altd. giposi f. Poſſen, läppiſche Dinge; u. Yoffen ehem. f. feltfame Figuren, 
Larven, Fragen ꝛc.), eine ſcherzhafte, Lächerliche Geberde od. Rede zur Be: 
luftigung; überh. f. gemeiner Spaß od. Scherz, ſinnv. Schnaf, Schwanf, 
Schnurre (Pofjen machen, treiben, reißen, f. d&); auch ein kurzes, nur auf 
Lachenerregen berechnetes Luftfpiel, ein Poffenfpiel, (fr. Farce); der Poſ— 
fenmacher, Pofjenreißer, Luſtigmacher, Luftige Perſon in Poffenfpielen u. 
dgl.; die Poffenreißerei, das Poſſenreißen; pofjenhaft, Bw., einer Poffe 
ähnlich, nach Art einer Poffe zum Lachen reizend (Bewegungen, Geberden, 
Reden) ; geneigt u. geſchickt, Poſſen zu machen (ein poffenhafter Menfch) ; 
die Poſſenhaftigkeit; poffierlich, Bw., (v. dem alt. Zw. poffiren, luſtige 
Geberden machen), durch lächerliche Geberden, u. überh. durch ſpaßhaftes 
Weſen beluftigend, weniger hart u. verächtl. als poffenhaft, finnv. drollig, 
ſchnakiſch, ſchnurrig, neckiſch (dev Affe ift ein poffiertiches Thier; ein poſſier— 
licher Menſch; ein poſſierlicher Einfall 2e,); die Poſſierlichkeit, das Voffier: 
lichfein einer Derfon od. Sachez — ber Pofjen, -8, M. w. E., ein muth: 
williger Streich, eine bösliche Nederei, die man an einem Andern verübt, u. 
der demfelben dadurch zugefügte Schaden, Arger, Verdruſs, gem. Schaber: 
nad, (einem einen Poffen fpielen, ihm etwas zum Poffen thun, f. v. w. zum 
Trog)s; poffeln, Zw., ſchweiz. f. Heine muthwillige Streicye fpielen. 

Doffekel, m., —s, M. w. E. (o. poffen, boffen f. fchlagen, ftoßen), 
Handw. ein großer, fihwerer Hammer, bef. Schmiedehammer.. - 

Poſt, m., -e8, od. das Poſtkraut, landſch. verderbt f. Porſch, ſ. d. 

Doft, w.1., M.-en, Verkl. das Pöſtchen, (. d. ital. posta, u 
diefes v. d. lat. ponere, ſetzen, ftellen, alfo: der Anfag), eine zu etwas bes 
ftimmte od. für etwas ausgegebene Summe Geldes, fofern fie in Rechnung 
geftellt wird (eine Geld-, Schuldpoſt 2c.5 die verfchiedenen Poften, eintreiben, 
zufammenrechnen 20.5 auch der Poften); in weiterer Bed. biew. eine be— 
ftimmte Zahl od. Maffe von Dingen einer Artz oberd. Münzw. 300 Mark 
Silber; bei Steinmegen: eine auf einer Steinplatte jtehen gebliebene Maſſe, 
woraus eine erhabene Arbeit gehauen werben foll; dag Poftblei, Hüttenw. fo 
viel Blei, als in einer Schicht auf einmal ausgefchmelzt wird; das Pofterz, 
eine gewiffe Menge von Erz einerlei Gehaltes, wie es der Schichtmeifter in die 
Hütte Liefert. 

Poſt, w.2., M.-en, (v. d. franz. la poste, mitfl. lat. u. ital. posta, 
v. d. lat. ponere, a positis equis benannt, alfo eig. die Aufftellung der Pferde, 
die Station, bezeichnend), die öffentliche Anftalt zur Fortfchaffung von Brie— 
fen, Gütern und Perfonen, das Sendamt, (in Frankreich feit dem Löten, 
in Deutfchland feit dem 16ten Sahrh.), auch die Fuhrwerke oder Fahrzeuge, 
u. die reitenden oder gehenden Boten, deren man fich dazu bedient (die fah— 
rende, reitende, b. Fahr-, Neitpoft, Fußbotenpoft, Briefpoft, Eil= oder 
Schnellpoft; ordentliche od. fr. ordinäre, welche zu beftimmten Zeiten vegelmäßig 
abgeht u. anbemmt; u. außerordentliche, fr. Extra-Poſt od. Eigenpoft, d. i— 
Poftpferde zu eigner Verfügung z die Poft geht ab, kommt an; Briefe 0d. Sachen 
auf die Poft geben, mit dev Poſt od. durch die Poft befördern, ſchicken 2e.5. mit 
der Poſt reifen, ſich auf die Poft fegen, d. i. auf einen vegelmäßig gehenden 
Poſtwagen ; Poft nehmen, d. i. Extrapoftpferde); auch f. das Poftgeld (die, 
Poft bezahlen); das Pofthaus (auf die Poft gehen, ſchicken 2.); eine Poftrafte 





le Poft 401 


(fe. Station; ber Ort ift drei Poften von hier entfernt); eine mit der Poſt er: _ 
haltene Nachricht, u. in weiterer Anwendung überh. f. Nachricht, Botfchaft, 
Kunde (eine gute, ſchlechte, Trauer-, Friedenspoft u. dgl. m.5 Poftentras 
gen, oberd. f. Nachrichten, Briefchen 2c. bin u. ber tragen, Neuigkeiten vers 
breiten, Elatfchen) 5; — 3fes. das Poſtamt, 1) ein Amt bei dem Poftwefen ; 
2) die Gefammtheit der Poftoeamten eines Ortes, und deren Verſammlungshaus; 
‚der Poftbeamte, wer ein Poftamt bekleidet, der Pofibediente, wenn es ein 
“geringeres Amt ift; der Poſtbote, ein gehender od. reitender Poftbedienter, wel⸗ 
cher Briefe und Padete befördert; auch wer die mit der Poſt angefommenen 
Briefe 2c. weiter trägt, Briefträger; poftfrei, Bw., frei von dev Verbindlichkeit, 
Poftgeld zu bezahlen; durch Vorauszahlung des Poftgeldes für den Empfänger 
koſtenfrei (fr. franco ; einen Brief poftfrei od. bloß frei machen, fr. frankiren) ; die 
Moftfreiheit, das Befreitfein vom Poftgelde; der Poftführer, Schirrmeifter, wels 
cher den Poftwagen geleitet; das Poſtgeld, das Geld, welches man der Pofk 
für Beförderung von-Briefen, Padeten ze. od. auch als Poftreifender zu ente 
richten hatz der Poſthalter 1) wer die Pferde für die Poft hält u. hergiebtz 
2) wer an einem Eleinen Orte dev Poft vorfteht, der Poftwärterz die Poſt— 
halterei, das Amt, die Anftalt u. Wohnung des Poſthalters; das Pofthaus, 
das Haus, wo die Poſten ankommen und abgehen und die Poftgefchäfte verrichtet 
werden; das Poſthorn, ein metallenes Tonwerkzeug in Geftatt eines Eleinen 
Waldhornes od. einer Kleinen Trompete, welches die Poſtknechte führen u. blafenz 
Naturk. Namen verfchiedenee Schneden; das Poftfameel, das fhnelle eins 
höckrige Kameel, Lauffameel (fr. Dromedar) ; die Poſtkarte, 1) die Eifte der 
mit einer Poſt abgehenden und anfommenden Briefe; 2) eine Landkarte, auf wels 
cher die Poftftraßen und Stationen verzeichnet find; der Poftknecht, ein fahr 
render oder reitender Poftdiener, Poſtfuhrmann, = kutfcher, od. Poftreiter 
(fr. Poftillon); die Poftkutfche, eine Kutfche als Poſtwagen; der Voftenlauf, 
Gang der Poften in Anfehung der Wege und der Zeit des Abgehens und des Ans 
kommens; die Poftmeile, Meite, wonach die Poftftraßen eingetheilt find und 
das Poftgeld berechnet wird; der Poſtmeiſter, Vorſteher des Poftwefens in 
einer Stadt; die Poftordnung, die gefammte Einrichtung des Poftwefens in 
einem Staate; das Poftpapier, ſ. v. w. Briefpapier; pojtpapieren, Bw., 
von Poftpapier gemacht; auch fein wie Poftpapier; das Poſtpferd, ein Pferd 
zur fahrenden od. reitenden Poſt; die Poftrafte, Neuw. f. das fr. Station, 
d. i. ein Ort, wo die Poft raftet und bie Pferde wechfelt; der Poſtrath, ein 
beim Poftwefen angeftellter landesfürſtlicher Rath; die Pofträthinn, deffen 
Gattinnz die Poftreife, eine Reife mit der Poftz der Poftreifende (fr. Pafe 
fagier); der Poftfchein, Beſcheinigung über das an ein Poftamt entrichtete 
Gerd; das Poſtſchiff, ein Schiff, welches regelmäßig zu beftimmten Zeiten 
Briefe, Waaren und Perfonen befördert, auch der Poſtkahn, das Padetbootz 
der Poftfihreiber, Schreiber bei einem Poftamt (fr. Poft- Seeretär); die Voft« 
firaße, der Poſtweg, die Landſtraße, welche die Poften befahren; die Poſt— 
ftube, Geſchäftsſtube in einem Poſthauſe; der Pofttag, der Tag, an welchem 
an einem Orte Poften anfommen oder abgehen, in Anfehung der zu empfangenden 
od. abzufendenden Briefe; pofttäglich, Nw. u. Bw., an jedem Pofttage; die 
Poſttaube, f. v. w. Brieftaube; der Poftverwalter, Vorſteher des Poftwer 
ſens an Keinen Ortenz der Poſtwagen, Wagen zur Fahrpoſt; ber Poſtwaͤr⸗ 
ter, ſ. Poſthalter; das Poſtweſen, die gefammte Anftalt u. EIERN der 


sr e's Handmwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 26 


x 


402 Poften — Pracht 


Poſten in einem Lande od. Orte; der Poſtzug, ein Zug zufammengehörender 
Pferdes — Ableit. poften od. pofteln, ziel. u. zielloſ. Zw., oberb. u. ſchweiz., 
einen hin u. her ſchicken, od. aud) hin u. her laufen, um etwas zu beforgen. 

Doften, m., -8, M. mw. E., 1. f. v. w. die Poft 1.5.2. (v. dem franz. 
le poste, ital. posto, engl. post; von d. lat. ponere, ftellen) der Drt, wo⸗ 
hin Jemand zu einem beftimmten Zwede geftellt wird, der Stand, bef. im 
Kriegsweſen (der Soldat darf feinen Poften nicht verlaſſen; feinen Poften behaup⸗ 
ten, vertheidigen.2c.); auch der Soltat od. die Mannfchaft, welche auf einen 
Poſten geftellt ift (ein Wachtpoſten, Vorpoften zc.); uneig. f. Amt, Sielle, Anz 
ſtellung (einen Poften bekommen, bekleiden 20; ein guter, einträglicher Poften 2c.) 5 
3. Jäg. ein Zeichen mit dem Jagdhorne (f. Sagdpoften); poftiren, diel 3w., 
auf einen Poſten ſtellen, hinſtellen; anſtellen. 

Poſterz, ſ. unter Poſt 1. — poftfrei 2c. — Poftzug, ſ. Poft 2. 

Pote, w., M.-n, niederd. 1) f. Pfote; 2) Schiff. die einzelnen Taue, 
woraus ein Sprüt befteht; die Eleinen Kniee, woburd der Gangbord eines 
Kahnes mit der Futterung verbunden wird. 

pötern, ziellof. Zw. (gew. verpöternz vergl. d. laf. putere, putrere, 
griech. ausm) niederd. f. faulen, fchimmeln, verwefen; die Farbe verlieren. 

Doticherbe od. Poticherpe, w., M. -n, landſch. f. Zraubenfirfche. 

Pott, m., -e8, M. Potte u. Pötte, (gem. auch Putt; ſchwed. porta, 
dän. potte, holl. engl. franz. pot; vergl. Butte) niederd. f. Zopf; aud ein 
Flüſſigkeitsmaß, ſ. v. w. Kanne; fchweiz. ZI 0d. 5 Ohm; Iandfch. auch f. 
Kaulquappe; — die Pottafche, (daher das franz. potasse) das aus Holz 
oder Pflanzen gezogene Laugenfalz (weil man die Lauge in Töpfen od. Keſſeln abs 
rauchen läſſt), auch Keffelafche, Waidafche genannt; der Pottafchenfieder; 
die Pottafchenfiedereiz der Dottfiich, eine Gattung Wallfifche, in deren 
Kopfe ſich der Wallretb findet (wahrfch. wegen feines dicken, topfähnlichen Kopfes 
fo genannt; franz. Cachelot); der Potthafen od. = halter, niederd. eiferner 
Haken zum Aufpängen eines Topfes über dem Herde; der Pott kaͤſe, niederd. 
alter, fauler Käſe, der in einem Topfe gähren muſs; der Pottjer od. Poͤttjer, 
-8, auch Pottbäcker, niederd. f. Töpfer. 

Pottweide, w. (wahrſch. v. potten, putten f. putzen, lat. putare, bes 
ſchneiden), landſch. die gemeine weiße Weide, die alle drei od. vier Jahre ges 
köpft werden fann, Kopfiweide. 

poß, gem. Empfindl. der Verwunderung (po& taufend! potz Henker! pog 
Big! potz Wetter! u. dgl. m. wahrfch. in Folge religiöfer Scheu aus Gotte, 
d. i. Gottes, verderbt). 

prachen 1. ziellef. u. ziel. Zw., (wahrfch. = brechen), landſch. f. harzen 
(Bäume). 

prachen 2. od. gew. prachern, ziellof. Zw. (v. bredenf. ſchallen, vergl. 
Pracht, prangen, fprechenz verw. mit d. lat. precari?), nitterd. f. betteln, uns 
abläffig bitten; der Pracher, -8, die Pracerinn, M. -en, (fhweb. 
prackare) f. Bettler, Armer; die Pracherci, das Prachern, die Bettelei, 
Armfeligkeit; pracherifch, pracherhaft, Bw., f. betielhaft, armfelig; die 
Mracherherberge, der Prachervogt ꝛc.; f. Bettlerherberge, Bettelvogt. 

Pracht, w., 0. M. (alt u. oberd. der praht, braht, Pracht, von preh- 
han, brechen, d. i. brechen, krachen; u. glänzen, hervorleuchten, vergl. ans 
brechen; daher Pracht (alt und Landfch. auch Prächt) uripr. Krach, Lärm, 





‘ 


pradeln — prägen 403 


Geſchrei bedeuter, vergl. d. lat. Iragorz; dann Glanz, ſchwed. prakt, vergl. b. 


‘engl. bright, glänzend, franz. braguer, prahlen; aud) prangen, prunfen 2c.), 


heller Schein, Glanz, blendente Schönheit (des Mondes ftile Pracht; die 
Pracht der Natur, der Blumen, der Sterne 2c.); bef. Glanz in fchönen Kleis 
dern, Schmud, Hauszeräth ze. mit dem Nebenbegriff einer gewiffen Feierlich— 
Zelt, ſinnv. Gepränge, Pomp, Prunk, doch gew. ohne tadeinde Bed. (viele 
Pracht zeigen; es herrscht hier eine königliche Pracht; das war eine Pracht!) ; 
feiten f. Prachtliebe, Üppigfeit (fi der Pracht ergeben 2e.); — Zfep. die 
Prachtausgabe, eine aufs glänzendfte gedruckte Auegabe eines Cchriftwerkes; 
der Prachtbau, das Prachtgebaude ꝛc.; das Prachtbett, ein mit Pracht 
bereitetes Bett, beſ. zur Schauſtellung ciner Leiche, Prunkbett (fr. Paradebett); 
das. Prachtgefaͤß, = gewand, u. dgl. m.; ter Prachthimmel, ein mit. 
Pracht gefchmüdter Trag-, Thronhimmel 2c.; der Prachtkaͤfer, cin Sefctcht 
von Käfern mit prächtig glänzenden Farben, inebef. der grüne, und der braune 
Prachtkäfer; der Prachtfegel, Neum. f. das fr. Obelisk; das Prachtkleid, 
prächtiges Kleid, Staatskleid; die Wrachtliebe, Neigung Fe Pracht; ftärker: 


die Prachtluſt; und entfchieden mifsbilligend: die Prachtfurcht; daher die Bw. 


prachtliebend, prachtluftig, prachtfuchtigz die Prachtlilie, eine ſehr fchöne, 
der Lilie ähnliche Blume in Malabar ıc. (zloriosa L.); die Prachtnelfe, Pfaus 
nelfe; prachtvoll, Bw., voll Pracht, in hohem Grade prächtig; das Pracht— 
werk, ein prächtiges Werk, insbef. ein dergl. gedrudtes Schrift- od. Kupfers 
wert; das Prachtzimmer, ein prächtiges Zimmer, Prunfzimmer ; — Ableit. 
prächtig, Bw., Pracht habend u. zeigend, höchſt glänzend, Eoftbar ges 


ſchmückt, Bon, pracht-, prunkvoll (prächtige Kleider, Geräthe zc.; ein 


prächtiges Haus; prächtig wohnen, leben zc.); felten f. prachtliebend, hoffärtig, 
üppig; in weiterer Anwendung überh. f. vorzüglich ſchön, wohlgefällig u. an: 
genehm, finnv. herrlich, vortrefflich, auch) in Anfehung geiftiger Vorzüge (ein 
prächtiger Menſch; ein prächtiges Schauſpiel; das ift mächtig! 2c.); die Präch» 
tigkeit, das Prächtigfein, die prächtige Beſchaffenheit; prachten, zielloſ. 
Zw., vlt. f. Geräuſch verurſachen; Pracht zeigen, Aufſehen erregen; praͤch— 
ten od. brächten, zielloſ. Zw., oberd. u. ſchweiz. f. drechen, reden; beſ. laut 
reden, ſchreien; großſprechen, prahlen; predigen; der Praͤchter, -8, f. Schreier, 
Prahler; praͤchteln, zielloſ. Zw., ſchweiz. f. übertriebenen Aufwand machen. 

pradeln, Zw., ſchweiz. ſ. v. w. d. niederd. praten, prateln, |. d. 

praͤgeln od. brägeln, bregeln, oberd. u. ſchweiz. Zw. (vergl. d. griech. 
PouLev, fiedenz Podzer, praffeln), 1) ziellos, ein Schallwort, weldes den 
Schal des bratenden Fleifches, wie auch des fiedenden Waſſers nachahmt 
(e8 prägelt), auch den Schall herabfallender Hagelkörner, od. des haufenweife 
herabfallenden Obftes; ferner f. murren, brummen, zanfen; 2) ziel. f. in 
Fett braten od. röſten (auch priezeln, f. d.; Erbfen prägen, d. i. mit 
Butter zubereiten; daher Prägelerbfen); haufentweife herabwerfen (Oft) ; 
der Prägel od. Brägel, -8, M. w. E., ſchweiz. f. ein Haufen Kleiner, 
meift geringfügiger Dinge; dickgekochte, mit Butter angerichtere Hülſenfrüchte; 
eine Art Brei von Mehl u. Früchten; Blatternarben in Menge, auch ein blats 


ternarbiger Menſch; ein unangenehmes Geſchäft, Zank, Lärm. 


prägen, ziel. Zw. (oberd. prächen, präcken; ſchwed. pregla; vergl. das 
holl. u. niederd. prangen, oberd. pfrengen f. drüden, preffen), ein: ‘od. aufdrüs 
den, durch Aufdrüdung eines Stempels ıc. bilden, verfertigen, eig. nur 


26 * 


404 prahlen — prallen 

von Münzen, Geld; uneig. f. bilden, machen (neue Wörter u. dgl.); u. etwas _ 
gleichfam tief eindrüden, fo dafs es haftet u. bleibenden Einfluſs ausübt (einem 
od. fich etwas ins Herz, ins Gedächtniſs —; vergl. einprägen); das Präges 
eifen, Münzw., ein langer ftählerner Stempel, in welchen das Gepräge für, 
die Kehrfeite der Münze eingefchnitten ift: verfch. der Prägeftod , ein Eurger 
dicker Stempel, mittelft defjen die Bildfeite der Münze geprägt wird; der Praͤ⸗ 
ger, —s, wer prägt; insbeſ. dev Münzarbeiter, welcher die Scheitemünzen mit 
dem Prägeeifen prägt; die Prägung, das Prägen. 

prahlen, ziellof. 3w. m. haben (v. der Wurzel prah, brechen, wie Pracht, 
f. d., prangen 2.5 oberd. progen, brogeln, engl. brag, ſchwed. prala, groß 
thun) 4) niederd. f. laut fprechen, fehreien (franz. brailler); 2) alt. f. glänzen, 
prangen (die Treſſe prehlt am Hut); 3) gew. |. v. w. groß thun u. bef. groß 
fprechen, fich wirkiicher 0d. vermeintlicher Vorzüge übermäßig und auf unbefcheiz 
dene Weife rühmen (er prahlt mit feinem Adel, mit feinem Gelde, mit Gelehr— 
ſamkeit ꝛc.); — 3fes. der Prahlhans (ſ. Dans), gem. f. Prahler; der 
Prahlſalat, eine Art Kopfſalat mit großen, ſchönen Köpfen von grüner, gelber, 
od. rother Farbe, landſch. auch der Prahler od. Prahl genannt ; die Prahl- 
ſucht, Sucht zu prahlen; prahlfüchtig, Bw.; — Ableit. der Prahler, 
-8, die Prahlerinn, M. -en, wer prahlt, auch Großprahler, Großfprecher; 
die Prahlerei, das Prahlen, die Neigung und Gewohnheit zu prahlen ; 
auch einzelne Außerungen dieſer Neigung (M. Prahlereien); prahleriſch, 
Bw., einem Prahler angemeſſen, einer Prahlerei ähnlich (prahleriſche Worte, 
Handlungen 2c.); prahlhaft, Bw., zum Prahlen geneigt, gern prahlend (ein 
prahlhafter Menſch); auch |. v. w. prahlerifch (prahlhafte Verſprechungen 26.); 
die Prahlhaftigkeit, die Neigung u. Gewohnheit zu prahlen; die prahle- 
riſche Befchaffenheit. 

Prahm, m., -es, M. -e, landſch. auch der Prahmen, -8, M. w. E., 
u. die Prahme 1., M. -n, (niederd. u. holl. praam, engl. pramez; von 
Bram, Rand?; bair. Farm, verw. mit Fähre?), ein plattes Fahrzeug 
ohne Kiel zum Überfegen von Menfchen, Wagen, Vieh ꝛc. über ein Waffer ; 
auch jede Fähre, die einen Nand od. niedrigen Bord hat; landſch., z. B. 
brandenb., ein Haufen Kalkſteine, welcher 2% Fuß lang, 7 Zuß breit und 
2 Zuß hoch ift (wahrſch. als Ladung für einen Prahm); die Prahmſpritze, eine 
auf einem Prahm angebrachte Sprige, um fie auf dem Waffer gebrauchen zu fönnen. 

Prahme 2.w., M.-n, (vergl. Bram 1., Brom, u. das lat. ramus), 
landſch. f. Nanfe, el. Hopfentanke, * 

prallen, zielloſ. Zw. (ein Schallwort ; vergl. prellen) 1) m. haben, den 
Schall hören laffen od. hervorkringen, den ein angefpannter fchnellkräftiger 
(etaftifchen) Körper verurſacht, wenn er mit Heftigkeit gegen einen andern 
getrieben wird (ich höre etwas prallen, es hat geprallt); 2) mit fein, prals _ 
lend anfchlagen u. zurückgeſtoßen werden (dev Ball prallt an die Wand; bef. 
ab= und zurüdpralten); uneig. auch von den Lichtftrahlen, dem Schall zc. 
f. fi) brechen und zurückgeworfen werden; der Prall, -es, M.-e, der 
Schall, od. der Stoß eines prallenden — auch der Praller od. Pralls 
ſtoß; prall, Bw., Comp. praller, Sup. prallft, ſtark ausgedehnt u. ange: 
fpannt u. dadurch zum Prallen geſchickt, ſpann- od. ſchnellkräftig (fr. elaſtiſch; 
ein pralier Ball, ein pralles Kiffen, pralle Baden; das weiche u. pralle Moos); 
uneig. f. jäh, ſteil; die Prallheit, das Prallfein; prallig, Bw., landſch. f. 


prammen — prajfeln j 405 


| l 
- prall; def. Bergw. fi jäh, fteil (ein pralliges Gebirge); — Bfes. d. prallen: 
die Prallkraft, die Kraft od. Fähigkeit zu prallen, Spann=, Schnelltraft (fr. 
. Elaftieität) ; prallfräftig, Bw., Prallkraft befigend (elaftifch); der Prails 
ſchuſs, r. als Prellſchuſs, ein Schufs, bei welchem die Kugel auf einer Fläche 
an⸗ und von berfelben abprallt (fr. Ricodhet- Schufe) ; der Prallftein, ein ſchräg 
aufgerichteter Stein an einem Haufe zc., um das Anfahren zu verhüten; der Prall- 
triller, ein kurz und fchnell gefchlagener Triller ; prallweich, Bw. , weich und 
prall zugleich (elaftifch) ; die Wrallweiche, pralle Weichheit (z. B. eines Kiffene). 
prammen oder prampen, verft. pramfen, premſen; auch prangen 
ziel. Zw. (holl. prangen; oberd. pfrengen; vergl. d. lat. premere), niederd. f. 
drüden, preffen, voll flopfen,. hinein pfropfen; die Pramme, M. -n, 
f. ein Eindrud; Bergw. Prome, ſ. d.; der Prang, - es, M. -e, f. Drud, 
prampieren, ziellof. Zw., niebderd. gem. f. Lärm machen, toben, ſich vor 
baut äußern. 
Drange, w., M.-n, od. der Prangel, -8, niederd. f. großer Stod, 
Stange, Prügel. 
prangen 1. ziel. Zw. |. prammen; 2. ziellof. 3w. m. haben, (mie Pracht, 
prahlen 2c. von der Wurzel prah, brechen, fchallen u. glänzen; engl. prank ; 
vergl. prunfen) 1) vit. f. reden, Worte machen, bitten (vergl. das niederd. 
prachern); 2) durch Aufere Vorzüge, Glanz, Schönheit, Schmud ıc. in 
die Augen fallen (Rofen und Lilien prangen ; in fchönen Kleidern prangen) ; 
uneig. auch durch innere Vorzüge, Thaten zc. ausgezeichnet fein, finnv. glän: 
zen (fein Namen prangt in der Gefchichte u. dgl.); mit etwas —, f. es zur 
" Schau tragen, fich damit brüffen, ſinnv. prahlen, prunken; oberd. aud) f. 
ſich zieren, Umftände machen (4. B. bei Tifche —, aus Ziererei nicht zugreis 
fen) ; und von Kindbetterinnen f. Befuche annehmen (Prang=Bifiten); der 
Prang, -e3, landſch. f. das Prangen, Gepränge; der Pranger 1., -$, 
wer prangt od. prunkt; ber Prangtag od. Prangertag, oberd. f. Frohn⸗ 
leichnamstag. k 
Pranger 2.m., -8, M. w. E. (alt auch Brangen, poln. pranga; vergl. 
d. niederd. Prange; wahrfch. nicht von prangen f. zur Schau geftellt fein; 
fondern von prangen 1., oberd. pfrengen, drücen, Elemmen), ein Pfahl, 
eine Säule, u. überh. jeder Drt, an welchem ein Miffethäter mit Eifen 
geſchloſſen zur Schau öffentlich ausgeftellt wird, Schandpfahl, Halseifen, 
Schandbühne (einen Dieb an den Pranger ftellen; uneig. einen an den Pranger 
ftellen, d. i. ihn öffentlich befhimpfen, der Schande preis geben). 
Pranke, w., M.-n, f. v. w. Branke, Brante, ſ. d. 
präfchen od. prätfchen, zielloſ. u. ziel. Zw. (ein Schallw., vergl. praffeln, 
praten, u. das ſchwäb. brätichen f. plaudern) landſch. gem. f. laut und rüh— 
mend fprechen, prahlen; auch zanfen, lärmen; der Prafch, -e8, f. der 
Lärm, das Geräuſch. * 
Praſer, m., -$, M. w. E., alt auch: der Prafem, —s, u. in Zſetz. 
bloß Pras (z. B. Chryfopras; von lat. prasius, griech. T0OLOS, von Te«ooN, 
Lauch), ein glasartiger Edelſtein von lauchgrüner Farbe, der Lauchfkein. 
Praſs od. Praft, m., 1. ſ. Braſs; 2. f. praffen. 
praffeln, zieltof. 3m. m. haben, (ein Schallw. landſch. auch präffeln, 
prageln, oberd. braſcheln, brafteln, brazeln 2c; altd. praston, brasteln, bra- 


ur. 


eln; ſchwed. pressla, angel. brastian, engl. brusile; vergl, praffen), einen 





1X 


. 


406 praſſen — predigen, 


wiederholten krachenden Schall hören laſſen, wie wenn ein harter, ſpröder 
Körper bricht, dürres Holz, Stroh u, dgl. brennt, od. kleine harte Körper in 
Menge auf eine harte Fläche fallen (die Reiſer praffeln im Teuer; auch: das 
Feuer, die Flamme praffelt; die Steine, die Hagelkörner 2c. fallen praffelnd 
nieder , auch manche Donnerſchläge praffeln) ; das Praffelgold, ſ. v. w. Knallgold. 

praffen, ziellof. 3w. m. haben, (ein Scallw., dän, brase, fchwed. 
braska, praffen, brask, Geräuſch; vergl. prafchen, praſſeln, und Braus), 
eig. raufchen, lärmen, toben; gew. nur ein geräufchvolles, üppiges und 
verfchwenderifches Leben führen, in Saus und Braus leben, bef. im Ge: * 
nufje von Speifen und Getränken ſchwelgen, fhlemmen; der Praſs, —-es, 
alt u. landſch. f. Geräuſch, Lärm (auch Praft, Prafch); Gafimahl, Ges 
lag, Schmaus; Aufwand, Verſchwendung; der Praffer, -8, die Praf- 
ferinn, M. -en, wer prafft, ein Schwelger ic. ; die Prafferei, M. -en, 
das Praſſen, die Schwelgerei; ein üppiges, verfchwenderifches Gaͤſtmahl; 
der Prafsnidel, -8, holften. f. ein Schmausfeſt, Gelag; prafsnideln, 
Zw., f. ſchmauſen, ſchmarotzen. 

praten, prateln, praͤteln, zielloſ. u. ziel. Sp. (holl. praten, engl. prate, 
praitle; ſchwed. prata, dän. prate, ſchweiz. pradeln- plaudern; präde 
ten, laut reden; öſtr. prachten, plaudern, prechteln, zanken; wahrſch. 
von brechen; vergl. Pracht, prahten, fprechen), nicderd. f. plaudern, ſchwatzen, 
plappern; daher der Prat od. Praaf, f. Geſchwätz, Gerede; die Prate, 
M.-n, od. der Prätel, -S, f. Mund, Plaudermaul. 

pratien, ziellof. Zw. (bair. fih brogen, ftolz thun; vergl. barzen), landſch. 
f. trogen, übermüthig fein; pratzig (oberd. bragig, brogig), Bw., landſch. 
f. ſtolz, übermüthig, vergl. paßig. 

Drake od. Brage, w., M.-n, oberd. f. Lage, Klaue, Pfote; breite, 
plumpe Hand. 

praufchen, zielloſ. Zw. (vergl. pruften), landſch, f. fchnauben, fchnaufen. 

predigen, ziellof. u. ziel. 3m. (altd. predigon, bredigon, ſchwed. praedika, 
engl. preach, franz. pr&cher; von dem lat. praedicare, öffentlich befannt ma= 
chen, Laut verkünden), NMeligionslehren öffentlih und mündlich vortragen, 
Kanzelvorträge halten (in der Kirche, vor dev Gemeinde —; Gottes Wort — 2c.) ; 
in weiterer Bed. überh. laut und mit Nachdrud lehren od. verfündigen (die 
Zugend —; fprichw. tauben Ohren —, d. i. Unachtfame vergeblich lehren u. ers 
mahnen; uneig. Alles predigt uns das Dafein Gottes, d. i. bezeugt 2c.); auch 
mit üblem Nebenbegriff: auf langweilige und läſtige Weife u. in anmaflid) 


lehrendem Tone reden u. ermahnen (ev predigt den ganzen Zag u. dgl.); — 


der Prediger, —s, wer predigt, ein Verkündiger, beſ. der Neligion (ein 
Sittenprediger, Prediger der Wahrheit ze.) ; ein öffentlic) angeftellter Lehrer u. 
Diener der chriftlichen Neligion, bef. ein evangelifcher Geiſtlicher, Pfarrer 
(Stadt-, Lande, Dorfprediger; vergl. Prieſter); die Predigerinn, M.-en, 
Gattinu eines Predigers; Zſetz. das Predigerhaus; die Predigerflugheit 
(fr. Paftoral= Klugheit); der Predigermantel; der Predigerftand; die 
Predigerfielle; der Predigerſtuhl, die Kanzet; die Predigertracht; die 
Predigerwittwe; die Predigerwohnung 2c.; der Predigermond, aud 

bloß Prediger, Benennung der Dominicaner-Mönche, deren urſprüngliche Ber 
flimmung das Predigen war; daher ihr. Orden? der Predigerordenz ihre Kits 
hen und Klöſter: Predigerficchen, - öfter; — die Predigt, M. -m 


% 


pregeln — Preis 407 


(oberd. Predig, altb. prediga, pridiga), eine von ber Kanzel herab gehaltene 
oder zu haltende geiftliche Rede, Kanzelrede, Kanzelvortrag (eine, Predigt 
fchreiben, halten; in die Predigt od. zur Predigt läuten; landſch. in die Pres 
digt gehen, d. i. in die Kirche zum Gottesdienſt; Feſt-, Weihnachts, Faſten-, 
Buß-, Strafpredigt2c.; nicht von der Kanzel herab gefprochene geiftliche Vor— 
träge heißen Reden, z. B. Abendmahls=, Beicht-, Trau-, Leichenrede zc.); 
in weiterer Red. eine nachdrüdliche Nede, Ermahnung, ein Verweis, oft 
mit üblem Nebenbegriff (einem eine Predigt halten 2c.) ; das Predigtamt, das 
Amt eines (evangelifchen) Predigers; der Predigtband, das Predigtbuch, 
ein Band, ein Buch, weiches Predigten enthält; die Predigtfammlungz der 
Mredigtftuhl, f. v. w. Predigerſtuhl, Kanzel. 

pregeln, 3w., f. prägeln. 

Preibuſch, m., landſch. f. Kannenfraut, Schachtelhalm. 

Preis 1. m., -e8, M. -e, ittelhochd. pris, ſchwed. pris, engl. price, 
pri⸗e, praise; franz. prix; alle v. d. lat. pretium, Werth, Lohn), 1) ber 
Werth, bef. der Geldmwerth einer Sache im Handel und Wandel (ein billiger, 
niedriger, hoher, der genauefte Preis einer Waare; diefe Waare fteht hoch im 
Preiſe; die Preife fteigen od. fallen; ben Preis erhöhen, od. hevabjegen, ermä⸗— 
figen) ; 2) der Lohn, die Belohnung (einen Preis auf Jemands Kopf fegen; 
etwas um Eeinen Preis thun), inebef. eine dem Sieger oder demjenigen, welcher 
eine Aufgabe am befriedigendften Löft, beftimmte und zugetheilte Belohnung 
(dev Preis in Ritterſpielen; einen Preis für eine Arbeit ausfegen ; den Preis das 
von tragen, erhalten, gewinnenz einem ben Preis zuerfennen, ertheilen zc. ; der 
erfte, der zweite Preis 2c.); 3) (0. M.) Werthfchägung, Lob, Nuhm u. bef. 
befjen laute Verkündigung (bibl. Fafs meinen Mund deines Ruhmes und Preifes 
voll fein; zum Preife deines Volkes); vlt. auch) f. Auferer Vorzug, Schmud, 
Zierath; — 3fes. die Preisaufgabe, Preiäfrage, eine Aufgabe od. Frage, 
auf deren befriedigendfte Löfung oder Beantwortung ein Preis gefegt iſt; der 
Preisbewerber , wer ſich um einen ausgefegten Preis bewirbt ; die Preisbes 
werbung; der Preisgefang, ein preifender Gefang, Lobgefang; die Preis— 
ſchrift, eine Schrift, mit welcher man eine Preisaufgabe zu löſen und den aus— 
gelegten Preis zu verdienen ſucht; bef. die Schrift, welche wirklich den Preis das 
von trägt (eine gekrönte Preisfchrift);, das Preisſtuͤck, eine Arbeit, bef. ein 
Kunftwerk, welchem ein ausgefegter Preis ertheilt wird; das Preisverzeich- 
niſs, Verzeichnifs der Preife von Waaren u. dgl. (fr. Preis-Courant) ; preis⸗ 
werth, gew. preiswürdig, Bw., 1) des Preifes würdig (preiswürdige Waas 
ren); 2) werth, gepriefen zu werden, finnv. lob=, ruhmmürdig (eine preiswür— 
bige That); die Preiswürdigkeit, in beiden Bed.5; — Ableit. preifen 1. 
ziel. Zw., (mittelhochd. prisen, ich priste; gepriset, alfo nicht ablaut.z 
vergl. d. franz. mepriser = mifepreifen), chem. r. umend. ic) preifete, ges 
preifet (3. B. bibl. auf daſs fie von den Leuten gepreifet werden), jetzt ablaut. Impf. 
pries, Gonj. priefez Mw., gepriefen; chem. f. fchägen, werthſchätzen, ans 
dern Dingen vorziehen; auch den Preis einer Sache beftimmen, fie ihrem 
Werthe nad) fhägen (eine Waare —); jegt gew. einen od. etwas —, deffen 
Merth od. Vorzüge laut verfünden, eine Steigerung der finnv. loben, rüh— 
men (Gott loben und preifen; ein gepriefener Mann; jeder Krämer preifet feine 
Waare, vergl. anpreifen); rühmend anerkennen od. für etwas erklären (einen 
als Wohlthäter preifeny einen glücklich preifen) z oberd. auch f. zieren, [hmüden ; 


408 ‚Preis — preffen 


der Preifer, -8, wer etwas oder Jemand preiſet; preislich, Bw., was 
zu preiſen iſt, preiswürdig; landſch. überh. f. vorzüglich, ſtattlich; ac als 
meift vlt. Titehwort für Behörden (vergl. hohpreislich). 

Preis 2. m., -e$, (ital. presa, franz. prise, engl. prize; v. d. lat. 
prehendere, franz. prendre, faffen, nehmen), vlt. f. Fang, Beute, Alieg, 
was der Willkür Anderer überlaffen wird; nur noch in der Form eines Neben⸗ 
wortes üblich in der Redensart: einem etrvas od. Jemand preis geben,. 
db. i. c8 ihm zum Raube geben, zu willkürlichem Gebrauch) überlaffen (eine 
Stadt den Soldaten —, ſich den Laftern — ⁊c.); oberd. auch? etwas preis 
machen, d. i. es fich gewaltfam zueignen (vergl. die Yandich. Ausdrüce: eine 
Sache Beute machen, Boute geben); das Preisfchiff, vlt. f. ein erbeutetes 
Schiff. 

Preis 3. m., -es, M. -e, auch die Preife, M. -n, Verkl. das Preis: 
den (gem. au Priefe, Prieschen), Landfch. f. Saum, Riemen; ins— 
be. der haarige Streif, welcher den Pferdefuß über dem Huf umgiebt (der Saum, 
die Krone) ; bei Nätherinnen die breiten Säume od. Einfaffungen an Hemd— 
ärmeln u. dgl.; — daher: preifen 2., ziel. Zw., oberd. f. fehnüren; der 
Preisriem, vlt. f. Schnürriemen ; der Preisichuh, f. mit Riemen gebundes 
ner Schuh, Schnürſchuh; der Preisziegel, landſch. f. Ort=,, Edziegel. 

Nreißelbeere, w., n. X. Preifelbeere, 1) eine Art rother Heidels 
beeren von angenehm fäuerlichem Geſchmack, daher fie mit Zuder eingemacht ges 
geffen werden, Tandfch. auch Prausbeere, Kronsbeere, Cteinbeere, Mehl-, 
Rauſch-⸗, Bocköbeere zc. genannt; 2) landfch. f. Sandbeere, Bärentraube. 

prellen, ziel. 3w. (das Factitivum von prallen, f. d.), machen dafs et= 
was pralft, mittelft der Schnellfraft forttreiben, ſinnv. fchnellen (3. B. einem 
Ball —; einen Fuchs —, eine graufame Jagdbeluſtigung, welche darin be= 
fteht, dafs man einen Fuchs auf einem ftraff angefpannten Tuche oder Nege wie— 
derholt in die Höhe ſchnellt und wieder auffängt) ; uneig. gem. f. einen hinters 
gehen, liftig anführen, in feiner Erwartung täufchen, betrügen, beſ. einem 
Geld abloden, ihn übertheuern; der Prell, -e8, 0. M. landſch. gem. f. 
die Fläche eines prall gefpannten Körpers, bef. Säg. die Länge der ausgefpann- 
ten Zagdleinen, Tücher und Nege; die Prelle, M.-n, das Prellen (einem 
Fuchſe die Prelle geben) ; auch das Tuch, womit es gefchieht (einen Fuchs auf 
die Prelle laufen Laffen); der Preller, -$, 1) wer prellt, eig. (4. B. Füchſe), 
u. uneig. wer einen Andern anführt, übertheuert; 2) ein prellender Stoß 
od. Schlag, Prallſtoß, -ſchlag z Kıfpr. eine Art Geſchütz, das 37 Zentner 
wiegt und 28 Pfund ſchießt; die Prellerei, das Prellen, nur uneig. f. Be: 
trügerei, Überliftung, Übertheurung (M. Prellereien); ; — ber Prellhammer, 
auf Eifenhämmern ein 2 Zentner fehwerer Hammer mit walzenförmiger Bahn ; 
das Prellneß, ein Neg zum Prellen der Füchſe; der Prellfchlag, ein zurück— 
prallender Schlag z. B. der Bildhauer, b. Prallfchlag; der Prellfchufs, 
r. Prallſchuſs, ſ. d. 

Premſe, w., ſ. Bremſe 2.; premſen, Zw., ſ. bremſen, prammen. 

Preſch, m., -es, landſch. Porſch. 

Preſenning, w., M. -en, Schiff. getheertes Segeltuch, womit man 
Sachen, Lufen u. andere Öffnungen bedeckt, um fie gegen das Eindringen des 
Näſſe zu ſichern. * 

preffen, ziel. Bw. (altd. presson, engl. press, franz. presser; nieberd. 


preffen 409 


parßen, holl, parsen, persen, ſchwed. persa; vom lat. premo, pressi ⁊c.; 
pressare), ſtark drücken, bef. zufammendrüden (die Schuhe prefien mich); 
der Saal war geprefit voll u. dgl.) ; in engerer Bed. mittelft einer Preffe zu= 
fammendrüden od. ausdrüden u. überh. zubereiten (Papier, Tuch —; ben 
Saft aus dem Obfte, den Zitronen ze. —, Wein, OL preffen); uneig. gleichſ. 
einengen, beflemmen, ängftigen (die Bruft, das Herz ift mic geprefit; dem 
geprefiten Herzen Luft machen); drängen, beträngen (die Noth prefit ihn); 
gewaltſam hervortreiben (der Schmerz preſſte ihm Thränen aus den Augen); 
eintreiben (Gerichtskoſten u. dgl.), zu etwas nöthigen, zwingen, mit Gewalt 
fortneymen (Matrofen, Soldaten —, mit Gewalt zum Dienfte nehmen); — 
preis, Bw., landſch. f. feſt angedrüdt, genau anfchliepend, Enapp (ein Klei- 
dungsftück liegt prefs an); die Preffe, M. -n (engl. press, franz. presse; nies 
derd. Parße, holl. pars), 1) überh. ein preffender od. drückender Körper, z. 8. 
in Windmühlen ein fehwerer hölgerner Bogen, welcher auf das Kammrad drüdt, 
wenn die Mühle ftill ftehen ſoll; bef. ein Werkzeug, eine Mafchine zum Pref: 
fen, um dadurch etwas zufammenzudrüden, glatt zu machen, od. zu zerdrücken 
(die Buchbinder-, Buchdruder-, Tuch, Wein-, Olpreſſe 2c.; vergl. Kelter; 
etwas unter die Prefje legen, bringen ꝛc.); in engerer Bed. die Buchdruderpreffe 
(ein Buch unter die Preffe geben, d..i. deuden laſſen; das Bud) ift noch unter 
ber Preffe, d. i. im Drude-begriffen, es kommt eben aus der Preſſe zc.), daher 
auch uneig. f. der Bücherdrud überh. (die Freiheit od. Beſchränkung der Preffe, 
u. dgl.); 2) das durch die Preffe Bewirkte, insbeſ. der Glanz, welchen dag 
Tuch ducch die Preffe erhalten hat (dies Tuch hat viel Preffe, hat die Preffe 
verloren 2c.); oberd. auc der ausgepreffte Moft (die erfte Preffe oder der 
Vorlauf; die Legte Preffe oder der Nachdruck); 3) uneig. gem. f. Enge, 
Gedränge, Klemme, VBerlegenheit (in der Preffe fein; einen in die Preffe neh— 
men, d. i. in die Enge treiben); der Preſſer, -$, wer prefft; uneig. wer 
Andere drängt od. zu etwas nöthigt; landſch. insbef. ein Gerichtsdiener, wel 
her- Gerichtskoſten, Abgaben zc. eintreibt (fr. Executor); die Preffung, felten 
f: das Preffen; prefsbar, Bw., was zufammengeprefft twerden kann (4. 8. 
die Luft; fr. compreſſibelj; — 3feg. von preſſen u. Preffe: die Prefsbanf, . 
Papierm. ein ftarkes Brett in der großen Prefje, welches unmittelbar auf den 
Buſcht drückt; der Prefsbuum, der ftarke Hebel, womit eine große Preffe an- 
gezogen jwird (Kelterbaum) ; der Prefsbengel (vergl. Bengel), an Buchbin- 
der⸗ u.,Buchdruderprefien das Holz, mittelft defjen die Schraube der Preffe zus 
gezogen wird, auch der Prefsfchwengel; das Prefsbrett, Bretter, zwifchen 
welchen etwas geprefft wird, b. Buchb. u. Tuhm.z der Prefsglanz, der 
durch Preffen bewirkte Glanz eines Zeuges 2c.; der Prefshaspel, Papierm. 
ein Haspel zum Zuziehen der großen Preffe; die Preſshaut, tiber Senfkörnern 
geprefite, körnichte Haut von Pferden, Eſeln zc. (fr. Chagrin) ; der Prefsfopf, 
Küch. Klein gehadtes, gekochtes und in einer Form geprefites Fleiſch von Rinde- 
und Schweinsköpfen; der Prefsmeifter, Buchdr. der Druder, welcher die 
Preffe mit dem Bengel zuzieht; der Preſsmoſt, aus Obſt gepreffter Moft, z. 
u. v. Weinmoft; die Prefsfchraube, die Schraube an einer Preffe; die Prefs- 
thuͤr, Prefsbretter dev Tuchmacher; der Prefswein, ausgeprefiter Wein, 3 
U. dv. dem von ſelbſt ausgelaufenen; — von Preffe f. Bücherdruck (ſ. 0.) s 
die Prefsfreiheit, unbeſchränkte Drudfreipeitz entg. der Prefszwang, Eins 
ſchränkung des Bücherdrucks. f . 


410 preſshaft — Priefter 


prefshaft, Bw., derderbt aus breſthaft, ſ. d. (alſo nicht n. preſſen). 

Preſsling od. Brösling, m., -es, M.-e, landſch. f. Erdbeerktaut, 
Knackbeere. 

Preußen, f., -$, (neulat. Borussia, aus Porussia entſt. von dem flav. 
po=bei, an, u. Russia, Nufeland; alfo: das an Rufsland grengende Land), 
1) das Land an der Oftfeefüfte zwifchen Polen u. Ruſsland (Oft und Weftz 
preußen nebft dem Großherzogthum Poſen; 2) in weiterer Bed. der ganze preus 
ßiſche Staat, welder außerdem die Provinzen Brandenburg, Pommern, Schle— 
fin, Sahfen, WVeftphalen, Jülich- Kleve- Berg, Niederrhein umfaſſt; der 
Preuße, -n, M.-n, tie Preußinn, M. -en, Eingeborene u. Einwoh: 
rer von Preußen 1); überh. Unterthanen tes preuß. Staats; preußiich, 
Bw., aus Preußen (in beiden Bed.) ſtammend, dazu gehörend, dafelbft 
einheimifd). . 

Prezel, w.,gb- Brezel, ſ. d. 

pricken, ziel. Zw. (angelſ. priccan, engl. prick) niederd. f. ſtechen; 
prick, Bw. f. ſcharf, genau (prick ſehen); der Prick, es, M.-e, f. Stich, 
Punkt (auf den Prick, d. i. ganz genau); die Pride, M.-n, 1) f. Stachel, 
Aalgabel; 2) f. Bride, Neunauge (wahrfh. von den 7 Punkten od. Augen 
Pricke genannt); der Pridel, -$, M. w. E., f. ein Eleiner Stachel; 
prideln, ziel. u. zielloſ. Zw., das verkl. priden, wiederholt Eleine Stiche 
machen, ftiheln; eine twiederholtem Stechen ähnliche Empfindung hervor— 
bringen (es pridelt auf der Haut, auf dev Zunge 2c.); uneig. überh. ſtark reizen, 
einen empfindlichen Eindrucd machen (pridelnde Reden, |. vw. Stichelreden); 
die Prickelei, das Prideln. 

priechen od. preichen,, zielloſ. Zw. niederd. f. ſchwer athmen, keichen. 

Priel, m.u.f., -e8, M. -e, niederd. f. Sommerlaube, Gartenhaus, 
Gefellfäyaftszimmer. 

Prieſter, m., -8, M. w. E., die Priefterinn, M.-en, (niederd. Pre⸗ 
fter;; ieländ. prestur, ſchwed. praest, angelf. preost, engl. priestz franz. 
pretre, ital. prete; vom lat. presbyter, und diefes von d. griech. mgsopi- 
7005, der Ütere, als Ehrennamen eines Geiftlichen; vergl. Pfaffe u. Pater), 
eine zu öffentlichen gottesdienftlichen Verrichtungen berufene Perſon, im 
weiteften Sinne von jeder Religion gebr. (heidniſche, jüdiſche, chriftliche Pries 

ſter 26), in engerer Bed. bef. ſofern fie Opfer verrichtet; daher iſt fr evanz 
geliſche Geifttiche die Benennung Prieſter nicht üblich. (außer Landfch. bef. nie⸗ 
derd.) ; in der römifchen Kirche aber, wo die Mefje für ein Opfer gilt, heißen 
diejenigen Geiſtlichen, welche Meffe lefen, das Abendmahl verwalten ꝛc. 
Priefter (Mefspriefter)s — 8ſetz. das Priefteramt, das Amt u, die Würde 
eines Priefters; der Priefterbetrugz die Priefterehe, die in der röm. Kirche 
ehem. erfaubte, -jegt verbotene Ehe der Priefter; das Prieſtergewand, =Eleid, 
der Priefterrod, = mantel ꝛc.; das Mriefterhemd, ein weißes, weites, 
einem Hemd ähnliches Obergewand der Priefter und Prediger (Chorhemd) ; die 
. SPriefterherrichaft (fr. Hierarchie); ber Priefterhut, Hut eines Priefters ; 
uneig. Kriegsb. eine Art von Hornwerken bei einer Feſtung; der Prieſterorden, 
ſ. vaw. der Prieſterſtand, verächtl. die Prieſterkaſte, Prieſterzunft; der 
Prieſterſtaat, ein von Prieſtern beherrſchter Staat (hierarchiſcher Staat); auch 
der Anzug, Schmuck eines Prieſters (fr. Ornat); die Prieſterwahl, Erwäh— 
zung eines Prieſters; die Prieſterweihe, feierliche Einweihung zum Prieſteramt; 


Priete — pritfch 411 


die Prieſterwuͤrde; — Ableit. prieſterlich, Bw., dem Prieſter eigen, 
angehörig, ähnlich; die Prieſterlichkeit, die Eigenſchaft od. Art u. Weiſe 


eines Prieſters; die Prieſterſchaft, 1) die Eigenſchaft, Würde eines Prie⸗ 


ſters; 2) gew. die Geſammtheit der Prieſter einer Kirche, eines Landes ꝛtc.; 
das Prieſterthum, die Würde und Macht eines Prieſters. 

riete, w., M. -n, Bauk. zwei lange Stangen an der Zugramme, 
zwifchen denen der Gang des Bocks geleitet wird. 

priezeln, prozeln, ziellof. u. ziel. Zw. (auch bräzeln, prägeln, vergl. d.), 
landſch. Schallw. das Geräuſch des Bratens, insbef. der zerlaffenen Butter 
in einem Ziegel, nachahmend; etwas —, in zerlaffener Butter braten oder 
baden; das Priezelgebadene, auf ſolche Art bereitetes Backwerk. 

prillefen,, nicderd. Zw. f. mit den Händen rollen (Teig, Wache); dag 
Prilleken, -8, niedeid. etwas mit den Händen Gerolltes, bef. ein in der 
Pfanne gebadenes, gew. gefülltes Backwerk, Pfannkuchen, Kräpfel. 

Primel, w., M.-n (v. lat. primula veris, die erfte des Frühlings), eine 
der erften Frühlingsblumen: Schlüffelblume, Himmelsſchlüſſel. 

Prinz, m., -en, M.-en, Verkl. das Prinzen, (zunächſt v. dem 
franz. prince, ut. diefes verkürzt aus d. lat. princeps, der Erfte, Fürft; ital. 
prineipe); weibl. die Prinzeffinn, M. -en (v. d. franz. princesse, mit 
überflüffig Hinzugefügter deutfcher Endung), od. abgek. die Prinzefs, M. -en; 
überh. jede fürftliche Perfon ; gew. in engerer Bed. nur die Kinder und Ver— 
wandten eines regierenden Fürſten (kaiſerliche, Eönigliche, herzogliche zc. Prinz 
zen u. Prinzeffinnen; der Erb-, Kronprinz; Prinzen vom Geblüt, |. d.); Jäg. 
der Lehrmeifter in Bezug auf feine Lehrlinge: der Lehrprinz; Naturk. zwei 
Schmetterlingsarten: der Prinz u. bie Prinzeſſinn; — 3feg. v. Prinz: 
das Prinzmetall (angeblich nach feinem Erfinder, einem pfälziſchen Prinzen 
Robert, genannt; n. U. aus Bronze Metall verderbt), eine gelbe Metall» 
mifhurg, aus einem Theile Zink und 3 Theilen Kupfer bereitet; der Prinzen⸗ 
erzieher, »führer, -hofmeiſter, -lehrer; vie Prinzenfarbe, Färb. gold⸗ 
gelbe Farbe, Königsfarbe; die Prinzenflagge od. =fahne, in den Niederlan— 
den: eine Flagge auf dem Dintertheile der Schiffe, weiche nur gewiſſe Schiffe 
führen dürfen ; der Prinzenkopf, landſch. f. eine Art ſchönen Kopffalates ; — 
Ableit. prinzlich, Bw., einem Prinzen Ähnlic), angemeffen, gehörig; 
die Prinzlichkeitz Sfeg. v. Prinzeffinn: der Prinzeffinnapfel, ein 
länglicher, weißgelber, fehr ſchmackhafter Apfel; tie Prinzeffinnbohne, Kriech-, 
Zwergbohne; Jungfernbohne; die Prinzeſſinnkirſche, eine fchöne, bunte Knor— 
pelkirſche; die Prinzeffinnfteuer, eine zur Ausftattung einer Pringeffinn ers 
hobene Steuer. 

Priſe, w., M.-n, Verkl. das Prischen, (aus d. franz. prise, von 
prendre, nehmen) 1) fo viel man von einer Sache zu einem gewiffen Ges 
brauche auf einmal nimmt, bei. ein Griff mit dem Daumen, und Zeigefinger 
(eine Prife Taback); 2) der Fang, Raub, die Beute, bef. ein erbeutetes 
Shiff, (etwas für eine gute Prife erklären). 

pritjch, ein Naturlaut, welger den Echall eines flachen Schlages, od. 
auch des Zerbrechens nachahmt; daher landſch. gem. f. entzwei, verloren, fort, 
weg (eö ift pritfch 5 vergl. d. ferb. precz, weg); der Pritfch, -es, M. -ß, 
gem. ein mit Geräuſch verbundener Schlag ; priffchen, ziellof. u. ziel. 3w., 
. (auch britſchen, nieberd. Grigen) landſch. mit klatſchendem Laute flach füllen, 


U 





412 Privet — Probe 


fallen machen od. ſchlagen; insbeſ. mit der Pritfche fchlagen; bie Thür auf: 
und zufchlagen, oft aus- und eingehen (beftändig pritfchen) ; oberd. f. Flats 
fhen, ausfhwagen; einen —, landſch. f. fortjagen, auch feinen Zweck 
vereiteln, ihr verderben, um das Seine bringen (er ift gepritfcht) ; bie 
Dritfche, M. -n, (auch Britfche, niederd. Brise, dän. brixe, hol. bridse, 
nur in der erften Bed. mit pritfch zufammenhangend, in den übrigen v. Brett 
ftammend) 1) ein breites flaches Schlagholz, Schlag-, Klapperbrett (4. B. 
‚ bie Pritfche des Hanswurftes) ; Landfch. auch. ein Schlag mit der flachen Hand; 
2) ein Brett od. eine Brettererhöhung, worauf man fißt od. liegt; insbef. 
das Sitzbrett hinten an einem Rennſchlitten; eine breite hölzerne Legerftatt in 
Wachtſtuben 2c.; 3) landſch. f. eine Scheibe, Schnitte (von Apfem, Rüben 
u. dgl.); der Pritfchmeifter, od. Pritfchenmeifter, chem. bei Schüigenger 
felfchaften ein hanswurftmäßig gekfeideter und mit einer Pritfche bewaffneter Die- 
ner, weldjer den getroffenen Ort der Scheibe zeigt, und die Ordnung auf dem 
Schießplatze erhält; oft zugleich ein Gelegenheits= od. Stegreifsdichter, Reim— 
ſchmied. 

Privet, ſ., -e8, M.-e (alt Privat, Profeiꝛc.; aus d. mittl. lat. 
privata, heimlicher Ort; franz. prive, engl. privy), landſch. f. das heim: 
liche Gemach, der Abtritt. 

Probe, w., M.-n, Verkl. das Pröbchen, (niederd. Prowe, ſchwed. 
prof, ’engl. proof, ital. pruova, franz. preuvez v. d. mittl. lat. proba, 
‚von probare, prüfen) 1) ein angeftellter Berfuch zur Erforfchung der Be: 
fchaffenheit od. Güte einer Sache oder Perfon, ſinnv. Prüfung, Unterfuchung 
(eine Probe mit etwas anftellen, machen ; zur Probe fingen, fpielen, predigen ac. ; 
die Probe beftehen, d. h. in einem folchen Verſuche gut befunden werden; eine 
Farbe Hältdie Probe, wenn fie bei angeftellten Verfuchen unverändert bleibt; 
einen aufdie Probe ftellen, d. i. ihn in Umftände verfegen, in welchen er 
feine wahre Befchafferheit zeigen muſs; einen Arbeiter auf die Probe oder auf 
Probe nehmen 2c.); Recent. eine Nechnung, durch welche man die Richtige 
Eeit einer andern prüft; 2) dasjenige, woraus man die Befchaffenheit einer 
Sache erkennt, das Probeftüd, Probezeichen, bei. ein Theil eines Stoffes, 
woraus man die Güte desfelben erkennt (Waarenproben, eine Tuch-, Zeug>, 
Weinprobe 20. ; Bergw. Eleine Erzmaffen, woraus man den Gehalt des Erzes 
beurtheilt); auch Handlungen, Leiflungen, wonach man auf die Befchaffen: 
heit einer Perfon ſchließt (Proben feiner Gefhiclichkeit, feiner Kenntniffe ze. 
abtegen) ; 3) das Kennzeichen der Güte einer Waare, 3. B. das dem Tuche 
angehängte geftempelte Stück Blei; das Zeichen auf Silyerwaaren u. dgl. m. ; 
4) ein Werkzeug zur Unterfuchung der Befchaffenheit einer Sache, auch ein 
Mufter, eine Form (f. Kugelprobe; Probemaß u. andere Zfeb.); 5) bei Drathe 
ziehen: grobe Proben, eine befondere Art Orath, woraus die Kleinen Draths 
yöllchen zum Sticken verfertigt veerden,; — proben, ziel. Iw. (engl. prove, 
franz. prouverz vom lat. probare), etwas —, eine Probe damit anftellen, 
es verſuchen, meift vlt. außer in dem abgel. erproben (f. d.); außerdem gem. 
prüfen, od. mit frembartiger Endung : probiren, b. verfuchen, prüfen, ers 
forfchen, Eoften (ein Pferd, ein Gewehr, eine Feder, den Wein, ‚eine Speife), 
insbef. den Merth od. Gehalt unterfuchen (das Erz, Gold, Silber 2c.); auch 
von Handlungen, Unternehmungen ꝛc., deren Möglichkeit prüfen, einen Vers 
ſuch damit madyen; — BTeg. v. Probe, proben, probivenz die Probearbeit, 





Probſt — Profos ** 418 


der Probeband, ein Muſterband, nach welchem andere gebunden werden; das 
Probeband, Faſsb. ein ftarkes Band, nad) welchem den Fäſſern die gehörige 
Weite gegeben wird; das Probeblatt, ein als Probe dienendes Blatt, d. i. 
- um daraus auf bie Befchaffenheit anderer Blätter derfelben Art zu ſchließen (4.8. 
ein ſolcher Kupferdrud, ein Blatt einer Zeitfhrift u. dgl.); das Probeblei, 
gew. Probirblei , ‚filberhaltiges Blei zum Probiren der Erze gebraucht; der 
Nrobebogen, Buchdr. ein abgezogener Drudbogen, um danad) die Befchaffen= 
heit des Druds zu beurtheilen und denfelben zu berichtigen; der Probedrud, ein 
als Probe dienender Schrift- oder Bilddrud; probefeſt, Bw., die Probe 
beftedend ; das Probegewicht, gew. Probirgewicht, das Gewicht, wonach 
der Gehalt der Erzproben beftimmt wird; fo auch: Probirzentner, =marf, 
epfund ꝛc.; probehaltig, Bw., die Probe aushaltend od. beftchend ; die 
Probehaltigkeitz der Probehammer, gew. Probirhammer, Beraw. ein 
* Hammer zum Zerfehlagen der Erzproben ; das Probejahr, ein Sahr, in wel 
chem eine Perfon od. Sache auf der Probe ift, Prüfungsjahr, bef. in Klöftern 
(fr. Noviciat) ; die Probekunſt, gew. Probirkunft, Hüttenw. die Kunft, den 
Gehalt der Erz= und Bergarten zu erforfchen; der Probelehrling, ein Lehr- 
ling, welchen man auf der Probe hat; das Probemaß, landſch. f. Eichmaß; 
ſo auch der Probefcheffel, das Probeviertel 2c.; probemäßig, Bw., der 
Probe gemäß, die Probe haltend; das Probemehl, gew. Probirmehl, püt- 
tenw. die feingeftoßene Erz= od. Bergart, womit die Probe angeftellt wird; die 
Probenadel, gew. Probirnadel, goldene u. filberne Nadeln, welche an den 
Probirftein geftrichen werden, um danach die Feinheit anderen Goldes od. Silbers 
zu beurtheilen, Streichnadel; der Probeofen, gew. Probirofen, Hüttenw. 
ein Schmelzofen, in welchem. die Erze probirt werden ; die Probeplatte, gew. 
Probirplatte, eine meffingene Platte, deren fich die Zinngießer wie eines Proz 


birfteines bedienen; die Probepredigt, eine Predigt, welche ein Predigtamte=" 


bewerber zur Probe hält; die Probefchrift, eine zur Prüfung der Geſchicklich— 
keit verfertigte Schrift ; der Probefchufs, ein Schufs zur Prüfung eines Feuer- 
gewehres, od. auch der Geſchicklichkeit des "Schügen; das Probefilber, in den 
vorſchriftsmäßigen Verhältniffen gemifchtes Silber, das mit der Probe, d. i. dem 
Zeichen feiner echten Befchaffengeit, verfehen iftz der Probeftein, gew. Pro— 
birſtein, ein fchwarzer, harter Schieferftein, deffen die Gold- und Silberar— 
beiter fich bedienen, um den Gehalt des Goldes und Silbers zu prüfen, indem 
fie es daran ftreichen, Prüf-, Streichftein, auch uncig. f. jedes Mittel, die Ber 


ſchaffenheit einer Sache zu erkennen; das Probeſtuͤck, ein als Probe dienenz 


des Stück von einem Ganzen; auc) eine Handlung oder Leiftung, um Jemands 
Beſchaffenheit, Geſchicklichkeit ꝛc. daraus zu erkennen; die Probewage, gew. 
Probirwage, Hüttenw. eine genaue Wage zum Abwägen der Erzproben ; die 
Probezange, gew. Probirzange, eine lange Zange der Erz= Probirer, auch 
die Probirkluft; die Probezeit, die Zeit, während welcher Semand auf der 
Probe ift od. geprüft wird; — Ableit. der Prober, gew. Probirer, mer 
Proben macht, insbef. Berge u. Hüttenw. ein verpflichteter Beamter, wel— 
cher die Erz: u. Bergarten probirt, d. i. ihren Gehalt mitteljt der Schmelzung 
erforfcht ; die — od. Probirung, ſelten f. das Proben, Probiren. 

Prob ſt, m., b. Propſt, ſ. d. 

— Zw., landſch. f. brodeln, — .d 

Profis, od. Profoß, m., -e3, M. -e (zunächſt aus d. franz. prevost, 





414 progeln — Prob 


prevöt, und diefes v. d. lat. praepositus, vergl. Propft), ehem. überh. ein 
Vorgefegter, insbef. ein Unterrichter auf Dörfern, bei Kriegsheeren: der Feld⸗ 
richter, Feldgewaltiger; gew. der Stockmeiſter, Aufſeher der Verhafteten, 
beſ. bei einem Heere; landſch. auch f. Bettelvogt, Büttel. 

progeln od. brogeln, auch progen, rückz. Zw. (vergl. prahlen, prangen), 
fi —, oberd. f. prahlen, groß thun; der Progler, —s, f. Prahler. 

Prolle, m., -n, M.-n, (cſhweiz. Brolli), ſchwäb. f. ein dicker Menſch, 
fettes Kind; prollig, Bw., f. dick. (auch holl. prollig; vergl. prall). = 

Nrone cd. Prohne, w., M.-n, (vergl. Bram, Brame 2.) landich. der 
mit Laubholz bewachſene Rand eines Feldes. 

Dronne, w., M. -n, (landfch. auch Pramme, Prammer), Beraw. der Ri, 
welcher bei Gewinnung der Erze mit dem Bergeifen in tas Geftein gehauen 
wird; pronnen, Zw., Pronnen machen, u. fo das Geftein gewinnen. 

Prophet, m., -en, M.-en (aus d. griech. zgogrjens, lat. propheta; 
daher. goth. praufetusz das althochd. Wort dafür war forasago, wizsago), 
ein Weisfager, Wahrfager, Seher und Verkündiger der Zukunft (ein Uns 
glüdeprophet, Wetterprophet ze.) ; in beftimmterem Sinne begeifterte und erz 
leuchtete Männer, welche als Religions- und Sittenlehrer des alten jüdiſchen 
Volkes auftraten, insbef. die Verfaffer von 16 Büchern im U. T. (die vier 
großen, und zwölf Eleinen Propheten); — Zſetzz. die Prophetengurfe, eine 
Art Eugelrunder, ftacheliger Gurken in Arabien; auch der Prophetenapfel; 
der Prophetenfuchen, in Sachſen u. Thüringen: eine Art dünner, hartge— 
bacener Kuchen, Blaſenkuchen; — Ableit. die Prophetenfchaft, die Eigen: 
ſchaft od. Würde eines Propheten; die Prophetinn, M. -en, Weisſagerinn, 
Seherinn; prophetiſch, Bw., einem Propheten eigen od. angemeffen, von 
ihm ausgehend; bie Prophezei, M. -en, (aus dem lat. propheria; franz. 
prophetie) vlt. f. Prophezeiung, MWeisfagung; daher prophezeien, ziel. 
Zw. (griech. zgopnrevew), zukünftige Dinge vorherfagen, weisfagen, wahr: 
fagen (Gtüd, Unglüd ꝛc.); die Prophezeiung, das Prophezeien; das, was 
man prophezeit (M. Prophezeiungen). 

Propſt (e. als Probſt), m., -e8, M. Pröpfle, (aus d. lat. praepo- 
situs, d. i. der Vorgefeßte, zgez.; altd. probista, probest, brobst, pro- 
vost; niederd. Praweft, engl. provost, franz. prevör; vergl. Profos), ehem. 
überh. ein Worgefegter, Vorſteher, Auffeher (daher noch landſch. der Lehnz 
propft, Xorgefegte eines Lehnhofes; oberd. Holzes, Wein-, Kaftenpropft, d. i. 
Auffeber über das Holz, den Weinbau, den Getreidefaften, u. dgl. m.); gew. 
ein Vorgefegter über geiftliche Derfonen, ein höherer Geiftlicher ; inebef. 
der Vorgefegte eines Klofters (auch weibl. die Pröpftinn), od. eines Dom: 
ſtiftes (Dompropſt); auch f. kathol. Pfarrer süberh.; in der evangel. Kirche: 
der Vorgefegte der Geifklichen eines gewiſſen Bezirks, Obergeiftliche, Pfarr: 
auffeher,; Feldpropft, der Vorgefegte der fämmtlichen Teldprediger; dag 
Propftding, chem. das Gericht eines Propftes od. einer Propftei; die Propftei, 
M. Sen, die Würde, auch der Bezirk und tie Wohnung eines Propftes ; 
daher: der Propftei-Ader, =» Garten, die Propiteiwiefe u. dgl.; dag 
Propſtei- od. Propftgericht, ein Gericht, in weichem ein Propft den Vorfig 
hatz der Pröpftling, -e8, M. -e, öſtr. f. ein dicker, fetter Menſch. 

pröteln od. prötteln, etlof. Zw., niederd. f. murren. 

Protz (od. Brog), m., -e8, M. -e, bair. f. die Kröte, 


proßen — prüfen 415 


proßen 1. ziel. 3w., Kıfpr. ſchwere Gefhüge mit Mühe fortbewegen, 
bef. in den Zſetz. ab⸗, aufprogen; daher die Probfette, eine Kette, mit 
welcher die Kanone auf den Progmwagen befeftigt wird; der Proßnagel, ein 
ftarker eiferner Nagel, welcher durch den Schwangriegel = Kanone und der Achfe 
des Progwagens gejtecdt wird; das Protzrad, bie vorderen Räder an den Kanos 
nenwagen; der Proßwagen, zweirädriger Karren zur Fortfchaffung einer Kanone, 

proßen 2. ziellof. Zw. (auch brogen, brozen; wahrfd. v. einem alten 
proß, broz, f. breit, gedunfen, aufgeblafen,; vergl. o. Pros f. Kröte, das 
altd. proz, oberd. Broß f. Knospe, Sprofje; hol. prat, trogig, flolg5 prat- 
ten, trogen; angelf. prut, ſtolz), oberd. f. breit machen, weit öffnen (die 
Augen, das Maul); mürrifch u. unmillig fein, trogen, maulen (aud) protz⸗ 
maulen); fih —, f. ſich aufblähen, ſtolz thun; proßig, (od. broßig, 


niederd. pragig), Bw., oberd. f. trogig, mürriſch, aufgebläht, prahlerifch ; 


auch f. ſtarr, fteif, unbiegfam (von Gewächſen 2c.). 

Proviant, m., -e8, 0. M. (ehem. die Proviantz ital. provianda, mittl, 
lat. providenda; alfo v. lat. providere, beforgen, anfhaffen: der anzufchafz 
fende Vorrath; vergl. Provifion), der Mundvorrath, Zehrungsvorrath, 
Lebensbedarf, die Lebensmittel, bef. für Kriegsheere, Feſtungen, Schiffe zc. ; 
daher das Proviantamt, landſch. eine obrigkeitl. Behörde, welhe für die Les 
bensmittel in einer Stadt forgt; das Provianthausz; die Proviantfammer 
(auf Schiffen) ; der Proviantmeifter, wer für Herbeifchaffung und Aufbewahs 
rung der Lebensmittel forget; der Proviantwagen, Brod- u. Lebenemittels 
Wagen bei Kriegsheeren ; dag Proviantweſen ꝛc.; proviantiren, ziel. Zw., 
mit Mundvorrath verforgen, gew. Verpravutenfieen: 

prozein, od. brogeln, auch bruzeln, landſch. Zw., f. priezeln. 

prudeln 1. zieilof. Zw. (niederd. pruddeln) landſch. gem. f. brodeln (f. d.), 
fprudeln; der Prudel 1., -8, f. Broden, Brodem; aud) f. Sprudel; Jäg. 
f. Sumpf, Pfütze. 

prudeln 2. ziellof. u. ziel. Zw., niederd. f. flüchtig u. obenhin arbeiten, 
z. B. die Speifen ohne Sorgfalt und Reinlichkeit zubereiten; eine Handarbeit 
f&hleht, unfauber, verworren machen; auch f. beſchmutzen, verunffalten; der 
Prudel 2. -8, f. eine ſchlechte, verworrene, unfaubere Arbeit; der Pru- 
deler, -3, mer prudelt. 

prüfen, ziel. 3w. (niederd. proven, pröven; mittelhochd. prueven, beurs 
theilen, darthun, aus d. ital. provare, franz. prouver, und tiefe v. d. lat. 
probare; vergl. Probe, proben), die Befchaffenheit, den Werth einer Sache 
od. Perfon unterfuchen, erforfchen (bibl. prüfet Alles und das Gute behaltet; 
einen Gag, eine Lehre —, einen Freund —, fich felbft prüfen); felten von kör— 
perlichen Dingen, gew. verfuchen, probiren, Foften (das Gold, einen Wein ac.) ; 
in engerer Bed. Jemands Kerntniffe durdy Fragen u. Aufgaben unterfuchen 
(einen Schüler, einen Lehrling ze. —, fr. eraminiven); alt und oberd. auch f. 
empfinden, gewahr werden, erfahren (franz. Eprouver); der Prüfftein, 
ſ. v. w. Probirftein, bef. uneig.; der Prüfer, -$, die Prüferinn, wer 
prüft (fr. Examinator) ; der Prüfling, -e8, M.-e, Neuw. f. ein zu prüs 
fender Lehrling ec. (fr. Eraminandus); die Prüfung, M. -en, das Prüfen, 
'die Unterfuhung der Befchaffenheit einer Sache, u. insbef. der Kenntnijfe 
einer Perfon (fr. Eramen; eine Prüfung anftellen; die Prüfung beftehen); in 
“weiterer u. uneig. Bed. folhe Umftände u. Echidfale, durch welche bie ſitt⸗ 


416 Prügel — Prunk 


liche Befchaffenheit eines Menfchen auf die Probe geftellt wird und offenbar 
werden mufs (einem eine harte Prüfung auferlegenz fchwere Prüfungen beſte— 
hen 2c.); daher das Prüfungsmittel, die Prüfungsftunde, der Prü- 
fungstag, die Prüfungszeit, eig. und uneig. 

Prügel, m., -$, M. w. E. (alt u. landſch. Brügel, Brigelz wahre). 
verw. mit Riegel u. Brüde), 1) überh. f. v. w. Knüppel, Knüttel, Baum: 
Aft od. dünner Baumſtamm, dider unförmlicher Stod, insbef. fofern er 
gum Schlagen dient (mit dem Prügel drein fehlagen 2c.); daher 2) ein Schlag 
mit einem Prügel od. überh. Stode, Stockſchlag (einem Prügel geben; Prüs 
gel austheilen, befommen; eine Tracht Prügel 2c.) ; prügeln ‚ ziel. Zw., 
1) einen Menfchen od. ein Thier—, mit einem Prügel fchlagen, überh. heftig 
fohlagen; 2) oberd. mit einem Prügel oder mit Prügeln verfehen (einen 
Hund —, ſ. v. w. knüppeln; Brüden, Wege u. dgl. —, mit Äſten od. Rnütz 
teln belegen) ; die Prügelei, M. -en, das Prügeln, bef. ein anhaltendes, 
gegenfeitiges Prügeln, eine Schlägerei; die Prügelnath, eine über einem 
Prügel gefertigte Nath, Teppichſtich; die Prügelfuppe, niedr. f. eine Tracht 
Prügel; der Prügelmweg, die Prügelbrüde zc., ſ. v. w. Knüppelweg, =brüce. 

Prull, m, -e8, M.-e (vielleicht aus Prudel 2. zgez.), niederd. f. etwas 
Nichtswürdiges, Schlechtes; der Prüfer, -8, f. ein Knider. 

Prume, w., M. -11, (lat. prumum) landſch. gem. f. Pflaume. 

Prümmel, m., 8, M. w. E. niederd. f. Broden, Krümel; prüm: 
meln, 3w., f. brüdeln, zerbrödeln. 

prünen od. prienen, ziel. Zw., niederd. f. ungefchiet u. fchlecht nähen; 
die Prünerei, f. nachläffige Näherei, Stümperei. 

Prungnagel, m., Färb. die Winde od. der Haspel, womit das Tuch 
aus der Küpe gewunden wird. 

Prunk, m., - 08, 0. M., (ehem. auch Brunf; altd. prunc, holl. pronk; 
von gleichem Stamme mit prangen, Pracht 2c., |. d.5 ehem. nur im Niederd. 
üblich, jegt in der hochd. Sprache ganz geläufig), das Prangen, der helle 
Glanz; niederd. bef. f. Kinderftaat, Pus (daher die Prunkmacherinn f. 
Putzmacherinn) ; gew. tadeind: Übertriebener Glanz, im Übermaß zur Schau 
geftellte Pracht, Eitelfeit verrathender Schmuck (Prunk in Kleidern, Prunt 
in Worten, f. v. w. Schwulft); auch f. feierlihes Gepränge, Staat (fr. 
Parade), bei. in 3fes wie Prunkbett, = gemach, >» pferd od. -roſs, -ſaal, 
= zimmer, wagen u. dgl. m. (fr. Paradebett, -gemach 2c.); in andern Zſetz. 
bedeutet Prunk überh. äußere Schönheit, Glanz; z. B. die Prunfblume, 
blüthe; die Prunkbohne, eine Art großer Bohnen mit ſchönen Blüthen, 
bunte Bohne, türkiſche Bohne 2c.; dag Prunkgebaͤude, — gefaͤß, =gefchirr 
u. dgl. m.; die Prunkliebe, Liebe zum Prunk; übermäßige und zur Schau 
getvagene Prachtliebe; prunkliebend, Bw.; prunklos, Bw., ohne Prunf, 
ſchmucklos und einfach; die Prunkloſigkeit; prunkvoll, Bw., mit vielem 
Prunk verbunden ; die Prunfrede, fehmucvolle, Hochtönende Rede ohne ent— 
fprechenden inneren Gehalt; der Prunkredner; die Prunkrednerei; die 
Prunkſucht; prunffüchtig, Bw. u. dgl. m.; — Ableit. prunkhaft, 
Bw., mit Prunf verbunden, prunfvoll; dem Prunk ähnlich, nach Prunk 
ausfehend ; — prunfen, ziellof. Zw. m. haben, (boll. pronken), niederd. 
überh. f. glänzen, prangen; hochd. nur tadend: durch Prunk, dußeren 
Glanz, Schmud ıc. die Augen auf ſich zu ziehen fuchen u. den innern Uns 


" 








Prünziegel — puddeln 417 


werth verdecten (in fchöwen Kieidern —, auch: mit etwas —) ; ber Prunfer, -8, 
die Prunferinn, M. -en, wer prunkt; niederd, bef. wer übertriebenen 
Staat macht, ſich über feinen Stand und fein Vermögen pußt. 

Prünziegel, m., eine Art platter Dachziegel. 

Prüfel, m., -8, M. w. E. (verw. mit Sproffe, oberd. Broß; broßen 
f. fproffen), Säg. die unterftien beiden Enden eines Hirſchgeweihes; auch der 
Dobel am Baume eines Schlufsfattels. 

prüften, ziellof. Zw. (ein Schaltw., landſch. auch prußen), niederd. gem. 
f. laut u. heftig niefen (uneig. einem etwas-—, d. i. nicht thun, was er 
wünſcht); auch mit dem Munde fprudelm, vorzüglic) beim Ausbruch eines 
lauten Gelächters, das man zu unterdrüden juchtz von Kagen f. v. w. fauchen, 
pfuchzen. ; 

Prutt, fe, -es, 0. M. (vergl. d. oberd. brütten f. fieden, Eochen; Brütt 
fe) Brühe), landſch. der Bodenſatz des gekochten Thrans, zu Schmicrfeife 
gebraucht. 

Palm, m., -8, M.-e, und gew. (bef. in zufammenfaffender Bed.) 
-en, (alt= und niederd. Salm, ital. salmo, engl. psalm, franz. psaume, 


. lat. psalmus; vom grich. yeruosz; Gaitenfpiel, Lied, v. weikeır, zupfen, 


die Saiten fehnellen), eig. überh. Lied, Geſang; in.engerer Bed. die größten- 
theils dem König David zugefchriebenen geiftlicyen Gefänge in der Bibel; au 


überh. ein erhabenes Lied zum Lobe Gottes; das Pjalmbuch, das bibt. 


Buch, welches die Pfalmen Davids enthält (dev Pfalter)5 landſch. auch f. Ge: 
fangbuch,; (niederd. Salmbuch); der Pfalmdichter, » fanger (fr. Pſalmiſt); — 
der Pfalter, -$, (lat. psalterium, v. gricch. yeirıjgıov) 1).ein fehr altes, 
harfenähnliches Saiteninſtrument; 2) das Pſalmbuch (altd. saltare, niederd. 
Salter, ital. salterio); 3) uneig. der faltige dritte Magen der Wiederfäuer, 
Blättermagen, aud das Bud) genannt; 4) ein langer Roſenkranz mit 
15 Abfägen. 

Pſittig od. x. Pfittih, m., -e8, M. -e, (auch Sittig; mittelhochd. 
sitech; vom lat. psittacus, grich. yirrexos, olrrazos) alt und landſch. f. 
Papagei; daher pfittihgrün, Bw., f. papageigrün. 

pt, ein Naturlaut, durch welchen man Stillfehweigen gebietet, oder auch 
einem Gehenden ein Zeichen giebt, ſtille zu ſtehen; daher pſten od. pilten als 
3w., ſ. pifchten. 

puchen, 3w., landſch. gem. f. pochen (f. d.); daher ver Puch, f. Schlag, 
Stoß; Blod; die Pucht 1.M. -en, Forſtw. ein Blod, wie er zu Poch⸗ 
od. Puchitempeln brauchbar it, von 30 bis 40 Zoll im Durchmeffer u. 15 bis 
230 Ellen Länae. 4 oh 

Pucht 2. w., M. -en, (. v. w. Bucht 2., ein Verfchlag ꝛc.), ein Tro⸗ 
denboden in Salzwerken; die Puchttreppe ‚- eine Treppe, welche auf bie 


| Pucht führt. 


puck, ein gem. Schallw., welches einen dumpfen pochenden Schall 
nachahmt (vergl. pick); daher: der Puck, gem. ein ſolcher Schall; pucken, 
ziellof. Zw., einen ſolchen Schall hören laffen; und bef. das veröfterndes 
pudern, niederd. f. wiederholt pochen, leiſe Elopfen od. ſchlagen. 

Pudel, m., -8, M. w. E. 1. niederd. f. Budel, 1. d. — 2. niederd. 


‚eine Art Sifchnege, Reuſe. 


puddeln, niederd. Zw., |. pudeln; puddig, pubdelrund, Bw. (vergl. d. 
Hey ſe's Handwörterb. d, deutſchen Spr. 2. heil. 27 





418 Dudel — Puder 


oberd. butt, Butte) niederd. f. dick u. rund; die Puddenwurſt, (franz. boudin, 
holl. beuling), niederd. eine dicke Wurft, Biutwurft; uneig. ein dicker, fetter 
Menſch; der Pudding, -28, M. —e (gem. niederd. Pudden, Budden; engl. - 
pudding), ein in ein Zeintuch gefchlagener und darin gekochter dicker Kloß 
von Mehl, Brod, Fleifch oder andern Beftandtheilen; der Puddingſtein, 
Wurfttein, eine gemengte Steinart. 

Pudel 1. m., -$,M. w. E. (au) Pfudeh, landſch. f. Pfuhl, Pfütze; 
daher die Pudelfchnepfe, f. Sumpfichnepfe; — Pudel 2. ze. f. unter pudeln. 

pudeln, 3w. (vergl. butt, Butte, puddig; Grundbegriff: rund, Eugelig, 
kurz und did) 1) ziel. u. ziellos, oberd. f. rollen, wälzen; Kegel fchieben ; 
uneig. einen—, ihn ſchonungslos, fehlecht behandeln, vergl. hudeln; auch 
f. ſchelten, aushunzen, (man erklärt es in diefer Bed. gew. „wie einen Pudel 
behandeln‘!); 2) ziellos, niederd. (gew. pubdeln), im Gehen mwadeln, 
wie dicke Perfonen, Eleine Kinder, die zu gehen anfangen, und kurzbeinige Thiere, 
watſcheln (gem. niederd. auch wuddeln); 3) Bäd. das Brod pudelt, wenn 
es beim Baden ſtark aufläuft od. Enollige Auswüchfe befommt; 4) beim Kegel 
fhieben einen Fehlwurf thun (f. u. Pudel 3.); uneig. überh. einen Fehler, ein 
Berfehen machen; — Pudel 2. w., M. -n, bair, f. das lange Brett einer 
Kegelbahn, auf welchem die Kugel fortrollt (daher: die Pudelbahn, der 
Pudelplag zc.); überh. f. Kegelbahn; uneig. die lange Tafel, auf welcher 
ein Kaufmann feine Waaren auslegt; — Pudel 3.m., -$, M. w. E., ein 
Fehlwurf beim Kegelfchieben, wenn die Kugel durchgeht, landſch. auch ein 
Loch, (vielleicht von dem ungehinderten Fortrollen der Kugel bis ans Ende der 
Bahn); uneig. gem. überh. f. ein Fehler, Verſehen; — Pudel 4. m., -$, 
M. w. E., niederd. ein Eurzes Stück- od. Lagerfaß zum Wein; in Liefland: 
eine Schachtel aus Baumrinde (von der rundlichen Form; vergl. Butte, But— 
tel); — Pudel 5. m., -8, M. w. E., od. der Pudelhund; Verkl. das 
Pudelchen (von der dicken, vundlichen Geftalt und dem wacdelnden Gange; 
n. A. v. Pudel 1., alfo f. Pfuhlhund, Wafferhund, canis aquaticus L.), eine 
Art Eurzer, Eraushaariger od. zottiger Hunde; uneig. dichtes, Eraufes oder 
kurzgelocktes Kopfhaar, eine chem. übliche Haartraht (Pudelkopf); bair. 
eine Art Halstraufe der weibl. Perfonen (das Pudel, Halspudel); Zfep- 
pudeldid, Bw., gem. did wie ein Pudel, od. zum Pudeln dic‘, ——— 
(f- pudeln 2); die Pudelmuͤtze, eine zottige Peltzmütze; pudelnaͤrriſch, Bw., 
gem. f. im höchſten Grade närriſch, drollig, ſpaßhaft (von Pudel, oder von 
pudeln 1), wälzen); die Pudelraupe, eine Art rauher, zottiger Raupen. 

Puder, m., -$, o. M. (engl. powder; aus d. franz. poudre, u. dieſes 
aus d. lat. pulvis, pulveris verderbt) ; überh. f. Pulver, feines Mehl, daher 
niebderd. ehem. f. fein geftoßenes Gewürz; gew. in engerer Bed. feines Stärke 
mehl, womit man chem. die Haare zu beftreuen pflegte, Haarmehl, Haar: 
ftaub; — 3feg. der Puderbeutel, ein lederner Beutel, worin man den 
Puder verwahtt; der Puderblaͤſer, ein faltiger Beutel mit vorgeſpanntem 
Siebe, durch welches der Puder an das Haar geſtäubt wird; der Pudermantel, 
ein Mantel, den man beim Pudern umhängt; der puderquaſt, ein Quaſt, 
womit man ben Puder auf das Haar ſtäubt; die Puderſchachtel ꝛc.; der 
Puderzuder, fein geftoßener Zuder; auch der rohe, noch ungeläuterte braune 
gelbe Zucer, Mehl-, Sandzuder (fr. Moscovade); — Ableit. puderig, 








puff — Pulle 419 


Bw., mit Puder beftäubt; pudern, ziel. Zw., mit Puder beſtreuen oder 
beftäuben, (das Haar, ſich —). 
puff, ein Schallwort, weiches den dumpfen, groben Schall eines Falles 


od. Stoßes u. bef. den Knall eines Feuergewehrs nachahmt (vergl. paff); 


der Puff, -8, M. Püffe, (oberd, Buff, ſchwed. und engl. puff), 1) gem. 
ein dumpfer Schall od. Knall; ein mit einem ſolchen Schalle verbundener hef— 
tiger Stoß od. Schlag, bef. mit der geballten Fauſt (Püffe austheilen, bekom— 
men; einen guten Puff vertragen Eönnen, auch uneig. gem.'f. eine heftige Er: 
fhütterung u. dgl.); oberd. im Brettſpiel der Wurf, wo alle Würfel diefelbe 
Zahl zeigen; auch f. das Pufffpiel, f. u; 2) (als nachahmender Naturlaut 
ber ſchnellen ufientwidelung, des Blaſens 2c.) etwas Aufgeblafenes | Auf: 
gefhwelltes, Gedunſenes; insbef. bauſchige Theile an Kleidungsftücen, 
3. B. an den Ärmeln, aud die Puffe, M.-n (franz. pouf, engl. puffing); 
ſchweiz. ein durch Kunſt erhöheter Bufen; ein Leibchen, eine Weite; gem. fchweig. 
f. ein Rauſch (auch Buffer); 3) in Halle: das gemeine Stadtbier (vergl. d. 
engl. bub); puffen, zielloſ. u. ziel. Zw. gem., den Schall puff hören laſſen 
od. hervorbringen (das Gewehr pufft; fchlagen, dafs es pufft; mit einer Flinte 
puffen u. dgl. m.); uneig. niedr. es pufft, f. es läſſt fi) hören, es hat Nach— 


druck; einen —, ihn mit der Fauſt ftoßen od. fchlagen (oberd. buffen) ; 


oberd. auch f. einem Thiere die Haut abziehen, es fhinden, was größtentheils 
durch Fauſtſtöße gefhicht (ausbuffen); u. f. Puff fpielen; 2) (engl. puff, 
franz. bouffer; bouffir) vit. f. aufblafen,] aufſchwellen; Puffen machen, 
mit Puffen verfehen (die Urmel eines Kleides —3 f. Puff 2)5 oberd. buffen, 
büffen, f. Eräufen, pugen); — 3fes. der Puffärmel, Bauſchärmel; 
die Puffbohne, ein Gewächs mit großen Bohnen in dien, aufgeblafenen Hül- 
fen, große Bohne, Feld-, Feigbobne; das Puffbrett, Spielbrett zum Puff: 
fpiel, einem Brettfpiel, welches mit zwei Würfeln und 30 Steinen von zwei 
Spielern gefpielt wird, Pochſpielz — Ableit. der Puffer -8, wer pufft, 
Püffe giebt; ein Kleines Eurzes Schießgewehr, Sack-, Taſchenpiſtole; 
oberd. f. Schinder, auch ein ſtumpfes Meffer, defien derfelbe fich bedient 
(Buffer); niederd. eine Art großer und dider Kuchen; puffern, ziellof. Zw., 
landſch. f. wiederholt puffen; puͤffeln, ziel. Zw., ſchweiz. f. tüchtig prügeln. 

pufen, ziellof. u. ziel. Zw. (vergl. das engl. poke u. poach) niederd. f. 
Elauben, zwaden, fhaben, Fragen; auch f. Kleinigkeiten ftehlen, Kleine 
Diebereien begehen; daher die Pukerei, f. ein geringer Diebſtahl. 

Pule od. Pulle, w., M. -n, Verkl. das Pulchen, (franz. poule, lat. 
pullus), landfch. f. Huhn, Henne; der Pulhahn, f. Hahn. 

pulen, pulfen, pülfen, auch polen, ziellof. u. ziel. 3w., (engl. pull), 
nieberd. f. rupfen, zupfen, pflüden, Elauben, kneipen, zerren, zaufen; pul- 
Een aud) f. fhmerzen, brennen bef. mit einer pochenden Empfindung ; der 
Puler, -$, f. ein Klauber, mühfamer Arbeiter; pulig, Bw., woran viel 
zu Elauben ift, mäbhfam; — der Pull od. Poll, Aes, M. -e, niederd, f. 
Kopf, bef. ein Eraushaariger, Schopf; Federbufch mander Hühner. 

Pulle 1.w., M.-n, (au Bulle; hol. pull, engl. bowl; lat. am- 
pulla), niederd. gem. f. Slafche, bef. eine bauchige Flaſche od. Kanne; auch 
eine Bierfanne mit einem Klappdeckel: Puͤllkanne; pullen 1. ‚, 3w., f. aus 
ber Flaͤſche trinken, faufen; der Pullmeifter f. Säufer. 

Pulle 2. w., landſch. f. Harn; pullen 2. Zw. f. harnen. 


27% 





420 Prulroſs — Pulver 


Pulroſs, f., -e3, M. -e, landſch. eine Art Strandläufer, der Pardel. 

Puls, m., - 08, M. -e (v. d. lat. pulsus, alfo eig. Stoß, Schlag), 1) der 
Schlag der Pulsadern, Aderfchlag, bei. in der Gegend der Handwurzel; auch 
diefe Pulsader felbft in Anfehung diefer fchlagenden Bewegung (einem nach dem 
Yulfe, an den Puls fühlen, greifen, gew. ihm den Puls fühlen, auch uneig. 
f. ihn prüfen, ausforfhen; der Puls fchlägt oder geht ruhig, langfam, ges 
ſchwind 2c.); 2) landfh. f. das Glodengeläut (mittl. lat. pulsatio, pultio) 
von einer Paufe bis zur andern (einen Puls, zwei Pulfe läuten 20.); — 
3feg. v. Puls 1): die Pulsader, Schlagader (fr. Arterie) ; der Pulsmeſſer, 
od. die Pulswage, ein Werkzeug zur Meſſung der Schnelligkeit des Pulfes ; 
der Pulsfchlag, Schlag der Pulsader; — Ableit. pulfen, ein Neuw., gew. 
mit fremdartiger Endung pulfiren, ziellof. Zw., fehlagen, Elopfen, beſ. von 
dem Blute in der Pulsader. 

puͤlſchen od. pulsken, zielloſ. Zw. (vergl. palsken), niederd. © 
plätfehern, fpülen, Waffer ausgießen. 

Pult, f. (andſch. aud) m.), -e8, M. -e, Verkl. dag Pultchen, (aus d. 
lat. pulpitum zgez.; daher auch das Pulpet), ein Öeftell mit einer ſchrä— 
gen, abhängigen Fläche, um daran figend od. gew. ftehend zu arbeiten (ein 
Lofer, Schreib, Noten, Nähpult 2c.; ein Stehpult); Kriegsb. eine Art eines 
doppelten bedeckten Ganges; das Pultdach, Bauf. ein aus einer abhängigen 
Bläche beftchendes Dach, einhängiges Dad). 

Pulte, w., od. Pulten, m., niederd. f. v. w. alte (1. d.); pulterig, 
Bw., f. v. w. palterig- 

Pulver, f., -3, M. w. €. (aus d. lat. pulvis, pulveris, der Staub), 
überh. ein in Eleine Theile zerriebener od. zermalmter trodener Körper (z. B. 
Räucherpulver ꝛc.; oberd. f. zerftoßenes Gewürz); insbef. ein Arzeneimittel 
od. auch ein Gift in diefer Form (3: B. Magens, Bruft:, Abführpulver, Zahn⸗ 
pulver ꝛc.) ; auch eine auf einmal zu gebrauchende abgemeffene Gabe eines 
Urzeneipulvers (ein Pulver, zwei Pulver einnehmen ꝛc.; in diefem Sinne auch 
verkl. ein Pül verchen; einem ein Pülverchen beibringen, d. i. ein Giftpulver) ; 
in engerer Bed. das Schießpulver (Pulver und Blei; ſprichw. Fein Pulver riechen 
können, d. i. feige, des Krieges ungewohnt fein; Eeinen Schuſs Pulver werth 
fein, d. i. nicht das geringfte; er hat das Pulver nicht erfunden, d. i. er ift ein 
einfältiger Menſch); fchlef. auch f. Zunder, u. uneig. f. eine geringe, untaug— 
lihe Sache; — 3Te$. die Pulverbüchfe, =flafche, das Pulverhorn, Ges 
fäße, in welchen man Schießpulver bei fic führt; der Pulverdampf, =raud), 
der Rauch von abgebranntem Schießpulver; das Pulverfafs, die Pulvertonne, 
eine Tonne mit od. zu Schießpulver; dag Pulverhaus, der, Pulverthurm, _ 
Gebäude zur Aufbewahrung von Pulvervorräthen (fr. Pulver Magazin); das 
Pulverholz, verfchiedene Gefträuche, deren, Holz, zu Kohlen gebrannt, zum 
Schießpuloer brauchbar ift, bef. der Faulbaum; die Pulverfammer, der Raum 
in einem Schiffe, wo das Schießpulver verwahrt wird; Krſpr. der Ort. einer 
» Mine, wo das Pulver hingefest wird; auch der J—— Raum in den Feuer⸗ 
mörfern und Haubitzen, in welchen das Pulver geladen wird; derPulverfarren, 
= wagen, zweirädrige Wagen, auf welchen den Kanonen das Pulver nachge= 
fahren wird; das Pulverforn (f. Korn); das Pulvermaß, ein Maß zum Ab- 
meſſen des Schießpulvers zu einem Schufje; die Pulvermuͤhle, eine Anſtalt zur 
Bereitung von Schießpulver (vergl. Mühle); der Pulvermuͤller, Vorſteher einer 


Hummel — Pumpe 421 


Pulvermühle, Pulvermacher; die Pulverprobe, Krſpr. ein Werkzeug, bie 
Stärke und Güte des Schießpulvers zu verfuchen, der Pulverfad, ein mit 
Pulver gefüllter Sack, bef. Krſpr. folche Säde, die aus Mörſern gefchoffen wer— 
den; uneig. an Feuergewehren die Stelle hinten an der Schwanzſchraube, wo das 
Pulver die größte Gewalt ausübt; der Pulverſchwamm, mit Pulver einge: 
riebener Feuerſchwamm; die Pulverwurft, Kıfpr. ein langer, mit Pulver ges 
füllter Schlauch zur Entzündung dev Minen; — Ableit. pulvericht, Bw., 
- pulverähnlich; pulverig, Bw., Pulver enthaltend, daraus beftehend; pul- 
vern ob. plılvern, Zw. 1) ziel. in Pulver verwandeln, zu Pulver zermal- 
men (mit fremdartiger Endung: pulverifiren); mit Pulver, oberd. mit 
Gewürz betreuen; oberd. mit Schiefpulver fprengen; 2) ziellos m. haben, 
fchweiz. und oberd. f. losbrennen, ſchießen; uneig. ſich leidenfchaftlich äußern, 
heftig losziehen, zanken; pulvern auch oberd. f. Arzneipulver gebrauchen, 
einnehmen; pulverlen od. pülverlen, ziellof. 3w., oberd. und ſchweiz. nach 
Scyiefpulver, od. nad) Gewürz riechen od. ſchmecken. ar 

Pummel, m., -8, M. w. E. 1. oberd. f. Zuchtftier, Bulle; 2. nieberb. 
f. ein Eleineg Kind, ein dider Menfch (vergl. Pumpel); 3. niederd. eine Art 
Weißbrod, Semmel. 

Pummnudel, w., bair. eine Eugelförmige, mit Hefen gegohrene Mehl: 
fpeife, Dampfnudeln. 

pump, pump$, ein Naturlaut, welcher den dumpfen Schall eines fal- 
lenden ſchweren Körpers nahahmt; der Pump od. Pumps, -es, M. -e, 
gem. 1) ein folcher dumpfer Schall; Pumps inebef. f. eine hörbar abgehende 
Blähung; 2) Pump, niederd. f. Stößel, Stampfer; 3) ein plumper, gro: 
ber Menſch (oberd. Pumpf); 4) oberd. u. Studentenfpr. f. Borg (etwas auf 
Pump nehmen; |. pumpen 1.75 pumpgrob (od. pumpfgrob), Bw., bair. f. 
fehr grob; die Pumphofe, landſch. gem. f. Pluderhofe; der Pumpftiefel, 
gem. f. plumpe weite Stiefel; — pumpen 1. od. puntpfen, ziellof. u. ziel. 
Zw. 1) gem. f. einen dumpfen Schall hören laſſen od. hervorbringen ; mit 
einem folchen Schall Fallen od. ſchlagen (oberd. pumfen); 2) oberd. und 
Studentenfpr. f. borgen (etwas—, einen anpumpen, wahrfc. uneig. wie: 
bei Semand anklopfen); — Ableit. der Dumpel, Pümpel, -$, M. mw. E., 
landſch. gem. f. ein dies, Furzes Ding; ein dicker, plumper Menfc) ; nie— 
derd. f. Stößel, Stampfer; pumpeln, niederd. 8w. f. ffampfen, im Mör— 
fer ftoßen; pumpern (vergl. pampern) ziellof. Zw., das Veröfterungswort 
v. pumpen, gem. wiederholt od. anhaltend dumpf fchallen, od. durch Stoßen, 
Klopfen zc. ein dumpfes Getöfe hervorbringen ; der Pumperer od. Pumper, 
-8, ein folher Schall; die Pumpermette, in der kathol. Kirche die Metten 
in der Charwoche, in welcher man ftatt des Glockengeläutes mit hölzernen Klap— 
pern pumpert, auch: Poltermeffes der Wumpermittwoch, bair. f. Mitt- 
woch in der Charwochez der Pumpernickel 1., -$, bair. ein Eleines dickes 
Kind; aud) ein altes Volkslied. j 

Pumpe, wi, M.-n, (andſch. gem. auch Prumpe; ſchwed. und engl. 
pump3 ital. pompa, franz. pompe, böhm. pumpaz von dem Schallw. 
pump, ‘od. dem niederd. Pump f. Stößel, Stämpfel?), eine Mafchine, welche 
dazu dient, durch Auf- und Niederdrücen eines in einer Röhre befindlichen Kol— 
bens eine Flüffigkeit, bef. Waſſer, in die Höhe zu ziehen, Mafferpumpe, 
Pumpbrunnen; ſ. auch Schiffpumpe, Luftpumpe; an Windbüchſen: die Röhre, 


1 


422 | Pumpermette — Punkt 


durch welche bie Luft in die Kugel oder den Kolben der Büchfe gepumpt wird; 
pumpen ?2., ziellof. und ziel. Zw. (landfch. gem. plumpen), die Pumpe in 
Bewegung fegen, u. dadurch eine Flüffigkeit in die Höhe heben od. aus einem 
Ranme ſchaffen (Waffer aus dem Schiffe, die Luft aus einem Raume —); — 
Z ſetz. v. Pumpe: der Pumpenbohrer, ein Bohrer zum Bohren ber Brunnen 
röhren z landſch. auch f. Pumpenmacher; das Pumpenfeuer, ein Luftfeuer, 
welches wie das Waſſer aus einer Pumpe herausfährt; dag Pumpengeſenk, 
Bergw. ein GefenE zu einer Pumpe, eine od. zwei Fahrten tief ; eine tiefere 
Grube der Art Heißt ein Pumvenfchacht; ver Pumpenkaſten, der hölzerne 
Verfchlag, in welchem eine Pumpe ftcht; der Pumpenmacher, Brunnen 
macher, Röhrmeifter; der Pumpenfchub, das Holz an dem Pumpenfchwengel; 
auch f. Pumpenfauger; der Pumpenfchwengel, der Schwengel (f. d.) an 
einer Wafforpumpe ; der Pumpenfood, = pott od. = topf, Schiff. der niedrigfte 
Raum im Schiffe, wo die Pumpen ſtehen; die Pumpenſtange, die eiferne 
Stange, an welcher der Pumpenfauger befeftigt iftz der Pumpenſtock, die 
Pumpenröhres das Pumpenwerk od. Pumpwerk, ſ. Saugwerk. 

Pumpermette, pumpern, Pumpernickel 1. f. unter pump. 

Pumpernidel 2. m., -8, 0. M. (angeblich entft. aus den Worten eines 
Srangofen: „bon pour Nickel,” gut für Nidel, d. i. für den Knecht, oder das 
Pferd?), Benennung des groben weſtphäl. Schwarzbrodes, welches aus zweis 
mal gefchrotenem und nicht gefiebtem Roggen gebaden wird, in Wejtphalen ferbft 
nur grobes Brod genannt. 

Pumphofe, Pumps, pumpfen, ſ. unter pump; — Punct, f. Punkt. 

Pund od. Punt, m., -es, M. -e (au Bunten;z altd. phundz franz. 
bondom), ſchweiz. f. Spund. 

Pune, w., M.-n, (auch Pue;z vergl. d. lat. pus, griech. nvov, Eiter), 
niederd. f. Blutgeſchwür. e 

Pung od. Punge, m., -en, M. -en, auch) der Pungel, -8, M. mw. E. 
(ſchwed. u. dan. bung, pung; mittl. lat, punga, puncha, pochia; daher 
frang. poche, engl. pocket, Taſche; verw. mit parken (f. d.), lat. pango ıc.), 
niederd. f. Bündel, Pad, voller Beutel od. Sad; pungeln, ziellof. Zw., 
nieberd. f. einen f[hweren Pad tragen, . 

Punkt, m., -e8, M. -e, Verkl. das Pünktchen, (v. dem lat. punc- 
tum v. pungere, ftechen; franz. pointz niederd. Punt, Spige), eig. ein 
Stich mit einer feinen Spite (niederd. Prick); daher 1) gew. ein Fleiner Fleck, 
bef. ein mit der Feder u. dgl. gemachter Eleiner Fleck (oberd. Tüpfel, niederd. 
Zippel, Stippe), z. B. ber Punkt Über dem i; in dev hebr. Schrift die Vocal— 
Zeichen, welche über und unter die Gonfenanten gefegt werden (eine Bibel mit 
Punkten); insbef. dag Unterfcheidungszeichen, welches das Ende eines Satzes 
bezeichnet (dev Schlufspunkt), und auch bei einem abgefürzten Worte fteht 
(Abkürzungspunkt); uneig. ein vollftändiger Sag einer Nede, weil er am 
Schluſſe mit einem Punkte bezeichnet wird; in weiterer Anwendung : jeder bes 
ſtimmte Abfchnitt, Theil, Umftand, jede einzelne Beftimmung einer Schrift, 
Verhandlung u. überh. jeder Sache (die Punkte eines Vertrags; die Hauptpunfte, 
Nebenpunkte einer Echrift, des chriſtl. Glaubens 2c.; einen Punkt berühren; 
über einen Punkt ſtreitig fein; er ift im Punkt der Ehre empfindlich 2c.); 2) ein 
fehr Eleiner, den Sinnen kaum bemerfbarer Raumtheil (es fehlt kein Pünkt— 
hen daran, eö trifit auf den Punkt zu, d. ti. ganz genau); Größent. Anfang 











Puns — Puppe 423 


und Ende einer Linie, ohne alle Ausdehnung gedacht (ber Anfangs-, Endpunft) ; 
überh. ein genau beftimmter Ort im Raume (Stand-, Ruhepunkt; Mittels, 
Schwer, Scheitelpunft 2c.); auch ein beſtimmter Eleinfter Zeittheil (Zeitpuntt ; 
es ift auf den Punkt zwölf Uhr, od. bloß: es ift Punkt zwölf, d. i. genau zwölf; 
auf dem Punkt fein, etwas zu thun, d. i. im Begriff fein); — 3feß. ber 
Punktfarn, eine Gattung Zarnkräuter, deren Befruchtungstheile in Punkten 
auf der unteren Fläche der Blätter figen, Tüpfelfarn; die Punktkoralle, mit 
zarten Punkten verfehene Korallen; der Punktſtein, Körnerftein, Granit ; das 
Punktthier od. =thierchen, fehr Eleine, nur durch Vergrößerungsgläfer ſicht⸗ 
bare Thiere, die im Waffer leben, auch: der Punftwurm; punftweife, 
Nw., in Punkten, Punkt für Punkt d. i. den einzelnen Sägen oder Beſtim⸗ 
mungen nad); — Ableit. pünftlic), Bw. u. Nw., auf den Punkt od. nad) 
allen Punkten, fehr genau, vollfommen regelmäßig (es trifft pünktlich zu; 
einen Vertrag pünktlich haltenz pünktlich anfangen, d. i. genau zu ber beftimms 
ten Zeit; ein pünktlicher Mann, d. i. der fid) genau an Zeit u. Ordnung bindet) ; 
die Pünktlichkeit, das Pünktlichſein, die Genauigkeit, ftrenge Ordnung ; 
punkten, od. gew. mit fremdartiger Endung punftiren, ziel. 3w., etwas-—, 
mit Punkten verfehen (z. B. hebräifche Schrift; die Haut —, mit Punkten 
zeichnen, bemalen; Heilk. einem Wafferfüchtigen Stiche in die Haut machen, um 
das Waffer abzuzapfen); durch Punkte darftellen od. machen (einen Kupfer 
ftih — ; ein Blatt in punktirter Manier zc.); in der Sterndeuterei: verborgene 
Dinge durdy gemachte Punkte erforfchen (auspunftiren); das Punftir- 
rad, ein mit feinen Spigen verfehenes, an einem Stiele bewegliches Rädchen, 
womit man eine Linie durch Punfte andeutet. 

Puns od. Punz, m., -e8, M. -e, nicderd. f. Haarneftel, Haargeflecht. 

Punſch, m., -es, M. (nur von mehren Arten) -e, (v. dem engl. punch, 
welches aus dem indifchen panscha, perfifch pendsch, fünf, ftammen fo, 
wegen der 5 Beftandtheile), ein urfpr. oftind., aus Arak od. Rum, Zitronen: 
faft; Zuder und Waffer, auch wohl mit Thee, bereitetes Getränk, ſowohl 
Kalt, ald gew. warmz daher: der Punfchbecher, das Punfchglas, der 
Punfchlöffel, der Punfchnapf 2c.; der Punfchgeift, ein geiftiger Auszug 
aus den Stoffen, woraus Punfch bereitet wird (fr. Punſch-Extract od. -Eſſenz); 
das Punfchpulver, ein Pulver, welches die Hauptbeftandtheile des Punfches 


“enthält, punfchen, ziellof. Zw., Punſch trinken. 


Punz, m. 1., -es, M. -e, ſ. Puns; 2. -en, M. -en (auch der 
Punzen, Panz, Panzen, Ponz), bair. ein Faß, bef. als beftimmtes Maß. 
Punzen, m., -$, M. mw. E., f. Bunzen. 
Pup, m., — es (vergl. Pumps), niederd. gem. f. eine hörbar abgehende 
Blähung; pupen, ziellof. Zw., f. Blähungen ftreichen laſſen; feine Noth: 


durft verrichten. 


Pupin, m., -e3, M.-e (engl. puflin), eine Art Mewe mit rothen 
Patſchfüßen auf der Infel Man, Erdmewe. 

Puppe, w., M.-n, Verkl. das Püppchen, (ſchwed. puppa, engl. 
puppet, baby; lat. u. ital. pupa, franz. poupée; verw. mit Bube?) 1) ein 
Eleines Kind, bef. Eleines Mädchen, nur als Schmeichelwort; gew. das nachs 


‚gemachte Körperliche Bild eines Kindes, als Spielwerk für Eleine Mädchen, 


oberd. eine Docke; auch bewegliche und bekleidete Menfchenfiguren zum Pup: 
penfpiel (f. u.); 2) in weiterer uneig. Bed. eine walzenförmige Maffe, 3. 8. 


424 puppern — Purpur 


landſch. f. Schilf⸗ oder Rohrkolben; Fiſch. ein fenkrecht auf dem Waſſer ſchwim⸗ 
mendes Holz od. Binſenbüſchel, woran der Köder befeſtigt iſt; bei Seidenwebern 
ein Bündel dünner Bindfaden am Kegelſtuhle, u. dal. m.; insbeſ. die walzen⸗ 
oder eiförmige Schale, in welche die Haut der Raupe od. Larve fich ver 
wandelt, und aus welcher fpäter das völlig ausgebildete geflügelte Infect auss 


kriecht; auch das Geidengefpinft oder = gehäufe, in welchem ficy die Puppe der - 


Seidenraupe befindet (fr. Gocon); — 3fes. der Puppenfram, kleiner Handel 
mit Kinderpuppen und ähnlichen Spielwaarenz auc) f. v. w. Puppenzeug; der 
Puppenkraͤmer, die Puppenfrämerinn; der Puppenraͤuber, ein. gold- 
grünlich glängender Käfer, welcher die Puppen der Infecten frifft; das Pup— 
penfpiel, ein Schaufpiel mit beweglichen Figuren, die an Fäden oder Dräthen 
gelenkt werden, ftatt der handelnden Perfonen (fr. Marionetten); uneig. eine 
Eindifche,, Eleinliche Befchäftigung ; der Wuppenfpieler, wer Puppenfpiele aufs 
führt; der Puppenſtand, der Zuftand eines Inſects als Pupre; das Pup: 
penzeug, Kinderpuppen nebft Zubehör ; insbe. Kleidungsftüde für Puppen; — 
Ableit. puppen, 3w., 1) ziellos mit haben, Landfch. f. Puppen machen; 
mit der Puppe fpielen; 2) ziel., landſch. f. einhüllen, wideln, windeln; 
ſich in eine (Infecten:) Puppe verwandeln (nur: fich ein= od. verpuppen); 
Fiſch. mittelft des an der Puppe (f. 0.) befeftigten Köders fangen. b 

puppern, ziellof. Zw. m. haben, (oberd. poppern, pfopfern), gem. f. 
ſich ſchnell und oft wiederholt hin und her bewegen, zittern, beben, lebhaft 
Elopfen (3. B. dad Herz puppert); pupperig, Bw., gem. f. übermäßig 
beweglich. 

pur, Bw. (e. d. lat. purus), gem. f. rein, unvermifcht, unverfälfcht, 
Elar, lauter (pures Wafferz die pure Wahrheit); niederd. auch als Nw. f. ganz 
und gar, durchaus (z. B. es it pur aus). Inn 

Puͤrdel, m., -8, M. w. E., landſch. f. Schmiedehammer. 


- 


Purpeln, die, o. €. (engl. purples, das Scarlachfieber, von purple, 


Purpur), landſch. f. die Mafern, Rötheln. 

Purpur, m., -$, o. M. (franz. pourpre, engl. purple; v. lat. pur- 
pura, griech. roopüor, daher auch im Altd. weibl.), eine hochrothe, an das 
Violette grenzende Farbe, im Alterthum aus dem Safte der Purpurfchnede 
bereitet u. ſehr koſtbar, jest aus der amerikan. Scharlachſchildlaus (fr. Coche— 
nille) bereitet; in weiterer Bed., bef. dicht. f. jede hochrothe Farbe (der Purpur 
des Himmels, der Wangen, der Lippen 2c.); auch f. purpurfarbene Gewänder, 
bef. ein purpurfarbener Mantel als Zeichen Eöniglicher Würde und Macht; in 
engerer Bed. das purpurfarbene Gewand der Gardinäle (mit dem Purpur be— 
Eleiten); — 3fes. die Purpurammer, eine Axt purpurfarbener Ammern in 
Meriko; die Purpurblume, eine Art Feder= Aloe in Nordamerika; dev Pure 
purbraffen, eine Art Braffen mit purpurfarbigen Schuppen; die Purpurs 
dohle, eine Art Dohlen, das Männdyen purpurfarbig, das Weibchen dunkel⸗ 
braun; die Purpurfarbe; daher purpurfarben, purpurfarbig, Bw., ſ. 


v. w. purpurroth, purpurn; das Purpurgewand, Purpurkleid; das Pur⸗ 


purhuhn, ein prächtiger Waſſervogel in Südaſien; der Purpurhut, ein pur— 


purrother Hut, dergleichen die Cardinäle tragen; der Purpurklepper, eine 


Art purpurfarbiger Dickſchnäbler; die Purpurklette, eine purpurfarbige Baum— 
klette in Virginien; das Purpurkoͤpfchen ‚ eine Art Baumkletten mit ˖ purpur⸗ 
farbigem Kopfe in Indien; auch eine Art wilder Enten; der Purpurmantel, 


se u u 2 — 


purren — put 425 


ein purpurfarbener Mantel, als Zeichen der höchſten Würde; die Purpurmotte, 
ein purpurfarbener Nachtfalter; purpurroth, Bw.; die Purpurröthe; die 
Yurpurfchnede, verfchiedene Schnedenarten, deren Saft purpurroth färbt; 
insbef. die echte Purpurfchnede, von welcher im Alterthum der Purpur 
bereitet wurde; der Pılrpurvogel, 1) ſ. v. w. Purpurklette; 2) eine Art 
vierzehiger bunter Vögel mit kahler, purpurrother Stirn in Dftindien u. Ame— 
vita; — Ableit. purpurifch, Bw., dicht. Neuw. f. purpurähnlicy, pur: 
purroth ; purpurn od. purpern, Bw., purpurfarbig; von purpurfarbenem 
Stoffe (ein purpurnes Gewand); purpuen od. purpern, ziel. Zw., dicht. 
Neuw. f. purpurroth färben; rüdz. ſich —, purpurcoth werden (die Wange 
purpurt fich u. dgl.). 

purren 1. ziellof. Zw. (ein Schallw.; auch burren, pfurren), -oberd. f. 
brummen, braufen, Enurren, ſchnarren; — 2. ziellos u. ziel. (holl. porren), 
niederd. f. Elauben, mit einem fpigen Dinge in etwas wühlen; ſchüren, auf: 
rühren; zerren, anregen, reizen; Schiff. die zur Ablöfung der Wache beftimme 
ten Matrofen aufweden. ; 
Purren, m., -8, M. w. E., landfch. f. ein großes Stück (4: B. Brod). 

Puͤrſch, pürfhen, T. birfchen. 

Nurzel od. Pürzel, purzeln, pürzeln, Purzelbaum, ſ. Bürzel ıc. 

Pufe, Puſekatze, ſ. Buſe; daher pufeln, ziel. Zw., niederd. die Kage 
ſtreicheln, überh. ſtreicheln, liebkoſen; das Puͤsken, -8, niederd. f. Moll 


gras, MWiefenwolle. 


puffeln (mit ſanft gefprochenem ff), ziellof. Zw. (vergl. päſſeln), landſch. 
f. fehr beweglich und gefchäftig fein, ohne viel auszurichten. 

puflen, ziel. Zw. (auch poffenz oberd. buffenz ſchwed. pussa; engl. 
buss) landſch. gem. f. Füffen; dev Puſs, od. das Puffel, f. Kufs. . 

Puftel, w., M. -n (v. d. lat. pustula), Higbläschen,. Eiterbläschen, 
Finnen auf der Haut. 

püften, zielloſ. u. ziel. Sw. (dän. puuste, ſchwed. pusta; vergl. baufchen, 
baufen, griech. gvoar), niederd. u. ſchweiz. f. blafen, ſtark hauchen, ſchnaufen; 
die Puſtblume f. der Löwenzahn, deſſen gefiederter Samen fich leicht abblaſen 
läſſt; das Puſtrohr, f. Blaſerohr; — der Püfter, -8, M. w. E., f. ein 
kleiner Blafebalg;z auch ein Blaſerohr; der Bofiſt; puͤſterflicken, niederd. 
Zw., eig. Blaſebälge flicken, überh. ſchadhafte Dinge ausbeſſern ; uneig. an ſich 
ſelbſt gleichſam flicken, beſtändig Arznei nehmen; der Puͤſterich, - e8,, M. -e, 
landſch. f. Blaſebalg; Namen eines altnordifchen Gögenbildes; püftern, 
ziellof. u. ziel. Zw., f..den Blafebalg gebrauchen; das Feuer damit anfa= 
hen; — puftern, zielloſ. Zw., f. flüftern, ins Ohr raunen; puſtig, Bw., 
f. von Luft aufgeblafen, überh. gedunfen, geſchwollen, rundlich, fieiſchig; 
auch vor Matttigkeit ſtohnend, unpäfstich. BERN 

put od. putt, in der Volkefpr. das Lockwort, womit man die Hühner, 
bef. die Truthühner, ruft (die Stimme der Jungen nachahmend) ; daher die 
Pute 1.M. -n, das Puthuhn, niederd. f. das Truthuhn, wälfche Huhn; 
uneig. gem. f. eine dumme weibl. Perſon; Puthuhn u. beſ. verkl. Putz 
Hühnchen, in der Kinderfpr. auch f. Huhn, "Bühnen; der Puter, -8, M, 
w. E., Puthahn, Puterhahn, f. Truthahn, wälfcher Hahnz — daher: 
der Puten= od. Puterbraten; der Putenjunge, das Putenmädchen; 
der Putenjunfer, gem. verächtl. ein einfältiger Landjunker; die Puten- 


426 Pute — pußen 


zucht 20.5; — putern, zieltof. u. ziel. Zw., nieberd. f. geſchwind und uns 
deutlich reden, auch dabei mit dem Speichel fpruteln; ſchwäb. f. fchelten. 

Pute 2. od. Putje, w., M. -n, (engl. powr), niederd. f. Schlammbeißer, 
ein Fiſch. 

„_ Püte, w., M. -n, in Salzfiedereien die von den Salzkörben abtriefenden 
Zaden od. Pfeifen. 

Puter, Puthahn ꝛc. f. unter put. 

putjen, niederd. Zw. 1) ziellos, f. v. w. padjen (f. unter Pad); 2) ziel. f. 
zur Eile antreiben, forthegen, aufhegen. 

Puͤtſche, w., M. -n (verw. mit Butte), oberd. ein Eleines Faſs als 
Salzmaß. 

putfchen od. pütfchen, zieliof. und ziel. Zw. (much butfchen , bütfchen ; 
wahrſch. v. d. Naturlaut putfch, f. v. w. patfch; vergl. d. engl. butt, push, 
franz. pousser) oberd. u. fchweiz. f. floßen (mit dem Kopfe, mit den Hör- 
nern 2c.) ; anftoßen (mit den Gtäfern); anprallen, anfchlagen (vom Waffer). 

Putte od. Pütte, fv., M. -n, nieverd. 1) f. Pfüse (f. d.), Goffe, 
Rinne, 2) ein Ziehbrunnen (hol. put, lat. puteus, franz. puits); 3) im 
Deihbau eine Grube, aus welcher die Erde ausgeftochen iſt; auch das Maß, 
nad welchem diefe Erde berechnet wird; putten, püften, 8w., niederd. 
1) Waffer aus einem Ziehbrunnen fchöpfen, überh. f. ſchöpfen (franz. puiser); 
2) Erde zur Deicharbeit ausgraben. 

Putting, w., M. -en, Schiff. diejenigen großen, ſchweren Kettenglie: 
der, welche ſich zu unterft an den Wandtauen befinden. 

Pus 1. f. unter pusen; — Puh 2. m., -e8,-M. -e, od. die Puße, 
M.-n, niederd. f. Poffe, Iuftiger, loſer Streich; daher der Pusenmacher, 
f. wer Poffen, Iuftige Streiche ꝛc. macht; putzig, Bw., f. noffierlich, drollig. 

Pübe, w., M.-n (w. putten, pütten, f. d.), Schiff. f. Waffereimer, 
Schopfeimer. 

Putzel, m., -$, Bad. der in Geftalt Eleiner Klöße aufberwahrte Sauer: 
teig (vergl. d. oberd. Bugen, Bozen, Bauzen, d. i. Klümpchen, Enollige Teigform). 

Putzen, m., -$, M. w. E., ſ. Buß, Busen; insbef. Hüttenw. ein 
Klumpen zufammengpfinterten Erzes. 


putzen, ziel: Zw. (ſchwed. putsa; urfpr. wahrſch. fehneiden, ſtutzen; vergl. 


Buß, und das latein. putare, befchneiden, pugen, amputare zc.) 1) durch 
Wegſchneiden oder überh. Megnehmen des Schäblichen, Überflüffigen oder 
dem Auge Mifsfälligen reinigen, fäubern (Bäume, den Bart—; das Licht —, 
die überflüffige Schnuppe wegnehmen, damit es heller brenne; die Nafe—, 
ſ. v. w. ſchnauben, fehneuzen) ; ſchweiz. f. fehneiden, verfchneiden (bef. ein 
Schwein—), in weiterer Bed. f. tödten, umbringen; entkräften, befiegen 
(daher uneig. gem. den Feind pugen, d. i. ihm großen Abbruch thun); einen—, 
gem. f. ihm einen derben Verweis geben; 2) einer Sache od. Perfon auf irgend 
eine Weife ein angenehmes, zierliches Anfehen geben, finnv. verfchönern, 

glänzend machen, blänken (Schuhe, Stiefel; Sitbergefhier, ein Gewehr 
u. dal.; bie Vögel pugen fich, wenn fie mit dem Schnabel ihre Federn ftreichen) ; 
insbef. die Mauer, ein Haus .—, d. i. mit Kalt bemwerfen und bvenfelben 
ebnen; einen od. ſich —, mit reinen und zierlichen Kleidern fhmüden 
(eine gepugte Dame 2c.) ; — der Puß, -es, o. M., das Putzen (jest geht der 


Yug an); das Gepugtfein, finno. Staat (im ſchönſten Pug erfcheinen) ; was 


| 
| 


putzig — Quad 427 


zum Putzen dient, daher Maur. der Kalküberwurf an den Wänden ; bef. zier— 
liche Kleidungsftüde und Nebenzierathen, als Spigen, Bänder u. dgl., zum 
Pus= Anzug, verfh. Schmud; — 3fep. v. Pug: der Pußhandel, Handel 
mit Pugwaaren ; der Pushandler, die Pughändlerinn; die Putzhand— 
lung, der Putzladen 2c.; der Pußfopf, f. v. w. Haubenkopf; die Puß- 
macherinn, eine weibl. Perfon, welche Kleiderputz, bef. Hauben, Damenhüte 
u. dgl. macht; die Pußfchachtel, Schachtel zur Aufbewahrung von Pugfachen; 
die Putzwaare 20.5; — von pugen: das Puseifen, Maur. ein beim Ab— 
pugen gebrauchtes gebogenes Eifen; das Putzgemach, zimmer, die Pub- 
ftube, 1) ein Zimmer, in welchem man fich anpugt; 2) ein gepugtes, ausge— 
ſchmücktes Zimmer, Staats-, Beſuchzimmer; das Putzholz, Schuhm. ein 
Holz zum Glätten der Abfäge; das Putzmeſſer, niederd. f. Bart-, Scher— 
meſſer; der Putznarr, die Putznaͤrrinn, tadelnd, wer übertriebene Neigung 
hat, ſich zu pugen; die Putzſchere, Lichtpuge, Lichtfchere; die Putzſucht; 
pusfüchtig, Bw. ; der Pußtifch, ein Tiſch, an welchem man ſich pust (fr. 
Toilette); die Pußzange, eine Zange der Seidenweber zum Abkneipen ber 
Faſern; das Putzzeug, Pubgeräth, alles was zum Putzen dient; — Ableit. 
von pugen: die Putze, M.-n, ein Werkzeug zum Pusen (nur in: Licht: 
puse); auch f. Schnuppe; der Pußer, -$, wer etwas pußt (bef. in Zſetz. 
wie Stiefel, Bartpuser 2c.); uneig. gem. ein derber Verweis; puͤtzeln, ziellof. 
u. rückz. Zw., ſchweiz. f. gern pugen; fich übermäßig pugen. 

pußig, Bw., f. unter Pu. 

Puzen, m., -8, M. w. E., Buchdr. der Fleck, der beim Abdrud eines 
Bogens durch einen unreinen Buchſtaben entfteht. 





Q. 


O, ber ſiebzehnte Buchftabe des ABC, ein Mitl., welcher ganz den Laut 
des K (1. d.) hat, und (fchon im Goth. u. Altd.) die Stelle des K nur da vertritt, 
wo ber Laut w darauf folgt, welcher jedoch dann nicht durch w, fondern dur u 
ausgedrückt wird. Das q ſteht mithin nie für fich allein, fondern immer 
mit nahfolgendem u, u. qu, welches nur im Anfang einer Silbe u. vor 
einem Setbftl. jtehen Eann, lautet wie Ew, 5. B. Dual, Quelle, Quitte. In 
einigen Wörtern wechfelt qu mit € (z.B. queman, Eommen), oder mit w 
G. B. quabbein und wabbeln); in andern wechfelt q mit t (d), 3 (3: B. quer, 
alt. duerah, mitteld. twerch, zwerch; Quehle u. Dwehle od. Twehle). 

Quaal, f. Dual. 

Duabbe 1. w., M.-n, f. Quappe; — die Quabbe 2. od. Quabbel, 

.n, (holl. quab) niederd. f. die Wamme des Rindviehs; auch f. hervor⸗ 
ragendes Fett, fettes Fleiſch; die Quaͤbbe od. Quebbe, M.-n, meklenb. 
eine moorige, ſumpfige Stelle; quabbeln, zielloſ. 3w. m. haben, niederd. 
ſich zitternd od. ſchlotternd hin und her bewegen, auch wabbeln, ſchwappen, 
ſchwappeln (von Fett, von gallertartigen Körpern, moorigem Land ze.) 3 
‚ quabbelig, Bw., (engl. squab), leicht quabbeind, ſehr fett und weich, 
ſchlotterig (ein quebbeliger Bauch zc.). 

Quad, m., (d. quech, qui, f. d. u. vergl. Küchen), oberd. f. Küchlein, 


428 Quackel — quaf 


in dem zgeſ. Neftquad, ſ. v. w. Neftüchen (f. d.); auch f. dad letztgeborene 
Kind (ver. das Quadeldhen). 

Duadel, w., M. -n, niederd. f. Machtel. ‚ale 

quadeln, zieltof. Zw. m. haben, (Nebenform von wadeln, ſ. d.; ſchwed. 
hweka, angelf. cwacian, engl. quake, zittern), niederd. f. wadeln; bef. 
uneig. f. wanfelmüthig, unbeftändig fein, leichtfinmig, unbedachtfam reden ° 
u. handeln (holl. quakken, quakkelen); bef. etwas v.erquadeln, f. ver 
tändeln, Leichtfinnig verthun; auch f. ſchwatzen; die Duadelei, f. Wankel- 
muth, Unzuverläffigkeit; Tändelei; der Duadeler, Quackler, -8, f. ein 
leichtfinniger, unbeftändiger Menfch, auch f. Schwäger zquackelig od. qua- 
‚Eelhaft, Bw., f. leichtfinnig, unzuverläffig ; Eindifch tändelnd. 

Quackenkraut, f., landſch. f. Zaunmwinde, große Winde. 

Duadfalber, m., —s, M. w. E., die Duadjalberinn, M. -en, 
(engl. quack, quacksalver: ſchwed. quacksalvare; von quafen, quäken, 
engl. quack, fehreien, u. Salbe, alfo: der feine Salben laut anpreift), ein 
Nfufcher in der Heilkunſt, Marktſchreier; uneig. verächtl. ein ungeſchickter 
u. zugleich prahlhafter Arzt; quadfalbern, untrb. ziellof. Zw. m. Haben, 
ein Duadfalber fein u. als folcher die Heilfunft üben (preuß. bloß: quadelm, 
engl. quack); die Duadfalberei, M. -en, das Quadfalbern; Behandlung 
und Heilmittel eines Quackſalbers. 

quad od. quaad, Bw. (landfch. auch quadlig, quadſchz holl. quadt; celt. 
gwaeth; vergl. das engl. bad) niederd. f. böfe, übel, ſchlimm; quadartig, 
Bw., f. boshaft, bösmtig, argliftig; die Duadheit, f. Bosheit; Unwillen, 
Zorn, Haſs; die Quadpogge (f. Pogge), nicderh. f. Kröte. - 

Duaddel, w., M.-n, (and Awiddel, hamburg. Auarl), niederd. f. 
Blatter, Neffelbrand, rother Fleck auf der Haut von einem Stiche u. dgl. 

Duadder, f., niederd. f. Queder, 1. d. 

quaddern, zielloſ. u. ziel. Zw., niederd. f. quatfchen; manfchen, kneten; 
brandenb. f. plappern, fehnattern. 

Duader, m., -&, M. w. E., od. der Quaderftein, das Quaderſtuͤck, 
au) die Quader, HM. -n (vom latein. quadrus, a, um, vieredig ; quadra, 
ein viereckiges Stück od. Ding), ein vieredig zugehauener Bruchſtein. 

quak, ein Naturiaut, welcher das Schreien des Froſches nachahmt (Sriech. 
#008); daher quaken, zielloſ. Zw. (landſch. auch quackſen, quarren; engl. 
quack; lat. coaxare), den Laut quak hören laſſen (dev Froſch quakt); auch 
von dem ähnlichen Geſchrei der Enten; niederd. auch f. ächzen, ſtöhnen, krei— 
ſchen, ſchreien; die Quakente, eine Art beſtändig ſchreiender Enten, auch 
Quaker⸗, Klang-, Schallente, Schreier 2. genannt; die Quakkroͤte, eine 
Art großer Kröten in Surinam; der Quakreiher, eine Art Reiher, welcher 
Nachts mit rauher Stimme ſchreit, Nachtreiher, Nachtrabe; der Quaker, -8, 
wer quakt, ein quakendes Thier, Froſch; auch eine herzförmige Venus— 
muſchel; — quakeln, zielloſ. Zw., das verkl. quaken, einen dem Quaken 
ähnlichen Laut von ſich geben; auch gem. f. kindiſch plaudern, plappern (vergt. 
quackeln); der Duakler, -$, wer quafelt; — quaͤken, ziellof. zw., (vergl. _ 
quieken), einen dem Quaken ähnlichen, aber feineren u. helleren Laut von 
ſich geben, Jäg. bef. von dem Schreien des Fuchſes; gem. mit widerlich ſchar⸗ 
fer Stimme fehreien, weinen, od. fingen; der Quäfer 1., -8, wer quäkt, 


— 


* 





Quakelbeere — Qualm . 429 


ein quäßendes Thierz insbef. eine Finken Art, auch der Quaͤkfink, Berg-, 
Schneefink zc. genannt ; die Quäferei, gem. das Quäken. 

Duakelbeere, w., weftphät. f, Wachholderbeere ; der Quakelbuſch, f.. 
Wachholderſtrauch. | 

quafeln, quafen, quäfen, Quaͤker 1. f. unter qua. 

Quaͤker 2. 00. Duafer, -8, M. w. E., die Quaͤkerinn, M. -en, 
(engl. quaker, v. quake, zittern, alfo eig. Zifterer, daher engl. aud) trem- 
blers genannt), Anhänger der von Johann For 1650 in England geftifteten 
Religionsgefellfchaft, weiche fich göttticher Eingebungen rühmen, wobei fie in ein 
heftiges Zittern gerathen ; daher: die Duäfergemeinte, Duäfergefellichaft ; 


der Quaͤkerglauben; quäferifch, Bw., dem Lehrbegriff und den Sitten 


der Duäfer gemäß. 

Dual, w., M. -en, (altd. quala, v. dem alt). ablaut. Zw. quelan, 
Schmerz leiden; Praes. quilu, mittelh, kil, Impf. qual, kal, Part. quolan, 
quoln; isländ. quöl, ſchwed. qwalz; vergl. das angelf. cvealm, cvilm, Tod, 
evellan, engl. kill, tödtenz; u. das altd. u. fehwed. wal, Tod, Mord; f. auch 


Qualm), heftiger, anhaltender Schmerz des Leibes oder der Seele, u. daß 


was Schmerz od. anhaltende Befchwerde verurſacht, ſinnv. Pein, Plage, 
Marter (Qual empfinden, leiden; einem alle Qualen anthun; es ift mir eine 


Dual ꝛc.); qualvoll od. qualenvoll, Bw., voll Qual, viel Qual verurfahend 


od. empfindend, mit vieler Qual verbunden (ein qualvolles Leben); — quälen, 
ziel. Zw. (altd. queljan, quelan, quelen, bloß umend.; fchwed. qwalja), 
einen-, ihm Qual anthun, verurfachen, ſinnv. peinigen, martern 
(Shiere— ; von Furcht, Angft ꝛc. gequält werden) ; in weiterer Bed. große 
Befchwerde, Laſt, Anfttengung verurfachen (einen od. fich mit einer Arbeit, 
mit Vorwürfen, Sorgen, Gedanken zc.—); gem. bef. f. mit Bitten beläftigen, 
anhaltend und dringend bitten (die Kinder quälten mich, es ihnen zu erlau— 
benag.); der Duälgeift, Quälteufel, ſ. v. w. Plagegeift, f. d.5 der Quäs 


ler, -8, die Quälerinn, M. -en, wer Andere quält (z. B. Thierquäler) z 


= 


die Duälerei, das öftere od. anhaltende Quälen ; etwasQuälendes (M. Quä— 
Yereien), bef. eine befchwertiche, mühfame Arbeit, große Anftrengung u. dal. 

Dual, m., -e8, 0. M. (v. quellen ſ. d.), vlt. f. das Quellen, die Kraft 
u. der Trieb des Hervorquellens; ein hervorquellendes Maffer. 

Dualle, w., M.-n, (Holl. Schleim, Rotz; vergl. Qualſter), gallertar: 
tige Seethiere, einem Klumpen zähen Schleimes ähnelnd (Medusa L.)z; das 
Duallenboot, eine ungenabelte Schnirkelſchnecke, welche die Behaufung ver— 
fchiedener Quallen zu fein fcheint. 

Dualm, m., -e8, o. M. (ſchwed. qwalm; altd. u. holl. walm, angelf. 
velm, vylm; von wallen, alfo. eig. etwas Wallendes; vergl. Quelle u. Welle) 
1) dicker, betäubender Dampf oder Rauch; auch große erſtickende Hitze; 
landſch. f. Betäubung, Ohnmacht, Bewufftlofigkeit, Winterfchlaf der 


Thiere; ferner f. Ekel, Übelkeit (engl. qualm; altd. u. landſch. auch dualm, 


Zwalm; daher dwelmen, niederd. f. benebelt, betäubt fein); niederd. auch f. 
Untuft, Mifstrauen, Verwirrung; 2) altd. f. Verderben, Untergang (vergl. 
Dual, weldhes mit Qualm von gleichem Stamme zu fein fcheint, fo dafs der 
Grundbegriff von Qual wallende Gluth, erſtickende Hitze if); das Qualm⸗ 


bad, gew. Dampfbad; qualmen, ziellof. Zw. m. haben, Qualm erzeugen, 


430 Dualfter — Quarf 
verurfachen, ſinnv. dampfen (ſchlechtes DI qualmt ; beim Tabackrauchen qual- 
men); qualmig, Bw., Qualm erzeugend, voll Qualm. 

Dualfter, 1. m., - 8, 0. M. (angelf. geolster, gillestre; vergl. Qualle u. 
Galle 3. u. 4.), gem. dider, zäher Schleim im Halfe oder auf der Bruft; der 
Dualfterbaum, landfch. f. Vogelbeerbaum ; Mehlbaum (vielleicht wegen der 
ſchleimigen Beſchaffenheit der Beeren); qualfterig, Bw., Qualfter enthaltend, 
ſchleimig; qualſtern, zielloſ. Zw., gem. f. zähen Schleim auswerfen. 

Qualſter, 2. m.,-s, M. w. E., niederd. die ſtinkende grüne Baumwanze. 

Quandel, m., -8, M. w. E., od. der Quandelpfahl, die Quandel— 
ruthe, -ſtange, bei den Kohlenbrennern: die Mitte des Meilers u. die ſenk— 
rechte Stange in derfelben; die Quandelkohle, die Kleinen Kohlen, welche 
mitten ım Meiler liegen; der Duendelfteden, der Knüppel, welcher zwifchen 
die Kiöge am Quandelpfahle gelegt wird. * 

Quandelbeere od. Quendelbeere, w., die Frucht des Quandelbeer— 
baumes od. Quandelbaumes, eine Art Mispeln, die in der Schweiz auf 
felſigem Boden wachſen, auch Fluhbirn, (ſ. d.) genannt. 

Quant, m., -e8, M. -e. 1) (holl. quant, ein Spielgeſell, Handels— 
freund), niederd. f. ein liſtiger, od. poſſierlicher Menſch, Schalk; 2) f. der 
Schein, u. was man nur zum Schein thut (hannöv. vor Quant, dai. 
zum Schein); daher quantsweiſe, Nw. (holl. quantsuis, fehwed. quanswisz 
verg!. gewandsweife) niederd. f. zum Schein, verftellter Weife (etwas bloß quants— 
weife thun 2c.); quanten, holftein. Zw. f. unerlaubten, betrügerifchen Hans 
del treiben (vergl. holl. quanıselen, Waaren umfegen; fehweiz. verquanten 
f. verhehlen, verbergen, heimlich verkaufen); quänteln od. quäntern, niederd. 
3, f. etwas zum Schein thun, nicht im Ernſt handeln; wenig ausrichten; 
verquänteln,: f. verfchleudern (engl. squander); der Quaͤntler, -$, 
niederd. wer quäntelt; wer Waaren od. Geld verfchleudert. 

Duänzel, m., -8, M. w. E. (auh Quenſel;z wahrſch. von wenden, 
gleich]. Gewändfel), Bergw. der bewegliche eiferne Bügel an dem Kübel, woran 
das Bergfeil befeftigt wird, das Gelenke, 

Duapp, m., -08, M. -e (vergl. Quabbe, quabbein), niederd. f. Beutel, 
Schlauch, hangender Bauch; fchlauchähnliche Falte; daher quappig, Bw., 
f. einen Schlaudy bildend, baudig, runzelig; — die Duappe, M. -n, 
14) (doll. u. engl. quab) nicderd. ein in füßem Waſſer lebender dickbäuchiger 
Fiſch, Aalraupe, Ruppe; 2) landic. f. die junge dickköpfige u. geſchwänzte 
Froſchbrut, Kaul- oder Kielfrofh, Froſchwurm, Didkopf ꝛc.; f. auch 
Kaulquappe. 

quargeln od. quergeln, zielloſ. Zw. (vergl. d. altd. querca, ſchwed. qvarka, 
Gurgel), bair. f. fehreien; daher das Gequargelf. Gefchrei. 

Quark, m., -e8, o. M. (verw. mit wirken f. Eneten ?), 1) der dicke Fäfige 
Theil der geronnenen Milch, nachdem die Molken davon gefchieden find, Käſe— 
quark, Schmier: od. Streichkäfe, auch Käfebutter genannt; 2) weicher Koth 
(mittelhochd. twark) u. in weiterer Bed. jede Unreinigkeit; uneig. verächtl. fe 
eine werthlofe, geringfügige Sache (in jedem Quarke rühren; den alten Quark _ 
aufrügren); — 3fes. das Quarkbrod, eine mit Quark (1) beftrichene Brod⸗ 
fehnitte; dag Quarkfaſs, ein Faſs, worin der zu Käſe beftimmte Quark ge 
Schüttet wird; die Quarkhaͤnge, ein hangendes Gerüft zum Trodnen des 
Quarkes u. der daraus geformten Käſe; der Quarkkaͤſe, (von Andern unr. 


quarken — Quarz 431 


Duargkäfe gefchr. und durch „Zwergkäſe“ erklärt), aus Quark ohne Rahm 
bereiteter Räfe, auch Kuh-, Bauernkäfe genannt; der Quarkkloß, aus Quark, 
Mehl, Eiern u. Butter bereitete Ktöße; die Duarfnudel, aus Quark, Mehl 
u. Eiern bereitete Nudeln; der Quarffad, ein Sad, in welhen der Quark ' 
gefchüttet wird, damit die Molken davon ablaufen; — Ableit. quarkig, Bw., 
Quark enthaltend, dem Quark ähnlidy kothig. 

quarfen, ziellof. Zw. (vergl. quargeln), landſch. f. quafen, quarren. 

quarren, ziellof. Zw., (ein Schallw. landfch. auch verft. quär zen; vergl. 
kirren, kurren, Enurren 2c.), einen Enarrenden, murrenden Laut hören laffen, 
bef. von dem Murren oder halblauten Weinen eigenfinniger oder unzufriedener 
Kinder ; niederd. auch von dem Laute der Blähungen in den Gedärmen, u. von dem 
Duafen, bef. aber dem leiferen röchelnden Gefchrei der Fröſche; landſch. auch 
von dem Laute der Schnepfen,; die Quarre, M. -n, gem. f. ein quarrendes 
Kind, eine mürrifche Perfon (fprichw. die Pfarre mit der Quarre befommen, 
d. i. eine Pfarre od. uneig. Überh. ein Amt zugleich mit einer Frau befommen, 
bef. unter der Bedingung, eine gewifje Perfon zu heivathen) ; der Duarrer, -$, 
die Quarrerinn, M.-en, mer quarrt, murtt. 

Duart, f., 8, „ M. -e (doch nach einem Zahlw. unverändert, z. B. vier 
Quart; — v. d. lat. quartus, a, um, der, die, das vierte; quarta pars, 
der vierte Theil), überh. der vierte Theil eines Ganzen, ein Viertel, Viertel: 
maß; insbef. ein Flüffigkeitsmaß — 4 Stübchen, auch eine kleine Kanne, ein 
Mag oder Quartier genannt (1 Berliner Quart enthält 64 Cubikzoll oder 
—Kubikfuß); daher die Quartflaſche, eine Flaſche, weiche ein Quart 
hält; in Niederd. auch ein Getreidemaß — 4 Laft; auch der vierte Theil eines 
Papierbogens, ein Viertelbogen (ein Buch in Quart, fr. in quarto, d. i. in 
Viertelbogengröße) ; daher das Duartblatt, ein Viertelbogen = Blatt. 

Duartier, fi, -28, M. -e (aus dem franz. quartier, aber mit deutfcher 
Ausipr. ; mittl. lat. quarterium) 1) überh. der vierte Theil eines Ganzen, 
insbef. ein beftimmtes Maß für trockne und flüffige Dinge, f. v. w. Quart 
(f. d.); in Schlefien 2 Quart (Quartierdhen); im Hannöver. auch f. eine 
Viertel Elle; Schiff. Mn vierte Theil von 24 Stunden ald Dauer der Wache big 
zur A6löfüng ; Gärtn, die Abtheilungen der Luftftüce; bef. der vierte Theil od. 
überh. eine Abtheilung, ein Bezirk einer Stadt, Stadtviertel, Stadtbezirk; 
daher 2) f. Aufenthalts= od. Wohnort, (wenn nicht in diefer Bed. das franz. 
quartier vielmehr von dem beutfhen warten, altfranz. guarder ze, herz 
ftammt ?), zunächft von Soldaten: das Einlager (bei einem in Quartier ftehen, 
liegen, die Winterquarticre beziehen; vergl. Hauptquartier), dann überh. f. 
Herberge, Nachtlager, Wohnung (einem Reiſenden Quartier beftellen; ein 
gutes Quartier haben) ; uneig. Krfpr. f. Schonung des Lebens (einem Quartige 
geben, um Quartier bitten, gew. fr. Pardon); 3) (wahrfch. von anderem Stamme; 
vergl. Köder 2. u. Queder) Schuhm. der hintere Theil eines Schuhes, das Sets 
fenleder; ; bei Nätherinnen: breite vieredige Querfäume, 3. B. am Halfe u. den 
Ärmeln der Hemden; — der Quartiermeifter, bei Kriegesheeren: der Einlager= 
beforger, Raftmeifter; auf Schiffen: der Auffeher der Schiffswachen, Schirm: 
mann; quartieren, ziel. Zw., einen einlegen, einlagern, ihm Wohnung 
geben, gew. nur in den zgef. ein= u. ausquartieren. 

. Quarz, m., -08, M. (von verfchiedenen Arten) -e, (wahrſch. von Warze, 
gleich]. Gemwarz, wegen der Kryftall= Erhöhungen auf der Oberfläche), eine 


432 Quas — quatich 


harte, halbdurchfichtige Steinart, aus Kiefelerde beftehend, gew. mit Kryftallen 
auf der Oberfläche; daher: die Quarzdruſe, f. Drufe; der Quarzflufs, 
ein farbiger Quarz; der Duarzfand, mit Quarztheilen gemifchter Sand; 
quarzig, Bw., Quarz enthaltend, daraus beftehend;. quarzicht, Bw., 
quarzähnlich. 

Duas, m., -08, 0.M. (au) Quaſt; flawon. kwass), alt u. niederd. f. 
Gaſtmahl, Schmaus, Schwelgerei, Fraß; quafen 1. ziellof. Zw. (auch 
quaßen, quöfen), nieberd. f. unmäßig effen, freffen, ſchmauſen, fchlemmen ; 
auch unreinlich effen (daher: verquafen f. aufzehren, verfchlemmen); der 
Duaswurm, niederd. ein frefiendes Geſchwür im Schwanze des Rindviehs, dev 
Schwanzwurm. 

Duafe, w., M. -n, 1. niederd. f. ein dünnes Reis von einem Baumez; — - 
2.7.0. w. Quefe. ’ 

quafen 2., auch quasken, quaffeln (mit fanft’gefprochenem ſſ), zielloſ. u 
ziel. 3w. (vergl. Fofen), niederd. f. plaudern, fihwagen, albern od. läppiſch 
vedenz daher: der Duafer, Quaſſeler, -S, f. Schwäßer; die Quaferei 
od. Duaffelei, das Gefhwäs. - 

Quaſt, m., -e8, M. -e, oder die Quaſte, M. -n, Verkl. das Quaͤſt— 
chen, (niederd. Queft, ſchwed. qwası, dän. kvest; das holl. quast, fchwed. 
qwist bedeuten Aft, Zweig, weiches die Urbebeutung des Wortes zu fein ſcheint; 
vergl. Knaft), ein herabhangender Büfchel von Fäden od. Franfen zur Vers 
zierung von Kleidungsſtücken, Vorhängen, Trompeten ze. ſinnv. Troddel, (f. auch 
Bett, Puderquaft) ; niederd. auch f. ein dider Pinſel; u. f. ein Eleiner Befen 
von Heidekraut (Geidequaſt); auch die Neisbündel der Fiſcher; quaften od. 
quäfteln, ziel. Zw., niederd. mit einem Quaſt reinigen ; auch f. pinfeln. 

Duadwurm, m., f. unter Quas. 

Duatember, m, -8, M. w. E, (aus dem mittl, lat. quatempora, und 
diefes aus dem lat. quatuor tempora, d. i. die vier Zeiten, verderbt; alt auch 
Kottember, niederd. Quatertamper u. bloß Tamper), das Jahresviertel, Vier: 
teljahr (bef. in Beziehung auf zu entrichtende Abgaben); der erſte Tag eines 
neuen Vierteljahrs (Auatembertag); eine vierteljährlich zu bezahlende 
„Abgabe Auatembergeld); landſch. auch die vierteljährlich eintommende 
Steuerfumme ; in der Eathol. Kicche vier ſtrenge Faſttage am erften Freitage 
jedes Vierteljahrs; die Duatemberfleuer, landſch. eine vierteljährlich zu ent» 
richtende Gewerbefteuer. ; 

quatfch 1., ein Naturlaut, welcher den Schall einer fallenden, gejchla= 
genen, od. gedrückten weichen und zähen Maffe nachahmt; daher der Quatſch, 
-08, M. -e, gem. ein folcher Schall, od. ein damit verbundener Fall oder 
Schlag; insbeſ. f. Ohrfeige (au: eine Auatfche); ſchwäb. f. weicher Koth; 
quatichen, ziellof. Zw. (niederd. quatsken, quasfen ; ital. squasciare, engl. 
squashz vergl. quetfchen), gem. 1) m. haben, den Schall quatſch hören laf 
fen (die Schuhe quatfchen beim Gehen, wenn Waffer darin iſt; einen fchlagen, 
dafs es quatfcht); 2) m. fein, mit dem Schall quatfch fallen, od. treten 
(in den Koth, od. im Rothe —); quatſchig, Bw., gem. f. quatfchend, Fothig; 
quatfcheln, ziellof. Zw. m. haben, gem., das verkl. quatfchen, bef. von dem 
Schall, der durch Schütteln einer Flüffigkeit in einem Gefäße entfteht ; auch 
ſ. v. w. quabbeln, |. d.; u. oberd. f. watfcheln, wackeln (in diefer Bed. auch 
quatteln); quatichelig, Bw:, quatfchelnd; ſ. v. w. quabbelig. 





quatfch — queilen 433 


quatſch 2. Bw. u. Nw. (entweder Schallw., vergl. ſchwatzen u. quafen 2.5 
oder aus quadiſch, quadſch entft. v. quad, f. d.), landſch. gem. f. albern, ab: 
gefchinadt, Läppifch, verworren (quatfch ſprechen, quatfches Zeug 2c.). 

Duatte, w., M.-n, landſch. f. die Larve des Maikäfers, der Engerling. 

Duebbe, w., f. Quäbbe. 

queck, Bw. (altd. gueh, quech ; vergl. keck), vit. f. lebendig, lebhaft, f. 
quick; daher: queden, nieberd. Zw. (hol. quicken, leben, fi bewegen ; 
engl. quicken, beleben; vergl. erquicen) 1) ziellos f. ſich vermehren, fort- 
pflanzen, ſtark wuchern; 2) ziel. f. ernähren, aufziehen; die Quede, M. 
-n (niederd. der Aucek, Quitſch; angelf. cvice, engl. couch - od. quick- 
grass, ſchwed. qweka), überh. Graswurzeln, wuchernde Graspflanzen; bef. 
eine fehr fchnell wuchernde weizenähnliche Grasart, auch das Duedengras, 
der Queckweizen, Hundeweizen, Weizengras 2c. genannt (triticum re- 
pens L.); daher: die Duedenegge, ein eggenähnliches Werkzeug zur Vers 
tilgung der Queden ; der Queckenhaken, ein Hakenpflug zu demfelden Zwecke; 
der Queckenſaft, der blutreinigende Saft: der Queckenwurzeln, als Heiltrank 
Duedentran? genannt; quedig, Bw., Quecken enthaltend, voll Que 
den; — die Queckbeere, (auch Quitſchbeere, Quitſche), landſch. f. Wogel- 

beere, Eberefchenbeere (wahrfch. wegen der großen Menge der Beeren); der 
Queckholder, Landfch. f. Wacholder (f. d.)5 die Quecktrespe, eine Art der 
Trespe mit quecenähnliher Wurzel; — das Duedfilber, ( gleichſ. lebendiges, 
bewegliches Silber; niederd. Quidfülwer, engl. quicksilver; lat. argentum 
vivum), ein von Natur flüffiges, filberweißes Halbmetall, weiches nächft dem 
Golde die größte Schwere hat; uneig. als Bild dev Lebhaftigkeit, Unftätigkeit, 
Unruhe (3. B. er ift wie Queckſilber; er hat viel Queckſilber, d. i. unruhige 
Beweglichkeit); Zſetz. das Queckſilbererz, quecdfilberhaltiges Erz, Bergw. 
Quickerz; der Queckſilberkalk, verkulttes Quedfilber (fchwarzer, od. vother 
Quedjilberkalt) ; dee Queckſilbermohr, ſ. Mohr 3); das Queckſilberoͤl, 
Scheidek. zu einem OL zerfloffenes ſchwefelſaures Quedfilder; das Queckſilber— 
pflafter, die Queckſilberſalbe, Pflaſter od. Salbe, mit Queckſilber bereitet; 
Ableit. quedfilbern, Bw., eig. aus Quedfilber beftehend od. gemacht; 
gew. uneig. f. fehr lebhaft, unſtät, flüchtig. 

Dueder, f., -$, M. w. E. (gem. auch Quadder, Quarder; von quer, 
od. verderbt aus Quartier? f. d.), ‚niederd. f. ein Querfaum, eine Einfaffung 
gewiſſer Kleidungsftüde mit einem Saume od. Bande (Hoſen-, Hemdqueder), 
oberd. Preis, Preischen (ſ. Preis 3.). 

Düehle 1. w., M.-n (oberd. Auehel, niederd. Dwehle; landſch. auch, 
Zwehle; altd. duahal, duahila; vom goth. ıhyahan, altd. duahan, twagen, 
zwagen f. wafchen), landfch. ein langes, ſchmales Leinentuch zum Abtrock⸗ 
nen, ein Handtuch (Hand-, Küchenquehle ze.) ; oberd. f. Tiſchtuch. 

Duehle 2. w., M. -n (Nebenform von Kehle, 1. d.), Bergw. eine 
Rinne zur Ableitung des Waffers in den Stroffen. 

queicheln, ziellof. u. ziel. Zw., ſchleſ. u. preuß. f. weichlich fein; weich⸗ 
lich machen od. halten, verzärteln ; queichlich, Bw. f. weichlich, ſchwächlich. 

Dueif, m., od. die Queife, M. -n, niederd. f. Vorwand, Entſchul⸗ 
digung, Ran. 

queilen, zieliof. Zw., thüring. f. Elagen, weinen, von Kindern; auch 
von Hunden: widerlich heulen. n 4 


Heyſe's Handwörterb. d. beutfchen Spr. Zr. Theil. 28 


434 quellen — Quendel 


quellen, Zw. (verw. mit Wall, wallen, Welle) 1. ziellos m. fein (altb. 
quellan, quellen; Präſ. quille, Impf. qual, Nw. gequollen), ablaut. 
quillſt, quillt; Imper. quill; Impf. quoll (oberd. auch quall, nieberd. quull), 
Gonf. quölle; Mw. gequollen (niederd. gequullen), überh. aufwallen, ſich 
aufwölben, von innen her ausdehnen; insbef. 1) durch Feuchtigkeit ausge: 
dehnt werden, finnv. ſchwellen (die Erbſen ꝛc. quellen im Waſſer; die Fenſter— 
rahmen find durch die Näffe gequollen); in weiterer Anwendung durd; eine innere 
Kraft fi) ausdehnen und hervordrängen (die Augen quellen ihm aus dem 
Kopfe; das Haar, der Bufen quillt hervor) ; 2) gew. von Flüffigkeiten: her⸗ 
vordringen, zum Vorſchein kommen Thranm, Blut ꝛc.); in engſter Bed. 
von dem Waſſer, welches aus der Erde hervordringt, ſinnv. entfpringen 
(dad Waffer quillt aus der Erde, aus dem Berge ꝛc.; bei einem die Zeitdauer 
angebenden Zufas m. haben, 3. B. es hat den ganzen Zag gequollen) ; uneig. 
f. feinen Urfprung, feinen Grund in einem Gegenftande haben, entftehen, 
hervorgehen, vergl. fließen (aus Gott quillt Licht und Leben) ; — 2. ziel. und 
dann r. bloß umend. (du quellſt zc.; ich quellte, gequellt), machen, 
dafs etwas quillt, d. i. fich durch Feuchtigkeit ausdehnt (Erbfen, Samentör: 
ner 2c. in Waffer—); Landfch. das Maffer —, d. i. e8 durch Hemmung des 
Abfluſſes anwachfen Laffen, auffchwellen, ftauen (auch qualten); — bie 
Duelle, M. -n, od. mehr dicht. der Duell, -es, M.-e, Verkl. das 
Quellchen, (niederd. auch Welle, angelf. vell, vill, engl. well, dän. quäl, 
ſchwed. källa), ein aus der Erde anhaltend hervorquellendes Waffer, und 
der Drt, wo es entfpringt, landſch. auch Spring, Born (z. B. die Quelle eines 
Baches oder Flufies; eime Heilquelle ze. ; dicht. der Quell oder die Quelle der 
Thränen, d. i. das Auge) ; in weiterer Anwendung auch f. den aus der Quelle 
entftehenden Bach, u. fe Quellwaſſer; uneig. Alles, was den Dafeins: 
od. Erkenntnifsgrund eines anderen Dinges enthält (4. B. Gott ift der Quell 
0d. die Quelle alles Lebens 2c. ; der Ackerbau die ficherfte Quelle des Wohlftan: 
des; die Quellen der Gefchichte, d. i. glaubwürdige Berichte, Urkunden zc., aus 
denen die Gefchichte gefchöpft wird; eine Nachricht aus guter Quelle haben; an 
der Quelle fein, figen 20.); — 3feg. v. Quelle: die Quellbinfe, eine 
Art an Quellen wachfender Binfen, auch Duellfemfe; der Duellbrunnen, 
ein Brunnen, defien Waffer aus einer Quelle Eommt; das Quellgras, bie 
Wafferfchmiele, der Duellgrund, eine naffe, fumpfige Niederung, die verbor⸗ 
gene Quellen hat; das Duellmoos, im Waffer wachfendes Moos, Fluſsmoos; 
das Duellfalz, aus Salzquellen gefottenes Salz; der Quellfand, mit Waſſer 
getränfter feiner Sand in einer quelligen Gegend; das Quellwaſſer, Waſſer 
einer Quelle, z. U. dv. Brunnen-, Fluſswaſſer 20.5; — queflenmäßig, Bw., 
den Quellen, d. i. Geſchichtsquellen, Urkunden ꝛc. gemäß ; quellenreich, Bw., 
viel Quellen enthaltend; das Quellenftüd, Gärtn. ein Luſtſtück, in welchem 
Waffer quellen; — Ableit. quellig, Bw., Quellen enthaltend; — 3feg. 
von quellen 2.: der Quellſtock od. Duellbottich , in den Malzhäufern ein 
großer Trog od, Bottich, in welchem die Gerfte gequellt wird. 

Duendel 1. m., f. v. w. Quandel, ſ. d. 

Duendel 2. m., -8, 0.M. (landfch. auch Quindel, Quenel, Gundel, 
Gundling, Kundelkraut 2c.; altd. und mittl. lat. quenula; vom fat. cunila, 
griech. zov/An), eine Pflanze, deren Blätter und Blüthen einen gewürzhafs 
ten Geruch haben, von verfchiedenen Arten: wilder Quendel, auch Kelds 


1} 








Quendelbeere — quer 485 


Thymian, Feldkümmel, Saturei 2.5 Zitromenquendel, mit zitronenähne 
lichem Geruch; gemeiner, auh römifcher od. wälfcher Quendel im 
ſüdl. Europa, auch Thymian; der Quendelöl, aus dem Quendel gezogenes 
flüchtiges Öl; die Quendelwolle, auf dem Quendel wachfende Flachsfeide. 

Duendelbeere, f. QDuandelbeere. 

Duene od. Quiene, w., M. -n (ehem. überh. Weib, altd. chena; vergl. 
dad dän. quin, quinde; engl. queen, queanz griech. zur; von gleichem 
Stamme mit Kind, |. d.), niederd. f. eine junge Kuh, die noch nicht ge- 
kalbt hat, Färſe; auch f. Hausmutter, und als Scheitwort f. altes Weib, 
Here. ä 
quengeln, ziellof. Zw. (wahrfch. von quienen, queenen), gem. bef. niederd. 
f. weinerlih u. weichlich Elagen, ſich Über Kleinigkeiten befchweren, Um: 
ftände oder Schwierigkeiten machen; auch ſich kindiſch, albern betragen, 
tändeln; ſich weibifch verzärtelt zeigen, der Duengler, -8, die Queng- 
lerinn, wer quengelt; die Duengelei, M. - en,. das Quengeln, weiner: 
liches Klagen, Umftändlichkeit, albernes Betragen. 

Duent, f., -e8, M. -e, gem. verkl. das Quentchen, (Landfch. auch 
Quint, oberd. Quintlein, Quintelz niederd. Quentin; mittl. lat. quintellum ; 
v. d. lat. quintus, a, um, der, die, das fünfte: alfo urfpr. wohl; der fünfte 
Theil eines Gewichtes) ein Gewicht, welches zZ Loth beträgt und in Niederd, 
in 4 Ort oder Pfennige, in andern Gegenden in 4 Denare od. 8 Heller getheilt 
wird; in der Mehrh. nach einem Zahlw. unverändert (3. B. zwei Quent oder 
zwei Quentdjen). 

quer, Nw. u. Bw. (Nebenform von zwerch, vergl. d. althochd. duerah, 
mittel). twerh und quert; oberd. auch querich, gew. zwerch; niebderd. auch 
dweer, dwars ; engl. queer und thwart), der Breite nach, in die Breite, 
d. i. in einer Richtung, welche eine als Länge angenommene Linie rechtwinklig 
durchſchneidet (3. B. einer queren Hand, eines queren Fingers breit; gem. als 
Nw. quer Über den Weg, Über das Feld ꝛc. laufen, auch: quer feldein, 
od. zgeſ. querfeldein (nicht aber querfeld ein; vergl. feldein) laufen; 
ein Dolz quer Über das ander> legen; gem. auch über quer od, überzwerch) ; 
uneig. vlt. u. landſch. f. verkehrt, widerfinnig (gem. verquer); die Quere, 
0. M., die Richtung nach der Breite, od. überh. die eine andere Ereuzende 
Richtung (in die Länge und in die Quere, etwas in die Quere legen; ing Kreuz 
und in die Quere, d. i. nach verfchiedenen, einander durchkreuzenden Richtungen ; 
uneig. einem in die Quere kommen, d. i. ihm in den Weg Eommen, hinderlich 
ſein; eö geht mir Alles der Quere, d. i. verkehrt, wider meine Abficht) ; que= 
ren, ziel. Zw. (vergl. quieren), alt u. landſch. f. wenden, insbef. in die Quere 
richten; ſich —, fich in die Quere erſtrecken, ſich kreuzen, widerſprechen; — 
3feg. von quer: die Queraxt, Zimmerl; eine Art in Geftalt eines T mit zwei 
Schneiden, deren eine mit dem Stiele gleichlaufend ift, die andere aber in die 
Quere geht, oberd. Swerchart? der Querbalfen, ein in die Quere Iaufender 
Balken, (4. B. an einem Kreuze ze.) ; die Querbank, eine im Verhättnifs zu 
andern quer ſtehende Bank; chem. im fürftlichen Rathszimmer zu Regensburg 
die Bank für die proteftantifchen Bifhöfe; der Querbügel, der in die Quere 
gehende Bügel an einem Degengefäße; querfeldein, Nw., f. o. umter quer; 
die Querflöte, Querpfeife, eine in die Quere an den Mund geſetzte Flöte 
oder Pfeife; daher der Querpfeifer, wer die Querpfeife bläft; der Quer— 


25 * 





436 Querder — querlen 


flügel, Säg. ein quer durch den Wald gekauener Flügel od. Etekweg; der 
Duergang, ein in die Quere gerichteter Gang oder Weg; die Quergaſſe, 
Duerfiraße, cine Gaſſe od. Straße, welche eine andere rechtwinklig durch— 
fchneidet; das Duergeflein, Bergw. das Geftein, weiches quer zwifchen den 
Gängen ftcht; der Quergiebel, Seitengiebel eines Haufes ; das Querhaus, 
ein Haus mit Quergiebeln, deilen längere Seite an der Straße liegt; auch ein 
Haus, das quer zwifchen andern ſteht; das Querholz, ein in die Quere ges 
hendes Holz; die Querkluft, Bergw. eine Klufc, welche quer über deu Gang 
freicht, Kreuzkluft; der Querkopf, uneig. ein verfchrt und widerfinnig den⸗ 
Eender u. handelnder Menſch; daher querföpfig, Bw., widerſinnig od. eigen- 
finnig dentend u. handelnd; die Querföpfigkeitz die Querleifte, eine quer 
an od. über etwas befeftigte Leifte; die Querlinie, eine in die Quere Taufende 
Liniez die Quernacht (gem. Dwernacht), niederd. f. eine Nacht, ſofern fie zwiz 
ſchen zwei Tagen liegt und beide gleichſam mit einander verbindet, daher ein Zeitz 
raum, der wenigftens eine Nacht in fich fchließt (über die Quernacht, d. i. 
binnen 48 Stunden); die Duernath, eine in die Quere laufende Nath; die 
Duerpfeife, ſ. Querflöte; der Querſack, ein in der Mitte aufgefchligter 
Sad, der quer Über der Schulter getragen, od. über den Rüden eines Laftthiers 
gehängt wird, fo dafs er nach beiden Seiten herabhängt, oberd. Zwerchſack; 
der Duerfattel, ein mit einer Rückenlehne verfehener Sattel, auf weichem man 
in der Quere figend reitet, Weiberfattel; der Querſaum, ein in die Quere 
0d. Breite gehender Saum, vergl. Dueder; der Querſchlag, Bergw. ein 
Schlag, d. i. eine Öffnung, welche durch dad Quergeftein zwiſchen zwei Gruben 
getrieben wird; die Querfiraße, |. Quergaſſe; der Querſtrich, ein in die 
Duere gehender, eine andere Richtung Ereugender Strich (uneig. einem einen 
Querſtrich machen, d. i. ihm etwas vereiteln); auch das Schriftzeichen —, 
der Gedankenſtrich (f. d.); die Duerwand, eine in die Quere zwoifchen anderen 
Wänden laufende Wand; der Duerweg, ein in die Quere laufender Weg ; 
der Querwind (niederd. Dwerwind), ein von der Geite kommender Wind; 
auch ein Wirbelwind; der Querzwickel, ein Zwidel, deſſen Mafchen quer über 
die andern Mafchen des Strumpfes gehen. 

Duerder, m., -$, M. mw. E., landſch. 1) f. eine Art Eleiner Neunaugen 
oder Briden, Kieferwurm ; 2) f. Köder, Lockſpeiſe für Fifche. 

Duere, queren, Querflöte zc. — Querlinie, f. unter quer. 

querlen od. quirlen, Zw. (oberd. zwirlen, zwirbeln ; engl. twirl; von 
queren f. wenden, umdrehen) 1) ziellos f. fich fehnell im Kreiſe drehen oder 
überh. umherbewegen (3. B. landfch. gem. im Haufe herum querlen); 2) ziel. 
etivas in eine drehende, wirbelnde Bewegung feßen, bef. mittelft eines 
Querls vermifchen (Eier—; Mehl in die Suppe —), der Querl od. Quirl, 
-08, M. -e, Berkt. das Querlchen, (ehem. aud) Querrei, landſch. Quer⸗ 
del, Quirdel, Quirgel; oberd. Zwirbel), ein Küchenwerfzeug zum Querlen 
. von Flüffigkeiten, beftehend in einem Stab, deſſen eines Ende ein Kranz kurz 
abgefchnittener Zacken umgiebt, durch Drehen des Stiels zwifcken den flachen 
Händen in Bewegung gefegt, gew. ein -abgefchälter und geftugter junger Fichten— 
oder Kiefernfchofs; deher Forſtw. überh. ein Schofs folcher Bäume; Pflanz. 
der Eranzförmige Stand mehrer Blüthen rund um den Stengel; auch ein einem 
Rechen ähnliches Werkzeug der Papiermacher; querlfürmig, Bw., Pflanz. 
die Geftalt eines Querls habend. 








Quern — quid 437 


Duern od. Querne, w., M.-en (goth. qvairmus, altd. quirn; angelf. 
cweorn, cwearn, engl. quern, ſchwed. quarn, dän. quaernz von queren, 
wirren, d. i. drehen; vergl. querlen), alt u. niederd. f. Mühle, bef. Hand: 
mühle; der Querner, -8, f. Müller, 

Quernacht ꝛc. — Querzwidel, f. unter quer. 

Duefe, w., M. -n, (landfch. auch Quaſe; ver. mit quetfchen), nieberd. 
ein durch Drüden oder Duetfchen entftandenes Blut od. Wafferbläschen 
in der Haut. 

queften, Zw., f. quäften unter Quaft. 

Dueftenfraut, f., landfc. f. die Ackerhauhechel (anonis arvensis L.). 

queftern, ziellof. Zw., oberd. f. hin und her gehen, unruhig umherlaufen 
(vergl. querlen). 

Quetſche, w., M.-n, 1. landſch. f. Zwetfche; 2. Tandich. f. ein Bün⸗ 
del diinner Bäume, Bretter ıc. (wahrfch. von quetfchen f. zufammenprefien) ; 
3. f. quetfchen, 

quetfchen, ziel. Zw. (altd. quezzon; niederd. quetfen, auch quetten, qued⸗ 
den, quettern f. drücen, ausdrücken; holl. quetsen; angelf. cwysan, engl. 
squeeze. squash, fehwed. qwesa; vergl. quatfchen u. d. lat. quatere, quas- 
sare), einen weicheren Körper plößlic) zufammendrücen, bef. wenn es mit einem 
quetfchenden Schalle verbunden ift; überh. breit od. platt drüden, zerdrücken, 
durch Drüden verlegen (Hanf-, d. i. zwifchen Walzen zerdrücken; das Metall, 
mit dem Hammer ausdehnen; fich (mir) den Finger quetfchen); auch quetfchend 
ausprefjen (den Saft aus den Trauben, aus einer Zitrone —); Bergw. f. zer⸗ 
fchlagen, in Stüde ſchlagen (dle Gänge —, d. i. das Erz aus den Gängen); — 
3feg. die Duetfchbirn, eine Art großer, weicher Birnen, welche zerfpringen, 
wenn fie vom Baume fallen; das Duetfcheifen, die Zange od. das Brenneifen 
der Perrückenmacher; der Duetfchhammer, ein Hammer zum Ausdehnen des 
Metall in Münzen ꝛc.; das Quetfchwerf, Bergw. geringes, weitläufig liegen- 
des Erz, z. U. v. Scheidewerk ; die Duetfchwunde, eine durch Quetfchen entftan= 
dene Wunde; — Ableit. Pie Quetfche, 1) 0. M. gem. f. Kiemme, Be: 
drängnifs, WVerlegenheit (in der Quetfche fein); 2) M. -n, ein Werkzeug zum 
Quetſchen; der Duetfcher, —s, wer quetfcht; auch ein quetfcyendes Ding 
(f. Nafenqueticher) ; die Duetfchung, das Quetſchen; die gequetfchte Stelle, 
Quetſchwunde (M. Quetfehungen). 

qui, Bw. (alt u. landſch. auch qued, f. d.5 altd. queh, quech, angelf. 
evic, engl. quick, ſchwed. qwick, dän. qwigz daher erquiden, f. d.5 verw. 
mit be-wegen, wach, wecken, weben, lat. vivere, vivus), landfch. f. lebhaft, 
rege, munter, friſch; der Quick, -e8, o. M., landſch. f. Queckſilber; bei 
Metallarbeitern das in Scheidewaſſer getödtete Queckſilber zur Vergoldung; daher: 
quicken, 3w., mit Queckſilber bearbeiten, nur in: abquiden, ver— 
quiden (f. d.); dag Duid od. Queck, -e8, o. M., niederd. f. lebendiges 
Vieh, fowohr als Sammelwort, als auch von einzelnen Thieren (2. B. Horn: 
qued); — 3feg. die Quickarbeit, Hüttenw. Reibung u. Mifchung des Goldes 
mit Queckſilber; der Quickborn, niederd. eine Lebendige Quellez der Quick— 
brei, durch Quecfilber aufgeröftes Metall; das Quickerz, Bergw. f. Qued- 
ſilbererz; das Quickmetall, mit Quecfilber veumifchtes od. aufgelöftes Metall; 
die Quickmuͤhle, Hütten. eine Mühle zum Abquicen des Silbers; der Quid- 


\ 








438 Quickenbaum — Quitſch 


fand, niederd. f. Triebſand; der Quickſteert (v. Steert f. Schwanz), nie- 
derd. f. Bachftelze. 

Duidenbaum, m. (vergl. Queckbeere, Quitſche), landſch. f. Vogel: 
beerbaum. 

quidern, zieflof. Zw., ſchleſ. f. Eichen, hell u. fein Lachen. 

quidezen, zieltof. Zw., oberd. f. zwitſchern. 

Duiddel, w., f. Quaddel. 

quiek, A quak, quietfch), ein Naturlaut, welcher einen hellen, feinen 
Thierlaut nachahmt; quiefen od. quiekſen, ziellof. Zw. (vergl. quäken, engl. 
squeak), einen folchen Schall hören laſſen, hell und fein fehreien, von 
Schweinen, Enten zc.), auch von Kleinen Kindern; quiefig, Bw., landſch. 
gem. f. oft und viel quiekend, mweinerlich. 

Quiel, m., Ses, o. M. (v. quillen, quellen), niederd. f. Geifer; quielen, 
zielloſ. Zw. f. geifern, den Speichel fließen laffen; — die Duiele, M.- -N, 
vlt. f. Welle, Fluth. 

quienen, zieltof. Zw. (holl. quenen, dän. quinie, angelf. cwinan; celt. 
cwin, Klage; verw. mit weinen), niederd. f. Elagen, kränkeln, hinſiechen; 
die Quienſucht, niederd. f. Schwindſucht. 

quieren 1. ziellof. Zw., brandenb. f. quienen; 2. ziel. Zw. (v. quer; f. 
queren), Landfch. den —— Acker in die Zuer⸗ pflügen, hakenpflügen; 
auch quer über den Acker eggen. 

quietſch (vergl. quiek), ein Naturlaut, welcher einen feinen, durchdrin— 
genden Schall nachahmt; daher der Quietſch, es, M. -e, gem. ein ſolcher 
Schall; landfch. f. Dompfaft, Gimpel, aud) der Quietſchfink; quietſchen, 
zielloſ. Zwv., gem. f. einen durchdringend hellen, widrigen Laut hören laſſen. 

quillen, zielloſ. Zw., alt u. landſch. f. quellen, |. d. 

Quilfter, m., -8, M. w. E. niederd. f. ein Büfchel. 

quinkeln, ziellof. Zw., niederd. f. hoch und fein fingen ; zwitſchern. 

Quint od. Quintlein, ſ., oberd. f. Quentchen, ſ. d. 

Quinte, w., M.-n (v. d. lat. quinta, die fünfte), Tonk. der fünfte 
Zon vom Srundton; die fünfte Saite eines Tonwerkzeuges, überh. die feinfte 
und höchfte Saite, auf der Geige die vierte; Kartenfp. fünf auf einander fol- 
gende gleichfarbige Blätter; Fechtk. die fünfte Stoßart; daher die M. Quin: 
ten, uneig. (gleich]. Sechterftreiche) f. Liffige Streiche, Ränke, Kniffe (vergl. 
Sinte) ; der Duintenmacher f. Ränkemacher. 

Quirl, m., quirlen, 3w., ſ. Querl ıc. 

Zuispelbinſe w., landſch. f. das gemeine Wollgras, Flachsgras. 

quiſten, ziel. Zw. (goth. qvisijan, fragvistjan, vertilgen; verw. mit 
wüften, lat. vastare, ital. guastare, franz. gäter; engl. waste), niederd. f. 
vergeuden, verfchleudern, ducchbringen, verthun (gew. verquiften); der 
Duift, -e8, od. die Duifte, o. M. (doll. quist), niederd. f. Aufwand, Ver: 
fhwendung, Verluſt, Schaden, Nachtheil (in die Quifte gehen, f. verloren 
gehen); die Quiſterei, niederd. f. Verfchwendung. 

Duitfh, w., M. -en, f. Quecke; — Quitfche od. Quiße, w., M. 
-n (auh Quitfchen: od. Quigenbeere, Quid= od. Quedbeere, f. d.) 
landſch. f. Wogelbeere, Eberefchenbeere ; der Quitfcben= od. Quißenbaum, 
(engl. quickbeam, quickentree) f. Eberefche. 








quitihen — R 439 


quitfchen, quitſcheln, quitfchern, zielloſ. Zw., landſch. f. quietfchen, 
zwitfchern. 

quitt, Bw. (holl. quyt, engl. quit, franz. quitte, ſchwed. qwitt; Neben: 
form von wett, f. d., ver. mit viduus, Wittwe ıc. ; nicht vom lat. quietus) 
gem. f. frei, los, jebig, m. dem Gen. (deö Eides quitt fein), von etwas 
befreit, einer Sache beraubt, verluflig (aller Sorgen—, der Freundſchaft 
quitt fein 2c.); insbef. Feine VerbindlichEeit gegen einander habend, einander 
nichts ſchuldig (mir find quitt); quitten, ziel. Zw., (engl. quit, frang. 
acquitter), vlt, f. quitt machen, einen von Verbindlichkeiten frei fprechen ; 
nieberd. ſich —, f. fich feiner Pflicht entledigen, feiner Verbindlichkeit nach- 
kommen; jest gew. quittiren, ziel. Zw. 1) gem. f. verlaffen (einen —, franz, 
quitter); etwa8—, aufgeben, ein Amt zc. niederlegen, abdanken; 2) ei- 
nem etwas od. über etwas—, ben Empfang einer Zahlung fhriftlich be— 
fheinigen; die Quittung, M. - en, ein Schein über empfangene Zahlung, 
Empfangfchein. 

Quitte, w., M.-n, (altd. chuttina, oberd. Kütten, landſch. auch Kutte, 
Quette zc.; holl. u. nieberd. Quee ; verberbt aus d. lat. malum cydonium, 
griech. zuöwrıov von der Stadt Cydon auf der Infel Kreta), die apfel= oder 
birnenförmige, äußerlich wollidhte und, wenn fie reif ift, goldgelbe Frucht 
des Duittenbaums, welche gekocht und eingemacht gegeffen wird (Apfelz, 
Birnquitte, zwei Spielarten); die wilde Quitte, ein Art Mispeln, 
Zwergmispel, Duittenmispel; der Quittenapfel, die Quittenbirn, den 
Quitten en Geftalt u. Farbe ähnliche Apfel u. Birnen = Art; der Quittens 
branntwein, mit Quittenfaft bereitete Branntwein, das Quittenbrod, mit 
Zucker eingefottenes und getrocknetes Quittenmus; quittengelb, Bw., gelb 
wie eine Quitte, fehr gelb; der Quittenhänfling, landfch. auch der Quit⸗ 
ter, -8, eine Art Hänftinge mit gelber Kehle u. Bruſt; der Quittenkern, 
der Längliche Samen der Quitten ; die Duittenpfirfich, eine Art gelber Pfirs 
fihe; der Quittenwein, aus gegohrenem Quittenfaft bereiteter Obftwein. 

quittern, ziellof. Zw., niederd, mit feinem Laute lachen, kichern. 

—— Quittung, ſ. unter quitt. 

uitze, w., f. Quitſche. 

quoſen od. quoͤſen, ziel. Zw., niederd. f. quetſchen, zermalmen, lang- 
ſam kauen. 

Quubbel, w., M. -n, quubbelig, Bw., ſ. v. w. Quabbel, quab⸗ 
belig, ſ. d. 

quurkhalſen, zielloſ. Zw. (auch worghalſen; vergl. würgen), niederd. fich 
würgen wie Jemand, dem etwas im Halſe ſteckt. 


R. 


‚ ber achtzehnte Buchſtabe des ABC, ein Mitl., welcher zu den flüf- 
figen od. fhmelzenden Mitlauten (L, m, n, x) gehört und durd) zitternde 
Bewegung der Zunge gegen den Gaumen hervorgebracht wird; häufig verdoppelt 
nach gefchärften Selbftlauten, 3. B. harren, Herr, irren, knurren ꝛc. Das r ift 
verwandt mit | und wechfelt zuweilen mit diefem (f. &) ; im Ins und Auslaut vieler 


en ann 


440 ra — Rabe 


Wörter ift c8 aus urfprünglichem fentftanden (4. B. goth. mis, thus f. mir, 
dir, goth. raus, altd. rör, Rohr; goth. auso, altd. Öra, Öre, Ohr; goth. 
basi, niederd. Befing, altd. peri, Beere; altd. er was, er war), u. wechſelt 
‚ noch jegt mit f in Bildungen von demſelben Stamme ; vergl. z. B. frieren (altd. 
friusan), for und Frieſel, Troft; verlieren (altd. varliosan), verlor und Vers 
luft, tiefen und Türen. Im Anlaut hatten manche Wörter im Goth. und älter 
ſten Aithochd. vor dem rein h od. w, welches in der heutigen Sprache abges 
worfen ift, 3. B. goth. hrains, hröpjan f. rein, rufen; goth. vrikan, nieberd. 
wrefen, alth. rehban, rächen. 

ra, Schiff., ein Zuruf des Steuermanns beim Zickzackſegeln (Faviren), 
wenn das Schiff gewendet und auf die andere Seite gelegt werden fol. 

Na, m. (auch Reef, Rewe; altd. hrao, hreo, re, f. Leichnam), nie— 
derd. f. Leib, Rücken. 

Raa, w., f. Nah. 1“ 

Raback, f., -8, M. -e, niederd. f. ein altes Elapperiges Geſtell, 
Geräth, Schrank zc., ein verfallenes Haus; rabacken, zielloſ. Im. (ein 
Schallw.) niederd. f. raffeln, Elappern, klopfen; rabackern, zieltof. Zw.) f. 
ſcharf traben. * ar 

rabbeln, zielloſ. und ziel. Zw., niederd. f. plaudern, ſchwatzen, unver: 
fändlich reden; daher die Nabbelei, f. das Schwagen, Geſchwätz; der 
Rabbler, auch die Nabbeltafche, f. Schwäger, Plaubertafche. 

Rabe, m., -n, M. -n (alth. hraben u. rabo, mittelh. raben; oberd. 
Rab, Rapp, niederd. Rawe, angelf. hraefn, eng‘. raven, altnord. hratn, 
ſchwed. rafnz von der Wurzel hra, kra, Erähen, fehreien; vergl. das ſanskr. 
karava, lat. corvus, griech. zoge&), ein Wogelgefchlecht, zu welchem die 
Krähe, der Heher, die Dohle, die Elfter 2c. gehören; gew. in engerer Bed. 
die größte Gattung diefes Geſchlechts mit ganz ſchwarzem, glängendem Ge— 
fieder: der fchtwarze Nabe, auch Kolk-, Kohl-, Aas-, Steinrabe ꝛc. genannt 
(fehlen wie ein Rabe; ein weißer Rabe, fprichw. f. eine große Geltenheit) ; ſ. 
auch Wafferrabe, Miftrabe, Kappe; Sternk. ein Sternbild auf der 
großen Waſſerſchlange; Naturk. auch eine Art Schnirkelfehneden; — 3fee. 
das Rabenaas, ein Aas für Raben; uneig. niedr. Schimpfw. f. verworfene, 
Yafterhafte Perfon, auch Rabenvieh; die Rabenart, 1) eine zum Rabenges 
Schlecht gehörende Vogelart ; 2) die den Raben natürliche Art, insbef. f. harte, 
vteblofe Behandlung der Kinder von Seiten der Ältern, weil man den Raben an— 
dichtete, dafs fie ihre Jungen verliehen; daher Rabenaͤltern, Rabenvater, 
Rabenmutter, f. harte, graufame Altern; das Naben - Ei, uneig. f. Bofift, 
Kugelſchwamm; die Nabenfeder, = fpule, der Rabenkiel, Schmwungfeder 
des Raben, zum Schreiben, Zeichnen 2c. gebraucht; das Nabenfell, uneig. 
verächtl. f. eine ſchwarze Haut, eine alte häfsliche Weibsperfon; der Naben 
fuß, uneig. f. Strand» oder Waſſerwegerich (auch Krähen-, Rappenfuß ze.) ; 
‚eine Art Hirfegras oder Schwaben ; das Nabenhaar, vabenfchwarzes Haar; 
der Nabenheller, » pfennig, =baken, chem. ſchweiz. Seller, Pfennige, 
Bagen mitgeinem Naben im Gepräge (vergl. Rappe); die Rabenkraͤhe, eine 
ganz fehwarzblaue Krähe, Kleiner als der Rabe, auch kleiner Rabe, fchwarge 


Krähe, Aaskrähe 2c. genannt; der Rabenſchnabel, uneig. eine Art Stachel- 


ſchnecken; eine wundärztlihe Zange mit langer, gefrümmter Spige, womit Split 
ter aus Wunden gezogen werden; Schiff. ein hakenförmiges eiſernes Werkzeug, 











Kabe — Rachel 441 


das Werg aus ben Fugen des Schiffes zu ziehen; Schmied. ein vorn Längeres u. 
dickeres Hufeifen für Pferde mit Stelzfüßen; rabenſchwarz, Bw., ſchwarz wie 
ein Rabe, glänzend ſchwarz; die Nabenfchwärzez; der Nabenftein, 1) der 
Richtplatz, das Hochgericht, weil der Leichnam des Hingerichteten eine Speife 
der Naben wird (od. vielleicht verberbt aus Rewenftein, von hreo, hr£, 
Gen. hrewes, Leichnam; ſ. Rä); 2) ein vabenfchwarger Fingerftein (auch 
Rappenftein). 

Raͤbe, w., M. -n, (altd. raba, lat. rapa), oberd. u. fehweiz. f. weiße 
Rübe. 

Rabiſch, m., -e8, M.-e, (m. A. Rawifh, Robiſch; ein flav. Wort: 
böhm. rabusse, ferb. rabosch), oberd. u, Bergw. f. Kerbholz, ſ. d.; der 
Rabiſchmeiſter, vit. Bergw. der Steiger eines Berggebäudes, der die Kerb⸗ 
hölzer in Verwahrung hat. 

Rabisgras, f., landſch. f. Nafenfchmiele. 

Rabrader, m., -8, landich. f. Neuntödter. 

Rah, w., M.-en, landſch. f. Spinne. 

Rachbeere, w., ſ. Rechbeere. 

Rache, w., o. M. (altd. rähha, räche; oberd. der Rachz goth. vrakja, 
Verfolaung; angelf. vrace, engl. wreak, holl, wraak; f. u. rächen), urfpr. 
Verfolgung, Verbannung ; Strafe (bibl. die Rache ift mein; ich will ver- 
gelten) ; jest die Begierde, ein erlittenes Unrecht, eine Beleidigung 2c. durch 
ein dem Urheber zugefügtes Übel zu ahnden, u. die ahndende Vergeltung 
ſelbſt, (etwas aus Rache thun; vor Rache glühenz auf Rache finnen, nach 
Rache dürften; Rache an einem nehmen od. tiben); Zſetz. der Nachdurft od. 
Nachedurft, die Nachgier, Rachluſt, Rachſucht, das heftige Verlangen, 
die Begierde nad) Rabe, Rach ſucht insbef. fofern es eine anhaltende Keiden- 
ſchaft iſtz rachdurftig, = gierig, luſtig, =füchtig, Bw., Rachgier, Rad 
fucht 2c. hegend u. zeigend; der Rachegott, die Nachegöttinn, das Böfe 
rächende Gottheiten, alte Fabell. insbef. Nemefis u. die Furien; der Rachgrimm, 
mit Grimm verbundene Rachgier; rachgrimmig, Bw., Rachgrimm hegend ; 
das Rachopfer; ein aus Rache vollgogenes Opfer; ein Menfch, welcher der 
Race aufgeopfert wird; das Rachſchwert od. Racheſchwert, ein zur ftras 
fenden Vergeltung dienendes Schwert; uneig. bibl. ein Strafgericht Gottes; — 
rächen, ziel. 3w. (goth. vrikan, Impf. vrak, angelf. vrecan, verfolgen, ſtra⸗ 
fen; noch niederd. gew. wräfen, wreken; altd. rehhan, rechen, ablaut. ich 
riche, Impf. rach (daher Rach e), Mw. gerochen; jest nur umend. ich räche,, 
rächte, gerächt, vlt. gerochen; oberd. auch rechnen; fehwed. wraeka, engl. 
wreak), ehem. f. firafen, beſtrafen, ahnden (bibl. der Herr, der oberfte 
Rächer, wird's rächen) ; jegt ein erlittenes Unrecht, eine Beleidigung 2c. per: 
fonlidy vergelten (einen Schimpf, einen Mord — ; etwas an einem —, d. i. dafür 
an ihm Nache nehmen); fich (Acc.) an einem-—, fich felbft durch Vergel— 
tung Genugthuung verfchaffen; einen —, das ihm zugefügte Unrecht an 
dem Beleidiger ahnden (ex iſt durch mich gerächt 5 ich bin gerächt (nicht: ges 
vochen), d. i. das mir zugefügte Übel ift dem Urheber vergolten); Ableit. der 
Rächer, —s, die Raͤcherinn, M. -en, wer etwas rächt, vergilt,. das 
Unrecht ahndet; rächerifch, Bw., rächend, Nache übend. 

Rachel, w., M. -n (vergl, Wrack, brechen), ſächſ. f. Spalte, Rifs, 
Furche im Erdboden. 


| 


442 Rachen — Rad 


Rachen, m, -8,M. w. €, (altd. hrahho,; racho, rache, angelf. hraca, 
holl. raak; wahrfch. von dem röchelnden Laut, dev ſich im Rachen bildet), überh. 
der hintere Zheil der Mundhöhle, der geöffnete Schlund; insbef. der Schlund 
und das ganze Maul großer Xhiere, bef. der Raubthiere (dev Rachen des Löwen, 
bes Haifiſches 2c.; einem Pferde den Rachen ftehen, d. i. die hinten im Rachen 
liegende Ader öffnen) ; niederd. verächtl. für den Mund der Menfchen, bef. ein 
großer, weit geöffneter, gieriger Mund (den Rachen auffperren, einem den 
Rachen füllen ꝛc.) z uneig. f. fürchterlicher Abgrund, Schlund (bibl. der Rachen 
der Hölle) ; — rächfen, auch rädfen, rädezen, ziellof. Zw. (nieberd. vaden, 
harkenz altd. rachison: angelf. hraecan; vergl. röcheln, Erächzen, d. lat. 
ructare, griech. 2geiyew), oberd. f. räuspern, Speichel oder Schleim mit 
Erächzendem Laut ausmwerfen. 

rad, Bw. (der Stamm des goth. rakjan, altd. rechjan, reden, ausdeh— 
nen) oberd. f. flraff, gefpannt; fleif u. müde vom Gehen, Arbeiten a0.5 — 
das Rad, -e8, M.-e, 1) (engl. rack, holl. rak; vergl. das hol. reke, 
Reihe) niederd. ein Geftell an der Wand, worauf man Bücher, Geräth u. dal. 
ordentlich in Reihen aufftellt, auc) zum Anhängen von Kleidern (Kleiderrad) ; 
2) Schiff. ein Werkzeug, womit die Rah an den Maft befeftigt wird, und 
welches zugleich zum Aufziehen u. Niederlaffen derfelben dient; daher die Nad- 
Elampe (f. Klampe), Rackklote (f. Klote); das Racktau, das Tau, mit 
welchem das Rad um die Rah und den Maft befeftigt wird. 

Rack, m., -e8, M.-e, od. der Kader, -$, M. w. E., auch die 
Racke od. Rake, M. -n (wahrich. Nachahmung des Gefchreis; niederd. auch 
Rook, oberd. Ruch, f. d.), landſch. f. mehre zum Rabengeſchlecht gehö— 
rende Vögel, insbeſ. die Mandelkrähe (blaue Rate), die Dohle, der 
blaue Holzhäher, die Saatkrähe, auch der Nabe felbft. 

radeln, zielloſ. Zw., landſch. f. widrig fehnarrend tönen (von Tonwerk⸗ 
zeugen). 

vaden od. rafen ‚ ziel. u. ziellof. Zw., (altnord. raka, fehaben, angelf. 
racjan, engl. rake, fcharrenz franz. racler; vergl. Rechen), niederd. f. 
ſcharren, raffen, fegen; ſchmutzige Arbeit verrichten, im Kothe wühlen, 
fudeln; daher: der Nader 1. -8, M. mw. E., landſch. niederd. 1) f. Schin- 
der, Abdeder, Henker; Abtritträumer; 2) verächtl. f. Hund (in diefer Bed. 
vielleicht von anderem Stammez vergl. Brad, angelf. race, Jagdhund ; 
mittl. lat. racha, ſchwed. racka, Hündinn, v. ſchwed. racka, laufen?) ; oberd. 
überh. f. ein ausgemergeltes, unnüges Stud Vieh: Pferd, Rind x. ; 
3) niedr. Schimpfiw. für einen höchſt verächtlichen, verworfenen Menfchen ; 
oberd. auch f. Geizhals, Filz; die Rackerei, niederd. f. Unfläthigkeit; rackerig, 
Bw., niederd. fe ſchmutzig, unfläthig ; zornig, aufgebracht; radern, ziellof. 
Zw., niederd. f. Unrath wegfchaffen; ſchmutzig geizig fein; fich—, ober. f. 
fic mit niedriger Arbeit quälen, abmühen (vergl. abradern). 

Kader 2. m. ſ. Rad. — Rackete, w., f. Rakete. 

Rad, f., -e8, M. Räder; Verkl. das Rädchen, M. gem. Räderchen, 
taltd. rad, rar; lat. rota, daher ital, ruota, franz. roue; verm. mit dem 
altd. hradi, radi, angelf. rath, holl. rad, ſchnell; cd. mit ridan, drehen, 
frümmen, woher reid, kraus?), ein freisförmiger Körper, bef. wenn er um 
feine Achfe beweglich iſt (z. B. ein Mühl-, Waffer-, Brunnen», Wagenz, 
Spinn⸗, Spulrad ze. ; die Räder in einer Uhr 2c.); in weiterer uneig. Bed. auch 


4 











Rad 443 


eine Kreislinie, Kreisbewegung (3. B. landſch. im Zange: ein Rädchen machen, 
f. im Kreiſe herumtanzen; ein Rad fchlagen, d. i. ſich mittelft der ausgeſtreckten 
Arme u. Beine im Kreife überfchlagend fortbewegenz; ber Pfau fchlägt ein Rab, 
wenn er feinen Schweif Ereisförmig ausbreitet) ; in engerer Bed. bef. ein Wagen: 
rad (die Räder ſchmieren; Tprichw. das fünfte Rad am Wagen fein, d. i. völlig 
überflüffig); ferner ein vadformiges Hinrichtungswerfzeug, mit welchem einem 
Verbrecher die Glieder zerfchmettert werden, und diefe Art der Todesſtrafe 
felbft (mit dem Rade vom Leben zum ode bringen, d. i. rädern; zum Rade 
verurtheilen;- er verdient Galgen und Rad; einen Verbreger auf das Rab flech— 


ten, d. i. feine Gebeine, nachdem er gerädert ift, auf einem anderen Rabe bes 


feftigen) ; — 3fes. v. Rad, Rade: die Radachfe, ſ. Achfe; der Radarm, 
ſ. v. mw. die Speiche, bef. an Mühl-, Kunſt-, und Wafferrädern; die Rad— 
od. Nadebärge, (auch Radbäre, =beren, =werge 20.5 v. dem gem. Bärgef. 
Bahre, Trage), landſch. eine Art Schubkarren, beftehend in einem offenen 
Kaften mit Handhaben und einem Rade zum Fortfhieben, Kaftens, Hohlkarren ; 
der Radbohrer (gem. Radebohrer), ein Löffelbohrer zum Ausbohren der 
Radnaben ; radbrechen od. gew. radebrechen, untrb. ziel. Zw. (Impf. rades 
brechte, Mw. geradebrecht), eig. mit bem Rabe zerbrechen, rädern; gew. uneig. 
f. verftümmeln, miſshandeln, zerftücdeln (die Worte, eine Sprache u. dgl.); 
der Radbrunnen, ein Brunnen mit einem Schöpfrade ; die Radfelge, f. Felge; 
das Radfluder (f. Fluder), Hüttenw. das Gerinne, weldes das Waſſer auf 
das Waſſerrad leitet; radfürmig, Bw., die Form eines Rades habend (2. B. 
Pflanz. eine Blumenkrone); das Radgarn (gem. Radegarn, Radege 
fpinft), Zuchm. grobes mwollenes Garn, welches auf einem großen Rade ges 
fronnen ift; der Radfaften, das Bepältnifs, in welchem fich die Räder eines 
Triebwerkes bewegen; der Radmacher od. gew. Rademacher, Wagenräder: 
verfertiger, Stellmaher, Wagner; die Radnabe, f. Nabe; der Radnagel, 
Nägel mit ftarken Kuppen zur Befeftigung der eifernen Schienen auf die Felgen 
der Räder; die Radſcheibe, Schiff. ein ſcheibenförmiges Rad, welches in einem 
Blocke umläuft, zur Aufhebung von Laften; die Radſchiene, eiferne Schienen, 
welche auf die obere Fläche der Radfelgen genagelt werten; die Nadfpeiche, 
f. Speiche; die Nadfperre, Wagenfperre, Hemmkette (ſ. d.); die Radfpur, 
das Geleife (f. d.) der Wagenräder ; der Radſtock, gem. Radeftod, b. den 
Wagnern: ein ausgetäfeltes Loch in der Erde, in welchem das Rad befeftigt 
wird, deſſen Nabe ausgebohrt werden ſoll; der Nadftößer, gem. Rade- 
ftößer, 1) ſ. v. w. Prallftein; 2) eine Art Nabenbohrer; die Nadftube, 
bef. Bergw. der Raum, worin ein Kunft= 0d. Wafferrad hängt; der Nadftuhl, 
das Gerüft, worauf ein Kunftrad gelegt wird; die Radwelle, |. Welle, — 
v. Räder: die Naderfeile, zarte Keile der Uhrmacher zum Ausfeilen der 
uhrräder; der Raͤdergroſchen (auh Nädelgrofchen), ein Kaifergroichen 
mit einem Rade im Gepräge; fo auch: der Raͤdergulden, niederrhein. Gulden 
von 24 Groſchen od. 72 Kreuzer; der Raͤderpfennig (od. Rädelpfennig), 
ehem. in Mainz geprägte Pfennige; die Näderforalle, eine Art Staudenkos 
ralle; der Raͤderkuchen, eine Art Seefcheiben mit eingeferbtem Rande; der 
Raͤdermacher, Spinnräderverfertiger; oberd. auch f. Radmacher (f. 0.);, der 
Raͤderſtein (auch Rädelftein), radförmige Theile verfteinerter Seefterne ; 
das Näderthier, ein zu den Wirbelwürmern gehörendes Aufgufsthieechen, wel— 
ches überaus beweglich iſtz das Raͤderwerk, ein aus Rädern beftebendes Merk 


444 Rade — Radies 


(das Raherwerk einer Uhr 2c.); — Ableit. das Nädel, -8, gem. oberd. f. 
Rädlein, Rädchen, kleines Rad; ehem. uneig. ein Kreis oder Ring von 
Menfchen, welche zufammen fiehen; daher der Raͤdel- od. gem. Raͤdels⸗ 
führer (alt au) Rad», Rädleinführer, Rädelmeiſter; vergl. d. engl. ring- 
leader), der Anführer eines aufrührifchen Haufens; überh. der Anftifter u. An- 
führer eines böfen Unternehmens; der Raͤdelgroſchen, =pfennig ꝛc. ſ. o. 
Rädergrofchen; der Raͤdelkreuzer, oberd., von Ferdinand I. geſchlagene Kreuzer, 
auf welche zwei radförmig Über einander liegende Kreuze geprägt find; — 
raͤdeln, ziel. Zw., landſch. f. im Kreiſe drehen; auf ein Rädchen wickeln 
(aufs und abrädeln); räderig, Bo., Mäder habend, mit Rädern verfehen, 
nur in den gef. zwei=, vierräderig 2c.; raͤdern, ziel. 3w., mit Nädern ver: 
fehen (berädern) ;. mit den Rädern zerbrechen (unter einen Wagen gerathen u. 
gerädert werden) ; be. mit dem Rade (f. 0.) hinrichten (einen Verbrecher —) ; 
uneig. f. verflümmeln, radebrechen (f. o.); heftig u. fchmerzhaft erfchüttern 
(ic kin wie gerädert); Rädker, m., -8, Tandfch. f. Radmacher, u. f. 
Rädermacher (f. o.). 

Rade, w., niederd. f. Gerade, ſ. d. 

Nadel, f., landſch. f. der Raden, ſ. d. 

Rädel, m., -8, M. w. E., 1. Hüttenw. ein ſtarker vierfantiger Baum, 
an welchen der Pochitenpel prallt, menn ex von der Radwelle in die Höhe gehoben 
wird; daher die Raͤdelſaͤule, eine ſtarke Säule mit vieredigem Loche, durch 
welches der Rädel gefhoben wird; — Raͤdel 2. landſch. f. gemeiner Lolch, 
Schtwindelhafer (mahrfh. von raden); — 3. f. v. w. Räder, ein Sieb (f. 
u. räden). 

Kädel, f., Rädelsführer zc. f. unter Rad; — rädeln, 8w., 1. f. 
unter Rad; 2. |. räden. - 

Raden, m., -$, o. M. (eltd. rato, rat, radan 21.5 oberd. Rat, Raten, 
Natel; niederd. Rade; wahrſch. v. raden f. reuten), ein befanntes, auf 
Kornfeldern wachfendes Unkraut mit weißen, fleifchfarbenen, oder rothen nelkens 
ähnlichen Blüthen (agrostema githago L.), auch Korn-, Aderraden, Radens 
korn, Kornnelke, Nelkenröschen, Trespe, Lolch zc. genannt; landſch. auch 
f. Unkraut überh.; die Radendiſtel, Krausdiſtel, Mannstreu. 

raden 1. zielloſ. u. ziel. Zw. (auch rodenz oberd. raten), niederd. f. 
reuten, ausrotten; von Unkraut ſäubern; daher die Radehacke od. «baue, 
eine Hacke zum Ausreuten, Reuthaue, Karft. 

raden 2., auch räden u. gew. radeln, raͤdern 15 ziel. Zw. (landfch. auch 
rädern, veitern, vetern, reutern; altd. ritaron, fieben ; ridon, altnord. rida, 
zittern; vergl. rütteln u. das niederd. vätern), alt u. landſch. f. fieben, mit 
dem Siebe reinigen (Getreide, gepochtes Erz 2u.); der Räder, —s, M. 
w. E. (landfch. auch Rädel, Raidel, Reiter; altd. ritra, ritera, 1, 
ängelf. hriddel), f. Sieb; landſch. aud) eine Perfon, welche fiebt; daher der 
Kädermacher, f. Siebmacher; die Raͤderſtange, in Pochwerken eine Stange 
an einem Siebwerke; die Näderwelle, Müll. eine ſenkrecht ſtehende Welle, 
welche die Erſchütterung des Beutels in bem Mehlkaften bewirkt, Sichtwelle; das 
Raͤderwerk, ein Siebwerk in Pochwerken. 

rädern 2., 3w., Nädergrofchen, = gulden, Räbderftein, «thier, werk, 
f. unter Rad. 

Radies (nicht gut Radieß gefchr.), m., -e8, M. -e (nicht -er), ober 














Radlig — Rah 445 


gew. verkt. das Radieschen, -$, M. w. E., (niederd. auch Reddies ; aus 
dem franz. radis, ital, radice, vom lat. radix, Wurzel), eine Art des Rettigs, 
einer u. von weniger ſcharſem Geſchmack, als der gemeine Rettig, mit rother 
oder weißer Schale, füßer Rettig. 

Nadlig, m., -e8, M. -e (wahrſch. von raden 1.), landſch. f. Haken: 
pflug, Rührhaken. . 

Radmacher, snagel ıc. — Radwelle, f. unter Rab. 

Raff, m., -e8 (r. -en; verw. mit Neff, Rippe), urfpr. überh. ein langer, 
ſchmaler Körper od. Streif; daher alt und oberd. f. Balken, Spatzen, bef. 
Dachſparren (altd. ravo, bair. Rafen; vergl. d. engl. roof); niederd. die aus⸗ 
gefchnittenen, gefalgenen u. gedörrten Flofefedern der Heil= oder Hillbutte, 
eines nordifchen Fiſches; (dev ganze in Streifen gefpaltene Fiſch heißt: Raff 
und Rekel, f. d.). 

Kaffel, w., 1. (verkürzt aus Geroffelwurg, u. diefes verderbt-aus d. 
(at. caryophyllata) Landfch. gem. f. das MWaffer : Benedictkraut ; — Raffel, 
2., raffeln, 3w., ſ. unter vaffen. 

raffen, ziel. Zw. (altd. rafsjanz engl. raff, ſchwed. rifwa, rappa, nieberd. 
rapen, rappen; vergl. d. lat. raperez fcheint von einem vlt. ziellofen Zw. raf- 
fen, ieländ. hrapa, ſich fchnell bewegen, auszugehen), ſchnell u. begierig mit 
den Händen zufammenfaffen und an ſich reißen (bef. in den Zſetz. auf-, weg-, 
zufammenraffen zc.); überh. fehnell und gewaltfam ergreifen und fortreißen 
(dev Tod rafft Alle zu füch); ITes. das Naffholz, im Walde zufammengeraff- 
tes od. aufgelefenes Holz, Leſeholz; der Raffzahn, (gem. aud) Rab⸗, Kapps 
zahn), Landfch. f. Schneidezahn der Thiere, bef. der Pferde; gem. auch f. lange, 
hervorragende Zähne bei Menfchen; raffzahnig, Bw., Raffzähne habend ; — 
Ableit. raffeln, Zw. 1) ziel. das verkl. vaffen, an fich reißen; mit der 
Raffel (f. u.) reißen; ſich —, gem. f. raufen; 2) ziellos, oberd. f. ſich ſchnell 
u. mit Geräufch bewegen; Elappern; auch f. fehnattern, ſchnell fprechen, 
flüftern, vaunen (auch väffeln); die Naffel, M.-n, ein Werkzeug zum 
Raffen; insbef. die Kämme, womit die Samenfnoten des Flachſes von 
den Stenge'n geriffen werden; Fiſch. eine Art runder Fifchgarne (franz. rafle); 
der obere Kinnbaden der Hirfche; auch f. Klapper; gem. verächtt. f. Mund; 
auch ein altes klatſchendes u. zänkiſches Weib. 

ragen, ziellof. Zw. m. haben, (mittelhechd. ragen, latein. rigere; von 
der Wurzel rak, rach, rag, ausgedehnt, ſtarr; vergl. Rah, räh oder reh, 
recken zc.) alt und oberd. f. geftredt, ſtarr od. fteif fein (4. B. vor Froft, vor 
Zrägheit ꝛc.) ; jest im Hochd. ſtarr hervorftehen od. emporftarren, über die 
Fläche od. über andere Dinge fich erheben (in die Höhe ragen; die Bergipigen 
ragen in die Wolken; auch uneig. er ragt über Alle, d. i. zeichnet fich vor Allen 
aus; bef. in den Zſetz. heraus-, hervor, emporragen 2c.); — die Ragewurzel 
od. Ragwurz, wohlriechende Stendelwurzel; der Ragezahn, alt f. ein aus 
dem Munde hervorftchender Zahn, Raffzahn. 

Nah od. Nahe, w., M. -en, (nicht gut Ras geſchr.; altd. raha, raja, 
mittel. rahe; oberd. Nahen, Rachen, wahrfch. verw. mit ragen, reden, altd. 
rachjan, ausdehnen; ſchwed. ra, dän. raa), alt u. oberd. überh. Stange, 
Ruthe; insbef. Schiff. die Segelftange ; in engerer Bed. bef. die große Rah, 
‚welche das unterfte Segel am Hauptmafte trägt; das Rahband, Eurze Taue 
zue Befefligung des Segels an die Rah; der Rahhaken, Enterhaten an den , 











446 raͤh — Rahmen 


Nocen der Rahen eines Branders; das Nahfegel, ein an einer Rah befeftig- 
tes Segel. & 

räh od. rähe, oberd. Bw., die Nähe, Rähkrankheit f. reh, Rebe. 

Nähe, m., -n, M.-n, niederd. f. Rüde, großer Hund. 

Rahm I., m., -e8, o. M. (verw. mit d. alten ram, Ziel, ramen, zielen 
(vergl. berahmen 2.), alfo: das Äußerfte, Oberfte; oder mit ge=rinnen?) 
1) dee oben ſchwimmende fettefte Theil der Mitch, Milchrahm, Sahne 
(oberd. Raum, niederd. und holl. room, angelf. ream, engl. cream, franz. 
er&me; vergl. d. lat. cremor); in weiterer Anwendung jede ſich von einer 
Flüffigkeit ſcheidende und auf deren Oberfläche anfegende dickliche Maffe 
(4. B. Kalle, Weinfteinrahm) ; 2) landſch. f. Ruß, oberd. überh. f. Schmug, 
bef. an der Haut (mittelh. roum , oberd. Kam, Rom); niederd. (Raam) auch 
f. Rauchfang in Bauerhäufern (daher der Rahmkehrer f. Schornfteinfeger ; 
frang. ramoneur); — fe. von Rahm 1): die Rahmkanne, der Rahme 
topf, der Nahmlöffel, f. v. w. Sahnenkanne, =topf, Löffel; der Rahme 
käſe, Sahnenkäfe; der Nahmfuchen, mit Rahm beftrichener Kuchen; der 
Rahmſack, ein leinener Sad, durch weichen der Milchrahm in das Butterfaß 
gedrückt wird; die Nahmfpeife, aus Milchrahm bereitete Speife; —- von 
Rahm 2): der Rahmbaum, Landfch. ein Querholz in der Feuermauer, woran 
das Fleiſch in den Rauch gehängt wird; das Rahmholz, niederd. Nutzholz zu 
Tifchlerarbeiten, weldyes die Bauern im Rauchfange zu trocknen pflegen; — 
Ableit. der Rahmel, -8, oberd. f. ein fhmusiger Menfch; der Rähmel, - 8 
(oberd. das Rähmlein), landſch. was fich von den Speifen in den Kochgefchir- 
ven anſetzt; daher rähmeln, ziellof. Zw., f. ſich anfeken (ſich anrähmeln) ; 
auch brandig riechen, wie Speifen, die fich an das Geſchirr angelegt haben; 
rahmen, 3m. 1) ziellos, Rahm anfegen (die Mitch rahmt); 2) ziel. den 
Milchrahm abnehmen; oberd. rußig machen (bef. berahmen); rahmig, Bw., 
oberd. f. rußig, ſchmutzig. 

Rahm 2., m., f. Rahmen. 

Rahmapfel, m., die mit einem Ned überzogene apfelähnliche Frucht einer 
Urt des Flafchenbaums in Südamerika (annona reticulata L.). 

Rahmbeere, w., landſch. f. Brombeere. 

Rahmen, m., -8, M. w. E., landſch. abgek. der Rahm, -e8, M. 
Rahme u. Rähme; Verkl. das Rähmchen, (altd. ramo; oberd. die Rahm; 
angelf. rima, Rand, Einfajjung 5 engl. rim u. frame; verm. mit Bram 2., 
Rand, Grenze), 1) überh. ein langer, ſchmaler Streif, bef. ein folches 
Brett, 3. B. niederd. die Seitenbretter eines Schiffes ; ein hangendes Brett in 
Kellern u. Speifefammern zum Aufftellen von Efswaaren; am Rhein: gefchwer 
felte Leinwandftreifen, welche als Einfchlag in den Wein gehängt werden: Kähme 
hen; Schuhm. Streifen von Rindöleder zwifchen der Brandfohle u. dem Abſatz; 
2) landſch. ein Brettergeftell (z. B. Bücherrahm; oberd. auch die Rähm, 
Rem); 3) gew. eine verhältnifsmäßig ſchmale Einfaffung (z. B. Bilderz, 
Fenſter-, Spiegel:, Näh-, Stickrahmen ꝛc.; etwas in einen Rahmen fallen ; 
ein Bild unter Glas und Rahmen bringen; der Rahm einer Säge, d. i. bie höl- 
zerne Einfaffung, das Geftell; Tiſchl. die fenkrechten Einfafjungen der Füllun— 
gen: Rahmenz die wagerechten: Rahmftüde); — Sfeg. die Nahe 
menfohle, Schuhm. eine um einen Rahmen genähte Sohle; der Rahmen— 
hub, =ftiefel, Schuhe, Stiefer mit ſolchen Sohlen; das Rahmenftüd, 








rahmen — Rain 447 


Fleiſch. ein Stück Fleiſch vom unteren Buge eines Rindes; Schloff. die oberfte 
u. unterfte Querftange an einem eifernen Geländer; das Rahmeiſen, Buchdr. 
zwei Gifen in ben Rahmen zum Feftfchrauben dev Schriftfeiten,; der Rahme 
hobel, Tiſchl. ein Hobel zum Ausftoßen zierlicher Rahmen ; die Rahmnäberci 
od. =nätherei, Rahmſtickerei, das Ausnähen od, Sticken von Zeug, welcher 
in einen Rahmen gefpannt ift; die Rahmſchnur, Schnüre an den Rahmen der 
Seidenweber; die Nahmftatt, Tuchm. der Ort, wo die Tuchmacherrahmen fte= 
hen; dag Rahmſtuͤck, Bergw. die Querhölger, auf welchen in der Rabftube 
die Welle mit dem Rade liegt; Tiſchl. f. 0. — Ableit. rahmen, ziel. Zw. 
mit einem Rahmen verfehen, gew. einrahmen. 

rahmen, 3w., 1. f. unter Rahm; 2. f. unter Rahmen ; — 3. ziel. u. ziel: 
108 (altd. ramjan, ramen, zielen, trachten; isländ. ramma, dän. ramme 
vergl. berahmen 2.), niederd. f. zielen, treffen, beſtimmen, entfcheiden, 
muthmaßen, auf etwas denken oder finnen (daher Rahm f. Gedanke, 
Muthmaßung, Wahn); Jäg. die Hunde rahmen den Hafen, d. i. fie holen 
ihn ein und fangen ihn od. nöthigen ihn, einen andern Weg einzufchlagen ; daher 
der Rahmhund, ein Hund, mit welchem man den Hafen rahmt. 

rähmen, rückz. Zw., nieberd. f. fich heben, bäumen (:in Pferd rähmt fich). 

Nahmenfohle, =fhuh, -flüd, f. unter Rahmen; — Rahmeiſen, 
«hobel, =nätherei, = fchnur, = ftatt, -ſtuͤck, |. unter Rahmen; — Rahm: 
holz, -kanne, =löffel zc. ſ. Rahm. 

rahn od. vahnig, Bw. (alt rän, Holl. ran, rank; vergl. rank, Range), 
oberb. f. ſchlank, ſchmächtig, dünn u. biegfant ; die Rahne 1. od. Rahnig— 
feit, f. Schlankheit; rahnen, ziel. Zw., f. dehnen, fireden. 

Rahne 2., w., landſch. Forſtw. f. Windbeuch. 

Rahſegel, ſ., ſ. unter Rah. 

raideln, ziel. Zw. (von dem altd. ridan, isländ. rida, angelf. vrithan, 
engl.‘ writhe, drehen, flechten; daher reid, kraus), oberd. f. drehen, im 
Kreife bewegen ; zufammendrehen, binden; aufwideln, Eräufeln (die Haare) ; 
daher: der Naidel, -8, M. w. E. (au Raitel, Reitel, Ratel, Ra 
telfcheit), ein Eurzer, dider Stod, Prügel, Knüttel zum Zufammen: 
drehen der Stride um Maarenballen u. dgl. (Packraideh; überh. jedeg 
Holz von ähnlicher Geftalt; landſch. auch ein junger, gerade aufgefchoffener 
Baum (Baumreitel). 

Kain, m., -ed, M. -e, (niederd. Reen, ſchwed. ren; von dem altd. 
hrinan, rinan, angelf. hrinan, berühren; vergl. Rand, Rinde zc.), ein 
fchmaler Strich Landes, welcher ald Grenze zwifchen zwei Adern unge: 
pflügt bleibt (Grenz-⸗, Feldrain; den Rain abpflügen) ; oberd. auch der abhän- 
gige Uferrand eines Fluffes ꝛc., Uferhang; in weiterer Bed. die Grenze. einer 
Dorfflur; auch f. freier Grasplak, Anger (Gemeindes, Scießrain 2c.); rai— 
nen, oberd. Zw. 1) ziellos f. grenzen (gew. anrainen); 2) ziel, f. abgrenzen, 
theilen (bef. abrainen; verrainen, d. i. vermarfen 2c.); 3) rückz. uneig. 
fid) zu od. an Jemand —, d. i. ſich ihm nähern, an ihn halten, anſchmiegen; — 
3fes. v. Rain: der Rainbalfen, Landw. ſchmale Streifen Landes, die man 
beim Pflügen des Aders aus Ungefchiclichkeit ungepflügt gelaffen ; der Rain 
baum, Grenzbaum; die Rainbeere, landſch. f. die Beere des Kreuz = oder 
Wegedorns; die Nainblume, eine auf dürren Rainen wachfende Art der Ruhr⸗ 
pflanze mit goldgelben, wohlriechenden Blumen ; landſch. auch f. Maßliebe, Ans 





448 raiten — Ram 


gerblümchen; dee Rainfarn (niederd. Rainſaam), eine dem Farnkraut ähn- 
liche, auf Rainen und Dämmen wachſende Pflanze, auch Weinfarn, Wurm⸗— 
kraut 2c. (lanacelum L,); der Rainkohl, eine Art des Ackerkohls, wilder‘ 
Hohl, Haſenkohl; dee Rainſchwamm, ein Kleiner hellbrauner, efebarer 
Schwamm, weldher nach einem Regen auf Rainen und Biehweiden aufſchießt, 
Nägleinfhwamm, Krefsling ; der Rainſtein, Grenzftein; die Rainweide, 
f. v. mw. ber Hartriegel, f. d. (verſch. Rheinweide). 

raiten od. reiten, ziel. Zw. (goth. rachjan, zählen; rathjo, Zahl, Rech— 
nung; verw. mit Rede, reden, |. d. u. mit d. lat. reri, ratio), alt u. oberb. 
f. rechnen, Nechnung flellen od. ablegen; glauben, erachten, muthmaßen; 
daher das Naitamt, buch, die Raitkammer zc. f. Rechnungsamt, -buch, 
⸗kammer; das Naitholz, Kerbholz; der Raitpfennig, Rechenpfennig ; die 
Raitung, f. Rechnung; der Naiter, f. Rechnungsführer. 

Raiweizen, m., landfch. f. Labkraut (auch Raiwitz, Raimigen). 

Rak, ſ., ſ. das Rad unter rad. 

Rak, m., Rake, w., f.der Rad, die Nade. 

Räkel, m., f. Rekel. i 

taten, niederd. Aw. 1. (holl. raaken; verw. mit reden, reichen) 1) ziel. f. 
rühren, berühren, treffen (uneig. leicht geraket fein, d. i. empfindlich, reiz⸗ 
bar); 2) ziellos f. fommen, gelangen, gerathen (3. B. aufs Trockne ); — 
2. f. raden. 

Rakete 1. w., M. -n, Verkl. das Raketchen, (v. ital. ragg:o, rag- 
getto, vom lat. radius, Strahl; engi. rocket), eine mit Pulver gefüllte 
walzenförmige Papierhülfe, welche als Luftfeuer angezündet in die Höhe ſteigt 
und knallend zerplast, ein Strahlfeuer, Brandfleiger; Bergw. eine mit nafjem 
Pulver inwendig befehmierte Papierhülſe, welche in das mit Pulver gefüllte Bohr: 
Loch geftet wird, um das Pulver zum Sprengen anzuzünden; Zfes. die Ra⸗ 
ketenhuͤlſe, der Raketenſatz, das Pulver, womit die Rakete gefüllt wird; 
der Raketenſtab od. ſtock, der Stab, an welchen die Rakete zum Abbrennen 
befeftigt wird. 

Pakete ?. w., M.-n, od. das Nafet, Nafett, -e8,.M. -e, (aus d. 
ital. racchetta, franz. raquette), Schlagnes zum Ballfpielen, Ballnes. 

Kalle, w., M.-n, landſch. auch dev Rall, (neulat. rallus, grallus; 
eng!. rail; wahrſch. von ralten in der Bed. ſich fchnell bewegen), 1) ein auf 
Adern und Wiefen lebender, fehr fehnell laufender Vogel mit unangenehm 
fehnarrender Stimme, auch Grass, Wieſenläufer, Wiefenknarrer od. ⸗ſchnarcher, 
Wachtelkönig, Schnarrwachtel, Schnarre, Schnarker, Schreck, Schrickec. genannt; 
die graue Ralle, f. die gefleckte Meerſchwalbe; 2) ſ. v. w. Relle, Rellmaus, 
ſ. dae; — der Rallenreiher, eine Art Reiher, oben braunroth, unten weiß. 

rallen, zielloſ. 3w., landſch. bef. niederd. (vergl. d. holl. rallen, rellen, 
plaudern; engl. rally, franz. railler, fehergen), überh. fich lebhaft bewegen, 
umberlaufen; daher lärmen, toben (niederd. aud) valken);, plaudern, ſcher⸗ 
zen, Muthiwillen treiben, ſchäkern, ausgelaffen luftig fein (fähweiz. vahelens 
bair. vollen); fehwäb. f. rammeln, von den Katzen; daher der Rälling, f. 
Kater; niederd. Schiff. von den Wellen: über einen feichten Grund vollen; 
daher. die Rallung, die von der Tiefe her auf der Höhe des Walles od. einer 
Platte noc) fortlaufenden Wellen. 


Ram 1. m. (altd. hram, angelf. hraemn, isl. brafu), alt u. landſch. f. Rabe. 











Ram — rampfen | 449 


Nam 2. m., es, M. -e, Bergw. eine Art Zwitter (Eifen«, Wolfcam). 

samen, 3w., ſ. rahmen. 

ramenten, niederd. ziellof. Zw., öfte. ramaten, f. lärmen, poltern. 

Ramkenwurzel, w., landſch. f. die Enollige Braunmurz. 

Kamm 1. m., -08, M. -e (oberd. Gen. des Rammen ; altd. ram, M. 
remmi; engl. und boll. ram; vielleicht verw. mit dem isländ. ramr, ſtark; 
vergl. vammen, vammeln) 1) ober= und nicderd. f. Widder, Schafbock (aud) 
Rammer, Rammel, Rammbod); daher dag Nammenhödlein, landſch. 
f.. Seigiwarzenfraut ; das Rammshorn, f. Widderhorn; der Rammskopf, 
Widderkopf; ein Semfttsen ähnlicher Pferdekopf, die Rammsnaſe, eine ber 
Widdernafe ähnliche gewölbte Nafe eines Pferdes; — 2) landfch. auch verfc)ies 
dene andere männliche Thiere, insbef. der männliche Haſe Rammler), 
das männl. Kaninchen; der Kater; der Stier. 

Kamm 2. m., -e8 (eahefe. auß Krampf verkürzt), niederd. f. Krampf. 

rammen, gieltof. u. ziel. Zw. (engl. ram; vergl. Ramm 1.), flogen, beſ. 
in engerer Bed. mit einem ſchweren Klog fenkrecht ſtoßen od. fchlagen (Pfähle 
in die Erde —); daher der Nammblod, »Elo& od. die Ramme, M. -n, 
(landfh. auch die Rammeh, das Werkzeug zum Rammen, beftchend aus 
einem fchweren Klose, welcher entweder mit den Händen geführt wird (Hands 
ramme, Sungfer), befonders um die Pflafterfteine feft zu ftoßen, oder in einem 
Gerüfte mit Striden in Bewegung gefegt wird, um Pfähle in die Erde zu trei- 
ben; der Nammbod, 1) f. v. w. Rammblod; 2) f. Ramm 1.5 der Name 
mer, -$, wer rammt; — trammeln, 3m. 1) ziel., das Veröfterungswort 
von rammen: mehrmals, wiederholt rammen oder floßen (Pfähle in bie 
Erde —); durch wiederholtes Stoßen bewirken (in Ifes. wie einrammeln, vers 
rammeln,2c.); 2) rüdz. ſi ch —, Bergw. f. zufammenfloßen, fich vereinigen 
(die Gänge rammeln fich, wenn fie fi) völlig mit einander vermifchen) ; 3) ziellos 
m. haben, landfch. gem. f. ein Geräufch, Getöfe machen (ſchwed. ramla; 
daher der Rammelabend, landſch. f. Polterabend), ſich ungeftüm bewegen, 
hin und her werfen (3. B. im Bette); von Hafen, Kanindyen, Schafen uno 
Katzen f. ſich begatten (altd. rammalon), landſch. auch vom Rindviehz daher 
der Rammelochs, Landfch. f. Zuchtochs, Stier; die Nammelzeit, Begatz 
tungszeit; der Nammel, -8, M. w. E., der Schafbock (f. Ramm 1.);5 
ſchwäb. gem. eine mannfüchtige Weibsperſon; Bergw. der Ort, wo mehre 
Zwittergänge zufammenfommen, gew. eine Art Zwitter od. Zinnftein; der 
Kammler, -$, das Männchen der Thiere, deren Begattung man Ram: 
meln nennt, bef. der männliche Haſe; rammelig, Bw., landſch. gem. f. 
läufifch ; liederlich. 

Rammshorn, =Fopf, =nafe, f. unter Ramm 1. 

Ramp, m., Ses, (vergl. Rummel und das franz. ramas), niederd. f. eine 
Vielheit od. Menge verfchiebener Sachen (im Rampe, d. i. in Bauſch und 
Bogen) ; daher rampen, ziel. 3w., f. im Baufc und Bogen faufen. 

Rampe, w., M.-n, 1. (aus dem franz. rampe), eine gelind aufſtei— 
gende Fläche, Un: od. Auffahrt vor einem Wall, einem Palaft ꝛc.; — 2. bei 
d. Kammmachern: die abfchiefernden Theilchen am Horne, welche abgeſchnitten 
werden müſſen. 

rampfen, ziel. Zw., oberd. f f. vaffen, zerren; die Rampfe, f. Hauswurz. 
Hauslauch; die Kampfel, M.- -n, ſchwäb. f. grobe Perfon. 


Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2r. Theil. 29 





450 ramfeln — Rang 


raͤmſeln, ziellof. 3m. (von Ramm, Bock?), oberd. f. übel riechen, nad) 
Schweiß riechen; der Ramſel, -8, 1. (landſch. auch Ramfer, Ramfenwurz, 
Rams, Ramiſch ꝛc.), eine Art wilden Knoblauchs von fehr unangenehmem Ge= 
ruch, Waldknoblauch; auch f. Knoblauchkraut; 2. (von anderem Stamme) 
die gemeine Kreuzblume, Mithblume (Ramfelblume). 

Ramfen, m., -$, landſch. f. Hahnenkammklee. 

Rand, m., -e6, M. Ränder, Verkl. das Rändchen, oberd. Rändlein 
(altd. rant, M. rendiz ſchwed. u. engl. rand; isländ. röndz verw. mit Kain, 
Rinde 2c.), die äußerſte Grenzlinie od. = fläche, der begrenzende Saum od. 
Umfang eines Dinges (der Rand einer Wiefe, eines Beetes, Grabens, Ab— 
grundes 2c.; uneig. am Rande des Grabes ftehen, d. i. dem Tode nah fein; ber 
Rand eines Gefäßes, Glafes, Topfes, Zeller 2c.; der Rand eines Blattes, 
eines Buches, d. i. das die Schrift umgebende, unbefchrieben od. unbedrudt ges 
biiebene Papier; daher: einen Rand brechen, durch Einbiegung des Papiers 
die Grenze des Randes bezeichnen; etwas auf od. an den Rand ſchreiben; ſprichw. 
das verfteht fi) am Rande, d. i. von felbft, gleichfam ald Randbemerfung) 5 
uneig. f. da8 Ende einer Sache (mit etwas od. mit Semand zu Rande kommen; 
eine Sache zu Rande Ran) — 3feg. die Nandanmerfung, =bemer- 
fung, = erklärung 2c. (fr. Gloffe, Marginalien); der Nandanmerfer, =bes 
merker, ⸗ſchreiber (fr. Gloſſator); der Randboden, ein Werkzeug, um die, 
Bienen in einen Korb zu faſſen; das Randdorf, brandenb. Benennung der 
Dörfer, welche am Rande von Moräften liegen; der Randfiſch, die Bleihe od. 
Plöge; das Randholz, Schiffb. zwei krumme Hölzer, die unten an den Hin= 
terfteven, oben an zwei Ständer ftoßen; der NandEnoten, eine dem Lungen= 
Eraut ähnliche auständifche Pflanze (limeum L.); die Randmotte, eine Art 
Nachtfalter; das Randmuſter, Schuhm. f. v. w. der Rahmen, |. d&.5 bie 
Randſchrift, Schrift auf dem Rande, bef. die Umfchrift einev Münze; die 
Ranvichhffel, Schüſſel mit aufrecht ftehendem Rande; randftandig, Bw. 


(Neuw.) Pflanz. am Rande ſtehend; randflielig, Bw. (Neuw.) Pflanz. am 


Rande mit einem Stiele verfehen (ein randftieliges Blatt); das Randſtuͤck, das 
Stück, welches den Rand eines Dinges ausmacht; ein Stück vom Rande (z. B. 
eines Kuchens); — Ableit. ränden od. gew. rändern, raͤndeln, ziel. Zw., 
mit einem Rande verſehen (eine Münze); raͤndig od. randig „Bw., einen 
Rand habend, gew. nur in Zſetz. wie breit=, fehmalz, hochrandis 20.5; das 
‚ Randfel, -8, niederd. f. ein Kothſaum am Rocke. 

Ranft ‚m; -es, M. Ränfte, Berk. dns Nänftchen, (altd. ramft; 
oberd. Rampf, Rampft; v. d. alten rimpfen, rampf, zufammenziehen, eine 
ſchrumpfen, vergl. rümpfen), bef. oberd. f. Minde, insbe. Brodrinde, Krufte, 
auch Baumrinde, feſte Erdrinde ; in weiterer Bed. f. Nand. 

Rang, m., -es, M. Ränge, (engl. u. hol. rank; zunächft aus dem franz. 
rang —— aber urſpr. deutſch, verw. mit Ring, ringen, rang, und dem 
landſch. rangen f. ranken, dehnen; urſpr. eine Ausdehnung in die Länge, daher 
oberd. Rang, Rangen f. fortlaufender Berghang), eig. |. v. w. Reihe, z. B. 
die über einander befindlichen Reihen der Schaufige in Schaufpielhäufern (im ers 
ften, zweiten zc. Range figen) ; uneig. der Grad der Größe (Kriegsfchiffe vom 
erften, zweiten, dritten Range 2c.); der Grad der Mürde, des Anfehens 
oder Standes in der bürgerlichen Gefellfchaft (ein Mann von hohem Range) ; 
in engerer Bed. hoher Stand (ein Menn von Rang); auch f. Vorrang, Vorzug 











Range — Rangmade 451 


(einem den Rang geben, laſſen, ftreitig machen, ihm den Rang ablaufen, d. i. 
den Vorzug vor ihm gewinnen); — 3feg. ranglos, Bw., ohne (hohen) Rang; 
bie Rangordnung, Stufenfolge des bürgerlichen Ranges; das Nangfchiff, 
Linienſchiff; rangſtolz, Bw. ; der Rangftolz; der Rangftreit, die Rang» 
fireitigfeit, die Rangſucht; rangfüchtig, Bw. 

Range, w., M.-n, 1. Landfch. f. Sau; — 2. (oberd. auch Rande, 
"Randen, Ranne), Iandfch. f. rothe Rübe, Mangold; u. bef. f. Runkel— 
rübe, f. d. — 3. f. unter rangen. 

rangen, ziellof. Zw. (vergl. Rang, rank, Ring ꝛc.), landſch. 1) f. fich deh— 
nen, ſtrecken, ranken; 2) (auch rangeln, wanfeln, wrangen; engl. wrangle) 
f. ringen, ſich balgen; überh. im Spiele wild toben, lärmen; die Nange, 
M.-n, landfch. f. Grenze, Rain; der u. die Range, M. n, gem. nie 
derd. f. ein hoch aufgefchoffener junger Menſch; ein muthwilliger, bösar— 
tiger Bube (niederd. auch Rengel); der Rangen, -$8, (auch Rang, f. d., 
Rank, Ranken), oberd. f. Höhenzug, fortlaufender Berghang, Halde. 

Rangordnung, =flreit, = fucht zc. f. unter Rang. 

ranf, Bw. (v. ringen d. i. fi) dehnen, winden, wie ſchlank von fehline 
gen; holl. u. engl. rank; ſ. v. w. das oberd. rahn), niederd. f. ſchlank und 
biegfam, lang und dünn, hoch aufgefhoffen ; von Schiffen: zur fchmal ger 
baut; — der Rank 1., -e8, M. Ränke, (oberd. in allen Bed. auch Rant), 
eig. eine Wendung, Krümmung (fo noch oberd. der Rank eines Weges) ; gem. 
uneig. f. liſtiger Streih, Umtrieb, Ausflucht, Kunftgriff (ait? ein kluger 
Rank u. dgl.), bei. ein heimlicher Kunftgriff zu unerlaubten Zweden u. zu 
Anderer Nachtheil, gew. nur in der M. Ränke gebr. (fr. Intriguen; mit 
Ränken umgehen, Ränke machen, fchmieden ze.); daher der Raͤnkemacher, 
Ränkeſchmied (fr. Intriguant) ; ranfevoll oder rankvoll, Bw.; — die 
Ranke, M. -n, aud) der Ranken, -8, M. w. E. (ſchwed. ranka), überh. 
ein dünner, ſchwanker Zweig od. Stengel; insbef. fehnurähnliche, gewun— 
dene Zweige verfchiedener Gewächfe, als der Weinreben, des Hopfens, der 
Kürbiffe, Gurken, Bohnen, des Epheus ꝛc., womit fie ſich anfchlingen u. fefte 
halten; daher der Rankenbaum, Gärtn. f. Geländerbaum ; das Rankenge— 
waͤchs, ein mit Ranken verfehenes Gewächs; die Rankenwurz, Enotige 
Braunwurz; ranfig, Bw., Ranken habend, mit Ranken verfehen; — 
ranken, ziellof. u. rücz. Zw. (vergl. rangen, verrenken 2c.) 1) oberd. f. fich 
ftredden, dehnen, ſchmiegen; heftig bewegen (gem. auch) rankern); 2) gew. 
ſich ſchlängelnd fortbewegen, in gewundener Richtung wachſen; auch Ran: 
Een treiben u. ſich mittelft derfelben anfchlingen (dev Epheu, die Bohnen zc. 
ranken, od. ranken ſich an Bäume, Stangen ıc.). 

Rank 2. m., aud der Ranke, Ranken, M. Ranken (wahrſch. von 
gleihem Stamme mit rank, Rang zc.), oberd. f. Rand, Ranft; ein großes 
Stück Brod (aud Renten, Runken); der Ranken (M. Ränken) auch f. 
Knochen, Fußknochen; ein mageres Stüd Vieh, mageres Kind (vergl. Range). 

Rank 3. m., -e8, od. das Rankkorn, (auch der Rang, Rangen; von 
ringen?), ein erbfenförmiges Gewächs, ‚welches die Schweine zuwenen in 
großer Hige am Gaumen befommen, wobei fie taumelnd werden und fterben, 
auch Klamm, Klemme, Gerftenforn genannt, _ 

Ranke, ranken ıc. f. unter ranf. 

Rankmade, w., die Larve des Bienenfäfers, Riehlwurm. 


29# 


452 Ranne — Rapp 


Ranne, mw. od. Ranrübe, f. Range 2. 

Kant, m., -e8, M. Ränte (vergl. d. engl. ranı), oberd. f. v. w. Rank 
(1): Wendung, einmalige Bewegung ; Anfchlag, liftiger od. muthmilliger 
Streich; lärmender Muthwillen, Getöfe; ranten, oberd. Zw. (engl. ranı) 
1) ziellos f. muthwillige Streiche treiben; 2) rüdz. ſich —, f. groß thun, 
ſich brüften ; auch f. nadhfinnen, ſich ängſtigen, ärgern ze. (bef. fich abranten). 

Nante, w., M. -n (vergl. Ranke, Range) bair. f. Schöfsling, ſchlanker 
Fichtenſtamm, Stange. 

Ranunkel, w., M.-n (v. d. lat. ranunculus d. i. eig. Froſchkraut, von 
rana, Froſch), der Gartenhahnenfuß, eine ſchöne vielfarbige, aber geruch— 
lofe Blume. 

Ranze, w., M. -n (wend. ranza; vergl. Range 1. Nachahmung des 
grungenden Rautrs?) landfd. gem. f. die Su. 

Ranzen, landſch. auch Ränzel, m., -8, M. w. E., Verkl. das Nänz 
hen (aiederd. Renzel, holl. rentser, ſchwed. ränsel), ein Reiſeſack, Reife 
bündel, eine Art Eleiner Felleifen, weldye man auf dem Rüden trägt; uneig. 
gem. f. Leid, Bauch, Wanſt; landſch. auch f. Budel, Höcker, Rüden. 

tanzen 1. zieltof. u. rückz. Zw. (altd. r. ransen, rensen; verw. mit Lden⸗ 
nen? vergl. das ſchwäb. ver Ranz f. das Rennen) gem. f. heftige Bewegungen 
machen, fidy ungeftüm hin und her werfen G. B. im Bette —, vergl. ram 
meln); lärmen, ſchäkern;z fich liederlich herumtreiben (Herumranzen, ſchwäb. 
rantſchen) ; von Hunden u..vierfüßigen Raubthieren: läufifch fein, nad) der 
Begattung verlangen; ſich —, oberd. f. fich unanftändig dehnen, ſtrecken 
vor Schläfrigkeit, Faulheit zc. (auch franzen; vergl. raagen); die Nanzzeit, 
Begattungszeit der Hunde 2c.; ranzig 1. Bw., zum Ranzen, d. i. zum 
Herumlaufen, 05. zur Begattung geneigt (eine ranzige Hündinn). 

ranzen 2. ziellof. Zw. (lat. rancere), verdorben u. übel riechen; ranzig 2. 
Bw. (doll. ranst, gagl. rank, franz. rance, lat. rancidus), verdorben und 
widrig riechend u. ſchmeckend, nur von Fettigkeiten, Ol u. dgl.; die Mans 
zigfeit, ranzige Befchaffenheit. 

Nayert, m., -8, M. -e, auf Kriegsſchiffen: das Geftell einer Kanone 
(auch Rampert, Rollpferd). 

rapp, Bw. (ſchwed. rapp, holl. rap; vergl. d. lat. rapere, rapidus), 
niederd. f. ſchnell, raſch, behende; rappen oder rapen, ziel. Zw. (vergl. 
rappfen), bef. niederd. f. raffen, ſchnell bewegen, hurtig ergreifen od. zufame 
menfaffen ; der Rappfihnabel, niederd. f. ein vorfchnell redender, nafeweifer 
junger Menfch ; der Raypzahne ſ. Raffzahn; der Napper, -8, die Raps 
perinn, landſch. wer das gemähete Getreide zufammenrafft; euich der ver: 
eidigte Metzner in den Mühlenz der Rapps, - es, Müll. das Getreide, wel— 
ches zwifchen den Mühlſteinen figen bleibt u abgerafft wird (Abrafft). 

Rapp 1. oder Rappe, m., -en, M. -en, 1) oberd. f. Nabe; 2) ein 
. tabenfchwarzes Pferd ;. 3) (der Rapp oder Rappen) eine fchmweiz. Eleine 
Scheidemünze, auf welche ehemals ein Rabenkopf geprägt war (vergl: Nabens 
heller) = 1, Bagen; der Nappenfuß, f. Rabenfuß; das Rappenfuͤßlein, 
eine Heine Pflanze; der Mäuſeſchwanz. 

Rapp ?.m., -en, M. -en (landfch. auch der Rappen, alt Rappe; 
mittl. lat. grappus, franz. grappe), oberd. f. die entbeerte Weintraube , der 
Zraubenfamm (f. Kamm 3); der Raͤpps, es (auch Rapp, Rappesz 


— 














Rappe — Rapunzel 453 


mittl. lat. raspeium, ital. raspato, graspato, franz. räpe) landſch. f. Beer: 
wein, d. i. Wein, ber zur Verftärkung auf frifche Trauben gegoffen ift u. mit 
diefen nochmals gegohren hat. 

Rappe, m., -n, M. -n, 1. f. Rapp 1.— 2. (auch Rapen, Rapfenz 
wahrfch. v. rappen, vaffen, wegen feiner Raubgier), ein in füßem Waffer le 
bender, etwa zwei Fuß langer Raubfiſch, auh Rappfifch, Raubalant 
genannt. 

Rappe, w., f. unter rappen. 

rappeln, ziellof. u. rückz. Zw. (ein Schallwort), laut u. wiederholt fchallen, 
wie harte Körper, welche gegen einander bewegt werden, ſinnv. Elappern, 
raffeln (z. B. von Nüffen) ; ein ſolches Geräufch hervorbringen (mit Nüffen, 
mit dem Gelde, mit den Zellern zc. vappeln) ; gem. ſich —, f. fich ſchnell be- 
wegen, eilen, ficy tummeln; uneig. gem. f. nicht bei geſundem Verſtande, 
ein wenig verrückt fein (ev rappelt; u. bef. unp. es vappelt bei ihm, ob. ihm 
im Kopfe); die Rappel, M. -n, landſch. f. Klapper, Raffel; ter Rappel, 
-8, 0.M. (aud) der Rappe) gem. f. Verwirrung des Verftandes, Ver: 
rücktheit z dei Rappelkopf, ein verrückter verſchrobener Hopf oder Menſch; 
rappelkoͤpfig od. landſch. rappelkoͤpfiſch, Bw., f. verrückt; gem. auch f. 
jähzornig, aufbrauſend, ungeſtüm; von Pferden: den Koller habend; rappelig 
Bw. den Rappel habend, verrůckt. 

rappen, ziel. Zw., 1. ſ. unter rapp; — 2. (franz. raper) landſch. f. reiben, 
ſchaben; mit einer Rappe verſehen, auf der Oberfläche rauh machen (daher, 
eine Wand berappen, ſ. d.; oberd. ſich räpfen, ſich mit einer rauhen Kruſte 
überziehen); die Rappe, M.-n, 1) (franz. rapc) niederd. f. ein Reibeiſen, 
insbeſ. ein Werkzeug zum Reiben (Rapiren) der Tabacksblätter zu Schnupftaback; 
2) (oberd. Rapfe, Räpfe, auch Raspe; franz. rape) eine Pferdekrankheit, 
wobei die Kniee anſchwellen und oft grindig werden; landſch. überh. f. Räude, 
Krätze. 

Rappfink, m., landſch. f. Grünfink; — Rappfiſch, m., ſ. Rappe 2. 

Rappier, ſ., ——— - 2 (zunächſt aus dem franz, rapiere, Raufdegen, 
entlehnt; aber urfpr. deutfchen Stammes, von rappen, raffen, vaufen), ein 
Fechtdegen zur Übung, ohne Schneide u. an der Spige mit einem Iedernen Balz 
fen verfehen, Fechtel, rappieren, ziellof, u. rückz. Zw., mit einem Rappier 
fechten, fechteln. 

rapps (vergl. rapp), ein Naturlaut zur Bezeichnung einer ſchnellen Bewe⸗ 
gung, eines Raffens (es ging ripps rapps); rappfen, zielloſ. u. ziel. Zw., 
(vergl. grapſen), gem., das verſt. rappen, raffen: eilig an ſich raffen, ſchnell 
ergreifen; die Rappſe od. Rappuſe (nicderd. and Rebbes, Ribbes; 
ſchwed. rabbus; franz. grabuge, Gezänk), gem. f. ſchnelles, ungeftümes. Er- 
greifen, gewaltfamer Raub; Verwirrung durch ungeſtümes Zugreifen (etwas 
in die Rappufe geben, d. i. preis geben; in die Roppuſe geratben 2c.). \ 

Rapps, m., -08, 1. f. unter app; — 2. fi v. w. der Nappel, |. d. — 
3. f. Raps. 

Raͤpps, m., ſ. unter Rapp 2. 

Raps, m., -e8, od, der —— die a landſch. f Rib⸗ 
ſamen f. d. 

Rapunzel, m., *s, landſch. auch w. 0. M.,auh das Räplingchen, 
oberd. Rapünzlein (v. dem neulat. rapunculus, r. rapuncula, als Verkl. 


454 raren — Rafen 
v. rapa, Rübe), verſchiedene Gewächſe, deren Blätter und Wurzeln als Salat 
gegeffen werben, insbef. eine Art der Glodenblumen in der Schweig, Frank 
reich ꝛc. Nübenrapunzel, Rapunzelglodenbiume (campanula rapunculusLL,); 
eine bei ung wild wachfende Pflanze, großer, weißer Rapunzel, Kreuzwurz, 
Feldſalat 2c. (phyreuma L.); eine Art des Baldrians, Eleiner Rapunzel, 
Aders, Feld-, Lämmerfalat od. = lattic) (valeriana locusta L.). 


raren, niederd., raͤrren, reren, ſchweiz. u. oberd., zielloſ. Zw. (Schalw.; . 


altd. reran, angel]. rarian, holl. reeren, engl. roar) f. brüllen, biöfen, vom 
Rindvich, fchreien wie ein Eſel; verächtl. von Menfchen f. brummen, ſchreien, 
laut weinen; ſchweiz. aud) f. Enarren, Elappern, rauſchen. 

raſch, Bw. u. Nw., Comp. rafcher, Sup. raſcheſt, nicht: räfcher, väfcheft, 
(alid. rasc, Nw. rasco, isländ. rösk; oberd. als Bw. auch refch, röſch, rifch, 


niederd. u. ſchwed. rask, risk, engl. rash; vergl. das angelf. hraes, raes, 


der Lauf, ſchwed. rasa, laufen, u. das deutfche Rofs), überh. ſchnell, eilig, 


inäbef. fofern die fchnelle Bewegung von innerer Kraft, Friſche, Lebhaftig- 


keit ausgeht (vafche Bewegungen machen; ein vafches Pferd, ein vafcher Wind, 
ein raſches Feuer, d. i. ein Lebheft brennendes; rafch mit dem Munde fein, ein 
rafcher Sinn, d. i. der fchneil entfchloffen ift, vafche Entjchlüffe) ; die Raſch⸗ 
heit, das Raſchſein, die Schnelligkeit, Lebhaftigkeitz raſchen, vlt. Zw. f. 
raſch fein, eilen (nur noch in: überrafchen) ; oberd. f. flüchtig auflefen, zu— 
fammenraffen; vie Raſchel, M. -n, (ſchweiz. Rafchi) landſch. gem. f. eine 
ſich überei'ende, unbedachtfame weibl. Perfon. 

Raſch, m., -e8, M. (von mehren Arten) -e (niederd. Raſs, engl. raslı, 
franz. ras; verkürzt aus Arras, AUrrafch, fo genannt von der Stadt Arras 
in Frankr., wo diefer Stoff zuerft verfertigt wurde), ein Feichter, lockerer Wol- 
lenzeug; daher der Rafhmacher, Rafchweber. 

raͤſch, Bw., ſ. röſch. 

raſcheln, ziellof. 3m. m. haben (ein Schallw. der Volksſpr.), ein leiſes 
Raufchen od. Raſſeln hervorbringen (im dürren Laube, im Stroh —). 

Keen, m., -8, M. mw. E. doch ungebr. (niederd. Wrafen, Wrofen und 
Gruſe; Rafenift nur neudeutfh, u. wahrfch. nicht aus Gras, fondern aus 
dem altd. waso, noch landſch. Waſen (f. d.) durch Übergang des w in r ente 
fanden), dichtes, Eurzhalmiges, den Erdboden bededfendes Gras; das mit 
ſolchem Grafe bewachfene Erdreich, def. einzelne ausgeſtochene flache Stüde 
foldjes Erdreichs (Nafen ftechen, d. i. ausgraben und ausheben; mit Rafen be= 
legen 20.); — Bfeg. die Raſenbank, der Raſenſitz, der Rafenhügel, 
splaß u. dgl. m., mit Rafen belegte od. bewachfene Bank, dergl. Sig, Hügel, 
Platz; die Raſeneiche, eine einzeln auf einem Nafenplage wachjende Eiche, 
entg. Waldeiche; der Nafeneifenftein, Eiſenerz, welches unter dem Raſen 
auf Wiefen gefunden wird, auch bloß Nafenerz, Rafenflein, Wiefenerz ze. ; 
der Raſenhopfen, eine geringere Hopfenart, die man in Grasgärten an die 
Bäune pflanzt, Weiden-, Heden=, Grashopfen 2c.; der Raſenkux (f. Kur), 
Bergw. Antheil an einem noch ungebauten Bergwerke; der Rafenmeifter, 
landſch. f. Abdecker, Schinder (weil er fein Gefhäft auf dem Raſen od. Anger 
verrichtet) ; der Nafenpaken, die Nafenplagge, ſ. Pas, Plagge; die Ra— 
fenfchmiele, eine Art hochwachſender Schmielen ; die Nafenfemfe, od. »binfe, 
eine auf Rafenplägen wachfende Semſenart; das Raſenſtuͤck, ein Stüd mit 
Gras beivachfener Erbe; Gärtn. ein mit kurz gefchnittenem Grafe bewachfenes 


\ 








trafen — raſſeln 455 


Luſtſtück; der Nafentorf, Zorf, welcher fich gleich unter dem Rafen findet, 
j. U. v. Pech= u. Sumpftorf; — Ableit. rafig, Bw., mit Raſen bedeckt. 
raſen, ziellof. 3w. m. haben (urfpr. fich ungeftüm bewegen, vergl. das 
isländ. u. fehwed; rasa, angel. räsan, Laufen, ftürzen, toben; f. auch rafch, und 
vergl. das franz. rage), gem. f. laut und ungeflüm lärmen, toben (im Hauſe 
herum rafen, der vafende Pöbel) ; ſich zügellofen Nusfchweifungen überlaffen 
(er hat in jeiner Jugend viel gerafet) ; in heftiger Leidenſchaft fein u. vernunft- 
widrig handeln, wüthen (vor Zorn raſen; ein rafender Menſch; das Mw. 
vafend auch ald Bw. von Gedanken, Handlungen ze. f. ungeflüm, unfinnig: 
ein vafendes Unternehmen u. dgl.; u. gem. als verfrärkendes Nm. f. in hohem 
Grade, übermäßig: er hat raſend viel Geld 2c.); in engerer Bed. der Ver: 
nunft vollig beraubt fein, irre reden, toben (z. B. in hitzigen Krankheiten), 
ald Toller od. Wahnfinniger wüthen; der Raſer, die Raſerinn, ungebr., 
wer rafet, gem. der, die Nafende; die Naferei, der Zuftand des Nafens ; 
eine Handlung eines Rafenden; die Nafewurzel, Tollkirſche, Bilfentraut. 

Raͤsling, m., —es, M. -e, f. Räßling unter räß. 

Raspe, w., M. -n, 1. eine Pferdefrankheit, ſ. v. w. die Nappe, ſ. d.5 — 
2. landſch. f. Rispe; — 3. f. Flughafer, Mäufehafer. 

Raspel, w., M.-n (engl. rasp, ital. raspa, franz. räpe), eine grobe 
Feile mit fcharf hervorragenden Spigen, beſ. zur Bearbeitung von Holz, 
Horn ze. ; uneig. Naturk. ein aufterartiges Schalthier (Feile); aud eine Art 
Schwimmfchneden (das Reibeifen) ; raspeln 1., zieltof. u. ziel. Zw. (ſchwed. 
raspa, engi. rasp, ital. raspare, franz. räper; wahrfch. ein Schallw.), mit 
der Raspel arbeiten od, bearbeiten; — 3fes. der Raspelboͤrs, eine Art 
Börs mit rauhen Schuppen; das Naspelbrod, hartgebadenes Weizenbrod,* 
deffen Rinde mit einer Raspel abgericben ift, der Naspelhauer, Feilenhauerz 
das Raspelhaus, Arbeitspaus, Zuchthaus, wo die Züchtlinge Färbehölzer 
raspeln müſſen; der Raspelſpan, beim Raspeln abfallender Span. 

raspeln 2. od. raspen, ziel. Zw. (altd. raspon; vergl. rappen, rapſen), 
oberd. f. raffen, eilfertig ſammeln. 

räß, Bw. (altd. räz, räzi, raeze, heftig, ſcharf, wild), oberd. u. ſchweiz. 
f. ſcharf, ſchneidend (ein Meſſer); von ſcharfem, zuſammenziehendem Ge: 
ſchmack, herbe, ſauer (räßes Obſt, Wein), verſalzen; grell, durchdringend, 
vom Schalle; heftig, muthig, hitzig, geil (von Menſchen und Thieren); daher 
der Räßbrunnen, f. Sauerbrunnen; die Raͤße, f. Schärfe; räßen, ziel- 
loſ. Bw. f. ſcharf ſchmecken; räßlich, Bw., ein wenig räß od. ſcharf; der 
Raͤßling, f. Moosſchwamm, ſ. d. 

raſſeln, zielloſ. zw. m. haben (ein Schallw. oberd. raßeln, ſchwed. 
rassla, engl. rustle u, rattle, niederd. ratteln, räteln, landſch. auch raſtern; 
vergl. rafchein u. praffeln), den anhaltenden Schall hören laffen od. hervor— 
bringen, welcher durch ein fehnelles, zitterndes Aneinanderfchlagen harter, 
Elingender Körper entfteht (eiferne Ketten raffeln, der Wagen raffelt auf dem 
Cteinpflafter; mit den Ketten raſſeln) ; auch.f. fich raffelnd bewegen, vafjelnd 
hefabfallen ; landſch. auch f. fchnarchen, Erächzen, vöcheln (niederd. rotteln); 
die Kaffel, M. -n, niederd. Rattel, Natel, Rätelding) ein Werkzeug zum 
Raffeln, eine Knarre od. Schnarre z. B. des Nachtwächters, welcher daher 
Landfch. der Raſſelwächter (niederd. Ratelwacht) Heißt; das Raſſelgold, 


456 Raſt — rathen 


Rauſchgold; die Raſſelmaus, Rellmaus, Siebenſchläfer; der Raſſeler, -8, 
wer taffelt ; landſch. f. Espe, Zitterpappel. 

Raſt, m., -es, 0. M., Krſpr. das vorlegte Zeichen mit der Trommel 
zum Aufbruch eines Kriegäheeres (den Raft lagen; wahrſch. — die Raft 1), 
fofern es eine gewiſſe Zeit od. Weile bedeutet). 

Raſt, w., M.-en, 1) (goth. rasta, altd. raste, isländ. röst, ſchwed. 
rast, Wegftrede, Meile) alt u. oberd. (fchweiz. der Raft) eine beftimmte Ar— 
beit, nad) welcher man ruhen kann (fr. Penfum) ; überh. eine gewiffe Zeit 
od. Weile (niederd. Rus); insbef. eine Strede Weges, nach deren Zurüd- 
legung man austuht (fr. Station), eine Meile (in diefem Sinne gew. die 
Rafte); 2) (altd. resti, resta, rest, fchwed. rast, engl. rest, niebderd. und 
holl. rusı) die Ruhe nach vorangegangener Arbeit od. Bewegung (weder Raft 
noch Ruhe haben; ehem. die Sonne geht zu Raft, d. i. geht unter); auch der 
Theil eines Werkzeuge, woran ein anderer ruhet, d. i. in feiner Bemegung 
aufgehalten wird, bef. bei den Büchfenmachern gewifje Theile an der Nufs des 
Gewehrfhloffes: Vorder-, Mittel», Hinterraſt (au Ruben); raft- 
los, Bw., ohne Raft, nicht ausruhend, ruhelos (vaftlos thätig, ein raftlofer 
Geiſt); die Raſtloſigkeit; raſten, zielloſ. Zw. (altd. restjan, restan, 
resten, engl. rest; niederd. ruſten), auf eine Zeitlang ausruhen, ſich erholen, 
verſch. ruhen; niederd. auch f. ſchlafen; ſchweiz. hingegen (nach Raſt 1) in an⸗ 
haltender Bewegung begriffen fein; der Raſttag, Ruhe- od. Erholungstag, 
bef. auf Reifen und Märfchen (einen Rafttag machen, halten). 

Kafter, m., -$, das Leipziger Stadtbier, weil ehem. ein eiferner Rechen 
(fat. rastrum) mit einem Glaſe vor den Bierfchenfen hing. 

raftern, ziellof. Zw., niederd. f. raffeln, lärmen, fchreiend ſprechen; 
der Raſterer f. Lärmmacher, Schwätzer. 

Ratel, w., M. -n, 1. ſ. Raſſel; — 2. auch das Ratelſcheit, ſ. Raidel. 

raten, räteln, ziellof. Iw., niederd. f. raffeln, klappern; plaudern; da= 
her die Mäteltafche, f. Maudertaihe; die Rätelwacht, f. Raſſelwächter, |. d. 

raten od. ratten, ziellof. Iw., niederd. f. rotten, verrotten, faulen; 
daher die Kate (auch Rote) f. das Faulen; die Fluchsrofte. 

ratern, rätern, ziellof. Zw. 1. (vergl. rütteln, u. räden, rädern), niederd. 
f. zittern; 2. ſ. v. w. täteln. 

rathen, ziel. Zw. (altd. rätan, räten, Impf. riat, riet; Mw. räran, 
gerätenz; altniederd. rädan, isländ. räda, angelf. raed, niederd. raden), ab- 
laut. ich rathe, du räthft, er räth, wir rathen 2.5; Impf. rieth, Conj. riethez 
Mw. gerathen; urfpr. wahrfh. wohin gelangen, kommen, ein Ziel, erreichen 
(daher gerathen in feinen verfch. Bed.); daher jegt 1) im Geijt zu erfaſſen 
fuhen, das Wahre und Nichtige zu treffen ſuchen, fei es nad) bloßer Ver— 
muthung durch Ungefähr, od. durd Nachdenken u. Überlegung (vathe, wen ich 
meine, was ich denke, wie alt ich bin u. dgl.; hin u. her rathenz ein Räthiel—), 
auch das Mahre wirklich treffen, b. errathen (ein Räthſel —; er hat es 

“gerathen, b. exrathen); 2) einem eine Verhaltungsregel ertheilen, um _ 
feine Handlungsweife zur Erreichung eines Zweckes zu beftimmen, Rath 

geben (einem etwas— , ihm zum Beften rathen; wen nicht zu rathen ift, dem 
ift nicht zu helfen; bisweilen mit dem Nebenbegriff einee Drohung, z. B. id 
rathe dir, dafs du folgft); insbeſ. einen durch) guten Rath unterflügen, daher 
auch f. helfen (ich weiß mir nicht zu vathen) ; daher das Mw. gerathen ale 








rathen 457 


Bw.f. rathfam, heilſam, dienlich (ich Halte; es für gerathen, es fcheint mir 
gerathener 20.); — der Rath, -es, M. Räthe, doch nur in einigen Bed. 
üblich, (altd. rät, isländ. räd, angelf. raed), urfpr. wohl das Erreichte, Ge: 
mwonnene, ob. das gur Erreichung eines Zweckes Dienende; baher insbeſ. 1) vlt. 
das zum Bedarf oder Gebrauch Vorhandene, Lebensmittel, Geſchirr, Werk⸗ 
zeuge ꝛtc. (fo noch in: Vorrath, Hausrath, Geräth; entg. Unrath, d. i. das 
undienliche, Schädliche); in weiterer Anwendung f. Vermögen, Macht und 
Mittel zur Erreichung eines Zweckes od. zur Wegſchaffung eines Übels, 
Hülfe, Abhülfe (daher die Redensarten: das Seinige zu Rathe halten; kommt 
Zeit, kommt Rath; Rath ſchaffen; dafür ift Rath; hier ift Fein anderer Rath ; 
dazu Tann Rath werden; alt: es ift eines Dinges Rath, d. i. es kann umgans 
gen, vermieden werden; eines Dinges Rath haben, d. i. ein Mittel, eine Ab⸗ 
hülfe dafür haben, es entbehrer Können, vergl. entrathen); 2) Uberlegung, 
Erwägung, auch Beſprechung mit Andern, um feine Handlungsweife da⸗ 
nad) einzurichten, ſinnv. Berathung, Rathſchlagung (mit fich ſelbſt od. mit 
Jemand zu Rathe gehen, Rath halten, Rathes pflegen; einen zu Rathe ziehen), 
u. der fo gewonnene Entfchlufs, der Rathſchluſs (eit. Raths werden f. einen 
Entſchluſs faffen; oberd. feines eigenen Rathes leben; bibl. der Rath Gettes; 
Gott ftürzet der Verkehrten Rath 2c.) ; ehem. auch das Vermögen zu liberlegen, 
Einficht, Kiugheit (bibt. der Geift des Raths; groß von Rath); 3) eine einem 
Andern vorgefchlagene Verhaltungsregel zur Erreichung eines Zweckes, ein 
Rathſchlag (einem Rath geben, ertheilen, ihm einen guten Rath geben; einen 
um Rath, bitten, fragen, fich bei Jemand Raths erholen; einem mit Rath u. 
That beiftehen; einen Rath befolgen ze.) ; — in allen diefen Bedeutungen ift die 
M. Räthe nicht gebräuchlich ,; +) eine berathende, d. i. überlegende und be= 
fchließende Verfammlung mehrer Perfonen (M. felten Räthe; Rath halten, 
im Rathe figen), bef. eine öffentliche berathende Behörde, die Gefammtheit 
ihrer Mitglieder und deren Verſammlung (fr. Collegium ; der hohe Rath, geheime 
Rath, Staats, Krieger, Stadtrath; einer aus dem Rathe; eine Sitzung des 
Rathes; vor dem Rathe erfcheinen) ; I) ein einzelnes Mitglied eine Raths— 
behörde, überh. ei Stantsbeamter, welcher dazu berufen ift, in öffentlichen 
Angelegenheiter Math; zu ertheilen, oft ein bloßer Titel (ein Geheimerrath, 
Staats-⸗, Hof- Gerichtes, Kammer-, Kriegsrath zc. M. Räthe; der iuftige 
Rath, ehem. f. Hofnarr); — 3ſetz. von Rath: rathfragen, untrb: ziel. 
3w., eifen—, ihn um Rath fragen (bibl. der König, rathfragte die Älteſten); 
der Rathgeber (altd. rärgebo, oberd. Rathgeb), die Rathgeberinn, wer 
eip! m Andern Rattrertheilt; das Rathhaus, das öffentliche Gebäude in einer 
Stadt, in welchem der Rath feine Verfammlungen hält, Stadt-, Bürgerhaus ; 
rathlos, Bw., ohne Rath, fich nicht zu rathen wiffend, hülflos; die Rath— 
lofigfeit; der Rathmann, vit. f. Rathgeber; in einigen Städten f. Raths— 
herr, Mitglied des Stadtrathes; Landfch. der Beifiger eines Land- oder Dorfge— 
richtes; der Nathfchlag, die Berathung, und der in Folge derfelben gemachte 
Anfchlag od. Plan; auch der Semand ertheilte Rath (T. v. w. Rath 3), bef. die 
M. Rathfchläge f. das nicht gebr. Räthe); rathfchlagen, untrb. zielloſ. 
3m. (abgel. von Rathſchlag, nicht zgef. aus Rath-ſchlagen; daher umend. 
rathſchlagte, gerathichlagt, nicht ablaut. wie fchlagen), fich berathen, 
zu Rathe gehen, Überlegen, erwägen (über etwas —, mit Semand—); die Rath: 
ſchlagung; rathfchlägig, Bw., vit. aber brauchbar f. im Rathſchlagen geübt, 





458 vathen | 


zu rathen wiſſend; der Rathſchluſs, ein mit Überlegung gefaffter Befchlufs ; bef. 
eine göttliche Entfchliefung od. Beftimmung (die Rathſchlüſſe Gottes); — von 
Raths: rathöbedürftig, Bw., des Nathes bedürfend; die Rathsbeduͤrftig⸗ 
keit; der Rathsbote, Rathsdiener, Bote, Diener eines Rathes, beſ. Stadt— 
rathes; die Rathsenge, in einigen Städten: der engere Ausſchuſs des Stadt- 
rathes; rathsfaͤhig, Bw., fähig, ein Glied eines Stadtrathes zu werden; das 
her die Nathöfähigkeitz die Rathsflagge, auf Flotten die Flagge, mittelft 
beren bie Schiffebefehlähaber zur Berathung auf dad Hauptſchiff berufen werden ; 
das Rathsglied, Mitglied einee Rathes; das Rathshaus, ein dem Stadt: 
rath gehörendes od. unter deſſen Gerichtsbarkeit ftehendes Haus, verfch. Rath— 
haus, |. o.; der Rathsherr, Mitglied eines Rathes, bei. des Stadtrates, 
landſch. auch Rath- od. Rathsmann (M. Rathsleute), Rathsfreund, 
Rathsperſon, Rathsverwandter (ſ. d.); daher der Rathsherrnſitz, die 
Rathsherrnſtelle, -wuͤrde zc.; uneig. iſt Kaths herr Namen eines patſch⸗ 
füßigen weißen Waſſervogels; rathsherrlich, Bw., einem Rathsherrn eigen 
od. angemeſſen; der Rathskeller, ein dem Stadtrath gehörender öffentlicher 
Wein- od. Bierkeller; der Rathsmeiſter, ehem. in manchen Städten: der 
vornehmfte Rathsherr, der Vorgefegte des Stadtrathes; der Rathsſchluſs, 
der Beichlufs eines Rathes, bef. eines Stadtrathes (verfch. Rathſchluſs, f. o.), 
Landfch. auch der Rathsverlaſs; der Rathsſchreiber, Schreiber eines Rathes, 
Stadtichreiber ; die Rathsſitzung, »verfammlung; die Nathöftelle, Stelle 
eines Rathsgliedes; auch eine von dem Stadtrath abhangende Stelle ; die Raths— 
ftube, das Rathszimmer, der Rathsſaal, Verfammlungszimmer eines 
Rathes; der Nathetag, Verfammlungstag eines Rathes; der Rathsver— 
wandte, Iandfch. ein Mitglied eines Stadtrathes; in engerer Bed. nur die Glie— 
der des äußeren oder weiteren Rathes, wozu auch Handwerker gehören Eönnen, 
verfch. v. Rathsherr; die Rathswage, eine dem Stadtrath gehörige öffentliche 
Wage, Stadtwwage; die Rathswahl, Wahl neuer Mitglieder eines Rathes; — 
Ubleit. von Rath: räthig, Bw., vlt. f. Rath habend, Andern mit Rath 
dienend ; oberd. eines Dinges räthig werden, d. i. darliber bevathen, oder 
befchtießen, — von rathen: der Rather, -8, wer etwas räth od. zu erra= 
then ſuchtz wer Nath- ertheilt, gew. Nathgeber; räthlich, Bw., 1) was 
anzurathen ift, finnv. rathſam, dienlich, heilfam; 2) wer das Geinige zu 
Raͤthe hält, ſparſam, wirthſchaftlich (ein räthlicher Mann; räthlich mit etwas 
umgeben); die Raͤthlichkeit, Sparfamfeit, Wirthlichkeit; rathſam, Bw., 
was anzurathen iſt, heilſam, dienlich; alt u. landſch. auch ſ. v. w. räthlich 2), 
ſparſam; das Räthſel, -8, M. w. E., Verkl. das Räthſelchen, (alt. 
radisli, ratsal u. ratisca, ratnussa, ſpäter retersche, Räterſch; angel. rae- 
dels, engl. riddle), eine durch Rathen zu löfende Aufgabe, gew. in einem 
Morte beftehend, deffen Bedeutung auf eine dunkle od. bildliche Weife umfchrieben 
ift (Näthfel aufgeben, errathen od. öſen) ; uneig. f. dunkle, ſchwer begreiflihe _ 
Ausdrücke, Außerungen, Sachen (in Räthfeln fprechen; er od. fein Betragen 
ift mir ein Räthſel ec.); rathfelhaft, Bw., einem Näthfel ähnlich, ſchwer 
erklärbar, dunkel, unbegreiflicy (eine räthfelhafte Sprache, ein räthſelhaftes 
Betragen 2); die Nätbfelhaftigkeit, raͤthſeln, ziellof. Iw., Neuw. f. 

cäthfelhaft fprechen, Räthſel machen, aufgeben; auch f. Näthfelhaftes er 
forfchen u. erklären; die Räthfelei, das Räthſeln; — Zſetz. von Räthfel: 





ratſch — ratzen 459 


der Räthfeldeuter, dichter, der Räthſelreim, —ſpruch, =ton, das 


Räthſelwort; rathfelvoll ıc. 

rätſch, ein Naturlaut, welcher einen rauhen, fehnarrenden Schall nach⸗ 
ahmt, bef. den Schall, welcher beim Zerreißen eines Körpers entficht (es ging 
ritſch ratſch); daher ratfchen, ziellof. Zw., landſch. gem. f. fehnarren (bie 


Ennten ratfchen), bef. den Laut x fehnarrend aussprechen; ſchwatzen, plaudern; 


niederd. f. in etwas einen Riſs machen; vätfchen, landſch. 3w., 1) ziellos 
(auch väticheln), f. v.m. ratfchenz oberd. auch f. Elappern; 2) ziel. f. 
Hanf od. Flachs brechen; bie Ratiche od. Rätſche, M. -n Iandfch. gem. 
ein Werkzeug zum Raiſchen die Schnarre od. Raſſel (der Nachtwächter) ; 
eine Klapper, bef. die Thurmklapper, welche in ber Charwoche ftatt der Glocken 
gebraucht wird; Rätſche auch f. eine ſchwatzhafte Perfon; die Flachsbreche; 
die Ente, bef. die gemeine wilde Ente: Rätfchente. 

Hatte 1. w., M. -n, landſch. f. der Rochen. 

Ratte 2. od. Rage, w., M.-n (altd. der rato u. diu ratta; oberd, der 
Ras; niederd. u, dän. rote, ſchwed. rarta, angelf. raet, engl. u. franz. rat, 
mitt(. lat. rattus, ital. raıto; verw. mit dem lat. rodere, nagen, und dem 
deutfchen rotten, vaden?), ein zum Geſchlecht dev Maus gehörendes Nagethier, 
größer ald die Maus und mit langem, kahlem Schwange, von verfchiedenen Ar— 
ten; Haus-⸗, Feld, Wafler-, Wald, Bufchratte od. =ragez in weiterer Bed. 
auch Benennung einiger andern Nagethiere, ſ. Ratz; — 3fes. ratten- 
od, ragenfahl, rattengrau, Bw., von der fahlgrauen Farbe der Ratten; 
die Ratten = od. Ratzenfalle, f. Falle; der NRattenfängerz das Ratten: 
sift, -kraut, -pulver, Gift zur Vertilgung der Ratten, bef. Arſenik ; der 
Rattenkönig, „ mehre mit den Schwänzen in einander verwachfene Ratten; das 
Kattenfraut, 1) Rattengift; 2) Schaben= od. Mottenkraut; der Ratten— 
fuchen, vergiftete Kuchen zur VBertilgung der Ratten; der Nattennfeffer, 
f. v. w. Mäufepfeffer ; der Nattenfchwanz, Schwanz einer Ratte; uneig. ein 
langer, dünner und kahler Schwanz, z. B. eines Pferdes (Rattenfhweif); 
auch eine Pferdefrankheit, wobei die Schwanzhaare ausfallen; eine Birnenart 
mit langen Stielen; das Zweiblatt od. Vogelneft, ein Gewächs mit langen Fa⸗ 
fern. an den Zwiebeln; Tuchm. fehlerhafte Runzeln, welche das Tuch beim Kräus 
fein bekommt. 

ratteln, zieltof. Zw. (engl. rattle) niederd. f. raffeln, klappern; die Nattel, 
M.-n, f. Raffel, Ratſche; — rattern, ziellof. Zw. (vergl. ratern), gem. 
Schallw. zur Nahahmung eines härteren, heftiger fehütternden Schalles, 
als raſſeln. 

Rättich, m., -es, (auch Röttich, Rätſchel, Rötſchel ꝛc.), landſch. f. 
Flöhkraut. 

Ratz, m., -ed, M.-e, 1) oberd. f. die Ratte od. Nabe; Ba verſchie⸗ 
dene andere Nagethiere, insbeſ. das Murmelthier (Berg-, Alpenratz); die 
Haſelmaus, und beſ. die Bilchmaus od. der Siebenſchläfer (daher gem. wie 
ein Ras ſchlafen; ein Schiafrag f. ein ſchläfriger Menſch, Langſchläfer); 
Yandfch. auch f. Iltiſs. 

Nabe, w., u. alle Zfeg. ſ. unter Ratte. 

Rabe, w., M. .n, im Henneberg. eine bauchige hölzerne — 


* 
— 


Schleifkanne. 


ratzen, zielloſ. Zw., landſch. Schallm. f. raſſeln, Eragen, nagen; raͤtzen, 


| —————————· — — — 





460 | Raub 


Zw., Säg. 1) ziellod, von den Hafen: einen ſchnarrenden Laut hören laffen ; 
2) ziel. einen Haſen —, durch Nachahmung diefes Lautes loden. 

Raub, m., -e8, 0. M. (altd. raub, roup, altfächf. röbh, röf; nieberd. 
Roof; angelf. reaf, Beute u. Kleid, fo auch das mittl. lat. rauba, daher ro— 
man. roba, franz. robe, Kleid, u. derober, berauben), 1) überh. das Maffen, 
ſchnelle Ergreifen; daher f. Schnelligkeit, Eile, Eilfertigkeit (nur in den 
Redensarten: etwas auf den Raub thun, auf den Raub eſſen, d. i. fehr eilig; 
Bergw. auf den Raub bauen, d. i. eilfertig und obenhin); gew. das fehnelle u. 
gewaltfame Anfichreißen (viele Thiere leben vom Raube), bef- die widerrechtz 
liche u. gewaltfame Bemächtigung fremden Eigenthbums, verſch. Diebftahl, 
welcher heimlich und mit Lift gefchieht (einen Raub begehen, auf Raub ausgehen; 
Straßenz, Kirchen, Menfchenraub zc.); 2) was zufammengerafft od. gerzubt 
wird (oberd. der Beftand eines Feldes an einzuerntenden od. geernteten Früchten, 
vergl. Nach raub) ; gem. die Sache, deren man fich mit Gewalt bemäd): 
tigt, ſinnv. Beute (auf den Raub lauern, den Raub freffen, theilen 20.5 ein 
Raub des Todes werden); vauben, ziel. Zw. (goth. raubon, altd. roubön, 
altfäch]. robbon, riederd. vowen, angel. reafjan und hreafjan, engl. rob, 
ſchwed. röfwa; lat. rapere, fpan. robar, franz. ravir 20.5 vergl. raufen, 
raffen), überh. etwas mit Schnelligkeit und Gewalt an ſich reifen (der Wolf, 
der Fuchs, der Adler raubt), def. fich widerrechtlich und mit offener Gewalt 
fremden Eigenthums bemächtigen, verſch. fehlen, entwenden (auf den Land: 
ftraßen —, Vieh, Menfchen— ; geraubtes Gut) ; uneig. f. nehmen, entziehen 
(einem die Hoffnung, die Ruhe, die Ehre ꝛc. —); SKartenfp. die als Trumpf auf: 
gedeckte Karte nehmen u. die nicdrigfte derfelben Farbe dafür hinlegen; — 3feb. 
v. Raub u. rauben: der Raubaal, f. v. w. Aalraupe; der Naubalant, ein 
Fiſch, T. Kappe; die Naubbegier od. = Begierde, die Begierde zu rauben; 
ein höherer Grad derfelben: die Raubgier; der höchſte Srad: die Raubſucht; 
daher raubbegierig, raubgierig, vaubfüchtig, Bw., Raubgier od. Raub: 
fucht habend u. davon zeugend; die Raubbiene, f. v. w. Heerbiene, |. d.5 
der Raubfalk, Geierfalß; der Raubfiſch, ſ. Raubthier; die Raubfliege, 
eine Art Fliegen, welche ſich von Inſecten nähren; das Raubgebaͤude, Bergw. 
ein Berggebäude, welches auf den Raub (f. o.) u. nicht mit gehöriger Schonung 
gebaut wird; der Raubgenoſs, Theilnehmer am Raube; das Raub, efindel, 
raubendes Gefindel; die Naubgier, ſ. Raubbegier; der Raubkaͤfer, eine Art 
Käfer mit großen Freſszangen, von Inſecten lebend; die Raubkrähe, Yandfch. 
f. eine Art gang ſchwarzer Krähen; der Raubmord, ein mit Beraubung vers 
bundener Mord; der Raubmoͤrder, wer einen Raubmord begeht; das Raub— 
neft, uneig. (vergl. Neft) ein Aufenthaltsort von Räubern, be. verächtl. f. 
Raubſchloſs; das Raubſchiff, ein zum Sceraube. gebrauchtes Schiff; der 


Kaubichiffer, Seeräuber, das Raubſchloſs, im Mittelatter, ein Schloſs, 


deffen Befiger die Nachbarn und Vorüberziehenden beraubte; der Raubſchuͤtz, 
Wilddieb; das Raubſegel, auf den Elbſchiffen, das an der Raubſtange 
befeſtigte Segel quer vor dem Maſtbaume; der Raubſtaat, ein Staat, der ans 
dere Staaten an Menfchen u. Gütern beraubt, bef. in Nord= Afrika; det Haube 
ftollen, Bergw. ein Stollen, durch welchen man Andern die Anbrüche zu ents 


ziehen fucht; ‚die Raubſucht, f. Raubbegier; das Raubthier, ein fleifchfrefr 


fendes Thier, weiches zu feiner Nahrung andere Thiere vaubt, auch das Raub—⸗ 
wild, als Sammelm., und von befonderen Thierklaſſen: der Naubfifch, der 








vaubeln — Rauch 461: 


Raubvogel ıc.; — Ableit. von Raub: raubig od. raubig, Bw., vlt. 
f. räuberifch ; geraubt; raublich, Nw. u. Bw., vlt. f. einem Raube ähnlich, 
als Raub; — von rauben: der Räuber, -8, die Räuberinn, M. -en, 
wæer raubt, in allen Bed. auch uneig. (3. B. er ift der Räuber, meiner Ruhe) z 


bef. wer mit offener Gewalt Menſchen raubt od. beraubt (ein Straßen-, Kir⸗ 


chen⸗, Seeräuber 2c.); uneig. ein vom Docht eines Lichtes ſich abfondernder 
‘ Faden, welcher das Licht ſchmelzt u. ablaufen macht; auch ein überflüffiges 
Reis an einem Baume, welches demfelben Säfte entzieht; Zfeg. der Räuber— 
anführer, = Hauptmann; die Räuberbande,-horde, ⸗ſchaar zc.5 die 
Räuberhoͤhle; das Raͤubervolk zc.; Abteit. die Räuberei, M. -en, eine 
täuberifche Handlung, ein Raub, bef. in der Mehrh. (Räubereien begehen) ; 
räuberifch, Bw. (oberd. auch räubifch), einem Räuber ähnlich od. gemäß, 
einem Raube ähnlich (ein räuberifcher Menfch, räuberifche Handlungen) ; Bergw. 
räuberiſch bauen, d. i. eilfertig, obenhin; räuberiſche Bergarten, die 
im Schmelzen die guten Erze rauben, d. i. verzehren. 

raubeln, 3w., f. rauen; — Räubling, m., f. Raup. 

rauch, Bw., bef. oberd. Nebenform von rauh (ſ. d.), jedoch gew. von en= 
gerer Bed., nämlich: mit Haaren, Wolle od. Federn bewachfen, entg. glatt, 
Kahl; Forſtw. rauches Holz od. Nauchholz, f. Laubholz, bef. Bäume, bie 
noch im Laube ſtehen; — 3fes. die inögemein mit ra uch, nicht mit rauh ges 
bildet werden, find: der Rauchapfel, landſch. f. Stechapfel, Stachelnuſs; 
der Nauchbart, Naturk. der Schleimaal, Fiſchwurm, ein Wurm mit Fäden 
am vorderen Ende; die Rauch- od. Nauhbeere, eine Art haariger Stachel: 
beeren; die Rauch- od. Nauhbuche, Hagebuche mit rauher Rinde; auch f. 


die gemeine Rothbuche; der Rauchfärber, ein Kürfchner, welcher Pelzwerk 


färbt; der Nauchfroft, ſ. Rauhreif; der Rauchfuß, landſch. f. das Waldz, 


Holz⸗ od. Schneehuhn; die Trommeltaube; der xguhbeinige Falke; rauchgar, # 


Bw., mit Beibehaltung der Haare gar gemacht (rauchgare Felle); dag Rauch» 
grad, eine Art des Vieh- od. Rispengrafes; der Nauchhafer, Landw. rauher 
Hafer, Barthafer ; auch) eine Art des Rispengraſes; der Rauchhandel, Handel 
mit Rauch = od. Pelzwerk; daher der Nauchhandler; die Rauchhandlung; 
das Rauchholz, ſ. 0.5 der Rauchkopf, eine Art Königzfifher mit rauhem 
Kopfe; eine Art goldgelber Falken ; landſch. f. ein runder Borſtwiſch an langem 
Stiele; das Nauchlever, eine Art Corduan, auf der Fleifchfeite rauh gemacht 
u. gefhwärzt, auch das Rauchſchwarz; daher rauchledern, rauchſchwarz, 
Bw.; die Rauchlinde, landſch. f. die gemeine breitblätterige Ulme; die Rauch— 
feide od. Rauhſeide, rauhe, wollichte Seide (fr. Florettfeide); das Nauchs 
‚ werk, Pegwerk ; Jäg. alles Wild mit haarigem Fell; Forſtw. die laubigen 
Baumzweige; rauchwerfen, Bw., von Rauch- od. Pelzwerk gemacht; raud)- 
werfen, ziel. 3w., Forſtw. einen Baum —, der Üfte beraubenz der Rauch— 
werker, Kürfchner; — Ableit. die Rauche, f. Rauhe; rauchen, 3m: 
f. rauhen. 

Rauch, m., -e8, o. M. (aitd. rauh, rouh, xouch; v. riuhhan, riechen 
(f. d.), Impf. rouh; daher ehem. auch f. Geruch, isländ. raukr, reykr, ans 
gelf. rec, roec, altfähf. roc, niederd. Roof, dän. rog, engl. reek), überh. 
- aufiteigender Dunſt von brennenden, fiedenden od. heißen Körpern, ſinnv. 
Dampf, Duft, Qualm; gem. in engerer Bed. der trodene Dampf, welcher 
von brennenden Körpern aufiteigt (mo Feuer ift, da ift auch Rau; in Rauch 





462 Rauch | 

aufgehen, d. i. verbrennen; Fleiſch zc. in den Rauch hängen ; nad) Rauch fehmee 
den, riechen; einen Rauch mahen, d. i. räuchern) ; oberd. auch f. Mäucher: 
werk (fo au in: Weihrauch); was fih vom Raudye im Rauchfange 
anfest, Ruß (Hüttenvauh, Kienrauch zc.); landſch. uncig. f. Nauchfang, 
Herd, Feuerftätte, Wohnhaus (z. B. oberd. eigenen Rauch haben, Rauch und 
Brod haben; in diefer Bed. auh M. die Rauche, z. B. in der Laufis, wo 
die Abgaben nach Rauchen oder Feuermauern beftimmt werden) ; 3feg. ber 
Rauchfang, jeder Kanal, durch welchen der Rauch abzieht, bef. f. Feuer- 
mauer, Schlot, Schornftein, ſ. d.; auch f. Feuerftätte, Wohnhaus; das 
Kauchfanggeld, 1) Bezahlung für die Reinigung des Schornfteins; 2) landſch. 
eine Abgabe von den Häufern nach der Zahl der Rauchfänge entrichtet, auch 
Rauchfangſteuer, Rauchfteuer, =geld, =pfennig, -pfund, ſchatz; 
der Rauchfangkehrer, Schornfteinfegers die Nauchfarbe, die ſchwarzgraue 
od. ſchwarzgelbe Farbe des Rauchs; daher rauchfarbig, rauchgrau, Bw.; 
rauchgeld, Bw., ſchwärzlichgelb, wie eingeräucherte Dinge; das Rauchhuhn, 
ein Zinshuhn, ald Abgabe von der Feuerftätte an den Grundheren zc. gegeben ; 
das Rauchloch, ein Loch, durch welches der Rauch abzieht (z. B. in einem 
Ofen); das Rauchopfer, in Weihrauch beftchendes Opfers; die Rauchpoft, 
eine Art Poft, d. i. Anftalt zur Mittheilung von Nachrichten vermittelft eines 
gemachten Rauches; die Nauchfäule, fäulenförmig auffteigender Rauch; die 
Rauchſchwalbe, ein Art Schwalben, welche in Rauchfängen und Küchen niften, 
Bauern, Küchenfchwalbe; der Rauchftein, ein ſchwarzgelber Edelftein (Rauch: 
topas) ; die Rauchwolke, in wolkenähnlichen Mafjen auffteigender dicker Rauch; 
die Rauchwurz, Braunwurz; Ableit. rauchicht, Bw., rauchähnlich, 
nach Rauch (z. B. ſchmecken); rauchig, Bw., Rauch enthaltend, voll Rauch 
(eine rauchige Küche)); — rauchen, Zw. (altd. als zielloſ. Zw. riuhhan, ſ. 
riechen, während das der Form nach entſprechende rauhjan, rouchan Rauch 
machen, räuchern bedeutet; isländ. reykia, niederd. roken, angelſ. recan, engl. 
reek) 1) ziellos m. haben, als Rauch aufſteigen (nur in: verrauchen) ; gew. 
Rauch von fich geben, u. zwar in weiterer Bed. f. dampfen (frifches Brod, 
eine warme Speife raucht; er arbeitet, dafs ihm der Kopf raucht, d. i. ſichtbar 
ausdünftet) ; in engerer Bed. trodenen Rauch (f. d.) von ſich geben (brennen- 
des Holz raucht, der Schornftein raucht), auch unp. es raucht, d. i. es ift 
Rauch vorhanden, es giebt Rauch (ed raucht in der Stube; uneig. gem. es 
raucht im Haufe, f. der Mann hat eine böfe Frau); 2) ziel. etwa s —, in 
Rauch od. Dampf verwandeln, rauchen laffen, vlt. außer in Zabad rauchen 
(eine Pfeife —3 auch bloß: rauchen, z. B. er raucht gern, flark 2c.); oberb. 
auch f. räuchern; Ifes. (in denen rauhen zum Theil die Bed. räudhern 
hat): das Rauchfaſs, ein Gefäß, worin man Räucherwerk anzlindet, Räucher— 
faſs; das Rauchfeuer, ein noch rauchendes Feuer, z. U. v. Kohlenfeuer; auch 
ein des Rauches wegen angezündetes Feuer; das Nauchfleifch, ſ. Räucher— 
fleiſch; die Rauchkammer, f. Räucherkammer; die Rauchfohle, noch raus 
chende, nicht ausgebrannte Kohle; die Nauchkugel, f. v. w. Dampflugel, 
fe d.5 der Rauchmeifter, an Höfen: wer die Aufficht über das Räuchern des 
ZFleiſches 2c. hatz unter ihm ſtehen die Rauchknechte; die Nauchnächte, M. 
(gem. Raunächte), oberd. die zwölf Nächte u. überh. die Zeit zwifchen Weih— 
nachten u. dem heil. Dreifönigstag (wahrfch. von dem um diefe Zeit üblichen kirch— 
lichen Beräuhern der Wohnungen); die Rauchpfanne, f. Räucerpfanne ; 








— 


— BE cn 





Raude — raufen 468 


die Rauchftube, ein räucherige Stube, eine Stube, in welder Tabad geraucht 

wird; der Rauchtaback, Tabak, welcher geraucht wird, das Rauchwerk, 
f. Räucherwert; Ableit. räucheln, ziellof. Zw., oberd. nach Rauch riechen 
od. [hmeden; ber Raucher, -8, wer (Zabad) raucht; raucherig od. gem. 
räucherig, Bw., von Raud) angegriffen, gefärbt od. durchdrungen (Wände; 
Speifen, die nach Rauch fchmeden od. riechen); — rauchern, Zw. (alt und 
landſch. auch rauchen, räuchen) 1) ziellos m. haben, einen Raud machen, 
insbeſ. durch Verbrennung wohlriechender Stoffe einen angenehmen Geruch ver= 
breiten (3. B. mit Bernftein—, in einem Zimmer—), ehem. auch als Zeichen 
gottesdienftlicher Verehrung: Opferrauch machen (dem Herrn, den Göttern —) ; 
2) ziel. etwas—, dem Rauche ausfegen, von Rauch durchziehen od. mit 
Rauch fich erfüllen laſſen (Fleiſch, Schinken ze. —, geräuchertes Fleiſch; Briefe 
räuchern, die aus einem verpefteten Lande kommen; ein Zimmer räuchern, mit 
wohlriechendem Rauche); Z ſetz. das Räucherfafs, die Räucherlampe, die 
Raͤucherpfanne 2c., Geräthe zum Räuchern mit Räucherwerk; das Näucher: 
fleifch, die Raͤucherwurſt 2c., geräuchertes Fleiſch, dergl. Wurft; die Raͤu⸗ 
cherfammer, eine Kammer, in welche ber Rauch aus dem Schornſtein geleitet 
wird, um Fleiſch 2c. darin zu räuchern; die Raͤucherkerze od, das Raͤucher⸗ 
ferzchen, aus wohlricchenden Stoffen verfertigte Kleine Kegel, weldhe man 
anzündet, um zu räuchern; das Raͤucherkraut, Räucherpulver, in Kleine 
Theile zerriebene wohlriechende Körper zum Räuchern; das Raͤucherwerk, alle 
zum NRäuchern dienenden wohlricchenden Stoffe; Ableit. der Näucherer, -8, 
wer räuchert die Näucherung , das Näuchern. 

Raude, w., M. -n (vergl. rauh, Krufte 2c.), landſch. die rauhe Rinde, 
Kruſte, der Schorf über einer Wunde; die Raͤude, (altd. hrüda, rüda, 
hriudi; isländ. hrüdrz oberd. Raude), eine Ausſchlagskrankheit, wobei die 
Haut rauh und grindig wird, bef. bei Hunden u. a. Thieren, auch die Kräße, 
Schabe od. Schäbe genannt; in weiterer Bed. auch eine Krankheit der Bäume, 
* da die Rinde rauh wird u. höfpringt u. der Baum abſtirbt; räudig, Bw., die 
Räude habend, Frägig (ſprichw. ein räudiges Schaaf ſteckt die ganze Heerde 
an); die Raͤudigkeit, das Räudigfein. - 

rauen, raumen, auch rauweln, raubeln, zieiloj. 3w. (altd. ruwen; 
vergl. rauh u. das lat. ravus, raucus), oberd. u. ſchweiz. f. knurren, fchnurren 
(von Kagen); heulen, winſeln, weinerlich bitten (um etwas —; einem etwas 
abraumeln, d. i. durch Elägliches Bitten von ihm erhalten). 

taufen, ziel. Zw. (altd. rauljan, roufan, isländ. hraufa; goth. raupjan, 
angelf. hriopan, ſchwed. repa, nieder. repen; wahrfch. von gleicher Wurzel 
mit vauben; vergl. zupfen), dünne od. faſerige Körper ziehen, reißen, aus: 
reißen (die Haare aus dem Kopfe —; auch: einen bei oder an den Daaren oder 
dem Kopfe—; den Flachs —, d. i. aus der Erde ziehen, auch die Samenkapſeln 
mit der Raufe abreißen, gew. räufeln, riffeln, niederd. repeln; ein Huhn, 
eine Gans ꝛc. —, gew. zupfen) ; in engerer Bed. einen —, ihn an den Haa: 
ven reißen; ſich —, bei einer Schlägerei einander an den Haaren reißen; 
überh. f. handgemein werden, ſich fchlagen (cberd. bloß: raufen, ziellos) 5 
uneig. f. heftig ſtreiten, kämpfen, zanken; — 3fes. der Raufbold, (f. 
bold), -e8, M. -e, wer Schlägereien liebt und fuht; der Naufvegen, ein 
langer Degen mit großem Stichblatt, Raufer, Schläger; auch f. Raufbold; der 
Raufbandel, eine Schlägerei, Balgerei, bef. wenn darüber Klage vor Gericht 


464 Raugraf — taub 


entfteht; das. Raufholz, ein hölgernes Werkzeug der Weißgerber zum Aus⸗ 
zaufen der Daare von den Fellen; die Raufſucht, die Sucht, fich zu raufen od. 
zu ſchlagen; rauffüchtig, Bw.; die Raufwolle, die Wolle welche den Schas 
fen ausgerauft wird od. ausgeht, z. U. v. Schurwolle; die Raufzange (ver 
derbt: Roffzange), in Eifenhämmern: eine ftarke Zange, mit weicher das Eifen 
gefafit und vor den Hammer getragen wird; — Ableit. die Raufe, M.-n, 
1) ein großer feſtſtehender Kamm, mittelft deffen die Samenfapfeln des 
Flachfes abgerauft werden, auch die Raufel, Riffel, Reffel genannt (nie 
derd. Repe, Repel); 2) in den Ställen eine über der Krippe längs der Wand 
befejtigte Leiter, hinter welhe Heu, Stroh u. a. Futter geſteckt wird, welches 
das Vieh zwifchen den Eproffen hervorrauftz 3) die Zeit, wo die Gänfe ge— 
rauft werden, Naufzeit; raufeln, ziel. Zw. (auch viffen), landſch. den 
Flachs —, ſ. v. w. raufen (f. o.); der Raufer, -S, wer rauft; bef. wer- 
ſich gern mit Andern vauft, ein Schläger, Raufbold; auch f. Naufdegen ; 
die Rauferei, M. -en, eine Schlägerei, ein Handgemenge. 

Raugraf, m., die Naugräfinn, (eig. wohl Raupgraf xc.), chem. Titel 
einiger längft ausgeftorbenen gräflihen Familien am Oberrhein, wahrſch. 
von der rauhen Beſchaffenheit ihrer Bezirke, daher au) Wildgrafen genannt 
(mittl. lat. comites silvestres). 

rau), Bw., Comp. rauher, Sup. rauheſt, (altd. rüh, angel. rüh, rug, 
reoh, engl. rough; niederd. rug, ruwe, rowe; holl. ruig, rouwz vergl. 
raud), u. d. lat. ravus, raucus), Über). auf der Oberfläche uneben, mit 
Eleinen harten, meift ſcharfen Erhöhungen verfehen, entg. glatt (ein rauher 
Boden, Weg, eine rauhe Haut; ein rauhes Land, d. i. wüſtes, unangebautes 5 
rauhes Futter, Landw. f. Heu, Gras, Stroh, entg. dem glatten Ger 
treide); inedef. mit Haaren, Borften, Federn u. dgl. bewachſen, entg. 
nackt, kahl (in diefer Bed. auh rauch, f. d.)5 uneig. von der Kehleu. Luftröhre: 
troden, nicht glatt (einen rauhen Hals haben), u. von der Stimme: nicht hell 
Elingend, heifer, grob (rauhe Töne ꝛc.); von der Luftbejchaffenheit: einen 
- fcharfen, unangenehmen Eindruck auf das Gefühl machend, entg. mil, 
fanft (ein vauher Wind, rauhe Witterung, ein rauher Himmelsſtrich u. dgl. m.); 
in fitelichem Verftande: ohne feinere Bildung, ohne Sanftmuth und Scho— 
nung, unfanft, finnv. hart, grob, roh (rauhe Sitten, Worte, ein vauher 
Mann 20); — 3feg. die Rauhbeere, ſ. Rauchbeere (unter rauch); bie 
Kauhborfien, od. Rauhhaare, die Schweinsborften, wie fie ungefondert 
in Binden verkauft werden; die Rauhbuche, |. Rauchbuche (unter vauh) ; 
der Rauhbuckel, eine Art Seeraupen mit 20 rauhen Schuppen auf dem Rüden ; 
das Rauheifen, f. Roheifens das Nauhfutter, f. v. w. rauhes Futter 
(ſ. 0.); der Rauhhobel, Tiſchl. ein Hobel, welcher das Gröbfte vom Holze 
wegnimmt, entg. Schlichthobel; der Nauhhonig, Honig, welcher, fo wie er 
aus den Stöcen gebrochen ift, mit den Wachsſcheiben in Tonnen geftampft wird, 
. daher auch Zonnenhonig, z. U. v. Seimhonig; der Rauhkopf, Borſtwiſch, f. 
Rauchkopf (unter rauch) ; der Naubhreif od. Rauhfroſt, ein Reif, weicher fich 
bei nebligem Zroftwetter bef. an die Gewächfe anfegt; der Raubjchleifer, ein 
Schleifer, welcher nur grobe Sachen, als Irte, Beile zc. fhleift; die Rauh— 
wade, ein kalkartiger, löcheriger, rauh anzufühlender Stein, Tof, Zuffteinz 
der Raͤuhweizen, eine Weizenart mit Grannen an den Ähren; der Rauh— 
zehnte, f. d. w. Garbenzehntez — Ableit. rauhen, Zw. 1) ziel. rauh 





Kaufe — raum 465 


machen (das Tuch —, bie kurzen, in ber Walke loder gemachten Haare vor 
dem Scheren herauskratzen; Leder—, auf der Fleifchfeite rauh madjenz vergl. 
Rauchleder unter rauch); 2) ziellos od. rückz. von den Vögeln f. v. w. ſich 
mauſen oder mauſern, ſ. d. (die Vögel rauchen oder rauhen ſich; daher die 
Rauhzeit, Mauſezeit); die Rauhe, 1) der Zuſtand des Rauhens der 
Vögel, gew. die Mauſe; 2) ſelten f. die Rauhheit od. Rauhigkeit, das 
Rauhſein, die rauhe Beſchaffenheit (eines Weges, der Stimme, der Sitten ꝛc.). 

Kaufe, w., M. -n, (lat. erüca, franz. roqueite, engl. rocket), ein 
Schotengewächs (sisymbrium L,) von mehren Arten, ald: die Brunnfreffe; 
die wilde R.; morgenländifhe R.; fpanifche R. (Nefeda); die Winterraufe od. 


. Winterkreffe, der gemeine Wegefenf. 


raum, Bw. (goth. rüms, isländ, rümr, altd. rümi; angelf. niederd. 
ſchwed. rum, holl. ruin) , vlt. f. geraum, räumig (die raume See, f. die 
weite, hohe; Schiff. vaumer Wind, d. i. der Backſtagswind, der zum Segeln 
vortheilhaftefte) ; niederd. auch von der Zeit f. völlig, reichlich (4. B. es ift 
raum ein Sahr) 5 -— ber Raum 1., -e8, M. Räume, (goth. rüms, altd. 
rümi, rüm; niederd. Rum, engl. room, hol. ruim ;- urfpr. wohl, wie noch 
im Oberd., das Entfernen, Wegnehmen, Räumen; dann das Entfernte, Weg: 
gefchaffte, daher noch Abraum f. Schutt, Unrath; endlich der durch Weg- 
ſchaffung von etwas frei gewordene Plas), die reine Anfchauung der unbe: 
grenzten Ausdehnung der Materie, abyefehen von dem erfüllenden Stoff, 
od. das Leere, worin wir die körperlichen Dinge als neben einander befind⸗ 
liche wahrnehmen (der leere Raum; die Weltkörper ſchweben in dem unendlichen 
Raume, der Luftraum ꝛc.); ein begrenzter Raumtheil (jedoch immer als Aus— 
dehnung, nicht als Punkt gedacht, ſinnv. Platz (f. d.), verſch. Ort; z. B. der 
Raum zwiſchen zwei Körpern; die weiten Räume eines Gebäudes, der Hof— 
raum ꝛc.), insbeſ. ſofern er einen Körper aufnehmen u, dieſer ſich darin ge- 
hörig ausdehnen oder bewegen Fann (vielen, feinen ꝛc. Raum Haben; die 
Menfchenmenge hatte nicht Raum genug; einen großen Raum einnehmen; Raum 
machen, Raum lafjen), oder fofen er noch unausgefüllt, aber zur Aufnahme 
eines Stoffes beftimmt ift (dev Raum eines Faſſes, einer Flaſche; der Schiffes 
raum, d. i. ber zur Aufnahme der Ladung dienende Raum unter dem Verdecke); 
uneig. f. die Bedingung der Wirklichkeit, die Möglichkeit der Verwirklichung, 


ſinnv. Statt (einer Bitte Raum geben, d. i. fie Statt finden laſſen, erhören; 


einem Wunfche, einem Gedanken, einer Leidenfhaft Raum geben, d. i. nach⸗ 
hängen, fie nicht unterdrücken); — 3feg. der Raumanker, Schiff. ſ. v. w. 
Nothanker, weil er im Schifferaum aufbewahrt wird; die Raumeiche, landſch. 
in weiten Smoifchenräumen zerſtreut wachfende Eichen; das Raumloch, Heine 
Öffnungen in ten Koblenmeilern, durch welche der Rauch hinauszieht, auch 
Räume; — Ableit. raͤumig, Bw., Raum enthaltend, viel Raum 
habend, gew. geräumig; raumlich, Bw., 1) altd. (rümlih) und landſch. f. 
räumig; 2) einen Raum einnehmend od. ausfüllend, körperlich ausgedehnt; 
den Raum angehend od. betreffend; die Raͤumlichkeit, das Räumlichfein, 
die körperliche Ausdehnung; das Raumverhältniß; die Raͤumte, Schiff. 
die hohe od. offene See (Seeräumte, Seeraum; auch bloß Raum); — rau: 
men, ziel. 3. (altd. rümjan, rümen, oberd. raumenz angeif. rümjan, 
ſchwed. yma), 1) etwas entfernen, wegfchaffen u. dadurch Raum machen 
(Schutt, Holz, Steine —, die Bücher vom Tiſche); uneig. ausdem We ge-—, 


Heyſe's Sandwörterb. d. deutfchen Spr. 2r. Theil. .30 


466 Raum — Raupe 


f. befeitigen Ginderniſſe, Schroferigkeiten), hihterliftig tödten (einen Menfchen) ; 
2) einen Drt od. Platz —, duch Megfchaffung der darin befindlichen 
Dinge leer. od. frei machen, bef. von dem Unnügen reinigen (eine Brandftelle, 
einen Keller, Stall; einen Brunnen, Hafen zc. —, von Schlamm reinigen; 
die Tabackspfeife —); auch f. geraumer machen, erweitern (ein Loch durch einen 
ftärkeren Bohrer) ; uneig. einen Ort —, f. denfelben verlaffen u. dadurch 
Anderen Platz machen (einem das Zimmer —; efn Land—; der Feind muffte 
das Feld räumen); ehem. auch ziellos f. Raum machen, fich entfernen, ver- 
lieren, daher noch Schiff. der Wind räumt, d. i. wird günftiger; der Räu— 
mer, -$, wer einen Drt ausräumt oder reinigt (Hafen-, Grabenräumer ꝛc.); 
ein Werkzeug zum Räumen (Kanonen=, Pfeifenräumer); auch ein Bohrer 
zum Räumen (f. 0.), Raumbohrer z die Räumung, das Räumen (. 8. 
eines Hafens, des Landes 2c.); der Raumbrief, ehem. ein Befehl, das Land 
zu räumen; dag Räumeifen, wein eifernes Werkzeug zum Ausräumen einer 
Öffnung, z. B. bei den Bergleuten; die Näumnadel, ein fpigiger Drath zum 
Reinigen der Zündlöcher der Schießgewehre. 

Raum ?. m., -es, oberd. f. Rahm; (f. d.), Sahne; raumen, 3w. 
f. rahmen. 

Raumundkraut, f., landſch. f. Güldenfteinbrech, Leberkraut. 

raunen 1. ziellof. u. ziel. Zw. (altd. u. niederd. runen, angelf. runjan, 
ſchwed. runa, engl. round; vergl. Rune), leiſe fprechen, flüftern, mur— 
meln, mit dem Nebenbegriffe der Deimlichkeit (einem etwas ins Ohr—); chem, 
auch f. heimliche Anfchläge machen (bibl. wider Jemand raunen) ; der Rau— 
ner, -$, (altd. runari), wer raunt; rauneln, ziellof. 3w., oberd. f. 
raunen; ſchmeichelnd ſchnurren (von Kagen), brummen; raunzen, zielloſ. 
Zw. (altd. rünazjan, runezon;z vergl. grungen), oberd. f. in flüfterndem, 
weinerlihem Zone reden; Eläglidy bitten; heulen, ſchreien (von Kagen) ; 
raunzig, Bw., bair. f. weinerlich; erbärmlich, ſchlecht. 

raunen 2. zielloſ. Zwv. m. haben (vergl. das altd. run, Gang, Bewegung; 
runs, Runſe od. Rünſe, rennen 2c.), Säg. von den Hafen: hin- und her- 
laufen und fpringen. 

raunen 3. ziel. Zw., vlt. f. fchneiden f. runen. 

Raunſche, w., landſch. f. Nange, Mangold. 

Raup, m., -en, M. -en, auch die Raup, Raupe 1., M. en, und 
der Raͤupling, -e8, oberd. 1) f. ein einjähriges Rind; 2) Raup auch: 
ein ungefchliffener Menſch (Rüpe), Taugenichts, Lotterbube, Auffchneider, 
Noffenreißers daher Raupen, M. o. E., f. Schnurren, Poffen, Schwänke, 
Zoten; Grillen, feltfame Einfälle (gem. Raupen im Kopfe haben); die Rau: 
perei, f. Poffenreißerei, muthwillige Rede ed. Handlung, Büberei. 

Raupe 2. w., M. -n, Verkl. das Räupchen, (altd. rüpa, rüpe; 
niederd. Rupe; engl. grub; verw. mit d. lat. eruca, od. mit repere, angelf. 
creopan, nieberb. Erupen, f. kriechen?), die wurmähnliche, aber mit Füßen 
verfehene Larve vieler geflügelten Inſecten, bef. der Schmetterlinge (Neftz, 
Ringelz, Kohlraupe ze.) 3 landſch. uneig. ein Eleines, noch kriechendes Kind; — 
3feg. der Naunenfraß, das Abfrefien des Laubes durch die Raupen und der 
dadurch verurfachte Schaden ; das Raupengras, eine Art Glanzgras, falfches 
Lieſchgras, ein gutes Schaffutter; der Raupenjäger, ein auf Bäumen lebens 
der Käfer, der auf Raupen Sagd macht ; der Raupenklee, od. das Raupen« 








| Raupe — raufchen 467 


fraut, f. v. w. Krebsblume; das Raupenneft, ein dem Spinngemwebe ähn« 
liches Gewebe, in welchem bie Raupeneier fich befinden; die Raupenſchere, 
eine Schere an einer langen Stange zum Abfchneiden ber Raupennefter von den 
Bäumen, auch das Naupeifenz der Naupenftand, der unvolltommene Zur 
ftand eines Infects als Eviechende Raupe; uneig. der unvollkommene Zuftand des 
Menfchen auf Erden, dag Naupenleben; der Naupentödter, verfchiedene 
Thiere, welche die Raupen tödten, bef. ein wespenähnliches Inſect, welches 
feine Eier in die Haut der Raupen legt; auch f. Purpurdohle; — Ableit. 
raupen, ziellof. u. ziel. 3w., die Raupen von den Gewächfen abfuchen, u. 
diefe dadurch reinigen; der Rauper, -6, wer raupt. 

Raupe 3. w., o. M. (wahrfh. =Rappe als Pferdekrankheit), eine 
Krankheit des Viehes, bef. des Rindviehs, wobei die Haut an den Füßen auf: 
fpringt und triefend wird u. die Haare ftarr und fteif werden. 

Rauſch 1. m., o. M. (vergl. das niederd. rusk, engl. rush, Binfe; goth. 
raus, Rohr), landſch. f. die Preißeldeerftaude;, die Mirtenheide; der gemeine 
Lolch od. Kuhweizen, auch das Rauſchkorn; die Rauſchbeere, landſch. f. 
die große Heidelbeere; auch ein Kleines Staudengewächs, in Sumpfgegenden 
wachfend, von zwei Arten: die weiße und die ſchwarze Raufchbeere, auch 
Raufchbeerheide, Affenbeere, Steinheide 2c. (vielleicht von vaufchen, ober 
Rauſch 4.9); das Rauſchgruͤn, 1) landſch. f. die Moos = od. Sumpfbeeren⸗ 
ftaude; 2) eine aus den Beeren des Kreuzdorns verfertigte grüne Caftfarbe, 
Saft-, Blafengrün. 

Rauſch 2., m., -e8, o. M. (verw. mit raus?) landfch. f. Brand an 
den Gewächfen, bef. am Weinftod (Laubraufc). 

Rauſch 3. m., -es, M. Näufche (verw. mit Graus, Gries?), oberd. 
Bergw. das vollfommen Elar gepochte und ausgefiebte Erz. 

Rauſch 4. m., -e8, M. Räuſche, Verki. das Räuſchchen, (nieder. 
Rufe, isländ. russ, ſchwed. rüs; urfpr. wohl heftige, Iebhafte Bewegung, 
verw. mit vafch?), oberd. ein fchneli aufloderndes Feuer; ehem. ein fchneller, 
heftiger Anfall od. Angriff (im erften Rauſche, d. i. in der erften Hitze); jegt: 
ein vorübergehender Zuftand von Aufregung u. erhöheter, aber nicht mit 
Elarer Befinnung verbundener Lebenskraft, bef. durch geiftige Getränke her- 
vorgebracht, ein geringer Grad der Trunkenheit (Einen Rauſch haben, fich 
einen Rauſch trinken, den Rauſch ausfchlafen, im Rauſche des Vergnügen 2c.) ; 
daher raufchig, Bw., alt und oberd. f. trunfen, beraufcht; raufchen 1. 
zielloſ. zw., einen Rauſch verurfachen, gem. beraufchen (dev Wein vaufcht 
oder beraufcht). 

raufchen 2., ziellof. Bw. m. haben, (ein Schallm. altd. ruzjan, ruzon, 
ſchnarchen ruzen, rüschen; vergl. d. oberd. vaußen f. fehnarchen u. ſchweiz. 
f. brüllen; niederd. rusken, angelf. hristlan, engl. rush, rustle, ſchwed. rusa, 
holl. ruischen), einen dumpfen, rauhen, anhaltenden Schall hören laffen, 
wie das bewegte Laub der Bäume u. das ftark firömende Waffer, finnv. braufen, 
faufen, viefeln, raſcheln 2c.5 in meiterer Bed. überh. Geräufh machen (ein 
vaufchendes Tonfpiel, rauſchende Vergnügungen), ſich mit Geräuſch bewegen 
(fie raufchte durch den Saal; So bef. in Zſetz. dahers, heranz, vorbeiraufchen 26.) ; 
landſch. insbef. f. gähren (von geiftigen Getränken) ; nad) der Begattung ver: 
langen, brunften (von den Säuen); dicht. auch ziel. f. mit Geräufch zu er: 
kennen geben (fie vaufchten ihm Beifall) ; der Raufch 9., -e8, M. - e, oberd.f. 


30* 


* 


468 MRauſchgelb — Raͤute 


das Geräuſch; insbeſ. ein rauſchender Wafferfall;, — 3fes. das Rauſch⸗ 
gold, zu dünnen Blättchen geſchlagenes Meſſing, welches bei jeder Bewegung 
rauſcht, Kniſter-, Flittergold; die Raufchpfeife, -flöte, das Rauſchwerk, 
ein Orgelzug von raufchendem lange; , bag Rauſchſilber, verſilbertes Meſſiag, 
zu dünnen Blättern geſchlagen. 

Rauſchgelb, f., -e8 (gem. auch Roſs- od. Ruſsgelb, wahrſch. ver— 
derbt aus d. ital. rosso, roth), geſchwefelter Arſenik, auch rother Arſenik, 
Bergroth genannt, beſ. als Malerfarbe. 

Rauſchgold, =pfeife, =filber zc. ſ. unter rauſchen; Rauſchgruͤn unter 
Rauſch 

raͤuspern, zielloſ. u. rückz. Zw. (ein Schallw., oberd. auch räuſpeln, niederd. 
ruspern; vergl. raspen, raspeln), mit rauhem, krächzendem Laut Schleim ıc. 
aus dem Haufe heraufzubringen fuchen, niederd. auch harken, vaden, quarren 
(gew. fich räuspern). 

Raute 1.w., M. -u (altd. rüta, oberd. auch der Raut, niederd. Aue, 
Nude, angelf. rude;z griech. ovr:,, lat. ruta, franz. rue), ein Pflanzenge- 
fhlecht von mehren Arten, als Berg-, Garten-, Kreuzraute zc. ; insbef. die 
gemeine od. ſtark riechende Naute von fcharf bitterem Geſchmack, zerfchnitten 
auf Butterbrod gegefien u. als Heilmittel gebraucht ; auch f. verfchiedene andere 
Gewächfe, als: das gelbe Harnkraut; der gemeine Erdrauch; wilde Raute, 
das Eleine Johanniskraut; Edelraute, eine Art des Wunderkrautes ꝛc.; 
daher der Rautenbalſam, Rauteneffig, das Nautenöl, = wafler, aus 
der ſtarkriechenden Raute bereiteter Balfam, Eſſig ꝛc.; das Nautenblatt; 
der Rautenkranz (f. auch Raute 2.); der Nautenftrauch ; der Rauten— 
wein, mit Raute angemadjter Wein. 

Haute 2. w., M. -n, Verkl. das Räutchen, (ſhwed. rer, rura, i$länd. 
reitr, Viereckz angelf. reorhe, Kranz, Kreis; Grundbed. fcheint Umfaffung, 
Einſchließung einer Fläche), 1) ehem. überh. ein Viereck, eine vieredige Fläche ; 
daher noch niederd. f. Tenfterfcheibe ; auch die Vierede auf den Spielkarten 
in der deutſchen Karte (daher: der Nautenkönig, =bube, das Rauten 
bauszc.z franz. carreau); die vierediigen Zelber eines Damen= od. Schach— 


brettes; die gefchliffenen Flächen an Edelfteinen ze. ; 2) in engerer Bed, Größent. 


ein gleichfeitiges , aber fchiefwinkliges Viertel, gefchobenes Viereck (fr. 
Rhombus); eine längliche Raute, ein ſolches Viereck, an welchem nur 
die gegenüberftehenden Seiten gleich find (fr. Rhomboides); 3) (von der urfpr. 
allgemeineren Bed. Umfaffung, Neif) die Krone oder der Laubfranz in dem 
Sächſiſchen Wappen (durc Mifeverftand auch Rautenkranz genannt, ob— 
wohl mit Raute 1. nichts gemein habend) ; 4) (vielleiyt von anderem Stamm, 
aus Ruthe verderbt?) Tifcht. der erhabene Theil zwifchen den Hohlkehlen, 
der Stab; — 3fes. rautenfürmig, Bw., die Form der Raute, d. i. eines 
RER Vierecks habend; das Nautenglas, ein rautenförmiges od. mit 


angeſchliffenen Rauten verſehenes Glas; dag Rautenkoͤrbchen, eine Art Ar 


chenmuſcheln, vautenförmige Arche; der Rautenftein, ein Edelftein, auf wel 
chem Rauten gefchliffen find; das Nautenviered, die Nautenvierung, f. v. 
w. Raute 2); Ableit. rauten, ziel, Zw. (Neuw.), mit rautenförmigen 
Flächen verfehen (einen Edelſtein —, fr. facettiren). 

Raͤute, w., M.-n (nur Nebenform von Raute 2.), Schloff. der ringför- 


— 


ER u N 








v 


raͤutern — Rebhuhn 469 


mige Griff eines Schlüffels; der Näutenrichter, ein eifernes Werkzeug, mit 
welchem der Räute des Schlüffels die Geftelt gegeben wird. 

räutern, ziel. 3w., landfch. f. v. w. rädern 1. 

Name, w., M.-n, (altfächf. raua, wahrſch. v. rauh; holl. roof, rappe). 
nieberd. f. die Krufte, der Schorf auf einer Wunde od. einem Geſchwür. 

Rebacker, zafche, saug2, f. unter Rebe, 

Nebbelmurm, m,, landſch. f. die Maulwurfsgrille. . 

rebben, ziellof. Zw. m. haben, (niederd, repen, reppen; vergl. d. nieberd. 
veppen f. raffen, fehnell beivegen, d. oberd. ſich reben f. fich rühren u. das 
angelf. repan, hreppan, treffen, berühren), landſch. gem. f. nach der Begattung 
verlangen; befpringen, zur Fortpflanzung befruchten, von größeren Thieren 
(der Hengft, der Stier rebbet). 

Rebe, w., M.-n, Landfch. bef. oberd. auch ber Rebe, Reb, -en, (altd. 
repa, reba, ſchwed. ref, Ranke; böhm. rywa; wahrfch. von ber Wurzel rab, 
ſanskr. rabh, berühren, faſſen; vergl. audy das isländ. rik, Faden, nieberd. 
Reep, Seil, angelf. raepan, binden), ehem. überh. f. Ranke, Sprofs, 
fchlanfer Zweig (daher noch Gundel-, Waldrebe); jest in engerer Bed. 
die langen, biegfamen Zweige od. Ranken des Weinftods (Weinrebe; bie 
Reben befchneiden, anbinden 2c.) 5 in engfter Bed. nur die jungen diesjährigen 
Sproffen des Weinſtocks (die Neben Iefen, d. i. aufnehmen und ——— 
in weiterer Anwendung f. Weinſtock, u. in Zſetz. auch f. Weintraube (z. B 
Rebenſaft 2c.); oberd. auch f. Meinberg, Weingarten bibl. uneig. f. Spröfg- 
ling, Abkömmling eines Gefchlechtes 20.5 die indifche Rebe, eine auslän— 
diſche Schlingpflanze (Hundswinde 2c.); — Zfesd- (im Hochd. gewöhnlich mit 
Reben, im Oberd. mit Reb gebildet): der Rebenacker (Nebader), das 
Rebenfeld, mit Weinftöden bepflanztes Feld; die Rebenaſche (Nebafche), 
Aſche von verbrannten Weinſtöckenz; das Nebenauge (Nebauge), Btüthen- 
Enospe an den Weinreben ,; der Rebenbaum, ſchwäb. f. Weibenbaum; der 
Nebenberg, =hain, « huͤgel (Rebhain, -hügel) T. v. m. Weinberg; bie 
Mebbinde, landſch. f. Waldrebe; das Nebenblatt (Mebblatt), Weinblatt ; 
die Rebendolde , eine in Sümpfen wachfende giftige Doldenpflanze — 
L.); der Rebengang , ein mit Weinreben eingefafiter Ganz; das Reben— 
geländer,, ein Geländer, an welchem Wein gezogen wird; das Rebenholz 
(Rebholz), Holz des Weinftodes; das Mebland, ober. mit Reben bewach⸗ 
fenes od. zum Weinbau brauchbares Land; das Rebenlaub (Neblaub), Wein 
laub; der Nebmann, M. Rebleute, — Winzer; das Rebenmeſſer 
(Nebmeffer), Meffer zum Befchneiden der Weinftöcde; der Nebmonat, vlt. f. 
‚September; der Nebenpfahl (Rebpfahl), Weinpfahl; rebenrecht od. reb- 
recht, Bw., oberd. vom Wein, echt, unverfälfcht, wie er von der Rebe kommt ; 
der Nebenfaft, 1) der Saft, welcher im Frühjahr aus den befchnittenen Reben 
Läuft; 2) f. Weinz der Rebenfchnitter, landſch. f. Hirfchkäfer; der Neben 
ftecher,, ein Kleiner Rüffelkäfer, welcher die jungen Rebenfproffen ab! neipt, auch 
Rebwurm; der Rebenſtock (Rebſtock), Weinſtock; die Nebenthräne, auch 
das Mebenwaffer od. Rebwaſſer, f. v. w. der Rebenfaft 1). 

veben, vüdz. 3m. (vielleicht nur durch Übergang des gin b aus regen 
entft. ; vergl. rebben), oberd. ſich —, f. fich regen, rühren; rebig, Bw., 
f. rege, rührig, munter. 

Rebhuhn , 0. A. der Ausſpr. gemäß Repphuhn, f. (altd. rephuon; bite | 


470 Kechbeere — rechnen 


derd. Rapphohn, ſchwed. rapphona; oberd. gem. Ropf= od. Rupfs Hüenlein; nicht 
von Rebe, fondern wahrfch. von dem Gefchrei, vergl. Rabez n. X. von bem ſchwed. 
rapp, gelbgrau, od. v. reben, reppen, fich fchnell bewegen), eine Art grauer 
u. ſchwärzlicher wilder Hühner, wenig größer als eine Taube, fchlecht fliegend, 
aber fehr fchnell Taufend, Feldhuhn, Ackerhuhn; uneig. verfchiedene Schalthiere, 
bef. eine fchöne Art der Pofaunenfchnede; eine Art Porzellanz od. Venusſchnecke (das 
Beine Rebhuhn) ; die Rebhuhnfchnepfe, eine dem Rebhuhn ähnliche Schnepfenart; 
der Rebhuhnſtein, ein Stein, der wie die Bruft eines Rebhuhns gezeichnet ift. 

Nechbeere, w. (auh Rachbeere), landſch. f. die Beere des Kellerhalfes, 
u. bie wilde Sohannisbeere. | 

Rechen, m., -8, M. w. €. (altd. recho, altnord. reka, angelf. raca, 
engl. rake; vom goth. rikan, farameln, aufhäufen, vergl. d. altnord. raka, 


niederd. raken, fcharren, angelf. racjan), bef. oberd. f. das in Niederd. - 


üblichere Harfe, |. d.z oberd. ehem. auch f. Egge; uneig. wegen Ühntichkeit 
der Geftalt: ein an der Wand befefligtes langes und ſchmales Holz mit 
Pflöcken zum Aufhängen von Kleidern u. dgl. (Kleiderrechen); an Zeichen, 
Waſſermühlen zc. ein aus flarken Balken beftehendes Werk mit vielen eng 
an einander ſtehenden Sproffen, durch welche das Wafler abflieht (Teicye, 
Mühlrechen); Papierm. ein bretterner Kaften, in welchem der fein gefchnittene 
Zeug mit einer Rührftange flüffiger gemacht wird; in Uhren der ſchmal gezähnte 
Theil, in welchen die Zähne des Stellrades eingreifen; der Rechenbohrer, ein 
Bohrer zum Bohren der Löcher für die Zähne eines Rechens; der Nechenftiel, 
Rechenzahn, u. dgl. m.; rechen, ziellof. u. ziel. 3m. mit dem Rechen 
arbeiten, od. etwas bearbeiten, harken. 

Rechenamt ꝛc. — Rechenunterricht, f. unter rechnen. 

Rechling, m., -e3, M.-e, landſch. f. Börs od. Bars (wahrſch. wegen 
feiner ſtachligen Floſſen, welche einem Rechen ähnlich find). 

rechnen, ziellof. u. ziel. Zw. (zgez. aus rechenen, welches ehem. in rechen 
verkürzt wurde; goth. rahnjan, isländ. reikna, niederd. refenen, reken, engl. 
reckon, ſchwed. raekna, dän. regna; das der Form nach entfprechende althochd. 
rechanön heißt anordnen, einrichten, u. feheint verw. mit rahha, Sache, Urs 
fache, rahhön, fagen; vergl. zählen u. erzählen, engl. tell; das oberd. raiten 
u. Rede, ratioz das griech. Aoyos u. Aoylkeosaı), zählen, der Zahl nach bes 
ſtimmen (etwas an den Fingern herrechnenz eines zum andern rechnen; die Zeit 
nad Sahren zc.—); aus gegebenen Zahlen od. Größen andere unbekannte 
fuchen (rechnen lernen; auf der Tafel, im Kopfe—); mit Jemand, Rech: 
nung halten, abrechnen; in weiterer Bed. einen od. etwas mit unter eine 
Zahl od. Klaffe begreifen (ich vechne ihn zu meinen Freunden, od. unter meine 
Freunde; er rechnet fich zu den Gelehrten), in Anfchlag bringen (meine Mühe 
will ich nicht rechnen); anfchlagen, fchägen, dafürhalten (ich rechne es mir für 
eine Ehre; er rechnet es für nichts); auf einen od. etwas-—, ſich ver— 
taffen, bauen, etwas mit Sicherheit erwarten (ich rechne auf ihn, auf feine 
Hülfe; darauf Eann ich nicht rechnen); — Zfeß. deren erftes Glied nicht rech— 
nen, fondern rechen (ald Etamm von rechen- en) lauten mufs: das Rechen 
amt, f. Rechenkammer; das Rechenbrett, ein zur Erleichterung des Rechnens 
durch Linien, Fäden od. Rinnen nad) Maßgabe der Zifferftellen in Fächer ger 
theiltes Brett, auch Nechenbanf, »tafel, =tifc) genannt; das Rechenbuch, 
ein Buch, welches Anleitung zum Nechnen giebt; auch ein Buch, in welchem 











rechnen 471 


man zur Übung vechnet; ber Rechenfehler, ein im Rechnen begangener Fehler; 
die Rechenhaut, ehem. f. Pergament; die Rechenfammer, eine Bchörbe, 
welche Einnahme u. Ausgabe berechnet u. verwaltet, u. bef. Über die Rechnungen 
anderer Behörden bie Aufficht führt; auch Rechnungskammer, Reden: 
amt, oberd. Raittammer, landfch. Rechene i genannt; der Rechenknecht, 
ein (mechanifches) Hütfsmittel zur Erleichterung des Rechnens; die Rechen⸗ 
kunſt, die Fertigkeit zu rechnen, u. der Inbegriff der Regeln, nach welchen es 
geſchieht (fr. Arithmetik); der Rechenkuͤnſtler (fr. Arithmetiker); der Rechen— 
lehrer, wer im Rechnen unterrichtetz der Rechenmeiſter, wer die Rechenkunſt 
vollkommen verſteht, u. darin Unterricht ertheilt; landſch. auch der Vorgeſetzte 
eines Rechenamtes; der Rechenpfennig, Marken aus Meſſing oder anderm 
Metall zum Rechnen auf dem Rechenbrett oder zu Spielen, Zahlpfennig; die 
Rechenſchule, eine Schule, in welcher das Rechnen gelehrt wird; der Rechen— 
fchüler 20.5 der Nechenftab, das Rechenftäbchen,, Eleine Stäbe, auf welche 
das Einmaleins gefhrieben ft, zur Erleichterung ded Rechnens; der Rechen— 
flift, ein Schieferftift zum Rechnen auf einer Schiefertafel; die Nechenftunde, 
Unterrichtsftunde im Rechnen; die Nechentafel, 1) eine Schiefertafel zum 
Rechnen; 2) f. Rechenbrett; 3) das Einmaleins; der Nechentifch, f. Rechens 
brett; der Rechenunterricht, Unterricht im Rechnen; — Ableit. die Rechenei, 
das Recheneiamt, oberd. f. Rechenkammer, Redyenamt ; vie Rechenſchaft, 
ehem. f. Rechnung, Abrechnung; jest: die pflihtmäßige Berichterſtattung 
von unferm Berhalten od. Verfahren und ven Gründen desfelben (einem 
Rechenschaft geben, ablegen; Nechenfchaft von Semand fordern, ihn zur 
Rechenfchaft ziehen); der Rechner, -8, die Rechnerinn, M. -en, wer 
rechnet; wer die Rechenkunſt verſteht (ein guter Rechner u. dgl.); oberd. wer 
über Öffentl. Einnahmen u. Ausgaben Rechnung führt; die Nechnung, M. -en, 
(altd. rechanunga, Anordnung), das Nechnen, die Art und Weife zu rech— 
nen (0. M.; 3, B. die Zahlen-, Buchftabenrehnung, Kopfrehnung zc.); dag 
Ausgerechnete, die Berechnung in einem beftimmten einzelnen Falle, d. i. bie 
mitteift der Rechenkunſt aus gegebenen Zahlen gefundene Zahl und die ganze Reihe 
ber Bahlen, durch welche die Findezahl fich ergeben hat (eine Rechnung machen, 


durchſehen ꝛc.; es find Fehler in der Rechnung, die Rechnung ijt nicht richtig 2e.); - 


in engerer Bed. das Verzeichnifs der Einnahme u. Ausgabe und die Berech— 
nung über beider Verhältnifs (die Rechnung führen, halten, Rechnung ablegen), 
insbef. das Verzeichniſs gelieferter Güter, Waaren, Arbeit ıc. und die Ber 
rechnung der dafür zu empfangenden Summe (etwas in Rechnung bringen, 
fiellen ; einem die Rechnung machen; die Rechnung bezahlen; auf Rechnung Faus 
fen, d. i. ohne -fogleich zu bezahlen; für eigene Rechnung, d. i. fo dafs es für 
mich felbft berechnet wird; uneig. ſprichw. die Rechnung ohne den Wirth machen, 
d. i. fic) verrechnen, mehr ſchuldig werden, ald man denkt; ein Strich durch 
die Rechnung, d. i. Vereitelung einer Erwartung od. eines Planes); das Wer: 
hältniſs Deffen, welcher von anvertrautem fremden Gute Nechnung zu 
führen hat (ein Gut auf Rechnung verwalten ; auf Rechnung figen); in weiterer 
Bed. das Dafürhalten,, die muthmaßlide Beſtimmung, mwahrfcheinliche 
Hoffnung (nad) meiner Rechnung mufs er heute kommen; fich auf etwas Rech— 
nung machen ; feine Rechnung bei etwas finden, d. i. feine Erwartung nicht ge- 
täufcht finden, Wortheil dabei haben) ; landſch. auch f. die monatliche Reinigung 
des weibl. Geſchlechts; Zfeg. der Rechnungsabſchluſs; die Rechnungsart, 


472 j recht 


die Art und Weije zu rechnen, bef. die vier Haupt-Rechnungsarten (fr. Species): 
Zufammenzählen (fr. Addiren), Abziehen- (Subtrahiren), Vervielfältigen (Mut: 
tiplieiven), Theiten (Dividiren) ; das Nechnungsbuch, ein Buch, in welchem 
Über Einnahme und Ausgabe Rechnung geführt wird, verfh. Rechenbuch; 
der Rechnungsfehler, ein in einer Rechnung begangener Fehler; der Rech— 
nungsführer, wer über Einnahme und Ausgabe Rechnung führt; die Rech— 
nungsfammer, f. Rechenkammer; die Rechnungdmünze, eine nur in 
Rechnungen angenommene, nicht wirklich geprägt vorhandene Münze, fo auch 
das Rechnungsgeld; der Nechnungsrath, ein bei einer Rechenkammer an- 
geftelltev Beamter; das Nechnungswefen, alles, was zuf — der 
Einnahme und Ausgabe gehört. 

recht, Bw. u. Nw., jetzt ohne Steigerung, nicht aber in der älteren Sprache, 
(goth. raihts, altd. rebt; Comp. rehtor, rehter, Sup. rehtist, rehtest; 
altſächſ. reht, angelſ. reht, riht, engl. right, ſchwed. rätt; ſanskr. riju, lat. 
rectus; bon der Wurzel rih, daher richten; oberd. richt, Nw. f. gerade; 
vergl. das griech. 6-gEyzıv, ſtrecken u. d. lat. regere), 1) urfpr. gerade, ber 
räumlichen Richtung nad) (daher noch oberd. recht ſtehen, f. aufrecht; ein rech⸗ 
ter Winkel, deſſen Schenkel ſenkrecht auf einander ſtehen, entg. ein ſchiefer 
Winkel); überh. angemeſſen, paſſend, übereinſtimmend, gehörig, insbeſ. 
in Anſehung der Richtung (in Zſetz wie ſenkrecht, fcheitel-, wage-, waſſer⸗ 
recht 2c.), oder der Beſchaffenheit des Gegenſtandes im Verhältniſs zu feinem 
Zwede (dad Kleid ift mir recht, d. i. paflend; in alle Sättel recht fein, uneig. 
f. fi) in Alles zu ſchicken wifjenz der rechte Weg; die rechten Mittel anwenden; 
etwas am rechten Orte, zur rechten Zeit, auf die rechte Art thun; die rechte 
Seite des Tuches, entg. die verkehrte od. Linke; der rechte Gebrauch einer Sache; 
den rechten Ausdrud wählen, das rechte Wort gebrauchen 2c.); auch der Em— 
pfindung, dem Wunfche od. Verlangen einer Perfon gemäß, finno. genehm 
(das ift mir recht, d. i. gefällt mir, ftieht mir an; man kann ihm nichts vecht 


machen; mir ift Ulles recht; du kommſt mir eben recht, d. i. erwünfcht, zu 


rechter Zeit; daher auch als Ausdruck der Billigung od. des Beifalls: recht fo! 
fo recht!) 5 bef. der Sache oder der Mahrheit gemäß, finnv. richtig, wahr, 
wirklich, echt, entg. unxecht, falſch (vecht urtheilen, rechnen, hören; fehe ich 


recht? eine Sache im rechten Lichte betrachten, bei ihrem rechten Namen nennen; » 


der rechte Glauben; der rechte Vater, die vechte Mutter, gem. f. ber mahre, 
leibliche Vater zc., entg. dem Sticfoater; fo auch: rechte Kinder, entg. Stief- 
tinder; gem. auch als felbftftändiges männ!. od. weibl. Hw., 4. B. da bift du an 
den Rechten gekommen; die ift mir die Rechte 2c.); dem Gefege, dem 
Rechte, der Billigfeit gemäß, finnv. rechtmäßig, gerecht, erlaubt (die rechte 
Frau, d. i. rechtmäßige Ehefrau; das ift nicht recht; thue recht und ſcheue Nie— 
mand; es iſt recht und billig; es gefchieht ihm recht, d. i. nad) Verdienft; das 
geht nicht mit rechten Dingen zu, d. i. nicht auf rechtmäßige, erlaubte Art, ob. 
„nicht auf natürliche Art); auch f. genau, pünktlich, völlig, ganz als Nw. (4.2. 
ich weiß es felbft nicht recht; fie find nicht vecht einigz diefer Wunſch kommt 
recht aus dem Innerften meines Herzens, etwas recht aus dem Grunde verſtehen; 
nicht recht bei Verftande fein); daher häufig einen hohen Grad der inneren 
Stärke bezeichnend, als Bw. (z. B. er hatte eine rechte Freude darüber, d. i. 
eine ‚große; das ift eine rechte Plage für mich; da wäre er ein rechter Narr; 
auch für fich allein als ſächl. Hw. etwas Rechtes fernen, d. i. vorzüglich viel; 


7 


| 


v 


recht 418 
es iſt nichts Rechtes ꝛc.), u. bef. als verftärkendes Nw., finnv. fehr (4. B. ich 
bin recht begierig darauf; recht Luftig fein; es «ft recht kalt; ich fehe es recht 
gern; ein recht guter Menſch, ein recht glücklicher Vater, gem. unr. ein rech— 
ter guter Menfch u. dgl.); — 2) dem Link entg. (alt u. oberd, auch gerecht; 
im Alt: u. Mittelhochd. in diefem Sinne nicht gebr., fondern ftatt deſſen zesewe, 
zeswe, goth. taihsvo, verw. mit teihan, taih, altd. zihan, zeihen ; vergl. 
d. griech. de&uös, lat. dexter mit delxw) bezeichnet recht die ſtärkere u. ge: 
mandtere Seite des menfchl. Körpers, wie auch die entfprechende Seite des 
tier. Körpers, und alles an diefer Seite Befindliche, vergl. link (4. B. die 
rechte Hand, auch) auslaff. ald Hw. die Rechte, 3.8. mit erhobener Rechten ze. ; 
fprichw. deine rechte Hand foll nicht wiſſen, was die Linke thut, d. i. du ſollſt 
im Stillen Gutes thun; ex ift feine rechte Hand, d. i. er Leiftet ihm unentbehr: 
liche Dienfte; zur rechten Hand, ober bloß rechter Sand (Gen.), d. i. zur 
rechten Seite, 3. B. das Dorf liegt vechter Hand, ſich vechter Hand wenden zc. ; 
bie rechte Seite, der rechte Arm, Fuß, das vechte Auge 2c.; der rechte Flügel 
eines Gebäudes, eines Heeres ꝛc.); — 3feg. das Rechteck, Größent. ein 
Viereck mit vier rechten Winkeln, insbef. ein folches, in welchem nur die gegen- 
überliegenden Seiten gleich Yang find (fr. Rectangulum, verſch. Quadrat); rechts 
eckig, Bw., rechte Ecken habend, ein Rechteck bildend; der Rechtfuchs ein 
rechter, d. i. wahrer oder echter Fuchs, d. i. ein röthliches Pferd von der ge— 
wöhnlichen Art, z. U. v. Licht-, Roth-, Schweißfuchs; rechtglaͤubig, Bw. 
den rechten od. wahren Glauben habend und in demſelben begründet (ein recht= 
gläubiger Chrift, eine vechtgläubige Lehre; fr. orthoder); die Rechtgläubig- 
feit, (fr. Orthoborie); rechtläufig, Bw., Sternk. in der gewöhnlichen Rich 
tung von Morgen gegen Abend laufend (ein rechtläufiger Planet) ; rechtlinig, 
Bw. Größent. ſenkrechte Linien u. daher rechte Winkel habend (eine rechtlinige 
Figur) ; rechtſchaffen, Bw. (alt u. oberd. auch rechtgeſchaffen; niederd. 
rechtſchapen, entz. wahnfchapen), ehem. überh. recht befchaffen, die richtige od. 
gehörige Beſchaffenheit abend, ordentlich, tüchtig (3. B. bibl. ein rechtfchaffener 
Samen, rechtfchaffene Früchte der Buße; gem. ed wird nichts Rechtfchaffenes 
daraus; er hat etwas NRechtichaffenes gelernt); jest gem. in engerer Bed. wer 
aus Gefinnung und Neigung recht und pflichtmäßig handelt, u. was in folcher 
Gefinnung und SHandlungsweife gegründet ift, finnv. ehrlich, redlich, bieder, 
brav; gem. auch zur Bezeichnung eines hohen Grades als Nw. f. fehr (4. B 
rechtſchaffen arbeiten, einen vechtichaffen prügeln u. dgl); die Nechtfchaffen- 
beit, das Rechtfchaffenfein, die Redlichkeit ꝛc. (z. B. eines Menfchen, feiner 
Gefinnungen 2c.); die Rechtfchreibung, das Schreiben der Wörter einer 
Sprache mit den gehörigen Schriftzeichen, auch die Wiffenfchaft, die Anleitung, 
und die Fertigkeit richtig zu ſchreiben (fr. Orthographie); rechtfeitig, Bw., 
f. v. w. rechtlinigz die NRechtfprechung, das richtige Ausfprechen dev Buch— 
ftaben u. Wörter, u. die Anleitung dazu (fr. Orthoepie); das Rechtthun, das 
rechtmäßige u. vechtichaffene Handeln ; vechtwinfelig od. rechtwinklig, Bw 
einen rechten Winkel od. rechte Winkel habend; die Rechtwinkligkeit; recht: 
zeitig, Bio. u. Nw., zur vechten Zeit feicnd 0; gefchehend ; die Nechtzeitig- 
keit; — Ableit. rechtd, Nw. von recht 2): nad) od. auf der rechten Seite, 
zur rechten Seite, entg. links (fi) vechte wenden, rechts figen, liegen ac.) ; 
mit der rechten Hand (z. B. rechts fchreiben, effen u. dgl.; gem. auch rechts 
‚fein, d. i. fich vorzugsmeife der vechten Hand zu feinen Verrichtungen bedienen) ; 


474. Recht 


zgeſ. mit Nw. u. Vw. z. 3. rechtsher, von der rechten Seite her, rechtöhin, 
nad) der reiten Seite Hinz rechtsum, nach der rechten Seite herum od. hinum; 
die Nechtöfchnede, eine Schnede, deren Schale von der Linken zur rechten 
Seite gewunden ift, entg. Linksſchnecke. 

Recht, f., -e8, M. -e, oberd. u. Kanzl. auch: des Rechten od. Rech— 
tens, M. bie Rechten, (altd. rehr, angelf. riht, engl. right, ſchwed. rätt; 
das als Hw. gebrauchte Bmw. recht), überh. das Nechtfein u. das, was recht 
ift, insbef. 1) fubjectio od. als perfönt. Eigenfchaft: das Angemeffene, Ge: 
bührende, Gehörige (einem fein Recht anthun, gewähren, widerfahren laſſen; 
oberd. f. die monatl. Reinigung des weibl. Geſchlechts: fie hat ihr Recht 2e.); 
die Übereinffimmung der Worte oder Handlungen Semands mit der Sache 
felbft od. mit der Wahrheit, nur in der Einh. u. ohne Artikel (4. B. einem 
Recht geben, d. i. erklären, dafs feine Rede od. Handlung recht feiz fo au: 
Kecht behalten, Recht baben) ; das Vermögen, die Befugnifs zu etwas und 
der darauf gegründete Anfpruch (das Recht des Stärkeren, die natürlichen 
Rechte des Menſchen; die Rechte des Blutes, des Herkommens 2.5; Jeder hat 
das Recht, ſich zu vertheidigen; fein Recht behaupten, vergeben, fich nehmen 
laſſen ꝛc.), bef. die Herrfchaft und Macht über etwas od. der Anſpruch auf 
etwas als ein Eigenthum (ein Recht Über etwas, an od. auf etwas od. einen 
haben); in engerer Bed. eine gefeglich begründete Befugnifs, ein auf Gefegen 
beruhender Anſpruch (das Recht ift auf meiner Seite; einen bei feinen Rechten 
fchügen, ihm zu feinem Rechte verhelfen; das dingliche, od. perfönlide 
Recht, d. i. das Recht, welches man Über eine Sache, od. über eine Perfon hat; 
das Recht über Leben und Tod); 2) objectiv od. ald Sache: was recht ift oder 
als recht gilt, das Gefeg od. die Gefege (es ift in den Rechten verordnet ; es 
ift Rechtens, d. i. den Gefegen gemäß; von Rechts wegen, kraft ber 
Geſetze; das Necht verdrehen, d. i. die Gefege falfch auslegen und anwenden) ; 
bef. der Inbegriff der Gefege, u. die Wiffenfchaft derfelben, ſowohl in der 
Mehrh., ald auch in der Einheit als Sammelw. (z. B. das göttliche, kirchliche, 
bürgerliche, römifche, deutfche Recht 2c.; das Naturs, Völker, Staats, Land: 
recht; fich der Rechte befleißigen, den Rechten widmen, die Rechte verſtehen, 
d. i. die Rechtswifenfchaft) ; die Handhabung u. Ausübung der Gefege, die 
Gerechtigkeit und dag gerichtliche Verfahren (einem das Recht verfagen; Ges 
walt geht hier für Recht, od. auch vor Recht, d. is dem Rechte vor; Gnade 
für Recht ergehen laſſen; einem fein Recht thun ; etwas durchs Recht erhalten, 
d. i. auf gerichtlichen Wege; dev Weg Rechtens, fi. des Rechts, ſ. o.)3 
dag Urtheil od. der Ausfpruch eines Richters od. Gerichts (Recht ſprechen ze.) ; 
3) alt u. oberd. auch f. Gericht, verfammeltes Gericht, Gerichtsfigung (vor 
Necht erfcheinen, zu Recht gehen ze.) ; — 8ſetz. v. Recht: rechtfertig, Bw. 
(Holl. u. niederd. rechtfeerdig u. vechtfardig ; ſchwed. rärtfärdig), vlt. gleich]. zum 
Rechte fertig, daher f. gerecht, rechtfchaffen Crechtfertige und fromme Raths— 
herren); rechtmäßig, echt (wechtfertige Anfprüche) ; daher die Nechtfertigkeit, 
vlt. ; rechtfertigen, untrb. ziel. Bw., 1) ehem. einen, f. Gericht über ihn 
halten, ihn gerichtlich verfolgen; auch den gerichtlichen Ausſpruch an ihm vollz 
ziehen, ihn beftwafen, bef. hinvichten (einen vom Leben zum Tode —); uneig. 
auch f. unferfuchen, prüfen (einen Reifenden —, eraminiren); 2) jest: einen 
od. etwas —, für recht od. ſchuldlos erklären, beweifen, dafs Semand: recht ges 
than habe, ihn von dem Vorwurf und Verdacht des Unrecht völlig reinigen und 





Recht 475 


loeſprechen, verſch. entſchuldigen, d. i. die nicht geleugnete Schuld durch 
Milderungsgründe verringern, (einen Angeklagten —, ſich ſelbſt —, fein Benehs 
men, Verfahren ꝛc. —3 Gottesgel. „ber Sünder wird gerechtfertigt,“ d. i. 
mittelſt der ihm zugerechneten Genugthuung Chriſti von aller Sündenſchuld los— 
gefprochen) ; ber Rechtfertiger, wer Jemand rechtfertigt ; die Rechtfertigung, 
das Rechtfertigen, u. die Gründe od. Mittel, durch welche es gefchieht, (z. B. eine 
Rechtfertigungsfchrift); ehem. auch f. Rechtöftreit (Procefs) ; der Rechthaber, 
die Rechthaberinn, wer immer Recht haben und behalten will: die Nechts 
haberei, das anmaßliche Benehmen deffen, der immer Recht haben will; recht» 
haberifch, Bw.; rechtliebend, Bw., Recht u. Gerechtigkeit liebend; rechtlo3, 
Bw., des Rechtes ermangelnd, ungefeglich, unrechtmäßig (ein rechtlofes Ver— 
fahren) ; der Rechte od. Rechtswohlthaten beraubt, nicht unter dem Schutz ber 
Geſetze ftehend (ein vechtlofer Menſch); die Nechtlofigkeit, das Rechtlosſein 
in beiden Bed. des Bw.; rechtmäßig, Bw., dem Rechte, den Gefegen ges 
mäß (vechtmäßige Mittel anwenden, eine vechtmäßige Ehe, Strafe 2c.); bie 
Rechtmäßigkeit, das Rechtmäßiafeinz; — 3ſetz. v. Rechts: das Rechts— 


amt, Gerichtsamt; der Nechtsanfpruch, ein rechttich gegründeter Anfpruch ; 


rechtöbefliffen, Bw., der Rechte, d. i. der Rechtswiſſenſchaft befliffen «(ein 
Rehtsbeftiffener, fr. Studiosus juris); die Nechtöbehörde, eine das 
Recht Handhabende Behörde, Gerichtsbehörde ; der Nechtöbeiftand, ein Bei— 
ftand vor Gericht oder in einer Rechtsſache (fr. Curator); rechtsbeſtändig, 
Bw., nad. den Rechten od. vor Gericht beftehen könnend (z. B. ein Vergleich) ; 
die Nechtsbeftändigfeit; der Rechtsdreher, =verdreher od. » verfehrer, 
wer bie Gefege falfch auslegt und anwendet (fr. Chicaneur); die Nechtödreherei, 
(Shicane) ; der Nechtsfall, ein gerichtlich zu entfcheidender Fall; die Rechts: 
frage, eine das Recht betreffende, od. durch das Recht zu entfcheidende Frage ; 
der. Rechtsgang, der Gang der Sachen vor Gericht; Landfch. auch f. Rechts— 
handel; die Rechtögelehrfamfeit, chem. Nechtögelahrtheit, auch die 
Rechtskunde, die Wiffenfchaft od. Kunde von den Rechten und Geſetzen, ins- 
bef. als fubjectives Wiffen ; hingegen die Nechtswifjenfchaft, Rechtslehre, 
mehr gegenftändlich cd. als objective Wiffenfchaft (fr. Surisprudenz) ; rechts⸗ 
gelehrt, rechtsfundig, Bw., in den Rechten gelehrt, derfelben Eundig; bef. 
als Hw. ein Nechtsgelehrter, Rechtskundiger (fr. Surift) 5 der 
Nechtögrund, ein auf dem Gefeg beruhender Grund; rechtsgültig, Bw., 
nad) den Gefegen, vor Gericht gültigz die Nechtögültigkeit; der Rechts— 
handel, eine vor Gericht gebrachte Streitfache (fr. Procefs); rechtshängig, 
Bw., bei dem Gerichte anhängig u. noch unentfchieden; der Rechtskniff, ein in 
einer Rechtsſache gebrauchter Kniff (f. d.); die Nechtskoften, Gerichtskoſten; 
rechtskräftig, Bw., die Kraft eines Rechtes od. Geſetzes habend (ein rechte- 
Eräftiges Urtheil); die Nechtslehre, ſ. o. Rechtögelehrfamkeit ; der Rechts— 
lehrer, ein Lehrer der Rechtswiſſenſchaft; das Rechtsmittel, ein in den Ges 
fegen gegründetes oder durch diefelben verordnetes Mittel; die Nechtspflege, 
die Handhabung des Rechts; die Rechtsſache, eine vor Gericht gehörige oder 
angebrachte Streitfache (fr. Proceſs); der Rechtsſchluſs, der Schlufs in einer 
Rechtsſache; die Nechtöfprache, die Kunftfprache der Rechtögelehrten; der 
Rechtöfpruch, ein nach den Gefegen erfolgter Ausfpruch ; der Rechtsftand, 
das Gericht, deſſen Gerichtsbarkeit man unterworfen ift, auch die Rechtsſtatt; 
rechtsſtändig, Bw. der Gerichtebarkeit unterworfen; der Rechtsſtreit, eine 


476 Reck — reden 


vor Gericht geführte Streitfache (fe. Procefß) ; auch ein Streit über eine die Ge⸗ 
ſetze betreffende Sache; der Rechtsſtuhl, eine Recht ſprechende Behörde; der 
Rechtsverdreher, ſ. Rechtsdreher; die Rechtsverdrehung; das Rechts— 
verfahren, rechtliches Verfahren; Rechtsgang; die Rechtsverfaſſung; vie 
Rechtsverhandlung; rechtsber tandig Bw., der Rechte od. Geſetze kundig, 
auch als Hw. ein Rechtsverſtändiger; die Rechtswiſſenſchaft, ſ. 
Rechtsgelehrſamkeit; die Rechtswohlthat, ein als eine Gunſt geſtattetes 
Rechtsmittel; der Rechtszwang, ſ. v. w. Gerichtszwang, f. d. — Ableit. 
rechten, zielloſ. Zw. (ehem. auch rechtigen), vor Gericht ſtreiten, einen 
Rechtsſtreit führen; um das Necht feeiten, u. in weiterer Anwendung tiberh. 


mit Worten ſtreiten, hadern (mit Jemand um etwa3—); rechtlich, Bw. u. 


Nw. dem Rechte gemäß, rechtmäßig (xechtlich handeln, eine rechtliche Denkart, 
Sache, Forderung); von Perfonen: das Recht liebend, rechtſchaffen, redlich 


(ein rechtlicher Mann) ; auch die Rechte od. das Gericht betreffend, darin gez: 


gründet, davon’ausgehend, gerichtlich (im rechtlichen Verſtande, eine rechtliche 


— 


Entſcheidung u. dgl.) ; landſch. auch f. ehrenwerth, anſtändig, geziemend, ordent⸗ 


"ich; die Rechtlichkeit, das Rechtlichſein, die Rechtmäßigkeit, Redlichkeit; 


rechtfam, Bm., vlt. f. dem Nechte gemäß, rechtmäßig. 

Red, f., -e8, M.-e (verw. mit veden?), landſch, ein Geftell, Gerüft, 
vergl. Ri und die Rede; in der Zurnkunft: eine auf Ständern twagerecht 
ruhende runde Stange zu Hang- u. Springübungen (Retübungen). 

Recke, m., -n, M.-n, au der Neden, -8, M.w. E., 1) (altd. 
hrechjo, recheo, recho, angelf, vreca, von vrecan, goth. vrikan, verfolgen, 
verbannen, vergl. rächen; daher das engl. wretch, ein Eiender), völlig vit. ein 
Verbannter, Verwieſener, Landflüchtigerz 2) (altd. recho, isländ. reckr, 
Held, neben rackr, ſtark; in diefem Sinne vielleicht von reden), ehem. f. 
junger Mann, männlicher Held; noch alterthümlich f. viefenhafter Held, 
Rieſe. 

Recke, w., ſ. unter reden. 

reden, ziel. 3w. (goth. rakjan, altd. rachjan, rechjan, reechen, altnord. 
rakna, angelf. racan, ſchwed. recka; vergl. reichen, ſtrecken, u. d. lat. regere, 
porrigere),- überh. dehnen, ſtrecken, ausdehnen (das Leder—, es mit Zangen 
Yänger u. breiter ziehen; fich — ; einen Verbrecher auf der Folter —; das Eifen 
mit dem Sammer—); alt. u. gem. f. ausſtrecken, hinreichen, aufrichten, er= 
heben (bibl. die Hand gen Himmel —, den Kopf in die Höhe —; oberd. die Hand 
reden, d. i. zum Handfchlag — * — Zſetz. die Reckbank, niederd. f. 
Folterbank; reckhalſen, untrb. zielloſ. Zw., niederd. f. den Hals ausſtrecken, 
einen langen Hals machen, um etwas zu ſehen; auch den Hals vorſtrecken, um 
etwas. hinunter zu ſchlucken ; der Rekfchragen , ein Werkzeirg der Seidenweber 
zum Ausreden der zu halbfeidenen Zeugen nöthigen Wolle; das Reckſchmieden, 


Dehnen des Eifens; das Nedzeug, das zum Reiten, bef. Foltern dienende . 


Geräth; — Ableit. tie Nede, M. -n, 1) das Reden, 3. B. ehem. bie 
einmalige Aufziehung dee Folterfeiles; 2) ein Werkzeug zum Neden, 3. B. bei 
den Riemern zum Ausdehnen des Leders; 3) ein geredites od. ausgedehntes 
Ding, 3. B. niederd. f. Stangen, Latten verſchiedener Art; auf Krieger 
fchiffen: wagerecht liegende Bretter an den beiden inneren Seiten der Kajüte; auch 
Latten an beiden Seiten des Schiffes, im welche Löcher ausgefchnitten find (Ge: 
wehrs, Kugelreden); brandenb. eine Recke (od. Reke) Leinwand, 12 od. 





Reckholder — reden 477 


16 Ellen; nieberd. auch f. Rinde, Borke eines Baumes; u. f. eine Einzäu: 
nung, Umhegung, beftehend aus einer Reihe durch Querftangen verbundener 
Pfähle (auch Reckwerk, Rick genannt; vergl. das fehweiz. der Reden, bie 
Redete f. Reihe). > 

Reckholder od. Rechholder, m., -8 (altd. recholdir; nicht von reden, 
fondern wahrfch. verw. mit riechen, rauchen, angelf. r&can, als Räucherwerk), 
oberd. f. Wachholder; landſch. aud) f. Holunder. 

reden, zielfof. u. ziel. Zw. (altd. redjön, redön, redinön; altfächf 
rethion, rethinon, ſchwed. redaz vergl. angel. raeda, engl. read, Iefen; 
die finnliche Grundbed. fcheint reihen, an einander fügen, daher Worte fügen ze. 5 
vergl. das griech. 0», 200, onum, ontog ıc. lat. reor 2c. mit low, lat. sero, 
ich reihe, daher sermo, Rede), feine Gedanken durch zufammenhangende 
Worte dußern, immer als Ausdrud eines Gedachten, verſch. von ſprechen, 
wozu die Dervorbringung von Spradhlauten hinreicht (nur der Menfchtann reden; 
aber der Papagei kann Wörter fprechen Iernen), und von fagen, welches 
die Mittheilung eines beftimmten Inhaltes bezeichnet, (über od. von etwas mit Je— 
mand veden; ex läfft nicht mit fich reden, d. i. nimmt Eeine Vorftellungen od. 
Vernunftgründe an; einem das Wort reden, d. i. zu feinem Beften reden; einem 
ins Gewiffen reden, f. Gewiſſen; einem nach dem Munde reden, d. i. in feinem 
Sinne reden od. fo wie er es gern hört; Thiere redend einführen, d. i. fie wie 
Menfchen reden laſſen, z. B. in der Thierfabel; redende Künfte, deren 
Darftellungsmittel die Sprache ift, entg. bildende K.); in.engeree Bed. einen 
öffentlichen, feierlichen Vortrag, eine Rede halten (vor dem Volke, auf der 
Kanzel; er hat ſchön geredet 2c.); uneig. durch fichtbare Zeichen Vorſtel⸗ 
lungen u, Gedanken augdrüden u. in Underen erweden, bef. das Mw.redend- 
als Bw. f. ausdrudsvoll, bezeichnend, finnv. fprechend (ein redendes Bild, 
vebende Mienen; ein redendes Wappen, d. i. ein Wappen, welches den Namen 
Defien ausdrückt, der es führt); das Reden, häufig als Hw. (z. B. einem 
das Reden verbieten ; viel Redens von etwas machen u. dgl. m.); — die Rede, 
M.-n (alt. redja, reda, redina, f. Rede und Vernunft, Verftand, Sinn, 
wie das griech. A0yos = ratio u. ratio; goth. rathjo, Rechnung, Rechenfchaft, 
das lat. ratio; altnord. raeda, ſchwed. reda, angelf. raed, red) 1) das Ver: 
mögen zu reden, die Sprache, u. bef. die Art und Weiſe des Redens, Rede— 
od. Sprechweife (0. M., z. B. eine vernehmliche, od. undeutliche Rede haben ; 
- die gebundene, u. die ungebundene Rede, fr. Poeſie und Profa, f. 
binden); das Neden, die Handlung des Redens u. die gefprochenen Worte 
(gleichfalls 0. M.; z. B. davon ift nicht die Rede, d. i. davon wird nicht ger 
ſprochen; das ift der Rede nicht werth; die Rede fiel darauf, d. i. man Fam 
darauf zu reden; die in Rede ſtehende Sache, d. i. die Sache, von welcher ges 
redet wird; einem in die Rede fallen, d. i. feine Worte unterbrechen); dag Ge 
redete, der Gegenſtand od. Inhalt der Rede (vergifs deine Rede nicht, d.i. 
vergifs nicht, was du fagen wollteſt; er achtet nicht auf meine Rede; unnüge 
Reden führen); insbeſ. ehem. f. Erzählung, Geſchichte; jest noch f. Gerücht, 
Gerede (es geht die Rede, dafs er todt ſei; landſch. auch: in die Rede Eommen, 
einen in die Rede bringen 2c.); Nechenfchaft, Verantwortung (einen zur Rede 
ſtellen od. fegen, d. i. ihn zur Verantwortung ziehen; einem Rede ftehen, d. i. 
ihm antworten, od. Rechenſchaft ablegen; fo auch: Nede und Antwort geben) ; 
ein feierlichen, förmlicher Vortrag (eine Rede halten, eine geiftliche 0d. Kanzel: 


1 


— 


478 ‘ reden 


Rede, Schul-, Abſchieds-, Leichen-, Lobreden zc.); 2) alt u. noch niederd. f. 
Vernunft; Urfache, Grund, Beweis (f. 0.5 3. B. niederd. was man thut, 
mufs man mit Reben thun, d. i. mit Vernunft, aus Gründen; ich habe meine 
Reden dazu, d. i. meine Urfachen) ; — 3feg. v. reden u. Rede: bie Redeart, 
od. Redart, die Art und Weiſe zu reden, die Ausdrucks- oder Sprechweiſe, 
auch Redeweiſe; bisw. auch f. Mundart; verſch. die Redensart, eine eins 
zelne beftimmte Wortverbindung,, ald herkömmliche Ausdruntsform od. Formel, 
die nicht immer buchftäblich verftanden wird (7. B. was befehlen Sie? Ihr ges 
horfamer Diener; daher: das find Redensarten, d. i. leere Worte, bie 
nicht fo gemeint find); das Redebild, ſ. Figur; der Redefluſs, 1. Fluſs; 
die Nedeform, die Form od. Art u. Weife der Wortverbindung in der Rede, 
Sasform (verich. Sprachform) ; Sprachl. insbef. f. das fr. Modus, f. Rede: 
mweife; die Redefuͤgung, Tügung ganzer Säge in der Rede, Gagfligung 
(verſch. Wortfügung) ; die Redekunſt, die Kunft der Rede, d. i. des mind» 
lichen od. fchrifttichen Vortrags, in engerer Bed. die Kunft des fchönen redneriſchen 
Vortrags, bef. von der objectiven Seite: der wiffenfchaftlich geordnete Inbegriff 
allee Grundfäge und Ausübungsregein diefer Kunft (fr, Rhetorik; verſch. Bered⸗ 
famkeit, ſ. d.)5 in weiterer Bed. jede ſchöne Kunft, deren Darftellungsmittel 
die Sprache ift (die fchönen Redekünſte, f. v. mw. die redenden Künfte, 
f. 0. u. vergl. Kunſt); der Nedefünftler, ein Künſtler in der Rede; insbef. 
wer die Redekunſt verſteht u. übt (fr. Rhetor, Rhetoriker); der Redeprunk, 
efhmud, ⸗ſchwulſt, ſ. Prunk 20.5 der Redeſatz, ſ. Sag; redefchen, 
Bw., Scheu zu reden habend u. zeigend; die Redeſcheuz der Nedefchwung, 
Schwung, Erhabenheit der Rede; der Medetheil, ein Theil der Rebe, bei. 
jedes Wort nad der Gattung, welcher es ald Glied der zufammenhangenden Rede 
angehört, die Wortart, Wortgattung (Haupt-, Bei-, Zeitwörter ꝛc. find ver- 
ſchiedene Redetheile; verfch. Sprachtheil; der Redeton, die Hervorhebung 
eines Wortes od. Sasaliedes durch befonderen Nachdrud der Stimme, nad) dev 
jedesmaligen Abficht des Redenden (fr. rhetoriſcher Accent; verfch. Silben - und 
Wortton); die Redeuͤbung, Übung im münblichen, bef. redneriſchen Vortrag; 
die Redeweiſe, ſ. v. w. Redeart, ſ. o.; Sprachl. insbeſ. die Denkform, unter 
welcher von einem Gegenſtande etwas ausgeſagt wird, die Ausſageform (fr. der 
Modus; die Redeweife der Wirklichkeit, fr. Indicativ; — der Möglichkeit fr. 
Conjunctiv; — der Nothwendigkeit, fr. Imperativ); das Nedezeichen, ein 
Zeichen dew Rede, bef. zur Andeutung des Nedetons, Leſezeichen; — Ableit. 
von reden: der Neder, -8, wer redet, nur in Ifeg. wie Afterreder, Nach— 
reder, Bereder 2c. (verfch. Redner) ; die Nederei, M. -en, gem. f. das Ge- 
rede; der Redner, -8, (altd. redinari, von redinon gebildet), wer die Gabe 
der Rede befigt und übt (ein guter, ſchlechter Redner fein); in engerer Bed. 
wer eine feierliche Nede vor einer Verfammlung hält (dev Redner ſprach gut, 
Lange 2c.), u. bef. wer den Beruf hat, dergleichen Reden öffentlich zu halten 
. B. ein Kanzelredner, Volksredner 2c.); daher: die Nednerbühne, f. Bühne 
(fe. Tribüne) ; die Nebnergabe, f. Gabe; die Nednerkunft, die Kunft des 
Redners, Redekunſt; auch ein einzelnes Kunftmittel des Redners (alle Redners 
künſte anwenden); der Kednerftuhl, der erhöhete Sig des Redners; die Red— 
nerei, Neuw., verächtl. f. die rednerifche Ausdrucks- od. Vortragsweiſe; 
redneriſch, Bw., einem Redner und deffen Kunft gemäß (ein redneriſcher 
Bortrag 2c.); rebfelig, Bw. (vergl. felig), geneigt viel zu reden, in hohem 





Nee — rege 479 


Grade gefprächig, oberd. auch redſprächig; die Redſeligkeit, das Red— 
feligfein, die Gefprächigkeit, oberd. Redſprächigkeit; — Ableit, von 
Rede (in der Bed. ratio, Vernunft, f. o.): reblic), Bw. (altd. redolih, 
redilih, redelich; auch in demfelben Sinne redihaft ; niederd. redelik), 1) alt 
u. niederd. f. vernünftig, verftändig; billig, geziemend, rechtmäßig (4. 8. 
redlich arbeiten, fich vedlich halten; redliche Kinder, eine vedliche Ehe, d. i. 
rechtmäßige) ; 2) jegt f. ehrlich, aufrichtig, rechtlich, rechtſchaffen, wacker ıc, 
(edlich Wort halten, redlich bezahlen ; vedlich an Semand handeln, vedlich feine 
Meinung fagenz ein redlicher Mann, Freund); die Medlichkeit, das Ned: 
lichfein, finnv. Ehrlichkeit, Nechtfchaffenheit zc- 

Nee, m, 1. Rä. 

Reede, w., f. Nehde. 

Reep, f., -e8, M. -e (goth. raip, Riemen; angelf. rape, engl. rope, 
holl. reep; dän. reeb; das hochd. Reif, f. d. und vergl. Rebe), niederd. f. 
Seil, Strick, Tau; ein Reep Holz, f. ein Faden oder Klafter Holz; 
der Neepfchläger, niederd. f. Geiler; die Neepfihlägerei, f. das Seiler: 
gewerbe, u. die Seilerwerkftatt; reepen, 8w. f. Holz meflen mit einem Seil 
od. einer Kette; dev Neeper, -$, niederd. f. Seiler, Holzmeffer, beeidigter 
Holzſetzer. 

Reff, ſ. —es, M. -e, 1. (engl. reef, reeft, holl. rif, reftz angelſ. rift, 
Segel u. überh. Hülle, Bedeckung), niederd. ein kleines Segel, welches bei 
ſchwachem Winde an das große gefegt wird, Beifegel; bisw. auch f. Fell, Haut 
(daher Middelreff, engl. midriff, Zwerchfell; vergl. R& u. das altd.. href, 
angel. hrif f. Unterleib, Bauch); — 2. (verw. mit Raff, Rippe) überh. ein 
fic) in die Höhe und Länge ausdehnendes Ding ; insbef. niederd. f. eine lange 
Sandbank od. Klippenreihe, hochd. gew. Riff (vergl. das lat. ripa, Ufer; 


ſchwed. ribe, Geekante); Schiff. ſchmale Streifen von Segeltuch, weiche quer 


über manche Segel gehen und mit Löchern verfehen find, durch welche die Reff— 
bänder laufen, d. i. dünne Stricke, mittelft deren die Segel zum Theil einges 
zogen (eingerefft) werden; — 3. (vielleicht nur weitere Anwendung von 
Reff 2., näml. ein aus ſchmalen langen Körpern beftehendes Ding), ein Geftell 
von Stäben od. Brettchen, in welchem man Laſten auf dem Rüden trägt 
(ein Tragreff; altd. ref, f. sarcina, clitella): oberd. auch f. Saumfattel 
(Scumeeff), u. f. Naufe für das Vieh; ferner die gabelförmige Vorrichtung 
an den Senfen, mittelft deren das Gemähete auf die Seite geworfen wird; ehem. 
auch f. Gerippe; — 3fes. das Neffband, f. Reff 2.; der Reffträger, wer 
ein Reff (3) auf dem Rüden trägt, u. bef. wer in einem folchen allerlei Eleine Waas 
ven zum Verkauf herumträgt; — Ableit. reffen, ziel. Zw., niederd. Schiff. 
1. ein Neff (1) oder Beifegel an das Segel fegen; 2. (von Reff 2.) das 
Segel zum Theil einziehen, binden (einreffen; engl. reef, holl. reeven). 
treffen 3. ziel. Zw., altoberd. f. rupfen, zupfen; reffeln, ziel, u. ziellof. 
3w. (holl. ravelen, engl. ravel), niederd. f. fafen, fafern, fich zerfafern. 
rege, Bw. (gem. oberd. auch regig, vegicht; vielleicht von einem alten Zw. 
rigan, rag, ſich bewegen; daher: ragen, Riegel, und vielleicht auch Regen? 
altnord. riga, bewegen; vergl. auch reden u. das lat. regere), ſich beivegend, 
in Bewegung gefeßt od. begriffen (vege werden, fein; Jäg. das Wild rege 
machen, d. i. aufjagen); beweglich, thätig, emfig (rege Hände; das rege 
Volk der Umeifen) ; uneig. von Empfindungen, Leidenfchaften zc. in Thätigkeit 


480 Regel 


geſetzt u. ſich äußernd (die regen Triebe; Zorn, Eiferfucht ꝛc. bei Semand rege 
machen, ſinnv. weden, aufregen; feine Einbildungsfraft wurde rege); regen, 
ziel. u. rüdz. Zw. (altd. regan, tegen, niederd. rögen), bewegen, jedoch eig. 
von einer ſchwachen, erjt beginnenden und bald unterbrochenen Bewegung, finnv. 
rühren (weder Hand, noch Fuß regen können; er darf fich nicht regen; es regt 
fich Fein Lüftchen, d. i. die Luft ift ganz ruhig); auch uneig. von Gemüthebes 
wegungen: entſtehen, fich Außern (die Liebe regte fih in feinem Herzen); in 
weiterer Anwendung: ſich —, f. ſich lebhaft, miunter bewegen, thätig, ge= 
ſchäftig fein (Biol. veget euch auf Erden; Jung und Alt regte fich); oberd. uneig. 
f. erwähnen, in der Rede berühren (die oben geregte Sache; gew. anregen, 
beregen); — Xbleit. die Nege, 1) das Negefein, die Bewegung, Re— 
gung; 2) bei Vogeiftelleen: das Geftell, an welchem fie den Lodvogel regen, 
d. i. aufs und niederbewegen, auch: das Gerege, und wenn es aus hohen 
Stangen beſteht: die Hohe Rege, Stangenrege; die Regung, eig. dag 
Regen od. Sich-Regen, die Bewegung (z.B. ohne Regung daliegen) ; uneig. 
dns Entfiehen od. die erſte Außerung einer Gemüthsbewegung, u. die ſich 
äußernde Gemüthsbewegung felbit (die Regungen des Herzens, ver Liebe ꝛc.); 
regungslos, Bw., ohne Regung; die Regungsloſigkeit; regfam, Bw., 
geneigt fich zu regen, fich leicht und viel bewegend, beweglich, Iebhaft, 
thätigz die Regſamkeit, das Regfamfein, die Beweglichkeit, Thätigkeit. 

Kegel, w., M.-n, (ehem. Regul geſchr.; angelf. regul, altnord. regla; 
vom lat. regula, franz. regle), urfpr. u. noch landſch. ein Nichtfcheit (Lineal) ; 
gew. uneig. eine Vorfchrift od. Richtfehnur des Verhaltens od. Verfahrens 
in einem gewiffen Falle (einem gute Regeln geben; eine Regel befolgen, beob= 
achten 20.5; inder Regel, d. i. gewöhnlich, regelmäßig; Klugheitss, Lebens— 
regeln; eine Maßregel; Sprache, Kunftregeln 2c.); auch der Inbegriff aller 
Regeln od. Vorfchriften einer Art (3. B. die Kegel des heil. Franciscus; Orz 
dens=, Klofterregel); — Zfes. das Regelbuch, ein Buch, welches Regeln 
enthält; vegellos, Bw., jeder Regel ermangelnd, nicht nach Regeln einges 
richtet, mehr ald unregelmäßig (feine Sprache ift vegeilos) ; Keine Regel beobach— 
tend (ein regelloſer Menfch, ein vegellofes Leben ze.) ; die Negellofigfeit, des 
Regellosfein; auch ein vegellofes Verfahren; regelmäßig, Bw., der Regel ge- 
mäß, die Regeln beobachtend (ein regelmäßiges Viereck; die regelmäßige Biegung 
eines Wortes; regelmäßig gebaut ꝛc.); insbef. f. ordentlich, pünktlich, nach bez 
ſtimmter Zeiteintheilung (vegelmäßig leben, eſſen, fchlafen, aufftehen 2c.; ein 
vegelmäßiger Menſch) ; auch f. gewöhnlich, in der Regel; die Negelmäßigkeit, 
das Regelmäßigfein, die regelmäßige Befchaffenheit, Richtigkeit, Ordnung; dev 
Regelpriefter, ein Drdensgeiftlicher (f. d.), ehem. auch Regler, entg. Welt 
griefter; regelrecht, Bw., genau mit den Regeln übereinftimmend, bef, von 
Werken der Kunft (etwas vegelvccht einrichten; ein regelrechtes Gedicht) ; der 
Regelſchmied, fpöttifch: wer Regeln macht; die Regelſchweſter, zum Franz 
eiscaner «Orden gehörende weibl. Perfonen, die nicht beifammen wohnen, auch 
verheirathet fein Eönnen u. fid) nur an Sonn= u. Feiertagen verfammeln; regel: 
widrig, Bw., der Regel od. den Regeln zuwider. Taufend; die Regelwidrig⸗ 
feitz der Regelzwang, der Zwang, welchen die Regeln auflegen; — Ableit. 
regeln, ziel. 3w., etwas —, nach Regeln einrichten, in Ordnung bringen, 
ordnen (feine Handlungen nach den Geſetzen —; auch ſich —); bef. das Mw. 
geregelt als Bw. f. regelmäßig eingerichtet, abgemefjen, geordnet (ein 








Kegel — Regen 481 

geregeltes Verfahren); der Regler, -8, wer etwas regelt; auch f. Regel⸗ 

priefter, ſ. de; die Negelung, regelmäßige Einrichtung, Anordnung. 
Negel 2., m., niederd. f. Niegel, Querholzz daher: die Regeling, 


M.-en, Schiff. lange hölzerne Niegel, dur Stügen (Regelingftügen) 


x 


getragen, die ein Geländer um den Schiffsbord bilden. 

regen, 3w., ſ. unter rege. 

Regen, m., -$, M. w. E., (goth. rign, isländ. regn, altd. regan, an 
gelf. regen, engl. rain; vergl. das isländ. rak, Feuchtigkeit, u. d. gr. Pofzeır, 
lat. rigare, negen, wäſſern), die Lufterfcheinung des Devabfallens der wäſ— 
ferigen Dünfte in Zropfengeftalt (Staub-, Platz-, Gewitter, Strich, Lande 
regen 20.5 ſprichw. aus dem Regen in die Traufe Eommen, d. i. indem man 
einem Kleinen Übel zu entgehen fucht, in ein größeres gerathen); auch uneig. 
eine große Menge herabfallender Dinge (z. B. Blüthenregen, Steinregen 
u. dgl. m.); — Bfeg. der Negenbach, Gieß-, Feldbach; der Negenbogen, 
der farbige Bogen am Himmel, welcher durd) die Brechung der Sonnenſtrah— 
len in.den Regentropfen entftcht; daher: die Negenbogenfarben; regenbo— 
genfarbig, Bw.; die Negenbogenhaut, die Haut im Auge, welche zwifchen 
der Hornhaut und dem Strahlenkörper liegt (fr. Iris); der Negenbogenftein, 
ein in Regenbogenfarben fpielender Stein, bef. klarer Quarz ; regendicht, Bw., 
den Regen nicht durchlaffend; das Regenfeuer, in Geftalt eines feurigen Res 
gens herabfallendes Kunftfeuer; die Negengalle, ſ. Galle 2.; das Regen— 
geftirn, ein Regen antindigendes Geftirn, insbef. das Giebengeftien (gr: Ple⸗ 
jaden); der Negengufd, heftiger Regen; der Regenhut, die Regenkappe, 
das Negenkleid, der Negenrod, Negenmantel zc., Hut, Kappe, Kleid zc. 
zum Schuß gegen den Regen; die Negenkrinne od. rinne, an Säulen eine 
kleine Rinne unter der Kranzleifte zur Ableitung des Regenwaflers ; das Re— 
genloch, der Regenwinkel, gem. die Gegend, aus welcher gewöhnlich die 
Regenwolken Eommen; das Negenmaß, der Negenmeffer, ein Werkzeug zur 
Meflung der Menge des gefallenen Regens; der Negenpfeifer, cin Vogelges 
fchlecht von verfch. Arten, welches den bevorftehenden Regen durd) einen pfeis 
pfenden Laut verfündigen joll, insbei. der grüne R., auch Grillvogel, großer 
Brachvogel, grüner Kibig zc. genannt; der od. das Negenfchauer, ein plög- 


» licher, aber kurz dauernder Regen; auch f. v. w. Regendach, Schutzdach an eis 


nem Haufe (vergl. Schauer); der Negenfhirm, ſ. Schirm; die Negen- 
ſchnepfe, eine Art großer Schnepfen; der Negenftrom, ein reißender Regen: 
bach; der Negentropfen; das Negentuch, ein Leinenes Tuch, womit ſich die 


Frauen in mandjen Gegenden vor dem Regen fügen; der Regenvogel, ein 


Vogel, welcher den Regen ankündigt, bef. eine Art Schnepfen: Wind:, Wetters 
vogel, auch Regenwolf; das Regenwaſſer; das Negenwetterz der Regen: 
wind, ein Wind, welcher Negenwolfen auftreibt ; der Negenwurm, Exd- 
wurm, welcher nach dem Regen häufig zum Vorfchein kommt; die Negenzeit, 
die Zeit, während welcher es regnet; — Ableit. regenhaft, gew. regne- 
tisch od. regnicht, Bw., zum Regen geneigt, mit Regen verbunden 
(vegnerifches od. regnichtes Wetter 2c.); regnen, Zw. (goth. rignjan, altd. 
reganön, regenen, abgek. regen) 1) unp. ziellos: e8 regnet, d.i. es fallt 
Regen (es hat geregnetz Gott läſſt regnen über Gerechte und. Ungerechte 2c.)5 


auch ziel. es regnet Steine ꝛc.; es vegnete Feuer und Schwefel, uneig- es regnet 
Vrügel, Verweife ꝛc.ʒ 2) perfönt. f.dicht und in Menge herabfallen (Blüthen 


Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2r. Theil. 31 


482 regieren — KRegifter 


regnen von den Bäumen u. dgl.), u. f. Negen fallen laffen, machen dafs es 
regnet (die Wolfen regnen; Gott regnet zc.). 

regieren, ziel 3w. (von d. lat. regere, franz. regir; oberd, reigieren; vgl. 
das ältere reichfen, richjen f. herrfchen; ferner: regen, reden, recht, richten), 
eig. etwas in der Nichtung feiner Bewegung beftimmen, finnv. lenken, lei: 
ten (die Pferde, den Wagen, das Schiff ꝛc.); daher das Verhalten freier 


Weſen beftimmen, finnv. beherrfchen, verwalten (fi von Semand regieren 


laſſen; fich felbft regieren; Gott regiert Alles); in engerer Bed. als Staats: 
Dberhaupt beherrfchen (Land und Leute regieren), gew. ohne Zielwort, finnv. 
berrfchen, walten (der regierende König; gut, Schlecht regieren 20.5 ſprichw. 
geftrenge Herren regieren nicht lange); auch uneig. wie herrfchen f. die Ober- 
band haben, im Schwange gehen (anftedende Krankheiten regieren hier); 
Sprachl. einen Verhältnifsfall (Cafus) regieren, d. i. erfordern, nach ſich 
ziehen; niederd. als ziellof. Zw. f. toben, lärmen, poltern; — Ableit. 
der Regierer, -S, wer regiert, der Beherrfcher, nur in Verbindung mit 
einem Gen. (3. B. Gott ift der Regierer aller Dinge), außerdem gew. der Re— 
gent, -en, Herrfcher, Machthaber; die Regierung, das Negieren, bie 
Lenkung, Leitung (z. B. der Pferde, des Wagens zc.), Herrfchaft, Verwal- 
tung (die göttliche Regierung); in engerer Bed. die Ausübung der höchften 
Stantögewalt (die Regierung antreten, niederlegen 2c.; unter der Regierung 
des vorigen Königs); eine verwaltende Kandesbehörde, auch der Drt, wo 
fie ihre Sisungen hält, das Negierungsgebäude (ein Mitglied der Regie 
rung; auf die Regierung gehen 2c.); 3fes. die Negierungsart, Regie— 
rungsform, -kunſt; eine Negierungsfache, -forge zc.; der Regierungs— 
beifiger (fr. -Aſſeſſor), Negterungsrath, Mitglied der Regierungs-Be- 
hörde 20.5; — das Regiment, 03, M. -er, (v. d. lat. regimen, fpäter re- 
gimentum, franz. regiment), ehem. f. Regierung, Verwaltung, Herrfchaft 
* (bibl. das Regiment Gottes; gutes Regiment halten, u. dgl.); jest gew. eine 
Heerfchaar, Kriegsfchaar, Truppenabtheilung von 2 bis 3000 Mann Fuß: 
vol, od. gegen 1000 Mann Reiterei; daher: der Regimentsfeldfcherer, 
Kegimentsrichter, -Quartiermeifter 2c.; auf Negiments-Koften od. 
-Unkoſten leben, uneia. f. auf gemeinfchaftliche. 

Kegifter, f., -8, M. w. E. (mittl. lat. registrum, aud) regestrum, re: 
gestorium, aus regestum gebildet, u. diefes vom lat. regerere, eintragen, ein⸗ 
fchreiben), überh. ein Verzeichnifs (ein Waaren-, Geſchlechts-, Sündenregi« 
fter 2e.; im ſchwarzen Regifter ftehen, d. i. in böfem Rufe; ins alte Kegifter 
gehören, d.i. veraltet, aus der Mode gekommen fein, nichts mehr gelten); insbef. 
ein nach der Buchftabenfolge geordnetes einem Schriftwerke angehängtes 
Snhaltsverzeichnifs (Sach, Namen>, Wort-Regifter 2c.); auch ein Rechnungs⸗ 
od. Handlungsbuch, in welches die Sachen od. Namen nad) der Buchftaben- 
folge eingetragen werden; Bergmw. die Rechnung über Einnahme, Ausgabe u. 
Vorräthe eines Berggebäudes; ferner eine Reihenfolge od. Gefammtheit 
mehrer Dinge einer Art, z. B. die zu einer Stimme gehörenden DOrgel- 
pfeifen, ein Orgelzug (ein Regifter ziehen, einftoßen; alle Regifter ziehen); 
Drechsl. alle zu einer Art Arbeit gehörenden Dinge; Scheidek. ein Luftzug, 
db. i. mehre mit einer einzigen Bewegung zu Öffnende u. zu verfchließende 
Öffnungen des Schmelzofens; — 3ſetz. der Regiſter-Ofen, Schieberofen; 
das Regifterpapier, großes, ftarkes Papier zu Rechnungsbücern; das Re— 


nm: 


= 


ZZ 


eh a au 





regnen — Rehling 483 


gifterfchiff, das Hauptfchiff einer fpan. Sitberflotte, auf welchem die Verzeiche 
niffe aller Ladungen ſich befinden; aud ein fpan. Handelsſchiff mit Eöniglicher 
Erlaubnifs zum Handel in Amerika. 

regnen, regnerifch, regnicht, |. unter Regen. 

regfam, Negfamteit, Regung, f. unter rege. 

Reh, f., -es, M.-e, (altd. reh, rech, w. reiaz isländ. rä, angelf. räh, 
engl. roe, ſchwed. rä), eine zum Hirfchgefchlecht gehörende Thierart, Eleiner 
als der Hirſch; insbef. das Weibchen, welches genauer die Rehziege, Reh— 
geiß, auch Nike genannt wird; das männliche Reh heißt: der Rehbod; 
das Zunge: das Rehkalb, auch Nebzicklein, die Rehkieze ꝛc.; — das 
Rehbein, Bein eines Rehes; auch ein demfelben ähnliches Pferdebein; reh— 
blatten, unteb. ziellof. Zw., Säg. auf einem Blatte den Ruf der Rehziege 
nachahmen, um die Rebe zu locken; der Rehbraten; die Rehbrunft, ſ. Brunft; 
die Nehfarbe, bräuntichgelbe Farbe der Rebe; daher rehfarben od. rehfarbig, 
Bw.; das Nehfleifch; der Rehfuß, Fuß eines Rehes, und ein demfelden nach— 


gebildeter Fuß an Tiſchen, Stühlen 2c.; rehfüßig, Bw.; die Nehfeule od. 


der Rehſchlägel, der Schenkel eines Rehes, bef. ald Braten; das Nehleder, 
zubereitete Rehhaut; rehledern, Bw., daraus verfertigtz das Rehnetz, eine 
Urt Nege zur Reh und Fuchsjagd; der Nehfchröter, eine Art Hirſchkäfer; 
der Rehfpießer, ein halbjähriges männl. Reh, wenn es fein Geweih befommt; 
das Nehwild, Rehwildbret; der Nehziemer, |. Ziemer. 

Reh, w., M. -en, (vergl. Rab), Schiffb. eine ſchwanke Latte, die bei dem 
erften Bau des Schiffes auf die Inhölzer gefpitert wird; der Nehbaum, 
Bergw. der Rundbaum, die Haspelwelle. 

reh od. rehe 1., Bw. (altniederd. hre; oberd. räh, rach, rag; vergl. ragen, 
Rah, u. das lat. rigere, rigidus), ftarr, fteif, bef. in den Muskeln und Gelen: 
Een (ein rehes Pferd); oberd. u. ſchweiz. auch f. roh, rauh, heifer (lat. raucus); 
fharf, herbe, ranzig von Gefchmad; die Nehe, (landfch. Rähe, Röhe ꝛc.), 
die Steifheit der Fuße, eine Krankheit der Thiere, bef. der Pferde; die Reh— 
ader, eine Ader der Pferde, welche geöffnet wird, wenn das Pferd cch ift; die 
Rehheide, od. das Rehkraut (wahrſch. von veh, ftarr), landſch. f. Färbegin— 
fter, Pfriemenkraut. 

reh od. rehe 2., Bw., (entft. aus reed, veede, bereit), niederd. f. fertig, 
gar (vom Flachs u. Hanf.). 

Rehde, w., M. -n, (auch Reede, nicht gut Rhede gefchr.; niederd. auch 
Reide, engl. road, franz. rade; von dem niederd. reed, reede, bereit; ree— 
den, isländ. rada, ſchwed. reda; bereiten, fertig machen), eine Gegend im 
Meere od. Strome unweit des Ufers, wo ausgerüftete Schiffe zur Abfahrt 


bereit, und angefommene ficher vor Anker liegen (ein Schiff legt fih auf“ 


die Rehde, liegt auf der Rehde 2c.); niederd. uneig. f. ruhiger Aufenthalt an 
einem Orte; rehden (od. reeden), ziel. Bw. niederd. f. bereiten, fertig ma- 
chen, in Stand fegen; be. ein Schiff ausrüften: ausrehden; der Rehder, 
-$, wer ein Schiff ganz od. zum Theil ausruftet, der Schiffsherr; die Reh— 
derei, Schiffsausrüftung ;. auch eine Gefellfchaft von Rehdern; die Reh— 
dung, Schiffsausruftung, und was dazu gehört: das Tau- und Takelwerk. 
rehe, Rebe, ſ. reh; — Rebfarbe ꝛc. — Rehleder, ſ. Reh. 
Rehling, m., -e3, M. e, landſch. 1) f. v. w. Ma Pi f. Pfeffere 


a ———————— 


484 Rehnetz — reiben 


ſchwamm (f. d.), Pfifferling, (wahrſch. von reh 1. ſcharf ze., wegen des bei» 
ßenden Geſchmacks). 

Rehnetz ꝛc. — Rehziemer, ſ. Reh. 

reiben, ziel. Zw. (altd. riban, Impf. reib, reip, Mm. riban, geriben; nie» 
derd. riwen, wriwen; hol. vryven; isländ. xifa, ſchwed. rifwa; engl. rub; vergl. 
das griech. roipeıv, lat. tero, trivi 2c.), ablaut. Impf. rieb, Conj. riebe; Mw. 
gerieben, etwas —, auf deffen Oberfläche einen Körper drückend hin und 
ber bewegen (eine Hand mit der andern—; ein krankes Glied mit warmen 
Tüchern —; ſich (mir) die Hände, die Augen, die Stirn ꝛc. —; das Küchenges 
ſchirr —, oberd. f. ſcheuern); auch etwas od.fich felbft auf od. an einem Kör— 
per drücdend hin und her bewegen (Salz in das Fleiſch —; einem etwas un- 
ter die Naſe —, uneig. gem. f. ihn an etwas Unangenehmes, einen Fehler ze. 
derb erinnern; die Schweine reiben fich an den Bäumen; uneig. fich an einem 
reiben, d. i. ihn neden, verfpotten); ferner durch Reiben zubereiten, zurichten 
(den Flachs —, ſchaben), bei. Elein machen, zerreiben (etwas zu Pulver —; 
Brod, Zucer, Farben 2..—); oberd. auch f. drehen, wenden, winden G. 8. 
einem den Degen aus der Hand— ; naffe Wäſche ausreiben, d. i. ausringen, 
auswinden; den Arm ausreiben f. verrenken; den Schlüffel im Schlofs umrei— 
ben, f. umdrehen 20); — 3fes. die Neibahle, ein Bohrwerkzeug der 
Drechsler u. Kupferfchmiede (verderbt Reiwalle); der Reibaſch (in Franken 
verderbt: Riebes, Riefus) od. Neibenapf, ein Gefäß, worin etwas mit einer 
Reibkeule gerieben wird; das Meibebreft od. der Reibeſtock, Maur. ein glat- 
tes Brett zum Ebnen der frifchen Kalkwand; der Neibe- od. Reibhammer, 
Keibepäufchel, Hüttenw. ein Hammer mit halbfugelrunder Bahn zum Klein» 
reiben des zu probenden Erzes; das Neibe- od. Neibholz, überh. ein Holz 
zum Reiben; Schiff. walzenförmige Hölzer am Bauche des Schiffes, welche 
eine Beichädigung desfelben durch Reiben an andere Schiffe verhüten; das 
Reibeiſen, überh. ein eifernes Werkzeug, mit 0d. auf welchem etwas gerieben 
wird; insbef. ein gebogenes Blech mit durchgefchlagenen Löchern, an deren 
ſcharfen Rändern andere Körper Elein gerieben werden; die Meibe od. Neib- 
keule, eine hölzerne Keule zum Zerreiben anderer Körper; die Neibepfanne, 
fchale, Pfanne, Schale zc., etwas darin Klein zu reiben; das Neibe- od. 
Keibfcheit, landw. das Querholz über den Deichfelarmen eines Wagens, weil 
der Langwagen fich darauf reibt; der Neibe- od. Reibſtein, Mat. der Stein, 
auf welchem die Farben fein gerieben werden; der Neibtabad, gröbtich geries 
bener Schnupftaback (fr. Rape'); das Neibe- od. Neibzeug, jedes Werkzeug 
zum Reiben; bei. Naturl. das, womit ein eleftrifcher Körper gerieben wird; — 
Ableit. die Reibe, M. -n, 1) ein Werkzeug zum Zerreiben anderer 
Körper, f. v. w. Neibeifen, Reibekeule ıc.; 2) (v. reiben f. drehen) oberd. f. 
Drehung, Biegung eines Weges zc., Wendung im Fahren; auch was umge- 
dreht wird: der Hahn am Kafs; eine Schraube od. ein Wirbel an’ Fen- 
ftern, Thürpfoften ꝛc. (auch der Reiber); ein Nennfchlittenz der Reiber, 
-8, die Reiberinn, M. -en, wer etwas reibt (z. B. Farbenreiber 2c.); 
ein Werkzeug zum Neiben, insbef. verkt. das Reiberchen, Landw. ein 
Strohfeil zum Auflodern und Reinigen der ausgedrofchenen Frucht zwifchen 
den Zähnen eines Rechens befeftigt ; landſch. auch f. Wirbel am Fenfterze.; 
die Neibung, das Neiben, bef. von Körpern, die fich gegenfeitig an einan« 








e | reich — Reich 485 


ber reiben (fr. Friction); der Reibiſch, -e3 (von reiben f. fcheuern), landſch. 
eine Art Kannenfraut (1. d.): Roſs- od. Pferdeſchwanz. 
reich, Bw. (goth. reiki, altd. richi, riche, altniederd. riki, nieberd. riek, an« 
gelf. ric, engl. rich, franz. riche, ital. ricco; im Altd. bef. mächtig, vermögend, 
\erhaben, vornehm; Grundbegriff: Erſtreckung, Ausdehnung, von der Wurzel 
rich, ſaͤnskr. rie; vergl. reichen), Überflufs, Fülle deffen, was den Begriff 
einer Sache ausmacht, in fich enthaltend und gewährend (eine reiche Ernte, 
ein reiches Bergwerk, reiche Almoſen; eine reiche Ladung, ein reich beladenes 
Schiff; eine reihe Sprache; reiche Reime, f. unter Reim; reicher Segen, Troft 
u. dal. m.); überh. Überflufs an etwas habend od. befigend, insbef. an 
Dingen, die ald Güter angefehen werden, entg. arm, (rei) an Geld und 
Gut, an Verftande, an Kenntniffen, an Erfahrung 2e.); als Grundwort in 
3 ſetz. drüdt reich überh. Menge, üÜberfluſs an der bemerkten Sache aus, 
z. B. kunſtreich, lehr-, lieb-, geiſt-, huld-, troſtreich 2c.; fifche, wafler-, volk-, 
ſchiff⸗ wort⸗, zahlreich, ec.ʒ in engerer Bed. Überfluſs an zeitlichen Gütern 
habend, beſ. an Gelde, ſinnv. bemittelt, vermögend, wohlhabend, welche 
einen geringeren Grad anzeigen, u. begütert, welches mehr auf Beſitz von 
Grundſtücken ze. geht; entg. arm, dürftig (ein reicher Mann, eine reiche 
Erbinn 2c.;. ein reiches. Klofter 2c.5 ſehr gew. als Hw. der, die Reiche, ein 


Reicher x., die Reichen); auch Uberflufs an zeitlichen Gütern ges 


während, od. davon zeugend, Eoftbar, (eine reiche Erbichaft, Heirath 2c.; 
ein reiches Kleid, ein reiher Shmud); — 3ſetz. das Keichfrifchen, -8, 
das Friſchen (f. d.) veichhaltiger Kupfer; reichhaltig, Biw.; reich an Inhalt 
od. Gehalt, vielen Gehalt habend, finnv. gehaltreih (reichhaltige Erze; eine 
reichhaltige Schrift); die Neichhaltigfeit; der Reichkrämer, in Schlefien: 
ein Krämer, der mit Spezereien, Eiſenwerk, Blei u. dal. m. handelt; dag 
Reichſchmelzen, Hüttenw. das Schmelzen reicher Erze; der Reichweizen, 
eime Art Eörnerreihen Weisen; — Ableit. reichen, reichern, ziel. Zw. 
(altd. zichan, richen) pit., reich, mächtig machen, (jest nur: bereichern); 
die Reichheit (altd. richeit f. Macht, Anfehn, Reihthum), wenig gebr. f. 
das Neichfein; reichlich, Bw. u. Nw. (altd. rihlih, Nw. rihliho, herrlich, 
glänzend) eig. reich ausfehend, von Reichthum zeugend; überh. in genug— 
famer Menge, hinlänglich, zureichend (einen reichlich beſchenken; fein reich. 
liches Auskommen habend); ‚die Neichlichkeit, das Reichlichſein; der Reich— 
thum, -es, 1). 0. M. der Überflufs, die Fülle, u. der Zuftand des überz 
flüffigen Befiges, bef. zeitlicher Güter, entg. Armuth (Reichthum an Kennts 
niffen, an Gedanken 2c.; der Reichthum der göttlichen Gnade; fein Reichthum 
macht ihn ſtolz); 2) M. -er, die im UÜberflufs vorhandenen Dinge und 
Güter felbft (ein Reichthum ift unermefstich; Reichthümer fammeln, befigenc.). 
® Reich, f., -es, M. -e, (goth. reiki, altd. richi, riche, altniederd. u. isländ. 
riki, ſchwed. rike; von gleichem Stamme mit reich, reichen 2c.), 1) die Macht, 
Herrſchaft, Negierung („dein ift das Reich 2c.”; fein Reich Hat num ein 
Ende 2c.); 2) das Gebiet od. der Umfang der Herifchaft, der Inbegriff 
der beherrfchten Dinge (das Reid) Gottes, eingetheilt in: das Reid) der 
Natur, der Gnade, u. der Herrlichkeit od. das Himmelreich; im N. I. ift das 

Reich Gottes insbef. die Chriftenheit, u. die chriſtl. Erkenntniſs u. Gefinnung; 
das gehört in mein Reich, uneig. f. es kommt mir zu); gew. das beherrfhte 
Land (+ B. Frankreich, d. i. das Gebiet der Franken); ehem. überh. f. Gegend 


486 Reich 


Bezirk (daher: Ofterreich, d. i. die öſtliche Gegend, entg. Wefterreich); in en» 
gerer Bed. dag einem König oder Kaifer unterworfene Ländergebiet (das 
römifche, das türkische, ruſſiſche Reich 2c.; ein Königreich, Kaiſerreich; ehem. 
auch herzogriche, wofür jest nur: Herzogthum; ein Erb-, Wahlreich 2c.); chem. 
insbef. das deutfihe Neich (zum Reiche gehören; die Stände des Reiche), u. 
in engfter Bed. das zum alten Reiche der fränkifchen Könige gehörende Ober: 
deutfchland mit Ausfhlufs von Böhmen u. Schlefien, bisw. auch nur die Ge— 
genden am Rhein u. Main (ins Reich reifen; Briefe aus dem Reich 2c.); 
umeig. die faämmtlichen Unterthanen, od. auch nur die Stände eines Rei— 
ches, insbef. des deutfchen Reichs, u. deren Berfammlung (das Reid) zufam- 
menberufen; etwas an das Reich bringen); 3) uneig. der Inbegriff alfer 
Dinge einer Urt (4. B. das Erdreich, der Erdförper mit Allem, was ihm an- 
gehört: das Luft-, Waſſerreich; Geiſterreich; das Naturreich, eingetheilt in Thier-, 
Pflanzen: u. Stein od. Mineralreih); — 3fes. der Reichsabſchied, ſ. Ab— 
fchied ; die Reichsacht, vom Kaifer od. einem Reichsgericht ausgefprochene Acht? 
der Reichsadel, von dem Reichsoberhaupt ertheilter, durch das ganze Reich gül- 
tiger Adel; auch die Gefammtheit derer, welche im Befig eines folchen Adels 
find; der Reichsadler, der, Adler als Reichswappen; das Reichsamt, 
ein hohes Hofamt im eyemal: deutfchen Reiche; die Reichsämter wurden uns 
terfchieden in: Neichserzämter u. Neichserbämter; ihre Inhaber hießen: 
Reichsbeamte, z. B. der Reichsſchatzmeiſter, Neichsfchent, Neichstruche 
ſeſs 20. ; der Reichsapfel, eine Kugel mit einem darüber befindlichen Kreuze, 
ald Sinnbild der kaiferlihen Gewalt; der Reichsbauer, ehem. ein unmittel- 
bar dem Kaifer und Reich untergebener Bauer, Einwohner eines Reichsdor— 
fe3; der Reichsbürger, Bürger eines Reiches, und insbeſ. einer freien Reiche- 
ſtadt; die Reichsfolge, Nachfolge in der Herrſchaft, Thronfolge; reichsfrei, 
Bw., Keinem außer dem Kaiſer und dem deutſchen Reiche unterthan; die 
Reichsfreiheit; der Reichsfreiherr, ein dem Kaiſer und Reich unmittelbar 
untergebener Freiherr (fr. Reichsbaron); reichsfreiherrlich, Bw.z der Reichs— 
fürſt, ein Fürſt des Reichs, beſ. ein ſolcher, der als Glied des ehemal. deutſchen 
Keiches nur dem Kaiſer unterworfen war; die Reichsfürſtinn; reichsfürſt— 
lich, Bw.; der Reichsfuß, der im deutichen Reiche angenommene Münzfuß; 
das Neichögericht, ein höheres Gericht; beſ. ehem. ein Gericht, welches den 
Ständen des deutfchen Reichs Recht ſprach; dergl. der Neichshofrath am 
Eaiferl. Hoflager, und das Reichskammergericht in Weslar waren; die 
Reichsgeſchichte, Geſchichte eines Reiche, beſ. hinſichtlich dev Staatsbegeben— 
heiten; das Reichsgeſetz, ein für alle Glieder des Reichs verbindliches Ge— 
fetz: Reichsgrundgeſetz, wenn es zugleich das Weſentliche dev Staatsverfaſ— 
fung beſtimmt; der Reichsgraf, ehem. ein dem deutſchen Kaiſer und ae 
unmittelbar unterworfener Graf; die Reichsgräfinn; reichsgräflich, Bio-; 
der NReichsgulden, im ganzen Reiche gültiger Gulden; der Reichöhandel, 
- eine das ganze Reich betreffende Angelegenheit, Neichsfache; das Reichsheer, 
das von den Antheilen der Reichsftände gebildete u. unterhaltene Kriegsheer 
des ehemal. deutichen Reiche (gew. die Reichs-Armee); der Neichshofrath, 
ſ. 0. Reihegericht; die Reichshülfe, die von dem gefammten Reich bewilligte 
Hülfe an Geld oder Truppen; dag Reichskammergericht, ſ. o.Reichsgericht; 
der Reichskanzler, f. Kanzler; das Neich$kleinod, gew. M. die Reichs— 
Eleinodien, Kleinodien (f. d.), welche als Zeichen der höchſten Gewalt in’ einem 








reichen A487 


Reiche dienen (fr. Reichs-Inſignien); der Reichskrieg, ein Krieg, am welchem 
das ganze (deutfche) Reich Theil nimmt; das Reichsland, M. gem. Reiches 
lande, dem dentfchen Reich unmittelbar unterworfene Länder; aud) die Länder 
der weltlichen Reicheftände, entg. den Kirchenländern; dag Reichölehen , ein 
von dem Kaifer und Reiche abhängiges Lehen; die Reichsmünze, im (deut: 
ſchen) Reiche gültige Münze; das Meichsoberhaupt: der Reichspfennig— 
meifter, ehem. im deutfchen Reiche: der Vorgefegte einer Reichskaſſe; die 
Reichspflege, chem. ein dem Kaifer u. Reich unmittelbar gehörendes Gebiet 
(vergl. Pflege)s der Neichspfleger, Verwalter eines ſolchen Gebietes; die 
Reichspoſt, ehem. kaiſerliche Poft, z. U. v. den Poften der Reicheftände; da— 
her das Reichspoſtamt, der Reichöpoftmetfter zc.; der Keichsrath, eine 
dem ganzen Reich vorgefegte Vertvaltungsbehörde, chem. insbe. die verfammel- 
ten Gefandten und Bevollmächtigten der Reichsftände in Regensburg; auch ein 
Mitglied einer folhen Behörde; der Meichsritter, chem. ein dem Kaifer 
und Reich unmittelbar untergebener Ritter; die Neichsritterfchaft, deſſen 
Eigenfhaft und Würde; die Gefammtheit der Reichsritter ; der Reichs— 
ſchluſs, ein von den deutfchen Reichsſtänden auf einem Reichstage gefaflter 
Beſchluſs; der Reichsfchultheiß ed. Reichsvogt, chem. ein Beamter in den 
deutfchen Reichsftädten, welcher im Namen des Kaifers die peinliche Rechtes 
pflege handhabte; die Heichsftadt, eine Stadt, welche als felbftändiges Glied 
des Reiches dem Kaifer unmittelbar unterworfen war (eine freie Reicheftadt) ; 
daher der Reichsftadter, die Neichsftädterinn; reichsſtädtiſch, Bwe; der 
Reichsſtand, ein Glied des Reiches, welches auf den Reichstagen Sig und 
Stimme hatz daher reichsftändifch, Bw.; die Neichsftandfchaft, die- Ge: 
rechtſame und Befugniis eines Reicheftandes; der Reichstag, die berathende 
Berfammlung der Reichsſtände, Reichsverſammlung; der Reichsthaler, ein 
in einem ganzen Reiche gültiger Thaler, insbef. in Deutichland ein Thaler von 
24 guten Grofchen od. 30 Silbergrofchen; der Neichöverwefer, wer ftatt 
des höchften Dberhauptes die Regierung eines Reiches verwaltet; im ehemal. 
deutfchen Reiche diejenigen Kurfürften, welche bei einer Sihronerledigung ze. die 
Eaiferl. Gewalt theihweife ausübten (fr. Reichsvicarii); das Reichswappen ıc. 

reichen, 3w. (altd. reichjan, reichön, reichen; oberd. raichen, niederd. res 
Een; isländ. reikia, engl. reach; verw. mit dem lat. regere, por-rigere, u. dem 
griech. Og&yeır; vergl. veich), 1)ziellos m. haben, fich ausdehnen, erſtrecken 
(das Waffer reichte mir bis an die Bruft; meine Arme reichen nicht fo weit), 
inbef. mit einem Theile des Körpers, vorzüglich mit der Hand bis an et- 
was hinlangen (ich kann fo weit, To hoch nicht reichen); auch in Anfehung 
der Wirkung ſich bis zu etwas erſtrecken (meine Augen reichen nicyt fo weit; 
Gottes Güte reicht foweit 2c.), der Zeit od. Dauer nach (bibl., die Drefchzeit 
foll reihen bis zur Weinernte 2c.); uneig. der Menge oder Ausdehnung 
nach zu etwas genügen,hinreichen, ausreichen, hinlänglich ſein (das Tuch 
reicht zum Rode; das Geld wird nicht reichen 2c.); auh mit etwas —, d. i. 
genug daran haben, damit ausfommen; 2) ziel. einem etwas—, ent- 
gegenftreden, hinhalten (die Mutter reicht dem Kinde die Bruſt; einem die 
Hand — ; uneig. einem hülfreihe Hand —, d. i. ihm behülflich fein); bef. et= 
was mit der Hand darbieten, darreichen, auch überh. geben (einem das 
Abendmahl; einem Armen ein Almofen u. dal.); alt und noch ſchweiz. auch 
f. aus der Entfernung bernchmen, holen, langen: — die Neichgabel, Landw. 


EEE EEE 2 TEE WE EEE 


488 reichhaltig — Reif 


eine eiſerne Gabelan langem Stiele, um Heu, Strohrc. damit in die Höhe zu reichen, _ ' 


Heugabel; die Reichung, das Reichen, die Darreichung (3. B.desAbendmahle). 
reichhaltig, reichlich, Reichthum ꝛc. ſ. unter reich; — Reichsab— 
ſchied ꝛc. — Reichswappen, f. unter Reich. 

reif, Bw., Comp. reifer, Sup. reifſt, (altd. vi, riphi, rife, altniederd. 
ripi, niederd. riep; angelſ. ripe, neben rip, Ernte, ripan, mähen, ernten; 
verw. mit raffen, vaufen 20.2), der Größe und Güte nach zu vollfommner 
Ausbildung gediehen, finnv. zeitig, eig. von Früchten und Gewächſen (reifeg 
Obſt, Getreide; reifes Holz, d. i. welches die gehörige Dichtigkeit hat); in 
weiterer Anwendung überh. vollkommen ausgebildet od. entwickelt (ein reifes 
Mädchen, d. i. ein erwachſenes, mannbares; das reife Alter; ein reifes Ges 
ſchwür, das aufbrechen will; ein reifes Urtheil); uneig. genugfam vorbe— 
reitet (eine Sache ift reif; zur Strafe reif fein u. dgl. m.); — Xbleit. die 
Reife (altd. riti), der Zuftand des Neiffeins od. der volltommenen Aug: 
bildung (zur Reife gelangen, kommen, gedeihen 2c.); reifen, Zw. (altd. 
xifjan, rifen) 1) zielfos, reif werden, zur Reife gelangen, eig. u. uneig. 
(m. fein, wenn die vollfommene Erreichung des Zuftandes der Reife—, 
mit haben, wenn die Annäherung an denfelben ausgedrüdt werden Toll; 
3 B. das Obſt, Korn ze. ift gereiftz das Korn hat fchon gereift; dev Jüng— 
ling ift zum Manne gereift 2c.); 2) ziel. reif machen, zeitigen (die Hitze hat 
das Getreide früh gereift); reiflih, Nw. u. Bw., auf reife Art, nur in 
uneig. Anwendung f. mit Verwendung der gehörigen Zeit und Sorgfalt 
(eine Sache veiflich erwägen; nad) reiflicher Ueberlegung 2c.). 

Neifl. m., -e8, M. (jelten) -e, (oberd. auch der Reifen; niebderd. 
Riep; altd. hrifo, rifo, rife; isländ. und angelf. hrim, fchwed. rim, engl. 
rime; vergl. das’ griech. z0VoS, zovuos, Froſt, u. d. lat. pruina, franz. 
frimas), gefrorener Than od. Mebel, der die Gegenftände mit einer weißen 
Kinde überzieht (es fällt Reif; mit Reif bededt 2c.); uneig. der feine, weiße 
Staub, der den Samen und die Fruhthülle mancher Gewächfe bedeckt; auch 
die weiß-graue Farbe der Haare; der Reifmonat, der Monat, in welchem 
viel Reif zu fallen pflegt: der Ilte Monat des Jahres (franz. frimaire); reifen, 
ziellof. unp. Zw. m. haben: es reift, d. i. es fallt ein Meif, (es hat gereift 2c.). 

Reif 2. m., -es, M. -e, (oberd. auch: des Reifen, die Reifen), Verkl. 
das Reifchen, Neiflein, (altd. reif, oberd. Raif; goth. raips, Riemen; 
angel. rap, isländ. reip, fchwed. rep; nicderd. Reep), 1) urfprünglich ein 
Riemen, Seil, Tau (vergl. Reep); daher landich. ein Längenmaß, gew. 
ſ. v. w. ein Klafter (ein Reif Holz; auch ein Ellenmaß für Leinwand 2c.); 
eine fich in die Lange erſtreckende Erhöhung, ein erhabener Rand G. 8. 
Schloſſ. der mit: dem Rohre des Sclüffels gleichlaufende Rand des Bartes), 
od. eine folche Vertiefung, Rinne (gew. Riefe); 2) gew. ein gefchlunges 
nes, umfchließendes, zufammenhaltendes Band; daher chem. ein Wing, 
‚ Fingerring (Fingerreif, Reiflein), jest noch die ringförmige Verzierung an 
Säulen, Kanonen u. dgl.; in engerer Bed. die hölzernen od. eifernen Bän— 
der, welche die Dauben der Fäffer u. ähnlicher hölzernen Gefäße zuſam— 
menhalten, Fafsreife, Tonnenbander, (Reife um ein Fafs legen; durch einen 
Reif Ipringenz den Reif treiben od. fchlagen, ein Kinderjpie); — BTeb. 
die Reifbeuge, Faſsb. ein ftarkes an einer Säule befeftigtes Brett , die Neife 
darüber zu beugen; das Reifholz, zu Faſsreifen brauchbares Holz, Bandholg, 











Keigen — reihen ' 489 


auch Reifftäbe, -flangen, -fleden; das Reifmeſſer, Schnittmeffer mit 
zwei Handhaben zum Schneiden der Faſsreife; dev Neifrod, chem. ein Wei- 
berrod von ungeheurem Umfang mittelft darin befeftigter Fiſchbeinreife; das 
Keiffehlagen, Schlagen od. Treiben des Reifes, als Kinderfpiel; niederd. 
(Reepfchlagen) das Verfertigen von Geilen u. bei. Schiffstauen; baher der 
Reifſchläger, die Reiffchlägerei, ſ. Reepfchläger 2c.; die Reifzange, od. 
ziehe, ein zangenförmiges Werkzeug der Falsbinder, womit der Rand des 
Faffes zufammengezogen wird; — Ableit. das Reifel, —s (v. Reif f. Rand) 
Zäg. der Rand, welcher entfteht, wenn der Hirſch mit dem hinteren Zuße ger 
rade in die Fährte des vorderen tritt; der Neifling, -es, M.-e, (vergl. 
Rebe) landſch. ein Nebenſchöſsling, Wafferfchofsling an einem Baume; 
reifen, ziel. 3w. 1) mit einem Nande od. mit ringförmigen Erhöhungen, 
auc mit länglichen Vertiefungen u, Ninnen verfehen, auch reifeln, gem. 
riefen, viefeln; 2) mit Reifen binden (ein Fafs); das Neifeleifen od. 
Neifelholz, ein Werkzeug, womit die Riemer u. Sattler Eleine Reife u. Fur 
chen in das Leder drücken; der Meifer, -8, wer etwas reift od. rieft; niederd. 
(Reeper) f. Seiler (altd. reifari); daher die Neiferbahn, f. Seilerbahn. 

Reigen, m., f. Reihen; — Neiger, m., |. Neiher. 

Reihe, w., M. -n, (altd. riga, rige,. niederd. Riege, holl. xy, reck, 
ſchwed. raecka; wahrfch. von gleichem Stamme mit reichen, recht, richten 2c.; 
Grundbegriff: Erſtreckung, Ausdehnung), 1) mehre in einer Linie neben 
einander befindliche oder auf einander folgende Gegenftände (eine Reihe 
Häufer, Bäume, Zähne, Soldaten ꝛc.; eine bunte Reihe ſ. bunt; ein Becher 
geht in der Reihe herum; die Reihe fchließen, d. i. der legte in der Reihe fein), 
uneig. überh. eine Gefammtheit geordneter Dinge (z. B. die Reihe der irdi— 
fchen Gefchöpfe 2c.); in engerer Bed. f. Schriftzeile, (eine Reihe ſchreiben); 
Landich. f. Häuſerreihe, Gaſſe; 2) das Geordnerfein in eine Linie, überh. 
die geordnete Aufeinanderfolge, die Drdnung (nach od. in der Reihe gehen, 
fisen, ftehen 2c.; die Reihe trifft mid), kommt an mic), ift an mir; auch: 
ich bin an der Reihe, komme an die Reihe 2c.); 3) landſch. überh. f. Linie, 
Ausdehnung in die Länge, u. ein fich in die Länge erftredender Körper, 
insbe]. alt und oberd. f. fchmaler Gang zwifchen zwei Häuſern; die Vertie— 
fung am menfchlichen Körper, wo ſich der Bauch an die Schenkel fchließt; 
die Leifte (des Zifchlers, der Näherinn 2c.; auch der Reihen); der Rift 
(. 8.) am Fuße, chem. auch f. Wade, Schienbein (altd. riho, m., oberd. 
der Reihen); — 3ſetz. die Neibenfolge, der Neihengang, die Folge, 
der Gang nad) der Reihe; dev Neihenfchulze, landſch. ein Schulze, welcher 
dies Amt bekleidet, wenn ihm die Reihe trifft, z. U. v. Erbſchulze; die Rei— 
henſemmel, aneinandergereihete Semmeln, Zeilen, Schichtſemmel; reihen⸗ 
weiſe, Nw. nach der Reihe, in Reihen (z. B. Bäume pflanzen); das Reih— 
gras, eine Art des Vieh- und Rispengrafes; auch „die Quecke; — Ableit. 
reihig, Bw., aus Reihen beftehend, gew. nur in Zſetz. wie zweiz, dreireihig 2; 
reihen 1., ziel. 3w. 1) in eine Reihe ordnen, zu einer Reihe verbinden 
(Perlen—); 2) (altd. rigen u. rihen, Impf. reig od. rech, Mw. gerigen) 
mit weiten Stichen nahen, heftenz chem. überh. f. ftechen, ſtecken, erſtechen; 

der Neihdrath, Faden zum Reihen od. Heften. 
reiben 2. ziellof. 3w. m. haben, ein Schallwort (vergl. fchreien, Exähen, 
u. d. lat. rugire) I) fchreien, vom Fuchſe; 2) Jäg. von den Waſſervögeln: 


490 | Reihen — Reim 


nad) der Begattung verlangen, (vergl. d. oberd. raihen, rähen, reihern, 
vom Geflügel: das Weibchen treten; überh. f. geil, wollüftig fein). 

Reihen, od. Reigen, m., -$, M. w. €. (mittelh. der reige, reie; oberd. 
SRaijen, niederd. Riegen; urfpr. wohl nur eine Nebenform von Reihe, f. d.) 
NM) das Antreten mehrer Perfonen zum Tanz, u. der Zanz felbft, fofern 
er in Reihen od. im Kreife gefchieht, Reihen- od. Reigentanz, Kreistanz, 
(den Reihen führen, d. i. Vortänger fein); 2) ehem. eine Zanzweife, ein 
Zanzlied, überh. Lied, Gefang (z.B. Bergreihen, Gefang od. Sangweiſe 
. der Bergleute, Kuhreigen, |. d.); reigen (oberd. raijen), altd. Zw. f. tanzen. 

Keihenfolge, zc. — reihenweife, f. Reihe. 

Keiher, m., -3, M. w. E. (oberd. Reiger od. Raiger; niederd. Reier 
od. Regger; landſch. auch Reggel, Reigel, Aigel 2c.; altd. reigir, m. u. reigira, 
w.; mittelh. reiger; daneben auch heigir, heigro, vergl. Häher; urfpr. wahrſch. 
hreigir; angelf. hragraz; ſchwed. haeger; franz. heron, engl. heron, hern; — 
von reihen 2., fchreien?), ein fchlanfer, langhbalfiger und langbeiniger 
Sunnpfoogel: der gemeine blaue od. graue Neiher, Fifchreiher, landſch. 
auch Heergans, Tode, Focker ıc. genannt; in weiterer Bed. das ganze 
Sumpfvogelgefchlecht, zu welchem außerdem der Kranich, Storch, die Rohr— 
dommel 2c. gehören; das Neiherlein od. Neigerlein, -8, eine Art Sand- 
od. Strandläufer; — 3ſetz. die Neiherbeize, Jagd auf Reiher mit ‘ab- 
gerichteten Falken (vergl. Beize); der Reiherbuſch, -ftrauß, -ftug, Feder 
bufch von den langen Reiherfedern: der Neihermeifter, an Höfen der Auf- 
feher bei der Reiherbeize; das Reiheröl, zerftoßenes u. verfaultes Reiherfleifch, 
als Fifchköder dienend; der Reiherſchnabel, uneig. eine Pflanze, die zu den 
Storhfchnäbeln gehört; das Meiherfpiel, ein Kartenipiel mit 36 Blättern, 
die mit Thierbildern und römifchen Zahlen bezeichnet find. 

Keim 1. m., -e8, M. -e; Bert. das Neimchen, (niederd. Riem; alte. 
rim, bisw. hrim, urfpr. Reihenfolae, Zahl; dann Zufammenftimmung; vergl. 
d. altd. garimjan, angelf. riman, zählen, u. altd. giriman, zufammentreffen, 
treffen, contingere; — das roman. rima, franz. rime 2c. ift vielleicht cher aus 
dem lat. rhythmus, gr. duFwos entftellt), überh. Zuſammenklang, Gleich— 
Elang, Webereinftimmung der Laute in zwei od. mehren Wörtern (4. B. 
Stabreim, f. d.); in engerer Bed. die Art des GleichElangs, wo die 
Wörter von ihrem legten betonten Silbenlaute an völlig gleich lauten, 
u. diefe gleichlautenden Silben od. Wörter felbft (männlihe Reime, 
wo nur eine betonte Schlufsfilbe gleichlautet, z. B. Glück, zurück; weiblidye 
R., die fich über zwei Silben, eine betonte und eine tonloje, erftreden, z. B. 
geben, erheben; ſchwebende Reime, die zwei betonte Silben umfaffen, 
3.B. Ehftand, Wehftand; gleitende Reime, d. i. dreifilbige, eine betonte u. 
zwei tonlofe Silben umfaffend, z. B. reinigen, bejcheinigen 20.5 veiche Reime, 
d. i. Reimmwörter von verfchiedener Bedeutung, deren Reimfilben ſich voll- 
. Eommen gleichen, alfo auch mit Einſchluſs des dem Reimvocal vorangehenden 
Gonfonanten, z. B. Wunden, überwunden; reine Reime, d. i. völlig gleich 
Elingende, z. B. Glück, Stück; fcheiden, leiden ꝛc.; unreine R., die zwar 
ähnlich, aber doch verfchieden lauten, z. B. Glüd, Blick; Freuden, leiden 2c.); 
auch ein einzelnes Reimwort (3. B. einen Reim auf Menfch ſuchen 2c.%; ferner 
mehre Verszeilen u. ganze Gedichte mit gereimten Versenden, Neimverfe, 
Neimgedichte, bef. verächtl. (ev Ichreibt Reime 2c.); — reimen, Zw. 1) ziel- 





Keim — rein 491 
los m. haben, od. rüdz. fih —, einen Gleichklang od. Neim ausmachen 
od. bilden (4. B. Baum-u. Raum reimen miteinander, od. reimen ſich; Buch 
reimt auf Tuch, od. reimt ſich auf Tuch 2c.); in weiterer Anwendung überh. 
f. zufammenftimmen, angemeffen fein, paffen, fih ſchicken (fi zu etwas 
reimen; wie reimt fich das? 2c.; vergl. ungereimt, u. das altd. giriman, f. o. 
Reim); 2) ziel. ein Wort als Reim finden u. gebrauchen (4. B. Opis reimt 
Bahn auf Mann); Reime od. Reimverfe, Reimgedichte machen, verächtl. 
f. dichten überh. (meift ohne Zielw., z. B. er reimt immierfort); in weiterer 
Anwendung: paffend vereinigen, in Uebereinftimmung od. Zufammenhang 
bringen (eins mit dem andern reimen; das Tann ich nicht zufammen rei 
men 20.); — 3fe$. von Reim u, reimen: die Reimart, -form, -ftellung zc.; 
reimfrei od. reimlos, Bmw., ohne Reime, nicht gereimt (verſch. ungereimt); 
das Neimgedicht; das Reimgeſetz od. -gefaß, auch der Reimſatz, chem. 
f. Abſatz (Strophe) eines Reimgedichtes; die Reimkunſt, Kunft zu reimen; 
der Reimfchmied, verächtl. wer Reime ſchmiedet, ein Reimer; die Reimfilbe, 
die Silbe, welche den Reim enthält; der Neimfpruch, ein Spruch in gereim- 
ten Verſen; das Reimwort, das reimende od. als Reim dienende Wortz die 
Reimzeile od. der Reimvers 2c.; — Ableit. von reimen: der Reimer, -8, 
die Neimerinn, wer reimt; verächtl. f. fchlechter Dichter, Versmacher, 
auch der Reimler; die Neimerei, das Neimen, Versmachen; auch verächtl. 
f. ein fchlechtes Neimgedicht (M. Reimereien). 

Reim 2. m., -3, auch Neimel, Neimen, (vergl. das nicderd. Riem f. 
Bierfchaum: isländ. hrim ze. f. Reif 1.), oberd. f. Meif, d. i. gefrorener Thau; 
mweißlicher Staub od. Duft am Obfte; daher reimeln, Zw. f. reifen; be- 
reimen, bereimeln zc. mit Reif überziehen. 

rein 1., Bw. (oberd. rain, niederd. een; goth. hrains, altd. hreini, reine; 
isländ. hrein, angel. rein, ſchwed. ren; Grundbegriff: gefondert, gefichtet; 
vergl. das griech. zodveir, fondern, u. das altd. hrinan, berühren, angrenzen, 
woher: Rain, Grenze 2.) 1) von jedem fremdartigen, zumal fchlechteren 
Zufaße frei, unvermiſcht, unverfälfcht, ſinnv. lauter (reines Waffer, reine 
Luft, reines Gold 2c.; reiner Wein; einem reinen Wein einfchenten, uneig. f. 
ihm die Wahrheit fagen; ein reiner Spiegel, d. i. der Eeine Bläschen zc. hat; 
eine reine Haut, d. i. ohne Fleden, Pufteln zc.; eine reine Sprache, d. i. die 
nicht durc Fehler od. Fremdheiten entftellt iftz reines Deutſch ſprechen od. 
fchreiben; eine reine Stimme, d. i. eine gleichförmig und Elar tönende; ein 
reiner Ton, d. i. der nicht ſchwankt, weder zu hoch, noch zu tief ift; daher: 
rein fingen 2c.; ein Wort rein ausfprechen); auch f. geordnet, berichtigt, in 
den Ausdrüden: etwas ins Reine od. aufs Reine bringen; mit etwas 
od. mit einander aufs Reine kommen; ferner in geiftigem VBerftande: uns 
gemifcht, ungetrübt, von allem Fremdartigen frei (eine reine Liebe, reine 
Freude; die reine Wahrheit; reines Pflichtgefühl; eine reine Lehre, d. i. die von 
Irrthümern frei ift 20.); inöbef. von allem Sinnlichen, Erfahrungsmäßigen, 
Angemwandten getrennt, unfinnlich, unangewandt, fr. theoretifch (eine reine 
Anfchauung, die reine Vernunft; die reine Größenlehre, entg. der angewandten); 
2) in engerer Bed. frei von Schmuß od. Fleden, unbefchmust, unbefledt, 
finnv. fauber, entg. ſchmutzig (reine Hände, reine Wäfche, Betten, Teller; fich 
rein waſchen; die Stube, die Schuhe, die Kleider 2c. rein machen; den Mund 
rein halten; uneig. reinen Mund halten f. verichwieaen fein, nichts verrathen; rei⸗ 


492 rein 


ned Papier; ein reiner Druck, ohne Flecken, undeutliche Stellen 20.5 etwas 
ins Reine ſchreiben; die Straßen rein halten, auch uneig. von allen verdächtie 
gen Perfonen, Landftreichern 2c.; fo auch: fein Haus rein halten, d. i. alle 
nicht ganz unbefcholtenen Perfonen, ald etwas Verunreinigendes, fern halten); 
uneig. von widriger Krankheit frei (veines Vieh, reine Schafe, d. i. gefunde, 
enfg. dem unreinen od. Schmiervieh), bibl. insbei. von Thieren, welche als 
gelund u. ohne Fehl gegeffen werden dürfen; ferner in fittlihem Verſtande: 
von Fehlern, Vergehungen, Verbrechen frei, unbefledt, ſchuldlos, uns 
fhuldig Ceine reine Jungfrau; ein reines Gewiffen, reines Herz; fich vein 


wiflen; einen rein fprechen, d. i. für unfchuldig erklären; ſich rein brennen, 


d. i. fi) für unfchuldig auszugeben ſuchen; reine Hände haben, uneig. f. kein 
Verbrechen begangen haben; ein reines Leben u. dal. m.); 3) in weitefter Bed. 
von allen Gegenftänden frei, leer, ledig G. B. reine Bahn machen, d. i. 
Alles aus dem Wege räumen; reinen Tiſch machen, d. i. Alles aufeflen; rein 
ausgehen f. leer ausgehen); daher als verftärfendes Nw. f. vollig, durchaus, 
ganz und gar (etwas rein ausleeren, austrinfen; rein unmöglich; rein nichts, 
gem. f. gar nichts); oberd. auch f. fehr (4. B. es ift rein Ealt u. dgl.); — 
3fes. der Reingeiſt, völlig gereinigter Wein: od. Branntweingeiftz rein— 
gläubig, Bw., einen reinen Glauben habend; die Neinfchrift, eine ins 
Keine gefchriebene Schrift (fr. Mundum); das Neinvieh, veines, d. i. gefunz 
des Vieh, bei. Schafvich ; — Ableit. die Meine (altd. — hreine), 
alt u. dicht. f. die Neinheit, das Reinſein, die reine Befchaffenheit, in 
allen Bed. von rein (3. B. die Reinheit der Luft, der Stimme, einer Zehre, 
des Herzens 2c.); ehem. auch die Neinigfeit, mit demfelben Umfang der Bed., 
jest nur in fittlihem Verſtande (z. B. die jungfräuliche Reinigkeit, Reinigkeit 
des Herzens 2c.); reinen (altd. hreinnan, reinön), alt u. dicht. f. reinigen, 
ziel. Zw., rein machen, in allen Bed. des Wortes, finnv. läutern, ſäubern, 
pugen ꝛc. (z. B. die Luft, den Zuder, Gold, Silber 20.5 die Kleider, Schu— 
be 2c.; die Bücher vom Staube; die Sprache reinigen, näml. von Fehlern u. 
Fremdheiten; ein Land von Räubern ꝛc.; ſich von einem Verdachte reinigen, 
d. i. feine Unſchuld darthun); der Reiniger, —8; wer etwas reinigt G. 8. 
Spradhreiniger); die Reinigung, das Reinigen (z. B. des Zimmers, der 
Sprache, des Herzens 20.5; die monatliche Reinigung, |. Monatöflufs); der 
Reinigungseid, ein Eid, durch den man fich von einer Befhuldigung reinigt 
(fr. Purgatorium); das Reinigungsmittel, ein Mittel zur Reinigung, insbef. 
ein Abführungsmittel (fr. Purganz); die Neinigungswinde, verichiedene Ars 
ten der Winde mit abführender Kraft; veinlich, Bw. u. Nw. rein (d. i. ſau⸗ 
ber, nicht ſchmutzig) ausſehend; das Neine, die Sauberkeit liebend, dazu 
geneigt, (ein reinlicyes Zimmer, reinliche Kleider, fich reinlich halten; ein 
reinliher Menſch) die Reinlichkeit, das Reinlichfein (eines Zimmers, einer 
Derfon, 2c.). 

rein- 2. (entſteht aus althochd. ragin, regin — von der Wurzel rag, hervors 
"ragen, daher goth. raginon — lat. regere, herrfchen, goth. ragin, Rath) hat 
als erftes Glied in zgef. EN. theils überhaupt verftärkende Kraft, theils bes 
zeichnet es geiftige Überlegenheit, Rath, Klugheit; z. B. Reinhold (alto. 
Raginolt), Reinmar (altd. Reginmar, fehr berühmt) u. a. m., bei. Neinz 


hard (altd. Reginhart, Reinhart), d. i. fchlauer Rathgeber, altd. Beinamen 


des Fuchſes in der Thierfabel (daher das franz. renard, Fuchs); niederd. verkl. 





Rein — reifen 493 


Meinefe, -n3, als EN. des Fuchſes in dem berühmten niederd. Gedichte 
Reineke de Vos; Jäg. in engerer Bed. der. männliche Fuchs; landich. auch) 
f. Storch. 

Nein, m., ſ. Rain. 

Kein od. Neine, w., M. -en, (altd. rina), verkt. das Neinel od. Neins 
del, öberd. f. Gefäß, Geſchirr, insbef. Napf, z. B. Milchnapf, Ziegel, 
Bratpfanne, Blumentopf ıc. 

Reinanf, m., -en, M. -en, od. die Neinanfe, M. -n., gem. zgez. 
der Renk, -en, auch der Renken, od. die Menke, (altd. rinanch), ein edler 
Fiſch in den baierfchen Seen, be. dem Würmfee, auch Blau: od. Weiße 
fellchen genannt (salmo Wartmanni, Bloch). 

Neindel, NReinel, f. Neinz — Reineke, f. unter rein 2. 

reinen 1. ziel. 3w. f. rein 15 — 2. ziellof. Zw. Jäg. f. traben, vom 
Fuchs u. Wolf. (vergl. rennen); der Reiner, -8, landſch. f. das Rennthier. 

Reinheit, reinigen, reinlich, Neinfchrift zc. T. rein 1. 

Reis, m., f. Reif. 

Reis, ſ. -e3, M., -er; Verl. das Neischen, M. gem. Reiferdhen, 
(althochd. isländ. angel. hris; mittelh. u. ſchwed. risz niederd. Ries; vielleicht 
verw. mit dem altd. risan, risen, fich erheben (vergl. reifen), welches je 
doch nicht mit h anlautet;z alfo: das Aufiproffende; vergl. das lat. surculus 
von surgere), eindünner, ſchwanker Baumzweig, finnv. Sprofs, Spröfsling, 
Schöſsling, (Birken, Beſenreiſer; dürre Reifer); auch ald Sammelw. f. mehre 
Reiſer zufammengenommen (. B. die Birken geben viel Reis); Forſtw. auch 
ein ganz junger Baum; Zäg. eine lange, dünne Stange; — Zſetz. der 
Reisbaum, ein Baum mit Reifen, die mit Vogelleim beftrichen find zum 
Bogelfang; das Neisbund od. -bündel, aud die Neiswelle, zufammenge- 
bundene Reiſer; das Neisholz, in Reiſern beftehendes Holz, Bundholz; auch 
Bäume, welche viele Reiſer haben, u. eine mit folhen Bäumen bewachfene 
Gegend; der Neislauben od. die Neislaube (vergl. Lauben), öfter. eine Art 
einer Weißfiiche mit einer blauen Geitenlinie, die ihren. Rogen an Sand, 
Steine, Reifer 2c. legen; das Reiswerk, allerlei Reiſer; ein von Reisbüns 
dein gemachtes Werk, z. B. zur Befeftigung eines Ufers; — XAbleit. das 
Reifig, r. Neifich od. Reificht, -e8, 0. M. (altd. risach, xisech, oberd. 
Reiſach) Sammelw. f. v. w. Neifer, Neisholz (Reifid) ſammeln, brennen 2c.); 
Bäume und Sträucher, welche viel Neifer haben, Bufchholz, u. eine 
damit bewachfene Gegend. 

Reifche, w., M. -n., (vergl. Reufe), landſch. ein Tragkorb. 

reifen, ziellof. 3w. m. fein u. haben, (oberd. raifen; goth. raisjan, ur- 
raisjan, altd. reisön, reisen, isländ. reisa, urfpr. aufrichten, aufregen; rüften, 
ordnen; dann: fich erheben, fich aufmachen, bef. ins Feld ziehen; ' abgeleitet 
von dem ablaut. Zw. althochd. risan, reis, garisan, mittelh. u. niederd. risen, 
altoberd. reifen, welches urfpr. überh. ſich bewegen; ferri, bedeutet; dann 
insbe. fowohl: fteigen, fich erheben, isländ. risa, goth. ur-reisan, angel. 
arisan, engl. arise; als: fallen, finken, angelf. reosan, hreosan; daher noch 
Shiff. die Sonne reifet od. niederd. vifet, f. ſteigt; oberd. die Blätter 
reifen vom Baumeif.-fallen, u. dgl. m.), überh. fi) aufmachen u. fortbe- 
wegen, ſich entfernen (daher noch gem. er kann nur reifen, d. i. gehen, fich 
fortmachen); gew. in engerer Bed. ſich nach einem entlegenen Orte begeben 





494 reifen 


auch überh. durch größere Räume von Ort zu Drt ſich fortbewegen, gew. 
nur von Menfchen, die nicht in großen Haufen zugleich fich fortbewegen, in 
welchem Falle ziehen, marfdiren zc. gebraucht wird, (zu Lande, zu Waffer, 
zu Fuß, zu Pferde, zu Wagen reifen; in die Fremde, durch od. über. einen 
Ort —; gern, viel reifen ꝛc.; auch mit dem Accuſ. des Weges, welchen man 
zurücdlegt, 3. B. einen andern Weg, diefe Straße, täglich 6 Meilen reis 
fen 20.5; — mit fein, wenn eine Beziehung auf Ort oder Raum Statt hat, 
z. B. er ift über Land, nad) B., durch N. zc. gereift; wir find diefelbe Straße 
gereifet;z mit haben, wenn das Reifen mehr als Thätigkeit des Subjectes 
und in Beziehung auf die Zeitdauer fteht, z. B. er hat viel gereiſſt; lange 
gereiftz das Mw. gereif't ſteht jedoch als Bw. auch f. der gereifet hat, 3.8. 
ein gereifter Mann); der, die Neifende, ein Reiſender, M. Neifende, 
die Neifenden, Mw. von reifen, gew. als Hw. gebraucht, wer reifet, bef. 
wer berufsmäßig Neifen macht, z. B. ein reifender od. Hand⸗ 
lungsdiener, ein veifender Handwerksburſche; — die Neife, M. -n., (altd. 
reisa, oberd. Rais), die Handlung des Neifens, fowohl allgemein gefafft, 
al3 auch mit beftimmter Begrenzung: der Gang oder die Fahrt von einem 
Ort nad) einem entferntern, (auf der Reife od. auf Reifen fein; die Reife 
antreten; wo geht die Reife hin? glückliche Reife! eine Reife machen, unter- 
nehmen, antreten 2c.; meine Reife von A. nad) B.; eine Land», Waffer-, 
Luftreife, Fußreife, Geſchäftsreiſe 2e.; eine Zagereife); ehem. in engerer Bed. 
f. Heerfahrt, Feldzug, Kriegszug; in weiterer Bed. die einmalige Bewe— 
gung von einem Punkte zu einem andern, u. was durch eine folche Be- 
wegung befördert od. bewirkt wird, daher ein gewiffes Maß G. B. eine 
Keife Steine, Kalk zc., d. i. eine Fuhre; eine Reife Holz, d. i. eine Schiffe: 
ladung; in Halle: eine Reife Soole, d. i. fo viel auf einmal aus dem Brun- 
nen gezogen wird; Web. eine Reife Zeug, Leinwand zc., d. i. ein Gewirk vom 
Kamme an bis zum Baume; eine Reife Röhren, d. i. fo viel Röhren, als erfor- 
derlich find, um das Waffer eine gewiffe Strede weit zu leiten); landſch. überh. 
f. Mal (z. B. oberd. auf die Rais, d. i. diefes Mal; niederd. eine Reife, 
d. i. einmal; zwei Reifen, d. i. zweimal 2c.); — 3feg. von reifen u. Reife: 
der Neifebedarf, Alles, was man zu od. auf der Reife bedarf, bef. alle Rei 
fegeräthfchaften; der Neifebefchreiber; die Neifebefchreibung; das Reife- 
bett, ein Bett, welches man auf Reifen mit fich führt, auch |. v. w. Feldbett; 
das Reifebuch, Keifeband- od. -taſchenbuch, ein Buch, welches für Rei 
fende wiffenswürdige Dinge enthält; das Reiſebündel, 1. Bündel; veifefertig, 
Bw. zur Abreife bereit; der Neifegefährte od. -genoſſe, die Reiſegefähr— 
tinn, -genoffinn, f. Gefährte 2c.; das Neifegeld, das zu der Reife nöthige 
od. beftimmte Geld; ehem. aud) f. Sold, Löhnung der Soldaten; u. f. Kriegs- 
fteuer; das Neifegepäd, -geräth, Gepäck, Geräth, welches man auf der 
Reife mit fic führt; reifegerecht, Bw. Jäg. in der Jagd des Eleinen Wildes 
geſchickt, auch feldgerecht, entg. hirſch- u. holzgerecht; die Neifegefellichaft, 
eine Gefellfchaft von Reifenden; auch f. v. w. der od. die Reiſegeſellſchafter, 
Begleiter eines Reiſenden (z. B. meine Reiſegeſellſchaft); der Reiſejäger, Jäg. 


ein gemeiner Jäger, der nur das Heine Wild jagt u. ſich dabei weiter herum⸗ 


bewegen (reifen) muſs, insbeſ. der Feldjäger, Flug- od. Federſchütze 2e.; daher 
die Neifejägerei; die Reifefarte, Landkarte für Reifende, Poftkarte; der 
Reifekaften, die Reifekifte, der Reifekoffer zc., Behättniffe für die Reife: 





Zn I un 





Reisholz — reißen 495 


bedürfniſſe; das Reiſekleid, ein Kleid, welches man auf der Reife trägt; fo 
auch: die Neifekleidung, u. insbeſ. der Reiſehut, die Meifefappe ob. 
-müße; der Reifemantel, od, -[huh 2c.; die Reifekoften, f. Keften; 
die Reiſeluſt, das Vergnügen, welches das Reifen gewährt; die Neigung, 
das Verlangen zu reifen; daher: reifeluflig, Bw. Luft zum Reifen habend; 
der Neifemarfchall, ein Marſchall (f. d.), welcher feinen Herrn auf der Reife 
begleitet; der Meifepfennig, ein geringes Reiſegeld; der Reiſeſack, die 
Reiſetaſche, ein Sad, eine Zafche, worin man Reifebedürfniffe mit fich führt, 
Ranzen, Mantelſack, Felleiſen; die Neifefucht, übertriebene Reiſeluſt; der 
Keifewagen, ein Wagen, deffen man ſich zum Reifen bedient; chem. auch 
f. Heer⸗ od. Kriegswagen; das Neifewetter, das Wetter, welches man wäh— 
vond der Reife hat (gutes, ſchlechtes R.); das Neifezeug, alles Reiſegepäck 
u. <geräth; der Neifezug (fr. Karavane); — Ableit. v. reifen: der Nei- 
fer, -8, felten f. der Neifende; wer oft od. immer reift; reifig, Bw., 
vlt. f. zur Meife bereit, reifefertig; insbef. zum Kriegszug gerüfter, zum 
Kriegsheer u. bef. zur Neiterei gehörig (reifige Pferde, ein reifiger Knecht; 
der reifige Zeug, d. i. die Reiterei); daher als Hw. ein Reifiger, der Neifige, 
M. Neifige, die Reifigen, gerüftete Krieger, bef. zu Pferde, Weiter 
(7. B. Reifige und Fußvolk). 

Reisholz, Neifich od. Neifig, NReislaube, Reiswelle ıc. |. Reis; — 
reifig, der Reifige, f. reifen. ® 

Heiß, m., -e8, 0. M., (niederd. Nies, franz. ris; aus dem griech. u. lat. 
oryza, welches aus dem arab. aruz ftammt; vergl. das perl. rizeh, Saat; 
fanstr. ridsch, fäen), eine fehr weiße u. nahrhafte Getreideart der wär- 
meren Länder; deutſcher Reiß, f. v. w. Bart oder Reißgerfte; ſchleſi— 
ſcher Reif, das Mannagras; — Zfeg. die Reißammer, eine Art erd— 
farbiger Ammern in Nordamerika, auch der Neißdieb od. Neißvogel ge- 
nannt; der Neißbau, Anbau des Reißes; die Neißblume, das feinfte Reiße 
mehl; der Neißbranntwein, aus Reif gebrannter ftarker Branntwein (fr. 
Arrak od. Rad; der Neißbrei od. das Reißmus, von Reiß gekochter Brei; 
der Reißdinkel, eine Art des Speltes, Sommerfpelt; die Reißgerfte, f. v. w. 
Bartgerfte, auch die nackte Gerfte; der Reißkoch, landſch. ein Backwerk von 
Rei (vergl. Koh); das Reißkorn, verkl. Reißkörnchen, uneig. Naturk. 
eine Art Porzellanfchneden; das Reißkraut, Glied- od. Eifenkraut; der 
Reißkuchen; der Reißmäher, uneig. Naturf. eine Art Dickſchnäbler in China, 
Java 2c., der den Reißfeldern großen Schaden thut, auch Reißfreſſer, Reiß— 
vogel genannt; das Neißmehl; der Reipfchwaden, reifartiges Glanzgras in 
Virginien u. Süd- Europa; die Reißfpeife; das Reißftroh ꝛc. 

Reißaus, Neißblei, =brett, =eifen 2c., f. reißen. 

Keißelbeere, w., landich. f. Preißelbeere, f. d. 

reißen, 3w. (altd. rizan, rizen, Impf. reiz, Mw. rizan, gerizzen; niederd. 
riten; das goth. und angelf. vritan, engl. write, isländ. rita bedeuten nur: 
entwerfen, fchreiben), ablaut. Impf. tif, Gonj. riſſe; Mw. geriffen; 1) 
ziellos a) m. fein: mit dem eigenthümlichen Schalle, welchen das Wort 
ausdrüdt, plöglic den Zufammenhang feiner Theile aufgeben, bef. von 
zähen Körpern, wenn fie zu ſehr ausgedehnt od. angefpannt werden, verſch. 
brechen, beiten, plagen zc. (ein Faden, ein Strid, eine Saite, ein Zeug reißt, 
iſt geriſſen; uneig. wenn alle Stricke reißen, d. i. wenn alle Hülfsmittel vergeb⸗ 


496 reißen . 

lic) find), bisw. auch von feften Körpern (3. B. der Erdboden reift, d. i. birft, 
bekommt Riffe); mit großer Gewalt und Schnelligkeit fich fortbewegen, 
bei!das Mw. reißend, als Bw. u. Nw. (ein reißender Strom; eine Waare 
geht veißend ab, d. i. fehr Schnell; bibl. die Plage riſs unter die Sfraeliten, 
d. i. drang mit Gewalt in fie ein; vergl. einreißen); b) m. haben: an 
einem Körper ziehen od. zerren, um ihm zu zertrennen od. fortzuberegen 
(an einer Sache —; der Sturm riß an dem Baume); daher uneig! von hefti- 


gen ziehenden Schmerzen (ein reißender Schmerz; die reißende Gicht; gew. ' 


unp. es reißt mir im Leibe, in den Gliedern, es hat geriffen 2c.; u. als Hw. 
das Meißen in den Gliedern, Gliederreißen 20.); 2) ziel. a) etwas fchnelf 
und gewaltfam trennen, bef. durch eine plößliche zu große Ausdehnung, 
welche den Zufammenhang der Theile aufhebt (Papier, Zeug ze. in Stüde rei: 
Ben, entzwei reißen; fi) an einem Nagel ꝛc. —, reißend verwunden; Federn 
reißen, d. i. die haarichten Theile von den Kielen abziehen; daher: geriffene 
Federn; reißende Thiere, d. i. wilde Thiere, die ihren Raub zerreißen), in 
einzelnen Anwendungen aud) durch Schneiden, Spalten, Hauen, Graben, 
Pflügen (z. B. den Wein reißen, d. i. das über der Erde befindliche Holz der 
Weinſtöcke abfchneidenz einen Karpfen—, der Länge nad) durchfchneiden; einen 
Hengſt —, verfchneiden; Holz, Latten—, fpalten; einen Baum reißen, Forftw. 
ſ. v. w. lachen 2; einen Acker —, auf, umreißen, d. i. zum erften Male pflü- 
gen); daher ehem. insbef. etwas auf einer Fläche entwerfen, fchreiben, zeich- 
nen, weil dies urfpr. durch Eingraben od. Einfchneiden geſchah (noch jest: 
einen Plan reißen, ein Rifs, f. d., u. die zgef. Abs, Auf-, Umriſs, Reißblei, fe 
der 2c.); b) etwas durch ftarkes Ziehen bewegen, gewaltfam von feinem 
Orte forts od. weg-, nach- od. an fich ziehen (die Saiten reißen; einen vom 
Stuhle, mit fi) fort, zu Boden —; einem etwas aus. den Händen, einem die 
Kleider vom Leibe, das Herz aus dem Leibe —; ſich (mir) die Haare aus dem 
Kopfe—; der Sturm reißt Bäume aus der Erde; etwas an ſich reißen, 





uneig. f. es ſich gewaltfam aneignen; einen aus der Noth reißen, d. i. ihn 


- fchnell daraus befreien; etwas aus dem Zufammenhange reißen, d. i. trennen, 
abfondern); auch rückz. fich—; f. ſich fchnell und mit Gewalt trennen, ent— 
fernen (fi) von etwas—, aus Semands Armen reißen; uneig. ſich aus der 
Unthätigfeit —); fih um etwas —, raufen (won Mehren, die gleich bes 
gierig nach einer Sache ftreben und diefelbe einander ftreitig machen); ©) uneig. 
etwas plöglich laut werden od. gleichfam hervorbrechen laſſen, unvermus 
thet vorbringen (nur in den gem. Redensarten: Pofjen, Wise, Zoten reißen; 
oberd. auch: Keime reifen, d. i. aus dem Stegereif machen; vergleiche das 
grisch. enfaı yorır, Yat. rumpere vocem); — 3fe$. das Reißaus, unbiegf. 
(eig. der Imperativ reiß aus! d.i. flich! von dem ziellofen Zw. ausreißen, 
f. d.) nur in Reißaus nehmen, gem. f. davon laufen, entfliehen; das 
Reißblei, Wafferblei, woraus Bleiftifte zum Reigen (d. i. Zeichnen, ſ. 0.) ge: 
macht werden; das Meißbrett, ein glattes Blatt, auf weldies das Papier 
zum Zeichnen gefpannt wird; das Neißeifen, ein Zirkel mit fpisigen Haken, 
um Linien damit in Holz zu reißen; die Neißfeder, ein federähnliches metallenes 
Werkzeug, Scharfe Linien damit zu ziehen; aud) eine metallene Hülſe, in welcher 
ein Zeichenftift. befeftige wird; der Neißhafen, Schloff. ein Meißel zum Auf 


reißen der Zapfenlöcher; der Reißkamm, der gröbfte Kamm der Wollarbeiter; . 


die Reißkohle, Kohle zum Zeichnen; die Neißlatte, geriffene Latte, z. U. u 








teißern — reiten 497 


einer gefchnittenen; das Meißmeffer, ein zweiichneidiges Meffer der Goldfchld- 
ger zum Zerfchneiden der Metallplatten; der Reißnagel (niederd. Rietnagel), 
f. v. m. Neid od. Nietnagel, ſ.d.z die Reißſchiene, ein dünnes, ſchmales Brett, 
Linien damit od. danad zu reißen; der Reißſtift, Zeichenftift; das Neißzeug, 
die fämmtlichen zum Reifen od. (mathematifchen) Zeichnen nöthigen Werkzeuge 
nebft dem Behältniffe, worin fie bewahrt werden; der Reißzirkel, ein Zirkel 
zum Reißen, deſſen einev Schenkel durch eine Reißfeder erfest werden kann; — 
Ableit, der Neißer, -$, die Neißerinn, M. -en, wer etwas reißt, gew. 
nur in Zſetz. wie Poffenreißer zc.; auch verſchiedene Werkzeuge, z. 8. ein eis 
fernes Werkzeug der Korbmacher zum Spalten der Weiden; Maur. ein Pinfel 
zum Zeichnen der jcharfen Einfaffungslinien (Vorreißer). 

reißern, ziellof. Zw., Jäg. von den Sagdhunden: Altes befhnäufeln od. 
beriechen. 

Reißfeder, haken, kamm, f. reifen; — Reißfrefler, -gerſte, ſ. Reiß. 

Reißke, m.. -n, M. -n, od. der Reißker, -8, M. w. E., (auch Reizker, 
Reitſcher, Rietfchke 2c.; wahrſch. ſlawiſchen Urfprungs, böhm.ryzec, poln.rydz), 
landſch. bef. in Meißen und Schlefien: ein efsbarer ziegelfarbener Milch: 
fhwamm mit gelbem Saft, einem eingedrücdten Hut und kurzen roth— 
flecigen Stiel, auch Tännling, Herbftling, Förchling, Röthling, Nehling, 
nieberd. Röte genannt. 

Reißkoch, -Forn, =Fraut xc., 5. Reis; — Neißkohle, -latte, ſ. reißen. 

Keißling, m. -e3, M. -e, ein Nachtfchmetterling mit weißen, ſchwarz 
gepunfteten Flügeln, Birkenfpanner, Birkenvogel. 

Reißmäher, mehl, -ſchwaden, =fpeife, -ftrob, |. Reiß; — Neißmeffer, 
nagel, —— -ftift, zeug, zirkel, ſ. reißen. 

Reiſte, w., M. -n, (altd. rista, riste; niederd. Riſte, Riſſe; holl. rist), ein 
Büſchel — ob. Hanf, fo viel man auf einmal durch die Hechel zieht; 
auch ein Eleines Gebinde gehechelten Flachfes, zufammengedreht und verfchlun- 
gen, landſch. auch Haute, niederd. Knocke genannt, deren 30 einen Kloben machen. 

Reit, f., niederd. f. Nied, Niet. 

veit, Bw., (goth. raid, altd. veiti, reite, niederd. reede. vergl. Rehde), völ⸗ 
lig vlt. f. bereit, fertig, geordnet; daher: die Neite, Hofreite, M. -n, 
(oberd. Hof-Rait od. =Raiten; auch Riet, Hof-Riet), landſch. der geebnete 
Hofraum bei einem landwirthfchaftlihen Gebäude. 

Reitamt, buch, =beamte, f. reiten; — Neitbahn, reitbar zc., T. reiten. 

Keite, w., f. reit; — Neitel, reiteln, f. raideln. 

reiten ; Zw. (altd. ritan, riten, Impf. reit, Mw. garitan, geriten; nie- 
derd. riden; isländ. rida, angelf. ridan, engl. ride, d. i. reiten u. fahren, fo 
auch das holl. vyden; Grundbegriff wahrfch. Bewegung; vergl. d.- altd. ridon, 
nord. rida, zittern, f. u. reitern; alfo überh. ferri, vehi, daher das altd. reita, 
reiti, Wagen, Fuhrwerk; dann insbef. equo vehi), ablaut. Impf. tritt, Conj. 
ritte; Mw. geritten; 1) ziellos m. fein u. haben, a) urſpr. überh. ſich 
fortbewegen (daher noch: der Hund reitet auf dem Hintern; der Maulwurf 
durchreitet das Land, d. i. durchwühlt 2c.; die Motten durchreiten die Bücherze. 
vergl. die Zſetz. Reitkröte, =laus, maus 2c.); oberd. bef. f. gleiten, rutfchen 
(3. B. von einem Felfen herunter), u. f. fahren (zu Wagen, auf dem Waſ— 
fer—); chem. überh. f. reifen (welches freilich gift zu Pferde geihah), bei. 
einen Feldzug, eine Heerfahrt unternehmen; b) jest in. engerer Bed. auf einem 


Heyfe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2r. Theil. 32 


498 reiten 


Thiere, bef. einem Pferde, gew. mit gefpreizten Beinen figend fich fort- 
begeben (z. B. auf einem Pferde, einem Efel ze. reiten; gem. ohne Nennung 
des Thieres: gut reiten, reiten lernen, ein reitender Bote 2e.5-auch mit einem 
Hw. im Acc. welches die Art u. Weife, oder die Richtung u. Ausdehnung des 
Reitens ausdrüct, z. B. Schritt reiten; diefen oder jenen Weg —, feine 
Straße —, fünf Meilen reiten 1.5; — in der Regel mit fein; mit haben 
nur, wenn v8 ohne Ortsbeftimmung in Beziehung auf Zeit, Kunft od. Abficht 
fteht; alſo: ich bin nad) N., über die Brüde geritten; er ift ausgeritten; wir 
find den nächſten Weg geritten; abes: ich habe diefen Morgen geritten; er hat 
Yanae, geſchwind, geſchickt od. ungefchickt ꝛc. geritten); uneig. mit gefpreizten 
Beinen auf od. über etwas fisen od. ftehen, gleichviel ob man fich fortbe- 
wegt, oder nicht (auf einem Steden= od. Wiegenpferde—; auf einer Bank, auf 
der Wurft—, f. Wurft; immer m. haben); aud) f. fich begatten, von mans 
hen Thieren; Schiff. ein Schiff reitet, wenn es bei hohler See od. ftarfem 
Winde vor Anker liegend ftampft; 2) ziel. ein Thier —, d. i. zum Reiten 
gebrauchen, auf demfelben reiten (z. B. er hat einen Schimmel geritten; 
dies Pferd ift noch nie geritten worden; gem. uneig. der Teufel —, landſch. 
auch) die Noth, das Unglüd zc. reitet ihn, f. befist, beherrſcht ihnz einen Schrift- 
fteller reiten, f. ihn ungebührlich benugen) ; auch veitend bewirken od. in ei— 
nen Zuftand verfegen (ein Pferd müde, todt — ſich müde reiten; einen zu 
Boden reiten); fich (mir) etwas —, d. i. veitend zuziehen (nur in der Re— 
densart: ſich einen Wolf reiten, f. Wolf). — Zſetz. die Neitbahn, ein ebener 
Platz zum Zureiten der Pferde u. zu Reitübungenz der Reitburfche od. junge, 
ein Burfche, den man zur Bedienung hinter fi herreiten läſſt (fr. Sodey); 
die Neitgerte, =peitfche, zum Antreiden des Keitpferdes; der Reitgurt, ein 
breiter Gurt, den Unterleib beim Reiten damit zu gürten; das Reithaus, eine 
bededite Reitbahn; der Neithengft, Zucht: od. Springhengft, Beſchäler; die 
Reithoſe, -jade, der Reitrock, <ftiefel u. dal. m., Kleidungsſtücke für Reiter; 
das Reitkiſſen, ein ftatt eines Sattels dienendes Kiffen; der Reitknecht, ein 
Knecht, welcher die Reitpferde wartet und feinem Herrn nachreitet; die Reit: 
kröte, landſch. f. Erdgrille, Mauhvurfsgrille, weil fie unter der Erde reitet, 
d. i. wühlt (f. o.) auch Neitmaus, Neitwurm genannt; die Reitkunſt, die 
Kunft zu reiten; die Neitlaus, landſch. f. Filzlaus, weil fie die Haut durch- 
wühlt, auch Reitmilbe; die Reitmafche, Säg. eine nicht feft verbundene, fich 
bin= u. herziehende Maſche im Nes 2c.; die Reitmaus, landſch. f. Feldmaus, 
Maulwurfmaus; auch f. v. w. Reitkröte, |. o.; der Reitochs, Zuchtohs; das 
Keitpferd, ein zum Reiten dienendes Pferd; die Neitpoft, ſ. Poſt; der 
Keitfattel, ein zum Reiten dienender Sattel, z. U. v. Trage, Saumfattel 20.5 
die Reitfcheide, hohle lederne Scheiden, durch welche die Stränge des Pferdes 
geſchirrs gehen, damit fie das Pferd nicht reiben; die Neitfchule, Anftalt und 
Gebäude, wo Unterricht im Reiten ertheilt wird; der Reitſtall, Stall für Reit- 
pferde; an Höfen auch die fämmtlichen dabei angeftellten Leute; der Reitſtock, 
Drechsl. eine bewegliche Docke auf der Drehbank; die Neittenne, eine Tenne, 
auf welcher das Getreide ausgeritten, d. h. von Ochſen oder Pferden ausgetre⸗ 
ten wird; das Reitzeug, alles zum Reiten nöthige Geräth und Geſchirr; — 
Ableit. reitbar, Bw., fähig und geeignet, geritten zu werden (ein Pferdae.); 
der Reiter, -8, die Neiterinn, M. -en, (altd. ritari, ritaere, und daneben 
ſchon früh mit kurzem i: ritere, riter, Ritter; isländ. riddari, ſchwed. riddare, 





reiten — reizen 499 


holl. ridder), überh. eine reitende Perfon (ein guter, fhlechter Reiter, eine a 
kühne Reiterinn); bef. wer berufsmäßig reitet od. feine Verrichtung reitend 
verfieht (in Zfes. wie: Korft-, Lande, Poftreiter 2c.); in engerer Bed. ein zu 
Mferde dienender Krieger, Neifiger (fr. Gavalleriftz in diefer Bed. chem. 
auch Reuter, ſchweiz. Rüter, holl. ruyter, vielleicht v. dem hol. ruyten (—reu« 
ten, f. d.), einen Raubzug thun?); landſch. der ſchwarze Kornwurm (weil er 
das Getreide durchreitet, ſ. 0.); auch verfchiedene zum Gefchlecht der Strand» 
läufer gehörende Vögel (der rothe u. der geftreifte Reiter); Krfpr. un 
eig. große fechsedige Balken, durch welche mit fpisigem Eifen befchlagene 
Stäbe geftedt werden zuc Sperrung des Zuganges zu einem Orte: ſpaniſche 
oder friefifche Reiter; Zfeg. v. Reiter: der Neiterdegen; die Reiter: 
fahne (fr. Standarte); die Neiterflinte (fr. Garabiner); reitergar, Bw. 
gem. f. halb gar, halb gekocht (weil eilfertig reitende Perfonen nicht Zeit haben, 
die gehörige Zubereitung der Speifen abzuwarten?); der Reiterhandſchuh; 
das Reiterkoller od. Reitkoller, ſ. Koller; das Neiterpferd (fr. Gavallerie- 
Pferd; verſch. Reitpferd); die Neiterfchlacht, von der Reiterei gelieferte 
Schlacht; der Neiterfliefel; der Reitervogel, eine Art großer Paradiesvö- 
gel; die Reiterwache (fr. Vedette) ꝛce; — die Neiterei, 1) 0. M. (v. rei 
ten) gem. verächtt. das Neiten, die Art und Weife des Reitens (z. B. eine 
elende Reiterei); 2) M. (ſelten) -en (v. Reiter), die Gefammtheit der Rei- 
ter, die ganze berittene Mannfchaftesichtwere und Leichte Reiterei; fr. Caval- 
Verie); veiterifch, Bw. (won Reiter), oberd. f. einem Neiter angemeffen, nad 
Art eines Neiters (d. i. Gavalleriften); die Neiterfchaft, die Eigenfchaft 
eines Reiters; auch f. die Neiterei 2); reitlings od. rittlings, Nw., nad) 
Art eines Neitenden mit gefpreizten Beinen G. B. reitlings auf einer 
Bank fisen). 

‚reiten 2., ziel. 3w., ſ. raiten; — 3. ziel. Zw. (altd. reiten; vergl. reit, 
Rehde), völlig vlt. f. bereiten, fertig machen, vüften. 

Keiter, m. 1. f. reiten 1; — 2. ſ. Raiter; — 3. T. reitern. 

reitern, Zw. (von dem altd. vidon, riden, isländ. rida, hin u. her fchwan- 
ten, zittern; vergl. rütteln; daher das altd. rido, ritoz oberd. Rid, Ritt, f. Fie⸗ 
ber; vermw. mit reiten, ſ. d.) 1) ziellos m. haben, landſch. f. fid) unruhig hin 
und her bewegen (von Kindern); 2) ziel. (altd. ritarön, angelj. hridrjanz 
vergl. vaden 2., rädern) oberd. f. ſieben; der od. r. die Neiter (altd. ritra, 
ritera; angelſ. hridder u. hriddel; vergl. Räder), oberd. f. Sieb, bef. ein 
Sieb gröberer Art; die Neiterfalbe, landſch. f. Kräsfalbe Gb. reitern, hin 
und her bewegen, reiben). 

Reitgerte, -gurt, -knecht, -kröte ꝛc. — Neitzeug, f. reiten 1. 

Reitherr, -kammer, =meifter, =vogt 2c. f. Rechnungshere 2c., f. raiten. 

Reitzu, m., unbiegſ. (öfte. Reitherzu), Landfch. gem. Nachahmung einer 
Art des Finkenfchlages; auch ein Fink, der diefen Schlag hören Läfft. 

reizen, ziel. Zw. (altd. reizjanz reizen, von gleichem Stamme mit rizan, 
reißen, und rizjan, rigen; oberd. raizen; ‚vergl. das isländ. reita, pflücen, 
zupfen; u. das lat. ir-ritare), urſpr. durch körperliche Berührung ıc. finns 
lich erregen, überh. einen finnlichen Eindrud auf etwas machen (die 
Haut, den Gaumen, die Nerven, die Sinne ꝛc. —); bef. lebhafte, angenehme 
Empfindungen, od. auch Begierden erweden u. dadurch anztehen oder 
loden (ihre Schönheit reizt ihn; Jäg. die Hafen, bie Vögel ze. reizen, d. i 
k i Balder = ı 


500 Reke Religion 


durch Nachahmung ihrer Stimme locken), bei. das Ifte Mittehvort veizend 
als Bw. f. höchſt anziehend, anmuthig, hinreißend (ein reizendes Mädchen, 
eine reizende Schönheit, Gegend zc.); durch Erregung der Sinne od. des 
Gemüths eine Begierde od. Leidenfchaft in Jemand weden, ihn zu etwas 
antreiben, aufregen, hinreißen (einen zur Liebe, zum Haffe, zum Zorn, zur 
Eiferfucht ze. reizen; auch: eines Menfchen Liebe, Zorn 2c. —); in engerer 
Bed. Jemands Umwillen od. Zorn erregen, ihn unwillig, böfe, zernig 
machen, necden (einen Menfchen, einen Hund ze. —); — der Reiz, -e$, 
M. -2, die Eigenfchaft od. Kraft eines Dinges, das Gefühl od. die 
Sinne zu erregen, u. die Empfindung folcher Erregung (Satz, Pfeffer zc. 
verurfachen einen Reiz auf der Zunge; einen Reiz auf der Haut empfinden; 
das Licht verurfacht einen Reiz im Auge ꝛc.); be. was lebhafte, angenehme 
Empfindungen in uns erregt, u. diefe angenehme Empfindung felbft (der 
Reiz der Schönheit, der Neuheit; die Reize des Landlebens), in engerer Bed. 
die finnliche Schönheit einer (bef. weiblichen) Perſon, fofern fie lebhaft er- 
regt u. anzieht, bei. die Schönheit in der Bewegung, ein hoher Grad der An- 
muth; auch die einzelnen finnlichen Vorzüge, welche diefe Wirkung hervor- 
bringen (3. B. fie bezaubert Alles durch ihre Meizes ihre Reize find verbfüht 
u. dgl.); — Bfeg. von Reiz: reizlos, Biw., ohne Reiz od. Reize; die Reiz 
lofigkeitz reizvoll, Bro., viele Reize habend, in hohem Grade reigendz von 
reizen: das Reizmittel, ein Mittel zur Hervorbringung eines Reizes, Er- 
vegungsmittel; — Ableit. v. reizen: reizbar, Biw., leicht zu reizen, veiz- 
fähig, erregbarz bef. inzu hohem Grade für finnliche Eindrüde empfänglich, 
krankhaft erregbar (ein veizbarer Körper, veizbare Nerven); in engerer Bed. zum 
Ubelnehmen, zum Zorne geneigt, finmv. empfindlic, (ein veizbarer Menfch); 
die Meizbarkeit, das Neizbarfein; der Neizer, die Neizerinn, felten f. 
wer zu etwas reizt; die Netzung, das Neizen (4. B. zum Böfen); auch das 
was reizt, der Reiz, das Neizmittel (M. Reizungen). 

Reke, w., f. Recke unter reden. 

Rekel, m., -8, M. w. E. 1. niederd. ein großer Bauerhund (vergl. 
Kader 1); — 2. (w. dem niederd. reken f. reden, ausdehnen) das in lange 
Streifen gefchnittene und gedörrte Zleifch der Heilbutte (vergl. Raff); — 
3.5. rekeln. 

vefeln, rückz. Zw., niederd. (v. reken f. reden), fih—, fich auf unan- 
ftändige Weife reden, dehnen, auflegen; der Nefel, -3, M. w. E., 
gem. f. ein großer, plumper und ungefitteter Menfch; die Nefelei, gem. 
das Rekeln; das Betragen eines Nekels; refelhaft, Bw., einem Rekel 
ahnlich od. angemeffen, plump, ungefchliffen. 

Religion, w., M. -en, (v. dem. lat. religio erft in der neueren Sprache 
entlehnt: die Ältere gebrauchte dafür in objectivem Sinne: Ewa, &, d. i. Geſetz, 
f. Ehe; in fubjectivem: Chaltida, haft), überh. Gottesglauben, Gotteslehre, 
“ Gottesverehrung, Gottes> od. Götterdienſt; insbef. 1) fubjectiv der Ge— 
finnung und Handlungsweife nach: Gottesliebe und Verehrung, Gottes: 
furcht, Gottfeligkeit, Frömmigkeit (Retigion haben; ein Menſch ohne Relis 
gion; in diefem Sinne auch: Religiofität); 2) objectiv: der Gottesglauben 
u. Gottesdienft an fich nach Inhalt u. Form (die natürliche, entg. der ge 
offenbarten Religion), bef. eine beftimmte Glaubensform, Glaubensfagung, 
ein Glauben (die heidniſchen Religionen; die mofaifche, muhamedanifche, 








u Relkel — renken Ze) 


ehriftliche Religions; — 3fes. die Neligionsangelegenheit, =befehwerde ıc.; 
das Meligionsbuch, Glaubenslehrbuch; der Neligionseid, ein Eid, durch 
welchen man fich zu einer Religion befennt; der Neligionseifer; die Neli- 
gionsfreiheit, Glaubensfreiheitz der Neligionsfrieden, Frieden od. Vertrag 
zwifchen ftreitenden Religionsparteien, insbef. der zu Augsburg 1555 zwiſchen 
kathol. u. evangel. Chriften errichtete Vertrag; die Meligionsgefchichte; der 
Neligionskrieg, Krieg zwiſchen ftreitenden Religionsparteien; die Religions— 
lehre, eine einzelne Glaubenstehre; die Neligionswiffenfchaft (fr. Theologie); 
der Neligionslehrerz die Neligionspartet, Glaubens + Gefeltfchaft od. -Zunft 
(fr. Secte; vergl. Partei); die Neligionsfache; der Neligionsftifter; 
der Neligionsftreitz die Neligtonsübung, Ausübung der Religion, öffent: 
licher Gottesdienftz der Neligionsunterricht; der Neligionsverwandte, 
wer fich mit Andern zu derfelben Religion bekennt; die Reltgionswahrbeit; 
der Neligionszwang, Glaubenszwang, entg. Religionsfreiheitz — Ableit. 


religiös, Bw. (lat. religiosus), Neligion habend u. übend, gottesfücchtig, 


* 


fromm, gläubig; auch f. die Religion betreffend, gottesdienſtlich. 

Relkel, m., -8, landſch. der wilde od. rothe Holunder, Hirfchholder. 

Kelle, w., M.-n, od. die Nellmaus, (vergl. Kalle, vallen), landſch. f. 
Hafelmaus; auch f. Siebenfchläfer; der Nelling, -es, M. -e (auch 
Rälling, f. rallen) landſch. f. der Kater. 

Rem od. Rehm, w., M.-en, oberd. 1. f. Nahmen, Rahm (f. d.); 
2. (verw. mit ram, Ziel, ſ. Rahm 1., od. mit Riemen) f. Schlinge, Spren- 
kel zum Vogelfang; remen, ziel. 3w., oberd. f. hemmen (einen Wagen; 
daher Remkette, Remſchuh). 

Remel, m., -$, M. w. E., 1. (v. dem niederd. Remen f. Riemen), nie 
derd. f. Buche, Streif, Ninne, (hannöv. Remfche); die von der Pflug: 
[har aufgeworfene Erde; meklenb. eine Reihe Bäume; 2. (vergl. das 
oberd. Riemen f. Querholz; niederd. Remen, Ruder, lat. remus), oberd. 
f. ein unförmliches, dies Stück Holz, bef. Brennholz, ein Prügel, Knüts 
tel (auch Remmel, Tremel); niederd. ein Bund Flache von 20 Pfund, 
ein Stein. ' 

Remen, -3, M. w. E., od. Neem, -23, M. -e, m. (lat. remus, 
franz. rame) niederd. f. Nuderz daher vemen 1. od. reemen, Zw., f. tus 
dern; — remen 2. ſ. Rem. 

Remis, m., -08, M. -e, Landich. f. Beutel: 0d. Sumpfmeife. 

vemmeln, 3w., oberd. f. vammeln, ſ. d. 

Remſe, w. (vergl. Ramfel, rämfeln), Tandich. fe Waldfnoblauch. 

reneln, ziellof. Zw. (eig. wohl räneln; niederd. wrensken; vergl. d. altd. 
ranno, reinno, Zuchthengft), oberd. f. wiehern. x 

Nengel, m., -8, M. w. E. (vergl. Range unter rangen), niederd. ein 
muthwilliger Junge; — rengeln, ziel. Zw. (wehl — rangen, hamburg. 
rangeln, d. i. ringen, prügeln), niederd. f. mit Zwang zur Pflicht an: 
halten, ſtreng ziehen, beftrafen. | 

Renk od. Renken, m., Renke, w., ſ. Reinank. 

renken, ziel. 3w. (von ringen, rank, ſ. d.; vergl. das zielloſe ranken und 
rangen), chem. oberd. f. dehnen, ziehen, zerren (z. B. einen bei dem Ohre); 
biegen, drehen, lenken (z. B. einen Wagenz vergl. Rank 1.); gew. nur in 
den zgeſ. aus», ein- verrenken; landſch. auch f. reden, ſtrecken (ich) —} 





502 Kennbahn — Kennthier 


Rennbahn, f. unter rennen. 

Kenne, w., M. -n, (auch Rönne geſor.; isländ. rema), niederd. f. 
Rinne, Ninnftein, Goſſe; Bergw. ein hölgernes Gerinne, durch welches 
das Erz ꝛc. hinabrollt; daher der Rennberg od. M. die Rennberge, was 
vom Erz abfällt, wenn es durc die Renne hinabgerollt wird. 

Renneiſen, f. (wahrſch. verderbt aus Reineifen), Bergw. 1) eine Kraße 
mit langem Stiel zum Reinigen des Ofens; 2) eine Art gereinigten Eifens. 

renneln, ziel. Zw. (landſch. auch: renden, remmeln, rellen 2c.), oberd. 
Hafer, Gerfte, Erbfen ꝛc. —, auf der Mühle zerbrechen od. enthülſen; 
die Rennel (althochd. rennila) alt f. Mühlbeutel zur Abfonderung der Hülfen 
und Kleien vom Mehle; der Rennel od. Rendel, oberd. f. die Grüse. 

rennen, Zw. (altd. rennjan, rennan, Impf. ranta, rante, das Factitivum von 
rinnan, rinnen, |. d.; daher urſpr. rinnen od. gerinnen machen, laufen machen, 
„antreiben; dann ſchon im Altd. auch ziellos f. fehnell reiten, laufen; vergl. 
das isländ. rennja, incitare und das angel. rennan, currere, und denfelben 
Übergang der Bed. in: fprengen), unregelm. Impf. rannte, Gonj. tennete, 
Mw. geranntz; (oberd. auch: rennte, gerennt); 1) alt u. noch oberd. ziel. f. 
rinnen machen, flößen (Hold); fliefen machen, ſchmelzen (Hüttenw. das 
Eifen wird gerennet, d. i. gefchmelzt; oberd. den Boden mit Pech überrennen, 
Fäſſer verrennen 2c.); wäffern, mit Waſſer vermifchen (den Wein—); ges 
rinnen machen (die Milch; daher oberd. die Renn, der Renner, die Rennfe, 
das Renfel f. Lab); laufen machen, antreiben, tummeln (ein Pferd); 
2) jest a) ziellos mit fein und haben (wie laufen, ſ. d.): fich mittelft der 
Fuße fehr ſchnell fortbewegen, mit großer Eile laufen, -von Menfchen und 
/ Thieren (nach einem 3iele—, um die Wette rennen ꝛc.; mit dem Kopfe wider. 
die Wand rennen, uneig. troß eines unüberwindlichen Hinderniffes etwas durch- 
fegen wollen); landſch. gem. (z. B. in Berlin) überh. f. laufen (ſ. d.); chem. 
auch f. fehr fehnell reiten od. fahren, -bef. in die Wette (daher: Wettrennen, _ 
Pferderennen); uneig. f. unbefonnen forteilen, durdy unbefonnenes Thun 
fich etwas zuziehen (in fein Verderben, ins Unglüd—); b) ziel. f. vennend 
od. mit heftiger Bewegung etwas bewirken: einen zu Boden—, d. i. rennend 
niederwerfen; einem den Degen durch den Leib —, heftig flogen; — Zſetz. die 
Rennbahn, geebneter Plas zu Wettrernen; Berg. der Plag in dem Treibgöpel, 
auf welchem die Pferde im Kreife herumgehen; das Nennfeuer, der Nenn: 
herd, Hättenw. f. Schmelzfeuer, Schmelzherd (vergl. 0.); das Rennjagen o». 
die Nennjagd, Hesiagd; der Nennkäfer, Laufkäfer; die Nennfau, landſch. 
eine Yäufifche Sau; das Rennſchiff, Jachtſchiff; be. eine eigene Art lang ge> 
bauter Zachtichiffe, welche zugleich Segel und Ruder führen; der Rennfchlitten, 
ein leichter Schlitten zu Luftfahrten; das Nennfpiel, Spiel, welches im Rennen 
nach einem Ziel um die Wette zc. befteht; die Nennfpindel, Schloff. ein Boh- 
ver, welcher mittelft eines Riemens ſchnell umgedreht wird; der Rennſtein, 
landſch. f. Rinnftein, f. d.; der Nennwagen, ein Wagen zu Rennfpielen; — 
Ableit. der Nenner, -$, wer renntz beſ. ein fchnelles, zu Wettrennen ges 
brauchtes Pferd, Nennpferd; Bergw. f. Schmelzer, der das Eifen ſchmelzt; 
oberd. auch f. v. w. die Nennfe, das Rennfel od. Renfel, ſ. o. vennen 1). 

Rennthier, f., auch wohl abgek. das Nenn (altnord. hrein, hrein-dyr, 
angelf. hran; lappländ. raingo; engl. raindeer; nicht von rennen), ein zum 
Hirfchgefhlechte gehörendes Thier mit vieläftigem Geweih, im äußerften 





Rente — teren ei 503° 


Norden von Europa lebend und. bort das nüßlichfte Hausthier; das Weibchen 
heißt: die Nennthierfuh; das Zunge: Nennthierfalb; die Rennthier— 
breme od. -bremſe, eine Art Vichbremfen, welche den Rennthieren läſtig ift; 
die Nennthierflechte od. das Rennthiermoos, eine ftrauchartige Flechte, die 
Hauptnahrung der Rennthiere im Winter; das Nennthierfleifch; die Nenn 
thiermilch 20.5; die Rennthierheerde; das Nennthierleder; die Nenn: 
thierzucht ıc. 

Rente 1. w., M. -n (zunächſt v. dem franz. rente, fpan. renta, ital. 
rendita; v. d. ital. vendere, franz. rendre, u. dieſe v. lat. reddere, wieder⸗ 
geben, einbringen; daher ſchon isländ. renta, angelf. u. engl. rent; vergl. das 
althochd. rentön, Rechenschaft geben), ein beftimmtes jährliches Einkom— 
men, bef. von Grundftücden u. angelegten Geldern, Gülte; bef: in der Mehrh. 
Renten, Einkünfte, Zinfen, Gefälle (von feinen Renten leben; eine Geld» 


fumme auf Renten legen; vergl. auch Ceibrenten); Yandfch. auch die Anftalt 


zur Einnahme landesherrlihher Einkünfte: Nent od. Rente; — Zſetz. 
das Nentamt, das Amt eines Einnehmers u. Berechners der (landesherr- 


lichen) Einkünfte; auch der Bezirk eines ſolchen Beamten; u. die Behörde, 


welche die Iandesherrlichen Einkünfte verwaltet, auch die Rentkammer; der 
Rentbeamte, ein Beamter bei einer folchen Behörde; „der Nentmeifter, Vor- 
geſetzte eines Nentamtes od. einer Rentkammer; die Nentrehnung, Berech— 
nung der Renten; der Nentfchreiber, Schreiber bei einem Rentamtez der 
Mentverwalter, Verwalter der Einkünfte eines Andern; — Ableit. rent— 
bar, Bw. was Nenten trägt; die Nentei od. Nentenei, auch Nenterei 
od. Nentnerei, M. -en, f. v. w. das Nentamt od. die Nentfammer; 
venten, gew. mit fremder Endung renfiren, ziel. Zw., an Nenten einbrins 
gen, eintragen, abmwerfen; oberd. ziellof. venten und fünden, d. i. ſchal⸗ 
ten und walten mit Grundftücen od. Gütern; der Rentner, auch Renteni— 
rer, -$ A. Rentier), wer von feinen Einkünften od. Zinfen lebt. 

Rente 2. w. (vergl. das angelf. rendan, engl. rend, zerreißen; engl. 
vent, Riſs, Bruch), niederd. f. Zerbrechung, Zerſtörung (eenee machen, 
d. i. etwas zerbrechen, aus Unvorſichtigkeit vernichten). 

Renzel, f., ſ. Ränzel; — reolen, Zw. f. riolen. 

tepen, Zw. niederd. 1. f. reepenz 2. (auch repeln, reppen, holl. repen) 
f. raufen, rupfen, riffeln (den Flachs); 3. (oberd. reppen, reppeln) f. 
veiben, ſcheuern; befpringen, fich begatten; — die Repe (v. repen 2), 
nieberd. 1) f. Eukter- -Raufe; 2) f. Flachs-Riffel (auch Reppe, Repel, 
holl. repe). 

reppen, Zw., 1. (vom niederd. rap, ſchnell, hurtig; vergl. d. Tat. rapere, 
rapidus) niederd. ziellos f. ſich ſchnell bewegen, regen, rühren; -ziel. f- 
raffen; 2. landſch. f. raufen (ſ. repen 2.) u. f. reiben ꝛc. (ſ. repen 3.); — 
das Repphuhn, ſ. Rebhuhn. 

Repps od. Reps, m., ſ. Räpps unter Rapp 

teren, oberd. Zw. 1. ziellos f. v. w. das niederd. raren, |. d.z daher ber 
Rerer, f. Schreier, weinerlicher Menfch. — 2. ziel., r. reeren (urſpr. wohl 
teiren,.v. dem alten risen, fallen; vergl. reifen, u. das landſch. rieren, ſchwäb. 
reiven f. abfallen, vom Dbft u. dgl.) fallen od. rinnen laffen, bei. flüffige 
od, körnige Körper (ein Ichadhaftes Gefäß rert; eine fandige Bergwand rert; 


u - RE ne A re Mg A Ge 7 ep Me den. li en — — 


| 


/ 


504 reſch — retten 


ehem. auch Blut, Schweiß, Thränen ꝛc. reren); daher das Rerach, oberd. 
f. was herab⸗ od. herausfällt od. rinnt. 

reſch, Bw. ſ. röſch. 

Resken, m., -8, landſch. f. Holunder. 

respen, räspen od. reispen, ziel. Zw. (altd. hrespan) oberd. u. ſchweiz. 
ſ. v. w. rappſen, raspen, d. i. raffen, eilig ſammeln; daher das Reſp 
od. Reſpchen, landſch. ein kleiner Korb; die Respen, o. E. ſchweiz. f. 
das Reiſich; der Reispel, bair. ein Reiſerbüſchel zum — von 
Flüſſigkeiten. 

reß, Bw. ſ. räß. 

reſſen, Zw. (verw. m. risen, reifen (ſ. d.) f. fallen), 1) ziellos, niederd. ab⸗ 
fallen; 2) ziel. Bergw. f. hauen, graben (ein Feld verreſſen, d. i. ver: 
hauen, verfahren); die Reſs, nicderd. der Abfall vom Korn, das Spreu⸗ 
korn; oberd. der Fall, Abhang (eines Fluſſes, Daches 2c.); auch ein Ab— 
leitungsgraben; der Neffen, -8, Bergw. ein Floß- od. Waſſergraben, 
worin gefeifet wird; der Reſsbaum, oberd. ein als Unterlage dienender ſtar— 
ker Balken, Träger; der Nefsort, Bergw. die Weite des Feldes, fo weit 
fih ein Reffen erſtreckt. 

Reſt, m., -es, M. -e (nicht gut -er), Verkl. das Neftchen, (vom 
franz. reste, ital. resto, v. d. lat. restare, zurückbleiben), überh. das Übrige, 
Überbleibfel, der Rückſtand: insbef. ein übrig gebliebenes Stück von einer 
Sache (Zeug-, Tuchrefte u. dgl.; die Refte vom Effen); die von einer zu be— 
zahlenden Summe noch rückſtä dige Schuld (einen Reft bezahlen; in Reft 
bleiben 2c.);- Recent. das Ergebnifs der Abziehung (Subtraction); uneig. 
einem den Reſt geben, f. ihn völlig umbringen, od. zu Grunde richten; veften 
od. gew. reftiren, ziellof. Zw. noch rückſtändig fein (es reſtet noch eine an— 
ſehnliche Summe); nod) fihuldig od. im Rückſtande fein (er: reftet noch mit 
10 Zhalern 2c.)- 

Reſt, w. (altd. resti, resta, reste), vlt. f. Naft, Ruhe. 

Reſter od. Neefter, auch Neifter, m., —s, M. w. E., niederd. ein abges 
tiffenes Stud, bef. ein Streifen Leder zum Ausbeffern von Schuhen ze. 

Kette, m., -n, (m. A. weibl), M. -n (wahrſch. — Rüde, niederd. Röde; 
holl. rode, reude) landfch. f. ein männlicher Hund, entg. Pese. 

Rettel, m., -$, M. w. E., ein Fiſch, eine Art des Schwales. 

retten, ziel. u. rückz. Zw. (altd. retjan, rettan, urſpr. ratjan, daher Impf. 
ratte neben retita; angelf. hreddan, ſchwed. rädda, niederd. vedden, engl. rid: 
die vermuthete Verwandtfchaft mit reißen, entveißen ift nur fcheinbar), einen 
od. ſich — , aus einer Gefahr befreien u. dagegen fichern, in Sicherheit 
bringen (einen aus dem Wafler, vom Tode —; der Kranke ift nicht zu vet 
ten; fi durch die Flucht, an einen fihern Ort, fi vor Jemand —); 
etwas—, erhalten, fohüsen, ficher ftellen (einem das Leben—; feine ' 
- Ehre, feinen guten Namen ce. —); oberd. auch: etwas abwehren, dagegen 
Hülfe verfchaffen (4. B. den Brand, das Feuer eꝛc. —); der Retter, -$, die 
Netterinn, M. -en, wer einen Andern rettet, dev Befreier, Helfer, 
Befhirmer; Iäg. Retter, ein Windfpiel, welches dazu abgerichtet ift, die 
andern Hunde von einem gefangenen Wild abzutreiben, damit fie es nicht zers 
reißen, auch Schirmer genannt: die Nettung, Befreiung aus einer Ge 
fahr und Sicherſtellung (des Lebens, des Vermögens, der Ehre ꝛc.); daher: 





legen 2c.). 


Kettig — Reufe 305 


das Nettungsboot, ein Boot zur Rettung Verunglüdter; rettungslos, 
(Schiff. auch rettlos), Bw. u. Nw., nicht zu retten, ohne Rettung; bie 
Nettungslofigkeit: das Nettungsmittel; der Rettungsverfuch ıc. 

Rettig, x. Nettich, m., -e3, M. -e (altd. ratih, retich, angelf. racdic, 
engl. radish, niederd. Reedik; vom lat. radix, Wurzel), bie dicke, efsbare 
Wurzel verfchiebener Pflanzen, und diefe Pflanzen felbft (vergl. Meer: 
rettig); bei. ein Schotengewächs mit rundlicher, Außerlich fchwarzer 
Wurzel von fharfem Geſchmack; landſch. auch f. Radies (f. d.); uneig. 
eine Art Blafenfchneden, das Knollhorn; die Nettigbirn, eine Birnenart; 
die Rettigrübe, landſch. f. der gemeine Rettig; der Nettigfalat, Salat von 
Rettigen; die Rettigſchote, uneig. eine Art Schifffutteln. 

veuen, ziel. Zw. (altd. hriwan, riuwen, ablaut. Impf. hroi, rouz Mw. 
gihruwan, geruwenz; daneben aber auch bloß umend. hriwen u. hriwon; urfpr. 
überh. betrübt machen, kränken; niederd. rouen u. rijen, holl. rouwen, engl. 
rue), ehem. überh. f. betrüben, befümmern, ſchmerzen, dauern (z. 8. 
ihr reuet mich, f. ihe dauert mich); jest in engerem Gimme: die Sache KA 
mic), od. e8 reut mich, dafs ꝛc. —, d. i. das Gethane oder Gefchehene 
erregt mir Betrübniſs, Schmerz ıc. als ein begangenes Unrecht, das ic) 
ungefchehen zu machen wünfchte (immer mit dem Gegenftand des Schmerzes 
im Nom. u. der Perfon im Acc., z. B. feine Sünden reuen ihn; ‚die That 
reute uns; es reut fie, dafs fie ihn beleidigt hatz laſs dich. das nicht reuen; 
ehem. auch unp. mit dem Gen. der Sache: es reuet mich der That); — die 
Neue, 0. M. (altd. hriwa, riuwe, auch männl. der ruw; niederd. Rouwe, 
Rije), chem. überh. Schmerz, Betrübniſs, Kummer (daher noch landſch. 
Reukleider f. Trauerkleider); jest in engerer Bed. die Betrübniſs über 
etwas Gethanes, Gefagtes ıc., was man ungefchehen zu machen wünfchte, 
insbef. Über ein begamgenes Unrecht; — Zſetz. der Reukauf, das Geld, 
welches nad) einem gefchloffenen Handel derjenige Theil, welcher denfelben rück— 
gängig machen will, dem andern zur Entichädigung zu geben verbunden ift, 
auch das Reugeld, u. bei Landgütern der Reuhandlohn; reuelo$ od. reu— 
108, Bw., ohne Reue, Eeine Reue empfindend; der Reumuth, alt u. oberd. 
der Zuftand eines Gemüthes, welches Keue empfindet; reumüthig, Bw., 
Reumuth heaend und darkegend; die Reumüthigkeit, das Reumütbigfein; 
reuevoll od. veuvoll, Bw., mit Reue erfüllt, in hohem Grade Reue fühlend 
u. äußernd; — Ableit. von reuen: der Neuer, die Reuerinn, vlt. eine 
Derfon, welche etwas bereut; oberd. nody Benennung von Mönchs- und 
Nonnen-Orden, insbe). Reuerinnen od. Büßerinnen, die Glieder des Mag: 
dalenen⸗Ordens; — v. Reue: reuig, Bw., Neue empfindend u. darlegend 
(ein reuiger Sünder). ) 

Reuſch, m., -e8, 0. M. (vergl. Rauſch 1. Raufchbeere), landſch. f. 
DPreißelbeere. 

Reuſe, w. M. -n (altd. rusa, riusa, riuse, vom goth. raus, Rohr; 
oberd. auch Reufche od. Reiſche, niederd. Rüſe; ſchwed. ryssja; holl. ruysche, 
welches auch einen Bienenkorb bedeutet, wie das franz. ruche, deffen Neben- 
form ruse die uneigentliche Bed. Hinterlift angenommen hat), uripr, ein 
Rohrgeflecht; dann ein von Ruthen geflochtener Korb, bef. zum Fiſch— 
und Krebsfange, auch Stromkorb genannt (Fiſch-, Krebsreuſe; Reuſen 


J 


— 





| 
| 


— 
— — 


506 EN veufen — Rhein 


reuſen, ziellof. Zw. (altd. hriwisön, riuwesen, riusen, abgel. v. hriwan, “ 


reuen, ſ. d.), oberd. f. trauern, Elagen. 

Reuſter, w., landſch. f. Rüſter, ſ. d. 

reuten, ziel. Zw. (altd. riutjan, riuten; ſchweiz. rüten; isländ. rydia; 
Nebenform: rotten, f. d., niederd. roden, raden, angelſ. wrotan, engl. root; 
oberd. auch rieden, woraus ſich auf ein ablaut. Stammverb. riudan, röd ze. 
ſchließen läͤſſt, vergl. das isländ. hriöda), aus Ker Erde reißen, völlig aus— 
graben (Baumwurzeln u. dgl.); durch Ausreißen der Baumwurzeln, Ge— 
ſträuche ꝛc. reinigen, umbrechen, urbar machen (ein Stück Land, eine Ge 
gend); das Reut, -e3, M. -e (altd. rint, rüt), oberd. auch die Reut (altd. 
riuti, riute; ſchweiz. Rüti, Rütli), gereutetes, urbar gemachtes Land, auch 
Gereut, Neutfeld, Neutland, Neubruch; die Neute, 1) das Reuten; 
2) ein Werkzeug zum Reuten, NReuthade od. baue; 3) ein Stab, mit 
weldhem beim Pflügen die Erde von der Pflugfhar abgeftoßen wird (auch) 
Reutel, Reuter, niederd. Rüde); die Neutgabel, in Seifenwerken eine 
eiferne Gabel zur Abfonderung des Groben; das Reutkorn, auf Reutland ge— 
fäetes od. gewachſenes Konz der Reutzehnte, der von einem urbar gemach— 
ten Lande gegebene Zehnte, Rodegehne; — der Neufer 1., die Reuterinn, 
wer reutet od. rodet. 

Reuter 2., m., ſ. Reiter unter reiten; — Reuter 3., reutern, 3w., 
f. Räder u. beiten. 

reuvoll, f. unter veuen. 

Nhede, ſ. Rehde. 

Rhein, m., -«8, o. M. (altd. Rin, urſpr. wahrſch. Hrin, welche Form 
jedoch nicht vorkommt; lat. Rhenus, daher das undeutſche rh in dem deutſchen 
Namen; wahrſch. v. dem alten hrinan (vergl. Rain, rein), jedoch ſchwerlich in 
der Bed. berühren, jo das es der Grenzitrom wäre; fondern: raufchen, hallen, 
0d. heil ſein; alfo: der raufchende, od. der Elare Strom; daher heißen auch 
andere Flüffe u. in Graubünden jeder Kleine Bach Rhein od. Rhenz |. auch 
u. Rheinichwalbe, Rheinweide), EN. eines großen deutfchen Fluffes, auch 
der Rheinftrom, Nheinflufs; — 3Tes. die Rheinbrücke, eine Brüde über 
den Rhein; der Rheinbund, ehem. Bund deutfcher Fürften unter franzöfifcher 
Leitung, nad) Zertrümmerung der deutfchen Reichsverfaffung; der Aheinfall, 
1) ein Wafferfall im Rheinftrome, bei. der bei Laufen unterhalb Schafhaufen; 
2) ein im Rheinthale in Graubünden wachſender edler Wein (Fall ift hier 
wahrſch. aus d. lat. vallis, ital. valle, Thal, verderbt; ein anderer gleicynam. 
ein Eommt von Rivoglio in Iſtrien, u. der Namen ift hier aus vinum rifo- 
lium entft.); der Aheinfifch, z. 8. Rheinlachs 2c.; der Nheingau, f. Gau; 
die Aheingegend; das Nheingold, Goldförner, welche der Rhein mit fich 


führt; der Nheingraf, ein Reichsgraf am Rheine; in engerer Bed. Wild» 


und Rheingrafen, eine reihsgräfl. Familie, deren Stammhaus Rheingra= 
. fenftein iftz der Nheinkiesling, im Elfafs eine Art geringer Äpfel; das Rhein— 
land, ein am Rheine liegendes Land; daher der Nheinländer, die Rhein— 
länderinn, Bewohner eines Rheinlandes; rheinländifh, Bw., zu einem 
Rheinlande gehörig, dort einheimifch; rheinländifches Maf, eines der üb- 
lichften Längenmaße, welches zwölftheilig ift (ein rheinländifcher Fuß hat 12 
Zoll 20.); die Rheinreiſe; das Rheinſchiff; die Rheinſchifffahrt; die 
Rheinfchwalbe, eine Art Schwalben , die fih an Bächen u. Flüffen aufpält, 





Rheinank — richten 07 


ufer⸗, Waſſerſchwalbe (vielleicht richtiger Rainfhwalbe?); am Rhein f. 
Mewe; das Nheinthal; das Rheinufer; der Rheinvogel, eine Art des 
- Purpurvogels, welche am Rhein lebt; die Nheinweide, landſch. f. Schwarz 
pappel (weil fie gern an Bächen wächl't; verfch. Rainweide); der Nheinw ein, 
am Rhein wachfender Wein; — Ableit. vheinifh, Bw., am Nheim lie 
gend (rheinifche Länder 2c.); dort einheimifch, daher kommend (Wein, Stir- 
ſchen 2c.; ein rheiniſcher Gulden od. ein Gulden rheinifch). 

Rheinank od. Rheinanke, landſch. auch Nheinlanke, w. (wohl nicht: von 
Rhein?), f. Reinank. 

Ribbe, w., niederd. f. Nippe, ſ. d.; der Nibbert, -8, M. -„ laridſch. 
eine Apfel-Art (wahrſch. |. v. w. Rippenapfel, f.d.). | 

ribben, ziel. 3w., niederd. f. reiben, ſchaben (Flachs); cibeln, oberd. f. 
wiederholt reibenz auch f. wafchen, reinigen. 

— rich, eine Nachfilbe männlicher Hauptwörtec, erft in der neueren 
Sprache aus der Verbindung von —er und ich (od INH) entftanden, bezeich— 
net männliche Perfonen od. Thiere, z. B. Wötherich, Fähnrich, Gänſerich, 
Enterich, Täuberich; feltnee Sachen, wie Wegerich, Weiderich, Eſtrich; — 
in Eigennamen, wie Dietrich, Friedrich, Heinrich, ift diefe Endung aus 
‚reich (altd. rich) entftanden. 

Nicht, f., alt u. niederd. f. Gericht 1., Speife, Schüffel; oberd. auch) 
die Richt od. Richte; das Nicht nirserd. auch f. Gericht 2., Gerichts: 
barkeit ıc. 

richt, Bw., oberd. f. recht, d. i. gerade, in gerader Linie; die Nichte, 
0. M. (altd. rihti, rihte, auch f. Regel, Ordnung ꝛc.; von recht gebildef), 
die Geradheit, gerade Linie, der gerade Meg (etwas in die Richte bringen; 
in die Richte gehen); oberd. auch f. Neihe (eine Richte Häufer). 

richten, ziel. Zw. (goth. garaihtjan, altd. rihtjan, garihtjan, rihtan, rihten; 
vergl. recht), 1) die Ausdehnung, Lage oder Bewegung eines Körpers, 
einer Thätigkeit od. Kraft in gerader Linie oder nach einem gewiffen 
Punkte hin beftimmen (etwas Krummes gerade —; fi) in die Höhe—; 
feinen Lauf nach) einem Orte—, finnv. lenken; die Augen auf etwas —; bie 
Kanonen, die Sprisen ꝛc. —, d. i. ihnen die rechte Stellung geben, um ihr 
- Biel zu treffen; den Zeiger der Uhr —, ftellenz „reitet eu!“ d. i. ftellt 
euch gerade und in eine Linie, ein Befehlswort bei den Soldaten); auch: der 
geiftigen Thätigkeit u. deren Erzeugniffen ein Ziel geben (feine Gedanken, 
feine Aufmerkfamteit auf eine Sache —; fein Gebet zu Gott —; feine Worte, 
ein Schreiben an Semand—); ferner von der Handlungsweile od. dem fittli- 
en Verhalten, als rüdz. 3w. fih nach etwas od. Jemand —, di. 
e3 od. ihn zum Beftimmungsgrunde des eigenen Verhaltens machen (ic 
werde mich danach richten; ficd) nach Jemands Vorfchrift, nach den Umſtän— 
den —; richte dich nicht nad) mir, d. i. folge nicht meinem Beifpiele, od. kehre 
dich nicht an mich); 2) in weiterer Bed. gerade machen, gehörig ftellen od. 
legen, in Ordnung bringen, ordnen, zurecht machen, bereiten (4. B. Faſsb. 
windfchiefes Hola —, mittelft des Preffens gerade machen; Tiſchl. ein Brett —, 
mit dem Hobel gerade machen; Gerb. die Felle —, der Länge nad) über das 
Stolleiſen freien, u. dgl. m.; die Jäger richten die Netze; die Segel nad) 
dem Winde —; die Uhr —; ein Haus richten, d. i. das zugehauene Zim— 
merholg zum Dache auf einander fegen u. befeftigen, womit eine Feierlichkeit 





508 richten 


verbrinden iftz oberd. ben Tiſch —, f. decken u. bereiten): ehem. überh. f. fertig 
machen, zu Ende bringen (insbef. f. ſchlichten, beilegen, ausgleichen, berich— 
tigen, zahlen), noc jest in einzelnen Anwendungen f. bewirken, bewerkſtel— 
‚ Jigen, hervorbringen (etwas ins Werk richten: einen zu Grunde ridten; 
u. bef. die Zſetz. ab-, an-, aus-, ein-, ver-, zurichten 2c.); 3) einen, od. ziellos 
übereinen—, ein entfcheidendes Urtheil über ihn fällen, aburtheilen, 
(Gott wird die Menfchen nach ihrem Tode richten), bei. Andere nachtheilig 
beurtheilen (bibl. vichtet nicht, auf dafs ihr nicht gerichtet werdet); in engerer 
Bed. in einer Streitfache ein Urtheil fallen, Necht fprechen (einen Streit —, 
gew. in einem Streite od. über einen Streit, zwifchen ftreitenden Parteien —); 
einen —, 1. hintichten, das Todesurtheil an ihm vollziehen (der Ber: 
brecher wurde mit dem Schwerte, mit dem Beile 2c. gerichtet); — Zſetz. die 
Richtbank, alt f. Serichtsbant, Gericht; niederd. f. Anrichttiſch, Anrichte; 
der Richtbaum, Zimmerl. ein aufgerichteter Baum, an welchem ein Kloben 
zum Xufwinden des Barholzes befeftigt iftz das Nichtbeil, Beil zum Hin 
richten eines Verbrechers; dog Nichtbiei, ſ. v. w. Bleitoth, |. d.; die Richt— 
bühne, f. v. w. Blutbühne, Blutgerüſt (fr. Schafot); das Richteiſen, bei 
verſch. Handw. ein Eifen, etwas damit zu richten, d. i. gerade zu biegen, zu 
ebenen 2c.; das Nichtefjen od. Nichtmahl, die Mahlzeit der Zimmerleute 
beim Richten eines Gebäudes, niederd. auch Richtbier, Richtelbier; der 
Kichthammer, ein Schmicdeyammer, womit dem Metall die rechte Ausdeh— 
nung od. gerade Richtung gegeben wird, das Nichthaus, chem. f. Gerichte: 
haus; das Nichtholz, Nadt. ein Brett mit Furzen Stiften, zwifchen denen 
der Drath gerade gerichtet wird; der Richtkeil, Krfpr. der Keil, welchen man 
beim Richten der Kanonen unterlegt; das Nichtkorn, an Schießgewehren, 1. 
Konz das Richtmaß, 1) ein Maß, welches als Mufter für alle anderen 
dient, f. v. w. Eichmaß, Eiche: To auch: die Nichtelle, -kanne; der Nicht: 
ſcheffel 20.5; 2) ein Eleines Winkelmaß der Schriftgieger; der Nichtpfennig, 
Münzw. der 65536fte Theil einer Mark, wonach das Gewicht der Münzen 
eingerichtet u. beftimmt wird; der Richtplatz, Plas zur Hinrichtung Verur- 
theilter; chem. auch f. Gerichtöplag; der Richtſchacht, Berew. 1) ein fen 
rechter Schacht; 2) ein Grenzſchacht; die Nichticheibe, Schloff. die Ein- 
ſchnitte in dem Schlüffelblatte zu deutfchen Schlöffern; das Richticheit, ein 
langes, dünnes Holz, das Verhalten eines Körpers zu der geraden Linie zu 
unterfuchen, od. auch gerade Linien danach zu ziehen (fr. Lineal); die Richt: 
fhnur, Handw. eine Schnur, die gerade od. fchiefe Befchaffenheit eines Kör— 
pers zu erforfchen, od. auch mittelft derfelben eine gerade Linie zu machen, nad) 
welcher man ſich bei Bearbeitung des Körpers richtet: daher uneig. f. Vor— 
Schrift 0d. Beftimmungsgrund des Verhaltens (fr. Norm): das Nichtfchwert, 
Schwert des Scharfrichters; die Nichtfpindel od. -ſpille, ein Bohrer der 
Drathzieher, womit die Löcher in das Zicheifen gebohrt werden; die Nicht- 
fange, eine Stange, etwas damit zu richten, 3. B. zum Stellen des Mühl: 
fteins in Windmühlen; die Nichtftatt od. -ſtätte, f. v. w. Nichtplag; der 
Nichtfteig, ein in die Richte aehender Fuffteig, d. i. der gerader ift, als der 

Fahrweg; Rſpr. eine unter Karl IV. abgefaffte Gerichtsordnung: der Richtſtock, 
Zimmerl. ein in Fuße u. Zolle getheilter Maßſtock; auch ein eifernes Werkzeug 
der Büchfenmacher zum Geradebiegen eines Rohres; der Richtſtuhl, Stuhl, 
auf welchem ein Berurtheilter hingerichtet wird; aud) f. Richterftuhl, f. u.; der 








* 


richtig 509 


Richttag, niederd. f. Gerichtstag; die Richtwage, eine Wage, wonach man 


etwas wagerecht macht; der Richtweg, ein in die Richte gehender, kürzerer 
Weg; die Richtzange, in Meſſingwerken eine große Zange, womit die Tiegel 
in den Brennofen geftellt werden; — Ableit. der Richter, -3, M. w. E. 
(altd. rihtari, rihtaere), überh. wer etwas richtet (zZ. B. der Richter der 
Kanonen, einer Uhr u. dgl.); gew. in engerer Bed. wer entfcheidende Urtheile 
fallt, Perfonen od. Sachen beurtheilt (ſich zum Richter über Andere auf: 
werfen; fein Sie Richter zwifchen ung; Gott ift der Richter der Weltz vergl. 
die Zſetz. Bücher-, Kunſtrichter; Schiedsrichter, Splitterrichter ꝛc.); bef. wer 


als obrigkeitlicher Beamter in Streitfachen od. bei Vergehen nach den 


Gefegen Urtheile fallt od. entfcheidet, gew. ald Glied oder Vorfiger eines 
Gerichtes (ein gerechter, 0d. ungerechter Richter; ein Stadt-, Land-, Hop 
richter 2c.); ehem. auch f. Nach= od. Scharfrichter, f. d.5 3fes. das Nich- 
teramt; der Nichterblick od. die Nichtermiene; das Nichterfchwerf, ein 
Schwert als Zeichen der richterlihen Gewalt (verſch. Richtfehwert, |. 0.); der 
Richterſpruch, Ausſpruch eines Richters; der Nichterftuhl, der Stuhl, auf 
welchem der Richter bei Ausübung feines Amtes fist; uneig. f. die Gerichts- 
behörde felbft; Ableit. die Nichterinn, M. -en, eine richtende, bef. ur= 
theilende, entfcheidende weibl. Perfonz auch die Gattinn eines Nichtersz 
vichterifch, Bw, Neuw. f. einem Nichter angemeffen, nad) Art eines 
Nichters (fein richteriiches Wefen 2c.); richterlich, Bw., einem Richter ge: 
hörend, zufommend, in feiner Würde gegründet, von ihm ausgehend 
(die vichterliche Gewalt; ein richterliches Erkenntniſs); — richtern, ziellof. u. 
ziel. 3w., landſch. gem. f. unbefugt urteilen, tadelnd abſprechen, kritteln; 
im Würfelſpiel f. ſtechen; die Nichteret, gem. verächtl. das Gefchäft des 
Richtens; das unbefugte, tadelfitchtige Urtheilen; die Nichtung (alto. 
rihtunga f. Leitung, Anordnung, Entſcheidung), 1) o. M. die Handlung des 
Richtens, das Richten, jedoch nur in den Bed. 1) u. 2) (5. B. der Kanonenz 
der Segel; der Aufmerkfamkeit auf einen Gegenftand); 2) M. -en, die Linie 
der Ausdehnung od. Bewegung eines Körpers od. einer Thätigkeit (einem 
Körper eine Nichtung geben; eine andere Richtung nehmen; in gerader Rich— 
fung; in verfchiedenen Richtungen aus einander gehen 2c.). 

richtig, Bw. (altd. rihtig, rihtec; nicht von richten, fondern unmittelbar 
von Recht, Richte, alfo eig. das Rechte od. die Nichte habend; daher altd. 
rihtig werden f. gelenkt od. geleitet werden), chem. f. gerade (bibl. was krumm 
ift, foll richtig werden); jest: dem Rechte, der Regel od. WVorfchrift, der 
Ordnung gemäß, woran nichts fehlt od. mangelt, finnv. regelmäßig, voll 
ſtändig, gehörig, ordentlich (richtiges Maß u. Gewicht; richtig fprechen u. 
ſchreiben; richtig bezahlen; etwas richtig machen, d. i. vollftändig bezahlen; 
ein richtiger Verftand; die Uhr geht richtig; einen Auftrag richtig beforgen); 
auch f. in Drdnung gebracht, geordnet, wie es fein foll (die Sache ift 
richtig; es iſt hier nicht richtig, d. i. nicht ficher, es ſpukt 2c.; es ift in ſeinem 
Kopfe nicht richtig, d. i. er ift verrüdt); ferner dem Zwede od. der Abſicht 
angemeffen, finnv. vecht (der richtige Weg; richtige Mittel; ein richtiges 
Verfahren); der Sache felbft od. der Wahrheit gemäß, finnv. recht, wahr 
(richtig urtheilen, denken eine richtige Vorftellung von einer Sache haben; eine 


richtige Überfegung, Erklärung, Zeichnung 2c.; ;— richtig geht immer mehr auf 


"die. durch fubjective aa a erkannte Übereinftimmung mit einer Vorſchrift 





510 Richtkeil — riechen 8 


od. Kegel; recht u. wahr auf die objective Beſchaffenheit des Gegenſtandes 

‚an fish); als Nw. im gem. Leben f. wirklich, in der That, bef. um anzus 
deviten, dafs man ſich in einer Vorausfesung oder Vermuthung nicht geirrt 
(3. B. er hat es richtig vergeffen!); — Ableit. richtigen, ziel. 3w., richtig 
machen, nur gebr. in berichtigen; die Nichtigkeit, das Nichtigfein, die 
richtige Befchaffenheit, finnv. Vorſchrifts- od. Negelmäßigkeit, Vollftän- 
dirzkeit, Gehörigkeit, Ordnung (z. B. die Richtigkeit eines Mafes, Gewichtes, 
einer Geldfumme ꝛc.; die Nichtigkeit eines Verfahrens; etwas in Richtigkeit 
bringen, d. i. ordnen, ausgleichen, bef. bezahlen); Sachgemäßheit, Wirklich- 
keit, Wahrheit (z. B. die Richtigkeit einer Behauptung, eines Ausdrudes 20.5 + 
die: Sache hat ihre Richtigkeit, od. es hat damit feine Richtigkeit, d. i. es ver- 
halt ſich wirklich fo). 

Richtkeil ꝛc. — Richtzange; Richtung, T. unter richten. 

Rick 1., m.u ſ. Ses, M. -e, (mittelhochd. ric, G. rickes, m.; verw. 
m. reden, or eihe, |. d.), nieder- und oberd. Volksſpr. überh. etwas fich in die 
Länge Erſtreckendes, eine fortlaufende Reihe; daher fchweiz. ein Weg über 
Gebirge; ältere Zäg. f. Wildgaffe (Kandrick, auch Landrük geſchr.); bef. 
ein Geſtell vd. eine Latte mit Pflöcden, etwas daran zu hängen (vergl. Rad, 
Reck); ein Brett an der Wand, etwas darauf zu ftellen (gew. Kannrick, 
weil bei. Kannen, Zaffen u. dgl. darauf geftellt werden); niederd. eine lange 
hölzerne Stange (Bohnenrid, f. v. w. Bohnenftange), auch eine Ein— 
fri edigung von Stangen; die Rickbohnen, nieder». f. Stangenbohnen; ricken, 
niderd. Zw., ein Geländer von Stangen machen. 

Rick 2. m., Ses (altd. ric, ©. riges), oberd. f. Heftel, — fe, Ohr; 
eitn Bund Flachs, Garn ꝛc., eine Fitze. 

Ride, w., M.-n, 1. won Reh abgel.), Jäg. das weibliche Reh oder 
die Nehziege, wenn fie ſchon geworfen hat (. U. von Schmalthier, f. d.)5 
landſch. auch f. Ziege; — 2. (ſ. v. w. Kader, Rade) landich. f. Saatfrähe. 

rickracken, ziel. Zw., niederd. gem. f. etwas duch Hinz und -her- bes 
wegen wadelig und gebrechlidy machen. 

Rieb, m., -e3, M. -e, auch w., M. -e (v. reiben, f. d.), oberd. f. 
das Eeriebene; die Krümmung des Weges 2c., Wendung im Fahren; M. 
uneig. f. Ränke, Kniffe; der Riebel, -8, f. das Neibeifen; riebig, Bw., f. 
Wendungen machend, ſich windend. 

Riebs, Riebels, m., niederd. Niebfel, w. (au Ribish), Riebſelbeere, 
oberd. (tat. ribes), f €. Sohannisbeere; auch Stachelbeere. 

riech, Bw. (vergl. rauh), altd. und noch ſchwäb. f. ſtarr, rauh, troden 
im Halſe. 

riechen, Zw. (altd. his riohhan, riechen, : Smpf. rouh, rouch, Mw. 
girohhan, in der Regel nur f. — * dampfen, während ſtatt unſeres riechen 
gew. smeckan, oberd. fchmeden ſteht; niederd. rufen, rüken; angelj. recan, 
reocan; isländ. riuka; vergl. rauchen), ablaut. ich rieche, du riecht, er riecht 
(oberd. auch reuchft, reucht); Imper. rieche (oberd. reuch); Impf. roch, 
Conj. röche; Mw. gerochenz 1) ziellos m. haben, urſpr. u. noch oberd. f. 
Rauch od. Dampf von ſich geben, rauchen (z. B. der Ofen riecht, f. raucht); 
jest: auf die Geruchsnerven einwirkende Ausdünftungen aushauchen (gut, 
angenehm, fchlecht, übel riechen); in engerer Bed. f. faul, verdorben, übel 
riechen, finnv. fiinfen, entg. duften (der Leichnam riecht ſchon; viechendes 





Ried — Riege 511 


Fleiſch); 2) ziel. dergleichen Ausdünſtungen durch die Geruchsnerven der 


Naſe empfinden (etwas riechen; den Braten riechen, auch: Lunte riechen, 
uneig. f. etwas merken, entdecken; das kann ich nicht riechen, gem. f. ich kann 


es nicht von felbft wiffen, wenn es mir nicht gefagt wird; Eein Pulver riechen 


können, gem. f. zaghaft, feige fein); auch ohne Zielwort (z. 8. fein, fcharf 
riechen), und mit an (an eine Blume riechen, d. i. bie Nafe derfelben nähern, 


um den Geruch zu empfinden); — 3fes. das Niechbein, ein vorn in der 


’ 


Hirnſchale zwiſchen dem Keil- u. Stirnbeine liegendes Bein; die Riechbüchfe, 
eflafche, das Niechfläfchchen, eine Büchſe od. ein Fläfchchen mit einem wohl- 
viechenden Stoffe, um daran zu riechen (fr. Flacon); der Niechdorn, landſch. 
eine Art wohlriechender wilder Rofen, Weinroſe, gelbe Roſe; das Riechfalz, 
ein aus Salmiak und Kreide bereitetes flüchtiges Salz, um bei Ohnmadıten, 
Schwindel ze. daran zu riechen; das Riechwaſſer, ein ftark riechendes abge- 
zogenes Waffer; — Ableit. riechbar, Bw., durch die Geruchsnerven wahr- 
nehmbar; die Niechbarkfeitz das Riechel, -8, Tchlef. etwas, woran man 
riecht, ein Blumenſtrauß; der Niecher, —s, wer riecht, uneig. wer etwas 
wittert, merkt, od. zu merken fucht; gem. fcherzh. f. die Naſe; die Nie- 
cherei, gem. verächtl. f. das Niechen, bef. uneig. das Wittern, Merken, 
Auflauern (z. B. Keserricherei u. dgl.). 

Ried 1., n. X. Niet, Rieth, f., -e8, M. -e, (altd. briot, riet, &. riedes; 
angelf. hreod, engl. reed), 1) Schilf, Schilfrohr, Sumpfgras (paniſches 
Ried, d. i. fpan. Rohr); 2) etwaß aus Rohr Gemachtes, z. B. der Kamm 
oder das fogen. Blatt der Weber (auch RiedEamm); auch eine Rohrpfeife; 
3) eine mit Sumpfgras beiwachfene moorige Gegend; Landfch. auch eine 
unbebause, zur Viehtrift gebrauchte Gegend, Heide, Wieſe; — Z3ſet. 
der Riedbinder, wer das Ried od. Rohr abſchneidet u. bindet; die Riedbirn, 
eine ſchmutzig gelbe u. bräunlich gefleckte ftark glänzende Birnen-Artz; das Nied- 
dach, Rohrdach; das Nieddorf, ein in oder an einem Ried liegendes Dorf; 
das Riedgras, Sumpfgras;-insbef. eine Gattung dem Rohre ähnlicher Gräfer, 
von vielen Arten, z. B. das fpisige, ſchwarze, gelbrothe, eisgraue, ftinfende, 
kugelförmige, ſchwadenartige 2c. Niedgras; der Niedhahn, landſch. f. Auer— 
hahn; der Niedfamm, f. o. Ried; die NiedEolbe, Rohrkotbe; die Ried⸗ 
meife, Sumpf: od. Rohrmeife; die Riedſchnepfe, Heer⸗ od. Sumpfſchnepfe; 
der Riedſperling, Rohrſperling; — Ableit. der Riederer, -8, öſtr. f. ein 
Kraut, welches ſumpfigen Boden liebt. 

Ried 2. ſ., -e8, M. -er (von dem oberd. rieden f. reuten, ſ. d.5 altd. 
riut, riet; isländ. riodr), oberd. ausgereutetes Buſchwerk; von Holz ze. 
geveinigtes, angebautes Land; eine Anfiedelung od. Eleine Dorffchaft Auf 
einem folchen gereuteten Plage (daher in Eigennamen Kleiner Oxtfchaften, wie: 
Walkenried, Dattenried 2c.); öfter. die Ried, ein mit Weinftöcden — 
tes Feld. 

Riefe, w., M.-n (urſpr. niederd. Nebenform von Reif 2 f. d.), eine 
halbrunde vertiefte Rinne, z. B. an einer Säule; riefen u. verkl. riefeln, 
ziel. Zw., mit neben einander hinlaufenden Riefen verfehen (eine BR 
od. geriefelte Säule, Büchſe; ein gerieftes Blatt 2c.). 

Riege, w., M. -n, niederd. f. Neihe (f. d.), Zeile, Streif ıc.; Satte, 


Runzel; daher: riegen, niederd. Zw. f. reihen; falten, runzeln; die Rieg— 


wand, Waſſerb. eine Reihe an einander befeſtigter Pfoſten od. Pfähle, Schalholz. 





512 Riegel — Riemen 


Riegel 1. m., -8, M. w. E., Verkt. das Riegelchen, (alt. hregil, 
rigil, rigel; niederd. u. ſchwed. regel, engl. rail; wahrich. von der Wurzel 
rih od. rig, von welcher das althochd. garigan, zufammenfügen, u. das angelf. 
vrigan, bedecken, befleiden, ftammt; n. X. von rigan, regen, bewegen), 1) 
urfpr. u. eig. ein längliches bewegliches Querholz od. Eifen zwifchen zwei 
Kloben, welches zum Berfchließen einer Thür ꝛc. dient (die Riegel vor 
ſchieben; uneig. einem einen Riegel vorfchieben, d. i. ihn in etwas hemmen, 
davon zurüchalten); uneig. Schneid. die Verwahrung. od. ftärkere Benähung 
der Enden eines Schliges od. Knopfloches, um deffen Weiterreißen zu verhin— 
dern; 2) in weiterer Anwendung überh. ein langes, gew. vierkantiges Quer— 
holz, bef. zum Verbinden od. Befeftigen, 3. 8. — alle Querhölzer, 
wodurd zwei Ständer mit einander verbunden werden; Querhölzer eines 
Zaunes, Gitters ꝛc.; Falsb. die Stäbe, welche auswärts quer über den Boden 
. eines Bottichs befeftigt werden; niederd. auch eine an der Wand befeftigte Latte 
mit Pflöcen zum Aufhängen von Kleidern 2c. (j. v. w. Rid, Rechen); oberd. 
u. Forſtw. f. Hchebaum, Hebel; Seifen]. eine Stange Seife; Bauf. die drei 
Streifen im Säulenkopfe der dorifchen Ordnung: Riegelchen; — Zſetz. das 
Niegelband, Schiffb. ein Holz, welches zwei andere zu verbinden od. befeftigen 
dient; der Niegelbohrer, Zimmert. ein Bohrer, womit die Löcher zu den höl— 
zernen Nägeln in die Riegel gebohrt werden; das Niegelholz, Holz, woraus 
Riegel oder Latten gemacht werden; die Niegelmauer od. «wand, eine aus 
Ständern und Riegeln gezimmerte Wand; das Niegelfchlofs, ein mit Riegeln 
verfehenes Schlofs; der Niegelweg, oberd. ein der Näffe wegen mit Quer 
hölzern belegter Weg; das Riegelwerk, Zimmert. |. v. w. Fachwerk; — 
Ableit. riegeln, ziel. 3w., mit einem Niegel verfchließen, gew. nur ver- 
oder zuriegeln. 

Riegel 2. m., -8, M. w. E., (v. Rigel, wahrfch. von gleichem Stamme 
mit Riegel 1.), oberd. ein Kleines Bund von zufammengefchlungenem oder 
geflochtenem Stroh, Flachs u: dgl. G. B. Strohriegel, d. i. Strohwiſch 
zum Scheuern); ein unter eine auf dem Kopf zu tragende Laft gelegter Trag— 
ring (Hauptrieged; ferner eine Art weiblicher Kopfbedeckung, ein Schleier, 
audi: die Niegelhaube (lat. rica; vergl. das altd. hregilon, umwinden, 
ihmüden); — Riegel 3. m. (vergl. Rick, Riege, Reihe), oberd. f. eine 
Steinlage; ein Strich, eine Strede (Feld, Holz 20); — Riegel 4. m. 
(von regen?), Jäg. der Drt, wohin das Wild gern zu kommen pflegt, aud) 
Mechfel genannt. 

tiegeln, 3w., 1. |. Riegel 1.5 — 2. (von regen) oberd. (vigeln) f. in 
Brivegung fegen, ſchütteln, rütteln. 

'riegen, Niegwand, f. unter Riege. 

Riehmaus, mw. (wergl. Reitmaus, woraus es entſtanden zu fein ſcheint), 
Landich. f. die Maulwurfgrille; der Riehwurm, niederd. 1) ſ. v. w. Rieh— 
maus; 2) (vom niederd. rijen f. reihen, weil er die Getreideförner gleichſam 
an einander reiht) der Kornwurm; auch die röthliche Larve des Bienen— 
£äfers oder Smmenwolfs, aud) Rielwurm; und eine Art Nachtfalter: die 
Wachsmotte. 

Riemen 1., m., -8, M. w. E., oberd. abgek. Riem, -en, M. -enz. 
Verkl. dag Riemchen, (altd. riumo, rieme, G. des riemen; altjäch]. riomo, 
reomo; angelj. reoma, isländ. reim; niederd. Reem, jchwed. rem), 1) uripr. 











Kiemen — Ries 513 


überh. ein Band; jest insbef. ein langer, fehmaler Streifen Leder, etwas 
damit zu befeftigen (einen Hund am Riemen führen; eine Kutfche hängt in 
Riemen; einem Pferde Riemen legen, d. i. ihm einen Eleinen Riemen ftatt 
eines Haarſeils durch die Haut * ſprichw. aus andrer Leute Haut iſt gut 
Riemen ſchneiden, d. i. auf Andrer Koſten kann man ſich bequem Vortheil ver— 
ſchaffen; an Riemchen lernen die Hunde Leder kauen, d. i. an Kleinem gewöhnt 
man ſich zu Größerem); 2) in weiterer Anwendung etwas Bandähnliches, 
ein Streifen überh., z. B. landſch. f. Ranke an Gewächſen; Fleiſch. ſchmale 
Fleiſchſtreifen vom Rinde (z. B. der Vorderriemen, Wurzelriemen zc.); 
niederd. ein Riemen Lachs, d. i, ein halber geräucherter Lachs; in Meſſing—⸗ 
hütten: fchmale Meffingftreifen ꝛc.; landſch. auch 3) etwas Zuſammenge⸗ 
bundenes: ein Riemen Papier f. ein Ballen P. (engl. ream); u. etwas mit 
dem Riemen od. der Schnur Gemeſſenes: Riemenmaß, Riemen 
ruthe, -fhuh, -zoll ze. f. Geviertmaß 2.5 — 3ſetz. das Niemenbein 
od. der Niemenfuß, die dünn- u. langbeinige Meerelfter; die Riemenblume, 
eine der Miftel ähnliche Schmarogerpflanze (loranthus L.); der Niemfifch, 
ein Fiſch mit fpis zulaufendem Schwanze, Spitzſchwanz; das Niemenmoo$, 
eine Art Aftmoos; das Niemenpferd, die vor die Deichfelpferde gefpannten 
Pferde an brei=, vier= oder mehrfpännigen Wagen; der Riemenfchneider, 
f. v. w. Riemer, f. u.; das Miemenfeil, der lange Riemen, womit die Ries 
menpferde gelenkt werden; der Niemenftecher, ehem. betrügerifche Landftreis 
cher, die einen Riemen fo Einftlich zufammenzurollen wufften, dafs der Stich 
eines Andern den Riemen nicht traf; diefe Kunft heißt: das Niemenftechen; 
das Niemenwerf, zeug 2.5 der Niemenwurm, ein lanaer, dünner Ein« 
geweiderwurm; der Niemenzweig, Forſtw. junge, aufgefchoffene Fichten und 
Tannen; — Ableit. riemen 1. ziel. Zw., ungebr. f. mit Riemen verfehen, 
befeftigen; der Riemer, —s, (oberd. auch Riemerer, niederd. Reemker), 
ein Handwerker, welcher Riemen ſchneidet und andere Lederarbeiten, bef. 
Pferdegeſchirre, Zäume u. dal. verfertigt, auch Riemenſchneider; daher: 
die Niemerarbeit, das Niemerhandwerf, der Riemermeifter, -gefell ıc.; 
die Niemernadel, eine breite, auf beiden Seiten fcharfe Nähnadel der Le— 
derarbeiter. 
‚ Riemen 2., m., -3, M. w. E. (vergl. Remel, Remen u. das lat. remus), 
landfch. ein Querbalken od. Riegel zur Verbindung von Pfählen, bef. im 
Wafferbau (niederd. Rimm); aud) die Seitenbretter eines Schiffes (niederd. 
Remmen); Schiff. f. Ruder (mittel. rieme; daher: die Riemen ftreichen, 
d. i. den Lauf des Fahrzeuges hemmen); daher die Riemenklampe, f. Ruder 
Elampe am Schiffsbord (vgl. Klampe); riemen 2., ziellof. Zw. f. rudern; 
der Riemling, oberd. ein Brett von 2 Zoll Dicke und 15 Zoll Beite. 
rienen, Zw., alt u. oberd. f. weinen, bejammern. 

Riepel, m., -8, M. m. €. (mahefe. v. dem landſch. rieben, riebeln, 
tippen, reppen ꝛc. f. — ſich begatten) 1) Hüttenw. der gewöhnliche Satz 
vom Geſtübe; 2) landſch. f. Katerz uneig. gem. ein liederlicher, ſchmutziger, 
fich herumtreibender, auch ein grober, ungefchliffener Menſch (auh Rü— 
pel, vergl. d.; in diefem Sinne wahrfch. verderbt aus d. altd. ribalt, franz. 
ribaut, zgez. aus reinbalt, reginbalt, eig. ein fehr Kühner, daher der Vor— 
derfte im Treffen; dann ein Bube, Schurke). 

Ries, f. Rieß. 


Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 33 





J 


514 Rieſe — riefen 


Rieſe, m, -n, M. -n, (altd. risi u. riso, rise; isländ. risi; altſächf. 
wriso, vergl. den niederd. Namen Wrisberg — Rieſenberg; die Wurzel ift aljo 
nicht vis, risan, auffteigen (vgl. reifen), wie man gew. annimmt), weibl. die 
Niefinn, M. -en, ein Menfc von übergemwöhnlicher Größe (vergl. Düne, 
Rede); uneig. überh. ein großer u. ſtarker Menfch (er ift ein wahrer Rieſe); 
in weiterer Bed. auch von großen Thieren, Pflanzen u. anderen Dingen, 
(dev Elephant, der Riefe unter den Landthierenz vergl. auch: das Rieſenge— 
birge); — in Ifeß. bedeutet Riefen— nicht bloß das einem Rieſen Eigene od. 
Ungemeffene, fondern meift ungewöhnliche Größe überh., als: die Rieſen— 
ameife, große, ſchwarze Roſsameiſe; die Niefenarbeit, eine fehr ſchwere 
Arbeit; der Rieſenbau, ein fehr großer, weitläufiger Bau; das Niefenbett, 
ſ. v. w. Hünengrabz; die Ntiefenerdbeere, eine Erdbeerenart mit ungewöhnlich 
großen Früchten in Chili; die Niefengand, Naturk. eine Art großer Enten; 


das Niefengebirge, EN. eines Gebirges zwifchen Schlefien und Böhmen, _ 


welches ein Theil der Sudeten ift; der Niefengeier, Namen der größten 
Geier-Art; das Miefengefpenft, Naturk. ein zum Geflecht der Fangheus 


ſchrecke gehörendes Inſect; die Niefengeftalt, eine ſehr große, rieſenähnliche 


Geftalt; riefengroß, Bw., außerordentlich groß; die Niefengröße; der 
Rieſenknochen, Knochen von ungeheuer großen urmeltlichen Thieren (4. B. 
Mammutsknochen); der Niefenfohl, großer ſchottiſcher Kopfkohl; der Nies 
fenförper; die Rieſenkraft; viefenkräftig, Bw.; die Niefenlerche, ein 
amerit. Vogel mit einem ſchwarzen Gürtel auf der Bruft; riefenmäßig, 
Bw., das Maß eines Riefen habend, einem Rieſen angemeffen od. ähnlich, uns 
geheuer groß; die Niefenmäßigkeit; die Niefenmüde, eine Art großer, lang— 
füßiger Mücken; die Niefenmufchel, eine Art zweiihaliger, außerordentlich 
großer Mufcheln, Gienmufchel; das Niefenohr, Naturk. eine Art großer 


Meer: 0d. Seeohren; der Riefenfchatten, fehr großer oder langer Schatten; 


die Rieſenſchildkröte, die größte Schildkröten-Art; die Riefenfchlange, die 
größte Schlangen-Art in Oftindien u. Afrika, Königs-, Abgottſchlange (fr. Boa); 
der Riefenfchrift, ein außerordentlich großer Schritt, bei. M. Niefenfchritte, 
uneig. f. ſehr große Kortfchritte; der Rieſenſchwamm, eine Art ſehr großer, 


eſsbarer Blätterſchwaͤmme, bef. in Stalin; rieſenſtark, Bw., außerordentlich 


ſtark; die Niefenftarke; die Niefenflimme, außerordentlich laute Stimme; 
der Niefentopf, gem. Benennung der Aſchenkrüge, die man in den ſogenann⸗ 
ten Riefenbetren findet; das Rieſenwerk, ein außerordentlich großes, unge⸗ 
wöhnliche Kraft erforderndes Werk; die Rieſenwespe, die größte Art der 
Holzwespen; — Ableit. riefenhaft oder rieficht, Bw., rieſenähnlich, vier 
fengroß; die Niefenhaftigkeit. 

Rieſe, w., Niefel, m. u. w., rieſeln 1, f. unter rieſen 1. 

tiefeln 2. ziel. Zw. (ſchwed. rissla, fieben; isländ. hrisla, angel. hriscian, 
ſchütteln) oberd. f. ſieben; das Niefel, -8, ein grobes Sieb; aud ein Koh— 
lenkorb von beftimmter Größe, als Kohlenmaß. 

riefen 1. 3w. (niederd. Form f. reifen, ſ. d.; altd. risan, risen) 1) ziellos 
m. fein, niederd. überh. f. ſich fortbewegen, laufen, fließen; fteigen, auf 
fiehen, fich erheben (die Sonne riefetz die Waare riefet, d. i. Ichlägt auf, 
wird theurer); auch aufquellen, ſchwellen; ſinken, fallen, abfallen, bei. 
mit Geräufc u. in einzelnen Theilen od. Stüden allmählich herabfallen; 2) ziel. 
oberd. auf einer Niefe (f. u.) herabſchaffen (Bolz 2e.); Ifes. die Riesuhr, 





Er ü — 


tiefen — Riff 515 


oberd. f. Sanduhr (vom Herabfallen des Sandes); der Rieſenhund, Bergw. 
ein Kaften, in welchem man Erze wegfördert (vgl. Hund 3); der Rieſen— 
Eaften, Bergw. ein Kaften, in welchen man die heraufgezogenen Erze aus« 
ftürzeg — die Rieſe, M. -n, (mittelh. rise), alt und oberd. ein Abhang; 
insbe. eine natürl. od. künſtl. Rinne an einem Berge, in welcher Waffer, 
Sand, Geftein ꝛc. hinabgleitet, od. gefälltes Holz hinabgerollt wird (Holz 
riefe od. Holzrutfche); landſch. auch f. Lauwine (Schneerieſe); — ber 
Kiefel, -3, M. w. E., od. die Niefel, M. -n, 1) Yandfch. f. v. w. die Niefe, 
Holzrieſe; 2) alt u. oberd. das Niefende oder Herabfallende, Tröpfelnde, 
der Abfall; insbef. feiner Regen, Hagelkörner od. Schloßen (daher riefel- 
weiß, oberd. f. fchloß= od. fehneeweiß); Landfch. auch in Menge vorhandene 
Eleine Fleden, bef. Sommerfproffenz daher riefelig, Bw. f. fommerfledig; 
der Riefelausfchlag, f. die Mafern; die Riefelraupe, eine weißgefprentelte 
Raupe; — riefeln, ziellof. Zw. m. haben (das verkleinernde und zugleich) 
veröfternde riefen; altd. hrisilön, riselen, geriselen, niederd. aud) grüfeln; 
daher das franz. gresler, gröler, hageln) 1) mit Geräuſch in Eleinen Theis 
len, Körnern, Tropfen ıc. allmählich herabfallen (Sand riefelt vom Abs 
hang 2c.); unp. es riefelt, d. i. es regnef od. hagelt fein; 2) mit fanft 
murmelndem Geraufc) fließen (eine rieſelnde Quelle; vgl. d. franz. ruisseau, 


“ ruisseler; in diefer Anwendung mehr als Schallwort gefafft) ; der Riefelregen, 


ein feiner Regen ꝛc. 

riefen 2. ziel. 3w. (von Ries f. Reis), niederd. f. pfropfen. 

Rieſenameiſe zc. — Rieſenwespe; rieficht 2c. ſ. unter Rieſe, m. 

Riesuhr, f. unter riefen 1. 

Rieswerk, f. (n. A. Riepwerd), Wafferb. f. Reiswerk, Strauch- ob. 
Buſchwerk. 

Rieß, ſ., -e85, M. -e, jedoch nach einem Zahlw. unverändert, z. B. 
10 Rieß ꝛc. (ſchwed. xis; vielleicht v. risen, reifen, ſich erheben? alfo r. Ries 
gefchr., eig. ein Haufen), eine Maſſe Papier von 20 Buch od. 480 Bogen, 
Yo Ballen; bei den Papiermachern aber — 3 Bufcht oder 546 Bogen; die 

ießhänge, ein wie ein T geftaltetes Werkzeug der Papiermacher zum Auf 


hängen der zu frocdinenden Bogen. 


Rießling, m., -es, M. -e, in Franken eine Art Weintrauben mit dicht 
ftehenden, faftreichen, aber fäuerlichen Beeren. 

Kieft, m., ſ. Rift. 

Kiefter, m., -8, M. w. E. 1. (oberd. die Rieſter; altd. riostar, und 
riostra, x.) landfch. f. die Pflugfterze; ehem. die Pflugfchar (angelf. reost); 
landſch. auch f. der Pflugbalken, u. f. das Streichbrett am Pfluge; — 
2, landſch. f. der Rift der Hand od. des Fußes; 3. ſ. Riſter. 

Rieſter, w., f. Nüfter. 

Riet, w., Hoftiet, oberd. |. v. w. Neite, Hofreite, der Hofraum. 

Niet, fi, -es, 1. (auch Rieth gefchr.) ſ. Ried 1. — 2. (landſch. auch die 
Ried) oberd. das Nüdenfleifh vom Rinde, Rippenftüdz auch eine Berg- 
reihe; — 3. (auch der Niet, Ride 2c.) niederd. ein Graben, Bach, flie- 


Bendes Waffer. 


RUF, ſ., es, M. -e, 1. (isländ. rif, engl. ref, viff, ſchwed. ref; vergl. 

Reff 2.) eine lange, fehmale Sand- od. Felſenbank, Klippenreihe in der 

Se; — 2. Schiff. ſ. v. m. Neff 1.; daher riffen, 3w., f. vr w. reffen. 
33* 


- 





516 Riffe — Rind 


Kiffe, w., M.-n, 1. landſch. f. Rispez auch. f. Taubhafer (Kiffen, 
Rispen); — 2. f. unter riffen. 

Niffel, Riffelbaum ꝛc. — Riffelraspel, f. unter riffen. 

riffeln, ziel. 3w.. 1. (ſchwed. veffla) landſch. f. riefen, riefeln (z. 8. eine 
geriffelte Büchſe); — 2. f. riffen. 

riffen 1. od. gew. riffeln, ziel. Zw. (altd. riflön, riffeln, zupfen u. fägen; 
einerjeits mit raufen, andrerfeits mit reiben verwandt; vgl. das franz. 
rifler, feilen), 1) abraufen, abreißen, insbef. den Flachs —, die reifen Sa— 
menfnoten desfelben mittelft der Riffe od. Riffel (ſ. u.) abreißen (niederd. repen, 
reppen, repeln); 2) Handw. mit einer Seile bearbeiten, glatt feilen; gem. 
auch überh. f. reiben, fcheuern (z. B. der Zeug hat fich durchgeriffelt); uneig. 
gem. einen—, f. ſcharf tadeln od. züchtigen (vergl. durch die Hechel ziehen); 
die Riffe od. Riffel, M. -n, das Werkzeug zum Flachsriffeln, ein großer höl- 
zerner ob. eiferner Kamm, auch der Riffelkamm; Riffel (altd. rikla) ehem. auch 
f. Säge; der Riffelbaum, Landw. der ftarke Baum, in welchem die Riffeln be 
feftigt find; das Riffeleifen, eine rechtwinklig gebogene Feile der Goldarbeiter; 
die Riffelfeile, eine etwas gefrümmte Feile der Metallarbeiter; die Riffel- 
taspel, eine feine Raspel der Büchfenfchäfter zum Glätten des Gewehrfchaftes. 

riffen 2. f. unter Riff. 

Nig, m., -en, M.-en, od. der Nigel, —s, bair. ein (halb?) ver- 
fchnittenes männliches Schwein; der Nigler, -8, öſtr. ein nur halb ver- 
fhnittener Hahn, Halbhahn (verw. mit regen; od. mit rähen, reihern, das 
Weibchen treten ). 

rigolen, 3w., ſ. riolen. 

Rille,w., M. -n (engl. xilh, niederd. eine kleine Rinne, ein Bächlein; 
eine Furche, Niefe. 

Rimm, f., -e3, M. -e (vergl. Riemen 2.), niederd. ein Querbalken od. 
Riegel zur Verbindung einer Reihe Pfähle im Wafferbau. 

Rimpel, w., M.-n (hol. rimpel, engl. xumple), niederd. f. Nunzel; 
rimpeln, ziel. Zw. (vgl. rümpfen; alt u. oberd. impfen, f. rigen), niederd. 
f. runzeln; bei den Kammmachern: die Zähne in einen Kamm einſchnei— 
den; daher der Rimpler, -$, eine dazu dienende Säge mit zwei Blättern. 

Rind, f., -e3, M.-er, (alte. hrind, rint, M. hrindir; angelf. hrith, 
hrydher, hrudher, altfrief. rither), urfpr. u. noch landſch. ein junger Ochs, 
der noch nicht gearbeitet hat, Farre; aud eine junge Kuh, die noch nicht 
gekalbet hat, Färſe; gew. in weiterer Bed. Gemeinnamen für alle Thiere 
der Gattung, welche dem Gefchlechts- u. Altersunterfchiede nad) Stier, 
Ochs, Kuh, Kalb ıc. genannt wird; — Zfes. von Rind, Rinds, Rinder: 
das Rindsauge, Auge eines Rindes; uneig. Namen einiger Pflanzen, inöbef. 
f. Ochfenauge, u. Färberkamille od. Streichblume, beide auch Rindsblume 
genannt; der Rindsbaum,  Schneebaum in Ceylon, deffen Holz den Rinde: 
knochen ähneln ſoll; die Nindsblafe; das Rinds- oder Rinderblut; der 
Kinds: od. Ninderbraten, gebratenes Rindfleiſch; die Nindsflede, o. E., 
gereinigte u. zerfchnittene Därme, Wanft u. Magen eines Rindes, Kuttelflede; 
das Nindfleifch, Ochſen- oder Kuhfleiſch; die Rindfleiſchbrühe 2c.; die 
Nindfliege, Vichbreme; das Rindgras, ftacheliges Riedgras; das Rinds— 
haar; die Rindshaut; die Rinderheerde; der Ninderhirt; der Rinds— 
od. Rinderfnochen; der Rindskopf, auch uneig. f. Dummtopf; das Nind- 








Rinde — Ring — 


ob. Rindsleder, Leder von Rindshaut bereitet; rind(s)ledern, Bw., von 
Rindsleder gemacht; das Rinds-⸗ od. Rindermark; der Nindfchlag, landſch. 
bie Befugnifs, nad) einer unter den Fleifchern eingeführten beftimmten Ord— 
nung Rindvieh zu fchlachten, u. diefe Ordnung felbft; der Rinderſtaar, eine 
Art ſchwarzer Staare mit gelbem Schnabel, die ſich gern auf Wiefen unter dem 
Rindvieh aufhalten; der Rinds⸗ od. Nindertalg; das Rindvieh, 1) Sams 
melw. f. Rinder überh. ohne Unterfchied des Gefchlehts, Hornvich; 2) ein 
einzelnes Rind, gem. nur umeig. ald gem. Schimpfwort für einen dummen, 
plumpen Menfchen; die Nindviehbremfe, Ochſenbremſe; die Rindvieh- 


zucht 2.5 der Ninderweizen, blauer Kuhweizen, Ochſenblume; die Rinder: 


wurft, Wurft von Rindfleifch; die Rindwurz od. Rindswurzel, das ſchwarze 
Bilfenkrautz die Rinds- od. Rinderzunge 20.5 — Ableit. rindern, Bw. 
(altd. rinderin, rindrin) oberd. f. vom Rinde (vindernes Fleifch, ein rinderner 
Braten 20.); rindern, ziellof. Zw. m. haben, vom Rindvieh: nach der 
Begattung verlangen (die Kuh rindert); auch f. befruchtet werden. 
Rinde, w., M.-n, Berk. das Nindchen, (altd. rinta, rinda, angelf. 
u. engl. rind; von der Wurzel rid, ridan, umwinden, binden; od. verw. mit 
Rand, Rain, von rinan, berühren), die -Außere, härtere Umgebung oder 
Dede eines Körpers, von weiterer Bed. als die finnv. Borke, Krufte, 
Schorf @. B. die Rinde am Brode, Käfe ꝛc.; die trodnende Wunde befommt 
eine Rinde); insbef. dieNinde des Brodes und der Bäume (Baum-, Eichen-, 
Fieber-, Chinarinde 2e.); uneig. überh. das Außere, die Außenfeitez — 


' 8fee. rindenarfig, Bw., ‚einer Rinde ähnlich; rindenbraun, Bw., braun 


wie Fieberrinde; der Rindenkäfer, ſ. v. w. Borkenkäfer; der Nindenkleber, 
(Gerderbt: Rinnenkleber), der Eleine Baumfpecht, Baumläufer, die Baumflette; 
die Rindenmotte, eine Art Motten, die ihre Eier in Baumrinde legen; der 
Rindenſtein, Tropfftein, welcher andere Körper mit: einer Steinrinde über 
zieht; die Nindenwanze, eine auf der Baumrinde Lebende Wangen Art; 
rindfällig, Bw., Forftw. die Rinde fallen. Laffend oder verlierend (Bäume); 
daher die Rindfälligkeit; auch rindfchälig, Bw.; die Rindfchäligkeit; — 
Ableit. rindig, Bw., eine Rinde habend, bef. in Zſetz. wie grob-, hart» 
rindig 2. 

Nindfleifch 2c., Nindsflecke, leder 2c.; Rindvieh, Rindwurz ze. f. Rind. 

ting od. ringe, Bw. (altd. ring, ringi, ringe, urfpr. leicht, beweglich, 
vielleicht von rinnen), ober= u. niederd. f. gering; daher: ringferfig, Bw. 
oberd. f. leicht oder fchnell im Gehen 20.5 auch f. geringfügig; ringhaltig, f. 
geringhaltig; ringfinnig, oberd. f. Leichtfinnig; die Ringe, alt u. oberd. f. 
Leichtigkeit, Behendigkeit; auch geringe Schwere (vom Gewicht); die 
Ningigkeit, oberd. f. Unwichtigkeit; ringen u. ringern, ziel. Zw., altd. 
u. landfch. f. gering od. geringer machen, ſchwächen, erleichtern, verringern. 

Ring, m., -es, M. -e, Verkl. oberd. das Ninglein, gem. Ringel, nie» 
derd. Ringelchen, (althochd. angelf. isländ. hring, mittel). rinc, G. ringes; 
engl. u. ſchwed. ring; vergl. Kring, Kringel, u. d. griech. zolzos, »ioxos, 
lat. circus), überh. die Richtung od. Ausdehnung in die Munde, ein Kreis, 
eine Kreistinie (z. B. ein Ring um den Mond; blaue Ringe um die Augen; 
im Tanze den Ring machen, d. i. die Runde); gew. ein Ereisförmiger Kör— 
per od. Körpertheil, ſinnv. Meif (ein eiferner Ring; ein Ring von Stroh; 
einen Ring um etwas legen; ein Deichfel-, Obr-, Panzer, Schlüffeleing 2; 





518 Ring 


- Schiff. ein ringförmiges Werkzeug zur Meffung der Sonnenhöhen; Naturk. 
eine Art Porzellanfchnede: der gelbe od. goldene Ring; dicht. f. Erds 
Ereis 2c.); im engerer Bed. ein Fingerring (einen Ring tragen; die Ringe 
wechfeln, bei der Trauung); ehem. auch f. Band, Feſſel, Schnalle; ferner 
die Ereisformige Einfchließung eines Platzes, und der fo eingefchloffene 
Platz felbit, überh. ein runder od. rundlicher, Pla, insbeſ. Marktplatz, 
ehem. auch Kampfplag, Gerichtsftätte, Landesbezirk; chem. und noch landſch. 
eine im Kreife verfammelte Menfchenmenge, kreisförmige Verfammlung 
"Hefe der Richter, daher überh. das verfammelte Gericht; aud) eine beſtimmte 
Maffe, ein Haufen, eing Menge od. Zahl G. B. ein Ring Drath, d. i. 
eine gewiffe Menge ringförmig zufammengelegten Drathes; ein Ring Kohlen, 
d. i. fo viel Kohlen, als aus 10 Klaftern Holz gebrannt wird; niederd. ein 
King Torf, d. i. ein Haufen von 8= bis 9000 Stücken; ein Ring Stabholz 
— 4 Schod oder 240 Stück; auch von andern Dingen: eine Zahl von 
4 Schock); — Zſetz. der Ringanker, Schiff. ein Anker mit einer Schaufel; 
das Ningauge, eine Art amerikan. Nattern, deren Rüden mit geringelten 
Bändern gezeichnet iftz auch eine Art Meerbraffen; der Ringbauch, Bart- 
fiſch, Schmalzfiſch; die Ringblume, eine der Kamille ähnliche Pflanzengat- 
tung; der Ningbolzen, ein mit einem Ringe verfehener Bolzen; der Ring- 
bürger, landfch. ein am Ringe, d. i. am Markte, wohnender Bürger; Die 
Ringdroſſel oder Ringeldroffel, eine Art ſchwarzer Droffeln mir gelbem 
Schnabel u. einem weißen Ringe um den Hals, auch Ringamfel, Meere, 
Schneedroffel 2c.; die Ringente, eine Art wilder Enten mit einem weißen 
Kinge um den Hals; der Ningfinger, der vierte Finger, an welchem man den 
King zu tragen pflegt, Goldfinger; der Ringfiſch, eine Art Klipp- od. Band- 
fifche; ringförmig, Bw., die Form eines Ringes habend; die Ringförmig— 
feit; das Ningfutter, ein Zutter od. Tutteral zu Ringen; fo auch: das 
Ringkäſtchen, die Ringfchachtel; das Ninghorn, eine Art Kegelichneden; 
der Ringknorpel, Anat. dev ringförmige zweite Knorpel am Kehlkopfe; ber 
Ningkragen, chem. ein rings um den Hals gehender Kragen am Harniſch; 
ſpäter: ein kleines ſilbernes Schild, welches die Officiere auf der Bruſt trugen; 
Naturk. eine Art geringelter Fliegenfänger; die Ringlerche, eine Art großer 
Lerchen; das Ringmaß, das Maß, wonach die Goldarbeiter Ringe machen; 
die Ringmauer, eine Mauer, welche einen Raum, z. B. eine Stadt, völlig 
einſchließt; der Ringpanzer, ein aus Ringen zuſammengeſetzter Panzer; 
das Ringrennen, ſ. u. Ringelrennen; der Ringſchildmuskel, Anat. ein 
Muskel des Halfes nahe dem Ringknorpel; der Ringſchwamm, hochftieliger 
Blätterihwamm, Marmorſchwamm; der Ringftein, in einen Ring gefafiter 
Stein, bef. gefehnittener Stein (fr. Gemme); die Ringuhr, eine Eleine, in 
einen Ring gefaffte Uhr; — Ableit. das Ringel, -$, oberd. gem. f. Ring— 
ein, ein Eleiner Ring, bef. Fingerring; verfch. der Ringel, -8, M. w. E. 
(wo die Endung -el nicht verkleinernd ift), in einigen Anwendungen f. Ring, 
Kreis, Ereisformige Biegung, od. etwas Ereisformig Gebogenes G-. B. 
ihr Haar fiel in Ringen herab); insbef. ein Streif um den Hals mancher 
Thiere, beſ. Vögekz die Ereisformigen Bienenmaden (Ringel, Ringel 
bienen od. -jungen); niederd. auch ein Korb, welcher Y, Sceffel hält, 
als Kohlenmaf, u. ein Haufen Torf von 8 Soden (vergl. Ring); ringelicht, 
Bw., einem Ringel ähnlich; vingelig, Bw., Ningel habend, daraus bes 





vingen 519 


ftehend; landſch. gem. f. ſchwindligz ringeln, Zw. (altd. hringilön), 1) ziel. 
mit Ringen od. Ringeln verfehen (Schweine—, d. i. ihnen Drathringe 
durch den Rüffel ziehen, um ihnen das Wiühlen zu wehren; geringelter Kattun, 
d. i. mit Ringeln gezeichneterz eine geringelte Wurzel, d. i. ringförmig ge« 
freifte); in Ringel legen, Eräufeln (das Haar); 2) rüdz. fih —, in 
Ringel fallen, Ringel. bilden (Haare, Weinranken zc. ringen fi); der 
Ringler, -8, wer ringelt, Ningel od. Ringe macht; bair. f. Drechsler 
(Beinringler, d. i. Sinochendrechsler, bef. der die Ringe zu Rofenkrängen 
macht); Zſetz. von Ringel, ringeln: der Ningelbär, ein Bär mit weißen 
Ringen am Halſe; die Ningelbiene, f. o. Ringel; die Ringelblume, Dot: 
ter= od. Goldblume (weil ihr Samen die Geftalt Feiner Ringe hat); die 
Ningelblumenfarbe, gelbrothe Farbe; das Ningelbrod, landſch. f. Brezel, 
Kringel; die Ringeldroffel, f. o. Ringdroffel; der Ningelfalf, ber männ- 
liche Bleifalt mit einem Ringel um den Hals; bie Ningelgans, Erdgans 
{f. d.) mit einem Ringel um den Hals; das Ningelgedicht, Ringellied, der 
Ringelveim, Rundgedicht, Rundgefang, eine Eünftliche Liederform, in welcher 
gewiffe Verſe an beitimmten Stellen wiederholt werden (fr. Rondeau); das 
Ringelkraut, Springkraut, deſſen aufgeiprungene Samenkapſel fich zufam- 
menringelt; dev Ringelkuckuk, eine Art Spechte mit einem Ringel um den 
Hals, Goldipedht;z die Ringelmewe, eine Art grauer Mewen mit einem 
ſchwarzen Ringel um den Hals; die Ningelnatter od. Ningelfchlange, die 
gemeine Hausnatter; der Ningelrabe, eine Art Raben mit weißem Kopf, 
Rüden, Bauc u. Flügeln u. einem afchgrauen Ringe um den Hals; die Rin— 
gelraupe, Raupen aus ſolchen Eiern, welche um die Zweige der Bäume einen 
feften Ring bilden, z. U. v. Neft- und Stammraupenz die Ringelvaupenmotte 
od. Ringelmotte, die Motte, aus deren Eiern die Ringelraupen entſtehen; 
der Ringelreihen, Kreistanz, vergl. Reihen; der Ringelreim, ein mehr— 
mals wiederkehrender Reim od. Reimvers (fr. Refrain); auch f. Ringelgedicht; 
das Ringelrennen od. -ſtechen, chem. Ritterſpiel zu Pferde, wobei mit der 
Lanze nad) einem hangenden Ringe gerannt wurde; jest das Reiten auf höl— 
zernen, um eine Walze drehbaren Pferden zc. als Kinderbeluftigung, auch dag 
Ningelfpiel, (fr. Garouffe); die Ningelfchote, eine zum Gefchlecht der 
Schiffskuttel gehörende Schnede; der Ringelſchwanz, ein geringelter od. fich 
ringelnder Schwanz; eine Art Tauben, deren Schwanz mit einem dunkelbrau⸗ 
nen Streifen geringelt ift; der Ningeltanz, ein Tanz im Kreife; die Rin- 
geltaube, eine bläuliche wilde Taube mit einem weißen Ringel um den Hals; 
auch f. Lachtaube; die Ningelmalze, eine Art Walzenſchnecken; der Ningel- 
weizen, landſch. f. Kuhweizen; Wunderweizen; — ringen, ziel. 3w., mit 
einem Ninge od. mit Ringen verfehen, ſ. v. w. ringeln, nur in einjelden 
Anwendungen (7. B. die Schweine—, ſ. ringeln; eine Stute—, damit fie 
nicht vom Hengfte belegt werde; Forſtw. einen Baum—, d. i. die Rinde 
ringsum abſchälen; auch in: beringen); im Kreife umgeben, nur in dem 
zgeſ. umringen; — rings, Nw., im Ringe, d. i. im Kreife, rundum, 
gew. mit nachfolgendem um, herum, umher (rings um die Stadt, ag 
um mic) her); daher die * Nw. ringsher, ringsum. 
ringen 1. 3w. (altd. ringan, rang od. ranc, gerungen, ſtreben, kämpfen, 
ſtreiten; Grundbed. ſcheint aber: drehen, winden; fo in dem angelſ. vringen, 
engl. wring (daher wrong, verkehrt, unrecht) und niederd. wringen; demnach 


520 ringen — rinnen 


fheint ringen (vringan) von gleicher Wurzel mit Ring (hring) und v nur 
mit h zu wechfeln), ablaut. Impf. rang, ränge;z Mw. gerungen, 1) ziellos 
m. haben, ſich mwinden, heftige-Bewegungen machen od. überh. alle 
Kräfte anftrengen, um ein Hindernifs zu überwinden od. etwas zu er 
reichen, finnv. ftreben (nad) etwas—, uneig. nad) Ehre und Lob—; vergl. 
erringen); bef. mit bloßen Händen duch Umfchlingen mit den Armen 
mit Jemand kämpfen (niederd. wrangen); ehem. auch überh. f. kämpfen, 
ftreiten, jegt bef. uneig. (4. B. mit Gefahren, mit dem Zode ringen 2c.); 
2) ziel. einen biegfamen Körper im Kreife drehen, winden mit dem Neben: 
begriffe der Anftrengung (die Wäſche ringen, ausringen, |. d.; die Hände 
ringen, als Zeichen der Verzweiflung; einem etwas aus den Händen— 2c.); 
die Ringekunft, die Kunft des Ringens (Rämpfens); der Ningplag, Plas 
zu Übungen im Ringen; der Ninger, -$, wer ringend kämpft. 

ringen 2. f. unter Ring; ringen 3. od. tingern, f. unter ring. 

ringfertig, -finnig ꝛc. f. unter ring; — Ringfinger, -filh ꝛc. — 
Ringuhr, ſ. unter Ring; — Ningplag, ſ. unter ringen 1. — rings, 1. 
unter Ring. 

Rinken, m., -$, M. mw. E., u. Rinfe, w., M. -n, (altd. hrinka, 
rinke, m. u. w.; vgl. rincho, rinke, ein Riegel, der eingedreht wird; Neben: 
form von Ring; vgl. auch ringen, angel. vringan, drehen), ein breiter, 
bier Ring, 3. B. an den Achfen, Deichfeln 2c.; alt= u. oberd. eine Spange, 
Schnalle, bef. Schuhfchnalle (Schuhrinken); Bauk. das halbEreisfürmige 
oberfte Glied am Säulenfchafte; der Ninkendorn, oberd. der Dorn in 
einer Schnalle; der Rinken- od. Rinkſchmied, altoberd. Verfertiger ftarker 
eiferner Ketten; das Rinkentuch, Jäg. Tücher, welche ftatt der Mafchen 
Ringe haben; rinken od. rinkeln, ziel. Zw., oberd. f. fehnallen, zuſchnallen, 
oder -heften. 

rinkinken, zielloſ. Zw., Schiff. von neben einander liegenden Schiffen: bei 
einem Sturme heftig an einander floßen. 

rinnen, ziellof. Zw. (goth. rinnan, laufen; altd. rinnan, rinnen, ran, ge- 
runnen; angelf. rinnan u. verfeßt irnan; isländ. renna; engl. run; niederd. 
rönnen; vergl. d. griech. d£eır) ablaut. Impf. rann, Gonj. ränne u. rönne; 
Mw. geronnen, 1) m. fein, urfpr. ſich fehnell fortbewegen, laufen (welche 
Bed. nur noch in entrinnen erhalten, übrigens in das abgel. urfpr. factitive 
vennen übergegangen ift, f. d.); daher altoberd. f. gerathen, kommen (z. B 
zufammen—, zurüd—, in Schuld—, d. i. in Schulden gerathen); altd. (bei. 
in der Ableit. arrinnan, irrinnan, errinnen) zum VBorfchein Eommen, aufgehen 
(von der Sonne), keimen, ſprießen ꝛc.; jest nur von Flüffigkeiten: fich lang- 
fan fortbewegen, in geringer Menge u. mit ſchwacher Bewegung fließen 
(eine Quellen rinnen; das Blut rinnt aus der Wunde); landſch. aud) f. ger 
einnenz oberd. f. auf dem Waffer treiben (verfch. von dem felbftthätigen 
- Schwimmen); 2) m. haben, eine Flüffigkeit hervordringen oder rinnen 
laſſen, finnv. lecken, triefen, fließen (ein Gefäß vinnt, wenn es nit dicht 
ift; die Augen rinnen; das Licht rinnt); Zſetz. rinnäugig, Bw., triefäugig; 
der Rinnſtein (gem. Rennſtein), eine ſteinerne od. gemauerte Ötrafenrinne, 
Goffe; — Ableit. die Rinne, M. -n, Berl. das Rinnchen, (altd. 
rinna, niederd. Rönne), eine lange, fchmale Vertiefung, durch welche eine 
Flüſſigkeit rinnt oder abfließt, finnv. Goffe, Rinnftein ꝛc.; insbef. lange 





Riole — Kippe 521 


Hehöhlte Körper von Holz, Blech ıc. zur Leitung des MWafferd (Dady-, 
Regenrinne); auch überh. jede ſich in die Länge erſtreckende Vertiefung, 
ſinnv. Furche, z. B. in der Säulenordnung eine Vertiefung am äußeren Rande 
der Kranzleiſte; Naturk. eine Art Scheidemuſcheln (auch Rinnenmuſcheh; 
Jäg. ein aufgeſtelltes Garn mit einer Taube in der Mitte zum Fange von 
Raubvögeln, auch Rinnen⸗ od. Stoßgarn; Zſetz. der Rinnbaum, das Rinn— 
holz, zu Rinnen brauchbares Holz ꝛc.; das Rinneiſen, ein eiſerner Haken, 
welcher eine Dachrinne trägt; die Ninnleifte, in der Säulenorbnung ein gro- 
ßes zur Hälfte ausgehöhltes Glied; die Ninnenblume od. das Ninnen- 
blatt, eine ausländ. Pflanzengattung, auch Wafferblatt (hydrophylium) ; 
rinnenförmig, Bw., Pflanz. die Form einer Rinne habend; das Ninnen- 
garn, f. o. Rinne; ber Rinnenknecht, Brau. ein hölzernes Werkzeug, wo- 
rauf die Rinnen gelegt werden; — der NRinnfal, -e3, M. -e, od. der 
Ninnfel, s, M. w. E., oberd. fi Rinne; Flufsbett — Runs, Rünſe); 
das Rinnſel, —s (altd. rennisal; vergl. Rennſel), oberd. das Lab, welches 
die Milch gerinnen macht. 

Riole, w., M. -n (holl. riool, franz. rigole; vergl. Rille), niederd. f. 
Rinne, tiefe Furche, Kleiner Graben; ridlen, auch reolen, vigolen gefchr., 
ziel. Zw. (franz. rigoler), Landw. ein Stück Land furchenweiſe tief um— 
graben od. umpflügen, um die beffere Erte aus der Tiefe heraufzubringen; 
daher: der Niolpflug, ein dazu dienende eigenthümlicher Pflug. 

Kippe, w., M. -n, Verkl. des Rippen, (niederd. Ribbe; oberb. 
auch: das Nipp; altd. rippi, ribbi 4. rippa, ribba; angelf. rib, ribb, engl. 
rib; isländ. rif, ſchwed. ref; vrxw. mit Raff, Neff, Reif, niederd. Reep, 
goth. raip, Riemen; alfo urfpr. ein Streif, ftreifenartig ausgedehnter Körper), 
die gebogenen Seitenfrochen am menſchl. u. thier. Körper, welche die 
Brufthöhle bilden (Feim Menfchen heißen: wahre Rippen die 7 oberen, 
längeren: falſche R. die 5 unteren, welche immer kürzer werden; Fleiſch. 
falfche Rippe, ein zwilchen zwei Rivpen an der Vorderbruft eines Rindes 
ausgehauenes Stüd Fleiſch; einem in die Rippen ftoßen, gem. f. in die Seite); 
in weterer Bed. auch andere in die Länge ausgedehnte u. bef. bogenför— 
mige Theile; insbe]. die gebogenen ©eitentheile eines Schiffes, welche am 
Kiel: zufammenlaufen; die wagerechten Hölzer an den krummen Schleuſen— 
thürenz; die Kreuzbogen eines gothiichen Gewölbes; an den Blättern der 
Bäume x. die Fortfäge des Stieles, die fich als hervorragende Streifen durch 
das Blut verbreiten; die erhabenen Streifen auf den Fruchthüllen u. Samen 
“mancher Gewächſe; da$ Geil» und Bindewerk, womit man die Feuerkugeln 
umfchnärt, u. dgl. me; — Z3ſetz. der Nippenapfel, f. v. w. Kantapfel, 
f. d.; der Nippenbraten, ein gebratenes Rippenftücd, bef. vom Schwein, 
— Rippſpeer od. Ribbeſpeer; der Rippenbund, die Umwindung 
der Feuerkugeln mit Bindwerk; das Rippenfell od. die Rippenhaut, die 
Hout, mit welcher die Bruſthöhle ausgekleidet iſt; das Rippenfleiſch, das 
Feiſch an od. von den Rippen; das Rippengeſchirr, eine Art Pferdegeſchirres 
mit vielen Rückenriemen; der Rippenhalter, Anat. zwiſchen dem Halſe und 
den Rippen liegende Muskeln; der Rippenheber, Muskeln an den unterften 
Rippen; dev Rippenſtoß, ein Stoß in die Rippen oder in die Seite; das 
Rippenſtück, ein Stück Fleiſch aus u. mit den Rippen; das Rippenweh, 
Schmerzen in der Rippengegend; — Ableit. rippen, ziel. Zw., etwas mit 





522 Riopel — Rife 


Rippen, d, i. hervorragenden Streifen ıc., verfehen, bef. das Mm. ges 


rippt ald Bw. (gerippte Klempner Arbeit; ein gerippteö Blatt); rippig, - 


Bw., Rippen habend, gerippt, 
Nippel, w., landſch. f. die Schafgarbe. 
aippein ziel., zielloſ. u. rückz. Zw. (landſch. auch ribeln, ribbeln; das 


verkl. u. zugleich veröfternde reppen, reiben), gem. f. wiederholt reiben oder 


Eleine Bewegungen machen; ſich —, f. ſich vegen, rühren, unruhig fein, 
fich gegen einen Stärkeren auflehnen. 

tippen, 3m., Nippenapfel ıc,, rippig, Bw. ‚ T. unter Kippe. 

tipps rapps, f. rapps. 

riſch, Bw. (ſchwed. rysk, niederd. risk, welches urſpr. aufgerichtet, gerabe, 
dann auch geſchwind bedeutet; alfo wahrſch. von risen, reifen, d. i. fteigen, 
fallen), vlt. f. raſch, ſchnellz riſchdräthig, Bw. , Korfkio. vom Holge: mit 
der Länge nach gerade aus laufenden Streifen oder Adern; entg. überſpännig; 
der Rich, -e8, M. -e (auch die Reiche od. Röfche, ſ. d.5 Tchweiz. bie 
Riſchi, das Loch, durch welches man das Heu hinabläfft), landſch. f. Abs 
hang, Gefälle. 

Riſcht, ſ. —es, M. C(vielleicht nur mundartl. Ausfpradhe von Rift; 
vgl. auch Rieſter), landſch. z. ®. in der Lauſitz: ein Querholz am Vorder— 
wagen, welches die Deichſel in der Höhe erhält. 

Rispe, w., M. N, (wahrlich. a, dem altd. rispen, urfpr. wohl hrispan, 
Eräufeln, Tat. erispare; vergl. auch respen, raspen, fammeln, zufammenfaffen), 
der büfchelförmige Blüthenftand 5. 8. des Hafers, der Hirfe zc., wo an 
dem Stengel eine Menge einfacher Blunenſtiele von verfchiedener Länge 
ftehenz verfch. von Ahre (wo die Blumen in Reihen an dem Hauptftiele figen), 
Kolbe (wo fie auf kurzen und verdedten Stielen ſuͤhen) u. Dolde (wo fie 
eing breite, runde Fläche bilden); landſch. auch f. Ahres Taubhafer, Lolch; 
rispenformig, Bw., die Form einer Rispe habend; das Nispengras, jede 
Grasart mit rispenförmigem Blüthenftand , insbeſ. das Schilfgras, Viehgras, 
Waſſerviehgras; — ber Rispel, -$, M. w. E. oberd. Gehänge von meh— 
ren an einander gereiheten Zwiebeln, Baumfrüchten, Vögeln u. dgl.; 
dag Nispelein (auch Raspelein, im Zillertal: Rispal, Raspad f. bie 
isländifche Slechte. 

rispen, ziel. Zw. (vergl. riffeln, u. das oberd. reispen, f. zupfen, putzen), 
niederd. f. tadeln, einem Verweiſe geben. 

Riſs, m., G. Riſſes, M. Riſſe, (v. reißen, ſ. d.z althochd. riz, Schrift- 
zeichen; Rs rit; mittelh. riz, das Reifen; oberd. auch die Rife,w., f. 
Linie, Reihe), 1) die Handlung des Reißens, bei. ein einmaliges 9 Heißen 
(mit einem Riffe 2c.), gem. auch ein derber Schlag mit einer Peitiche, einem 
Stode ꝛc. (Riffe bekommen, geben 2c.); die durch Reißen, od. aud durch 
Brechen, Berften 2c., entftandene Trennung der Theile eines Korpus, 
ſinnv. Rise, Spalte, Sprung, Bruch ꝛc. (das Papier, das Tuch zc. dat 
einen Riſs; Riffe im Holz, im Erdboden, in der Mauer ꝛc.; vor den Riſs 
treten, vor dem Riffe ftehen, eig. die Mauerlüce mit feinem Leibe decken und 
gegen den Feind vertheidigen, daher uneig. die Gefahr u. den Schaden auf 
fich nehmen); uneig. überh. f. Trennung, Spaltung, Veruneinigung der 
Gemüther; Lüde, Leere (diefe Ausgabe hat einen großen Rifs in meinen 
Beutel gemacht); Wereitelung der Abfichten 20.5 Jäg. von einem Wolfe ges 


Ss 








Kifsling — Ritt 523 


tiffenes Wild; 2) (von reißen f. zeichnen) eine den Hauptlinien od. Ums 
riffen nach gemachte Zeichnung, bef. zur Bau- und Feldmefsfunft, finnv. 
Plan, Entwurf (vergl. Ab-, Auf, Grundrifs 2c.); riffig, Bw., Niffe, d. i. 
Spalten ıc., habend (riffiges Holz, Mauerwerk 2c.); Naturk, enge, tiefe, 
gerade, aber nad) verfchiedenen Richtungen laufende Spalten habend; Bergw. 
riſſig laufen, d. i. graben- od. rinnenweife laufen. 

Riſsling, m., -e8, M. -e (vergl. Rießling; verw. mit riefen, Riefel®), 
oberd. eine Abänderung des gemeinen Weinſtocks mit Eeinen, runden, weiß: 
gelben Beeren, ſüß u. gewürzhaft. 

Rift, m., —es, M. -e (landich. auch Riſs, Rieſter; altd. v. isänd. 
rist, v. der Wurzel ris, risan, ſteigen, alſo urſpr. Erhöhung; odre, wie das 
angelf. vrist, engl. u. niederd. wrist vermuthen läſſt, verw. mit dem ſchwed. 
vrida, engl. wrest, drehen; alfo urfpr. Gelenk?), der Räcken des Fußes, 
d. i. der vordere hohe Theil, zu deffen beiden Seiten dir Kröchel find, auch: 
der Spannz alt u. landſch. auch der Handrücken (in dirfer Bed. oberd. das 
Rift), die Handwurzel od. das Handgelenk big «r die Knöchel; am Halfe 
der Pferde der erhöhete Theil über den Srultern zu Ende der Mähne 
(auch Widerrift od. Widerrifs genannt) — der Nifler, —s, Schuhm. 
ein Lederftreifen zum Flicken des Obaleders an Schuhen, Stiefeln zc.; 
(1. auch Rieſter); riftern, ziel. Zw./ landſch. einen Schuh ze. auf biefe 
Meife fliden. | 

Nifte, w., M. -n (niederd. ug Riffe), alt. u. landſch. f. Reiſte, d. i. 
Büſchel ꝛc. (Flachs); riffen, ziel 8w., zu Niften od. Neiften machen, in 
Eleine Bündel binden. 

ritfch, ein Naturlaux, welcher bef. den Schall nachahmt, der beim ge— 
waltfamen Zerreißen eines Zeuges zc. entjteht, gew. in Verbindung mit 
ratſch (1. d.). 

Ritſcher, m., -, M. w. E. 1. (Schaltw.) b. den Vogelftellern f. Bud) 
od. Rothfink; — 2. (auch Rütfcher, von ritten, rütten, unter einans 
" der wiren), oberd. eine gemifchte Speife aus Gerfte u. Erbfen od. Kinfen. 
Ritt L. m., -es, M. -e (von reiten; f. d.), das Reiten, die Bewegung 
od. Srtsveränderung zu Pferde (einen Ritt machen, ein Spazierritt; 
oberd. auch f. Mal nach Zahlwörternz vgl. Fahrt; z. B. alle Ritt f. jedes 
Malzc.); Jäg. f. Gang, Spurgangz landſch. die Bewegung des Maul- 
wurfs unter der Erde; chem. f. Angriff, Kampf; daher noch niederd. f. Schlä- 
geret, Streit, Zank (vgl. Gang); chem. aud) f. der reifige Zeug, die Weis 
terei; taher noch: der Rittmeiſter, der Anführer eines Reitergeſchwaders, 
Hauptnann bei der Reitereiz die Nittmeiflerinn, deffen Gattin; Ableit. _ 
rittig Bw., 1) landſch. von jungen Pferden: bereits zugeritten; 2) oberd. 
von Kühen: mit einer Art Wuth behaftet, wobei fie wie Stiere brüllen 
(wahrſch. von dem oberd. reiten f. in Zorn gerathen od. fein); rittlings, 
Nw., ſ. v. w. veitlings, |. d. — der Ritter, -$, M. w. E. (Nebenform von 
Keiter, f. d., altd. ritari, ritaere, riter, ritter; isländ. riddari), urfpr. 
überh. ein Neiter; im Mittelalter insbef. ein mit Schwert u, Lanze be> 
maffneter u. geharnifchter adeliger Streiter zu Pferde, Standesbenennung 
einer Würde, zu welcher der Adelige in der Regel nur durch Tapferkeit ge» 
langte (einen zum Nitter fchlagen, d. i. ihn durch einen Schlag mit dem 
Schwerte unter gewiffen Feierlicjkeiten in den Ritterftand erheben; ein irrender 


524 Ritt 


Kitter, d. i. ein herumgiehender, ber Abenteuer auffuchtz uneig. an einem zum 
Ritter werden wollen, d. i. ihn zu überwinden fuchen, ihn feine Überlegenheit 
fühlen laſſen; der Ritter einer Dame, d. i. ihr Begleiter, Liebhaber, fofern 
bie ehemal. Ritter den Frauen Schuß u. Verehrung gewährten); fpäter überh. 
Krieger, Soldat, auch Fußfoldatz jest noch: ein Mitglied eines (nicht 
bloß adeligen) Ordens (z. B. Sohanniter- Ritter, Ritter des rothen Adleror- 
dens 2.5 auch wohl weibl. eine Nitterinn, gew. Ordens- Dame); in mans 
chen Landfchaften die Glieder des niederen landtagsfähigen Adels (1. w 
Hetterſchaft) ; landſch. beim Scheibenfchiegen: wer den beften Schuſs nächſt 
dem Könige gethan hatz uneig. heißt eine Speife, beftehend ‚in Semmel⸗ 
ſchnitten wit Eiern u. Butter gebaden: arme Ritter; Natur. eine Gat— 
tung Tagſchwetterlinge; ein zum Gefchlecht des Lachies gehörender Fiſch; 
eine Art Stachilſchnecken; — 3fes. von Ritter: die Ritterbank, die 
Bank, auf welder hie Ritter od. Mitglieder des niederen Adels bei gewillen 
feierlichen Verſammongen figen, 3. B. chem. im Reichshofrath ꝛc.; uneig. 
auch die Gefammtheit dire Perſonen ſelbſt; die Nitterbirn, |. v. w. Maus: 
bien; ritterbürtig, DW.) son ritterlicher, d. i. altadeliger Abkunft; daher 
die Ritterbürtigkeit; der Xeterdienſt, ein Dienſt, welchen ein Ritter zu 


wiften verdunden iſt, be. der Krigsdienſt zu Pferde, den ein Ritter feinem 
Lehnöheren leiftete; in weiterer Bid. cin eines Nitters würdiger, ein ritter- 


licher Dienft; das Nitterdorf, ein der Eerichtsbarkeit eines Rittergutes unter- 
worfenes Dorf; die Ritterehre; der Niktreid: der Nittergebrauch oder 
brauch; das Nittergedicht, die Ritterzeſchichte (der Ritter-Roman), 
ein Gedicht, eine Erzählung von Rittern u. Reterhaten; das Nittergericht, 
Adelögericht in Angelegenheiten dev Ritterfchaft eines Landes, chem. aud) das 
Nitterding; das Rittergut, ein Gut, deſſen Brise dem Lehnsheren zu 
Kitterdienften verbunden, übrigens aber von allen Lafter frei ft; der Mitter- 
hof, der Hof, d. i. das Wohnhaus, die Gebäude u. der Hofraum eines Rit— 
tergutes; der Ritterkampf; dev Nitterkaften, Yandfch. eine Kafk, welche 
die Beifteuern des Adels in Empfang nimmt, u. die dabei angeftellten Perfo- 
nen; das Ritterkreuz, ein Kreuz als Ehrenzeichen eines Ordensritte.s; dag 
Nitterlehen, ein Lehen, welches den Befiger zu Ritterdienften verpflichetz der 
Nittermann, in Sachſen: Tagelöhner, welche einem Rittergute zu gwiffen 
Frohnen verbunden find; verich. dev Rittersmann, ſ. v. w. Ritter; Ttter- 
mäßig, Bw., einem Ritter gemäß, tapfer 2c.; der Nitterorden, ehem. f. 
v. w. Ritterſtand; jest jeder Orden (ſ. d.), deffen Glieder od. Inhabe Ritter 
genannt werden; das Nitterpferd, das zum Kriege gerüftete Pfeid eines 
Ritters; landſch. auch f. Heupferd; die Nitterpflicht; der Nitterraih, ein 
aus Nittern oder Adeligen beftehender Rath; der Ritterruhm; der Rit- 
terfaal, Verſammlungsſaal der Ritter od. des Adels; die Ritterſchaar; der 
Ritterſchild; der Nitterfchlag, ein Schlag mit der Fläche des Schwartes 
‚auf die Schulter, wodurch chem. Semand zur Ritterwürde erhoben wurde; 

das Nitterfchlofs, die Nitterburg; die Nitterfchule (fr. Ritter-Akademig), 
Lehranftalt für junge Adelige, bei. zur Bildung in den Kriegswiffenfchaften; dev 
Ritterſchwamm, f. v. w. Sternſchwamm; das Ritterfchwert; der Nitter- 
finn; die Ritterfitte; dev Ritterfiß, Wohnſitz eines Ritters; aud) f. v. w. 
Ritterhof; das Nitterfpiel, in ritterlichen Übungen, als Reiten, Fechten, Lanz 
zenvennen 2c. beftehendes Spiel, Turnier; der Ritterfporn, uneig. ein 


* 





Kitt — Ritz 525 


Pflanzengefchleht von vielen Arten mit Blumen, melde eine ſpornähnliche 
Spise haben, auch Ritterblume, Spornblume, Hahnenfporn ꝛc. genannt; 
der Nitterftand, 1) der Stand, die Würde eines Ritters; 2) die Gefammt- 
heit der Ritter, d. i. dev altadeligen Männer, eines Landes od. einer Lands 
haft, die Ritterfchaft; der Ritterſtern, Naturk. eine Art Meer- od. See— 
fterne; die Nitterfteuer, eine von den Rittergutöbefigern an ihren Lehns- od. 
Landesherrn entrichtete Steuer; der Ritterfluß, eine Helmgierde der Ritter, 
z. B. ein Federbuſch; die NRittertafel, an einigen Höfen f. v. w. Marfchalls- 
tafel; auch f. Ritterbank; der Nittertag, die Verſammlung der Nitterfchaft 
einer Landſchaft; die Nittertracht; die Rittertreue; die Nittertute, eine 
Art Kegelichneden; die Ritterwaffe; das Ritterweſen, alle Einrichtungen, 
Geſetze, Gebräuche ze. des ehemal. Ritterftandes; das Nitterwort, dag Wort 
od. Verfprechen eines Ritters (fr. Cavalier-Parole); die Ritterzehrung, chem. 
was man einem verarmten irrenden Ritter zu feinem Unterhalt reichte; uneig. 
ſcherzh. ein Almofen für einen vornehmen Bettler; die Nitterzeit, bef. M. 
die Nitterzeiten, die Zeit des chemal. Ritterthums; der Ritterzug, ein Feld: 
zug, eine Eriegerifche Unternehmung von Rittern; — Ableit. ritterhaft, 
gew. ritterlich, Bw. u. Nw., einem Ritter ähnlich, gemäß, in feiner Ei- 
genfchaft gegründet, bei. tapfer (ritterlich kämpfen; ritterlihe Übungen, eine 
ritterliche That; bei den Sägern heißt das Fämpfende wilde Schwein: ritter- 
lich); die Nitterfichkeit, das Nitterlichfein; die Nitterfchaft, 1) die 
Würde, der Stand eines Ritters; chem. f. Kriegsdienſt, Kriegsftand, 
Kriegsmwefen, Buftand des Kampfes; 2) jest gew. als Sammelw. die 
fämmtlichen Ritter, d. i. männl. Mitglieder des alten Adels in einem Lande 
od. einer Landfchaft, der Nitterftand; ritterfchaftlih, Bw., der Nitter- 
fchaft gehörig vd. diefelbe angehend; das Ritterthum, der Stand und 
die Eigenſchaft eines Ritters, finnv. Nitterfchaft 1); gew. der Inbegriff 
der Einrichtungen, Gefege u. Gebräuche des ehem. Nitterftandes, finnv. 
+ das Nitterwefen; rittern, zielof. Zw. m. haben, oberd. 1) chem. f. rit— 
terlich kämpfen; 2) von Zweien, die beim Kegelfpiel, Scheibenfchießen, Pfer- 
derennen u. dgl. das Gleiche erreicht haben: unter fi) um den Preis od. in 
die Wette kämpfen (auch: um den Ritter ſchießen 2c.). 

Ritt 2. m., -en, od. gew. der Nitten, -$ (altd. rito, rite; von ridön, 
isländ. rida, zittern; vergl. reitern u. rütten), oberd. f. Fieber, bei. Faltes 
Fieber; daher der Rittenfroft, die Rittenhige f. Fieberfroft, chitze. 

Nitteln, o. E. landſch. gem. f. Rötheln, f. d.; die Rittelmeihe od. der 
Nittelgeier f. Röthelweihe, Mauerfalk. | 

Nitten, ſ. Ritt 2.5 — Ritter ec. — Nitterzug, ſ. unter Ritt 1. 

rittig, rittlings, Rittmeifter, |. unter Ritt 1. — Rittſtroh, f. 
Rüttſtroh. 

Ritz, m., -es, M.-e, od. Ritze, w. M.-n; Verkl. das Ritzchen; 
(im altd. riz, isländ. rit, Schrift, fallen Riſs u. Ritz zuſammen; daneben 
findet ſich althochd. auch: reiz, m. u. reiza, w. f. Linie; riza, rize, rizze, f. 
Zirkel; vgl. reißen), eine mit einem fpisigen Körper gemachte (geriffene) 
vertiefte Linie auf der Oberfläche eines Körpers, ſinnv. Schramme, verfch. 
Spalte, Riis (3. B. mit der Nadel einen Ris in die Haut machen); Bergw. 
eine in das Geftein gehauene Vertiefung; in weiterer Bed. auch eine 
durch und durch gehende enge Spalte, edoch nur in einem harten Körper, 

” 





526 Robat — röcheln 


verſch. Riſs (4. B. eine Rite in der Thür, in der Wand 2c.); Ableit. ritzig, 


Bw., Ritze habend; — rißen, ziel. Zw. (altd. rizjan, rizzan, rizzön, abgel. 


von dem ablaut. ziellofen Zw. rizan — reifen, f. d.), etwas — einen Ritz 
od. Rise darin mahen (4. B. die Haut—); Bergw. mit dem Ritzeiſen 
Rise in das Geftein hauen, in weiterer Bed. überh. bergmännifch bear: 
beiten (daher: ein unverrigtes Feld, das noch) nicht durch Schächte ze. ges 
öffnet worden); bair. nur halb pflügen, die Brache umreißen; die Rißfeder, 
Bergmw. Eleine Bleche, die in die gehauenen Rise gelegt werden, damit die das 
zwifchen gefesten Keile defto ftärker wirken; das Ritzmeſſer, wundärztliches 
Mefferhen zum Risen der Haut (fr. Lanzette); die Ritzwurz, landſch. f. 
Wieſenwindblume; der Ritzer, -8, wer rißtz landſch. gem. einmaliges 
Ritzen; die Risung, das Ritzen. | 

Robat, Robath od. Roboth,w., M. -en (gem. auch Robold, Robald, 
Robelt; ein law. Wort, poln. u. böhm. robota, flawon. rabota, d. i. Arbeit 
überh.), oberd. bef. in Baiern, Oftreicy u. Böhmen f. Frohne, Frohndienft; 
daher robathen od. robothen (gem. auch robalden, robolden), ziellof. Zw. f. 
fröhnen, Frohndienſte thun; der Nobather od. Nobother, -s, f. Fröhner 
(Bande, Fuß⸗, Zugrobother 2c.). 

Robbe, m., -n, M.-n, n. X. die Robbe, M.-n, (niederd. Rubbe, 
holt. rob), der Seehund, u. die ganze Gattung im Waffer und auf dem 
Lande lebender fifhähnlicher Säugethiere, wozu außerdem der Seelöwe, 
ber Seebär zc. gehöre; daher: der Mobbenfang; das Nobbenfell, See 


hundsfell; der Robbenklopfer od. =fhläger, wer Robben Elopft od. tobt _ 


fchlägt, auf den Robbenfang ausgeht; auch f. v. w. das Robbenſchiff, ein 
auf den Robbenfang auslaufendes Schiffs der Robbenſpeck, =thran ꝛc.; die 
Robbenzunge, uneig. eine Art Tellmuſcheln, Kasenzunge. 

Robert, m., -8, ein männlicher Taufnamen, entft. aus Ruprecht, gem. 
verk. Nupert (altd. Hruodperht, von hruod, isländ. hrödhr, Ruhm, und 
prehhan, glänzen; vergl. Pracht, prahlen ꝛc.; alfo: der Ruhmglänzende); 


das Noberts= od. Nuprechtsfraut, auch Blutkraut, eine Art des Storch—⸗ 


Tchnabels im nördl. Europa, als Heilmittel gegen eine Krankheit dienend, welche 
ehem. die St. Rupréchtsplage hieß. 

Roboth, robothen ꝛc., ſ. Robat ꝛc. 

Roche, m., -n, M.-n, T. (niederd. Ruche, holl. roch, dän. rokke, 
engl. roach u. ray; lat. raja), ein Gefchlecht von Seefifchen, die zu den 


Knorpelfiſchen ohne Kiemendedel gehören, einen unförmlichen flachen u. breiten. 


Körper und gemeiniglich einen ftahligen Schwanz haben; verfchiedene Arten 
find: der Glatt-, Stachel-, Nagel od. Stein-, Dorn-, Zitterroche; auch der 
Rochenadler, Meeradler od. Adlerfiih; — 2. (won rohen f. ſchreien; 
vergl. Rat, Racer) landih. eine Art Krähen (engl. rook); — 3. (mittel 


hochd. der roch, ©. des roches; franz. roc, engl. rookz; per. rokh, der Eler 


“ phant), eine Figur im Schachſpiele, urfpr. als Elephant, jest gew. als 
Thurm geftaltet u. fo benannt; daher rohen, gew. rochiren (fr. roquiren), 
ziellof. 3w., den Thurm mit dem König wechfeln. z 

röcheln, ziellof. 3w. m. haben (ein Schallwort; oberd. auch rogeln, ro» 
dein, roheln, rüheln, rohezen; vergl. rochen, radeln, das griech. deyxeır, 
6oyzaßeıy, lat. rhonchus), mit rauhem, Erächzendem Zone lauf athmen, 
bei. von Sterbenden (niederd. rotteln; vergl. d. engl. ruttle); ehem. auch f. 





| 


rohen — Rodel 527 


grunzen, wiehern, heifer fchreien, von Schweinen, Pferden, Efeln, Fröſchen 
(au rücheln, rincheln, rochzen); der Nöchler, -$, wer röchelt. 

rochen, ziellof. Zw. m. haben, 1. (auch rochzen, ruhen; altd. rohön, 
rohen, rohezen; lat. rugire), alt u. landſch. f. mit rauher Stimme fchreien, 
grungen, wiehern, brüllenz — 2. niederd. f. ruchen, ſ. d. 

Rod, m., -es, M. Röcke; Berk. das Röckchen, oberd. Röcklein, 
(Caltd. rok, roch, roe; isländ. rockr, angelſ. rocc, mittl. lat. rocchus, ſlaw. 
raucho; wahrſch. verw. mit dem angelf. vrigan, vreogan, bededen, befleiden), 
überh. ein Kleid, chem. auch uneig. f. Bekleidung, Überzug, Haut; insbef. 
ein langes Oberkleid der Männer, welches den Leib und die Schenkel ganz 
„od. theilweife bedeckt, verich. von dem weiteren u. längeren Mantel, übri- 
gens nad Form und Schnitt fehr mannigfaltig G. B. Kinder, Schlaf, Prie- 
ſter- Regene, Reit, Über», Leibrock 2c.); beim weiblichen Geſchlecht ein 
faltiges Kleidungsſtück, welches von den Hüften bis auf die Füße reiht und 
den ganzen Leib umgiebt (ein Weiberrod, Unter-, Oberrock, Reifrod 2c.); 
auch der Theil eines Frauenkleides, welcher den Unterförper von den Hüften an 
bedeckt (der Rod eines Kleides 2c.); — 3fes. die Rockfalte; der Rock— 
knopf; der Rockſchoß, 1. Schoß; die Nodtafche, Taſche in einem Rode; 
— Ableit, roden, ziel. Zw. mit einem Node befleiden, ungebr. außer in: 
beroden; im Deichbau: mit grünem Nafen belegen. 

Roden 1: m., -3, M. w. €. (altd. rocho, roccho, rocke, G. des 
rocken; isländ. rockr, ſchwed. u. engl. rock, ital. rocca, fpan. rueca 2c.; 
wahrſch. von einem Stamme, welcher ziehen, rupfen bedeutet; vergl. reden, 
engl. rack und das niederd. treden), das hölzerne Geräth od. der Stod, 
um welchen Slachs, Hanf od. Wolle zum Spinnen gewidelt wird, Spinn= 
rocken (niederd. Wocden), ehem. auch Kunkel genannt; auch der zum Spin- 
nen aus einander gebreitete u. um jenen Stod gewidelte Flache ıc. felbft 
(baiv. Rupfe, Rupfen); uneig. Schiff. der Segeltuchskragen der Maften u. 
Pumpen; das Rodenblatt, ein Blatt Papier, welches um den Flachs am 
Rocken gebunden wird, damit er fich nicht verwirre; der Rockenſtock, das runde 
gedrechfelte Holz oben am Spinnroden; die Nocenftube, Spinnftube, Ver: 
fammlungsort arbeitender Frauen; die Rockenweisheit, (fe. Roden-Ppilo- 
ſophie) Ipöttifch: die Weisheit der Weiber am Spinnroden, Spinnftubenweisheit. 

Roden 2., f. Roggen. 

Rockenbolle, w. (aus dem franz. rocambole verderbt; doch vielleicht urfpr. 
deutſch; wenigftens fcheint der zweiten Hälfte das deutfche Bolle zu Grunde 
zu liegen), der Schlangenknoblauch, die ſpaniſche Schalotte, eine Art des 
Graslaudes. 

Röckling, m., -23, M. -e (von Roden f. Roggen), landſch. ein feines, 
£leines Roggenbrod; das Röcklein, -$, (gem. Röckel, Röggeh oberd. 
ein Brödchen aus Weizenmehl mit einer Beimifhung von Roggenmehl. 

Rödde od. Nöde, m., niederd. f. Rüde, f. d. 

Rode, w., Rodeacker, -land zc., f. unter roden. 

Rodel 1. m. u. w. (e. Rotel, vom lat. rotulus), alt u. oberd. f. Papier- 
volle, Verzeihnifs, Lifte, Regiſter; daher der Rodelfchreiber ıc. 

Rodel 2. w. oberd. eine Art Kinderfchlitten; daher rodeln Zw., f. im 
Schlitten fahren; — Rodel 3. u. 4. f. unter rodeln. 


528 Rödel — Roggen 


Rödel, m. -8, 1. landſch. f. der Hahnenfamm, eine Pflanze; — 2. . 
unter rodeln; — 3. f. unter rödeln. 

.rodeln, 3w., 1. ſ. unter Rodel 2.5 — 2. oberd. f. röcheln, laut ath- 
men, ſchnurren (v. Kagen); daher der Nodler, -$, landſch. f. die Trommel- 
taube; — rodeln 3. od. rudeln, ziellof. Zw. oberd. f. rollen, kugeln; daher 
rödeln, ziel. Zw. f. rollen Iaffen, Eugelnz zu Kügelchen machen, insbef. 
zu Grütze mahlen (Hafer, Gerfte); daher der Rödel, -8, oberd. f. Graupen, 
Grüße; — rodeln 4., auch rudeln, rödeln, ziel. 3w., landſch. f. rütteln, 
rühren, Elappern (z. B. mit dem Geld in der Zafche); daher: der Model, 
oberd. Nührftab beim Käſemachen; die Rodel, oberd. f. Kinderklappers 
der Model: od. Rödelapfel, Klapper-, Schlotterapfel; das Model od. Rö— 
delfrauf, ein Kraut, deffen Samenkerne im Gehäufe fehlottern, insbef. f. 
Läufekrauf. 

rödeln, ziel. 3w., 1. u. 2. f. unter rodeln 3. u. 4.5 — 3. landſch. f. 
raideln, reiteln, d. i. zufammendrehen, umwinden; insbef. bei den Brun- 
nenmachern: die in dem Brunnenloche aufgeführte Mauer mit den Rödelbret— 
tern und dem Rödeltaue belegen u. umwinden; der Rödel, -$, landſch. f. 
Raidel, Neitel, |. d. 

roden, ziel. Zw. (niederd. raden; vergl. rotten) Yandfch. f. reuten, ſ. d. 
(die Wurzeln zc. aus der Erde—; ein Land— 2c.); daher die Rode (bef. 
noch in Ortsnamen, wie Wernigerode, Gernrode zc.), ein durch Ausrodung 
des Gehölzes urbar gemachtes Land, f. v. w. Reut, Gereut ꝛc.; fo aud: 
der Nodeader, das Rodeland ꝛc.; die Nodeart, -hacke, -haue, Werk 
zeuge zum Roden; der Nodeweg, Weg durch ein gerodetes Stück Land; der 
Nodezehnte, Reutzehnte ꝛc.; — der Noder, -8, mer rodet. 

Roden, m., -8, landſch. der vierte Magen des Rindviehs, Fettmagen, 

Rodenkopf, m., eine Art Fiſche, die zu den Stutzköpfen gehören. 

oder, Nodeweg, -zehnte, |. unter roden; — Nodler, f. rodeln. 

Rödling, m., -e8, M.-e, landſch. f. Rehling; u. f. Reißker. 

Rof, m., ſ. Roof. 

Roffel od. Nuffel, m., -8, landſch. f. Schrufhobel; Röffel od. Rüffel, 
m., niederd. f. Spaten zum Ausreuten der Baurawurzeln. 

rogel od. roglih, Bw. (verw. mit regen, oberd. rigeln, niederd. rögen), 
alt u. oberd. f. nicht dicht u. feft, locker, beweglich, wadelnd (Erdreich, 
Backwerk; ein Zahn wird rogel); rogeln, 3w. 1) ziellos f. wackeln; 2) ziel. 
f. oder machen (aufrogeln) 

Rogel, w., M.-n, oberd. f. Papier» Düte od. Rolle, bef, Geldrolle. 

Nogen, m., -3, M. (ſelten) w. E. (altd. rogan, rogin, rogel, ©. -s, 
u. rogo, roge, G. -n; isländ. hrogn, fchwed. rog; niederd. Rögen; engl. 
roe), die Fiſch-Eier, fo lange fie noch im Leibe des Fifches find, verich. 
Laich (f. d.), ald Stoffnamen (4. B. der Fiſch hat vielen Rogen)z ehem. auch 
f. Frucht, Leibesfrucht; oberd. uneig. f. Vortheil, Gewinn; der Rogen- 
börse, =hecht, -Farpfen ıc., ein Börs, Hecht ꝛc., welcher Bogen in ſich 
hat; der Rogenftein, ein aus rogenähnlichen Körnern beftehender Tropfftein; 
der Rogener od. Rogner, —s, oberd. Rögling od. Rögel, ein weiblicher 
Fiſch, welcher Rogen in fich hatz entg. Milcher. 


Roggen od. Rocken, -$, M. (nur von mehren Arten) w. E. (altd. roggo, 


rocco; rogge, rocke; isländ. rugr, ſchwed. rog; angelf. rige, ryge, engl. 





EEE eu 2 ie u 


Rogwurz — Rohne 529 
rye; bän. rugenz; holl. roghe 2c.), eine befannte, in dem größten Theile 
Deutfchlands am häufigften gebaute Getreideari, welche ſchwärzeres Mehl 
giebt, als der Weizen, und woraus das gewöhnliche Schwarzbrod gebaden 
wird, aud) Noggenkorn, Kornfrucht u. fchlechthin Korn (f. d.) genannt; 
wilder Roggen, das Sandhaargras; — Zfep. die Noggenähre, Korn 
ähre; in Friesland: eine im Meerfande wachſende Grasart; die Noggen- 
blume, Kornblumez der Roggenbrei; das Noggenbrod; das Roggen— 
feld; die Roggengerfte, taube Wiefengerfte; das Noagengras, Sandhaar- 
gras; der Noggenkloß, ein Kloß von Roggenmehl; das Noggenkorn; das 
Roggenmehl; die Noggenmutter, landſch. f. Mutterkorn; der Roggen— 
flein, Schiefer mit länglichen Flecken, Fruchtfchiefer; das Noggenftrob; 
die Noggentrespe, eine bei. unter dem Roggen wachſende Trespe; der Nog- 
genwurm, Kornwurm; — Ableit. das Röggel, -$, ſ. Röcklein; roggen 
od. rocken (altd. rockin, rockein), Bw., oberd. f. von Roggen, aus Rog⸗ 
genmehl bereitet (z. B. roggene Knödel, Weder 2c.). 

Rogwurz, w., landſch. f. Ragwurz; Zaunrübe. 

roh, Bw., Comp. roher, Sup, roheſt, (altd. raw, row, rä, rd, G. ra- 
wes, rowes; vielleicht urjpr. mit anlautendem hz; vergl. d. angelf. hreav, 
hreov, isländ. hrär, lat. crudus; niederd. rau, ſchwed. ra, engl. raw; von 
gleicher Wurzel mit rauh?), überh. im unveränderten Naturzuftande, 
nicht Eünftlich zubereitet od. bearbeitet, mit dem Nebenbegriff der mangeln- 
den Verfeinerung u. Bildung; in engerer Bed. bei. vom Fleiſch u. andern eſs⸗ 
baren Dingen: nicht gekocht od. gebraten (rohe Fiſche, Eier 2c.); in weiterer 
Anwendung auc von andern Naturerzeugnifien f. unverarbeitet (rohe Pros 
ducte; rohe Seide; rohes Eifen, d. i. unverarbeitetes); auch von Kunfters 
zeugniffen, denen noch die legte Verarbeitung fehlt (z. B. rohe Leinwand, 
d. i. ungebleichte; vohes Tuch, d. i. ungewalktes; ein rohes Buch, d. i. ein 
ungebundenes); in fittlihem Verftande: aller geiftigen und fittlichen Bil- 
dung und Verfeinerung ermangelnd (ein roher Menfch, rohe Völker, Sitten, 
Lebensweile 20); — 8ſetz. die Noharbeit od. das Nohfchmelzen, Hüttenw. 
das Ausfchmelzen ungeröfteter Erze; das dadurch gewonnene, noch fehr un« 
reine Gut heißt: Rohſtein; das Noheifen, das aus dem Erz gefchmelzte, 
noch ungehämmerte Eiſen; rohhöpfig, Bw., Brau. vom Biere, wenn der 
Hopfen nicht genug ausgefotten iftz der Rohofen, Hüttenw. der Ofen, in 
welchem die geringhaltigen Erze, Kies- u. Silberfchliche gefchmelzt werden; 
das herausgefchmelzte Sübererz heißt: das Rohlech; der Rohreif, landſch. 
f. Raubreif; die Rohſchlacke, bei der Roharbeit entftehende Schladen; das 
Rohftahleifen od. der Nohftahl, ein brüchiges, hartes und ſprödes Eifen; 
der Robzuder, noch unverfottener u. ungeläuterter Zucer (fr. Moscovade); — 
Ableit. die Rohheit (ehem. auch Rohigkeit; oberd. die Rohe), der Zu: 
fand des Nohfeins in jeder Bed. (z. B. die Rohheit des Fleiſches, ber 
Seide 20.5; der Sitten 2c.); auch eine rohe Handlung, Außerung ꝛc. (M. 
Rohheiten); der Rohling, -e3, M.-e, Neuw. f. ein roher, ungebildeter 
Menſch. 

röhen, ziel. Zw. niederd. den Flachs —, f. röſten (rotten) ſ. d. 

Röhling, m. 1., f. Rehling; 2. ſ. v. w. Rühling, f. d. 

Rohm, m., niederd. f. Rahm (ſ. d.), Sahne. 

Rohne, w., landſch. ſ. v. w. Range 2. 


Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 324 


530 Rohr 


Rohr, fe, -es, M. Rohre u. gew. Nöhres Verkl. dag Röhrchen 
(goth. raus von der Wurzel rus, raufchen? altd. rör, n. u. röra, rörja, £5 
isländ. reir; franz. roseau; ſämmtlich nur in der 1ften Bed.: arundo, cala- 
mus), 1) eine Art auf fumpfigem Boden oder im Waffer wachfender Ges 


wächfe mit ſtarkem, geradem und meift hohlem Stengel (4. B. Zuckerrohr, 


fpanifches Rohr, Bambusrohr 2c.), insbe. unfer gemeines Schilfrohr oder 
Ried (f. d.); gew. ald Sammel- od. Stoffnamen ohne Mehrh., (4. B. Rohr 
fchneiden; ein Haus mit Rohr decken; ſprichw. im Rohre ift gut Pfeifen fchneis 
den; Zucker aus Zuderrohr fieden ꝛc.); doch auch von einzelnen Rohrpflanzen 
od. ⸗Stengeln, bef. ein aus Rohr verfertigter Stod, Rohrſtock (z. B. zwei 
Zuderrohre od. -röhre; drei fpanifche Röhre 2c.); 2)-ein gerader, walzen— 
formiger, hohler Körper, finnv. Röhre, welches fich nur durch den Gebrauch 
in anderen Fällen davon unterfcheidet; z. B. das blecherne Ofenrohr od. die 


Dfenröhre, durch welche der Rauch abgeführt wird; das Schlüffelrohr, 


Sprigenrohr, das Rohr einer Zabadöpfeife (Pfeifenrohr), das eiferne 
Rohr, durch welches in den Glashütten die Glasmaffe geblafen wird; vergl. 
auch Blafe:, Sch-, Sprachrohr; insbef. der Lauf eines Feuergewehrs (ein 
gezogenes Rohr, Büchſen-, Flinten-, Piftolenrohr), u. in weiterer Anwendung: 
das ganze Feuergewehr, jedoch nur von den längern Arten (Jagd-, Hands 
rohr 2c.; daher uneig. etwas auf dem Rohre haben, gew. auf dem Korne, 
f. Kom); — Zſetz. die Nohrammer, ſ. Rohriperling; die Rohrart, Pflanz. 
jedes grasähnliche Gewächs mit einem Halm ohne Knoten; das Nohrblatt, 
Web. f. v. w. das Ried od. der Kamm (1. d.); das Rohrblech, eine Art 
Blech zu Ofenröhren; der Rohrbuſch, ein Buſch oder Gebüfh von Rohr; 
das Rohrdach, ein mit Rohr gededites Dad; das Nohrdidicht (ſ. Dieicht), 
f. v. w. Röhricht, |. u.; der Nohrdommel, —s, M. w. E., u. die Rohr: 
dommel, M. -n (landfch. auch Rohrdrommel, Rohrpompez wahric. 
nicht von Rohr, fondern verderbt aus dem altd, horotumpil, horotumbel, 
d. i. Koth= oder Schlammtaucher; vergl. Hor u. das holl. dompeln, unters 
tauchen; doch heißt diefer Vogel isländ. reir-storkur, d. i. Rohrſtorch, ſchwed. 
rör-drommel), eine Art Reiher, gelb mit braunen Flecken, mit ftarker, dumpf 
fchreiender Stimme, auch Moosreiher, Rohrreiher, Waſſer- od. Moosoche, 
Mooskuh, Kropfgans, Kropfvogel 2c. genannt; die Rohrdroſſel, f. v. w. 
Bruchdroffel, Weidendroffel, auch Rohrvogel; der Rohrfalk, Meeradlerz der 
Kohrfeiler, ein Arbeiter, welcher die Gewehrröhre blänkt ze. ; die Rohrflöte, 
eine aus Rohr gefchnittene Flöte; das Rohrgeflecht, die Nohrflechte, Flecht- 
werk aus gefpaltenem Rohre; das Rohrgeſchwür, ein Geſchwür, bei welchem 
ſich Lange, harte Röhren bilden, Hohlgeſchwür (fr. Fiftel); der Nohrglanz, rohr⸗ 
artiges Glanzgras; das Rohrgras, Riedgras; ein in graſigen Sümpfen 
wachſendes Rohr; auch f. Raſenſchmiele; die Rohrheide, der Färbeginſter; die 
Rohrhirſe, eine Art Hirſe mit dicken rohrartigen Halmen, Futterhirſe, wälſche 
Hirſe; der Rohrhobel, bei den Büchſenſchäftern ein Hobel zum Ausſtoßen der 
Rinne, in welche das Rohr zu liegen kommt; das Rohrhörnchen, eine Art Röh⸗ 
renſchnecken: das Rohrhuhn, eine Art Wafferhühner, Bläſshuhn; die Rohr: 
folbe od. der Rohrfolben, die Kolbe (ſ. d.) des Rohres; auch ein Rohrges 
wächs mit fchwarzbrauner, fammtähnlicher Blumenkolbe, auch Waſſer-, Teich⸗ 
kolbe 2c.; die Rohrmeife, Sumpfmeiſe; die Rohrmewe, gemeine Meer« 
ſchwalbe; die Nohrmilbe, Schaflaus; der Rohrnagel, eine Art Nägel zum 








Röhre 531 


Keftnageln des Rohrs beim Berohren ber Wände; bie Rohrpfeife, eine aus 
Rohr gefchnittene Pfeife; auc) eine nicht völlig gedackte Orgelpfeife, in deren 
Hut eine enge Röhre ftedit; der Nohrreiher, f. Rohrbommel; der Rohr: 
fänger, ein grasmückenartiger Singvogel, Weidenzeifig, Weidengrasmüde, 
Rohrgrasmüce, Rohriperling zc.; der Rohrſchmied, der Arbeiter, welcher 
die Feuerröhre aus den Platten verfertigt; die Nobrfchnepfe, eine Art Schnes 
pfen, die fic) gern im Rohr aufhalten; der Rohrſchwalm (vergl. Schwalm), 
f. v. w. Rohrmewe; der Rohrfparren, Sparren zu Rohrdächern; der Rohr— 
fperling, eine Art im Rohre niftender, unangenehm fchreiender Ammern, 
Rohrammer, Rohrämmerling, Rohrſpatz, Moosiperling, Schilfoogel, Schilfe 
ſchwätzer (ſprichw. ſchimpfen, wie ein Rohrfperling) ; auch f. Rohrfänger u. f. 
Rohrdeoffel; der Rohrftab od. Rohrſtock, ein Stod von Rohr; der Rohr: 
ſtuhl, ein mit gefpaltenem Rohre beflochtener Stuhl; der Rohrvogel, ein im 
Rohre horftender habichrähnlicher Raubvogel; auch f. Rohrdroffel; die Rohr: 
wand, eine berohrte Wand; das Rohrwerk, Schnarrwerk einer Orgel; der 
Rohrwrangel, landſch. eine Art Neuntödter, aud) Rohrwürger; — Ab . 
Veit. rohren od. röhren, Bw., aus Rohr gemacht; rohren, Zw. 1) ziellos, _ 
das Mohr einfammeln; 2) ziel. des Rohres berauben (einen Teich); mit 
Rohr verfehen, befleiden, berohren (eine Wand); röhreln, ziel. 3w., Gärtn. 
mittelft einer Pfeife (f. d.) pfropfen od. veredeln, pfeifen; rohricht, Bw., 

Rohr ähnlich; rohrig, Bw., Rohr enthaltend, mit Rohr bewachfen 
(ein Teich); das Nöhricht oder Röhrich, weniger r. Röhrig, -es, M. -e, 
(altd. rorahi, rorach, oberd. Rörach; auch Geröhrich), eine mit Rohr dicht 
bewachfene Gegend, ein Rohrdidicht. 

Röhre, w., M. -n, Verl. das Röhrchen, oberd. Röhrlein (altd. 
röra, rörja, roere, Nebenform od. Ableitung von Rohr, f. d.), jeder hohle 
walzenförmige Körper, er fei gerade oder gebogen, 3. B. in thierifchen Kör— 
pern: die Luftröhre, Harnröhre 2c.; lange hohle Knochen (Röhrknochen), 3. B. 
die Arm-, Bein-, Markröhre; die Saftröhren im Holze; Pflanz. der untere 
hohle Theil der einblattigen Blumenkrone; ferner: die Röhre einer Pumpe, 
Brunnen-, Wafferröhre (das Waſſer in Röhren an einen Ort leiten); die bles 
cherne Ofenröhre (vergl. Rohr 2); Drechsl. ein flacher Hohlmeißel; auch eine 
fi in die Länge erſtreckende Höhlung (z. B. die Röhren der Maulwürfe, 
Füchſe, Hamfter 2c.); in weiterer Bed. auch ein eingefchloffener vierediger 
Raum, z. B. in einem Bratofen (Bratröhre), in einem Stubenofen, um 
Speifen zc. darin zu wärmen (Ofenröhre); auch eine Gattung Schneden: 
Röhre oder Röhrenihhnede (f. u); — Zfes. von Röhr- und Röhren=: 
das Nöhrbein od. der Röhrknochen, ſ. o., insbeſ. das Schenkelbein; dag 
Röhrenblech, eine Art Blech, woraus man die Wärm- und Soolröhren in 
Salzwerken macht; die Röhrenblume, ein Pflanzengeſchlecht mit gelben röh— 
zenförmigen Blumen; der Röhrbrunnen, ein Brunnen, deffen Waſſer ſich 
durch Röhren ergießt, od. dem das Waffer durch Röhren zugeführt wird; die 
Röhrbüchſe od. Nöhrenbüchfe, ein eiferner- Ring zur Verbindung zweier 
Waſſerröhren; auch eine hölzerne Walze zur Verbindung einer aus Stücken 
zufammengefegten Brunnenröhre; das Nöhrerz, durchlöchertes Sumpferz; 
die Röhrenfahrt, eine Reihe zufammenhangender Röhren in Wafferleitungen; 
der Röhrenfiich, eine Gattung Fiſche mit röhrenförmigem Rüffel; röhren— 
fürmig, Biw., die Form einer Röhre habend; das Röhrholz od. Röhrenbol;, 


34* 





532 röhren — tollen 


gerades Holz ohne Aftfnorren, zu Wafferröhren tauglich; die Röhrkanne, 
eine Kanne mit einer Ausgufsröhre; der Nöhrfaften od. -trog, ein Kaften, 
in welchem fic das Röhrwaſſer fammelt; der Nöhrenfücher, eine Art See 
köcher, aus reihenweife ftehenden vieredigen Zellen zufammengefügt; die Röh— 
venforalle, eine Art Korallen, aus neben einander liegenden Röhrchen bejte» 
hend; das Röhrkraut, auch Röhrleinkraut, Röhrhengras, der Löwen- - 
zahn (wegen feiner hohlen Stengeh); die Nöhrenleitung, Waflerleitung durch 

Röhren; der Röhren od. Röhrmeiſter, Auffeher über eine KRöhrenleitungz 
die Röhrenfchnede, eine Gattung Schneden mit röhrenförmiger Schale, 
Wurmröhre, Meerröhre 2e.; dev Röhrenſchwamm, eine Art Saugſchwämme; 

das Röhrwaſſer, durch Röhren geleitetes Waffer, z. U. v. Brunnen= oder 
Fluſswaſſer; die Röhren- od. Röhrweide, der Hartriegel; — Ableit. röh— 
richt, Bw., einer Röhre ähnlich; rohrig, Bw., Nöhren enthaltend, daraus 
beftehend (Pflanz. eine röhrige Blüthendede, — 20.5; auch die zgeſ. 

ein-, zwei⸗, eng=, weitröhrig ꝛc.); der Röhrling, —es, M. -e, landſch. f. 

die Unke, Kreuzkröte (weil ſie in Röhren, d. i. Löchern, lebt). 

röhren od. rören, zielloſ. Zw., * 1. ſ. v. w. raren (ſ. d.), reren, 
ſchreien; 2. ſ. v. w. reren (f. d.), rinnen, rieſeln. 

Röhrenblech ꝛc. — Röhrenweide; Röhrerz ꝛc. — Röhrwaſſer; röh— 
richt, röhrig, Röhrling, ſ. unter Röhre; — Rohrfalk ꝛc. — Rohrwür— 
ger; rohricht, rohrig, Röhricht, ſ. unter Rohr. 

Rohſchlacke 2c. — Rohzucker, ſ. unter roh. 

rojen, zielloſ. Zw. (ehem. auch rugen, rügen; isländ. roa, angelſ. rowan, 
engl. row, holl. roeyen), niederd. f. rudern; daher: die Nojebant f. Ruder⸗ 
bank; die RKoje pforte, Öffnung, durch * das Ruder geſteckt wird; der 
Rojer, -$, f. Ruderer. 

Rolandsſäule, w. (wahrfch. nicht von Roland, dem Feldherrn Karls 
d. Gr., fondern verderbt aus Rugelandsfäule v. Auge, Rüge f. Gericht), 
die riefenhafte Bildfäule eines gewappneten Mannes mit bloßem Schwert in 
der Hand in einigen deutfchen Städten, als Sinnbild eiaener ftädtifcher Ge— 
richtöbarkeit, auc wohl ſchlechtweg Noland, der große Noland ꝛc. genannt. 

Rölke od. Röhlke, w. (auch Roleg, Relit, Releke) niederd. f. Schafgarbe. 

. rollen, 3w. (niederd. rullen, ſchwed. rulla, dän. rolle, engl. roll; es 
foheint erft in: der neueren Sprache theils als Schallwort gebildet, theils aus 
dem mittl. lat. rotulare, ital. rotolare, rullare, franz. rouler entftanden, da es 
im Altd. fehlt u. auch in der oberd. Volksſpr., außer in einigen befonderen Be- 
deufungen, wenig üblich ift; vgl. rodeln 3.), 1) ziellos a) m. fein, fih um 
feine Achſe drehend mit dumpfem Schalle von der Stelle bewegen (die 
Kugelt rollt auf dem Bodenz die Wagen find über die Straße gerollt; einen 
Stein vom Berg rollen laffen); auch von Kleinen feften Körpern: an einer 
abhängigen Fläche herunterfallen, finnv. riefeln (der Kal rollt von der 
Wand, die Erde von dem Berge 2c.); in weiterer Bed. überh. fich wälzend 
fortbeiwegen, auch ohne Geräufch (eine Thräne rollt über die Wange; die Erde 
rollt um die Sonne); dicht. auch von großen Flüffen od. Strömen; uneig. von 
der Zeit: fihnell vergehen oder verfließen (die rollende Zeit, das rollende 
Jahr 2c.); b) m. haben, fich im Kreife drehen od. ummwälzen, ohne die 
Stelle zu verändern (feine Augen rollen, haben gerollt 2c.), daher aud) Schiff. 
f. wogen, hohe Wellen fäylagen (die See rollt, d. i. geht Hoch); einen 








R tollen 533 


dumpf zitternden Schall hören laffen, ähnlich dem eines vollenden Körpers 
(dev Donner rollt, hat gerollt); oberd. auch f. umherlaufen, ſich herumtreis 
ben (auf den Straßen—); Jäg. von vierfüßigen Raubthieren f. brunftem, 
laufen, vanzen, ſich begatten; kair. f. ausgelaffen fchäfern, wild lärmen 
(auch rollezen, rollzen); 2) ziel. drehend od. wälzend fortbewegen ob. 
überh. bewegen, finnv. Eollern, wälzen, drehen (eine Kugel, Steine vom 
Berge—; die Augen im Kopfe—; dicht. der Strom rollt feine Wogen durch 
das Land 2c.); um feinen Mittelpunkt od. feine Achſe biegen, im Kreife 
zufammenwideln (ein Stück Zeug —, ein Blatt Papier zufammen rollen; 
vergl. aufrollenz auch rüdz. ſich —, 3.B. die Haare rollen fih); durch Rollen 
od. Wälzen zubereiten, insbef. abrunden od. glätten (den Teig, Nudeln—; 
die Wäſche —, f. v. w. mangen od. mangeln); — die Rolle, M. -n, Verl. 
das Röllchen, (niederd. Rulle; ſchwed. rulla, engl. roll, roller; franz. 
rouleau, roulette, röle), 1) ein rolfender, d. i. um feine Achfe beweglicher 
Körper, insbef. eine runde, drehbare Scheibe (z. B. unter Bettftellen, 
Stühlen 26, zur leichteren Fortſchaffung; die Zugrollen in Hebezeugen, Flafcjen- 
zügen 20.5 die Sagdzeuge laufen in Rollen, wenn fie mit Schnüren, die über 
Kollen laufen, aufgezogen werden; die Rolle an der Spule eines Spinnra⸗ 
bes 2c.); ferner eine Walze zur Fortbewegung von Laſten (einen Stein auf 
Rollen fortwälzen), od. etwas darauf zu wickeln (4. B. Drath, Seide, Sai— 
ten; eine Rolle od. ein Röllchen Seide 2c.); oberd. auch eine runde Schelle, 
in welcher der Klöppel frei herumrollt, dergleichen man Pferden ꝛc. an den 
Hals hängt; 2) etwas walzen= od. kegelfürmig Zuſammengerolltes od. Ge- 
wickeltes (3. B. landſch. f. eine Haarlocke; eine Rolle Taback, Zeug, Leinwand; 
eine Rolle Geld, od. Geldrolle; oberd. auch f. Düte, vergl. Rogeh, insbef. ein 
zufammengerolltes Papier oder Pergament fammt der darauf befindlichen 
Schrift, Urkunde ꝛc. (mittl. lat. rotula), daher chem. und noch landſch. f. 
Stadtordnung, Stiftungsbriefj Poltzeigefeg u. dal. (Stadt-, Amtsrolle 2c.); 
jetzt noch f. Verzeichnifs, Lifte, fei es auch nicht in Rollenform (z. B. Bür⸗ 
gers, Mufter-, Steuerrolle); bei. die Rolle eines Schaufpielers, d. i. bie 
ſchriftliche Verzeihnung der ihm als Darfteller der Perſon eines Bühnenſtücks 
übertragenen Reden u. Handlungen (die Rollen ausfchreiben, vertheilen; feine 
Rolle lernen 2c.), und in weiterer Anwendung der Antheil eines einzelnen 
Schaufpielers an der darzuftellenden Handlung, die vorzuftellende Perfon 
felbft Ceine fchwere, leichte Rolle, Haupt-, Nebenrolle 2c.; feine Rolle gut 
fpielen; die Rolle des Wallenftein fpielen; aus der Rolle fallen, d. i. dem 
Charakter und der Lage der Perfon bei der Darftellung nicht getreu bleiben); 
uneig. auch die Perfon, welche ein Menſch im Leben vorfiellt, und deffen 
Benehmen od. Handlungsweife in einzelnen Fällen (4. B. eine große Rolle, 
od. auch ſchlechtweg eine Rolle fpielenz er hat feine Rolle gut gefpielt; fie 
jpielte dabei eine erbärmliche Rolle; diefe Rolle wird mir fchwer 2c.); 3) ete 
was rollenähnlich Gemwundenes, z. B. Bauf. mit Schnörfeln verfehene Krag- 
u. Schlufsfteine (Bogen, Seitenvoll); Naturk. verfchiedene gewundene ein« 
fachige Schneckenarten (auch Rollenfchnede, Kegeltutenfchnede; Walze od. 
Walzenfchnece); 4) verfihiedene Werkzeuge, mittelft deren od. über die 
‚andere Körper gerollt werden, insbef. die Zeug: od. Wäſchrolle, ſ. v. w. 
Mange od. Mangel; Bergw. ein aus Brettern verfertigtes Gerinne, auf wel 
chem man Steine, Erde ze. Hinabrollen Läfjtz ein ftehendes Sieb zum Kei- 


4 





534 Roman 


nigen des Getreides, der Erbe 20.5; 5) landſch. gem. f. eine rollende, d. i. ſich 
herumtreibende, liederliche weibl. Perſon; Zſetz. v. Rolle: das Rollen« 
band, Band, welches in Rollen verkauft wird; fo auch das Nollenblei, der 
. Rollentabad, Blei, Tabak in Rollen; die Nollenblafe, eine Art Blafen- 
fchnede; das Nollenblech, das dünnfte Meffingbleh; das Nollenfach eines 
Schaufpielers, die Gattung von Rollen, für welche er befonders geeignet iftz 
rollenförmig, Bw., die Form einer Rolle habend; die Rollenfchnede, f. 
Rolle 3); — 3fes. von rollen: der Rollapfel, f. v. w. Klapper- od. Schlot— 
terapfel; der Rollbaum, Bergw. f. v. w. Haspel- od. Rennbaum; auch f. 
Drehkreuz; das Rollbrett, ein Brett, etwas damit zu rollen; insbef. f. v. w. 
Mangelbrett; die Rollbrücke, eine auf Rollen od. Walzen ftehende bewegliche 
Brüde; die Rollerde, Bergw. lotkere nachrollende Erde, brödeliges Geftein; 
das Rollholz, eine hölzerne Walze zum Rollen, be. der Wäſche: Mangels 
holz; die Nollfammer, -jtube, der Rollboden, die Kammer zc., wo Wäfche 
gerollt wird; der Rollkuchen, dünnes, zufammengerolites Backwerk; die 
Rollmaus, der Siebenfchläfer; das Nollmeffing, das dünnfte, zufammens 
gerollte Meffing, z. U. v. Zafelmeffing; der Rollofen, ein auf einem Rolle 
wagen ftehender Badofen für Kriegsheere im Felde; das Nollpferd, ein auf 
Rollen bewegliches ledernes, ausgeftopftes Pferd; das Rollpochwerf, Hüt- 
tenw.,. ein Pochwerf, wo das Erz aus einem Rollfaften unter die Pochftempel 
rollt; der Rolling, an holländ. Windmühlen der mit vielen meſſingenen 
Rollen verfehene Ring, auf welchen das Dach herumgedreht wird; der Noll 
ſchacht, Bergw., eine Art Förderfchächte, durch welche man Berge rollt oder 
ftürztz; die Rollfchlange, eine Art mehrfach in einander gewundener Röhren» 
fchneden; der Rollſtich, eine Art zu nähen, welde Eleine Röllchen bildet; 
der Rollſtock, Hutm. ein rundes Holz, über welches der Filz gewalkt wird; 
der Rollftuhl, ein Stuhl mit Rollen an den Füßen; bef. ein Stuhl mit zwei 
Kädern u. einem beweglichen Gelenkrade, auf welchem man fich felbft fortbes 
wegen kann; das Nolltuch, Sagdtücher an Ringen, welche mittelft Rollen 
auf> und zugezogen werden können; Der Rollvorhang, ein Vorhang, welcher 
aufgerollt wird (fr. Rouleau); der Rollwagen, chem. ein leichter, ſchnell 
rollender Leiterwagen für Reiſende, beſ. Mefsreifende; ein niedriger Wagen, 
welcher Rollen ftatt der Räder hat; auch f. Laufwagen der Kinder; die Noll 
wäfche, zu rollende Wäfche, z. U. v. Plättwäſche; die Rollzeit, Jäg. die 
Begattungszeit der Raubthiere; — Ableit. der Roller, -8, wer etwas rollt 
(z. B. in den Pfeifenbrennereien: wer den Pfeifenthon mit dem Rollbrette 
rollt); landſch. f. Kater (von rollen f. ſich begatten); auch f. die Mandel 
krähe; oberd. f. eine unzüchtige Perfon (weibl. die Rollerinn); gem. ein 
altes untaugliches Pferd; auch ein altes, unbrauchbares Ding, bef. 
Schießgewehr; rollig, Bw., Bergw. f. rollend, brödelig (Geftein). 
Roman, m., ⸗es, M. -e, (zunächft aus dem franz. romanz urfpr. überh. 
etwas in einer romanifchen, d. i. aus der lateiniſchen entitandenen Volkes 
iprache Gefchriebenes, namentlich alles in romaniſcher Sprache Gedichtete, 
während die Sprache der Kirche, der Gerichtshöfe u. der Gelehrten die latei— 
nifche war), eine erzählende Dichtung, Gefhichtsdichtung in ungebuns 
dener Rede, deren Grundftoff in der Regel das dichterifch geftaltete wirkliche 
Leben iſt; in engerer Bed. bef. eine erdichtete abenteuerliche od. verwickelte 
Liebesgefhhichte (daher uneig. einen Roman fpielen, da i. einen Liebeshandel 





| 


—————————— 


Römer — roͤſch 535 


durchführen); daher ber Romandichter, ⸗ſchreiber, -leſer; das Roman⸗ 
leſen, die Romanleſerei; romanhaft, Bw., romanähnlich, erdichtet, abene 
teuerlich, ſchwärmeriſch ꝛc.; romantiſch, Bw. (franz. romantique), im 
Geiſt und Geſchmack des chriſtlichen Mittelalters und der neueren volks— 
mäßigen Kunſt (entg. dem Antiken od. Claſſiſchen); auch dichteriſch-ſchön, 
maleriſch, reizend, zauberiſch 2c. (4. B. eine romantiſche Gegend u. dgl.); 
die Romanze, M. -n, (fpan. u. franz. romance), ein kleineres erzählendes 
Gedicht in Korm eines Liedes, ein Gefchichtlied. 

Römer 1. m., -8, M. w. E. (altd. Römari), die Römerinn, M. -en, 
Eingeborene der Stadt Rom; bef. Bürger des alten Noms od. des alts 
römifchen Staats; der Nömer, aud Namen des Nathhaufes in Frank— 
furt a. M. (mo ehem. die römiſchen Kaifer gewählt wurden; n. X. ehem. im 
Befig einer Zamilie „Römer"?); die Nömerinn, landſch. auch f. Wolfs— 
od. Tolfkirfche; die Römerfahrt (ehem. auch Romfahrt), Wallfahrt nach 
Rom; überh. Pilgerfahrt nach einem Ablafsorte; der Nomermonat, im ehem. 
deutfchen Staatsrecht: die Steuer, welche die Reichsftände zu einem Reiche» 
Eriege u. dgl. bewilligten, (urfpr. die monatlich erlegte Steuer zu dem Römer: 
zuge, d. i. dem Zuge des erwählten Kaifers nad) Rom); römiſch, Bw. 
(altd. römise, rümisc), aus Nom ftammend, dort einheimifch, dazu gehö⸗ 
rend; von den Römern herkommend, denſelben eigen od. angemeſſen (ein 
römischer Bürger; das römiſche Reich; das römische Recht; die römiſche od. 
römiſch- Eatholifche Kirche; die römiſche Ordnung, die jüngfte, aus den 
griechiſchen zuſammengeſetzte Säulenordnung; der römiſche Kümmel, der 
gemeine Gartenfümmel; das vömifhe Roth, eine Art rothen Eifenoders) ; 
der Nömling, -e8, M. -e, Neuw., ein unechter Römer, ausgearteter 
Abkömmling der alten Römer. 

Römer 2. m., —s, M. w. E. (niederd. Römer; oberd. verkl. Römerle; 
holl. roomer, engl. xummer, fchiwed. remmare; urſpr. wohl überh. Gefäß, 
verw. mit Raum?), eine Art bauchiger, gew. grüner Weingläfer, bei. zu 
Rheinwein. 

Rommer, m., -3, landfch. ein an den Füßen gezeichnetes Schaf. 

Rompennuſs, w., landſch. f. Muskatennufs. 

Kone, w., M.-n, (gem. Ron od. Ronen; altd. der ron, rone), oberd. 
ein Baumftamm, bei, ein vom Winde fammt den Wurzeln ausgeriffener, 
auch Baumftumpf, abgefägter Klotz. 

Nonne od. Rönne, w., M.-n, niederd. f. Rinne, Gerinne; das Rön— 
nel, -9, Wafferb. ein mittelmäfiger Strom od. Auslauf im Vorlande eines 
Deiches. 

roof, Bw. (vergl. Ruf, Rufe), niederd. Landw. f. troden und mürbe 
(vom Boden). 

Roof, m., -e8, M. -e (angelf. hrof, engl. roof, isländ. röf, röfur, holt, 
roef, Dach; vergl. das oberd. die Rafel, ein Vordach; f. auch Raff), nies 
derd. die Bogendede über dem Hintertheil eines Schiffes u. der Raum uns 
ter derfelden, Schiffsverſchlag; daher: der Roofbalken. 

Rooß, ſ. es, M. -e (auch der Roſt; oberd. der Raß, altd. räza, w.; 
holl. räte; eig. Strahl — d. lat. radius; vergl. das franz. rayon de miel), 

landſch. f. Wahsfheibe, Honigwabe im Bienenftod, das Gewirk. 
röſch, Bw. (gem. auch räſch, reſch, raiſchz altd. rösche), oberd. 1. f. 


536 Roſe 


hart u. ſpröde, beim Zerbrechen krachend, harſch (z. B. Brod, gefrorener 
Schnee; Bergw. röſches Gewächs, d. i. ſprödes Glaserz), auch f. heifer, 
rauh; — 2. (vergl. raſch u. riſch) f. ſehr abhängig, jäh, ſteil; raſch, leb— 
haft, heftig, rüſtig, munter, friſch; — daher die Röſche od. Röſchheit, 
1. f. Sprödigkeit; 2. Steilheit, Abhängigkeit; Raſchheit; die Röſche, 
auch f. Abhang, Fall od. Gefälle eines Fluſſes; Bergw. ein Waſſergraben 
(gem. Reffe); röſchen, ziel. 8w., 1. oberd. f. röſch machen, härten, röſten 
(die Kälte röſcht den Schnee; der Braten wird geröſcht 2c.); 2. Bergw. einen 
Waſſergraben führen; das Röſchgewächs, Bergw. eine Art Sibererz. 
Hofe, w., M.-n; Verkl. das Nischen, oberd. Röslein, (altd. rösa, 
röse, legteres auch männl.; oberd. Rofenz angelf. röse, ſchwed. rosz zunächſt 
wohl von dem lat. rosa? daher franz. rose; vergl. das griech. Öodor;. verw. 
mit voth, lat. russus, ital. rosso, niederd. 2082), 1) die ſchöne, wohlrie— 
chende, in der Negel rothe, doch auch weiße oder gelbe: Blume eines 
dornigen Staudengewächfes, feit alter Zeit ein Sinnbild der jugendlichen 
Schönheit, der Freude und Liebe (Rofen pflüden, uneig. f. Freuden genießen; 
Nofen freuen, f. Freuden bereiten; keine Rofe ohne Dornen, ſprichw. f. Keine 
Freude ohne Leid; insbef. auch von der jugendlichen Röthe des Gefichts: die 
Roſen ihrer Wangen 2c.); es giebt eine Menge verfchiedener Arten, als: bie 
gemeine, wilde 0d. Hagerofe mit wenigen Blumenblättern; die mehr od. weniger 
gefüllten Gartenroſen, bef. die hundertblättrige (fr. Gentifolie), ferner die Band», 
Baum, Bifam:, Erd, Flatter-, Haus, Kaifer-, Mair, Monate, Moos >, 
Prinzen:, Purpurs, Sammt-, Wein, Zimmt-, Zwergroſe 2c., die mattrothe, 
fleifchfarbige, feuerrothe, dreifarbige, gefprenkelte, immergrüne, dornloſe Rofe 2c.; 
2) verfchiedene der Roſe ähnlihe Blumenarten, als: die chineſiſche 
Roſe, eine Art des Eibifches; die japanifhe Rose, ein Staudengewächs 
mit großen, hochrothen Blumen; der Feldmohn: Felde, Korn-, Klatſch— 
roſe; die Gicht- od. Pfingftrofe (ſ. d.); die Pappel od. Malve: Stock-, 
Herbftrofe; die Rofe von Sericho, landſch. f. das Geißblatt, auch ein am 
vothen Meere einheimifches Gewächs 20.5 3) rofenäbnliche Theile an Pflanz 
zen oder Thierförpern, insbef. Yandfch. f. die Blume des Blumenkohl; 
röthliche Auswüchſe auf Baumblättern, von dem Stich eines Infectes her— 
rührend (Weiden, Buchenroſen 20.5 gem. Wunderrofen genannt); Jäg. 
ber Eraufe Kranz an dem unteren Theil eines Hirſchgeweihes; auch Namen 
einiger Schalthiere, insbef. eine Art Tellmuſchel: die glatte Rofe; u. f. 
Seeftern; 4) künſtlich gemachte roſenähnliche Figuren, Verzierungen ıc., 
3. B. eine Rofe von Bändern, d. i. eine Art runder, krauſer Schleifen; bie 
Roſe in einem Fenfter, d. i. rofenförmig zufammengefegte Scheiben; eine Nofe 
aus Edelſteinen; vofenähnliche Verzierungen von Gips an Deden, Wänden ꝛc.; 
Buchbinderverzierungen: Röshen (fr. Rofetten) 2e.; vergl. auch Windrofe;z 
5) eine glänzendrothe Entzündung auf einem Theile der Haut des menſchl. 
“ Körpers, auch der Rothlauf, das heilige Feuer 2. genannt (die Rofe im 
Geſicht, am Fuße ze. haben); 6) Nofe (od. Roſa) -ens, Berl. Nischen, 
weibl. Zaufnamen; — 3feg. die Roſenader, f. v. w. Frauenader, f. d.; 
dev Nofenaffe, eine Art fehe Kleiner langſchwänziger Affen; roſenähnlich, 
sartig zc., Bw.; der Nofenapfel, verfciedene Apfelartenz die Frucht der 
Hagerofe: Dagebutte; ein ſchwammichter Auswuchs an den Zweigen des wilden 
Rofenftrauches, Schlafapfel, Rofenihwamm, von dem Stiche des Nofen- 





en 537 


bohrers, einer Art Galtwespe, herrührend; der Nofenbaum, ein hochſtäm⸗ 
miger Roſenſtock; auch f. Alpenroſe; Lorberrofez die Nofenbeere, Hagebutte; 
das Nofenbeet, ſ. Beet; rofenbefränzt, =beftreut ıc. Bw.; die Roſen— 
biene, eine Art Bienen, die zu ihrem Neft in der Erde Roſenblätter gebraus 
hen; die Roſenbirn, eine Art gelblich grüner und röthliher Birnen; das 
Nofenblatt, Blatt der Rofe, u. des Rofenftrauches; dev Roſenbock, eine 
Art Holzböce (Infecten) mit rofenartigem Geruch; der Rofenbufch, f. u. 
Rofenftok; der Roſendorn, wilder Rofenftod, Feld» od. Hundsroſe; der 
Rofenduftz die Roſenerbſe, Doldenerbfe, deren doldenweife zufammenftes 
hende Blüthen gleichfam eine Rofe bilden; der Rofeneffig, auf trodene Rofen« 
blätter gegoffener Eifigs die Nofenfarbe, die gewöhnliche hellrothe Farbe der 
Roſen; daher rofenfarben (verkürzt: rofenfarb) od. rofenfarbig, Bw., 
roſenroth (fr. roſa); das Roſenfeſt, ein ländliches Feſt, wobei das tugend— 
hafteſte Mädchen des Dorfes mit einem Roſenkranz geſchmückt und das Rofen- 
mädchen genannt wird; der Rofenfinger, dicht. ein zart gerötheter Finger; 
rofenfingerig, Bw., folhe Finger Habend; der Roſengarten; das Rofen- 
gebüfch, «geländer, -geftäude u. dgl. m.;.das Nofengewinde; die Rofenz 
grille, eine Art Baumheimchen oder Heuſchreckengrillen; das Rofengut, 
Bergw. gediegener Zinkvitriol, aus Blättern beftehend, die in die Runde aue- 
gebreitet find; der Rofenhain, f. Hain; die Rofenhede, ſ. Hede; der 
Rofenholder, eine Art des Schlingbaums, deſſen weiße Doldenblumen eine 
Roſe bilden; das Roſenholz, das Holz des Roſenſtocks; ein ausländ. feines 
Holz mit Rofengeruc (fr. Rhodiſerholz), woraus das Roſenholzöl bereitet 
wird; der Roſenhonig, ein mit Honig eingekochter Rofenaufgufs; dev Ro— 
fenfäfer, ein Eleiner grüner Käfer mit goldglängendem Halje und Kopfe, der 
ſich gern auf den Rofen aufhält; das Rofenkehlchen, eine Art Kernbeißer mit 
rofenrother Kehle; die Roſenkette, ein Roſengewinde; uneig. ein angenehmes, 
fanft bindendes Verhältniis; die Roſenknospe, landſch. auch der Roſen— 
Enopf, f. Knospez der Roſenkohl, eine feine Art Kohl mit krauſen Sproſſen; 
die Nofenkoralle, gelbe Sternkoralle mit roſenrothen Sproffenz der Roſen— 
franz, 1) ein von Rofen geflochtener Kranz; 2) in der röm. Kirche: auf eine 
Schnur gereihete Eleine Kugeln, nach deren Zahl man die gewöhnlichen Gebete 
herſagt (den Rofenkrang beten ꝛc.; fr. Paternofier; mittl lat. sertum rosaceum; 


vielleicht weil die Kügelchen ehem. die Geftalt von Roſen hatten?); uneig. eine 


Art Ihierpflanzen (sertularia L.); die Rofenfranzmühle od. das Nofens 
kranzwerk (fr. Paternofterwerd), Wafferb. eine Schöpf: od. Zugwafler-Mafchine 
mit einer aus ledernen Kugeln beftcehenden Kette; der Rofenkreuzer, Benens 
nung der Mitglieder eines zu Anfang des 1Tten Sahrh. bekannt gewordenen 
geheimen Bundes, welcher Verbefferung der Kirche und des Staätes bezweckte 
(nad dem vorgeblichen Stifter Chriftian Rofentreuz im 14. Iahrh. genannt); 
das Nofenfupfer, feines, rothes Kupfer; die Nofenlaube, f. Laube; der 
Roſenlauch, eine Art Lauch mit rofenfarbigen Blüthen; die Rofenlippe, 
ſchön rothe Lippe; der Mofenlorber, ſ. Lorberrofe; das Roſenmädchen, 
ſ. Rofenfeft; die Nofenmelde, eine Art Melde im füdl. Europa; der Rofen- 
monat, dicht. Nofenmond, der Monat Julius, in welchem die Rofen blü— 
hen; uneig. eine fchöne, freudenreiche Zeitz der Nofenmund, ein ſchön rother 
Mund; Naturk. verſchiedene Schnedenartenz das Roſenöl, ein aus KRofen- 
blättern gewonnenes Eoftbares, wohlriechendes Ol; die Rofenpappel, eine 


538 Röſe — Rosmarin 


Art Malven mit röthlihen Blumen, rothe Pappel, Stockroſe; rofenroth, 
Bw.; das Rofenroth, die roſenrothe Farbe; der Rofenfchwamm, f. o. 
Rofenapfel; der Rofenfonntag os. Rofentag,-in der röm. Kirche Namen 
des Iten Sonntags vor Oftern (Lätare), an welchem die Päpfte die zu Ges 
ſchenken beftimmten goldenen Rofen zu weihen pflegten; der Rofenfpath, ro« 
fenrother Kalkſpath; die Rofenflaude, ſ. Rofenftodz; der Rofenftein, ein 
Baumftein (Dendrit) mit rofenähnlichen Zeichnungen; auch ein unten platt u. 
oben mit vielen Eleinen Flächen eig gefchliffener Stein, bef. Diamant (fr. Ro— 


fette); der Roſenſtock, das Rofen tragende Gewächs, bef. fofern es im Gar _ 


ten oder im Topfe ftaudenförmig gezogen wird, auch die Rofenftaude; im 
freien Lande fich jelbft überlaffen wächſ't es mehr ftrauch- od. bufchförmig und 
heißt dann: Rofenftraud) od. =bufch; der Rofenftrauß, f. Strauß; dag 
Nofentuch, im Handel f. rothes Farbeläppchen; die Nofenwange, ſchön rothe 
Wange; rofenwangig, Bw.; das Rofenwaffer, aus Rofenblättern abges 
gezogenes Waffer; der Rofenwegerich, eine Art des Wegerichs, deffen Blät» 
ter roſenförmig zufammenftehen; die Rofenweide, eine Art Weide, deren 
Blätter in sofenförmigen Büfcheln ftchen; der Nofenwidler, eine Raupe, 
welche die Blätter der Rofenfträucher zufammenwidelt; die Roſenwurz, eine 
Pflanze mit rofenähnlich riechender Wurzel auf den Alpen u. in Lappland; die 
Reoſenzeit, Zeit der Rofenblüthe; uneig. eine Freuden- od. genufsreiche Zeit, 
bei. die Jugendzeit; — Ableit. rofig, Bw., eig. Nofen habend od. entz 
haltend, mit Nofen geſchmücktz gew. f. das r. roficht (alt- u. oberd. 
roeseloht, röfeleht), rofenähnlich, bef. roſenroth (vofige Wangen; ein rofiger 
od. rofichter Schein); überh. f. ſchön, lieblich. 

Röſe, w., M. -n, landfch. f. Roſt, Röſte, insbef. ein meilerartiger Haue 
fen von Gipsfteinen und Holz zum Brennen des Gipfes. 

Röſelein, f., -8, M. w. E. (wahrſch. aus Bröfelein, Bröfel entft.), 
oberd. f. ein Bischen, ein Elein wenig. 2 

Röſel- od. Rofenwurft, w. (vgl. das angelf. hrysl, u. das fchrwed. rösen, 
Fettwanft, Fett), oberd. f. Ölutwurft, Rothwurft; der Röſel- od. Rofens 
ſchnitz, bair. f. ein Abfchnitt von einer folhen Wurft. 

rofen od. rofeln, ziel. 3w. (vergl. riefeln u. das angelf. hrysan, fchütteln), 
oberd. f. das Getreide reinigen, fieben. 

Nofenader ꝛc. — Rofenzeit, ſ. Rote; — Rofenwurft, ſ. Röfehvurft. 
> rofig, rofiht, ſ. unter Rofe. 


Roſine, w., M. -n, Berl: das Roſinchen, (vom franz. raisin, Wein« 


traube), getrocknete Weinbeeren: große Rofinen, u. Eleine R. oder Korins 
then; falfche Rofinen, d. i. wilde Sohannisbeeren; das Nofinenfleifch, 


in einer Rofinenbrühe gekochtes Fleiſch; der Rofinenmeth od. wein, ein 


aus Rofinen, Honig und Waffer duch die Gährung bereitetes Getränk; die 

Rofinfarbe, bist. f. hochrothe Farbe (etwa wie die der morgenländ. Rofinen? 
“od. wahrfch. f. Rofenfarbe, von dem altd. Bw., rosin, f. lat. roseus, rofig) 
daher rofinfarben, rofinroth, Bw., diefe Farbe habend. 

Rosmarin, m., —es, 0. M. (vom lat. ros marinus, d. i. eig. Meerthau), 
eine wohlriechende Pflanze mit dunfelgrünen, ſchmalen, dien Blättern, 
im füdl. Europa bef. an den Meeresfüften wild wachfend, bei uns in Gärten 
gezogen, im Volksglauben ein finnbildliches Gewächs, welchem man vorzüglich 
eble Kräfte zuſchreibt, bef. als Schmud bei Hochzeiten 2c.; Ifeg. bad No 


x 





| 
| 


Roß — Roſs 539 


marinblatt; der Rosmarineffig, -geiſt; die Rosmarinheide, eine dem 
Rosmarin Ähnliche Heide-Art, Eleiner wilder Rosmarin; das Nosmarin-Dl; 
der Rosmarinftengel, =zweig; der Rosmarinftod, -ſtrauch; das Ross 
marinwaffer; die Rosmarinweide, eine Art Weide, deren fehr Eleine Blät— 
ter den Rosmarinblättern ähneln, Eleine Haarweide. 

Roß, f., ſ. Rooß. 

Roſs, ſ., Roſſes, M. Roſſe (oberd. gem. Röſſer); Verkl. das Röſs— 
hen, oberd. Röſslein, (altd. hros, ros, ors; angelſ. hors, engl. horse, iss 
länd. hross, hryssi, ſchwed. hors, ors; vergl. das franz. rosse, ein ſchlechtes 
Pferd; wahrſch. verw. mit raſch, ſ. d.) urſpr. u. noch oberd. überh. f. Pferd, 
ſ. d. (fo noch in vielen Zſetz., ſ. u.), im Mittelh. beſ. ein Streitroſs; jest 
das edlere, bef. dicht. Wort f. ein Pferd edler Art, be. Reitpferd, muthis 
ges, Schnelles, Eriegerifches Pferd; uneig. bei den Tuchmachern, Riemern zc, 
eine Bank, auf welcher der Arbeiter rittlings ſitzt; Bauk. zwei auf einander ger 
kämmte Träger, eine Laft zu tragen: eir gefpanntes Rofs; in den ungar. 
Bergwerken: ein Kohlenmaß — 4 Fuder (wahrſch. von eignem Stamme); — 
3fe$. (in denen Rofs, wie Pferd, häufig den Begriff der Größe od. auch der 
fhlechteren, gröberen Befchaffenheit hat): die Nofsameife, T. Pferdeameife; 
der Roſsapfel, 1) der rundliche Pferdekoth (Pferdeapfel); 2) die Frucht des 
oftind. Rofsapfelbaumes, welche ein ſchwammichtes Mark enthält; der Roſs— 
arzt zc. f. Pferdearzt; der Roſsbalg, Nofsbauch, landſch. f. rothe Pflaume 
(vielleicht zum niederd. roſs f. roth gehörig); der Roſsbalſam, f. v. w. Roſs⸗ 
od. Pferdemünze (f. d.); der Roſs- od. Moffebandiger; die Nofsbeere, 
blaue Heidelbeere; die Nofsbohne, ſ. Pferdebohne; der Roſsbube, oberd. 
f. Pferdejunge, Pferdeknecht; der Roſsdienſt, ein dem Landesherrn zu leis 
ftender Ritterdienft zu Pferde; auch f. Pferdedienft; die Nofsdille, ſ. Pferdes 
dille; die Nofsdroffel, Ringamfel; der Rofsegel, Rofsblutegel, eine Art 
großer Blutegel, Pferdeegel; das Roſseiſen, alt. u. oberd. f. Hufeifen; die 
Roſsente, gemeine wilde Ente; der Rofsfarn, eine Art Farnkraut, Adler>, 
Saum-, Flügel, großer Waldfarn zc.; der Rofsfenchel, Pferde- od. Waſſer⸗ 
fenchel; die Rofsfliege, 1. Pferdefliege; der Roſsgeier, Aasgeier, der den 
gefallenen Pferden ꝛc. nachgeht; das Nofsgefpann ꝛc.; das Rofsgras, f. 
Pferdegras; das Nofshaar, f. Pferdehaar; rofshären, Bw., von Pferdes 
haaren gemacht, damit ausgeftopft 2c.; der Rofshandel, Pferdehandel; der 
Roſshändler; der Roſshirſch, f. Pferdehirſch; der Nofshuf, Pferdehuf; 
uneig. f. Huflattich; der Roſskäfer, Miftkäfer, Pillenkäfer, der ſich gern im 
Hferdemift aufhält; gehörnter Rofskäfer, der Hirſchkäfer; der Roſs— 
kamm, 1) Pferdefamm od. -ftriegel; 2) ein Pferdehändler, bef. fofern er mit 
Pferden Zaufchhandel treibt (von dem mittl. lat. cambium, Taufchhandel, 
cambiare, taufchen), auch Rofstaufcher od. -täuſcher, landſch. Ro ſs— 
mange oder =manger (ſ. Manger); die Roſskaſtanie, ſ. Kaſtanie; die 
Roſsklette, eine Art großer Kletten, Bergklette; der Roſskopf, uneig. f. 
Quappe, Kaulfroſch; die Roſskrücke, von Pferden gezogene Schlammkrücke; 
rofsfrüden, untrb. ziel. Zw., mittelſt einer ſolchen reinigen (einen Gra— 
ben ꝛc. —); der Roſskümmel, eine dem Kümmel ähnliche Art des Lafer 
trautes (laserpitium siler L.); auch f. Silau od. Bärwurz; u. f. Schierling;z 
rofsfundig od. roffefundig, Bw.; die Roſskunſt, ein von Pferden beweg- 
te8 Triebwerk; der Roſslattich, Huflattich; das Roſsleder; der Roſs⸗ 





540 roſs — Roft 


od. Moffelenker; der Rofsmarkt, Pferdemarkt; das Nofsmaul, Natürk. 
f. Wallroſs; die Nofsmüde, Vichbreme; die Nofsmühle, ſ. Pferdemühle: 
der Nofsmüller; die Roſsmünze, f. Pferdemünze; der Nofsnagel, Nagel 
zum Befchlagen der Pferde; die Rofsneffel, eine mit dem Andorn verwandte 
Pflanzengattung; die Roſsnuſs, |. Pferdenufs: die Roſspappel, verich. 
Pappeln= oder Malven-Arten; auch f. Peſtwurzel; die Rofspflgume, die 
größte Pflaumenart, Eierpflaumez der Rofspolei, f. v. w. Roſsmünze; auch 
eine dem Polei ähnliche, aber größere Pflanze, Andorn; die Rofsramme, 
eine durch Pferde in Bewegung gefeste Ramme; der Rofsreigel, landſch. f. 
Rohrdommel; die Rofsrübe, Zaunrübez der Nofsfchwanz, Pferdeſchwanz; 
uneig. f. Kannenkrautz Sadebaum: Rofsihwanzbaum; der Rofsfchwefel, 
f. Pferdefchwefel; der Roſsſchweif, Pferdeſchweif; im türk. Kriegsweien ein 
als Standarte dienender an einer Stange befeftigter, reich verzierter Pferdes 
fchweif, als Zeichen einer hohen Befehlshaberwürde (daher: ein Paſcha von 
2, 3 Rofsichweifen 20.); Naturk. f. v. w. Roſsſchwanz; auch ein Seefiſch 
von dem Geflecht der Meerhafen; der Nofstaufcher od. gew. -taufcher, f. 
Roſskamm; das Rofsveilchen, ſ. v. w. Hundsveilhen; die Rofswacht, alt 
f. Wache zu Pferde, Reiterwache; der Nofswächter, Wächter zu Pferde; 
die Roſsweide, Bruch- od. Knackerweide; die Roſswicke, Zutterwice, Feld⸗ 
wicke zum Futter für Pferde 2c.; der Roſswiebel, landſch. f. Roſskäfer; die 
Roſswurz, ſ. v. w. Pferdewurz; die Roſswurzel, Zaunrübe; der Roſs— 
zahn, uneig. Naturk. f. ſchwarzes Bilſenkraut; — Ableit. das Röſſel, -8, 
gem. oberd. Verkl. f. Röſslein, Röſschen, GKöſſel pringen, ein Spiel, 
wobei man ſich in eine Reihe hinter einander ſtellt, und der Hinterſte über die 
Köpfe der Vorderen wegſpringt); der Röſſelſprung, ein künſtliches Ziehen 
des Springers oder Pferdes im Schachſpiel, ſo daſs derſelbe alle Felder des 
Schachbrettes, und zwar jedes nur einmal berührt; roſſen, zielloſ. Zw. m. 
haben, gem. von den Stuten: nach dem Hengfte od. der Begattung verz - 
langen; roſſig, Bw., nach dem Hengfte verlangend; der Koffer, Röffer, 
Röſsler, -S, oberd. f. Pferdewärter, Pferdeknecht; Pferdeverleiher (Lchen- 
röſsler); Nöfsler, chem. auch eine Münze mit einem Roffe im Geprägez 
Weißgerb. ein Pfufcher, der die Felle an die Wand hängt und ftatt des Schab—⸗ 
eifens mit dem Meffer arbeitet (wahrfh. von anderem Stamme). 

roſs, Bw. (gr. öovoros, lat. russus, ital. rosso, franz. roux, engl. russet), 
niederd. f. roth, röthlichz daher das Nofsgeld, landſch. f. Rauſchgelb, ſ. d.; 
der Röſsling, -es, M.-e, eine Art füßer Frühäpfel mit vothen Streifen. 

Roftl., m., -e8,; M. (ſeltem) -e (altd. rost, angel. engl. ſchwed. dän. 
xust; isländ. ryd; oberd. auch Rott; entweder verw. mit röt, niederd. vofs, 
roth, wie das latein. rubigo von ruberz oder wahrſch. vom altd. rozjan, rozen, 
angelf. rotian, niederd. rotten, verrotten, f. faulen, oberd. rößen, in Fäulung 
bringen), ein durch Feuchtigkeit ſich entwicdelnder erdartiger Anfag an den 
unedlen Metallen (z. B. Bleivoft, Kupferroft, 'gew. Grünfpan genannt), in 
engerer Bed. der Eifenroft (der Roft zerfrifit das — in weiterer Bed. 
auch ein ähnlicher Anfag an der Oberfläche anderer Körper, z. B. Bergw. 
eine im Waffer aufgelöfte Erdart, die fi) als Rinde an andere Körper ans 
legt; der Mehlthau od. Brand am Getreide; gelbe od. braune Fleden an: 
Gewächfen, welche bei der Berührung als ein Staub abfliegen;z an den Nel: 
fen: gelber Roft, d. i. das Gelbwerden der Wurzel ald beginnende Fäulniſs; 





Koft | 541 


weißer Roft, d. i. ein um ſich freffender weißer Flecken an den Blättern, wel» 
cher die Pflanze endlich tödtet; Münzw. der Zufaß zum Golde und Silber. 
bei der Münzbeſchickung; — 3fes. das Roſtband, eine Art Schnirkelſchnecken, 
deren Schale mit roftfarbigen Bändern gezeichnet ift; roftbraun, Bw., braun; 
wie Eiſenroſt; die Noftfarbe, die gelöbraune Farbe des Eifenroftes; daher 
toftfarben od. roftfarbig, Bw.; der Roftfleden, ein vom Roft Herrührenden 
Flecken auf Metall; das Roſtfleckchen, Naturk. eine Art Porzellanſchnecken 
mit voftähnlichen Flecken; das Noftpapier, Papier mit einer Maffe überzogen, 
welche den Roft wegnimmt; der Roſtſchwamm, voftfarbiger Blätterſchwamm; 
die Roftweihe, Sumpf: od. Moosweihe (wegen ihrer Roftfarbe); — Ableit. 
roften, landſch. gem. auch roftern, ziellof. Zw. m. haben-und fein (altd. 
rostjan, rosten, aud) rostagön; angelf. rustjan), Roſt anfegen; auf der 
Dberfläche verkalkt werden (das Eifen voftet, hat oder ift geroftet); ehem. 
überh. ducch innere Auflöfung zerftört werden, verwefen, verderben (da⸗ 
her uneig. ſprichw. alte Liebe roftet nicht, d. i. vergeht nicht); roſtig, Bw., 
gem. auch rofterig (altd. rostag), Noft habend, von Roft ergriffen; Bergro. 
aufgelöfte metallifche Erde enthaltend (roſtiges Waſſer; f. o. Roft); rö— 
ften 1., ziel. 3w. (das Factitivum von roftenz oberd. auch rößeh, rötzen, 
rötten; nieberd. röten von rottenz f. o. Roft), eig. roften d. i. verwefen 
machen; doch nur in engerer Bed. durch Feuchtigkeit mürbe werden laffen, 
insbeſ. den Flachs und Hanf—, fo lange im Waffer liegen laffen, bis ber 
Bafi mürbe wird; auch das aejchnittene Getreide —, liege laſſen, damit 
eö, vom Thau ‚od. Regen befeuchtet, Leichter auszudrefchen fei; die Röſte 1., 
1) 0. M. das Röſten; 2) M. -n, (oberd. die Röß, niederd. Röte, Rate) 
der Drt in einem Waffer, wo Flachs und Hanf geröftet wird; auch die 
* ganze Maffe Flachs, welche auf einmal geröftet wird. 
Roſt 2. m., -e3, M. Röſte (altd. vöst, m. u. rösta, röste w., altnord. 
rist, ſchwed. rostz niederd. Rofte u. Röfter; Grundbegriff wahrſch. Erhöhung, 
vergl. das altſächſ. hrost, Dach), 1) überh. ein erhöhetes Gerüft oder ein 
aufgefester Haufenz ehem. bef. ein Scheiterhaufenz; Bergw. ein aus Erz, 
Holz und Kohlen aufgefchichteter Haufen, welcher angezündet wird, um die 
wilden Maffen aus-dem Erze zu treiben, was röften genannt wird (einen 
Roſt beiten, auflegen; den Roft abziehen, d. i. das gebrannte Erz heraus» 
ziehen); auch das auf diefe Art geröftete Erzs ferner die zum Kalkbrennen 
aufgerichteten Haufen von Kaltfteinen und Holz, und die auf einmal zu bren- 
nende Menge von Kalkfteinen (|. Kalkroft): Bergw. überh. eine gewiffe 
Menge, ein Maß G. B. ein Roft Zwitter — 60 Fuder; ein Roft Schlich 
— 30 3entner); 2) bef. ein aus Stäben, Stangen ıc., die neben einander 
fortlaufen oder ſich kreuzen, beftehendes Gerüft oder Geftell; daher Baum. 
ein auf eingerammte Pfähle gelegter hölzerner Grund zu einem Gebäude, 
aus mehren kreuzweiſe geſchränkten Schwellen .beftchend; auf Feuerherden, in 
Dfen zc. ein Gitterwerk von eifernen Stangen, auf welches das zu brennende 
Holz gelegt wird; insbe. ein Küchengeräth, beftehend in einem mit Füßen 
und einem Stiele verfehenen eifernen Gitter, auf welchem Speifen über 
Kohlenfeuer gebraten (g eröftet) werden (Bratroft); daher auch überh. 3) ein 
Gitter- oder Flechtwerk, z. B. in manchen Gegenden das Gitter über der 
Grube unter der Kichhofsthürz chem. auch f. das Helmgitter (f. d.); — Zſetz. 
das Roſtbett, Hüttenw. der Plas, auf welchem ein Roſt zubereitet wird; der 


342 Roſt — roth 


Roſtbraten, das Roſtfleiſch, auf einem Roſt über Kohlen gebratenes Fleiſch 
Cr. Carbonade); der Roſtbrenner, Hüttenw. wer das Röſten der Erze ver» 
zichtet; der Roftläufer, wer das geröftete Erz in den Schmelzofen karrt; 
der Noftpfahl, ein eingerammter Pfahl zu einem Baurofb (ſ. o. 2); die 
Koftpfanne, eine eiferne Pfanne, etwas darin zu röften; auch f. Bratpfanne; 
die Roſtrippe od. das Roftrippehen, auf dem Rofte gebratenes Rippenftück 
chen (fr. Gotelette); die Roftfchwelle, eine Schwelle in dem Roſt eines Ges 
bäudes; der Roftftab, eiferner Stab in dem Roſt eines Herdes, Ofens 20.5 
der Roftwender, Hüttenw. ein Arbeiter, welcher das unten liegende Erz aus 
dem Rofte herauszieht und oben aufſtürzt; — Ableit. röften 2. ziel. Zw. - 
(altd. röstjan, garostjan, roesten; roman. rostire, daher das franz. rötir, 
\hraten), auf einem Roft oder in einer Pfanne über einem Kohlenfeuer 
Lraten (leifch 26.); in weiterer Bed. bei einem mäßigen Feuer fehnell aus: 
teodnen, ein höherer Grad des Dörrens (Kaffee —, gew. brennen; Mehl in 
einer Pfanne—); Hüttenw. mittelft des Feuers die wilden Maffen aus 
den Erzen treiben, die erfte Bearbeitung der Erze, worauf erft das Schmel- 
zen folgt (f. 0. Roft 1); daher das Röſthaus, die Röſthütte, der Röſt— 
fhuppen, das Gebäude, in weldyem die Erze geröftet werden; das Röſt— 
hıylz, das zum Röſten der Erze dienende Scheitholz; der Röftofen, die Röſt— 
ftöitte, der Ofen oder ummauerte Platz, wo die Erze geröftet werden; die 


Röſtſchlacke, beim Röften der Kupferbleche entftehende Schladen; die Röſte 2. 


Hiittenw. der Platz zum Röſten der Erze, die Röſtſtätte; auch der Noft 


fetisft, def. der Kalkroftz der Röſter, —s, mer röftetz bei. Bergw. f. v. w. 


Roftbrenner; röftern, Zw., holftein. f. auf den Roſt legen; auch fich Lange 
mit etwas zu Schaffen machen. 

WRoſt 3. m., landſch. f. Rooß im Bienenftode. 

voth, Bw., Comp. röther, Sup. rötheft Caltd. röt, altfäch]. rod; isländ. 
raucr, ſchwed. röd; angelf. read, reod, engl. red; vergl. das ſanskr. röhita, 
griech. ———— lat. xuber, rutilus; bei der ganz gewöhnl. übertragung des 
Hörbaren auf Sichtbares (vergl. grell, hell zc.) iſt es nicht unwahrſcheinlich, 
dafs der Stamm diefer Wörter in der fanskr. Wurzel ru, fchallen, liegt), 
Nannen einer bekannten einfachen Hauptfarbe, die fi) durch vorzügliche 
Lebhaftigkeit auszeichnet und fehr mannigfaltige Abftufungen hat, als dunkel-, 
hoch, hell-, blafsroth, blut», fcharlach-, Eupfer-, ziegel-, fuchs-, rofenroth ꝛc.; 
in bejfonderer Anwendung: von der Farbe des Gefichts und einzelner Theile 
desfelben (rothe Wangen, Lippen, ein rother Mund; roth werden, d. i. im 
Geficht erröthen, bef. vor Scham; ſprichw. heute roth, morgen todt, d. i. 
heute gefund und blühend 2c.), ferner: rother Wein, rothe Tinte; die rothe 
Fahne, d. i. Blutfahne;z die rothe Ruhr, |. Ruhr; der rothe Hahn, f. 
Hahn; im deutfchen Kartenfpiel die durch rothe Herzen ausgedrücte Farbe (da 


‚ber das rothe Daus, der rothe König ꝛc.; roth ausfpielen ꝛc.); Berg- und 


Hüttenw. rothes Gebirge, d. i. eifenfchüffige Bergart; das wahre rothe 
Todte, d. i. cine röthliche taube Erdart; rothe Glätte, die befte Bleiglätte; 
other Bergfchwefel 2c.; b. Kupferfchmieden: die rothe Gluth, d. i. der 
rothe Anſtrich auf der Außenfeite eines Keffels; in Zuderfiedereien: rother 
Zuder:, nicht völlig gereinigter Ausfchufs-Zuder; in weiterer Bed. bezeichnet 
roth auch verwandte Farben, namentlich: hochgelb (rothes Haar; vothes 
Gold ıc.), und braun, be. röthlichbraun (eine rothe Kuh; das vothe oder 








toth 543 


Rothmwildbret, ſ. u.); das Roth, -e3 0. M., die rothe Farbe (ein ſchönes Roth; 
das Abendroth; das Roth der Scham, oberd. auch der Roth); etwas Nothes, 
be. ein vorher Färbefloff (2. 8. indifches Roth, auch rothe Erde ge 
nannt); — Bfes. das Rothauge, eine Art Weißfiiche mit rothen Ringen um 
die Augen, auch Röthling, RothEaraufche, brandenb. Rodaun; landſch. 
auch f. Rothfeder; u. eine Art Schwimmſchnecken; rothäugig, Bw., rothe 
Augen habend; die Rothbacke, verkl. das Rothbäckchen, eine Perſon mit 
rothen Baden; rothbäckig, Bw., rothe Baden habend; der Rothbart, eine 
Perſon mit rothem Barte (Friedrich der Rothbart, fr. Barbaroſſa); auch f. 
Bartfiſch, Barbe; eine Art grauer wilder Enten; das Rothkehlchen; roth— 
bärtig, Bw., einen rothen Bart habend; der Rothbauch, eine Art Spechte 
mit voth gefledtem Baucdhe; der Rothbaum, Lärchenbaum; die Nothbeere, 
f. Erdbeere; das Nothbein, eine Art Schnepfen mit rothen Beinen; das 
KRothbeinholz, landſch. f. Hartriegel; der Rothbinder, landſch. f. diejen. 
Fafsbinder, weldye große Gefäße aus dem dunkleren Eichen und Buchenholze 
verfertigen, auch Schwargbinder, entg. Weißbinder; die Nothbirke, eine Ab- 
art der gemeinen Birke, mit röthlicher Rinde, Wafferbirke; die Nothbirn, 
eine Art rother dicker Birnen; das Nothbläfschen, eine Art Wafferhühner, 
der Grünfuß; rothblütig, Bw., rothes Blut habend (vothblütige Ihiere); 
rothbraun, Bw., ins Rothe fallend braun; rothbrüchig, Bw., Hüttenw. 
vom Eifen, welches, wenn es rothglühend ift, unter dem Hammer leicht zer 
bricht, entg. kaltbrüchig; Forftw. von Bäumen: nad dem Kerne zu fchadhaft, 
fpröde u. röthlih, auch rothfaul, rothfeitig; oberd. f. finnig im Geficht; 
die Rothbruft, verkl. das Rothbrüftchen, oberd. -brüſtel, f. v. w. Roth: 
kehlchen; die Nothbuche, eine Art Buchen, deren Holz eine dunklere Farbe 
hat, als das der Weißbuche; daher rothbüchen, Bw.; die Rothdocke, 
landſch. f. Birkenpilg; die Rothdroſſel, Weindroffel (weil fie unter den Flüs 
gen roth if); die Notheiche, gemeine Eiche, Wintereiche (mit dunflerem 
Holz, als die Sommereihe); die Roth-Ente, eine Art Enten mit rothem Halfe, 
auch Rothhals, RothEopfzc.; die Roth-Erle, gemeine Erle; der Roth. 
färber, ſ. Färber; rothfaul, Bw., f. rothbrüchig; die Nothfeder, verſch. 
Fiſche mit rothen Flofsfedern, bef. die Plötze, auch Rothfieder, Rothfloſſe 
od. -floffer, Röthel zc.; die Nothfichte, eine Art Fichten mit rötherer Rinde, 
als die entg. Weißfichte; der Rothfink, Buchfink; Dompfaff; der Rothfifch, 
Alps od. Bergforelle mit röthlichem Fleiſch; auch f. Rothfohre, Röthling; roth— 
fledig, Bw., rothe Flecken habend; die Nothfohre, 1) der Krummholzbaum 
(Rothföhre); 2) zwei Arten forellenähnlicher Fifche in den Schweizer-Seen: 
die große, und die Kleine Rothfohre, Lestere au Röthelein genannt; der 
Rothfuchs, Brandfuhs; auch ein rothgelbes Pferd (Fuchs), deffen Farbe 
fehr ins Rothe fällt, z. U. v. Licht: u. Schweißfuchs; der Rothfuß, f. v. w. 
Rothbein; auch die wilde nordifhe Gans; rothfüßig, Bw., rothe Füße ha- 
bend; die Rothgans, Baumgans; rothgar, Bw., durch Lohe gar gemacht 
(Leder); rothgelb, Bw., ins Rothe fallend gelb; der Nothgerber, Lohgerber, 
entg. Weißgerber; die Nothgerfte, ſechszeilige Wintergerfte; die Nothgerte, 
landſch. f. Hartriegel; der Nothgießer, ein Handwerker, welcher Geräthe 
aus Kupfer gießt, verſch. Gelbgiegerz der Rothgimpel, Dompfaff; roth- 
glühend, Bw., mit rother Farbe glühend (Eiſen; verſch. weißglühend, wel— 
ches der höchfte Grad des Glühens ift); rothgülden od. rothgüldiſch, Bw., 


544 roth 


Bergw. von reichhaltigem Silbererz, welches eine hochrothe Farbe hat: Rothe 
güldenerz; vothhaarig, Bw., rothes Haar habend; der Rothhals, verki. 
das Rothhälschen, eine Art Strandläufer mit rothem Halfe; auch f. Roth: 
Ente; u. f. rothbrüſtige Gans; der Rothhänfling, eine Art Hänflinge, deren 
Vorderkopf und Bruft blutroth ift, Blut», Leinhänfling 2c.; rothhart, Bw, 
Forſtw. von Bäumen, welche auf der einen Seite einen rothen brüdigen Strid 
Holz haben; der Rothhirſch, der gewöhnliche rothbraune Hirſch, Edelhirſch, 
3. U. v. Damhirſch; das Nothholz, rothes Holz, bei. Färbeholz (4. B. das 
Brafilien,, Campeche-Holz 2.);. das Nothhorn, eine Art Nachtfchmetterlinge 
mit einem rothen Horne; das Rothhuhn, landſch. f. Haſelhuhn; auch eine 
Art Rebhühner im ſüdl. Europa, rothes Rebhuhn, Berghuhn; die Rothkappe, 
verkl. das Rothkäppchen, eine Perſon mit rother Kappe (z. B. in dem bes 
kannten Mährchen); Naturk. eine Art Pilze mit rothem Hute; die Rothkehle, 
eine Art ſchwarzer Schlangen in Ägypten, mit einem blutrothen Flecken an 
der Kehle, auch Blutkehle; das Rothkehlchen, ein bekannter Eleiner Sing: 
vogel mit rother Kehle und Bruft, auch Rothbrüftchen, Rothkröpfchen, 
oberd. RothEröpfel; der Rothknopf, eine Art des Judas- od. Griffelbaus 
mes, Salatbaum 2c.; der Rothkohl, eine Art Kopfkohl mit dunkelcothen 
Blättern; der Rothkopf, verkl. das Rothköpfchen, gem. eine Perfon mit 
rothem Haare; Naturk. f. Roth-Ente; eine Art rothköpfiger Spechte; eine 
Art Neuntödter: rothköpfiger Würger; eine Art vothköpfiger Meerbraffen z 
rothköpfig, Bw., einen vothen Kopf habend; gem. f. rothhaarig; die Roth— 
kugel, eine Art efsbarer Pilze; der Rothlachs, ein Lachs, deffen Schuppen 
einen röthlichen Band haben; der Rothlauf, oberd. f. die Rofe als Krankheit 
¶. Roſe 5); niederd. f. die rothe Ruhr (gew. der rothe Lauf); eine Krank 
heit der Pferde, beftichend in Eiterbeulen u. Blattern an den Schenkeln; ein 
hisiges Fieber der Schafe (das heilige Feuer); das Rothlaufkraut, Roberts- 
Eraut, als Mittel gegen den Rothlaufz die Nothlippe, eine Art Klippkleber 
mit rothgefprenkelter Schale; der Rothmantel, eine Perfon in rothem Mans 
tel, auch Nothmäntler (Benennung der Kroaten im öftreich. Deere); die 
Nothmaus, der Lemming, die norweg. Bergmaus; das Nothmetall, röth— 
liches Meffing; der Rothmund, eine Art Trompetenfchneten, u. eine Art 
Schnirkelſchnecken; rotymündig, Bw., einen rothen Mund habend; die 
Kothnufs, eine Art Hafelnäffe, deren Kern mit einer rothen Haut überzogen 
ift; der Rothpilz, Birkenpilz; der Nothrod, eine Perfon mit rothem Rode; 
der Nothring, eine Art Napffchneden; die Rothrüfter, eine Art amerikan. 
Küftern mit gelbem, hartem Holze; der Nothichenkel, verſch. Schnepfenarten 
mit vothen Füßen; der Rothſchimmel, ein röthlich weißes Pferd (vergl. 
Schimmel); der Nothichlag, Bergw. röthlichbraune Blende; der Roth— 
ſchlägel, landſch. f. Dompfaff; der Rothſchmied, Landfch. f. Kupferfchmied; 
der Rothſchnabel, eine Art brafil. Sperlinge mit rothem Schnabel u. Füßen; 
auch eine Art Mewen; rothfchnäbelig, Bw., einen rothen Schnabel habend; 
die Rothſchuppe, eine Art Eleiner Meerbraffen mit rothen Schuppen; der 
Rothſchwanz, gew. verkt. das Rothſchwänzchen, ein zum Grasmüdenge- 
ſchlecht gehörender Vogel mit rothem Schwanze, landich. Rothfterzchen, 
Rothzagel ꝛc.; auch verfch. andere Vogelarten, z. B. eine Art vother Am 
fein; rothfeitig, Bw., Forftw. 1. v. w. rothbrüchig u. vothhart; der Roth— 
fpecht, der gewöhnt. Buntſpecht; der Rothſtein, ſ. u. Röthel; der Rothftift, 





röthen — KRotte ° 545 


Zeichenftift von Röthel; rothftreifig, Bw., rothe Streifen habend; der Roth— 
firumpf, eine Perfon mit vothen Strümpfens Natur. der zimmtrothe Pilz; 
dev Rothvogel, eine Art röthlicher Nachtigallen; der Blutfint, Dompfaff; 
der Stieglig; rofhwangig, Bw., rothe Wangen habend; der Rothwenzel, 
eine Art Bruftwenzel mit rothem Leib u. dunkelrothen Schwungfedern; das 
Rothwild od. -wildbret, das gewöhnt. Hirſchgeſchlecht (ſ. o. Rothhirſch, u. 
voth); die Rothwurſt, Blutwurſt; die Rothwurz, die röthliche Ruhrwurz; 
der Rothwüftling, landſch. f. Rothkehlchen u. Rothſchwänzchen; der Roth- 
ziegel, eine Art roter Käfermuſcheln; — Ableit. die Nöthe, o. M. (altd. 


rott, roete, oberd. die Röt, Nöten), das Mothfein, die rothe Farbe eines 


Körpers, bef. am menſchl. Körper (die Röthe der Haut, der Wangen, der 
Augen; die Schamröthe 2e.); etwas Nothes, z. B. ein rother Schein oder 
Glanz (Abend, Morgentöthe), bei. ein rother Farbeftoff (z. B. Färberröthe, 
b. Särberöthe, ſ. d. u. Krapp: Aderröthe, eine Eleine Pflanze mit pur- 
purrothen Blumen; wilde Bergröthe, eine Art des Waldmeifters); oberd. 
Zäg. au f. das Blut; der Röthel, —s, M. w. E., überh. ein rother 
Körper; insbef. 1) ein zum Zeichnen gebrauchter brauntother eifenfchüffi- 
ger Spedftein, auch Nöthelftein, Rothftein, rothe Kreide ꝛc. genannt; 
2) f. Rothfeder; 3) oberd. ein Rind von röthlicher Farbe; auch eine Vo— 
gel Art (Steinrötheh; Zſetz. die Röthelerde, eine ftaubige, eifenhaltige 
Erdart (englifche Erde); der Röthelgeier (auch Rittelgeier; wahrfch. von 
anderem Stamm), eine Art Geier, der ſich in altem Mauerwerk aufhält und 
von Eleinen Vögeln und Mäufen nährt; der Röthelſtift, Rothſtift; die 
Nöthelzeichnung ꝛc.; das Nöthelein, -8, ſ. o. Rothfohre; die Rötheln, 
0. E. (gem. niederd. Ritteln), eine den Mafern ähnliche Ausfchlagskranf- 
heit der Kinder; rothen, ziellof. Zw. (altd. rötEn), völlig vlt. f. roth fein, 


roth werden; röthen, Zw. (altd. rötjan, roeten) 1) ziel. roth machen, roth 


färben (die Hände find geröthet von Blutz der Abend röthet den Himmel; 
das Eifen—, d. i. roth glühen); rückz. fih—, roth werden; 2) felten ziel- 
los f. roth werden (z. B. die Äpfel röthen ſchon; vergl. erröthen); oberd. 
vom Rindoich f. voth harnen, Blut harnen; rötheln, ziellof. Zw., Neuw. 
f. ein wenig voth werden; vöthlich fein; vöthlich, Bw., fich der vothen 
Farbe nähernd, ins Rothe fallend; daher röthlihbraun, = gelb ꝛc.; der 
Noöthling, -e3, M. -e, das Rothſchwänzchen; das Rothauge; eine Art 
Lippfifche; eine Forellenart; ein röthlicher efsbarer Schwamm, Roth-, 
Auguſtſchwamm; ein hellvother Wein; das Röthfchel, -8, Landich. f. das 
fledige Flöhkraut od. Pfirfichkraut. 

röthen 1. od. röten, 3w., Nöthe 1. od. Nöte, w., niederd, f. röften, 
Röſte (f. unter Roft 1.) — Röthe 2. röthen 2. ꝛc. — Rothziegel, ſ. 
unter roth. 

rothwälſch, Bw., u. als Hw. dag Rothwälſch, (von Rot, welches in 
dieſer Sprache felbft einen Bettler bezeichnet, u. wälfch f. fremd, ausländifch), 
die gemifchte Sprache, welche die europ. Zigeuner, Gauner und land- 


ſtreichenden Bettler unter fih reden, ein Gemifch von gemeinem Ober- 


deutſch, Jüdiſchdeutſch u. felbftgemachten Wörtern; in weiterer Bed. überh. 

eine unverftändliche, ſchlechte Mifchfprache, vergl. kauderwälſch. 
Rotte 1. w., M.-n (mittelh. rote, rotte; gem. nieders u. oberd. Rob, 

Rot, Rott; holl. rot, rotte, roote, sengl. ront; mittl. lat, ruta, rottaz alt⸗ 


Heyſe's Handwörterb. d, deutfchen Spr. 2. Shell 35 


546 Rotte — Ro 


franz. route f. Compagnie; flaw. rota; von dunkler Abſtammung; vgl. Rubel, 
und das ſchweiz. Rood, Rhode f. Gemeinde, Landesbezirk, bef. in Appenzell) 
1) überh. ein Haufen, ein Zrupp, eine Schaar von Menſchen od. Thieren 
(z. B. Säg. eine Rotte Wölfe; Fleifch. auch ein Paar Schlachtthiere), bei. 
Kıfpr. ehem. ein unter einem Befehlshaber ftehender Soldatenhaufen, 
eine Kriegerſchaar von ſehr verfchiedener Zahl (von 6 bis 100 Mann, in 
lesterem Fall f. das fr. Compagnie); in manchen Städten auch eine Bürger: 
Abtheilung, z. B. bei Schügengefellfchaften, Feuerwachen 2c.; jest gew. in 
engerer Bed. ein unruhiger, aufrührifcher Volkshaufen, in böfer u. ſchäd— 
licher Abficht vereinigtes Gefindel, finnv. Bande (bibl. der Gottlofen Rotte; 
eine Rotte Diebe, Räuber 2c.); auch verächtl. f. Partei; 2) oberd. f. Ord— 
nung, Weihe, nach welcher eine Verrichtung, bef. das Fahren der Fuhr— 
leute ꝛc., geſchieht (gew. Rod, z. B. das Salz durch Roden, Rodfahrten ze. 
fortſchaffen; Kaufmannsgüter rottweiſe fahren; daher: Rottſtraße, Rott— 
güter, Rottfuhrleute od. Rottleute ꝛc.); — Z3ſetz. der Rottengeiſt, 
verächtl. f. Parteigeiſt; auch ein parteiſüchtiger Menſch; der Rottenmacher, 
-ftifter, wer unerlaubte Verbindungen ſtiftet; rottenweiſe, Nw., nach od. in 
Rotten, d. i. Schaaren, Abtheilungen; der Nottgefell, chem. ein Glied einer 
Kotte, d. i. Kriegerfchaar; der Rottmeiſter, Rottenführer, der Anführer 


einer Soldaten-Rotte (fr. Gorporal); Bergw. ehem. f. Schihtmeifter; — 


Ableit. rotten, gew. mit fremdartiger Endung rottiren, ziel. u. bef. rückz. 
3w. f. verfammeln, vereinigen, ſchaaren, eine Notte bilden (fi zu Se- 
mand—; bibl. die Feinde rotten ſich zu Hauf); daher der Rottirer, -$, 
Rottenmacher; Glied einer aufrührifchen Rotte; die Rottirung, niederd. 
Rotterei (Rotterije), das Zufammenrotten, die Verſchwörung. 

Rotte 2. w., M. -n (altd. hrotta, rotta, rotte; oberd. Rotten; altfranz. 
rote, route), ehem. ein harfenähnliches fiebenfaitiges Tonwerkzeug; aud) 
eine mit Saiten befpannte Drehleier; daher das Nottenfpiel; rotten, 3w., 
auf der Notte fpielen. 

rotteln, ziellof. Zw., niederd. f. röcheln. 

rotten, 3w., 1. f. Rotte 1. — 2. f. Rotte 2. — 3. ziel. Zw. alt und 
landſch. f. reuten, voden, |. d. (bibl. ich will ihn mitten aus feinem Volke 
rotten; jest nur gebr. in ausrotten); daher der Nottzehnte, f. v. w. Rode 
od. Reutzchnte;s — rotten 4. ziellof. Zw. (niederd. gem. raten; isländ. rotna; 
angelf. rotan, rotian, engl. rot; vgl. Roft 1., roften), landſch. f. faulen, ver⸗ 
wefenz bef. in verrotten; bafer rötten, ziel. 3w.; f. vöften (Flache); 
rottig, Bw., f. voftig, faul; — rotten 5. ziel. Zw., auch rotteln (ſchweiz. 
roden, rodeln; vgl. rütteln), oberd. f. regen, bewegen; ſchütteln, rütteln; 
locker machen; daher rottenhaft, Bw., bair. f. regſam, rührig, geſund 
von Ausſehen. 

rottenweiſe, rottiren, Rottmeiſter, ſ. unter Rotte 1. 

Rotz, m., -es, o. M. (altd. roz, hroz; von der Wurzel ruz, riuzan, 
Thränen vergießen, weinen; daher altd. auch roz,. das Weinen, oberd. noch 
rogen f. weinen; urfpr. alfo wohl überh. etwas Fließendes; über verw. mit 
rozjan, faulen, f. Roft 1.9), der zahe Schleim, welcher fich aus den Drüs 
fen der innen Nafenhaut abfondert, ein für unedel geltendes Wort, wofür 
man lieber Nafenfchleim fagt; eine Krankheitder Pferde und Schafe, be⸗ 
ſtehend in ſtarkem Schleimausfluſs aus der Naſe; landſch. gem. f. Fäulniſs, 





Rotzalaun — Rübe 547 


Schimmel; — 3feg. der Rotzbart od. das Rotzmaul, niedr. ein mit Rotz 
befudeltes Maul; ein Kind mit folhem Maule; der Rotzbube, NRoslöffel, 
niedr. Schimpfw. f. ein junger unbärtiger Menfch; der Rotzfiſch, Schleim: 
fiſch; Kaulhaupt, auch Rotzkolbe; der Rotzlappen, niedr. f. Schnupftuch; 
die Rotznaſe, verkl. das Rotznäschen, gem. f. eine rotzige Naſe; auch ein 
Kind mit einer ſolchen; als niedr. Schimpfw. ſ. v. w. Rotzbube 2c.; die Rotz— 
ſchnecke, gem. f. nackte Erdſchnecke; der Rotzſchwefel, die gröbſte Art des 
Schwefels, gegen den Rotz der Pferde gebraucht, auch Roſs-, Pferdeſchwefel; 
— Ableit. rotzig, Bw., mit Rotz beſudelt, niedr. überh. f. ſchmutzig; den 
Rotz habend (ein rotziges Pferd); die Rotzigkeit; rotzen, zielloſ. Zw., niedr. 
f. den Rotz laufen laſſen, od. in der Naſe in die Höhe ziehen. 

Rotzalaun, m. (von dem holl. rots, Felfen), Zelfenalaun, Alaunſtein. 

roßen, 3w. 1. f. unter Rotz; — 2. (altd. rozjan, vgl. Roft 1.) oberd. f. 
faulen, verwefen, abzehren; rößen, Zw. 1) ziellos f. v. m. rotzen; 2) ziel. 
f. faulen machen, vöften (Flachs 2c.). 

roßig ꝛc. — Rotzſchwefel, ſ. Rose. 

Rubber, m., -8, M. m. E. (vergl. das engl. rub, reiben, ſcheuern; 
rubber, Wifch, Raspel 2c., rub, Unebenheit), -niederd. ein eifernes Werk— 
zeug der Segelmacher zum Ebenen der Näthe; rubberig, Bw. (Holl. rob- 
belig), niebderd. f. rauh, uneben, holperig. 

Rübe, w., M. -n, Verl. das Rübchen, oberd. Rüblein (altd. ruoba, 
rüebe; oberd. Rucb, Nueben, niederd. Röwe, isländ. röfa, ſchwed. rofwa; 
u. daneben altd. raba, rabe, räbe (vgl. Räbe), lat. rapa, griech. darrus, depuvs; 
flaw. repa, engl. rape, franz. rave 2c.), überh. die rundliche, fpiß zulaufende, 
fleifchige, efebare Wurzel verfchiedener Gewächfe, und diefe Gewächſe 
felbft (z. B. gelbe Rübe od. Mohrrübe, |. d.; Kohlrübe; vothe Rübe, f. Man- 
Hold); in engerer Bed. die weiße Nübe, eine Kohlgattung mit einer bald 
platte, bald Länglich «runden efsbaren Wurzel, von verfch. Arten, al: Waf- 
fer-, Sted-, Mair, Herbftrüben, Teltower od. märkiſche R., die Eleinfte und 
feinfte Stedrübe 2c. (ſprichw. Alles unter einander mengen, wie Kraut und 
Rüben, d. i. unordentlih; einem Rübchen fhaben, d. i. mit dem Zeige: 
finger der rechten Hand wiederholt über den der Linken ftreihen, als nedende 
Geberde des Spottes und der Schadenfreude); uneig. der in den Schwanz 
übergehende Theil des Rückgrats beim Pferde (Schwanz-, Schweif- 
rübe); einige Arten der Stachelfchnede, u. eine Art Blafenfchneden; — 
3feg. der Nübenader, das Nübenbeet, feld, -land ꝛc.; rübenähnlich, 
artig, =fürmig, Bw.; der Nübenbau; der Nübenbaum, ein ausländ. 
Gewachs; der Rübenhahnenfuß, knolliger Hahnenfuß, f. d.; der Rüben- 
Ferbel, eine Art Kälberkropf (f. d.) mit Enolliger, rübenförmiger Wurzel; der 
Nübenrapunzel, gelber Gartenrapunzel mit rübenartiger efsbarer Wurzel; 
auch eine Art Glodenbiume; der Rüben- od. gem. Nüberettig, landſch. f. 
der gemeine ſchwarze Nettig, z. U. v. Meerrettig; der Nübenfamen, Samen 
der eſsbaren Rübenz verfch. der Rübefamen od. Nübfamen, die Rübefaat, 
gem. verkürzt: Rübſen, auch Raps, Rapfaat, oberd. Reps, der ölreiche Sa— 
men einer Kohlart mit rübenähnlicher Wurzel, und diefe Pflanze felbft, welche 
nur des Samens wegen gebaut wird; daher das Nübfamen-, gem. Rübfen- 
DI, gem. bloß Rüböl, das aus dem Rübfamen gefchlagene Öl; die Rüben: 
fcheide, eine Art Scheidenmufcheln; der Rübenweißling, ein Schmetterling, 


35* 





548 Rubelle — Rud 


der feine Eier auf Rüben legt; Rübezahl, m., -$, EN. eines fabelhaften 


Berggeiftes im Riefengebirge (der Namen wahrſch. ſlaw. Urfprungs, danhı aber 
in den bekannten Mährchen auf das Zählen von Rüben gedeutet); — Ableit. 
rüben, Bw., oberd. f. von Rüben; rübeln, oberd. Zw. f. nah Rüben 
fhmeden. 

Rubelle, w., M. -n (wahrfch. deutfch, verw. mit reiben, vgl. Rubber), 
Hüttenw. eine Neibeplatte, ein eifernes Blech, worauf die Erze zum Probiren 
Elein gerieben werden. 

Rubin, m., —es, M.-e, (ital. rubino, franz. rubis, vom mittl. lat. ru- 
binus — ruber, roth), ein rother ducchfichtiger Edelftein, der härtefte und 
koſtbarſte nächft dem Diamant; daher der Nubinapfel, auch Rubiner, -3, 
eine Art rubinvother Äpfel; die Rubinfarbe; rubinfarben od. farbig, ru- 
binroth, Bw.; der Rubinflufs, 1. Fluſs; der Rubinring; der Rubin- 
Schwefel, mit Schwefel vererzter rother Arfenik. 

Rüböl, ſ. Rübſamenöl; der Nübfen, f. Rübefamen unter Rübe; daher 
der Nübfenader, das Nübfenfeld, das Rübſenöl ꝛc. 


Ruch 1. m., -e3, M. Nüche (von riechen, ſ. d.), alt u. landſch. f. Ge— 


ruch; daher das Ruchgras, eine Grasart von angenehmem Geruch; ruch- 
105, Bw. f. geruhlos; — Nud) 2. m., f. ruhen 1. — Rudy 3. w., ſ. 
ruchen 2. 
ruchen 1. ziellof. 3w., landſch. f. rochen (ſ. d.), ſchreien, brüllen; daher 
dev Ruch, -Aes, M. -e, 1) f. Schrei, rauhes Gefchrei; 2) f. die Krähe, 
bef. Saatkrähe (auch Ruck; altd. hruch, isfänd. hrökr, angel. hröc, engl. 
rook, holl. roek; niederd. Roof, ein Rabe); der Ruchert, landſch. f. die 
Dohle; rücheln, zielof. Zw., landſch. f. röcheln, wiehern, grungen, fchreien 
wie ein Efel; laut auflachen; murmeln, insgeheim reden, murren. 
ruchen 2 ziellof. Zw. (altd. röhjan, ruohhan, ruahan, ruochen; daher 
garohjan — geruhen, ſ. d.; oberd. ruechen, niederd. rohen; altſächſ. rö- 
kean, ruokean;. angelf. r&can, isländ. rökia; holl. roecken; vergl. verrucht), 
im Hochd. völlig vlt. f. forgen, beachten, Acht haben, auf etwas bedacht 
fein, e8 begehren, verlangen (mit dem Gen.: eines Dinges—); die (auch 
der) Ruch od. die Ruche (altd. ruah, ruoch, m. u. röha, ruahha, ruoche ⁊c. 
w.), vlt. f. die Sorge, Sorgfalt, Achtfamkeit, Obhut, Mühe; der Ruch 
(Ruck) od. Rüchel, oberd. f. ein gieriger, unerfättlicher, habfüchtiger 
Menfh; ruhig, Bw., ſchwäb. f. begehrlich, habfüchtig; vuchlos, Bw. 
(altd. ruahhalös, ruochlös, oberd. rucchlos; niederd. rökeloos), urſpr. u. noch 
mundartl. f. forglos, unachtſam, unbefonnen, nachläffig,, leichtfinnig; 
jest: im höchften Grade achtungslos gegen göttliche Gefege, gottlos, 
völlig verderbt, finnv. verrucht (ein ruchloſer Menſch, ein zuchlofes Leben 
. führen); die Ruchlofigkeit, das Ruchlosſein; eine vuchlofe Handlung. 
Rucht od. Nuchte, f. (holl. rucht, ſchwed. rychte; v. rufen, mit Über- 
gang des fin ch; val. das niederd. u. holl. kracht, lucht f. Kraft, Luft zc.), 
niederd. f. Ruf, z. B. Hülferuf; beſ. f. Ruf — Gerücht, guter oder böfer 
Namenz daher ruchtbar, Bw., duch das Gerücht bekannt, lautbar, 
offenkundig, nur von Sachen u. meift in böfem Sinne (es ift ruchtbar geworden); 
die Ruchtbarkeit, das Ruchtbarſein; rüchtig, Bw., vlt. f. berüchtigt (i. 2.). 
Rudl. od. Rück, m., -e8, M.-e, au die Nüde, M.-n (veral. 
Ruch unter ruchen 1. u. Rad, Racer), landſch. f. die Saatkrähe. 


* 





Ruck — rüden 549 


Ruck 2. m., es (altd. ruch, rucchi, ruckh neben rouh, Rauch), oberb. 
1) f. Rauch, Dunft, Dampf; 2) f. eigener Herd, eigene Haushaltung 
(ipäter mit Ruden, Rüden verwechfelt, z. B. ein Gut od. Haus mit ei- 
genem Rucken oder Rüden befigen 2c.); rückeln, ziellof. 3w., oberd. f. nach 
Rauch riechen oder fehmeden. 

Ruck 3. m., ſ. unter rücken. 

Rück, m., -es, M. -e, (oberd. Rud), verkürzte Nebenform von Rüden 
(f. d.), für fich allein nur in Mundarten üblich; hochd. nur in Zſetz. u. Ab— 
Leit, u. zwar 1) eig. f. Nüden, z. B. in Rückgrat, rüdlings, rüdwärts 
(j. unter Rücken), bef. f. Bergrüden in EN. wie Hundsrück, Hausrüd (in 
Sher-Öfterreich); 2) als Nm. f. zurück, rückwärts, hinwieder, wieder ıc. in 
zgeſ. Haupt, Bei und Zeitwörtern, z. B. Rückblick, Rückfall, Rüdficht, rüd- 
gängig, rücdeuten, rückwirken 2e., welche einzeln an ihrer Stelle aufgeführt 
werden; (die mit rücd ft. zurüc zſgeſ. Zeitwörter find größtentheils Neu- 
wörter; ihrer Betonung nad) follten fie trennbar fein, find aber in getrennter 
Form nicht üblich; man fagt z. B. wohl: eine rückwirkende Kraft, wenn die 
Kraft rückwirkt; nicht aber: die Kraft wirkt rück, ſondern — zurück). 

Rückanſpruch, m. (ſ. Rück), ein Anfprudy, den man an Jemand zue 
rück macht (NReuw. f. das fr. Recurs od. Regrefs). 

Rückanzeige, w., (1. Rück) erwiedernde Anzeige, Gegenanzeige. 

Rückbank, w. (x. wohl Ridband), Jäg. das Strickholz, über welchem 
die Jagdnetze geſtrickt werden. 

rückbetagen, unteb. ziel. 3w., mit einem früheren, fchon vergangenen 
Tage bezeichnen (z. B. einen Brief —; Neuw. f. das fr. poftdatiren). 

Rückbleibſel, |., -$, M. w. E., was zurücbleibt, bef. nach einem 
ſcheidekünſtl. Vorgange (fr. Refiduum), finnv. Überbleibfel, Reſt. 

Rückblick, m., ein zuriick gewendeter, bef. auf Vergangenes gerichte- 
ter Blick. 

rückbringen, ziel. Zw. (ſ. Rüch), vlt. f. zurückbringen. 

Rückbürge, m., Rſpr. 1) ein Bürge, der nöthigenfalls in die Stelle 
des Hauptbürgen tritt, After, Schadbürge; 2) wer dem Hauptbürgen 
feinerfeits bürgt, u. denfelben nöthigenfalls ſchadlos halten muſs; die Nüd- 
bürgſchaft, das Verhältnifs des Rückbürgen. 

rückdenken, ziellof. Zw. (ſ. Rück), Neuw. f. zurückdenken. 

rückdeuten, ziellof. Zw. (f. Rüc), ſ. v. w. zurück od. rückwärts deuten; 
Spradjl. ein rückdeutendes Zeitwort, b. ein rücdzielendes, ſ. d. (f. das fr. 
Verbum reflexivum). 

Rüde, w., f. Ruck J. 

rückeln, 3w. 1. ziellos, f. unter Ruck 2; — 2. ziel. (auch rickeln; ſchweiz. 
rugeln, rügeln; Rugel, f. Kugel; isländ. rugga, wälzen), oberd. f. Eugeln 
tollen, bef. Schnellfügelchen auf dem Boden treiben od. fchnellen. . 

ruden od. ruckern, oberd. auch rudezen, ziellof. Zw. (ein Schallw.; 
vgl. ruchen, rochen; goth. hrukjan, Erähen), Yandfch. f. girren, gurren, von 
den Tauben; uneig. f. kläglich bitten; daher: die Ruckstaube, landſch. f. 
Ringeltaube. 

rüden, 3w. (altd. rukjan, ruchjan, rucchen, rucken, rücken, obers u. 
niederd. ruden; verw. mit regen? vgl. das isländ. roga, in Bewegung feßen, 
ſchwed. rycka, ziehen), 1) ziellos, eig. mit kurz abgefegter, ftoßender Be: 


x 


550 Rücken 


wegung den Ort verändern (z. B. einem näher rücken; der Zeiger einer Uhr 
rückt; Jäg. ber Hafe rüct zu Holze, d. i. er geht in Eleinen Abſätzen gleichfam 
rutfchend zu Holze; — immer m. fein; m. haben nur, wenn feine Ortsbe— 
ftimmung dabei fteht u. die Bewegung eine abfichtliche u. willfürliche iſt; alfo 
3 B. er hat mit dem Stuhle gerüdt; aber: er ift mit dem Stuhle näher 
gerückt; der Zeiger ift gerückt 2c.); in weiterer Bed. überh. fich langſam und 
gleichmäßig fortbewegen (3. B. die Sonne rückt höher; er rückt nicht von 
der Stelle; eö will nicht rüden; vergl. die Zfeß. ab-, anz, hine, her, heraus-, 

hervor⸗, zuſammen-, wegrüden zc.), insbeſ. von ben Bewegungen eines 
Heeres od. Zuges (die Truppen rüden ins Feld, aus dem Lager, find ins 
Land gerüdt zc.; vgl. aus-, ein-, vor-, nachrücken 2c.), auch von der Zeit 
(die Zeit, der Tag 2c. rückt näher, rüct heran); uneig. vom Range od. der 
Würde: höher oder hinaufrücken, d. i. befördert werden; mit etwas her- 
ausrüden, d. i. es hergeben, darlegen (4. B. mit dem Gelde, mit der Spra- 
che 2.—); 2) ziel. etwas—, es mit Eurz abgefestem Zug oder Stoß 
fortbewegen, finno. fihieben (z. 8. den Stuhl an den Tiſch, den Topf vom 
Feuer, den Hut aus dem Gefichte, den Zeiger einer Uhr—; uneig. einem den 
Tiſch —, d. i. in Gefellfchaft Mehrer bei ihm ungebeten zu Gafte Eommen, 
bef. wenn er eine neue Wohnung bezogen hat); ehem. auch f. ziehen, veißen 
(bibl. er rücket fie aus dem Feuer; einen aus der Noth — 2c.); — ber Ruck, 
-08, M.-e, (altd. ruk, ruc), oberd. auch der Ruder, -8, eine einmalige 
—* abgefeste ftoßende Bewegung, finnv. Zug, Stoß (in od. mit einem 
Nude 2c.); uneig. niederd. ein plöglicher Anfall von Krankheit, Wahnfinn ze.; 

ruckweiſe, Nw., in einzelnen Ruden od. Abfägen (fih ruckweiſe Görtz 
der Rudwind, Schiff. ein ſtoßweiſe wechſelnder Wind ohne beftimmte Rich— 
tung, entg. dem ftchenden Winde; — Zſetz. v. rüden: das Rückbrett oder 
die Nüdfchere, der auf der Grundfchwelle einer Mühle ruhende bewegliche 
Bloc, mittelft deſſen das Panfterrad ſich rücen Läfft; der Rückhaken, eiferne 
Haken an Kanonengeftellen zum Rüden des Gefhüges; die Nückleine, das 
Seil, womit die VBogelgarne zufammengezogen werden; die Rückſtange, ein 
Hebel zum Ziehen der Rücfchere; — Ableit. rückbar, Bw., was fich 


rücken läfit; der Nüder, -8, wer rückt; ein zum Rücken dienendes Ding, 


z. B. die Stellſcheibe in einer Uhr; die Rückung, das Nüden. 

Rüden, m., -$, M.w. E., (altd. hrukki, rucke, rugge, ſtark declini- 
vend: des ruckes, dem u. den rucke zc., daher ze rucke — zurücke, zuräd; 
daraus entipringt im Neud. einerfeits die verkürzte Form Rück, Rud, an: 
drerfeitö die verlängerte Rücken; oberd. Rud u. Ruden, niederd. Rugge, 
Kügge, isländ. hryggr, angelf. hryeg, engl. rig, ridge; vergl. das niederd. 


Roke, Roche, f. Abhang, Fels, roman. roc, rocher), bei Menfchen u. Thieren 


der der Bruft und dem Bauche entgegengefeste, fich in die Länge erſtre— 
. ende Theil des Rumpfes, die Hinterfeite des menfchl. Körpers von dem 
Nacken bis zum Kreuze, gem. Budel (ein breiter, Erummer, fteifer Rüden ꝛtc.; 
eine Laft auf dem Rüden tragen; feinen Rüden beugen, d. i. ſich verneigen, 
auch ſich unterwerfen; einem den Rücken Eehren, d. i. fic) von ihm abwenden, 
als Zeichen der Abneigung oder Geringſchätzung; etwas hinter Semands Rüden 
thun (altd. hinder rucke, vergl. hinterrüds), d. i. ohne dafs er es ſieht oder 
weiß; dem Feind in den Rüden fallen, d. i. ihn hinterwärts angreifen; ihn 
im Rüden haben, d. i. hinter fich; einem den Rüden decken, d. i. ihn von der 








Rücken 551 


Hinterfeite befhügen); in weiterer Bed. der obere Zheil, die Oberfeite eines 
fich in die Länge erſtreckenden Körpers. (4. B. ber Rüden der Nafe, der 
Handrücken, f. d.; der Rüden eines Feldbeetes; bef. der Rüden eines Gebir- 
ges, Bergrücten), auch der erhöhete, fic in die Länge erſtreckende Kör- 
per felbft (Landw. das Heu in Rüden legen, d. i. in lange Haufen; Bergw. 
das Flög macht einen Rüden, wenn es um einen oder mehre Fuß fteigt oder 
fällt; Iäg. die Rüden od. Obertüden, f. die Afterklauen (ſ. d.) an ben 
Füßen der Hunde u. des Wildes); ferner der hintere Theil, die Hinterfeite 
eines Dinges (zZ. B. der Rüden eines Meffers, Dirfchfängers, Beiles, d. i. 
die der Schneide entgegengefegte Seite; Krſpr. der Rüden der Laufgräben, 
d. i. das der Bruftwehr entgegen liegende Erdreih); — Z3ſetz. v. Rüden: 
das Rückenband, Anat. ein Band des Fußes zwifchen dem Ferſen- u. Wür- 
ferbeine; das Nüdenblut, eine Krankgeit des Rindviehs u. der Schafe, be: 
ftehend in Stodung u. Anhäufung des Blutes in den Gefäßen des Unterleibes, 
wobei das Vieh den Rüden hod) trägt; die Rückendarre od. Rückenmarks— 
darre, Abzehrung durch Vertrodinen des Rückenmarks; die Rüdendrüfe, 
Anat. eine Drüfe am hinterften Theil des Magenfchlundes; die Rüdenfloffe, 
Floffe auf dem Rüden eines Fiſches, z. U. v. Bauch-, Schwanzfloffe; der 
Rückenfloſſer, ein Fiſch mit Nücenfloffen;z der Rückenhalt, was uns den 
Rücken dedit oder im Nothfall Hülfe und Zuflucht gewährt (von einer-Perfon 
auch: der Rüdenhalter); insbei. Krſpr. f. das Hintertveffen, die Nachhut 
(fr. corps de reserve); verſch. Rückhalt (f. u.); die Nücenhaut oder das 
Rückenfell, Anat. eine Haut, welche den ganzen Oberleib im Innern bekleidet ; 
der Rückenkorb, ein Korb, den man auf dem Rüden trägt, gem. Kiepe; ber 
Rückenkratzer, ein ausgezahntes Holz 2c. an einem Stiele, den juckenden 
Rücken zu Eragen; die Nüdenlehne (auch Rüdlehne), bie Lehne eines 
Sitzes 2c., an welche man den Rüden lehnt, entg. Seitenlehne 2c.; das 
Rückenmark, das im Rückgrat enthaltene Mark; der Rückenmuskel, 
nerv 2C., Muskel, Nerv des Rückens; das Rückennetz, Anat. ein Adernetz 
an der Handwurzelz; dev Nüdenriemen, ein Riemen am Pferdegefchirr, wel- 
cher über den Rüden des Pferdes geht; die Nüdenfchanze, Krſpr. eine Be 
feftigung der Außenwerke einer Feſtung; der Nüdenfchild, ein Schild auf 
dem Rüden 3. B. der Schildkröte; der Nüdenfchlag, Schlag auf den Rüden; 
der Nüdenfchmerz; der Rüdenfchwimmer, die auf dem Rüden ſchwim— 
mende Ruder: od. Wafferwanze; rüdenftändig, Bw., Pflanz. von einer 
Granne, die unterhalb der Spige od. in der Mitte des Balgcs befeftigt iſt; 
dag Rückenſtück, ein Stück Zleifh von dem Rüden eines Schlachtthieres; 
auch der Theil eines Kleides, welcher den Rüden bededt; das Rückenwerk, 
das Kleinere Orgelwerk, welches der Orgelipieler im Rüden hat, entg. Haupt⸗ 
werk; der Rückenwind, von hinten her wehender, günftiger Wind; der 
Rückenwirbel, Wirbelbein od. Gelenk des Rücdgrats; — von Rüd (in der 
Bed. Rüden): der Rückgrat (vergl. Grat; oberd. auch: Ruckdorn, »riem, 
-ftrang), die von den Rüdenwirbeln gebildete jcharfe Erhöhung längs der 
Mitte des Rückens; daher das Rückgratsbein, der Rückgratsmuskel ıc.; 
der Rückgurt, ein breiter Rückenriemen am Gefchirr eines Zug» und der: 
pferdes; die Rücklehne, ſ. o. Rückenlehne; die Rückſeite, Hinterfeite, der 
Border: od. Hauptfeite entgegengefegte Geite (4. B. einer Münze, fr. Revers); 
das Rückſiegel, Gegenfiegel (fr. Gontrafiegel) auf Urkunden zc., auf die Rüde 


592 Rücker — rüchalten 


ſeite des Bogens gedruckt, entg. Hauptſiegel; der Rückſitz, der dem Hauptſitz 
gegenüber befindliche Sitz eines Wagens, auf welchem man mit dem Rücken 
nach der Vorderſeite des Wagens gekehrt iſt; rückwärts, Nw., nad) der 
Seite des Rückens hin (z. B. fallen); mit dem Rücken dahin gerichtet, wohin 
gewöhnlich das Geſicht gerichtet iſt (rückwärts gehen, ſitzen, fahren); landſch. 
gem. f. zurück (z. B. kommen); — Ableit. rückig, Bw., einen Rücken ha— 
bend, nur in Zſetz. wie breit», krummrückig; rücklings, Nw., nach der 
Seite des Rückens, ſinnv. ruckwaͤrts (3. B. fallen); auf der "Seite des 
Rückens (Liegen); von der Seite des Nüdens, im Rüden, von hinten 
(einen angreifen zc.). 

Rücker, m., f. unter rüden. 

rüderinnern, rüdz. Zw. (vgl. Rück), fich einer vergangenen Sache 
(Gen.)—, gew. zurück-, mwiedererinnern; die Nüderinnerung, 1) o. M. 
das Rückerinnern; 2) M. -en, der Gegenftand desfelben (zZ. B. ange- 
nehme NRücerinnerungen). 

rudern, 3w., ſ. ruden. 

rücfahren, 3w. ungebr. f. zurüdfahren; bie Rückfahrt, die Fahrt zu⸗ 
rück nach dem Orte der Ausfahrt; die Rückfährte, Säg. f. Hinterfährte. 

rücfallen, ziellof. 3w. m. fein (vgl. Rück), gew. zurlicfalfen, ſ. d.; der 
Rückfall, das Zurüdfallen, insbef. 1) einer Sache an ihren vorigen 
Herrn, Heimfall G. B. eines Lehns), 2) in-eine eben geheilte Krankheit 
(fr. Recidiv), od. in einen früheren unfittlichen Zuftand (einen Rüdfall be- 
fommen; der Rüdfall zur Sünde 2c.); rückfällig, Bw., rückfallend, in ſei— 
nen vorigen Zuſtand verfallend; die Rückfälligkeit. 

Rückfracht, w., die Fracht, welche ein Fuhrmann od. Schiffer von 
dem Ausladungsorte mit zurücknimmt, Nüdladung. 

Nücfrage, w., eine auf gefchehene Anfrage zurück gegebene Frage, 
bef. an einen Vorgefesten; überh. weitere od. wiederholte Nachfrage. 

Rückgabe, w.,-Zuridgabe, das Zurüdgeben von etwas Empfangenent. 

rückgehen, ziellof. Zw. m. fein, gew. zurüdgehen, umgehen; (@. 8. mit 
rücgehender, gew. umgehender Poft); der Rückgang, das Zurüdgehen, der 
Rückweg; uneig. das Zurüdgehen, d. i. die Nichtvollendung, Vereitelung 
einer Sache, eines Unternehmens 20.5 auch f. Rückanſpruch, Nüdforde- 
rung an Semand (fr. Regreſs; z. B. feinen Rückgang an Semand nehmen); 
daher das Rückgangsrecht (fr. Regrediengreht); der Rückgänger, wer zu: 
rückgehtz rückgängig, Bw., zurückgehend; rückwärts gehend, (insbei. 
Sternk. rückgängige od. rückläufige Bewegung, die eigene Bewegung der 
Planeten und Kometen, welche der Ordnung der Himmelszeichen entgegen zu 
fein fcheint); uneig. in der Ausführung gehindert, nicht zur Wirklichkeit 
kommend (eine Sache rückgängig machen; der Vergleich ift rückgängig gewor— 
den; vgl. zurückgehen); daher die Rückgängigkeit. 

Rückgewalt, w., Erwiederung der Gewalt, Gegengemwalt (gutes Neu. 
f. das fr. Repreffalien). 

Rückgrat, Rückgurt, ſ. unter Rücken; — Rückhaken, ſ. rücken. 

rückhallen, ziellof. 3w. m. haben (vgl. Rück), zurückhallen od. -ſchallen, 
wiederhallen; der Rückhall, MWiederhall. 

ruckhallen, 3w., ungew. f. zurückhalten; der Rückhalt, —es, o. M. 
ſ. v. w. Zurückhaltung in uneig. Bed. (z. B. ohne Rückhalt ſprechen, han— 








et 


Rückkauf — Rückſprache 353 


deln; verſch. Rückenhalt, ſ. unter Rüden); rückhaltslos, Bw. u. Nw., ohne 
Zurückhaltung. 

Rückkauf, m., das Zurückkaufen, der Wiederkauf von etwas Verkauf— 
tem; rücfäuflich, Nw. u. Bw., wiederfäuflich. 

Kückkehr, w., 0. M., das Zurüdkehren, Sich-zurückbegeben, die 
Wiederkehr (auch uneig., z. 7 die Rückkehr des Fiebers; die Rückkehr zu 
Gott u. dgl. m.). 

Rückkunft, w., o. M., * Zurückkommen, die Zurückkunft, d. i. das 
Wieder-Anlangen an dem Ausgangsorte (verſch. Rückkehr). 

Rückladung, w., ſ. v. w. Rückfracht. 

rücklaufen, zielloſ. Zw. gew. zurüdlaufen; dev Rücklauf, das Zurüd: 
laufen nach dem Orte des Auslaufs; rückläufig, Bw., f. rückgängig. 

Nückleine, f. unter rücken; — rüdlings, f. unter Rüden. 

Rüdmarfch, m., der Marfch nach dem Ausgangsorte zurüd. 

Rücknahme, w., das Zurüdnehmen, die Zurüdnahme. 

Rüdprall, m., LE ce Prall (f. d.). 

Nücreife, w., die nach) dem Ausgangsorte zurüdgehende Reife. 

rückrufen, 3w., gew. zurüdrufen; der Nüdruf, das Zurückrufen, die ‘ 
Zurückberufung; aud) ein rückwärts Herichteter Ruf; das Rüdruffchrei- 
ben, Rückberufungsſchreiben (fr. Revocatorium, Rappell). 

Rückſchein, m., Gegenfchein, Gegenbefcheinigung (fr. Revers). 

Rückſchere, w., f. unter rücken. 

Rückſchlag, m., vückwärts gefchehender Schlag; zurückwirkender od. 
Gegenfchlag; Nachſchiag od. zweiter Schlag (des Blitzes); uneig. ſchneller 
Rückgang, plösliche Verfchlechterung. 

rückſchließen, ziellof. Zw., gew. zurückſchließen von den Folgen auf bie 
Urſachen; der Rückſchluſs, ein folher Schlufe. 

rückſchreiben, ziel. Zw. (val. Rück) f. zurückſchreiben; abfchreiben, 
ſchriftlich zurücknehmen; das Rückſchreiben, Antwortfchreiben. 

rückſchreiten, zielloſ. Zw. (gl. Rück), ſ. v. w. zurückſchreiten; der Rück— 
ſchritt, ein rückwärts oder zurück gethaner Schritt, beſ. uneig., entg. 


Fortſchritt. 


Rückſeite, ſ. unter Rücken. 
rückſenden, ziel. Zw., gew. ———— die Rückſendung. 

Rückſicht, w., M. -en, eig. das Zurückſehen, der Rückblick; gew. un- 
eig. die Beachtung andrer Perfonen, Umftände, Verhältniffe, fofern fie 
‚ leitend od. beftimmend auf unfer Handeln einwirkt (auf Semand od. auf etwas 
(Ace) Rüdfihtnehmen;z in Rüdficht, mit od. aus Rücdficht auf etwas od. 
gegen Semand fo verfahren); auch tadelnd: die parteiifche od. eigennüßige 
Beachtung der Verhältniffe (nur nach Rückfichten handeln); in weiterer Bed. 
überh. f. Betrachtung, Betracht, Anfehung, finnv. Hinfiht, Abficht (in 
gewiffer Rücficht); auch f. Achtung, Ehrerbietung (einem die ſchuldige Rück— 
ficht verfagen); oberd. f. Nachficht; rückſichtslos, Bw., Keine Rückſicht auf 
Perfonen und Verhältniffe nehmend; die Nücfichtslofigkeit; ; entg. rüd- 
fihtsvoll, Bw.; rücfichtlih, Nw., in od. aus Rückſicht (mit dem Gen. 
z. B. rücfichtlich feiner Verdienfte ch 

Rückſiegel, Rüdfis, 1. unter Rüden. 

Rückſprache, w., 0. M., Befprechung, Unterredung über eine Sache, 


554 Rückſtand — rudeln 


ehe fie gefchieht, mit Vorgeſetzten od. betheiligten Perſonen (Rückſprache mit 
Semand halten od. nehmen). 

Rückſtand, m., 1) o. M. eig. das Zurücftehen, nur in der bef. Bed.: 
das Zurüdgebliebenfein in der Bezahlung einer Schuld (noch im Rück— 
ftande fein); 2) M. Rückſtände: das Zurüdftehende, Zurückgebliebene, 
der Reft, insbef. der noch nicht bezahlte Theil einer Schuldfumme, oberd. auch 
Außen, Hinterftand (den Rückſtand bezahlen, die Rüdftände eintreiben ꝛc.); 
rückſtändig, Bw., 1) im Rüdftande feiend, noch zu bezahlen habend 
(ein Rücdftändiger); 2) noch nicht bezahlt (Gelder, Steuern; oberd. au: 
binterftändig, rüctellig). 

Rückſtange, f. unter rüden; — Nudstaube, f. unter ruden. 

rücftellig, Bw., oberd. 1) f. rüdftändig;.2) f. rückgängig. 

Rückſtrich, m., das Zurüdftreihen, der Rückzug der Zugvögel, entg. 
Hinftrich. 

rücktreten, zielloſ. Zw.z gew. zurücktreten; dev Rücktritt, das Zurück— 
treten, beſ. uneig. 

Rückumlaut, m., Neuw. d. deutſch. Sprachl., Wiederherſtellung des 
urſpr. reinen Selbſtlautes aus dem Umlaute (ſ. d.; z. B. altd. nennita, 
nannte). ; 

rückwärts, f. unter Rücken. 

Rückwechſel, m., ſ. v. w. Gegenwechſel im Handel. 


Rückweg, m., der Weg, auf welchem man zurückkehrt; auch der Rück⸗ 


gang, die Rückfahrt, Rückreiſe ſelbſt (auf dem Rückwege ſein). 

Rückweichung, w., das Zurückweichen, bei. Bauk. die Weite, um 
welche ein Glied gegen das nächſte zurüctritt. 

rucdweife, Nudwind, f. unter rüden. 

rückwirken, ziellof. Zw. (vgl. Rüd), zurück-, entgegenwirken, einer 
Wirkung MWiderftand leiften (fr. reagiven); die Rückwirkung, Gegenwir- 
fung, Widerftand (fr. Reaction). 

rüdzielen, ziellof. 3w., ungebr. f. zurückzielen; Sprachl. rückzielende 
Für- u. Zeitwörter (Neuw. f. das fr. Pronomina u. Verba reflexiva), welche 
eine Thätigkeit als auf den thätigen Gegenftand (das Subject) felbft zurüd- 
wirkend darftellen (z. B. fich freuen, ſich grämen 2c.). 

Rückzug, m., das Zurückziehen nach dem Ausgangsorte, 3. B. von Zug: 
vögeln, u. bef. von Kriegsheeren (fr. Retraite, Retivade). 

Rüde, m., -n, M.-n (alt. hrudeo, rüdo; angelf. hryththa, rodhund; 
landſch. auch Rüdde, Raude, Redde; oberd. Rüd, Rüdel; niederd. Röde; 
vgl, Nette), Zäg. das Männchen der Hunde, Füchſe u. Wölfe, entg. Fähe; 


in weiterer Bed. überh. ein großer, ftarker Hund, bef. Hetz⸗ und Schäfer: . 


hund (Sau-, Schafrüde); daher das Rüdenhorn, ein Sagdhorn, womit 


den Rüden bei Saujagden Zeichen gegeben werden; der Rüdenhund, großer > 


Hund, Rüde; der Rüdenknecht, ein Knecht, welcher die Saurüden verpflegt. 
Rudel 1. f., -3, M. w. E. (altd. ruodel; verw. mit Rotte, |. d.), Trupp, 
Schaar, Haufen, bef. Säg. (ein Rudel Hirfche, Schweine 2c.); daher tus 
delweife, Nw., in Rudeln; — Nudel 2. f. unter rudeln. 
rudeln, 3w. 1. f. rodeln 35 — 2. (vgl. rodeln 4.), 1) ziellos landſch. f. 
fich bewegen, rühren (Hüttenw. das Erz rudelt, wenn es fich beim Schmel- 
zen in den Herd einfrifft); 2) ziel. f. rütteln, bewegen, rühren; daher das 





Et TE En Bar 








Ruden — Rudolf 555 
Nudel, -3, M. mw. E., Landfch. f. Rührſtock zum umrühren der in einem 
Keſſel Eochenden Maffe; auch die Stangen an einem Vogelherde, das Gerege. 

Ruden, m., -d, M. m. E., ein zum Karpfengefchleht gehörender Fifch. 

Rüdenhorn, =hund, »Enecht, ſ. unter Rüde. 

Ruder, f., -8, M. w. E. (altd. ruodar, ruoder, oberd. Rueder, niederd. 
Roder, Roer; angelf, rodher, engl. rudder; die Wurzel ru, ro ift erkennbar 
in dem isländ. röa, angel. rovan, engl. row, mittelhochd. rüejen, niederd. 
rojen f. rudern), ein Werkzeug, etwas damit in Bewegung zu feßen (da= 
ber Brau. f. Rudel 2., Rührholz), insbef. eine lange, unten breite u. flache 
hölzerne Stange zum Fortbewegen eines Fahrzeuges im Waſſer; auch f. 
Steuerruder, f. d. (daher am Ruder figen, das Ruder führen, d. i. das 
Steuerruder und mittelft desfelben das Schiff lenken; uneig. am Ruder des 
Staates figen, de i. den Staat regieren); oberd. f. das Fahrwafler eines Stro- 
mes; Zäg. uneig. die Füße der Waſſervögelz rudern 1., 3m. (altd. ruo- - 
derön, ruodern, oberd. ruedern) 1) ziellos m. haben, das Ruder bewegen 
u. dadurch das Fahrzeug fortfchieben u. lenken (ans Land rudern) ; in wei- 
terer Bed. Ähnliche Bewegungen mit den Gliedern machen, um ſich da- 
durch fortzubewegen (die Schwimmoögel rudern mit den Füßen, die Fiſche mit 
den Floffen, die Vögel mit den Flügeln in der Luft; ein Menſch rudert mit 
den Armen, wenn er fie im Gehen ſtark bewegt); 2) ziel. mit Hülfe der Ru— 
der fortbewegen (einen Kahn 2c.); — Zfes. v. Ruder u. rudern: die Ruder— 
banf, der Sig der Ruderer auf einem Ruderſchiffe; die Nuderente, eine 
Entenart, welche vorzüglich gut ſchwimmt u. ſich dabei des Schwanzes als 
eines Steuerruders bedient; der Ruderfiſch, eine Art Kleiner Kaulbörfe; das 
Nudergat (. Sat) od. Ruderloch, die Offnungen, durch welche die Ruder 
gehen; der Mudergriff, Handgriff am Ruder; der Ruderfahn, =nachen, 
ein Kahn 2c., der mit Rudern fortbewegt wird; der Ruderknecht, ein ge- 
dungener Rudererz der Nuderlichter, Schiff. ein Tau, womit das Steuerruder 
etwas gelichtet wird; der Mudermeifter, Auffeher der Ruderknechte; die 
Ruderpinne, ein Hebel, womit das Steuer gedreht wird; der Ruderring, 
Ring, durch welchen das Ruder geſteckt wird; das Ruderſchiff ein Schiff, 
welches durch Rudern fortbewegt wird (fr. Galeere), entg. Segelſchiff; der 
Ruderſchlag, Schlag mit dem Ruder ins Waſſer, beſ. das tactmäßige Auf- 
heben und Fallenlaffen der Ruder durch die Ruderer; der Ruderſklav, ein 
zum Rudern auf einem Ruderfchiffe gezwungener Sklav (fr. Galeerenſklav); 
die Nuderwanze, ein wangenähnliches Waffer- Infect, das fich feiner langen 
Hinterfüße zum Rudern bedient; das Ruderwerk, die Ruder auf einem Fahr- 
zeuge mit allem Zubehör; — Ableit. v. rudern: der Nuderer, -8, wer 
rudert; bef. ein Ruderknecht. 

rudern 2. ziellof. Zw. (vgl. rodeln 2), Tandfe, Schallw. f. ſchreien, von 
den Birkhähnen. 

rüdiſch od. rüderifch, n. A. ridifch, riderifch, Bw. (angelf. roedh, isländ. 
hroda-fullr, altd. hrotag — Tat. rudis, franz. rude), oberd. f. roh, nicht 
zart (Fleifh); rauh, grob, ungefchlacht. 

Rudolf od. gew. Rudolph, m., -8, (altd. Hruodolf, angelj. Hrothvulf; 


vom altd. hruod, angelj. hröth, Ruhm, und wolf, alfo eig. der berühmte 


Wolf, KHochberühmte (vgl. Robert); oberd. Ruedolf; niederd. zgez. Rolf, 


556 Ruf — rufen 


Rulf, engl. Ralph), ein männlicher Taufnamen; die Rudolfsfchnede, 
eine Art ſeltener Trompetenfchneden od. Kinkhörner. 

Ruf, m. 1. f. unter rufen; — 2. ſ. Rufe. 

Rufe, w., M.-n, od. der Ruf, —es, Taltd. hruf, ruf; isländ. hrufa; 
oberd. die Rufen, Ruf, Ruft; vgl. ruffen), landſch. f. Krufte, rauhe Ninde, 
Schorf; abdorrende Blatterz chem. auch f. Ausfag, Krätze; der Rufen— 
berg od. Ruffenberg, Bergw., eine eifenfchüffig» kalkige Bergart, welche 
bei den Zwittern gefunden wird; das Rufkraut, Scharfe Flöhkraut, blaue 
Dürrwurz; rufig od. rüfig, oberd. auch rüferig, rüftig, Bw., f. eine harte 


oder rauhe Rinde habend (Semmeln); voll Schorf, räudig; tufferige ° | 


Gänge, Bergw. eifenfhüffige, kalkige u. flözige Gänge bei Zwittergebäuben. 

rufen, Zw. (goth. hröpjan; altd. hruofan, ruofen, Smpf. hriaf, rief, Mir. 
hruofan, ruofen; oberd. rueffen, rüeffen; rieff, gerueffen u. ic) rueffet, geruefft; 
isländ. hröpa, ſchwed. ropa, niederd. ropen, angelf. hrepan,—val. das lat. 
crepare), ablaut. ruft, ruft (nicht rüfft ꝛc.); Smpf. rief, Gonj. tiefe; Mw. 
gerufen, (bei Manchen weniger gut umend.: rufte, geruft), 1) ziellos m. 
haben, die Stimme erheben, laute, gegliederte (articulirte) Töne oder 
Worte hören laffen, immer mit der Abficht, vernommen zu werden, die in 
dem finnv. ſchreien nicht nothwendig Liegt (man hörte rufen; zu Gott—, um 
Hülfe—, ins Gewehr rufen); einem—, ihm zurufen, d. 1. ihm durch 
laute Stimmenädußerung ein Zeichen geben, dafs er aufmerke, herbei— 
komme zc. (bibl. du haft mir gerufen; uneig. die Trompete ruft dem Krieger; 
dicht. wer ruft dem Heer der Sterne? d. i. wer gebietet ihm zu erfcheinen); 


2) ziel. etwas—, mit erhobener Stimme ausfprechen, ausrufen (ein | 


Wort zc.; einem etwas ins Ohr-—; uneig. ihm etwas ins Gedächtniſs —, d. i. 
ihn lebhaft daran erinnern, vgl. zurückrufen), laut anzeigen, bekannt machen 
(die Stunden—, abrufen); einen—, ihm durch laute Stimmenäuferung 
ein Zeichen geben, dafs er ſich nähere, ihn herbeirufen (einen zu Hülfe, 
zum Zeugen, zu fih—; du Eommft, wie gerufen, d. i. gerade zur rechten Zeit, 
da man nad) dir verlangt; auch: Thiere, z. B. Hühner, Gänfe ꝛc. —, d. i. 
durch eigenthümliche Naturlaute herbeilocken); uneig. überh. zu etwas auf: 
fordern, bewegen, antreiben (die Glocke ruft uns in die Kirche; die Ehre, 
die Pflicht ruft mich 2c.); — der Ruf, -es, M. (felten) Rufe, (altd. hruoph, 
ruof, ruoft; oberd. Rueff), 1) das Rufen u. der dadurch hervorgebrachte 
Laut, bef. fofern er Jemand herbeizurufen dient (einen Ruf hören, auf Se 
mands Ruf hören, dem Rufe folgen 2c.), auch von den Lauten der Thiere, 
womit fie einander loden (Zauben-, Wachtelruf zc.), u. von einem durd) 
ein Zonwerkzeug gegebenen Zeichen, insbef. Jäg. ein Stoß ins Hiefhorn 
(einen Ruf in das Horn ftoßen), Krfpr. ein Zeichen mit der Trompete als 
Berfammlungszeichen (den Ruf blafenz fr. Appel); uneig. die obrigkeitliche 
Aufforderung oder Berufung zu einer Stelle, einem Amte ıc. (ex hat 
einen Ruf nad) N. zc. erhalten; fr. Wocation); ein innerer, zu etwas auf 
fordernder od. mahnender Zrieb, finnv. Beruf (dem Rufe der Natur, feines 
Geiftes ze. folgen); ferner f. Gerücht, Gerede (es geht der Ruf, dafs zc.), 
u. bef. das Urtheil der Menge über die Befchaffenheit, den Werth ıc. 
einer Sache od. Perfon (einen dem Rufe nad) Eennenz einen guten, ober 
übeln Ruf haben, in gutem 2c. Rufe fein od. ftehen; Jemand in übeln Ruf 
bringen), insbef. f. guter Auf, Berühmtheit, finnv. Ruhm (ein Mann von 








| 
| 


EEE 


ruffeln — rügen 557 


Ruf; die Anſtalt Fam bald in Ruf etc.); 2) ein Werkzeug zum Rufen, nur 
Zäg. eine Pfeife, mit welcher man die Stimme der Thiere nachahmt, um fie 
zu loden (Hirſch- Enten, Wachtelruf 2c.); auch der lebendige Lockvogel auf 
dem Bogelherde; — die Rufendung, od. b. der Rufefall, Sprach. der 
Verhältnifsfall (Gafus), in welchem ein Gegenftand angerufen od. angerebet 
wird, der fünfte Fall (fr. Vocativ), im Deutfchen mit dem Nennfall (Nomina- 
tiv) übereinftimmend; der Nufer, -8, die Ruferinn, Mi -en, wer ruft, 
gew. nur in Zſetz. wie Ausrufer, Stundenrufer; Schiff. Rufer f. das 
Sprachrohr. 

ruffeln 1. ziellof. 3w., niederd. f. Euppeln, Kuppelei treiben; daher der 
Nuffler, die Nufflerinn, (oberd. Ruffian, ital. ruftano, engl. ruffian, 
franz. rufien) f. Kuppler, Kupplerinn, Gelegenheitsmacher, heimliche Un- 
terhändler; die Nuffelei, f. Kuppelei, geheimes Verſtändniſs; ruffelhaft, 
Bw., f. Eupplerifch. 

ruffen, gew. ruffeln 2. od. rüffeln, ziel. Zw.  riffen, riffeln, ſ. d.), 
niederd. f. reiben, uneig. tadeln, Verweiſe geben; der Ruffel, -8, od. Ruff- 
hobel, f. Schruffhobel. . 

rufferig, rufig, Ruffraut, f. unter Rufe. 

Rufolk, m., Szes, M. -e (gem. Ruffelk, Rofelke), landſch. f. Raubaal, 
Aalraupe. 

rügen, ziel. Zw. (goth. vröhjan, altſächſ. wrogian, niederd. wrögen, angelſ. 
vregian; altd. rögjan, rogan, ruogen, rüegen, oberd. ruegen, rüegen; isländ. 
raegja, ſchwed. röja, ſämmtlich: anklagen), urſpr. wohl überh. anzeigen, mel- 
den, daher ehem. f. anführen, erwähnen (4. B. die gerügten od. angerügten 
Bücher) und auf Befragen befennenz; gew. einen od. etwas —, bei der 
Obrigkeit anzeigen, angeben, anflagen, beſchuldigen; jest bef.: etwas—, 
f. ahnden, ſtrafen, u. zwar gerichtlich, bef. mit Gelbe (ein Vergehen), oder 
gew. mit Worten ahnden, verweifen, tadelnd erwähnen (feine Unbefonnen- 
heit, einen Fehler 2..—); — die Rüge, M.-n (goth. vrögs, angel]. vröht, 
niederd. Wroge, altd. rüege, isländ. röge), ehem. u. noch landſch. f. Anzeige 
vor Gericht, Anklage (fr. Denunciation); der Gegenftand derfelben, das 
Vergehen, Verbrechen (die vier hohen Rügen: Diebftahl, Brand, Noth— 
zucht, Mord); die gerichtliche Unterfuchung eines Vergehens (eine Rüge 
anftellen), u. die darauf gefegte Strafe, bei. Geldſtrafe; jegt nur: eine Ahn— 
dung mit Worten, finnv. Zadel, Verweis (4. B. das verdient eine Rüge) ; 
ehem. auch f. Gericht, Gerichtshof, landſch. noch jest Benennung gewiffer 
Untergerichte in Polizeifachen (oberd. die Rug, das Rugs amt; auch Rü- 
geamt, Rügegericht), u. f. Polizeiverordnung, Polizeigeſetz (die Dorf 
rüge f. Dorfordnung); — 3fes. das Nügeamt, NRügegericht, landſch. 
Benennung untergeordneter Gerichte für Vergehen getingerer Art (f. o. Rüge); 
der Nügegraf, ehem. der vorfigende Richter in einem Rügegerichte; der Rü— 
geherr, mann, -richter, Mitglied eines Rügegerichts; der Nügemeifter, 
Richter bei einem Rügegericht, bef. auf dem Lande f. Schultheiß; chem. auch 
f. Sittenrichter, Hofraeifter; das Nügeopfer, im A. T. ein Opfer, welches 
der Ehemann bringen muffte, wenn er feine Frau einer Untreue angeklagt 
hatte; die Nügeordnung, Ordnuna, nad) welcher ein Rügegericht verfährt; 
auch f. Polizeiverordnung; die Rügefache, Sache, die für ein Rügegericht 
gehört; der Rügetag, Verfammlungstag eines Rügegerichts; — Ableit. von 


558 ruhen 


rügen: rügbar od. rügebar, Bw., was gerügt zu werden verdient, ſtraf⸗ 
bar; landſch. auch f. klagbar (rügebar werden); die Rügbarkeit, Straf— 
barkeit; der Rüger, -8, (altd. rüegaere), wer etwas rügt, ahndet; chem. 


bef. der Anzeiger, Ankläger (fr. Denunciant), landſch. ein dazu angeftellter 
vereidigter Angeber; die Rügung, das Nügen, chem. bef. gerichtl. Unter- 


fuchung und Beftrafung. 
ruhen od. zgez. ruhn, ziellof. Zw. m. haben, (altd. räwen, räwön, ruow- 


jan, ruowön, zuowen; oberd. rucen u. ruewen, niederd. rauen, fchwed. rö; | 


urfpr. wahrſch. Bewegung bezeichnend; dann erft das Nachlaſſen, Aufhören 
derfelben; vergl. Raft, raften, u. die Doppelbedeutung des griech. Zown, Zoweir), 
fih nicht bewegen, die Lage und den Drt nicht verändern; insbef. von 
einer anftrengenden, ermüdenden Bewegung od. Thätigkeit des Körpers 
od. des Geiftes nachlaffen, damit aufhören, finnv. raften, ausruhen, fich 
erholen (von der Arbeit ruhen; ſprichw. nad) gethaner Arbeit ift aut ruhn; 
die Pferde ein wenig ruhen laſſen; er kann nicht ruhen, d. i. er ift beftändie 
in heftiger Bewegung od. Iebhafter Thätigkeit; ich ruhe nicht eher, bis ich 


meinen 3wed erreicht habe, d. i. ich laſſe nicht nach zu ftreben zc.); auch bef.. 


f. aufhören zu lärmen od. zu zanken (z. B. wollt ihr wohl ruhen! 2c.); in 
beftimmterer Bed. f. fchlafen (nad Tiſche—; ich wünfche Ihnen wohl zu 
zuhen 2c.), u. f. todt fein, im Grabe liegen (die Todten ruhen im Grabe; 
bier ruht feine Afche 2c.); auch von lebloſen Gegenftänden: nicht bewegt, 
nicht gebraucht werden (die Feder, der Hahn eines Gewehres ruhetz das 
Schwert ruht in der Scheide; ein Acer ruht, wenn er unbeftellt liegt, um 
neue Kräfte zu gewinnen); auf einem Dinge—, davon unterftüst, ge: 
tragen werden (7. B. ihr Arm ruhte auf feiner Schulter; das Dach ruht auf 
Säulen); uneig. dauernd gegenwärtig fein, haften, verweilen (der Geift 
Gottes, der Segen 20. ruhet auf ihm; fein Blick ruhete unverwandt auf 
ihr); — die Ruhe, M. (Selten) -n, (altd. räwa, röa, ruowa, ruowe; oberd. 
Rue, niederd. Raue; isländ. u. ſchwed. r6), 1) als Abftractum: überh. der 
Buftand des Rubens, entg. Bewegung, Thätigkeit (nicht zur Ruhe kommen 
können; er hat Eeine Ruhe, d. i. er ift immer in Iebhafter Bewegung; ich habe 
feine Ruhe vor ihm, er läſſt mir Feine Ruhe, d. i. er beunruhigt, ftört, neckt 
mich 20.5 auch von Ieblofen Dingen: der Hahn eines Feuergewehrs fteht in 
Ruhe, d. i. ift nicht gefpanntz; die Ruhe eines Aders, d. i. das Brachliegen), 
insbef. das Ausruhen, die Erholung nad) anftrengender Bewegung od. Thä— 
tigkeit, ſinnv. Naft (ich bedarf nach diefer Arbeit der Ruhe; der Ruhe pfles 
gen); in beftimmterer Bedeutung: das Aufgeben der Gefchäfte, die Ge- 
Thäftsfreiheit (fich in Ruhe begeben, zur Ruhe feßen; einen Beamten in 
Ruhe fegen, vgl. Ruheftand); Geräufchlofigkeit, Stille, Ungeftörtheit (die 
Ruhe der Nacht; bei dem Lärm Tann ich nicht mit Ruhe od. in Ruhe lefen u. 
dgl.; Ruhe! als Stille gebietender Ausruf); bef. die Abmwefenheit alles 
Zankes, Streites u. Krieges, finnv. Frieden (die Ruhe lieben; Ruhe halten; 
in Ruhe und Frieden Ieben; die Ruhe einer Familie ſtören; die öffentliche 
Ruhe 20.); das Freifein von Teidenfchaftlicher Gemüthsbewegung (Ge 
müthes, Gewifjens-, Seelenruhez einem die Ruhe vauben; weder Ruhe, noch 
Raft Haben; dem Tode mit Ruhe entgegen fehen); ferner f. Schlaf (fi zur 
Ruhe legen, begeben; einem angenehme Ruhe wünfchen ze.; die Mittags-, 
Nachtruhe 2c.) u. f. Tod (zur Ruhe eingehen; einen zu feiner Ruhe bringen, 











— 


rühlen — Ruhm 559 


d. i. beerdigen); 2) als Concretum: der Ort, wo eine Perſon od. Sache 
ruhet; beſ. in Eigennamen von Hrtern, Schlöſſern 2c. (z. B. Karls-, Wil- 
helmsruhe ꝛtc.); Jäg. der Ort im Gehölz, wo das Wild gelegen hat, das Bett; 
in der Mechanik: der Ort, wo ein Hebel aufliegt (Ruhepunkt); an Gewehr— 
fchlöffern f. v. w. Raft (ſ. d.; — 3fes. v. ruhen u. Ruhe: die Ruhebanf, 
Bank zum Ausruhen; das Ruhebett, ein langer Polfterfig zum Ruben (fr. 
Sopha); der Ruhebock, ein Gerüft der Vogelfteller, worauf die Stangen 
mit den Leimruthen ruhen; das Muhefeld, landſch. f. Brachfeld; das Ruhe— 
gehalt, Zahrgehalt eines in Ruhe Geſetzten (fr. Penfion); die Ruhefammer, 
Schlaffammer; uneig. f. Grab; das Ruhekiſſen, ein Kiffen, darauf zu ruhen 
(uneig. fprichw. ein gut Gewiffen ift ein fanftes Ruhekiffen); ruhelos, Bw., 
keine Ruhe habend, unruhig; die Ruheloſigkeit; der Ruheplatz, die Ruhe— 
ftelle, -ſtatt, -ſtätte ꝛc., Plas, Stelle, wo man ruht oder ausruht; das 
Nuhepulver, Sclafpulver für Kinder, Kinderpulver; der Ruhepunkt, der 
Punkt, auf. welchem eine Laft ruht; der Punkt, u. insbeſ. das Unterfcheidungs- 
zeichen, bei welchem man ruht od. inne hält; der Muheriegel, Krfpr. zwei 
hölzerne Riegel, welche die Wände eines Kanonengeftelles zufammenhalten;z 
der Ruhefiß, ein Sitz, Seffel zc., worauf man ruht; ein Wohnſitz, wo man 
der Ruhe genießt; der Ruheſtab, f. v. w. Malerftod; der Ruheſtand, Zu— 
ftand der Gefchäftlofigkeit, Freiheit von Amtsgefchäften (einen Beamten in 
Ruheſtand verfegen); die Ruheſtunde, der Ruhetag, Stunde, Tag, zur 
Ruhe beftimmt; der Ruheſtörer, die Ruheſtörerinn (ſ. ftören); ruhevoll, 
Bw., ganz ruhig; das Auhezeichen, ein Zeichen, welches Stille od. Inne— 
halten gebietet, Ruhepunkt, Pauſe; die Ruhezeit, der Ruhe od. Erholung ge- 
widmete Zeitz — Ableit. von Ruhe: ruhig, Bw. u. Nw. (altd. ruowec; 
oberd. ruewig, rueig), überh. Ruhe habend, haltend, in Ruhe; insbef. ohne 
Bewegung (ruhig liegen, figen 2.5 die See wird ruhig); ohne befchwerliche 
Gefchäfte (ein ruhiges Leben führen); ohne Geraufh, ftill, ungeftört (ſeid 
ruhig, Kinder! ruhig fchlafen); frei von heftigen Gemüthsbewegungen, ohne 
Angſt, Sorgen ꝛc., finnv. leidenfchaftlos, forglos, gelaffen ꝛc. (fein Sie 
ruhig! etwas ruhig abwarten; ruhig dem Zode entgegen fehen; ein ruhiges 
Gewiffen, Alter 2c.). 

rühlen od. rülen, ziellof. Zw. (aud) rüheln, röheln 2c.), oberd. f. röcheln, 
ſchreien (von den Fröfchen); brülfen, wiehern; verächtl. f. weinen, heulen; 
der Rühler, -8, f. Zuchtftier; der Rühling od. Röhling (f. o. Röling), 
08, M. -e, f. Sumpf, Teichfrofch. 

Ruhm, m., -es, o. M. (altd. hruom, ruom, isländ. rom; oberd. Ruem, 
niederd. Room, holl. roem; urfpr. — Ruf, ſ. u. rühmen), ehem.’ überh. lau— 
tes Geſchrei, lauter Zuruf (vol. d. ſchwed. rom, Beifallsruf); Auf, Ges 
vücht (ſprichw. euer Ruhm ift nicht fein); jest in engerer Bed. guter Ruf, 
u. zwar dev weit verbreitete höchſt ehrenvolle Ruf, der durch große, feltene 
Eigenfchaften u. Leiftungen erworben wird, mehr ald Ehre, (es gereicht ihm 
zum Ruhme, vermehrt feinen Ruhm; nad) Ruhm ftreben; ſich mit Ruhm be= 
decken, d. i. fi) Ruhm, bef. Kriegsruhm erwerben); auch f. das Rühmen, 
Erheben der Vorzüge ıc., finnv. Lob, Preis, oberd. bef. f. Prahlerei (mit 
Ruhm; ohne Ruhm zu melden); der Gegenftand des Ruhmes (bibl. Gott 
iſt dein Ruhm; dies fei mein Ruhm auf Erden! ꝛc.); Zfeg. die Ruhmbe- 
begierde od. =begier, das lebhafte Streben nach Ruhm; die Ruhmgier, der 


560 Ruhr 
- 
Ruhmdurft drücen einen höheren Grad ungemäßigter Begierde nach Ruhm, 
die Ruhmfucht den höchſten Grad derfelben aus; daher die Bw. ruhmbe- 
gierig, ruhmgierig, -Durflig, -füchtig, Ruhmbegier 2c. habend u. zeigend; 
ruhmbekränzt, gekrönt ıc., Bw.; ruhmlos, Bw., ohne Ruhm, unberühmt; 
keinen Ruhm gewährend; die Ruhmloſigkeit; der Ruhmneid, Neid über 
Andrer Ruhm; ruhmredig, Bio. (nicht ruhmeäthig!), fich felbft mit unge- 
bührlichem Ruhm erhebend, finnv. prahlhaft, prahlerifh; die Nuhmredigfeit; 
ruhmreih, Bw., reich) an Ruhm, großen Ruhm habend; ruhmvoll, Bw., 
vielen Ruhm habend, fehr berühmt; vielen Ruhm gewährend (eine ruhmvolle 
That); ruhmwürdig, Bw., des Ruhmes werth, Ruhm verdienend (ein Mann, 
ein Werk 2c.); die Ruhmwürdigkeit; — rühmen, Zw. (altd. hruoman, 
_ ruomen; oberd. rücmen, niederd. römenz urſpr. wohl nur Nebenform v. hruo- 
“ fan, ruofen zc. rufen, mit Wechfel des f und m, wie in Reim 2. — Reif; 
isländ. röma, Beifall rufen; angelf. hreman, freien), 1) ehem. ziellos f. 
fhreien, laut rufen, bef. aus Freude (fo noch in der Bibel); gew. 2) ziel. 
die Vorzüge einer Perfon od. Sache laut verfünden, mehr als loben, weni- 
ger als preifen, f. d. (einen od. etwas —; man rühmt ihn als einen rechtfchaffe- 
nen Mann; jeder Kaufmann rühmt feine Waare;z auch ald Hm. viel Rüh— 
mens von einer Sache machen, d. i. fie fehr rühmen); ſich —, feine eigenen 
Vorzüge erheben, ſinnv. prahlen, großthun (er rühmt ſich beftändig; mit 
dem Gen. der Sache, 3. B. fich feiner Klugheit rühmen; ich rühme mich def 
fen nicht 2c.; Ableit. der Rühmer, -$ (altd. ruomaere), vlt. f. Prahfer; 
rühmlich, Bw., was zu rühmen ift, Ruhm bringend, zum Ruhme ge 
reichend (eine rühmliche Handlung); als Nw. auch: rühmend, mit Ruhm 
(. B. rühmlich von Jemand fprechen); die Rühmlichkeit, das Rühmlich— 
fein; das Rühmfal, oberd. Rühmſel, -8, vit. f. übertriebenes Rühmen, 
Prahlerei; rühmfen od. rühmſeln, 3w., vlt. f. fehr rühmen, prahlen; 
der Rühmſer od. Rühmſeler, -8 (altd. ruomesaere, ruomser), vlt. f. Prah— 
ler, Großſprecher; rühmſam, Bw., vit. f. gern rühmend, ruhmredig. 
Ruhr, w., M. -en (altd. hruora, ruore u. ruorz oberd. Nuerz von hruor- 
jan, rüeren, rühren, |. d.), urfpr. überh. das Nühren, die Erregung, 
Bewegung (vgl. der, ehem. die Aufruhr), das Berühren, Anftoßen; da 
ber 1) landſch. die zweite od. dritte Feldarbeit zur Minterfaat mit dem 
Ruhrhaken oder Hakenpfluge;s die legte Behackung der Weinſtöcke; 
Schiff. das Anftoßen, Stranden des Schiffes (Grundruhrz daher das Ruhr- 
recht f. Strandredht); ehem. auch die Stelle, wo das Wild aufgejagt wird 
(altd. ruore); ferner das, was gerührt wird od. fich rührt, insbef. chem. 
die Koppel der Jagdhunde, das Bradenfeil; bei der Falkenjagd und dem 
Vogelfange: der Lockvogel, welchen man flattern Läfft: die Ruhr, od. der 
Ruhrvogel, die Ruhrlerche; daher auch die Ruhrſchnur, die Schnur, 
an welcher der Ruhrvogel befeftigt ift; 2) jest gew. nur f. Bauchflufs, Durch— 
fall (fe. Diarrhöe; Neiße, rothe Ruhr), insbef. f. die rothe Ruhr, ein ſchmerz— 
hafter, biutiger Durchfall (fr. Dysenterie); — Zfes. ruhrartig, Bw., der 
Ruhr ähntic (eine ruhrartige Krankheit); ruhrkrank, Bw., auch ald Hw. 
ein Ruhrkranker 2.5 das Ruhrkraut od. die Ruhrpflanze, verſch. Kräuter, 
welche ald Heilmittel gegen die Ruhr dienen: die rankende Rheinblume od. das 
Bergruhrkraut (gnaphalium dioicum L.); das große Ruhrkraut (gn. sylvati- 
cum L,); das Sumpfruhrkraut (gu. uliginosum) ; dag gemeine Ruhrkraut, auch 








rühren 561 


Feldkätzlein (hlago germanica L.); eine Art des Alants, Ruhralant; un- 
echtes Ruhrkraut, die Falzblume (micropus L.) u. a. m.; das Ruhrmittel, 
‚Heilmittel gegen die Ruhr; die Ruhrnuſs, Lambertönufs, als Ruhrmittel 
betrachtet; die Ruhrwurz od. -wurzel, ein mit dem Fingerkraut verwandtes 
Pflanzengefchlecht mit zufammenzichender, blutftillender Wurzel, Rothwurz, 
Blutwurzel 2c. (tormentilla L.). , 
rühren, Zw. (altd. hruorjan, rörjan; rüeren; oberd. rüeren; isländ. hröra, 
ſchwed. röra, niederd. rören; angelf. hreran, engl. rear), 1) ziellos m. haben, 
fich bewegen, bewegt werden (daher altd. an-, her-, zuo rüeren f. an, da— 
her=, herzueilen, =fprengen), jest nur uneig. f. feinen Urfprung von etwas 
- haben, davon ausgehen, entfichen, abhängen (von Semand zu Lehen rüh- 
ven; daher rührt e8 2c.; vgl. das zgef. herrühren); auch f. ſich wohin er= 
ſtrecken, an etwas reichen, floßen, grenzen, treffen (bibl. die Leiter rührte 
an den Himmel; oberd. ein Grundftüc rührt an ein anderes; einem an feine 
Ehre rühren 2c.); in etwas — eine Freisfürmige Bewegung darin machen, 
es umrühren; 2) ziel. a) überh. bewegen, in Bewegung fegen, regen 
(kein Glied rühren können; auch rückz. ſich —; ſich nicht rühren können ꝛc.; 
rührt euch! d. i. ſetzt euch in Bewegung); in beſonderer Bed. alle Theile 
eines Stoffes in Ereisförmige Bewegung fegen, um-, durchrühren (den 
Brei, die Farbe 2c.), daher auch landfch. f. butternz Landw. den Ader—, 
"mit dem Ruhrhafen od. Hakenpfluge der Quere nach. durchfchneiden, haken— 
pflügen, quieren (vgl. Ruhr); b) erreichen, berühren, anrühren, antaften 
(bibl. feine Hand hat uns nicht gerühretz; das Schiff rührt den Grund, vgl. 
Ruhr), treffen, betreffen hom Blitz, gew. vom Donner gerührt werden; der 
Schlag hat ihn gerührt), fchlagen (die Trommel—); c) uneig. einen Ein- 
drud auf das Gemüth machen, es erregen, zur Theilnahme, zum Mit- 
gefühl bewegen (einn—, ihm das Herz —; das rührt ihn nicht; ich war 
tief gerührt); be. das Mw. rührend als Bw. u. Nw. (ein rührender An- 
blick; rührend Elagen 2c.); — 3fes. das Rührei, in der Pfanne ausgefchla- 
gene u. mit Butter eingerührte Eier; das Nühreifen, Rührholz, die Rühr- 
Felle, der Rührlöffel, das Rührfcheit, die Rührftange, der Rührſtecken 
0d. flo, Werkzeuge etwas damit umzurühren in Küchen u. verfchiedenen Ge- 
werfen; das Rührfafs, landſch. f. Butterfafs; dev Rührhaken, 1) Hüttenw. 
ein hakenförmiges Werkzeug zum Umrühren des gefchmolgenen Metall; 2) 
Landw. |. v. w. Ruhrhaken (ſ. Ruhr); die Rührmilch, Mich, in welche et- 
was gerührt wird; geronnene Mitch; der Rührnagel, in den Mühlen: ein 
Nagel, welcher den Schuh in zitternde Bewegung fest u. das Getreide zwi- 
Then die Steine fallen läſſt; — Abtleit. rührbar, Bw., fähig, gerührt zu 
werden, eig. u. uneig. (ein rührbares Herz); die Rührbarkeit; rührig, 
Bw. (altd. rüerec, oberd. ruerig, rüerig, gerüerig), fich gern u. leicht rüh— 
tend, beweglich, vegfam, munter u. thätig (ein rühriges Mädchen; der 
Alte ift noch rührig); die Nührigkeit, Regſamkeit, Munterfeit; rührfam, 
Bw., geneigt, fich zu rühren, rührig; die Rührſamkeit; die Rührung, 
1) felten die Handlung des Rührens; 2) gem. das Gerührtfein, fanfte 
Gemüthsbewegung od. -Negung, Mitgefühl (etwas mit Rührung fehen, 
hören 2.5; auch M. Rührungen, d. i. fanfte Empfindungen des bewegten 
Gemüths); 3) Schiff. eine Bekleidung des Ankerringes mit alten Tauen 
"Anferrührung). yon 


Heyſe' 8 Handwörterh. d. deutichen Spr. 2. Theil. 36 


562 Ruländer — Rumpel 

Ruländer, m., -8, eine Gattung des Weinſtocks mit Kleinen, leber— 
farbenen, fehr fügen Beeren, aus Frankreich ftammend. 

Nulle 1. w., M.-n (— Xille, f. d.), niederd. Eleine Offnungen in 
einem Deiche, aus den Gängen der Maulwürfe, Wafferratten 2c. entftehend; 
das Rüllenloch, Bergw. das Loc) in einem Kaften des arbeitenden Berg- 
mannes, durc welches das Erz 2c. zum Treibfchachte gefördert wird. 

Rulle 2. w., M.-n, niederd. f. Rolle; rullen, 3w., f. rollen; daher 
Rullken, M. = Röllchen), niederd. Rn —— dünne Kuchen; 
— mit Fleiſch gefüllte und zuſammengenähete Stücke vom Rinder— 
Panſen, in Eſſig bewahrt u. dann in der Pfanne gebraten. 

rülpfen, ziellof. 3w. m. Haben, (ein Schallwort; niederd. rulpfen, 
oberd. rulpezen, rülzen, grülzen, grolzen 2c.), gem. f. eine Magenblähung 
* aufſtoßen laſſen, landſch. auch: gröpſen, koppen; der Rülps, -es, 

.e (niederd. Rulps) 1) ein lautes Aufſtoßen aus dem Magen, oberd. 
anne Görps; 2) nieder. f. ein grober, ungefitteter Menſch (oberd. 
Rülp, Rülz, Ri); der Rülpſer, —s, wer rülpft; auch f. Rülps 1). 

Kum, m., -8, 0. M. (aus dem engl. rum), Zuderbranntwein, Brannt- 
wein aus Zucerrehr oder Zucker-überreſten; daher die Rumflaſche, das 
Rumglas ıc. 

Rummel, m., ſ. unter rummeln. 

Rümmel, m., -5, M. w. E. (vgl. Remel), landſch. 1) f. ein Eurzes, 

dides Stück Holz; Forftw. ein Sägeblod; 2) f. eine Rinne, 3. 8. in 
den Mühlfteinen. 
„ tummeln, ziellof. 3w. m. haben, (ein Schallwort; Holl. rommelen, 
rammelen; niederd. auch grummeln; vgl. rumpeln und trommeln), gem. f. ein 
dumpfes Geräufch hören laffen, (es rummelt mir im Leibe); überh. f. pol- 
tern, lärmen; der Rummel, -8, o. M. 1) landſch. f. Inutes Geräuſch, 
Lärm, Unruhe, Überlaft von Geſchaͤften; lärmender Vorfall od. Handel, 
bei. Kriegslärm; 2) niederd. allerlei alte Sachen, beſ. Eiſenzeug u. dgl. 
unter einander, Gerümpel, Rumpelkram (hol. rommelery, rommeling); 
überh. mehre Dinge ohne Wahl, gut und fchlecht unter einander (den 
ganzen Rummel kaufen; etwas im Rummel Eaufen, d. i. in Bauſch und Bo- 
gen); 3) im Piquetfpiel die Zahl der gleichartigen Kartenblätter, die ein 
Spieler vor dem andern voraus-hat (den Rummel haben; ital. ronfa, franz. 
ronfle); uneig. fprihw. den Rummel verftehen, d. i. feine Sache verftehen, 
fi zu feinem Vortheil zu benehmen wiffen; 4) fränk. f. eine Geldrolle; die 
Rummelei, gem. f. dag Rummeln; der Rummel, das Gerümpel. 

Rumdr, m. (ehem. auch w.), »28, M. (ſelten) -e, (chen in der älteren 
Sprache und zwar, wie der Ton lehrt, zunächft von dem ital. rumore entlehnt, 
welches v. dem lat. rumor ftammt), gem. f. lautes Geräuſch, Lärm, Getöfe; 
insbef. Aufruhr, NRaufhandel, Schlägerei; daher das Rumorhaus, in 
Wien: ein Haus, wohin lärmende Nachtftreicher gebracht werben; der Ru— 
mormeifter, Numorfnecht, die Rumorwache, ehem. u. noch landſch. f- 
Polizei-Vorgefester, -Diener, -Wache; rumoren, ziellof. Iw., gem. f. lär— 
men, toben, poltern; der Rumorer, -8, f. Lärmer, Polterer, bef. wer 
die öffentliche Ruhe ftört. 

Rumpel, w., M.-n (vergl. Rimpeh, niederd. f. Runzel; rumpeln 1. 
Zw., f. tungeln; der Rumpler 1. vd. Rümpler, -8, f. v. w. Nimpler. 





tumpeln — rund 563 


rumpeln 2. ziellof. u. ziel. Zw. m. haben (ein Schallwort, nieberd. auch 
verftärft: rumpumpeln; vgl. rummeln; engl. rumble), gem. f. ein dumpfes 
Geräuſch hören laffen od. hervorbringen, ftärker u. härter als rummeln 
(unter einander geworfenes Geräth rumpelt; auch: in oder mit folhem Ge- 
räthe rumpeln, d. i. darin herum kramen; auf einer Bafsgeige rumpeln, d. i. 
fehlecht fpielen), insbef. von dem polternden Schütteln und Stoßen eines 
Magens auf unebenem Wege (dev Wagen rumpelt auf dem Pflafter; auch 
ziel. ich habe mic) im Wagen rumpeln laffen ; vergl. überrumpeln); einen—, 
Bergw. den, welcher in eine bergmännifche Gefellfchaft treten will, hänfeln, 
indem man ihn auf ein Holg (das Rumpelholz) legt, und darauf hin- und 
berrollt; oberd. auch überh. f. zum Beſten haben; der Rumpelbaum, 


Kürſchn. ein Werkzeug, auf welchem die Pelze vor dem Garmachen mit dem 
* Stoßeifen abgeftoßen werden; der Numpelgeift, niederd. f. Poltergeiftz die 


Rumpelkammer, j. v. w. Polterfammer; der Rumpelkaften, ein Kaften, 
in welchem man altes Gerümpel verwahrt; die Numpelmette, |. v. w. Pum⸗ 
permette, |. d.; die Rumpelnacht, oberd. f. Chriftnacht; die Rumpelfuppe, 
oberd. die erfte Speife, die einer Wöchnerinn nad) der Entbindung gereicht 
wird; das Numpelthier, bair. f. das männliche Zuchtfchwein; der Rump— 
ler 2. -8, wer rumpelt; oberd. f. dumpfes Geräuſch; fchnelle einmalige 
Bewegung, Anlauf. 

Rumpf, m., -e8, M. Rümpfe, (niederd. u. engl. rump, hol. romp; 
von rimpfan , nam, f. d., alſo eig. das Zufammengezogene, Gekrümmte; 
vgl. das isländ. rumpr, der Hintere; oberd. Rampf f. Abfchnitt überh.; auch 
Trumm, Strunk u. das lat. truncus), 1) der ganze hohle Haupttheil des 
menfchl. u. thier. Körpers mit Ausfchlufs des Kopfes, der Arme und Beine, 
f. v. w. der Leib im engeren Sinne; auch der Theil eines Hemdes, welcher 
den Rumpf bedeckt; niederd. auch ein Kamifol ohne Ärmel; der Rumpf 
eines Schiffes, d. i. das Schiffsgebäude ohne Maften und Tauwerk; Schuhm. 
der weite Theil eines Stiefels oberhalb des Schuhes; 2) in einzelnen An- 
wendungen überh. f. etwas Gefrummtes; ein hohles Gefäß, z. B. oberd. 
hohle Baumtinde, ald Gefäß für Erdbeeren ze. dienend (auch Rampf), 
auch für Bieger (Siegerrumpf), Harz (Harzrumpf) u. dgl.; landſch. ein 
aus einem Kloß gehauener Bienenftod; Müll. die Einfaffung des Beu— 
tels, der Schuh; auch der trichterförmige Kaften, durch welchen das Ge 
treide zwiſchen die Steine fält, Trichter, Korb x.; das Rumpfleder, 
Schuhm. Leder, welches zu den Rümpfen der Stiefeln genommen wird; das 
Rumpfloch, Müt. ein Loch an dem Beutelkaften, od. an dem Trichter. 

rümpfen, ziel. 3w. (v. d. altd. ablaut. rimfan, rimpfen, rampf, gerum- 
pfen, noch oberd. rimpfen, d. i. rigen, runzeln, Erümmen, zufammengichen; 
angel]. rimpan, vgl. das nicderd. rimpeln, rumpeln; aud) Krampf, Ranft, 
Rumpf, krumme; daneben ſchon mittelhocd. das bloß umend. rumpfen, vgl. 
ſchrumpfen), krümmen, vunzeln, in Falten ziehen, jest nur: den Mund 
u. bef. die Naſe —, als Zeichen der Verachtung oder des Hohnes (ehem. auch: 
die Stiin— 20); die Rümpfnaſe, eine gerimpfte Naſe; Naturk. eine Art 
Stutzköpfe; rumpfelig od. rumpelig, Bw., alt und landſch. f. runzelig, 
Ihrumpfelig. | 

rund, Bw., Comp. runder, Sup. rundeſt, (ichwed. rund, engl. round; 


ſchwerlich vor dem 13ten Sahrh. aus dem franz. rond, ital. rondo entlehnt, 


36* 


564 rund 


welche aus dem latein. rotundus, d. i. eig. radförmig, entitanden find; die 
altd., isländ., angelj. Sprache Eennen das Wort nicht; im Mittelhochd. fteht 
dafür sinewel), Ereis-, kugel- od. walzenformig (ein runder Tiſch, Hut 2c.; 
eine runde Scheibe; ein runder Thurm); in weiterer Bed. ohne Eden, Kan- 
ten u. merkfliche Unebenheiten, mit gleihmäßig gebogener Oberfläche, entg. - 
eig (ein Ei ift rund, ei= od. länglichrund; ein runder Stein, Kloß; runde 
Arme 20.5; runde Bildwerke, d. i. die Eeine flache Seite haben, entg. der er- 
habenen Arbeit od. dem Relief); als Nw. im Kreife, in einer zu ihrem An— 
fangspunfte zurücdkehrenden Bogenlinie, finnv. rings (z. B. rund um das 
Haus gehen; die Haare rund um den Kopf abfchneiden; der Kopf geht mir 
rund, landſch. f. ſchwindelt mix); ferner wellen= oder hügelähnlich erhöht, F 
gewölbt, entg. flach, platt (runde Wangen, Brüfte; eine runde Stirn; ein 
vunder Bauch; landſch. die Frau it rund f. ſchwanger); auch gem. f. freifchig,* 
fett (ſich rund effen 2e.); uneig. f. einfach, beftimmt, ungefünftelt, geradezu, 
gleich]. abgerundet, von einfacher Form, ohne Eden und Winkel (etwas mit 
runden Worten od. rund heraus Jagen; eine runde Antwort; bei. eine 
runde Zahl, d. i. eine nur aus Zehnern ohne Einer beitehende Zahl, 3. B. 
20, 100, 1000 2c.); das ift mir zu rund, fprichw. f. ich verftehe es nicht 
(id) kann es nicht faſſen; es entgleitet gleich]. meiner Hand); das Mund, -eg, 
M.-e, etwas Nundes, ein Kreis, Ring, eine Kreisfläche (ein Rund in 
einem Garten, d. i. ein rundes Beet, fr. Rondel); ein Eugelförmiger Körper, 
eine Kugel (das Erdenrund); — 3fes. rundäugig, »bädig od. wangig, 
ebruftig zc., Bw., runde Augen, Baden 2c. habend; rundbruftig, gem. 
rundburftig, niederd. f. freimüthig (gleich!. rund von der Bruft weg fpre- ° 
hend); der Rundbaum, Wellbaum, Welle, bef. Bergw. die Welle eines 
Haspels; das Rundbeet, rundes Gartenbeet (ſ. Rund); das Rundbild, ein 
Bild auf einer Kreisfläche (fr. en medaillon); die Nundblume, Kugelblume; 
das Nundeifen, ein gerundeter Meißel der Bildhauer; ein ähnliches Dreh— 
eifen der Zinngießer; rund=erhaben, Bw., baudicht, Linfenförmig gewölbt 
(fr. conver); die Runderhabenheit, (fr. Gonverität); der Rundfiſch, ein 
£ugel- od. walzenförmiger Fiſch, z. B. der Kugel, Röhrenfilch ꝛc.; im Handel 
auch f. getrodineter Dorſch, Stockfiſch, welcher feine natürliche Rundung be— 
halten hat; dag Nundgebaude, (fr. die Rotunde); das Rundgemälde, 
f. v. w. Rundbild; auch ein Umfichtsbild (fr. Panorama); der Rundgeſang, 
ein von Mehren in die Runde od. nach der Reihe gefungenes Lied; die Rund- 
baue, Bergw. eine Art Haue zum Aufhauen des Raſens; rundhohl, Bw., 
ſ. v. w. hohleund (fr. concav); das Rundholz, Schiff. alle walzenförmigen 
Hölzer, als Maften, Segelftangenz auch das nicht gefpaltene Brennholz von 
den ten der Bäume; der Rundmünder, Naturk. Mondfchnede (f. d.) mit 
runder Mündung; die Nundperle, ein metallenes Werkzeug der Stein» und 
Wappenſchneider; der Rundplatz, runder Plas (fr. Rondeh); die Rundfäge, 
eine Säge der Stuhlmacher zum Ausfchneiden von Rundungen ze. ; die. Rund— 
faule, eine runde Säule, z. U. v. einer kantigen; auch eine glatte Säule z. U. 
v. einer gerieften; u. überh. f. Walze (fr. Eylinder); der Rundfchild, ein 
runder Schild; Naturk. f. Schildkrautz die Nundfchnur, runde Schnüre, 
bef. zum Befegen der Ränder und Näthe von Kleidungsftüden; der Rund⸗ 
ſtahl, Drechsl. ein Dreheiſen mit oberwärts gerundeter Spige; dası Rund- 
ſtück, ein rundes Blumenſtück in einem Garten; ein rundes Geldſtück, bei. 








R Rune — Runge 565 
eine ſchwed. Kupfermünze (Dr); landſch. auch eine Art runder Semmeln; 
rundum, Nw., rund herum, in die Runde, ringsum (ſich rundum drehen 2c.) 5 
die Rundwache, eine in die Runde gehende Wache, gew. bloß Runde (fr. 
Patrouilte); das Rundwerk, eim rundes oder rundliches Werk, bef. Bildwert 
von Gips 20.5 der Nundwurm, Darm od. Spulwurm; — Ableit. die 
Runde, M.-n, (ital.'ronda, franz. ronde), Kreisbewegung, Ereisfürmige 
Richtung, Umkreis (in die Runde gehen, trinken; zehn Meilen in die Runde); 
insbef. die Freisfürmige Stellung u. Bewegung der Zanzenden (die Runde 
machen); Krſpr. der Kreisgang der zur Unterfuhung dev Poften beftellten 
Wache, u. diefe Wache felbft (die Runde thun, machen od. gehen; die Haupt-, 
Tagerunde.2c.); verfch. die Rinde oder feltener Rundheit, 1) o. M. das 
Nundfein, die runde Befchaffenheit einer Sache (uneig. die Ründe des Aus- 
drucks, d. i. die bündige Kürze mit Zierlichkeit verbunden); 2) M. -en, ein 
runder od. gebogener Körper od. Körpertheil, z. B. Schiffb. alle nad) außen 
gehenden Krümmungen (Ründen); rundlich, Bw., der runden Geftalt fich 
nähernd, abgerundet, nicht edig (ein rundlicher Stein, Kopf; ein rundliches 
Blatt 2c.); die Rundlichkeit, das Rundlichfein; runden, rüdz. Zw. fih—, 
rund werden, Nünde befommen od. haben (der Bufen rundet ſich); oberd. 
aud in die Runde gehen, die Runde machen (wofür aud) rundiren, nie- 
derd. runderen gefagt wird); runden, ziel. 3w., etwas—, rund machen, 
einer Sache Ründe geben (die Orgelbauer ründen (gew. mit fremdartiger 
Endung: rundiren) die Zinnplatten zu Pfeifen; uneig. ein Land, einen 
Staat—, fr. arrondiren; den Ausdrud—, d. i. äußerlich vollenden u. glätten, 
vgl. abrunden); fih—, f. v. w. rundenz die Nundung, 1) o. M. die 
runde Geftalt (4. B. einer Kugel; einem Dinge Rundung geben); 2) M. 
-en, etwas Nundes, Kreis= od. Bogenförmiges (verfchiedene Rundungen; 
Zäg.' ein Ereisförmig in das Holz gehauener Weg); die Nündung, o. M., 
die Handlung des Nündens, das Ründen oder Abrunden (4. B. eines 
Pages, eines Staates, eines Redefakes 2c.). 

Rune, w., M.-n (goth! rüna, Geheimnifs; altd. u. altſächſ. rüna, is- 
länd. u. angelf. rün, Geflüfter, Geſpräch, Buchſtabe; mittelhochd. rüne, Ge- 
flüfter, heiml. Berathung; nicht von runen, fchneiden, woher Runfe 2., 
Schnitt ftammt; fondern von gleichem Stamme mit raunen (f. d.), wie die 
ältefte Bedeutung u. das durchgängig lange ü lehrt), die Alteften, meift gerad- 
linigen Schriftzeichen od. Buchftaben der alten Deutfchen, deren ſich nicht 
allein (wenn auch vorzugsweiſe und noch in fpäterer Zeit) die nordiſchen, fon- 
dern auch die fühl. germanischen Völker bedienten; daher die Runenfchrift; 
der Runenſtab, ein Stab mit eingefchnittener Runenſchrift. 

tunen od. verft. runfen, rünfen, ziel. Zw. (holl. ruynen) niederd. f. ſchnei— 
den, jedoch nur in der engeren Bed. verfchneiden (einen Hengſt —, wallachen); 
der Rune, -n, M. -n (Hol. ruyn), niederd. f. Wallach; der Runker oder 
Rünker, -3, f. Pferdeverfchneider; — der Nunfe, -n, M. -n, od. der 
Runfen, —s8s, M. w. E., landſch. gem. f. ein abgefchnittenes Stud, bei. 
ein dides Stud Brod. , | ; 
Runge, w., M. -n, (goth. hrugga, Stab; mittelhocjd. runge; engl. 
rung, Querbalten; vgl. das oberd. der Rang oder Rangen, f. Pfloc im 
Schiffe), eine Stange, ein Pflod; insbel. an einem Leiterwagen das in der 
Achſe befeftigte Holz, an welches die Wagenleiter fich Ichnt, Wagenrunge, 


PES=Z 


566 Runkel — rupfen 


auch Leite, Stammteiftes landſch. auch ein ftarker eiferner Bolzen, nieder». 
bef. ein großer, an dem fpigigen Ende eingehatter Nagel, Spitzbolzen; die 
Rungfchale, der Rungichemel oder Rungſtock, das auf der Wagenachſe 
zwifchen den Rädern ruhende Holz, in welchem die Rungen ftecen. 

Runkel, w., M.-n, od. gew. die Runfelrübe, (landſch. auch Range, 
Rande, Rohne, Raunfche, Rungfel 2c.; von rangen, ranken, fich dehnen, 
ausbreiten?), der rothe Mangold oder die Beete; bei. aber eine Spielart 


derfelben mit weißem Fleiſch, welche fehr guoß und die wird, und nicht bloß 


”als Viehfutter, ſondern auc zur Zucerbereitung gebraucht wird, auch Dick— 
vübe, Futterrübe ꝛc.; daher der Nunfelrübenzuder. 

runfen, rünfen, 3w., dev Runken od. Runke, ſ. unter runen. 

Runks, m., -28, M. -e (v. ranken, landſch. runken f. dehnen, ſtrecken; 
vgl. Range 3. u. Rekel), Tandfch. gem. f. ein plumper, grober Menſch; in 
Hamburg auch: ein großer Hund; runffen, ziellof. Zw., niederd. gem. f. 
fi) dehnen od. ftreden, unanftandig u. faul liegen. 

Runkunkel, w., M. -n (wahrfch. v. dem altniederd. runken, engl. wrinkle, 
runzeln; vielleicht auch mit Kunfel, Spinnroden, verwandt), niedr. f. ein 
häfsliches, runzeliges altes Weib. 

Runfe 1. ov. Rünfe, w., M. -n (altd. die runse, runs, runst, oberd. 
der u. die Runs, Runſt; daher Blutrunft, blutrünftig; von rinnen), 
oberd. f. das Rinnen, Fließen; das Ninnende, ein Bach, Eleiner Flufs 
und deffen Bert; — die Runfe 2, M. -n (won runen, ſchneiden) landſch. 
ein Einfchnitt, eingehauenes Zeichen in Grenzfteinen. 

Runzel, w., M. -n, Verkl. das Runzelchen, (altd. ruuza, runze; 
ranzila, runzel; wahrfch. entjt. aus rung-sa, Rungfel, v. ringen, angeli. 
vringan, winden, zufammendrehen; daher angel. vrincle, engl. wrinkle; fchwed. 
'rynaka; niederd. Krünkel; isländ. rucka, rauga; lat. ruga); eine fehlerhafte 
alte, be. eine durch Zufammenziehen od: Einfchrumpfen entftandene unſchöne 
alte in der Haut (Rungeln im Geficyt 1c. befommen, haben; ein austrod: 
nender Apfel bekommt Runzeln); — 3Tes. das Runzelblaft, ein Pflanzen- 
gefchlecht aus der Familie der Knabenkräuter (arethusa L.); die Runzel- 
bfume, ein Pflanzengefchleht: Hyacinth- od. Feder-Aloe; der Nunzelbund, 
eine einem türkiſchen Bund ähnelnde ungenabelte Mondichnede; die Runzel⸗ 
haut; runzelhäutig, Bw.; der Runzelkamm, eine Art Napfſchnecken; 


der Runzelkorb, eine Art Korbmuſcheln; der Runzelmann, Neuw. f. ein 


finfterer, grämlicher Mann; das Nunzelmaul, eine Art Panzerfiiche; die 
Nunzelmufchel, eine Art Miesmufchein; die Runzelfchlange, eine Art 
Schlangen mit runzeliger Haut: runzelvoll, Bw.; — Ableit. runzelig od. 
runzlig, chem. auch vunzelicht (altd, runziloht), Runzeln babend, mit 
Runzeln bededt (eine runzlige Stirn); runzeln, 3w., 1) ziellos m. fein u. 

. rüdz., Runzeln befommen, vunzlig werden (die Haut. runzelt, od. runzelt 
fih im Alter); 2) ziel. runzelig macyen, in Runzeln ziehen (die Stirn 
runzeln). 

Rüpel, m., -8, M. w. E., oberd. 1) (auch Raup, |. d., Rupel) ein 
ungefchliffener, grober Menſch, Zölpel, (vergl. Riepeh; 2) eine Perfon 
von ſchwarzer Hautfarbe; 3) Verkt. des EN. Ruprecht, Rupert. 

rupfen, ziel. Zw. (niederd. ruppen; verſtärkende Nebenform von raufen, 
ſ. d. oberd. auch raupfen); wiederholt, nach u. nach amd einzeln oder in 





Ruppe — Ruf 567 


Eleiner Menge raufen od. ausreißen (die Haare aus der Haut—; auch) einen 
oder ſich —; fi) (mir) den Kopf rupfen 2c.); gem. in engerer Bed. vom Ge: 
flügel: ihm die Federn ausraufen (ein Huhn—; eine gerupfte Gans :c.); 
uneig. einen—, ihn nad) und nach um das Seinige bringen, ihm fein 
Geld abnehmen (z. B. im Spiele), oberd. einem etwas auf- od. vorrupfen, 
f. vorwerfen, vorrüden; die Nupfe, 1) gem. f. das Rupfen; 2) (auch der 
Rupfen, alt der rupfe) oberd. der zum Abfpinnen an den Noden gebun- 
dene Flachs, Hanf ꝛc.; auch f. Werg (ihweiz. Rupp); Leinwand aus 
Werg; rupfen, Bw. (altd. rupfin), oberd. f. von Werg (z. B. rupfenes 
Garn, Tuch ꝛc.); der Nupfer, —s, die Rupferinn, wer vupft, insbef. 
Hutm. wer das grobe Haar von den Fellen mit dem Raufmefjer ausrupft. 

Ruppe, w., M. -n, (oberd. die Ruppen), landſch. f. Aalraupe, Quappe. 

ruppen, ziel. Zw., nieberd. f. rupfen; daher ruppig, Bw., gem., eig. 
rupfig, zerrupft, d. i. zerriffene Kleider anhabend, zerlumpt, lumpig, in 
der Kleidung vernachläffigt; auch überh. f. armfelig, ſchlecht (ein ruppiges 
Geſchenk); Farg, filzigz; der Rupps, -e8, niederd. f. ein Zug, ſchneller 
Stoß, plöglicher Angriff. 

Ruprecht, —s, verkürzt Nupert, Robert (ſ. d.), ein männliher Tauf— 
namen; der Knecht Rupredt, ein Schredbild, womit man Kindern droht, 
bef. zur Weihnachtszeit, wo er den heiligen Chrift begleitet und die unartigen 
Kinder ftraft. 

Ruf, m., -e3, M. (ſelten) Rüfche, (gem. niederd. Ruft, Küsten, han- 
növ. Riſch; angel. resc, risc, engl. rush; vgl. das goth. raus, franz. roseau), 
niederd. f. Binſe; Rohr (ſ. d.), bei. Nöhricht (meift in Verbindung mit 
Buſch; z. B. über Ruſch und Buſch; landſch. eine Hufe in Ruſch u. Buſch, 
d. i. in Wiefen und Wald, entg. einer Hufe Aderland). 

Ruſch, Ruſche od. Rüfche, w., M.-n, landſch. f. Nüfter, Ume. 

ruſchen od. rüfchen, ziellof. Zw., niederd. (gem. rusken) f. rauſchen (ſ. d.), 
Geräuſch machen, lärmen, wild umherlaufen; oberd. (ru eſchen) f. über- 
eilt, unbefonnen handeln (daher: der Rueſcher, die Rueſch, der, Die 
Eilfertige, Unbedachtfame); ruſcheln, ziel. Zzw. (niederd. auch ruffeln, 
Eruffeln), das verkl. rufchen, gem. f. fanft raufchen, vergl. rafcheln; gew. 
etwas mit nachläffiger Eilfertigkeit behandeln, unachtſam verfahren: 
daher rufchelig od. rufchlig, Bw., gem. f. eilfertig und unachtſam. 

Ruſe, w., niederd. f. Geräufh, Lärm; Zank, Streit, Handgemenge; 
Rummel, Bauſch und Bogen; rufig, Bw., f. raufchend, ſtürmiſch, un- 
geſtüm. 

Ruske, w., M. -n (lat. ruscus; auch Brüske, Brüſch ꝛc.; verw. mit 
Ruſch), landſch. f. der Mäuſedorn. 

ruspen od. ruspern, zielloſ. Zw., niederd. f. räuspern. 

Ruß, mi., -28, o. M. (altd. ruoz, oberd. Rueß, niederd. u. holl. root; 
niederd. auch Sott, ſchwed. sot, engl. soot), der ſchwarzbraune, ölige Stoff, 
welchen der vom brennenden Feuer aufſteigende Rauch an andere Körper 
abſetzt, oberd. Rahm, (z. B. der Holzruß in den Schorniteinen; Kien-, OL, 
Lampenruß); auch eine Krankheit der Gerfte und des Hafers, durch welche 
die Blüthentheile in einen braungrünen Staub verwandelt werden; — ZTes. 
rußbraun, rußfarben (altd. ruozvar), Bw., ſchwarzbraun wie Ruß; das 
Rußbraun, die Nußfarbe, insbeſ. eine aus dem Holzruß bereitete Waſſer⸗ 


« 


TE a a nn. 


— 


“ 


568 Ruſſe — Ruft 


[4 


farbe, Bieſter; die Rußbutte, das Nußfafschen, Kleine Fäfschen, worin der 
Kienruß verwahrt und verkauft wird; die Rußhütte, eine Hütte, in welcher 


Kienruß gebrannt wird; der Rußkobalt, Bergw., Schwarzer Kobalt; der 
Rußkübel, uneig. gem. f. eine unreinliche Perſon, bef. Koch oder Köchinn, 


auch der Rußhammel, -fchlägel; dev Rußſchwamm, eine Art Blätter: 
Ihwämme; rußfchwarz, Bw.; das Rußſchwarz, ſ. v. m. Rußbraun; — 
Ableit. rußen, ziel. 3w., mit Ruß verfehen, überziehen, ſchwärzen (be 


rußen); rußicht, Bw., dem Ruß Ähnlich (Bergw. rufichtes Silber, aud) 


Rußfilber, Sitberfhwätze): rußig, Bw. (altd. ruozag, ruozec, oberd. 
rueßig), mit Nuß überzogen, befhmust (baiv. der rußige Freitag, d. i. 
Freitag vor Faſtnacht, an dem man fich hie und da mit Ruß zu beftreichen 
pflegt); gem. überh. f. ſchmutzig, ſchmierig; oberd. uneig. f. nicht tadellos, 
nicht ohne Fehler. } 
Ruſſe, m., -n, PD. -n, (altd. Ruzi, Ruza; mittelh. Rüze u. Riuze, da- 
ber noch Reuße im Titel des ruff. Kaifers: Selbftherefcher aller Reußen), 
weibl. die Ruffinn, M. -en, EN. eines großen zum flawifchen Stamme 
gehörenden Volkes; in weiterer Bed. jede im ruffifchen Reiche geborene 
od. einheimifche Perſon; Nufsland, f. das Land der Ruſſen; in weiterer Bed. 
das ganzeruffifche Reich mit allen ihm unterworfenen Ländern; ruſſiſch, Bw. den 
Nuffen eigen, aus Nufsland ſtammend, dazu gehörig od. dort einhei- 
miſch (das ruffiiche Reich, die ruſſiſche Sprache, ruſſiſche Waaren ꝛc.; zufft- 
ſches Glas, eine Art grauen Glimmers, der in Sibirien zu Fenftern ge- 
braucht wird; zuffifhe Bäder, Schwisbäder in heißen Dämpfen). 
Rüſſel, m., -8, M. w. E.; Verkl. das Nüffelchen, (altoberd. auch) 
Drüffel, Trüffel; angel. vrötz wahrfch. vom angelf. vrötan, niederd. wröten, 
engl. root, iöländ. röta, wühlen; vgl. votten, veuten; oder verwandt mit d. 
altd. rüzon, rüzen, raufchen, hörbar atymen, ſchnarchen, niefen; isländ. ryta, 
grungen?), das verlängerte, fpig zulaufende Maul verfchtedener Ihiere, 
insbef. die lange Schnauze der Schweine, womit fie in der Erde wühlen; 
die biegfame Verlängerung der Nafe des Elephantenz; auch das Saug— 
werfzeug am Vorderkopf mancher Suferten, z. B. der Fliegen (Saug- 
rüffen; uneig. verächtl. ein ftark hevvortretender Mund eines Menfchen, 
niedr. überh. fe Mund; — 3fes. dev Rüſſeldrache, ein Seefiſch um 


Chili u. Neufeeland, deffen unförmlich großer Kopf mit einem Rüſſel verfehen 


iſt; der Rüffelfifc, eine Art Klipp- oder Bandfiſche mit walzenförmigem 
Maule, Schnabel-, Sprisfifch; die Nüffelfliege, eine Art Fliegen mit langem, 
diinnem Rüffel; vuffelförmig, Biv.; der Nüffelkafer, eine Art Käfer, deren 
Kopf in einen Rüffel verlängert und mit Eolbenartigen Fühlhörnern verfehen 
ift, Schnauzen-, Schweinse, Elephantenkäferz die Nüffelmaus, eine Art 
Mäufe mit vüffelförmigem Maule; die Rüſſelmotte, eine Art Motten mit 


. einem Rüſſel; die Miffelfchetde, die Scheide, in welcher "der Rüſſel der In 


fecten liegt; — Ableit. ruffelig, Bw., einen Rüſſel habend; rüſſelicht, 
Bw., rüſſelähnlich; rüſſeln, Zw., vlt. f. mit dem Rüſſel wühl en, — - fa 
fen, — hauen. 


ruffeln, 3w., f. ruſcheln; — rußen, rußig X — Rußfhwan, J 


unter Ruß; — il, Ruſsland, T. unter Ruſſe. 
Ruſt, w., M. -en, 1) (Hol. xust, frieſ rost) niederd. f. Raſt (1. u 
vor. Rüfte), Nuhez ſchweiz. eine Meile, 2) Schiffs. ſchmale Manken aus: 


/ 








Ruüſt — rüſten 569 


wendig am Schiffe in der Gegend der Maſten, mit Einſchnitten verſehen, in 
welchen die Wandtaue des Maſtes befeſtigt find, alſo gleichſ. ruhen (ogl. das 
angelſ. hrost, engl. roost, holl. roest, Stange, worauf die Hühner ruhen); 
jeder Maft hat feine Kufk, daher: die große Ruft am großen Mafte, die 
Fockruſt am Fod-, u. die Befanruft am Befanmafte; die Rüſte, o. M., 
vlt. f. Naft, Ruhe, bef. von der untergehenden Sonne (die Sonne geht zu 
Küfte, altoberd. — zu Reft); ruften, niederd. (holl. rusten), oder rüften, 
ſchweiz., ziellof. Zw. f. vaften, ruhen; ruftig, Bw., niederd. f. ruhig; die 
Ruſtkiſte od. Rüſtkiſte, niederd. f. Ruhekifte, d. i. ein großer Sarg mit er: 
Bun Deckel. 
Rüſt, m., ſ. unter rüſten. 

Ruͤſtbaum, m. 1. landſch. f. Rüſter; Rüſtbaum 2.-bock, -brett, ſ. 
unter rüſten. 

Rüſte, w., 1. f. Ruſt; 2. (von rüften?) bei den Kohlenbrennern: kleine 
Klöge, welche um die Meiler gelegt werden. 

Rüſtel, m., -8 (— Rüſſel?), landſch. der Schnabel od. enge Theil des 
hohen Dfens. 

tuften od. rüften 1. Zw., f. unter Ruft. 

rüften 2. 31. (altd. hrustjan, rustjan, hrusten, rüsten, urſpr. bef. ſchmücken, 
fo auch das angelf. hyrstän; ſchwed. rusta, hol. rusten; vergl. das ſanskr. 
rüsh, ſchmücken), überh. bereiten, zubereiten, Anftalten machen, 1) ziellos 
m. haben, die nöthigen Anordnungen zu etwas machen, Vorbereitungen 
treffen (z. B. zum Fefte, zu einem Gaftmahle, zum Eſſen rüften); insbef. 
Zimmert. ein Baugertift machen (3. B. morgen werden wir rüften); Bergw. 
das Geftell eines Haspels über einen Schacht ſetzen (auch: überrüften); 
2) ziel. u. rückz., etwa s —, ordnen, in Ordnung bringen (die Zimmer—: 
ſchweiz. das Erdreich —, f. bearbeiten, pflügen); einen oder fih—, mit 
dem nöthigen Geräthe oder Bedarf zu etwas verfehen, vergl. ausrüften 
(einen od. ſich mit etwas —; ſich zur Reife rüften), in engerer Bed. mit den 
nöthigen WVertheidigungsmitteln, Waffen ıc. verfehen (einen Soldaten, 
ein Heer —; ſich zum Kriege, zum Kampfe, gegen Semand—); uneig. ſich 
mit Geduld, Standhaftigkeit ec. —, finnv. waffnen; der Rüſt, — es, (altd. 
rusti, rust, w.), oberd. f. Geräth, Merkzeug: — 3feg.: der Rüſtbaum, 
ftarke, ſenkrecht geftellte Bäume, welche ein Gerüft (f. d.) tragen; der Rüſt⸗ 
bock, ein hölzerner Bock (f. d.) als Unterlage eines Gerüſtes; das Rüſtbrett, 
Bretter zu einem Gerüſt; das Rüſthaus, f. v. w. Zeughaus, ſ. d.z die Ruft- 
fammer, ein Zimmer, in welchem Kriegsrüftungen, Waffen zc. aufbewahrt 
werden; der Rüſtkaſten, Bergw. ein Kaften, in welchen die aus dem Förder: 
ſchacht herausgezogenen Erze ausgeftürzt werden; die Nüfkleiter, Leiter eines 
Küftwagens, überh. f. Wagenleiter; das Ruͤſtloch Löcher in den Mauern, 
durch welche die Rüſtſtangen geſteckt werden; der Rüſtmeiſter, 1) Aufſeher 
einer Rüſtkammer od. eines Rüſthauſes; 2) chem. Verfertiger der Schikßbogen, 
Bogener; der Rüſtnagel, ftarke Nägel zu Baugerüften; die Rüſtſtange, die 
Stangen eines Gerüftes, auf welchen die Rüftbretter ruhen; der Rüſttag, 
Borbereitungstag; bibl. der Tag vor dem Sabbath oder einem Fefte; der 
Rüſtwagen, ein großer, ſtarker Wagen zur Fortſchaffung des Kriegsgeräthes 
und Gepäckes; überh. ein großer Leiterwagen für Waaren, Geräthichaften ꝛc.; 
das Rüſtzeug, überh. ein Werkzeug, Geräth (uneig. bibl. heißt Paulus: ein 


570 Rüſter — Ruthe 


auserwähltes Rüftzeug Gottes); in engerer Bed. eine Mafchine, insbef. an 
der Armbruft der Theil, womit ver ftählerne Bogen geipannt wird; ehem. beſ. 
Kriegsgeräth, Kriegsgeſchoſs; — Ableit. rüflig, Bw., gleich]. immer ge- 
rüſtet u. bereit, daher: gefunde, frifche Kräfte habend, ſtark und rafch 
(ein rüftiger Manny er ift für fein Alter noch rüftig 2c.); oberd. auch f. ſchnell, 
hurtig (komm rüftig her! u. dgl.); die Nüftigfeit, das Rüftigfein, die 
frifhe Kraft; die Rüftung, M. -en, 1) das Rüften, die Vorbereitung 
(Kriegö-, Seerüftung zc.; Rüftungen machen); 2) dasjenige, womit eine 
Derfon od. Sache gerüftet wird, das nöthige Geräth, z. B. des Vogel— 
ftellers; insbef. f. Gerüft der Zimmerleute, Maurer, Brunnenmader ꝛc.; 
ferner f. Kriegsgeräth, insbef. die füämmtlichen einem einzelnen Krieger od. 
ehem. einem Ritter nöthigen Bekleidungsftüde und Waffen (die Rüftung 
anlegen; in voller Rüſtung erfcheinen), in engerer Bed. auch nur Harniſch, 
Helm, Arm- u. Beinſchienen; uneig. die Einfaffung eines bewaffneten 
Magnetes (fr. Armatur); 3) ehem. auch f. Rüftzeug, Werkzeug, Mafchine, 
bef. um Laften zu heben; insbef. der Schaft einer Armbruft nebft dem KRüft- 
zeuge (f. d.) derjelben. 

Rüſter, m., -8, 1.5. v. w. Nifter (. unter Rift); 2. f. v. w. Rieſter. 

Küfter, w., M.-n (andſch. auch Kiefter, Rüft, Rüſche, Rüft-, Rüſch— 
baum 2c.), bef. in Niederd. f. Ulme; die rothe Rüfter, eine Abart derfelben 
mit vöthlich geflecktem Holz u. Eleinen Blättern; landſch. auch f. Feldahorn, 
u. fe Leene (j. d.); Eleine Rüfter, f. Spindelbaum; der Rüfterfpinner, 
die Bärenmotte; die Rüſterwanze, eine Art Baumwanzen; rüftern, Bw., 
von der Rüfter, von Rüfternholz (eüfterne Bretter 2c.). 

Rüſthaus, -Fammer ꝛc. — Rüſtzeug; rüſtig, Rüftung, f. unter 
rüſten; — ruſtig, Ruſtkiſte, ſ. unter Ruſt. 

Rute, w., M.n, (auch Ruthe geſchr.), niederd. f. Raute (2), insbeſ. 
eine viereckige Fenſterſcheibe. 

Ruthe, w., M.-n, Verkl. das Rüthchen, oberd. Rüthlein, (altd. 
ruota, ruote, oberd. Rueten; altſächſ. ruoda, angelf. u. engl. rod, niederd. 
Rood, Rode; vgl. das lat. rudis, Stab, u. das ſanskr. ridh, wachlen), überh. 
ein langer, verhältnifsmäßig dünner, meift biegfamer Körper; insbei. 
1) ein langes, biegfames Reis von einem Baume zc., finnv. Gerte (eine 
Birken-, Weiden, Pappelruthe; Leim-, Spieß-, Wünfchelruthe (j. d.), welche 
auch ſchlechthin Ruthe heißt, daher: die Ruthe jchlagen Laffen, d. i. durch die 
Wünfchelruthe verborgene Metalle zc. anzeigen laffen); 2) mehre zufammen- 
gebundene diinne Birkenreifer als Strafwerkzeug für Kinder 2c. (die Zucht— 
ruthe; einem Kinde die Ruthe geben; noch unter der Ruthe ſtehen; der Ruthe 
entwachfen fein; umeig. fich felbft eine Ruthe binden, d. i. eine anhaltendes 
Übel bereiten); 3) ein langer Stab, eine Stange von Holz (z. B. die An- 
gelruthe, Mefsruthe; der ftarke Stod des Dreichflegels; die Stange an einem 
Ziehbrunnen; die Segelftange oder Rah des Belanfegels; die langen Zimmer: 
hölzer der Brücken, auf welche die Bretter genagelt werden: Brüdenruthen; 
landſch. auch f. Radfchiene; ehem. f. Zepter), in einzelnen Anwendungen auch 
eine Stange von Metall (3. B. die eilerne Stange eines Ankers: Anker: 
ruthe; Schloſſ. eine dünne eiferne Stange zum Anſchüren des Feuers in der 
Effe 20); 4) eine Mefsftange, welche ein beftimmtes Längenmaß, in der 
Regel von 10 oder 12 Schuh, darftellt, u. dies Längenmaß felbft, landſch. 





rutfhen — rütten 571 


auch Gerte, Stock ıc. genannt (die rheinländiſche Ruthe hält 12 xheinländ. 
Fuß); 5) das männliche Gefchlechtsglied bei Menfchen u. Thieren (die Ruthe, 
oder männliche Ruthez die weibliche Ruthe, ein ähnlicher, aber viel 
Fleinerer Theil: das Schamzünglein, fr. Klitoris); Jäg. der Schwanz der 
meiſten vierfüßigen Thiere, beſ. des Fuchſes; — fer. das Ruthenbündel, 
ein Bündel Ruthen od. Reifig; der Nuthenfifcher, Angerfifcher ; die Ruthen— 
fifcherei; ruthenförmig, Bw.; der Nuthengänger, auch Ruthenmann, 
-fchläger, Bergw. wer die Wünfchelruthe handhabt, um Erzgänge zu erfor- 
ſchen; die Ruthenfappe, lederne Kappe an der Ruthe eines Drefchflegels; 
das Nuthenfraut, ſ. v. w. Gertenkraut; Mutterharzpflanze (f. Mutterharz) ; 
der Nuthenfchlag, Schlag mit einer Ruthe; Bewegung der Wünfchelruthe ; 
das Nuthenfegel (gem. Ruſegeh), Schiff. Segel, die unter eine ſchräg ge 
neigte Rah befeftigt und in der Regel dreiedig find; der Ruthenſtreich, ein 
Streicd mit der Ruthes — Ableit. ruthen, ziel. Zw., oberd. f. mit der 
Mefsruthe ausmeffen, unterfuchen (ein Faſs —; fr. vifiren). 

rutſchen, ziellof. Zw. m. fein, (niederd. rutsken), gem. überh. f. gleiten 
(+ B. das Holz von einer Anhöhe rutſchen laſſen; es ift hinuntergeruticht; m 
haben nur, wenn es ein abfichtliches Thun ohne Andeutung eines Zieles od. 
einer Richtung bezeichnet, z. B. er hat mit dem Fuße, gerutiht; wir haben 
auf der Rutfchbahn geruticht); in engerer Bed. fih auf dem Hintern glei- 
tend fortbewegen (vom Berge hinab rutſchen; Jäg. der Hafe ruticht zu Holze); 
uneig. ſcherzh. f. fahren (irgend wohin —); gem. f. ſterben (abrutfchen); 
überh. f. fortrücken, Fortgang haben (ex. ift gerutſcht; die Sache will nicht 
rutſchen); oberd. f. ſchaukeln (auch: rutſcheln); der Rutſch, -e8, gem. f. 
ein einmaliges Rutſchen, ein Stoß; — 3fes. die Rutſchbahn oder der 
Nutjchberg, eine abhängige Bahn, auf welcher man in Wagen, die in hölger- 
nen Gleifen laufen, ehr fchnell hinabgleitetz die Rutſchenbinſe, tandich. f. 
glatte, vundköpfige Binfe, Knopfbinfe, auch, Rutſchke; das Rutfcherrecht, 
das Recht eines Zins> oder Grundheren, wonad eine ihm fchuldige Abgabe, 
wenn fie nicht am bejtimmten Zage entrichtet wird, mit jedem Tage um ihren 
ganzen Betrag wählt (rutſcht); der Rutſcherzins, M. Rutfcherzinfen, 
nah dem Rutſcherrecht zu, bezahlende Zinſen, auch Werth-, Frohn-, Fahr: 
ing; — Ableit. die Rutſche, 1) der Drt, wo man gefälltes Holz hin- 
abrutfchen läſſt (Bolgrutiche); 2) oberd. f. Schaufel, Wiege; 3) landſch. 
f. Fußbank; die Rutſchel, oberd. 1) f. Schaufel; 2) f. eine fich herum: 
treibende, liederliche Weibsperfons; der Nutjcher, -S, 1) wer rutfcht; 
2) gem. j. v. w. Rutſch; rutſchig, Bw., gem. f. leicht rutſchend od. glei- 
tend; oberd. f. glatt, ſchlüpfrig. 

Rutte, w., M.-n (vgl. Ruppe), oberd..f. Aalraupe, Quappe. 

Nüttelgeier, m., Rüttelweihe, w. (gl. Rittelweihe), landſch. f. Röthel- 
geier, Nöthelweihe. 

rütteln, ziel. 3w. (das verkl. u. veröfternde rütten, f. d.), wiederholt 
u. fchnell hin u. her: bewegen, finnv. ſchütteln (einen aus dem Schlafe rüt- 
teln; das Maß ift gerüttelt voll, d. i. nachdem man es gerüttelt hat, jo 
voll, dafs nichts mehr hineingeht); landſch. auch f. fieben, worfeln (das Ge- 
treide —; vgl. reiten); b. d. Handſchuhmachern: eine Nath mit dem Nüttel- 
holze glätten. 

rütten, ziel. Bw. (isländ. sydia, dän. zydde, nigderd. to⸗rüden; vol. reiten 


Ba Ruttich — Saal 


und reitern), völlig vlt., urfpr. bewegen, erjchüttern, ſchütteln; dann ver— 
wirren, zerftören (daher noch: zerrütten); der Rlitten, 8, (gem. Rit⸗ 
ten; ſ. Ritt 2.), oberd: f. das Fieber; das Rüttſtroh, Landw. Stroh, defien 
Halme zerfnict find, Wirr-, Krummftroh, z. U. v. Schüttenftroh. 

Nuttich, m., -e8, —* Rättich), landſch. f. Waſſerpfeffer, Flohpfeffer; 
Flöhkraut. ⸗ 


S. 


S, der neunzehnte Buchſtabe des ABC, ein Mitl., und zwar der 
Zungenlaut unter den Säufelern (oder Spiranten: j, ſ, w) wird hervor- 
gebracht, indem man die Zungenſpitze an die nicht völlig gefchloffenen Zähne 
legt und die Luft durch diefelben ftößt. Es hat bie janfte Ausfprache eines 
Säufellautes überall, wo es als Anlauf einer Silbe vor einem Selbftlaute 
fteht (3. B. fagen, reifen 2c.), wird aber zum fchärfern Zifchlaute, wenn es 
als Auslauf fteht, in welchem Falle es die Figur 8 hat (4. B. Haus, Glas, 
Röschen), und in Verbindung mit einem t im In- oder Auslaut (4. B. Lift, 
raſten, lieſſt ꝛc.). Sm Anlaut verbindet fich das f in echt=deutfchen Wörtern 
jest nur mit Selbftlauten und mit t und pz fl und fp werden dann in Niederd. 
fcharf lispelnd (wie ft, ßp), in Oberd. Hingegen wie fcht, Tchp, am beften aber 


mit einem zwifchen beiden Ausfprachen in der Mitte liegenden Laute gefprocdhen 


(4 8. ftehen, freuen; fpielen, fprechen, Splitter). Vor I, m, n, t, w 
ſteht im Anlaute nie ſ, fondern fh (1. d.). — Das ß iſt ein noch ſchärferer 
Ziſchlaut, als das 8; es ſteht nie zu Anfang eines Wortes, und nur nad) 
einem gedehnten Geldftlaut oder Doppellaut (z. B. ſpaßen, reißen, genießen, 
Schoß, Fuß, Map ꝛc.). Das verdoppelte | (MT, 18) fteht Hingegen nur nach 
einem gefchärften Selbftlaut und hat im Hochd. immer den fcharfen Zifch- 
laut eines Doppel-ß (z. B. effen, Laffen, müffen, Schlofs, Schofs, Flufs zc.). 
Zufolge des herrfchenden fehlerhaften Schreibgebrauches fest man jedoch insge- 
mein am Ende einer Silbe oder! eines Wortes, wie auch vor einem t, das ß 
auch nach gefchärften Vocalen an die Stelle des ff (I8) und fchreibt.z. B. Roß, 
Haß, häßlich, haft ft. Rofe, Hals, häſslich, haſſt ze. — Unferem einfachen ſ 
Yiegt immer ein altes s zu Grunde, unferem echten ß ein altes z (4. B. Maß, 
ſaß, Fleiß, Fuß; altd. maz, saz, fliz, fuo2); das Schlufs-$ aber ift theils 
aus s, theild aus z han (4. 82. Haus, Gras, las; altd. hüs, gras, las; 
hingegen: aus, das, was; altd. üz, daz, waz), unfer ff (f8) theils aus ss 
(3. B. missen, rosse, küssen), theils aus zz oder 2 (z. B. wiflen, — 
Waſſer, laſſen, laſs; altd. wizzen, hazzen, wazzer, lazen, laz). — Das fd) 
ift ein durch ein zuſammengeſetztes Seien dargeftellter einfacher Zifchlaut, 
welcher unten an feiner Stelle zu betrachten ift. 

fa (franz. ca, val. das alkoberd. fa, verk. aus d. altd. sär, alsbald, ſo— 
gleich), Empfindl. der Volksfpr., welcher zur Munterkeit, Hurtigkeit ober 
Freude anregt, vgl. hei=-fa, hop-ſa. 

Saal, m., -es, M. Säle, Verkl. das Sälchen, (altd. salz isländ. 
salr, angelf. u. rhoeh. sal, altfächf. seli, Haus, Zimmer, Wohnung; roman. 
— franz. salle, w.; vgl. das goth. saljan, altd. sellan, saln, einkehren, 
wohnen; ſanskr. gala, Wohnung; auch: Geſell, d. i. Mitwohner, Selde ꝛc.), 








Saamen — Sabbe 573 


urfpr. überh. Wohnung, Haus, Palaft, Fürftenhofz Vorhof, Vorhalle 
(vgl. Borfaal), daher noch landſch. f. Hausflur, Diele; im Mittely. eine 
große, rings umfchloffene Halle zu ebener Erde, bef. als Speiſe-, Tanz- u. 
Schlafgemach dienend; jest überh. ein ungewöhnlic geräumiges u. hohes 
Dimmer, bef. zu Zufammentünften, Gefellfihaften, Aufftelung von Sammlun- 
gen u. dgl. dienend (zZ. B. Speifer, Tanze, Ritter-, Hör-, Bücher, Bilder- 
faal 2c.); — 3fes. die Saaldede, das Saalfenfter, die Saalthür ıc.; 
das Saalgericht, chem. f. Hofgericht; der Saalrichter, f. Hofrichter; der 
Saalmann, chem. f. Hofmann, (verfch. Salmann, f. d.); der Saalmeifter, 
f. Hofmarſchall. 
Saamen, m., ſ. Samen. 

Saat, w., M. -en, (altd. sät, M. säti, seti; angelſ. saed, engl. seed, 
isländ. säde, ſchwed. säd; von fäen, f. d.5 vgl. d. lat. satum, satio) 1) der 
Samen, welcher gefäet wird od. bereits ausgeftreut ift, bef. vom Getreide 
(daher die Zfeg. Aus-, Ein-, Früh-, Sommer-, Winterfaat); auch das aus 
dem Samen aufgewachfene junge Getreide (die Saat fteht Schön, dünn 2c.); 
2) das Säen, bef. des Getreides (die Zeit der Saat; zur Saat adern ꝛc.; 
uneig. die Saat guter Handlungen, die Saat des Böfen 2c.); 3) landſch. fo 
viel Land man auf einmal zu befaen pflegt: ein Feldmaß von 36 Geviert- 
ruthen; — 3feg. die Saatbohne, =erbfe, =gerite, =linfe, der Saathafer, 
-weizen, zum Säen beftimmte Bohnen, Erbſen ꝛc.; das Saatfeld, ein be- 
Täetes Feld, bef. Getreidefeld; faatfurchen, untrb. ziel. 3w., Landw., ‚zum 
legten Male vor dem Säen pflügen, daher das Saatfurchen (meklenb. die 
Saatfahre); das Saatgras, der Windhalm; der Saathanf, niederd. 
der famentragende weibliche Hanf; das Saathuhn, der Brachvogel; der 
Saatkäfer od. -fpringer, eine Art Rüffelläfer; die Saatkarde, die Karde 
(1. d.), welche zum Gebrauch der Tuchmacher zc. gefäet wird; das Saatkorn, 
1) f. v. w. Samenkorn; 2) zum Säen beftimmtes Korn; die Saatfrähe, ge- 
meine ſchwarze Ackerkrähe, auch Saatrabe, gem. Rad, Kader, Rud ıc. 
genannt; die Saatlerche, gemeine Feldlerche; die Saatroſe, Pappelcofe; 
der Saatvogel, Regenvogel; die Saatwide, 1) die angebaute Futter- od. 
Feldwice, z. U. v. der wilden Wide; 2) zur Ausfaat beftimmte Widen ; die 
Saatzeit, Zeit der Saat; — Ableit. der Saatling, -es, M. -e, 1) 
Reumw: f. ein aus der Saat Entfproffenes; 2) landfch. ſ. v. w. Saathanf. 

Sabbath, m., -e8, M. -e (vom hebr. schabath, d. i. Ruhetag, gem. 
jüd. Schabbes), der wöchentliche Feiertag der Juden, unfer Sonn— 
abend; in weiterer Bed. überh. f. Ruhe- oder Feiertag, daher auch der 
chriftl. Sonntag; die Sabbathfrau Güd. Schabbesfrau), bei den heutigen 
Juden eine hriftl. Frau, welche fie am Sabbath, bedient; das Sabbathjahr, 
bei den ältern Juden: jedes fiebente Jahr, in welchem die Felder brach Liegen 
mufften, Ruhejahr; der Sabbathstag, ſ. v. w. Sabbath; der. Sabbaths- 
weg, eine Strede Weges, fo weit ein Zude chem. am Sabbath gehen durfte; 
der Sabbather, -3, bibt. jeder Wochentag, vom Sabbath. an gerechnet. 

Sabbe, w., od. Sabbel, Sabber -3, m. (vgl. Saft, niederd. Sapp, 


-: amd das oberd. Geifer, niederd. Seiber, Sever f. Geifer), niederd. gem: f. 


Geifer, Speichel, bef. von Kindern; fabben, gew. fabbeln oder fabbern, 
ziellof. Zw., niederd. f. geifern, den. Speichel fließen laſſen; auch auf ekel— 
bafte Weife an etwas lecken od. faugenz der Sabbe- od. Sabbelbart, 


914 Sääbel — Sache 


niederd. gem. f. Geiferbart, ſ. de; der Sabberegen, osnabrück. f. Staub— 
regen; ſabbelig, Bw., niederd. f. geiferig, begeifert. 

Säbel, m., ⸗s, M. w. E. (landſch. gem. auch Sabel, niederd. Zabel; 
ſpan. sable, ital. sciabla; franz. sabre; wahrſch. urſpr. aus dem ſlaw. sabla, 
ungar. szablya, erft in der neueren Sprache entlehnt), ein breiter, Erummer 
Degen, dergl. die Türken, Ungarn und bef. die Hufaren führen; gem. auch 
überh. f. Degen; der ungarifche Säbel, uneig. Naturk. die gefrümmte 
Scheidemufchel; — 3fes. das Säbelbein, ein Erummes, ein- od. auswärts 
gebogenes Bein; ſäbelbeinig, Bw., folche Beine habend; die Säabelbohne, 
ſ. v. w. Schwertbohne; der Säbelfiſch, Schwertfiih; ſäbelförmig, Biv., 
die Form eines Säbels habend; der Säbelfuß, ein gefrümmter Fuß, bef. bei 
Pferdenz daher fabelfüßig, Bw.; das Säbelgefäß, ſ. Gefäß; der Säbel- 
hieb; das Säbelholz, Schiffb. fäbelförmig gekrümmte Planken; die Säbel- 
Elinge, ſ. Klinge 1.5 die Säbelfcheide, |. Scheide; der Säbelfchnäbler, 
eine Art Vögel mit aufwärts gebogenem Schnabel; die Säbeltafche, eine 
Taſche, welche die Hufaren unter dem Säbel bangen haben; — Ableit. 
fabeln, ziel. u. ziellof. 3w., mit dem Säbel hauen (bef. in ab-, nieder: 
Täbeln); mit dem Säbel od. auch einem ähnlichen Dinge herumfechten, in 
der Luft herumfahren. 

Säbenbaum od. Sebenbaum, m. (von d. lat. Sabina; franz. sabine, 
engl. savin; landſch. verderbt auch Seven-, Gieben-, Sade⸗, Gabel, Sage 
baum 2c.), ſtinkender Wachholder, eine in Italien, Portugal u. dem Moraen- 
Yande einheimifche Wachholder-Art von widrigem Geruch u. ſcharfem Gefchmad; 
das daraus bereitete ÖL ift ein gefährliches, bluttreibendes Mittel, welches zum 
Abtreiben der Leibesfrucht gemifsbraucht wird. 

Sache, w., M. -n, (althochd. sahha, u. in der Bed. Streit auch: sechia, 
secha; mittelh. sache, oberd. Sach, niederd. Sake; angelf. saca, sac, engl. 
sake, isländ. sök, fchwed. sak; fämmtlich bef. Handel, Streit, Urfache be- 
deutend; von einem alten ablaut. Zw. goth. sakan, angelf. sacan, isländ. saka, 
altd. sahhan, sachen, Impf. suoch, Mw. gesachen, weldyes in den Bed. 
fchelten, ftreiten, verweifen, auch anorönen, einrichten vorkommt, urfpr. aber 
— d. fat. sequi folgen, verfolgen zu bedeuten ſcheint; aus diefem Grund: 
begriff fließen die älteften Hauptbedeutungen von Sache: Verfolg, Hergang, 
Angelegenheit; Verfolgung, Streit; Urfache, d. i. das, woraus etwas folgt; 
vgl. auch das offenbar von sachen, suoch abftammende suochen, ſuchen, 
defien Bed. jenen Grundbegriff beftätigt) 1) etwas Gefchehenes, ein Her— 
Hang, Vorgang, Vorfall, Zuftand, (z. B. ich will die die Sache erzählen; wie 
ift die Sache zugegangen? nach Geftalt der Sachen, d. i. der Vorgänge und 
Umftände); Angelegenheit, Gefchäft, Handel (eine wichtige, öffentliche 
Sache; feine Sachen gehen fchlecht; unverrichtetev Sache fortgehen 2c.; er 
verfteht feine Sache; mit Jemand gemeinfchaftlihe Sache machen; das ift 
meine Sache nicht; feine Sache auf etwas ftellen, d. i. es zu feiner Angelegen- 
heit, zum Zweck feiner Thätigkeit machen); 2) in engerer Bed. eine gericht— 
liche Klage, ein Nechtöftreit, Nechtshandel u. deffen Gegenftand (Klage-, 
Streit, NRechtsfache; eine Hals-, Geldfache 2c.; eine gerechte Sache haben, 
vertheidigen 2c:; in feiner 'kigenen Sache Richter fein); 3) ehem. und noch 
landſch. f. Urfäche, Grund, Schuld G. B. ohne Sache, f. ohne Urſache, ob. 
ohne Schuld); 4) bef. in der neugren Sprache: jeder Gegenftand, von wel— 























Sade 575 


chem man fpricht oder mit welchem man fich befchäftigt (vgl. den Über- 
gang des latein. causa in ital. cosa, franz. chose; z. B. über eine Sache 
ſprechen; von einer Sache handeln; das gehört nicht zur Sache, thut nichts 
zur Sache; von der Sache abfommen;z zur Sache! — oft entg. den Wor- 
ten; 3. B. ich halte mich an die Sache, nicht an die Worte); 9) in weitefter 
Bed. überh. f. Gegenftand, Ding (4. B. Reichthum ift eine Schöne Sache ıc.; 
der Ruhm ift eine mifslihe Sache; allerlei ſchöne Sachen, Spiel-, Zuder- 
ſachen 2c.; in diefer Bed. auch verkl. Sächlein od. gew. Säheldhen), von 
Eörperlihen Dingen jedoch bei. nur, fofern fie in näherer Beziehung zu 
dem Menfchen ftehen, ihm angehören zc., alfo von engerer Bed., als das 
finnv. Ding, daher insbef. Kleidungsftücde, Geräthſchaften, fahrende 
Habe (viele Sachen befigen, feine Sachen orbnen, einpaden, verkaufen 2c.); 
nach rechtlichem Begriff jedes Ding, welches Jemands Eigenthum ift od. 
fein Fann, entg. der Perfon (vergl. o.), u. verfchieden von den Dingen, 
welche ihrer Natur nach in Niemands Befig fein Eönnen (der Menſch ift Eeine 
Sache; die Sterne find körperliche Dinge, aber Feine Sachen); Sprachl. jeder 
Gegenftand, der nicht Perfon ift G. B. geben regiert den Acc. der Sache 
u. den Dat. der Perfon); — 3fes. ſachdienlich, Bw., zur Sache dienlich; 
die Sacherflärung, Erklärung des Gegenftandes oder Begriffes, z. U. von 
Worterklärung; fachfällig, Bw., Ripr. feine Sache d. i. feinen Rechtshandel 
verlierend (fachfällig werden); die Sachfälligkeit; der Sachführer, wer 
eines Andern Angelegenheit, beſ. Rechtsſache führt; das Sachgedächtniſs, 
Gedächtniſs für Sachen, d. i. Begebenheiten, Vorfälle ze., verſch. Wort-, 
Namen-, Bahlengedächtnifs; die Sachfenntnifs od. Sachkunde, Kenntnifs 
einer Sache, Einficht in diefelbe; fachfundig, Bw.; der Sachfenner oder 
Sachkundige; fachleer, Biw., leer an Sachen, d. i. Begriffen, inhaltleer; 
die Sachleere; das Sach- oder Sachenrecht, der Inbegriff der Gefege, 
welche das Mein und Dein betreffen; auc) f. das dingliche Recht; das Sach— 
regifter oder -verzeichnifs, Verzeichnis der Sachen oder Gegenftände, von 
denen in einem Buche gehandelt wird, 3. U. dv. Namen, Wortregifter 2c.; fach- 
reich, Bw., reich an Sachen, inhaltreich, entg. wortreich; der Sachreich— 
thum; der Sachverftand, der Verftand od. Sinn der Sachen, z. U. v. Wort- 
verftand; auch f. v. w. Sachkenntniſs; daher fachverfländig, Bw., ſ. v. w. 
ſachkundig; als Hw. ein Sachverftändiger, der, die Sachverftändige zc., 
ſ. v. w. Sachkenner; ſachwalten, unteb. ziellof. Zw., Neuw. f. einen Rechts— 
ftreit führen; der Sachwalter, chem. auch Sachwalt (das mittelhochd. sache- 
walte, nicderd. Sakewold bedeutet urfpr. die Hauptperfon in einem Rechts— 
ftreite: Beklagter od. Kläger), wer eines Andern Rechtsfache vor Gericht ver- 
waltet od. führt, der Anwalt, Rechtsfreund (fr. Advocat); die Sachwalter- 
Schaft, die Eigenschaft, Stelle, od: der Gefchäftskreis eines Sachwalters; der 
Sach: od. Sachenwerth, der wirkliche innere Werth einer Sache, entg. dem 


- angenommenen od. Nennwerthe (bei. von Münzen; fr. Real-, entg. Nominal- 


wert); das Sachwort, Sprachl. ſ. v. w. Haupt- od. Nennwort (fr. Sub: 
ftantiv); ſachwörtlich, Bw., das Sachwort angehend oder dazu gehörend; 
das Sachwörterbuch, ein Wörterbuch über Sachen, d. i. Gegenftände oder 
wiffenfchaftliche Begriffe irgend eines Faches (fr. Real-Lerikon); — Ableit. 
die Sachheit, Neuw. f. das Wefen, die Natur einer Sache; auch f. Wirk- 
lichkeit, Wefenheit (fr. Realität); ſachlich, Bw., die Sache angehend, im 


316 Sachs — Sad 


dem Wefen der Sache gegründet G. B. der fachliche Unterfchied; das ſach— 
liche Recht 2c.); daher die Sachlichfeit: verſch. ſächlich, Bw., Sprachl. 
das fachliche Gefchlecht (fr. genus neutrum), d. i. dag Sprachgefchlecht der 
Wörter, welche weder männlich, noch weiblich find, durch den Artikel das 
bezeichnet (4. B. das Haus, das Weib 2c. find Wörter ſächlichen Geſchlechts, 
od. fähliche Wörter); — fachen, ziellof. u. ziel. Zw. altoberd. (niederd. ſa— 
Een; vgl. o. Sache) f. Elagen, rechten, ſtreiten; verurfachen,- veranlaffen; 
der Sacher, -8, f. wer vor Gericht ffreitet, Kläger oder Beklagter (daher - 
die oberd. Zfeg. der Selbfaher, Hauptſacher, und das hochd. Wider- 
fader, f. d.). 

Sachs, ſ., -e8, M.-e, (altd. sahs, isländ. sax, angelf. seax; vgl. Sch, 
Sichel, u. das lat. secare, fchneiden), völlig vlt., ein Werkzeug zum Schnei- 
den, Meffer, Eurzes Schwert. 

Sachſe, m., -n, M. -n; weist. die Sächfinn, M. -en, (niederb. 
Saſſe; altd. Sahso, Sahse, d. i. eig. Mefferträger, mit dem Sachs (f. d.) 
Bewaffneter), urfpr. EN. eines im nördlihen Deutfhland verbreiteten 
deutfchen Volksftammes, deffen Sprache die niederdeutfche Mundart ift; jest 
die Bewohner des ehemal. Oberfachfens, u. insbe. des heutigen König— 
reichs Sachfen; der Sachfenfpiegel, das Sachenrecht, die um 1220 in 
niederd. Sprache abgefaffte Gefesfammlung der Sachen; ſächſiſch, Bw., den 

Sachſen eigen, zu Sachfen gehörend oder dort einheimifh, (jä Hirte 
Blau, eine blaue Farbe, aus Indigo, Vitriolöl und Kobalt bereitet). 

facht od. fachte, Nw., felten ald Bw. gebraucht, (die durch den Übergang 
des f in ch entftandene, urfpr. niederd. Nebenform von fanft, engl. soft, hol. 
saft und’ sacht, ſchwed. sakta), eig. fanft, gelinde, unmerklich, ohne heftige 
Bewegung, langfam (etwas facht anfaffen, facht gehen ꝛc.; Schiff. fachte 
Klippen, d. i. mit Gewächfen od. Schlamm bedecte, jo dajs ein darauf fto= 
ßendes Fahrzeug nicht heftig erfchüttert wird); gew. f. leife, ohne Geräuſch 
(ſacht ſprechen; ſachte! fachtel 2c.); niederd. auch f. leicht, ohne Schwierig- 
keit (4. B. das läſſt ſich fachte fagen, od. thun); die Sachtmuth, niederd. f. 
Sanftmuth; ſachtmüthig, Bw., f. fanftmüthig; fachten, ziel. Iw., niederd. 
f. ſänftigen, lindern, (auch ar 

Sachverſtand ꝛc. — Sachwörterbuch, ſ. unter Sadıe. 

Sad, m.,.-e8, M. Säcke, Verkl. das Eichen oberd. Säcklein, 
gem. Sädel, (goth. sakkus, altd. sach, sac, ©. sackes, M, secchi, secke; 
engl. sack, ſchwed. saeck; griech. O«zxos, vgl. 0doosıv, oarzeıv, packen; lat. 
saccus, fpan. u. ital. sacco, franz. sac ıc.), überh. ein nur an einer Seite 
offenes Behältnifs von einem biegfamen Stoffe (ein leinener, lederner Sad; 
Bettel-, Mantel, Quer-, Strohſack, Dudelfak u. dgl. m.; mit Sad und Pad 
ausziehen, d. i. mit feiner ganzen Habe), oberd. insbef. f. Taſche, Beutel 
(etwas in den Sad ſtecken; der Hofenfad.ic.; Geldſack f. Geldbeutel); auch 
ähnliche häutige Theile des menfchl. u. thier. Körpers (4. B. der Hoden- 
fat; der runde und der länglihe Sad, Eeine Theile im innern Ohre; 
niedr. f. Magen, 3. B. feinen Sad füllen); in engerer Bed. nur ein größeres 
Behältnifs der bezeichneten Art von Leinwand, verich. von Beutel (ein 
Getreide, Mehl-, Woll-, Futter-, Kohlenſack 2c.; ein Geldfad, d. i. ein großer 
Beutel mit Geld, den man nicht in der Tafche tragen kann; ſprichw. einen in 
den Sad ſtecken; d. i. ihm überlegen. fein, ihn. überwinden; einen im Sacke 





Sad 577 


haben, d. i. ihn in feiner Gewalt haben; die Katze im Sacke kaufen, ſ. Katze; 
fo voll wie ein Sad fein, niedr. f. im höchften Grade betrunken fein); aud) ein 
Sad von beftimmter Größe, als Maß (ein Sad Getreide hält im 
Meklenb. 6, in Bafel 8 Scheffel); bei den älteren Juden ein grobes, härenes 
Trauerkleid (im Sad und in der Aſche Buße thun); niedr. verächtl. uneig. f. 
eine Perfon, bef. ein plumper, träger Menſch, auch in Zfeg. wie Freſs- 
Plauderſack 2c.; in weiterer Anwendung: ein nur an einem Ende offener, 
hohler Raum, z. B. eine Gaffe ohne Ausgang (ein Sad od. eine Sad- 
gaffe), der Pulverfad (ſ. d.) an Schiefgewehren; der Kohlenfad (f. d.) 
in den Öfen der Scheidefünftler; — 3fes. das Sadband, ftarke hänfene 
Schnur zum Zubinden der Säde; der Sackdieb, oberd. f. Zafehenbieb; die 
Sadflechte, eine an Felſen wachiende Slehten- Art; fadförmig, Bw., die 
Form eines Sades habend, einen Sad bildend; Pflanz. ‚hohl u. walzenförmig; 
die Sackgans, Kropfgans; das Sadgarn, ein Länglichrundes, fatähnliches 
Fiſchergarn; die Sadgaffe, f. o. Satz die Sadgeige, Eleine Zafchengeige 
der Tanzmeiſter; die Sackgeſchwulſt, eine Gefchwulft, die in einem mit Eiter 
gefüllten häutigen Sade befteht; der Sadhafe, Landw. f. v. w. Hafenneft; 
die Sadlaft (ogl. Laſt), Tandfch. ein Getreidemaß, in Danzig — 5 Malter 
od. 80 Scheffel; die Sadleinwand oder das Sadlinnen, grobe Leinwand 
zu Säden; der Sadmann (altd. sachman, sacmanz vgl. das fpan. saco- 
mano, ital. saccomanno, Plünderung; ſpan. saquear, franz. saccager, mettre 
a sac, plündern), ehem. f. Plünderer, Räuber (dem Sadmann rufen, od. Sad- 
mann mad)en, f. plündern); die Sacknadel, Naturk. f. Nadelfiſch; die Sack— 

pfeife, ein Tonwerkzeug, beftehend aus einem ledernen Schlauche u. einer da- 
mit verbundenen Pfeife, auch Bodpfeife, gem. Dudelfad; der Sadpfeifer, 
wer die Sackpfeife fpieltz die Sadpiftole, Keine Tafchenpiftole, gem. Puffer; 
die Sackpumpe, Bergw. eine Pumpe mit fatförmigem Pumpenzug; das 
Sackrad, ein unterſchlächtiges Mühlrad mit gebrochenen Schaufeln; die Sad- 
fpinne, eine Art grauſchwarzer Spinnen, welche ihre Eier in einem Sädchen 
von ihrem Gefpinft am Hinterleibe trägt; der Sadträger, ein Arbeiter, wel- 
cher Getreide» od. Mehlſäcke trägt; — f. Eſel; Sackgans; Sackſpinne; das 
Sacktuch, oberd. f. Taſchentuch; die Sackuhr, oberd. f. Taſchenuhr; die 
Sackwage, eine kleine Wage, welche man in der Taſche bei ſich tragen kann, 
Federwage; die Sackwespe, eine Art Wespen mit ſackförmigem Hinterleibe, 
auch Sackfliege; der Sackzehnte, der von dem ausgedroſchenen, in Säcken 
befindlichen Getreide entrichtete Zehnte, Scheffelzehnte, auch Sackgülte, zzins, 
entg. Garben« od. Mandelzehnte; der Sackzwillich, grober Zwillich zu Ge— 
treidefäden; — Ableit. der Sädel, ſ. Sedel; das Sädel, -8, M. w. €., 
oberd. Verkl. von Sad (f. o.): Saͤckchen, Beutel; daher das Sädelkraut, 
ſ. v. w. Täſchelkraut, Hirtentafhe; der Säckler, -8, oberd. f. Beutler, 
Täſchner, Handſchuhmacher; — faden, Zw. 1) ziel. (in diefen Bed. aud) 
fäden), in einen Sad od. in Säcke füllen od. fteden (Korn, Malz —; vgl. 
einfaden;z einen Verbrecher —, ihn in einen Sad ſtecken u. erfäufen, eine 
ehemal. Todesſtrafe); auch f. paden, flopfen (die Taſchen voll—; vol. auf- 
faten), uneig. gem. f. viel u. gierig effenz 2) rückz. fich faden, f. v. w. 
fich beuteln, ſackähnliche Falten bilden; auch: fich ftopfen, verftopfen; 
der Sader od. Säcker, -8, niederd. ein Arbeiter, der dag Getreide in 
Säcke ſchüttet. 


Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 37 


nn Po DE 


578 faden — Saft 


faden, Sw., 1. f. unter Sad; 2. (verw. mit dem altd. sigan, ſinken) 
ziellos und gew. rückz., niederd. f. finken, vermöge der eigenen Schwere fich 
allmählich ſenken (ein Haus hat fich gefadt; das Waffer fact fih, ift im 
Saden; auf einem Fluffe faden, d. i. mit dem Strome nad) der Mündung 
zu treiben). 

Saderment (auh Sapperment;z verberbt aus Sacrament, lat. sacra- 
mentum, eine feierliche Religionshandlung, ein Gnadenmittel) und Saderloth 
(angebl. aus sacra lotio, d. i. die heilige Taufe, entft.), niedr. Fluchwörter, 
als Ausruf des Unwillens, Zornes, auch der Verwunderung in der gem. 
Volksſpr. 

Sackflechte ꝛc. — Sackzwillich, ſ. unter Sad. 

Sadebaum od. Sadelbaum, m., r. Säbenbaum, ſ. d. 

ſäen, ziel. Zw. (goth. saian, Prät. saisö: angelſ. sävan, Prät. swy; alt- 
hochd. nur ſchwach umend. säan, säwan, sähan, mittelh. saejen; niederd. 
faien, faden; engl. sow, ſchwed. sa; vgl. das lat. sero, sevi, satumzc.), urjpr. 
überh. freuen, ausftreuen (vgl. befäen); gew. Fruchtkörner od. Sa— 
men ausſtreuen (Roggen, Weizen, Erbfen—; uneig. dünn gefäet fein, 
d. i. in geringer Menge u. weiten Swifchenräumen bei einander fein, 3. B. bie 
Dörfer find hier fehr dünn gefäet); uneig. auch etwas wirfen mit der Aus— 
fiht auf Eünftigen Ertrag od. Genufs (wer mit Thränen fäet, wird mit 
Freuden ernten; vgl. ernten); — 3fes. der Säemann od. Sämann, der 
Getreide fäende Sandmann; der Säepflug, ein pflugähnlidyes Geräth zum 
Säen; das Säetuch, ein Leinentuh, in welchem der Säemann den Samen 
vor fich trägt; — Ableit. der Säer, -8 (altd. saari, sahari), die Säerinn, 
M. -en, wer fäet. 

Safran od. Saffran, m., -08, o. M. (franz. safran, engl. saffron, ital. 
zafferano; vom arab. sahafaran, perf. zafferon), ein Zwiebelgewächs mit 
rothgelben, ftarkriechenden Blumen, die Safranpflanze (crocus L.), bef. der 
zahme od. Herbft- Safran im ſüdlichen Europa, England 2c.; gew. nennt 
man Safran: die drei hochgelben Narben der Staubwege in den Blü— 
then jener Pflanze, welche getrocdnet als Färbeftoff, an Speifen u. Backwerk 
und als Arzenei gebraucht werden; wilder Safran, f. die Färbebiftels ge- 
meine Eberwurz; Herbftzeitlofe;z uneig. nennt man Safran in der Scheidek. 
verfchiedene gelbe, vöthliche u. braune Metallkalke (Eiſen-, Spießglas— 
fafran 26.); — 3fe$. der Safranapfel, eine Art gelber Apfel; die Safran- 
farbe; fafranfarben, fafrangelb, Bw.; das Safranöl, aus dem Safran 
gezogenes, goldgelbes flüchtiges Ol; die Safranpfirfich, eine Art fafran- 
gelber Pfirfichen. 

Saft, m., -e3, M. Säfte, (altd. daz saf, ©. safles; altoberd. das 
Saft; isländ. saft, w.; angelf. säp, engl. u. holl. sap, niederd. Sapp; vgl. 
das lat. sapa, Moftfaft; franz. seve, Pflanzenfaftz verw. mit faufen, |. d.; 
vgl. auch Suppe, u. d. niederd. Sabbe; fiepen f. tröpfeln 2c.), 1) die in den 
fefteren Theilen der Pflanzen u. Thierkörper enthaltene, diefelben durch- 
dringende Flüffigkeit oder Feuchtigkeit (der Saft der Früchte; die Bäume 
ftehen in vollem Safte; ber Birken-, Rebenfaft 2c.; den Saft ausdrüden, aus— 
faugen 20.5; Nahrungss, Lebensfaft; die Säfte des menfchl. Körpers; gejunde, 
oder ungefunde, verdorbene Säfte haben; das Fleifch hat weder Saft, nod) 
Kraft; umeig. eine Rede ohne Kraft und Saft, d. i. Lebensfrifches der rothe 


i 
i 
j | 
\ 
J 




















fagbar — fagen #19 


Saft, niedr. f. das Blut); 2) eine dieliche Flüffigkeit, bei. ber eingefot- 
tene Saft von Früchten, auch ein als Arzenei dienender Abſud; in dieſer 
Bed. auch verkl. das Säftchen, oberd. Säftlein, (Möhren-, Birnen-, 
Holunder-, Mohnfaft 2c.; einem ein Säftchen eingeben); — 3Teb. das Saft: 
behältnifs, bef. an den Blumen: das Honiggefäß; fattblau, Bw., u. als 
Hw. das Saftblau, eine rötblih «blaue Farbe, aus dem Gafte der Lackmus— 
pflanze bereitet; die Saftfarbe, Mal. aus Pflanzens od. Thierfäften bereitete 
Zarbe, z. U. v. Erd- u. Metallfarbe; der Saftgang, Gang, durch weldjen 
der Saft feinen Weg nimmt, bef. Pflanz.; das Saftgefäß, ſ. Gefäß; Taft- 
grün, Bw., ald Hw. das Saftgrün, aus Pflanzenfäften bereitete grüne Farbe; 
das Saftholz, Forftw. im Saft ftehende, treibende Bäume, Treibholz; das 
Saftkraut, Knoblauchkraut; faftleer, faftlos, Bw.; die Saftlofigfeit; das 
Saftmus, Dicfaft, Latwerge; der Safträuber, den Saft entziehende 
Schmarogerpflanzen; faftreich od. faftvoll, Bw.; die Saftröhre, in den 
Gewächſen zarte Röhrchen, durch welche der Nahrungsfaft ſich verbreitet; — 
Ableit. fasten, ziellof. Zw. m. haben, 1) vlt. f. Saft befommen (bie 
Bäume faften Schon); 2) (altd. salen; oberd. au fafteln, faffezen: 
nieberd. fappen) Saft oder Feuchtigkeit von fich laſſen (die Früchte faften 
durch den Sad); faftig, Bw. (altd. saffec, faffig; niederd. fappig), vielen 
Saft enthaltend (Früchte, Fleiſch 2c.); niederd. (fappig) auch f. ſchmutzig, 
Eothig; uneig. gem. f. ſchmutzig, d. i. unzüchtig, unkeuſch (ein faftiger 
Scherz u. dgl.); die Saftigfeit, das Saftigfeinz ſäftigen od. fäften, ziel. 
3w., Neuw. f. faftig machen, mit Saft verfehen. 

fagbar, Bw., Sage, w., f. unter fagen. 

Säge, w., 1. f. unter fägen; 2. |. Sege. 

Sagebaum, m., f. Säbenbaum. 

Sägeblatt ꝛc. — Sägemühle, ſ. unter fägen. 

fagen, ziel. 3w. (altd. segjan, sagen; isländ. segia, ſchwed. säga, dän. 
sige, angelf. secgan, engl. say; nieberd. u. fchweiz. feggen, hol. zeggen; von 
gleicher Wurzel mit dem altlat. secere, in-secere (jagen), welches offenbar 
— sequi (folgen) iſt; vergl. die derfelben Wurzel angehörenden griech. Erzeıv, 
fagen, u. Erzeıv, Erreodcı, folgen; der Grundbegriff läge alfo in der Xufein- 
anderfolge oder Aneinanderreihung der Worte; vergl. reden), etwas oder 
einem etwas—, durch hörbare Worte zu erkennen geben od. mitthei- 
len, versch. ſprechen, reden, ſ. d. (ich darf es nicht ſagen; die Wahrheit 
fagen; einem feine Meinung jagen; ihm Dan? jagen; was willft du damit 
fagen? d. i. zu verftehen geben; das will ich nicht gejagt haben; einen 
todt jagen, d. i. fagen, dafs er todt feiz einem guten Morgen, gute Nacht 
ꝛc. fagen, d. i. wünfchen; — bisw. aud) ohne Bielwort, 3. B. ich fagte nur 
jo, d. i. ich gebrauchte diefe Worte, ohne es ernftlich jo zu meinen; wie 
gefagt, d. i. wie ich gelagt habe; gejagt, gethan, db. i. wie es ge 
fagt war, jo gefchah es auch; für Semand gut Tagen, ſ. unter gut 2.); ins— 
bef. f. erzählen, berichten, melden (ehem. fingen und ſagen; ich habe dir et- 
was zu jagen; man jagt nicht viel Gutes von ihm; ich habe mir fagen laffen, 
dafs 2c., d. i. man hat mir erzählt 2c.; er. hat von Glück zu fagen, d. i. eig. 
zu erzählen, er kann ſich glüdlich ſchätzen, dafs ꝛc.); ehem. auch f. ausfagen, 
Zeugnifs ablegen; jest in engerer Bed. f. bedeutfame, gehaltvolle Worte 
fagen (Mancher ſpricht viel, ohne etwas zu Tagen); u. f. befehlen (in einer 


37% 


580 | fägen 


Sache etwas zu fagen haben; er hat mir nichts zu fagen); in weiterer Bed. 
etwas fchriftlich mittheilen, Außern (mein Freund fagt in feinem Briefe, 
dafs 2c.; Göthe fagt 2c.); uneig. auf irgend eine Art Außern, bemerkbar 
machen, zu erkennen geben, ausdrüden (mein Herz, mein Gewiffen fagt es 
mir 2c.; ein viel fagender Blick, ein nichts fagendes Geficht u. dgl. m.); be> 
deuten (was will das Wort fagen? das will fo viel fagen, dafs 2c.), von Be- 
deutung, von Wichtigkeit fein, erheblich fein (das will nichts fagen, hat 
nichts od. nicht viel zu fagen 2c.); — Ableit. fagbar, Bw., was gefagt, 
d. i. in Worten geäußert werden kann; fo auch fäglich, welches jedoch nur 
in unfäglic) gebraucht wird; die Sagbarfeit; der Sager, -8 (altd. sago, 
sage), felten f. wer etwas fagt, anfagt, ausfagt (ald Zeuge); niederd. 
(Segger) wer ein übles Gerücht verbreitetz; — die Sage, M.-n, (altd. 
saga, sage; oberd. Sag, niederd. Segge; angelf. u. ſchwed. saga), überh. 
was gefagt wird od. ift, der Ausfpruch, oberd. bef. f. Ausfage (z. B. Zeu- 
genfage); insbef. eine Erzählung, ein Gerede, Gerücht (4. B. es geht die 
Sage 2c.); in engerer Bed. eine durch mündliche Überlieferung fortgepflangte, 
nicht vollig beglaubigte Erzählung von Begebenheiten früherer Zeiten, entg. 
der Gefhichte (Sagen der Vorzeit; Götter- und Heldenfagen;z Volksſagen; 
verfh. Mähren); 3feg. die Sagemähre (oberd. Sagmähr), vlt. f. eine 
mährenhafte Sage, lügenhafte Erzählung ; die Sagenforfchung: die Sagen- 
gefchichte, 1) die ättefte, in bloßen Sagen beftehende Gefchichte; 2) eine Ge 
fhichte der alten Sagen; die Sagenzeit, die frühefte, nur aus Sagen be- 
Eannte Zeitz Ableit. fagenhaft, Bw., die Befchaffenheit einer Sage ha- 
bend, fagenähnlic. 

fügen, ziel. 3w. (altd. sagön, sagen u. segön, segen; ſchwed. saga, engl. 
saw; von gleihem Stamme mit dem lat. secare, alſo urfpr. überh. fchneiden: 
vgl. Sachs, Sichel, Senfe), mit der Säge (ſ. u.) ſchneiden od. zerfchneiden 
(Holz, Knochen, Steine 2c.); auch durdy Sägen hervorbringen (Bretter, 
Latten 20.); die Säge, M. -n, (altd. saga, sage u. sega, sege; oberd. Gag, 
Seg; angelf. saga, isländ. sög, engl. saw), ein gezähntes eifernes Schneide: 
werfzeug, das beim Gebrauch hin= u. hergezogen wird (eine Holz-, Gtein-, 
Hand-, Baums, Gartenfäge 2c.); uneig. zwei Arten gezähnelter Stumpfmu— 
ſcheln, u. eine Art Tellmuſcheln; — 3feg. von Säge: das Sägeblatt, f. 
Blatt; der Sägefifch, eine Art Haififche mit langem, knöchernem, an beiden 
Seiten gezähntem Oberkiefer; auch f. Schwertfifch; die Sägenfliege, eine 
Art Fliegen mit mefferförmigem Stachel, woran zwei vorftehende jägenähnlich 
eingefchnittene Blättchen find; ſäge- od. fägenfürmig, Bw.; das Sägege— 
ftell, das hölzerne Geftell, in welchem das Sägeblatt befeftigt ift: der Sägen⸗ 
ſchmied, ein Schmied, der beſ. Sägen verfertigt; der Sägeſchnäbler, eine 
Art Taucher mit ſägenähnlich ausgezacktem Schnabel, auch Säger, Stückſäger, 
Meerroche 2c.; der Sägenſchnitt, Kriegsb. eine im Zickzack gezogene Linie; 
der Sägetaucher, f. v. w. Tauchente, od. Biberente; das Sägenwerf, 
Kriegsb. eine Art Verfehanzung; der Sägezahn, fpisiger Zaden einer Säge, 
u. überh. eines fägeförmig ausgefchnittenen Randes; — Zfes. von fägen: 
der Sägeblock od. -Floß, ein Holzblod od. dicker Baumftamm, aus welchem 
Bretter gefägt werden follen; der Sägebock, ein hölzernes Geftell, auf wel- 
ches das zu fägende Holz gelegt wird (f. Bod 3.); der Sägemeifter, Auf- 
feher über die Lohnfäger in den Wäldern 2c., od, Über eine Sägemühle; Die 








Sagerer — Saite 581 


- Sägemühle, ein Mühlwerk, durch welches Holzblöce zu Brettern zc. zerfchnitten 
werben, Brett-, Schneidemühle; daher der Sägemüller; der Sägefpan, 
gew. M. Sägefpäne, auch das Sägemehl, die beim Sägen abfallenden zar- 
ten Späne; — Ableit. der Säger, -$, wer fügt; aud) f. Sägeſchnäb— 
ler, f. 0. 

Sagerer.od. Sagrer, m., -$, M. w. €. (alt. sagaräri, sageraere — 
lat. sacrarium), oberd. f. das fr. Sacriftei, d. i. Kirchengeräth- Zimmer, 
Kicchenftube. 

Saher, od. zgez. Sahr, m., -6, 0. M. (altd. sahar, Gumpfgras), 
oberd. ald Sammelw. die fpigen Blätter gewiffer Sumpfgräfer u. des auf- 
keimenden Getreides; daher fahern od. fähern, Zw., den zu üppig wach— 
fenden Saher zum Viehfutter abfcehneiden (das Getreide abfahern). 

Sahlband, f., od. Sahlleifte, w. (von einem vit. Sahl, sal, welches 
überh. Ausdehnung in die Länge, Rand, Band bezeichnet zu haben fcheint; 
vgl. das angelf. säl, Band, Zügel; verw. mit Seil, Siele?), der Außerfte 
Rand od. die von gröberer Wolle gewebte Einfaffung an Wollenzeugen, das 
Tuchende, die Tuchfchrote (landfch. gem. Salbende, Selbende); das 
Sahlband, auch Bergw. die Steinart, welche den Erzen auf den Gängen 
gleichf. zur Einfaffung dient, (gem. Seilband) auh Saum, Mantel ge: 
nannt; brandenb. ein loder um den Pflugbalken liegender Ring zur Verbindung 
des Vorderpfluges mit dem Pflugbalken. 

Sahlbrief, buch, fahlfrei, Sahlgut, =böf, f. unter Sat. 

Sahling, w., M.-en, Sciffb. ein leichtes, Ereuzmweife gelegtes Ge— 
balE, welches den Stengen und Bramftengen zur Befeftigung dient. 

Sahlleifte, f. Sahlband; — Sahlmann, leute, f. unter Sat. 

Sahlweide, w., (von dem altd. salo, m., u. salaha, salhe, w., die Weide, 
jo dafs in Sahl-weide derfelbe Begriff doppelt geſetzt ift, wie in Sauer: 
ampfer u. a. m.; die Weide heißt: angelf. sealh, engl. sallow, ſchwed. sälg, 
franz. saule, Tat. salix; wahrſch. von gleichem Stamm mit Sahl in Sahl⸗ 
band (f. d.), alfo vom Binden od. Winden benannt, oder von dem Bw. jal 
(j. u.), engl. sallow, blafs, bleih?), eine Art Weiden mit eiförmigen, runze— 
ligen Blättern und fehr zähen biegfamen Zweigen, auch Palm- Buſch-, Dohl-, 
Korb-, Bandweide ıc., Tchweiz. die Sale; die glatte Sahlweide, f. Lor- 
ber= od. Baummollweide. 

Sahne, iw., o. M. (holl. saen; wahrfch. verw. mit Seim), |. v. w. Milch— 
rahm (f. Rahm), insbef. der füße, frifche (niederd. Schmant); die Sah- 
nenbrezel, der Sahnenkuchen, Brezel, Kuchen, deren Teig mit füßer Sahne 
angemacht ift; auch Kuchen mit einem Aufgufs von Sahne; der Sahnenkäfe, 
aus füßer Mil fammt der Sahne bereiteter Käſe, Süßkäſe. 

Sahrbache, w., M.-n, od. der Sahrbaum, oberd. f. die ſchwarze 
Dappel, Pappelweide; landſch. aud) f. Weißpappel. Mt 

fain od. fein, Bw. u. Nw. (altd. seini, seine, isländ. seinn, ſchwed. sen, 
angelf. saene; vgl. fehnen, fäumen, langfam), oberd. f. träge, faumig, lang- 
fam; fpätz traurig, kränklich; daher fainen, faineln, Zw., f. faumen, 
zögern, langfam fein; die Sainel, f. eine läffige, faumfelige Perfon. 

Saite 1., w., M.-n, (altd. seita, seite, w., neben seito,,seite, m.; 
oberd. die Saiten; vom altd. sitön, bindenz vgl. das angel. sad, Strid, ſchwed. 
seid, Beſtrickung durch Zauberei), urfpr. über. Band, Faden, ©eil; dann 


582 Saite — Sal 


inst>f. u. jest ausſchließlich ein aus Därmen gebreheter Faden u. in weiterer 
Anwendung auch ein feiner Metalldrath, zur Befpannung von Tonwerkzeugen 
(Darms, Drathfaiten, Geigen-, Harfenfaiten 2c.; ein Zonwerkgeug mit Saiten 
beziehens neue Saiten aufziehen; die Saiten fpannen, ftimmen, rühren ꝛc.; 
uneig. die Saiten zu hoc) fpannen, d. i. feine Forderungen zu weit treiben; 
gelindere Saiten aufziehen, d. i. von feinen Forderungen nachlaffen, Tanfter 
veden 2c.); — 3fes. der Saitenhalter, an Geigen ein mit Löchern verfehenes 
fchmales Brettchen, in welchem die Saiten befeftigt werden; der Saiten: 
macher, Verfertiger von Darm- oder Metallfaiten; das Saitenfpiel (alto. 
seitin-, seite-, od. seitspil), Spiel auf einem mit Saiten befpannten Tonwerk— 
zeuge; auch ein ſolches Tonmwerkzeug felbft, fofern deffen Saiten unmittelbar 
mit den Fingern gerührt werden (z. B. Harfe Laute); der Saitenfpieler, die 
Saitenfpielerinn, wer auf einem folhen Zonwerkzeuge fpielt; das Saiten— 
Zonwerkzeug od. =Zonzeug, gew. halbfremd: Saiten» Inftrument, jedes 
mit Saiten befpannte Tonwerkzeug (z. B. auch das Klavier); der Saiten- 
wurm, ſ. dv. w. Fadenwurm (f. d.), aud) Borften-, Drath-, Haarwurm ıc. 
genannt; — Ableit. faitig, Bw., mit Saiten verfehen, bezogen, gem. 
nur in Zfeg. wie: vier-, fünf-, fechefaitig 2c.; der Saitling, -es, M. -e, 
oberd. feinhäutiger, zu Saiten brauchbarer Schafdarm. 

Saite 2. w., M. -n (vielleicht von gleichem Stamm mit Saite 1., fo 
dafs hier die Grundbed. Geflecht ift), Kandfch. ein großer Korbwagen, nur 
in dem zgeſ. Kohlenfaite (1. d.). 

Saferfalf, m. (gem. auch Sacker-, Soder-, Stockerfalk ꝛc.; Tat. Falco 
sacer, woraus der deutfche Namen entft. zu fein Scheint, vgl. d. griech. idons; 
n. U. von dem ruff. sokol, Falk), eine Art Falken, Kleiner als der Geicrfalt, 
mit himmelblauen Füßen und gefledtem Schwanze, zur Kranich- und Reiher— 
beize 2c. gebraucht. 

fal, eine Nachſ. zur Bildung von Hauptwörtern (urfpr. — fel (f. d. und 
vgl. Rinnfal, Rinnfel), altd. sal, sala, entftanden aus der Nachſ. al, el, mit 
portretendem s, z. B. weh-s-al, MWechfel, ah-s-ala, Achfel, im Mittelhochd. 
aber für die Wurzel sal genommen, von welcher salic, felig, u. das altd. sa- 
lida, saelde, Glüd, Wohlfein, Fülle ſtammen) bildet von Zeitwörtern ab- 
ftraete Hauptmwörter, welche theils einen Zuftand, theils (in concrete Bed. 
übergehend) das. einen Zuftand Bewirkende ausdrücden und im erftern Falle 
theils weiblich, theils ſächlich, im letztern immer fächlichen Gefchlechts find; 
z. B. die Mühfal, Trübſal, die od. das Drangfal, das Irrſal, Schickſal, Lab- 
fal, Scheufal. Aus diefem fal ift felig als Bildungsendung der Beiwörter 
mühfelig, trübfelig, ſcheuſelig (fcheußlich) entftanden und dann auch zur Bil- 
dung anderer Beiwörter, Yoie glückjelig, feindfelig, faumfelig, leutfelig, ange 

wendet worden, denen feine Hauptwörter auf ſal zu Grunde liegen. 
; fal, Bw. (altd. salo, sal, G. salwes; daher das altd. Zw. salawan, selwen, 
goth. saulnon, angelf. sauljan, entfärben, befchmugen; engl. sallow, blaſs; 
ital. salavo, franz. sale, ſchmutzig), ober- u. niederd., überh. von veränderter 
Farbe, daher einerfeits: verfchoffen, verblichen, matt, bleich, nicderd. bei. 
von blaffer Gefichtsfarbe, daher fiech, kränklich (hHannöv. faul); andrer— 
feits: ſchmutzig, trübe, befudelt, fehwarz, hafslich; falen, Zw., niederd. 
f. ſchmutzig machen. 

Sal oo. Salung, we; (altd. sala, salz; salunga, sulunge; von gleicher 











Salamander — Salbe 583 


Wurzel mit Saal, f. d.; das zu Grunde liegende Zw. goth. saljan, altd. 
sellan, saln bedeutet urfpr. einkehren, wohnen, im Befig fein, dann als ziel. 
Zw. in Beſitz feßen, übergeben; fo auch das isländ. selia, ſchwed. sälja, 
angel]. seljan, engl. sell (verkaufen), und noch niederd. fellen, ſ. d.), völlig 
vlt. f. die rechtskräftige förmliche Übergabe eines Gutes als echtes Cigen- 
thum (Allod, entg. Lehen), Schenkung, Verkauf; daher: das Salbuch, 
ehem. ein Verzeichnifs von Schenkungen, Übergaben ꝛc. von Grundftüden an 
Kirchen und Gemeinheiten; jest noch landfc). ein obrigkeitl. Schagungs = oder 
Steuer: Regifter, worin alle Grundftüde der Unterthanen nebft den davon zu 
entrichtenden Steuern verzeichnet find, |. v. w. Flur, Lagerbuch (fr. Katafter) ; 
falfrei, Bw., ehem. f. von allen Laften frei, fteuerfrei 2c.; das Salgut, der 
Salhof, das Sal-Pand, ein zinsfreies Gut, Land 20:5 der Salmann, M. 
Sal-Leute, Vollzieher der feierlichen Übergabe eines Gutes an einen Dritten; 
auch Vollzieher eines legten Willens; Gewährer, Schugherr, Vermögensver- 
walter; der Salpfennig, Geld, welches der Empfänger des Gutes dem Sal: 
mann giebt. 

Salamander, m., -8, M. w. E. (altd. aud) salmander; griech. u. lat. 
salamandra; ſanskr. salamandala), f. v. w. Molch, Feuermolch, eine Art 
Eidechfen, von denen man ehem. fabelte, dafs fie im Feuer leben; daher auch 
ein fabely. Feuergeift; dev Salamanderbaum, ein oftind. Baum, deſſen 
dicke Rinde dem Feuer lange widerfteht; die Salamandereidechfe, eine dem 
Salamander ähnliche Eidechſen-Art (fr. Salamandrin); das Salamander- 
haar, gediegenes Silbererz in zarten Fäden, Federerz. 

Salat, m., -e8, M.-e, (engl. salad, sallet, feang. salade; vom ital. 
salato, salata, gefalgen, von salare, ſalzen), urſpr. eine gefalzene, gem. eine 
mit Effig u. St angemachte Ealte Speife (Gurken, Kraut-, Kartoffel, 
Bohnene, Härings-, Geflügelfalat 2.); in engerer Bed. der Gartenlattich, 
ein Gewächs, welches am häufigften auf folche Art zubereitet wird, von ver- 
fchiedenen Arten, als: Kopflalat, Eraufer Salat, Kaijerfalat zc.; auch ver— 
fehiedene ähnliche wild wachfende Pflanzen, ſ. Mauer-, Saufalatz — 
3fes. der Salatbaum, Judasbaum in Kanada, deffen Blüthen als Salat 
gegeffen werden; das Salatblatt; die Salatbohne, weiße türkifche Bohne; 
die Salatgabel, der Salatlöffel, Gabel, Löffel von Holz od. Horn zum 
Salat; das Salathaupt od. der Salatkopf, die kugelförmig gefchloffenen 
Blätter des Salates (ſ. Kopf 1.); das Salatfraut, jedes Gewächs, deffen 
Blätter ald Salat genoffen werden; der Salatnapf, die Salatſchüſſel; die 
Salatpflanze; der Salatfamen 2c.; der Salatwurm, Würmer, welche 
die Salatwurzeln abfreflen, insbeſ. die Maikäferlarve. 

Salbader, m., -8, M. w. E. (won dunklem Urfprung ; ſchwerui v. ſal 
und Bader, alfo: ein ſchmutziger Bader, od. f. Salb-Bader; n. A. f. 
Saal-Bader, chem. ein Mann, der in einem Gemeindehaus (Saal) ein Bad 
hätt?), ein langweiliger Schtwäßer, der unbedeutende Dinge weitläufig vor 
tägt; falbadern, ziellof. u. ziel. Zw., langweilig fehwagen; bie Salba: 
derei, langweiliges, leeres Schwasen od. Geſchwätz. 

Salbe, w., M. -n, Verkl. das Sälbchen, (goth. salbo, altd. salba, be 
oberd. Salben, Salm, niederd. Salwe, angel. salf, engl. salve, ſchwed. salwa; 
verw. mit salo, salw—, ſchmutzig, fchmierig? f. fal, Bw.; vol. auch das 
lat. saliya), ein fehmieriger, fettiger Stoff, mehr ftarr, als flüffig, zum 


584 Salbei — Salhund 


Beſchmieren dienend, insbeſ. als Heilmittel bei äußeren Schäden (Wund-, 
Brand-, Augenfalbe 2c.), und bei den alten Griechen, Römern ꝛc. auch aus 
wohlriechenden Stoffen bereitet, um Haar und Körper damit zu ſalben; 
landſch. auch f. Wagenſchmier; Schiffb. ein Gemiſch von Theer, Thran, 
Schwefel, Harz ıc., womit der im Waſſer befindliche Theil des Schiffes be— 
ftrichen wirdz oberd. uncig. ein Gemenge od. Gewirr von Sachen od. Worten; 
3fes. der Salbenbaum, landich. f. die Schwarzpappel, deren Knospen zu 
einer gewiffen Salbe gebraucht werden; der Salbenbereiter od. =macher; 
die Salbenbüchfe: der Salbenhandel, -Fram; der Salbenhändler, -Erä- 
mer; — falben, ziel. Zw. (altd. salbön, niederd. ſalwen, ſchwed. salwa), 
mit einer Salbe, od. überh. einer Fettigkeit beftreichen, befchmieren; ehem. 
u. noch niederd. überh. f. befihmieren, befudeln (befalben); insbe. mit 
einer Heil- od. wohltiechenden Salbe beftreichen; in engerer Bed. einen 
mit dem Salböle, als finnbildlichem Zeichen der königlichen und priefterlichen 
Würde, beftreichen, um ihm dadurch eine höhere Weihe und Heiligkeit zu ver- 
leihen (einen zum Könige, zum Priefter—; ein Gefalbter, ein gefalbtes 
Haupt, d. i. ein König; Gefalbter des Herrn, d. i. Priefter; wie ein 
Gejalbter fprechen, d. i. wie mit höherer Weihe und Einficht begabt); Bfek- 
die Salbnufd (fr. Behennufs), die Frucht des Salbnufsbaumes {Behen- 
baum) in Indien, woraus ein OL zu wohlriechenden Salben bereitet wird: dag 
Salbnufsöl; das Salböl, DI zur feierlichen Salbung von Königen und 
Prieftern; Ableit. der Salber, -$, die Salderinn, M. -en, wer falbt; 
die Salberei, verächtl. das Salben; die Salbung, das Salben; uneig. 
die höhere Weihe, fromme Begeifterung und tiefere Einficht eines Ge- 
falbten, d.i. Priefters (f. 0.5 z. B. mit vieler Salbung fprechen, predigen); 
daher falbungsreich od. voll, Bw. 

Salbei, w., 0. M. (gew. Salwei gefpr.; mittelhochd. salbeie; oberd. 
der Salber, Salver, Salverer; niederd. Selwe; vom lat. u. ital, salvia, wel⸗ 
ches von salvus, heil, gefund, abgeleitet wird), ein Staudengewächs mit 
rundlichen, dicken Blättern von gewürzhaftem Geruch u. fcharfem, bitte: 
rem Geſchmack, insbe. die gemeine Gartenfalbei, wovon Abarten find: die 
große ©, Kreuzfalbei, wollige ©.; andere Arten: die wilde od. Wieſen-Sal— 
bei, u. die ©. mit Lavendelblumenz die Frauenfalbei, |. v. w. Frauenmünze; 
— 3feg. der Salbeibaum od. -ſtrauch, ein Strauchgewächs, deffen Blätter 
den Salbeiblättern ähneln, in wärmeren Ländern; das Salbeiblatt; der Sal 
beieffig, über Salbeiblättern abgezogener Eſſig; falbeigrau, Bw., Färb. ins. 
Röthliche ſchimmernd grau; das Salbeidl, ein aus der Gartenfalbei gezogenes 
grünliches Ol; die Salbeiweide, eine Art Weiden mit der Salbei ähnlichen 
Blättern. 

falben, 3w., Salbenbaum ıc., Salber, f. unter Salbe. 

Sälbing, Salbling od. Salbling, m., -es, M. -e (entft. aus Sälm- 
ling, v. Salm, f. d.), oberd. eine Art Eleiner Salme, die Alpforelle od. 
der Rothfiſch. 

Salbnufs, -öl, Salbung, f. unter Salbe. 

Sälenholz od. Sellenholz, f., landſch. das Holz der Hecken- od. Ahl- 
kirſche, u. diefer Strauch felbft. 

Salhund, m., (angelf. sele, seole, engl. seal, dän. seel), niederd. f. See: 
hund; uneig. verächtl. ein fetter, fauler Menſch. 





Saliter — Salſe 985 


Saliter od. Salliter, m., -8 (verderbt aus Salniter), gem. f. Sal: 


„peter (ſ. d.). 


Salle od. Sale, w., M. -n, landſch. f. Sahlweide. 

Salm 1. m., -e8, M. -e, (altd. salmo, salme, M. -en; engl. salmon, 
franz. saumon; aus dem lat. salmo, u. diefes vielleicht von salire, fpringen, 
alfo: der Springer; vgl. Ladys), bef. oberd. f. der Lachs; in engerer Bed. 
ein noch nicht ausgewachfener Lachs, od. jeder im Frühling und Sommer 
gefangene Lachs; daher: der Salmbörs, eine dem Salm ähnliche Art Börfe; 
der Salmbraffen, Salme, deren Kiemenhaut nur vier Strahlen hatz die 
Salmforelle, Lachsforelle; das Salmgarn, dreimafchiges Fifhergarn zum 
Lachsfang; der Salmling od. Sälmling, -es, M.-e, eine Art Eleiner, 
fetter Salme (vol. Sälbling); am Rhein: der einjährige Lachs. 

Salm 2. m., -e8, M. -e, (fchon mittel. salme, salm, verkürzt aus 
Pfalm, f. d.), niederd. f. Pfalm, überh. geiftliches Lied, Kicchengefang; 
gem. verächtl. f. lange, eintönige Nede, langweiliges Geſchwätz. 

Salm 3. m., -8, M. -e, Hüttenw. ein länglich vierediges Stud Zinn, 
wie es in England gegoffen wird. 

Salmann, Salleute, f. unter Sat. 

Salmiaf, m., -8, o. M. (aus dem lat. sal ammıoniacum, d. i. Ammoniak: 
Salz, zgez.), falzfaures flüchtiges Laugenfalz, ein flüchtiges Mittelfalz von 
ftechendem, Eältendem Gefhmad, bereitet aus Kochfalzfäure, die mit flüchti- 
gem Laugenfalze gefättigt wird; die Salmiakblumen, Scheide. emporgeläu- 
terter Salmiat; der Salmiafgeift, f. Geift 1); das Salmiakſalz, aus dem 
Salmiak frei gemachtes flüchtiges Laugenfalz. 

Salmling, Sälmling, f. unter Salm 1. 

Salpeter, m., -8, M. (felten) w. E., (aus dem lat. sal petrae, d. i. 
Felfen- od. Steinfalz, weil er be. an feuchte Mauern anfchießt), alt u. oberd. 
auch Salniter, Saliter (aus d. lat. sal nitrum), ein Mittelfalz, beftehend 
aus Pflanzenlaugenfalz und einer eigenthümlichen Säure (Scheide 
waſſer), das entweder von felbft in Kryſtallen auswittert, oder durch Ein- 
Eochen zur Kryftallbildung gebracht wird; — Zſetz. der Oalpeterdampf, fa: 
peterfaure Luft; die Salpeterdrufe, Bergw. eine Art Quarzdrufen mit falpes 
terähnlicher Kryftallbildung; die Salpetererde, Salpeter enthaltende Erde; 
der Salpeterfraß, das Verwittern und Zerbröckeln des Kalks u. der Steine 
in den Mauern; auch eine ſolche fchadhafte Stelle; die Salpeterhütte, Sal- 
peterfiederei; die Salpeterlauge, falpeterhaltiges Waffer, welches eingefotten 
wird, um den Salpeter zu gewinnen; die Salpetermutter, der Überreft der 
Salpeterlauge, nachdem der Salpeter angefchoffen ift: die Salpeterfäure, 
die dem Salpeter eigenthümliche Säure, welche, in flüffiger Geftalt daraus ge- 
Tchieden, auch Salpetergeift u. gew. Scheidewaffer heißt; der Salpeter— 
fieder; die Salpeterfiederei; der Salpeterftrauch, ein an der Wolga zc. 
wachfender Strauch), der wie mit Salpeter geſchwängert ift; die Salpeterwand, 
von falpeterhaltiger Erde zc. aufgeführte Wand, um Salpeter davon zu ge: 
winnen; — Ableit. falpetericht, Bw., falpeterähnlich; falpeterig, Bw., 
Salpeter enthaltend, (falpeterige Säure, unvollfommene Salpeterfäure; 
daher falpeterigfauer, folche enthaltend). 

- Salfe, w., M.-n, (mittelhochd. salse, oberd. Salfen; vom ital. salsa 
(moher das franz. sauce), aus d. lat. salsus, a, um, gefalzen), alt u. oberd. 


586 Salter — Salz 


1) eine falzige od. faure Brühe od. Tunke zu Speifen (4. B. Knoblauch-, 
Kräuterfalfe 2c.); 2) (aud Salze od. Sälze) bis zur Dicke des Sirups 
eingefochter Saft von Früchten; der Salfendorn, landſch. f. die Berberig- 
ftaude, deren faure Beeren zu Salfen gebraucht werden; das Salſekraut, f. 
Knoblaudhkraut. 

Salter, m., -8, M. w. E., niederd. f. Pfalter 2) u. 3). 

faltern, ziellof. 3w.,niederd. 1) (von fal, fchmugig) mit etwas Unrein- 


lichem umgehen, fudeln; 2) viel Umftände und Befchwerde mit etwas 


haben; 3) auch) f. ſchwatzen. 

Sälting, m., — es, landſch. f. die Salzbinfe. 

GSaltling, m., —es, landſch. f. dev Sauerampfer. 

Salvet, od. Salvett, f., -es, M. -en (von dem ital. salvietta; franz. 
serviette), oberd. gem. f. das Tellertuch. 

Salz, f., -es, M. (von mehren Arten) -e, (altd. salz, goth. isländ. 
ſchwed. engl. salt, angel. sealt, niederd. Solt, holl. sout; franz. sel, ital. 
sale vom lat. sal, Salz; daneben lat. salum, Meer; griech. @s, Salz und 
Meer, u. zwar ift die leßtere Bed. die ältefte; betrachtet man die Bed. Meer 
als die urfprüngliche, fo ift die Abftammung von der Wurzel @), sal in @22- 
&oFer, sal-ire, fpringen, hüpfen, wahrſcheinlich, wonad das Meer von der 
Bewegung der Wellen fo genannt wäre; vgl. auch das altd. salzön, fpringen, 
neben salzan, falgen), überh. ein trockener Mineralförper, welcher im Waſſer 
fich auflöft und auf der Zunge einen eigenthüml. fcharfen Gefchmad er: 
regt (einfache Salze, wozu die Laugenfalze u. die Säuren od. jauern Salze 
gehören; zufammengefeste Salze, die aus zwei Salzen entftanden find: 
Mirtelfalze, metallifche Salze); gem. in engerer Bed. als Stoffnamen o. M. 
das gemeine Kochfalz, Küchen- od. Speifefalz, welches entweder Stein: 
falz, od. Seefalz, od. Quell-, Brunnenfalz ift (Salz graben, in Salgberg- 
werfen; Salz fieden, d. i. duch Einkochung u. Abdünftung des Waffers aus 
der Soole gewinnen; etwas mit Salz würzen, in Salz legen; Salz und Brod, 
d. i. die einfachfte, nothdürftigfte Koft); uneig. f. feharf eindringender Geift, 
feiner Wis (attifches Salz; in feiner Rede ift Fein Salz; bibl. ihr feid das 
Salz der Erde, d. i. gleich]. die geiftige Würze 20.); — Zfes. die Salzader, 
eine Salg enthaltende Ader (ſ. d.) in der Erde; das Salzamt, eine Behörde, 
welche den Verkauf des Landesherrlichen Salzes beforgt; der Salzberg, ein 
Berg, welcher viel Steinfalz enthält; das Salzbergwerk; die Salzbinfe, 
oder das Salzgras, Salzkraut, eine grasartige Pflanze von falzigem Ge: 
ſchmack; die Salzblumen, o. E., emporgeläutertes Salz; auch zarte Salz— 
theilchen, welche fi) beim Salzfieden wie ein Reif anhängen; die Salzbohne, 


eingefalzene Bohnen; die Salzbrühe, Brühe von eingefalzenen Dingen, Late, - 


Poökel, Sulze; der Salzbrunnen, ein Brunnen, welcher Salz enthält; die 
- Salzerde, Salztheile enthaltende Erde; das Salzfaſs, ein großes rundes 
Fals zur Aufbewahrung od. Verfendung des Salzes; eines Hleineres, vieredliges 
u. mit einem Dedel verfehenes hölgernes Behältnifs zu Salz in den Küchen 
(landih. Salzmefte); ein noch kleineres offenes Gefäß von Glas, Metall ꝛc.; 
worin das nöthige Salz auf den Tiſch gelegt wird: das Salzfafschen (landſch. 
auch Salzmefte); der Salzfiſch, eingefalzener Fiſch; der Salzflufs, Hüt— 
tenw. eine Miſchung falziger Stoffe, wodurd die Erze zum Fluſs befördert 
werden; auch ein Hautausſchlag, welcher eing Talzige Feuchtigkeit abfondertz die 





| 
| 
| 
| 


| 


Salz 587° 


Salzfütterung, Landw. Mifhung bes Viehfuttere mit Salz; der Salzgaſt, 
f. Gaft; der Salzgeift, f. v. w. Salzfäure; der Salzgraf, niederd. Salz 
grefe, der oberfte Vorgeſetzte eines Salzwerkes (vgl. Graf); das Salzgras, 
f. Salzbinfe; die Salzgrube, ein Ort, wo Steinfalz aus der Erde gegraben 
wird; die Salzgurke, mit Salz eingemachte Gurke; der Salzhandel, Salz- 
ram; der Salzhändler, -Främer zc.; das Salzhaus, die Salgniederlage; 
der Salzhecht, eingefalzener Hecht, Pökelhechtz der Salzherr od. Salz— 
junfer, landſch. f. adeliger Pfänner od. Theilhaber an einem Salzwerke; der 
Salzfloß, Landw. Klöße von Salz, Lehm u. allerlei Gefäme, die Tauben da- 
mit zu locken; der Salzfnappe, f. Knappe; der Salzknecht, ein geringer 
Arbeiter in Salztothen; der Salzforb, in den Salzkothen eine Art ſpitzzu— 
laufender großer Körbe, worin man das Wafler von dem Salz ablaufen läſſt; 
das Salzkorn, verkl. Salzkörnchen, f. Korn; die Salzfothe, oder das 
Salzfoth, ſ. Koth 2.5 das Salzkraut, verfchiedene, Salztheile enthaltende 
Pflanzen, beſ. cin am Meereöftrande u. in falzigen Sümpfen wachfendes Pflan- 
zengefchlecht von verfchiedenen Arten, woraus man durch Verbrennung Pflan- 
zenlaugenfalz od. Pottafche gewinnt (salsola L.); eine Art davon ift der Salz— 
ſtrauch (salsola fruticosa L.); auch das Glasſchmalz od. Seekrapp (salicor- 
nia L.); die Salzbinſe (f. d.); einige Arten des Gänfefußes 2c.; der Galz- 
fuchen, ein mit Salz beftreuter Kuchen von grobem Mehle; die Salzlake, 
( Lake), Salzbrühe; die Salzlecke, Landw. u. Zäg. der Ort, wo man dem 
Vieh od. Wild Salz zu lecken giebt; auch das dazu beftimmte Salz; der Salz— 
marmor, ein fein gaeflecter Marmor, ber mit weißem Glimmer in Geftalt 
von Salzkörnern durchfegt it; der Salzmeier, altoberd. |. v. w. Salzgraf; 
die Salzmefte, f. Mefte u. Salzfaſs; die Salzmühle, ein Mühlwerk zum 
3ermalmen des Salzfteines; die Salzmutter, der Schleim, der fich in den 
Soolgefäßen fammelt; die Salzordnung, obrigkeitl. Verordnung, die Salz— 
bereitung und den Salzhandel betreffend; die Salzpfanne, |. Pfanne; der 
Salzpfänner, ſ. Pfänner; die Salzprobe, Prüfung des Salggehaltes der 
Soole oder ded Salzwaſſers; auch das dazu dienende Werkzeug: die Salz- 
wage; die Salzquelle, eine Quelle, welche Salzwaffer giebt; das Salz 
famenfraut, eine Art des Samenkrautes, im Meere u. in falzigem Waffer 
wachſend; die Salzfäule, eine ſäulenähnlich gehäufte Salzmaffe (bibl. Loth's 
Frau wurde in eine Salzfäule verwandelt); die Salzfäure, die im Küchen- 
u. Seefalze enthaltene eigenthümliche flüchtige Säure; falzfauer, Bw., Salz 
fäure enthaltend oder damit verbunden; der Salzſchank, landſch. f. Klein 
handel mit Salz, Salzkram; der Salzſchenk, landſch. f. Salzkrämer; der 
Salzſchlag (ſchwed. saltslag), körnige Steinarten, Eörniger Quarz; die 
Salzfchlange, od. -natter, eine Art Nattern im Easpifchen Meere; der Salz 
ſchmant, die Unreinigkeit in der Soole, welche fich wie ein Schmant (Rahr 

oben aufſetzt; der Salzfchreiber, Schreiber bei einem Salzamte; der Sa 

ſchweiß, Salzwafler, welches aus Klüften od. Rigen gleichſam ausſchwt; 

der Salzſee, ein Sandfee mit falzigem Waffer; der Salzfieder, wer auder 

Soole durd) Sieden Salz bereitet; die Salzfiederei, auch die Salzfodrdas 

Sieden des Salzes, und die Anftalt, wo cs gefchieht; die Salzſoole oder - 
-fole, f. Soole; der Salzſtein, die in der Soole enthaltene Kalkerde,velhe 

fid) beim Sieden als ein Stein an die Pfanne anlegt, Pfannenftein; ad Salz 

in Steingeftalt, Steinfalz; die Salzfteuer, Abgabe vom Salz, od. m Galz 


588 Salze — fam 


werten; der Salzftößler, oberd. f. Salzkrämer; der Salzftrauch, f. Salz 
kraut; die Salzftube, große hölzerne Behältniffe, in welchen die Soole auf- 
behalten wird; das Salzſtück, fo viel Salz, als in einer Pfanne auf einmal 
gefotten wird, auch: ein Korb Salz; der Salzfumpf, große, mit Thon aus- 
gefütterte Vertiefungen am Meere u. an Salzfeen, in welchen man das Gee- 
waffer fich fammeln u. dann verdunften läfft, um das Salz zu gewinnen; bie 
Salzwage, ein Werkzeug zur Erforfchung des Salzgehaltes der Soole, auch 
Salzfpindel, =probe; das Salzwaſſer, Salztheile enthaltendes Waffer; 
das Salzwerf, jede Anftalt zur Gewinnung od. Bereitung des Salzes, fo- 
wohl Salgbergwerk, ald Salzfiederei; die Salzwinnung, vlt. f. Gewinnung 
des Salzes, auch Ertrag vom Salze; der Salzwirker, landſch. f. Salzfie- 
der; — Ableit. falzicht, Bw., dem Salz ähnlich; falzig, Bw., Salz 
enthaltend, bef. viel Salz enthaltend, ftarf nach Salz ſchmeckend (falziges 
Waſſer, falzige Speifen); die Salzigkeit, das Salzigfein, die falzige Be— 
ſchaffenheit; — falzen, ziel. Zw. (goth. saltan, niederd. folten; altd. salzan, 
salzen, ablaut. Impf. sialz, sielz; Mw. gisalzen, salzen) jest umend. ich 
Talzte; doch neben dem Mw. gefalzt gew. gefalzen (bef. ale Bw. z. B. ge: 
falzene Fifche; aber: die Köchinn hat die Suppe zu ſtark gefalzt), mit 
Salz beftreuen, mifchen, würzen (die Speifen—; gefalzene Butter 2c.); 
gefalzen, uneig. gem. f. ſcharf, nachdrücklich, theuer (die Hiebe find ge- 
ſalzen; die Sache ift gefalzen, d. i. fehr theuer; vgl. pfeffern); auch f. witzig, 
geiftvoll Chef. in ungefalzen f. unwitzig, abgefchmadt); falzen, (abgek. 
f. gefalzen) als Bw., landich. f. gefalzen, falzig G. B. falzen Brod, ſal— 
zene Butter). 
Salze od. Sälze, w., ſ. Salfe. 
fam, Rad. zur Bildung von Beiwörtern (goth. sam-s, isländ. sam-r, altd. 
sam, angelj. sum, engl. some; urjpr. ein Wurzelwort, welches mit, ver- 
bunden, dann als felbftändiged Nw. im Altd. u. noch im heutigen Oberd. 
eben fo wie, gleich wie, als wie, als ob bedeutet und zugleich dem Bw. 
od. Fürw. isländ. sam-r, goth. sama, samo, engl. the same, derfelbe, wie auch 
den Wörtern fammt, zufammen, fammeln ꝛc. zu Grunde liegt; von derfelben 
Wurzel ftammen auch die griech. @ue, Owos, lat. simul, similis zc.) drückt 
urſpr. innigen Zufammenhang, nahe Verbindung, daher auch Gleichheit 
u. Ahnlichkeit aus, und bildet Beimörter 1) von Verbal-Hauptwörtern, 
3. B. arbeitfam, bedachtſam, betriebfam, furchtfam, gewaltfam, graufam, müh- 
fam ꝛc.; 2) unmittelbar von Zeitwörtern, z. B. aufmerkffam, biegfam, 
duldfam, empfindfam, erfindfam, folgfam, genügfam, heilfam, ſparſam, wirk— 
fam zc., welhe im Allgemeinen die Geneigtheit und Fähigkeit zu dem in dem 
Stammmorte ausgedrüdten Thun bezeichnen; finnv. mit bar (vgl. ehrfam, 
vunderfam mit ehrbar, wunderbar), wovon ſich jedoch ſam in den un- 
ittelbar von Zeitwörtern gebildeten Ableitungen dadurch unterfcheidet, dafs es 
be fubjective Neigung oder Fähigkeit, bar hingegen eine paffive Mög- 
ligeit bezeichnet (vgl. empfindfam, furhtfam, heilfam, acht ſam mit 
emfindbar, furchtbar, heilbar, ahtbar). — Als Bildungzfilbe für 
Haptwörter findet es fich nur in: Gehorfam, Gewahrfam, u. in der Form 
fam in den meift vlt. Gerechtfame, Gewaltfame, Genoffame 2c. Gewöhnlicher 
werde yon den Bw. auf ſam durch Anhängung der Nachſ. Eeit Hauptwörter 
gebilde. wie: Arbeitfamkgit, Duldfamkeit, Furchtfamkeit zc. 





| 
| 
| 


| 


Same 589 


Same od. b. Samen (ehem. Saame gefchr.), m., ©. Samens, M. 
Samen, (altd. simo, säme, G. sämin, sämen; oberd. Samen, Sam, M. 
Sämen; lat. semen; von fäen, ſ. d.; urfpr. überh. das Ausgeftreute, daher 
ehem. auch f. Sand, Feld, Kampfplag), 1) die aus der Blüthe fich ent- 
widelnden Theile der Gewächfe, welche die Keime für andere Gewächfe 
derfelben Art enthalten, gew. ald Sammelw. (4. B. Samen tragen, bringen, 
viel Samen geben 2c.), in engerer Bed. nur fofern diefe Theile in Eleineren 
Körnern beftehen (z. B. Hanf-, Kohl, Lein-, Rübfamen; den Samen aus- 
ftreuen 20.); oberd. aud) f. Saat, d. i. das grüne, noch nicht aufgefchoffene 
Getreide; uneig. was ausgebreitet od. befannt gemacht wird, um Frucht 
zu bringen, d. i. heilfame Wirkungen zu haben (z. B. der Samen des gött- 
lichen Wortes, guter Lehren 2c.); 2) in weiterer Bed. auch der zur Fort- 
pflanzung der Gattung dienende flüffige Stoff bei Menfchen und Thieren 
(dee männlide Samen); bibl. f. Nachkommen, Nachkommenſchaft; 
auch die junge Brut der Fifche und mancher Infecten; Hüttenw. Schladen, 
welche noch Metall enthalten; — 3feg. die Samenader, Anat. Adern, welche 
nad den menfchl. Samengefäßen gehen, theils: Samenfchlagabern, theile 
Samenblutadern; der Samenbaum, Zorftw. f. v. w. Mutterbaum, f. d.; 
der Samenbehälter od. das Samenbehältnifs, die Theile der Pflanzen u. 
der thier. Körper, welche den Samen enthalten; das Samenblatt, od. -blätt- 
hen, Pflanz. die erften Blätter, welche fich aus dem Samenkern entwideln; 
die Samenbohne, -erbfe, das Samengetreide, die Samenlinfe zc., zur 
Ausfaat beftimmte Bohnen, Erbfen 20.5; der Samenbruch, Heilt. ein aus zu 
ftarfer Anhäufung des männl. Samens entftehender Bruch; die Samendede, 
Pflanz. eine über den Samen ausgebreitete lockere Haut; die Samenergie- 
Bung, unmillfürlicher Abflufs des männl. Samens (fr. Pollution); der Sa— 
menfifch, zur Fortpflanzung in einen Teich gefegte Fifche; der Samenflufs, 
krankhafter beftändiger Abflufs des männlichen Samens (gem. Tripper); das 
Samengefäß, Anat. alle Gefäße im menſchl. u. thier. Körper, in welchen der 
Samen bereitet und aufbehalten wird; das Samengehäufe, Pflanz. das 
Gehäufe, welches den Samen enthält, bef. im Kernobite; die Samengurfe, 
f. v. w. Saatgurke; der Samenhandel, Handel mit Sämereien; daher der 
Samenhändler; die Samenhaut, dag Samenhäutchen, den Pflanzen- 
famen umgebende Häute; das Samenholz, Forftw. 1) f. v. w. Samenbäume; 
2) jede Holzart, welche nicht Frucht, fondern bloß Samen trägt; der Samen: 
käfer, ein dem Rüſſelkäfer ähnlicher Käfer, deffen Larven den Kern u. Hülfen- 
früchten Schaden thun; die Samenkapfel, ſ. Kapfel; der Samenkelch, das 
äußere kelchförmige Samengehäufe gewiffer Pflanzen, z. B. der Nelken; der 
Samenkern, Fruchtkern (f. Kern); der Samenfnopf, Enopfförmiges Samen- 
gehäufe; das Samenkorn, 1) ein einzelnes Korn (f. d.) des Pflanzenfameng; 
2) zur Ausfaat beftimmtes Korn, d. i. Getreide u. insbef. Roggen; das Sa— 
menfraut, verfchiedene Wafferpflangen, insbef. das Eraufe Samenkraut od. der 
Feofchlattich; das fchwimmende ©., auch Saulöffel, Serfalten 2c.; das dichte 
©.; das leuchtende ©. 2c.; der Samenlappen, Pflanz. f. v. w. Samen- 
blättchen; die Samenlode (f. Code 1.), Korftw. junge, aus dem Samen 
aufgewachfene Bäume; famenlos, Bw. ohne Samen; ohne Nachkommen; 
die Samenmilch, Apoth. aus zerftoßenen öligen Samen u. einer Flüffigkeit 
bereiteten milchichter Saft, z. B. Mandelmilch, (fr. Emulfion); dad Samen- 


590 ſaͤmiſch — fammeln 


moos, Korallenmoos, eine Art Thierpflanzen; das Samenöl, aus Pflangen- 
ſamen geſchlagenes Ol, z. B. Lein-, Mohnöl ꝛc.; die Samenperle, Eleinfte 
Perle, Saat-, Staubperle; das Samenreis, f. v. w. Samenlode; die 
Samenröhre, Anat. feine Röhrchen, aus — die innere Hodenmaſſe be— 
ſteht; die Samenſchule, Gärtn. eine Baumſchule, in welcher man Obſt— 
bäume aus dem Samen zieht, z. U. v. Pfropfſchule; der Samenſtaub, 
Pflanz. der zur Befruchtung dienende zarte Staub an den Staubfäden der 
männlichen Blüthen (fr. Pollen); der Samenſtengel, der Pflanzenſtengel, 
welcher den Samen trägt; der Samenftrang od. die Samenfhnur, Anat. 
der Strang, an welchem die Hoden hangen; das Samenthier od.-thier— 
chen, kleine, dem bloßen Auge unſichtbare Thierchen, aus welchen der männ— 
liche Samen der Menſchen u. Thiere beſtehen foll; der Samenzapfen, Pflanz- 
zapfenförmiges Samengehäufe; auch f. Blüthenkätzchen; die Samenzwiebel, 
Zwiebeln, welche man zur Befamung ftehen läſſt; auch die ſich anfegenden klei— 
nen Zwiebeln, aus welchen man andere Gewächfe derfelben Art zieht, Brut- 
zwiebeln; — Ableit. famig, Bw., Samen enthaltend, gew. nur in Zjeg- 
wie eins, dreifamig 20.5 die Sämerei, M.-en, allerlei Arten Pflanzenfa- 
men, Geſäme; daher. der Sämereihandel; der Sämereihändler ꝛc.; der 
Sämling, -e3, M. -e, oberd. f. Samenreis, Samenlode. 

ſämiſch, Bw., ſämiſches Leder od. Sämiſch-Leder (Hol. seem, 
seemleder, ſchwed. sämsk, poln. zamesz; engl. shammy, shamois; vom franz- 
chamois, eig. Gemfe, Gemsleder), eine Art fehr weichen u. geſchmeidigen 
Leders, von den Weißgerbern mit Mehl, Alaun u. Weinftein zubereitet, auch: 
fettgares Leder; daher: der Samifchgerber, die Sämifchgerberei, (franz. 
chamoiseur, chamoiserie). 

Samkauf, m., oberd. f. Sammtkauf, Gefammtfauf (. d.); die Sam- 
£oft, 1) (von Ban alten sam, samo, felbft, derfelbe; ſ. ſam) landſch. f. Die 
Koft od. Speife, welche ein Eigenthümer felbft baut und damit feine Ar— 
beiter ablohnt; 2) gew. M. Samkoften (von demfelben Stamm in der Bed. 
fammt, zufammen) landfch. f. gemeinfchaftliche Koften, wozu Mehre, bei- 
tragen; insbef. Bergw. f. ebeuungetoſten. Zubuße (oerderbt: Saum— 
koſtem). 

fammeln, Zw. (altd. samandn, seminon, samenen (daher unſer ſammeln 
duch Übergang des n in 1), zgez. samnen, sammen, samen; von saman, sa- 
men, jammen, v. der Wurzel fam, f. d.; oberd. fämen, fämeln, fameln, famb- 
len; angelf. samnan, samnian, fchwed. samna, samla; franz. sembler in 
as-sembler) , 1) ziet. mehre Dinge oder Theile eines Stoffes einzeln zu- 
fammenbringen, an einem Orte vereinigen (Früchte —, Steine vom Ader; 
die Bienen fammeln Honig; das Regenwaffer in einen Behälter—; Geld, 
Schäse, Bücher 2..—); auch von unkörperlichen Dingen Nachrichten, Be- 
merkungen, Kenntniſſe —; feine Gedanken fammeln, d. i. auf einen Gegenftand 
richten; entg. zerftreuen); felten von Perfonen (ein Heer ſammeln; außer 
dem gew. verfammeln); 2) rüdz. fih—, einzeln, nach und nad) zur 
fammentommen, od. von leblofen Dingen nad) und nach vereinigt werden 
(e3 fammeln fich Leute auf dem Markte, d. i. fie kommen zufällig, abfichtelos 
zufammenz; verfch. verfammeln; ſprichw. wo ein Aas ift, da ſammeln ſich die 
Adler; bibl. es ſammeln ſich die Waffer unter dem Himmel; das Unreine fam- 
melt fich auf dem Boden 2c.); uneig. f feine Gedanken fammeln, aus einer 


fammen — Sammet 591 


Zerftrenung od. Geiftesabmwefenheit wieder zu ſich kommen, finnv. fich faſ— 
fen; — 3fes. das Sammelbuch, ein Buch zur Aufzeichnung vermifchter 
Bemerkungen, Auszüge ꝛc. (fr. Golleetaneen); der Sammelfleiß; das Sam- 
melgeld, oberd. das im Kirchenbeutel gefammelte Geld; dev Sammelfaften, 
ein Behältnifs, worin fich das Waſſer fammelt, bef. bei Mühlen; der Sam- 
melnamen od. dag Sammelwort (fr. Collectivum), Sprachl. ein Daupt- 
wort, deſſen Begriff eine unbeftimmte Menge für fic) beftchender Einzelweſen 
zufammenfafft (4. B. Volk, Heer, Vieh, Gefchwifter 10); dev Sammelorden, 
f. v. w. Bettelorden; der Sammelplaß, der Plag, wo Mehre fi ſammeln 
od. verfammeln; die Sammelfchrift, das Sammelwerk, eine Schrift oo. 
ein Werk, in welchem verfchiedene Auffäge 2c. zufammengeftellt find; auch ein 
aus andern Werken zufammengeftoppeltes Werk (fr. Gompilation); — Ableit. 
die Sammelei, verächtl. 1) o. M. f. das Sammeln; 2) M. -en, etwas 
Gefammeltes, eine Sammlung; der Sammler, -$ (altd. samenaere), Die 
Sammlerinn, M. -en, wer fammelt, z. B. Bücher, Nachrichten ꝛc.; die 
Sammlung, M.-en, (altd. samanunga, samenunge, samnung, sammung), 
die Handlung des Sammelns (4. B. der Früchte; der Gedanken; eine Samm- 
lung für die Armen, fr. Gollecte); das Gefammelte felbft, eine Menge zu- 
fammengebrachter Dinge (z. B. Bücher-, Gemäldefammlung ꝛc.); ehem. 
auch f. Berfammlung, Vereinigung, Gemeinfchaft; das Sämmlet, ſchwäb., 
od. die Sammete, fränf. (altd. sämnat), das zu fammelnde u. in Garben 
zu bindende Getreide, ein Arm voll gefchnittenes Getreide. 

fammen, Nw. (goth. samana, altd, saman, samen, samenez vgl. fam u. 
fammt), völlig vlt. f. vereinigt, mit einander verbunden, zugleich; nur 
noch in den zgeſ. beifammen, zufammen (altd. zi-samane), u. dem landſch. 
mitfammen (altd. mit saman). , 

Sammet, m. -$, od. zgez. Sammt, -es, M. -e, (mittelhochd. samit, 
ſchwed. sammet; vom mittl. lat. samitum, sammitus, abgek. aus examitum, 
entft. aus dem griech. Scharroc, d. i. jechsfädenig, mit ſechs Fäden gewebt), 
ein ſchwerer Seidenzeug, deffen Faden über die Oberfläche hervorgehen, 
und, wenn fie aufgefchnitten find, einen. weichen, feinen Haarüberzug bil- 
den, (geriffener Sammt, deſſen Fäden nicht aufgefchnitten find; entg. ge- 
fhorener Sammt; fi) in Sammt und Seide Heiden, d. i. fehr Eoftbar); — 
3fes. mit Sammet od. Sammt: fammet- oder fammtartig, Bw., G- 2. 
ein Fell, eine Wurzel 2.); das Sammetband; die Sammetblume, ver- 
fchiedene Blumen mit fammetartigen Blumenblättern, 3. B. die gelbe Tunis- 
blume, Schreiberrofe, türkifche Nele; das Taufendfhön; der Hahnenkamm; 
das Sammetblümchen, die Mafliebe od. Gänfeblumez die Sammetbürfte, 
eine feinhaarige, weiche Bürfte, den Sammet damit zu bürften; die Sammet- 
Ente, braune See-Ente; die Sammeterde, eine Art Talkerde; das Sam— 
metgras, eine Grasart mit weichen, fammetähnlichen Blättern; die Sammet- 
hofe, uneig. ein Hahn mit dick befiederten Schenken; der Sammethutz die 
Sammetkappe, -mütze, das Sammetkleid, der Sammetmantel, -pelz, 
tod 2c.; der Sammetkork, die befte, weichfte Art des Korkes; die Sam— 
metmilbe, rothe Erdmilbe; das SammetmooS, eine Art des Knotenmoofes, 
auf alten Dächern wachlend; die Sammetmufchel, behaarte Archenmufchel, 
haarige Seenufs; die Sammetnelfe, Stechnelfe, rothe Sammetrofe, die 
Sammetpappel, eine Malven-Art, gelbe Pappel, Pappelroſe; auch eine Art 





592 | Sammler — Sand 


des Eibifches; der Sammetraſen, Eurz gefchorener , weicher Raſen; die 
Sammetrofe, eine Art Rofen mit fammetweichen Blättern; auch f. Sammet- 

nelfe; die Sammetfchnede, eine genabelte haarige Schnirkelfchnedte, rauhe 
Schnecke; ſammetſchwarz, Biw., glänzend ſchwarz, wie [hwarzer Sammet; 
auch als Hw. das Sammetfchwarz; die Sammetfpinne, braungelbe Spinne 
mit fammetartiger Bedeckung des Dinterleibes; der Sammetvogel, ein Schmet- 
terling mit fammetartigen Flügeln; der Sammetweber,‘ Sammetmacher; 
die Sammetweberei; fammetweich, Bw., wei wie Sammet; — Ableit. 


fammeten od. fammten, Bw., von Sammet gemacht (ein fammtenes Kleid); 


weic wie Sammet (eine fammtene Haut). 

Sammler, Sammlung, f. unter fammeln. 

fammt, (goth. samath, altd. samant, sament, samet, samt; ſchwed. samt, 
angelf. samod; von der Wurzel am, f. d.) I) Nw. ſ. v. w. zufammen, 
ſämmtlich, nur noch üblich in der Verbindung: fammt und fonders (altd. 
samet und sunder), d. i. alle zufammen und jeder insbefondere, u. in: alle- 
fammt, gefammt, insgefammt; 2) Vw. mit dem Dat., Aufetliche 
Zufammenfaffung, Verbindung, Gemeinfchaft bezeichnend, finnv. mit (ſ. 
d.), nebft G. B. der Mann war da fammt feiner Frau, die Mutter fammt 
ihren Töchtern; Tandich. gem. mit fammt ıc., ein fehlerhafter Wortüber- 
flufs); — 3feß., meift vlt. u. dur) gefammt— (f. d.) erfest: die Sammt- 
freunde, gefammten Freunde, Verwandten 2c.; der Sammtgebrauch; das 
Semmtgut; die Sammthülfe, gefammte oder gemeinfame Hülfe; der 
Sammtfauf (altd. sametkouf, oberd. auch Samkauf), |. Gefammtlauf; 
das Sammtlehen, ungetheiltes Lehen der fämmtlichen Verwandten; der Sammt- 
rath; die Sammtfchriftz die Sammtftimme 2.5; — Abteit. ſämmtlich, 
Bw. od. unbeftimmtes Zahlwort, alle bezeichneten Dinge od. Perfonen zu— 
fammengenommen, alle zufammen, finnv. gefammt, welches jedoch aud) 
in der Einh., fämmtlich hingegen gew. nur in der Mehrh. gebraucht wird G- 
B. fämmtliche Anweſende, od. die fämmtlichen Anwefenden; feine fämmtlichen 
Freunde; fie waren es ſämmtlich zufrieden zc.). 

Samstag, m. (gem. oberd. aud) Sambstag; altd. sambaztag, sambez-, 
sameztac; zgez. aus Sabbathstag, goth. sabbatodags; franz. Samedi), 
oberd. f. Sonnabend; daher famstäglich, Bw., an jedem Samstag oder 
Sonnabend gefchehend. 

Sand, m. (altoberd. auch f.), -es, 0. M. (altd. sant, ©. -des; wahrſch. 
aus sam-t, sam-at entft. von der Wurzel sam, verbinden, fammeln, f. ſam; daher 
noch bair. Sambd neben Sand; vgl. d. griech. Zuuos, pduuos, Yauados; 
isländ. sandr, ſchwed. angelf. engl. sand), aus Kleinen, nicht zufammen- 
hangenden Kieſelkörnchen beftehende Erde, vergl. Kies, Gries, Grand, 
(feiner, grober Sand; Flug-, Fluſs-, Staub, Triebſand, Streufand ꝛc.; wie 
Sand am Meere, d. i. in unzähliger Menge; einem Sand in die Augen ftreuen, 
d. i. ihm täufchen, feine richtige Einficht hindern od. trüben, urfpr. von den 
Ringern u. Fechtern hergenommen)z auch) f. fandige Gegend, fandiger Platz, 


ehem. bef. f. Kampfplatz; Geftade, Strand; — 3fes. der Sandaal, eine 


Art Bleiner Aale, die ſich am Meeresufer im Sande aufhalten, Sandfifch, gem. 
Sandilz, Sandfpiering ꝛc.; aud) f. Sander; die Sandaufter, eine 
Art Auftern, die fich auf Sandgründen aufhalten; das Sandbad, Heilt. ein 
Bad in warmem Sande; Scheidet. Abziehung (Deftillation) in erhitztem Sande; 





— — — — — En —— —— 





Sand 593 


die Sandbank, eine aus Sand beſtehende Erhöhung des Bodens, beſ. in 
Flüffen u. im Meere, Sandriff; Bergw. eine große Sandlage; die Sandbeere, 
die rothe Beere eines Beinen Strauchgewächſes, auch Mehl-, Stein-, Wolfe- 
beere, Bärentraube 2c. genannt; auch die Frucht des Erdbeerbaumes; der 
Sandberg; der Sandboden; der Sandbohrer, eine Art Bohrer der 
Brunnengräber zum Herausfchaffen des überflüffigen Sandes aus einem Brun— 
nen; der Sandbörs od. =barfch, f. v. w. Sander; das Sandbrod, die 
Erdmandel od. Erdnufs; die Sandbüchfe, eine Büchfe mit Streufand, Streu- 
büchfe; die Sanddiftel, Kreuzdiftel, wilde Eberwurz; der Sanddorn, Wei- 
dendorn, Meerkreugdorn; das Sanderz, in Sandftein brechendes Erz; das 
Sandfafs, Faſs mit Sand; bef. ein Eleines Streufandgefäß: Sandfäſschen; 
das Sandfeld; der Sandfifch, ſ. Sandaal; die Sandfläche; das Sand- 
flöz, die Sandfluh, f. Flöz, Fluh; das Sandgebirge; die Sandgegend; 
der Sandgräber, wer Sand ausgräbt; Naturk. verfhiedene Käferarten: der 
Sandwühler; eine Art des Todtengräbers; eine Art Mehlkäfer; der Sand: 
gries, grobförniger Sand, Griesfand; die Sandgrube, eine Grube, aus 
welcher man Sand gräbt; der Sandgufs, Metallgufs in Sandfornien; das 
Sandhaargras, eine am Meere wachfende Grasart, auch Sandgras, Sand— 


weizen, Steandhafer ze.; der Sandhafer, eine auf fandigem Boden wach— 


fende Abart des Hafers, Rauchhafer;z auch f. Spishafer; u. f. Sandhaargras; 
der Sandhäger, Sandhorft, ſ. Häger, Horft; der Sandhafe, Berghafe 
(f. d.), Steinhafe; fcherzh. f. Bewohner einer fandigen Gegend, oberd. aud) 
ale Schimpfw.; beim Kegelipiel ein fehlerhafter Wurf, indem man die Kugel 
neben das Kegelbrett od. über dasfelbe hinaus wirft; der Sandhaufen; der 
Sandhirfch, ein gewöhnt. Hirſch, fofern er fich in fandigen Gegenden auf- 
hätt; der Sandhügel; der Sandkäfer, eine mit den Laufkäfern verwandte 
Käfergattung, Sandläuferz der Sandfarren, der Sandfärrner, ſ. Kar- 
ven 2c.; die Sandficher, eine Art des Bodsdornes, Sandbodsdorn; der 
SandElaffer, eine Art Klaffmufcheln, auch Sandkrieher; der Sandfloß, 
Heilk. eine entzündete, geſchwollene Hode, Sandball; der Sandfobalt, Bergw. 
ein im Bruche dem Sandftein ähnlicher ſchwärzlich grauer u. röthlicher Kobalt; 
das Sandkölbchen, Sandkölbleingras, eine Grasart, auch Sandliefch- 
gras; das Sandforn, 1) Kleines Sandtheilhen, verkl. Sandkörnchen; 
2) f. v. w. Sandroggen; das Sandfraut, eine an den fandigen Ufern des 
nördl. Europas wachfende Pflanze, welche‘ viel Salz enthält (arenaria L.); der 
Sandfrebs, Landkrebs; die Sandfreffe, Bachkreſſe, Gründling (f. Kreffe 2.); 
der Sandfriecher, eine Art ſehr giftiger Nattern im Morgenlande ıc., Sand: 
natter, -fchlange; auch f. Sandklaffer; der Sandfuchen, eine Art trode- 
ner, ſehr mürber Kuchen, auch die Sandtorte; das Sandland; der Sand- 
läufer, ein ſchnepfenähnlicher Vogel, Sandhuhn, Strandläufer; auch f. Waffer- 
huhn; Sandkäfer; die Sandlilie, eine Art Spinnenkraut oder Zaunblume; 
der Sandmann, Sandkärener, Sandverkäufer; fcherzh. bef. in der Kinderfpr. 
fagt man „der Sandmann kommt‘ zu dem Schläfrigen, welcher fich die Augen 
reibt, als ob er Sand darin hätte; da8 Sandmeer, eine unabfehbare Sand» 


| Ebene, Sandwüfte; die Sandnatter, ſ. Sandkriecher; die Sandnelfe, eine 


Art wilder Nelken, die im nördl. Europa im Flugfande wachen; auch f. 
Meerz, Sees, Bergnelke, Wiefenkraut; die Sandpfeife, eine Art Röhren: 
ſchnecken; der Sandpfeifer, ein Vogel vom Gefchlecht der. Strandläufer; 


Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 33 


594 Sandel — fanft 


der Sandplan, mit Sand bededter Plan od. Pla; das Sandpulver, 
Apoth. ein Pulver gegen den Sand od. Gries im menfchl. Körper; die Sand- 
raufe, eine Art Rauke (f. d.), welche in fandigen Gegenden wählt; das 
Sandreff od. =riff, 1. v. w. Sandbank; der Sandreiter, fcherzh. ein Reiter, 
den fein Pferd abgefeht hat; das Sandriedgras, in fandigen Gegenden wach 
Tendes Riedgras; der Sandroggen, auf Sandboden gebauter Roggen; das 
Sandrohr, eine Art am fandigen Meerufer wachfenden Rohres, auch Sand: 
halm, =hafer, ſchilf 2c.; fandfcharig, Bw., niederd. vom Marfchlande: ftark 
mit Sand vermifcht; die Sandfchicht; der Sandfchiefer, aus verhärtetem 
Sande beftehender Schiefer; der Sandfehimmel, ein Schimmel (weißes 
Pferd), welcher wie mit Sand betreut ausfieht; die Sandfchlange, ſ. Sand: 
riechen; die Sandfchwalbe, Erd- od. Rheinſchwalbe; der Sandfpiering, 
f. Sandaal; der Sandftein, eine aus Sandkörnern beftehende Steinart; daher 
der Sandfteinbruch, die Sandfteingrube; der Sandtorf, mit Sand ver- 
mengter, bröcdeliger Torf; die Sandtorte, ſ. Sandkuchen; die Sanduhr, 
eine Uhr, beftehend aus zwei kegelförmigen, an ihren Spigen mit einander ver- 
bundenen Gläfern, in welchen der aus dem einen in das andere ausgelaufene 
Sand die Stunden und ihre Theile anzeigt, auch Stundenglas, Sandglas; 
der Sandweg; die Sandweide, eine an Sümpfen wachfende Weiden -Art, 
Eleine Bruchweide, auch) Sandwerfte genannt; auch f. Bachweide; der 
Sandweizen, ſ. Sandhaargras; die Sandwespe, ein der Schlupfiwespe 
ähnliches Inſeet, welches Höhlen in den Sand gräbt, Afterwespe, Kaupenz, 
Spinnentödter; der Sandwurm, ein im Meeresfande lebender regenwurm— 
ähnlicher Wurm; auch eine Art Fliegen, Wurmlöwe; Kieferwurm; Kronen- 
wurm; die Sandwüfte, fandige Wüfte; der Sandzuder, braungelbem 
Sande ähnlicher Mehlzuder (ſ. d.); — Ableit. fandig, Bw., viel Sand 
enthaltend, aus Sand beftehend (jandiger Weg, Boden ꝛc.); fanden, ziel. 
3w., mit Sand beftreuen, nur in einzelnen Anwendungen: niederd. Die 
Deihe—; Schmied. das Eifen—, d. i. in der Schweißhige mit Sand be- 
ftreuen. 

Sandel, m., -8, od. das Sandelholz (mittl. Lat. santalum, wahrſch. 
ind. Urfprungs), das blafögelbe, fehwere, wohlriechende Holz des oftind. 
Sandelbaums; auch das Brafilienholz (vother Sande; u. das blaue 
Holz des Behen- od. Salbnufsbaumes. 

Sander, m., -3, M. w. E. (auch Sandart, Zander; von Sand), ein 
zum Gefchlecht der Börfe gehörender fchmadhafter Fifch, der auf dem fan- 
digen Grunde von Seen und Flüffen fich aufhält, au) Sandaal, Sand: od. 
Seebörs genannt. 

Sanderz ıc. — Sandzuder, |. unter San. 

fanft, Bw., Comp. fanfter, Sup. fanfteft, (altd. ald Nw. samfto, sanfte, 
als Bw. samfti, semfti, senfte; oberd. famft u. fanftz angel. softe, sengl. 
soft, holl. saft u. sacht; vgl. ſacht; wahrſch. verw. mit d. angelf. sib, ſchwed. 
sef, Ruhe, sefa, ruhig machen; isländ. sofa, angelf. saefan, fchlafen), überh. 
frei von allem Rauhen u. Harten u, daher einen angenehmen Eindrud 
auf den Sinn od. die Empfindung machend, immer mit dem Nebenbegriff 
des Angenehmen, daher verfch. v. gelinde, mild, weich (vergl. fanfte 
Liebkofungen, u. gelinde Strafen; fanfte Hände; fanfte Lüfte; Tprichw. ein 
gutes Gewiffen ift ein fanftes Ruheliffen; ein fanftes Licht); insbeſ. vom 








Sang — Sange 595 


Laute: das Gehör gelind u. angenehm berührend (fanfte Töne, eine fanfte 
Stimme), auch f. leife, geräufchlos, facht (fanft auftreten, gehen ꝛc.), lang- 
fam, mäßig bewegt, entg. lebhaft, heftig (ein fanfter Regen; fanfte Mufik), 
daher auch fich allmählich erhebend, gelind auffteigend, entg. jäh, fteil 
(eine fanfte Anhöhe, ein fanfter Abhang); ruhig, gemach, gemächlich (Tanft 
fchlafen; ein fanfter Tod); von inneren Empfindungen, Gemüthsbewegun- 
gen ze. angenehm gelind, entg. heftig, lebhaft (fanfte Gefühle, Empfindungen; 
eine fanfte Freude, Liebe 2c.); in fittlichem Verftande: mild, liebreich, wohl- 
wolfend, entg. rauh, hart (ein fanftes Gemüth, fanfte Sitten, eine fanfte 
Behandlung; ein fanfter Menſch); ald Nw. oberd. auch f. leicht, wohl (bef. 
der Comp. oberd. fänfter f. leichter, Lieber, eher); — 3fes. die Sanft- 
muth, o. M., fanfte Gefinnung od. Gemüthsart; beſ. Mäßigung der Leiden- 
haften, namentlich des Zorns bei Beleidigungen u. Kränkungen; daher fanft- 
müthig, Bw., Sanftmuth beſitzend u. zeigend, auch ſanftherzig; die Sanft- 
müthigkeit, das Sanftmüthigfein, auch Sanftherzigkeit; — Ableit. die - 
Ei 1) o. M. (altd. samfti, senfte) vlt. f. v. w. die Sanftheit, das 

Sanftfein, die fanfte Befchaffenheit; 2) M. Sänften, ein verfchloffener 
Zrageftuhl, Zragfeffel, eine Bahre mit einem Eutfchkaftensähnlichen Sig (fr. 
Portechaife); daher der Sänftenträger zc.; fänften, ziel. Zw. (altd. samf- 
tian, senften) vlt. u. dicht. f. fanft machen, befänftigen, erleichtern, lindern; 
fänftig, Bw., oberd. f. fanft, facht, langfam, gemach, (Bergw. ein fänf- 
tiges Gebirge, d. i. ein allmählich auffteigendes); bie Sänftigkeit (altd. 
senftekeit), vit. f. Sanftheit, Gelindigkeit (Bergw. die Sänftigkeit eines 
Gebirges); fänftigen, ziel. Zw., ſ. v. w. fänften, beruhigen, mildern, 
lindern, bef. dicht., außerdem gew. befänftigen; die Sänffigung, gew. 
Befänftigung; ſänftlich od. fänftiglich (altd. senfteclich), Nw., vit. f. 
auf fanfte Art, mild, freundlich; bequem. 

Sang, m. (ehem. T. ), -08, M. Sänge, (altd. sanc, G. sanges; engl. 
song; von fingen, f. d.) alt u. dicht. f. der Gefang, fewopl das Singen, 
als das gefungene Lied; der Sangboden, Schall» od. Klangboden eines 
Saiten = Inftrumentes; ber Sangdichter, Liederdichter (fr. Lyriker); das 
Sanggedicht, fingbares Gedicht, Lied; die — — der Sangfink, 
die Sanglerche, -ſchwalbe, überh. der Sangvogel, M . Sangvögel, fin 
gende Vögel, auch Singvögel; der Sangherd, ein Vogelherd, auf welchen 
man nur die großen Sangvögel ftellt; der Sangmeifter, ein Meifter im 
Singen; Leiter des Gefanges, Singlehrer; die Sangweife, die Weife (1. d.) 
\ eines Gefanges (fr. Melodie); — der Sänger, -8, M. w. E., die Sän 
| gerinn, M. -en, (altd. sangari, sangaere; w. sangaerin; von einem alter 
| ſchwach umend. Zw. sangen neben — überh. wer ſingt, oberd. gew. 

Singer, (daher dicht. auch f. ſingende Vögel: die Sänger des Waldes ꝛc.); 

in engerer Bed. wer kunſt- u. berufsmäßig fingt (4. B. Vor-, ar 

Bühnenſänger; eine berühmte Sängerinn 2c.); uneig. f. Dichter. 

Sange 1., w., M.-n, (mittelhochd. sange, holl. sangh, ſchott. — 

von singan, goth. En — ſammeln, dann herſagen, leſen, ſingen; ſ. 

d. und vergl. lefen), alt u. landſch. f. ein Büſchel, Bündel, eine Handvoll, 
\ 3. 8. ein Blumenftrauß, ein Büfchel Früchte mit den Stengeln ꝛc.; in engerer 
\ Bed. ein Büſchel Ähren, beſ. zuſammengeleſener Ähren; bibl. insbeſ. gerö- 
ſtete Ähren od. Getreidekörner; ſaͤngeln, Zw., oberd. f. Ähren leſen; der 


| 35% 


| 


596 | Sange — Sarg 


Sängelbüfchel, f. zufammengelefener Aprenbüfchel; — das Sangenfraut, 
landſch. f. der gemeine Schierling. 

Sange 2., auch Sängel od. Sengel, w., M. -n, verkt. das Sänglein, 
gem. Sängel, Sängle, oberd., Kleine Fiſche verfchiedener Arten, insbef. 
f. Grühe, Gründling; auch die junge Brut größerer Fifcharten. 

fanger, Bw. (altd. zanger), alt u. landſch. f. rauh, feif, ſtark; fcharf, 
fauer; daher fangerlich, Bw., oberd. f. ſäuerlich; fangern, ziellof. Zw. 
m. haben, niederd. ein Stechen od. Brennen in einem einfchlafenden oder 
erkaltenden Körpertheile empfinden (z. B. mir fangern die Füße zc.). 

Sänger, m., Sangfinf, -herd zc. — Sangweife, f. unter Gang. 

Sanikel, m., —s, M. mw. €. (franz. u. engl. sanicle; neulat. sanicula, 
von sanus, gefund), das Bruchkraut, eine in hochliegenden Waldungen wach— 
fende Pflanze mit Eleinen ſchmutzigweißen Blumen, ehem. für ein Eräftiges Wund- 
kraut geltend; auch eine Art Zahnkrautz; Schwarzer Sanikel, f. ſchwarze 
Meifterwurz, ſ. d. 

fanf, Bw. (von finfen), niederd. f. gefunfen, niedergedrüdt; Sciff. 
finfend, zum Unterfinken ſchwer; der Sanf, ſchweiz. f. Senkung, Ver— 
tiefung; Verluſt. 

Saphir, r. Sapphir, m., -e3, M. -e, (lat. sapphirus, griech. odrgpeıpos, 
aus dem hebr. saphir), ein blauer Edelftein; männliche Sapphire, die 
dunkelblauen morgenländifchen; weibliche, die blaßblauen europäifchen; 
Katzen- od. Luchs-Sapphir, weißblauer; fapphirblau, Bw., auch als 
Hw. das Sapphirblau, ein dunkles Himmelblau; fapphiren, Bw., von 
Sapphir, od. mit Sapphiren gefhmüdt. 

Sappe, w., M.-n, (zunächft aus dem franz. sappe; vergl. jedoch das 
altd. fappen f. ergreifen, raffen; oberd. die Sappe, Sappi, das Sappel 
f. Spishade; ital. zappa, Haue, Schaufel; wallach. sapu, ich grabe), Kripr. 
ein Laufgraben, eine Senke, ein gegrabener Weg, um fich dem Feſtungs— 
graben zu nähern; fappen 1., gew. mit fremdartiger Endung fappiren, 
ziellof. 3w. (franz. sapper, engl. sap), Sappen graben; der Sapper ober 
Sappirer, -$ (franz. sappeur), Sappengräber, Laufgraben » Arbeiter. 

fappen 2., ziellof. 3w. (vom niederd. Sapp f. Saft), nieverd. f. faften, 
den Saft von fich laſſen; fehmierig fein; auch den Schall hören Yaffen, 
welcher entfteht, wenn man in etwas Klebrigem od. Schmierigem rührt; oberd. 
im Schmuß herumgreifen od. herumtreten; ſchwerfällig gehen (auch fop- 
pen); fappig, Bw., nieder. f. faftig; ſchmutzig, Eothig. 

Sapperment, ſ. Saderment; — Sarafs, f. Sarrafs. 

Sardelle od. Sardine, w., M.-n, (vom ital. sardella; engl. sardel; 
franz. sardine; von der Inſel Sardinien benannt), eine Art Eleiner Ha- 
ringe im mittelländ. Meere, bef. in der Gegend von Sardinien, oberd. auch) 
Spieringe, Spierlinge genannt; inöbef. heißen fie gefalgen: Sardellen; 
geräuchert hingegen Sprotten, f. d.; — ber Sardellenfang, die Sar— 
dellenfifchereiz; der Sardellenfalat zc. 

Sarder, m., -8, M. w. €. (altd. sardin; v. lat. sarda, griech. o«odıoy; 
engl. sardel, sardine; franz. sardienne), ein halbdurchfichtiger fleifchrother 
Edelftein, jegt gew. Carneol genannt. 

Sarg, m. (landfch. auch f.), -e8, M. Särge, Iandfch. gem. Särger, 

-(althochd. saruh, sarch, M. serchi; mittelh. sarc, ©. sarkes; oberd. die und 





| 





Sarge — fatt 597 


der Sarch, Sark; vgl. das grieh. owg«zos, Kifte, mittl. lat. sarcus, daher 
altfrang. sarcueil, jegt cercueil), urfpr. u. noch oberd. die Einfaffung, ber 
Umfang (z. B. einer Trommel, eines Siebes; vgl. Zarge); dann ein Kaften, 
eine Kifte, ein vierediges Behältnifs (daher noch oberd.: Regenfarg f. 
Mafferbehälter, Gifterne); jegt hochd. nur: der Kaften‘, in welchem man 
einen Leichnam beerdigt, die Todtenlade (altd. lichkar); Hüttenw. ein klei— 
nes Dach oben am Schlunde des hohen Ofens; — Zfes. der Sargbefchlag, 
Sargdedel; der Sargnagel, eine Art Nägel mit verzinnien Köpfen zu 
Sargbefchlägen; der Sargftein, 1) (altd. sarcstein) chem. f. Grabftein; 2) 
eine Art Schiefer, aus welchem man Särge machte, in denen ein Leichnam 
angeblic) binnen 40 Tagen verzehrt wurde, Zodtenflein, Fleifchfreffer (griech. 
A905 Gaoxogpeyos, daher: Sarkophag); — Ableit. fargen, ziel. Zw. (altd. 
sarken, serken, Impf. sarcte), vlt. f. in den Sarg legen, jest nur gebr. in 
einfargen, verfargen. 

Sarge, w., ſ. Zarge. 

Sarras oder b. Sarrafs, m., -ffes, M. -ffe, (von dunkler Herkunft; 
vgl. das griech. odgıaoe, eine macedon. Lanze), gem. f. großer Säbel, Hau: 


degen, Rauffchwert. 


Sarfche, w., M. -n, (niederd. Sarfe; aus dem franz. serge, ital. sargia, 
mittl. Yat. sargium, vom lat. sericum, feiden), ein gefepertes MWollenzeug, 
worin die Wolle bisweilen auch mit feidenen Fäden vermifcht wird. 

Sarter, m., f. Zerte, Zerter. | 

Safs od. Saffe 1., m., -en, M. -en, (niederd. Sate; angelf. saeta 
von fißen, f. d.), eig. er irgendwo fißt: ein Einwohner, Befiger, gew. 
nur in Zfeß. wie: Amts, Bei-, Erb-, Frei, Hinter, Kothfafs ꝛc.; die 
Saffe, M. -n (oberd. die Saß; alt. säze, überh. f. das Sigen, Wohnen, 
der Sitz, Aufenthalt), Jäg. f. der Sitz od. das Lager des Hafen (der Hafe 
drückt fich in feiner Saffe); oberd. fich faßen, Im., f. fich lagern, niederfegen 
(ſcherzh. auch von Menfchen). 

Saffe 2., m., faffifh, Bw., niederd. f. Sachſe, ſächſiſch, f. d. 

Satan, m., -8, M.-e, (auch Satanas; griech. u. lat. Satanas; von 
dem hebr. satan, d. i. Feind, Widerfacher), eig. das Haupt der gefallenen 
Engel, der oberfte Teufel; überh. f. Teufel, u. uneig. ald Schimpfw. f. ein 
böfes, widerwärtiges Wefen (z. B. dies Weib ift ein wahrer Satan; nie 
derd. gem. auch Satrian); fatanifch, Bw., teuflifch, im höchften Grade 
boshaft u. abfcheulich. 

Satertag, m. (niederd. u. holl. Sater-dag; angell. Sätern-däg, engl. 
Saturday, von dem lat. dies Saturni), niederd. f. Sonnabend. 

fatt, Bw. u. Nw., Comp. fatter, Sup. fatteft, (goth. sads, altd. sat; 
lat. sat, satis, genug, satur, gefättigt; griech. @dnv, genug; poln. sytz 
Grundbed. fcheint überh. Befriedigung, Genüge; allein fchon das goth. sads, 
bezeichnet gefättigt im engeren Sinne), 1) zur Genüge gegeffen od. überh. 
Hgenoffen habend, durch Speife und Trank befriedigt, gefättigt (ich fatt 
eſſen; fatt werden, fein; einen fatt machen; fatte Säfte; ein fatter Magen; 
niederd. auch von zu vielem Trinken: fatt fein, f. betrunken fein); uneig. von 
Farben: mit Farbeftoff gleichfam gefättigt, daher dunkel (ein fattes Blau, 
Gelb, Grün ꝛc. u. zgef. fattblau, =gelb, -grün, d. i. dunkelblau 2c.); in 
weiterer Bed. überh. durch hinlänglichen Genufs oder Stilfung der Be: 


598 Satte — Sattel 


gierde befriedigt (ſich an einer Sache ſatt ſehen, hören ꝛc.; ſich ſatt lachen u. 
dgl., d. i. feine Lachluſt völlig befriedigen); daher auch f. Überdruſs empfin- 
dend, überdrüffig, müde, mit dem Gen. u. gem. auch) mit dem Acc. (einer 
od. eine Sache fatt fein od. werden; des Lebens fatt od. zgef. lebensſatt fein; 
ich bin feiner, des Dinges längſt ſatt; gem. auch: ich habe ihn od. es fatt); 
2) zur Befriedigung genügend, fattigend, hinreichend, gew. nur als Nw. 
gem. f. genug, hinlänglich („Tatte Nahrung haben“ Opitz; nicht fatt zu effen 
haben; ich habe fatt zu thun 2e.; gem. genug und fatt); oberd. auch f. er- 
giebig, gediegen (fatt reden); — Ableit. fatten, vlt. Zw. (altd. saten; nie- 
derd. faden) 1) ziellos m. fein, f. fatt werden; 2) ziel. f. fatt machen, 
fattigen; die Sattheit (altd. sata, seti, sate), das Sattfein, Befriedigt- 
fein, der Überdrufs; fättig, Bw., 1) oberd. f. fättigend, leicht fatt ma— 
chend (eine fättige Speife); 2) vit. f. zu fättigen (daher bibl. unfättig f. 
unerfättlich); die Sättigfeit, Yandfch. das Sättigfein, die. fättigende Kraft 
einer Speife; auch f. das Sattfein, die Sattheitz fättigen, ziel. Zw. (niederd. 
fadigen, fädigen), fatt machen (einen Hungrigen—; ſich fättigen, d. i. fatt eſſen; 
fi) mit od. an einer Speife—; ich bin gefättigt; Mehlſpeiſen fättigen fehr); 
uneig. von Farben u. in der Scheidek. in einem Stoffe fo viel von einem 
andern auflöfen, als jener aufnehmen Eann (eine gefättigte Farbe, d. i. die 
fo viel Farbeſtoff enthält, als die Flüffigkeit aufnehmen Eonnte; mit Silber ge- 
fättigtes Scheidewaffer u. dgl.); in weiterer Bed. überh. eine Begierde, ein 
Berlangen ıc. befriedigen (fein Geiz ift nicht zu fättigen; ehem. auch mit dem 
Gen. fic) eines Gutes fättigen); die Sättigung, das Sättigen in allen 
Bed., die Befriedigung; insbe. Scheidek. das befriedigte Beſtreben zweier 
Stoffe, fich in Auflöfung zu fegen (fr. Saturation); fattfam, Bw. u. Nw., 
zu einer Abficht hinreichend, genugfam, hinlänglich (fattfamen Vorrath 
haben; es ift fattfam bewiefen 2c.); die Sattfamfeit, das Ofen 
die Zulänglichkeit. 

Satte od. Sette, w., M. -n (vom niederd. fitten, fetten f. fißen, fegen), 
nieberd. ein Milchgefäh, ein Napf von Thon, Holz oder Glas, in welchem 
die Milch zum Gerinnen hingeftellt wird 

Sattel, m., -3, M. Sättel, (altd. satul, satal, satil; satel, von figen, 
feßen, goth. satjan; vgl. das mittel). Impf. satte, Mw. gesat neben sazte, 
gesazt; isländ. sadul, ſchwed. dän. niederd. sadel; angelf. sadol, engl. saddle; 
poln. siodlo; lat. sella aus sed-la, sed-ula entft.; daher franz. selle 2c.), der 
gew. gepolfterte Sitz, welcher dem Neitpferde aufgefchnallt wird (Reit: 
fattel; ein Pferd mit Sattel und Zeug; einen aus dem Sattel heben, d. i. 
ihn mit der Lanze vom Pferde ftoßen bei den ehemal. Ritterfämpfen, uneig. 
überh. f. überwinden; feft im Sattel figen, uneig. f. feinee Sache gewifs fein; 
- allen ©ätteln od. in alle Sättel gerecht fein, f. gerecht); in weiterer Anwen— 
dung ehem. überh. f. Sig, Ort, wo Jemand fist od. wo ein Ding ruht, 
daher noch Bergw. ein Sig, auf welchem ein Mann in die Grube gelaffen 
wird; öſtr. die fattelähnliche hölzerne Unterlage eines Faffes im Keller; vlt. 
Rſpr. aud) f. Wohnſitz, Landgut (den Kläger in den Sattel weijen, d. i. in 
den Beſitz des Gutes fegen); uneig. viele fattelförmige Körpertheile, Dinge, 
Merkzeuge ꝛc.; z. B. eine breite Erhöhung auf der Nafe; ein Bergrüden; 
ein fattelförmiges Dad od. Gewölbe bei Mühlen, Wehren ꝛc.; ein kurzes Quer? 
od. Deckelholz, womit die Köpfe zweier Pfähle od. Sparten zufammengeheftet 








fattgelb — Satz 399 


werden; Anat. ein Theil des fiebförmigen Beines am Schädel (Sattelbein); 
in den Wallnüffen die Scheiderwand, welche den Kern in vier Theile theilt; 
auch eine Art Auftern: englifcher od. polnifcher Sattel, aud) Sattel 
muſchel; u. eine Bohrmufchel (Klebaufter); bei den Vogelftellern eine Art 
des Vogelfanges mit Schlingen von Pferdehaaren auf einer lebendigen Taube 
(auf dem Sattel fangen); — 3ſetz. der Sattelbaum, 1) zwei gefrümmte 
Hölzer, welche das Gerippe des Reitfatteld ausmachen, auch Sattelbogen; 
2) an Windmühlen die beiden Wellbäume an dem Gehäufe, auf denen die 
große Welle der Ruthen liegt; das Sattelbein, f. o. Sattel; das Sattel— 
dach, f. v. w. zweihängiges Dach, Giebeldach; die Satteldecke, eine Dede, 
welche über den Reitfattel gelegt wird; fattelfertig, Bw., bereit, fich in den 
Sattel zu fchwingen; fattelfeft, Bw., im Sattel feft fisend; uneig. feiner 
Sache vollfommen Eundig und gewiſs; fattelfrei, Bw. (altd. sadel- od. satel- 
vri; wahrfch. v. sadel, satel f. Sitz, f. o.), landſch. fattelfreie Güter, Höfe, 
d. i. unmittelbar dem Reiche unterworfene, Freigüter; niederd. (fadelfrij) von 
Ritterdienften freie Güter; daher ein Sattelfreier, niederd. auch Sattelhö— 
fer, Befiger eines fattelfreien Gutes; das Sattelgut, der Sattelhof, ein 
fattelfreies Gut, fattelfreier Hof; auch ein Gut, deſſen Befiser in gewiſſen 
Fällen mit einem gefattelten Pferde Dienfte leiften mufs; der Sattelgurt, der 
Gurt, mit welchem der Sattel auf dem Pferde feftgefchnallt wird; der Sat— 
telhammer, ein langer, fehmaler Hammer der Sattler, zum Einfchlagen der 
Nägel in Sättel ec.; das Sattelfiffen, der mit Haaren auögeftopfte Theil 
eines Sattels; auch eine Art weicher Sättel, die nur aus einem Kiffen befte- 
ben; der Sattelfnecht, Reitknecht, welcher die Pferde fattelt; der Sattel— 
Enopf, der erhöhete Theil am vorderen Sattelbaum; die Sattelfrähe, landſch. 
f. Nebelkrähe; das Sattellehen, ein Lehngut, welches dem Lehnherrn ein ge- 
fatteltes Pferd ftellt; das Sattelpferd, ein gefatteltes Pferd, insbef. das 
Wagenpferd, auf welchem der Fuhrmann reitet, links von dem Handpferde; 
das Sattelroſs, vlt. f. Reitpferd; der Sattelrücken, Jäg. der erhabene 
Theil des Rückens eines wilden Schweines; der Sattelfteg, das Holz zu bei- 
den Seiten zwifchen den Sattelbäumen; die Satteltafche, Zafche an einem 
Sattel zu Reifebedarf; das Sattelzeug, der Sattel nebft allem Riemenwerk 
zum Reiten; — Ableit. fatteln, ziel. Zw. (altd. satelen, niederd. fadeln); 
ein Pferd—, ihm den Sattel auflegen und befeftigen; auch ohne Zielw. 
(3. B. es ift Zeit zu fatteln; fprichw. früh gefattelt, ſpät geritten, d. i. früh 
veranftaltet, fpät ausgeführt; vgl. auch: ab=, umfatteln); der Sattler -$, 
M. mw. E. (niederd. Sadeler), Sattelmacher, ein Handwerker, welcher Sät- 
tel, Pferdegefchirr u. das Lederwert an Kutfchen macht; daher: die Sattler— 
ahle, auch das Sattlereifen f. Ahle; die Sattlerarbeit; das Sattlerhand- 
werk, -gewerk; der Sattlermeifter, -gefell 2c.; die Sattlerei, das Hand⸗ 
werk und die Werkftatt des Sattlerd; die Sattlerinn, Sattlersfrau. 
fattgelb, grün zc., Sattheit, fättig, fättigen zc. f. unter fatt. 

Sattler ıc. ſ. unter Sattel; — fattfam, f. unter fatt. 

Saturei, w., 0. M. (von dem Tat. satureja; landſch. gem. auch Zafrei; 
engl. savory), eine im füdl. Europa einheimifche Pflanze, bei uns in Küchen- 
gärten gezogen zur Würzung der Speifen, auch Pfeffer-, Bohnen, Wurft- 
Eraut, Kölle, Garten-Iſop x. genannt. 

Satz, m., -es, M. — Verkl. das Sätzchen, (altd. saz, ©. satzes; 


600 faßen — Sau 


von figen, faß, altd. saz; daher fagen, ſetzen), 1) das Segen (z. B. Gerb. das 
Einfegen des Leders in die Lohgrube), insbef. das Springen, ein Sprung 
(ein Saß über einen Graben, Zaun 20.5 das Pferd macht Sätze); Tonk. das 
Zonfegen u. die Art u. Weiſe desfelben (der einfache, doppelte, Kirchen: 
ſatz 2c.); 2) das Gefegte, was fich feßt, was gefegt wird oder ift, in viel 
fachen eig. u. uneig. Anwendungen; insbe: die zu Boden finkenden (ſich 
feßenden) ſchwereren Theile einer Flüffigkeit (Bodenfas); Fiih. junge 
Karpfen, welche man in die Sesteiche ſetzt (Seplinge); Hüttenw. was auf 
einmal zum Schmelzen eingefegt wird; auch etwas aus mehren Theilen 
BZufammengefegtes u. überh. mehre zufammen gehörende Dinge einer Art, 
3: B. Bergmw. ein nad) einer gewiffen Höhe zufammengefestes Röhrenwerk zum 
Heben des Waffers aus den Gruben; ein Satz Waar en, d. i. mehre Waa— 
ren einer Art; ein Satz Schachteln, Keffel, Eimer zc., d. i. mehre in einan- 
der geſetzte Schachteln 2c.; Zifchl. ein Satz Hobel, d. i. alle zum vollkommenen 
Glatthobeln einer Fläche nöthigen Hobel; Bergw. ein Satz Bohrer, Stem— 
pel ꝛc., d. i. drei zufammengehörende Bohrer ꝛc.; ferner: das beim Spiele 
geſetzte Geld (vgl. Einfas); Landfch. auch f. Pfand, Unterpfand (Geld auf 
den erften Saß ausleihen, d. i. auf die erfte Hypothek); der feftgefeste Waa- 
renpreis (Fleiſch⸗ Brobfas, fr. Zare); ehem. überh. f. Verordnung, Geſetz 
(Sasung), Vertrag; 3) bef. ein durch Worte ausgedrüdter Gedanken, 
eine aufgeftellte Behauptung, Ausfage, ein Ausſpruch (einen Sag auf- 
ftellen, behaupten, beweifen; ein Grund-, Haupt, Lehrſatz, Gegenfaß zc.); 
Sprach. jede vollftändige Ausfage von etwas Gedachtem, ein Nedefas, 
auch als Theil eines zufammengefesten od. Gliederfages (Vorder-, Nach- 
3wifchenfag); aud ein Abfag od. Abfchnitt eines Zonftüdes (4. B. Jäg. 
zwei Säge auf dem Horn blafen); — Zfes. der Satzbrief, landſch. f. Pfand- 
brief; der Sabhafe, Säg. eine Häfinn, welche Sunge feßet, d. . zur Welt 
bringt, Setz⸗, Mutterhafez der Sabkarpfen, Samenkarpfen; die Saslehre, 
Lehre vom Redefas, ein Theil der Sprachlehre (fr. Syntax); das Satzloch, 
Bauf. eine nicht ausgemauerte Stelle in einer Zwiſchenmauer zwifchen zwei 
Häufern; der Satzmeißel, Schloff. ein Meißel, womit die Nietnägel ange: 
trieben werden; die Satzmöhre, -rübe, =zwiebel zc., Samenmöhre 2c., die 
den Winter über im Keller aufbewahrt u. im Frühjahr ins Land gefegt wird; 
der Satzſtock od. die Sabweide, ein Weidenftod, der zur Fortpflanzung in 
die Erde geſetzt wird; der Sabteich, ein Teich, worein die Schon erwachfenen 
Fiſche zum baldigen Gebrauch gejegt werden; ſatzweiſe, Nw., in ober nad) 
Sätzen, Satz für Sag (z. B. etwas erklären); die Satzzeit, Iäg. die Zeit, 
in welcher das Wild zu fegen, d. i. Sunge zu werfen pflegt. 
faßen, ziel. 3w. (altd. säzen, d. i. eig. faßen, f. d. unter Safe), völlig 
vlt. Nebenform von fegen: befegen, anſtellen; daher die Sakung, M. -en 
(altd. satzunge), f. Setzung: 1) das Segen, Feftfegen, Beſtimmen, nur 
in 3feg. wie Tag-, Brod-, Fleiſch-, Mehlſatzung; 2) das Gefegte, Feſtge— 
feßte, Beſtimmte; insbef. ehem. ein verfegtes Pfand; Vermächtniſs; über: 
einkunftz jest: Befehl, Verordnung, Gefeg, Vorſchrift, fefte Einrichtung, 
bef. mit dem Nebenbegriff der willkürlichen, nicht wefentlich begründeten Bes 
ftimmung (Kicchen-, Glaubens-Sasung; Menfchenfagungen) ; daher fakung$- 
105, Bw.; das Sabungsrecht (fr. pofitives Recht), entg. Vernunftrecht. 
Sau, w., M. Säue u. (von wilden Schweinen) Sauen; Verkl. nur 











Sau 601 


gem. landſch. Säuchen, Säulein, (latd. sü, M. shi, süwi, siuwe; isländ. 
syr, ſchwed. so, hol. soe, sowe, engl. sow; griech. ös, lat. sus, ſämmtlich 
urfpr. überh. Schwein bedeutend, wahrſch. von dem Naturlaute des Thieres 
hüs, fu gebildet; dahingegen die Formen mit auölautendem g, angeli. sügu, 
niederd. Söge, Suge, holl. soeg, welche Mutterfchwein bedeuten, von ſau— 
gen, nieberd. fugen, fögen, auszugehen feinen), 1) eig. alt u. landſch. ein 
errvachfenes Schwein, z. U. v. Ferkel, u. überh. f. Schwein (eine Heerde 
Säue; bibl. die Teufel fuhren in die Säue; bie Säue hüten 2c.); insbeſ. 
Jäg. jedes erwachfene wilde Schwein (M. Sauen; vgl. Bache und 
Hauer); gew. in engerer Bed. ein weibliches zahmes Schwein, bei. Mut: 
terfchwein; 2) uneig. niedr. Schimpfw. f. eine unreinliche, ſchmutzige Per- 
fon; gem, f. Klecks, Zintenfled, in weiterer Bed. überh. f. Fehler (eine Sau 
machen, insbef. im Hüttenw., wenn das Silber den Treibeherd aufhebt und 
fi) in die Schladen verliert; daher auch beim Kupferfchmelzen: Säue f. 
Schladen, die noch viel Erz enthalten); oberd. f. das Aſs im Kartenfpiel; 
Schuhm. eine am Sonnabend nicht fertig gewordene Arbeit, die in der nächften 
Woche zu vollenden bleibt; auch etwas Unfchieliches, Unanftändiges, An— 
ftößiges (oberd. eine Sau aufheben, od. —einlegen, d. i. abfichtslos etwas 
Unanftändiges begehen); Hüttenw. bei den Planenherden: eine flache Grube, 
in welcher der Schlich aufgefangen wird; aud eine Maffe Schwarzkupfer 
(Kupferfau); Iandfch. eine Pfanne mit Dedel u. Füßen (Bratfau); — 
Zſetz. (in denen Sau bisw. aud) das Schlechte, Gemeine, Wilde der bezeich- 
neten Gattung anzeigt): das Sauaas, Schweinefutter (f. Aas), insbef. Müll. 
u. Bäck. der Abfall von gefchrotenem Getreide; auch niedr. Schimpfmw. f. eine 
ſchmutzige Perfonz der Sauapfel, wilder Apfel, Holzapfel; das Sauauge, 
landfch. f. Ein- od. Wolfsbeere; der Saubär, landich. f. männl. Schwein, 
Eber (f. Bär); die Saubeere, landſch. f. gemeiner Nachtfchatten; der Sau: 
beller od. Saufinder, Zäg. eine Art zottiger Hunde, die zur Sagd auf wilde 
Schweine abgerichtet find; die Saubirn, wilde Birn, Holzbivn; die Sau- 
blume, der Löwenzahn; die Saubohne, eine Art großer Feig- od. Pferde 
bohnen; landſch. auch f. Bilfenkraut; der Sauborg, ein verfchnittenes Mut- 
terfchwein (ſ. Borg); das Saubrod, landſch. f. Erdapfel, Grundbirn; aud) 
f. v. w. Schweinbrod, Waldrübe, eine in waldigen Gegenden wachlende Pflanze, 
deren Wurzel den Schweinen zur Nahrung dient; die Saubürfte, eine Art 
Hornfifhe; der Saubruch, Säg. ein von wilden Schweinen umgewühlter 
Ort; die Saudiftel, f. v. w. Gänfediftel; auch f. Kreuzdiftel 2.5; das Sau— 
effen, der Saufraß, niedr. ein unreinliches, ſchlechtes Effen; der Saufang, 
das Fangen eines wilden Schweines; auch der Fang (ſ. d.) od: Stich, den 
man einem wilden Schweine mit dem Fangeifen beibringt; der Saufenchel, 
Haarftrang od. Roföfendel; das Saugarn, Säg. ein Garn, welches bei der 
Jagd auf wilde Schweine gebraucht wird, Saunegz; der Saugarten, Jäg. 
ein eingefchloffener Raum zum Saufang (f. Garten); die Sauglode, nur in 
der gem. Redensart „mit der Sauglode läuten‘, d. i. grobe Boten reißen; 
das Saugras, landſch. f. Porſch, Schweineporſch; Wegetritt; die Sau— 
bat, Sauheke, f. Has; der Sauhirt, Schweinhirt; der Sauhund, zur 
Jagd auf wilde Schweine abgerichteter Hund, insbef. ein folcher Leithund; auch 
eine Art Haifiihe, Seeſchwein; der Sauigel, gew. Schweinigel, f. d.; die 
Saujagd, das Saujagen, Jagd auf wilde Schweine; der Saufopf, in 


602 fauber 


Glashütten: Steine, welche in dem Schmelgofen auf beiden Seiten der Ring- 


fteine gefegt werden; das Saufrauf, eine auf Wiefen und in Wäldern wach: . 


fende Pflanzengattung (hypochaeris L.); auch die knotige Braunwurz, Feig- 
warzenkraut, Saufnoten, -zranke, -wurz; ber Wegetritt; die gemeine 
Wolfskirſche; das Bilfenkraut 2c.; die Saulache, eine Lache, worin fich die 
wilden Schweine abzufühlen pflegen (Säg. verderbt: Sulache, Suhlladhe); 
das Sauleder, gew. Schweinsleder; uneig. niedr. Schimpfmw. f. eine höchſt 
unreinliche u. unfittliche Perfonz der Saulöffel, eine Art des Samenkrautes; 
der Saumagen, Schweinsmagen; niedr. Schimpfw. f. unreinlicher, unfitt- 
lieher Menſch; die Saumilch, od. niederd. -melf, landſch. f. die gemeine 
Sau= od. Gänfediftel; die Saumutter, eine Sau, welche Sunge hat; das 
Sauneft, niedr. f. ein unteinlicher, häfslicher Ort; Landw. ein beim Pflügen 
unberührt gebliebenes Stück Erde; das Sauohr, Schweinsohr; großer We— 
gerich; die Saurebe, das Bitterfüß, die Zaunrebe; der Sauringel,. das 
Gänfekraut; der Saurüde, Rüde (f. d.) od. Rüdenhund zu Saujagden; det 
Saurüffel, Schweinsrüffel; auch großer Wegerich; Löwenzahn; der Sau— 
fa, oberd. Säufad, mit Schweinsblut, Sped ꝛc. gefüllte Schtweinsmagen, 
Schwartenmagen, Magenwurft; der Saufalat, eine Art bitteren übelviechen- 
den Lattichs, ſtinkender od. wilder Salat; der Saufchnabel, landſch. f. Lö— 
wenzahn; der Saufchneider, |. Schweinfchneider; der Saufpieß, ein Kine- 
belfpieß od. Zangeifen für wilde Schweine; der Sauftall, Schweineftall; der 
Saufteller, Säg. ein Hund, welcher ein wildes Schwein zum Stehen zwingt; 
die Sautanne, landſch. f. Bärlapp, Porſch; der Sautod, die Schwein: 
melde; Miftmelde; die Saumirthfchaft, gem. f. eine höchſt unveinliche Wirch- 
Tchaft; die Saumurz, große, Enotige Braunwurz; Kreuzkrautz Zaunrübe; — 
Ableit. fauen, zicllof. Zw. m. haben, gem. f. unteinlich mit etwas um= 
gehen (vgl. ein-, ver, zufauen); ungefittete Reden führen, Zoten reißen; 
der Sauer, -8, wer fauetz die Sauerei, M. -en, gem. f. ſchmutziges 
Verfahren; hoher Grad von Unreinlichfeitz ſchmutzige, unfittlihe Hand- 
Yung oder Rede, Bote; fauifh, Bw., im höchften Grade unreinlich, 
ſchweiniſch. 

fauber, Bw. (altd. süpari, sübari, sübri, süber; niederd, ſuver, ſchweiz. 
fufer, angelf. syfer; man hält es für verwandt mit faufen (f. d.) u. nimmt 
an, es bezeichne urfpr. durch Flüffigkeit gereinigt, gewafchen, wie das lat. 
lautus; dann müſſte es aber eher hochd. süfer, faufer, niederd. fuper heißen), 
rein, frei von Schmuß u. allem Ungehörigen, jedoch nur von feften Kör- 
pern u. gew. mit dem Nebenbegriff von nett, fein, zierlich, alfo von engerer 
Bed., ald rein (faubere Kleidung, Wäſche; ſich od. feine Sachen fauber halten 
eine faubere Handarbeit, Nath); auch reinlich, die Neinlichkeit liebend (ein 
ſauberer Menſch); oberd. f. wohlgeftaltet, hübſch, ſchön; niederd. f. fitt- 
lich-rein, unbefledt (eine faubere Jungfer); auch f. behutfam, forgfam 
(Tauber mit etwas umgehen); oft ironifch f. unfauber, bef. fittlich unrein, 
leichtfertig, ausfchweifend (eine faubere Wirthſchaft; ein fauberer Vogel, 
Burſche, Zeifig 20.); — Ableit. die Sauberkeit (oberd. auch Säubere), 
das Sauberfein, finnv. Reinheit, Reinlichkeit, Nettigkeit; fauberlich, 
Bw. u. Nw. (altd. süberlich), fauber ausfehend, nett, hübſch; jest gew. 
als Nw. auf faubere Art, bef. behutfam, vorfihtig, gelinde, ſchonend 
(äuberlich mit etwas od. mit Semand umgehen); der Säuberling, -es, M. -®, 





—— ——— 





Saubirn — fauer 603 


Neuw., wer auf die Sauberkeit in der Kleidung ıc. Übertriebene Sorgfalt 
wendet, Stuger (fr. Petitmaitre, Elegant); faubern, ziel. Zw. (altd. su- 
paran, subern, nieberd. füvern), fauber machen, reinigen, putzen (das Ge: 
fchirr, das Zimmer, die Kleidung; den Mund, die Zähne ꝛc. —; die Bäume —, 
de i. von dürren Zweigen reinigen; Bergw. fäubern, f. den Schutt wegräu- 
men); uneig. von dem Verunzierenden od. Schädlichen befreien (z. 8. ein 
Land von Landftreihern 2.—); fih— , reinigen; oberd. vom Vieh: die 
Nachgeburt (Säubere) ablegen; die Bienen fäubern fi), wenn fie an 
einem hellen Tage vor dem Stode auf und nieder fliegen; der Säuberer, -8, 
wer etwas ſäubert; oberd. auch f. das Säuberfieb, womit in der Mühle 
das Mehl gereinigt wird; die Säuberung, das Säubern, die Reinigung. 

Saubirn, blume, -bohne — diftel; fauen, 3w., Sauer 1., f. un 
ter Sau. 

fauer, Bw., Comp. fauerer, faurer, Sup. fauerft, (altd. niederd. angelf. 
ſchwed. sur; oberd. ſaur; engl. sour), von eigenthümlich fcharfem Gefchmad, 
finnv. herb, welches jedoch einen mehr zufammenziehenden Geſchmack bezeich- 
net, verfch. Talzig, bitter, jedoch wie diefe dem ſüß entg. (Effig ift ſauer; 
fauere Milch; fauere Kirſchen; fauerer Wein, faueres Bier; die fauere Gährung, 
d. i. diejenige, durch welche geiftige Stoffe fauer werden); alt u. oberd. auch 
f. falzig; bitter; feucht, fumpfig (faures Gras, Holz; faurer Boden); un- 
eig. f. unangenehm, beſchwerlich, mühfam (faure Arbeit; es ift mir fehr 
fauer geworden, d. i. es hat mir viel Mühe gemacht; fich eine Sache fauer 
werden laffen, d. i. fich viel Mühe damit geben; einem das Leben fauer machen, 
d. i. erfchweren; es kommt mir fauer an, d. t. fällt mir befchwerlich; es Eoftet 
mir fauern Schweiß 2c.); unfreundlich, verdrießlich, mürrifch (fauer aus- 
ſehen; ein faures Geficht, faure Mienen machen); der Sauer, -8, (oberd. 
Saur, Sauern; niederd. Sur), landſch. überh. f. etwas Saures, insbef. der 
Sauerteig; oberd. auch Molken von faurer Milch; niederd. f. Eſſig; landſch. 
auch f. Sauerkraut; — 3fes. der Sauerampfer (gem. verk. Sauerampf, 
verderbt Saueranzen 2c.), der gemeine wildwachiende Ampfer (f. d.) von 
fäuerlihem Geſchmack, ald Küchengewächs gebraucht; der Eleine Saueram- 
pfer, f. v. w. Schafampfer; fauerblau, Bw., fränk. fauerblauer Zeug, eine 
Art Schlechter vother Weintrauben; der Sauerbraten, in Effig gefäuertes und 
dann gebratenes Rindfleifch; der Sauerbrunnen, eine Quelle, deren Waffer 
einen fäuerlichen, vitriolifchen Gefhmad hat; auch das Waſſer einer folchen 
Quelle, Sauerwaffer; das Sauerbrunnenfalz, aus Sauerwaffer ge 
wonnenes Salz, Bitterfalz; der Sauerdorn, die Berberiöftaude mit ange 
nehm fäuerlichen Beeren; das Sauereifen, fprödes Eifen von einem ftreng- 
flüffigen Eifenfteine; das Sauergras (v. fauer f. fumpfig ze. ſ. o.), landſch. 
f. das fpigige Riedgras; der Sauerhonig, mit Honig eingefochter Weineffig 
(fr. Orymel); die Sauerfirfche; der Sauerflee, eine Eleeähnliche Pflanze, 
deren Blätter angenehm fäuerlich fchmeden, auch Buch- od. Haſenklee oder 
-ampfer 2c. genannt; auch) f. Schafampfer; das Sauerkleefalz, die Sauer- 
Pleefäure, |. Kleeſalz ze.; das Sauerkraut od. der Sauerfohl, fein ge- 
fchnittener u. mit Salz eingemachter Weißkohl; die Sauerluft, f. v. w. Le 
bensluft; der Sauerort, Bäd. der Ort im Backtroge, wo der Sauerteig mit 
Waſſer eingeweicht wird; fauerfichtig, Bw., unfreundlich od. verdrießlich aus- 
fchend; der Sauerfloff, Naturl. der eigenthümliche Grundftoff der Lebenstuft 


604 Sauerei — faufen 


(fe. Oxygen); fauerfüß, Bw., aus fauer u. füß gemifcht; auch uneig. halb un- 
freundlich, Halb freundlich (ein ſauerſüßes Geficht) ; der Sauerteig, durch Gäh- 
zung fauergewordener Zeig, womit der Brodteig gefäuert wird; uneig. f. etwas 
Verdorbenes, Veraltetes (der alte Sauerteig 2c.); der Sauertopf, uneig. gem. 
f. eine unfreundliche, mürrifche Perfon; fauertöpfifch, Bw., f. mürrifch, ver- 
drießlich; die Sauertüpfigkeit, f. Verdrießlichkeit, mürrifches Weſen; das 
Sauerwaffer, Waffer eines Sauerbrunnens; — Ableit. der Saurach, 
oberd. f. Sauerdorn, Berberisftaude; die Säure (altd. siure, siurde, oberd. 
Säuer, Säur) 1) o. M. das Sauerfein, die faure Befchaffenheit (z. 8. 
des Eſſigs, Weines 2c.); 2) M. Säuren, ein faurer Stoff, eine faure 
Flüſſigkeit (z. B. Säure im Magen), bef. Scheide. fauere Salze (thierifche, 
Pflanzen- und mineralifche Säuren); oberd. insbe. f. fauere Molken, u. f. 
Sauerteig; fauerlih, Bw., ein wenig fauer, fich dem Sauern nähernd; 
der Säuerling, -es, M. -e, landſch. f. Sauerampfer; Sauerbrunnen od. 
ewaffer; fauere Weintrauben, Apfel ꝛc.; fauern, zielof. Zw. m. haben, 
fauer werden (dev Teig, die Mitch fauern laſſen; vgl. aud) verfauern); 
uneig. f. Mühe machen, befchwerlich werden (fprichw. was nicht fauert, 
füßt nicht, d. i. was Feine Mühe macht, gewährt auch Eeine Freude); ſäuern, 
ziel. Zw. (altd. siuren), fauer machen (eine Brühe, das Waffer mit Bitronen- 
faft 2c.), bef. mit Sauerteig vermengen (den Teig —; gefäuertes Brod); 
fauerlen od. faurlen, ziellof. Zw., oberd. f. ſäuerlich werden od. fein. 
Sauerei, f. unter Sau. 
Sauereifen ıc. — -waffer, fauerlich, Säuerling, fauern zc., f. ſauer. 
Sauefjen, Saufang, f. unter Sau. 
faufen, ziel. 3w. (altd. süfan, süfen, Impf. souf, suffen, Mw. gisoffan; 
oberd. fauffen, Smpf. fuff u. fauffet, Mw. gefoffen u. gefuffen; niederd. ſupen; 
angelf. süpan, isländ. sypa, fchwed. supa, engl. sup; daher Suppe, ſ. b., 
altd. süfen, sufhli; die Wurzel suf, sup fcheint den Laut des Schlürfens aus- 
zudrüden, u. nahe verw. mit suk, faugenz vgl. taufen u. tauchen, Eriechen u. 
£riefen, engl. creep u. dgl. m.), ablaut. faufft, fauft (oberd. faufft, fauft); 
Smper. faufz Smpf. foff, Conj. ſöffe; Mw. geſoffen; urfpr. überh. eine 
Flüſſigkeit in fich ziehen, fchlürfen, daher noch ſchweiz. f. mit. dem Löffel 
effen (z. B. Mil, Suppe); altd. auch f. im Waffer untergehen (von Schiffen; 
vgl. erfaufen); jegt: in ſtarken Zügen trinken, u. überh. trinken, jedoch 
unedler, als diefes (vgl. freffen u. effen), daher zunächft von Thieren (das 
Vieh fauft Wafler; gew. ohne Bielw.: ein Pferd ꝛc. faufen Laffen, ihm zu 
faufen geben); von Menfchen gem. verächtt. f. unmäßig trinken, bef. fofern 
dies zur lafterhaften Gewohnheit geworden ift (freffen u. ſaufen; er hat ſich 
dem Saufen ergeben 2c.); nieder. überh. f. trinken; der Sauf, landſch. f. 
Soff (altd. süf, souf, f. Brühe, Suppe; fchweiz. der Zufauf, jede Flüffig- 
“Zeit, die zu trockenen Speifen genoffen wird); — 3fes. der Saufaus, un- 
biegf. (eig. der als Hw. gebrauchte Imper. von ausfaufen), gem. f. Säufer; 
der Saufbruder, die Sauffchwefter, Säufer, Säuferinn mit dem Neben- 
begriff der Gefellfchaft mit Andernz; das Saufgelag; der Saufgenofs, =ge- 
fährte, =gefell; die Saufgier, -Iuft, -fucht; daher faufgierig, -luſtig, 
-fühtig, Bw.; das Sauflied, ein Lied, welches bei Saufgelagen gefungen 
wird; dev Sauffad, niedr. f. ein arger Säufer; — Ableit. der Säufer, 
s, die Säuferinn, M. -en, wer fäuft, d. i. dem Trunke ergeben ift; da— 





Saufenchel — faugen 605 


ber der Sauferwahnfinn, eine Krankheit, welche die Folge der Trunkſucht 
ift (fr. delirium tremens); die Sauferet od. Säuferei, das unmäfige Trin— 
Een, die Völlerei; ein Saufgelag; faufen, ziel. Zw. (niederd. füpen, fö- 
pen), Iandfch. f. faufen laffen, tränfen (das Vieh —; mittelh. soufen, tau- 
chen, ertränken; vgl. erfäufen); faufern, unp. 3w. mit dem Acc., gem. 
oberd. mich faufert, f. ich habe Luft zu faufen, mich durftet. 

Saufenchel, finder, -garn, -garten, f. unter Sau. 

faugen, ziel. u. ziellof. Zw. (altd. siukan, sükan, sügen, Impf. souc, su- 
gen, Mw. gesogen; isländ. siuga, ſchwed. suga, angelf. sugan, sycan, engl. 
suck; lat. sugere, franz. sucer 20.5 es jcheint, wie faufen (f. d.), von einer 
Schallnachahmung auszugehen), ablaut. du faugft, er faugt (nicht fäugft 2c.); 
Impf. fog, Gonj. füge; Mm. geſogen; den Saft, die Flüffigkeit aus einem 
Körper mit dem Munde allmählich in fich ziehen (den Saft aus einer 
Frucht, das Blut aus einer Wunde —; die Bienen faugen Honig aus ben 
Blumen; aud) ziellos: an etwas (Dat.)—, 3. B. der Bär faugt an feinen 
Tagen; uneig. etwas aus den Fingern faugen, f. unter Finger); bef. von klei— 
nen Kindern u. jungen Thieren: die Muttermildy aus der Mutterbruft, 
dem Euter ıc. in fich ziehen (die Bruft, gew. an der Bruft—, od. fchlecht- 
weg: faugen; 3. B. das Kind will faugen, faugt noch 2c.; ein faugendes 
(nicht: fäugendes!) Kind, Lamm 2c.); auch von Leblofen Dingen: eine Flüſ— 
figkeit allmählich in fich aufnehmen (der Schwamm, die Röhre faugt das 
Waſſer in fich; die Pflanze faugt die Feuchtigkeit ein, der zu färbende Stoff 
die Farbe 20.); — 3fes. die Saugader, Anat. durchfichtige Gefäße, welche 
meift eine Elare Flüffigkeit zue Blutmaffe führen, in allen Theilen des menſchl. 
u. thier. Körpers; die Saugblume, bunte, wilde Taubneffel; der Saug- 
Egel, Blutegel; das Saugeferkel, -Falb, -lamm (gem. Sogferkel zc.), 
ein noch faugendes Ferkel zc.; der Saugefifch, eine Art Stichlinge; das 
Saugeglas, horn, »Fännchen, ein mit Milch gefülltes Kleines Gefäß, woran 
man Eleine Kinder faugen Läfft, Ludel, Kinderdutte; die Saugepflanze, 
Schmarogerpflange; die Saugepumpe, eine Pumpe, in welcher das Waſſer 
durch eine Röhre (Saugeröhre od. Saugrohr) eingefogen wird; auch eine 
Art Luftpumpen; der Sauge- od. Saugrüffel, ein hohler Rüſſel (f. d.) vie- 
ler Inſecten, mittelft deffen fie den zu ihrer Nahrung dienenden Saft in fich 
ziehen; die Saugwarze, die Warze (f. d.) an der Bruft, an welcher ein 
Kind od. ein junges Thier faugt; das Saugewerk, eine Wafferkunft, Pum— 
pe zc., in welcher das Waffer mittelft der in der Röhre verdünnten Luft von 
derfelben eingefogen wird, z. U. v. Druckwerk; der Saugezahn, die erften 
Zähne der Pferde; — Ableit. die Sauge, M. -n, ausgemauerte Zugröhre 
in den Malgdarren; der Sauger, -8, wer faugt, insbef. Landw. ein faugendes 
Lamm (gew. unr. Säuger); Naturk. einige Fifche, welche ſich an die 
Schiffe zc. feftfaugen (der große, u. der Eleine Sauger, auch großer u. Eleiner 
Schildfifch genannt); der Mafferftrauh, ein Staudengewähs; auch der 
Pumpenfchuh, bei deffen Bewegung das Waffer in die Röhre tritt Pum— 
penfauger); — füugen, ziel. Zw. (altd. sougian, sougan, sougen, das 
Factitivum von faugen), faugen laffen, zu faugen geben, jedoch nur in en- 
gerer Bed. von der Darreihung der Mutterbruft (ein Kind—; eine fäugende 
Kuh); Zfes. die Säugamme, fäugende Amme (f. d.); die Säugemilch; 
das Säugethier, Gattungsnamen für alle Thiere, welche ihre Sungen mit 


” 


606 " Sauglode — Saum 


ihrer Milch ſäugen; Ableit. die Säugerinn, M. -en, (bibl. zgez. Säugern), 
eine faugende Perſon; der Säugling, es, M.-e, ein Kind, welches 
gefäugt wird, ein faugendes Kind; uneig. ein erfkandesfchtwacher Menſch 
(ein Säugling an Berftand); die Säugung, das Säugen. 

Sauglode, -gras, hab, -hirt, hund, ſäuiſch ꝛc. — Saulache, 
ſ. unter Sau. 

Säule, w., M. -n,; Verkl. das Säulchen, (oberd. sül, M. süli, siule; 
oberd. Saul, Seul, gew. Saulen, Seulen; niederd. Süle; angelf. syl, ie 
länd. süla, holl. zuyl; vgl. das goth. süljan, gründen, ftügen), überh. ein 
Stützbalken, Tragepfeiler, daher Zimmerl. jeder fenkrecht ſtehende Zragebal- 
Een, Ständer; in engerer Bed. ein zierlicher, fenkrecht und freiftehender 
runder Zragepfeiler von Holz, Stein 2e.; in weiterer Anwendung jeder ſenk— 
recht ftehende, bef. walzenfürmige Körper, errichtete Pfahl zc. auch wenn 
er nichts trägt, in Ifeg. wie Denk, Ehren, Schande, Wege-, Grenzfäule ꝛc.; 
in noch weiterem Sinne überh. ein fenkrecht ftehender Körper, eine fich er— 
hebende Maffe von beträchtlich größerer Länge, als Dide, 3. B. Bild-, Spiß-, 
Rauch⸗, Wolken, Feuerfäule 20.5; Naturk. die Spindel eines Schnedenhaufes; 
uneig. dicht. f. eine Perfon 0d. Sache, auf welcher die Erhaltung u. Sicher: 
heit von etwas beruht, |. v. w. Stütze (4. B. er ift eine Säule des Staates, 
der Kirche 2.); — fe. der Säul- oder Säulenbaum, Forſtw. ein zu 
Säulen für die Zimmerleute geeigneter Baum; faulenförmig, Bw.; der Säu— 
lenfuß, der untere Theil einer Säule, auf welchem dee Schaft ruht; der 
Säulengang, mehre unter einem Hauptgefims ftehende Säulenreihen, welche 
einen Gang bilden (fr. Golonnade); die Säulenhalle, ſ. Halle (fr. Porticus); 
der Säulenheilige, ein Säulenheiliger (fr. Stylit), chriſtl. Schwärmer, 
welche zur Bußübung ganze Jahre lang auf einer Säule ſtehend zubrachten; 
der Säulenfnopf od. -knauf (fr. Capitäl od. Gapitel); die Säulenord- 
nung, Bauf. das Verhältnifs der ſämmtlichen Säulentheile zu einander u. zu 
der ganzen Säule (man unterfcheidet: die toscanifche, dorifche, ioniſche, ko— 
zinthifche, u. römische Säulenordnung od. ſchlechtweg: Ordnung); das Säu— 
lenpaar; die Säulenreihe; der Säulenfchaft, der Haupttheil einer Säule 
zwifchen dem Knaufe u. Säulenfuße (f. Schaft) ; der Säulenfpath, ein Spath, 
welcher viereckige Säulen bildet; der Säulenftein, eine harte, fchwere, Ihwarz- 
graue Steinart, welche meift vier- bis achtfeitige Säulen bildet, Eifenmermor 
(fr. Bafalt); der Säulenfluhl, Bauk. der kurze vieredige Pfeiler, auf wel- 
chem die Säule mit ihrem Zuße-fteht (fr. Poftement od. Poftament); die Säu— 
lenweite, Bauf. die Entfernung, in welcher je zwei Säulen von einander ſte— 
hen; das Säulenwerf; der Säulenzierath zc.; — Ableit. faulen, ziel. 
3w., mit Säulen verfehen, zieren (gefäulete Hallen). 

Sauleder, Saulöffel, f. unter Sau. 

Saum 1., m., -e3, M. Säume, Verl. dag Säumchen, (altd. soum, 
isländ. saumr, angelf. u. engl. seam, ſchwed. söm, niederd. Soom, holl. zoom; 
v. einem altd. ablaut. Zw. siuuan, siuwen, seuwen, daher goth. siujan, angel). 
siyan, engl. sow, sew — lat. suere, nähen; alfo urfpr. Nath, u. das m in 
sou-m gehört nicht zur Wurzel, fondern ift Bildungslaut; vgl. auch d. isländ. 
seyma, ſchwed. söma, zufammennähen, =Enüpfen), eig. ein genäheter umge: 
fchlagener Rand an einem gewebten Zeuge, Tuche, Kleidungsftüde ze. ; 
Schmied. auch) der umgefchlagene Rand an einem Pferdehufe; auf Blechhäm- 





Saum — faumen 607 


mern: bie zufammengefchlagene Seite der gefchmiedeten Eifenplatten; in wei- 
terer Bed. überh. f. Rand, Einfaffung , einfaffender Streif ıc., z. B. der 
Rand eines Kleidungsftüdes; die einfaffende Schnur eines geſtrickten Garnes; 
die längs des Randes der Segel befeftigten Taue; der Streifen, welcher den 
oberen Theil des Pferdehufes umgiebt; dicht. f. Rand, Außerfte Grenzlinie 
(ich ftehe am Saum einer Felfenwand, des Meeres ꝛc.); Schlef. f. Mitchrahm, 
Sahne; das Säumchen, Benennung einiger Zrompetenfchneden (das 
doppelte, u. das geflochtene od. gefaltete Säumchen); — 3feg. der Saum: 
farn, Adlerfarn, deffen Befruchtungstheile am Saume der untern Blattfläche 
in Reihen figen (vgl. Karn); die Saumlatte, an Windmühlen die Latte, welche 
der Länge nach mitten ducch die Flügel geht; die Saumnath, eine beim 
Säumen gemachte Nath; die Saumfchicht, Maur. die äußerſte Schicht Zie— 
geln, welche den Saum des Daches bildet; die Saumfpinne, Sumpfipinne 
mit weiß eingefafftem Körper; das Saumtau, Schiff. |. v. w. Leif, f. d.5 — 
Ableit. ſäumen, ziel. Zw. (altd. soumen, niederd. ſömen; engl. — et⸗ 
was—, mit einem Saume verſehen (ein Tuch —, d. i. einen Saum um 
dasfelbe nähen); Forſtw. u. Zimmerl. nach der Schnur vieredig od. überh. 
Eantig behauen (einen Baum, Blod, ein Brett); der Säumer, -$, die 
Säumerinn, M. -en, wer etwas faumt, einen Saum daran macht. 

Saum 2., m., Aes, M. Säume, jedoch als Maß od. Gewicht nach ei- 
nem Zahlw. in der Mehrh. unverändert: Saum, (altd. soum, angelf. u. engl. 
seam, ſchwed. some; mittl. lat. sauma, ital. soma, franz. somme; wahrſch. 
von gleicher Abkunft mit Saym 1. (f. d.), alfo urfpr. etwas Zufammengenähe- 
tes od. gebundenes, wie das lat. sarcina, von sarcio; vergl. jedoch auch das 
griech. oeyue v. 04000), alt u. oberd. f. Laft, Pad, Gepäd, bef. fofern 
es zum Fortſchaffen einem Laſtthier aufgeladen wird; in beſtimmterer Bed. ſo 
viel man einem Laſtthier aufzuladen pflegt, daher eine größere Gewichts⸗ 
oder Maß-Einheit, insbef. ein Dandelsgewicht, in Öfterreih —=275 Pfund, 
in Baiern: ein Saum Eifen=— 250 Pfd.; ein Saum Wollentuch — 22 Stüd, 
jedes zu 32 Ellen; auch ein Fluffigkeitsmaß, in Baſel —3 Ohm, in Bern 
—4 Eimer, in Züri —14 Eimer; am Harz: ein Kohlenmaß, dergleichen 
ein Pferd 2 tragen kann; — Z3ſetz. der Saumefel, -ochs, das Saumpferd 
od. =r0f5, überh. das Saumthier, Pacefel ꝛtc., Kaftthier; das Saumfalz, 
oberd. Salz, das auf Pferden verfendet wird; der Saumfattel, ein hölzer— 
ner Sattel, auf welchem Saumthiere ihre Laft tragen; der Saumfteig, 
Saummeg, oberd. ein nur für Saumthiere, nicht für Fuhrwerf, geeigneter 
Weg; — Ableit. faumen oder faumen, auch faumeln, ziel. Zw. (altd. 
soumen), oberd. etw a8—, durch) lafttragende Thiere fortfchaffen (Wein, 
ÖL 2c. auch ziellos: mit Efeln, mit Pferden—); der Saumer o». Säumer, 
-8, 1) (altd. soumari, soumaere; ital. somaro, frang. sommier), oberd. ein 
Saumthier, Laftthier; 2) (landfch. auch) Sämer) wer Laftthiere halt u. 
vermiethet; auch der Führer od. Treiber eines Laftthieres. 

Saumagen, |. unter Sau. 

fäumen, 3w., 1. f. unter Saum 1.5 — _ fäumen 2. oder faumen, f. 
Saum 2. 

ſäumen 3. 3w. (altd. süman, sümen; auch der süm u. diu süme f. das Säu- 
men; isländ. söma, ſchwed. suma, niederd. fümen, hol. zuymen; franz. chö- 
mer, feieen, Muße haben; vgl. das oberd. fain, u. faineln, fauneln f. 30° 


608 Säumer — fc 


gern), 1) ziellos m. haben, aus Zrägheit, Bequemlichkeit od. Bedenklichkeit 
langfam im Handeln fein, finnv. zögern, zaudern; alt u. oberd. auch rückz. 
fih— (bibt. komm herab und fäume dich nicht; — fchweiz. bedeutet ſau— 
men, fumen im Gegentheil: fich Tputen); 2) ziel. einen od. etwas—, 
alt u. dicht. f. aufhalten, hindern; hinausfchieben, verzögern, (bibl. ſäume 
mich nicht; die Strafe fäumen 2c.); Ableit. der Säumer, die Säumerinn, 
wer faumt, Zauderer ꝛc; faumhaft, vit., gew. ſäumig, Bw. (altd. süme- 
haft, sümec, sümelich), auf fehlerhafte Urt langfam, zaudernd; daher die 
Säumigkeit; die (auch.das) Saumnifs, M. -e, das Säumen, der Ver— 
zug; auch die Hinderung, das Hindernifs; das Saumfal, -es3, M. -e, 
(altd. sümsal), alt u. dicht. f. die Säumigkeit, Nachläffigkeitz daher faum- 
felig, Bw. (alt. sümeselec), faumig, nachlaffig, unpünftlic (ein faum- 
feliger Arbeiter, Schuldner 2c.); die Saumfeligkeit, das Saumfeligfein. 

Säumer, m. 1. ſ. Saum 15 — Säumer 2. od. Saumer, f. Saum 
2; — 3. T. fäumen. 

Saumefel, pferd, -fattel, =thier, |. Saum 2.; — Saumfarn, -latte, 
-[chicht, -fpinne, -tau, f. Saum 1.5 — faumbhaft, faumig, Säumniſs, 
Saumfal, faumfelig, ſ. fäumen. 

Saumutter, =neft, =ohr, f. unter Sau. 

Saurach, m., Säure, w., f. unter fauer. 

Saurebe, =ringel, -rüde, -rüffel, -fad, -falat, fchnabel, |. unter Sau. 

faufen, ziellof. 3w. m. haben (altd. süsen, siusen; ſchweiz. fufen f. gäh- 
ven; niederd. fufen, hol. suyzen, ſchwed. susa; ein Schallwort, vgl. das lat. 
susurrare), einen ſtark zifchenden Schall hören laſſen od. hervorbringen, 
bef. von der bewegten Luft, finnv. raufchen, braufen (der Wind faufet, eine 
Kanonenkugel faufet; das Saufen der Ohren, d. i. die Empfindung, ald ob man 
einen ftarken Wind faufen hörte; die Ohren faufen mir 2c.); uneig. ſich wild 
lürmend vergnügen; der Saus, -es, 0. M. (altd. süs), das Saufen, der 
Sturm, das faufende Getöſe; gew. das Getöfe der wilden Freude bei 
Trinkgelagen 2c. (daher: in Saus und Braus leben, f. Braus); das Sauſe— 
horn, die Trompeten= od. Pofaunenfchnede; der Sauſelaut, ein faufender 
Laut; Sprachl. bei. das ſ; der Saufewind, eig. ein heftiger, faufender Wind; 
gew. uneig. eine wilde, unruhige, fehr lebhafte u. flüchtige Perfon; der Sau— 
fer, -$, wer faufet, oberd. f. Schlemmer; auch f. Saufelaut; — fäu- 
feln, ziellof. 3w. m. haben, das verkl. faufen: fanft, gelinde faufen, fanft 
rauſchen (die Weftwinde fäufeln; das Säufeln der Blätter 2c.); auch ſich 
fäufelnd bewegen; mit fäufelnder Stimme fprehen; der Säufel, -8, das 
Säufeln der fanft bewegten Luft; der Säufellaut, fäufelnder Laut; bef. 
Spradl. die 3 den Selbftlauten am nächften ftehenden weichen Mitlaute: j, 
w und das fanfte f, auch Säufeler genannt (fr. Spivanten); die Säufel- 
ſtimme, der Säufelton ıc. 

Saufpieß, Sauftall ꝛc. — Sauwurz, ſ. unter Sau. 

fc), das zufammengefegte Schriftzeichen für den einfachen breiten 
Zifchlaut, welcher entfteht, indem die Luft durch die platt gehaltene Zunge am 
Gaumen etwas geprefft und durch die nicht völlig geichloffenen Zähne ausge: 
ftoßen wird (im Engl. durch sh, im Franz. durd) ch ausgedrüdt). Das fd) 
(verichieden von dem sch in Gläs-chen, Häus-chen 2c.) ift demnach ein aus | 
und ch gemifchter, aber nicht zufammengefeßter, fondern ein durchaus ein- 





Schaaf — Schaar 609 


facher Laut, deffen Beftandtheile nicht einzeln nach einander ausgefprochen 


werden dürfen, alfo: Schinken, Fleiſch, Afche, nicht: S-chinken, Fleif-ch, 
A-che, wie in Weftphalen gefprochen wird. Es fteht ſowohl im Anlaute, als 
im Sn= und Auslaute, wird aber auch nad) einem gefchärften Selbftlaute nic 
verdoppelt, z. B. Fiſch, Flafche, haſchen; außer in zufammengef. Wör— 
tern, wie Fifchichuppe, Fleifchichrant. Im Anlaute fteht es nicht allein vor 
Sclbftlauten, fondern auch vor den Mitlauten r, I, m, n, w. — Unfer fch 
hat einen zwiefachen Urfprung: 1) aus sk, 2) aus s. Überall nämlich, 
wo es vor einem Selbftlaute oder r, und wo es ald Auslauf fteht, tft es aus 
sk, sc entftandenz z. B. goth. skip, althochd. seil, mittelh. schif, Schiff; 
alth. asca, mittelh. asche, Afche; alth. scriban, mittelh. schriben, jchreiben; 
goth. fisks, alth. visc, mittelh. visch, Fiſch. Wo hingegen ſch vor I, m, n, w 
fteht, Liegt ihm ein urfprüngliches s zu Grunde, welches fich noch, im Mittel- 
hochd., jo wie in der heutigen .niederd. Mundart rein erhalten hatz z. B. goth. 
slp, smeitan, sneithan, svarts; altd. släf, smizan, snidan, swarz; nieberd. 
Slaap, jmiten, fniden, ſwart; neuhochd. Schlaf, jchmeißen, Schneiden, ſchwarz. 

Schaaf, ſ. Schafz — ſchaal, ſ. ſchal; — Schaam, j. Scham. 

Schaar, w., M. -en, (althochd. u. ſchwed. scara, angelf. scaruz mittelh. 
schar, M. schäre; oberd. Schar, M. Schaaren u. Schär; urfpr. von dem 
altd. ablaut. Zw. sceran, scar, giscoran, ſcheren, Grundbegriff: fchneiden ; 
daher das abgel. umend. Scheren, fcherte ze. f. theilen, vgl. befcheren und 
das angelf. scerian, abtheilen, zählen; engl. score, eine Zahl von 20 Stüd; 
alfo von gleicher Abkunft mit Schar, Pflugichar, wovon es jedoch durd) den 
herrſchenden Schreibgebrauch unterfchieden wird), eig. eine Abtheilung, ins— 
bef. Heeresabtheilung, beftimmter und 'geordneter Heerhaufen (vgl. Heer- 
Ihaar), gew. überh. f. Haufen von Menfchen od. Thieren, Trupp, Nudel 
(fi) in od. zu Schaaren verfammeln; eine Schaar Kinder, Vögel 2c.); alt u. 
oberd. auch f. Neihe, d. i. Zeile (der Körner am Getreide), od. geordnete 
Aufeinanderfolge, Drdnung (beim Tanz; fr. Zour); auch f. Verrichtung 
od. Arbeit, zu welcher Mehre, einer nach dem andern, in beftimmter Reihen- 
folge verbunden find, bef. ein ſolcher Frohndienſt (Schaar-Arbeit, Schaar- 
dienft, Schaarwerk; daher fchaarwerken od. ſcharwerken, oberd. Zw. 
f. frohnen); — ſchaaren, ziel. u. rüdz. Zw., in Schaaren fammeln, verfam- 


meln (ſich —); auch in Heerhaufen theilen, ordnen, ftellen; Bergw. f. zus _ 


fammenftoßen, fich vereinigen (zwei Gänge fchaaren ſich, wenn fie zu— 
fammentreffen u. eine Strede vereinigt fortlaufen;z ein Gang ſchaart dem 


| andern zu); altoberd. auch f. arbeiten, frohnen; — Zſetzz. der. Schaar- 


od. Schaarenführer, ehem. auch Schaarmeifter, Anführer einer Kriegs— 
ſchaar, od. der Kriegsfchaaren; der Schaargang, Bergw. 1) ein Gang, wel- 
cher fich mit einem andern vereinigt (ſchaart); 2) ein Gang, welcher nad) 
einer Zwifchengegend, d. i. nicht nach einer dev + Haupt-Weltgegenden, ftreicht 


Glſo gleich]. die Weltgegenden fchneidet od. theilt; von ſcheren, ſ. o.); der 
Schaarhaufen, oberd. f. Ameifenhaufen;z die Schaarkluft, Bergw. eine 


Kluft, die ſich mit einer andern vereinigt; das Schaarkreuz, Bergw. ein 
durch zwei ſich ducchfchneidende Gänge gebildetes Kreuz; die Schaarwache, 
urſpr. eine von mehren Perjonen, bei. Bürgern einer Stadt, der Reihe nad) 
{. 0.) zu haltende Wache; dann: eine aus einem Haufen Bewaffneter befte- 
hende Sicherheitswache, entg. Schilöwache; der Schaarwächter,, einer aus 


Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 39 


610 Schabaas — fchaben 


der Schaarwache; fchaarweife od. fchanrenweife, Nw., in Schaaren, haus 
fenweife. 
Schabaas, Schabab, ſ. unter fchaben. 
Schabatte, w., M.-n, auf Kupferhämmern: das Geftell, in welchem 
der Ambofs fteht. 
Schabe, Schäbe, Schabebaum ıc. — Schabeflinge, f. unter ſchaben. 
Schabel, w., M.-n, od. Schabelbohne, Landfch. f. Bohne, Säbel- 
bohne, grüne Schneidebohne, (werderbt aus Säbelbohne, oder von Icha- 
ben, alfo eig. aefchabte, d. i. in dünne Scheibchen gefchnittene, Bohnen?). 
Schabelle, w., M. -n, (gem. Schabellen, Schawell; aus d. lat. scabel- 
lum), oberd. f. Schämel, Fußbanf. 
fchaben, ziel. Zw. (altd. scaban, schaben, ablaut. Impf. scuob, schuop, 
Mw. giscaban, geschaben; jest nur umend.; niederd. ſchawen; angelf. scafan, 
sceafan, engl. shave, isländ. skafa, fchwed. skafwaz lat. scabere; vgl. das 
gr. ozaareıv, graben, ozdıpos Graben, mit d. angelf. scof, Grube), ftarf 
veiben, finno. Eraßen (die Haut —; ſich an od. mit etwas—; gem. verftärkt 
auch: jchabben, jchäbbeln, ſchubben, fchubbern); ehem. auch f. nagen, ab- 
freffen; in engerer Bed. mit einer Schneide abreiben, und dadurch die 
Oberfläche eines Körpers reinigen (z. B. Mohrrüben, Rettige ze. fchaben; 
einem Rübchen ſchaben, uneig., f. unter-Rübe), oder den Körper ſelbſt 
in feine Theile verwandeln (Käfe, einen Apfel, Kreide 2..—); Kupferfi. 
eine Art zu äsen, wobei die Platte mit Wachs überzogen, darauf mit der 
Nadel die Zeichnung gemacht u. dann eingeägt wird (gefchabte Manier); ehem. 
auch ziellos uneig. f. gehen, ſich fortmachen, fchimpflich abziehen (abſcha— 
ben); — 3fes. das Schabaas, Gerb. das von der Aasſeite eines Falles ab- 
gefchabte Fleiſch 2c.; ſchabab, eig. der Smper. von abſchaben, alt u. landſch. 
1) als Nw. (wohl in dem Sinne von geh, zieh ab! f. 0.) f. zu Ende, am 
Ende, zu Grunde, vorbei ꝛc. (3. B. ihr liegt im Grab, und feid ſchabab; da— 
mit fchabab! es geht mit ihm ſchabab 2c.); 2) als Hw. das Schabab, un 
biegf., f. Abſchabſel, Schabfel, überh. das Unreine, Unnütze, der Auswurf, 
Ausſchuſs; auch f. Raden; Gartenſchwarzkümmel; Scafgarbe; der Scha- 
bebaum, Gerb. ein hölgernes Geftell, auf welchem die Häute gejchabt wer— 
denz das Schabeblech, Schuhm. eine ftumpfe Mefferklinge zum Schaben des 
Wachfes aus den Näthenz der Schabebod, ein Geftell der Kammmacher zum 
Schaben des behauenen Hornes; der Schabedegen, ein ftählernes Werkzeug 
der Zinngießer zum Beſchaben ihrer Arbeit; dag Schabe- od. Schabeifen, 
ein eifernes Schabewerkzeug verfchiedener Handwerker u. Künftler; der Schab- 
käfer, ſ. v. w. Kleinkäfer; die Schabeklinge Orchst. auch Schabklin— 


ger), bei verſch. Handw. ze. eine ſtählerne Klinge zum Beſchaben einer Sache; 


insbef. f. Schabebleh; fo auc das Schabemeffer; das Schaberubchen, 
uneig. einem ein Schaberübchen machen, f. v. w. Rübchen fchaben (1. Rübe); 


der Schaberufch (f. Ruf), landſch. f. Schachtelhalm, Kannenkraut; die 


Schabewolle, die Wolle, welche die Weißgerber von den Schaffellen ſchaben; 
der Schabzieger (ſ. Zieger), ſchweiz. grüner Kräuterkäſe, welcher geſchabt 
gegeſſen wird; das Schabziegerkraut, ſchweiz. f. Steinklee, welcher in den 
Schabzieger gemifcht wird; — Ableit. die Schabe, M. -n, 1) verſchie⸗ 
dene Infecten, welche andere Körper zerfreffen: die Motte (oberd. auch der 
Schab), die Aſſel Gellerſchabe), die Milde, der Rieh- oder Kornwurm; 





Schabernad — Schad) 611 
inöbef. ein Kleines nur im Finftern zum Vorjchein Eommendes, ſehr behendes 
Inſect, welches Alles zernagt (Müller:, Küchenſchabe; landſch. verderbt: 
Schwabe; lat. blatta); 2) ein Werkzeug zum Schaben, z. B. das ge 
frümmte Schabeifen der Fleifcher;z die Thonfchneide der Töpfer; Fifch. eine 
Art Fifchernege, der Raffel ähnlich; 3) landſch. gem. f. Krätze, Räude (tat. 
scabies, engl. scab); die Schäbe, M. -n, 1) die beim Brechen u. Hecheln 
des Flachfes abfallenden Fafern, Agen od. Acheln, gew. nur in der M. 
die Schäben (niederd. Schewen); 2) in den Salzwerken zu Halle die ftein- 
artige. Rinde, welche von dem Boden der Salzpfanne abgefchabt wird (auch 
Schöpp); 3) oberd, f. die Räude (die Scheben); der Schaber, -$, wer 
fchabt, daher landſch. f. Schinder; Geizhals (chem. auh Schabhals, 
Schabehans); ein Werkzeug zum Schaben, Schabeifen; oberd. auch das 
Gefchabte; die Schaberei, das Schaben, gem. f. das Geizen, Knaufern; 
ſchäbig, Bw. (niederd. ſchäwisk, engl. shabby), gem. f. abgefchabt, abge- 
tragen (Kleid); zerlumpt, armſelig; Erägig, räudig; ſchmutzig geizig, 
£nauferig; die Schäbigfeit; das Schabfel, —s (oberd. aud) Schabet; 
niederd. Schawels), das Gefchabte, Abgefchabte, der Abfall. 

Schabernad, m., -e8, M. -e, (niederd. Schawernad; mittel. heißt 
schabernae eine Pelzmüse, eig. ein Nackenreiber, v. altd. scaboron, schabern, 
verft. f. ſchaben, und nac, Nacken; n. X. geht unfer Wort von dem fchimpf- 
lichen Abfchaben od. Scheren der Haare im Naden aus, vergl. fcheren f. pla— 
gen, befchimpfen; nad) v. Hammer ift im Morgenlande das Wort Chawer- 
nack Sprichwort des Undankes nach einem berühmten Palafte diefes Namens, 
von deffen Binnen der Erbauer, König Naaman, den Baumeifter aus Arg- 
wohn hinterliftig hinabſtürzen ließ), gem. f. ein böfer Poffen, argliftiger, 
heimtückiſcher Streich (einem einen Schabernad thun, fpielen, ihm etwas zum 
Schabernad thun); daher fehabernaden, ziel. 3w., gem. einen—, ihm 
einen ſolchen Streich fpielenz der Schabernader, —s, wer gern fchaber- 
nackt; ſchabernäckiſch, Bw., dazu geneigt. 

Schaberübchen, =rufch, wolle, ſchäbig ꝛc., ſ. unter ſchaben. 

Schablon, f., od. gew. Schablone, w., M. -en, (von dunkler, wahrſch. 
fremder Herkunft), das Formbrett, z. B. der Glodengießer; überh. ein Mu- 
fter od. Modell, wonach die Tifchler, Steinmeser, Stubenmaler z2c. arbeiten; 
das Schablöneifen, ftarkes 3 bis 4 Zoll breites Stangeneifen. 

Schabrade, w., M. -n, (aus dem türk. tschaprak; poln. czaprag), eine 
zierliche Pferdededke, welche hinten am Reitſattel befeftigt wird. 

Schabſel, Schabzieger, f. unter fchaben. 

Schach, f, -e8, o. M., (franz. échec, engl. chess, check, ital. scacco; 
mittel). daz schäch, gew. schäch-zabel, d. i. Schach-Tafel; urfpr. v. dem 
perſ. Shah, Schach, König, alfo: Königsfpiel, nad) der Hauptfigur be- 
nannt; im Mittelalter aber mifcht ſich diefes Wort vielfach mit dem altd. der 
scah, schäch, d. i. Raub, Angriff; daher schächen, rauben; schachaere, 
Schächer, ſ. d.5 u. das Schachſpiel felbft wird als Räuberfpiel verftan- 
den; vgl. auch die lat. Benennung ludus latronum od. latrunculorum) , ein 
uraltes, ſehr fcharffinniges Brettfpiel, welches aus Indien nach Perfien ge- 
kommen und von da dutch die Araber und die Kreuzzüge in gang Europa ver- 
breitet ift; das Schach od. Schachfpiel, (Schach fpielenz das große Schach, 
mit 48 Steinen auf 96 Feldern gefpielt; das Eleine Schach, die gewöhn- 


39* 


612 ſchachen — Schacht 


liche Art mit 32 Steinen auf 64 Zeldern); ein Zuruf an den König im 
Schachſpiel, wenn man ihn mit einem Steine bedroht u. feine Stelle zu ver 
laffen od. fich zu decken nöthigt (Schach dem Könige! auch wohl: —der 
Königinnz dem Könige Schad) bieten; uneig. einem Schach bieten, chem. auch 
—fagen, f. ihn bedrohen, ihm Trotz bieten; einem Schad) thun, altd. f. ihm 
einen Verluſt beibringen); — 3fes. die Schachblume, die Brettipiel- oder 
Kibitzblume; das Schachbrett, das gew. in 64 vieredige Felder (Schad)- 
felder) getheilte Brett zum Schadhfpiel, auch die Schachtafel; fchachmatt, 
Bw., vom König im Schadhfpiel: völlia feftgefegt u. befiegt, To dafs er feinen 
Zug mehr thun kann, ohne gefchlagen zu werden (auch bloß: matt, f. d.); 
uneig. völlig entkräftet od. überwunden; das Schachfpiel, chem. Schach— 
zabel, Schachzabelipiel (ſ. o.), oberd. vererbt: Schachza gel; der Schach— 
fpieler; der Schachftein, jede Schachfigur; — Ableit. fchachen 1., olt. 
3w. 1) ziellos f. Schach fpielen: 2) ziel. f. in vieredige Felder theilen (da- 


her Wappen. ein gefchachtes Stück); der Schacher, -8, vlt. f. Schache 


fpieler. 
i ſchachen 2., ziel. Zw. (altd. scahhan, schächen v. scah, schach, Raub, ſ. 
Schach; angelf. sceacan, alt niederd. ſchaken, f. wegnehmen, gewaltfam 
entführen; vgl. das angelf. scacan, engl. shake, shog, isländ. u. ſchwed. skaka, 
franz. choquer, ſämmtlich: ftoßen, fchütteln, bewegen, welches die Grundbed. 
zu fein fcheint), völlig vlt. f. rauben u. morden; daher der Schäcdher, -$, 
(oberd. auch Schacher, Schachmann; altd. scahhari, schachaere; mittl. 
lat. scacator, scacarius), alt u. oberd. f. Näuber, Raubmörder, Übelthäter, 
nur noch geb. von den beiden mit Chriftus gefreuzigten Verbrechern; uneig. 
gem. f. ein armer, erbärmlicher, unwiffender Menfch (ein armer, elender 
Schächer); das Schächerfreuz, ſ. Kreuz. 

fchachern 1. ziel. Zw. (vom hebr. sachar, handeln), verächtl. f. Klein- 
handel treiben, ‚zunächft von haufivenden Juden, bei. auf gewinnfüchtige, 
betrligerifche Art; der Schacher, -8, o. M., gewinnfüchtiger Kieinhandel; 
die Schacherei, das Schachern; der Schacherer, -$, wer fchachert; der 
Granheniube ꝛc. 

ſchachern 2., zielloſ. zw. (—ſchäkern, ſ. d.), niederd. f. laut u. un— 
anſtändig lachen. 


Schachkraut oder x. Schachtkraut (d. i. Schaftkraut), f-, en» FR 


Pfriemenkraut. 
ſchachmatt, Schachſpiel, -ſtein, -tafel, ſ. unter Schach. 
Schacht, m, —es, (oberd. auch -en) M. Schächte, oberd. Schachten, 
(ſchwed. skakt; Shadt ift wahrfch. urſpr. niederd. Nebenform für Schaft, 


welches auch im Oberd. dafür vorkommt; engl. heißt es: shaft; val. angel. . 


- scof, Grube; griech. ezarreıv, graben, o2«pos, Grube; alfo von [haben 
(1. d.), engl. shave, fchaben, fehneiden: urfpr. Ein- od. Ausfchnittz vgl. auch 
den Lautwandel in: graben, Gruft, Gracht), 1) eine gegrabene Vertiefung, 
ehem. überh. f. Grube, Graben; jest. insbef. Bergw. eine vieredige, meift 


fenkrecht hinabgeführte Berggrube, verfch. von Stollen, (ein Fahr, Für: 


der-, Kunſtſchacht ze.; einen Schacht abteufen (f. d.); auch der oberſte Theil 
der vierediigen Höhlung eines hohen Ofens; 2) ein gleich]. abgefchnittener, 
feharf begrenzter Naum od. Körper; insbef. Forſtw. ein einzeln ſtehendes 
Stud Waldes, eine Waldſtrecke (z. B. ein ſchöner Schacht Holz; oberd. 





SchachteShhachtelhalm 613 


auch: Schachen, Schacher, Schächlein; altd. scahho, Vorgebirge, Land— 
zunge); Meſsk. ein gleichſeitig viereckiger vertiefter Raum oder Körper, 
deſſen Tiefe od. Dicke nur Y,, der Länge u. Breite beträgt (z. B. ein 
Ruthenſchacht, eine Ruthe lang u. breit, und einen Fuß did; fo auch ein 
Schuh-, Zollſchacht; daher das Schachtmaß, d. i. die Mafbeftimmung 
nach diefem Verhältniffe; die Schachtruthe, dr Schachtſchuh od. -fuf, 
Schachtzoll ec., eine Nuthe, ein Fuß 2c. diefes Mafes); 3) niederd. (auch 
Schedt, holl. schacht, schicht) f. Schaft, Spieß, Stange G. B. Boh- 
nen⸗, Hopfenfchächte 2c.); — 3fes. die Schachtbühne, Bergw. ein Abfas 
in einem Fahrfchachte (1. Bühne); der Schachtfuß, ſ. o.; das Schacht- 
haus od. -häuschen, Häuschen über einem Schacht zum Schutz gegen die 
Witterung; das Schachtholz, Beraw. Hölzer, womit ein Schacht ausge: 
zimmert u. zugedeckt wird; der Schachthut, die Schachtfappe, -müße, Kopf 
bedeckung der Bergleute, wenn fie im die Grube fahren; das Schachtfrauf, 
Behen= od. Gliedkraut; auch Pfriemenkraut (j. Schachkraut); der Schacht: 
meifter, Tandfch. der Vorgefegte der Arbeiter, die einen Graben, Teich u. dgl. 
graben; der Schachtnagel, Bergw. große, ftarke Nägel zum Annageln der 
Schachtlatten od. -ftangen; die Schachtricht (oberd. auch Schaftridht), 
eine Art Stollen in Salgbergwerken; die Schachtruthe, der Schachtfcehuh, 
1. 0.5 die Schachtfteuer, Bergw. eine Steuer, welche dem Eigenthümer eines 
Schachtes von fremden Gewerken entrichtet wird, die fich desfelben bedienen; 
der Schachtftoß, Bergw. die kürzere Seite eines länglich vieredigen Schach— 
tes; die Schachttonne, Bergw., Bretter, womit ein Schacht ausgefchlagen 
wird (vgl. Tonne); der Schachtzoll, ſ. o.; — Ableit. fchachten, ziel. Zw., 
in gleichfeitige Vierecke theilen (vgl. ſchachen unter Schach). 

Schachtel, w., Mi-n, Verkl. das Schächtelchen, (im Altd. unbekannt; 
fcheint erft in der neueren Sprache aus dem ital. scatola, neulat. scatula ent- 
lehnt zu fein, woher aud) das fremdartige Schatulle), ein rundliches Behält: 
niſs mit dünnen, aus Holzipan zufammengebogenen Seitenwänden und einem 
darüber paſſenden Dedel (eine Hauben-, Band-, Perrückenſchachtel ꝛc.; ein 
Satz Schachteln, ſ. Satz); gem. ſcherzh. f. eine alte weibl. Perſon (eine alte 
Schachtel); Jäg. ſcherzh. f. ein altes Thier; bair. insbeſ. f. Hirſchkuh; ma— 
gere Kuh; — Zſetz der Schachtelboden; der Schachteldeckel; die Schach— 
telborſte, M. -borſten od. das Schachtelgut, die ſtärkſten und längſten 
Schweinsborſten, welche ausgeſucht u. in Schachteln gelegt verkauft werden; 
das Schachtelholz, zu Schachteln brauchbares Holz; der Schachtelmacher; 
der Schachtelmaler, wer Schachteln bemalt, Briefmaler; die Schachtel- 
maleret, uneig. elende Malerei; der Schachtelfaft, mit Zuder u. Gewürz 
eingedickter Fruchtfaft in Eleinen Schachteln (fr. Marmelade); die Schachtel- 
ſchiene, od. =zarge, Seitenwände einer Schachtel; der Schachtelftod‘, oder 
die Schachtelform, ein Hölgerner Klotz, über welchem die Schachteln ge— 
formt werden; — Ableit. Schachteln 1. ziet. Zw. in eine Schachtel legen; 
uneig. f. einfchließen, einfchalten, (in beiden Bed. gew. einſchachteln, f.d.). 

Schachtelhalm, m auch der Schadhthatm, das Schachtheu, u. da- 
neben: Schafthalm (f. d.), Schaftelhyalm (altd. schaftel), Schaftheu 
(verderbt: Schafheu, -ſtroh; von Schaft, niederd. Schacht, wegen des 
Tchaftartigen Wuchfes; oder zunächft v. einem Zw. fchaften, fchafteln f. ſcha— 
ben?) eine Art des Kannenkrautes, devem fcharfe runde Stengel zum Be- 


— —— 


— 


En 


614 | ſchächten — Schade 


reiben und Glätten von Holzwerk u. dgl. gebraucht werden, das Winterkan- 
nenfraut (equisetum hiemale L.); auch das gemeine od. Aderkannenkrautz 
das Schachtelfrauf, f. v. w. Schafthalm, ſ. d.; — Schachteln 2. ziel. Zw., 
mit Schachtelhalm reiben, glätten; oberd. uneig. f. derb außfchelten. 

ſchächten, ziel. 3w. (vom hebr. schachat), jüd. f. fchlachten; uneig. gem. 
f. prügeln, übervortheilen (in diefem Sinne vielleicht = ſchachteln 2.); 
der Schächter, -8, ein jüdifcher Viehfchlachter. 

fhachten, 3w., Schachtfuß ꝛc. — Schachtzoll, f. unter Schacht. 

Schade, w., M.-n, landſch. f. das weibliche Schaf. 

Schäcke, ſchäckig, 1. Schede ıc. 

Schader, m., -8, M. w. E., landich., eine Art Krammetsvögel; die 
Mifteldroffel. 

Schade od. b. Schaden, m., ©. Schadens, M. Schäden, (altd. scado, 
schade, ©. scadin, schaden; oberd. der Schad, gew. Schaden; isländ. skade, 
fchwed. skada, angel. scathe, engl. scath), jede körperliche Verlegung oder 
BVerfchlechterung (das Vieh thut den Feldfrüchten Schaden; der Wetter-, 
Feuer-, Wafferfchaden zc.), insbef. eine Verlegung am lebendigen Körper, 
bef. eine äußerliche, 3. B. eine offene Wunde, ein Geſchwür ꝛc. (einen Schaden 
am Leibe, am Fuße zc. haben; alte Schäden 2c.; Schaden nehmen, od. zu 
Schaden fommen, d. i. beichädigt, verlegt od. verwundet werben); in meiterer 
Bed. Alles, was die gute Befchaffenheit od. den vollkommenen Zuftand 
einer Sache oder Perfon flört od. beeinträchtigt, finnv. Nachtheil, Ab- 
bruch, Vertuft, Verderben, entg. Nusen (z. B. Schaden an feiner Gefund- 
beit, an feinem Vermögen, guten Namen, an feiner Ehre ze. leiden; einem 
Schaden zufügen; es thut od. bringt ihm Eeinen Schaden; es foll dein Scha- 
den nicht fein; ſprichw. durch Schaden wird man Hug); bef. Verminderung 
des Eigenthums, Verluft am Vermögen, Einbuße (Schaden bei einem 
Handel haben; eine Waare mit Schaden verkaufen; einen Schaden tragen, 
d. i. den Verluft auf fichy nehmen; den Schaden vergüten od. erſetzen ꝛc.); — 
Schade od. ſchade wird oft als Ausdrud des Bedauerns, bef. über einen 
Berluft, gebraucht u. nimmt dann ganz die Natur eines unbiegf. Beimortes, 
oder, wenn es für fich allein als Ausruf ſteht, die Natur eines Empfindl. 
an (3. B. das ift Schade; es ift ſchade um ihn, d. i. er od. fein Verluſt ift zu 
bedauern; ſchade, dafs er nicht da war; fchade! fchade! ꝛc. — im Mittelh. 
fteht schade, Comp. scheder, als Bw. f. Schaden bringend, feindlich; dafs 
aber unfer Schade! urfpr. ale Hw. zu faffen ift, erhellt aus der Verbindung: 
Sammer und Schade, f. Sammer); — ſchaden, ziellof. Zw. m. haben 
u. dem Dat. der Perfon, (goth. skathjan, altd. scadön, schaden; isländ. u. 
ſchwed. skada, angelf. scathan, engl. scath), einem Schaden zufügen oder 
. bringen, zum Nachtheil geveichen, nachtheilig fein, entg. nüsen, (ev Tann 
mir nicht Schaden; Unmäßigkeit fchadet der Gefundheit; das kann ihm nicht 
ſchaden, gem. f. es gefchieht ihm recht, ift ihm heilfam, ich bedaure ihn deſs— 
halb nicht; — das fragende Fürw. was u. die ungebeugten allgem. Zahlw. 


viel, wenig, nichts 2c. nimmt fhaden im Ace. zu ſich; 3. B. was ſcha⸗ 


det es? d. i. welchen Schaden bringt es? es fchadet mir nichts, wenig 26.); — 
3fes. von Schade (Schad), Schaden: der Schadbürge, landſch. f. Rüd- 
bürge, ſ. d.; das Schadegeld, Landfch. f. Erfapgeld, Schadenerſatz; der 
Schadfall, der Fall, da Schaden gefchieht, etwaniger Schaden; ſchadlos, 














| 
| 


Schade — Schaf 615 


Bw., frei von Schaden; unbefchädigt, chem. f. unverſehrt; jest in engerer 
Bed. ohne Verluft am Vermögen, u. bef. nach erlittenem Schaden Erfaß er- 
langend (einen ſchadlos halten, d. i. ihm vor Verluſt ficher ftellen, u. gew. 
ihm feinen Verluſt erfegen, ihn entfchäbigen); die Schadloshaltung, das 
Schadloshalten; die Schadlofigfeit, das Schadlosſein; der Schadenerfas, 
Erfag für einen zugefügten Schaden, finnv. Entfchädigung; die Schaden- 
freude, Freude über Anderer Schaden; ſchadenfroh, Bw., über Anderer 
Schaden ſich freuend (ein Schadenfroher Menfch, auch als Hw. ein Schaden: 
froh); in diefer Freude gegründet (ein fchadenfrohes Kachen); die Schaden- 
rechnung, -ſchätzung, Berechnung, Schägung eines gefchehenen Schadens; 
der Schadenpreis, der zum Schabenerfag beftimmte Preis; — Ableit. fehad- 
bar, Bw. (alto. schadebaere), vit. f. ſchädlich; ſchadhaft; fchadhaft, Bw. 
(altd. schadehaft), einen Schaden habend, befhädigt, gew. nur von Sachen 
(3. B. ein fchadhaftes Dach, Gebäude 2c.); ehem. auch f. Schaden bringend, 
ſchädlich; die Schadhaftigkeit, das Schadhaftfein; ſchädlich, Bw. (altd. 
schedelich), Schaden bringend, finnv. nachtheilig, verderblich, entg. nüß- 
lich (ſchädliche Speifen, Dünfte 2c.; das ift mie nicht ſchädlich; fchädliche Ge— 
wohnheiten); die Schädlichkeit, das Schädlichfein, die nachtheilige Be— 
fhaffenheit; ſchädigen, ziel. Zw. (altd. schedigen; oberd. auch gefchäbdi- 
gen), einen—, alt u. landfch. f. ihm Schaden zufügen; gew. nur in bes, 
entſchädigenz daher: der Schädiger, die Schädigung, vit. f. Befchä- 
diger, Beſchädigung. 

Schade, w., M.-n, (engl. shad, shadde), landſch. f. die Aloſe. 

Schädel, m., -8, M. w. E., (n. X. Schedel, gegen die Ausfpr., ob: 
wohl der Abftammung nad) richtiger; altd. scetela, schedel; von ſcheiden, 
trennen, vgl. Scheitel; alfo urfpr. ein Stück, Bruchftüd, daher noch oberd. 
Mauernfchedel f. Trümmer; vgl. aud) das lat. testa, Scherbe, Stück, u 
Schale, Hirnfchale, daher franz. tete, Kopf), die Hirnfchale, d. i. der obere 
gewölbte Knochen des Kopfes; auch der ganze von Haut u. Fleiſch ent— 
blößte Kopf, Todtenkopf; das Schädelbohren, das Durchbohren der Hirn- 
Schale (fr. Trepaniren); der Schädelbohrer, das dazu dienende wundärztliche 
Werkzeug (fr. Trepan); die Schadelhaut, die Haut, mit welcher der Schä- 
del überzogen ift; die Schädellehre, die von Dr. Gall aufgeftellte Lehre von 
dem Bau und der Bildung des Schädel unter Einwirkung des Gehirns, wo— 
nad) einzelne Hervorragungen des Schädels auf überwiegende Entwicelung 
einzelner Fähigkeiten u. Neigungen ſchließen laſſen; die Schädelnufs, eine 
amerikan. Pflanze mit füßer, efsbarer Wurzel; die Schädelftätte, bibl. der 
Kichtplag auf dem Berge Golgatha bei Serufalem. 

Schaden, m., ſchaden, 3w., Schadenerfaß ıc., Schadfall, ſchadhaft, 
ſchädlich, ſchadlos, f. unter Schase. 

Schaf 1. (ehem. Schaaf gefchr.), f-, -e8, M. -e, Verkl. das Schäfchen, 
oberd. Schäflein, (altd. scaap, scäf; oberd. Schaf, Schauf; niederd. Schaap, 
angel. sceap, engl. sheep, -holf. schaep; von’ dunkler Abftammung; vielleicht 
von ſchaben f. nagen, abfreffenz daher auch mittelh. schaf f. Schabe, Motte), 
Gattungsnamen eines fehr verbreiteten Säugethieres mit gefpaltenen 
Klauen u. wolligem Felle, von verfchiedenen Arten, 3. B. das wilde, mor- 
genländifche Sch., das hochgehörnte Eretifche od. Eandifche Sch. ꝛc., insbef. 
das bei uns einheimifche gemeine Schaf (eine Heerde Schafe; die Schafe 


616 | Schaf 


Scheren 20.5 ſprichw. ein väudiges Schaf fteckt die ganze Heerde an; es gehen 
viel geduldige Schafe in einen Stall; er hat fein Schäfchen gefchoren, d. i. ex 
hat den gehofften Gewinn reichlich erhalten; fein Schäfchen ins Trockene brin- 
gen, d. i. das Seinige od. ſeinen Gewinn in Sicherheit bringen (hier vielleicht 
aus Schiffehen, niederd. Schepken, verderbt); häufig ald Sinnbild der 
Unfhuld, Sanftmuth u. Geduld, aber auch der Einfalt u. Dummheit 
(3 B. fanft, fromm, dumm wie ein Schaf), daher auch f. eine ſolche Per— 
fon felbft (ev od. fie ift ein geduldiges, frommes zc., ein einfältiges Schaf, od. 
ſchlechtweg: ein Schaf, d. i. ein einfältiger Menſch); in engerer Bed. heißt 
bef. dag weibliche Thier diefer Gattung: Schaf (landfch. auch Kilbe oder 
Kibbe, Schibbe, Schnude, Schnake, Schade 20.); das männliche: Bod, 
Schafbock, Widder, und wenn es verfchnitten ift: Hammel, Schöps; 
das Junge: Lamm; uneig. heißen Schäfkhen: die Blüthenkägchen (f. 
Kabe 2.) od. Palmen mancher Bäume; landſch. auch verfihiedene Käfer, 
3. B. die Marienkäfer, die Kellerwürmer 20.5 — 3fes. mit Schaf, feltener 
Schafs—: der Schafampfer, die fauerfte Art des Ampfers, Eleiner Feld- 
ampfer, Aderfauerampferz das Schafsauge, ein ftier und dumm blickendes 
Auge; ſchafsäugig, Bw., ſolche Augen habend; die Schafblattern oder 
-poden, anſteckende Blatterkrankheit dev Schafe; auch eine Art unechter, nicht 
gefägrlicher Kinderblattern; der Schafbod, das männlihe Schaf (f. o.) bei. 
wenn es zur Zucht gebraucht wird, der Widder; die Schafbremfe, eine Art 
Bremfen, die ihre Eier vorzüglich in die Nafenlöcher der Schafe legen, und 
deren Maden die Drehkrankheit der Schafe verurfachen; die Schafbutter, aus 
Schafmilch gemachte Butter; der Schafdarn;, |. Darm; der Schaf-Egel, 
ſ. v. w. Leberegel, Leberwurm, f. d. u. vgl. Egel; das Schaffell; der Schaf- 
fink, landſch. f. Miftkäfer; das Schaffleifch; die Schafgarbe, eine Art 
Garbe (f. 8), welche die Schafe gern freffen; die Schafgarte, landſch. f. 
Akelei; das Schafsgeficht, ein dummes Geficht; gem. f. eine einfältige Per— 
fon; das Schafgras oder der Schafſchwingel, eine Art des Schwingels, 
welche ein gutes Schaffutter iſt; die Schafhaut; das Schafhäutchen, uneig. 
die zarte Haut, von welcher die Frucht im Mutterleibe umgeben iſt; der Schaf: 
hirt, ſ. v. w. Schäfer, ſ. u.; die Schafhürde, eine Hürde (ſ. d.), in welche 
die Schafe eingepfercht werden; der Schafhuften, trocener, Schwacher Huften 
der Schafe; überh. f. ſchwindſüchtiger Huften; die Schafhütte, ſ. u. Schäfer - 
hüttez das Schaffameel, ein dem Schafe u. noch mehr der Ziege ähnliches 
füdamerifan. Säugethier mit langem Halfe, als Laftthier gebraucht, aud) Ka— 
meelziege (fr. Lama); eine andere wild lebende Thierart desfelben Gejchlechtes 
mit fehe feiner, brauner Wolle (fr. Vicunna, Vigogne); der Schaffafe, Käſe 
aus Schafmilch; der Schafferbel, ſ. v. w. Klettenkerbel; das Schafskleid, 
die Bekleidung des Schafes, das Schaffell (nur bibl. ein Wolf im Schafskleide, 
"di. ein böfer Menfch, der fich den Schein der Unfchuld u. Einfalt giebt); 
der Schaffnecht, ein dem Schäfer (f. d.) untergebener Knecht, Schäferfnechts 
der Schafsfopf, eig. der Kopf eines Schafes; uneig. ein demſelben ähnlicher 
Kopf z. B. eines Pferdes; gem. als Schimpfw. f. einen dummen Menſchen, 
Dummtopf; das Schafkraut, verfchiedene Kräuter als gutes Schaffutter, ins 
bef. der blaue Wiefenehrenpreis; der haarige Ginfter; das Schaflamm;, ein 
weibliches Lamm, entg. Boclamm; das Schaflaub, Landw. gedörrtes Laub 
als Schaffutter im Winter; die Schaflaus, eine Art Läufe, von denen die 





Schaf 6 


Schafe geplagt werden; die Schaflausfliege, eine Art Lausfliegen, welche 
in der Wolle der Schafe leben, auch) fliegende Schaflaus genannt; die Schaf: 
lee, Salz oder Kräuterpuler, welches man die Schafe lecken läſſt; das 
Schafleder; daher fchagledern, Bw., aus Schafleder gemacht; die Schaf- 
linfe, die Ben Frucht des Blafen= od. Linfenbaumes; eine Art Kro- 
nenwicke, ; ſchaf- od. ſchafsmäßig, Bw. u. Nw., einem Schaf ähnlich 
an J "dns Schaf: od. Schafsmaul, uneig. f. Rapunzel; Aderfalat; 
der Schafmeifter, der oberfte Schäfer bei großen Schäfereien; die Schaf- 
milch; der Schafmift; die Schafmutter, ein weibl. Schaf vom Zten bis zum 
Hten Jahre; das Schafnoß, ſ. Noß; die Schafnufs, ſ. v. w. Pferdenufs ; 
der Schafpelz, ſ. Pelz; der Schafpferch, 1. Pferch; der Schafpilz, rothe 
Birkenpilz; die Schafpoden, |. Schafblattern; die Schafrippe, landſch. f. 
Schafgarbe; der Schafrüde, ſ. Rüde; die Schaffchere, "eine große Schere 
zum Abfcheren der Schafwolle; der Schaffcherer, wer die Schafe fchert; 
die Schaffehur, Has Scheren der Schafe, u. die Zeit, wann es geſchieht; 
der Schaffcehwingel, j. Schafgeas; der Schafftall; der Schaffland, der 
Beftand der Schafe z.B. auf einem Gutes der Schaftaubling, grüner Täub- 
ling oder Blätterfchwamm; der Schaftrieb, das Recht, feine Schafe über 
eines Andern Grundftüc zu treiben; die Schaftrift, ſ. Trift: das Schaf: 
vieh; das Schafwafler, das bei der Niederkunft abgehende Frucht» oder 
Kindswafler (val. Schafhäutchen); die Schafweide, 1) eine Weide für Schafe; 
2) die Baumwollenweide; die Schafwolle; die Schafzede, auch Schaf: 
milbe, |. Zecke; die Schafzucht, 1. Zucht; der Schafzuchter, wer fich mit 
Schafzucht befchäftigt; die Schafzunge, uneig. landſch. f. Wegerich; — 
Ableit. Schafen od. ſchäfen, Bw. (altd. scäftn, 'schaefin), oberd. f. vom 
Schafe Eommend (z.B. jchafenes Fleifch, Leder ze. f. Schaffleifch, =teder) ; 
der Schäfer, -$, die Schäferinn, M. -en, (altd. schafaere;  oberd. Schäf- 
fer, Schaflerz niederd. Schäper), wer die Schafe weidet, Schafhirt; auch 
wer ſich mit der Schafzucht beſchäftigt; im engeren Sinne der oberfte 
Schafhirt einer Heerde, Schafmeifter, unter welchen die Schaffnechte ftehen; 
in der ſogen. Schäfer= od. Hirtendichtung (fr. bukolifche Poeſie): überaus 
unfchuldige, zartfühlende, einfachlebende Hirten einer erträumten Vorwelt; das 
her uneig. jpöttifch f. zactliche, empfindfame Liebhaber (ein treuer Schäfer 2e.); 
3feg. von Schäfer: der Schäferdichter, Hirtendichter (fr. bukoliſcher oder 
Idyllen⸗Dichter); das Schäfergedicht, Hirtengedicht (bukoliſches Gedicht od. 
Idylle): Schäferlied, wenn es ein Singgesiht—, Schäferfpiel, wenn es 
ein Schaufpiel—, Schäfer: Roman, wenn es erzählender Gattung iſt; der 
Schäferhund; die Schäferhütte od. -Farre, eine zweirädrige Karre mit 
einem Bretterhäuschen, in welchem der Schäfer bei der Hürde übernachtet; 
der Schäferfnabe; dev Schäferfnecht, |. o. Schafknecht; das Schäfer: 
leben: die Schäferliebe (ſ. o); das Schäfermädchen; dev Schäfernamen, 
herkömml. Namen der Schäfer u. Schäferinnen in der Schäferdichtung (z. B. 
Daphnis, Chloe 2c.); die Schäfernufs, landſch. f. Erdnuſs; rother Stein- 
brech; die Schäferpfeife, Bocpfeife, Dudelſack; der Schäferſtab, ſ. Hirten- 
ſtabz das Schäferflücd, ein Tonſtück für Schäfer; die Schäferftunde, zärt- 
liches Beifammenfein Verliebter; der Schäfertang; die Schäfertaſche, ſ 

Hirtentaſche; die Schäferwelt, Schäferzeit, erdichtete Unfchuldswelt des im 
Hirtenftande Lebenden jugendlichen Menfchengefchlechtess Ableit. die Schä- 


618 Neil 


ferei, M. >en, Anftalt zur Schafzucht im Großen; auch die Wohnung 
des Schäfers; chem. auch f. Schäfergedicht; ſchäferiſch od. fchäferlich, 
Bw., den Schäfern eigen od. ähnlich, nach Art der Schäfer, bef. wie fie 
in der Schäferdichtung erfcheinen. 

Schaf 2. f. od. m., -ed, M. -e, (holl. schaeve; von ſchaben, niederd. 
fchawen, holl. schaeven, hobeln), landſch. f. Hobel. 

Schafampfer ıc. — Schafegel; Schäfer, Schäferinn ıc. — Schäfer: 
zeit, f. Schaf 1. 

Schaff, f., -e3, M. -e, oberd. Berl. das Schäfflein, Schäffel, fchlef. 
Schaffel (altd. seaf, schaf, schapf; von scefan, fchöpfen, alfo urfpr. Schöpf— 
gefäß? vol. jedoch Schiff, Scheffel, u. das lat. scapha, griech. az«pn, 
ox«yos, welche offenbar zu oz«arıo — [haben gehören) 1) oberd. ein höl— 
zernes Gefäß von Böttcherarbeit, Gelte, Zuber, Bottich ıc., insbef. das 
Gefäß, in welchem das Küchengefchirr aufgewafchen wird (Schüffel-, Scheuerz, 
Spülſchaff); ein Maß für trodene und chem. auch für flüffige Dinge (altd. 


win-schaf), bef. ein oberd. Getreidemaß (das Müncner Schäffer hält 6. 


Münchner Megen; das Regensburger Schaff hält über 2—, das Paffauer 
über 5 Münchner Schäffel; vgl. Schiffe; 2) (alt u. landſch. auh Schaft; 
niederd. Schapp, holl. schap, dän. skaff) niederd. f. Schrank; — der 
Schäffler, -8, oberd. f. Fafsbinder, Bötticher. 

ſchaffen 1. ablaut. ziel. 3w. (goth. skapan, sköp, skapans, erfchaffen; alth. 
scafan, scuof, giscafan; mittelh. schaffen, schuof, geschaffen; isländ. und 
ſchwed. skapa, skipa, dän. skabe; angelf. scapan, sceopanz; engl. shape, bil- 
den, ſchaffen, u. als Hw. Geftalt, Bildung; niederd. fcheppen, f. erfchaffen 
u. ſchöpfen; fchippen, f. formen, bilden; Schipper f. Schöpfer; — Grundbeb. 
Scheint: bilden, geftalten, daher: befchaffen, vechtfchaffen zc.; aber fchon 


das altd. scafan, schaffen mifcht fich in Form und Bed. mit sceffan, schepfen’ 


(Prät. schuof neben schepfte), indem jenes auch haurire, fchöpfen, diejes 
auch exeare, erfchaffen, bedeutet ; daher noch: Schöpfer, Schöpfung, Ge 
ſchöpf), ablaut. Ichaffit, ſchafft; Impf. ſchuf Coberd. fchuef), Conj. ſchüfe, 
Mw. geſchaffen; bilden, geſtalten (daher das Mw. geſchaffen, beſ. oberd. 
f. geſtaltet, beſchaffen; ungefchaffen f. ungeſtalt, häſslich, wohl geſchaf— 
fen f. wohlgeſtaltet, engl. vell-shapen; niederd. wahnſchaffen f. übelge— 


bildet ꝛc.); hervorbringen, was vorher nicht da war, ins Daſein rufen, 


erfchaffen (Gott fchuf die Welt, hat die Welt gefchaffen; die fchaffende Kraft 
Gottes); auch von Merken des menfchlichen Geiftes, bei. Kunftwerken, 
Dichtungen ꝛc. (dev Maler, der Dichter ſchuf diefe Geſtalten; der fchaffende 
Geift des Künftlers); chem. auch f. machen, dafs etwas wird, bewirken, 
veranftalten; verfchaffen, ordnen, zu etwas beftimmen; die Schaffungs- 
gabe od. -fraft, Erfindungsgabe, fchaffende od. fchöpferiiche Kraft des Gei- 
ſtes (Neum. fi das fr. Genie). 
Ihaffen 2. ziel. 3w., bloß umend. fchaffte, gefchafft (altd. scaflön, 
schaffen, Impf. schaffete, vermengt ſich im Altd. u. noch im heutigen Oberd. 
in Form u. Bed. vielfach mit dem ablaut. fchaffen 1.), überh. mit etwas 


befchäftigt, thätig fein; daher oberd. f. arbeiten, als ziellof. Zw. (an einem 


Baue —, bei einem Meifter als Gefelle Schaffen); gew. f. machen, thun, 'trei- 
ben (z. B. viel zu Schaffen haben; du haft hier nichts zu ſchaffen; ich habe 
mit ihm nichts zu fchaffen, d. i. zu thun; fich od. einem viel zu ſchaffen machen, 








Schäffler — Schaft 619 


d. i. viel zu thun, viel Mühe machen); beforgen, ausrichten, bewirken, dafs 
etwas an einen gewiffen Ort od. von einem Drte weg verfegt werde, u. 
insbef. dafs es gegenwärtig od. vorhanden fei, vergl. herbeifchaffen, fort-, weg⸗ 
ſchaffen, anſchaffen, verfchaffen (etwas an Ort und Stelle fchaffen; fich (mir) 
etwas od. Semand vom Halle fchaffen, |. Hals; einem Geld, Hülfe, Beiftand, 
Rath, Frieden ꝛc. Schaffen; fich feinen Unterhalt, Kleider, Bücher zc. fchaffen); 
alt u. Landfch. f. feftfegen, anordnen, einrichten (daher niederd. f. die Spei- 
fen anrichten; oberd. einem etwas—, f. beftimmen, zuſichern, vermachen) ; 
oberd. f. befehlen, gebieten (was ſchaffen Sie? d. i. was befehlen Sie? 
fchaffen Sie Wein, oder Bier? u. dgl.; auch mit einem fchaffen, od. bloß: 
einem fhaffen, f. ihm befehlen, in welcher Bed. es auch in die ablautende 
Form übergeht; 3. B. alfo ſchuf mein Herr mit mic und gebot mir 2c.; wer 
hat dir das gefchafft? 2c.); — Ableit. der Schaffer (altd. schaflaere) oder 
gew. Schaffner, -3, M. mw. E., die Schaffnerinn, M. -en, überh. wer 
etwas beforgt, ausrichtet, anordnet, verwaltet; insbeſ. Schaffer, oberd. 
f. Auffeher, Vorgeſetzter z. B. bei einem Hüttenwerke; in Nürnberg: Zitel 
des älteften Geiftlichen an einer Hauptkirche, welcher alle gotteödienftl. Ver: 
richtungen anzuordnen Hat; Schaffner, Wirthfchaftführer in einer Haus- 
haltung (Daushofmeifter), auf Landgütern Verwalter, Hofmeiſter), in 
Klöftern (Pater Schaffner); oberd. auch f. Kellner in Gafthäufern; nie— 
derd. der Beforger u. Anordner eines Schmaufes; ferner bei Poſtkutſchen: der 
mitfahrende Auffeher über die Ladung ꝛc. (Schirrmeifter) ; in Sachſen aud): 
wer den Fuhrleuten Fracht verfchafft; die Schaffnerinn, Wirthſchaf— 
terinn, Haushälterinn, Ausgeberinn, Beſchließerinn; die afferei od. 
Schaffnerei, M. -en, die Verwaltung; das Amt, od. die Wohnung 
eines: Schaffers oder Schaffners; Schaffnerei, auch: der durch einen 
Schaffner verwaltete Bezirk, z. B. ein Kammeramt; fchaffig, Bw., ſchwäb. 
f. arbeitfam, thätig; ſchäffeln, Zw., oberd. f. gemächlich arbeiten; ſpie— 
len (von Kindern); der Schäffler 1., bair. f. ein alberner, ungeſchickter 
Menfch. 

Schäffler 2., ſ. unter Schaf. — Schaffner ıc. ſ. ſchaffen 2. 

Schafgarbe u. ſ. w. — Schafftand, f. unter Schaf 1. 

Schafott od. Schaffot, f., -e3, M. -e (zunächft von dem franz. echafaudz 
engl. scaffold, mittl. lat. escafaldus), das Blutgerüft, die Blutbühne. 

Schaft, Nachſ. zur Bildung von Hauptwörtern (altd. -scaf, M. -scafli, 
-scefh, fpäter scaft, schaft, M. -schefte; jest -[chaften; niederd. fchap, ſchup; 
engl. ship; ſchwed. skapz; eig. der fubftantiv. Stamm von Schaffen, f. d., 
alfo urfpr. Geftalt, Befchaffenheit) bildet vorzugsweife von Hauptwörtern 
(befonders Perfonen=, feltner Sachnamen), doc auch von Beiwörtern und 
3eitwörtern Hauptwörter weiblichen Gefchlechts, welche bezeichnen: 1) die 
Befchaffenheit, das Verhältnifs od. die Lage, den Stand od. die Würde 
einer Perfonz z. B. Freundfchaft, Feindfchaft, Verwandtichaft, Herrſchaft, 
Knechtſchaft, Meiſterſchaft, Kundſchaft, Liebſchaft, Wanderſchaft, Leidenſchaft, 
Gefangenſchaft zc.; bisweilen auch (concret) den Gegenſtand (die Perſon od. 
Sache), zu welchem Jemand in dem bezeichneten Verhältniſſe ſteht (z. B. Lieb- 
ſchaft, Bekanntſchaſt f. geliebte, bekannte Perſon; Grafſchaft, Herrſchaft f. 
das Gebiet eines Grafen, Herren; Wiſſenſchaft, der Gegenſtand des Wiſſens); 
2) eine Geſammtheit od. ein Ganzes von mehren Perſonen einer Art, als 


620 | Schaft — Schafzagel 


Sammelnamen, wie: Mannjchaft, Bürgerfchaft, Dienerfchaft, Gefelichaft ꝛc.; 
feltner von Sachen, z. B. Barſchaft, Geräthfchaft, Brieffchaften, Dorf: 
ſchaft, Erbſchaft; verfchieden von der Nachſ. thum (f. d. u. vergl. Bürger- 
Ihaft, Judenſchaft, Priefterfchaft, Nitterfchaft ze. mit Bürgerthum, Suden- 
thum, Priefterthum, Ritterthum). Durch Anhängung der Nachſ. -er werden 
von einigen Wörtern auf ſchaft männl. Perfonennamen, durch Anhängung von 
lich Beiwörter gebildet (4. B. der Botfchafter, Geſellſchafter; freundfchaftlich, 
herrſchaftlich, Leidenfchaftlich 2c). 

Schaft 1. m.,-es, M. Schäfte, (altd. scaft, schaft, M. scefti, schefte; angelf. 
sceaft, engl. shaft; isländ. skapt, ſchwed. skap; niederd. Schacht, Schecht; 
vgl. d. lat. scapus, scipio; — von haben, d. i. glätten; (f. d. und val. 
Schacht), wie das griech. Evorov von Eder), Überh. ein langer u. verhält: 
nifsmäßig dünner, gerader, glatter Körper od. Körpertheil, zunächft von 
Holz, finnv. Stange, Ruthe, Stab; insbei. die Stange eines Spießes 
od. einer Lanze, ehem. auch der ganze Spieß; Forſtw. ein langer, gerader 
Baumſtamm; Pflanz. ein Erautartiger Stiel ohne Blätter; der gerade, glatte 
Theil einer Säule zwifchen Fuß u. Knauf: das lange Holz eines Schießge- 
wehres, welches: den Lauf einfafftz der Federkiel; der obere röhrenförmige 
Theil eines Stiefels; der gerade Theil’ einer Nadel zwifchen Kopf und Spitze; 
die Duchte eines Taucs heißen: Schäfte daher: ein zweis, drei- vier 
Thäftiges Tau); an Weberftühlen: die Stäbe an den Kämmen; Maur— 
ein fchmaler Theil einer Mauer zwifchen zwei Offnungenz alt u. landſch. auch: 
das männl. Zeugungsglied bei Menfchen u. großen Thieren; Jäg. auch der 
Geſchlechtstheil der Hündinnen u. Raubthiere (= Schakht?); —BTeg. das 
Schaftauge, Web: die Ringe od. Schleifen an den Schäften des. Webeftußles; 
der Schaftdrath, Nadl. Drath, woraus die Stedinadelfchäfte geſchnitten wer: 
den; ſchaftförmig, Bw:; das Schaftgefims, ‚das unterfte Gefims anıdem 
Säulenſchafte; der Schafthalm, 1) eine Wafferpflange: mit rauhem Halm, 
zum Blänken des Holzes und Metalles gebraucht, auch Schachtelävaut, Katzen⸗ 
zagel od. Kagenfchwang, Pferdefchwang 2c. (hippwis L.); 2) f. v. w. Schach— 
telhalm (ſ. d.), auch Schaftelhalm, Schaftheu; das Schaftholz, zu Ge— 
wehrfchäften taugliches Holz; der Schaftmodel (ſ. Model), Formbrett bei 
Nadlern,; u. bei Büchfenfchäftern; der Schaftfchneider, Nadl. wer die Schäfte 
zu den Stecknadeln fchneidetz — Ableit. fchäften, ziel. Zw. (alt und oberd. 
auch Schiften), mit einem Schafte oder-mit Schäften verfehen (ein Ge 
wehr, einen Spieß; gefchäftet, als Bw.; z. B. Forftw. ein gut gefchäftes 
ter Baum, d. i..der einen fchönen geraden Stamm hat; Jäg. ein wohl= od. 
lang gefchäfteter Sagdhund; d. i. der einen langen, ſchlanken Leib hat; Schiffs 
ein Schiff iſt auf 50 Kanonen gefchäftet, d. i. es führt 50 Kanonen): Jäg. 
eine zerfprungene Leine —, d. i. ohne Knoten wieder zufammenfügen; der 

Schäfter, -8, wer etwas ſchäftet, wer Schäfte macht (mur in: Büchfen- 
Thäfter); ſchäftig, Bw. (oberd. fchiftig), einen Schaft oder Schäfte 
habend, nur in Zfeg. wie langſchäftig (ſ. o. lang gefchäftet), zweis, drei— 
Ichäftig 2c. (1. o.). , 

Schaft 2. f., -e8, M. Schafte, landſch. f. Schaf, Schrank (ſ. Schaff 2). 

Schaftrieb, -trift, u. ſ. w. — Schafzunge, ſ. unter Schaf 1. 

Schafzagel, m. (d. i. wörtl. Schafſchwanz; verderbt aus Schachzabel 
. Schach), welches ſchon mittelh. in schafzabel übergeht), bair. f. das Müh— 
lenſpiel. 





— 


Schakal — Schale 621 


Schakal, m., -8, M. -e, (hebr. schachal, perf. schigala; ſanskr. crigala, 
der Schreier), der Goldwolf, ſ. d. 

Schafe, w., M.-n, 1) (auch Schofe, Schauke; angelf. scanca, sce- 
ancaz verw. * Schenkel; vergl. jedoch auch das niederd. ſchük, oberd. 
ſchiegk, isländ. skack f. ſchief, ſchräg; Schiegfuß ꝛc. f. Krummbeiniger), 
niederd. f. Bein, Schenkel, beſ. ein ungeſtaltetes Bein; 2) ein Glied od. 
Gelenk einer Kette (Schiff. Schakel); Nadl. eine Eleine Kette, deren Glie- 
der. an beiden Enden umgebogene Stücke Drath find, aud) die Sthafenkette; 
holftein. auch ein hufeifenförmig gebogener Holzklog, welcher dem Pferde auf 
der Weide um einen Vorderfuß befeftigt wird, damit es fich nicht verlaufe 
(Schakel, Schaden; das Schafenholz, Nadt. ein Holz mit zwei Stiften, 
mittelft deffen die Glieder einer Schafenkette verfertigt werden; das Schaf- 
werk, Schiffb. die Zufammenfügung der Stüce, woraus große Maften und 
Raben zufammengefest werden. 

Ihäfern, zieltof. 3m. m. haben, (miederd. auch ſcheikern u. fchachern, 
holl. schachen f. laut lachen; Grundbed. ſcheint: Lebhafte, ſpringende Bewe- 
gung, vgl. Schachen, angelf. scacan, engl. shake, fchütteln, erfchüttern), 
bef. in Niederd. üblich f. munter und laut feherzen od. tändeln, fich lär— 
mend beluftigen; der Schäfer, -$, die Schäferinn, M. -en, wer ſchä— 
£ert, gern fcherzt, auch f. Schalt, Schelm im milderen fcherzh. Sinne; die 
Schäkerei, das Schäkern; ein munterer Scherz; ſchäkerhaft, Bw., zum 
ns geneigt, einer Schäkerei Ahnlich, feherzhaftz die Schäkerhaf- 
tigkeit. 

ſchal, Bw., Comp. ſchaler, Sup. ſchalſt, (miederd. auch ſchalig; ſchwed. 
skaell; wahrſch. die Wurzel von ſchallen, alſo urfpr. ſchallend, hohl), kraft— 
(08 u. dadurch unfhmadhaft, zunächft von geiftigen Getränken (Wein, Bier), 
uneig. überh. f. kraft- u. geiftlos, finnv. matt, fade (ein fchaler Kopf; ein 
fchaler Ausdruck, Witz etc.); die Schalheit, das Schalſein, die Geiſtloſig— 
keit, Hohlheit. 

Schalaſter, m., -8, M. w. €. (auch Scholafter, Schulafter; verderbt 
aus dem altd. agalastra, oberd. Aglafter), Landich. gem. f. die Elfter (ſ. d.). 

Schälbe, w., M. -n, landſch. f. eine Kuh, die noch nicht gefalbet hat, 
Färfe, Kalbe. 

Schale, w., M. -n, Verkl. das Schälchen, (alth. scala, mittelh. schal, 
m., u. schale, w.; oberd. Schalen, u. Schel, Schelen, Schellen; nicderd. 
Schelle; isländ. skal, angelf. sceala, scyll; engl. shale, shell, Schale, Hülfe, 
u. scale, ital. scaglia, Schuppe; franz. écale, écaille; — wahrſch. von einem 
alten ablaut. Zw. scilan od. scelan, scal 2c. f. trennen, fpalten, vgl. ſchellen, 
zerfchellen , "Scholle; alfo urſpr. das Abgetrennte od. zu Trennende, Abzulö- 
fende; vgl. das angelf. scylan, isländ. skilia, trennen, unterfcheiden; niederd. 
ſchelen, getrennt, unterfchieden od. uneinig fein), 1) die Außere Bedeckung 
od. Bekleidung, der Überzug, zunächft von Früchten u. Gewächfen, u. zwar 
ſowohl eine weiche u. biegfame Bedeckung, finnv. Haut, Balg, Hülſe (3. 
B. Äpfel- Birnen-, Kartoffelſchalen zc.), als beſ. eine ‚harte, holzige (Nufs>, 
Mandelichale), entg. Kern; daher auch uneig. f. das Äußere, die Oberfläche, 
entg. dem inneren Gehalt; in weiterer befonderer Anwendung: die weichere 
Rinde der Pflanzen u. Bäume; die Ealkartige Bekleidung der Eier, Schneden, 
Mufcheln, Krebfe 2.5 die hornartige Bedeckung der Schildkröten; die 


622 Schale 


beinerne hohle Dede des Gehirns (Hienfchalez ſchwed. skalle, engl. 
scull); die hornartige Bekleidung der Fuße mancher Thiere mit gefpaltenen 
Klauen, z. B. der Hirfche, Schafe, Schweine, landſch. auch f. Huf (f. d.); 
die Bekleidung des Heftes an einem Meffer, fei fie von Horn, Bein zc. ob. 


Metall; die Dedel eines eingebundenen Buches; auch die Schalbleche - 


(j. u.) auf den Wagenachſen; bei Metallgießern: der Mantel (f. d.) einer 
Gießform; Schiff. die Wangen der Maften, auch die Seitenftüce eines zu- 
fammengefegten Maftes; überh. eine Bretterbekleivung oder -Einfaffung 
Cogl. u. Schalbrettz gorh. skalja, Ziegel); 2) ein abgetrenntes od. ge: 
Tpaltenes flaches Stud, und überh. ein flacher dünner Körper, finnv. 
Scheibe; z. B. oberd. getrocknete Apfelfchnitte Olpfel-Schelelein); Bergw. ein 
losgetrenntes flaches, dünnes Stück Erz (Erzfchald); Fleiſch. gewiffe Fleiſch— 


ſtücke von der Rindskeule (Ober- u. Unterfchale); 3) von der hohlrunden ° 


Form der Nuſs-, Mufchelfchalen ꝛc.: ein vertieftes wundliches Gefäß, deffen 
Höhlung eine Halbkugel od. auch einen flacheren Kugelabfchnitt darftellt (3. B. 
Wagfchale; in diefer Bed. auch -niederd. Schale); bei. ein folches Gefäß 


zu Speifen u. Getränken, ſinnv. Napf, Kumpf, Taffe (z. B. Obſt-, Zuder-, 


Suppen-, Punfch-, Kaffees, Trinkſchale; eine Schale od. ein Schälchen Thee, 
gew. Zaffe); auch das Getränk od. die flüffige Speife felbft in: Ealte Schate 
od. Kaltfchale, ſ. d.; eine Art Fahrzeuge auf der Oder; — 3fes. v. Schal 
u. Schalen: das Schalblech, ein eifernes Blech, womit die Achfen eines 
Rüftwagens befchlagen werden; das Schalbrett, das äußerfte der aus einem 
Baume od. runden Blode gefchnittenen Bretter, Schalftüd, Schaldiele 
(niederd. Schal od. Schelldele); auch Bretter zur Bekleidung eines mit Schie- 
fern 0d. Schindeln zu dedienden Daches; der Schalfifch, mit einer harten 
Schale bedeckte Fiſche, Beinfiich; fchalenfürmig, Bw.; das Schalgebirge, 
Bergw. eine Schicht in einem Flözgebirge; das Schalgewicht, ein Geiden- 
gewicht in Genua; das Schalholz, f. v. w. Schalbrettz bef. Holz zur Be- 
Kleidung eines Deiches, u. eines Schachtes; Bauk. ein mit Stroh umwideltes 
Holz, welches quer zwijchen zwei Balken eingefchoben wird; Forftw. f. ge: 
Ichältes, der Rinde beraubtes Holz; das Schalenmehl, Müll. das in den 
zermalmten Getreidehülfen od. der Kleie noch fißende Mehl, welches noch) 
herausgebeutelt wird; die Schalmufchel, eine einfchalige Mufchel mit napf- 
ähnlichem Gehäufe, Schüffelmufchel; das Schalobft, Obſt in Schalen; das 
Schalohr, ein zu weites fchalenförmiges Pferdeohr, u. ein Pferd mit folchen 
Ohren; der Schalenfchneider od. ſchröter, der Arbeiter, weicher die Schalen 
zu den Mefferheften fchneidet;z das Schalthier, ein mit einer harten Schale 
bekleidetes Thier (4. B. die Schildkröte); in engerer Bed. nur die Schneden u. 
Muscheln (fr. Konchylien)z; daher die Schalthierfunde od. -lehre (fr. Kon- 
. Gytiologie); die Schalwage, Wage mit Schalen, z. U. v. Schnell, Waffer- 
wage 20.5 das Schalwerf, ein ald Bekleidung dienendes Werk, bef. eine waffer- 
dichte Pfahl» od. Bretterwand; — Ableit. fehalig, Bw., eine Schale od. 
Schalen habend, bef. in Zſetz. wie di, dünnfchalig (gem. -fchälig), einz, 
zweifchalig (v. Schalthieven); fchalen, ziel. Zw., mit Schalen verfehen 
(Meffer); mit Brettern od. Bohlen bekleiden (das Ufer eines Deiches; Bau. 
ein Ständerwerk od. eine Balkenlage; auch befcdyalen, überfchalen); das 
Mw. gefchalt als Bw.: Zäg. ein Hirſch ift hoch gefchalt, wenn er hohe 
Schalen (f. d.) an den Läufen Hatz die Schalung, M. -en, die Bekleidung 











— — 


—— — 


ſchälen — Schalt 623 
mit einer Schale, bei. das gefeftete Ufer eines Deiches oder eines Fluffes 
(auch Schälung; une. Schaltung); — ſchälen 1., ziel. Zw. (altd. scelian, 
scheln; oberd. ſchelen, ſchellen; niederd. fchellen; ſchwed. skala, engl. scale), 
der Schale od. Ninde berauben, entkleiden, bef. fofern es durch Abzichen 
0d. Abfchneiden gefchieht (Äpfel, Birnen —; gefchältes Obſt; die Bäume fchä- 
len, d. i. die Rinde abziehen; Nüffe—, die innere Haut von dem Kerne ab- 
fondern; Eier ſchälen; iprichw. wie aus dem Ei geſchält, d. i. glänzend rein 
und fauber); Yandfch. ein urbar zu machendes Stüd Land—, d. i. die Ra- 
ſendecke mit ver Schälhade od. dem Schälpfluge abnehmen; rüdz. fih—, 
in Geftalt einer Schale fich «blöfen od. abfpringen (die Haut ſchält fich 2c.) 5 
3feg. v. fchälen: die Schälblafe od. blatter, Higblatter auf der Hautz der 
Schälgang, der Gang in einee Mühle, worin das zu Graupen beftimmte 
Getreide enthülfet wird, Graupengang; der Schälzahn, ein ſchadhafter Zahn, 
welcher ſich abſchält, bef. bei Pferden, auch: Blätter, Schieferzahn; Ableit. 
v. ſchälen: fehälbar, Bw., was fich fchälen Läfftz der Schäler, -8, wer 
ſchält; was fich fehält: bei Kammmachern die Hornftüce, welche entftehen, 
wenn die Schrote beim Auffchneiden fich von felbft in zwei Stücke theilen; die 
Schälung, das Schälen. 

ſchälen 2. ziellof. u. ziel. 3w. (— altd. [hellen f. fchallen, und fehallen 
machen, anfchlagen, erfchüttern) niederd. f. anfchlagen, non den Wellen, ſpü— 
len (der Strom ſchälet den Deich weg; ein Glas ausfchälen f. ausfpülen); 
plaudern, ſchwatzen (auch ſchölen; vgl. waschen); fehwanfen, fich rütteln; 
nachläffig od. fchlotterig (Sch älig) gekleidet gehen. 

Schalenmehl ꝛc., Schalfifch, -gebirge, - gewicht, f. unter Schale; 
Schäler, Schälgang, -hacke, f. ſchälen 1. unter Schale; — Schalheit, 
1. Schal. 

Schälhengft, m. (altd. scelo, schel), Zuchthengft, Beſchäler (. d.). 

Schalholz, ſchalig, ſ. unter Schale. 

Schalk 1., m., -e8, M. Schälke; weibl. (felten) die Schälfinn, M. 
-en, (goth. skalks, Knecht, wahrich. v. dem Zw. skal, altd. scal, ich Toll, 
muſs; altd. scalc, scalk; schalc, schalch; schelchin, Magd; isländ. skalkr, 
ſchwed. skalh, angelf. scealc; mitt. lat. scalcus; vgl. das ital. scalco, Haus- 
0d. Küchenmeifter), 1) urjpr. ein Knecht, Diener (fo noch in: Gottſchalk, 
Marſchalk, entftellt: Marſchall, ſ. d.); daher noch uneig. niederd. f. Stüße, 
Träger, Tragbalten; ſchwäb. f. Dreifuß, Pfannenknecht, Feuerhund (wat. 
Knecht); jeit dem Mittelh.: ein roher, gemeiner, hinterliftiger, boshafter, 
ſchadenfroher Menſch, argliftiger Betrüger, finnv. Bube, Schurke (altes 
Sprichw.: je größer Schalf, je größer Glück); jest gew. in milderem Sinne: 
ein fchlauer, Liftiger, durchtriebener Menfch, bef. wer im Scherz bei an- 
fcheinender Unschuld Andere täufcht, ihnen muthwillige Streiche fpielt, finnv. 
Schelm (gew. Schalk für beide Gefchl.; z. B. er od. fie ift ein Schalk; den 
Schalt im Naden, oder hinter den Ohren haben, d. i. gegen allen äußeren 
Schein ein Schalt fein); uneig. was durch fein Außeres täufcht, z. B. eine 
weiße Kalkerde, welche von Unkundigen leicht für Salpetererde gehalten wird; 
landſch. Kohtftöce von gutem Wuchs, aber ohne Herz (SchalktohN; 2) oberd. 
fe Verftellung, Schein (etwas auf den Schalt thun); ſchalk, Bw., alt und 
niederd. f. argliftig, ränkevollz ſchalkhaft, ſchelmiſch; — 3ſetz. das 
Schalksauge, ein argliſtiges, ob. ſchalkhaftes Auge; wer folche Augen hat; 


624 Schalt — Schall ! 
fhalfsaugig, Bw.; der Schalfsdedel, ſcherzh. f. Hut od. Müse, als Kopf— 
bededung des Schalfs; der Schalfsfnecht, bibt. argliftiger Knecht, Menſch; 
der Schalksnarr, wer ſich aus Lift als ein Narr ſtellt u. ald Narren gebrau- 
chen Läfft; der Schalksrath, bibl. ein betrügerifcher, argliftiger Rath; der _ 
Schalksſinn; fchalfsfinnig, Bw.; — Abteit. fchalfen 1., ziellof. Zw., 
vlt. f. ein Schalk fein, betrügen, hintergehen; ſchalkhaft od. ſchalkiſch, 
Bw., einem Schalke Ähnlich oder angemeffen, Schaltsfinn verrathend, 
finnv. ſchelmiſch, muthwillig; die Schalkhaftigkeit, das Schalkhaftfein; 
die Schalfheit (altd. schalkeit), 1) o. M. der Zuftand, die Eigenfchaft 
des Schalkes, finnv. Argliſt, Schlauheit, Leichtfertigkeit; 2) M. -en, 
die Handlung eines Schalts, ein Schalfsftreich (in allen Schalfheiten er— 
fahren 2c.): fchalflih, Bw., vlt. f. Enechtifch, argliftig, ſchadenfroh, 
ſchalkhaft. — 

Schalk 2., m., —es (vgl. das niederd. Schele, ſchelen), vlt. f. Zank, 
Streit; ſchalken 2., Zw. f. zanken, ſtreiten. 

Schalk 3., m., -e8, M. Schälke; Verkl. dag Schälklein, gem. das 
Schalkel, (wahrſch. entft. aus Schal-ic von Schale f. Hülle, Bedeckung), 
oberd. f. Kamifol, Fade, Wamms, Leibchen ohne Armel. 

fchalfen 3. od. ſchälken, ziel. Zw. (das verft. ſchälen; oder entft. aus 
ichalten f. fpalten?), niederd. einen Baum—, die Rinde abhauen u. ihn 
flach behauenz oberd. in Scheite hauen; fih—, in Scheite zerfpringen; 
Schiffb. Nägel einfchlagen, nageln (zuſchalkem. 

ſchalkhaft, ſchalkiſch, Schalfheit, Schalksauge zc. |. Schalt 1. 

Schall, m., -s, M. Schälle (attd. scal, schal, ©. schalles; ſchwed. 
skall), jede durch die Ohren wahrgenommene Luftfchwingung, der allge- 
meinfte Ausdruck für alles Hörbare, vgl. Hall G. B. der Schall der menſch— 
lichen Rede), bef. wenn das Gehör dadurch ftark erregt wird (der Schall der 
Trommeln, Trompeten 2c.); in beftimmterer Bed. ein dumpfer, nicht metal- 
lifcher, unbeftimmter und unbedeutfamer Schall, verfdh. Kiang, Ton, 
Laut (ein leerer Schall 2c.); chem. be. f. Lärm, Geräufch; lauter Subel; 
Zank; — fchallen, ziellof. Zw. m. haben (altd. scellan, schellen; Präf. scillu, 
schille; Prät. scal, schal, M. schullen; Mw. scollan, geschollen; urfpr. 
wahrſch. ſich fpalten, berften, zerfpringen (vgl. das isländ. skella, f. quati; 
ſ. auch Schale u. fchellen), dann erfchallen 2e.; daneben fchon mittelh. schallen, - 
schallete f. Lärm machen, laut fein; angelf. scellan, fchwed. skalla), ablaut. 
u. gew. fchwach umend. du fchaltft, er ſchallt (noch im älteren Oberd. fehillt); 
Smpf. ſcholl u. fhallte, Conj. ſchölle u. ſchallete; Mw. gefchollen und ges 
ſchallt; einen Schall, bef. einen lauten, von fich geben, laut werden, finnv. 
erfchalfen, ertönen (die Pofaune wird fchallen; ein jchallendes Gelächter 2c.); 
unp. e8 ſchallt, z. B. in diefem Saale zc., d. i. man vernimmt einen 
dumpfen Nachhall oder Wiederfchall; Jäg. f. einen Laut hervorbringen 
(ein Thier ſchallet); altd. f. lärmen; fingen, Mufit machen; oberd. f. aus— 
plaudern; — 3fe$. v. Schall u. ſchallen: der Schallboden, der den Schall 
verftärkt zurücgebende Boden eines Tonwerkzeuges, Rlangboden; die Schall- 
ente, ſ. v. w. Quakente; Löffelente;s das Schallhorn, chem. f. Pofaunez 
Schalmeie; Jäg. f. das Schallſtück, d. i. das weite Vorderftüd an Hörnern, 
Trompeten 2c., aus welchem der Schall kommt; das Schallloch, ein Loch, 
durch welches ein Schalt feinen Ausgang hat, z. B. in Glockenthürmen, in dem 








Schalm — fhaltn 63 


Schallboden von Zonwerkzeugen; das Schallrohr, Sprachrohr; röhrenför- 
miges Tonwerkzeug; das Schallwort, ein Wort, welches einen Schalt nach— 
ahmt (3. B. braufen, lispeln zc.). 

Schalm, m., -e8, M. -e (von scilan, scelan, trennen, ſpalten; vgl. 
Scale), landſch. ein abgefonderter Theil bef. eines Waldes od. einer Weide; 
Schiff. ein Glied einer Kette; aud Hölzer od. Keiften, welche das Ein- 
dringen des Waffers abzuhalten dienen (Schalmen); fchalmen, ziel. Zw., 
landfch. einen Baum —, die Schale od. Ninde theilweife abbauen, um 
ihn zu zeichnen (ab-, anfchalmen); Forſtw. überh. f. zeichnen und da- 
durch abtheilen; Schiff. mit Schalmen (f. 0.) verfehen. 

Schalmei od. Schalmeie, w., M. -en (altd. scalmida, schalmie, w., 
u. schalemin, f.; ſchwed. skalmeja, engl. shalm; vom franz. chalumeau, u. 
dieſes v. lat. calamus, Halm, Rohr), die Mohrpfeife der Hirten, Schäfer— 
pfeife; ein hölzernes Blaſe-Inſtrument mit Löchern u. Klappen (ähnlich 
dem Hautbois); auch die Pfeife an einem Dudelſack; der Schalmeibläfer 
od. pfeiferz dev Schalmeienflang: das Schalmeienrohr, das zahme od. 
fpanifche Rohr; fchalmeien, Zw., felten f..die Schalmei blafen. 

fchalmeufeln (vielleicht aus fchelm = äugeln entft.) od. ſcharmünkeln, ziellof. 
Zw. fchwäb. f. fehalkhaft blicken, fehielen, liebaugeln. 

Schalmufchel, »obft, -ohr, f. unter Schale. 

Schalotte, w., M. -n, (franz. échalotte, engl. shalot, scallion, ital. 
sealogno; lat. cepa ascalonia, von der Stadt Askalon in Paläftina benannt, 
woher fie nach Europa gekommen), eine Art Lauch mit Eleinen vöthlichen 
Zwiebeln, Aſch- od. Eſchlauch; die Schalottenblume, gemeine Küchen- 
helle; das Sthalottengras, Lauch- od. Zwiebelgras. 

ſchalten, ziel. u. gew. ziellof. Zw. m. haben (altd. scaltan, schalten, ab- 
laut. schielt, geschalten; jest bloß umend. fchaltete, geichaltet) 1) uripr. 
fpalten, fcheiden, durchfchneiden (v. dem alten scelan, scal ze. f. Schale, 
fchallen , jchellen), daher noch oberd. Holz — (vgl. ſchalken); dev Pflug mufs 
die Erde aus einander Schalten; das Schiff fchaltet (f. ducchfchneidet) den Strom; 
daher auch: einschalten, d. i. zwifchen die getrennten Theile eines Dinges 
einfügen (ſ. u. Schaltjahr, =tag 2c.); ehem. Semand von fich od. von einer 
Sache —, trennen, entfernen, ausſchließen; ziellos: davon ſchalten f. fort 
gehen; 2) ehem. ein Schiff —, mit der Schalte (j. u.) od. Schaltftange 
fortſtoßen, fchieben, lenken, fteuern; daher 3) jest: mit einer Perfon 
od. Sache —, darüber gebieten, herrfchen, fie verwalten, damit nach Gut- 
dünfen umgehen, darüber nach Willkür verfügen, fei es zu ihrer Erhal-, 
tung u. Verbefferung, od. zu ihrem Nachtheile, verfch. walten (mit einem 
nach Belieben Schalten; einen fchalten und walten laffen); die Schalte, M. 
-n, oberd. 1) ein flaches, dünnes Holzfcheit, als Werkholz der Bötticher 2c. ; 
2) eine Stange zum Fortſtoßen u. Lenken des Fahrzeuges, zum Meffen der 
Waffertiefe zc., auh Schaltbaum, Schaltftange (altd. scalta, schalte, 
schaltstange); der od. das Schältich (gem. Scheich, Scheich), oberd. f. 
Kahn, Nachen, Flufsfahrzeug; der Schalter, -8, wer ſchaltet, der Len- 
fer, Landich. f. Steuermann; 2) (auch Schälter, Schältel, Schältchen; 
eig. wohl Spalte, Öffnung), oberd. f. Schieber, Thürchen vor einer Wand- 
Öffnung; Schublade; Riegel; — Z3ſetz. v. fchalten: der Schaltbuchftabe, 
ein zwifchen die Beftandtheile eines Wortes eingefchalterer Buchſtabe (3. B. 


Heyſes Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil, 40 


626 Schalthier — Scham 


das t in Öffentlich, wefentlich; das s in Geburtstag ꝛc.); der Schaltfürft, 
-fünig, -pfarrer u. dgl., oberd. f. ftellvertretender Fürft ec. (fr. Vice-König 2e.); 
das Schaltjahr, 1) ein in eine Reihe mehrer Jahre eingefchaltetes Jahr; 
2) gew. ein Jahr, in welchem ein Schalttag Hinzugefügt ift, To dafs der 
Februar 29 ftatt 28, und das ganze Jahr 366 Tage hatz der Schaltmonat, 
ein Monat, welcher in einem Mondenjahre zu den gewöhnlichen 12 Monaten 
noch hinzugefügt wird; der Schaltfaß, ein in einen andern eingefchobener 
Satz (fr. Parenthefe). 

Schalthier, Schalung, Schalwage, -weide, = werk, |. unter Schale. 

Schaluppe, Landfch. auch Schlupe, w., M. -n, Genes zunächſt vom 
franz. chaloupe, engl. shallop; aber urfpr. deutſch: niederd. Slup, ©lupe, 
bull. sloep, vom niederd. ſlupen —ſchlüpfen), «ein leichtes, ſchmal gebautes, 
fehnell gehendes Nuderfahrzeug zum Dienft bei größeren Schiffen. 

Scham, w., 0. M. (altd. scama, schame, scham u. schem; ſchwed. und 
din. skam, angel. scame, sceame, engl. shame; wahrſch. von einem alten 
ablaut. 3w. sciman, schemen, scham ze. f. entblößen, fichtbar werden, erfchei- 
nen, vgl. das altd. scimo, schim, scheme f. Schein, Schemen; auch Tchim- 
mern, u. die oberd. die Scham-Lem, Scham-Wunde f. entftellende Läh— 
mung, Wunde; alfo uripr. Blöße, dann das Gefühl oder Bewufltjein der 
Blöße), die nur, dem Menfchen eigene Empfindung der Scheu, feine Blöße 
od. Unvollkommenheit Anderen fichtbar werden zu laffen, überh. die 
Scheu vor allem Unanftändigen, Ungeziemenden, zur Unehre Gerei- 
chenden (Scham fühlen, empfinden; vor Scham erröthenz eine falſche Scham, 
3. B. bei unverfchuldeter Armuth); auch die Fähigkeit od. Geneigtheit, diefe 
Scheu zu empfinden, ſinnv. Schambhaftigkeit, Züchtigkeit (weder Scham, 
noch Scheu habend); chem. auch das, worüber man Scham empfindet, 
ſinnv. Schande, Schimpf; jest insbef. f. die Geſchlechts- od. Zeugungs- 
theile beider Gefchlechter, auch Schamglieder od. =theile (die männliche Scham, 
gew. das männliche Glied; bef. die weibliche Scham); Anat. def. der Theil 
des Unterleibes unmittelbar über den Gefchlechtstheiten; — ſchämen, rückz. 
Zw. (goth. sik skaman, altd. sih scamen, schamen u. schemen; angelj. scea- 
man, engl. shame), fih—, Scham empfinden, finnv. fich ſcheuen, er- 
röthen (fich vor Jemand, über etwas—; ich ſchäme mich, es zu thun, zu fagen 20.5 


auch mit dem Gen. der Sache: fich deffen—, 3. B. fchäme dich deiner Armuth 


nicht); in weiterer Bed. etwas für fchimpflich, mir zur Schande gereichend, 


meiner unwürdig halten (ich ſchäme mich meiner Arbeit nicht; ich mufs mid, 


deiner ſchämen 2c.); — 3fes. von Scham: das Schamband, Anat. die Fort- 
fegung der gegen das Mitrelfleifch fich verlierenden Hervorragung der Scham: 
lefzen; das Schambein, Anat. der Heine Theil des Hüftbeins, welcher die 
. Scham (im anatom. Sinne, f. 0.) bildet; die Schamdrüfe, Anat. Eleine Drü- 
fen in den weibl. Gefchlechtstheilen; fehamerregend, Bw.; das Schamer- 
röthen; das Schameuter, Euter der Säugethiere, wenn fie ſich in der Lei— 
ftengegend befinden; das Schamgefühl; die Schamgegend, Gegend ber 
Sefchlechtstgeite; der Schamhügel, Anat. der unterfte Theil der Schamge— 
gend (lat. mons Veneris); das Schamkraut, landſch. f. ſtinkende Melde, 
Hundsmelde; die Schamlefze od. -lippe, die Lefzen (1. d.) an der weiblichen 
Scham; die Schamleifte, der Theil zwifchen dem Zeugungsgliede und dem 
After, Damm, Mittelfleiſch; ſchamlos, Bw., des Schamgefühts völig er: 














Schämel — Schande 627 


mangelnd,, finnv. unverfchämt, frech (ein fchamlofer Menfch); mangelndes 
‚Schamgefühl verrathend (ſchamloſe Worte, Geberden ꝛc.); daher die Scham- 
lofigfeit, das Schamlosfein; auch eine fchamlofe Handlung od. Äußerung; 
die Schampflange, f. v. w. Sinnpflanze; die Schamriße, Anat. die Rise 
der weiblichen Scham; ſchamroth, Bw., vor Scham erröthend (ſchamroth 
werden, einen ſchamroth machen, z. B. durch ein ertheiltes Lob); die Scham- 
röthe, die von dem Gefühl der Scham herrührende augenblicliche Röthe im 
Geſicht; die Schamfeite, die Gegend des Unterleibes zu beiden Geiten der 
Scham, die Leiften, auch) dee Schambug; die Schamtheile, ſ. o.; das 
Schamzünglein, die weibliche Ruthe (f. d.); — Ableit. fhambar, Bw., 
(gem. auch ſchampar, fchamper) oberd. 1) f. verfchämt, ſchamhaft; 2) 
Scham erwedend, unzüchtig (in diefer Bed. fließt es mit ſchandbar, oberd. 
fchampar, zufammen; fchampare Reden ze. ; daher: das Schamperlied, gem. 
oberd. f. ein unfittliches, fchamtofes, freches Lied); ſchamhaft, Bw. (un- 
nöthig verlängert: Schamhaftig), lebhaftes Schamgefühl habend, jeder 
UnfittlichEeit widerfirebend, finnv. züchtig, keuſch; die Schamhaftigkeit, 
das Schamhaftfein, die Züchtigkeit; fchämig, Bw. (altd. schemec; oberd. 
auch geſchämig, niederd. fchämerig), Landich. f. verſchämt; fehamhaft; 
ſchämlich, Bw. (altd. schamelich u. schemelich; niederd. ſchamlig), alt u. 
Landfch. 1) f. verfchämt, fhamhaft; 2) was Scham erwedt, Schande 
bringend, fchimpflich, ſchmachvoll; altoberd. auch f. fchadhaft, krank, ver- 
früppelt (eine fchemtiche Kuh 2e.). 

Schämel od. Schemel, m., -8, M. w. E., Verkl. das Schämelchen 
(altd. scamal, schamel, u. scamilo, schemele; oberd. auch Schamel, landſch. 
gem. Schemmel; angelſ. scamol, scamul; vom lat. scamnum, scabellum), 
ein: Bänkchen od. Kleines niedriges Geftell ohne Lehne, die Füße darauf zu 
ftelen (Fußfhämen, oder auch darauf zu fisen; in weiterer Anwendung 
ein dem Ahnliches Gerüſt od. Geftell, worauf etwas vuhet, z. B. in Säge— 
mühlen das Geftell, auf welchem der Sägeblod Liegt (ReitfhämeN; beweg- 
liche Zritte am Webeftuhle; Bergw. das Holz an einem Pferdegöpel, auf wel 
chem der Treibefnecht ſitzt; Krfpr. der an einen Mörfer angegoffene Fuß; 
auch ein fchmaler Gang an der inneren Seite der Bruftwehr eines Walles; 
vergl. auch Lenkfchämel, Rungfhämel; oberd. f. ein Klumpen, Stüd 
(3. 8. ein Eisfchämel); Zfes. das Schämelbein, Bein eines Schämels; 
das Schämeleifen, an Webeftühlen die Eifen, in welchen ſich die Schämel 
od. Tritte bewegen; der Schämelmörfer, mit einem angegoffenen Fuße ver: 
fehener Mörfer, Fußmörſer. 

ſchämen, Schameuter zc., fchamhaft — ſchamlos, f. unter Scham. 

Schamper, m., -8, M. w. E., gem. verkl. das Schamper! (wahrſch. 
v. dem altd. scemman, ſchwed. skämma, abfürzen, ftugen, fchwed. skam, kurz; 
vgl. daß ital. scemare, verringern, scampolo, ein abgefchnittenes Stück, Reft), 
öftreich. f. ein Eurzes DOberkleid mit Armeln, Wamms. 

Schamperlied, ſ. Shambar unter Scham; Schampflanze, ſchamroth ıc. 
— Schamzünglein, f. unter Scham. 

Schande 1., w., M.-n, jedoch nur nad) zu u. mit gebr., (goth. skanda, 
altd. scanta, scanda, schande; angel. sceonde; von dem ablaut. Sw. scindan, 
‚schinden, Prät. schant zc., ſchin den, die Haut aufreißen, abziehen), urſpr. 
körperliche Verlegung, Befhädigung, Verunftaltung Gaher noch gem.: 


40* 


628 Schande 


etwas zu Schanden machen, d. i. verunſtalten, verderben; ſich zu Schanden 
arbeiten‘, einen zu Schanden prügeln, ein Pferd zu Schanden reiten; ſchon 
altd. ze scanton, ze schanden, ‚als Mehrh.); gew. fittliche Verlegung oder 
Befhädigung, Ehrenkränkung, hoher Grad von Unehre, finnv. Schmad), 
Schimpf (Schande von etwas haben; es bringt od. macht ihm Schande, ge- 
reicht ihm zur Schande; mit Schande od. mit Schanden beftehen; zu Schan- 
den werden, d. i. in Schande gerathen, fi) Schande zuziehen; einen zu 
Schanden machen, d.i. ihn einer Handlung 2c. überführen, die ihm Schande 
macht, ihn in hohem Grade befchämen; oft in Verbindung mit Schimpf u. 
mit Spott: mit Schimpf und Schande; Schande und Spott dulden zc.): 
was Unehre bringt, fihändliche That, Schandthat (z. B. es ift eine 
Schande! ſprichw. der Horcher an der Wand hört feine eigne Schand'; vgl. 
auch Blutfchande); auch die Scheu vor Unehre, jinnv. Scham (weder 
Scham, noch Schande haben); ehem. auch f. Scham, Schamtheile, Blöße; 
— 3fes. der Schandbalg, niedr. f. ein in Schande erzeugtes Kind (vgl. 
Balg); auch Schimpfw. f. eine lafterhafte weibliche Perfon; der Schand- 
bube, gem. f. ſchändlicher, Lafterhafter Menfch ; die Schandbühne, der Pran- 
ger, ſ. d.; der Schanddedel, gem. was die Schande od. Blöße bedeckt; 
niedr. f. der Hut; der Schandfled, eig. ein verunftaltender Schmusfled; 
gew. in fittlichem Verſtande f. eine Eigenfchaft, Handlung, Sache od. Perfon, 
die einem Schande macht (z. B. das ift ein Schandfledt in feinem Gemüthe, 
in feinem Leben ꝛc.; er ift ein Schandflec feiner Familie); das Schandgebot, 
gem. f. ein unverhältnifsmäßig niedriges Gebot; das Schandgedicht, = ge- 
mälde, die Schandgefchichte, ein Gedicht, Gemälde zc., welches zu Je— 
mands Schande gemacht ift, od. ſchändliche, abfcheuliche Gegenftände enthält; 
das Schandgeld, durch ſchändliche Mittel erworbenes Geld; gem. auch unver: 
pältnifsmäßig geringes Geld; die Schandglode, landſch. die Glocke, welche bei 
der Randesverweifung eines Verbrechers geläutet wird; der Schandfauf, gem. 
ein Kauf für unverhältnifsmäßig niedrigen Preis; das Schandleben, höchſt 
laſterhaftes Leben; das Schandlied, ein Lied, das Jemands Schande verkün- 
det, od. fchändliche Dinge enthält; das Schandmaal, ein zu öffentlicher Be- 
ſchimpfung gemachtes Maal, 3. B. ein Brandmaal; das Schandmaul, gem.f- 
ein fchändliches, fchimpfendes, Läfterndes Maul (ein Schandmaul haben); auch 
eine forche Perfon; der Schandpfahl, od. die Schandfäule, f. v. w. Pran- 
ger; des Schandfad, niedr. eine höchſt unzüchtige weibl. Perfon; die 
Schandfchrift, eine fchändliche, ihrem Verfaſſer Schande machende Schrift; 
auch eine Schrift, welche Andere beſchimpft, Schmähfchrift: der Schand- 
ftein, ehem. Steine, welche gewiffe Verbrecher zur öffentlichen Schande eine 
Strecke weit tragen mufften, afterfteine; auch f. Pranger; die Schandthat, 
- eine ſchändliche That, ein abfcheuliches Verbrechen; das Schandwort, ein 
häfstiches, den Sprechenden fchändendes Wort; ein befchimpfendes, ehrenrüh— 
riges Wort (fr. Injurie)j; — Ableit. fchandbar, Bw. (gem. oberd. ſcham— 
parz vgl. fchambar unter Scham), Schande bringend, zur Schande gerei- 
hend; ſchändlich, lafterhaft; die Schandbarkeit, das Schandbarfein: 
jchändlich, Bw., (altd. schantlich, schandelich), eig. al8 Schande erfchei- 
nend, die Art u. Geftalt der Schande habend; daher gem. f. Außerlich ver- 
unftaltet, häſslich (ſchändlich ausfehen; ein fchändliches Geficht u. dgl.); 
gew, in fittl. Verftande: Schande an fich tragend, mit Schande verbun- 





ö 


Schande — Schanze 629 


den, Schande bringend, finnv. fhimpflich, abfcheulich, Lafterhaft (ein ſchänd— 
licher Menſch; ein fchändliches Betragen; fchändlich handeln, Leben 2c.); insbef. 
höchſt unanftändig, unehrbar, unzüchtig Ahändliche Reden führen 2c.); die 
Schändlichkeit, das Schändlichfein; eine fhändliche Handlung od. Auße- 
rung (M. Schändlichkeiten); — ſchänden, ziel. Zw. (altd. scautian, scendan, 
schenden, Prät. schante), überh. einer Perfon od. Sache Schande anthun 
od. zufügen; daher insbef. Eörperlich verlegen, befchädigen, verunftalten, - 
verftiimmeln, entftellen (z. B. oberd. einen Baum ſchänden; der Verluft 
der Nafe fchändet das Geficht); fittlic) verlegen, od. befehädigen, der Ehre 
berauben, entehren (bef. eine weibliche Perfon —, fie der jungfräulichen Ehre 
berauben, ſchwächen; daher: ein gefchänderes Mädchen; eine Gefchändete; 
Knaben—, d. i. zuc Befriedigung der Wolluft mifsbrauchen); entweihen, ent= 
heiligen (den Sabbath, die Gefepe); befchimpfen, fhmähen, Schande brin- 
gen (Semands guten Namen—; bibl. wenn mich mein Feind fchändete; der 
Gottloſe ſchändet fich felbft 2e.); oberd. auch in milderem Sinne f. fhelten (der 
Vater hat mich gefchändet, ausgefchändet 2c.; in diefen Bed. gem. auch ſchan— 
diren od. Shändiren), u. fcherzh. f. nennen, betiteln (z. B. er läſſt ſich 
einen gnädigen Herrn ſchänden, vgl. fchelten); der Schänder, -8, wer ſchän— 
det, bef. wer eine weibl. Perfon entehrt, u. in Zfeg. wie Ehren-, Sabbaths>, 
Knabenfhänder; bibl. f. Verleumder; die Schändung, das Schänden, 
bef. die Entehrung od. Schwächung einer weibl. Perfon. 

Schande 2. w., M. -n, (wahrſch. von gleicher Abkunft mit Schande 1., 
näml. von ſchinden, ſ. d. u. vgl. Schinde, Schindel, u. das altd. u. ſchwed. 
skinn, -engl. skin, dän. skind, f. Haut), Landich. f. Bedeckung, Bekleidung, 
Band, in verfchiedenen befonderen Anwendungen: in den Salzwerken zu Halle 


ein rundes Stück Haartuch od. Filz, welches die Arbeiter vor die Bruft legen ; 





niederd. ein Lappen, welchen die Schneider um den Griff des heißen Bügel- 
eifens wiceln; auch ein ausgejchnittenes Holz, welches um den Nacken gelegt 
wird, um Eimer u. dgl. daran zu tragen (auch) Schanne); fehle). das Trag— 
band, welches man über die Schultern hängt, um etwas daran zu tragen; auch 
ein an der Senfe befeftigtes Band, um das Tragen derfelben zu erleichtern; 
der Schanddedel od. das Schanddeck, Schiffb. die den Schiffsbord be- 
dedtende u. das Eindringen des See: u. Regenwaflers verhindernde Planke; — 
Schande 3. w., oberd. f. —A— Kothſchlund (gew. Schundgrube, 
fr. Cloake). 

Schank 1., m., -e8, o. 2. (von ſchenken, ſ. d.), oberd. das Ausfchen- 
£en von Getränken, u. der Ort, wo es gefchieht oder die Schenke (ein 
Wein-;, Bierfchant 2e.); in weiterer Bed. der Verkauf gewiffer Wanren im 
Kleinen (4. B. Salzichant). 

Schank 2. m., -8, M. Schänke, oberd. f. Schrank (vieleicht urfpr. 
zu Getränken u. Trinkgeſchirren; vgl. Schenke). 

Schanze l. w., M. -n, (oberd. Schanz; ſchwed. skaus, engl. sconce, holl. 
schans, poln. szanc; etwa vom ital. scansare, ausweichen, abwehren, vetten?), 
ein erhöhetes Befeſtigungswerk zu Schutz und Sicherheit (Feldſchanze; Erd— 
ſchanze, d. i. von Erde aufgeworfene Schanze; Schanzen graben); landſch. 
überh. f. Wall; auch f. Reisbündel, Schanzkorb u. überh. geflochtener 
Weidenkorb; Schiff. das auf dem oberen Deck befindliche Stockwerk, welches 
ſich vom Spiegel bis zum großen Maſt erſtreckt, u. wo leichte Kanonen ſtehen; 


630 Schanze — Schapf 


oberd. auch f. Stellbrett, Geftell (ital. scancia, scansia); Magenftange 


zu beiden Geiten eines Laftwagens zum Fefthalten der Laften (daher der’ 


Schanzmwagen, oberd. f. Laftwagen der Fuhrleute, Brauer 2c.); ſchanzen 1. 
ziellof. Zw., Schanzen machen, Erdwälle aufwerfen; uneig. überh. ſchwere 
Arbeit verrichten; der Schanzer, -$, wer fhanzt, Schanzgräber, Schanz- 
arbeiter; — 3fes. von Schanze und fehanzen: die Schanzarbeit; das 
Schanzgeräth od. Schanzzeug, alles zum Schanzen nöthige Geräth; der 
Schanzkäſe, fränt. fchlechter Käfe, der in Körben (Schanzen, f. o) zum 
Berkauf gebracht wird; das Schanzkleid, Schiff. ein leinenes Tuch, welches 
die Äußere Seite der Regelingsftügen 2c. bekleidet; der Schanzkorb, ein Hoher 
u. mit Erde gefüllter, geflochtener Korb, die Soldaten und Arbeiter im Kriege 
gegen das grobe Geſchütz des Feindes zu decken; niederd. ähnliche Körbe, wo— 
mit man einen Deichbruch ausfüllt; der Schanzläufer, Schiff. ein kurzer, 
weiter, vorn offener, mantelähnlicher Oberroct (niederd. Schangloper); auch 
eine Art Leichter Frauenkleider, einem Ärmelmantel od. Überrod ähnlich; der 
Schanzpfahl, ftarke Pfähle zu Verfehanzungen (fr. Paliffade); das Schanz- 
werf, mit Schanzen verfehenes Feftungswerk. 

Schanze 2. w., M. ungebr. (mittelyd. schanze, oberd. die Schang, nie- 
derd. Kans, Kanße; franz. chance, chem. cheance, v. cheoir, fallen; engl. 
chance; ital. cadenza, mittl. lat. cadentia vom lat. cadere), vlt. eig. der Fall, 
insbe. der Fall der Würfel, Würfelwurfz der Einfag beim Spiel; das 
Mürfelfpiel, überh. jedes Gllüücksſpiel oder Wagfpiel u. deffen Ausfall; 
uneig. jedes gewwagte Unternehmen, Wagnifs, u. deffen Ausfall, Gefahr 
u. Glücks- od. Unglücksfall, Wechfelfaltz Zufall, Begegnifs, Abenteuer; 
Bortheil, (daher die noch gebr. Redensart: etwas in die Schanze fchlagen, 
d. i. aufs Spiel ſetzen, auf gut Glüd daran wagen; u. die vlt.: die Schanze 
fchlagen, d. t. die Würfel od. das Loos werfen; feine Schanze bewahren, d. i. 
ſich nicht ins Spiel fehen Yaffen, auf feiner Hut fein; die Schanze verfehen, 
d. 1. das Spiel vernachläſſigen, uneig. fich hintergehen laſſen; auf feine Schanze 
fehen, d. i. feinen Vortheil wahrnehmen; — daher auch das zgef. Mummen: 
ſchanz, 1. d., oder Mummfchanz, d. i. eig. Würfelipiel Vermummter 
(Mummſchanz fehlagen), dann -überh. Maskenfpiel, =tanz); fhanzen 2. 
ziellof. Zw., wit. f. mit Würfeln fpielen, überh. Glücksſpiele fpielen (daher 
chem. etwas erfchangen, d. i. im Spiele gewinnen; einem etwas abfchan- 
zen, f. abgewinnen; — zufchanzen, f. d.). 

Schapel, f. u. m., -8, M. w. E. (oberd. auch das Schappel; vom 
franz. chapeau, chapelet), alt. u. oberd. ein Kranz od. eine mit Gold durch— 
flochtene Haarbinde, bef. als jungfräulicher Kopfputz; aud) f. Roſenkranz 
(Paternofter). \ 

Schapelfchnabel od. Schabbelfchnabel, m. (wahrfh. f. Säbelfchnabel; 
vgl. Schabel), Yandfch. eine Art Waſſervögel, Patſchfüße mit fichelförmig 
gekrümmtem Schnabel. 

Schapen, m., -$, niederd. f. Pfanne, flacher Tiegel. 

Schaper, Schapran, mi., -8, (altd. schaprün, schapperäu, franz. 
chaperon), oberd. ein Theil der Mönchskleidung, welcher Bruft und Rüden 
theilweife bedeckt. ⸗ 

Schapf od. Schapfen, m., od. Schapfe, w., (f. Schaff), oberd. ein 
hölzernes Schöpfgefäß; — Schapp, ſ., nisderd. f. Schaff 9, Schrank. 


— — 





Schappelee — fiharben 631 


Schappeler, Schappler, auch Scheppler, f., -$ (v. dem mittl. lat. 
scapulare), oberd. f. das Schulterkleid (gew. Scapulier) der Eathol. Ordens: 
geiftlichen. 

Schar 1. w., M.-en, Abtheilung, Haufen ıc., |. Schaar. 

“ Schar 2. w., M.-en, (altd. scar, scaro, schar, von scerau, scheren, 
Prät. schar ze. fch.eren, ſchneiden; angel. scär, ſchwed. scära, Sichel; val. 
Schere), ein Schneidewerkzeug, gew. nur das fehneidende Eifen am Pfluge: 
die Pflugſchar (f. d.) Hakenſchar; landſch. ein die Erde gleich]. durchſchnei— 
dendes Thier: der Maulwurf (auch Schär, Schärmaus); Bergw. der 
Einſchnitt an einem Schacht od. Trageſtempel; landſch. auch das abgeſchnit— 
tene od. noch zu ſchneidende Getreide, die Ernte eines Jahres; Zſetz. 
die Scharkramme od.-krampe, Krampe am Pfluge, woran die Pflugſchar 
befeftigt ift; der Schar-Niegel, ein Stücchen Eifen am Pfluge, welches in 
den Bolzen geftect wird, um die Schar zu halten; das Scharfachs, oder 
«fach (altd. scarasahs, schersahs; vgl. Sachs), alt u. oberd. f. Schermefler; 
der Scharftod, auf Flufsichiffen: rund ausgefchnittene Hölzer, welche den 
Maft unten umgeben; die Scharwage, Feftungsb. ein rechtwinkliges hölgernes 
Werkzeug mit einem vieredigen Brett, worauf die Böſchungen abgetheilt find, 
Böſchungsmeſſer (fr. Doffirbrett). 

Schar 3. w., M. -en (wahrfch. = Schaar in der Bed. Reihe, Zuſam— 
menfügung; vgl. ſchaaren; isländ. skara, Latten zufammenfügen), oberd. 
der untere Nand od. Vorſchuſs eines Ziegeldaches, bef. fofern er aus an 
einander gefügten, mit Schindeln benagelten Brettern befteht; die Dachtraufe; 
Zſetz. der Scharboden (vielleicht f. Scharb-Boden, v. ſcharben |. d.), 
obetd. ein aus Brettern zufammengefügter Behälter, in weldyem Rüben Klein 
gefchroten werden, Schrotboden; das Schardach, ein Dach, welches ganz 
mit Scharfehindeln, d. i. angenagelten Schindeln, gedeckt ift (z. U. dv. Leg: 
ſchindel, Legdach) ; der Scharnagel, Nagel zu Schindeln; die Schar-Ninne, 
f. Dachrinne; die Schartraufe, f. Dachtraufe; der Schargraben, -brun— 
nen, oberd. Graben, Grube (Cifterne) zur Ableitung u. Aufnahme des von 
dem Dache abfließenden Regenwaflers; — die Schare, M. -n, Zimmerl. 
ein ſchräg an eine Verbindung gefchlagener Strebepfahl; der Schar: 
bolzen, od. =bolten, der Bolzen zur Befeftigung der Schare. 

charbe 1., w., M. -n (oberd. auch der Scharb, Scherb; altd. scarbo, 
scarba u. scarvo, scarva; angelf. screb, norweg. skarv; neulat. carbo, franz. 
cormoran), ein Waffervogel: der See- od. Wafferrabe, ſchwarze Pelikan; 
auch f. Eisente, Quafente. 

ſcharben od. fehärben, ziel. Zw. (altd. scarbon, zerfchneiden, vgl. Scherbe; 
niederd. ſcharwen, holl. scherven, angelf. scearpan; franz. dcharper, zerfegen), 
in Eleine blätterige od. rauhe Stückchen fchneiden (Kohl, Bohnen, Rüben 2c.); 
oberd. auch: das Getreide u. andere Gewächfe befchneiden;z u. f. einfchnei- 
den, Eerben (Floß- od. Bauholz); die Scharbe 2., M. -n, Bergw. ein Stab, 
nur in dem zgeſ. KRorbfcharben, die fenkrechten Stäbe, aus welchen der 
Korb am Göpel beftehtz ſchwäb. gedörrte Apfelfchnige; die Schärbe, (gem. 
Schärb), oberd. der Einſchnitt od. die Kerbe in dem Floßbaum, in welche 
der Querbaum eingepafft iftz das Scharbebrett, ein Brett, auf welchem 
man etwas ſcharbet; das Scharbefraut, gefcharbtes Kraut; das Scharbe- 
meſſer, ein Meſſer zum Scharen. 


x 


632 Scharbock — fcharf 


Scharbock, m., -es, o. M. (ehem. auch Schorbock; niederd. Schärbuk, 


holl. scheurbuik ; ſchwed. skörbing, engl. scurvy; neulat. scorbutus, franz. 
scorbut; wahrſch. von Schorf (f. d.), engl. scurf; erſt in neuerer Zeit aus 
den niederd. u. nord. Sprachen ins Hochd. Übergegangen, u. durch) irrige Um— 
deutung auf bekannte Stämme entftellt), eine aus verdorbenen, fcharfen 
Säften des Körpers entftehende Krankheit, die fich bef. durch falzige Aus— 
ſchläge, Mundfäule, Wackeln u. Ausfallen der Zähne äußert, u. vorzüglich die 
Serfahrenden befällt, auch Scorbut genannt; eine Art des Hahnenfußes, 
das Feigtwarzenkraut, als Mittel gegen jene Krankheit; 3fes. ſcharbock— 
Frank, Bw.; der Scharbodsklee, ſ. Fieberklee; das Scharbodskraut, 
Heilkraut gegen den Scharbod; bef. das Löffelkraut. 

Scharde, w., M. -n, landſch. eine Art Schollen mit Kleinen Stacheln 
an den Finnen, niederd. Flünder. ? 

Schare, w., f. unter Schar 3.; — fiharen, 3w., fcharenweife ꝛc. ſ. 
Schaar ıc. 


fcharf, Bw., Comp. ſchärfer, Sup. ſchärfſt, (altd. scarf u. öfter sarf; _ 


mittelh. scharpf, scherpfe; niederd. fcharp, holl. scharp u. sarp; fchweb. 
 skarp; angel. scearp, engl. sharp; franz. escarpe, fehroff; val. ſcharben, 
ſchürfen; von der Wurzel scar, scerau, fcheren), eig. fehneidend, gut und 
Yeicht fchneidend, entg. ftumpf (ein fcharfes Meffer, Schwert ꝛc.; eine fcharfe 
Ede, Kante); mit eigen Umtiffen merklich hervorfpringend od. hervor- 
ragend, entg. vund, gerundet (zZ. B. die Muskeln des männlichen Körpers); 
in weiterer Bed. durchdringend, verlegend, einen ftarken Eindrud auf ir- 
gend einen Sinn machend (3. B. ein fcharfer Wind, d. i. ein rauher, ſchnei— 
denderz; Scharfe Lauge; ſcharfer Effig, Senf, Nettig ꝛc.; ſcharfe Säfte, d. i. 
die viel falzige od. faure Theile enthalten; ein fcharfer Ton, d. i. ein durch— 
dringender, heller); auch von der (jubjectiven) Thätigkeit und Fähigkeit der 
Sinne und der Geifteskräfte: durchdringend, in hohem Grade erregbar u. 
empfänglich, fein u. genau wahrnehmend (z. B. fcharf ſehen; einen fcharf 
anſehen; fcharfe Sinne, ein fcharfes Gefiht, Gehör ze., einen ſcharfen Ver: 
ftand haben; ſcharf denken 2c.); daher überh. f. genau, forgfältig, ftreng 
(einen ſcharf bewachen, Tcharfe Nachfrage, Unterfuchung 2c.), u. bef. in fitt: 
lichem Verſtande: fereng, hart, rauh, empfindlich, entg. gelind, fanft (einen 


ſcharf behandeln, beftrafen, anvedenz jcharfe Zucht; ein fcharfer Verweis 2e.);- 


ferner f. heftig, hitzig (fcharf an einander kommen; ein feharfes Gefecht ꝛc.); 
Eraftig wirkfam, nachdrücklich, eunftlich (ſcharf laden, feuern, d. i. mit Blei, 
entg. blind laden. 2c.); ſtark, mit Kraftanftrengung, ſchnell ıc., bef. als 
Nw. (z.B. ſcharf arbeiten, gehen, fahren 2c.); bair. fchön, prächtig, Eoftbar 
(ſcharfe Kleider, Scharf bauen); das Scharf, —-es, die feharfe Ladung einer 
Kanone ꝛc., Kartätfchen, Schrot 2c. (lofes Scharf, allerlei Eifenwerk, ohne 
Büchſe in ein Gefchüg geladen); Schiff. der untere, ſchmal zulaufende Theil 
des Schiffes; auch gewiffe Arten Spiker, |. d. (groß u. Elein Scharf); 
— 3feH. Icharfblätterig, Pflanz. Scharfe Blätter habend; der Scharfblid, 
ducchdringender Blick, bef. in geiftigem Verſtande; fcharfedig, -hafig, =Fan- 
tig, =fchneidig, -fpißig, -zadig, -zahnig ıc., Bw., ſcharfe Ecken, Haken, 
Kanten ꝛc. habend; der Scharfhammer, in Meffingwerken der erſte Ham- 
mer, durch welchen die Meffingtafeln ausgedehnt werden; das Scharffraut, 
eine Pflanze mit rauhen u, fcharfen Blättern: Eleine Ochfenzunge, blauer Kleber, 





— RE > 


TEE — 


Te en 


J 


Schärfe — ſchärfen | | 633 


Frauenkrieg 2c.; landſch. auch f. Sauerkraut, Sauerkohl; das Scharfmaul, 
eine Art Porzellanfchnecten mit fcharf gezahnter Mündung; der Scharfrand, 
eine Art Schnirkelfchnecden; das Scharfrennen, ein Rennen (Turnier) mit 
fcharfen Waffen; der Scharfrichter, Nachrichter, welcher die verhängte Le— 
bensſtrafe vollzieht; die Scharfrichterei, deffen Gewerbe u. Wohnung: die 
Scharfrippe, eine Art Schraubenfchneden; der Scharfſchuſs, Schufs aus 
einem feharf geladenen Gewehre (ſ. 0.)5 der Scharfſchütz, od. -ſchütze, ein 
Schüge od. Zäger, der nur aus gezogenem Gewehre jchießt u. daher genauer 
trifft; ein Zäger, der ein Wild im Fluge u. im Laufe trifft; auch ein Grenz- 
jäger, der alles die Grenze überfchreitende Wild wegfchießen darf; fcharf- 
ſichtig, Bw., ein ſcharfes Geficht habend; bef. uneig. durchdringenden Geiftes- 
blick, Scharfen Verftand habend; die Scharffichtigkeit, das Scharffichtigfein; 
der Scharffinn, ungewöhntich fcharf und fein unterfcheidende Geifteskraft, 
ducchdringender Verftand, welcher die feinften Unterfchiede u. Eigenthümlich- 
keiten der Dinge erkennt; feharffinnig, Bw., Scharffinn habend, u. davon 
zeugend (ein fcharffinniger Menſch; eine Tcharffinnige Unterfuchung 2c.); die 
Scharffinnigkeit, das Scharffinnigfeinz; — Ableit. die Schärfel., (altd. 


‚scarfi, scherpfe) 1) o. M. das Scharffein, die fcharfe Befchaffenheit, eig. 


u. uneig. (4. B. die Schärfe eines Meffers, des Effigs, des Gefichts, des Ver- 
ftandes; die Schärfe der Gefege, d. i. die Strenge, Härte 2c.); Müll. die Art 


und Weife, die Mühlſteine zu ſchärfen; 2) M. -n, der fcharfe Theil eines 


Schneidewwerkzeuges, die Schneide (mit der Schärfe des Degens fchlagen; 
in die Schärfe fallen, greifen 2c.), auch eine feharfe Ede od. Kante (die 
Schärfe eines Pfeilers; Haufes 20.); ein ſcharfer Stoff (Schärfe im Geblüte, 
in dee Haut ꝛc.); ſchärfen, ziel. Zw. (niederd. fcharpen, ſchwed. skärpa, 
anaelf. scearpan), 1) überh. fcharf machen, insbef. eig. fchneidend machen, 
finnv. wegen, fchleifen (Meffer, Arte, Sicheln, Senfen ꝛc.); mit fcharfen, 


ſpitzigen Erhöhungen verfehen (einen Mühlftein—, durch in denfelben ge: 


hauene Rinnen; einem Pferde die Hufeifen—, auch bloß: ein Pferd —, d. i. 
die Stollen der Eifen fpigig machen, damit es nicht ausgleite; Bohnenftan- 
gen—, d. i. zufpisen); uneig. ducchdringender, fühlbarer, empfindlicher 
machen (den Schmerz fchärfen); ftärker, erregbarer, empfänglicher machen 
(das Geficht, den Blick, die Aufmerkfamkeit, den Verſtand —); nahdrüdlicher, 
ftrenger, härter machen (einen Befehl, eine Strafe ꝛc. —; vgl. einfchär- 
fen); Sprachl. einen Selbftlaut, eine Silbe—, d. i. Eurz fprechen, entg. 
dehnen (daher gefchärft ald Bw.: eine gefchärfte Silbe tc., z. B. fatt, verſch. 
von Saat); 2) f. fehneiden: Jäg. fih an etwas —, d. i. fehneiden od. rigen 
(auch ab-, auffhärfen); Buchb. das Leder —, es mit einem fcharfen Meſſer 
dünn fchneiden; die Schärfung, das Schärfen (z. B. eines Meflers, der 
Strafe, einer Silbe 2c.); dev Schärfhobel, Tiſchl. f. v. w. Schrothobel (meil 
er Eleine ſcharfe Erhöhungen ftehen läſſt, die der Schlichthobel wegnimmt): 
die Schärffammer, in Papiermühlen die Kammer, wo das fertige Papier 
beraspelt wird; der Schärfftein, Buchb. der Stein, auf welchem das Leder 
gefhärft wird (. 0.); — der Schärfling, -es, M. -e, landſch. f. Stichling. 

Schärfe 2. w., ſ. Schätpe. 

ſcharfeln od. fcherfeln, zielloſ. Zw., oberd. f. die Füße auf dem Boden 
fortziehen, feharren. 

fchärfen, 3w., Scharfhammer ıc. — Schärfftein, |. unter ſcharf. 


634 Schargang — Scharn 


Schargang, haufen, =Freuz, ſ. Schaar 2u.; — Schargraben, ſ. 
Schar 3; — Scharkframme, f. Schar 2. 

Scharlach, m., -es, o. M. (mittelhochd. scharlach u. scharlät; isländ. 
skarlat, engl. scarlet, ital. scarlatto, franz. &carlate; wahrſch. morgenländ. 
Urfprungs, für. iskerlet, perf. sagallat; danıı aber in den Formen scarlahhan, 
scharlach, noch bei Luther: Scharladen, fchwed. skarlakan, niederd. schar- 
laken in Schar-Lafen, d. i, gefchorenes Tuch, umgedeutet), eine brennend 
hochrothe Farbe, die etwas ins Gelbe fpielt, die Scharlachfarbe; ein Zeug, 
bef. Tuch von diefer Farbe (fi in Scharlach Eleiden); ehem. überh. ein Eoft- 
barer morgenländ. wahrfch. feidener Stoff (zZ. B. auch brauner, blauer zc. 
Scharlah); auch f. das Scharlachkraut od. Scharlei (f. d.); der Schar: 
Yachbaum, die Kermeseiche od. Stecheiche, eine Art niedriger Eichen im fühl. 
Europa, auf welchen die Scharlachlaus (fr. Kermes), eine Art Schildläufe, 
lebt, welche, fo wie deren beerenförmige Eigrbehältniffe, Scharlachbeeren 
od. »fürner,, zum Rothfärben gebraucht wird; fcharlachfarben, fcharlach- 
roth, Bw.; der Scharlachfärber; das Scharlachfieber (ital. scarlattina, 
franz. fievre Ecarlatine), eine mit Fieber verbundene Kinderkrankheit, wobei 
der ganze Körper mit einem fcharlachrothen Ausfchlag bededit wird; das Schar- 
Yachfehlchen, eine Art Rothkehlchen; die Scharlacdhlilte, eine Art afrikan. 
Karziffenlitie mit purpurrothen Blumen; die Scharlachtaube, eine fchöne 
oftind. Taubenart; das Scharlachtuch, Tcharlachrothes Tuch; der Schar: 
Yachvogel, ein fcharlachrother Papagei; — fcharlachen, Bw., mit Schar: 
Tach gefärbt; von fharlachrothem Stoffe (ein ſcharlachenes Kleid). 

Scharlei, m., -e8, o. M., verfchiedene Pflanzen, insbef. die römiſche 
Salbei mit vothen Blättern, auch Scharlah, Scharlachkraut genannt; der 
Borretfch (borago L.; altd. scaraleia, schareleie, scarleige, w., scharlin, ſ.); 
eine Art des Alantes mit zottigen Blättern u. haarigem Stamme: wilder 
Scharlei, Chriftauge; auch f.die Scharte, das Schartenkraut. 

fcharlenzen od. ſchalanzen, fchallagen, ziellof. Zw., oberd. f. fehlendern, 
müßig gehen und gaffen. 4 

Scharling od. Schärling, m., -e$, (eig. wohl Schärtling v. Scharte, 
f. d.), oberd. f. wilder Bärenklau, Heilkraut. 

ſcharmünkeln, 3w., ſ. fehalmeufeln. 

Scharmüßel 1. f. (oberd. m.), -8, M. w. E. (chem. aud) Scharmügen, 
oberd. Scharmutz; zunächſt von dem ital. scaramuccio, schermuccio; franz. 
escarmouche; engl. skirmish; urfpr. fämmtlicy von dem deutjchen ſchirmen 
(ſ. d.), oberd. fchermen, altd. scirmian, daher ital. schermare, ‚scrimiare, 
franz. escrimer, fechten), ein Gefecht zwifchen Eleinen Kriegshaufen, verfch. 
Schlacht; Treffen; ſcharmützeln, od. mit feemdartiger Endung ſcharmutziren, 
. ziellof. 3w. m. haben (franz. escaramoucher, engl. skirmish), Scharmüßel 

liefern, in Eleinen Haufen fechten, plänfeln. 

Scharmüßel 2. od. Scharmüßlein, r. Scharnüglein, f., -$, M. w. €. 
(landfh. auh Scharnigel, Schnarigel; vom ital. scarnuzzo v. scarnare, 
obftreifen, abfchälen), oberd. f. Papterdüte, Papierrolle zu Geld ze. 

Scharn, m., -e8, altniederd. f. Mift (angelf. scearn, dän. skarnz vgl. 
das griech. 6200); jegt noch niederd. f. Unkraut; u. f. ein Schurke, Schelm 
(auch Scharnkerl; vgl. das engl. scorn, Verachtung); der Scharnbulle, 
Scharnwebel od. -weber, nigderd. f. Miſt-, Rofstäfer; die Scharnpipe 








Scharnier — Scart 635 


(d. i. spfeife, wegen der hohlen Stengel), f. der Schierling, weil ew gern 
bei Mifthaufen wächl't.. 

Scharnier, f. (oberd. w.) -es, M. -e (von dem franz. la charniere), dag 
Gewinde, Gelenk, z. B. an einer Dofe ze. (oberd. uneig. aus dem Scharnier 
fommen, f. aus der Faſſung). 

Schärpe, w., M. -n (landſch. auch Schärfe, oberd. Schärpfen, niederd. 
Scherf; engl. scarf, scarp, ſchwed. skärp; franz. charpe, ital. schiarpa; 
urfpr. deutfch von ſcheren, fchneiden; vgl. fcharben, fcharf ꝛc.; alfo eig.: 
ein abgefchnittener Streif), eine Binde, z. B. landſch? eine wundärztliche 


Armbinde; gem. eine Peibbinde, bef. die Leibbinde der Offiziere, Feldbinde. 


Scharre, w., ſ. unter fcharren. 

Scharren od. zgez. Scharen, m., -s8, M. w. E. (durch Laut-Umftellung 
aus dem oberd. Schranne, ſ. d., entft., wie die niederd. bernen, Born zc. 
aus brennen, Brunn), landſch., bef. niederd., ein umfchloffener u. bedeckter 
Ort od. eine Bude, wo Brod od. Fleifch verkauft wird: der Brod- Fleifch- 
ſcharren (oberd. die Brod-, Fleifchichranne), die Brod-, Fleiſchbank; niederd. 
auch breite Pfähle, zur Befeftigung der Deiche in die Erde gefchlagen. 

foharren 1. ziellof. u. ziel. Zw. (oberd. auch fcherren; altd. scerran, 
scherren, ablaut. Präf. schirre, Prät. schar, schurren ⁊c.; jegt nur umend.: 
ſcharrte, geſcharrt; vgl. das franz. de-chirer), überh. fehaben, Fragen, reis 
bend od. Eragend über etwas hinfahren od. etwas zufammenraffen (Ruf 
aus dem Schornfteine, Harz von den Bäumen —; oberd. Rüben—, f. fehaben; 
Streu ꝛc. —, f. harken, rechen; uneig. Geld zufammen—, d. i. begierig zu= 


ſammen zu bringen fuchen); feharrend bewirken od. hervorbringen (ein Loch 


in die Erde —); in engerer Bed. die Füße reibend auf dem Boden hin u. 
ber beivegen (die Hühner, die Pferde ſcharren), von Menfchen bef. ald Zeichen 
des Mifsfallens od. Hohnes (vgl. einen ausfcharren); — 3fes. die Scharr- 
erde (landfch. gem. Schur-, Schorerde), auf den Wegen zc. zufammenge- 
ſcharrte Erde, die ald Dünger gebraucht wird; der Scharrfuß, f. v. w. 
Kratzfuß, ſ. d.; Scharrfüßeln, Zw., der Scharrfüßler, f. v. w. Eragfüßeln 2c.; 
die Scharrmaus, eine Art Eleiner Mäufe, welche lange Gänge in die Erde 
graben; auch f. Maulwurf (Schär, Schärmaus); — Ableit. die Scharre 
1. M. -n (altd. scerra, scherre, Striegel), ein Werkzeug zum Scharren, 
auch Scharreifen (die Harz, Rußfcharre 2c.); was gefcharrt od. abgefcharrt 
wird, Landfch. bef. was ſich von den Speifen inwendig an die Töpfe anlegt; 
niederd. eine Art Plattfifche od. Schollen (holl. scharre, schaerde); der 
Schyarrer, -8, wer ſcharrt (Harzs od. Pechfcharrer); oberd. auch f. Scharre, 
das Scharrwerkzeug, u. das durch Scharren Gefammelte; das Scharricht 
od. Scharrfel, -8, das Zufammengefcharrte. 

fcharren 2. ziellof. Zw. (altd. scerön, schern), oberd. f. ſchnarchen: landſch. 
auch f. räuspern; die Scharre 2., M. -n, oberd. f. die Mifteldroffel, 
Schnarrdroffel, Schnarre (f. d.).- 

Schar-Riegel, Scharſtock, f. Schar 2; — Schar-Rinne, Schar- 
fchindel, ſ. Schar 3. | 

Schart, m. u. f., auch Scharte 1., w., M. -en, (altd. scart-isan), 
oberd. ein Eupferner Ziegel mit Füßen und einem Dedel, welcher mit glü- 
henden Kohlen belegt wird, um Pafteten u. dgl. zu kadın; auch überh. f. 
Dfanne. 


636 Scharte — Schatten 


Scharte 2. w., M. -n (oberd. Scharten; niederd. Schaard; isländ. u. 
ſchwed. skard, angelſ. sceard, engl. sheard, shard, sherd; vgl. das engl. scar, 
franz. escarre, Rifs, Lücke, Narbe, franz. dcharde, Splitter; im Altd. giebt 
es ein Bw. scart, schart, isländ. skerdr, f. unganz, verlegt, verftümmelt, u. 
ein Zw. scertan, scherten, isländ. skarda, verlegen, verkürzen, womit das 
niederd. ſchaars f. wenig, fparfam, Enapp, gleichf. verkürzt, engl. scarce, 
ital. scarso, franz. Echars, zufammenzuhangen fcheinen; ſämmtlich v. der Wurzel 
scar, — ſcheren, ſchneiden), 1) ein Einſchnitt, eine durch Schneiden, 
Brechen, Reißen zc. entſtandene Offnung, überh. Lücke, Riſs, Spalte (f. 
Haſenſcharte; Schießſcharte; oberd. eine ſcharfe Vertiefung in einem Berg: 
rücken; niederd. eine in einen Deich eingefchnittene Durchfahrt); def. an Meffern 
u. andern Schneidewerkzeugen wine durch Ausfpringen entftandene fehler- 


hafte Lücke in der Schneide (eine Scharte auswegen, uneig. f. einen Kehler 


wieder gut machen, einen erlittenen Schaden ausgleichen); 2) Landfch. ein 
abgefchnittenes, abgebrochenes od. abgefprungenes Stud, Span, Split 
ter, Scherbe (niederd. Schaard); 3) eine Pflanze mit zadigen, geferb- 
ten Blättern (serratula L.), wovon die gemeinfte Art Feldſcharte, Saus 
diftel 2c., eine andere zum Gelbfärben dienende Färberſcharte, aud) vor— 
zugsmweife Scharte, Schartenfraut (niederd. Schaar) heißt (vgl. auch 
Scharlei, Scharling); die Schartendiftel, eine der Scharte ähnliche Diftel- 
art (auch Schar-, Scherdifte); das Schartenfraut, f. o.; landfch. auch f. 
Storchfchnabel; der Schartenfchäbler, Flammenreiher (f. d.), wegen feines 
inwendig gezähnelten Schnabels; das Schartſtück, Fafsb. eines der äußeren 
Bodenftüde eines Bottichs; fehartig, Bw., Scharten habend (ein fchartiges 
Meſſer; Tprichw. allzu ſcharf macht fchartig). 

Schartefe, w., M.-n (oberd. Scharteden; vielleicht vom tat. chartae 
theca, d. i. ein Papier-Umfchlag? vgl. jedoch das ital. scartasaccio v. scartare, 
wegwerfen, ausfchiefen, scartata, Ausfchufs), verächtt. f. eine werthlofe 
Schrift, ein fhlechtes Buch, Ausfhufsbuh, Wiſch. 

Schartendiftel ıc., ſchartig, Schartſtück, ſ. unter Scharte. 

Schartraufe, ſ. Schar 3; — Scharwage, ſ. Schar 2; — Schar: 
wache, Scharwerk x. ſ. Schaar; — Scharwenzel, ſ. Scherwenzel. 

Schaffen, ziel. 3w. (aus dem franz. chasser), einen—, gem. f. fortjagen, 
derb abfertigen. 

Schatt, f., -e3, M. -e (nach einem aahlıw. unverändert: Schatt; val. 
Schatz 2.), im a: ein Honigmaß — z'5 Tonne. 

Schatten, m., -8, M. w. E. (ehem. auch der Schatte, —ns; goth. 
skadus, althochd. scato, G. scatawes, scatuwes; mittelh. schate, G. schates; 
auch schatawe, schatewe; oberd. der Schatt, Schad u. gew. Schaden; angelf. 
sceado, ©. sceaduvas, engl. shadow u. shade, holl. schaduwe, schuwe; von 


einer Wurzel sca, scat, ſanskr. tschad, bededien, verhüllen; vergl. d. griedh. 


ozıd, 020105, das engl. sky, Himmel, d. i. das Bedeckende; das isländ. 
fchwed. dän. sky, Wolke, d. i. das Verhüllende, wie lat. nubes von nubere), 
überh. Mangel od. Abwefenheit des Lichtes in Folge einer Bedeckung od. 
Berhüllung, insbef. 1) der Lichtmangel einer Stelle, von welcher die Licht- 
ſtrahlen durch einen dazwifchen befindlichen Körper abgehalten werden, u. eine 
folhe dunkle Stelle felbft, entg. Licht (woller Schatten, wo gar Fein 
Lichtſtrahl hinfällt, z. U. v. Halbſchatten; Schatten machen; er macht mir 





"Schatten 637 


Schatten, indem er mie ins Licht tritt; etwas in den Schatten ftellen, uneig. 
fo darſtellen od. behandeln, daſs es gegen Anderes zurücktritt, es zurückſetzen; 
Mal. dunkel gehaltene Stellen, welche den natürl. Schatten nachbilden; auch 
die verſchiedenen Grade od. Abſtufungen des Schattens: M. die Schatten, f- 
v. w. Schattirungen); in weiterer Bed. f. Dunkelheit, Finfternifs überh. 
(die Schatten der Nacht, des Todes ꝛc.); in engerer Bed. Schuß vor den 
Sonnenftrahlen, und der befchattete Ort, welcher folchen gewährt, mit 
dem Nebenbegriff der Kühle, entg. Sonne (Schatten geben; ſich aus der 
Sonne in den Schatten eines Baumes fegen, im Schatten ſitzen 2c.); dicht. f. 
ein Schatten gebendes Gewächs; u. f. Schirm, Schuß, Erquidung (bibl. 
befchirme mich unter dem Schatten deiner Flügel; 2) in beftimmterer Bed. 
das dunkle Abbild eines undurchfichtigen Körpers, welches entfteht, indem 
derfelbe die Lichtftrahlen von einem andern dunkeln Körper theilweiſe abhält 
(feinen Schatten an der Wand fehen; einen Schatten werfen; Abends werben 
die Schatten länger; vor feinem eigenen Schatten fliehen, uneig. f. fich ohne 
alle Urfache fürchten); daher uneig. ein ſchwaches, unvolltommenes Ab- od. 
Nachbild, ein Scheinbild von etwas Anderem (7. B. dies ift kaum der Schat- 
ten von jenem 2c.); eine unförperliche Erſcheinung, insbeſ. nad) fabelh. Vor- 
ftellung die abgefchiedene Seele oder der Geift eines Verftorbenen (ein 
Schatten; das Reich der Schatten od. Schattenreich, der Aufenthalt der 
abgefchiedenen Seelen); daher auch eine fehr entkräftete, hinfällige menſchl. 
Geftalt (er ift ein wahrer Schatten); überh. f. etwas Weſenloſes, Nich- 
tiges, Zäufchendes, Vergängliches (nach einem Schatten greifen; wie ein 
Schatten vergehen; der jüd. Gottesdienst des A. T. heißt daher: ein Schat- 
tendienft, Schattenwerk 2c.); — 3fes. das Schattenbild, das durch 
den Schatten dargeftellte Abbild eines Körpers; auch f. Schattenrifs, ſ. d.; 
uneig. überh. eine wefenlofe, täufchende Vorftellung der Einbildungskraft; das 
Schattenerz, ſ. v. w. fchieliger Bleiglanz; die Schattenfarbe, Mal. Far- 
ben, mit denen die Schatten ausgedrückt werden; der Schattenfürft, Fürft 
der abgeichiedenen Seelen; auch ein Scheinfürft ohne wirkliche Macht; der 
Schattengang, ichattiger Gang unter Bäumen ꝛc.; die Schattengeftalt, 
Ichattenähnliche Geſtalt; nichtiges Gebilde der Einbildungskraft; das Schat- 
tengewölbe, -gezelt u. dgl. m.; das Schattenglüd, dicht. f. fcheinbares, 
nichtiges Glück; die Schattengröße, eig. die Größe eines Schattens, Schat- 
tenlänge; uneig. eine fcheinbare, nichtige Größe; die Schattenhufe, bran- 
denb. eine Scheinhufe, nur behufs der Beſteuerung angenommene Hufe; der 
Schattenhut, großer, gegen die Sonne fchügender Strohhut, Sonnenhut 
für weibl. Perfonen; der Schattenfäfer, ein Gefchlecht von Käfern, die fich 
gern an dunkeln Orten aufhalten (tenebrio L.); das Schattenfraut, Stern- 
kraut; das Schattenleben, ein unkräftiges, unthätiges, gleicht. nur fchein- 
bares Leben; das Schattenlicht, Helldunkel; die Schattenmaffe, Mat. eine 
größere ſchattige Stelle, od. mehre Schatten als ein Ganzes betrachtet; der 
Schattenquell, dicht. ein ſchattiger od. befchatteter Quell; fchattenreich, 
Bw., viel Schatten habend oder gebend; das Schattenreich, ſ. o.; ber 
Schattenriſs, ein nach dem Schatten gemachter Umrifs eines Körpers, bei. 
‚eines Gefichtes (fr. Silhouette); uneig. eine allgemeine, nicht ins Einzelne ge= 
hende Schilderung; die Schattenfeite, die fchattige Seite eines Körpers, 
entg. Lichtfeite, insbef. die gegen Norden liegende Seite eines Haufes, entg. 


638 fchättern — Schatz 


Sonnenfeite; uneig. die unvortheilhafte Seite einer Sache od. Perfonz das 
Schattenfpiel, Beluftigung mit Schattenbildern, die mittelft einer Zauber- 
od. Schattenleuchte (fr. Laterna magica) an der Wand eines verfinfterten 
Zimmers hervorgebracht werben; der Schattenfpieler, wer ein Schattenfpiel 
an der Wand macht; die Schattenftufe, dev Grad der Dunkelheit des Schat- 
tens, Schattirung (fr. Nüance); die Schattenwelt, ſ. v. w. Schattenreich; 
aud) f. eingebildete, oder nichtige Welt; das Schattenwefen, unwirkliches 
Weſen; der Schattenzeiger, Zeiger an einer Sonnenuhr; — Ableit. fchat- 
tig, Bw. Schatten habend od. gewährend (ein fchattiger Ort, Weg, Baum 2e.); 
fchatten, Zw. 1) ziellos, Schatten geben od. werfen (. 8. fchattende Wol- 
Een), daher die gew. be>, um-, überfchatten; 2) ziel. f. v. w. das lib- 
lichere fchattiren (oberd. auch ſchättigen), in einer Zeichnung oder einem 
Gemälde die dunkeln Stellen durch Züge od. Farben ausdrüden; insbef. 
die verfchiedenen Grade der Dunkelheit darftellen, auch: abfchatten, ver: 
ſchatten; daher die Schattirung, das Schattiren; die Abfchattung, Ab- 
ftufung des Schatteng; die Schattenftufe, die feinen Unterfchiede od. une ⸗ 
merklichen Übergänge einer Farbe vom Hellen ins Dunkele (fr. Nüance); uneig. 
überh. die allmählich abgeftufte Veränderung von Dingen einer Art. 

ſchättern oo. fchettern, ziellof. Zw., oberd. Schallw. f. dumpffrachend 
fhallen, wie zerbrochenes Zöpfergefchier; Taut lachen, fchäfern, fehwagen, 
fehreien wie die Elfter (engl. chatter). 

ſchattig, ſchattiren zc. ſ. unter Schatten. 

Schatulle, w., M. -n (altoberd. Skatel; v. ital. —— neulat. sca- 
tula, vergl. Schahten, ein Geld- od. Schatzkäſtchen; der Hausfchag eines 
Fürften, das zu deffen perfönlichen Ausgaben beftimmte Geld, auch Scha— 
tullen- od. Schatullgelder; das Schatullengut, ein Gut, deffen Einkünfte 
für die Schatulle beftimmt find. 

Schab, m., -s, M. Schäge; Verl. das Schätzchen, oberd. Schäß- 
fein, (goth. skatts, ein Geldftüd, Silberling; altd. scaz, schaz, G. schatzes; 
niederd. Schattz ſchwed. skatt, angel. sceat; vielleicht mit dem frieſ. sket, 
jlav. skot, Vieh, zufammenhangend, wie das lat. pecunia mit pecus), urjpr. 
Geld, u. zwar ein beftimmtes Geldftüd, od. Geld als Sammelbegriff: eine 
Geldfumme, u. in weiterer Bed. Habe, Vermögen, Befisthum, überh. 
(daher noch Zieh. wie Braut-, Mahl-, Schlagefhas; ehem. Kauf 
has f. Kaufgeld, u. f. Kaufmannsgut, Waare; Klagefhas f. Geridjts- 
ſporteln; Miethſchatz f. Miethgeld); insbef. ehem. f. Preis, Lohn; u. f. 
Abgabe, Steuer (vgl. ſchatzen, Schakung); jest gew. ein Vorrath an 
Geld od. Koftbarkeiten, mit dem Nebenbegriff der Niederlegung u. Bewah— 
rung (einen Schatz od. Schäge fammeln, vergraben, finden, heben 20.5 der 
öffentliche Schag, Staatsfchag); in weiterer Bed. überh. ein reicher Vorrath, 
eine Sammlung von Dingen einer Art, fofern man ihnen einen hohen Werth 
beilegt (ein Bücher-, Gemälde, Kunftfchas, Bücherfchäge; oberd. auch: ein 
Korn», Weinfchag 2c.); uneig. ein Reichthum an fhägenswerthen Eigen- 
ſchaften, geiftigen Beſitzthümern ꝛc. (ein Schatz von Gelehrſamkeit, Kennt- 
niſſen, Erfahrungen ꝛc.); auch eine einzelne koſtbare od. vorzüglich werth 
gehaltene u. forgfältig bewahrte Sache od. Perfonz daher in der Volksſpr. 
f. Geliebter, Geliebte, Braut (einen Schatz haben; mein Schag, und bei. 
verkl. Schaͤbchen, oberd. gem. SchägeN; Zſetz. ſchatzfrei, Bw., landſch. 

















Schatz 639 


f. frei von Abgaben, ſteuerfrei; die Schatzfreiheit, Steuerfreiheit; das Schaß- 
geld, als Koftbarkeit od. Seltenheit aufbewahrtes Geld, Schaumüngen u. dgl.; 
landſch. auch als Abgabe erlegtes Geld; der Schaßgräber, wer nach verbor- 
genen Schägen gräbt; die Schaßgräberei, das Gefchäft u. die vorgebliche 
Kunft eines Schasgräbers; das Schatzgut, landſch. ein fchaspflichtiges Gut; 
das Schatzhaus, ein Haus zur Aufbewahrung eines Schatzes; bibl. f. Vor- 
rathshaus, Magazin; die Schakfammer, ein Gemad) od. Gebäude, worin 
ein Schag, bef. der Staatöfchag verwahrt wird; auch f. v. w. das Schatz⸗ 
amt, die Behörde zur Verwaltung des öffentl. Schages; daher der Schat- 
Fammerfchein od. Schaßfchein, eine Art Staatsjchuldfcheine (fr. Treſor— 
Schein); der Schaßfaften, verkl. das Schagkäftchen, ein. Kaften zur Aufbe 
wahrung eines Schatzes; bibl. f. Vorrathskaſten; uneig. Titel von Erbauungs- 
büchern u. dgl.; dev Schaßmetfter, Vorgefegter eines (öffentl.) Schages, der 
die Gelder einnimmt u. auszahlt; ſchatzpflichtig, Bw., landſch. f. verpflichtet 
Abgaben zu bezahlen, fteuerpflichtig; der Schakrath, die Behörde zur Ver- 
waltung der öffentl. Einkünfte, u. ein einzelnes Glied derfelben; der Schab- 
verwefer, =verwalter ꝛc.; — fchaßen, ziel. Zw. (niederd. chatten), 1) ei⸗ 
nen—, vlt. f. ihm eine Abgabe, ehem. bef. ein Löfegeld, auflegen (noch 
gebe. in befchagen, brandfihagen); 2) etwas—, vlt. f. als Abgabe 
entrichten; oberd. auch: etwas zu Geld machen, Geld dafür gewinnen, Geld 
töfen (altd. scazzön); ſchatzbar, Bw.., landſch. f. v. w. ſchatzpflichtig Ci. o.), 


ſteuerbar; daher die Schatzbarkeit; die Schatzung, das Schagen, die 


Auflegung einer Abgabe; die auferlegte Abgabe felbft, bef. nach Verhältnis 
ded Vermögens; das Schagungsgeld zc.; — ſchätzen, ziel. Zw. (altd. 
schetzen, Prät. schazte; niederd. chatten), 1) etwas—, den Werth od. 
Preis einer Sache beftimmen, feftfegen (4. B. Brod, Fleifch 2c.), oder zu 
Gelde anfchlagen (ein Haus, ein Kunftwerf ꝛc. —, fr. tariven); einen—, 
d. i. fein Vermögen, feinen Erwerb od. feine Einkünfte veranfchlagen, 
bei. behufs der verhältnifsmäßig zu entrichtenden Abgaben (man ſchätzt ihn auf 
eine Million); in weiterem Sinne: eine Größe, Zahl, ein Gewicht ıc. muth- 
maßlich beftimmen (3.8. man ſchätzt diefen Berg auf zehntaufend Fuß Höhe; 
man follte ihn höchftens 50 Jahr alt fchägen); daher alt u. landfch. überh: f. 
muthmaßen, urtheilen, dafür halten, meinen (z. B. ich ſchätze es mir für 
eine Ehre, od. zur Ehre ꝛc.); landfch. auch f. hoffen, erwarten (fich od. einem 
etwas fchägen); 2) einer Sache od. Perfon einen gewiffen (inneren, wefent- 
lichen) Werth beilegen, finnv. achten (die irdifchen Güter richtig ſchätzen; et— 
was od. einen gering od. hoch fchägen); insbef. f. hochſchätzen, werthfchägen, 
finnv. hochachten, verehren (den Werth des Lebens—; ich fchäge ihn; an 
einer Perfon oder Sache etwas ſchätzen; daher gefchäßt, ald Bw., 4. B. 
mein gefchägter Freund, ein geſchätzter Schriftfteller 2c.); ſchätzenswerth od. 
würdig, Bw., werth, hoch geſchätzt zu werden; ſchätzbar, Bw., 1) was 
geſchätzt, d. i. fenem Werthe nach beftimmt (taxirt) werden Eann (enta. 
unfchägbar); 2) was gefchäßt, d. i. hochgeachtet zu werden verdient (er 
ift mir ſehr ſchätzbar; jchägbare Eigenschaften ze.); die Schäßbarkeit, das 
Schägbarfein in beiden Bed.; der Schäßer, -8, wer etwas abſchätzt, die 
Preife von Waaren u. dgl. beftimmt, Landfch. auch Schäßmann, =meifter, 
herr (fe. Tarator); die Schätzung, Werth: od. Preisbeftimmung; Hoch— 
achtung; der Schätzungs- od. Schäßpreis (fr. die Taxe). 


640 | Schatz — ſchaudern 


Schatz 2. m., —-es (vergl. Schatt; angelſ. scath, Behältniſs; Kaſten, 
Katze 6. 2c.), oberd. ein Getreidemaß, in Schwaben = Simri; auch ein 
Feldmaß, etwa Juchart. 

Schau, ſchaubar, Schaubrod, Schaubühne ꝛc., ſ. unter ſchauen. 

Schaub, m., -3, M. Schaube u. Schäube, (andſch. auch der Schob, 
M. Schöbe; altd. scoub, schoup; niederd. Skof, Schof, holt. schoof, angell. 
sceaf, engl. sheaf; vgl. Schober; von fchieben (f. d.), weil das Stroh beim 
Binden zufammengefchoben wird; vgl. Wifch), oberd. f. Bund, Bündel, bef. 
Landw. f. Stroh- od. Heubündel, Strohbüfchel: insbe. Bündel Stroh zum 
Dachdecken; Strohbüfchel oder Strohwiſch an. einer Stange ald Warnungs- 
zeichen (Pfandf haub)z ehem. auch gewundenes Stroh zum Brennen, Stroh: d 
fackel; Zſetz. das Schaubband, oberd. f. Strohband; das Schaubenbund, 
mehre zufammengebundene Schauben zum Dachdeden; das Schaub- oder 
Schaubendach, oberd. f. Strohdach; der Schaubhut, f. Strohhut, bei. ein 
großer, runder mit fehr breitem Rande (landich. auch Schobhut, Schau: 
bert, Scheppertz; vielleicht cher mit Schaube verw.). 

Schaube, w., M. -n, Verkl. das Schäubchen, oberd. Schäublein, 
(altd. schoube; oberd. die Schaub, Schauben, Schaupe, auch. der Schauben, 
Schopp, Schoppen; zunächit wohl aus dem ital. giubba, fpan. chopa, franz. 
jupe; vgl. jedoch auch: Schuppe, Schuppen, Schoppen, u. das ſchwed. sköfre, 
Dede), oberd. ein Oberkleid für beide Gefchlechter, insbef. ein wollener Wei- 
berroc od. -Kittel; ein langer, mantelähnlicher überrock für Männer (fr. Kaf- 
tan; daher Regenjchaube f. Regenmantel; Nachtſchaube f. Schlafrod: 
Kinderſchaube, ein langes Kinderkleid zc.). 

Schauber, m., -8, M. w. E. (von fihauben, niederd. ſchuwen f. ſchie— 
ben), Fiſch. ein Kamen, welcher vor fich hin gefchoben wird, aber Keine 
Gabel hat, verſch. Setzhamen. 

fchaudern, ziellof. Zw. (oberd. auch ſchudern, ſchuttern, ſchottern; niederd. 
ihuddern u. ſchrudern; engl. shudder; eig. nur Nebenform von fehüttern, er- 
Ichüttern, von dem Stamm: ſchütten, altd. scutian, scuttan, niederd. jchud- 
den; dann mit ſchauern v. Schauer 4. (f. d.) vermengt), augenblidlich u. 
heftig erzittern, bef. in der Haut, vor Kälte, od. vor Schred, Entjegen, 
Abſcheu (ich fchaudere, od. die Haut ſchaudert mir vor Froft, vor Entſetzen ꝛc.); 
aud) von der innern Gemüthsbewegung: Schauder (f. d.) empfinden, von 
Schauder ergriffen werden, finnv. grauen, graufen, in diefem Sinne gew. 
unp. mit dem Dat. der Perf. e8 fcehaudert mir oder mir ſchaudert 
(z. B. mir fchaudert, wenn ich daran denke; ihm fchaudert davor 2c.); der 
Schauder, -8, M. (felten) w. E., heftiges Erzittern, bef. der Haut, vor 
Kälte, Zucht, Abfcheu ze., ein höherer Grad von Schauer (vgl. d.); die in- 
nere Empfindung od. Gemüthsbewegung, welche diefen Zuftand erregt, 
finno. Grauen, Graufen (ein Schauder ergreift mich bei dem Gedanken ꝛc.); 
— das Schaudergemälde, die Schaudergefchichte, u. dgl., gew. Schauer: 
gemälde 2c.; ſchaudervoll, Bw., im höchſten Grade Schauder erregend; ſchau— 
derhaft, Bw., Schauder erregend, finnv. entſetzlich, fürchterlich, gräſslich, 
abfcheulich; im gem. Leben oft gemifsbraucht als übertreibender Ausdrud f. 
ſchlecht, über, ſchiimm; die Schauderhaftigfeit, das Schauderhaftfein, die 
Entfeglichkeit, Abfcheulichkeit 2c.; Fchaudericht, Bw., in geringerem Grade 
Schauder erregend, gem, fehnuerlich; fchauderig, Bw., Schauder empfin- 
dend, od. erregend. 














fchauen 641 


ſchauen, ziellof. u. ziel. Zw. (goth. skaujan, altd. scauuon, scowon, schou- 
wen; hol. schouwenz oberd. auch ſchaugen; isländ. u. ſchwed. skäda; -das 
angelf. sceavian, u. engl. shew, show haben die factitive Bed. fchauen Laflen, 
zeigen; — als gangbares Wort der Volksjpr. gehört I hauen vorzugsweife 
dem Oberd. anz in der hochd. Schriftfpr. ift es ein edleres, mehr dichterifches 
Wort), die Augen auf etwas richten, genau u. aufmerffam nad) etwas 
hinſehen, finnv. blicfen (gen Himmel fchauen; auf Jemand ſchauen, aud) f. 
ihn beobachten, auf ihn achten, als auf ein Mufter; im Oberd. immer als 
freie Willensthätigkeit, verfch. von fehen, welches mehr das paffive Empfan- 
"gen des finnlichen Eindruces bezeichnet, 7. B. ich ſchaue wohl, und fehe 
doch nichts; eben fo unterfchieden, wie das griech. Heradeı, lat. tueri, franz. 
regarder, engl. look von: Aerv, videre, voir, see); etwas—, mit Auf: 
merkſamkeit anfehen, betrachten, befichtigen, val. anfchauen, befchauen 
(3. B. oberd. das Brod, das Fleiſch —, f. befichtigen, unterfuchen; in diefem 
Sinne auch niederd. z. B. die Wege, die Deihe—); dicht. überh. f. erblicken, 
fehen (ich habe es gefchaut etc.); beſ. mit der Einbildungskraft od. im Geifte 
wahrnehmen, erkennen (z. B. Gott ſchauen; bibl. auch f. weisfagen), tief- 
finnig denfen, forfchen (fr. fpeculiven); oberd. auch vüdz. ſich —, f. ſich 
anlaſſen, fich zeigen; — die Schau, w., o. M., (altd. schouwe, oberd. auch 
Geſchau) das Schauen u. Gefchautwerden, insbef. 1) der Zuftand, da 
etwas für Jedermann fichtbar ift, bei. in den Redensarten: etwas zur 
Schau legen, ausftellen (3. B. Waaren, Kunftwerke 2c.); einen zur Schau 
herumführen; etwas zur Schau tragen, aud) bloß: Schau tragen ober 
zgeſ. Ihautragen (Eigenschaften, Vorzüge —, damit prahlen); dicht. auch: 
das, was gefchaut wird, der Anblick, das Schaufpielz chem. aud) f. Aus- 
ſehen, Miene; Schiff. insbef. eine Flagge, die man als ein Zeichen wehen 
läſſt: die Schau od. die Flagge im Schau (alfo von: das Schau); 2) 
die Handlung des Schauens, Befchauens, bef. eine förmliche prüfende Be- 
ſichtigung u. Unterfuchung (oberd. die Schau halten, auf od. in die Schau 
nehmen; bef. in den Zſetz. Braut-, Heerfchau, Leichen- od. Todtenſchau; landſch. 
auch Brod-, Feld, Korn, Deichichau 2c.); landſch. die zur Befichtigung ge- 
wiſſer Waaren verpflichteten Perfonen, f. dv. w. das Schauamt; aud) der 
Befichtigungsort,, das dazu beftimmte Gebäude; niederd. der Bezirk eines 
Deihgräfen; — Zſetz. das Schaubrod, bei den alten Juden in der Stifts— 
hütte od. dem Tempel zur Schau gelegte Brode, welche nachher von den Prie- 
ftern gegeffen wurden; die Schaubühne, eine Bühne (f. d.), auf welcher et— 
was zur Schau geftellt, u. insbej. wo Schaufpiele aufgeführt werden (fr. 
Scene, Theater); uneig. aud) eine Sammlung von Schaufpielen; das Schau- 
eſſen od. Schaugericht, ein nur zur Schau aufgefegtes, nicht gegeffenes Ge= 
richt; das Schaufenfter, f. v. w. das gem. Gudfenfter; ſchaufrei, Bw., in 
Niederd. bei einer Schau für gut erkannt (einen Deich ſchaufrei machen, d. i. 
- in tadellofen Stand fegen); fchauführen, ziel. Zw. (trennbar, doch in den 
getrennten Formen nicht gebr.), zur Schau führen oder herumführen; die 
Schauführung; das Schaugeld, ſ. Schaumünze; das Schaugepränge, 
‚zur Schau gemachtes Gepränge (f. d.); das Schaugeruft, ein Gerüft, auf 
welchem etwas zur Schau geftellt od. vorgenommen wird; auch ein Gerüft 
für Zufchauer, Schaugeftühl; das Schauglas, ein den Blick ſchärfendes 
Augenglas (fr. Lorgnettd); der Schaugrofchen, ſ. Schaumünge; der Schau 


Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. - 41 


642 Schauen 


herr, Landfch. ein zur Befichtigung von Waaren ze. verorbneter Rathsherr; 
fchaulegen, ziel. Zw. (trennbar, doch in getrennter Form ungebr.), zur Schau 
legen; die Schaulegung; die Schauluft, die Luft am Schauen, u. bef. das 


Verlangen, zu fchauen, die Schaubegier; ſchauluſtig, Bw., Schauluft habend, 


ſchaubegierig (auch als Hw. Schauluftige 2c.); der Schaumeifter, landſch. 
ein Handwerksmeiſter, welcher die Arbeiten feiner Bunftgenofjen zu befichtigen 
hat; die Schaumünze, eine nicht zum Ausgeben im Handel zc., fondern nur 
zur Schau u. bef. zum Gedächtnifs einer Begebenheit oder Perfon geprägte 
Münze, auch) Schauftüd (fr. Medaille), ehem. au) Schaugrofhen, Schau: 
pfennig, u. als Sammelw. Schaugeld; der Schauplaß, eig. der Plas, 
auf welchem etwas zur Schau öffentlich vorgeftellt wird, insbe. die Schau- 
bühne (das Theater); in weiterer Bed. u. uneig. der Ort od. Raum einer jeden 
Handlung, Thätigkeit, od. Begebenheit (z. B. der Schauplag des Krieges; 
der Schauplaß feines Wirkens; der große Schauplag der Welt; vom Schau: 
pla& abtreten, uneig. f. fterben); das Schaufpiel, 1) überh. ein Spiel, eine 
Kunft- od. Kraftübung, u. in weiterem Sinne jede Handlung, zur Beluftigung 
von Zufchauern veranftaltet (z. B. ein Thiergefecht, Seiltänger-, Zafchenfpie- 
lerfünfte u. dgl.); uneig. jeder Vorgang, fofern man ihm mit befonderer Emp- 
findung zufchaut, finnv. Anbli (es war ein rührendes Schaufpiel; der Son- 
nenaufgang ift ein erhabenes Schaufpiel, u. dgl.); bibl. insbe. ein Gegenftand 
des Hohnes u. der Verfpottungz; 2) in engerer Bed. eine Gattung von Dich— 
tungen, beftehend in einer von redenden Perfonen dargeftellten menfchlichen 
Handlung od. Reihe in einander greifender Handlungen, die zu einem Kunft- 
ganzen geftaltet find (fr. Drama; ein Schaufpiel dichten, fchreiben zc.; Arten 
desfelben find: Trauer-, Luft», Singipiel 2c.), in der Regel zur Aufführung 
auf der Schaubühne beftimmt, daher in diefem Sinne aud) Bühnenftüd ge 
nannt (ein Schaufpiel geben, aufführen 2c.); auch die Aufführung od. Vor— 
ftellung felbft (ins Schaufpiel gehen, das Schaufpiel befuchen); in engfter Bed. 
eine Art von Dichtungen diefer Gattung, welche die Mitte zwiichen Luft und 
Trauerfpiel hält (ein bürgerliche, rührendes Schaufpiel); fehaufpielartig od. 
-mäßig, Bw. (fr. dramatifch); der Schaufpieldichter (dramatifcher Dichter); 
die Schaufpieldichtung (dramatiſche Poefie); das Schaufpielhaus, Ger 
bäude zur Aufführung von Schaufpielen; die Schaufpielfunft, Kunft der 


Darftellung od. Aufführung von Schaufpielenz; das Schaufpielwefen (Thea— 


terwefen); fchaufpielen, untrb. ziellof. Zw., wenig gebr. f. etwas zur Schau 
vorftellen, ein Schaufpiel aufführen; uneig. im Leben fich verftellen, eine er- 
heuchelte Rolle ſpielen, fich zieren (in diefem Sinne auch wohl: ſchauſpie— 
lern); der Schaufpieler, die Schaufpielerinn, wer die Schaufpielfunft 
ausübt, Bühnenkünſtler (fr. mimifcher Künftter); fchauftellen, ziel. Zw. 
(teennbar, doch in getrennter Form nicht gebr.), zur Schau ftellen, ausftellen; 
der Schaufteller; die Schauftellung; das Schauſtück, ſ. Schaumünge; 
die Schauftufe, in einer Sammlung zur Schau aufgeftellte Erzſtufez; der 
Schautanz, Bühnentanz vor Zuf—hauern (fr. Ballet); der Schautänzer, 
(fr. Ballet-Zänger); der Schauthurm, die Schauwarte, ein Shurm zur 
Umfchau (f. das fr. Belvedere); ſchautragen, ziel. Zw., zur Schau tragen 
(f. 0.); — Ableit. ſchaubar, Bw., landſch. f. fähig, befchaut zu werden 
(niederd. ein Deich ift fhaubar, d. i. in folchem Stande, dafs er befichtigt 
werden Kann); dev Schauer 1., -8, M. w. E. (altd. schouwaere), wer 








— — * 


— “ — > ——— 


EEE 


Schauer 643 
fhaut, gew. nur in: Zuſchauer; landſch. insbef. wer etwas befichtigt, in 
den Zſetz. Brod⸗, Fleifch-, Deichichauer; ehem. auch f. Seher (Prophet); die 

- Schauung (altd. schouwunge), vit. f. dns Schauen; niederd. f. Befichti- 
gung, 3. B. der Wege, Deiche ıc. 

Schauer 2. m. (auch f.), -8, M. w. €. (Nebenform von Scheuer, 
Scheure, altd. scüra, schiure; oberd. der Schaur, niederd. Schur, ſchwed. 
skur; von ber Wurzel sca, scu, bededen (f. unter Schatten), alfo urfpr. Bedeckung, 
daher auch das niederd. Schur ehem. Fell, Haut bedeutete), ein bedeckter Det, 
welcher Schug gegen Regen u. rauhe Witterung gewährt, Obdac (daher: im 
Schauer ftehen); bef. ein leichtes Gebäude, worin etwas vor dem Wetter 
gefchügt ift, eine Wetter: od. Negenhütte, ein Schoppen (3. B. ein Wagen-, 
Bienenfchauer 2c.); fehauerig 1., Biw., vor der Witterung geſchützt, bedeckt; 
fchauern, ziellof. Zw. (altd. schiuren, niederd. ſchuren), landſch. f. Schuß 
gewähren, fehirmen. 

Schauer 3. m., -8, M. mw. €. (altd. schouwer u. schiuwer, schiure; 
altoberd. der u. die Scheur, Scheuren, Scheirn; niederd. Schauer, Schouwer, 
Scewer, Scheuer; wahrfch. von gleicher Abkunft mit Schauer 2., alfo urfpr. 
ein bedecktes Gefäß; vgl. auch das griech. 0xeVog), vlt., ein großer Zrink- 
becher, goldener od. filberner Pokal mit einem Dedel. 

Schauer 4. m., -8, M. w. €. (goth. skura, altd. scür, schür, schiur; 
oberd. Schaur, niederd. Schur; isländ. u. ſchwed. skur, angelf. schr, engl. 
shower, holl. scheure; wahrfch. von einer eigenen Wurzel scur, welche zit- 
ternde Bewegung bezeichnet), überh. fchnell vorübergehende Erfchütterung, 
augenblicliche heftige Bewegung, insbef. 1) im Luftraume, daher ehem. 
Sturm, Gewitter mit Hagelfchlag, Coberd. insbef. f. Hagel, daher Zfeg. 
wie: "das Schaueramt, Hochamt, Meffe mit der Bitte um Abwendung von 
Hagelwetter; das Schauerfreug, hölgernes Kreuz als Hagelableiter; [ch aus 
erfhläkhtig, vom Hagel zerfchlagen 2c.); jest jeder fehnell vorübergehende 
Platzregen od. Hagel (ein Regen, Dagelfchauer; in diefem Sinne landſch. 
auch: das Schauer; niederd. Schur au: eine dunkle Wetterwolke); 2) ein 
augenblicliches Erzittern des Körpers u. bef. der Haut, als Wirkung der 
Kälte, des Schreckens, des Abfcheues 2c., ſinnv. Schauder, welches einen 
höheren Grad des Schauers bezeichnet (es läuft mir ein Schauer über die 
Haut; mich befällt ein Schauer 2c.); auch eine ähnliche, mehr innerliche 
Empfindung, als Wirkung der Ehrfurcht, des Staunens, der feierlichen 
Stille ze. (ei fanfter Schauer durchbebt die Glieder; heilige Schauer ergreifen 
die Seele 2c.); in engerer Bed. ein Froft-Anfall im Fieber (Fieberfchauer), 
u. überh. ein vorübergehender Krankheitsanfall (z. B. ein Anfall von Ra= 
ferei: feinen tollen Schauer haben; niederd. ein Anfall der Fallfucht, der 
Schlafſucht 2c.; landſch. verkl. das Schäuerhen, Krämpfe, Zuckungen der 
Kinder, daher: am Schäuerchen fterben); uneig. jeder vorübergehende Zus 
fall od. Zuftand, eine gewiffe Weile od. Zmifchenzeit (4. B. gute od. helle 
Schauer eines Kranken); fehauern, ziellof. Zw. (altd. schuren, schiuren; 
oberd. fchauren, fcheuern, niederd. fchuren), 1) unp. es fehauert, oberd. f. 
es hagelt; niederd. f. der Himmel bewölkt ſich; 2) von Schauer ergriffen, 
erfchüttert werden, Schauer empfinden, finnv. ſchaudern; doch drückt 
ſchauern minder heftige Bewegung, bei. als Wirkung fanfterer Gemüthsre- 
gungen, aus, a) perfönl. (3. B. ich fchauere vor Freuden; die Haut fchauert 


418 


644 ſchauern — Schaufel 


mir; dicht. auch f. Schauer erregen od. verbreiten, z. B. ftille Ahndung 
ſchauert durch meine Seele); b) unp. mit dem Dat. der Perf.: es ſchauert 
mir od. mir fchauert (z. B. vor Kälte; vor dem Zode ꝛc.; mir fchauerf, 
wenn ich daran denke 2c.; nicht gut: mich fchauert); — Z3ſetz. v. Schauer: 
der Schaueranblid, das Schauerbild, Schauergefühl, Schauergemälde, 
die Schauergefchichte, Schauernacht, Schauerftille, Schauerthat zc., 
Schauer erregender Anblick, ein foldhes Bild, Gefühl u. f. w.; fehauerkalt, 
Bw., fo Ealt, dafs man fchauert; die Schauerfälte: die Schauerfchlange, 
eine fehr giftige Klapperfchlange, deren Anblick Schauer erregt; ſchauervoll, 
Bw., in hohem Grade Schauer erregend; — Ableit. fchauerig 2, Bw., 
Schauer empfindend, od. verurfachend, bef. durch Kälte (mir ift ſchauerig; 
eine Schauerige Nacht, Witterung ꝛc.); fchauerlich, Bw., mit Schauer ver 
bunden, Schauer erregend (eine Schauerliche Sefchichte) ; innerlichen Schauer 
empfindend (mir wurde dabei ganz fchauerlich 2c.); die Schauerlichkeit, das 
Schauerlichfein, die fchauererregende Befchaffenbeit. 

Ichauern, Zw. 1. f. unter Schauer 2.5; — 2. f. unter Schauer 4.5 — 
3. ziel. Zw., landfch. gem. f. ſcheuern; insbef. die Leinwand—, d. i. mit 
dem Schauerholz od. Schauerbreft reiben u. glätten. 

Schauernadht, -ſchlange, -that, frhauervoll, ſ. unter Schauer 4. 

Schaufel, w., M. -n, Verkl. das Schäufelhen, oberd. Schäuflein, 
(altd. scüfala, setifla, schüvel; niederd. Schufel u. Schüppe, Schuppes angell. 
sceofl, scofl, enal. shovel u. scoop; ſchwed. skofwel; holl. schuiffel, schoeffel ; 
verw. mit ſchieben; od. mit jchöpfen?), ein löffelähnliches Werkzeug, be- 
ftehend aus einem breiten, in der Regel flach vertieften Körper an einem Stiel, 
um damit etwas aufzufaffen und fortzufchieben od. überh. fortzufchaffen 
(die Feuer, Kohlen-, Korn’, Malz, Wurfſchaufel 2c.); auch andere flache, 
breite u. verhältnifsmäßig dünne Körper oder Körpertheile, Tofern fie et- 
was aufzufaffen u. fortzufchieben dienen; z. B. der untere, flache heil des 
Ruders; an Mafferrädern die Bretter, auf welche das Maffer fällt; uneig. 
wegen der ähnlichen Seftalt: die breiten jpik zulaufenden heile des Ankers; 
die breiten Afte an den Geweihen der Damhirſche, Rennthiere u. Elendthiere: 
oberd. Schäufelein f. Arzneitäfelchen (z. B. Huſten-, Pfeffermünzichäufes ' 
lein 20.); das Trittſchäufelein f. die Thürſchwelle, der Tiſchſchämel; — 
3fes. das Schaufelband, Schloff. Ihaufelförmiges Band od. Thürbefchlag: 
das Schaufelbein, jchaufelförmiges Bein, bei. an den Bienen; der Schaufel- 
bohrer, Bergw. ein großer, fchaufelförmiger Bohrer; der Schaufelbürger, 
landſch. f. Pfahlbürger (f. d.), urfpr. wohl ein mit der Schaufel arbeitender 
Zaglöhner in der Vorſtadt; Fchaufelfürmig, Bw., die Form einer Schaufel 
habend; das Schaufelgehörn od. -geweih, ein Geweih mit breiten fchaufel- 
förmigen Äſten; der Schaufelhirfch, ein Hirfch mit einem Schaufelgehörn, 
bef. der Damhirſch; die Schaufelfunft od. das Schaufelwerf, eine Wafler- 
£unft, welche mittelft umgetriebener Schaufeln einen Teich ausichöpft; das 
Schaufelohr, fchaufelförmiges Ohr, bei. eines Pferdes; das Schaufelrad, 
ein durch den Druck des Waſſers bewegtes Nad mit Schaufeln (f. o.); das 
Schaufelrecht, 1) das Recht, den Ader eines Andern für einen gewiſſen 
Zins zu bauen; 2) das Recht, einen Graben od. Flufs mit Hülfe der Schau: 
fein zu reinigen, f. v. w. der Schaufelfchlag, welches auch den beim Reini- 
gen ausgeworfenen Schlamm bezeichnet; der Schaufelzahn, ein fchaufelför- 























Schauf-Eule — Schaum 645 


miger, unten breiter und dünner Zahn, wie die Vorderzähne der Hirfche, 
Pferde 2c.5° und der Schafe nad) dem vollendeten erften Jahre (auch bloß: 
Schaufeln, vergl. u. Schaufler); — Abteit. fchaufelicht, Bw., ſchau— 
felähnlich, fchaufelförmig; fehaufelig, Bw., mit Schaufeln verfehen; 
fchaufeln, zielloſ. u. ziel. Zw. (oberd. ſchäufeln, niederd. ſchüfeln, fchüppen), 
mit der Schaufel arbeiten; mit der Schaufel fortfhieben od. fortfcyaffen 
(3. B. Sand, Korn zc. auf einen Haufen od. zufammen —); mit Schaufeln 
verfehen (ein Wafferrad); der Schaufler, -$, 1) wer fchaufelt; 2) ein 
Thier, bef. ein Schaf mit Schaufelzähnen: Zweifchaufler, ein jähriges 
Schaf, welches ftatt der zwei mittleren Hundszähne Schaufelzähne bekommen 
hat; VBierfhaufler, ein zweijägriges Schaf mit vir—, Schsihaufler, 
ein dreijähriges mit ſechs Schaufelzähnen. 

Schauf-Eule, w., auch der Schaufaut, Schufut (altd. schofüt, nie- 
derd. Schuwut; vgl. das franz. chouette), landſch. f. der Uhu. 

Schaufler, f. unter Schaufel; — ſchaufrei zc. — Schauherr, f. unter 
ſchauen. 

Schauke, w., M.-n, (altd. schoc, G. schockes, ein kleines Fahrzeug), 
Schiff. eine Art länglich vierediger Fahrzeuge, deren man ſich beim Kalfa- 
tern bedient. - 

fchaufeln, Zw. (gem. ober= u. niederd. fchodeln, ſchuckeln, von einem älte- 
ren u. landſch. schoggen, ſchocken, ſchucken, ſchauken, f. in ſchwingender 
Bewegung fein, fchtwingen, ſchütteln; altd. schoc, drehende Bewegung, Schwung; 
isländ. u. ſchwed. skaka, angelf. scacan, engl. shake, ſchütteln, erſchüttern; 
franz. choquer, choc 2c.), 1) ziellos m. haben, fich fehwingend od. ſchwe— 
bend hin und her oder auf und nieder bewegen, finnv. ſchwanken (ein 
Schiff ſchaukelt auf den Wellen; mit dem Stuhle, mit dem Kahne ſchaukeln); 
2) ziel. einen od. fih—, fehwingend od. ſchwankend hin u. her bewegen 
(@- B. auf einem Stuhle, u. befonders auf einer Schaufel); die Schaufel, 
M.-n, (oberd. auch: der Schaufel, gem. Schodel, Schudel), ein Werk— 
zeug zum Schaufeln, z. B. ein in der Mitte aufliegendes Brett, auf deffen 
Enden Perfonen fisen, die fi) abwechjelnd auf- und nieder bewegen, niederd. 
eine Wippe; bef. ein an beiden Enden befeftigtes herabhangendes Seil 
mit einem Sig in der Mitte, auf welchem man fic) felbft od. einen Andern 
hin und her ſchwenkt (niederd. ein Schodler, Schodreif); der Schaufe- 
Yer od. Schaufler, -8, wer fich oder Andere ſchaukelt; was eine ſchau— 
kelnde Bewegung hat, daher Neuw. für den Versfuß — vv — (fr. Cho— 
riambus). 

ſchaulegen, Schauluſt, ſchauluſtig, ſ. unter ſchauen. 

Schaum, m., -e8, M. (ſelten) Schäume, (altd. scüm, schüm ; oberd. chem. 
auch Schaim, gew. Faim, Faum, f. d.; niederd. Schum; isländ. u. ſchwed. 
skum, engl. scum; ital. schiuma, franz. ecume; — wahrfch. urfpr. — dem 
lat. spuma vd. spuere, fpeien, fo dafs scum durch Übergang des p in k aus spum 
entft. ift), eine durch äußere od. innere Bewegung (Gährung) in zufammen- 
hangende Bläschen verwandelte Flüffigkeit (4. B. auf der Oberfläche des 
bewegten Waffers, vor dem Munde eines Pferdes, eines vafenden oder fall- 
ſüchtigen Menfchen 2c.; das Eiweiß zu Schaum fchlagen ze.), bei. fofern fich 
diefe Bläschen in Folge der fich entwicelnden Luft auf die Oberfläche eines 
flüffigen Körpers feßen (dev Schaum der firdenden Milch u. anderer Speifen 


646 Schaumünze — Sched 


im Kochen; der Schaum des Bieres ꝛc., des gefchmolzenen Metalles zc.); 
uneig. f. etwas Nichtiges, Wefenlofes, Wergängliches (Träume find Schäu- 
me); auch f. etwas Schlechtes, Untaugliches, gew. Abfhaum; — fee. 
Ihaumbededt, Bw., mit Schaum bededt; die Schaumbdiele, Schiff. ein 
Brett an dem Steuerruder, an welches das Waſſer ſchäumend anfchlägt; 
Schaumgeboren, Bw., dicht. f. aus Schaum geboren (die Schaumgeborne, 
gr. Aphrodite, die Liebesgöttinn nach der alten Fabell.); das Schaumgolp, 
Ichauntartiges Gold zur Malerei; Goldfhaum; die Schaumfelle, eine Kelle 
(. d.) zum Abſchöpfen des Schaumes, auch der Schaumlöffel; die Schaum: 
fette, Kinnkette am Pferdegebiffe; das Schaumfraut, eine mit der Raute 
verwandte Pflanzengattung, auf deren Blättern ſich der fogen. Kuckuksſpeichel 
häufig findet; der Schaummohn oder das Schaumröslein, der gemeine 
weiße Behen; fehaumweiß, Bw., weiß wie Schaum; der Schaummurm 
od. das Schaumthierchen, die Larve einer Art Heufhrecengrillen, welche 
den fogen. Kuckuksſpeichel (f. d.) erzeugt, auch Speiwurm; die Heufchreden- 
grille felbft heißt: Schaumfliege, Flohheuſchrecke; — Ableit. ſchaumicht, 
Bw., ſchaumähnlich; fehaumig, Bw., Schaum habend, fchaumend; 
ſchäumen, Zw. (altd. schümen, niederd. ſchümen; ſchwed. skuma, engl. scum), 
1) ziellos m. haben (in diefer Bed. oberd. fhaumen), Schaum von ſich 
geben od. erzeugen (das Meer, das Bier 2c. ſchäumt; er Thäumte vor Wuth); 
auch f. ſich ſchäumend bewegen (dev Bergftrom fhäumt aus dem Felfen); 
2) ziel. etwas—, in Öeftalt eines Schaumes hervorbringen od. äußern 
(ev Shäumt Geifer und Zorn; bibl. der Mund der Gottlofen ſchäumet Böfes); 
vom Schaume reinigen, ſ. v. w. abfchäumen (das Fleifh, den Honig, das 
Wachs ꝛc. —; uneig. das Meer —, Schiff. f. des Raubes wegen auf dem 
Meere umherftreifenz daher dev Meerfhäumer f. Seeräuber); der Schau: 
mer, -8, in Papiermühlen eine Walze, welche den Zeug vollfommen fein 
u. gleichfam zu Schaum macht; der Schäumer, -$, wer etwas ſchäumt, 
d. i. abſchäumt; Yandfch. auch f. Schaumteelle. 

Schaumünze, -pfennig, Schaupla&, ſ. unter fchauen. 

Schauprahm, m. (wahrſch. f. Schaub-Prahm v. fchauben f. fchieben; 
val. Schaub, Schauber), landſch. Schiff. ein Prahm (f. d.) zum Überfahren 
über ſchmale Waſſer, zum Kolfatern der Schiffe zc. 

Schaufpiel ꝛc., fchauftellen ze. — Schauwarte, f. unter fchauen. 

Schech od. Schecht, f., -e8, M. -e, (gl. Schacht), niederd. f. Schaft, 
Stange, Spieß; bei. Schiffb. landfch. f. das Kriech (f. d.), auch: der 
Scheg. 

ſchechten, zielloſ. Zw. (engl. shift), niederd. f. ſchnell laufen, umherſtrei— 
fen (herumſchechten). 
Scheck od. Schecke, m., -en, M. -en, od. die Schecke 1., M. -n, 
(oberd. der Sched, Scheel; ſchwed. skaek; vgl. das isländ. skakr, ungleich), 
ein Thier, bef. ein Pferd, mit farbigen Sleden auf weißem Grunde od. 
mit weißen lecken auf farbigem Grunde (nach Berfchiedendeit der Zeich— 
nung: Blau, Braun, Fuchs-, Gelb, Schwarzichede); überh. ein buntge— 
flecktes Thier, daher f. die Nalle, u. eine Art bunter Lerchen; das Scheck— 
chen, eine Art Enten, die Sommerkrieke; der Schedart, -es, M. -e, 
landſch. f. die Elfter; die Sched- Ente, Eisente od. weiße Nonne, Winter-, 
Kreuzente 2c.; ſchecken, landſch. auch ſcheckern, ziel, Zw. (oberd. auch ſcheggen, 

















Schede — Scheibe 647 


engl. shag), buntfledig machen, bef. das Mw. geſcheckt (landſch. auch ge: 
ſcheckert), f. v. w. fehedig, Bw. (landſch. gem. ſcheckerig; engl. shagged, 
shaggy), gefledit wie eine Schede, überh. buntgefledit (daher: buntſcheckig; 
ein fchediges od. geichecdtes Pferd; uneig. gem. ſich fchedig lachen, f. über: 
mäßig lachen). 

Schede 2. w., M.-n (altd. auch Schegge, Scheke; vgl. Jacke u. das 
altfranz. jacque), vlt., ein zur ehemal. Eriegerifchen Bekleidung gehörendes 
enganfchließendes dick gefuttertes und durchftepptes Leibkleid. 

Schede, w., M.-n (vom niederd. ſcheden f. ſcheiden; vgl. d. griech. 
oyiön), niederd., ein Holsfcheit, eine Latte, ein durchgeſtecktes Querholz; 
der Scheden, -8, landſch. Wafferb. ein 5 Fuß langes gefchnittenes Stüd 
Holz, bei Schlengenwerken gebraudit. 

Schedel, m., ıc. ſ. Schäbel. 

fcheel od. ſchel, Bw. (altd. scelah, sceleh, schelch; oberd. ſchelch, ſchelk, 
fchiel; niederd. ſchell f. krumm, quer, u. Scheel f. fchielend; ſchwed. skaelg; 
angelf. scel, sceol; von gleicher Wurzel mit dem griech. 0z0Jıos, 0xeAl0s, 
u. wahrfch. auch d. lat. scelus; vergl. fchielen), urfpr. u. noch landſch. ſchief, 
verbogen, krumm, quer (z. B. oberd. windſchelch f. windfchief); jest 
insbef. ſchief od. feitwärts blickend, fchielend (fcheele Augen), bei. uneig. f. 
mifsgünftig, neidifch, unzufrieden (fcheel zu etwas ſehen; fcheele Blicke, 
Mienen 2c.); oberd. auch f. argliftig, betrügeriich; die Scheelfucht, die herr- 
chend gewordene Neigung, zu Anderer Vorzügen od. Vortheilen ſcheel zu fe- 
hen, ſinnv. Mifsgunft, Neid, Eiferſucht; fcheelfüchtig, Bw., Scheelfucht 
hegend und zeigend, mifsgünftig 2c.; die Scheelfüchtigfeit, das Scheelſüch— 
tigfein. 

Scheere, w., ſcheeren, ſ. Schere, fcheren. 

Schefe od. Schäfe, w., M. -n, (vgl. Schelfe u. das altd. cheva), ſchwäb. 
f. Hülfe, Schote von Hülſenfrüchten; die Hülfenfrucht felbft, bef. Zucker— 
erbſe (auch Scheferbfe, Schäferbes; einem in die Schefen gehn, uneig. 
f. ihm ins Gehege Eommen). 

Scheffe, m., f. v. w. Schöffe, Schöppe, f. d. 

Scheffel, m., -$, M. w. E. (altd. scefil, altfächf. skepil, nieberd. 
Schepel; verfch. von dem oberd. Verl. das Schäfflein, Schäffel von 
Schaff, Gefäß; aber mit diefem von gleihem Stamme; f. Schaf), ein 
Maß zu trodnen Dingen, insbef. ein Getreidemaß, gemeiniglich in 4 Vier- 
tel oder 16 Mesen getheilt, und — „5 Malter; der Berliner Scheffel ent- 
hält 3072 preuß. Kubikzoll und hat 22 Zoll im Durchmeffer (uneig. einen 
Scheffel Salz mit Iemand gegefien haben, d. i. lange mit ihm zufammen ge- 
lebt haben); landſch. auch ein vierediger Kaften ohne Boden, 2 Ellen lang, 
14 Eile breit, 4 Elle Hoch, zum Meffen der Pflafterfteine; auch als Feld- 
maß fo viel Land als man mit einem Scheffel Getreide befäen kann; der 
Scheffelfad, ein Sad, welcher einen Scheffel Getreide faſſt; der Scheffel- 
ſchatz, landſch. f. Scheffelfteuer, eine Abgabe von jedem Scheffel Getreide; 
der Scheffelzehnte, der Zehnte vom ausgedrofchenen Getreide, Sadzehnte, 
entg. Mandel-, Garbenzehnte; fcheffeln, ziellof. 3w. m. Haben, Landw. 
vom Getreide: den Scheffel füllen, d. i. Körner geben (das- Getreide fchef- 
felt gut). 

Scheibe, w., M.-n, Verkl. das Scheibchen, oberd. Scheiblein, gent. 


a nn 


648 Scheibe J 


Scheibel, (altd. scipa, scaba, schibe, urfpr. Kugel, Rad ꝛc.; oberd. die 
Scheiben, auch Scheuben, niederd. Schiwe, holl. schyve, engl. shive; von 
dem altd. ablaut. Zw. schiben, scheip, schiben, noch oberd. ſcheiben, ſchib 
u. ſcheibte, gefchiben, f. fortrollen machen, kugeln, wälzen, drehen, wenden 
Coerich. von fchieben, |. d.); daher auch oberd.: ſcheib, Fcheibs, ſcheibum, 
als Nw. f. rund, vings), 1) ein um feinen Mittelpunkt beweglicher flacher 
dünner Körper mit rundem Umfange, finno. Rolle (z. 8. die Scheiben od. 
Rollen in einem Kloben, ſ. Kloben 2.; die Töpferfcheibe, |. d.; in den Müh— 
len: runde Brettftüce, welche das Getriebe ausmachen 2c.); 2) überh. ein 
Ereisformiger oder rundlicher dünner, flacher Körper, ohne den Begriff der 
Beweglichkeit, z. B- die Schießſcheibe (nad) der Scheibe Schießen), Wurf- 
ſcheibe (fr. Discus) ; niederd. ein rundes Tiſchblatt; die Scheibe der Sonne, 
des Mondes (Sonnen-, Mondfcheibe), Tofern fie dem Auge als runde Flächen 
erfcheinen; die Knieſcheibe (f. d.); die Salzicheibe, eine fcheibenförmige 
fefte Salgmaffe, auch die Einfaffung od. das Gefäß, worin diefelbe ihre Form 
erhältz bef. ein abgefchnittenes, dünnes, Aundliches Stüd, eine Schnitte 
(z. B. einen Apfel, eine Rübe, Wurft zc. in Scheiben ſchneiden; eine Scheibe 
Brod, Semmel 2c.); Jäg. das HDintertheil des Hirfches: die Scheibe; das 
vundliche Stückchen Erde, welches der Hirſch im Gehen auffafft und fallen 
räfft: das Scheibhenz 3) in weiterer Anwendung ohne den Begriff der 
Rundung: ein flacher, verhältnifsmäßig dünner Körper, finnv. Platte, 
Tafel (4. B. Glas-, Fenfterfcheibe (welche freilich ehem. rund waren); 
Honig-, Wahsfcheibe (f. d.); Hüttenw. der obere erkaltete Theil des ge- 
ſchmolzenen Kupfers 2c. nad) Abhebung der Schladen (die Scheiben reifen, 
d. i. abnehmen); Zuchm. ein längliches Brettchen, womit nach dem Prefien 
das Haar der Tücher niedergedrückt wird; Brau. ein zum Keimen aufgefchüt- 
teter Haufen eingeweichten Getreides; oberd. auch ein zum Aufladen zufammen- 
gefchlagener Heuhaufen; Naturk. eine Art platter Klipp- oder Bandfifche 
(auch Scheibenfifch); — Zſetz. fheibenartig, -Ahnlich, -fürmig, Biw.; 
die Scheibenaufter, eine Art Keiner, platter Auſtern; die Scheibenbanf, 
die Ziehbank der Drathzicher; die Scheibenbirn, eine Axt platter Auguftbir- 
nen; der Scheibenbohrer, ein mit einer Scheibe verfehener Drillbohrer, Zug- 
bohrer; die Scheibenbüchfe od. das Scheibenrohr, eine Büchfe mit gezo- 
genem Rohre zum Scheibenfchießen; der Scheibenhonig, Honig in Scheiben; 
die Scheibenkfeule, in Gtashütten: die Eeulenförmig aufgeblafene Glasmafle, 
woraus vierediige Glasfcheiben geformt werden; die Scheibenkrüde, Faſsb. 
ſ. v. w. Reifbeuge; das Scheibenpulver, feines Schiefpulver, beim Schei- 
benfchießen gebraucht; der Scheibenring, ein Ring an einer Scheibe z. 8. 
eines Getriebes; auch eine der Kamille ähnliche Pflanze, die Ringblume; das 
Scheibenfchießen, das feftliche Schiegen nach dev Scheibe; dev Scheiben- 
ſchütze, wer daran Theil nimmt, bef. als Mitglied einer Schügengefellichaft; 
die Scheibenfchnede, eine Art platter Schnivkelfchneden; das Scheiben- 
thierchen, eine Art ſcheibenrunder Aufgufsthierchen; das Scheibenwerfen, 
der Scheibenwurf, das Werfen, dev Wurf mit der Wurffcheibe (dem Discus) 
im Alterthum; der Scheibenzieher, Klein Meffingdrathzieher, welcher ſich 
zu feiner Arbeit einer Scheibe bedient; der Scheibenzug, Flaſchenzug; — 
Ableit, ſcheibig od. ſcheibicht, Bw. (oberd. auch ſcheiblich, ſcheiblecht, 
altd. schibeleht), ſcheibenförmig, ſcheibenähnlich, flachrund; alt u. oberd. 








J— 


ſcheiben — ſcheiden 649 


auch f. walzenförmig u.-f. kugelrund; der Scheibler, -8, oberd. ein Fuhr⸗ 
mann, welcher Salz in Scheiben (f. 0.) ausführt; der Scheibling,, - 8, 
M.-e, eine Art Äpfel, Scheiben-, Plattapfel; — fcheiben 1. ziet. Zw. 
ablaut. Mw. gefchieben, (altd. schiben, scheip, schiben; vgl. 0. Scheibe), 
nur oberd. f. rollen, Eugeln, drehen; 2. (auch ſcheibeln) ziel. Zw. (bloß 
umend. Mw. gefcheibt), oberd. f. fheibenähnlich formen, Ereisförmig zu- 
fammenlegen (z. 8. ein Seid; fih—, f. ſich ründen; das Mw. gefcheibt 
f. gerlindet, rund. 

ſcheiben 3. ziel. Zw. (isländ. ſchwed. skifa, skifvaz verw. mit Schiefer, 
ſchiften), oberd. f. fpalten, Elieben. 

Scheid, m., feheidbar zc. ſ. jcheiden. 

Scheide, m., -n, M. -n, n. A. die Scheide J., M. -n (oberd. der 
Schaid, Schaiden, Schaidfifch; vgl. die Schade), landſch. f. der Wels. 

Scheide 2. w., M. -n, (altd. sceida, scheide; oberd. Schaid u. Schaiden, 
niederd. Schede, Schee; altfächf. skedia, ſchwed. skida (auch Hülfe), angelf. 
scaethe, engl. sheathz; wahrſch. von der ſanskr. Wurzel Ischid, bededen; alſo 
urſpr. Bedeckung, Hülle, Gefäß; vgl. das Geſcheid; Geſcheide; das nie- 
derd. Schut f. Haut; griech. 0zUros, lat. scatum (Schild); niederd. Schüte 
f. Fahrzeug), eine hohle, längliche Bekleidung, fehmales Behältnifs oder 
Futteral, bef. für die Klinge fchneidender od. ftechender Werkzeuge (Degen>, 
Säbel-, Mefjerfcheide 2c.; das Schwert aus der Scheide ziehen, in die Scheide 
ftecten); Naturk. eine dünne, hautige Bekleidung einzelner Theile von Thier- 
und Pflanzenkörpern (z. B. die Blumenfcheide, f. d.; auc) der den Stamm 
umfaffende Theil der Blattwurzel; die Mutterfcheide, ſ. d.); überh. Ahnliche 
Bekleidungen anderer Dinge, z. B. am Kutfchkaften, an Pferdegefchirven: 
die Bekleidung der Tragriemen u. der Zugftränge u. dal. m.; — 3feb. der 
Scheidehafen, der Hafen, mittelft deffen die Degenfcheide. an dem Gehänge 


befeſtigt wird; die Scheidemufchel, eine Art zweifchaliger, Länglicher Muſcheln, 
auch Mefferfcheide, =fchale, =heft ze. genannt; fcheidenfürmig, Bw.; das 


Scheidengras, eine Art des Wollgraſes, ſcheidiges Woll- od. Dungras: 
die Scheidenhaut, Anat. fcheidenähntich bekleidende Haut; der Scheiden- 
Fafer, eine Art Rüſſelkäfer; die Scheidenmündung, Anat. Mündung der 
Mutterfcheide; — Ableit. ſcheidig, Bw., eine Scheide enthaltend, aus 
Scheiden beſtehend (Pflanz. ein ſcheidiger Halm). 

Scheide 3. w., Scheidebanf u. f. w. — Scheidemünze, f. unter 


fcheiden. 


ſcheiden, Zw. ablaut. Smpf. ſchied, Gonj. fehiede, Mw. gefchieden, (goth. 
skaidan, Prät. skaiskaid; althochd. sceidan, sciad, gisceidan, u. nicht =ablaut. 
sceidön, auch scidon, ————— mittelh. scheiden, schiet (u. als ziel. Zw. 
scheidete), gescheiden; oberd. ſchaiden, ſchied u. fchaidet, gefchaiden u. gew. 


geſchaidet; daneben auch ſcheiden, fchid, geſchiden; niederd. ſcheden; angelf. 


scaedan; von der Wurzel skid, schid, fpalten, theilen; daher das griech. 
0x0, ored«o ; lat. scindo), 1) ziellos m. fein, fic) entfernen, trennen, 
mweggehen, eine Perfon od. einen Ort verlaffen (er fchied von ihr; von der . 


Erde, von binnen, aus diefem Leben—, d. i. fterben; vgl. ab-, verjcheiden); 


auch von der Zeit f. vergehen (das Jahr ift gefchieden; das fcheidende Jahr 2c.); 
2) rückz. fih—, fic) trennen, von einander entfernen, auseinandergehen 
(die Wege ſcheiden ſich Hierz Leib und Seele feheiden ſich, wenn man ftirbt), 


- 


650 fcheiden 


auch in feine Beftandtheile gefondert werden (die Milch ſcheidet fi, wenn 
fie gerinnt); 3) ziel. (in diefer Bed. ehem. u. noch oberd. auch umend. z. B. 
bibl. Gott ſcheidete das Licht von der Finfternifs) örtlich trennen, entfer= 
nen; begrenzen, abtheilen (die Wand fcheidet beide Zimmer; zwei Grund- 
ftücte durch einen Graben fcheiden; die Alpen fcheiden Stalien von Deutſch— 
Yand); den Zufammenhang, die Verbindung zweier Dinge od. Perfonen, 


oder auch der Theile eines Dinges aufheben, auflöfen (der Tod wird uns 


von einander fcheiden; ein Ehepaar ſcheiden; er hat fich von ihr fcheiden laſſen; 
bibl. was Gott zufammenfügt, fell der Menſch nicht fcheidenz; wir find ge— 
fchiedene Leute, d. i. wir haben keine Gemeinfhaft mehr mit einander); bef. 


Ungleichartiges trennen, finnv. fondern, abfondern, einen gemifchten Stoff 


in feine einfachen, reinen Beftandtheile zerlegen od. auflöfen (bibt. die 
Schafe von den Böden—; das Gute vom Schlechten —; Bergw. die Erze 
jcheiden, d. i. mit dem Hammer von dem tauben Geftein abfondern; das Gold 
vom Silber ze.—, durch Schmelzung, Auflöfung in Scheidewaſſer zc.); alt 
u. landfch. auch f. auseinanderfegen, entjcheiden, fchlichten (einen Streit, 
Handel 2c.); — der Scheid, -e8, o. M., vlt. f. die Entſcheidung Gest nur 
noch in: Beſcheid; chem. auch Abicheid, Unterfcheid 2c.); die Scheide, 
M.-n, der Drt, wo zwei Dinge ſich fcheiden, bef. in den Zſetz. Grenz-, 
Meg, Wetterfheide; die Grenze, Mark (die Scheide des Feldes); — Zſetz. 
v. fcheiden: die Scheidebank, Bergw. die Bank, auf welcher das Erz ge- 
ſchieden, d. i. mit einem Hammer, dem Scheideeifen od. Scheidefäuftel, 
zerfchlagen wird; der Scheidebaum, Grenzbaum; der Scheideblid‘, Ab- 
ſchiedsblick; der Scheidebrief, Eheſcheidungs-Urkunde; ehem. auch das fchrift- 
liche Endurtheil eines Richters in einer Streitfache; das Scheideerz, Bergw. 
das von dem tauben abgefonderte gute Erz; das Scheideglad,. Scheidek. ein 
trichterförmiges gläfernes Gefäß zur Scheidung flüffiger Körper, auch der 
Scheidetrichter; der Scheidefolben, ein Kolben €. d.) zur Scheidung 
edler Metalle durch Auflöfung; die Scheidefunft, die Kunft, die natürl. 
Körper in ihre Beftandtheile aufzulöfen, u. fie mit einander zu neuen Stoffen 
zu verbinden; auch die Wiffenfchaft der Gefege u. Urfachen der Miſchung und 
Scheidung der Stoffe (fe. Chemie od. Chymie); ſcheidekünſtig, Bw., un 
paflendes Neuw. f. zur Scheidefunft gehörig (fr. chemiſch); der Scheide 
Fünftler, wer die Scheidekunft verſteht u. übt (fr. Chemiker); der Scheide 
kuſs, Abſchiedskuſs; der Scheidemann, it. f. Schiedsmann, Schiedsrichter; 
das Scheidemehl, Bergw. beim Scheiden des Erzes abfallender Staub; die 
Scheidemünze, Kleine Münze, mittelft deren Käufer u. Verkäufer ſich aus- 
einander fegen (ſcheiden); der Scheideofen, Hüttenw. ein Ofen, in welchem 
Silber durch Scheidewaffer gefchieden wird; der Scheidepfahl, Grenzpfahl; 
Mühl. Pfähle, durch welche ein Gefälle von dem andern gefchieden wird; der 
Scheidepunft, Grenz, Trennungspunft; Scheidepunfte, Spradl. |. v. w. 
Trenn⸗ od. Trennungspunfte, ſ. d.; der Scheidefchacht, Bergw. ein Schacht, 
wo die Erze von den Bergarten geſchieden werden; der Scheideſpruch, 
Sprud) eines Schiedsrichters; die Scheideftube, Bergw. Stube, worin das 
Erz gefchieden wird; die Scheideftunde, Abichieds>, Trennungs-, auch Ster- 
beftunde; die Scheidewand, eine Wand, welche zwei Räume von einander 
ſcheidet; in weiterer Bed. überh. ein dünner, flacher Körper, eine Haut u. dgl., 


welche einen Raum ducchfchneidet u. abtheilt (4. B. die Scheidewand der Nafe) ; 











Scheig — ſcheinen GB 


uneig. Alles, was zwei Dinge od. Perfonen von einander trennt od. entfernt 
hält (2. B. VBerfchiedenheit des Glaubens, der Dankart zc. ift od. bildet eine 
Scheidewand zwifchen Beiden zc.); das Scheidewafler, äsende Salpeter- 
fäure, mit Waffer verdünnt, zur Scheidung der Metalle dienend; der Scheide- 
weg, ein Weg, der ſich in zwei od. mehre Wege theilt, u. der Ort, wo dieſe 
ſich fcheiden, aud) uneig. (am Scheidewege ftehen); auch f. Grenzweg zwifchen 
zwei Stüden Landes; das Scheidewerk, Bergw. eine von den Erzen zu 
fcheidende taube Steinart; das Scheidezeichen, Grenzzeichen; Sprachl. f. 
Sastheilzeihen (fr: Interpunctiongzeichen); — Ableit. ſcheidbar, Bw., fähig 
gefchieden zu werden, bef. in der Scheidek.; daher die Scheidbarfeit; der 
Scheider, -8, die Scheiderinn, M. -en, wer etwas fcheidet (vgl. Mark-, 
Sandfcheider 2c.); bef. Bergw. Erzſcheider; ehem. auch f. Schiedsrichter, 
Entfcheider (altd. scheidaere); die Scheidung, die Handlung des Schei- 
dens od. Trennens (nur in thätlicher Bed.; außerdem: das Scheiden, 
d. i. das Weggehen, Abfchiednehmen, Sterben ꝛc.; aber die Scheidung zweier 
Eheleute, Ehefcheidung); insbef. die Vorrichtung des Scheidefünftlers (Die 
naffe—, durch Scheidewaffer; die trockne Scheidung, duch Schwefel od. 
Spießglanz). 

Scheig od. Scheif, f., -e3, M. -e, ein Furzes rundes Fahrzeug in der 
Nordfee, bef. zum Fiſch- und Aufternfange. 

fcheinen, ziellof. Zw. m. haben, ablaut. Impf. ſchien, Gonj. fehiene, 
Mw. gefhienen, (goth. skeinan, Prät. skain, leuchten, neben skeina, die 
Leuchte; althochd. scinan, scein, si scinun, giscinan, mittel. schinen, schein, 
si schinen, geschinen; daneben das abgel. Factitivum; sceinan, scheinen, 
scheinte, gescheint f. zeigen, darthun, offenbaren; oberd. fcheinen, ſchin und 
ſcheinet, gefchinen u. geſcheint; niederd. ſchinen; fchwed. skina, angelf. scinan 
(au) brennen), engl. shine; — urjpr. vieleicht: brennen, verw. mit dem 
griech. zeieıy, lat. canere, candere?), 1) ein anhaltendes, helles Licht von 
fi geben, finnv. leuchten, ſchimmern, bef. fofern der leuchtende Körper 
felöft fichtbar ift (die Sonne, der Mond fcheint, hat gefchienen); alt u. dicht. 
aud) f. glänzen, durch Glanz, Schönheit ꝛc. fichtbar fein, fich auszeichnen; 
u, überh. f. fic zeigen, deutlich bemerkbar od. erkennbar fein, erfcheinen; 
2) bef. auf eine gewiffe Art wahrgenommen od. empfunden werden, das 
Anfehen od. den Anfchein haben, entg. dem Sein od. der wirklichen Be- 
fchaffenheit der Sache (die Dinge feheinen oft anders, als fie find; er will ge 
lehrt fcheinen, ohne es zu fein; er fcheint arm zu fein; dies fcheint ein gutes 
Mittel zu fein), mit dem Dat. der Perfon (mir ſchien es nicht fo; du fcheinft 
mir traurig zu fein 2c.), auch unp. es ſcheint, d. i. es hat das Anfehen ıc. 
(3. B. es fcheint, dafs er nicht glücklich iſt; wie es fcheint, ift er böfe auf 
mich 2c.); — ſchein, Bw. (altd. scin, schin) völlig vlt. f. hell, glänzend; 
ſichtbar, offenbar, Elarz; der Schein, -e8, M. (nur in einigen Bed.) -e, 
(althochd. scim, scimo, vgl. ſchimmern, Scham, Schemen; mittelh. schin ; 
isländ. skin; niederd. Schien), 1) das Scheinen, d. i. das Sichtbarfein 
eines leuchtenden Körpers (Sonnen, Mondfchein; Sternk. der Stand eines 
Planeten im Verhältnis gegen andere, fr. Aſpect: gedritter Schein, wenn 
zwei Planeten 120—, gevierter, wenn fie 9O—, gefehster, wenn fie 
60 Grad von einander ftehen); das von einem leuchtenden Körper aus- 
gehende Licht, ftärker als Schimmer, fchwächer als Glanz (einen Schein 


652 fcheinen 


von fich geben, werfen; der Schein des Feuers, einer Lampe zc.; einen Schein 


am Himmel ſehen; vgl. Nordfchein, Wiederſchein); chem. auch f. Glanz, 
fhönes Ausfehen (der Blumen Schein u. dgl.); oberd. insbef. f. Mond, 
Mondgeftalt (der neue, alte, volle Schein zc. f. Neumond ꝛc.; auch 
Schein insbef. f. Neumond, z. B. Sännerfchein f. Neumond im Zanuar 2e.); 
2) das Äußere Ausfehn, die finnliche Erfcheinung eines Dinges; was 
von einem Dinge in die Sinne fällt, od. die Art und Weife, wie ces un- 
mittelbar wahrgenommen od. empfunden wird, entg. dem Wefen od. der in- 
neren, wahren Befchaffenheit des Dinges (der Schein trügt; einen guten, od. 
böfen. Schein haben; den böfen Schein vermeiden; etwas nur zum Schein 
thun; einen unter dem Scheine der Freundfchaft befrügenz ‚der Schein ift 
wider ihn, od. ev hat den Schein gegen ſich, d. i. er Scheint ſchuldig zu fein, 
wenn er gleich vielleicht wirklich unfchuldig ift); 3) dasjenige,, wodurch etwas 
fichtbar, offenbar, erkennbar (fchein, f. o.) wird: ein fhriftliches Zeugnifs, 
eine Urkunde über eine Thatfache, Leiftung zc., bef. von Eleinen, ohne Förmlich- 
keiten ausgefertigten Urkunden im gemeinen Leben, eine Befcheinigung (z. B.ein 
Empfang, Poft-, Schuld, Tauf:, Traus, Todtenfchein ze. M. Scheind); — 
3feg. in denen fchein= die Bed, der ‚äußeren finnlichen Erſcheinung, des 
bloßen Anfcheins od. des Scheinbaren, entg. dem Wirklichen u. Wefentlichen, 
hat, bedürfen größtentheils Eeiner befondern Erklärung, als: der Scheinbe- 
helf; der Scheinbeweis; das Scheinbild od. gebilde; die Scheinbuße; 
der Scheinchriſt; das Scheindingz die Scheinehe; die Scheinehre; der 
Scheinfreund; die Scheinfreundfchaftz der Scheinfrieden; fcheinfromm, 
Bw.; fcheingelehrt, Bw.; der Scheinglauben; das Scheinglüd; das 
Scheingold, gemifchtes Metall, welches den Schein des Goldes hat; fehein- 
groß, Bw.; die Scheingröße; der Scheingrund, ein bloß, fcheinbarer, 
nicht wirklicher Grund; das Scheingut; der Scheinhandel, -Fauf, =ver- 
frag, ein nur zum Schein gefchloffener Handel 2c.; fcheinheilig, Bw., den 
äußeren Schein der Heiligkeit an fich tragend (als Hw. ein Scheinheiliger, 
d. i. Heuchler, Kopfpänger); die Scheinheiligkeit: die Scheinherrfchaft ; 
fcheinklug, Bw.; die Scheinklugheit; der Scheinförper; das Schein- 
Yeben, f. ein jchwächliches, unwirkſames Dafein; die Scheinliebe; das 
Scheinlob; die Scheinmacht; das Scheinmittel; der Scheinnußen; 
die Scheinruhe; der Scheinſieg; der Scheintod, todähnlicher Starrkrampf; 
feheintodt, Bw., nur dem Scheine nach todt (als Hw. ein Scheintodter 2e.); 
die Scheintugend; das Scheinübel; die Scheinurfache; das Schein: 
verdienft; das Scheinwefen; der Scheinwiderfinn, oder = widerfpruch 
(f. das fr. Paradorie), u. dgl. m.; — andere Zfeg.: der Scheinbote, ober. 
Rſpr. f. bevollmächtigter Stellvertreter; daher auch: die Scheinbotfchaft: 
die Scheinfeder, an deutfchen Schlöffern das Gehäufe, welches die wahre 
Feder verbirgt; der Scheinfafer od. Scheinwurm, im Dunkeln leuchtender 
Käfer, Sohanniskäfer, Glanzkäfer, Glühwurm 2e.; die Scheinmwurzel, Pflanz. 
aus der Wurzel hervortreibende Stengel, welche aus dem Boden hervorkom— 
men; — Ableit. fcheinbar, Bw. (altd. schinbaere), ehem. f. deutlich in 
die Augen fallend, augenfcheinlich, offenbar (z. B. auf ſcheinbarer That; 
ehem. auch ſcheinbarlich, def. als Nw., z. B. Gott hat ihn fcheinbarlich 
geftraft); auch f. ein gutes äußeres Anfehen habend G. 8. eine Waare 
ſcheinbar machen; entg. unfcheinbar); jegt acw. was etwas zu fein feheint, 











fcheißen — Sceit 653 


ohne e3 wirklich zu fein, entg. wirklich, wahr (z. B. fcheinbare Unfchuld; 
ein fcheinbarer Grund 2c.); daher die Scheinbarkeit, das Scheinbarfein; 
fcheinig, Bw., alt u. landſch. f. einen Schein habend, verbreitend; in die 
Augen fallend, anfehnlich, (gew. nur in Zſetz. wie fadenfcheinig, f. d.; oberd. 
offenfcheinig f. öffentlich); Fcheinlich, Bw. (altd. schinlich), vlt. f. fichtbar, 
in die Augen fallend, jest nur: augenſcheinlich; ein gutes Ausfehen 
habend, glänzend Cicheintiche Kleider, Worte ze.); den Schein von etwas 
habend, fcheinbar (nur in: wahrſcheinlich). 
fcheißen, ziellof. u. ziel. Zw., ablaut. Smpf. ſchiſs, Gonj. ſchiſſe, Mw. ge- 
ſchiſſen, (altd. scizan, schizen, rät. scheiz, schizzen, Mw. geschizzen; 
niederd. fchiten; ſchwed. skita, angelf. seitan, engl. shitez franz. chier; verw. 
mit Schießen; vol. auch das gr. Zee), niedr., den Überreft von verdau- 
ten Speifen durch den Maſtdarm ausleeren; alt u. Landfch. auch f. hörbare 
Blähungen abgehen laffen; (dies Wort gehört mit allen feinen Zſetz. und 
Ableit. dev niedrigften Pöbelſprache an); der Scheiß, oberd. f. das Scheißen; 
auch f. eine hörbar abgehende Blähung; die Scheiße, f. Menfchen= und 
Thierkoth; alt (schize) u. oberd. auch f. Durchfall; — 3ſetz. die Scheiß- 
beere, niedr. Benennung verfchiedener Beeren-Arten, insbe. f. Kreuzbeere; 
Faulbeere; Beere des Hartriegels; Zaun- od. Heckenkirſche; Mehl- od. Schling- 
beere 2.5 der Scheißdreck, ſ. Dred; der Scheißfalf, niedr., eine Art fal- 
Eenähnlicher Patſchfüße im Norden; das Scheißhaus, niedr. f. Abtritt; das 
Scheißfraut, f. Flachskraut; Springkraut; Waldbingelkraut, auch die Scheiß- 
melde; die Scheißrübe od. wurz, f. Zaunrübe; — Ableit. der Scheißer, 
-$, wer fcheißtz oberd. uneig. f. ein unanfehnlicher, Eraftlofer Menſch; die 
Scheißerei, das Scheißen; uneig. f. ein fehlechter Handel, eine gering- 
fügige, nichtsnusige Sache; feheißern, unp. zielloj. Zw., das Bedurfnifs 
od. Verlangen zur Ausleerung fühlen (mic cheißert); daher fcheißerifch, Bw. 
Scheit, f., -23, M. -er u. -e, Verl. das Scheitchen, oberd. Scheitlein, 
(altd. seit, schit, M. schiter; oberd. Scheit, M. Scheiter; daneben: scheite, 
w., oberd. die Schaiten, f. Holzſpan; u. der Scheit od. Schait fr Keil 
zum Holzfpalten; altnord. u. ſchwed. skid, angelf. seidi, engl. shide: vergl. 
das altd. sciton, schiten, oberd. ſcheiten, f jpalten, hauen, Nebenform 
von fcheiden, ſ. d.), 1) überh. ein durch Spalten entftandenes Stud Holz 
(M. gew. Scheite), insbej. ein großes Holzſtück von einem gefpaltenen 
Baumklotz (Holz zu Scheiten ſchlagen; Klafter-, Brandſcheite 20); landſch. 
auch die daraus gehauenen kleineren Stücke Brennholz (Scheitchem; 
oberd. auch als Sammelw. in der Einh. f. geſpaltenes Brennholz überh.; 
ferner ein gerades u. meift kurzes Holzſtück, als Werkzeug dienend G. 8. 
das Packſcheit, Knetfcheit der Bäder, Richtſcheit, Grabicheit 2c.); landſch. 
uneig. ein Backwerk in Form eines Scheites (Chriſtſcheitchen, zu Weih- 
nachten gebaden); 2) in weiterer Bed. ein Bruchſtück von einem zertrüm— 
merten hölzernen Körper, finnv. Trumm, jedoch nur in der M. die Schei- 
ter gebr. (4. B. ein Schiff geht in Scheiter od. zu Scheitern); — 3 ſetz. der 
Scheithauer, -fchläger, wer Holz zu Scheiten hauet, Klafterfchläger; das 
Scheitholz, in Scheite gefchlagenes Brennholz; das Scheitmaß, Maß der 
Klafterjcheite; der Scheitmeiler od. Scheitelmeiler, ein aus Scheiten zu— 
fammengefegter Meiler (ſ. d.); der Scheiterhaufen, ein aus Scheitholz er- 
richteter Haufen, Holzitoß, bei. ehem. um Leichen oder zum Tode Verurtheilte 


654 Scheitel — Schelfe 


darauf zu verbrennen; — Ableit. fcheiten, ziel. Zw., oberd. f. Holz zu 
Scheiten fchlagen, überh. fpalten; Scheitern, ziellof. 3w. m. fein, in Schei= 
ter od. Trümmer gehen, zertrümmert werden, bef. von Schiffen (das Schiff 
iſt an einem Felſen geſcheitert); uneig. f. vernichtet, vereitelt werden (alle 
feine Pläne, Unternehmungen ze. fcheiterten). 

Scheitel, m., -8, M. w. E., alt u. oberd. w., M.-n (altd. sceitila, 
scheitel, w.; oberd. die Schaitel; niederd. Schedel; v. dem altd. sciton, 
schiten, fcheiten, fpalten; f. Scheit), der oberfte Theil des Kopfes, wo fich 
die Haare theilen (fcheiten), Kopfwirbel (von der Fußfohle bis zum Schei— 
tel, bibl. — bis auf die Scheitel); in weiterer Bed. der ganze behaarte Ober— 
kopf; uneig. f. Gipfel, Spige (der Berge Scheitel); bei den Würmern bie 
oberfte Hervorragung des Rüdens; auch) f. Scheitelpunkt, f. u.; — 3ſetz. 
das Scheitelbein, Anat. die fhalenförmigen Knochen, welche den Scheitel 
bilden; das Scheifelhaar, das Haar auf dem Scheitel; der Scheitelfreis, 
Sternf. der größte Kreis der fcheinbaren Himmelskugel, welcher durch den 
Scheitel- und Fußpunkt geht (fr. Verticalkreis); die Scheitellinie, die durch 
den Scheitel u. Fußpunkt gehende gerade Linie, die Achfe des Geſichtskreiſes 
(fr. Vertical-Linie); der Scheitelpunkt, der fenkrecht über dem Scheitel des 
Beobachters gedachte höchfte Punkt des Himmelsgewölbes (fr. Zenith), entg. 
Fußpunkt; fcheitelvecht, Bw., auf dem fcheinbaren Gefichtskreife ſenkrecht 
ftehend, fo dafs die verlängerte Linie in den Scheitelpuntt trifft (fr. vertical); 
der Scheitelwinfel, Sterne. der Winkel am Scheitelpuntte, welchen der 
Scheitelkreis eines Sternes mit dem Mittagskreife eines Ortes macht (fr. Azi— 
muth); — fcheiteln, ziel. u. rückz. Zw., die Haare —, d. i. auf dem Schei- 
tel od. von dem Scheitel an vermitteift des Kammes nad) beiden Seiten hin 
theilen (die Haare gefcheitelt tragen 20.); ſich —, ſich nad verſchiedenen 
Seiten theilen (die Haare ſcheiteln ſich auf dem Wirbel). 

Scheiterhaufen, ſcheitern, Scheithauer, =holz 1, f. unter Scheit. 

fchel, Bw., f. ſcheel. 

fchelb, fchelch od. ſchelk, Bw. (vergl. fcheel), oberd. f. fchief, fehräg, 
zwerch, krumm; fcheel, fchielend; uneig. f. argliftig, betrügerifch; der 
Schelch 1., -es (althochd. scelaho), altd. f. Bockshirſch (das Thier mit 


fchielendem Bike); ſchelchen od. fchelfen, Zw. oberd. f. ſchief od. krumm 


gehen; uneig. f. betrügen. 

Schelch 2. m. u. f., -e8, M. -e (ggez. aus Schältich v. ſchalten, f. d.), 
fränk. f. Flufsfahrzeug, Kahn. 

Schelch 3. m., -ed, M. -e (vgl. Schäthengft, Beſchäler), vlt. f. Zucht: 

ier. 
' ſchelen, ziellof. 3w. (holl. scheelen, schillen, dän. skille; isländ. skilia, 
. angelf. seylan, unterfcheiden; von der Wurzel scal, trennen, fpaltenz ſ. Schale), 
niederd. f. 1) ungleich, verfchieden fein (z. B. weit von einander ſchelen; es 
ſchelet viel) 2e.; 2) uneinig fein, zanken, ftreitenz; 3) fehlen, gebrechen, 
mangeln (was fchelet dir?); die Schele, M. -n (angelf. scyle, Unterfchied; 
holt. scheele) niederd. f. Uneinigkeit, Zwift, Streit; auch die Schelung 
(mittelh. schellunge, Zwietracht; vgl. auch das oberd. ſchellig unter ſchel— 
len 2.). 

Schelfe, w., M.-n (altd. sceliva, schelve; von gleichem Stamme mit 
Schale, ſ. d.; vgl. das angelf. scyl£f, engl. shelf, hol. schelf, schelve, Brett; 





fchellen 655 


isländ. skalpr, ſchwed. skalp, Scheide), Yandfch. f. Schale, Hülfe, def. die 
häutige, biegfame Schale von Obft u. Hülfenfrüchten; ſchelfen, ſchelfern 
(auch ſchilfen, ſchilfern), Zw. 1) ziel. f. ſchälen, in dünne Blättchen 
ſpalten; niederd. (ſchelfen) ein Brettergerüſt machen; 2) rückz. fih—, 
ſich in dünnen Blättern abſondern, abblättern, abſchuppen (die Haut ſchel— 
fert od. ſchilfert ſich). 

ſchellen 1. 3w., 1) ziellos (altd. scellan, schellen, ablaut. schal, woraus 
ſchallen geworden iſt, ſ. d.) vlt. f. ſich ſpalten, trennen, zerbrechen, zer— 
trümmert werden (noch in: zerfchellen); erſchallen, ertönen; ſchwäb. u. 
ſchweiz. f. lärmend umherfchwärmen, umherlaufen (umfchellen; daher 
ſchell, als Bw. f. umherlaufend); 2) ziellos u. ziel. (altd. scalian, scellian, 
schellen, Prät. schalte, Mw. geschalt; vgl. fchälen 2.), alt u. landſch. f. 
fchlagen, anfchlagen, trennen, brechen, zerfchmettern (daher: zerfchellen, 
als ziel. Zw.; bair. Eicheln vom Baum fchellen, d. i. abfchlagen); ſchallen 
machen, ertünen laſſen; gew. in engerer Bed. u. zielos m. haben f. die 
Schelle oder Klingel ziehen, Elingeln, lauten (an der Thür—, dem Be- 
dienten —) ; — die Schelle 1., M. -n, (altd. scella, schelle) was fchallt, od. 
zur Hervorbringung eines Schalles dient; insbef. 1) ein fehallender Schlag 
(nur in: Maulfchelte, ſ. d.); 2) eiferne Hand- und Beinfeffeln (Hand, 
Fußſchellen; vielleicht weil fie ehem. mit Schellen (3) behängt waren); 
3) landſch. f. Glöckchen, Klingel (in einigen Gegenden aud) die Glode einer 
Schlaguhr); gew. Eleine hohle Metalltugeln mit einem beweglichen fchal- 
lenden Klöppel; 4) die Figur einer Schelle in der deutfchen Spielfarte 
wird Schellen genannt (dem franz. Garreau entſprechend; daher das Schel- 
lendaus, der Schellenfönig, »Ober, -Unter; die Schellenadht ꝛc.); 
3feg. v. Schelle: der Schellenbaum, ein Baum in Brafilien u. Oftindien, 
deffen nufsähnliche Frucht eine harte Elingende Schale hat u. als Schelle ge— 
braucht wird; das Schellengeläut, der Klang mehrer Schellen; das mit 
Schellen verfehene Pferdegefchirr vor einem Rennſchlitten, welcher daher auch 
Schellenfchlitten Heißt; die Schellenfappe, Narrenkappe (1. d.), am Zipfel 
mit einer Schelle verfehen; die Schellenmufchel, Napfmuſchel; die Schellen- 
pflanze, eine Pflanze mit glocenförmigem Blumenblatt (molana L.); der 
Schellenſack, landſch. f. Klingelbeutetz die Schellenfchnede, verfchiedene 
Arten Trompeten= od. Hornfchneden (die geflekte—, u. die Enotige—); dag 
Schellenwerf, oberd. u. fchweiz. f. öffentliche Zuchtarbeit (weil die Sträf- 
linge ehem. ein eifernes Halsband mit einer Schelle trugen); auch f. Zucht- 
haus; fchellenwerken od. fchellwerfen, untrb. ziellof. Zw., folche Strafarbeit 
verrichten; — 3ſetz. v. fchellen: der Schelladler, Entenadler; die Schell- 
art, eine ftumpfe Art zum Zerfchlagen der Steinſalzbänke; das Schelleifen, 
ein Werkzeug der Kupferfchmiede, womit der Kopf der Nägel rund geſchlagen 
wird; die Schell- Ente, f. v. w. Schallente; der Schellhammer, Maur. 
ein fcharfer Hammer zum Zerfchlagen großer Steine; das Schellharz (von 
fchellen f. fpalten?), durch Risung gewonnenes Tannenharz; — Ableit. der 
Scheller, -8, landſch. f. der Waldrabe; auch f. Schelte, Scheltiworte ; die 
Schellung, ſelten f. das Schellen; insbef. eine ftarfe Erſchütterung der 
Knochen durch einen heftigen Fall od. Schlag, ohne Knochenbruch. 

fhellen 2. 3w., 1) oberd. (— dem niederd. ſchelen, f. d., alfo mit 
Thellen 1. von gleicher Wurzel) ziellos f. fich trennen, weggehen, weg⸗ 


656 Schellhengſt — Schelm 


ziehen, ziel. f. ſcheiden; 2) landſch. gem. f. ſchälen (ſ. unter Schale); die 
Schelle 2., M. -n, gem. f. Schale, Hülfe; fchellig, Bw., oberd. f. nicht 
zufammenhangend, uneben (griesfcheltig f. fteinig, vom Ader); wider 
feslich, widerfpenftig, zornig, aufgebracht: wild, ausreißend (von Pfer- 
den); — die Schellerbfe, landſch. f. Schotenerbfe, Palerbſe; der Schell- 
fiſch, ein ſchmackhafter Seefifh vom Dorfchgefchlecht, be. in der Nordſee 
(wahrfch. wegen feiner zwar Eleinen, aber fehr dichten Schuppen fo genannt; 
vgl. das engl. scale, Scuppe); der Schelllad , tafelförmiger Stocdlad, 
Platt- od. Tafellack; öſtr. auch f. Siegellad. h 

Schellhengft, m., ſ. v. w. Schälhengft, Beſchäler, f. d. 

Schellfraut, f. od. die Schellwurz (auch Schölt- od. Schollfraut; 
mittelh. schellewurz; angebl. aus dem lat. chelidonium entft.; n. X. wegen 
jeiner runden Schoten (Schellen, d. i. Schalen), 0d. wegen der Eleinen Höd— 
lein od. Schellen an der Wurzel fo benannt; holl. scheldkrut, niederd. Schin- 


Erut), eine an fchattigen Orten wachfende Pflanze mit rothgelbem, beißen 


dem Saft, welchem man Heilfräfte zufchreibt: großes Schellfraut, Schwal- 
benfraut, Gelb-, Goldwurz, Maikraut, Biberhödlein 2e.; Eleines Schele 
£raut, eine Art des SHahnenfußes mit goldgelben Blumen, Scharbodö-, 
Feigwarzenkraut zc. 

Schelm, m., -e8, M. -e, oberd. auch -en, M. -en, (mittelhochd. schelme, 
wahrſch. von gleichem Stamme mit Schale, fchälen, fchellen, Wurzel scal, 
vom Abziehen der Haut; daher auch: ſchelmen, Zw., ehem. f. die Haut 
abziehen, ſchinden; vgl. Schalm, fchalmen) 1) urſpr. u. noch landſch. ein ab- 
gezogenes todtes Vieh, Aas, Leichnam (daher chem. wie ein Schelm ftinten 
u. dgl.; niederd. fein Pferd zum Schelm machen laſſen, d. i. dem Schinder 
übergeben); 2) alt u. oberd. f. anſteckende Seuche, Viehfeuche, Peft (altv. 
scelmo, scalmo; z. B. an dem Schelm fterben; der Schelm kam unter das 
Vieh; der Blut-, Milchſchelm der Kühe 2c.); landſch. auch ein verborgenes 
Eörperliches Gebrechen, ein Schaden (er hat einen Schelm im Leibe u. dgl.); 


3) ein ehrlofer, verbrecherifcher Menfch, finnv. Schurke, Spigbube (ie- 


(änd. u. ſchwed. skelm, engl. skellum); insbef. ehem. ein für unehrlich er— 
klärter Menfch (einen zum Schelmen machen, d. i. ihn durch Urtheilsfpruch für 
ehrlos u. vogelfrei erklären; daher wahrfch. das heutige mehr jcherzh. „ein 
armer Schelm“ f. ein bedauernswerther, Leidender Menſch); oberd. insbef. 
der Verführer, Schwängerer eines Mädchens; jest überh. ein argliftiger Be— 
trüger (zum Schelme werden, wie ein Schelm handeln; ein Schelm, wer es 





thut! 2c.), u. bef. in gelinderem Sinne, oft fogar ſcherzh. u. liebkofend: ein | 


ſchlauer, durchtriebener, muthwilliger Menfch, finnv. Schalf (ein Lofer‘ 


Scelm; den Schelm im Naden haben, |. Schalt; — da dieje legte Bed. 
nur der neueren Sprache angehört, fo kann man Schelm 3) nicht, als von 
1) u. 2) urfpr. verfchieden, von ſchelen, fchellen f. trennen, unterfcheiden 
(vgl. gefcheit), ſchwed. skilja, einfehen, verftehen, engl. skill, Gefchiclichkeit, 
Kenntnifs, ableiten, jo dafs es eig. einen gefchictten, gewandten, jchlauen 
Menichen bezeichnete, fondern mufs es feiner urfpr. Bed. nad) als verädhlt. 
Schimpfiw., wie Aa 8, faffen); — Zſetz. das Schelm- od. Schelmenauge, 
ein ſchalkhaftes, jchelmifches Auge, u. eine Perfon mit folchen Augen; fo auch 
das Schelm - oder Schelmengeficht; die Schelmbirn, eine Art großer 


Herbftbirnen (franz. pendard); das. Schelmengras, landſch. f. das fpikige . 





Schelfuht — Scelter 657 


Riedgras; der Schelmenpfifferling, oberd. f. Gichtſchwamm, Hirſchſchwamm, 
auch das Schelmen-Ei; das Schelmenlied, ein luſtiges, leichtfertiges Lieb; 
landfch. überh. jedes nicht geiftliche Lied; bej. fchwäb. eine Art kurzer Tanz— 
lieder: Schelmentliedlein, auch Schnitterhüpflein 2c.; die Schelm- oder 
Schelmenfprache, Spisbubenfpracdhe; in milderer Beb. eine verftedte, An- 
dern unverftändliche Sprache; dev Schelm- od. Schelmenftreich, ein hin- 
terliftiger, betrügerifcher, od. in milderer Bed. muthwilliger Streich; jo auch 
das Schelm- od. Schelmenftüd, ver. Schelmſtückchen; — Ableit. 
fchelmen, ziel. u. ziellof. Zw. 1) ehem. f. ſchinden (f. 0.); 2) alt u. landich. 
f. betrügen, wie ein Schelm handeln, unerlaubte Kunftgriffe gebrauchen 
(z. 8. beim Kampf); einen—, oberd. f. ihn fiir einen Schelm erklären; 
ſich — oberd. f. fich verfchlimmern; fchelmeln, ziellof. Zw., ſchwäb. Eleine 
Betrügereien od. Schelmftüde verüben ; die Schelmerei, 1) ehem. f. 
das Schinden, die Schindereis 2) die Handlungsweife, das Betragen 
eines Schelms, argliftige Vetrügerei, u. in milderem Sinne: muthwillige 
Schlauheit; auch f. Schelmenftreich, -ſtück (M. Schelmereien); fchelmig, 
Bw., vlt. f. verpeftet, verderblich (ſ. Schelm 2); fchelmifh, Bw., einem 
Schelm eigen od. gemäß, finnv. argliftig, betrügerifch, u. in milderem Sinne: 
ſchlau, durchtrieben, ſchalkhaft (ſchelmiſch handeln; ein fchelmifches Lächeln ze.). 

Schelſucht :c. ſ. Scheelfucht unter fcheel. 

jchelten, ziel. u. ziellof. Zw. ablaut. ich fchelte, du fchileft, er fchilt, wir 
fhelten 2c.5 Imper. ſchilt, fcheltetz Impf. fehalt, Conj. ſchälte u. ſchölte; 
Mw. gefcholten, (altd. sceltan, schelten, ich schilte ıc.; schalt, schulten ; 
gescholten; niederd. ſchelden, fchellen; angelj. scyldan; wahrſch. verw. mit 
dem daraus entjprungenen ſchalten (f. d.), urfpr. ftoßen (daher noch mittelh. 
nider schelten f. niederftoßen), überh. berühren, daher althochd. f. befleden; 
dann ſchmähen, tadeln; vgl. den Übergang der Bed. in dem lat. oflendere; 
n. A. von fchellen, fchallen, alfo urfpr. laut werden laffen? val. das fchwed. 
skaella, bellen, jchelten), einen —, ihm feinen Unmillen laut Außern, finnv. 
fhmähen, ſchimpfen, tadeln, verweifen; auch ziellos: auf Jemand, 
uber etwas—, d. i. fich unwillig tadelnd äußern; u. überh. f. laut und 
heftig fprechen, bef. in Leidenfchaft, finnv. ſchmälen, zanken (fie lärmt und 
fhilt den ganzen Tag 2.); Gott—, od. fchlechtweg: fihelten, alt u. oberd. 
f. fluchen; etwas-—, tadeln, mifsbilligen (ich kann es weber loben, noch 
fchelten; chem. ein Urtheil fchelten, d. i. damit unzufrieden fich an ein höheres 
Gericht wenden); ferner fiheltend od. ſchmähend benennen, mit doppeltem 
Acc. (3. B. Semand einen Dieb, einen Betrüger ze..—); landſch. gem. auch in 
gutem Sinne: einen für etwas erklären, ihm eine Eigenfchaft, einen Na- 
men, Titel xc. beilegen (z. B. Jemand einen-gnädigen Herrn ſchelten, gew. 
mit dem Nebenbegriff, dafs er diefe Benennung nicht verdiene; niederd. einen 
quitt fchelten, d. i. frei, los Sprechen; einen unfchuldig jchelten u. dal. m.); 
das Scheltwort, M. Scheltworte, ſcheltend gefprochene, heftig tadelnde 
Worte; ehem. f. ehrenrührige Schmähworte (fr. Injurien); — die Schelte 
(altd. scelta), völlig vlt. f. Schimpf, Schmähung ; die Schelte, als Mehrh. 
0. E., gem. f. Scheltworte, Verweis (Schelte bekommen, d. i. ausgefcholten 
werden); fcheltbar, Bw., vlt. was gefcholten zu werden verdient: der 
Schelter 1., -8 (altb. scheltaere), wer fchilt, ein Tadler; ehem. f. Ankläger. 

Schelter 2. m., -8, f. v. w. Schalter, Schälter, ſ. unter fehalten. 


Heyfe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 42 


658 Schemel — Schenkel 


Schemel, m., ſ. Schämel. 

Schemen, m., -s, M. w. E. (wahrſch. v. einem alten Zw. sciman, sche- 
men f. ſcheinen; vgl. Scham, fchimmern u. Schein) 1) (altd. schime, scheme, 
niederd. Scheme, Schemel) vlt. f. Schein, Schimmer: daher oberd. eine 
Art Augenübel: das Schimmern vor den Augen, Mückenſehen (franz. mouche 
volante); Schatten, Schattenbild (bibl. der Schemen im Waffer); jest 
nur noch alterthümt. u. dicht. f. eine unforperliche, wefenlofe Erfcheinung, 
nichtige, hohle, unwahre Geftaltz daher 2) alt u. landſch. f. Larve, Maske 
(altd. scema, oberd. die Shem, Schiem); davon: der Schembart (gem. 
Schembert, Schemperz gew. verderbt in Schönbart, Schönpart), oberd. 
f. Gefichtslarve, Maske; das Schembartlaufen, chem. in Nürnberg eine 
Faſtnachts-Luſtbarkeit, beftehend in einem Masten- Aufzug und -Tanz der 
Fleiſcher; das Schembartbuch, ein Buch, worin die Namen, Kleidungen u. 
Abzeichen der Theilnehmer an diefem Feſte aufgezeichnet wurden; das Schem- 
haupt, vlt. f. Larve; — ſchemen, Sw:, niederd. f. befchatten; ſchemern, 
ziellof. Zw. niederd. f. fchatten, dammern, dunkel fehimmern (vgl. ſchum— 
- mern); bef. dunkel vor den Augen fehweben; das Schemern, die Sche- 
merung, niederd. f. Dämmerung: Schimmern vor ben Augen (wie oberd. 
Schemen, ſ. 0.). 

Schenk, Schenke, ſ. unter ſchenken. 

Schenkel, m., —8, M. w. E. Verkl. das Schenkelchen, (altd. seinca, 
scinha, w., u. scinxél, schenkel; oberd. auch Schinkel; angelf. sceanc, scanca, 
ſchwed. skank; vgl. Schinken u. das niederd. Schafe), das Bein von ber 
Hüfte bis zum Fuße bei Menfchen u. Thieren (der Oberſchenkel, Unterfchentet, 
vom Knie auf- und abwärts), gew. in beftimmterer Bed. nur der Theil von 
der Hüfte bis zum Knie, ſ. v. w. die weniger edeln Lende, Dickbein; uneig. 
f. verfchtedene ſchenkelähnlich in die Länge ausgedehnte Körper od. Körper: 
theile; 3. B. die Schenkel eines Zirkels, d. i. die langen, ſpitz auslaufenden 
Theile; im Weinbau das junge Holz, welches aus einer befchnittenen Rebe 
wieder nachwächſ't; Bergw. die Leiterbäume, in welche die Sproffen eingefügt 
find; auch der Sitz des Pferdetreibers am Göpel; Bauk. die Ständer an Fen- 
ftern oder Thüren; der glatte Raum zwifchen den Vertiefungen der Dreifcjlige 
(der Schenkel am Dreifchlis); Schiff. ein Ende von einem Zau, woran eine 
Rolle hängt; an den Reitftangen die langen gebogenen Hauptftangen an ben 
Seiten; Größenl. die Schenkel eines Winkels, (d. i. die beiden Linien, welche 
den Winkel bilden); — Zſetz. das Schenfelbein od. der Schenfelfnochen; 
die Schenfelbinde, eine Flechſenhaut, welche die Muskeln der unteren Glied- 
maßen umgiebt; das Schenfelblatt, am Pferdegefchirre der über den hinteren 
Schenkel herabhangende Theil; der Schenkeldeich, niederd. ein Deich, der 
von einem Hauptdeiche nad) einem andern gezogen wird, Flügeldeich; die 
Schenkellade, Nadl. eine Art Schraubftod, welcher auf dem Knie befeftigt 
wird, um den Drath mit der auf den Schenkel geftemmten Schrotfchere zu zer- 
ſchneiden; der Schenfelmusfel; die Schenfelwurzel, der oberfte Theil des 
Beines, die Hüfte; — Ableit. fehenfelig, od. zgez. fehenklig, Bw., Schen⸗ 
kel habend, mit Schenkeln verfehen, gew. nur in Zſetz. u. zwar in eig. Bed. 
3: B. dick-, dünn-, hochichenkelig 2c. (in diefem Sinne auch: geſchenkelt, 
3: B. Ichön=, hoch gefchenkelt), u. umeig. 3. B. gleichſchenkelig (Größenl. ein 
gleichfchenkeliges Dreied). 








fchenfen 659 


fchenken, ziel. Zw. (altd. scenhan, schenken, Prät. scanhta, schanete, nur 
in der Bed. eingießen, zutrinken; angelſ. scencan, isländ. skenkja, ſchwed. 
skänka; vgl. das angelf. scaenc, ſchwed. skänk, Becher) 1) urfpr. gießen, 
eingiefen, jegt insbef. ein Getränk in ein Trinkgefäß gießen (Bier aus dem 
Kruge, Wein aus der Flaſche in ein Glas fchenken zc.; bei. einfchenten; 
auch: die Gläfer, die Zaffen voll ſchenken, d. i. ſchenkend anfüllen); das 
eingegoffene Getränk darreichen (bibl. trinket des Weines, den ich ſchenke); 
bei. einem—, ihm zu trinken geben, ihm zutrinfen (was im Mittelalter 
immer beim Willlommen geſchah; ehem. aud) überh. einem Gafte Speife und 
Trank vorfegen; daher allmählich die 2te Bed. (f. u.) entitand); landjch. einem 
Kinde (oberd. ein Kind)—, f. 08 faugen laffen, ſäugen; ferner Getränfe 
im Kleinen verkaufen, ausfchenken (Bier, Wein, Branntwein, Kaffee ze. 
ſchenken; landſch. auch Salz —; vgl. Schand); 2) einem etwas — d. i. 
unentgeltlich u. von freien Stücken zum Eigenthum geben, zum Geſchenk 
machen, ſinnv. verehren, beſcheren; uneig. von unkörperlichen Dingen: zu 
eigen machen, geben, zutheilen (z. B. einem ſein Herz, ſeine Freundſchaft —; 
wenn Gott mir Leben u. Geſundheit ſchenkt); auch f. einem laſſen, was man 
von ihm fordern oder ihm nehmen konnte, finnv. erlaſſen (einem eine 
Schuld —, ihm das Leben Schenken; es foll dir geſchenkt fein, d. i. die Strafe 
ſoll dir erlaffen fein); oberd. einem nicht viel ſchenken, d. i. ihm nicht viel 
nadjgeben (z. B. an Größe, Stärke, Schönheit 2e.); — der Schenf ober 
Schenke, -en, M. -en (altd. scenho, schenke), die Schenfinn, M. - en, 
wer ein Getränk fchenkt, insbef. 1) wer feinem Heren das Getränf dar- 
veicht (gem. Mundfchent; daher das Schenfenamt, Amt des Mundfchen- 
fen); ein adeliger Lehnsmann, welcher feinem Lehnsheren bei feierlichen Ge— 
legenheiten das Getränk darreicht (Erb-, Erzſchenk 2c.); 2) wer Getränke 
in Eleinen Maßen ausſchenkt, Schenkwirth (Bier-, Weinſchenk xc.); landſch. 
auc wer andere Waaren im Kleinen verkauft (ſ. Salzſchenk); die Schenke, 
M. -n, ehem. f. Zrinkgefchirr, Kanne, Becher, Krug (fo noch bei dem 
Sattlergewerbe); oberd. das Schenfmaß (die Schend); jest der Ort, wo 
Getränke geſchenkt werden, z. B. in Speifefälen, im Hauswefen ze. ber 
Schrank od. Tiſch, wo die Getränke ftehen u. gereicht werden; bef. ein 
Öffentlicher Ort, ein Haus, wo Getränfe im Kleinen verkauft und ge- 
teunfen werden (eine Bier, Wein-, Branntweinfchente; oberd. Schant, 
nieberd. ein Krug; gew. mit dem Begriff des Gemeinen, insbef. auch von Dorf: 
wirthshäufern; in Hannover aber heißen die angefehenften Gafthäufer: Schen- 
ten); landſch. auch der Ort, wo andere Waaren im Kleinen verkauft werden 
(& B. Salzſchenke); oberd. auch f. Schmaus, feftlihe Mahlzeit, wobei die 
Säfte Geſchenke zu machen pflegen (Heirath-, Kinds: Schenke ꝛc.); — 3feb. 
von Schenken: das Schenkbier, Bier, welches ausgefchenet wird, bef. oberd. 
entg. Lagerbier; das Schenffafs, landſch. ein mit Waffer gefülltes Gefäß, 
in welches man die mit Getränt gefüllten Flaſchen fest, um das Getränk kühl 
zu erhalten; die Schenfgerechtigfeit od. das Schenkrecht, das Recht, Ge- 
tränke im Kleinen zu verkaufen; die Schenkhochzeit, landſch. eine Hochzeit, 
bei welcher die Gäfte Geſchenke geben; der Schenffeller, ein Keller, wo Bier 
oder Wein gefchenkt wird; das Schenfmaß, Maß, nach welchem die Schenk⸗ 
wirthe das Getränk verkaufen; die Schenkftatt od. ⸗ſtätte, landſch. f. Schenke, 
Schenkhaus; die Schenkſtube, Gaftftube bei einem Schenkwirthe; der Schenf- 


42% 


660 ſchepfen — Scherbe 


tiſch, Tiſch, auf welchem das Getränk u. Trinkgeſchirr ſteht und eingeſchenkt 
wird (fr. Gredenz-Zifh); der Schenkwein, Wein, welcher ausgeſchenkt wird: 
der Schenfwirth, die Schenfwirthinn, wer Getränte im Keinen aus- 
ſchenkt; die Schenfwirthfchaft, Gewerbe u. Haus eines Schenkwirthess — 
Ableit. ſchenkbar, Bw., was gefchenkt, d. i. ausgefchenkt, oder zum Ge— 
ſchenk gemacht werden kann; die Schenfbarkeit; fchenkhaft, Bw., alt 
u. landſch. f. gern ſchenkend, freigebig; die Schenfhaftigfeit; der Schen- 
fer, -8; die Schenferinn, M. -en, wer ſchenkt, d. i. etwas zum Ge- 
fchenfe macht, finno. Geber x.; die Schenfung, das Schenken, Geben; 
das gemachte Geſchenk felbft, bei. wem es von Bedeutung ift (z. B. eine 
Schenkung an eine öffentliche Anftalt machen; M. Schenkungen) ; der Schen- 
fungsbrief, die Schentungsurkunde. 

ſchepfen, oberd., fcheppen, niederd. Zw. f. ſchöpfen (1. d.); lesteres aud) 
f. fchaffen, erfchaffen. 
ſchepp, Bw., oberd. gem. f. ſchief. 

Schepp, m., -es, M. -e (auch Schep, Schöp), in Salzfiedereien die 
Kalkerde, welche fich beim Läutern u. Sieden der Soole in Geftalt eines 
Steines anlegt, Salzfchepp, Salz- od. Pfannenftein; der Scheppham- 
mer, ein hölgerner Hammer, womit der Schepp von den Pfannen abgefchla- 
gen wird. 

Schepper od. Schäpper, auch Scheper, m, -$, M. w. E., 1) (alt. 
scapari, schapaere, schaeper) ſchwäb. f. Schaf-Fließ, abgefchorene Schaf- 
wolle; aud die vorderen Kopfhaare; 2) (au Schepp, Schepfe, 
Scheppe) oberd. eine Art Kleidungsftüd, Kittel, Wamms, Weite (Baud- 
ſchepper). 

ſcheppern, ſchepern od. ſchebern, zielloſ. Zw., oberd. Schallw. f. ſchlot— 
tern, klappern; öſtr. dumpf u. unrein klingen, wie ein zerbrochenes Gefäß 
(ihepern); der Schepper- oder Scheberapfel, f. Schlotterapfel: das 
Schepperlein, f. Kinderklapper. 


Scheps, m., -*3 (auch Schöps), Namen eines in Breslau gebrauten 


Bieres, das ehem. fehr ftark war; bair. eine Art Nachbier. | 

Scher od. Schär, m., -en, M. -en, auch die Schermaus (altd. scero), 
oberd. f. Maulwurf, j. Schar 2. 

Scherbe, w., M. -n, oberd. der Scherbe, -n, M. -n, od. der Scher— 
ben, -8, M. w. E., Verkl. das Scherbchen, oberd. Scherblein, (andſch. 
auch der Schirben, der oder das Scerbel, Schirbel; altd. scirpi, seirbi; 
scherbe, m.; aud) schirbe, w., schirbel, f.; ſchwed. skärf; von der Wurzel 
scar, sceran, feheren, fchneiden; vgl. ſcharben, ſcharf) 1) Schiffb. ein Ein- 
fchnitt, eine Fuge zwilchen den Enden zweier Hölzer (4. B. Platt, Lang: 
ſcherbe 2.5 |. v. w. Schärbe unter ſcharben); 2) ein Stüd eines zerbro- 
chenen Gefäßes od. Gefchirres von Glas u. bei. Thon od. Stein; 3) ein 


zerbrechliches irdenes Gefäß geringer Art, Topfergefchirr, Topf, bef. oberd. . 


der Scherben (4. B. ein Blumen-, Mildy:, Nachtfcherben f. -Topf); Bergw. 
am Harz: ein Maß zum Meffen od. Zählen der getriebenen Gänge; auch ein 
Map zum Abmeffen der Harzſchlacken; oberd. uneig. f. eine gebrechliche Sache 
oder Perfon; dag Scherbhen, Naturk. eine Art Venusmuſcheln; — 
3feg. die Scherbenblume, das Scherbengewächs, bei. die Scherbennelte, 
in Töpfen gezogene Blumen, Topfgewächſe, Topfnelken; das Scherbengericht, 








ge 





nn 





Scherbecken — fcheren 561 


altgriech. Volksgericht in Athen zur Verbannung übermächtiger od. gefährlicher 
Bürger, dberen-Namen die Stimmenden auf Scherben od. Mufchelichalen fchrie= 
ben (fr. Oftracismus); der Scherben- od. gew. Schirbenkobalt, Bergw. 
eine Art blätterigen Kobaltö; das Scherbenfraut, landich. f. die Kärber- 
fharte; der Scherbenfuchen, landſch. auh Scherbel-, Schirbeltuden, 
f. v. w. Aſch-⸗, Napf-, Topfkuchen; der Scherbelitein, Zopfitein, eine Art 
Seifenftein. 

Scherbecken, ſ. ſcheren 1.5 — fcherben, Zw., f. jcharben. 

Schere, w., M. -n, Verkl. das Scherchen, (eig. Schäre, altd. scäri, 
Mehrh. von scärz daneben scäara; mittelh. schaere und schere; oberd. die 
Schär, engl. shears ; von sceran, scar 26. fcheren 1.5; vgl. Schar 2.), 1) 
urſpr. überh. ein Schneidewerkzeug; jet ein aus zwei an einander befeitig- 
ten, beweglichen mefferförmigen Theilen beftehendes eifernes od. ftähler- 
nes Schneidewerkzeug (z. B. die Schneider-, Garten-, Papier-, Tuch -, 
Blech-, Drathichere 2c.; auch Lichtſchere od. Lichtpuge); uneig. ein fcheren- 
Ähnlich in zwei Theile od. Arme getheilter Körper od. Körpertheil, 3. 8. 
die zweitheiligen Beine mancher Kerbtbiere, zum Kaffen u. Kefthalten die- 
nend (die Scheren des Krebjes, Skorpions 2c.); der gejpaltene Kolben oder 
Kloben einer Wage; das in der Hinterachſe eines Leiterwagens befeftigte in 
zwei Arme getheilte Holz (niederd. das Spreit od. Spriet); Landw. die eifer- 
nen Beichläge an den Sperrleiftenz bei den Töpfern ein gefpaltenes Holz, über 
welchem ſich die Scheibe umdreht; Bäd. der Einfchnitt an den Brodfchiebern: 
Maur. zwei über das Kreuz zufammen gebundene Bretter zur Errichtung der 
Rüſtbäume; Schiff. die Schere eines Bodes, eines Flügels, des Ruders ꝛc.; 
an den Pferden die Höhlung, welche die oberften Theile der unteren Kinnlade 
bilden; 2) an der Oftfee u. in einigen Nordfee = Gegenden: fchroffe, fcharf 
abgefchnittene Klippen, Bänke, Eilande nahe den Küften, welche die Lan— 

dung gefährlich machen (ſchwed. skär; vgl. das engl. shore, Küfte; franz. 
 ecore, jähes Ufer); — 3feg. mit Scher—: die Scherbanf, in den Blech— 
hämmern eine Bank, woran die großen Blechſcheren befeftigt find ; das Scher- 
eifen, eine Art Hufeifen, welche, wie eine Schere, aus zwei beweglichen Thei— 
fen beſtehen; das Scherglied, Bergw. ein eiferner an beiden Seiten gekrümm— 
ter Haken, Seilhaten, Klobenglied od. »ring; das Scherholz, Schiff. der 
| hölzerne Rahmen, woran der Flügel befeftigt wird, die Schere des Flügels; 
der Scherſchwanz od. das Scherfchwänzchen, landſch. f. die Weihe, der 
Hühnergeicr mit getheiltem Schwanze, auch Schwalbenſchwanz, Gabelgeier; 
das Scherwerf, Kriegsb. ein chem. gebräuchliches Außenwerk mit zwei Sei— 
ten u. einem einwärts gehenden Winkel, au: die einfahe Schere, z. U. 

v. der doppelten Schere mit vier Seiten und zwei bergl. Winkeln; — mit 
Scheren—: die Scherenaffel, eine Art Affel (f. d.) mit Scheren an den 
Füßen; das Scherenboot od. -ſchiff, Kleine bewaffnete Schiffe an der ſchwed. 
Küfte, welche zwifchen den Scheren od. Klippen feindlihe Schiffe am Landen 
hindern; die Scherenflotte, aus Scherenbooten beftehende Flotte; fcheren- 
förmig, Bw. (4. B. ein fcherenförmiger Schwanz); der Scherenfchleifer, 
wer ftumpf gewordene Scheren, Meffer ꝛc. fchleift; der Scherenfchmied, 
ein Schmied, der Scheren verfertigt; der Scherenftod, in Meffingwerken 
ein Klotz, woran die Schere. zum 3erfchneiden der Meffingplatten befeftigt ift. 
fcheren 1. ziel. Zw. ablaut. ich fchere, du fcherft, er fchert (Landich. noch 


662 Scheren 


ſchierſt, Schiert); Imper. fchere (landſch. ſchier); Impf. ſchor (andſch. 
auch ſchur), Conj. ſchöre; Mw. geſchoren (in manchen Gegenden u. einzel- 
nen Bed. auch umend. ſcherte, geſchert; althocdyd. sceran, ih sciru, wir 
scerun; scar, scurun u. scarun; giscoran; mittelh. schern, scherren, ich schir 
u. schirre; schar, scharen u. schurren; geschorn; vgl. Schar ?., Schere, 
Schur ꝛc.; angelf. sceran, sciran, engl. shear; ſchwed. skära; vgl. das franz. 
de-chirer), 1) urfpr. überh. ſchneiden, abfchneiden; insbef. Yandfch. f. mähen 
(daher: ein-, zweifchürige Wiefen 2e.); niederd. uneig. f. abfreffen, freffen, 
effen “(das Vieh fchiert die Wieſe; gut feheren Eönnen, f. viel effen können); 
gew. Haare, Wolle u. dgl. mit einem fcharfen Werkzeuge von der Ober- 
fläche eines Körpers wegſchneiden, insbef. mit einem Meffer (den Bart 
fcheren; fi den Kopf fcheren laffen, d. i. die Haare vom Kopfe; ſich eine 
Platte (f. d.) fcheren laffen, d. i. durch Scheren des Scheitelö hervorbringen), 
oder mit einer Schere (die Haare vom Kopfe—, d. i. dicht an der Haut ab- 
fchneiden; einen Hund, die Schafe Scheren; fpridw. fein Schäfchen geſchoren 
haben, f. unter Schaf; Alle über einen Kamm fcheren, f. Kamm 2.; die 
Tuchſcherer fcheren das wollene Tnch, indem fie mit einer großen Schere die 
Haare von der Oberfläche abfchneiden): auch f. befchneiden (die Gärtner fche- 
ven die Heden u. Bäume; daher gefhorene Heden ꝛc.); öfter. f. fihaben 
(daher Scherrübel f. Eleine Stedrüben); 2) uneig. f. einen übervortheilen, 
ihm zu viel Geld abnehmen, ihn drüden, vgl. fchinden (der Wirth fchert 
feine Gäfte; die Unterthanen ſcheren 2e.); plagen, pladen, beunruhigen, 
quälen, einem viel Laft machen (die Leute ſcheren; laſs mich damit unge- 
fchoren!); auch in milderem Sinne f. neden, aufziehen, zum Beften haben 
(in diefer Bed. vielleicht eig. zu Scheren 3. gehörend, doch jest allgemein ab- 
laut.; z. B. wir haben ihn gefchoren); gem. auch von Sachen f. fümmern, 
angehen (die Sache fchiert mich nicht; was fchiert did) das?); auch rüdz. 
fich um etwas —, d. i. befümmern; — Zſetz. die Scherbanf,, der Zritt, 
auf welchem der Zuchfcherer vor dem Schertifche fteht, der Schertritt; das 
Scherbeden, Beden des Bartfcherers; die Scherhaare, abgefchorene Haare, 


bef. die beim erften Zuchfcheren abfallende Wolle; der Scherhafen, Tuchſch. 


ein Haken, womit das Tuch auf dem Schertifche befeftigt wird; das Scher— 
find, Benennung der Tuchfcherer- Gefellen: das Scherfrauf, landſch. f. 
Löwenzahn; die Schermaus, |. Scher; aud) f. Scharr- od. Erdmaus; das 
Schermeſſer, ein Meſſer zum Scheren, beſ. des Bartes (fr. Raſirmeſſer); 
der Schermefferfifch, eine Art Stugköpfe mit fehr dünnem u. ſcharfem Rüden, 
auch Mefferrüden; der Schermefferfchnäbler, ein Waffervogel mit langem 
Schnabel; die Scherftube, Stube des Bartfcherers (fr. Barbierftube): der 
Schertifch, Tuchſch. der Tiſch, auf welchem das Tuch gefchoren wird; die 
Scherwolle, die beim Zuchfcheren abfallende Wolle, auch Scherfloden: 
das Scherzeug, Geräth des Bartfcherers (fr. Raſirzeug); — Ableit. ber 
Scherer, -8, die Schererinn, M. -en, wer ſchert, gew. nur in Zfeg. wie 
Bart-, Feld», Schaf-, Zuchfcherer 2e.; uneig. gem. wer Andere beunruhigt, 
beläftigt, plagt od. nedt (ſchiert; f. 0.); die Schererei, verächtl. f. das 
Scheren; gew. uneig. f. Plackerei, Bedrückung, muthwillige Beldftigung, 
Dudierei, verdrießlihe Mühe, u. die Sache, die folhe Mühe veranlafft 
(viel Schererei mit etiwas haben; das ift eine wahre Schererei, M. Scherereien) : 
der Scherling, landſch. f. Heilkraut, od. wilde Bärenklau; die Scherung, 
felten f. das Scheren; was gefchoren wird. 





| 
i 
| 





fcheren — Scherge 663 


fcheren 2. ziel. u. ziellof. Zw. (bloß umend. fcherte, geichert; altd. scarian, 
scerian, schern; Ableit. von scerau, feheren 1.5; vgl. Schaar), 1) völlig vlt. 
f. teilen, abtheilen, vertheilen (nur nod in bejcheren f. zutheilen; engl. 
share); fcheiden, trennen, abfondern (daher noch niederd. abfcheren, f. 
duch eine Zwifchenwand abſondern; Scherung, Scherwand f. Sceibe- 
wand: ausfcheren f. ausfondern, ausnehmen z2c.); eintheilen, anordnen, 
einrichten (Schiff. ein Schiff —, d. i. die Spannen desfelben errichten u. die 
Senten daran befeftigen); Fäden u. dgl. ausfpannen, aufziehen (Schiff. ein 
Zau—, ausipannen od. über etwas ziehen, landſch. auch ſchieren; Web. 
das Garn auf den Scherrahmen aufhaspeln, od. überh. aufziehen: daher An- 
[here (f. d.) od. Scherung f. Aufzug); 2) ſich entfernen, hinmwegbegeben, 
den Ort ſchnell verändern (engl. scare, u. sheer off), niederd. ziellos (3. B. 
fprichw. der Schuldige fcheret, d. i. flieht; jchere fort, d. i. gehe geichwind; 
die Wolfen ſcheren, wenn die untere Wolkenſchicht ſchneller zieht, als die obere); 
gew. rüdz. ſich —, verächtl. f. fich ſchnell fortbegeben, finnv. fich paden 
(ichere dich fort, weg, hin, hinaus ꝛc.; er hat ſich fortgefchert); landſch. auch 
ziel. f. jagen (z. B. einen fort-, hinausfcheren); — 3Teg. der Scherblod, 
Schiffb. der Blod zum Anfcheren der Kabelgarne; die Schergabel, Tuchm. 
eine hölzerne Gabel zum Aufzichen des Gewebes; der Schergang, f. Sente; 
‚das Schergarn, Web. das Garn des Aufzuges; der Scherkaſten od. die 
Scherkufe, Web. u. Tuchm. der Kaften, in welchem die zur Anfchere beftimm- 
ten Spulen reihenweife befeftigt find; die Scherleine od. lien, Schiff. Leinen, 
die fi) in mehre Enden theilen; der Scherrahmen, ein großer Haspel der 
Kattunmeber, die Anfchere von den Spulen darauf zu haspeln; der Scherſtock, 
(M. gew. Scherftoden), Schiffb. gewifle regeimäßig gelegte od. eine Ab— 
grenzung bildende Holzſtücke; — Ableit. der Scherer, -8, Web. der Anzett- 
ter; die Scherung, M. -en, 1) Landfch. f. zugemeffener Theil (vgl. Be- 
fherung); 2) niederd. f. Scheidewand, Grenzfcheidung; 3) Web. f. Auf- 
zug, Zettel. 

Scheren 3 ziellof. Zw. (altd. scerön, schern, schernen vom altd. scera, 
Feierftunde; vgl. das ital. scherno, schernire; ſpan. escarıo, escarnir, ©pott, 
fpotten; engl. scorn; u. fcherzen), völlig vlt. f. die Feierflunde halten, Muth- 
willen treiben, fich erluftigen, fpotten; (vielleicht geht das heutige „einen 
ſcheren“ f. verfpotten, neden urfpr. hiervon aus, obwohl es jest ablaut. ge- 
braucht wird; audy gehört hieher wahrſch. das niederd. Scheren von Vögeln, 
welche bei ſchönem Wetter gleichfam fpielend hin und her und durch einander 
ſchweben, was man einen Schertang nennt). 

Scherenafjel, boot ꝛc. — Scherenſtock, ſ. unter Schere. 

Scherer, ſ. ſcheren 1. u. 2.; Schererei, ſ. fcheren 1. 

Scherf, m., -08, M.-e, Verkl. das Scherfchen, gem. Scherflein, 
(altd. scerpf, scherf, auch scherp, Heller; ſchwed. skärf; von ſcheren 1., vgl. 
fcharben, Scherbe, ſcharf; alſo urfpr. Abfchnitt, Theil» vgl. das griech. zsoum, 
Scheidemünge, v. zeipeıw, ſcheren, ſchneiden), ehem. u. noch landſch. die Eleinfte 
Münze, ein Heller (im Lüneburg. find 23 Scherf — 1 Pfennig); gew. uneig. 
das Scherflein f. ein Eleiner Geldbeitrag (fein Scherflein zu etwas geben). 

Schergabel, -gang, -garn, f. unter ſcheren 2. 

Scherge, m., -n, M. -n, (alth. scario, scarjo, Gen. scarjin, scergin; 
mittelh. scherige, scherig, scherge; urjpr. überh. Anorbner, Verwalter, Vor⸗ 


664 fchergen — Scherz 


fteher; von sceran, scar, theilen, anordnen; val. fheren 1. u. 2. und Schaar; 
fpäter auch Schergant, franz. sergent, ital. sergente, welche mithin nicht 
von dem lat. servire herzuleiten find), ehem. überh. ein obrigkeitlicher Diener, 
Beamter, Vogt, Einnehmer ꝛc.; insbef. die dem Richter untergebene, 
deffen Urtheile vollziehende Gerichtsperfonz jest nur verächtl. u. in der höhe- 
ven Schreibart f. Gerichtediener, Polizeidiener, Stadtknecht, Häſcher, 
auch f. Henkersknecht; — das Schergenamt; die Schergenftube, ober». 
Stube des Gefängnifsmeifters; auch das Stadtgefängnifs in Münden: das 
Schergenvolf, verächtt. mehre Schergen zufammengenommen; — fchergen 1. 
ziel. Zw., oberd. verächtl. f. anzeigen, anklagen, verklagen (auffdhergen). 
fchergen 2. 3w., ſ. fhorgen, fchörgen ꝛc. 

Scherglied, -holz, f. unter Schere; — Scherhaare, -haken, f. fche- 
ven 1. — Scherfaften, f. ſcheren 2. 

Scherke od. Scheerke, w., M.-n, niederd. f. Kirrmewe (f. d.), ge- 
fledte Meerſchwalbe mit langſam fchwebendem Fluge (von ſcheren 3.9). 

Scherfind, -Fraut, maus, = meffer c. Scherling, f. unter fcheren 
1; — Scherfufe, =Teine, f. unter fcheren 2. 

Schernidel, m., -8, landſch. f. Sanikel; gemeines Johanniskraut. 

Scerpe 1. w., ſ. Schätpe. 

Scherpe 2. w. od. der Scherpen, -8, (wahrſch. flaw. Urfprungs), landſch 
in der Lauſitz ıc., eine Art Halbbier. 

Scherpe 3., w., auch die Scherpche, Scherpfe, M. -n, landſch. Na- 
men verfchiedener Beeren u. ihrer Stauden, insbef. f. Wogelfirfche (auch 
Patfcherpe, f. d.); Faulbeere;z Mehl: od. Schlingbeere. 

Scerrahmen, f. fcheren 2. 

fcherren, ziel. Zw. (altd. scerrau, scar, giscoman) oberd. f. ſcharren (f. 
d.), ſchaben, Fragen; insbef. eine eigenthümliche Art zu fiſchen mit Negen; 
die Scherr -Rübe, oberd. f. Eleine Schabrübe, bairifche Rübe, vgl. Scher- 
rübe unter fcheren 1. 

Scherſchwanz, f. Schere; Scherftod, ſ. fcheren 2.; Scherftube, f. 
fcheren 1. 

Schertanz, m., niederd. eine Art Tänze, wobei die Tanzenden ſich durch— 
Ereuzen u. langfam hin u. her bewegen (f. Scheren 3.5 vgl. jedoch auch Schere). 

Schertifch, ſ. feheren 1.; Scherung, w., f. fheren 1. u. 2. 

Scherwenzel, oberd. auch Scharwenzel, m., -8 (v. dem EN. Wenzel, 
f. d., u. fheren 2. f. den Ort verändern, fich ſchnell fortbewegen), in einem 
Kartenfpiele, welches auch ſelbſt Scherwenzel genannt wird, der Unter 
(Bube) in allen Farben, der dabei zu vielen Verrichtungen gebraucht wird 
(oberd. auch bloß: der Scherer); daher gem. ein übergefchäftiger, dienſt— 

fertiger Menfch, der fich zu Allem gebrauchen Läfft, Allerweltsdiener; landſch. 


auch f. Pudel; feherwenzeln, oberd. auch fcharwenzeln, ziellof. Zw. m., 


haben, das Kartenfpiel Scherwenzel fpielen; ſich zu millfährig und ge- 
fhäftig zu Allem und von Allen gebrauchen laffen. 

Scherwerk, f. unter Schere; Scherwolle, f. fcheren 1. 

Scherz 1., m., -es, M. -e, (daher das ital. scherzo, scherzare; fcheint 
im Altd. zu fehlen; von fcheren 3.25 vgl. auch das isländ. skritui, Scherz, 
skrition, fcherzhaft, u. das griech. oxıpräv, hüpfen, fpringen), eine bloß zur 
Beluftigung dienende Rede oder Handlung, u. eine folche Handlungs: 





Scherz — ſcheuchen 665 


mweife, das Scherzen, von weiterer Bed. und edler, als die finnv. Spaß, 
Poffe, entg. Ernft, (einen Scherz machen; es ift kein Scherz; ohne Scherz 2c.; 
aus dem Scherze Ernft machen; Eeinen Scherz verstehen; etwas im Scherze 
fagen, d. i. ſcherzend; feinen Scherz mit Jemand od. mit etwas haben, trei- 
ben 2c., d. i. es zum Gegenftand des Scherzens madjen); fcherzen, ziellof. 
3w. m. haben, (mittelh. als Schallw. f. fchreien wie der Efel, wiehern, thie— 
riſch jauchzen; fpäter bef. f. Eofen, Lieben), Scherz machen, treiben, etwas 
zur Beluftigung fagen od. thun, Witzreden vorbringen, cdler als das finnv. 
fpaßen (gern fchergen: mit Jemand od. mit etwas fcherzen; er läflt nicht mit 
ſich ſcherzen; über etwas ſcherzen 2e.); überh. etwas nicht im Ernſte fügen 
oder thun (ich habe nur gefcherzt); auch f. luftig fpringen, muthwillig 
tändeln, fpielen (Jäg. die Rehkälber ſcherzen; dicht. die Weſte ſcherzen um 
das Laub 2c.); ehem. auch ziel. einen— f. verfpotten, verhöhnen, zum 
Beten haben: ſchimpfen; — 3fes. v. Scherz u. ſcherzen: das Scherz- 
feuer, f. v. w. 2uftfeuer od. -Feuerwerk, entg. Ernftfeuer; das Scherzge- 
dicht, die Scherzrede, heiteres, launiges Gedicht, dergl. Rede; der Scherz- 
hof, ehem. eine zu Nitterfpielen veranftaltete Zufammenkunft; die Scherz 
laune, Neuw. f. das fr. Humor; fcherzlaunig, Bw., f. humoriſtiſch; der 
Scherzmacher, treiber: fcherzweife, Nw., im Scherz, ſcherzend; das 
Scherzwort, ein im Scherz gefprodyenes Wort; — Ableit. der Scherzer, 
-8, die Scherzerinn, wer gern ſcherzt; Scherzhaft, Bw., Scherz enthal- 
tend u. ausdrüudend, fiherzähnlich, die Art des Scherzes habend (Reden, 
Worte, Gedichte, Mienenz etwas fcherzhaft erzählen 2c.); auch zum Scherzen 
geneigt und fühig (ein ſcherzhafter Menſch); die Scherzhaftigfeit, das 
Scherzhaftfein einer Sache od. Perſon; fcherzlih, Bw. u. Nw., felten f. 
ſcherzähnlich, fcherzhaft, im Scherz. 

Scherz 2. m., -08, M. -e, Verkl. das Scherzlein, gem. Scherzel (von 
ſcheren 1., fchneiden; vgl. Schurz), oberd. f. ein abgefchnittenes Stüd, 
ein Stück Brod, bei. das Randſtück; uneig. ein Stud Weges; ein kurzer 
Zeitraum, ein Weichen. 

fherzen, Scherzfeuer ꝛc. — Scherzwort, |. Scherz 1. 

Schet, ſ. -e3, M. -e, öftreich. eine gewiffe Menge Flachs — 20 Rei— 
ften od. 1 Steige. 

Schetter od. Schätter, m., -8, M. w. E. (altd. scheter, schehter; 
Schweiz. Schertel, Scherter; vergl. das altd. schiter, oberd. jchitter f. lüden- 
‚haft, nicht dicht, engl. shattery), oberd. ein loderer, mit Leim gefteifter 
Zeug, bef. fteife Glanzleinwand, auch Steiffhetter, Schettertuch, ge- 
nannt; der Schettertaffet, Zindeltaffet. - 

fheu, Bw., die Scheu, f. unter feheuen. 

fcheuchen, ziel. 3w. (das Factitivum von fheuen, f. d., durch Verhär- 
‚sung des h in dem alten schiuhen, ſcheuhen gebildet; ſchwäb. ſchächen), ſcheuen 
machen, durch Erregung von Scheu od. Furcht in die Flucht treiben, bef. 
von Thieren (Hühner ꝛc. —; ein gefcheuchtes Reh); uneig. überh. f. vertrei- 
ben, entfernen (die Sorgen, den Schlaf aus den Augen ꝛc.); landſch. auch 
f. fheu oder furchtfam machen (Kinder durch Schredbilder 1..—); die 
Scheuhe, M. -n, (alt. schiuhe, oberd. die Scheuhen , der Scheuher), 
ein Schredbild, wodurch Vögel u. andere Thiere gefcheucht werden (VB ogel- 

cheuch e); der Scheucher, -8, die Scheucherinn, wer ſcheucht; der od. 


666 Scheuchner — fcheuen 


das Scheuchfel, -3, M. w. E. (gem. auch Scheußel), landſch. f. ein 
Scheu erregendes Ding, eine Scheuche. 

Scheuchner, m., -8, (auch Scheutürn), landſch. eine Traubenart mit 
großen, fchwarzblauen Beeren von füßem, würzhaftem Geſchmack. 

ſcheuen, Zw. (altd. sciuhau, sciuhita, gisciuhit, ſpäter sciehen, schiuhen, 
schiehen;- oberd. ſcheuhen, ſcheuchen, auch ablaut. ſchoch, geſchochen od. ge— 
ſchichen; niederd. ſchouen, ſchuwen, holl. schouwen; ſchwed. sky, engl. eschew, 
ital. schivare, ſpan. esquivar, franz. esquiver, ſämmtlich: meiden, fliehen, 
fürchten wahrſch. von der Wurzel scu, decken, ſchützen; vgl. Schuh, Schuß, 
Scheuer zc.), 1) zielos m. haben u. gew. rüdz. ſich —, vor etwas zurüd- 
fhreden, e8 aus Furcht oder Widerwillen zu vermeiden fuchen, Scheu 
empfinden, fcheu werden (das Pferd fcheut, od. gew. es fcheut fich vor 
der Windmühle 2c.; Kinder fcheuen ficb vor Fremden; ich fcheue mich, den 
Kranken zu befuchen; fich vor der Arbeit, der Kälte zc. fcheuen; ehem. mit 
dem Gen. eines Dinges ſcheuen od. ſich fcheuen) ; auch aus Achtung, Scham ꝛc. 
Bedenken tragen, etwas zu thun Cich fcheue mich, es auszufprechen zc.); 
2) ziel. etwas od. einen—, als ein Übel vermeiden, fliehen, fürchten 
(die Kälte, die Mühe, das Licht, den Tod—; ſprichw. verbrannte Kinder 
ſcheuen das Feuer; thue Recht und fcheue Niemand); — chen, Bw. (altd. 
schiech, schiehe ; oberd. ſchieh, ſchiech u. ſcheuh, ſcheuch; niederd. ſchou; ſchwed. 
skygg, engl. shy, ital. schivo, schifo), zurüdfchredend, etwas furchtfam 
vermeidend od. fliehend, finnv. ſtutzig (ein Pferd wird fcheu vor einem un: 
gewohnten Gegenftande); ſich leicht erfchredend, geneigt od. gewohnt, et- 
was fucchtfam zu vermeiden (ein fcheues Pferd; menſchen-, Licht=, waſſer— 
ſcheu ze.), insbe. aus natürlicher AngftlichEeit die Gefellfehaft der Men— 
ſchen fliehend, finnv. blöde, ſchüchtern (ein ſcheuer Menſch); oberd. auch f. 
Scheu erregend, hafslich, furchtbar (ſcheuch od. ſchiech ausfehen u. dgl.); 
die Scheu, o. M., (alt u. oberd. der Scheu, der Scheuhen, daher: der Ab- 
fheu; niederd. Schou), das Scheuen, die Empfindung der Kurcht und 
Abneigung bei Wahrnehmung eines wirktichen od. vermeintlichen übels, und 
die Geneigtheit zu diefer Empfindung, finnv. Furchtfamkeit, Blödigkeit, 
Schüchternheit (Scheu vor etwas haben oder empfinden; einem Pferde die 
Scheu benehmen; etwas ohne Scheu thun, fagen 2c.); oberd. auch f. Wider: 
willen, Abfcheu, Ekel (Scheu gegen etwas tragen); Abneigung gegen Un- 
geziemendes, Unanftändiges, finnv. Scham (ohne Scham und Scheu 2e.); 
auch f. Ehrfurcht (Heilige Scheu); — Zſetz. die Scheuflappe, das Scheu: 
leder, lederne Augenklappen für Pferde zum Verhüten des Scheuwerdens; — 
Ableit. der Scheuel, -8, (oberd. auch Scheuhel, Schaul), alt u. oberd: f. 
Scheufal; Abfheu, raus; das Scheufal, -e8, M.-e, ein Scheu er: 
vegender Gegenftand, Schredbild, Scheuche; dei. ein Abfcheu od. höchften 
Widerwillen erregendes Werfen, (er ift ein wahres Scheufal, d. i. ein fehr 
häfslicher, od. auch ein abfcheulicher, höchft Lafterhafter Menfch); fcheuzen 
od. fcheußen, (oberd. auch ſcheuhezen, fcheuchzen), ziellof. Zw., alt u. oberd. 
f. heftige Scheu od. Grauen vor etwas empfinden (unp. es ſcheuzt mir vor 
etwas, d. i. mir graut od. ift bange); daher ſcheußlich, Bw. (oberd. ſcheuz⸗ 
Lich, auch fcheuzig, ſcheuzſam; ſchweiz. auch Icheulich), heftige Scheu, Ab- 
fheu, Widerwillen erregend, im höchften Grade hafslich, finnv. abſcheu— 
lich, gräfslich, gräulich (ſcheußlich ausfehen, ein ſcheußliches Verbrechen) ; 





Scheuer — Schicht 667 


oberd. auch f. feheu, furchtfam; die Scheußlichkeit, das Scheußlichfein, 
die Abfcheulichkeitz auch eine fcheußliche Handlung (M. Scheußlichkeiten). 

Scheuer, m., f. v. w. der Schauer 3. 

Scheuer, w. 1.M. -n, aud) die Scheure, M. -n (altd. schra, sciura, 
schiure, oberd. die Scheuren, Scheuern; mittl. lat. scuria, franz. ecurie; 
vergl. Schauer 2. u, das mittelhochd. schiuren, beſchirmen, jchügen) und die 
Scheune, M.-n (altd. scuginna, scugin, schiune; niederd. Schüne), überh. 
ein bedecktes Gebäude zum Schuß gegen die Witterung (z. B. die Ziegel- 
ſcheuer oder =fcheune); gew. in engerer Bed. ein landwirthſchaftliches Ge- 
bäude zur Aufbewahrung der eingeernteten Feldfrüchte (Korn- Heufcheuer 
od. ⸗ſcheune 2c.); daher: das Scheuer: od. Scheunendach, =thor ıc.: der 
Scheunenbörner (d. i. =brenner), landſch. f. Hirſchkäfer, Feuerſchröter (weil 
er nad) dem Volksglauben mit feinen Hörnern glühende Kohlen forttragen und 
dadurch Scheunen in Brand ſtecken fol); die Scheun-Eule, landſch. f. Eleine 
oder Zwergeule; der Scheunfnecht, Landfch. der den übrigen Drefchern in 
einee Scheune (Scheundreſchern) vorgefegte Dreicher; die Scheuer = oder 
Scheuntenne, f. Zenne. 

ſcheuern, ziel. 3w. (mittely. schiuren; oberd. ſcheuren, auch ſchoren f. 
glätten; niederd. ſchüren, Ichören, auch fchauern; ſchwed. skura, skira; mittl. 
lat. escurare, franz. ecurer; verw. mit Schauer 4. schür, schiur, zitternde 
Bewegung; oder mit ſchier, goth. u. ſchwed. skir, isländ. skyr, angelf. scir, 
engl. sheer, rein, heil 2c.2), ſtark reiben (die Schweine fcheuern ſich an Bäu— 
men 2€.); niederd. insbef. fih—, f. fich die Haut durchreiben; gew. in en: 
gerer Bed. etwas —, d. i. mittelft eines naflen Lappens, eines Strohmwifches, 
Scheuerbefens ꝛc. mit Sande u. dgl. ſtark reiben, um e8 zu reinigen od. 
blank zu machen, finnv. fegen, pußen (das Küchengefchirr, die Stube —, 
landfch. gem. ſchauern); uneig. gem. einen—, einem den Kopf—, d. i. 
ihm derbe Verweife geben; — die Scheuer 2., Landich. f. das Scheuern, 
Reinigen: auch ein Ort, wo eine ſtarke Reibung Statt findet, z. 8. 
Schiffs. die Ankerſcheuer d. i. die Anterfütterung; — 3ſetz. dag Scheuer: 
faſs, em Faſs, in weichem das Küchengeräth gefcheuert wird; Nadl. ein Faſs, 
worin die Stecknadeln durch Schwenten blank gemacht werden, auch die 
Scheuertonne; die Scheuerfrau, -magd zc., eine Frau zc., welche Haus- 
u. Rüchengeräthe, Stuben ꝛc. fcheuert;z das Scheuerfraut, Kannentraut, 
Schaftheu; der Scheuerlappen, -wifch, das Scheuertuch 2c.; der Scheuer- 
fand, fcharflörniger Sand zum Scheuern; der Scheuertag, Zag, an welchem 
gefcheuert wird, Reinigungstag, oberd. f. Aſchermittwoch. 

Scheuflappe, leder, f. unter fcheuen. 

Scheune x. — Scheuntenne, Scheure, f. Scheuer. 

Scheufal, fcheußlich zc. f. unter ſcheuen. 

Scheute, w., M. -n, (von feheten f. ſchießen), niederd. f. Sprige, Spritz 
büchfe; feheuten, niederd. Zw. f. fprigen. 

Scheve od. Schewe, w., M.-n, niederd. f. v. w. Schäbe, f. d. unter 
fchaben. 

Schevel, m., -8, od. der Schevelftein, niederd. f. Schiefer. 

. Schibbe od. Schiebe, w., M. -n, Landfch. f. das weibliche Schaf ff. 
5): das Schibbenlamm f. ein Lamm weiblichen Gefchlechts. 
Schicht 1. w., M. -n, alt u. niederd. f. dag Gefchehende, die Gefchichte. 


668 ſchichten 


ſchichten, ziel. Zw. (mittelh. schihten, theilen; wahrſch. Ableit. von ſchi⸗ 
den, ſ. d.; niederd. auch ſchiften, ſ. d.), überh. theilen, abtheilen, ab— 
ſondern, in Abtheilungen od. Klaſſen ordnen (eine Erbſchaft —, theilen; 
die Kinder erſter Ehe ſchichten od. abſchichten, d. i. abtheilen, abfinden); 
insbeſ. mehre Dinge ordentlich neben u. über einander legen, ſetzen, packen 
(die Waaren in das Schiff —; Holz, Mauerfteine—, aufſchichten); auch f. 
ſchichtend hervorbringen, errichten (einen Scheiterhaufen); — die Schicht 
2. M. -en (mittelh. schiht; niederd. auch Schuft), 1) das Schichten, Ab— 
theilen, Die Abtheilung (z. B. Erbſchicht, d. i. Erbtheilung); insbeſ. 
Bergw. u. Handw. das Abbrechen der Arbeit, die Pauſe, Raſt (Schicht 
machen; die Bierſchicht, Unterbrechung der Arbeit, um zu Biere zu gehen); 
landſch. überh. f. regelmäßige Eintheilung, Ordnung ꝛc.; 2) das Abge— 
theilte, der Theil (z. B. Erbſchicht f. Erbtheil); beſ. Bergw. eine beſtimmte 
Arbeitszeit von einer Pauſe bis zur andern u. der während derſelben verrich— 
tete Arbeitstheil (die Frühſchicht, von Morgens + bis Mittags 12 Uhr; 
die Tageſchicht, von da bis Abends 8 Uhr; die Nachtſchicht, f. d.; die 
Schicht antreten, d. i. anfangen zu arbeiten; Schicht halten, d. i. feine Arbeit 
aehörig verrichten; etwas in einer Schicht, od. niederd. Schuft, thun, d. i. 
ohne Unterbrechung); auch was auf einmal gearbeitet od. verarbeitet wird 
(4. B. Hüttenw. jedes Schmelzen, u. die auf einmal geſchmelzte Maſſe; die 
Schicht beichicten, d. i. das zu fchmelgende Erz mit den gehörigen Zufchlägen 
verfehen); in engerer Bed. der vierte Theil einer Zeche, aus 32 Kuren he- 
ftehend; landſch. auch die Die einer Schachtruthe; 3) eine Reihe oder 
Lage gefchichteter, d. i. an u. übereinander liegender, gleichartiger Dinge 
oder Stoffe, vgl. Lager, Flöz (eine Schicht Holz; die Schichten in der Erde: 
eine Sand», Thonſchicht ze.; Luftſchichten 2c.); ſchicht, als Bw., Bergw. f. 
unfähig zur Arbeit od. zur Bearbeitung (ein Bergmann wird ſchicht durch 
Krankheit od. Alter; die Zechen werden ſchicht 2c.); — Zſetz. von Schicht 
u. ſchichten; die Schichtglätte, Hüttenw. die Glätte, welche in einer Schicht, 
d. i. auf einmal vom Silber abgezogen wird; das Schichtholz, geichichteres 
Holz; bei den Kohlenbrennern das zu verfohlende Klöppelholz, Schichtklöp- 
pel; der Schichtfur, Bergw. ein aus einer ganzen Schicht, d. i. dem Aten 
Theil einer Zeche (f. 0.), beftchender Kur; der Schichtlohm, Arbeitslohn für 
eine Schicht; der Schichtmeifter, Aufſeher der Arbeiter, die nah Schichten 
arbeiten, im Berg- u. Hüttenw. ein beeidigter Beamter; die Schichtmeiifterei, 
deffen Amt und Bezivk; die Schichtfemmel, geſchichtete Semmel, Reihen- 
femmel; die Schichttheilung, Erbtheilung; der Schichttrog, Hüttenw. eine 
Mulde, worin das zu jeder Schmelzfchicht gehörende Erz nach dem Ofen ge- 
tragen wird; fchichtweife, Nw., in oder nach Schichten; — Ableit. von 
Schicht: Fhichtig, Bw., aus Schichten od. Neihen beftehend, in Schich— 
ten liegend, gew. nur in Zfeg. wie eins, zwei-, weitfchichtig 2.5 von ſchich— 
ten: der Schichter, -8, die Schichterinn, wer fchichtet, z. B. Waaren in 
die Schiffe; die Schichtung, das Schichten; die Abtheilung, Abfonderung 
des nicht Zufammengehörenden und Verbindung des Gleichartigen; insbel. 
Rſpr. die Theilung des gemeinfchaftlichen Vermögens durch den zu einer 
zweiten Ehe fchreitenden überlebenden Ehegatten; das Schichtel, -8, M. 
mw. E., Handfhuhm. die zwifchen die Ober= u. Untertheile eines Handſchuh— 
fingers eingefegten fchmalen Streifen; daher Schichten, ziel. Zw., diefe Strei- 
fen einnähen. 





Schick — ſchicken 669 


Schick 1. m., -e8, M. -e, ein zum Ammergeſchlecht gehörender Vogel 
in Frankreich. 

ſchicken, 3w. (mittelhochd. schichen, schicken, altoberd. aud) geſchicken, 
das Factitivum von gi-scihan, geſchehen, alfo urfpr. machen, dafs etwas 
geichehe Id. werde; isländ. u. ſchwed. skicka, anordnen; vgl. bef. die abgel. 
befchicten, anſchicken, Schickſal, Geſchick, geſchickt 2e.), 1) ziel. u. ziellos a) 
ehem. etwas wirklich werden laffen, verfügen, anordnen, einrichten, im 
Stand fegen, verhängen, finnv. fhaffen, fügen (daher noch: wie Gott es 
fit, d. i. fügt; Gott fchickt dem Menfchen Leiden z2c.; altd. wohl ge- 
ihidet f. geftaltet oder eingerichtet; oberd. über etwas —, d. i. verfügen; 
einem etwas—, f. vermachen); in weiterer Bed. überh. etwas verrichten, 
thun, machen, gefchäftig fein (landfch. immer etwas zu ſchicken haben; ich 
babe mit ihm nichts zu ſchicken; mit einer zu ſchicken haben, d. i. zu thun ha— 
ben, vertrauten Umgang pflegen); jchweiz. f. handeln, Handel treiben (auch 
ſchickeln, daher: der Schidler f. Händler); ehem. auch f. helfen, dienen: 
b) jegt gew. in engerer Bed. machen, verfügen od. verordnen, dafs eine 
Perfon od. Sache den Ort verlaffe und an einen andern komme, finnv. 
fenden, welches jedoch edler ift u. mehr von wichtigen Perfonen u. Aufträgen 
gebraucht wird (einen fortfchicten, jeinen Bedienten in die Stadt, auf das 
Land ꝛc., nad) Brod, nad) Wein ze. —; einen mit Aufträgen an Jemand —; 
die Kinder in die Schule—, d. i. fie die Schule befuchen laſſen; einen Brief 
auf die Poſt —; Sachen mit dev Poft od. durch die Poſt —; Waaren nad) 
Hamburg Ihicen; eine Kugel in die Stadt ſchicken, d. i. werfen, ſchießen; 
uneig. einen in die andere Welt—, d. i. ihm tödten; einen in April—, ſ. 
April; — häufig mit dem Dat. der Perfon neben dem Acc. der Sade: 
einem etwas— , z. B. ſchicke mir das Geld, das Buch, deinen Bedien- 
ten; — auch ohne 3ielw., z. B. in die Stadt ſchicken (nämlidy Jemand), nad) 
dem Arzte ſchicken, d. i. ihn holen Laffen); 2) rüdz. ſich —, ehem. f. fich 
vüften, vorbereiten, anſchicken (ſchicket euch; ſich zur Arbeit, zur Reife, zum 
Tode— 2c.); von Sachen: ſich fügen, ohne menſchliches Thun wirklich 
werden od. gefchehen (iprichw. was fein jo, ſchickt ſich wohl); ſich in et- 
was—, fic) darein fügen od. finden, danach einrichten od. richten (ſhicke 
dich in die Umftände, in die Zeitz er weiß fich in Jedermann zu Schicken); ſich 
zu etwas od. zu einem—, dazu paffen, damit übereinftimmende oder 
dazu geeignete Befchaffenheit haben (fie fchicen ſich nicht zu einander; er 
ſchickt ſich zu diefem Amte; der Rod fchickt fich nicht zu der Wefte 2c.); fich 
für Jemand, od. überh. fich ſchicken (jedoch nur in der Iten Perf. von 
Sachen), ihm anftändig, feiner Würde od. überh. dem Wohlftande gemäß 
fein, finno. fic, geziemen, gehören, gebühren (z. B. ein ſolches Betragen 
schickt fich nicht für dich; es ſchickt fich nicht, dafs du 2c.; das würde fich nicht 
ſchicken 20.); — der Schi 2., -e8, o. M. (vgl. Geſchick 2.), bef. niederd. 
f. gehörige Befchaffenheit , ordentliche Einrichtung, Geftalt, Zuftand, 
Ausſehen; insbef. Wuchs, Leibesgeftalt;z Wohlbefinden, gefunde, heitere 
Stimmung, gute Laune (einen aus dem Schide bringen; auf feinem Schicke 
fein, d. i. fich wohl fühlen, aufgeräumt fein); oberd. f. Gelegenheit im Han- 
del (ein guter Schid); Manier, Schielichkeit, Geſchicklichkeit; — Ableit. 
der Schider, -8, die Schieerinn, felten f. wer etwas ſchickt, d. i. fen- 
detz niederd. wer etwas ins Gefchi bringt od. anordnet; ſchicklich, Bw., 


670 Schiebchen — ſchieben 


was ſich ſchickt, d. i. eine dem Zwecke angemeſſene Beſchaffenheit Hat, finmv. 
paſslich, geeignet (z. B. die ſchicklichen Mittel anwenden); insbeſ. dem Wohl⸗ 
ſtande gemäß, anſtändig, geziemend (das iſt für mich nicht ſchicklich; ein 
ſchickliches Betragen; entg. unſchicklich); die Schicklichkeit, das Schielich- 
ſein, die paſſende Beſchaffenheit; insbeſ. die Anſtändigkeit, das Gezie— 
mende; die Schickung, M. -en, ehem. u. noch niederd. f. Einrichtung, 
Anordnung, Verfügung: jest insbei. die göttliche Fügung und Veran- 
ftaltung der menſchl. Begebenheiten, (Gottes Schickung vertrauen); auch 
eine ſolche Begebenheit felbjt, als von der göttlichen Vorjehung ausgehend 
(es war eine bejondere Schidung, dafs 2c.; mancherlei Schickungen), ſ. v. w. 
das Schickſal, -es, M. -e, 1) eine durch eine höhere Macht, ohne 
Zuthun des Menſchen bewirkte menſchl. Begebenheit, ein unvermeidliches 
Ereignifg, finnv. Geſchick, Verhängnifs (er hat merkwürdige Schickſale): 
unausweichliche Beftimmung, Lage, Zuftand, ſinnv. 2008 (der Tod ift 
das endliche Schiefal aller Gefchöpfe; Tein Schidfal ift beklagenswerth); 2) 
die höhere Macht felbft, welche (nach der Vorftellung der Alten) mit blinder 
Willkür die Begebenheiten und Veränderungen in der Welt hervorbringt 
(fr. das Fatum; das blinde Schidfal; das Schickſal verfolgt mich, u. dal.); 
daher: die Schiefalsgöttinn (fr. die Parze); die Schickſalsmacht, der 
Schickſalstag, ein Tag, wo das Schickſal fich entſcheidet; das Schiefais- 
wort, ſchickſalverkündendes Wort zc. 

Schiebchen, ſ. —s, M. w. E. (gem. Schibbede, Schibicke), landſch. f. 
Holunderbeere; der Schiebchenbaum, f. Holunderbaum; die Schiebchen— 
blüthe ꝛc. 

ſchieben, Zw. ablaut. Präſ. ſchiebe, ſchiebſt 2c. (oberd. auch ſcheub, ſcheubſtec. ); 
Imper. ſchiebe (oberd. ſcheub); Impf. ſchob, Conj. ſchöbe (oberd. ſchub, 
ſchübe); Mm. geſchoben, (altd. sciupan, scioban, schieben; ich schiube ⁊c.; 
Impf. scoup, sehoup, wir scabun, schuben; Mw. giscopan, geschoben; nie 
derd. ſchuwen, ſchoof, ſchawen; isländ. skiufa, ſchwed. skufwa, angelf. sceofan, 
senfan, engl. shove) 1) ziel. drüdend fortbewegen, fortdrüuden, treiben, 
stoßen, bei. fo, dafs der fortbewegte Körper dabei die Oberflähe eines andern 
fortwährend berührt (z. B. einen Kaften, einen Zifch auf dem Boden fortichie- 
ben; einen Karren vor ficy her jchieben; etwas an die Wand, das Brod in 
den Ofen, das Fenfter in die Höhe, etwas bei Seite —; einen zur Thür Hin- 
aus— 20; die Kugel nady den Kegeln—, od. gew. Kegel ſchieben, ft. nad) 
Kegeln—; uneig. etwas auf die lange Bank—, d. i. auf unbeftimmte Zeit 
verichieben, ſ. d.); oberd. auch f. fchiebend einſtecken, hineinfchieben (etwas 
in den Sad, in die Taſche; einen Biffen in den Mund—); ſich —, d. i. durch 
Scieben aus feiner geraden Lage kommen; uneig. etwas auf Je 
mand—, d. i. es auf ihn übertragen, ihm beimeffen od. zufchreiben (die 
Schuld auf einen—), ehem. auch: ihn durch ein augenfcheintiches Anzeichen 
gerichtlich überweilen; einem etwas ins Gewiffen—, d. i. es feinem Gr- 
wiffen heim ftellen: einen Antrag von ſich —, d. i. ablehnen; altoberd. 
einen—, f. ihn heimlich begünftigen, befördern, ihm Vorſchub thunz et- 
was —, f. von einer Gerichtöbehörde vor eine höhere bringen; 2) ziellos m. 
haben, Sich fchiebend fortbeiwegen (die Ochfen fchieben, wenn fie einen Wa— 
gen ze. durch den Druck mit der Stirn fortziehen); gem. f. fchleppend und 
ſchwerfällig gehen, u. ſcherzh. überh. f. gehen (irgend wohin ſchieben; in 


J 


ſchiech — Schied 671 


diefer Anwendung m. fein: er ift fort-, hingefchoben 2c.); auf-, hervorwach— 
fen, in die Höhe ſchießen (die Pflangen—); insbef. die Zähne mwechfeln 
(ein Thier fehiebt, d. i. bekommt neue Zähne, welche die alten gleichfam vor 
fich her fchieben); — Zſetz. die Schiebebanf, die Bank der Drathzieher, an 
welcher der grobe Drath durch Schieben gemacht wird, z. U. v. Ziehbank; der 
Schiebdedel, ein Dede, welcher in einer Nuth gefchoben wird; das Schieb- 
fenfter, ein Fenſter, welches auf- und zugefchoben wird; der Schiebfarren, 
od. die Schiebfarre, f. Karre; der Schiebfaften od. die Schieblade (gew. 
Schubkaſten, -lade), ein Kaften, welcher heraus- u. hineingefchoben werben 
kann; der Schiebefloben, eine Art Zange der Schloffer; der Schiebochs, 
ein Ochs, welcher fchiebt (ſ. 0.), z. U. v. Zugochs; der Schiebriemen oder 
-riem, der über die Schultern der Karrenfchieber laufende Riemen; das 
Schieberad, das Schlittenrad in Schneidemühlen; der Schiebfad, ſ. Schub- 
fa; die Schiebftange, in Schneidemühlen die von der Säge bewegte Stange, 
durch welche das Schieberad in Bewegung gefest wird; auch die Stangen, mit 
welchen die Fluſsſchiffer die Fahrzeuge fortfchieben; die Schiebzange, Seew. 
zwei Ereuzweife verbundene Stangen, welche in die Kanonen geladen werben, 
um in der Nähe auf den Feind zu fchießen; auch eine Art platter Taue; das 
Scyiebzeug, in Schneidemühlen die Theile, durch welche der Sägeblock der 
Säge entgegengerüct wird; — Ableit. die Schiebe, M. -n, ein Ding, 
welches gefchoben wird, od. womit man fchiebt, insbef. das an einem langen 
Stiele befeftigte Schräge Eifen, womit man die Gänge in einem Garten von 
Grafe ze. reinigt, auch: das Schiebeifen; der Schieber, -3, M. w. E. 
(niederd. Schuwer) 1) wer etwas fehiebt, weibl. die Schieberinn, z. 8. 
Karrenfchieber, Kegelichiebers wer den Drath auf der Schiebebant (f. 0.) zieht; 
auch'f. Schiebochs; 2) ein Werkzeug, womit man fihiebt, insbef. eine Art 
flacher Schaufeln der Bäder: Brod-, Kuchen-, Kohlenfchieber; 3) was 
gefchoben wird, ein beweglicher Körper, der ſich auf-, zu=, ein=, od. vor- 
fchieben läſſt, z. B. ein Sciebdedel, der Schieber an einem Fenfter, ein be« 
wegliches Stüd in einem Büchfenfchloffe, welches vorgefchoben wird, um die 
Nufs zu hemmen; landſch. überh. f. Riegel; oberd. auch f. Schiebfarren; 
4) eine Krankheit der Pferde, wobei fie immer mit dem Kopfe gegen bie 
Krippe drängen (ſchieben); die Schiebernuth, Zifcht. eine Nuth (ſ. d.), in 
welche ein Schieber pafit; der Schieberling, -e3, M. -e, eine Abart des 
Pfefferſchwamms, welcher ein Klümpchen Erde mit in die Höhe ſchiebt; auch 
eine Art Apfel; der Schiebling, ſ. Schübling. 

ſchiech, Bw. (f. fcheuen, fcheu) oberd. f. feheu, bange; häſslich, fürch- 
terlich, ſcheußlich. 

Schied 1. od. Schiet, m., Aes, M. -e, oberd. eine Art Raubfiſche, 
f. v. w. Rappfifch, Rappe 2. 

Schied 2. m., -08, M. -e (alt u. oberd. -schit, -Schid mit kurzem i, 
die Wurzelform von jcheiden, ſ. d.), das Scheiden, die Trennung, (niederd. 
Scheed f. Abjchied, Befcheid), im Hochd. ungebr. außer in den Zſetz. Ab— 
fchied, Unterfchied, u. den folgenden: das Schiedbuch, Bergw. ein Buch, 
in welches die Bergbefcheide u. Verträge eingetragen werden; das Schied- 
mahl od. «mal, landſch. f. Grenzgeichen; der Schiedsmann, M. männer 
od. leute, (oberd. Schidmann, Aeute), wer eine Streitfache entfcheidet, einen 
Streit ſchlichtet, auch Schiedsfreund, wenn er von den ftreitenden Parteien 


672 schief 


freiwillig gewählt ift, u. Schiedsrichter, bef. in wichtigeren Angelegenheiten; das 
her fchiedsrichterlich, Bw., einem Schiedsrichter zutommend, od. von ihm aus- 
gehend; die Schiedmauer, -wand, gew. Grenzmauer, Scheidewand; die 
Schiedsprobe, Hüttenw. die dritte Probe des Erzes, zur Entſcheidung ftrei- 
tiger Fälle vorgenommen, auch Gegenprobe; der Schiedrain, Grenzrain; 
der Schiedefhacht, Bergw. f. Grenzſchacht, Scheidefchacht; der Schieds- 
ſpruch, Spruch des Schiedsrichters; dev Schiedftein, landſch. f. Grenzftein; — 
ſchiedlich, Bw. (oberd. ſchidlich) eig. was ſich ſcheiden läſſt; daher alt und 
landſch. f. nachgiebig, verſöhnlich in Streitfachen, überh. verträglich, fried- 
fertig, billig (friedlich und fchiedlich Leben; niederd. ſchedlik), die Schiedung 
(oberd. Schidung, niederd. Scheding), landſch. 1) f. die Scheidung, Tren- 
nung, insbef. fchiedsrichterliche Entfcheidung: niederd. auch f. Grenze; 2) 
f. das Scheiden, Hinfcheiden, Sterben (oberd. unfer lieben Frauen Schie— 
dung, d. i. Himmelfahrt: die Schiedung läuten, d. i. die Sterbeglode). 

fchief, Bw. (niederd. fcheef, ſchewe, oberd. auch ſchepp, fchiebicht; isländ. 
skeifr, ſchwed. skef, dän. skeve, engl. skew, skue; wahrfch. von fchieben, 
aljo eig. gefchoben, verſchoben; im Altd. fehlt es; im Mittelh. findet fich dafür 
schiech, daher auch oberd. ſchieg (1. d.), ſchiegk, niederd. ſchük; ieländ. skack), 
von der fenfrechten od. wagerechten Linie abweichend, mit der Grund- 
linie einen fpigen od. flumpfen Winkel bildend, mit dem Nebenbegriff des 
Sehlerhaften, welcher in dem finnv. ſchräg nicht Liegt, enta. gerade 
(ſ. d.), aber verfch. von krumm, welches überh. die Abweichung von der ge- 
raden, nicht von der ſenk- od. wagerechten Linie ausdrüdt (vgl. Erumme, d. i. 
gebogene, u. ſchiefe, d. i. nicht fenkrechte, Beine; eine Säule, ein Pfahl, ein 
Tiſch ze. fteht Schief; ein fchiefer Winkel, d. i. ein fpiger od. ftumpfer, entg. 
ein rechter, ſ. d.5 ſchief ſchreiben, d. i. nicht wagerecht; eine fchiefe Fläche: 
der Wagen hängt ſchief; ein Tchiefer Mund; gem. ein jchiefes Maul machen, 
d. i. den Mund verziehen, als Zeichen des Mifsvergnügens; einen fchief an- 
ſehen, d. i. von der Seite, ſcheel; Schiff. ſchiefer Wind, d. i. beinah entge- 
genwehender); uneig. f. unrichtig, falfch, verkehrt, nicht gehörig od. wie 
es fein foll (etwas fchief anfangen; ein Schiefer Gedanken; die Sache geht 
ſchief, d. i. nicht nach Wunſch; eine Sache fchief nehmen, d. i. übel nehmen): 
— 3feg. fihiefbeinig, Bw., fchiefe Beine habend; die Schiefhade, niederd. 
f. ein Schiefbeiniger; der Schieffopf, uneig. ein ſchief denkender u. urtheilen- 
der Menſch; das Schiefmaß, ein Winkelmaß der Stuhlmacher, deffen einer 
Schenkel in den andern eingefchroben ift u. in jeden beliebigen fchiefen Winkel 
geftellt werden Tann; das Schtefmaul, die Schiefnafe, ein jchiefes Maul, 
eine fchiefe Nafe, u. eine Perfon mit ſolchem Maule od. ſolcher Nafe; ſchief— 
mäulig, fchiefnafig, Bw.; fchiefrund, Bw., verfchoben rund; das Schief- 
fehen, Seitwärtsfehen u. Verdrehen des Auges, eine Krankheit der Augen: 
fchiefwinfelig od. -winflig, Bw., einen fchiefen Winkel enthaltend od. bil- 
dend; die Schiefwinkligkeit; — Abteit. die Schiefe, das Schieffein, die 
ſchiefe Richtung od. Rage (einer Linie, Fläche zc.: gem. auch die Schiefig- 
keit); auch eine fchiefe Fläche; die Schiefheit, das Schieffein, die fchiefe 
Befchaffenheit, ſ. v. w. Schiefe (4. B. der Nafe, der Beine 2e.); aber auch 
uneig. f. Verkehrtheit, Unrichtigkeit (die Schiefheit eines Urtheils, feiner 
Anſichten 2c.); auch eine verkehrte Vorftelung, Anficht, Behauptung (M. 
Sciefheiten). 


Schiefer 673 


Schiefer 1. m., -8, M. w. €. (altd. scivero, schivere, schever, oberd. 
der Schifer, Schifern, des Schifern zc. f. Splitter; ſchwed. skifwer, engl. 
shiver; niederd. Scheve, Schevel; verw. mit ſcheiben 3., fhiften, isländ. 
ſchwed. skifa, skifwa, fpalten, theilen), urfpr. überh. was fich abfpleift oder 
abfplittert, daher 1) alt u. oberd. ein Splitter von Holz oder Stein (fi) 
einen Schiefer, od. oberd. Schiefern, in den Fuß treten 2c.); uneig. oberd. f. 
Unwillen, Hafs, Groll gegen Jemand (einen Schiefer auf Semand haben), 
heimlicher Kummer (einen Schiefer im Herzen haben) ; 2) Yandfch. Unreinig- 


keit od. Ausfchlag des Kopfes, welcher fich in Blättchen od. Schuppen ab- 


löfet; 3) gew. eine Steinart, welche aus dünnen Lagen befteht und ſich 
feicht in Blätter fpalten läfft, der Schieferftein (Thon-, Kalk», Kupfer: 
Ichiefer) ; insbe. der gewöhnliche ſchwarzblaue Thonfchiefer (ein Dach mit 
Schiefer decken 2.); — 3feg. ſchieferblau, Bw., von der bläulichen Farbe 
des Schiefers; das Schieferblau, eine Art Bergblau, welches an dem Schie— 
fer hängt; der Schieferbruch, ein Steinbruch, in welchem Schiefer gebrochen 
wird; der Schieferbudel, eine Art nadter Seeſchnecken mit zwei auf einan- 
der liegenden weißen Schiefern auf dem Rüden; das Schieferdach, ein mit 
Schiefer gedecktes Dach; der Schieferdeder, Dachdecker mit Schiefer; die 
Schieferfarbe; fchieferfarben od. -farbig, Bw.; das Schieferflöz (f. Flöz), 
-gebirge, -geftein ꝛc.; der Schiefergips, blätteriger Gips; der Schiefer- 
glimmer, eine Art Glimmer, der ſich wie Schiefer fpalten läſſt; fchiefergrau, 
Bw., aus ſchwarz, blau u. grau oder roth gemiſcht; das Schiefergrün, im 
Schiefer vorfommendes Berggrün; der Schieferhammer, Hammer der Schie- 
ferdeder; der Schieferhauer, Arbeiter in einem Schieferbrudhe; Bergw. ein 
auf Kupferfchiefer arbeitender Bergmann; der Schieferfnoten, Bergw. im 
Schiefer vorkommendes rundliches Geftein; die Schieferkohle, eine Art fchlech- 
ter, fchieferichter Steinkohle; der Schieferfopf, Bergw. die Erdſchicht, in 
welcher der erzhaltige Schiefer befindtich ift; der Schiefermergel, abfärbender 
Mergel; der Schiefernagel, eine Art Nägel zum Befeftigen der Dachfchiefer; 
die Schieferplatte, Platte aus Schieferftein; der Schieferfchneider, wer den 
Schiefer in regelmäßige Stücke ſchneidet; das Schieferfchwarz, ein weicher, 
abfärbender ſchwarzer Schiefer; der Schieferfpath, blätteriger Spath; der 
Schieferftift, ein Stift od. Griffel (f. d.) von Schiefer zum Schreiben auf 
eine Schiefertafel, d. i. eine in einen Rahmen gefaffte Schieferplatte, darauf 
zu fchreiben u. zu vechnen; der Schieferthon, in Lagen über einander liegen: 
der Thon; die Schieferwade, der Hornfchiefer; das Schieferweiß, das 
feinfte, aus dünnen Blättern beftehende Bleiweiß; der Schieferzahn (von 
Schiefer f. Splitter), Landw. ein fehlerhaft fpisiger Zahn bei Ferkeln u. a. 
Thieren; — Ableit. fchiefericht, Bw. (altd. skivaroht f. rauh, ſchäbig), 
dem Schiefer ähnlich; fchieferig, Bw., aus Schiefern beftehend, blätterig; 
oberd. voll Splitter, fplitterig, u. uneig. f. veizbar, empfindlich, unwillig, 
böfe (ichieferig fein, werden 2c.); fchiefern 1. Zw. 1) gew. rüdz. fih—, 
fi) in Schiefer, d. i. Splitter od. gew. dünne Blättchen theilen, in Schie- 
fern ablöfen, finnv. [helfen (die Haut fchiefert fih); 2) ziellos m. Haben, 
oberd. uneig. f. feinen Unwillen äußern od. ausbrechen laffen. 

Schiefer 2. m., -8, M. w. E. (vahrſch. von ſchieben), eine Art enger 
Fiſchgarne, welche in den meiften Gegenden verboten find, auch Schabe ge: 


Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 43 


7 — — Schiefhacke — Schiene 


nannt (ſ. Schabe 2.); daher ſchiefern 2. zielloſ. Zw., mit einem ſolchen 
Netze fiſchen. 

Schiefhacke ꝛc. — ſchiefwinkelig, ſ. unter ſchief. 

ſchieg od. ſchiek, Bw. (mittelh. schiech; niederd. ſchük, ſchräg, abhän- 
gig; vgl. ſchief), oberd. f. ſchief; daher ſchiegen, ſchieken, ſchiegeln ıc., 
zielloſ. Zw., oberd. f. mit ſchiefen, ein- od. auswärts geſetzten Füßen ges 
hen; auch f. feitwärts fehen, fchielen; ſchillern (von Farben); der Schieg- 
fuß, oberd., wer fchiefe Füße hat. 

Schiel 1. m. od. der Schielen, G. ſchelen (1. d.) f. ſpalten, trennen; 
vgl. Schale, Scholle), oberd. f. Klumpen, Scholle (Eis-, Kothſchiel 2c.) ; — 


- der Schiel 2. (auch Schill, Schindel) od. die Schiele, oberd. f. Sandbörs, 


Sander. 

ſchiel, Bw., landſch. f. ſcheel (ſ. 8.); fehielen, ziellof. Zw. m. haben, 
(altd. scilehen, schilhen, oberd. ſchilchen, niederd. fchelen‘, ſchwed. skaela, 
skela, angelf. scylian, engl. scowl), ſcheel, d. i. [chief od. feitwärts fehen 
(nad etwas—, d. i. verftohlen, von der Seite danach fehen), bei. in Folge 
fehlerhafter Befchaffenkeit od. Gemöhnung der Augen, wenn die Achfen 
der Augen nicht diefelbe Richtung haben (er ſchielt; jchielende Augen, ein ſchie— 
Vendes Geficht); uneig. von Farben, farbigen Stoffen zc. f. ſchillern (f. d.), 
aus einer Farbe in die andere fpielen, bef. auf eine fehlerhafte Art (die hellen 
Schmelzfarben fchielen, werden fchielend); daher auch in geiftigem Verftande 
f. nicht Elar, nicht treffend od. paffend fein, [chief und unbeffimmt fein 
(ein fchielender Ausdrud; dies Gleichniſs ſchielt od. ift ſchielend 2c.); — Ze. 
das Schielauge, ein ſchielendes Auge, und eine Perfon mit folchen Augen; 
ſchieläugig, Bw.; das Schielohr, ein ſchief gerichtetes Ohr, z. B. eines 
Pferdes; — Ableit. der Schieler, -$, die Schielerinn, wer fchielt; der 
Schieler auch: was fehielt od. fhillert, z. B. f. Schillerwein, Bleider; 
u. f. Scillertaffet. 

Schiem, m., altoberd. f.: Schemen (ſ. d.): Larve; Schimmern vor 
den Augen. 

Schiemann, m., niederd. Schiff. der erfte Gehülfe des Bootsmannes, 
welcher über Alles, was zum Zodmafte gehört, die Auffiht hat; das Schie- 
mannsgarn, zwei= od. dreidräthiges fehr loderes u, grobes Garn zur Be- 


Eleidung der Taue; fehlemannen, unteb. 3w., das Tafel od. Segelwerk 


ausbeffern. 
Schiene, w., M. -n, Berk. das Schienhen, oberd. Schienlein, 


(mittelh. u. oberd. die Schin; niederd. Schene, Schenne; ſchwed. sken, angelj. 


scina, engl. shin; wahrſch. von einem alten Zw. ſchinen f. Ipalten; vgl. das 
engl. skin, altniederd. Shin f. Haut, u. ſchinden, Schindel 2c.), 1) ein dün— 
ner, platter u. verhältnifsmäßig ſchmaler und langer Körper (wie er 
durch Spalten zäher Holzäfte od. Zweige entfteht), bef. fofern er als Werk⸗ 
zeug od. als Theil eines zuſammengeſetzten Dinges zu deſſen Befeftigung, 
Bekleidung ꝛc. dient; z.B. ein flaches Brettchen der Töpfer zum Glattftreichen 
der Töpfe; die beim Korb» und Giebflechten gebrauchten langen, biegfamen 
Holzftreifen (Flechtſchienen); die aus gebogenen eifernen Platten beftehen- 
den Theile eines Harnifches, welche die Arme u. Beine bedecken (Arm, Bein- 
fhienen); ſchmale, platte Eifenftangen als Befchlag der Wagenachſen, der 
Radfelgen ze. (Achs-, Kadfhienen); Buchdr. bie ſchmalen Eifenbledhe, 








fchier 7 


womit bie mittleren Balken des Laufbrettes an der Preſſe befchlagen find; bei 
den Wundärzten: female Brettchen, zwifchen welche ein gebrochenes Glied ge 
bunden wird, um in ber gehörigen Lage erhalten zu werden; auch f. das 
Schienbein (f. u.); 2) oberd. (Schin) f. Vermeffung der Bergwerksgru— 
ben, Markfcheidung (von einer dabei als Werkzeug gebrauchten Schiene, od. 
unmittelbar v. ſchinen, theilen?; daher der Schien- od. Schinmeifter 
f. Markſcheider); — 3fes. das Schienbein (altd. sciena, scena, schinebein, 
auch Schintbein; niederd. Schene; engl. shin, shin-bone), das äußerlich einer 
Schiene ähnliche lange ftarke Vorderbein des Unterfchenkels zwiichen dem Knie 
u. dem Fuße; daher der Schtenbeinmusfel, «nero ıc.; das Schieneifen, 
zu Schienen (bef. Radfchienen) beftimmtes od. verarbeitetes Eifen; das Schien- 
od. Schienenfafd, Hüttenw. eine aus ſtarken Holzfchienen geflochtene Mulde 
zum Kohlentragen; der Schienhafen, Hüttenw. eine eiferne Schiene mit ei— 
nem Haken; der Schien= od. Schienennagel, ſ. v. w. Radnagel; die 
Schienenröhre, das Wadenbein; die Schienenruthe, Web. dünne Schienen, 
welche die aufgefpannte Kette durchkreuzen u. in zwei Hälften theilen; ber 
Schienenftempel, Schmied. ein Hammer mit ftumpfer Spige, womit die Löcher 
in den Radſchienen vorgefchlagen werden, um fie dann mit dem Schienendurd)- 
fchlag, einem Spishammer, völlig durchzuſchlagen; die Schienzange, auf 
Eifenhämmern Zangen zum Handhaben des Schieneifens; — Ableit. ſchie— 
nen, ziel. 3w. 1) mit Schienen verfehen (niederd. fchenen; eine Achfe, ein 
gebrochenes Bein 2c.); 2) oberd. (Thinen) f. marffcheiden, die Berggrengen 
beftimmen od. berichtigen; daher der Schiener, (Schiner), -$, oberd. f. 
Markfcheider. 

ſchier 1. Bw. (mittelyochd. schirz goth. isländ. u. altfächl. skir, angelf. 
scir, engl. sheer, lauter, hell zc.; vielleicht v. fcheren 1., alfo uripr. gleichſ. 
geſchoren, glatt? dann wäre aber die richtigere Form schir mit kurzem i; vgl. 
auch feuern), niederd. f. glatt, eben (eine ſchiere Haut, fchieres Sol, d. ii. 
ohne Äſte u. Knorren 2e.); Elar, hell, glänzend (mittelh. von schirem golde; 
niederd. ein fchieres Ei, d. i. ein Elares); lauter, rein, unvermifcht (ichieres 
Fleiſch, d. i. ohne Knochen; ſchieres Korn 2c.); auch f. weiß; daher das 


Schier, in Lübeck f. das weiße Leichentuch ; — ſchieren 1. ziel. 3w., nie- 
| derd. f. glatt od. ſchlicht machen, putzen; Elar machen, insbef. durchrüh— 





ven u. dadurch Elar u. eben machen (Eier, Butter, eine Brühe 2c.); auch 


‚ etwas genau betrachten, muftern, bef. um zu unterfuchen, ob es Elar und 
rein iſt; — die Schierbutte, in Vitriolfiedereien das Gefäß, worin fich die 


wilde auge Härt; der Schierhammer, in Meffingwerken ein ſchwerer Ham— 


‚ mer mit glatter Bahn, womit die Beulen aus den meffingenen Schalen gefchla= 


gen werden; fchierfchaben (ſchierſchawen, auch fchierfchötern), ziel. Zw., 
in Hamburg f. durchmuftern , durchhecheln; das Schiertuch, niederd. grobes, 


loderes Kammertuch zum Durchfeihen. 


ſchier 2. Nw. (altd. scioro, skiero, scero; schiere, schierlichen; oberd. 
ſchier, fchiere; engl. sheer; flav. skoro; vgl. das altd. sciaran, scieran, be= 
reiten, fertig machen), 1) vlt. f. ſchnell, bald, fogleich, plöglich (auch Superl. 
aufs fhierfte, allerfchiereft, d. i. fobald als möglich); daher 2) alter- 
thüml. u. noch oberb. f. faft, beinahe (ich bin fchier verhungert 2c.); fehie- 
ven 2. ziel. 3w., landſch. f. die Bewegung eines Dinges befchleunigen; 


43 * 


676 Schierling — fchießen 


uneig. gem. f. aufmuntern, aufheßen (wohl =fhüren?); niederd. auch 
zielos: ſchieren gehn, f. davongehen (vgl. ſcheren 2.). 
Schierling, m., -08, 0. M. (gem. auch Scherling, altd. sceriling, 


scerning, scherline; v. sceran, fheren 1. ſchneiden, wegen der eingeferbten 


Blätter; niederd. Scharnpipe, f. unter Scharn), ein der Peterfilie Ahnliches 
Hiftiges Doldengewächs mit der Paftinake ähnlicher, aber übelriechender Wur- 
zel, großer od. gemeiner Schierling, auch Wuth-, Mäufe-, Mauer- 
ſchierling, Tollkraut, wilde oder Hunds =» Peterfilie zc. genannt; der Eleine 
Schierling, eine ähnliche, aber weniger heftig wirkende Giftpflanze, auch 
Gartenfchierling, Glangpeterfifie zc.; — der Schierlingöbecher, ein mit einem 
aus Schierlingsfaft bereiteten Gifttrant (Schierlingstranf) gefüllter Be- 
her; das Schierlingsblatt; der Schierlingsfamen; die Schierlings- 
wurzel ıc. 

ſchierſchaben, Schiertuch, ſ. unter fchier 1. 

fchießen, Zw. ablaut. ich fchieße, du ſchießeſt, er ſchießt (alt u. oberd. auch: 
fcheußeft, ſcheußt); Imper. ſchieße (alt u. oberd. ſcheuß); Impf. ſchoſs (oberd. 


ſchuſs u. ſchießet), Conj. ſchöſſe; Mw. geſchoſſen, (alth. sciozan, ih sciuzu; | 


Impf. scöz, wir scuzzun, Mw. giscozzan; mittelh. schiezen, ih schiuze, 
schöz, schuzzen, geschozzen ; isländ. skiota, fchwed. skjuta, dän. skyde; 
angelj. sceotan, engl. shoot; holl. schieten, niederd. ſcheten; vgl. das franz. 
jeter; ſanskr. tschud; Grundbegriff: ſchnelle Bewegung), 1) ziellos m. fein, 
ſich mit. großer Schnelligkeit in. gerader Richtung fortbewegen, ſowohl 
von leblofen Dingen, als von lebendigen Wefen, finnv. fahren, dringen, ſtür— 
zen ꝛc. (4. B. das Waffer fchießt von dem Berge, das Blut aus der Wunde; 
die Thränen fchoffen ihr in die Augen; ein Raubvogel ſchießt aus der Luft auf 
feine Beute herab; ex ſchoſs an mir vorbei 2c.); etwas ſchießen laffen, 
f. v. w. fahren laffen, los laffen (z. B. ein Seil—, den Leithund —, einem 
Pferde die Zügel ſchießen laſſen); von Pflanzen und lebendigen Geſchöpfen: 
ſchnell emporwachſen, finnv. fprießen, fproffen (die Pflanze ſchießt in die 
Höhe, in Samen; der Knabe. ift Schnell in die Höhe geſchoſſen; vgl. auf 
ſchießen, ſchoſſen, Schofs, Schöfsling) ;; 2) ziel. a) überh. etwas in fehnelle 
fhiegende Bewegung feßen, bewirken, dafs es fchnell dahin fahrt; insbei. 
oberd. f. hinabgleiten laffen (Eis—; Holz —, von der Höhe hinabrutfchen. 
laffen) ; f. ſchieben (Brod in den Ofen —, den Riegel Schießen od. vorfchießen, 
oberd. f. vorfchieben) ; fallen laffen, fihnell hinlegen (Kaufm. Geld fchiegen, 
d. i. werfend zählen; Geld zuſammenſchießen f. zufammenlegen; vgl. her- vor-, 
zufchießen) ; be. werfen, fchleudern, fortfchnellen Coberd. Sand —, d. i. durch 
ein Sieb werfen; Schnellkügelchen —, vgl. Schiefer, Schuffer; niederd. Zie— 
gel, Käfe 2c..—, d. i. einander zumwerfen); auch uneig. fehnell wohin richten 
(zornige Blicke auf Jemand ſchießen; die Sonne ſchießt ihre Strahlen auf un— 
fere Häupter) ; b) in engerer Bed. ein Gefchofs werfen od. fortfchnellen, bei. 
mittelft eines Feuergewehres, häufig ohne Zielwort (3. B. mit einen 
Bogen, einer Armbruft, einer Flinte—; mit Pfeilen, Bolzen, Kugen—; 
nach einem Ziele, einer Scheibe, einem Vogel Schießen; gut oder ſchlecht —— 
ſcharf, oder blind fchießen, ſ. Scharf; Jäg. insbe. aus Flinten und Piftolen 
ſchießen; entg. birfchen, d. i. aus der Büchfe ſchießen); ferner mit einem 
Zielworte (Object), welches entweder das duch die Schufswaffe fortge- 
ſchnellte Geſchoſs bezeichnet (3. B. einen Pfeil, Bolzen, eine Kugel nad) od. 


ſchießen 677 


auf Jemand ſchießen), oder den durch das Geſchoſs erreichten Gegen— 
ſtand, alſo f. ſchießend treffen (einen, ein Thier ꝛc. —; ihn in den Arm, 
vor den Kopf ꝛc. —; auc mit dem Acc. der Sache u. dem Dativ ber Per: 
fon: ihm eine Kugel vor den Kopf—, einen Pfeil in die Bruft fchießen; uneig. 
gem. gefhoffen fein, in eine Perfon gefchoffen fein, f. verliebt fein); 
auch mit Andeutung der Wirkung des Schuffes durch Beifäße (z. B. einen 
todt—, krumm und lahm —, über den Haufen fchießen; ein Schiff, ein Haus 
in Grund und Boden fchießen); Bergw. f. mit Schießpulver fprengen (Erze 
u. Berge); auch von dem Schießgewehr felbft (diefe Flinte ſchießt gut; eine 
Kanone, die 20 Pfund ſchießt 2c.); das Schießen, -8 (oberd. Schiefend) als 
Hw., der Zuftand od. die Handlung des Schießens; bef. ein Schießfeft, 
d. i. eine Vereinigung Mehrer, zur Übung od. zum Vergnügen um ausgeſetzte 
Preife nach einem Ziele zu fchießen (ein Schießen halten; Frei-, Scheiben>, 
Bogelfchießen.2c.); — Zfeg. der Schießbedarf; das Schießblech, ein Ei- 
fen, welches beim Sprengen des Gefteines mit Pulver zwifchen die Spreize u. 
den Scießpfloc gelegt wird; der Schießbolzen, Seew. eiferne Bolzen, bie 
aus Kanonen gefchoffen werden; das Schießeifen, Bergw. ein Eifen in Ge- 
ftalt eines Fäuftels, welches beim Sprengen mit Pulver in das Geftein gehauen 
wird; der Schießfifch, Hornfiſch; das Schießgat, Schießloch auf Schiffen 
( . Sat); das Schießgeld, Geld, welches der Jäger von feiner Herrfchaft 
für ein erlegtes Stüd Wild erhält; die Schießgerechtigkeit od. das Schieß- 
recht, die Befugnifs, auf eines Andern Grund und Boden nad) Wild zu fchie- 
fen; das Schießgewehr, Gewehr zum Schießen, bef. Feuergewehr; der 
Schießgraben, ausgetrodneter Stadtgraben, zum Scheibenfchießen dienend; 
das Schießhaus, ein zum Gebrauch bei Schiepfeften beftimmtes Haus, Schügen- 
haus; der Schießherd, ein Vogelherd, wo die Vögel durch abgefchoffene Pfeile 
in die Garne getrieben werden; der Schießhund, Jagdhund, welcher das 
angefchoffene Wild verfolgt; die Schießhütte, Hütte, in welcher man auf 
Wild u. Raubthiere lauert, um fie zu ſchießen; der Schießfarren od. = wa- 
gen, der Karren, auf welchem die Karrenbüchfe zum Schießen auf Zrappen 
und wilde Gänfe befeftigt ift; das Schießloch, Bergw. cin zum Behuf des 
Sprengens in das Geftein gebohrtes Loch; auch f. v. w. Schießſcharte; das 
Schießmahl, ein abgeftecttes Zeichen, nach welchem, oder von wo aus man 
ſchießt; das Schießpferd, ein zur Jagd abgerichtetes Pferd; der Schieß- 
plan, -plaß, die Schießftatt, ein zu Schiepfeften beftimmter ebener Platz; 
das Schießpulver, aus Schwefel, Salpeter und Kohlen verfertigtes Pulver 
zum Schießen aus Feuergewehren; die Schießröhre, Bergw. ein ausgehöhl- 
ter, mit Pulver gefüllter Holunderfchofs, als Zünder beim Sprengen dienend; 
die Schießfcharte (al. Scharte), ein Einfchnitt in Mauern und Bruſtweh— 
ven, um durch denfelben auf den Feind zu ſchießen; die Schießfcheibe, f. 
Scheibe; die Schießfchlange, eine Art ausländ. Schlangen, welche pfeilſchnell 
auf ihren Raub fchießen; die Schießfpule, Web. f. v. w. das Webefchiff, weil 
es durch die Kette gefchoffen od. geworfen wird; der Schießftand, der be- 
flimmte Pla des Schießenden nad} der Scheibe ze.; der Schießfteiger, Bergw. 
der Steiger, welcher das Sprengen des Gefteins verrichtet; die Schießtafel, 
Landfch. f. Drud- od. Beilketafel, |. d.; die Schießtafche, Jagd- od. Weid- 
tafche der Jäger u. Schügen; die Schießwand, eine Mauer hinter der Schieß- 
Tcheibe, welche die Kugeln auffängtz; — Ableit. fehießbar, Bw., mas ge- 


678 Schiff 


fhoffen, d. i. ducch einen Schufs getroffen od. erreicht werden kann; Die 
Schieße, M. -n, Bäd. ein flaches Brett an einer Stange, mittelft deffen 
das Brod in den Ofen gefchoben (gefhoffen) wird, der Schieber; der 
Schießen od. Schieß (auh die Schießen, das Gefchieß, der Schuſs; 
vol. Geſchoſs), oberd. f. die Giebelfeite eines Gebäudes; der Schießer, —s, 
wer fchießt, gew. Schütze; Bäd. der Gefelle,.welcher das Brod in den Ofen 
ſchiebt ( chießt); oberd. auch f. Schuffer, Schnelfkügelchen; der Schieß— 
ling, -e8, M. -e, was in die Höhe fchießt, d. i. wählt, gew. Schöfsling; 
oberd. ein aufgefchoffener junger Menſch. 

Schiff, ſ. -es, M. -e, Verkl. das Schiffchen, oberd. Schifflein, (goth. 
u. isländ. skip, altd. scif, scef; schif, schef; oberd. Schiff u. Scheff; niederd. 
Schipp, holl. schip, ſchwed. skepp, dän. scib; angelf. scip, scyp, engl. ship; 
ital. schifo, franz. esquif; wahrſch. v. dem angelf. scipan, isländ. skepia, 
ſchwed. skipa, niederd. fchippen (vgl. ſchaffen 1.), f. bilden, geftalten; anord- 
nen, rüften, franz. equiper; alfo: das gemachte Gefäß od. Geräth; vgl. jedoch 
auch Schaff, sceffan, fhöpfen, und das griech. oz«yn), 1) urfpr. überh. f. 
Gefäß, Geräth (vgl. das franz. vaisseau, vaisselle vom lat. vas), daher oberd. 
Schiff und Gefdhirr, d. i. alle zur Landwirthſchaft od. zu einem Gewerbe 
nöthigen Geräthichaften, auch beim Fuhr- u. Poftwefen: Wagen mit allem Zu- 
behörz insbe. ein hohles Gefäß ohne Füße u. Henkel, in einzelnen Anmwen- 
dungen, als: Brau. Kühlfhiff ll. d.); Mal. Eeine Farbennäpfchen (Schiff: 
chen); ſchwäb. ein im Ofen angebrachter Eupferner Kochtopf (Schiffle); 
2) gem. ein Wafferfahrzeug, u. zwar. in weitefter Bed. jedes bauchige, ver- 
tiefte Fahrzeug mit einem Kiele, verfch. von Fähre, Prahm; Floß; in en- 
gerer Bed. nur ein größeres Kahrzeug der bezeichneten Art, verſch. Kahn, 
Rachen, Boot, (ein See-, Fluſsſchiff, Ruder-, Laft-, Handels- od. Kauf- 
fahrteifchiff, Kriegs-, Linienfchiff 2c.); in engfter Bed. nur die größten drei- 
maftigen See-Fahrzeuge, (ein Schiff bauen, ausrüften zc.; zu Schiffe ge 
hen; das Schiff läuft aus, läuft ein 2c.); 3) uneig. verfchiedene ſchiffähn— 
liche Körper, Werkzeuge, Räume ꝛc., insbef. Web. das Webefchiff ob. 
ſchiffchen (f. d.), auch Schießſpule, Schüge genannt; Buchdr. ein vieredi- 
968 Brett mit einem Rande, aus deffen Falze ſich ein fchmaleres Brett: (die 
Schiffzunge) ziehen läſſt; oberd. Eleine Ichiffförmige Pfefferkuchen (Schiff— 
ein); Naturk. Schiffchen, das unterfte hohle Blatt einer Schmetterlings- 
blume; der untere Theil einer Mufchel; verfchiedene Mufchelarten , bef. eine 
Art Napfichneden od. Schüffelmufcheln; die nachenförmige Vertiefung. des 
äußeren Ohres; dag Schiff einer Kirche, d. i. der. mittlere Raum der— 
felben zwifchen. den Pfeilern und Chören; — Zfeg. mit Schiff u. Schiffe: 
das Schiffamt, ein Amtöverein, welcher die Schifffahrt beauffichtigt; der 
Schiffbau, der Bau der Schiffe; daher: das Schiffbauholz; die Schiff— 
baufunft; der Schiffbaumeifter; der Schiffbauer, -8, M. w. E.; verſch. 
der Schiffsbau, d. i. der Bau eines beftimmten Schiffes; das Schiffbein, 
Anat. ein Bein am Oberfuße des Menfchen; der Schiffsboden, f. Boden; 
das Schiff- oder Schiffsboot, Naturk. verfchiedene Meerſchnecken; der 
Schiffsbord, ſ. Bord; der Schiffbruch, das Scheitern od. die Zertriimme- 
rung eines Schiffes an Klippen, Sandbänken ꝛc. (Schiffbruch leiden); fchiff- 
brüchig, Bw., wer einen Schiffbruch leidet od. erlitten hat, (ein Schiff: 
brüdhiger); aus einem Schiffbruch gerettet (ſchiffbrüchige Waaren); die 





Sqiff 679 


Schiffbrücke, eine auf Schiffen ruhende Brücke; die Schiffsfahne, gem. 
-flagge, ſ. d.; der Schifffahrer, wer zu Schiffe fährt, bef. gewöhnlich und 
berufsmäßig, finnv. Seefahrer; die Schifffahrt, Fahrt od. Reife zu Schiffe; 
die Kunft des Fahrens zu Schiffe und deren Ausübung, bef. zur See (die 
Schifffahrt verftehen 2c.); auch f. das Fahrwaſſer im Meere od. in einem Fluſſe; 
das Schifffahrtögefeß; die Schifffahrtöfunde, -Funft ıc.; die Schiff- 
od. Schiffsfracht,, f. Fracht; der Schiffsfreund, in Seeftädten: wer mit 
Andern auf gemeinfchaftliche Koften ein Schiff ausrüftet, Mitrehder; der 
Schiffsführer, Befehlshaber eines Schiffes (Schiffe-Gapitän); das Schiffs- 
gebäude, der Rumpf (f. d.) eines Schiffes; das Schiff- od. Schiffsgeräth ; 
das Schiffsgerippe, ſ. Gerippe; der Schiffhalter, Naturk. eine Art Fiſche: 
dev Sauger; der Schiffhandel, Handel zu Schiffe, od. mit Schiffen; der 
Shiffshauptmann, oberfte Befehlshaber eines Schiffes (gew. Schiffe-Gapi- 
tän); das Schiff- od. Schifföheer, f. v. w. die Flotte (f. d.); der Schiffs- 
herr, Eigenthümer eines Schiffes, Rehder (auch fr. Schiffs- Patron); der 
Schiffsholm, ſ. Holm; der Schiff- od. Schiffsjunge, junge Matrofen, 
welche den Seedienft erlernen; die Schiffsfammer, f. Kajüte; das Schiff- 
od. Schiffsfind, Seew. f. Matrofe eines Kauffahrers; der Schiff- oder 
Schiffsknecht, wer auf Schiffen die niedrigfte und ſchwerſte Arbeit verrichtet, 
auf den Seeſchiffen: Matrofe; der Schiffskoch; die Schiffsfüche; die 
Schifffunde, -Eunft, f. v. w. Schifffahrtskunde ꝛc.; fhifffundig, Bw.; 
die Schiffkuttel, eine Art einfhaliger Seeſchnecken od. Schiffsboote (f. d.), 
auch Schiffmuſchel, ⸗ſchnecke genannt; die Schiffsladung, ſ. Ladung; 
die Schifflände, Landungsplatz der Schiffe, Anfurth; die Schiff- od. Schiffs- 
laft, ſ. Laſt; die Schiff- od. Schiffsleuchte, Leuchte für Schiffe auf einem 
Leuchtthurm 2c.; die Schiff- od. Schiffsleute, alle zur Führung von Schiffen 
u. den dabei nöthigen Verrichtungen mitwirkenden Perfonen, auch die Schiffs- 
mannfchaft, das Schiffsvolf; der Schiffmann, f. v. w. Schiffer (j. u.), 
ehem. insbef. f. Steuermann; fchiffmännifch, Bw., einem Schiffmann eigen 
od. angemeffen; die Schiffmühle, Waffermühle auf einem platten Fluſsfahr⸗ 
zeuge; der Schiffmüller, Eigenthümer od. Vorgeſetzte einer Schiffmühle; 
die Schiffmüße, eine Müge mit zwei fpigen Schnäbeln an den Seiten; der 
Schiffnagel, eine Art flacher Nägel mit breiter, Eeilartiger Spige zum An— 
nageln der Sciffplanken; der Schiffspart, niederd. f. Antheil an einem 
Schiffe (f. Part); der Schiffspartner, niederd. wer einen ſolchen Anteil 
hat, Mitrehder; das Schiffpech, ein Gemiſch aus Pech, Theer, Harz und 
Talg, welches in die Fugen der Schiffe gegoffen wird; das Schiff- od. Schiffs- 
pfund, f. Pfund; die Schiff- od. Schiffspumpe, eine Pumpe auf Schiffen 
zum Auspumpen des eingedrungenen Waffers; der Schiffsraum, |. Raum; 
das Schiffrecht, f. v. w. Seerecht; der Schiffsrehder, ſ. Rehder; fehiff- 
reich, Bw., reich an Schiffen; die Schiffrofe, ſ. v. w. Windrofe; die Schiff- 
rüſtung, Ausrüftung von Schiffen; der Schifföfchnabel, das fpig zulaufende 
Ende eines Schiffes; der Schifffehuh, ſ. v. w. Schachtſchuh (1. d.); fo auch 


Schiffruthe, zoll, das Schiffmaß; das Schifffeil, gew. Tau; der Schiff- 


foldat, Seeſoldat; der Schifföfpiegel, 1. Spiegel; das Schiffſtück, ein 
ſchweres Gefhüg auf einem. Kriegsihiffe, Schiffgeſchütz; das Schifftheer, 
Theer zum Beftreichen u. Kalfatern der Schiffe; das Schiffsvolf, f. o. Schiff— 


leute; das Schiff: od. Schiffswerft, f. Werft; der Schiffwerftkäfer, eine 


680 ſchiften — Schild 


Art Warzenkäfer, deren Larve das Eichenholz durchbohrt u. dadurch die Schiff- 
werfte befchädigt; der Schiffwurm, eine Art im Holze lebender Bohrwürmer, 
die den Schiffen großen Schaden zufügen, Bohr-, Pfahlwurm; der Schiff: 
od. Schiffszimmermann; der Schiffzoll, von den Schiffen und darauf ge- 
ladenen Waaren entrichteter Zoll, See-, Wafferzoll; der Schiffzwiebad, 
völlig ausgetrocnetes Brod zu weiten Seereiſen; — Ableit. ſchiffen, Zw. 
(oberd. auch fchiften; niederd. fchepen) 1) zielos mr. Haben u. (bei Angabe ' 
eines Ausgangspunftes oder Zieles) m. fein, auf einem Schiffe, zu Schiffe 
fahren, reifen (3. B. er hat viel, lange gefchifft; er ift nach Amerika ge- 
ſchifft ꝛc.); ehem. aud) von dem Schiffe felbft f. fahren, fegeln; 2) ziel. zu 
Schiffe fortfchaffen (Waaren, Truppen zc. nach einem Orte—); der Schif- 
fer, -8, wer fhifft, ein Schiff lenkt, bef. fofern dies fein Beruf od. Gewerbe 
ift, ſ. v. w. Schiffmann, weibl. die Schifferinn; auch f. Schiffeigen- 
thümer, Schiffsherr; insbef. auf Kriegsfchiffen ein unter dem Schiffsbefehls— 
haber ftehender Dfficier, der die Ausrüftung des Schiffes und den Dienft auf 
demfelben leitet; auf Handelsfhiffen |. v. w. Schiffshauptmann; Zfeg. die 
Schifferhofen, weite lange Beinkleider der Schiffer; der Schifferfnecht, 
Knecht eines Schiffers; der Schifferfnoten, ein zufammengebundenes Tau 
in Geftalt einer 8 zur Hebung von Laſten; die Schiffermüße; das Schiffer- 
mützchen, uneig. eine Art Napfichneden od. Schüffelmufcheln; die Schiffer- 
fprache, Kunftfprache der Schiffer, bef. der Seefahrer; der Schifferzirkel, . 
ein zirkelförmiges Werkzeug, mittelft deffen man aus der gegebenen Breite eines 
Ortes deffen Länge zur See findet; — die Schiffung, M.-en, (mittelh. 
schiffunge; oberd. auch Schifftung), alt u. oberd. 1) f. das Schiffen, die 
Einfhiffung, Fahrt zu Schiffe; 2) f. das Schiff, mit Hinſicht auf eine 
beftimmte Art od. Größe deöfelben; fehiffbar, Bw., fähig, beſchifft zu wer: 
den (ein ſchiffbarer Flufs 20.5 die Schiffbarmahung); die Schiffbar- 
feit, das Schiffbarfein; — fchiffern, Zw., niederd. chippern) 1) ziellos 
f. in einem Eleinen Schiffe fahren; 2) ziel. in Eleinen Schiffen holen 
(Zorf). 

ſchiften 1. ziel. 3w., landſch. f. ſchäften (f. d. unter Schaft); auch überh. 
f. zufammenfügen, verbinden, an- od. einfegen (der Zimmermann ſchiftet 
einen Sparten, d. i. befeftigt ihn der Länge nad) an einen andern; einen 
Habicht —, d. i. ihm frifche Schwungfedern auflegen); der Schift, -es, M. 
-t, landſch. f. Anfügung, Überzug; der Schiftfparren, angeſchiftete Spar- 
ven an Dächern, im Beraw. ꝛc.; — fhiften 2. ziel. u. ziellof. Zw., nieberd. 
(Nebenform od. vielleicht die urfpr. Form von ſchichten, f. d.5 angelf. scyf- 
tan,.fchwed. skifta, holl. schiften; vgl. feheiben 3. u. Schiefer) f. theilen, 
abfondern; von gewebten Zeugen: dünn werden, durch Abfonderung und 
Berfchiebung der Fäden; ſchiftig, Bw. (urfpr. wohl: genau unterfcheidend, 
ſich abfondernd), niederd. f. verächtlich, höhniſch. 

Schilbe, w., M.-n, (auch Schilpe, Schilp; altd. scelva, schelve), 
ſchwäb. f. Scholle; auch ein Salzmaß — 14 3entner. 

ſchilchen, ziellof. 3w. m. haben, (altd. schilhen; vergl. ſchelch, Scheel, 
ſchielen), oberd. f. fchielen; der Schilcher, -8, f. Schieler; auch eine Art 
Beuges, wahrſch. Schillertaffet. 

Schild, m., -es, M. -e (landfch. gem. -er), und (in ber Bed. 2. b) 
ſächl., -e8, M. -er; Verkl. das Schildchen, oberd. Schildlein, (goth. skildus, 














Schild 681 


altd. immer männl. der scilt, schilt, G. schildes; angelf. scild, scyld, engl. 
shield; isländ. skiöldr, ſchwed. sköld; vom isländ. skiola, ſchwed. skyla, 
dän. skyle, bedecken; vergl. das lat. scutum mit Schug, ſchützen), 1) urfpr. 
u. eig. eine chem. übliche Schutzwaffe zur Bedeckung des Leibes, beftehend 
in einem flachen, etwas gewölbten Körper von fefter Maffe u. gew. rundlicher 
od. Länglich vierediger Form, an der inneren Seite mit Handhaben verfehen, 
mittelft deren er gehalten u. bewegt wird (Schild und Speer führen; fich mit 
Schild und Helm waffnen zc.), im Mittelalter bef. von den Rittern geführt u. 
mit einem Wappenbilde bemalt, welches als Abzeichen dient u. auch felbft der 
Schild (Wappenfchild) Heißt, (3. B. einen Adler, eine Krone, eine Rofe 
im Schilde führen; daher uneig. etwas im Schilde führen, d. i. urfpr. 
ein Abzeichen tragen, wodurd) man zu erkennen giebt, zu welcher Partei man 
gehört, dann überh. eine beftimmte Abficht haben u. verrathen, etwas im Sinne 
haben, 3. B. er führt.nichts Gutes im Schilde) ; chem. auch eine Münze mit 
einem Wappen im Gepräge (vgl. Schildthaler); ferner als Abzeichen des 
Ritterftandes überh. ehem. uneig. f. Adel, Nitterwürde (4. B. den Schild 
niedern, d. i. den Adel ſchwächen durch Eintreten in ein Lehnverhältnifs; zum 
Schilde geboren fein, d. i. von adeliger Geburt); ehem. auch f. Schildträger, 
hochgeborene Perfonen (bibl. die Schilde auf Erden); dicht. uneig. f. Schuß, 
Schirm (bibl. der Herr ift mein Schild) ; 2) in weiterer Anwendung verfchie- 
dene fchildähnliche Dinge od. Körpertheile a) fofern fie zur Bedeckung die 
nen, oder auch bloß der Geftalt nach; z. B. die harte gewölbte Schale der 
Schildkröte u. anderer Thiere, z. B. der Käfer 2c.; Jäg. ein breiter, dicker 
Knorpel auf dem Rüden der wilden Schweine; ein Fleck auf der Bruft ber 
Feld» u. Hafelhühner, bisw. überh. die Bruft des Geflügel; Fleiſch. ein Theil 
von dem Buge eines Rindes; Pflanz. ein dünnes, rundliches, od. Längliches 
Fruchtlager; Gärtn. mit dem Schilde äugeln (oculicen) od. anſchilden, entg. 
mit dem Ringe—; Naturf. eine Art Napfichneden, auch Schiffen, Kahn ıc. 
genannt; Schloff. das Heine Blech, welches das Schlüffelloch bedeckt od. um- 
giebt; Bauk. eine Schwache Wand zwifchen zwei ftärkeren Pfeilern, bei. an 
Gartenmauern; Wafferb. die Wand, mit welcher ein Strudelbau von der Seite 
zugefchloffen wird; Jäg. das auf Leinwand gemalte u. eingerahmte Bild eines 
Thieres, welches fie vor fih halten, wenn fie das Geflügel befchleichen; (in allen 
diefen Bed. heißt es: der Schild, M. die Schilde); b) fofern fie als 
Unterfcheidungs- od. Kennzeichen dienen (in diefer Bed. das Schild, M. 
die Schilder), insbei. das blecherne Wappen od. Zeichen, welches Herolde, 
Gerichtsboten 2c. an der Bruft od. am Arm befeftigt tragen; die ausgehängte, 
mit einem Wappen od. anderen Bilde od. Zeichen verfehene Tafel als Abzei- 
chen eines Haufes, bef. der Wirthe- u. Gaſthäuſer, der Handwerker, Gewerbe, 
Kaufleute zc. (das Aushängefhild; das Schild einziehen, d. i. fein Ge- 
werbe niederlegen); — 3fes. die Schildamfel, eine Art Amfeln mit einem 
ſchildförmigen weißen Flecke vor der Bruft, Meeramfel; der Schildbauer, 
in Zirol eine Art freier Bauern, die mit zum Adel fteuern; der Schilöbefen 
od. das Schilöbefenfrauf, eine Art Steintraut mit grau beftäubten Blättern; 
die Schilöblume, eine mit dem Fingerhut verwandte Pflangengattung (che- 


lone L.); der Schilöbürger, eig. ein mit einem Schilde verſehener, bewaff- 


neter Bürger; gem. uneig. f. Menfchen von beſchränktem, Eindifhem Verftande, 
welche alberne, einfältige Streiche machen (in diefer Bed. gew., aber gegen alle 


682 Schild 


Analogie, von dem ſächſ. Städtchen Schilda hergeleitet, von deſſen Einwoh— 
nern man bergl. alberne Streihe (Schildbürgerftreiche) erzählt; wahrſch, 
wie Spiefbürger, urſpr. ein bewaffneter Bürger); fhilobürtig, Bw., 
ſ. u. ſchildbar; die Schilddroffel, Ringdroffel mit einem Schilde vor der 
Bruft; die Schilddrüfe, Anat. eine vor dem SchildEnorpel u. dem oberen | 
Theile der Luftröhre liegende Drüfe; die Schild-Ente, landſch. f. Löffel: od. . 
Schaufelente; das Schilöferfel, eine Art Panzer- od. Gürtelthier, ſ. d-; 
der Schildfink, Buch- od. Rothfink; der Schildfiſch, eine Art oftind. Fiſche 
mit einer jhildähnlichen Bededung des Rüdens; auch zwei Fifcharten mit 
einem Schilde am Kopfe, mittelft deffen fie fih an Schiffe zc. anhängen, Sau- 
“ger, Schiffshalter: der große, u. der Eleine Schildfiſch; die Schilöflechte, 
Flechten mit rundlichen od. eiförmigen Warzen, ſchildförmige Flechten, Näpf- 
hen, Tellerchen; der Schildfloh, eine Gattung ungeflügelter Waſſer-Inſec— 
ten, deren Leib mit einer Schale bedeckt ift; ſchildförmig, Bw. (bef. Pflanz. 
ein [hildf. Blatt, deffen Stiel in der Mitte feftfist; ein ſchil df. Staub- 
beutel, Ereisförmig u. auf beiden ©eiten flach 2c.); der Schilöfranf, ehem. 
f. Ducaten; die Schilögerechtigkeit, das Recht, ein Schild zum Zeichen eines 
Gewerbes, Gafthaufes zc. auszuhängen; der Schilögrofchen, eine Silber— 
münze im 15. Sahrh., deren 60 — 3 Thlr. 2 9Gr. waren; der Schildhahn, 
Yandfch. f. Birkhahn; der Schildhalter, Wappenk. eine Menſchen- od. Thier- 
Geftalt, welche den Wappenſchild Hält; der Schilöhof, Hof eines Schild- 
bauern, |. d.; der Schild-Igel, eine Art Seeigel; der Schildfäfer, eine 
Gattung Käfer, deren Bruſtſchild zugleich den Kopf bedeckt; der Schildklee, 
ein in Stalien u. Spanien wachſendes gutes Futterfraut mit ſchmetterlingsför— 
migen Blüthen, auh Schil dkraut; der Schilöfyappe od. Schlldknecht, 
der Schildträger, Diener u. Waffenträger eines Ritters; der Schilöfnorpel, 
Anat. der größte Knorpel des Kehlkopfes, der mit feinen beiden ©eitentheilen 
einen Schild bildet, gem. Adamsapfel; die Schildfrabbe, landſch. f. Taſchen⸗ 
krebs; das Schildfraut, ein Gewächs mit bläulihen Blüthen, deren Dede 
mit einem fchildförmigen Deckel gefchloffen ift (scutellaria L); auch f. Schild- 
Eee; die Schildkröte, ein zahlreiches Geflecht vierfüßiger Land- und Waffer- 
thiere (Amphibien) mit trägem Gange (daher =Kröte, j. d.) u. einer harten 
fchildförmigen Schale auf dem Rüden, niederd. Schildpadde; auch das 
Rückenſchild allein od. die Schildfrötenfhale heißt: Schildkröte, 
gem. das Schildfrot, Schildpatt; uneig. ift Schildkröte au 
Namen der Schildblume, u. eines rothen Schmetterlings; der Schilöfröten- 
fifch, eine Art Stahelbäuche; der Schilöfrötenfäfer, Afterrüffelkäfer; Gauk— 
fer, Stugkäfer; die Schildfrötenlaus, eine Art Meereicheln, auh Schild: 
frötenpode, =warze; der Schildfrötenfchwanz, uneig. Natur. eine Art 
oſtind. Stachelſchnecken; das Schildfrötenfchwein od. der Schildfröfen: 
Igel, eine Art Schildferkel od. Gürtelthier; der Schildkrötenſtein, ein ftein- 
harter Körper, der fich bisw. in den größeren Schildkröten finden fol (fr. 
Chelonit); die Schildlaus os. Schildlausfiiege, eine Gattung vom Pflan- 
zenjafte Iebender Inſecten mit halben Flügeldecken, das Weibchen ungeflügelt; 
Arten derfelben, welche ſchöne rothe Färbeftoffe liefern, find: die Scharlach— 
Yaus (1. d.) u. die polnifhe Schildlaus, auch Sohannishlut ‚genannt; 
das Schildlehen, ein zu Kriegsdienften verpflichtendes adeliges Lehen; die 
Schildmauer, niedrige Weinbergsmauer zum Aufhalten des Regenwaſſers; 








Schilf 683 


die Schildmotte, eine Art mit einem Schilde bedeckter Motten, auf Roth— 


buchen lebend; die Schildpadde, niederd. f. Schildkröte; Schiff. uneig. eine 
Art Blöde; das Schildpatt, -e3, gem. f. die Schildfrötenfchale (f. d.); der 
Schilorabe ‚ eine Art grauer Raben mit ſchwarzem Schilde; der Schild- 
treiber, ſ. v. w. Nachtreiher, Nachtrabe (wahrſch. wegen feiner weißen Bruft) ; 
die Schilöfehnede, Erdſchnecke, deren oberen Theil man den Schild nennt; 
der Schildſchwamm, eine Art Blätterfhwämme; der Schildftichel, ein vorn 


runder Grabftichel der Petfchaftfteher; der Schilöträger, wer einem Ritter 


den Schild nachträgt, Schildfnappe; Naturk. eine Art Stutzköpfe, und eine 
Art oftind. Eidechſen; die Schilowache (mittel. schiltwache, schiltwacht), 
das Wachen od. Wacheftehen eines Bewaffneten an einem Orte (eig. das Wachen 
mit dem Schilde, d. i. in voller Rüftung; auf der Schildwache fein od. ftehen, 
gew. bloß: Schil dwache ſtehem); der zu diefem Zwecke an einen Drt ge 
ftellte Bewaffnete jelbft (ehem. au) der Shildwädhter; Schildwachen aus- 
ftellen; die. Schildwache ablöſen; Krfpr. die verlorene Schildwade, d.i. 
die auf dem gefährlichften Poften fteht); der Schilöwirth, oberd. f. öffentlich 
berechtigter Gaſtwirth; der Schildzapfen, Krfpr. zwei walgenförmige Zapfen 
an der Kanone, mit welchen fie auf dem Geftelle ruht; — Ableit. fchildbar, 
Bw. (altd. schiltbaere), vit. f. berechtigt, einen Schild zu führen, von ade- 
liger Abkunft, auch ſchildbürtig; die Schildbarkeit od. Schildbürtigkeit; 

ſchildig, nicht gut ſchilderig, Bw., mit einem Schilde od. mit Schiden 
(Schildern) verſehen; ſchilden, ziel. Zw., ſelten f. mit einem Schilde oder 
mit Schilden verfehen (bef. das Mw. —— ehem. auch: mit dem 
Schilde ſchirmen, beſchützen; ſchildern, Zw., 1) ziellos m. haben, ſ. v. w. 
Schildwache ſtehen, ſchildwachen (vor einem Haufe ꝛc. —); landſch. in wei- 
terer Bed. f wachen, ſtehen u. warten, aufpaſſen; daher das Schilder— 
haus od. =hauschen, das Häuschen, worin die Schildwache vor üblem Wetter 
geſchützt ſteht; — ſchildern 2) ziel. Jäg. mit einem Schilde oder mit 
Schilden (Schildern) verfehen, fhilden, gew. nur im Mw. gefhildert 
(gefhilderte Feld- u. Wafferhühner, d. i. die einen Schild auf der Bruft ha- 
ben); auch mit dem Schilde, d. i. dem gemalten Zhierbilde (ſ. o. Schild 2) a) 
vor fich her treiben (die Feldhühner—); — 3) ziel. (vom altd. schildaere, 
schiltaere, schiltenaere, Schildmacher, Schildmaler, Maler) urfpr. Wappen- 
ſchilde malen; dann überh. mit lebhaften Farben abbilden, malen, bemalen 
(geihilderte Kattune, d. i. gemalte, entg. den gedrudten; Farben ein- 


ſchil dern, d. i. auf den Kattun bringen; Schiff. die Maften, Rahen ꝛc. 


ſchildern, d. i. anftreichen); gew. uneig. et was —, d. i. lebhaft, genau u. 
anfchaulich befchreiben, mit Worten darftellen (4. B. eine Schlacht, eine 
ſchöne Gegend „ das Landleben, auch eine Perfon—; ich kann es od. ihn dir 
nicht ſchildern 2c.); daher: die Schildereti, 1) das Schildern, Malen; 
2) gew. ein eingerahmtes Gemälde (M. Schildereien); der Schilderer, -$, 
wer fchildert, malt, eig. (z. B. in Kattunwebereien) u. uneig. wer etwas an= 
fchaulich befchreibtz; die Schilderung, das Schildern; das Gefchilderte, 
bef. uneig. eine lebhafte, anfchauliche Befchreibung (M. Schilderungen). 
Schilf, f. (alt u. landſch. auch m.), -e3, M. (von mehren Arten) - e, 
(altd. sciluf, schilf, f,; von dem iöländ. skialfa, skelfa, ſchwed. skaelfwa, 
angelf. scylfan, erſchüttern, zittern, zitternd ertönen, vgl. Rohr; aber auc) 
das lat. scirp-us), verfchiedene Waſſer- oder Sumpfgewächfe, insbe. das 


684 ſchilfen — Schilling 


gemeine Rohr (f. d.), Waffer r od. Schilfrohr; auch andere Nohr= Arten, 


3. B. das Gartenrohr, Sand, Wieſen-, Hügelfhilf 2c. (gew. ale Sammelm., 
3. B. hier wächſ't viel Schilf; im Schilf ſitzen; Schilf fchneiden 2c.); landſch. 
au) f. die Binfe od. Semfe (großes Schilf, d. i. die Seebinfe); u. f. 
die Schmiele od. Schmele (ſcharfes Schilf, die graue Schmiele); — 
3fes. fhilfartig, -Ahnlih, Bw.; die Schilfbrüde, Brüde über Moräfte, 
beftehend aus Faſchinen von Schilf mit darüber gelegten Brettern; das Schilf- 
dach, die Schilfdecke, Dad, Dede aus Schilf; das Schilfgras, eine Art 
Glanzgras, Thilfartiges Glanzgras; die Waldbinfe;z das Wafferviehgras; 
die Schilffage, eine Art im Rohre lebender wilder Rasen am asp. Meere; 
die Schilfflinge, dreiecige, hohl ausgefchliffene Degenklinge, Hohlklinge (ei- 
nem Schilfblatt ähnlich); das Schilfmeer, bibl. f. das rothe Meer od. der 
arab. Meerbufen; fchilfreich, Bw., viel Schilf enthaltend; das Schilfrohr, 
ſ. 0.; das Schilfftraußgras, ſchilfartiges Straußgras, braune Sandfchmiele; 
der Schilfvogel, Schilfſchwätzer, Rohrſperling; — Abteit. ſchilficht, 
Bw., ſchilfähnlich; ſchilfig, Bw., Schilf enthaltend, mit Schilf bewach— 
fen; ſchilfen 1., ziel. Zw., mit Schilf verfehen, befleiden (Glaf. eine 
Glasfheibe—, in der Nuth des men das Eindringen des Waffers zu 
verhindern). 

fchilfen 2. oo. Iilfern, ziel. u. rüdz. 3w., ſ. fchelfen. 

Schilke, w., M.-n, landſch. f. ein weibliches Schaf. 

Schill or. Schiel, m., es, Sn. -e, landſch. f. Sander od. Zander. 

Schille, w., M.-n, od. das Schillſtück, niederd. f. Schalbrett. 

Schillebold, m., -es, M.-e (won ſchillen, ſchielen (. d.) f. ſchil— 
lern, Shimmern, u. Bolt, Bolz, wegen des langen, walzenförmigen Kör- 
pers), niederd. be. brandenb. f. die Jungfer, Wafferjungfer, ein befanntes 
geflügeltes Infect von blau u. grün ſchillernder Farbe (fr. Libelle). 

fchillern, zielof. Zw. m. haben (von fchielen, ſchillen), in verfchiedene 
Farben fpielen, die Farben mwechfeln, andern, je nachdem das Licht von 
verfchiedener Seite darauf fällt (ein ſchillernder Zeug 2c.); der Schiller, —8, 
ſchillernde Farbe, fehillernder Glanz; — der Schillerbaum, Silberbaum; 
die Schiller-Eidechfe od. das Schillerthier, Neuw. f. eine Art unſchädlicher 
Eidechſen in Afien 2c., deren ftahlgraue Farbe in verfchiedene andere Farben fpielt 
(fr. Chamäleon); der Schillerglanz, fchillernder Glanz; der Schillerfpath, 
ein in mannigfaltige Farben fpielender Feldfpath (Labradorftein); am Harz: 
ein lauchgrüner Schlangenftein mit eingefprengtem Goldglimmer; der Schil- 
lerftein, 1) ſ. v. w. Schillerfpath; 2) ein milchblauer, in verſchiedene Farben 
fpielender Edelſtein (fr. Opal); der Schillertaffet, Thillernder Taffet (fr. 
Changeant); der Schillervogel, verfchiedene Tagvögel od. Tagfalter; der 
Schillerwein, röthliher Wein, der. weder Roth-, noch Weißwein iſt; — 
ſchillerig, Bw., fchillernd, färbenfpielend. 

Schilling, * „-es, M.-e, (goth. skillings, altd. scillinc, skilleng, 
schilline; angelſ. scillihgn engl. shilling; ; ſchwed. skilling; mittl. Tat. schel- 
lingus; franz. escalin; von scellan, fehellen 1. d. i. ſchallen) 1) eig. ein Flin- 
gendes Geldftüd, insbef. eine Dickmünze (vgl. Grofchen, z. U. v. dem nicht 
Elingenden Blechmünzen; entjprechend dem lat. solidus, ital. soldo, franz. sol, 
sou; aber nicht davon abftammend), urfpr. fowohl von Gold, als bef. von 
Silber, dem Pfennig als beftimmter Theilgröße entgegenftehend; der fil- 


Schimmel — Schimmer 685 


berne Schilling galt urfpr. 12 Pfennige (alfo — 1. Grofchen); fpäter 
wird diefer ald Eurzer Sch. von dem langen Sc. zu 30 Pfennigen unter- 
fhieden. Noch jegt ift der Schilling, theils als wirkliche, theils als 
Rehnungsmünze, gew. 12 oder 30 =theilig; z. B. der Lübifhe Schilling 
hat 12 Pfennige, der Sc. in Nürnberg, Bafel, Franken zc. 12 Pf. oder 
3 Kreuzer; in Würtemberg, in Cöln ze. 12 Heller; der flämifhe Sch. 12 
Groot od. 3 Ggr.; der engl. Schilling -(shilling): 12 Pence (ungef. 3 Gul- 
den); in Oberöftreich heißen 30 Pfennige: ein Schilling, im Salzburg.: 
ein Schilling Pfennig (d. i. Pfennige; vgl. u. 3); im Holftein. hinge— 
gen hat ein Schilling ungef. 8 Pfennige, in den meiften niederd. Gegenden 6 
Pf. in Dänemark 4 Pf., in Preußen, Polen, Schlefien (wo man der Schil- 
ger fagt) kaum 1 Pfennig; — 2) f. Geld überhaupt in Zſetz. wie Kauf-, 
Pfandfhilling (vgl. Grofchen und Pfennig) ; — 3) ehem. u. noch landſch. 
eine beftimmte Buhl, bef. von 12, od. gew. 30 Stück (3. B. oberd. ein 
Schilling Eier, Krebfe, Prügel od. Knüppel, d. i. 30 Eier ꝛc.; ehem. auch: 

drei Schilling Sahre, d. i. 90 Jahre, u. dgl. m.; ein Schilling Salz, d. i. 
30 Fuder; in den böhm. Bergwerken: ein Schilling Waffer, d. i. 12 Iederne 
Schläuche; ein Schilling Erz, d. i. 5 Schubkarren); daher insbe. eine be- 
ftimmte Zahl (12 od. 30 ?) Schläge, Ruthenftreiche auf den Hintern, u. überh. 
f. Schläge (der Stodfhilling, oberd. f. Züchtigung durch den Stockmei— 
ſter im Gefängniffe); — 3feg. der Schillingsdrath, eine Art Drath zum 
Striden, zu Zelthaken zc. (vielleicht, weil eine beftimmte Menge davon einen 
Schilling Eoftet 9; das Schillingsgut, landſch. f. Erbzinsgut, Zinsgut, deffen 
nusbares Eigenthum gegen einen gewiffen Zins (Schilling, ſ. o. 2) übertragen 
wird, auch: der Schillingshof; der Schillingsmann od. -bauer, Erb— 
zinsmann, Befiser eines Schillingsgutes; das Schillingsrecht, das aus dem 
Vertrage über ein Schillingsgut entfpringende Recht; das Schillingslehen, 
ein ſolches Lehen. 

Schimmel, m., -8, M. w. E. (v. scimo, schim, Schein, schimen, 
Karen, glänzen; vgl. Schemen, jchimmern 2c.; urfpr. das weiß Schimmernde), 
1) o. M., außer zur Bezeichnung verfchiedener Arten (altd. scimbal, schimbel, 

oberd. Schimpel, fchwed. skymmel), der weißliche, moosähnliche Überzug, 
welcher fi an feuchten Orten, auf faulenden Pflanzenftoffen zc. anfest, eig. 
eine Gattung Eleiner Schwämme (mit Schimmel beſchlagen); 2) ein weißes 
od. weißliches Pferd, nach Verfchiedenheit der Fleden u. Zeichnung: Apfel-, 
Blau-, Grau:, Roth, Schwarz, Silberfhimmel 2.5 — 3fe$.v. Schim- 
mel 1): fchimmelartig, -Ahnlidh, Bw.; die Schimmel Ente, Moderente; 
fchimmelgrau, Bw., Pflanz. J—— das Schimmelkraut, landſch. 
f. gemeines Filz- od. Fadenkraut; großes Schimmelkraut, f. Ruhrkraut, 
Rainblume; — Ableit. ſchimmelicht od. ſchimmlicht, Bw., ſchimmelähn— 
lich; ſchimmelig od. ſchimmlig, Bw., mit Schimmel bewachſen (ſchimm⸗ 
liges Brod); ſchimmeln, zielloſ. Zw. m. haben, (altd. scimpalon, schim- 
beln, oberd. ſchimpeln), Schimmel anſetzen, mit Schimmel beſchlagen 
(das Brod, die Zinte zc. fchimmelt, hat gefchimmelt). 

Schimmer, m., -3, M. (felten) wie E. (v. dem altd. scim, 'scimo, schim 
f. Schein, sciman, schimen f. fcheinen, glänzen, erft in der neueren Sprache 
gebildet; isländ. skima, angelf. scima, holl. schim; vgl. Schein, Schemen, 
Schimmel), zitternder Schein od. Lichtglanz, ſchwächer, als Glanz, ftärker, 


686 Schimpf 


als Flimmer (der Schimmer des Goldes, des Mondes ꝛc.); in weiterer 
Bed. überh. f. Glanz, Farbenpracht (z. B. der Blumen), äußerer Schein 
(4. B. des Glückes 2c.); in engerer Bed. ein ſchwacher, kaum bemerfbarer 
Schein, Dammerlicht (oberd. Schemen, niederd. Schemer, Schummer; val. 
das isländ. skaum, Dämmerung, ſchwed. skumm, dämmerig; z. B. feine Eran- 
fen Augen haben nur einen Schimmer; der Schimmer der Morgenröthe; uneig. 
ein Schimmer von Hoffnung , d. i. ein fehr geringer Grad 2c.); ſchimmern, 
ziellof. 3w. m. haben, (ſhwed. skymra), einen Schimmer, d. i. ein zit- 
terndes Licht von fic werfen, vgl. glänzen u. flimmern (die Sterne ſchim— 
mern); durch lebhafte Farben, Schönheit, überh. durch äußeren Schein 
in die Augen fallen u. lebhaften Eindrud machen, finnv. glänzen, doch 
mehr, als diefes, mit dem Nebenbegriff des Nichtigen, blog Scheinbaren (ſchim⸗ 
mernder Putz; em fchimmerndes Glück; uneig. ein ſchimmernder Gedanken, 
Witz 2c.); ein ſchwaches, unbeftimmtes Dammerlicht geben (niederd. fche- 
mern, fhummern; vgl. das angelf. scymrian, verdunkeln; z. B. ich Tehe et— 
was fhimmern; auch unp. es fhimmert mir vor den Augen; uneig. ihm 
ſchimmert Eeine Hoffnung mehr); — 3ſetz. das Schimmerglüd, ſchimmern⸗ 
des, nur [heinbares Glück; der Schimmerfäfer, ein Geflecht Leuchtender 
Käfer in Afrika u. Aften; das Schimmerlicht, ein ſchimmerndes, ſchwaches 
Sicht; ſchimmerlos, Bw., ohne Schimmer, nicht glänzend, eig. u. uneig.; 
der Schtimmerfand, Glimmerfand; der Schimmerftein, die Blende; — 
Ableit. fhimmerig, Bw. (niederd. fehemerig, ſchummerig), matt ſchim— 
mernd, dämmerig. ' 

Schimpf, m., -e$, o. M. (alt. scimpf, scimf, schimpf; isländ. skimp, 
ſchwed. skymf; niederd. Schimp; wahrſch. v. sciman f. fcheinen, scim, schim, 
f. Schein, vgl. Scham, Schimmer ꝛc.; alfo eig. was nur zum Schein, nicht 
im Ernft gefchieht), ehem. u. noch fchweiz. f. Scherz, Spaß, Kurzweil, Spiel, 
Ergögung (4. B. Schimpf und Ernft, d. i. Scherz und Ernſt; vitterlicher 
Schimpf, d. i. Kampf zur Kurzweil, Turnier) ; dann fcherzhafte Verfpottung, 
Neckerei, Verhöhnung; jest gew. grobe Verköhnung (entg. Glimpf), Ehren= 
kränkung, Entehrung, Unehre u. was öffentliche Unehre bringt, finnv. 
Schmach, Schande (einem einen Schimpf anthun, ihn in Schimpf bringen ; 
etwas für einen Schimpf halten; Schimpf und Schande von etwas haben); — 
ſchimpfen, Zw. (altd. skimphan, skinfen, schimpfen; niederd. ſchimpen; is— 
länd. skimpa, ſchwed. skymfa) 1) ziellos m. haben, chem. f. ſcherzen, ſpie— 
len, ſpaßen, Kurzweil treiben (z. B. zur Kurzweil kämpfen); noch oberd. f. 
tändeln, ſchäkern (mit Weibern); 2) ziel. einen—, ehem. f. verſpotten, 
verhöhnen, zum Beften haben; ihm Schimpf anthun, feine Ehre krän— 
fen (gew. befhimpfen; gem. auch ſchimpfiren, niederd. fchimperen, 
welches auch f. entftellen, verunftalten gebraucht wird); jest gew. in engever 
- Bed. durch ehrenrührige Worte beleidigen, finnv. ſchmähen, läſtern, fehel- 
ten (ev fchimpft ihn; auch wohl: er fchimpft auf ihn 2c.; u. ohne Zielw.: er 
ſchimpft beftändig); fchimpfend oder fihmähend benennen, mit doppeltem 
Acc. (ex fhimpfte ihn einen Betrüger 2c.); — 3fes. das Schimpfgedicht, 
lied, |. v. w. Schmähgedicht 2c.; der Schimpfmacher, vit. f. Spaßmadher, 
Gaukler; der Schimpfnamen, befchimpfender Namen; die Schimpfrede, 
ehem. f. Scherzrede; jest befchimpfende, ehrenrührige Rede; fo auch) : das 
Schimpfwort; das Schimpffipiel, chem. f. Scherzipiel, Luſtſpiel; ſchimpf⸗ 








Shin — finden 687 


weife, Nw., ehem. f. jcherzweife (in schimpfwis); jet auf befhimpfende Art; 
— Xbleit.v. Schimpf: ſchimpfig, Bw., vit. f. fcherzhaft, fpaßhaft, 
kurzweilig; ſchimpfiſch, Bio. , landſch. f. gern fehimpfend; fchimpflich, 
Bw., ehem. f. fcherzhaft, fpaßhaft, luſtig, entg. ernſtlich; jest: Schimpf 
bringend, befchimpfend, die Ehre verlegend (das ift ihm ſchimpflich; eine 
fchimpftiche Behandlung 2c.); die Schimpflichfeit; — v. Ihimpfen: der 
Schimpfer, -8 (altd. schimpfaere), chem. wer ſcherzt, fpielt: ein Spaß— 
macher, Schaufpieler ꝛc.; noch fränk. f. Buhle, Liebhaber (Schimpferinn 
f. Geliebte); jegt: wer ſchimpft, d. i. ſchmäht; fchimpfeln, ziellof. Zw., 
ſchwäb. f. fpielen, tändeln (von Kindern). 

Shin od. Schinn, f. (altd. u. isländ. skinn, engl. skin, dän. skind; oberb. 
noch die Schind od. Schinden, f. häufige Schale vom Obſt zc., vgl. ſchin⸗ 
den), niederd. chem. f. Haut, Fell; jet noch f. blätteriger Ausfchlag, 
Schorf, Krufte; daher das Schin- od. Schinnkrauf, niederd. f. Schell- 
traut; fehinnig, Bw. f. räudig; — die Schin, oberd. f. Schiene (1. d.). 

Schindaas, Schindanger, ſ. unter finden. 

Schindel, m., -8, M. w. E., oberd. f. Sander, Sandbörs. 

Schindel, w., M. -n, Verkt. das Schindelchen, (altd. scindala, scintila, 
schindel; engl. shingle; lat. scindula, scandula, ital. scandola, franz. echan- 
dole; von scindan, fchinden, lat. scindere, fpalten), durch Spalten entftan- 
dene dünne Brettchen zum Dachdecken (bair. fcherzh. es find Schindeln auf 
dem Dache, d. i. 68 find Leute zugegen, die dag Gefprochene nicht hören follen); 
landſch. auch) die noch dünneren Dachfpäne, welche unter die Fugen eines Zie- 
geldaches gelegt werden; auch f. die Schienen der Wundärzte; — Zfeb. 
dag Schindeldach; der Schindeldeder, wer Schindeldächer macht; das 
Schindeleifen, Werkzeug der Schindelhauer, die Fuge in die Schindeln zu 
machen; der Schindelhauer, Schindelmaher od. -fpalter; dag Schindel- 
holz, zu Schindeln taugliches Holz; fo auch der Schindelflamm; der 
Schindelnagel, eine Art vierediger Nägel zu Schindeldähern; die Schin- 
delnuth, Schindelfuge; der Schindelfparren, Sparren eines Schindel- 
daches; — Ableit. fehindeln 1., ziel. Zw., mit Schindeln verfehen; 2. 7. 
unter ſchinden; der Schindler, oberd.f. Schindelmadher. 

finden, ziel. Zw. ablaut. Impf. [hund (oberd. auh ſchand), Conj. 
ſchünde; Mw. gefhunden, (althochd. scintan, scindan, scund, giscundan ; 
mittelh. schinden, schant (auch schinte), wir schunden, geschunden; niederd. 
ſchinnen; ſchwed. skinna; angelf. scyndan, scendan, verlegen; lat. scindere, 
griech. ayilw (oyidw), ſanskr. tschid, fchneiden, fpalten, trennen; vgl. Schin, 
Schindel), gem. f. die Haut abziehen, ablöfen, abftreifen; der Haut be- 
rauben, ent£leiden, abhauten (oberd. ein Kalb, einen Hafen ꝛc. —; ſprichw. 
eine Laus um den Balg—, von einem filgigen Geizhals; ſich —, d. i. bie 
Haut abftoßen, ſcheuern); insbef. ein gefallenes Vieh abhäuten, -abdeden, 
abledern (ein Pferd, einen Ochfen ze.); oberd. auh: Bäume —, d. i. die 
Rinde abſchälen; uneig. gem. f. hart mifshandeln, drücken, martern (fein 
Vieh —; die Unterthyanen—), höchſt unbillig behandeln, übervortheilen, 
prellen (einen im Handel—; vgl. einem das Fell über die Ohren ziehen); — 


- Bfes. das Schindaa$, -Tuder, niederd. ein gefchundenes Aas; uneig. als 


pöbelhaftes Schimpfwort; der Schindanger, Anger, auf welchem das ge 
fallene Vieh abgedeckt wird; der Schindfeffel (alt. schintvezzel), ehem. f. 


688 ſchindern — fchirken 


Troſsbube, Lotterbube; die Schindgrube, ein vertiefter Ort für das gefallene 
Vieh; Ihindhärig, Bw., oberd. gem. f. filzig, fchmusig, nichtswürdig; die 
Schindmähre, landſch. auch Schindfrade, gem. f. ein elendes Pferd; das 
Schind- od. Schindemeffer, Meffer zum Schinden; das Schindvieh, gem. 
f. Ichlechtes Vieh; — Ableit. der Schinder, -8, gem. wer gefallenes Vieh 
abhäutet, anftändiger: Abdecker, niederd. Filler, Kafiller, (niedr. uneig. der 
Schinder hat eö geholt, d. i. es ift verloren gegangen; auch als Verwünfchung: 
geh zum Schinder!); uneig. gem. f. Bedrüder, harter Wucherer, filziger 
Geizhals; der Schinderfarren, Karren, auf welchem der Schinder das ge- 
fallene Vieh abholt; der Schinderfnecht, Knecht des .Schinders; Scharf- 
richterknecht; uneig. als pöbelhaftes Schimpfwort; die Schinderei, gem. ver- 
ächtl. das Schinden, Abdecken ald Gewerbe des Schinders; auch deffen 
Wohnung; uneig. gem. f. ungerechte, graufame Bedrückung, unbillige 
Ubervortheilung ; ſchinderiſch, Bw., nach Art des Schinders; — ſchin— 
dein, ziel. Zw. , oberd. f. ſchälen, abfchälen. 

fohindern, auch ſchinern, ſchinnern, ziellof. Zw. (v. schin, Schein 2c.), 
oberd. f. glänzen; Elingen, Elirren wie Metall, vaufchen; Elimpern (mit 
Geld in der Taſche —); daher das Schindergold, f. Raufchgold; der Schin- 
derling, -e8, M.-e, eine Art fchlechter, fehr leichter Pfennige im 15. 
Sahrh. 

fhinen, 3w., der Schiner, f. fhienen zc. unter Schiene. 

Schinken, m., -$, M. w. E., Verkl. das Schinfchen, (altd. scinho, 
sciaha, schinke, m. u. w.; oberd. auch der Schunken; niederd. Schinke, 
ſchwed. skinka; vgl. Schenkel), ehem. (u. noch oberd. verächtl.) f. Schenkel, 
Bein, insbef. das Dickbein mit dem Gefäß; jest nur in engerer Bed. das 
eingefalzene und geräucherte Dickbein vom Schwein, Schweingkeule (ein 
Vorder-, od. Dinterfchinken), beſ. der Hinterfchinken; das Schinkchen, 
uneig. Naturk. eine Art oftind. Tellmufcheln; das Schinkenbein, das Bein 
von einem Schweinefchinken; die Schinfenmeife, landſch. f. Kohlmeife; das 
Schinfenmeffer, ein breites, dünnes Meffer, den Schinken in dünne Schei- 
ben zu Schneiden; die Schinfenmufchel, eine Gattung zweifchaliger Mufcheln 
von fchinkenähnticher Form, Dach-, Sted-, Seidenmufchel; der Schinken- 
teller, zunde hölzerne Tellerchen, auf weldhen man den rohen Schinken zer- 
ſchneidet. 

Schin- od. Schinnkraut, ſ. unter Schin. 

Schippe, w., ſchippen, 3w., ſ. Schüppe ꝛc. | 

Schippſcheren, f., Tuchſch. das Scheren des ſchwarzen Tuches zum zwei- 
ten u. dritten Male; das Schipptuch, chem. eine Art Tuch in Schlefien. 

Schirben oder Schirbel, m., -8, M. w. E., landſch. f. Scherben, 
Scherbe (f. d.), d. i. Bruchſtück, oder Gefäß; der Schirben, auf dem 
Harze: ein Fafs, 2 Ellen lang, Z Ellen breit u. 4 Elle hoch, im Bergw. 
als Maß dienend, welches 2 Karren hält. 

ſchirgen, Zw., landſch. f. ſchaben. 

Schirk, m. (n. A. Schörge, v. ſchörgen, ſchürgen, d. i. ſtoßen, treiben, 
weil er den Haufen verfolgt), öftreich. f. der Stör. 

ſchirken 1. zielloſ. Zw., landſch. Schallw. f. zirpen, fehirpen, von dem 
eintönigen Laute der Finken und der Grillen; daher die Schirfe, M. -n, f. 
Hausgrille. 














ſchirken — Schirm 689 


ſchirken 2. zielof. Zw., niederd. einen Eleinen flachen Stein od. Scher- 


ben (dev Schirkel genannt) fo auf der Wafferfläche hinwerfen, dafs er 


mehrmals abprallend forthüpft. _ 

Schirl, m., 1. Schörl; — das Schirlhaar, Web. grobe Haare an ber 
Wolle, welche keine Farbe annehmen und abgefchnitten werden müffen. 

ſchirlen, 3w., fchlef. f. harnen, fein Waffer laffen. 

Schirm, m., -es, M. -e, Verkl. das Schirmchen, (altb. sceram, scirm, 
scerm; schärm und scherm, Schus, Schild; oberd. auh Scherm; ſchwed. 
skerm, engl. screen; ital. schermo), 1) (coneret) überh. ein Schutz⸗ od. Ab- 
wehr- Mittel, ehem. insbef. ein Schild, daher noch uneig. eine fchildähn- 
liche Fläche: Bergw. die Fläche eines Ganges; Jäg. der flache Hintertheil 
der Hirfche und Rehe (auch Schurz, Scheibe); ferner ein Sturmdach, Wet- 
terdach; ehem. u. noch oberd. überh. ein Obdach gegen die Witterung, ein 
Schuppen 10.5 daher Zäg. f. Zelt, Hütte, leichtes Jagdgebäude (Jagd-, Leib-, 
Anſtand-, Hepfhiem 2.); gew. ein Werkzeug od. Geräth zur Abhaltung 
des Lichtes, der Wärme, des Negens ıc., insbef. ein mit Keinwand oder 
Papier befpannter aufrecht zu ftellender Rahmen, eine fpanifhe Wand 
(Eicht⸗, Feuer-, Ofen-, Bettſchirm); ferner ein tragbares Werkzeug zum 
Schuß gegen Regen oder Sonne, beftehend in einem Euppelförmigen Schuß: 
dach von Leinwand od. Seide, welches an einem Stabe fo befeftigt ift, dafs es 
ausgefpannt und wieder zufammengelegt werden kann (ein Regen-, Sonnen- 
ſchirm); Pflanz. f. Dolde; 2) (abftract) f. Schuß, Beſchirmung (bibt. un- 
ter dem Schirm des Höchften fisen; fi unter Iemands Schirm und Schug 
begeben); ehem. bef. f. Abwehr, Vertheidigung beim Fechten, und uneig. 
Rſpr. f. Vertheidigung, Gegenbeweis ; — firmen, ziel. Zw. (altd. scir- 
mian‘, schirmen u. schermen; oberd. auch fhermen; engl. screen; ital. 
schermire u. schermare, fpan. esgrimar, franz. escrimer, fechten; engl. scrimer, 


Fechter), überh. fehügen, gegen etwas bededen, verwahren, vgl. beſchir— 


men (die Hütte vor Wind und Wetter—; ſich vor der Dise, vor dem Regen); 
auch uneig. f. befihügen, behüten (eine Stadt gegen den Feind 2c.); chem. 
ziellos f. einen Angriff abwehren, insbef. beim Fechten die Hiebe des Geg— 
ners mit dem Schilde auffangen (fr. pariven); auch f. fechten überh. (4. B. 
zur Kurzweil fchirmen ꝛc.); — 3fes. von Schirm u. fchirmen: der Schirm- 
baum, ein großblättriger Baum in Nord-Amerita (Sonnen-, Regenschirm: 
baum); das Schirmbrett, Hüttenw. ein Brett, welches die Arbeiter vor der 
Gluth des Schmelzfeuers ſchirmt; der Schirmbrief, chem. f. Schugbrief; 
das Schirmdach, Obdach gegen die Witterung, Wetterdach; auch. f. Sturm- 
dad) der Belagerer; das Schirmgeld, chem. f. Schuggeld; die Schirmge- 
rechtigkeit, das Schirmrecht, f. Schusgerechtigkeitz der Schirmherr, Schuß- 
herr, der Andere beſchirmt; der Schirmhut, |. v. w. Fallhut, ſ. d.z das 
Schirmkraut, eine in Wäldern wachſende Heine Pflanze, auch Sterntraut, 
Sternblümchen; der Schirmmacher, wer Regen- und Sonnenſchirme madıt; 
die Schirmmauer, in Glashütten eine Mauer um den Glasofen, welche die 
Arbeiter vor der Hitze ſchirmt; der Schirmmeifter, ehem. f. Fechtmeifter; 
das Schirmmoos, eine Gattung von Moofen mit Ereisförmigem Boden; die 
Schirmpalme, eine Art Hoher Palmen in Oſtindien, deren große, fücherför- 
mige Blätter zu Zelten, Regen- u. Sonnenfchirmen zc. dienen; die Schirm: 
pflanze, Pflanzen, welche ſchirmförmige Dolden tragen; die Schirmtraube, 


Deyfe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 44 


| 


690 ihirpen — Schlacht 


Pflanz. ſ. v. w. Doldentraube; der Schirmvogt, ehem. der Schugherr eines 
Stiftes od. Ordens; landſch. f. Vormund; die Schirmwache, Schug- ober 
Sicherheitswache (fr. Sauvegarde); die Schirmwaffe, Schuswaffe; die 
Schirmwand, eine ſchirmende, d.i. etwas abhaltende od. verbergende Wand; — 
Ableit. v. ſchirmen: der Schirmer, - 8, die Schirmerinn, M. -en, wer 
ſchirmt od. ſchützt, ſinnv. Befchüger, Vertheidiger; der Schirmling, -e8, 
M.-2, Neuw., wer fi unter Semands Schiem befindet, Schügling; die 
Schirmung, Beſchützung, Schuß, Vertheidigung- 
fhirpen, ziellof. Zw. (vgl. ſchirken), landſch. f. zirpen. 


ſchirren, ziel. Zw. (verw. mit [deren 2., anordnen, einrichten?), bas ' 


Gefchire od. Geräth zurecht machen od. überh. handhaben, nur gebr. in den 
zgeſ. an- ab», ausfhirren zc.; das Schirr, -e3, M. -e, alt u. landſch. 
f. Gefchier (f. d.); noch gebr. in den Zfeg.: das Schirrbeil, Landw. ein Beil 
zur Ausarbeitung des hölzernen Gefchirres; das Schirrholz, zur Verfertigung 
von Geräthen brauchbares Holz, Nusholz; die Schirrfammer, Kammer zur 
Verwahrung des Adergefhirres; der Schirrmeifter, f. v. w. Gefhirrmeifter, 
f. d.; Schmied. f. v. w. der Vorſchläger. 

Schiſs, m., -fes, M. -ffe, (von fcheigen, f. d.), höchft niedr. f. Aus- 
leerung durch den After, Verrichtung der Nothdurft; der ausgeleerte 
Koth; uneig. eine fehr geringfügige, nichtswürdige Sache; der Schiffer, 
s, oberd. ſ. v. w. Scheißer. 

Schitfherling, m., -e8, M. -e, landſch. Schallw. f. Flachsfink. 

ſchitter od. fchitterig, Bw. (altd. schiter, engl. shattery; vgl. Schetter; 
verw. mit schiten, ſcheiten, fpalten, trennen ?), oberd. f. lüdenhaft, nicht 
dicht oder gedrängt genug, dünn (von Zeugen, auch von Haar, Getreide, 
Gehöß). | 

fchlabben, zielloſ. u. ziel. 3w. (niederd. flabben, oberd. ſchlappen; engl. 
slap; vgl. labben u. fabben), gem. bef. niederd. f. lecken, auflecken, fchlürfen, 
faufen wie ein Hund; überh. gierig u. unfauber effen; die Schlabbe, w., 
M.-n, gem. ein Maul mit fehlaff herabhangenden großen Lippen, bei 
Thieren (3. B. Hunden), niedr. auch von Menfchen; — fchlabbern, ziellof. 
u. ziel. 3w. (niederd. flabbern, engl. slabber; vgl. das isländ. slaefa, Geifer), 
gem. wiederholt fchlabben; beim Trinken od. Effen etwas fallen laffen u. 
fi damit beſchmutzen; auch f. geifern, den Speichel fließen laffen; uneig. 
verächtl. f. viel u. fchnell fprechen, ſchwatzen, plappern; das Schlabber- 
tuch, gem. f. Geifertuch; die Schlabberei, das Schlabbern; uneig. niedr. 


f. Geſchwätz; der Schlabberer, -8, wer ſchlabbert; uneig. niedr. f. Schwäßer, ' | 


auch das Schlabbermaul; fehlabberig, Bw., fchlabbernd, ſchmutzig beim 
Effen ꝛc.; niedr. f. geſchwätzig. 

Schlacht 1. w., M.-en, (altd. slaht, M. slahti, slehti, slehte; au) 
slahta, slahte, M. slahte; von slahan, slahen, fchlagen, f. d.; wie das franz. 
bataille v. battre; angel. slaege, ſchwed. slag; vgl. das engl. slaughter), eig. 
das Schlagen, od. das Gefchlagene daher 1) ehem. f. Erfchlagung, Todt— 
Thlag, Tödtung, Mord (. B. Mannſchlacht, d. i. Menfchenmord ; Vieh: 
ſchlacht, oberd. auh Schläht zc.); 2) gew. ein Gefecht, ein Kampf unter 
Mehren, u. zwar genauer ein planmäßiger blutiger Kampf zwifchen großen 
Kriegerfchaaren, bef. zwei ganzen Kriegsheeren (ehem. auch: ein Schlagen), 
verſch. von Treffen, d. i. ein Kampf zwifchen größeren —, u. Gefeät, 





—— ——— 








Schlacht — fchlachten 6% 


Scharmügel, zwifchen Kleineren Theilen der Heere, (eine Feld-, Seeſchlacht; 
eine enticheidende Schlacht; eine Schlacht liefern, dicht. auch: eine Schladht 
ſchlagen; dem Feinde eine Schlacht anbieten; die Schlacht gewinnen , verlie- 
ven 26); 3) landſch. eine Uferbefeftigung, ein in das Waffer gefchlagener 
Damm von Bufhiwerk, Raſen 2c., od. auch von eingerammten Pfählen, von 
Steinen ꝛc.; eine Schiffländes — 3ſetz ſchlacht- od. ſchlachtenberöhmt, 
Bw., dicht. berühmt durch gelieferte Schlachten; fehlachterfahren, Bw., in 
Schlachten erfahren; das Schlachtfeld, das Feld, auf welchem eine Schlacht 
geliefert wird od. geliefert worden ift, die Wahlftatt, dicht. auch das Schlacht⸗ 
gefilde; ſchlachtfertig, Bw., zur Schlacht fertig, gerüſtet, auch ſchlachtge— 
rüſtet; das Schlachtgeld, niederd. Geld zur Unterhaltung einer Schlacht, 
d. i. eines Dammes oder einer Schifflände (ſ. o. 3); der Schlachtgeſang, 
das Schlachtlied, Gefang bei Eröffnung einer Schladht; fo auch: das 
Schlachtgefchrei; das Schlachtgetöfe, -getiimmel, -gewühl zc., Getöfe ze. 
der Schlaht; der Schlacht> od. Schlachtengott, Kriegsgott ; der Schlacht- 
haufen, ein Haufen in die Schlacht geführter Soldaten; der Schladhtherr, 
niederd. Rathsherren, welche die Aufficht über eine Schlacht, d. i. einen Damm, 
eine Schiffslände (ſ. o.), führen; die Schlachtlinte, ſ. Linie; der Schlacht: 


‚od. Schlachtenmaler, der vorzugsweile Schlachten malt; der Schlachtmei- 


fter, niederd. wer Schlachten, d. i. Dämme (f. 0.) anzulegen verftchtz die 
Schlachtordnung, die regelmäßige Stellung eines zur Schlacht gerüfteten 
Kriegsheeres; das Schlachtpferd, od. =rofS, ein zum Kriege abgerichtetes 
Pferd; niederd. auch ein Pferd, welches Waaren von oder zu der Schifflände 
(f. 0. Schlacht 3) führt; der Schlachtplan, Plan od. Entwurf einer Schlacht; 
die Schlachtreihe, eine Reihe in Schlachtordnung geftellter Soldaten; der 
Schlachtruf, Ruf zur Schlacht; auc das Gefchrei im der Schlacht; der 
Schlachtfchreiber (v. Schlaht 3), niederd. eine vereidigte Perſon, welche 
die Schiffsladungen aufichreibt und über die Schladhtgelder (1. 0.) Rechnung 
führt; das Schlachtſchwert, ein in det Schlacht zu gebrauchendes Schwert, 
bef. eine Art ehem. üblicher großer Schwerter; das Schlachtftüd, ein Schlacht- 
gemälde, Schlachtbild; der Schlachttag, Tag einer Schlacht; der Schlacht- 
vogt, niederd. ein Beamter, welcher die Aufſicht über die Schifflände ze. (ſ. 
0. 3) führtz der Schlachtwagen, Streitwagen; niederd. ein Wagen, auf 
welchem man Waaren von oder zu der Schifflände (Schlacht 3) führt; der 
Schlachtwurm, f. v. w. Spießwurm, eine Art Affen; der Schlachtzettel, 
niederd. Verzeichnifs der Schiffsladung , von welcher das — (j. 0.) 
entrichtet wird. 

Schlacht 2. w., M. ungebr., (altd. slahta,, ‚slahte, slaht; holl. slacht, 
ſchwed. slaecht;. daher: Geflecht, geichlacht, ungeſchlacht; ital. schiatta ; 
poln. szlachta, edles Geſchlecht, Adel, szlachcie, Edelmann ; — wie Schlacht 1. 
von slahan, ſchlagen, f. dv. u. vgl. Schlag), vlt. f. die Gattung, das Ges 
fchlecht, die Art und Weiſe (z. B. maniger, aller; keiner slahte od. Schlacht, 
d. i. mancher- allerlei, keiner Art 2c.); daher Schlachten 1., ziellof. Zw. m. 
haben (niederd. flachten und ſlechten), noch niederd. f. ſchlagen in der Bed. 
arten, in eine Art fchlagen, nucharten (nad) einem fchlachtens er fchlachtet - 
dem Vater nad 2c.); auch f. aame; herftammen (ev ſchlachtet aus einer 
guten: Familie). 

ſchlachten 2. ziel. 3w. (altd. slahtön, slahten, ſchwed. slagta; das Inten⸗ 


44 * 


692 ſchlack 


ſivum od. die Verſtärkungsform von slahan, ſchlagen), eig. überh. erſchla— 
gen, mit einem Hau- od. Schneidewerkzeuge umbringen, niedermachen, 
tödten; jegt in engerer Bed. ein Iebendes Gefchöpf zum Verfpeifen, oder 
als Opfer mit fchneidenden Werkzeugen tödten (Vieh, einen Ochfen, ein 
Schwein, eine Gans 2. —; wilde Völker ſchlachten Menſchen); uneig. Men- 
hen graufam od. in blinder Wuth niedermegeln (im Kriege); — 3ie$. 
die Schlachtbanf, eine Bank, worauf Vieh gefchlachtet wird (zur Schlacht- 
bank führen od. liefern, uneig- f. zweck- und nuglos tödten, hinopfern, bef. im 
Kriege); das Schlachtbeil, ein Beil, deſſen man ſich beim Schlachten be- 
dient; der Schlachtblock, ein beim Schlachten gebrauchter Blod; das 
Schlachteffen, niederd. ein Schmaus, der beim Schlachten des größeren Viehs 
im Haufe gegeben wird; der Schlachthaufen, ein Haufen Schlachtvieh; das 
Schlachthaus, ein öffentl. Gebäude, worin das Vieh gefchlachtet wird; das 
Schlachtmeffer, großes Mefler zum Schlachten; der Schlachtmonat, der 
Monat, in welchem das größere Vieh gefchlachtet zu werden pflegt, November; 
der Schlachtochs, ein zum Schlachten beftimmter Ochs; das Schlacht- 
opfer, ein Geſchöpf, welches als ein Opfer geichlachtet wird; uneig. wer 
ohne Noth wehrlos aufgeopfert wird (3. B. fie war das unfhuldige Schlacht— 
opfer feiner Wuth); die Schlachtordnung, landſch. die Ordnung, nad 
welcher die Fleifcher das Vieh fchlachten und das Fleiſch verkaufen; die 
Schlachtſchüſſel, eine Schüffer mit Fleiſch, Wurft zc., welche man beim Ein- 
ſchlachten an Freunde und Bekannte fendet; die Schlachtftatt od. ftätte, ein 
Ort, wo Vieh geſchlachtet wird; die Schlachtfteuer, Steuer von geichlachte- 
tem Vieh; der Schlachttag, Tag, an welchem Vieh gefchlachtet wird; das 
Schlachtvieh, zum Schlachten beftimmtes Vieh; der Schlachtzettel, Schein 
über bezahlte Schlachtfteuer; — Ableit. ſchlachtbar, Bw., geeignet, ge 
ſchlachtet zu werden (Ichlachtbares Vieh); der Schlachter od. Schlächter, 
-3, M. w. E., wer fchlachtet, bef. in Niederd. f. v. w. der Fleiſcher, Meb- 
gerz daher die Schlächterbanf, das Schlächterbeil, 1. v. w. Schlachtbank, 
ebeil (f. o.); der Schlächtergefell, -meifter; das Schlächterhandwerf od. 
. »gewerbe; der Schlächterlohn zc.; der Schlachter, auch eine Art gro- 
Ber Falken (falco lanarius); die Schlachtung, gew. das Schlachten; ehem. 
auch f. Schlacht, Schlägerei, Todtſchlag; ſchlächteln, ziel. 3w., oberd. f. 
Vieh zum Hausgebrauch ſchlachten, einſchlachten; — ſchlächtig, Bw. 
(von ſchlachten f. ſchlagen), geſchlagen, getroffen, -fchlägig, nur in Zſetz. wie 
herzſchlächtig, ober- u. unterfhlädtig, f. d.; oberd. auch: don— 
nerſchlächtig, d.i. vom Blitz getroffen; faulſchlächtig, d. i. von Fäul- 
niſs angegriffen; wetterfhlädhtig, d. i. vom Wetter verdorben, u. dgl. m. 

ſchlack, Bw. (altd. slach, Nebenform von slaf, fchlaff; niederd. engl. 
holl. slack; isländ. slakr, ſchwed. slak, angel. sleac), landſch. f. ſchlaff, 
weich und locker; nachläffig, träge; der Schlad, -e8, M.-e, niederb. 
(Stad) ein Theil einer weichen, feuchten Maffe (i. v. w. Klad, Kled, 
1. d.); oberd. ein nachlaffiger, träger Menfch, in diefem Sinne auch: der 
Schlacks od. Schläf3 (niederd. Stats, Släks); Jäg. ein müßig herum: 
laufender Hund; — die Schlade 1., M. -n, niederd. ſ. v. w. der Schlad- 
darım, d. i. Dick- od. Maſtdarm; auch |. v. w. die Schlackwurſt, eine in 
diefen Darm gefüllte Wurft, Mettwurſt; — fchladern, ziellof. Zw., niederd. 
1) von einer Flüffigkeit od. weichen Maffe etwas fallen laſſen u. ſich da— 





| 


— — 


Schlade — Schlaf 693 


durch beſchmutzen, z. B. beim Effen (vgl. ſchlicken, fchlidern), beim Gehen 
auf Eothigem Wege 2c.; bef. lang u. viel regnen, fo dafs es Eothig wird (unp. 
es ſſchlackert); 2) fchlaff werden, nachlaffen und wadeln (engl. slack; 
z. B. die ſchlaffen Segel fchladern im Winde; mit dem Ruder fchladern 2c.); 
Kaufm. die Waare unter dem Preife verkaufen, fehlaudern (er fchladert 
mit der Waare); der Schladerregen, gem. f. anhaltender, Eothig machender 
Regen; das Schladerwetter, gem. f. regneriſches, Eothiges Wetter; der 
Schladerer, -8, niederd. wer unter dem Preife verkauft, Schlauderer; 
fchladerig od. fchladig 1., Bw., gem. f. anhaltend vegnicht, nafs und 
fothig (Wetter). 

Schlade 2. w., M. -n, (niederd. Stade, ſchwed. slagg, engl. slag; von 
ſchlack, ſ. d., * weiche, lockere, unreine Maſſe; urſpr. ein niederd. Wort, 
im älteren Hochd. u. im Oberd. unbekannt), die Unreinigkeit, welche ſich beim 
Schmelzen der Erze ꝛc. von dem Metall abſondert u. nach dem Erkalten 
eine glasartige Maſſe bildet (GBlei-, Eiſen-, Kupferſchlacke 2c.; oft als Stoff— 
namen in der Mehrh. z. B. die Schlacken abheben, d. i. mit dem Stecheiſen 
von dem Metall abfondern); uneig. überh. f. das Unreine, Unedle, das einer 
Sache beigemifcht ift; — Zſetz. das Schladenbad, ein mit heißen Kupfer: 
ſchlacken bereiteres Krantenbad; ſchlackenblau, Bw., glänzend blau; das 
Schladenerz, ſchlackenähnliches Erz, bef. ein bleifarbiges Silbererz; der 
Schladengang od. die Schladentrift, Hüttenw. die Röhre, durch welche 
die Schladen aus dem Hohenofen laufen; die Schladengrube, eine Grube 
am Hohenofen, in weldye man die Schladen laufen läfft; der Schladen- 
haken, ein eiferner Hafen, mit welchem man die Schladen in die Schladen- 
geube zieht; das Schladenklein, Hüttenw. in Keine Stüde zerbrochene 
Schlacken; der Schladenfobalt, Bergw. verhärteter ſchwarzer Erdkobalt; 
der Schlackenläufer, Bergw. wer die tauben Schlacken auf die Halde läuft, 
d. i. auf einen Haufen ſchafft; der Schlackenofen, Hüttenw. ein Ofen zum 
Schlackenſchmelzen; der Schladenftein, eine fteinartige Maffe, welche fich 
von den Schlacken abfondert; das Schladenzinn, das befte und gefchmeidigfte, 
aus den Binnfchladen gefchmelzte Zinn; — Ableit. fchladen, zielloi. Zw., 
Schlacken geben (ein Erz fchladet mehr, als das andere); ſchlackicht, Bw., 
ſchlackenähnlich; Ichladig 2., Bw., viele Schladen enthaltend. 

fchladern 2c., ſ. unter ſchlack; — fchladig, ſ. ſchlack u. Schlade 2. — 
Schladwurft, f. unter ſchlack. 

Schladde od. Schlatte, w., M. -n, niederd. (Sladde, Slatte; vgl. 
ſchlottern u. das engl. slatter) mas welk, fchlaff und ſchlotterig ift, bef. f. 
Lumpen; fchladderig od. jchlatterig, Bw. f. welt, fchlotterig; lumpig; 
fhmusgig, kothig; — fehladden, ziellof. Zw., niederd. Schiff. altes Tau— 


werk, die Schladding genannt, um andere dicke Taue wideln. 


Schlaf 1. m., ſ. unter fchlafen. 

Schlaf 2. m., -es, M. Schläfe; auch Schläfe, w., M. -n, (von slaf, 
ſchlaff, nicht — od. durch mundartl. Lautwandel aus Schlag (der 
Pulsader) entſtanden? vgl. das franz. battant von battre; im Altd. heißt der 
Schlaf: tuninc, tunne, niederd. Dünne, Dünning, ſchwed. tinning, v. dünn ꝛc.; 
doch findet fich im Mittelh. auch släf-ader, släf-bein), die Gegend zu beiden 
Seiten des Kopfes, hinter den Augen, wo die Hirnfchale am dünnften ift 
u. man den Schlag der Pulsader wahrnimmt; daher: die Schlafader, Schlag- 


694 | Schlafapfel — Tchlafen 


ader an den Schläfen; das Schlaf oder Schläfenbein, die Schlaf= ober 
Schläfengegend; die Schlaf- od. Schläfengrube ; der Schlaf: od. Schlä- 
fenmuöfel u. ſ. w. 

Schlafapfel, -bank, -beere ıc. f. unter ſchlafen; — Schläfe, w., ſ. 
Schlaf 2. 

Schlafen, ziellof. 3w. m. Haben, ablaut. fchläfft, ſchläft; Imper. fchlafe, 
ſchlaf; Impf. fehlief, Gonj. ſchliefe; Mm. gefchlafen, (goth. slepan, Prät. 
saizlöp, Mw. slepans; althoc;d. släfan, sliaf, gisläfan, mittely. släfen, slief, 
gesläfen; oberd. auch ſchlaffen; niederd. ſlapen; angelf. slaepan, engl. sleep; — 
von slaf, ſchlaff, abgefpannt), fich im Zuftande des Schlafes (f. u.) be— 
finden, entg. wachen, (fanft, leiſe, feft, ruhig, unzuhig fchlafen zc.; gut 
od. wohl Schlafen: ſchlaf wohl! zc., ſich jchlafen legen, ſchlafen gehen 2c.): in 
beftimmterer Bed. in feftem, tiefem Ochlafe fein, verfh. ſchlummern; 
bei Jemand — d. i. Übernachten, auch f. fich fleifchlich mit einer Perfon 
vermifchen (vgl. Beifchlaf, befchlafen); in weiterer Bed. in einem ſchlaf— 
ähnlichen Zuftande, im Stande der Unthätigkeit, Betäubung, Lähmung ıc. 
ſich befinden (gewiffe Thiere fchlafen den Winter durch; die Pflanzen ſchlafen 
am Abend, in der Nacht; der Fuß, die Hand Ichläft, od. ift eingeichlafen, ſ. 
einfchlafen; dicht. auch f. todt fein: er ſchläft im Grabe); uneig. überh. f. 
ruhen, unthätig fein, ſich nicht Außern (fein Gewiffen ſchläft; Gefühle, die 
in der Bruft Schlafen, u. dgl. m.); — der Schlaf, -es, M. (felten) Schläfe; 
Bert. das Schläfchen, (goth. sleps, altd. släf, niederd. Slaap, angel]. slaep, 
engl. sleep). der Ruhezuſtand der Menfhen und Thiere, in welchem die 
willkürliche Bewegung des Körpers und die freie, bewuſſte Thätigkeit der 
Seele aufhört, vgl. Shlummer, (in Schlaf fallen, gevathen; ein guter, 


gefunder Schlaf; ein Schläfchen machen, d. i. ein wenig fchlafen; ein Kind in 


den Schlaf fingen; oberd. Schlaf haben f. Ichläfrig fein); in weiterer Beb. 
ein fchlafähnlicher Zuftand der Betäubung, Unthätigkeit, Bewuſſtloſigkeit 
(4. B. der Winterſchlaf der Hamfter, Murmelthiere 2c.; der Schlaf der 
Pflanzen im Winter, am Abend zc.; der Schlaf des Gewiffensz bibl. der 
Schlaf der Sünde, d. i. das Beharren in derfelben ohne lebendiges Bewuflt- 
fein davon); — 3feg. der Schlafapfel, T. v. w. Rofenapfel, Roſenſchwamm 
(f. d.), weil er, unter das Kopftiffen gelegt, den Schlaf befördern ſoll; die 
Schlafbank, eine Art Kaften, welcher zufammengelegt als Bank, auseinander 
gelegt als Bettgeftell dient, auch der Schlafkaſtenz die Schlafbeere, 
Wolfskirſche od. Zollbeere, deren Genuſs betäubend wirkt; ſchlafbringend, 
Bw., Schlaf hervorbringend; fchlafdurftig, Bw., gem. ſchlaftrunken, ſ. u.; 
das Schlaffieber, ein Fieber mit unnatürliher Neigung zum Schlafen; bie 
Schlaffrau od. das Schlafweib (altd. släfevrouwe, släfwip), chem. f. Bei: 
fchläferinn; der Schlafgänger, gem. Nachtwandter, |. d.; das Schlafgeld, 
Geld für das Übernachten an einem Orte, in einer Herberge 2.5 das Schlaf— 
gemach, -zimmer, die Schlafftube, -Fammer, das Gemach od. Zimmer, 
in welchem man fchläftz der SchlafgenofS, = gefell, die Schlafgenoffinn, 
wer mit einer andern Perfon in einem Bette ſchläft; die Schlafgenoffen- 
Schaft, «gefellfchaft; das Schlafgewand, Nachtgewand; die Schlafhaube, 
Nachthaube; das Schlafhaus, oberd. Nachtherberge für Reiſende; die Schlaf: 
fammer, ſ. Schlafgemad; die Schlaffirfche, ſ. v. w. Schlafbeere; auch f. 
Judenkirſche; das Schlaffraut, Landfch. f. ſchwarzer Nachtfchatten; Bilfen- 





IH 





ö———— 





fchlaff 695 


kraut; Tollkirſche, auch Schlafbeere, ſämmtlich von betäubender Kraft; 
der Schlaffrebs, eine Art Krabben, welche fich bei Erblidung ihres Feindes, 
des großen Kuttelwurms, fchlafend ſtellen; der Schlaffunz, f. v. w. Schlaf: 
apfel, ſ. Kunz; die Schlaflilie, eine Art Lilien (Affodil-Lilie), deren Geruch 
ſchläfrig macht; fchlaflos, Bw., nicht ſchlafend, ohne Schlaf (eine Nacht 
ſchlaflos zubringen; fchlaflofe Nächte); die Schlaflofigfeit, das Schlaflos- 
fein; das Schlafmittel, ein den Schlaf beförderndes Mittel; die Schlaf- 
müße, f. v. w. Nachtmütze; bef. uneig. ein träger, fchläfriger, ftumpffinniger 
Menſch; daher ſchlafmützig, Bw., gem. f. träge, fchläfrig; der Schlaf: 
raß od. die Schlafrage (vgl. Ras), gem. f. das Murmelthier; die Hafel- 
maus; uneig. ein Langfchläfer; der Schlafrod, ein langes weites Oberkleid 
für männl. Perfonen zur Bequemlichkeit im Haufe, auch der Schlafpelz, wenn 
er mit Pelzwerk gefuttert iftz die Schlafrofe, die wilde od. Hunderofe; der 
Schlaffaal, ein großes Schlafgemad für Mehre; der Schlaffeffel od. -ftuhl, 
ein bequemer Ruhe⸗ od. Lehnftuhl; die Schlafitatt, -ſtätte, -ftelle, ver Ort, 
wo man fchläft oder übernachtet; die Schlafftube, f. Schlafgemad; die 
Schlaffucht, übermäßige, ErankHafte Neigung zu fchlafen (fr. Lethargie); un- 
eig. große Geiftesträgheit; fehlaffüchtig, Bw., mit der Schlaffucht behaftet; 
der Schlaftranf, ein Trank ald Schlafmittel; der Schlaftrunf, ein Trunf, 
welchen man vor Schlafengehen zu fih nimmt; fchlaftrunfen, Bw., vor 
Schläfrigkeit gleichfam betrunken, d. i. halb bewufftlos; die Schlaftrunfen- 
heit, der Zuftand des Schlaftrunfenen; der Schlafweizen, betäubender Som- 


merlolch; fchlafwirfend, Bw., (fr. narkotiſch); die Schlafzeit oder gem. 


Schlafenszeit, die Zeit zum Schlafengehen; das Schlafzimmer, ſ. Schlaf- 
gemach; — Ableit. der Schläfer, -8, die Schläferinn, M. -en, wer 
fchläft, def. in Zfeg. wie Lang-, Siebenfchläfer, Beifchläferinn 2c.; fchläfen, 
ziel. Zw., ſchwäb. f. fchlafen machen, in Schlaf bringen, einfchläfern ; 
fchläfern, Zw. 1) ziellos m. Haben (alt. släfarön, släfern) Neigung zum 
Schlaf empfinden, gew. unp. ziel. e8 ſchläfert mich, od. mid) fchläfert x. ; 
2) ziel. ſchlafen machen, ſchläferig machen, gew. einfchläfern; fchläferig 
od. zgez. ſchläfrig, Bw. (altd. släfric), das Bedürfniſs des Schlafes em— 
pfindend (fchläfrig werden, fein 2.); Neigung zum Schlafen u. überh. zur 
Ruhe u. Unthätigkeit habend und darin gegründet, landſch. auch ſchlafig, 
finnv. träge, entg. munter, aufgewedt (ein ſchläfriger Menſch, ſchläfrig ar- 
beiten), bef. ohne geiftige Lebendigkeit und Kraft, langfam und langwei- 
lig (ein fchläfriger Vortrag 2e.); die Schläfrigfeit, das Schläfrigfein in 
allen Bed. 

ſchlaff, Bw., Comp. fchlaffer, Sup. fhlaffit, (altd. slaph, slaf, ©. 
slaffes; gem. ober= u. niederd. [hlapp, flappz; poln. slaby; vgl. ſchlack), 
der Spannung u. Steife ermangelnd, bef. nicht gehörig angefpannt, finnv. 


locker, loſe, welk, entg. ftraff, fteif, (ein Seil, eine Sehne ift ſchlaff; ſchlaffe 


Ohren; Pflanz. ein fchlaffer Stengel, d. i. ein fehr biegfamer u. beweglicher) ; 
uneig. in geiftigem u. fittl. Verftande ohne Spannung oder Anfpannung, 
ohne anhaltende Kraft und LKebhaftigkeit (ein Tchlaffer Menſch, Geift ꝛc.; 
fchlaffe Grundfäge, d. i. nicht fefte u. ſtrenge; fr. lar); die Schlaffheit (altd. 
slafheit, auch slaffida, slafi, slaffe), das Schlafffein eig. u. uneig., finnv. 
Koderheit, Trägheit, Kraftlofigkeit zc.; fchlaffen, zielof. Zw. m. haben 
(altd. slaphen, slafen), vlt. f. fchlaff feinz ſchlaff werden, gew. erfchlaffen. 


696 Schlaffieber — Schlagen 


Schlaffieber, -frau, geld, -gemach, = genofs , = haube ꝛc. f. unter 
Tchtafen; — Schlafgegend, = grube, f. Schlaf 2. 

Schlafittig, ſ. Schlagfittig unter fchlagen. 

Schlaffammer ze. — Schlafzimmer; fchläfrig zc. f. unter ſchlafen. 

ſchlagen, Zw. ablaut.: fchlägft, ſchlägt (oberd. fchlagft, fchlagt) ; Impf. 
ſchlug, Conj. fehlüge, (oberd. fchlueg, ſchlüeg; auch: ich fchlaget); Mm. ges 
fhlagen, (goth. slahan, sloh; althochd. slahan, sluoc, sluoch, gislagan; 
mittel. slahen, zgez. slän, sluoc, sluogen, geslagen; daneben auch das abgel. 
3w. slagön, slagota, gislagot; niederd. flaan, flaen; holl. slaen; isländ. 
ſchwed. dän. sla, slaa; angel. slaegan, slegan; engl. slay f. erfchlagen; — 
Grundbed. ſchnelle Bewegung mit dem Nebenbegriff des Treffens od. heftigen 
Berührens und des damit verbundenen Schalles) 1) ziellos a) mit fein, 
durch) ſchnelle, heftige (paffive) Bewegung wohin gerathen od. eine ge- 
wiffe Richtung annehmen (4. B. die Wellen fchlagen in das Schiff; das 
Waſſer ſchlug ihm über den Kopf zuſammen; die Flamme ſchlägt in die Höhe), 
inöbef. heftig fallen (das Kind ift mit dem Kopfe an die Wand, auf einen 
Stein 2c. gefchlagen; vgl. hin-, niederfchlagen); plößlich eindringen od. ein- 
treten (dev Froft ſchlägt mir in die Glieder; der Ealte Brand ift dazu gefchlagen 
u. dgl. m.); oberd. überh. f. den Ort (willkürlich od. unwillkürlich) verändern, 
fi) bewegen, begeben, wohin gerathen (z. B. berumfchlagen f. herum— 
Yaufen, ziehen; aus dem Weg jchlagen, f. den Weg verlaffen; von Einem zu 
dem Andern fchlagen, f. übertreten); daher feiner Art oder Befchaffenheit 
nach fehnell verändert werden, eine gewiffe Befchaffenheit annehmen, finnv. 
gerathen, werden (z. B. das Korn ift in die Höhe gefchlagen, d. i. plöglich 
theurer geworden; er ift aus der Art geſchlagen; d. i. ausgeartet; fo 
auch in den Zfeß. ans, aus», fehlfchlagen; einem nachſchlagenz val. 
Schlag, ſchlachten 1., Geflecht 2c.); b) mit haben, ſich ſchnell und hef- 
tig bewegen, finnv. fahren, ausfahren, von lebenden Geſchöpfen (das Pferd 
ſchlägt hinten aus; der Vogel fchlägt mit den Flügeln; er ſchlug nach mir mit 
der Hand, mit dem Stode 2c.); mit fihneller Bewegung an etivag rühren, 
ftoßen, Elopfen, treffen, gegen etwas anz od. eindringen, fowohl von leben— 
den, alö von Leblofen Dingen (4. B. er Ihlug mit einem Hammer an die Wand, 
mit der Fauft an die Thür, mit dem Stabe ins Wafler; an die Glode ſchla— 
gen ꝛc.; die Fluth fchlägt an die Felfen, der Wind in die Segel; der Blitz 
fchlägt in ein Haus, hat eingefchlagen; an die Ohren — uneig. f. die Ohren 
treffen, berühren, z. B. unbekannte Zöne ſchlugen an mein Ohr); uneig. mit 
etivas zufammentreffen, wohin gehören (das fehlägt nicht in mein Fach); 
ſich Elopfend od. anfchlagend bewegen das Herz, der Puls fhlägt; 
uneig. auch: das Gewiffen fchlägt ihm), insbe]. in Verbindung mit einem 
lauten Schalle wie Glocke, die Uhr ſchlägt, hat gefchlagen; auch mit 
Hinzufügung der durch das Schlagen angedeuteten Zeit: die Uhr hat zehn ge: 
ſchlagen; und unp. es Schlägt f. die Glode fchlägt, 3. B. es hat fchon ge 
ſchlagen; es fchlug halb drei, od. halb drei Uhr 2c.; auch: die Stunde fchlägt, 
d. h. fie wird durch den Glodenfchlag vernehmbar); daher auch einen lauten 
Schall hervorbringen od. hören laffen, insbef. f. Enallen (die Büchfe fchlägt 
ſtark); laut ſchmetternd und in eigenthümlich abgefesten Tönen fingen, 
nur von gewiffen Vögeln (die Nachtigall, die Wachtel, der Fink fchlägt); Jäg. 
auch f. bellen (in anſchlagen, f. d.); 2) ziel. etwas od. einen—, 





— — 


fchlagen 697 


a) mit einem fchnell bewegten Körper, bef. der Hand oder einem Werk— 
zeuge (3. B. Hammer, Schlägel ze.) nahdrüdlich berühren od. treffen (der 
Buchbinder Schlägt die Bücher vor dem Heften; der Tuchmacher fchlägt das 
Tuch; den Ball ſchlagen; Holz ſchlagen, d. i. fällen od. hauen; eine Aber 
ſchlagen, d. i. mit dem Schnepper treffen u. dadurd öffnen); häufig mit einem 
bei= od. nebenwörtlichen Zufas : durch Schlagen in den bezeichneten Zuftand 
verfegen, in eine gewiffe Lage bringen (4. B. einen todtt—; einen od. etwas 
zu Boden—; die Hände aufammen—; einem etwas aus der Hand —; etwas 
entzwei od. in Stüde—; einen Schuh über od. auf den Leiften fchlagen ; einen 
zum Ritter fchlagen, ſ. Ritter), insbe. fchlagend befeftigen oder anheften 


(einen Pfahl in die Erde—, einen Nagel in die Wand—; ein Blatt an die 


Wand—, d. i. mit Nägeln anheften; einen ans Kreuz fchlagen zc.); ferner 
fchlagend od. berührend erfchallen laffen (die Pauken, die Trommel —, auch 
rühren; oberd. auch: die Orgel, die Laute, Harfe 2..—, f. fpielen) ; fchla- 
gend andeuten oder vernehmbar machen (den Tact—; die Uhr fchlägt die 
Stunden; einen Marfch, den Zapfenftreih, Lärm—, d. i. duch Trommels 
fchlag vernehmen laſſen); fchlagend hervorbringen, bearbeiten, bereiten 
(Feuer ſchlagen od. anfchlagen, ſ. Feuer; Gold —, d. i. zu dünnen Blättchen 
ſchlagen; OI—, f. d.), insbef. f. fehmieden, prägen (Keffe—; Geld, Mün- 
zen—); b) in beftimmterer Bed. einen Menfchen oder ein Thier im Zorn 
od. zur Strafe mit der Hand od. mit einem Werkzeuge heftig treffen, 
finnv. hauen, prügeln ıc. (einen mit dem Stocde, mit der Ruthe, der Peit- 
ſche 2..—; ihn ins Gefiht, hinter die Ohren, aufs Maul—; auch: einem 
Wunden Schlagen, d. i. ihn fchlagend verwunden); daher fih ſchlagen, f. 
mit einander kämpfen (wir müffen uns ſchlagen 2c.), auch bloß: ſchlagen 
f. £ampfen, eine Schlacht ‚liefern (daher das Schlagen, chem. f. die 
Schlacht); ferner rüdz. fih mit einem fhlagen, d. i. im Zweikampf 
mit ihm fechten (er mujs ſich mit mir fchlagen); ehem. auch ſchlagen f. 
verwunden; erfchlagen, tödten; ſchlachten; uneig. überh. f. züchtigen, ſtra— 


- fen, plagen (mit Blindheit gefchlagen fein; ein gefchlagener Mann); ferner 


ſchlagend in Bewegung fegen, überh. treiben, jagen (oberd. Vie h—, d. i. 
auf die Weide treiben; Schweine in die Maſt—; bei. ein feindliches Heer aus 
dem Felde, in die Flucht —); daher auch fchlechthin f. befiegen, überwinden 
(den Feind—; uneig. feinen Gegner durch Beweiſe —; Ihlagende Gründe zc., 
d. i. fiegende); c) durch fchnelle Bewegung an einen Drt, in eine Lage 
oder Stellung bringen, finnv. werfen, legen, treiben 2c. (der Raubvogel 
ſchlägt feine Klauen in den Raub; einen Verbrecher in Feſſeln ſchlagen; die 
Arme in einander, um eines Andern Naden 2..—; etwas in ein Tuch — durch 
ein Sieb—, ein Blatt Papier, ein Tuch, den Mantel um etwas —; das Salz 
in Körbe— ; eine Brüde über einen Flufs—; der Baum ſchlägt Wurzeln in 
die Erde 20.); auch duch Bewegung od. Legung hervorbringen, machen 
(ein Rad —, ſ. d.; einen Knoten ſchlagen); uneig. in geiftigem Berftande 
bewegen, fort od. hinfchaffen, wohin bringen, legen ıc. (4. B. ſich etwas 
aus dem Sinne fchlagen, d. i. es zu vergeffen ſuchen; etwas in die 
Schanzefdhlagen, f. Schanze 2.5 etwas in den Wind—, |. Wind; fich 
ins Mittel fchlagen od. legen, ſ. Mittel; der Kaufmann Schlägt die Koften auf 
die Waare; die Zinfen zum Capital ſchlagen); ferner wohin richten, wenden 
(die Augen zur Erde, gen Himmel, auf-, niederfhlagen; aud rüdz. 


698 fchlagen 


ſich links, rechts ſchlagen, d. i. wenden; fich zu dem Feinde fchlagen, 
d. i. zu ihm übergehen); — das Mw. gefchlagen, als Bw. in der Volke- 
fpr. f. vSllig, voll, von der Zeitdauer (4. B. den ganzen gefchlagenen Tag; 
oberd. eine gefchlagene Nacht, u. dal.; wahrfch. durch Übergang des Begriffes 
der Bewegung in den der Ausdehnung); — der Schlag, -es, M. Schläge, 
(goth. slahs, altd. slac, ©. slages, M. slegi, slege; niederd. Slag) 1) das 
Schlagen in ziellofer Bed., die ſchnelle, heftige Bewegung (3. B. Wellen- 
Schlag, Flügelfchlag 2c.; die Pumpe hat Schlag, d i. der Schuh bewegt fich 
in ihr frei auf und nieder), bef. eine einmalige, plögliche, fchnell abge: 
brochene Bewegung (daher: mit einem Schlage, d. i. auf einmal, in einem 
Augenblid; Schlag auf Schlag, d. i. ſchnell nad) einander); in beftimm- 
terer Bed. ein heftiger Fall (einen derben Schlag thun; vgl. auh Hagel 
flag); ferner von dem Grundbegriff „, Bewegung *: eine Ausdehnung in 
die Länge, eine Strede, insbef. Schiff. der Lauf eines lavirenden Schiffes 
von einer Wendung bis zur andern; Landw. eine Reihe neben einander liegen= 
der Äcker; niederd. ein Maß des ausgeftochenen Zorfes, 32 Fuß lang u. 8 Fuß 
breit; Zuchm. ein Feld des Zuchrahmens; uneig. von dem Begriffe der Ver- 
änderung, des Gerathens in einen Zuftand (f. o. fchlagen 1) a): die Befchaf: 
fenheit, Art und Weife, Gattung (4. B. oberd. aufden Schlag, d.i. 
auf diefe Weile; Leute von einem Schlage, d. i. von gleicher Beichaffen- 
heitz ein fchöner Schlag Menfchen, Pferde ꝛc.); ferner eine anfchlagende, 
Elopfende Bewegung u. der damit verbundene Schall (Herz, Puls-, Glocken⸗ 
Schlag; der Schlag einer Uhr heißt auch jchlehtweg: Schlag, z. B. mit 
dem Schlage fünf an die Arbeit gehen, d. i. genau wenn es 5 fchlägt; es 
ift aufden Schlag 12 uhr, od. es ift Schlag 12 ze. d. i. gerade 12 Uhr, 
u. dgl. m.); ein lauter heftiger Schall (z. B. Donnerſchlag, der Schlag 
einer Büchfe, d. i. der Knall), insbef. der Gefang gewiffer laut gellender 
Vögel (der Schlag der Nachtigall, der Wachtel 2c.); 2) das Schlagen in 
zielender Bed., die Handlung des Schlagens, bef. ein einmaliges Schla- 
gen (ein Schlag mit der Hand; ein Baum fällt nicht auf einen Schlag; 
fchs Schläge mit dem Hammer, mit einem Stocke ꝛc. thun), aber auch ein 
mehrmaliges anhaltendes Schlagen und das dabei beobachtete Zeitmaß 
(3. B. Trommelfchlag, Ruderſchlag; der Schlag der Schmiede, Drefcher ꝛc.; 
Schlag halten, d. i. in gleihmäßigen Zwiſchenzeiten fchlagen; nicht in den 
Schlag kommen Eönnen, d. i. nicht das richtige Zeitmaß im Schlagen beobady- 
ten Eönnen; auch in der Tonk. f. Zeitmaß, Tact, 3. B. das Stück geht im 
Drei: Biertel- Schlage; daher auch niederd. f. Fertigkeit, Geſchick, Handgriff, 
wie im Hochd. Tact); in beftimmterer Bed. ein fühlbarer, ſchmerzhafter 
Schlag, im Zorn oder zur Züchtigung ertheilt (einem einen Schlag auf die 
Hand, hinter das Ohr zc. geben; Schläge geben, austheilen; Schläge befom- 
men; Stoc-, Ruthen:, Peirfchenfchläge 2c.); landſch. Fleiſch. f. das Schlach— 
ten; in weiterer Anwendung: eine plößliche heftige, fühlbare Erſchütterung 
(4. B. der eleftrifche, der galvanifche Schlag), eine den Menfchen plöglich 
befallende Lähmung, Schlagflufs (fr. Apoplerie; vom Schlage gerührt oder 
getroffen werden); uneig. f. Unglüdsfall, Unfall, Unglüd, Verderben (ein 
harter Schlag; Schwere Schictfalsfchläge erleiden 2c.); landſch. auch f. Nach— 
theil, Schaden (fi einen großen Schlag thun); 3) was fehlägt, oder wo— 
mit gefchlagen wird, in einzelnen Anwendungen, als: Fiſch. der Schwanz 








Schlagen 699 


des Fiſches; bei Feuerwerkern der Satz in den Raketen, welcher dem Knall her 


vorbringt; bef. was aufs und nieder-, oder auf= und zufchlägt oder fällt, 


eine Fallthür, ein Schlagbaum ꝛc. (4. B. Tauben:, Meifen>, Kutichenfchlag), 
nieberd. überh. eine Zaun= od. Heckenthür; 4) was gefchlagen, od. durch 
Schlagen bewirkt, hervorgebracht wird, insbeſ. Münzw. f. Gepräge (Gelb 
von demfelben Schlage), auch ein auf mande Waaren gefchlagenes Zeichen ; 
Müll. die in die Mühlfteine gehauenen Rinnen: Schläge; Jäg. die tiefen 
Wunden, welche cin wildes Schwein hauet; Bergw. eine gehauene Öffnung 
(j. Querfchlag); der Hufſchlag, d. i. die Spur des Pferdehufes; oberd. 
Schlag überh. f. Spur, Fährte; bair. f. Schwab oder Zahn des mit der 
Senfe gemäheten (gehauenen) Grafes; vergl. auch Aufſchlag, Einfchlag, 
Hammerfchlag ꝛc.; Auch der Det, wo etwas gefchlagen wird, insbef. 
Forftw. ein abzuholzender od. abgeholzter Theil eines Waldes, Holzfchlag, 
Hau, Gehau (einen Wald in Schläge eintheilen); — 3fe$. von Schlag 


(Schläge) u. ſchlagen: die Schlagader, Adern, welche das Blut vom Herzen 


zu den übrigen Körpertheiten führen, Pulsaderz daher der Schlagadergang; 
die Schlagaderhauf ꝛc.; fchlagartig, Bw., einem Schlage, d. i. Schlag: 
fluffe, ähnlich (fe. apoplektiſch; z. B. ſchlagartige Zufälle); der Schlagbal- 
ſam, ein balfamifches Arzneimittel gegen den Schlagfluſs; ſchlägebäuchig, 
Bw., landſch. gem. f. einen eingefallenen (eingefhlagenen), fchlaffen 
Bauch habend; auch f. herzichläcdhtig (val. das oberd. Zw. ſchlegbauchen 
fe heftig athmen, fo dafs der Bauch zudt); der od. b. das Schlagbauer, 
ein Vogelbauer mit einer Schlagthür zum Vogelfang; der Schlagbaum, ein 
beweglicher Balken, welcher niedergelaffen od. aud, gedreht wird, um Wege, 
Thore 2c. zu jperren, Sperrbaum; auch ſ. v. w. Schlagſtange, f. u.: die 
Schlagbeere, Kreuzdorn:Beere: fchlagblau, Bw., von der Farbe eines durch 
einen heftigen Schlag ꝛc. entftandenen Hautfledens; der Schlageblod oder 
-floß, ſ. v. w. Haublodz; der Schlagbohrer, ein hammerförmiges Eifen mit 
langer Spige, womit man die Löcher in die Thürhaspen zc. macht; die Schlag: 
brüde, ſ. v. w. Zugbrücde; der Schlagbrunnen, bei neugeborenen Kindern 
die Schädel-Öffnung,, unter welcher man das Gehirn fehlagen ſieht (fr. Fon— 
tanell); der Schlagedrauf, gem. wer darauf Los fchlägt, ein derber Schläger; 
das Schlageifen, verfchiedene Werkzeuge, mit, oder auf welchen man fchlägt, 
z. B. der Waldhammer, ein eiferner Meißel der Steinmegen 2c.; die Schlag- 
falle, eine niederfchlagende Falle; das Schlagfafs, ein großes Faſs, in wel- 
ches zu verfendende Waaren gepadt (gefchlagen) werden; Schlägefaul, Bw., 
gem. f. gegen Schläge abgehärtet; die Schlagfeder, 1) die ftärfften Federn 
in den Flügeln der Vögel, Schwungfeder; 2) Stahlfedern, welche das Schla- 
gen (3. B. des Hahns in einem Gewehrfchloffe, des Hammers einer Gloden- 
uhr) bewirken; fehlagfertig, Bw., zum Schlagen (d. i. Kämpfen) bereit: 
der Schlagfittig (gem. verderbt: Schlafittig, niederd. Slafitje), eig. 
der Fittig od. Flügel, womit ein Vogel ſchlägt; uneig. f. Zipfel, Schoß eines 
Kleides (daher gem. einen beim Schlafittig nehmen od. Eriegen, d. i. ihn er: 
wifchen, fefthalten); der Schlagflufs (val. o. Echlag 2), eine plögtiche, oft 
tödtliche Lähmung des ganzen Körpers od. einzelner Körpertheile; das Schlag- 
gatter, cin niederfchlagendes Gatter (f. d.) od. Gatterthor; das Schlagge- 
wicht, an Wanduhren das Gewicht, durch welches das Schlagwerk in Bewe- 
gung gefest wird; das Schlaggold, zu dünnen Blättchen gefchlagenes Gold, 


700 ſchlagen 


Blattgold; auch f. Knallgold; der Schlaghahn, Haubentaucher; der Schlag— 


hammer, ſchwerer Hammer der Goldſchläger; auch — der Buchbinder zum - | 


Schlagen des Papiers; das Schlagholz, ein Holz zum Schlagen, 3. B. des 
Balles; Hutm. ein Holz, mit welchem der Fachboden in Bewegung gefest 
wird; Forftw. Holz, welches mit Nusen gefchlagen, d. i. gefällt werden Eann, 
fhlagbares Holz: auch f. Bufch- od. Unterholg, weil es, wenn es abge 
hauen worden, wieder ausfchlägt; der Schlaghüter, Forſtw. ein Baum, der 
auf einem Schlage (ſ. o. 4) zur Befamung ftchen bleibt; das Schlagfraut, 
eine Art des Gamanders, gegen den Schlagfluis gebraucht, Erdkiefer; das 
Schlaglicht, ein heller Lichtſtrahl, welchen man auf einen Haupttheil eines 
Bildes fallen läſſt; das Schlagloth (vgl. Loth), das zum Löthen gebrauchte 
Metallgemiſch, bef. bei Gold- u. Silberarbeitern (weil es zu dünnen Blechen 
gefchlagen wird); die Schlaglothbüchfe, eine Blechbüchſe, worin das mit 
Wafler vermifchte Schlagloth aufbewahrt wird; das Schlagmittel, Mittel 
gegen den Schlagflufs; das Schlagnetz, ein in einen geftielten Bügel gefpann- 
tes Neg zum Ballfchlagen (fr. Rakette); auch f. Fallnes; der Schlagpfahl, 
an Gatterthüren der vordere Pfahl, an weldyen die Thür beim Zumachen Schlägt; 
das Schlagpulver, Schlag= od. Knallgold; die Schlagpumpe, Sauapumpe 
auf Schiffen; der Schlagregen, heftig niederfchlagender Regen, Platzregen; 
die Schlagröhre, eine mit Pulver gefüllte blecherne Röhre zum Abfeuern einer 
Kanone; die Schlagfaat oder der Schlagfamen, Samen, woraus Öl ge 
ſchlagen wird, bei. Leinfamen; der Schlagfchatten, Mat. der Schatten, wel- 
chen ein erleuchteter Körper auf einen hellen Grund wirft; der Schlagfchas, 
auch Schlägefchaß, eine Abgabe an den Landesheren zur Beftreitung der 


Münzkoften; landſch. ein Zoll von Waaren, Getränken 2c. (ebem. zum Unter: 


halt der Münze); auch der Zins, welchen der Münzpachter dem Münzherrn 
entrichtet; ehem. eine Abgabe einer Stadt ꝛc. an den Landesheren für das 


Recht, Münzen zu Schlagen; die Schlagfcheibe, im Schlagwerk einer Uhr eine . 


Scheibe mit Einfhnitten, welche die Zahl der Schläge beftimmt; die Schlag: 
fpindel, Drechsl. eine hölzerne Spindel mit einem Loche, in welches der Zapfen 
des zu drehenden Stückes gefchlagen wird; die Schlagflampfe, in Papiermüh— 
Yen ein fchwerer eiferner Hammer zum Glätten des Papiers; Die Schlag: 
ftange, ein ftarfes Holz an Fallen für Raubthiere, welches dem Thiere auf 
den Hals ſchlägt, auch Schlagbaum genannt; die Schlagtaube, im Tauben: 
ſchlage gehaltene zahme Tauben, z. U. v. Feldtaube ꝛc.; der Schlagetodt, 
gem. eig. f. Zodtfchläger; uneig. ein ftarker, plumper, voher Menſch; die 
Schlaguhr, eine uhr, welche jchlägt, d. i. die Stunden zc. durd) Glodenfchläge 
andeutet; die Schlagwand, Jäg. jedes Netz, welches auf- und niedergezogen 
werden kann; das Schlagwaſſer, aus Rosmarinblüthen abgezogenes geiſtiges 
Waſſer gegen den Schlagfluſs, auch ungariſches Waſſer genannt; die Schlag- 
weite, Naturl. die Entfernung, in welcher ein elektriſcher Funken ſchlägt, d. i. 
in einen Körper übergeht; die Schlagwelle, Wellen, die bei ftürmifcher See 
an einander und in die Höhe ſchlagen; das Schlagwerf, das Räderwerk in 
einer Uhr, welches den Hammer der Glocke in Bewegung fest; die Schlag: 
wunde, durd einen Schlag verurfachte Wunde; — Ableit. von fehlagen: 
Schlagbar, Bw., was gefchlagen werden kann (Forſtw. ein fchlagbarer Baum, 
d. i. der mit Nugen gefällt werden Kann); daher die Schlagbarkeit; die 
Schlage, M. -n, ein Werkzeug zum Schlagen, insbeſ. ein großer Schmie- 








1a 





ſchlaken — Schlamm | 701 


dehammer; hölzerne Keule der Holzfpalter; (mittelh. släge auch f. Spur, 
Fährte); der Schlägel, -$, M. w. E. (altd. slegil, slegel, oberd. Schlegel) 
1) dasjenige, womit gefchlagen wird, ein Schlagwerkzeug, insbef. Bergw. 
fowoht der Handfäuftel, als der größere Päuſchel; bei verfch. Handw. ein 
hölgerner Hammer, eine Handkeule; daher (wegen der ähnlichen Geftalt) 
das hintere Dickbein eines gefchlachteten Thieres, vgl. Keule (4. B. Kalbe-, 
Hammelſchlägel); auch der Block od. Bär einer Zugramme Zugfhläge; 
2) wer fchlägt, ſ. v. w. Schläger: altoberd. f. Stocmeifter, Scherge, Ge— 
fangenwärter; auch f. Abdecker; landſch. Rothſchlägel f. Rothfink, Dom: 
pfaff (o. Schlagen f. fingen); 3) was gefchlagen wird: der Zapfen vor der 
Ablafsrinne eines Deiches; oberd. ein umzufchlegender Rand, Umfchlag, 
bef. am SHintertheil einer Art Mannsmügen (Schlegelhauben oder bloß 
Schlegel genannt); 4) der Ort, wo gefchlagen wird, bef. Bergw. der 
Drt in der Grube, wo der Bergmann auf dem Geftein arbeitet (daher: auf 
dem Schlägel arbeiten, auf feinen Schlägel fahren, vom Sclägel fahren ze.) ; 
oberd. auch der Ort, wo gefchladhtet wird, das Schlachthaus; Zfes. das 
Schlägeleifen, Hüttenw. ein zugefpigtes Eifen zum Losbrechen der Bühnen, 
Eifenbrüche 2c.; der Schlägelfifch, Hammerfiſch; der Schlägelgefell, Bergw. 
der Bergmann, welcher mit einem andern an demfelben Orte in der Grube 
arbeitet; der Schlägelfopf, ein fchlägelförmiger, oben unverhältnifsmäßig 
ſtarker Pferdekopf; die Schlägelnufs, die längliche Frucht des Schläge 
nufsbaumes auf Madagaskar zc.; — ſchlägeln, ziellof. 3w. m. haben 
(oberd. ſchlegeln), fich ſchnell hin u. her bewegen, zappeln, zucken (oberb. 
mit Händen und Füßen fchlegeln); insbef. Jäg. f. lahm gehen, hinken (der 
Hirſch ſchlägelt, ift ſchlägellahm geſchoſſen); uneig. gem. f. aus Unvor— 
fichtigfeit fehlen: Zſetz. das Schlägelfaſs, oberd. f. Rührfübel zur Milch; 
die Schlägelmilch, f. Rührmilch, Buttermilch; — der Schläger, -8, die 
Schlägerinn, M.-en, I) wer ſchlägt, bef. in Zfeg. wie Ball-, Gold, 
Öl-, Zodtfchläger; wer fih gern mit Andern ſchlägt, rauft ıc.; 2) ein 
Werkzeug zum Schlagen, vgl. Schlägel, insbeſ. ein * Knüttel 
zum Drehen der Stricke; Schiff. ein großer hölzerner Hammer; auch ein 
Raufdegen, Rappier zum Fechten auf-den Hieb; die Schlägerei, M. -en, 
anhaltendes gegenfeitiges Schlagen mehrer Perfonen, finnv. Prügelei, Rau: 
ferei; fchlägig, Bw., fchlagend; auch (von Schlag): Schläge habend, 
nur in Zſetz. (3. B. dreifhlägige Raketen); fchlägifch, Bw., landſch. 
gem. f. gern ſchlagend, Schlägereien liebend. 

fchlafen, ziel. 3w. (von ſchlack f. ſchlaff), Schiff. die Segel —, d. i. loſe 
bangen laffen, um fie fogleich beifegen zu können; — der Schlaks oder 
Schläks (niederd. Stäts), ſ. Schlad, Schlacks. 

Schlamm 1., m., -28, (M. nur im Bergw. Schlämme; fehlt im 
Altd.; niederd. Stamm, fchwed. slem, angelf. slim, engl. slime, lat. limus; 
verw. mit Schleim, Lehm), mit Waffer vermifchte, feuchte, fchleimige Erde, 
beſ. auf dem Grunde ftehender Waffer, finnv. Moder, Kothz Bergw. Klein 
gepochtes u. gewafchenes Erz, ſ. v. w. Schlich; auch die eifenhafte Erde, 
- welche bei Yuslaugung des Vitriols zurücbleibt ; er f. etwas Unreines, 
Unfittliches G. B. der Schlamm der Wollüfte); 2. chem. auch f. Schmau= 
ferei, Schlemmerei (vgl. Schlamp, Schlemm); — 3fes. der Schlamm- 
beißer od. = beißfer (f. d.), eine Art Eleiner diſche in ſchlammigen Waffern, 


102 | fhlampen — Schlange 


landſch. auch Pfuhlfiſch, Moorgrundel, Pifsgurre 2c.; der Schlaummfang, 
ein Raum, in welchem der Schlamm aufgefangen wird, od. fich ſammelt; der 
Schlammfiſch, im Schlamm Iebender Fiſch; der Schlammherd, Hüttenw. 
ein Wafchherd, den Schlammftein darauf zu waschen; die Schlammfrüde, 
eine Krüde (f. d.) zum Wegfchaffen des Schlammes aus Teichen zc., im Bergmw. 


die Schlammfüfte genannt (f. Küfte 2); die Schlammmühle, eine Art - 


Mühlwerk, womit der Schlamm aus der Tiefe geſchöpft wird; die Schlamm: 
mufchel, Kothmuſchel; der Schlammſchlich, Hüttenw. der aus dem Poch— 
ſchlamme rein gewaſchene Schlich; die Schlammfchildfröte, eine Art Heiner, 
gemeiner SchildEröten; der Schlammftein, Zinnftein, welcher bei dem Zwit— 
terwäfchen in die Sümpfe gegangen ift; das Schlammwerf, r. Schlämm- 
werk, f. v. w. Goldwäfche, Seifenwerf; — Ableit. ſchlammicht, Bw., 
fhlammähnlich; ſchlammig, Bw., Schlamm enthaltend (ſchlammiges 
Waſſer); ſchlammen, ziellof. Zw. m. haben, Schlamm geben oder an: 
ſetzen; ſich mit Schlamm füllen; ſchlämmen, ziel. 3w., 1) zu Schlamm 
oder ſchlammig machen, insbef. von einem gepülverten Körper die feineren 
Theile durch wiederholt aufgegoffenes Waſſer von den gröberen fondern (g e= 
ſchlämmter Sand, d. i. durch Schlämmen erhaltener, feiner Sand; Bergw. 
Erz ſchlämmen); Maur. eine Wand zum erftenmale weißen, was mit dem 
Schlämmpinfel gefhieht; 2) von Schlamm reinigen (einen Teich, 
Fluſs 2c.); das Schlämmfaſs, in Pottafchfiedereien ein großes Faſs, in wel- 
chem das Laugenfalz aus der Aſche geichlämmt wird; der Schlämmgraben, 
ein hölgerner Kaften, in welchem das Erz gefhlämmt wird; das Schlamm: 
werk, f. o. Schlammwerk; der Schlämmer, —s, Hüttenw. wer das Erz 
[hlammt; die Schlämmung, das Schlämmen. 

Schlampen, Zw. (Nebenform von fchlappen, fchlabben ze. v. fchlapp f. 
ſchlaff; vgl. den Übergang von Lappen in Lumpen, trappen in trampeln 2c.) 
gem. 1) ziel. eine Flüſſigkeit mit ausgeftredter Zunge einfchlürfen u. vers 
fihlingen, bef. von Hunden, ſ. v. w. fehlabben, ſchlabbern; von Menfchen 
oberd. f. gierig u. unreinlich effen (vgl. Schlamm 2., fchlemmen, hell. slem- 
pen); 2) ziellos m. haben, fchlaff od. fchlotterig u. nachläffig herabhan— 
gen (von Kleidungsftücen); fchlotterig u. nachläffig im Anzuge fein oder 
einhergehen (von Perſonen; ſchwed. slampa; vgl. ſchlumpem; der Schlamp, 
oberd. 1) f. Schmaus, Schlemmerei; 2) ein nachläffiger, unreinlicher 
Menſch; die Schlampe, M. -n, 1) ein dünner, flüffiger Fraß für Hunde; 
2) (oberd. die Schlamp) eine nachläffige, unreinliche weibl. Perfon (auch 
Schlumpe); auch nachläffige Kleidung; der Schlampen, -$, M. w. E. 
oberd. f. Lappen, Lumpen; der Schlamper, -$, 1) wer fehlampt; 2) was 
nachläffig herabhängt, ein langes Frauenkleid (auch Schlumper); ſchlam— 
pig, Bw., gem. f. dünnflüffig (ſchlampiges Effen), kothig, ſchlammig 
(Wetter); nachlaffig, unreinlich, liederlich (ein fchlampiger Menſch); — 
Ihlampampen, ziellof. 3w. (niederd. flampampen;z: verftärkende Wiederho— 
lungsform v. ſchlampen 1), gem. f. gut u. reichlich effen u. trinken, fchlem- 
men, ſchwelgen, praffenz der Schlampamp, niederd. f. ein fchlechtes 
Speifengemifch ; gem. f. v. w. die Schlampamperei, Schmauferei, Schlem: 
merei; der Schlampamper, Schlemmer, Schwelger. 

Schlange, w., M.-n, Verkl. das Schlänglein, auch Schlängelchen, 
nicht gut Schlängchen, (altd. der slango, slange, G. des slangen 20.5; oberd. 





— — ur DABEI re W De 





/ 


Schlange | 703 


die Schlangen und Schlang; niederd. Slange; von slingan, ſchlingen, 
ſchlang, ſich winden), ein Gefchlecht theild auf dem Lande, theilg im 
Waſſer lebender Thiere (Amphibien) mit langem, walzenförmigem Körper 
ohne Füße, in wellenförmigen Windungen fich fortbewegend, von ver- 
ſchiedenen Arten, worunter mandje giftige find (Kand-, Wafferfchlangen ; 
Schuppen, Klapper:, Rieſen-, Ringel-, Runzelfchlange ꝛc.); eine Ereisförmig 
zufammengefrümmte, ſich in den Schwanz beißende Schlange ift ein Sinnbild 
der Ewigkeit; außerdem dient die Schlange häufig als Sinnbild der Klug: 
heit (feid Elug wie die Schlangen 2c.), aber aud) der Hinterlift, des arg— 
liftigen Betrugs ꝛc. (daher: eine Schlange in feinem Bufen nähren, d. i. einen 
heimlichen Feind als vermeintlichen Freund begünftigen); daher uneig. f. ein 
falfcher, argliftiger, heimtüdifher Menfc (er oder fie ift eine Schlange; 
bibl. die alte Schlange f. der Teufel); auch ein Sternbild; ferner verfchie- 
dene fchlangenähnliche Körper, insbef. Natur. verfchiedene Schnedenarten 
Bas Schlängeldhen;z die Eleine Schlange; die gefpaltene Schl.); 
die gewundene Eupferne Röhre in dem Kühlfaffe der Branntweinbrenner ; 
der lange lederne Schlauch an den Feuerfprigen; ein mehrmals gebogenes 
meffingenes Stüd an Feuergewehren; eine Gattung fehwerer Geſchütze von 
verfchiedenen Arten (ganze od. Feldſchlangen, f.d.; Halbe—, doppelte 
Schlangen 2c.); auch f. Schlangengang, Schlangenlinie; — 3fes. fchlan- 
genartig, fchlangenähnlich, Bw.; das Schlangenauge, uneig. Naturk. 
eine länglich runde, an einer Seite ausgehöhlte, einem Auge ähnelnde Verſtei— 
nerung, auh Schlangenei, Schlangenftein, Krötenftein (fr. Echinit); 
der Schlangenbalg (1. Balg), f. v. w. die Schlangenhautz die Schlan- 
genbeere, Frucht des Schlangenbeerbaumes in Indien, als Gegengift 
gegen Schlangenbils; der Schlangenbefchwörer, wer angeblich die Kunft 
verfteht,, giftige Schlangen durch Beihwörungsformeln unfhädlich zu machen 
od. zu bannen; der Schlangenbifs, Bils einer Schlange; die Schlangen- 
blume od. das Schlangenblümchen, das Schneeglödchen; die Schlangen- 
brut, ſ. Brut; tmeig. falfche, hinterliftige Menſchen, fo auch: das Schlan- ° 
gengezücht; das Schlangenei, das Ei einer Schlange; * uneig. ſ. v. w. 
Schlangenauge; die Schlangeneidechfe, eine Art ſchlangenähnlicher Eidechfen ; 
der Schlangenfalf, eine Art afrikan. Falken, die ſich vorzüglich von Schlan- 
gen nähren; der Schlangenfifch, eine Art fhlangenförmiger Fiſche, mit der 
Muräne verwandt; die Schlangenform; fchlangenfürmig, Bw.; die 
Schlangenförmigkeit; der Schlangengang, ein in fchlangenförmigen Win- 
dungen laufender Weg in Gärten 2c.; das Schlangengift; das Schlangen- 
gras, der wilde Krähenfuß, als Mittel wider den Schlangenbifs, auh Schlan» 
genzwang genannt; eine Art der Mannstreu, als Gegengift gegen den Biſs 
dev Klapperfchlange; die Schlangengurfe, eine Art ſehr langer Gurken in 
Oftindien; das Schlangenhaar, aus Schlangen beftehendes Haar, nach fabelh. 
Vorftellung auf dem Kopfe der Furien; fchlangenhaarig, Bw., Schlangen: 
haare habend; der Schlangenhals, ein langer, dünner, ſehr biegfamer Hals; 
auch |. v. w. der Schlangenhalsvogel, ein ausländ. Vogelgeſchlecht mit fol- 
chem Halfe, auch Schlangenvogel, Langhals genannt (plotus L.); das 
Schlangenhaupt, der Kopf einer Schlange; Fabel. ein mit Schlangenhaa— 
zen befegtes Haupt; Pflanz. ſ. v. w. Otterköpfchen, blaue Ochfenzunge; die 
Schlangenhauf, uneig. Naturk. zwei Schnedenarten; das Schlangenholz, 


704 Schlange 


das Holz von zwei oftind. Gewächſen ald Heilmittel gegen den Schlangenbife, 
und diefe Gewächſe felbft (ophioxylon L., auch Marberwurzel, u. strychnos 
colubrina L., der Schlangenholzbaum); aud f. Schlangenwurzel; 
u. fe Kanonenbaum; das Schlangenhorn, 1) eine Art Schnirkelfchneden, 
auch Schlängelhen, Jagdhorn, indifches Poſthorn 2e.; 2) ein fchlangenförmig 
gewundenes Blafe= Inftrument, auh der Schlangenbafs (fr. Serpent); 
daher der Schlangenhornbläfer (fr. Serpentift); die Schlangenflugheit, 
liſt u. dgl., falfche, argliftige Klugheit; der Schlangenfnoblaudy, 7. v. w. 
die Rocenbolle, f. d.; der Schlangenkopf, Kopf einer Schlange; uneig. eine 
Art Schlangenhalsvögel in Brafilienz verfchiedene Arten Porzellan- od. Venus- 
fhneden: der große, und der Eleine Schlangenkopf, der blaue Schl.; das 
Schlangenköpfchen, ſ. v. w. Otterköpfchen, Münzmufchel; auch f. die 
Kameelhalsfliege; das Schlangenkraut, verſchiedene Gewächſe, als: eine Art 
des Ehrenpreiſes, auch Wundkraut (veronica officinalis L.); das große oder 
gemeine Schlangenfraut, auch Drachenwurz, mit gefledtem Stengel, einer 
Schlangenhaut ähnlich (arumdracunculus L.); das Eleine Schl. (arum ma- 
culatum L.); die Natter- oder Schlangenwurz, f. d.; das europäifche oder 
Sumpf-Schlangenfraut (calla palustris L.); eine Art Maiblumen (convallaria 
verticillata L.); aud) f. Dragun, Dragunbeifuß; Bärlapp ꝛc.; die Schlan- 
genfrone, die vermeintliche Krone einer Art Schlangen, wofür der Dinterzahn 
einer Kuh ausgegeben u. zu abergläub. Zweden gebraucht wird; auch eine Art 
Seeeicheln, die Seemüge; der Schlangenlahn, fchlangenförmig gewundener 
Lahn; die Schlangenlinie, eine den Windungen einer fich fortbewegenden 
Schlange ähnliche Bogenlinie; das SchlangenmooS, ſ. v. w. Bärlapp; der 
Schlangenmord, uneig. eine Pflanze, deren Wurzel für ein Heilmittel gegen 
- das Schlangengift gilt, auch Schlangenwurz, Natterwurz, Kraftwurz 2c. (fr. 
Scorzonere); die Schlangenmotte, eine Art auf Fichten Iebender Motten; 
das Schlangenpulver, ein aus gedörrten Schlangen bereitetes Pulver, als 
vermeintliches Heilmittel in Krankheiten des Viehes; das Schlangenrohr, 
ein fchlangenförmig gewundenes Rohr; aud ein Orgelregifter von 16 Fuß 
Zon; die Schlangenröhre, eine geichlängelte Röhre; eine Art ſchlangenför— 
miger Röhrenfchneden; der Schlangenfchnirkel, eine Art Schnirkelfchneden; 
der Schlangenſchwanz, uneig. eine Art Seefterne mit fchlangenförmigen 
Strahlen, der geſchwänzte Seeſtern; die Schlangenfpriße, 1. v. w. Schlauch— 
fprise (f. o. Schlange); der Schlangenftab, ein Stab, um welchen ein 
Schlangenpaar gewunden ift, als Beizeichen des Mercur in der alten Fabel. 
(fr. Caduceus); der Schlangenftein, ein ſchwarzgrüner, fchlangenähnlich ge- 
fleckter Talkſtein (fr. Serpentin); der Schlangenftich, Stich od. Biſs einer 
Schlange; auch eine Art des Stiches beim Nähenz der Schlangenträger, Namen 
eines Sternbildes, au der Schlangenmann (fr. Ophiuhus); der Schlan- 
genverehrer, Menfchen, welche die Schlangen als heilig verehren, auch 
Schlangendiener, Schlangenbrüder (fr. Ophiten); der Schlan: 
genvogel, ſ. o. Schlangenhalsvogel; der Schlangenweg, ein gewundener 
Weg; die Schlangenwindung, Windung der Schlangen, od. fchlangenähn- 
liche Bindung; die Schlangenwurz od. -wurzel, die Wurzel verfchiebener 
Gewächſe, und diefe Gewächfe felbft, insbeſ. f. Schlangenmord; die bittere 
Wurzel einer oftind. Pflanze, auch Schlangenholz, Mungoswurzel (ophiorhiza 
mungos L.); die Natterwurg, auch Schlangenkraut (polygonum bistorta L.); 





h 
£ 
' 
v 
4 





ſchlank — Schlaraffe 705 


die quirlförmige Maiblume, auch Schlangenkraut (ſ. d.); die amerikan. 
Schlangenwurzel, eine Art Schwarzwurz (actaea racemosa L.); der Schlan— 
genzahn, uneig. verfteinerte Fifchzähne, die man für Schlangenzähne hielt; 
die Schlangenzunge, uneig. f. v. w. Schlangenzahn; eine Pflanze, die Nat: 
terzunge, |. d.; auch f. eine verleumbderifche, falfche, gleichl. giftige Zunge, da— 
her ſchlangenzüngig, Bw., eine folhe Zunge habend; — Ableit. ſchlän— 
geln, ziellof. u. gew. rüdz. Zw., fich krümmen u. winden wie eine Schlange, 
fid) in Schlangenlinien fortbewegen od. erftreden (der Bach, der Weg ıc. 
ſchlängelt ſich durch Wiefen; fchlängelnde Blige 2c.); auch f. falſch und hin— 
terliftig fein, wie eine Schlange; daher der Schlängelgang, -lauf; die 
Schlängelung, das Schlängeln, die Schlangenwindung; fchlängelicht, 
Bw., fhlangenähnlich gewunden. 

fhlanf, Bw., Comp. fhlanfer, Sup. ſchlankſt, (niederd. flank, oberd. 
gew. geſchlank; von fhlingen, altd. slingen, slanc, winden), lang, dünn 
u. biegfam od. gefchmeidig (ſchlanke Zweige; ein Schlanker Menſch, Wuchs ꝛc.); 
ſchlankweg, Nw., landſch. f. geradezu, ohne Umſchweife; die Schlankheit, 
das Schlanffein, der ſchlanke Wuchs; — fchlanfen od. ſchlänkeln (gem. 
auch ſchlinkſchlanken), ziellof. Zw. oberd. f. hangend fich hin u. her be- 
wegen, baumeln, ſchwanken (die Arme ſchlänkeln laffen); auch ſchwankend 
gehen, nachläffig und müßig umbhergehen, val. fehlendern; der Schlanf 
od. Schlanfen, oberd. f. Lappen, Feen; Faulenzer; der Schlanfel od. 
Schlänfel f. Schlingel; ſchlänkern, 3w., f. fchlenfern. 

ſchlapp 1. (nisderd. flapp, engl. slap), ein Naturlaut, welcher den Elat- 
fhenden Schall eines Schlages mit flaher Hand ıc. nahahmt; daher 
ſchlappen 1. ziellof. Zw. (engl. slap) gem. f. den Schall fchlapp hervorbrin- 
gen; der Schlapp 1. -es, M. -e, diefer Schall, u. ein davon begleiteter 
Schlag; die Schlappe 1., M. -n (niederd. Slappe, engl. slap; lat. alapa), 
gem. ein Schlag mit der flahen Hand ins Gefiht, eine Maulfchelle: 
uneig. ein empfindlicher Schaden, Verluſt, eine Niederlage (der Feind hat 
eine Schlappe befommen). 

fchlapp 2. Bw. (niederd. flapp; flaw. slaby) gem. f. ſchlaff; daher: 
fchlappen 2. 3w. 1) ziellos m. haben, gem. f. ſchlaff fein, fchlaff herab- 
bangen; fchleppend gehen, bei. in Pantoffeln, ſ. v. w. fchlarfen, ſchlurfen; 
2) ziel. und ziellos, f. v. w. fchlabben, fihlabbern, fchlampen (z. B. die 
Suppe—; den Teller ausfchlappen); der Schlapp 2., -es, (gew. das 
Schläpplein, Schläpple) ſchwäb. eine Art Eleiner, gew. lederner Mützen; 
die Schlappe 2., M. -n, gem. f. ein fehlaff herabhangendes Maul, ſ. v. 
w. Schlabbe; landſch. alte Pantoffen, Schlarfen, Latfchen; oberd. auch) 
f. Haube, Kappe (vgl. das flaw. schlapa, Hut); der Schlapphut, ein 
Ichlaffer Hut; das Schlappohr, ein fchlaff hHerabhangendes Ohr, u. ein Thier 
mit folhen Ohren; — fchlappig, Bw., oberd. f. fchlaff, fchlotterig; fchlap- 
pifch, Bw., ober. f. unreinlich, ſchmutzig; fehlapperig, Bw. (vgl. ſchla— 
derig) oberd. f. nafs, moraftig; der Schlapps, Aes, M.-e, gem. f. ein 
fhlaffer, nachläffiger, auch ein plumper, grober Menſch (vgl. Schlads). 

Schlaraffe, m., -n, M. -n (ehem. Schlauraffe, Schluraff; v. dem 
oberd. u. ſchweiz. Shlauren, niederd. fluren, flüren, f. ruhen, müßig, träge 
u. nachläſſig ſein; mittelh. der slür, Kaulenzer; alfo eig. ein träger, müßig 
gehender Affe), gem. ein Menfch, der in trägem Müßiggange u. forglofem 


SHeyſe's Handwörterb. d. deutichen Spr. 2. Theil. 45 


706 fhlarfen — Schlaud) 


Leichtfinne nur dem Sinnengenuffe lebt; nach mährchenhafter Volksſage 
EN. der Bewohner eines erdichteten Landes, das Schlaraffenland ge— 
nannt (fr. Utopien, d. i. Nirgendheim, franz. pays de Cocagne), wo man ohne 
Mühe und Sorgen im Überfluffe lebt; das Schlaraffenleben, ein bloß ge: 
nießendes Müßiggängerleben. 

fchlarfen, fchlärfen, fchlarren, ziellof. Zw. (mittelh. slerfen; oberd. auch) 
ſchlarpfen; niederd. flarren, ſlären; vgl. ſchlüren, fchlürfen), gem. Schallw. f. 
ee gehen, ohne die Füße gehörig aufzuheben; die Schlarfe oder 

Schlarre, M. -n (oberd. aud) der Schlarfen, Schlarfel, Schtärfling), 
gem. f. Pantoffel ohne Hinterleder, alte, hinten nicdergetretene Schuhe; die 
Schlarrhade (gem. zgez. Stärke, Slartje), niederd. f. eine fchleppend ge- 
hende, u. überh. eine träge bei. weibl. Perfon. 

Schlatte, w., fchlatterig, Bw., ſ. Schladde ıc. 

fchlattern, ziellof. 3w., oberd. f. Elappern; mit großem Geräufch blät— 
tern. 

Schlau, Bw., Comp. ſchlauer, Sup. ſchlauſt, (ſcheint im Althochd. zu feh- 
ien; oberd. ſchlauh, ſchwäb. ſchlug, niederd. flou u. ale Hw. Slouke, eine 
verfchmigte Perfon; isländ. slaegr, ſchwed. slug, dän. slu, engl. sly; vielleicht 
verw. mit fhlagen, vergl. verfhlagen, u. die im Oberd. vorkommende 
landſch. Bed. ſchief; vgl. ſchlimm), Elug und gewandt zu heimlicher Aus— 
führung eigener— u. zur Entdedung und Bereitelung fremder Anfchläge, 
finnv. verfchlagen, verfhmißt, liſtig (der Tchlaue Fuchs entging der Gefahr; 
ein ſchlauer Menfch; ein fchlauer Plan ꝛc.); oberd. auch f. fonderbar, wun— 
derlich, feltfam (das ift ſchlau); der Schlaufopf, ein fchlauer Kopf, eine 
ſchlaue Perſon; die Schlauheit od. Schlauigfeit, das Schlaufen, finne. 
Verſchlagenheit, Liſtigkeit; auch eine fchlaue Handlung, ein fchlauer Anz 
ſchlag, finnv. Lift. 

Schlaube od. Schlaue, w., M. -n, (niederd. Stu, Stuwe; vgl. Schlauf, 
ſchlaufen, fchliefen), landſch., bef. preuß. f. Hülfe, Schale, Schote (von 
Bohnen, Nüffen 2c.); daher ſchlauen, ziel. Zw., landſch. f. enthülfen, aus 
der Schale nehmen (Nüffe). 

Schlauch, m., -es, M. Schläuche (mittelh. slüch; vgl. das engl. slough; 
wahrfch. nur Nebenform von Schlauf, altd. sluf, slouf; alfo von fchliefen, 
ſchlaufen; vgl. Schlucht und Schluft), überh. ein vertiefter, hohler Raum, 


daher ehem. f. Abgrund, tiefe MWafferftelle, u. be. f. Schlund, Kehle (nie 


derd. Stufe); jest ein ſack- od. röhrenförmiges Behaltnifs von biegſamem 
Stoffe, bei. um eine Flüffigkeit aufzunehmen oder fortzuleiten (lederne Wein- 
ſchläuche, Sprisenfchläuche 2c.); auch das männl. Zeugungsglied größerer 
Thiere, z. B. der Pferde, Efel ꝛc.; Pflanz. ein blattartiger, hohler, walzen- 
förmiger Pflanzentheil; gem. f. ein herabhangender Bauch), daher auch 
uneig. f. Freſſer, Schwelger ; — 3fes. ſchlauchartig od. -Ahnlich, ſchlauch— 
fürmig, Bw.; der Schlauchbohrer, auch Schlauchnäber (1. Näber), ein 
Bohrer, mittelft deffen der Wein durch die Schläuche aus den Fäffern gezogen 
wird; der Schlauchſchwamm, eine Art ſchlauchförmiger Schwämme; die 
Schlauhfprike, Feuerfprise mit langem ledernem Schlauche, Schlangenfprige; 


das Schlauchthierchen, eine Art ſchlauchförmiger Aufgufsthiere; — Ableit. 


ſchlauchicht, Bw., ſchlauchähnlich; ſchlauchen, Zw., ehem. f. den Schlauch, 
d. i. den Bauch füllen, freſſen; jetzt nur in dem zgeſ. ausſchlauchen, d. i. 


> ee 


fhlaudern — fchlecht 107 


das Innere eines Schlauches od. einer fchlauchähnlichen Röhre reinigen (7. B. 
die Röhren einer Wafferleitung—). 

fchlaudern, 3w. 1) zielos m. haben (oberd. auch ſchludernz val. 
ſchlottern und das niederd. fluddern, fluren; zu unterfcheiden von dem abgel. 
Factitivum ſchläudern od. gew. fhleudern, f. d.) fich fchnell und im 
Schwunge hin und her beivegen, loſe hin u. her fahren, (von Dingen, die 
nicht gehörig befeftigt find, z. B. eine Spule, das Holz an einer Drehbant 
ſchlaudert), von einer Seite zur andern fehlagen (ein Schlitten fchlaudert) ; 
übereilt, obenhin u. nachläffig arbeiten od. verfahren; Kaufm. Waaren 
unter dem Preife verkaufen (er fchlaudert mit der Waare); 2) oberd. auch) 
ziel. f. fehleudern ; insbef. eine Mauer—, durch Schlaudern, d. i. Schließ— 
anker od. Strebehölger, befeftigen; die Schlauder, M. -n, oberd. f. Schleu- 
der; Bauk. ein Schließanfer, Strebeholz, Mauerband; oberd. auch eine 
fchlaudernde, d. i. fich übereilende Perſon; der Schlauderer, -$, wer 
fihlaudert, z. B. im Handel; die Schlauderet, das Schlaudern; fchlau- 
derhaft, fchlauderig od. fchlauderifch (auch ſchludrig), Bw. landſch. f. 
unachtſam, haftig, fich übereilend, nachläſſig. 

Schlaue, w., fehlauen, 3w., f. unter Schlaube. 

fchlaufen, ziel. Zw. 1) (altd. sloufen, abgel. v. sliefen, slouf, fchliefen, 
ſchlüpfen, f. d.) vit. f. etwas fchliefen od. hineinfchlüpfen machen, hinein= 
thun, einhüllen, einEleiden (anſchlaufen, vlt. f. anziehen); 2) noch 
landſch. f. aus dem Schlaufe nehmen, d. i. enthülfen, ſchälen; der Schlauf, 
-es, M. -e, (altd. slouf) alt u. oberd. f. das, worein man fchlieft od. ſchlüpft, 
was man anthut; Hülle, Mantel, Dede; ſchweiz. f. Muff; auch: Schale, 
Hülfe, Schote (vgl. Schlaube); fchlef. eine Vertiefung, in welcher ſich Waffer 
gefammelt hat (vgl. Schlau, Schlucht); die Schlaufe, M. -n, ſchweiz. f. 
Schleife, Schlinge; landſch. auch der Gefchledhtstheil einer Stute. 

Schlauheit, Schlauigkeit, Schlaufopf, f. unter fchlau. 

fchlaunen, ziellof. 3m. m. haben, (auch ſchleunen und ſchleumen; 
mittel). sliunen u. slünen; altd. sliumo, fchnell; vgl. fchleunig, befchleunigen), 
oberd. f. vafch von Statten gehen, von der Hand gehen, fordern, guten 
Fortgang haben (die Arbeit hat gefchlaunet; es will nicht ſchlaunen, vol. 
flecken); fchlaunig, Bw., ſchwäb. f. unvermerkt; fchläunen (od. fhlönen) 
ziel. Zw., fchweiz. f. heimlich naſchen; fehläunig, Bw. f. näſchig. 

ſchlecht, Bw. u. Nw., Comp. fchlechter, Sup. fchlechteft, (urſpr.—ſchlicht, 
f. d.; goth. slaihts, eben, glatt; altd. sleht, und bei. als Nw. auch slihte; 
oberd. auch geſchlecht u. als Nw. in der Bed. geradezu, fchlechthin: fchlet, 
ſchet; niederd. fligt; dän. slägt, ſchwed. slät, angelf. slith, engl. slight; ital. 
schietto) 1) ehem. u. noch Tandfch., in einzelnen Anwendungen auch hochd., in 
günftiger Bed.: eben, glatt (entg. rauh; bibl. was höckerig ift, Toll ſchlecht 


werden); gerade (entg. krumm; bibl. das Krumme fchlecht machen; ſprichw. 


Geld macht krumme Sachen fchleht, vgl. fchlichten); Eunftlos, einfach, un— 
geſchmückt, jest gem. fchlicht (ein fchlechtes Kleid tragen; mit ſchlechten 
Worten, ehem. f. mit bloßen, einfachen Worten, ohne förmlichen Eid; ſchlecht 
und recht, d. i. einfach und gerade oder gehörig); daher als Nw. alt und 
oberd. f. geradezu, ohne Umfchweif, durchaus, bloß, nur, vergl. ſchlecht⸗ 
bin, ſchlechtweg, fchlechterdingsz ferner im fittl. Verftande: gerade, auf: 
richtig, ehrlich, vedlich, rechtfchaffen, bieder (z. B. gute ſchlech te Freunüs 
45* 


708 Schlechte — ſchlecken 


ſchaft, f. aufrichtige; ſchlecht und recht 2c.); dem Werthe od. Stande nach: 
gewöhnlich, nicht ausgezeichnet, nicht vornehm, gemein, gering (3. B. 
oberd. die ſchlechten Leute, f. der gemeine Mann; ein ſchlechter Edelmann, 
d. i. ein gewöhnlicher; ein ſchlechter Schaden, d. i. ein geringer; ſchlechtes 
Bold, d. i. geringhaltiges, Leichtes; — diefe Bed. macht den Übergang zu der 
folgenden); 2) jest gew. in nachtheiliger Bed. nicht die erforderliche Be— 
fohaffenheit habend, ungut, unvolllommen, ungenügend, unbrauchbar, 
widrig, ungünſtig, entg. gut, von weiterer Bed. als die finnv. übel, ſchlimm, 
arg, (z. B. ſchlechtes Brod; ſchlechter Wein; ſchlechte Waare; fchlechte Ent- 
Thuldigungen; ein ſchlechter Troſt; ſchlechte Beſoldung; ein fchlechter Bezah— 
ler; ein ſchlechter Jäger, d. i. ein untüchtiger, unwiſſender; eine ſchlechte 
Ernte; ſchlechte Zeiten, d. i. nahrungsloſe; ſchlechtes Wetter, d. i. unfreund- 
liches, ungünftiges); insbef. in Beziehung auf die Empfindung, das Ber 
finden, die Lage einer Perfon: nicht gut, übel, fchlimm (es wird ihm 
ſchlecht bekommen; mir war dabei ſchlecht zu Muthe; es geht ihm ſchlecht, es 
ſteht ſchlecht mit ihm, d. i. er befindet fich in einer übeln Lage; der Kranke 
befindet fich ſchlecht); in fittlihem Verftande: nichtswürdig, niederträchtig, 
böfe (ein fchlechter Menfch od. gem. Kerl; ſchlecht an Semand handeln; eine 
Thlehte Aufführung; gem. einen ſchlecht machen f. ihn herabfegen, in 
ſchlechten Ruf bringen); — 3Tes. ſchlechterdings, Nw. (oberd ſchlechter 
Dingen), ohne Einfchränkung, unbedingt, durchaus, völlig, niebderd. plat- 
terdings (es ift fchlechterdings nicht wahr; er will es ſchlechterdings); 
ſchlechthin, Nw., ganz einfach, ohne weiteren Zufag oder Umfchweif, bloß, 
nur (3. B. nenne mid) jchlehhthin bei meinem Namen); landſch. auch f. ſchlech— 
terdings, durchaus; fchlechtiweg, Bw., ohne Umftände, geradezu, ohne Wei— 
teres, finnv. ſchlechthin, kurzweg, landſch. auch glattweg; der Schlechtfalf, 
eine Falkenart, auch Blaufuß, großer Weißbade; der Schlechtfärber, landſch. 
f. Schwärzfärber, z. U. v. Schönfärber; — Ableit. die Schlechte 1. laltd. 
slehte) od. gew. die Schlechtheit, das Schlechtſein, die geringe, ungenü— 
gende Beſchaffenheit; die Schlechtigkeit, das Schlechtſein in ſittlichem 
Verſtande, ſinnv. Nichtswürdigkeit, Bosheit; ſchlechtlich u. ſchlechts, Nw. 
(altd. slehtliche; slehtes), alt und oberd. f. gerade, geradezu; bloß, nur, 
finnv. —— ſchlechtweg. 

Schlechte 2., w., M.-n (von ſchlagen, Schlacht, ſ. d.), Waſſerb. ein 
Damm von Reisbündeln, auch Schlacht; Bergw. eine Schicht, Lage, 
ein Flöz. 

fchleden u. fchledern, ziellof. u. ziel. Zw. (isländ. sleikia, ſchwed. sleka, 
slicka; wohl nur verftärkende Nebenform von lecken), gem., mit ausge- 
ftreefter Zunge hörbar lecken; in Eleinen Biffen ſchmatzend fen; oberd. 
auch überh. f. nafchen, (bef. in den zgef. ab-, auf-, ausſchlecken 2c.); der 
Schleck, -e3, M. -e (altd. slec, ©. sleckes), landſch. gem. f. das Schleden, 
Naſchen; der Biffen, bef. Leckerbiſſen; ehem. auch f. Schleder, Leder: 
maul; der Schledbiffen, die Schledfpeife, landſch. f. Leckerbiſſen, Leckere 
Speife; der Schleckkoch, wer dergleichen bereitet; der Schleckmarkt, Markt, 
wo ledere Speifen verkauft werden; dag Schled- od. Schledermaul, gem. 
f. Leckermaul; das Schlederwerf, allerlei leckere Speifen, Lederbiffen; — 
der Schleder, die Schlederinn, gem. wer gern ſchleckt, d. i. Leckerbiſſen 
ifft, ein Leckermaul; Jäg. ein Hirfch, der Eeinen richtigen Wechfel hält; die 


1 


Schleef — fchleichen 109 


Schlederei, das Schleden, Naſchen; Nafchwerk, Lederbiffen (M. Schles 
dereien); fchlederhaft, Bw., gern fchledend, leder, naſchhaft. 
Scleef, m., -e3, M. -e, (niederd. Sleef, -isländ. sleif, ſchwed. slef, 
dän. slof), niederd. 1) ein großer hölzerner Kochlöffel; 2) uneig. ein grober, 
plumper u. träger Menſch; daher fchleefhaftig, Bw., niederd. f. plump, 
träge, dumm. 
fchleh, Bw. (niederd. flee, ſlei; ho. sleeuw; jchwed. slö; vgl. das altd. 
sle, G. slewes, oberd. ſchlew, ſchlewig, f. ftumpf, matt, lau, Eraftlos, 
träge, angelf. sleav, engl. slow), landſch. f. herbe, zufammenziehend von 
Gefhmad u. dadurdy die Zähne ftumpf machend; auch f. ſtumpf (die Zähne 
werden ſchleh; niederd. auch von einem Meſſer 2c.); ſchlehen, ziellof. u. ziel. 
Zw. (altd. slewen, lau, matt, fumpf werden), landſch. f. herbe fein; ftumpf 
fein oder werden; ftumpf machen (die Zähne); — die Schlehe, M. -n, 
(altd. sl&ha, slehe, slech, oberd. Schleh, niederd. Slee; holl. sleuwe; ſchwed. 
slä, dän. slaa; angelf. sla, slag, enal. sloe), die runde, fchwarzblaue, herbe 
fchmedende Frucht eines zum Geſchlecht des Pflaumenbaumes gehörenden dor— 
nigen Strauches, genannt: der Schleh- od. Schlehendorn, auch Schleh— 
baum, Schlehenbufch od. -ftrauch, Schwarzdorn (prunus spinosa L.); die 
Schleh: od. Schlehenblüthe, die weise Blüthe des Schlehdorns ; die Schleh- 
dorn- oder Schlehenflechte, eine auf dem Schlehdorn wachfende weißliche 
Flechte, weißes Lungenkraut 2c.; das Schlehenmus, zu Mus eingefochter 
Schlehenſaft; ſchleh- od. fchlehenroth, Bw. für eine Art ſchlechter, herber, 
rother Weintrauben: fehlehrother Wein od. Schlehentrauben; der Schleh- 
od. Schlehenwein, auf zerftoßene Schlehen gegoflener Wein; fchlehweiß, 
Bw. (oberd. ſchleblüeweiß; gem. verderbt: ſchlohweiß, welches jedoch auch 
aus ſchloßweiß entft. fein ann), glänzend weiß wie Schlehblüche. 
fchleichen 1. ablaut. 3w.: Impf. ſchlich, Conj. ſchliche; Mw. geſchlichen, 
(althochd. slihhan, Prät. sleich, wir slihhun, Mm. gislihhan; mittelh. slichen, 
sleich, slichen; oberd. ſchleichen, ſchlich und fchleichet; niederd. ſliken, Tleek; 
ſchwed. slika; angelf. slincan, engl. slink) 1) ziellos m. fein, fid) langfam 
und leife fortbewegen, insbef. bibl. von der Bewegung der Schlangen und 
Gewürme, finnv. kriechen; langfam und leife gehen, mit dem Nebenbegriff 
der Heimlichkeit (der Fuchs ſchleichk nach dem Hühnerftalle ; der Dieb ift aus 
dem Garten gefchlichen); uneig. auch von Flüffigkeiten, Krankheitsftoffen und 
untörperlichen Dingen: fid) langfam bewegen, langfam vergehen od. ver— 
“fliegen (das Blut fchleicht träge in feinen Adern; die Zeit fchleicht dem Un— 
glüctichen hin; eine fchleichende Krankheit zc.), allmählich u. unmerklich um 
fid) greifen (ein fchleichendes Gift; die im Finftern ſchleichende Bosheit u. dgl.); 
heimlich und verſteckt verfahren (in diefem Sinne m. haben, 3. B. er hat 
lange gefchlichen, bis er feinen Zweck erreichte); 2) rüdz. fich—, fich fchlei- 
chend von einem Drte weg, od. nad) einem Drte hin bewegen (4. 8. er 
fchlich fich fort, aus dem Haufe, in den Garten 2c.; eine Thräne fchlich fich 
aus ihrem Auge); — fchleichen 2. bloß umend. ziel. 3w. (mittelh. sleichen, 
sleichte; oberd. fchlaichen, geſchlaicht; das abgel. Factitivum des vorigen), 
alt u. oberd. et was — f. heimlich irgendwohin thun oder bringen (einem 
etwas in die Hand —; verbotene Waaren über die Grenze fchleichen, durch-, 
aus-, einfchleichen; vgl. Schleichhandel; oberd. ein fremdes Kind unter- 
ſchleichen f. unterfchieben; vgl. Unterihleif); — 3Te$. von fchleichen 1.: 


110 Schleie — Schleier 


der Schleichbrief, landſch. Rſpr. eine Urkunde über die gefchehene Vertaufchung 
zweier Dinge; der Schleichdruder, wer heimlich verbotene Bücher drudt; 
auch f. Nachdrucker; der Schleichgang, ein ſchleichender Gang; ein heim- 
licher oder verſteckter Gang od. Weg, eig. u. uneig.; das Schleichgut, die 
Schleichwaare, gutes Neuw. f. das fr. Gontrebande; der Schleichhandel, 
Handel mit verbotenen, heimlich eingeführten Waaren; der Schleihhändler, 
wer Schleichhandel treibt, auch Schleifhändler, landſch. Schmuggler, 
Schwärzer, Pafcher; die Schleichtreppe, eine verborgene Treppe, auch 
Schleiftreppe; der Schleichweg, ein heimlicher, verborgener, auch wohl 
verbotener Weg, insbeſ. Säg. ein Fußfteig im Gehölze, auf weldhem fie das 
Wild befchleichen; uneig. eine heimliche, unerlaubte Weife, feine Abficht zu er- 
reichen; — Ableit. v. ſchleichen 1.: der Schleicher, -$, die Schleicherinn, 
M.-en, wer fehleihht, uneig. wer heimlich und verftedt handelt, fin. 
Leifetreter; Natur. eine Art Eurgbeiniger Eidechfen; auch eine auf der Erde 
hinkriechende Pflanze (serpicula); die Schleicherei, verächtl. das Schleichen, 
Leife- Auftreten, Berftethandeln. 

Schleie, n. A. Schleihe, w., M.-n, (andſch. auch die Schleiche und 
der Schleiz altd. der slio, slie, slige, des sligen; oberd. der Schleijen, 
Schleien; niederd. Slie, Sligger; dän. slie; von einer Wurzel sli, fchleimig, 
ſchlüpfrig? vgl. das hannöver. ſchlei f. feucht), ein bekannter eſsbarer Fluſs— 
fiſch, der fid) im Schlamme aufhält und mit diem, ſchlüpfrigem Schleime 
bedeckt ift; auch f. die Bleihe od. Plöge, f. d. 

Schleier, m., -8, M. w. E., Verkt. das Schleierchen, (mittelh. sleiger, 
sleir, sloigir, m., u. sloir, f.; oberd. der Schlaijer, Schlair; niederd. Slijer, 
Sliger, ehem. auch Sloger; holl. sluyer, ſchwed. slöya, dän. slöer), urfpr. 
überh. Hülle; insbe]. ein leichtes, loder gewebtes Tuch, zur Verhüllung 
des Gefichts od. auch des ganzen Dberleibes von Frauen getragen, bef. bei 
der Trauer, und zur Kleidung der Nonnen gehörend (daher: den Schleier neh— 
men, d. i. Nonne werden); landſch. auch ein loder gemwebter feiner Leinen- 
zeug, f. v. w. Schleierleinwand, Schleiertuch (fr. Linon); uneig. alles, was 
eine Sache zu verbergen dient (z. B. die Wahrheit ohne Schleier darftel- 
len); — 3feg. die Schleiereule, eine Art fchön gegeichneter Eulen, deren 
Augen durd große haarähnliche Federkreife gleichſam verſchleiert find, Kirch- 
Thurm-, Buſch-, Perleule, geflammte Eule 2c.; auch die gemeine Nachteule; 
der Schleierflor, zu Schleiern dienender Flor (f. Flor 3.); die Schleier: 
haube od. -Fappe, eine das ganze Geficht verhüllende Haube ze. (oberd. auch 
Kiegelhaube); das Schleierlehen, 1. v. w. Kunkellehen, Weiberlehen; die 
Schleierleimwand, f. o.; ſchleierlos, Bw., ohne Schleier, unverſchleiert; 
uneig. überh. f. unverhüllt, unverborgen; der Schletermacher oder = weber, 

landſch. wer Schleier, d. i. Schleierleinwand, webt; die Schleiermeife, eine 
Art Meifen mit einer weißen fchleierähnlichen Platte auf dem Kopfe; die 
Schleiernatter, eine Art ameritan. Nattern, gebänderte Natter; die Schleier: 
taube, eine Abart der zahmen Taube mit langen fchleierähnlichen Federn zu 
beiden Seiten des Hinterkopfes, Nonnen-, Kappentaube; das Schleiertuch, 
ſ. 0.5 — Ableit. fchleierig, Bw., mit einem Schleier verfehen, verfchleiert; 
fhleiern, Bw., oberd. f. von Schleiertuch gemacht; fehleiern, ziel. Zw., 
mit einem Schleier verfehen (eine Braut), — verhüllen, gem. verſchleiern; 
Bergw. den Kolben einer Röhre—, d. i. mit Lappen umwideln. 


fchleifen 11 


fchleifen 1. ablaut. 3w.: Impf. ſchliff, Gonj. fhliffe; Mm. gefchliffen, 
(altb. sliphan, slifan, slifen, Prät. sleif, sliffen; Mw. gislifan, gesliffen ; oberd. 
fchleifen, Schliff u. fchleifet; niederd. flipen, fleep u. flipede; hol. slippen, slui- 
pen; angelf. slipan, slupan, engl. slip, ſchwed. slipa, ſämmtlich: gleiten, fchlü- 
pfen; vgl. fchliefen, Schlaufen, fchlüpfen, fchleppen, von den Wurzeln slip, slif, 
slup, sluf, glatt, fchlüpfrig (daher ſchwäb. ſchleif als Bw. f. fchleimicht, geläu— 
fig), u. Tchleichen von der verwandten Wurzel slik, slih), 1) ziellos m. haben, 
alt u. oberd. f. gleiten, fich gleitend bewegen, fchlüpfen, fallen (z. 8. nie 
der=, hinfchleifen, einem entichleifen; ausjchleifen, ſchwäb. f. ausgleiten ꝛc.; 
das lat. labi); landſch. auch f. ſchleichen; bef. auf einer Eisbahn gleiten, 
glitſchen, fhlittern; auch eine Art zu tanzen, wobei man mit den Füßen 
den Boden ftreift; (jest im Hochd. in ziellofer Bed. völlig durch das umend. 
Schleifen 2. verdrängt); 2) ziel. ehem. f. gleiten laffen, unvermerkt wohin 
bringen, fchieben; jegt noch: glatt machen (fr. policen) u. dadurch (Schneide: 
werkzeuge) ſcharf machen, fchärfen, wesen (Edelfteine, Marmor, Glas ꝛc. —; 
Meffer, Scheren ꝛc. —; ein fcharf gefchliffener Degen z2c.; auch ohne Zielm., 
3. B. diefer Stein fchleift gut); uneig. einer Perfon das Rauhe, Ungefäl- 
lige, Unmanierliche benehmen, fie artig, gefittet, höflich machen, finnv. 
“ glätten, verfeinern (z. B. er mufs noch gefchliffen werden) , bei. dag Mw. 
geſchliffen (1. d.), entg. ungefchliffen, als Bw.; — fchleifen 2. 
bloß umend. 3w.: fchleifte, gefchleift (altd. sleifen, sleifte; oberd. fchlaifen, 
fchlaipfen; niederd. flepen; holl. sleepen; ſchwed. slaepa; urfpr. das abgel. 
Factitivum von fchleifen 1.) 1) ziel. a) machen, dafs etivas fehleift od. glei= 
tet, es gleiten laffen, auf einer Fläche gleitend fortbewegen, fortziehen, 
finnv. fchleppen (4. B. ein Kleid nad) ſich —; ein Stüd Bauholz an die Bau: 
ftelle— ; einen Miffethäter auf einer Kuhhaut zum Richtplatz —; auch ohne 
Zielw.: der Fifcher Schleift, wenn er das Netz auf dem Grunde hinzieht) ; 
in engerer Bed. auf einer Schleife (1. u.) fortfhaffen (Waaren zc.); uneig. 
Laute od. Töne —, d. i. ohne Stoß u. Abfaß gleichfam gleiten u. in ein- 
ander fließen laffen (zwei Buchſtaben, zwei Noten werden gefchleift; entg. 
abftoßen, abfegen; auch ziellos von dem Gefchrei des Auerhahns im Balzen: 
der Auerhahn ſchleift); b) ſinken laffen, fenfen (eine Keuermauer—, d. i. 
in Schräger Richtung aufführen); machen, dafs etwas fällt, niederreißen, ein- 
reißen, dem Boden gleicy machen (eine Feſtung, Stadt —; oberd. au: 
verfchleifen); c) durch oder in einander gleiten laffen, finnv. ſchlingen 
(ein Band, einen Knoten—, d. 1. in die Geftalt einer Schleife bringen); 
auch mit Schleifen od. Schlingen verfehen (einen Hut); 2) in der neueren 
Spradhe auch ziellos m. haben (ftatt des ablaut. fchleifen): auf einer 
Fläche hingleiten, fchleppen (das Kleid fchleifte auf der Erde; die Kette 
f&hleift hinten am Wagen; der Schlitten fchleift; er hat auf dem Eife ge 
ſchleift, oberd. x. geichliffen, ſ. 0.); — 3Tesg. von fchleifen 1. und 2.: die 
Schleifbank, ein Geftell, auf od. vor welchem man etwas fchleift, d. i. glättet 
od. Shärft; der Schleifbaum, Web. ein Baum, an welchem die Kette her— 
unter ſchleift od. gleitet; der Schleifhaken, — der Scherenſchleifer zum 
Anhängen der Scheren ꝛc.; der Schleifhandel, Schleifhändler, landſch. f. 
Schleihhandel 2c.; die Schleiffanne, eine große hölzerne Kanne mit einer 
Schnauze u. Handhabe (vielleicht weil fie mehr fortgefchleift, ald getragen wird; 
n. A. von Schleife, d. i. der hölzerne Bügel auf dem Dedel?); die Schleif- 


12 Schleihe — Schleim 


lade, eine Art Windladen an Orgeln; die Schleifmühle, ein Mühl: oder 
Triebwerk zum Behuf des Schleifens von Glas, Meffern 2c.; die Schleifnabdel, 
eine breite Haarnadel, die geflodhtenen Haare darum zu wideln u. aufzufteden; 
landſch. auch f. Schnürnadel; die Schleifrebe, Nebenfchöfsting an Weinftö- 
den; die Schleiffchale, eine metallene Schale, in welcher Brillengläfer ıc. 
geſchliffen werden; auch Schleifſchüſſel; die Schleiffcheibe, metallene Scheibe, 
an welcher die Steinfchleifer die Edelfteine ſchleifen; der Schleifitein, eine 
drehbare Scheibe von feinförnigem Sandftein, an welcher Schneidewerkzeuge 
gefchliffen werden, auch f. Wetzſtein; die Schleiftreppe, der Schleifmweg, 
ſ. v. w. Schleijtreppe, weg; der Schleiftrog, der mit Waffer gefüllte Trog 
unter dem. Schleiffteine, welcher darin angefeuchtet wird; der Schleifzügel, 
eine Art leichter Zügel für junge Pferde; — Ableit. die Schleife, M. -n, 
Verkl. das Schleifchen, 1) was fihleift, od. dazu dient, etwas fchleifend 
fortzufchaffen: ein fchlittenartiges Geräth zum Fortichaffen von Laſten (mit- 
telh. sleife, oberd. die Schlaifen); 2) was gefchleift wird od. fihleppt, z. 8. 
Jäg. eine an eine Schnur gebundene Xodfpeife, welche vor dem Holze her 
gezogen wird (auch Schleppe, Gefhlepp); landſch. auch f. Schleppe 
eines Kleides; 3) mas gefchleift, d. i. durch einander gefchlungen ift: eine 
Bandfıhleife, Schlinge (oberd. die Schlaifen); Jäg. eine Schlinge von 
Haar oder Faden zum Vogelfang, insbef. fofern fich der Vogel darin an den 
Füßen fängt: Schleife (Hingegen Schlinge, worin er ſich am Halſe fängt); 
landſch. auch f. Ohr, Ohſe; 4) oberd. (die Schleifen) f. Schleifbahn, Eis— 
bahn zum Gleiten; der Schleifer, -8, M. w. E. 1) wer etwas fchleift, 
d. i. glättet od. fchärft, bef. in Zfeg. wie Glas, Stein, Scherenichleifer 2c.; 
weibl. die Schleiferinn; 2) Tonk. zwei oder mehre gefchleifte, d. i. gebun- 
den vorgetragene Noten; 3) eine Art deutfchen Kreistanges, wobei man 
mit den Füßen über den Boden hin fchleift, u. die Tanzweiſe dazu; daher oberd. 
ſchleiferiſch tanzen; das Schleiferlied, das diefen Tanz begleitende Lied; 
das Schleiffel, -3, o. M., was beim Schleifen abfällt, auch: die Schleif- 
fpäne; die Schleifung, das Schleifen, bef. einer Feftung zc. (f. o. fchleifen 
2. 1) b; außerdem gew. das Schleifen, z. B. der Meffer zc.). 

Schleihe, w., 1. Schleie. | 

Schleim, m., -es, M. (felten) -e, (altd. slihmo (vielleicht v. slihhan, 
fchleichen) u. slim, isländ. u. angelf. slim, engl. slime, ſchwed. slem, niederd. 
Sliem; vgl. das mittelh. slijen, fehmieren, auch: Schlamm, Leim zc.), eine 
zähe, fchlüpfrige, fih im Waffer auflöfende Feuchtigkeit, fowohl als Pflan- 
zenftoff, bef. aus verfchiedenen Samen-Arten gezogen, finnv. Seim (z. B. Ger: 
ften-, Graupen-, Haferfchleim),, als auch aus den Schleimhäuten thierijcher 
Körper fih abfondernd (Schleim in der Nafe, gem. Rotz; bei. auf der Bruft 
. u. im Halfe); oberd. uneig. f. Galle, Arger (einem einen Schleim machen; 

einen Schleim. kriegen u. dgl.); Fleiſch. das Fleifchige von dem Vorderfuße 
eines fetten Rindes; — Zfes. der Schleimapfel, die efsbare Frucht des 
Schleimapfelbaumes in Oftindien; fehleimartig, Bw.; die Schleimdrüfe, 
Drüfen im menſchl. u. thier. Körper, welche Schleim abfondern; das Schleim: 
fieber, von Verfchleimung herrührendes Fieber; der Schleimfifch, Rotzfiſch; 
das Schleimharz, ein fchleimiges, in Waffer auflösbares Harz (fr. Gummi); 
die Schleimhaut, eine mit Schleimdrüfen verfehene Haut, bef. in der inneren 
Naſe; die Schleimnatter, fchlüpfrige Natter, eine Art Heiner Nattern in 





Be 





ſchleißen 713 


Indien u. Südamerika; das Schleimpflafter, ein aus Pflunzenfchleimen zu: 
bereitetes Pflafter; der Schleimpfropf, ein Eranthaftes fchleimiges Gewächs 
in der Naje oder am Herzen; der Schleimfad, Anat. häutige Behälter an 
manchen Flechfen, aus welchen eine ſchleimichte Feuchtigkeit, die Sehnenichmiere, 
abgefondert wird; die Schleimfäure, Scheidek. eine aus Pflanzenfchleim ge 
wonnene unvolllommene Säure; die Schleimfchlange, eine mit Schleim 
überzogene unſchädliche Runzelfchlange in Indien u. Südamerika; der Schleim- 
flaar, Heilk. Blindheit durch Anhäufung einer ſchleimichten Feuchtigkeit; der 
Schleimftein, eine Art weißlicher, ſchlüpfriger Steine; das Schleimthier, 
ſ. Weihthier; der Schleimwurm od. Schleimaal, eine Art großer, fchlü- 
pfriger Eingeweidewürmer der Fifhe, auch: Fiſchwurm; — Ableit. ſchlei— 
micht, Bw., fihleimähnlicy; fchleimig, Bw., Schleim enthaltend, od. 
erzeugend; fchleimen, Zw. 1) zielos m. haben, Schleim hervorbringen 
od. erzeugen (fchleimende Speifen 2c.); 2) ziel. von Schleime befreien, tei- 
nigen, f. v. mw. ab= od. entfchleimen (Schleien, Aale 2..—); ſich —, bair. 
f. zornig fein; fchleimeln, 3w., bair. f. nafchen. 
fchleißen, 3w., ablaut. Impf. ſchliſs, Conj. ſchliſſe, Mw. gefchliffen 
(andſch. unrichtig: ſchloſs, Tchlöffe, geichloffen), in zielender Bed. auch bloß 
umend. ſchleißte, geſchleißt, (altd. slizan, slizen, sleiz, geslizzen, oberd. 
ſchleißen, fchliß 2c., u. daneben das abgel. sleizan, sleizen, sleizte, oberd. 
ſchlaißen; beide in zielender Bed.; niederd. fliten, ftect (Atem; angelſ. slitan, 
engl. slit, isländ. u. ſchwed. slita, dän. slide; vgl. Schlitz, ſchlitzen; uripr. 
überh. fpalten, reißen), 1) ziellos m. fein, —**— f. reißen, ſich abnutzen 
(ein Kleid, ein Hemd ꝛc. ſchleißt, iſt geſchliſſen; vgl. ver-, zerſchleißen); ehem. 
auch f. vergehen, verfließen, von der Zeit; 2) ziel. reißend ſpalten od. ab: 
ziehen (Weiden, Kienholz; Federn—, d. i. die haarigen Theile von den Kie- 
len reißen; z. B. wir haben Federn gefchleißt od. gem. geichliffen; gefchliffene 
Federn); oberd. f. flreifen, ab⸗ od. ausftreifen (einen Darm—; aud) ziellos 
f. im Gehen den Boden ftreifen, ſchleppend gehen); ferner f. fchälen, ent= 
häuten, fchinden (einen Baum — , ein todtes Thier—); u. f. zerbrechen, 
zerftören, niederreißen, fchleifen (Mauern, Häufer); uneig. ehem. f. einen 
Ort verlaffen (das Land ſchleißen); und f. eine Zeit zubringen, zu Ende 
bringen (fein Leben ꝛc. —; niederd. fliten); — 3ies. der Schleißbaum od. 
die Schleißkiefer, -fohre, landſch. f. Kiendaum; die Schleißfeder, ftärkere 
Federn, welche zum Ausftopfen der Betten gefchleißt werden müflen, z. U. v. 
Flaumfedern; das Schleißholz, zu Schleifen brauchbares Holz, bef. Kien— 
Holz; die Schleißzwiebel, Winterzwiebel, weil fie ſich oben zu fpalten pflegt, 
auch Spaltzwiebel; — Ableit. die Schleiße, M. -n, gefchliffene Holzfpäne, 
(franz. Eclisse), bei. von Kienholz, auf dem Lande ftatt der Lichte od. Lampen 
dienend, Brenn-, Leuchtfpane; auch f. Zupfleinwand oder Wundfäden 
(fr. Charpie), und die dazu beftimmten leinenen Lappen; oberd. auch der un- 
brauchbare Kiel geichleißter Federn; landſch. eine Art grober Nudeln; der 
Schleißenfihniger, ein Meffer zum Schnigen der Schleifen od. Leuchtſpäne; 


der Schleißenftod, ein Stod, in welchen die Schleigen zum Leuchten geſteckt 


‚werden; — der Schleißer, -8, die Schleißerinn, M. -en, wer etwas 
ſchleißt, bei. in Zſetz. wie Federfchleißer zc.; ſchleißig, Bw., oberd. (au) 
ſchleiß) f. abgenust, abgetragen (von Leinwand u. bald; auch f. leicht zu 
ſchleißen od. zu fpalten (fchleigiges Holz). 


114 fhlemm — fchlengen 


fchlemm, ſchlemmig, Bw., ſchlemms od. fchlems, Nw. (f. Ihlimm), 
oberd. f. ſchief, ſchrägz abhängig; daher fchlemmen 1. ziellof. Zw., ſchweiz. 
f. in fchräger Richtung ab - oder einwärts laufen. 

fchlemmen 2. 3w., Schlemmfafs, -pinfel ꝛc. ſ. ſchlämmen ıc. unter 
Schlamm. 

fchlemmen 3. ziellof. Zw. (wahrfch. aus ſchlempen entft. von Schlamp, 
fchlampen, f. d. u. vgl. Schlamm 2.; niederd. flömen, hol. slemmen, slempen, 
ſchwed. slemma),, im Effen und Trinken höchſt unmäßig und üppig fein, 
bef. hinfichtlich der Menge des Genoffenen, finnv. ſchwelgen, praffen (ber 
Grobfinntiche Ihlemmt; der Wollüftige ſchwelgt; der reihe Verſchwender 
prafit); die Schlemm, oberd. f. Schmauferei; der Schlemmer, -$, 
die Schlemmerinn, wer fhlemmt; die Schlemmeret, das Schlemmen, 
die Unmäßigkeit u. Verfchwendung im Effen u. Trinken. 

Schlempe 1. w., M. -n, landſch. f. Schlinge, Schließe; das Schlemp- 
holz, verfchiedene Hölzer im Schiffbau; der Schlempklotz, Schiffb. f. 
Kielklotz. 

Schlempe 2. w., o. M. (vgl. Schlamp, Schlampe), landſch. der Abfall 
in Branntweinbrennereien; der Schlemps, im Osnabrück. eine ſchlechte 
Suppe. 

ſchlendern, zielof. Zw. m. fein und haben, (oberd. aud) ſchlentern, 
ſchlenzen; niederd. u. holl. slendern; vgl. das isländ. slen, Faulheit, slanni, 
ein träger, ſchlaffer Menſch; fchwed. slens, träge, müßig, slentra, müßig 
fein; hol. auch lenteren, daher franz. lanterner; vgl. das lat. lentus), lang- 
fam, gemächlich und nachläffig gehen, meift mit dem Nebenbegriffe der Träg- 
heit und Gedankenloſigkeit (er ift fort=, hingefchlendert zc.; er hat lange ge- 
fchlendert); der Schlender, -8, (niederd. Stender) 1) f. v. w. Schlender- 
gang, Schlendrian; 2) Landfch. eine Art langer, weiter, bequemer Frauen⸗— 
Eleider; der Schlendergang, ſchlendernder, nachläffiger Gang; uneig. f. v. w. 
der Schlendrian, -e8, M. -e ungebr. (niederd. Slenderjaan, d. i. ur 
fpr. [hlendernder Johann, daher auch f. müßig gehender, nachläffiger 
Menſch, vgl. Dummerjan, Grobianz; dann umgedeutet in die latein. Endung 
-janus, daher ſchon im 15. Sahrh.: Schlendrianus; fehwed. slenterjan), 
gem. f. das gedankenlofe Handeln nach hergebrachter Weife; be. der 
herkömmliche langſame Gefhäftsgang; jede Verfahrungsart nach alter, unver» 
befferter Gewohnheit (dem alten Schlendrian folgen; der Schlendrian des 
Rechtsganges 2c.). 

fhlengen, ziel. 3m. (mittelh. slengen, slancte; isländ. ſchwed. slengia; 
abgel. factitive Nebenform von fhlingen, ſchlang 2c.), alt und landſch. 
1) oberd. f. fehwingen, ſchwenken (z. B. Wäſche ausfhlengen); ſchwin— 
gend werfen, fehleudern, (ehem. bef. einen zur Strafe ins Wafler fchlengen, 
d. i. an einem Stricke Schnell ins Waſſer tauchen u. wieder herausziehen, eine 
Strafe der Bäder, die zu leichtes Brod baden); 2) niederd. ([lengen) f. 
winden, flechten; 3) (von Schlenge 2) mit einer Schlenge verfehen; die 
Schlenge, M. -n, 1) oberd. (die Schleng; altd. slenge) f. Schleuder 
(auch: die Schlenger, altd. slengira, slenger) ; 2) niederd. ein in das Waſſer 
gebautes Flechtwerk, eine Schlacht (4. B. Fluthſchlenge, als Damm ge— 
gen das Waffer zur Fluthzeit; Scherfhhlenge, in Geftalt einer Krebs— 
ſchere); daher das Schlengengeld, der Schlengenmeifter zc.; der Schlen- 





) 


| 
| 


ſchlenkern — fchleppen 115 


gel, -8, niederd. eine mit Löchern verfehene Schnur, durch welche eine an- 
dere gefchlungen wird, zum Zufchnüren dienend; ein einfaffender Rand der 
Brunnen-Öffnungen, Kellerlöcher u. Treppen 2c.; auch ein Eleines Wehr; der 
Schlenger od. Schlengerer, -$, (altd. slengari, slenger, u. slengirari, slen- 
gexaere), altoberd. f. Schleuderer. 

fchlenfern, 3w. 1) ziellos (oberd. ſchlenkeln, ſchlänkeln; von ſchlanken, 
ſchlank, ſ. d.) herabhangen u. fich ſchwankend hin und her bewegen, finnv. 
baumeln (die Arme fchlenkern laffen; auch: mit den Armen, mit den Füßen 
ſchlenkern); landſch. gem. auch f. fihlendern; oberd. von Dienftboten: aus 


einem Dienft in den andern treten, den Dienft wechfeln (daher: die 


Schlentermagd; der Schlenkler, die Schlenklerinn, austretender 
Dienftbote; die Schlenfelweile, die Zeit zwifchen dem Austreten aus 
einem Dienft u. dem Wiedereintritt in einen neuen); 2) ziel. (altd. slenkern; 
niederd. auch flingern, flunfern; verftärkte Nebenform von [hlengen), gem. 
f. f[hwingen, fchwingend werfen, fchleudern (etwas von fich ſchlenkern 2c.); 
der Schlenfer, —s, ehem. ein weites Kleidungsftüd, vgl. Schlender; 
Wafferb. ein langes, ſchwankes Holz zu Unterlegern auf Geftellen 2c.; oberd. 
(auch Schlenkerer) uneig. f. ein Fehler, Verſehen; die Schlenfer, M. -n 
(niederd. Slenker; vgl. Schlenge), vit. f. Schleuderz das Schlenferbein, 
der Schlenferfuß ꝛc., fchlenkerndes Bein zc., Schlotterbein zc.; daher fchlen- 
"Ferbeinig, =füßig, Bw.; die Schlenkerhede (f. Hede), landſch. f. Abfall 
beim Hanfhecheln; der Schlenkerfchlitten (niederd. Stenkerflede), ein Kleiner 
Schlitten, der, mit einem Strick an einen Pfahl befeftigt, im Kreife herum 
geſchlenkert wird. 
fhlenzen, 3w., oberd. 1. ziellos f. fehlendern, müßig gehen (ſhwed. 
slenta, niederd. auch ſchlunzen); daher der Schlenzer; die Schlenzerei ıc.; 
fchlenzig, Bw., ſchwäb. f. lahm; mager; heruntergefommen in der Klei- 
dung, im Vermögen; — fihlenzen 2. ziel. ſ. v. w. fchlengen: ſchleudern ıc., 
auch f. reißen (wohl aus ſchlengzen entjt.); daher der Schlenz od. Schlen- 
zer, ſchwäb. f. weggefchleuderter Nafenfchleim (bair. Schlenkterling), 
Rotz; Riſs in einem Kleide. 

fchleppen, 3w. (niederd. flepen; eig. die ins Hochd. aufgenommene niederd. 
Form f. Schleifen, fchleifte zc.; vgl. Lippe, Suppe, Wappen u. a. m.; 
holl. sleepen, isländ. sleppa, ſchwed. slaepa, dän. slebe) 1) ziellos m. haben, 
auf der Erde fchleifend nachgezogen werden (das Kleid, der Mantel fchleppt;z 
der Anker fchleppt, wenn er nicht eingreift, fondern von dem treibenden Schiffe 
fortgegogen wird); uneig. f. gedehnt und langweilig fein (eine fchleppende 
Spradye, Schreibart 2c.); 2) ziel. et was — ſchleifend hinter fich her zie— 
hen (ein Band, eine Kette, den Anker— ꝛc.), überh. etwas hinter fich her 


ziehen, fortziehen, gem. mit dem Nebenbegriff der Langjamkeit u. mühfamen 





Überwindung des Widerftandes (ein Schiff im Taue fchleppen; einen mit Ge- 
walt fortichleppen; die Pferde Eönnen den Wagen kaum jchleppen); daher gem. 
überh. f. ſchwere Laften fortfchaffen, fehtwer tragen (z. B. etwas auf dem 
Rüden ꝛc.); auch rüdz. ſich —, f. fi) mühfam fortbewegen; ſich mit 


etwas —, d. i. etwas Schweres u. uneig. etwas Läftiges od. Beichwerli- 


ches mit ſich herumtragen, od. überh. damit behaftet fein (z. 8. ſich mit 
einer Krankheit, mit einer läftigen Perſon u. dgl. —); — 3feg. der Schlepp- 
haken oder die Schleppflammer, Bergw. und Schiffb. eiferne Haken zum 


116 fchleppern — fchleunig 


Fortiehleppen von Zimmerholz 2c.; der Schleppfaften, Bergw. ein Kaften, 
worin Erz und Geftein aus den Stollen gefchleppt wird; die Schleppfette, 
eine Kette zum Fortfchleppen von Laften: das Schleppkleid, nachfchleppendes 
Kleid, Kleid mit einer Schleppe; das Schleppneß, ein Fiſchernetz, welches 
auf dem Grunde des Waffers Hinfchleppt; der Schleppriegel, an deutchen 
Kaflenfchlöffern der große Riegel, welcyer die übrigen in Bewegung fest; der- 
Schleppſack, Fiſch. f. v. w. Schleppnetz; uneig. gem. f. eine nachläffig und 
ſchmutzig gekleidete weibl. Perſon; auch f. liederliche Weibsperfon, Kebsweib; 
das Schleppfeil, der Schleppftrang, ein Seil od. Strang, an welhem man 
Laften fortfchleppt; das Schlepptau, Schiff. das Tau, mit welchem ein Boot 
od. beichädigtes Schiff an ein Fahrzeug befeftigt und von demfelben nachges 
fchleppt wird (ein Schiff ins Schlepptau nehmen); der Schlepptrog, Bergw. 
ein trogförmiger Schleppkaften; — Ableit. die Schleppe, M.-n, Verfl. 
das Schleppchen, (niederd. Steep, Stepe), was fihleppt, insbef. der Theil 
eines Kleides, Mantels ꝛc., welcher auf der Erde nachfchleppt (andſch. au: 
der Schlepp; einer Perfon die Schleppe tragen; daher der Schleppen= 
träger, die Schleppenträgerinn); ein Werkzeug zum Schleppen, 
daher niederd. f. Schleife, Eleiner Schlitten; Bergw. zwei Stangen, auf 
welchen der Schlepptrog fortgezegen wird; Papierm. |. v. w. der Schlitten; 
Yandfch. auch ſ. v. w. das oberd. Schlappe, Schläpplein: Haube, Kappe; 
der Schlepper, -$, die Schlepperinn, wer etwas fihleppt; der Schlep- 
per auch f. das Schlepptau; Landfch. auch f. die Schleppharfe, d. i. ein 
großer, Schwerer Rechen, der über das Feld gefchleppt wird, um die zerftreuten 
Ühren zufammen zu harken; die Schlepperei „verächtl. f. das San 
befchwerliche Tragen. 

ſchleppern, ziellof. Zw., oberd. f. fchlottern, Elappern. 

fchlettern, 3w., (vgl. Schlotte, ſchlötten), ſchwäb. f. etwas Flüffiges od. 
Feuchtes theilweife fallen laffen, verſchütten; nafchen. 

fchleudern, 3w. 1) ziel. (als Factitivum von fchlaudern, f. d.) etivas—, 
in fhwingende Bewegung feßen, bef. mit einem Schwunge werfen (einen 
Stein, Blige ꝛc. —), insbef. mit der Schleuder (f. u.) od. auch mit einem 
Wurfgeſchütze fortfehnellen; 2) ziellos m. haben f. das r. fchlaudern (4.8. 
eine Spule fchleudert; der Kaufmann fchleudert mit der Waare, r. fchlaudert; 
vol. auch verfchleudern); die Schleuder, M.-n (oberd. auh Schlau: 
der), überh. ein Schleuderwerkzeug, z. B. ein Wurfgefhüß bei den alten 
Römern; in engerer Bed. ein lederner Riemen, mittelft deffen Steine ıc. 
aus freier Hand gefchleudert werden; uneig. ein Riemen oder Band an der 
Senfe, womit diefelbe an den rechten Arm des Mähers befeftigt wird; Der 


Schleuderer, -8, wer fchleudertz bei. ehem. mit Schleudern bewaffnete 


Krieger; auch ſ. v. m. die Schleuderfchlange, eine Art dünner ſchlanker 
Schlangen in Ceylon; die Schleuderfcheibe, eine mit einem Haken verfehene 


Scheibe, um welche ein Seil geworfen wird, zum Heben von Laften; der 


Schleuderfchwanz, eine Art Eidechfen in Süd-Amerika; der Schleuderftein, 
ein Stein zum Schleudern. 
fchlewen, ziel. 3w., Zleifh. die Därme — (ausfhleuen), d. i. mit 
MWaffer ausfpülen (wahrſch. verderbt aus ſchläuchen von Schlau, ſ. d.). 
Ichleunig, Bw. u. Nw. (niederd. ſlünig; altd. sliumo, slüne als Nw., u. 
sliunec, slünic ald Bw.; auch sniumo, sniumic v. d. goth. snivan, eilen; 





EEE Zu 


— 11 








Schleufe — ſchlicht 717 


mittelh. sliänen, oberd. ſchleunen, ſchlaunen, ſ. d.), ſchnell von Statten ge— 
hend, raſch, geſchwind; beſ. ohne Aufſchub und Zeitverluſt, augenblicklich 
(ſchleunige Hülfe; einem ſchleunig Nachricht geben 2c.); ſchleunigen, ziel. Zw. 
(altd. slunigen), ſelten f. beeilen, betreiben, gew. beſchleunigen. 

Schleuſe, w., M. -n (wahrſch. aus dem mittl. lat. exclusa, sclusa entft., 
da es im Althochd. u. Oberd. fehlt; niederd. Stüfe, ſchwed. sluss, engl. sluice, 
holl. sluys; franz. ecluse), ein mittelft Fall- oder Flügelthüren am Ein- 
u. Ausgange verfchließbarer Kanalz auch ein durch Fall- od. Schußbretter 
verfchließbarer Querbau vor einem Waffer, welches mittelſt desfelben nad 
Belieben geftaut, od. abgelaffen werden Eann; landſch. auch f. verdeckter Ab— 
zugsgraben unter den Straßen der Städte; bei den Büchfenmachern: ein 
Theil der Ziehbanf, beftehend aus zwei ſenkrechten eifernen Säulen, zwiſchen 
denen fi in einem Falz zwei ftarke Blätter (die Schleufenblätter) be- 
finden; bei den Orgelbauern f. v. w. die Gieß- od. Zinnbrüde; — 3ſetz. 
der Schleufenbau, die Schleufenbaufunft ꝛc.; der Schleufendrempel, 
f. Drempel; der Schleufenfall, der Unterfchied der Wafferhöhe ober- u, unter: 
halb der Schteufe; das Schleufengeld od. der Sthleufenzoll, Geld zur Un- 
terhaltung einer Schleufe, von den durchfahrenden Schiffen entrichtet; die 
Schleufenfanımer, der Raum zwiſchen den beiden Schleufenthoren; der 
Schleufenmeifter, Aufſeher über eine Schleufe; der Schleufennagel, 17 Zoll 
lange Nägel zum Schleufenbau; der Schleufenräumer, Reiniger der Schleu- 
fen, landfch. bei. der Abzugs-Kanäle; das Schleufenthor oder die Schleu- 
fenthür ze. 

Schlich 1. m., -es, M. -e, (v. ſchleichen, f. d.z altd. slich), das Schlei- 
chen, der fchleichende Gang, die fanft gleitende Bewegung (z. B. ehem. 
der Schlangen, einer Quelle 2c.); gew. ein Schleichweg, verborgener Weg 
(3. B. alle Schliche in einem Walde kennen), u. beſ. uneig. eine verſteckte 
Handlungsweife, ein heimlicher Kunftgriff, gew. in der Mehrh. Schliche, 
finno. Kniffe, Ränke (z. B. Diebsihliche; hinter Jemands Schliche kom— 
men); landſch. auch die gefchite Handhabung einer Sache (die rechten 
Schliche willen). 

Schlich 2. m., -es, M.-e (altd. slich, oberd. Schleich, wie es eig. 
auch im Hochd. lauten follte; allein die niederd. Form hat fi in der Berg: 
werksſpr. feftgefegt; niederd. Slick, holl. slyck; vergl. das engl. sleek, slick, 
glatt, weich; wahrſch. v. ſchleichen f. gleiten: vergl. das oberd. zerfchlei- 
chen f. zerfliegen, ſchmelzen), urſpr. überh. weicher, fetter Schlamm; jest 
insbef. ein Elein gepochter od. gepülverter und mit Waffer gemifchter Kör- 
per, 3. B. der beim Schleifen vom Schleifftein abgehende mit Waſſer ver- 
mifchte feine Sand; be. Hüttenw. das Klein gepochte, gewafchene Erz; da— 
her das Schlichfafs, der Schlichkaften, -kübel, Gefäße im Hüttenw. 
ſchlicht, Bw. (—ſchlecht, ſ. d.5 goth. slaihts, altd. sleht, oberd. 
Schlecht, nicht ſchlicht, niederd. fligt; aus diefer nicderd. Form od. dem 
Zw. ſchlichten ſcheint das hochd. ſchlicht genommen zu fein, feit die nach— 
theilige Bed. des ſchlecht vorherrfchend wurde; die Wurzel ift slih, glatt, 
gleitend; vgl. fchleichen und Schlich 2), glatt, eben (fchlichte Haare, entg. 
lodige, gekräufelte; ein Schlichter Zeug, der Eeine Falten zc. hat); gerade, ein— 
fah, ungekünftelt, natürlich (ſchlichte Kleidung; ein ſchlichter Mann; der 
ſchlichte Menfchenverftand); — 3fesg. der Schlichtbutt, f. v. w. Glattbutt 


BB Schlick 


(f. Butte unter butt); die Schlicht-Ente, der Sägeſchnäbler; ſchlichthaa⸗ 


rig, Bw., ſchlichte Haare habend; ſchlichthin, Nw., gem. ſchlechthin, ſ. d.; 
das Schlichtſchwein, ein glattes Schwein, Küchenſchwein; — Ableit. 
ſchlichten, ziel. Zw. (altd. slihtan, slihten, v. sleht, ſchlecht gebildet, wie 
richten von recht; niederd. ſligten), 1) eig. glatt, eben, gerade machen, 
finnv. glätten, ebenen (z. B. die Haare—, glatt ftreihen; Gerb. Felle—, 
glatt ſchaben; Schloff. die Arbeit—, d. i. völlig glatt feilen; b. den Zinn— 
gießern: etwas Gegoffenes—, d. is völlig glatt abdrehen; Zimmerholz, ein 
Brett 2..—, eben und glatt hauen oder hobeln; Web. den Aufzug fchlichten, 
d. i. mit Schlidhte (ſ. u.) beſchmieren u. dadurd glatt u. fteif machen; das 
Krumme—; das Glas—, d. i. die gebogenen Scheiben ebenen); auch f. in 
Drdnung legen, gerade auffhichten (gehadtes Holz, Mauerfteine ꝛc.); nie 
derd. auch f. fchleifen, niederreißen, dem Boden gleich machen (engl. slight); 
2) uneig. etwas ing Gleiche bringen (eine verwictelte Sache), beilegen, bef. 
durch einen Vergleich (einen Streit, Handel 2c.); daher der Schlichter, -8, 
die Schlichterinn, wer etwas fchlichtet, d. i. bef. in Ordnung legt, ins 
Gleiche bringt od. beilegt; die Schlichfung, das Schlichten, def. die Aus- 
Hleihung, Beilegung (4. B. eines Streites); 3ſetz. v. fchlichten: die 
Schlichtaxt od. das Schlichtbeil, ein breites, dünnes Beil mit Eurgem Stiele 
zum Schlichten des Zimmerholzes; das Schlichteifen, ein Dreheifen der Stell- 
macher; die Schlichtfeile, feine Zeile zum Glattfeilen; der Schlihthammer, 
Klempn. ein hölgerner Hammer mit glatter Bahn zum Ebnen des Bleches; der 
Schlichthobel, Tiſchl. ein Hobel mit gerader Klinge zum Glatthobeln oder 
Schlichten; der Schlichtmeißel, Drechsl. ein Drehmeißel mit feiner Schneide 
zum Feindrehen; der Schlichtmond, ein fcheibenformiges Schabeifen der 
Gerber; der Schlichtpinfel, Mal. ein Pinſel zum Vertreiben u. Verwaſchen 
der Farbe; der Schlichtrahmen, Gerb. ein Kahmen od. Gerüft, worauf das 
zu ſchlichtende Fell befeftigt wird; der Schlichtftahl, ein ftählerner Dreh- 
meißel der Beins und Horndrechsler; — die Schlichte, 1) G. ſchlichten; 
oberd. die Schlicht), die aus Mehl und Fett gekochte Schmiere des 
Webers zum Schlichten des Aufzugs; auch ein ähnlicher Brei der Stückgießer; 
oberd. auch der Platz, wo Holz aufgefchlichtet wird GBolzſchlicht); 2) 
(0. ſchlicht; altd. slihti, slihte) vit. f. die Ebenheit, Geradheit, Ebene, 
Fläche; die Schlichtheit, das Schlichtfein, die Glätte oder Geradheit; 
gew. f. Einfachheit, Kunftlofigkeit; fchlichtig, Bw., ſ. v. w. fchlicht, glatt, 
eben (im Deichbau); oberd. f. ſchmierig; daher die Schlichtigkeit. 

Schlick 1., m., -es, M. (felten) -e, 1) niederd. f. Schlich 2., fetter 
Schlamm, insbef. das vom Schleifftein Ablaufende; die Schmiere an Spinn- 
rädern; 2) oberd. f. Haarzopf, Flachsbüſchel; landſch. auch f. Binde, 
Strict; — 3fes. der Schlidbalfen, Wafferb. Auerbalken unter den Schleu- 
fen; der Schlidboden, niederd. f. Schlammboden; der Schlidfall, das 
Fallen des Schlickes; der Schlidfänger, Waflerb. ein Feiner Damm zum 
Auffangen des Schlictes zur Zeit der Fluth; der Schlidgrund, fetter Schlamm: 
grund; der Schlickkrapfen od. das Schlidfräpfchen, Küch. eine Art Kra— 
pfen (f. Krapf 2.) mit Hein gehadtem weichem Füllſel; das Schlidland, aus 
dem vom Waffer abgefegten Schlick entftandenes Land; der Schlidpflug, ein 
Werkzeug zum Aufwühlen des Schlids auf dem Grunde des Waffers; die 
Schlickrolle, Sumpfrolle, eine Art Rollenſchnecken; die Schlickweide, Pfir- 








ſchlicken — fchließen 719 


ſichweide; der Schlickzaun, ein Zaun außerhalb eines Deiches zum Auffangen 
des fallenden Schlickes; — ſchlicken 1., zielloſ. Zw. m. haben, (vielleicht 
als felbftändiges Schallwort zu betrachten; vgl. Schlad, ſchlackern), landſch. 
gem. von Klüffigkeiten: an einen feften Körper angefprigt werden oder an— 
fpülen; ſchlickern 1. ziellof. 3w. 1) m. haben, das verftärkte fchliden; 
2) m. fein, niederd. f. ſchlüpfen, durchwiſchen; ferner: zu Schlick wer- 
den, bef. von der Milch: gerinnen, Eafig werden; daher: gefchliderte 
Milch, auch Schlidermildy, landſch. f. geronnene Mich; die Schlider- 
gans, f. v. w. Schladergans, wilde Gans; fchliderig, Bw., niederd. f. 
fhlammig, Eothig; fehlüpftig. 

ſchlicken od. fchlidern 2. ziellof. u. ziel. Zw. (mittelhochd. u. holl. slicken, 
ſchwed. slicka; vgl. ſchlucken, ſchlecken), landſch. gem. f. ſchlucken, fchlingen 
(daher: ſchlick, ſchlick! oberd. Lockruf für Enten); fchleden, leden, na— 
ſchen; fhlidern auch f. ſchlürfen; der Schlid 2., -es, M.-e, vlt. 
1) f. Schluck, Schlucken, Schluchzen; 2) f. v. w. der Schlider, Schlu— 
der, Schlemmer (altd. slic und slickaere); landſch. f. die Ente (oberd. das 
Schlickelein); die Schliderei, Schlickerkoſt, das Schlickerzeug, niederd. 
f. Schlederei, Näfcherei ꝛc.; das Schlickermaul, die Schlickertaſche, der 
en f. Leckermaul, nafchhafte Perfon. 

Schlickenthaler, m., eine Art Thaler, welche die Grafen von Schlid 
im 16. Iahrh. zu Joachimsthal in Böhmen prägen ließen. 

fchliddern, Zw. ſ. ſchlittern; — Schlief, m., fchliefig, Bw., ſ. Schliff. 

fchliefen, ziellof. 3w. m. fein, ablaut. du fchliefft, er fchlieft, Imper. 
fchliefe (alt auch: fchleufft, ſchleuft, fchleuf); Impf. fchloff, Conj. ſchlöffe; 
Mw. gefchloffen, (goth. sliupan; althochd. slioffan, ih sliuffu; ih slouf, wir 
slufun; gisloffan; mittelh. sliefen, ich sliufe; slouf, sluffen; gesloffen; 
oberd. fchlieffen, ſchluff u. Schlieffet, geſchloffen; niederd. flipen, flupen ; angelf. 
sleopan, slypan, engl. slip, ſchwed. slipa, slippa; von gleicher Wurzel mit 
ſchleifen; vgl. die abgel. ſchlaufen und ſchlüpfen), alt u. oberd.: fich 
Eriechend od. gleitend bewegen, ohne den Nebenbegriff der Schnelligkeit, wel- 
cher in fehlüpfen liegt (in ein Loch, aus dem Ei, in ein Kleid, od. aus einem 
Kleide —); ſchwäb. auch: Leicht vor fich gehen, von Statten gehen; ber 
Schlieffäfer,, landſch. f. Mehlkäfer; der Schliefwinkel, oberd. f. Schlupf: 
winkel; der Schliefer, -8, wer fchlieft, 3.8. Jäg. Dahsichliefer f. 
Dachshunde, weil fie in die Dachsröhren fchliefen ; auch dag, worein man fchlieft, 
oberd. f. Muff. 

Schlier, m. u. f., -es, M. -e, (vgl. das engl. slur, Sieden, u. als Zw. 
beflecken, befudeln) 1) oberd. f. Schlamm, Lehm, Mergel daher Schlier- 
grube f. Meraelgrube); 2) der Schlier, ehem. f. Schwären, Gefhmür, 
Eiterbeule, bef. an den Schamtheilen od. unter den Achſeln; — fihlieren, 
ziel. 3w. 1) oberd. mit Schlamm überziehen, verunteinigen (auch: be 
ſchlierem); insbef. öfte. mit Mergel düngen (ein Fed —); ſchwäb. mit 
Lehm, worunter Stroh gemifcht, belegen oder ausfüllen (ein Dach, eine 
Wand zc.; daher das Schlierdach 2c.): 2) niederd. (Tliren) f. ſchlecken, 
nafchen, Süßes fehlürfen (vgl. das ſchwäb. Schleer f. Mund; Gefhlier 
f. Naſchwerk; geſchlierig f. nafchhaft); 3) Landfch. f. fehlingen; fich—, 
f. ſich verfchlingen zu einem Knoten. 

ſchließen 1., 3w. ablaut. du fchließeft, er fchließt, Imper. ſchließe (alt u. 


120 fchließen 


dicht. ſchleußeſt, ſchleußt, ſchleuß); Impf. ſchloſs, Conj. ſchlöſſe; Mw. ah 


fhloffen (althochd. sliozan, ih sliuzu; slöz, wir sluzen; gislozan; mittelh. 


sliezen, ich sliuze, slöz, sluzzen, geslozzen; oberd. fchließen und fchleußenz 


niederd. fluten, holl. sluyten, ſchwed. sluta; vgi. das lat. claudere, cludere; 
gricch. zA8is, zAsıd-05; zielo, zAnio, 24.160), 1) ziel. a) was offen ift zu= 
machen, entg. öffnen, (die Hand—; die Augen— , aud) f. einichlafen, fter- 
ben;. einen Winkel, einen Bogen z..—); in beftimmterer Bed. behufs der 
Verwahrung zumachen (Fenſter; Thüren, Stadtthore 2c.; auch das Haus, 
die Kirche, die Stadt—, d. i. durch Zumachen der Thüren zc. verwahren); in 
noch engerer Bed. mittelft eines Schloffes zumachen, zufchließen, verſchlie— 
Ben (die Thür, das Haus—), oder befeftigen, feffeln (einen Verbrecher an 
die Kette, od. in Ketten—, d. i. ihm Ketten anlegen, die mit einem Schloffe 
verfehen find); b) dicht zufammenfügen, eng verbinden, nahe zufammen- 
rüden od. drängen (die Hände in einander— ; Jemand in feine Arme, an 
fein Herz —, d. i. ihn mit den Armen umfaffen und an fich drüden; einen 
Kreis—, d. i. im Kreife dicht zufammentreten; fo auch geſchloſſene 
Reihen od. Glieder eines Kriegsheeres); daher auch: von allen Seiten 
umgeben, abgrenzen, umfchließen, abfchließen, und dadurch einfchränfen 
und abfondern (ein gefchloffenes Land, d. i. ein ficher begrenztes; eine ge: 
fchloffene Jagd, deren Bezirk mit Zeug umftellt iftz ein gefchloffenes Ganzes, 
d. i. ein genau abgegrenztes; uneig. eine geſchloſſene Geſellſchaft, d. i— 
eine auf eine beftimmte Anzahl von Mitgliedern eingefchränkte; To auch: ein 
geichloffenes Handwerk; die gefchlojfene Zeit, d. i. bie Faftenzeit in der 
röm. Kiche); etwas in ſich —, f. v. w. in ſich faſſen, enthalten (ein 
Wort ſchließt den Begriff eines anderen in fi); c) uneig. eine Verbindung 
eingehen, eine Vereinigung zu Stande bringen (einen Vergleich, Handel, 
Kauf, ein Bündniſs, eine Ehe, Frieden, Freundfchaft zc. ſchließen; ſprichw. 
Ehen werden im Himmel geichloffen); d) zu Ende bringen, endigen, vgl. 
abfchließen, befchliegen (4. B. eine Rede, einen Brief, die Rechnung 2c.; fein 
Leben fließen, d. i. fterben); e) aus einer Wahrnehmung od. Erfenntnifs 
ein Urtheil, einen Schlufs (ſ. d.) ziehen, finnv. folgern (3. B. ich fchließe 
dies aus feinem Benehmen; aus feiner Unruhe ſchloſs ich, dafs 2c.; auch ohne 
Zielwort: auf etwas ſchließen, von einem auf das andere fchließen; falich, 
rihtig— 20.); insbeſ. in der Denklehre: aus zwei Vorderfügen od. Urthei— 
len einen dritten Satz ald nothwendiges Endurtheil herleiten, einen 
Schluſs machen; 2) rüdz. ſich —, zugemacht od. gefchloffen werden, zu— 
gehen, ſich dicht zufammenziehen od. »fügen (die Pforte ſchloſs ſich; eine 
‚Muschel, eine Wunde fchließt fich; die Augen, die Blumen fchließen ſich 2c.); 
zu Ende kommen, enden (das Jahr ſchließt fih); 3) zielloes m. haben, 
eine Offnung genau ausfüllen, deden od. umgeben (eine Thür, Klappe ꝛc. 
ſchließt gut 2c.); in engerer Bed. in das Schlofs paffen u. dasfelbe öffnen 
(diefer Schlüffel ſchließt nicht) ; feft angefügt fein (dev Reiter [hlieft, wenn 
er die Schenkel feft andrüdt; daher: geichloffen reiten); fein Ende er- 
reihen, enden (hier fchließt der Brief; fo ſchloſs er 2e.); — fe. ber 
Schließanker, ein vieretiger Anker zum Zufammenhalten ſchadhafter Feuer 
mauern; der Schließbaum, ein Baum, durch welchen der Eingang in einen 
Hafen ꝛtc. verichloffen wird; die Schließfeder, eine zum Verfchließen dienende 
Stahlfeder, z. B. an dem Zifferblatt einer Taſchenuhr; der. Schließhahn, 











ſchließen — ſchlimm 721 


ein mittelft eines Schlüffels drehbarer Hahn an Bier- und Weinfäffern; der 

Schließhaken, Schloff. ein eiferner Haken, welcher in die Falle des Schloffes 
eingreift; die Schließfette, eine Kette, mittelft deren etwas verfchloffen wird; 
das Schließfraut od. der Schließkohl, Landich. f. Weißkohl, deſſen Blätter 
ſich in einen Kopf ſchließen; der Schließmusfel, Anat. ein ringförmiger Mus- 
kel, welcher etwas verfchließt; der Schließnagel, ein eiferner Nagel zum Ver- 
fliegen großer Riegel an Thoren; Buchdr. ein eiferner Stab zum Anziehen 
der Schrauben u. Verfchließen der Korm; die Schließfüge, Tiſchl. eine Hand— 
füge mit nicht ftark gefchränkten Zähnen zum Sägen folder Stüde, die genau 
fchliegen oder anpaffen ſollen; der Schließfalat, landſch. f. Kopffalat (vgl. 
Schließkraut); — Ableit. fchließbar, Bw., was gefchloffen werden kann; 
die Schließe, M. -n, was dazu dient, etwas zu fchließen, zu befeftigen 
od. zu verbinden, insbeſ. ein gebogenes Blech zur Befeftigung eines Bolzens 
(niederd. Splint); Scloff. eine gerade Stange, welche in Gatterwerfen 
zwei Schnörkel zufammenhält; auch f. Schließanfer; Schlöffer od. Klam- 
mern an Büchern; Schugbrett einer Schleufe;z der Schließer, —s, die 
Schließerinn, M. -en, wer etwas ſchließt od. in Verfchlufg hat, insbef. 
f. Gefangenwärter; Haushälter, Haushälterinn; daher das Schließer- 
amt; die Schließerei, Landich. f. das Gefängnifs; ſchließlich, Rw. und 
Bw., zum Beſchluſs, den Befchlufs machend; entfcheidend, beftimmt 
und bleibend (fr. definitiv); die Schließung, das Schließen (4. B. des 
Thores, eines Vertrages zc.). 

Schließen 2. ziel. 3w. ablaut. wie fchliegen 1., landſch. un. f. fchleißen, 
ſ. d. (Federn fchließen; gefchloffene Federn f. gefchliffene; Schließfeber f. 
Schleißfeder zc.). 

Schliff, m., -e3, M. -e (von fchleifen 1.), 1) gem. f. das Schleifen, 
bef. ein einzelner Anfag beim Schleifen; die Gefchliffenbeit, die Art und 
Weiſe, wie etwas gefchliffen ift (z. B. das Meffer hat einen ſchönen Schiff); 
das Gefchliffene: oberd. f. ſcharf gefchliffene Spige oder Schneide; ge- 
fchliffene Rautenflähe (fr. Facette); auch f. das Schleiffel; 2) Landfch. 
auch der Schlief, glatte, fpedige od. teigige Stellen in Gebäden, Mehl- 
fpeifen, Kartoffeln ꝛtc.; fchliffig od. fchliefig, Bw. 1) oberd. (auch geſchlif— 
fig, ſchlifferig) f. glatt, fchlüpfrig; feimig; 2) insbeſ. Schlief habend, 
nicht ausgebaden (brandenb. ſchliepig). 

Schliffel, m., ſ. Schlüffel. 

ſchlimm, Bw. (mittelhochd. slim; niederd. fiimm, holl. slim; poln. sli; 
vergl. ſchlemm; vielleicht von gleicher Wurzel mit Schleie, Schleim ꝛc.; alfo 
urjpr. gejchmeidig, dann gebogen, Erumm zc.; vgl. das lat. limus), 1) alt u. 
noch landſch. f. ſchief, ſchräg, krumm, verkehrt (4. B. ein Schlimmer Hals 
f. ein fchiefer; ſchlimm fchreiben, d. i. ſchief); 2) erft in der neueren Sprache: 
von nicht gehöriger Befchaffenheit, dem Zwecke nicht entfprechend, nicht 
nach Wunſch, finnv. fchlecht, böfe, übel, arg, entg. gut, immer mit perfönlicher 
Beziehung und dem Nebenbegriff des Nachthileigen, Schädlichen, wodurch fich 
ſchlimm namentlic) von ſchlecht unterfcheidet (4. B. dit Sache fteht ſchlimm 
für ihn; es fteht Schlimm mit ihm, es geht ihm ſchlimm; ein Schlimmer Umftand, 

Weg ꝛc.; ſchlimmes Wetter, fchlimme Zeiten; im fchlimmften Falle, od. fchlimm- 
ften Falls 2e.); insbeſ. f. krank, fchadhaft, finnv. böfe (3. B. ein fchlimmer Fin- 
ger; ein jchlimmer Kopf, d. i. ein ausgefchlagener); unwohl, bei. zum Erbrechen 


Heyfe's Handwörterb. d. deutichen Spr. 2. Theil. 46 


722 Schlinde — ſchlingen 


geneigt, übel (mir wird od. iſt ſchlimm nach der Speiſe; auch: es wurde mir 
ſchlimm dabei zu Muthe); in ſittlichem Verſtande: geneigt zu ſchaden, ſchäd— 
lich, gefährlich, ſinnv. böſe, arg (ein ſchlimmer Hund, Feind 2c.); gem. auch f. 
jtreng, ſcharf u. genau (ein ſchlimmer Herr); niederd. f. verfchlagen, argliftig, 
ſchlau, Elug; fcehlimmern, Zw. (niederd. flimmern), landſch. 1) ziellos f. 
ſchlimmer werden (4. 8. der Kranke ſchlimmert): 2) ziel. f. fehlimmer ma- 
hen, gew. verfcehlimmern; die Schlimmheit, vit. f. das Krummfein;z 
Ihlimms, Nw. (auch [hlemms), oberd. f. fchief. 

Schlinde, w., M.-n, od. der Schlindbaum, (altd. slintboum), oberd. 
f. Schlingbaum ; ſchlinden, Bw., f. vom Schlingbaum. 

Ichlinden, ziellof. u. ziel. 3w. ablaut. Impf. fehland (oberd. ſchlund), Conj. 
ſchlünde; Mw. geſchlunden, (althochd. slintan, slant, gisluntan; mittelh. 
slinden, slant, geslunden; daher: der Schlund), alt u. oberd. f. fchlingen 2., 
fchluden, verfchlingen. 


ſchlindern, ziellof. Zw., niederd. (ſlindern) f. ſchlittern, fchleifen, glitfchen. | 


Schlingbaum, Schlinge, f. unter ſchlingen 1. 

Schlingel, m., -$, M. mw. E. (wahrſch. von ſchlingen im Sinne des 
oberd. Ihlanfen, fchlaff und müßig fein; oberd. Schlank, Schlänkeh, 
gem. Schimpfiw. für einen höchft faulen, plumpen u. ungefitteten Men- 
Then; fehlingelhaft, Bw., einem Schlingel angemeffen; fehlingeln, ziel- 
10]. Zw., fich wie ein Schlingel betragen, in fe. wie: herumſchlingeln; 
die Schlingelei, das Betragen eines Schlingels; eine einzelne fchlingel- 
hafte Handlung (M. Schlingeleien). 

ſchlingen 1.3. ablaut. Smpf. ſchlang (oberd. auch ſchlung), Conj. ſchlänge; 
Mw. gefchlungen, (altd. slingan, slingen, slanc, slungen, geslungen; nie— 
derd. flingen, flunk, flungen; auch ſlengen; ſchwed. slinga) bezeichnet überh. 
Bewegung in Krümmungen, finnv. winden, 1) als ziellof. 3w. m. fein, 
ehem. f. gleiten, fchleichen, von der Schlange, versch. Eriechen, (angelf. slincan); 
2) rücz. fih—, fih in Windungen ausdehnen od. bewegen (Rankenge- 
wächſe, wie Bohnen, Hopfen 2c., chlingen fi) um u. an Bäume, Stangen ꝛc.; 
der Bach, der Weg fchlingt fich durch das Thal 2c.); 3) ziel. et was —, in 
Bogenlinien Erimmen od. bewegen, finnv. winden, flechten, (die Arme in 


einander—; einen Kranz ins Haar —; Tänze — 2c.); in engerer Bed. mit 


einer Schlinge (ſ. u.) verfehen u. befeftigen (bef. in Ifes. wie durch =, ein- 
ſchlingen 2c.); alt u. oberd. auch f. fihwingen, ſchwenken, werfen, fehleu- 
dern (f. v. w. ſchlengen; niederd. flingern; isländ. slöngva, angelj. slingan, 
engl. sling); — 3feg. der Schlingbaum, 1) ein Strauchgewächs mit wei- 
Ben Blüthen, fehwarzen Beeren, welche von den Vögeln gefucht werden, und 
weichem, biegfamem, markigem Holz, welches zu Bändern, Fafsbinderarbeiten, 
- Pfeifenröhren ze. dient, auh Schlinge, Schlung:, Schlindbaum, 
Mehlbeerbaum, Windbaum, Waldrebe, Bandftrauch, Scherpe od. Scherpfe ze. 
genannt; 2) der Gerberbaum (fr. Sumach); der Schlingfaden, dünne, fa 
denähnliche Ranke; das Schlingfrauf, ein fich auf dem Boden windendes, 
an andere Dinge anfchlingendes Gewächs; der Schlingwurm, landſch. f. die 
Maulwurfsgrille ; — Ableit. die Schlinge, M. -n, was fich fchlingt od. 
windet: eine dünne Ranke von Wien, Erbfen ꝛc.; was gefchlungen ift: 

ein gefchlungenes Band, gefchlungene Haare u. dal. , bef. um etwas damit 
zu befeftigen, od. ein Thier, einen Vogel 2c. darin zu fangen, finnv. Schleife, 











fchlingen — Schlitten 123 


Maſche, (Schlingen legen, in die Schlinge gerathen, fich in der Schlinge 
fangen ꝛc.; uneig. einem Schlingen legen, f. ihm nachftellen; den Kopf aus 
der Schlinge ziehen, f. der bereiteten Gefahr geſchickt entgehen); landſch. auch 
f. der Schlingbaum; alt u. oberd. f. bie Schleuder (altd. slinga, engl. sling); 
der Schlinger, -8 (altd. slingari), ehem. f. Schleuderer; fehlingig, Bw. 
(auch gefhlingig) oberd. f. ſchlank; die Schlingung, das Schlingen, 
die Windung; — fihlingern, Zw. niederd. (flingern) f. fchlängeln; fchleu- 
dern, ſchlenkern; Schiff. bei hohler See hin und her ſchwanken; der Schlin- 
gerfchlag, niederd. f. eine behende, Eünftliche Wendung oder Bewegung 3. B. 
des Tafchenfpielers; überh. eine geſchickte Wendung, ein liftiger Streich. 

ſchlingen 2. ziellof. u. ziel. Zw., ablaut. wie ſchlingen 1. (oberd. fchlingen 
ir. ſchlinden, auch fchlinken; niederd. flingen; fehlt in der alten Sprache und 
fcheint durch Entftellung aus dem altd. slintan, slinden, oberd. [linden 
entftanden zu fein), etwas durch den Schlund in den Magen bringen, ſ. v. 
w. fhluden (z. B. er kann nicht ſchlingen 2c.J, gew. mit dem Nebenbegriff 
der Heftigkeit, Gierigkeit und der großen Maffe der verfchlucten Biffen 
(die Speifen ungekaut hinunterfchlingen) ; uneig. gleichfam gierig in ſich auf- 
nehmen (der Abgrund fehlang fie in fih); der Schlingrabe, Sceerabe, wel- 
cher ganze Fifche verfchlingt; die Schlingfucht, niederd. f. Heißhunger, Freſs— 
ſucht; der Schlinger, -8, mer fchlingt. 

ſchlinkſchlanken, ziellof. Zw. (1. ſchlanken; oberd. auch ſchlinken— 
ſchlanken, ſchlinkenſchlagen; niederd. ſlinkfüßen), gem. f. nachläſſig und 
müßig umhergehen, faulenzen; der Schlinffchlanf, -es, M. -e, gem. f. 
nachläffiger Menfh, Müßiggänger, Faulenzer. 

ſchlipfen u. fchlipfern, fchlippen u. fehlippern, (ftippen, flipen, ftipern), 
niederd. Zw. (altd. sliphan, slipfan, slipfen; ſchwed. slippa, engl. slip) f. glei- 
ten, glitſchen, fchlüpfen; daher der Schlipf, alt u. oberd. f. das Ausglei- 
ten; eine glatte Fläche; fchweiz. eine hinabgleitende (ſich nicht überwer- 
fende) Erd- u. bef. Schneemaffe (verfch. Lawine); die Schlippe 1., M. -n, 
niederd. enger Weg od. Raum zwifchen zwei Häufern, Brandgaffe (Keuer- 
ſchlippe); die Vertiefung in der Schürze beim Sigen, auch überh. f. 
Schürze (eine Schlippe voll Äpfel 2c.). 

Schlippe 2. w., M. -n, od. der Schlipp, -e3, M. -e, (von fchleppen), 
niederd. f. Schleppe, Zipfel am Kleide. 

ſchlippern, ziellof. Zw. 1) niederd. (flipern) ſ. v. w. ſchlippen, fehlipfen 
(1. d.); 2) landfch. f. ſchlickern; daher die Schlippermilch, ſ. v. w. Schli- 
ckermilch. 

Schlitten, m., -8, M. m. E.; Verkl. das Schlittchen, (altd. slito, slite, 
G. slitin, sliten; niederd. Slede, Slee, Slie; isländ. slede, ſchwed. slaeda, 
engl. sled, sledge; v. angelſ. slidan, engl. slide, gleiten), ein Fuhrwerk, 
welches, auf zwei vorn gekrümmten Balken (Kufen) ruhend, auf dem 
Schnee od. Eiſe ſchnell fortgleitet (ein Bauern, Rennſchlitten zc.; auf dem 
Schlitten od. zu Schlitten fahren, auch bloß: Schlitten fahren); uneig. ein 
fhlittenähnliches Gerüſt, auf welchem in Schneidemühlen der Sägeblod der 
Säge entgegengeführt wird (der Wagen), auch unter dem Böden eines 
Schiffes, um es vom Stapel laufen zu laſſen; Papierm. ein mit Wollen: 
tuch überzogenes Brett, welches auf die noch naflen Papierbogen gelegt wird 
(die Schleppe); — Z3ſetz. die Schlittenbahn, ein mit Schlitten zu bes 


46* 


124 Schlitz — ſchlofen 


fahrender Weg; der Schlittenbaum, ſ. v. w. die Schlittenkufe (ſ. Kufe 2), 
oberd. der Schlittenlauf, M. Schlittenläufe; die Schlittenfahrt, Fahrt 
zu Schlitten, beſ. zur Luft; das Schlittengeläute, Schellengeläut an Schlit- 
ten u. Schlittenpferden; der Schlittenfaften, Sigkaften eines Rennfchlittens: 
das Schlittenpferd; die Schlittenwelle, in Schneidemühten die Welle, 
welche den Schlitten (f. 0.) der Säge entgegenftihrt; das Schlittenzeug ec.; — 
Ableit. fchlitten, Zw., alt u. landſch. bef. ſchweiz. (auch ſchlitteln, ſchlitt— 
nen), 1) ziellos f. zu Schlitten fahren; 2) ziel. auf einem Schlitten füh— 
ven (Waaren 2c.); der Schlittener od. Schlittner, -8, landſch. f. Schlit- 
tenfahrer ; der Schlittfehuh (von Tchlitten f. gleiten; weniger gut: 
Schrittſchuh), in Holz befeftigte, Kleine ftählerne Schlittenkufen, welche 
man mit Riemen unter die Füße jchnallt, um auf dem Eiſe ſchnell fortzualeiten 
(auf Schlittfchuhen fahren od. laufen; gew. ſchlechtweg: Schlittfhuh lau- 
fen); daher das Schlittfchuhlaufen; der Schlittfchuhläufer od. fahrer; — 
fchlittern, zielof. 3w. m. haben, niederd. (gew. ſchliddern, auch ſchlin— 
dern) f. auf dem Eife zur Luft gleiten, glitfehen, oberd. ſchleifen; daher 
die Schlitterbahn, Gleitbahn. 

Schlis, m., -e8, M. -e: Verkt. das Schlischen, (altd. sliz, ©. slitzes; 
angelf. slite, engl. slit; — verhält fich zu slizan, ſchleißen (f. d.) eben fo, 
wie Riß zu rizan, reifen), eig. eine durch Schleißen od. Spalten ent- 
ftandene Offnung, ein Spalt (zZ. B. oberd. der Spalt einer Schreibfeder): 
gew. eine durch einen fcharfen, fehnellen Schnitt in einen weichen, bieg- 
famen Körper gemachte lange, ſchmale Offnung mit glatten Rändern, verſch. 
Riſs (z. B. einem Thiere einen Schlig in den Bauch, in das Ohr ꝛc. machen); 
bei. Ahnliche Offnungen in Kleidungsftüden (. B. der Schlig im Hemde 
vor der Bruft, an Weiberröcen 2c.): in weiterer Bed. überh. f. Einfchnitt, 
Kerbe (Bergw. Geſchlitz) insbe. Bauf. eine fchmale Vertiefung im Balken⸗ 
Eopfe (ogl. Dreifchlis); Anat. verfchiedene Schmale Öffnungen, 3. B. der 
Schlitz für die Speiferöhre; fchlißen, ziel. 3w., etwas — einen Schlitz 
darin machen, aufreißen, fpalten (3. B. oberd. eine Feder —); gew. mit 
einem fcharfen Meffer der Länge. nach ein= od. auffchneiden (den Bauch, 
einem Pferde die Ohren —, einen Fiich fchlisen 2c.); Zifchl. durch Einfügung 


von Zapfen in Schlige rechtwinklig verbinden; Zfes. das Schligeifen, an 


den Stühlen der Sammetweber eine Mefferklinge zum Auffchligen der Fäden 
der Kette; das Schlißfenfter, eine ſchmale, Lange Fenſteröffnung; der Schli- 
‚graben, ein Eleiner, ſchmaler Graben, bef. in der Kriegsb.; das Schlitzmeſſer, 
f. v. w. Rigmeffer (fr. Lanzette); — Ableit. v. Schlig: ſchlitzig, Bw., 
Schlitze habend. 

Schlobbe, w., M.-n, eine Art Enten auf der Infel Föhr. 

ſchlockern, ziellof. Zw. (niederd. ſluckern), ſächſ. f. fchlottern, ſchwanken. 

Schlodde, m., -n (au w.), M. -n, niederd. (Stodde; vergl. Schlabde) 
f. Lumpen; auch ein zerlumpter, ſchmutziger Menfch (engl. slut, slattern; 


dän. slatte, slutte); fchloddern, Zw., ſchlodderig, Bw., niederd. f. ſchlot— 


tern, fchlotterig. 

fchlodern, Zw., Schloff. mittelft des mit Lehm überzogenen Lothes 
löthen. 

ſchlofen, ziel. 3w., Tuchm. Wollengarn mehrfach, aber loſe zufammen- 
zwirnen. 





TE 





ne 


A nn a en. u ru —— 


ſchlohweiß — Schloſs 725 


ſchlohweiß, Bw. (niederd. ſluwitt; wahrſch. entſt. aus ſchloßweiß, f. 
Schloße; vgl. auch ſchlehweiß, u. das oberd. ſchlotter- od. ſchlotteweiß v. 
Schlotter f. ſaure Milch), gem. f. glänzend weiß, ſchneeweiß. 

Schlope, w., M.-n —Sclupfe, Schlupf, niederd. Stopp, tiefer 
Einfchnitt, Wunde), Wafferb. ein Einrifs des Waſſers in die Deiche ıc.; 
fhlopen, ziel. Zw. niederd. (flopen, holl. sloopen) f. abbrechen, zerfchlagen 
(ein unbrauchbares Schiff). ‚ 

Schlöpe, w., M. -n, niederd. (Stöpe) f. 1) Schleife, Schlinge; 2) klei- 
ner Schlitten, Deichfchlitten; ſchlöpen (ftlöpen), 3m. f. eine Schleife 
(Schlinge) machen. 

ſchlorken, ziellof. Zw. (auch ſchlurken, fchlurgen, fchlargen), ſchwäb. und 
ſchweiz. f. ſchlarfen, ſchleppend und träge gehen; der Schlorker, -8, mer 
ſchlorkt; ein Pantoffel ohne Hinterleder. 

Schlorre, w., M.-n, Iandfch. gem. f. Pantoffel ohne Hinterleber, 
Schlarfen. 

Schloß, Bw. (Landich. auch ſchlaß, ſchlaßem; daher zerfchläßen f. zer- 
gehen; ſchweiz. ſchläß men f. weich werden, aufthauen, welfen; val. das 
isländ. slota, nachlaſſen; engl. sloth, Schlaffheit, Zrägheit), alt und oberd. 


f. fchlaff, weich; nachläffig; die Schloßigfeit, ſchwäb. f. Fahrläffigkeit, 


Unthatigkeit. 

Schloſs, ſ. Mes, ſſe, M. Schlöffer; Verkl. das Schlöfschen, oberd. 
Schlöſslein, (altd. slöz, oberd. Schloß, Gefchloß; niederd. Slot, Slat; 
ſchwed. slott; von fchließen), 1) was gefchloffen ift, ehem. überh. ein ge- 
fchloffener u. etwas in fich fchließender u. verwahrender Raum, ein Ding, 
welches etwas in fich faſſt; insbef. ein gefchloffenes anfehnliches Gebäude, 
ehem. mehre zufammengehörende, für eine Familie abgefchloffene Gebäude; 
auch ein befeftigtes Wohnhaus eines Fürften oder Herren, eine Burg, Eleine 
Feftung (Berg>, Raubjchlofs 2c.); jest Üüberh. der Wohnfig eines Fürften 
od. regierenden Herren (das Königliche, fürftliche Schlofs 2e.); landſch. das 
Wohnhaus des Edelmannes, der Nitterfig, Edelhof; in weiterer Bed. 
jedes große, prächtige Wohnhaus, finnv. Palaft (ſprichw. Schlöffer in die 
Luft bauen, d. i. unausführbare Pläne machen, vgl. Luftichlofs); 2) was 
fchließt oder zum Verfchließen dient, ein Ding oder Werkzeug, mit wel- 
chem etwas gefchloffen wird, 3. B. das Schloſs an einem Feuergemwehre 
(welches mittelft einer gefpannten Feder auf- und zugemacht werden Eann), 
die Schlöffer an Hals-, Armbändern, Büchern zc. (gem. Knippſchlöſſer); 
insbe. die mittelft eines Schlüffels zu fchließende und wieder zu öffnende 
aus Riegeln u. Federn beftehende Vorrichtung zum Verſchließen von Thüren, 
Kaſten zc. (etwas unter Schloſs und Riegel legen, halten 2c.; ein deutfches—, 
ein franzöfifches Schlofs; ein Worlege: od. Hängefchlofs); in weiterer Anwen— 
dung auch f. Schlofs- od. Schlufsbein, Hüftknochen; auch der Ort, mo 
ein Ding gefchloffen ift, f. v. w. Schlufs, insbef. an zweifchaligen Mufcheln ; 
an Pferden das Ende der Naſe an der Scheidewand derfelben; an Kunftge- 


ſtängen die Stelle, wo zwei Geftänge in einander fchließen, u. dgl. m.; — 


3feg. v. Schlofs 1) d. i. fürftlicher Wohnfis, Palaft: der Schlofsbrun- 


nen, zu einem Schloffe gehörender Brunnen; der Schlofsgraben, wall ıc.; 


der Schlofshof; die Schloſskirche, Kicdhe für die Schlofsbewohner; der 
Schlofsprediger, dabei angeftellter Prediger; die Schlofsmauer, -pforte, 


726 Schloße — Schlot 


-thür, das Schloſsthor; der Schloſsthurm; die Schloſsuhr zc.; der 
Schlofsbeamte, Beamter auf einem Schtoffe; ſchloſsgeſeſſen, Bw., landſch. 
f. ein mit gewiffen Hoheitsrechten begabtes Schlofs befigend (ein ſchloſsgeſeſſe— 
ner Junker); das Schlofsgefinde; der Schlofshauptmann, Titel des Vor- 
geſetzten od. Befehlshabers eines fürftlichen Schloffes; der Schlofsherr, Be- 
figer eines Schloffes; weibl. die Schlofsherrinn, auch die Schlofsfrau; 
die Schlofsherrfchaft, der Schlofsherr mit Frau und Familie zufammenges 
nommen; der Schlofsfafle, ehem. ein unmittelbar unter dem Fürſten ftehen- 
der Lehnsmann; der Schlofsverwalter, Schlofsvogt, Schlofsauffeher (fr. 
Gaftellan) ; die Schlofswache, Wache und Wachthaus od. -ftube auf einem 
Schloſſe; der Schlofswächter, Schlofsfoldat ꝛc.; — von Schloſs 2): 
das Schlofsbein, |. Schlufsbein; der Schlofsbeutel, mit einem Bügel u. 
fogen. Knippfchloffe verfehener Geldbeutel; das Schloſsblech, äußere Blech 
an einem Schloffe; die Schlofsfeder, ftählerne Feder in einem Schloffe; 
das Schlofsgat (ſ. Bat), Schiff. das im Fuße der Stenge befindliche Loch, 
ducch welches das Schlofsholz geftect wird, welches die Stenge trägt (auch 
Schießgat u. Schießholz genannt); das Schlofsfraut, landſch. f. Alpkraut, 
Hirſchgünſel; der Schlofsmacher, in Gewehrfabrifen der Arbeiter, welcher 
die Flintenfhlöffer macht; der Schlofsnagel, eine Art Nägel zur Befeftigung 
der Schlöffer an Thüren ze. (ganze Schlofsnägel 14 Zoll lang, auch 
Schloſsſpiker; halbe Schl. JZoll lang); auch ein ftarker, runder Na- 
gel, welcher den Hinterwagen an den Vorderwagen befeftigt, Spann-, Stell— 
nagel; der Schlofsftein, ſ. Schlufsftein; der Schlofätritf, Säg. der Tritt, 
welchen der Hirſch beim Aufftehen in feinem Lager macht, auch Schlufstritt, 
u. das Schlofs; der Schlofszirkel, ein Zirkel, weicher gefchloffen, d. i. feft 
aufgeftellt werden Kann; — Ableit. fchloffen, Zw., mit einem Schloffe 
verfehen, nur im Mw. gefchlofft gebr. (ein gefchlofiter Junker, ſ. v. w. 
ein fchlofsgefeffener) ; der Schloffer oder Schlöffer, -8, M. m. €., ein 
Handwerker, welcher Schlöffer an Thüren ze. und andere feinere Eifenarbeis 
ten macht, niederd. Kleinfchmied; daher die Schlofferinn, deffen Frau; 
das Schlofferhandwerf, -gewerk; der Schloffermeifter, =gefell zc.; die 
Schlofferarbeit; fchloffern, Zw., landſch. f. Schlofferarbeit machen. 

Schloße, landſch. auch Schloffe, w., M.-n, (mittel. slöz, im älteren 
Dberd. auch: der Schloß; von dunkler Abftammung; vgl. das engl. sleet), 
ein großes Hagelkorn, gew. Mehrh. Schloßen, großer Hagel (f. d.), bef. 
der im Sommer bei Gewittern fällt; daher: das Schloßenforn, f. v. w. 
die Schloße; der Schloßenfchauer (ſ. Schauer 4); das Schloßenwetter; 
das Schloßen- Ei, der Schloßenftein, länglich runde duchfichtige Quarz 
kieſel; fchloßweiß, Bw. (vgl. fchlohweiß), glänzend weiß, ſchneeweiß; — 
ſchloßen, ziellof. unp. Zw. m. haben: e8 ſchloßet, d. i. es fallen 
Schloßen. 

Schlot, m., -es, M. Schlote, oberd. Schlöte, (mittelh. slät, M. 
slaete; vielleicht aus dem niederd. Sloot, v. ſluten, ſchließen, ins Hochd. 
aufgenommen; alfo überh. eingefchloffener, hohler Raums; vgl. Schlote), nie 
derd. f. Kanal, Abzugsgraben (Hol. sloot); gew. f. Rauchfang, Schorn- 
ftein (in niederd. Hüttenw. die Schlotte; den Schlot fegen oder Kehren); 
der Schlotfeger oder -kehrer, f. v. w. Schornfteinfeger; fehloten, It, 
niederd. (Toten, flöten) f. einen Graben reinigen. 








Schlote — Schluchter 127 


Schlote od. Schlotte 1., w., M. -n, (vgl. Schlot), Landich. f. etwas 
Hohles, Schlauchähnliches, daher 1) landſch. f. hohler Lauchftengel; Rohr— 
£olbe, Schilftohr (altd. släte, slatte); 2) oberd. (die Schlotten, Schlut- 
ten) ein Eurzes Oberkleid mit Ärmeln, Kittel; 3) Bergw. eine Schicht 
Kalkerde, welche Erdktüifte macht; die Schlottenblume, landſch. f. Küchen- 
ſchelle, f. d. 

Schlotte 2. w., od. die Schlott, Schlött, M. -en (oberd. auch: Schlutt, 
Geſchlött 2c.; mittelh. slöte), auch der Schlotter, -$ (vgl. Schlitten; angelf. 
slidan, gleiten 2c.; fchlottern), oberd. f. Schlamm, Koth; Zhaumetter; 
der Schlotter insbef. in Salgwerken: der von dem ausgekochten Salz 
übrig bleibende Schlamm (auch das Geſchlotter); oberd. f. geronnene, 
faure Milch, auch: die Schlottermilch; der Schlottervogel, landſch. f. 
Kibitz; — fchlötten od. fchlottern 1. (ſchwäb. fchlettern) ziellof. u. ziel. Zw., 
oberd. f. mit Schlamm, Koth, Lehm ꝛc. zu thun haben, werfen, fprigen ıc. 
(3. B. Lehm an die Wand fchlötten). 

ſchlottern 2. zielof. 3w. m. Haben, (niederd. ſloddern, ſluddern; ver: 
ftärkte Nebenform v. fehlaudern, f. d.), ſich heftig zitternd hin u. her be- 
wegen (z. B. die Kniee fchlottern ihm) ; oberd. f. Elappern (auch ſchlattern); 
ferner fchlaff u. Iofe niederhangen u. hin u. her ſchwanken, bef. von nicht 
gehörig anfchließenden Kleidungsftüden; auch f. nachläffig od. unficher wan— 
Eend gehen; die Schlotter, M. -n, (au) Schlatter) oberd. f. Klapper; 
fchlotterig, Bw. (niederd. flodderig, Tludderig, flurig), fihlotternd, fchlaff 
und unordentlich hangend (Kleider); höchſt nachläſſig (ein fchlotteriger 
Menſch); die Schlotterigkeitz — der Schlotterapfel, ſ. v. w. Klapper- 
apfel; das Schlotterbein, der Schlotterfuß, Tchlotterndes Bein 2c.; daher 
fchlötterbeinig, =füßig, Bw.; das Schlotterfafs, Landw. die Wepkifte 
der Mäher; der Schlottergang, fchlotteriger Gang; das Schlotterohr, 
Schlappohr. 

ſchlotzen, zielloſ. Zw., oberd. 1) mit Schmutz umgehen (vgl. Schlotte 2.); 
nachläſſig, träge fein; 2) ſchwäb. am Saugbeutel ſaugen (vgl. lutſchen); 
der Schlotzer, —s, ſchwäb. f. Saugbeutel, Kinderdutte; die Schlotze, 
Schlutze, M. -n, oberd. f. unreinliche Weibsperſon; der Schlötz, f. 
Schmutz; träger Menſch; ſchlötzig, Bw., f. Elebrig, ſchmutzig; träge, 
langweilig. 

ſchlubben od. ſchlubbern, zielloſ. u. ziel. Zw. (ogl. ſchlabben, ſchlabberm, 
niederd. f. ſchlürfen, Dünnes eſſen; in Hamburg auch f. nachläffig und 
obenhin arbeiten (ogl. ſchlaudern); der Schlubbe, -n, (Slubbe) hamburg. 
f. zroßer Bauernhund; tölpiſcher Menſch. 

Schlucht, w., M.-en, (urſpr. niederd. Nebenform des oberd. Schluft, 
von ſchliefen, ſchlüpfen), ein enges, tiefes Thal zwiſchen ſteilen Bergen, 
finnv. Kluft, bei. eine vom Waffer ausgeriffene tiefe Höhlung; oberd. f. 
Abzugsgraben (andſch. die Schluchter, niederd. Slugter), Pfütze, tiefe 
Grube (engl. slough); uneig. f. unreinliche, faule Perfonz daher fchlüch- 
tisch, Bw. f. unreinlich, träge. 

Schluchter, m., -8 (von fehlagen), niederd. (Slugter) f. Haufen; hannöv. 
das Wehrholz, der Schlag an den Wegen; fchluchtern, ziel. u. ziellof. Zw. 
niederd. (flugtern) in Haufen legen; auch f. fchnell in die Höhe wachfen, 
auffchiegen (vgl. ausfchlagen). 


728 ſchluchzen — Schluff 


ſchluchzen, zielloſ. Zw. m. haben, (landſch. gem. auch ſchluckſen, 
ſchluckzen, verſtärkende Ableit. v. ſchlucken), den Schall hören laſſen, wel— 
cher durch krampfhafte Zuſammenziehung der Luftröhre entſteht, auch: 
ſchlucken; insbeſ. mit Hervorbringung dieſes Lautes heftig weinen (laut 
ſchluchzen; vor Schluchzen nicht ſprechen können); daher das Schluchzen; 
verſch. der Schluchzen, —s, landſch. auch der Schluchzer, ſ. v. w. ber 
Schlucken. 

ſchluck, Bw. (vgl. ſchlack f. ſchlaff) niederd. (ſſuck) f. niedergeſchlagen, 
traurig. 

ſchlucken, Zw. (mittelh. slucken; vgl. ſchlicken; ſchwed. sluka, dän. sluge, 
holl. slocken) 1) ziel. u. ziellos, etwas durch den Schlund in den Magen 
bringen, finnv. [hlingen (eine Speife, einen Biffen 2c. ſchlucken, hinunter 
Ichluden 2c.; nicht ſchlucken können; das Schluden ald Hw.); uneig. gem. 
f. in fich ziehen, einfaugen; 2) ziellos m. Haben, den mit dem Schluden 
einer Flüffigkeit verbundenen, oder einen ähnlihen Schall hören laffen, 
ſ. v. w. fhluchzen, gem. ſchluckſen (niederd. fluden); der Schlud, -e8, 
M. Schlude, Verkl. das Schlückchen, (mitteld. sluc, w., M. slücke), die 
Handlung des Schludens, bef. ein einmaliges Schluden (einen Schlud 
thun; der erſte Schlud; in einem Schlud 2c.); was man, bef. von einer 
Flüffigkeit, auf einmal hinunterfchludt (ein Schlut Wein, ein Schlückchen 
Branntwein ꝛc.; einen Schlud nehmen, d. i. niederd. bef. Branntwein); die 
Schlucke, M.-n, (niederd. Stute, auch Slök, Slöke; mittelh. der slüch), 
niederd. f. Schlund, Kehle; landſch. auch f. der Schluden, -8, o. M., gem. 
auch das Schlucdfen (niederd. der Schluckup), Erampfhafte Zufammen- 
ziehung der Luftröhre, von einem unmillfürlichen, Eurz abgeſtoßenen 
Schalle begleitet; der Schluder, -8, wer ſchluckt; bef. wer viel u. gierig 
ifft, finnv. Freffer, Schlemmer, Schwelger (altd. slucho, sluko, slüch, slucke, 
Auchart; niederd. Sloks, Sluks; ſlökiſch, gefräßig); auch f. Schmarotzer, 
daher wohl: ein armer Schlucker, f. ein Nothleidender, der ſeinen Hunger 
an fremden Tiſchen ſtillen muſs; auch uneig. verächtl. f. ein geiſtesarmer, 
Mitleid verdienender Menſch; Naturk. der Schluder, f. See od. Schling- 
abe; Tauchergans; Nachtſchwalbe; — das Schluckfieber, ein mit häu- 
figem Schlucken (od. Schludfen) verbundenes Fieber; der Schludhals, nie 
derd. f. Schlucker, Vielfraß; ſchluckweiſe, Nw., in einzelnen Schluden. 

ſchluckern, ſchlunkern, ziellof. Zw. (vgl. ſchlack, ſchlackern), nieverd. f. 
ſchwanken, ſchlottern. 

Schluder, m., -$ (vgl. Schlotte, Schlotter), bair. f. Schutt, Schlamm. 

fchludern, ziellof. Zw., landfch. gem. 1) (niederd. fluddern) f. ſchlaudern, 
fchlottern; übereilt oder nachlaffig arbeiten (daher ſchluderig, niederd. 
. Sudderig, f. Ichlotterig, faul, nachläſſig); 2) niederd. (ſludern) f. plaudern 
(daher fluderhaftig f. plauderhaft). i 

ſchluf od. ſchluff, auch fchluffig, fchlufferig, Bw. (niederd. ſluf; Holt. 
sloef; vgl. das oberd. ſchlew unter ſchleh) niederd. u. fchweiz. f. träge, nach— 
läffig, unordentlich; — ſchluffen, fchluffern, niederd. und fchweiz. 3w. f. 
nachläffig fein, gedanfenlos und unachtſam handeln; auch in Schluffen 
gehen, fchlarfen; die Schluffe, M. -n, niederd. f. alte Pantoffeln, 
Schlarfen. j 

Schluff, m., —es, M. -e, (v. fehliefen; vgl. Schlupf) oberd. die Hand- 








i 


Schluft — ſchlumpen 729 


lung des Schliefens; das, wodurch od. worein man ſchlieft, insbeſ. Jäg. 
der enge Raum, durch welchen ein Thier ſchlüpft; oberd. f. Muff, Armel 
(ſchweiz. Schlufi, Kittel, Oberkleid); was fchlieft od. gleitet: Töpf. ein 
gelber, viel Sand enthaltender Thon; daher fchluffig, Bw. oberd. Landw. 
fhluffiger Boden, d. i. feinförniger Sandboden (vgl. das niederd. Slup- 
fand f. Triebſand); — der Schlüffel, -s, M. w. E., 1) landſch. f. große 
Gartenmaus; fchlef. f. Maulwurf; 2) (gem. Schliffel; v. fchliefen, 
herumfchleichen, fich in Schlupfwinteln herumtreiben, oder v. ſchluf, träge, 
f&hluffen? f. 0.) gem. oberd. f. ein fich müßig herumtreibender, leicht- 
fertiger junger Menſch; Tandfch. auch ein plumper, grober Menfch, finnv. 
Schlingel; fchlüffeln, zielloſ. Zw. oberd. f. fuchen, ftöbern (etwas durd;- 
ſchlüffeln); ſich müßig herumtreiben (herumſchlüffeln). 

Schluft, w., M.-en, oberd. f. Schlucht, ſ. d.; insbeſ. in Ziegelöfen 
der leere Raum zwiſchen zwei Bänken, das Feuer darin anzumachen. 

Schlug od. Schluk, m., -e8, preuß. unreiner Bernſtein mit Bläschen ꝛtc. 

ſchlummern, zielloſ. Zw. m. haben, (altd. slummen, slummern; angelſ. 
slummeran, engl. slumber, ſchwed. slumra; wahrſch. von einer Wurzel slum 
f. fchlaff, vgl. das isländ. sluma, den Muth finken laffen, ſchweigen; oberd. 
ſchlummerig f. fchlaff, fchlotterig), leife, nicht feſt ſchlafen; uneie. f. 
todt fein, im Grabe ruhen; auch im Zuftande der Bemwufft- od. Gedan- 
Eenlofigkeit fein; noch unentwidelt, nicht in Thätigkeit fein (ſchlummernde 
Gefühle, Anlagen 2c.); der Schlummer, —s, M. (felten) w. E., das 
Schlummern, der leife Schlaf; uneig. f. Dumpfheit des Bemwufftfeins, 
Gedankenloſigkeit; — der Schlummergott, Gott des Schlafes (Morpheus); 
der Schlummerhügel, dicht. f. Grabhügel; dev Schlummerfopf, gedan- 
Eenlofer Menſch; das Schlummerforn, M. Schlummerförner, dicht. 
fhlafbringende Mohnkörner; fchlummerlos, Bw., ohne Schlummer; die 
Schlummerftätte od. = ftelle, das Schlummerlager zc.; fchlummerwir- 
Eend, Bw., einfchläfernd, betäubend; — der Schlummerer od. Schlumm- 
rer, -8, wer fchlummert. 

Schlump, m., -e8, 0. M., gem., be. niederd. (aud) ſchwed. und dän. 
slump; verw. mit Glimpf (f. d.) von limphan, ſich fügen; oder von ſchlum— 
pen 2. f. nachläſſig fein, unbedachtfam handeln?) f. Ungefähr, glücklicher 
Zufall, unvermutheter Glücksfall (etwas auf den Schlump thun, wagen ıc. 
f. aufs Gerathewohl); der Schlumpfchlag, niederd. ein von ungefähr tref- 
fender Schlag, ein Zufall; der Schlumpfchläger, hamburg. ein unbedacht— 
famer, bfindlings hundelnder Menfch; der Schlumpfchufs, niederd. ein von 
ungefähr treffender Schufs; ſchlumpsweiſe, Nw., gem. f. durch glücklichen 
Zufall, von ungefähr, niederd. auch ſchlumps (ftumps); — fchlumpen 1., 
ziellof. Zw., niederd. (ſlumpen) f. durch ein glüdliches Ungefähr zutreffen, 
gelingen. 

ſchlumpen 2., verft. Ichlumpern, ziellof. Zw. m. haben, (vgl. fchlam- 
pen 2), gem. f. fchlaff und fchlotterig herabhangen (die Kleider fchlumpen 
an ihr); nachläffig und unreinlich einhergehen (im Haufe herum —); die 


Schlumpe, M.-n, eine höchft nachläffige u. unreinliche weibl. Perfon ; 


der Schlumper, -8, wer fihlumpt; Landfch. gem. ein weites, bequemes 
Hauskleid; auch f. Schleppkleid ; fchlumpig od. Schlumpicht, auch ſchlum— 


730 Schlund — ſchlüpfen 


perig, Bw., gem. f. ſchlaff, nachläffig, unordentlih und unreinlich 
(ſchlumpige Kleidung, ein fchlumpiger Menſch). 

Schlund, m., -es, M. Schlünde; Verkt. das Schlündehen, (oberd. 
auch Schlunk; altd. slunt, G. -des, urfpr. das einmalige Schlinden, der 
Schluck; von slinden, fchlinden, ſ. d.), die Speiferöhre, u. insbef. der An- 
fang derfelben im hinteren Munde, finnv. Kehle; in weiterer Bed. der Ein- 
gang od. die Mündung eines Abgrundes, einer Höhle, Röhre (4. B. der 
Schlund eines feuerfpeienden Berges, eines Kanonenlaufes, Rauchfanges ꝛc.; 
landſch. aud) der ganze Rauchfang); auch f. Abgrund, gefährliche Tiefe im 
Meere oder in Flüffen, Strudel; — der Schlundfopf, Anat. der obere, 
dickere Theil des Schlundes; die Schlunddrüfe, Eleine Drüfen hinter dem 
Schlundkopfe; die Schlundröhre, Speiſeröhre; — ſchlündig, Bw., oberd. 
f. fhludend, einfaugend (z. B. waflerfchlündig). 

Schlung, m., -es, M. Schlünge, 1. (v. ichlingen 1.) felten f. Ver: 
ſchlingung, gefchlungener Zug, 3. B. Tiſchl. von eingelegter Arbeit; 2. (v. 
ſchlingen 2.) landſch. f. einmaliges Schlingen, Schluck; — der Schlung- 
baum, die Schlungbeere, ſ. v. w. Schlingbaum ze. (j. d.); die Schlung- 
röhre, an einer Pumpe, Wafferkunft 2c. die unterfte Röhre, welche das Wafler 
in ſich ſchlingt. 

ſchlunken od. ſchlunkern, niederd. 3w., ſ. ſchluckern. 

Schlunt, m., M.-en, niederd. (Slunten, Slunnen; holl. slans, loſe, 
ſchlotterig) f. Lumpen, Fetzen; ſchlunterig, Bw. f. ſchlotterig, nachläſſig; 
ſchluntern, 3w. f. ſchlotterig fein, nachläſſig handeln; — ſchlunzen, zielloſ. 
Zw., ſ. ſchlenzen; der Schlunz, -e8, M. -e, niederd. f. unordentlicher, 
nachläſſiger, leichtfertiger Menſch; die Schlunze, M. -n (ſchweiz. Schluenz, 
niederd. Sluntje), gem. f. nachläſſige, ſchmutzige Weibsperſon; feile Dirne. 

Schlupe, w., M.-n, 1. ſ. Schaluppe; — 2. landſch. der nicht in 
Köpfe geſchloſſene Kohl (auch Schlüpe, Schlüpken, Schlupenkohl). 

Schlupf, m., Schlupfe, w., ſ. unter ſchlüpfen 2. 

ſchlüpfen 1., oberd. r. fchlipfen, zielloſ. Zw. m. fein, (altd. sliphan, 
slipfan, slipfen, niederd. jlippen; verftärkende Ableit. von slifen, fchleifen, 
ſ. d.), be. oberd. f. gleiten, glitfchen, fich gleitend fortbewegen (4. B. der 
Aal ift mir aus der Hand gefchlüpft; uneig. das Wort fchlüpfte mir über die 
Sippenz; vgl. Schlipf, entfchlüpfen); uneig. auch Uber eine Sache gleichfam 
hingleiten, fie obenhin berühren, nachlaffig behandeln (niederd. flipern); 
die Schlüpfe od. Schlipfe, M.-n, (altd. slipfe; vgl. Schlippe), oberd. f. 
Zipfel; Schleppe; fchlüpfern od. ſchlipfern (auch fchlipfezen), ziellof. Sw., 
oberd. f. ausgleiten, glitfehen, auf dem Eife gleiten; auch f. ſchlüpfrig 
fein; fchlüpferig od. gew. fchlüpfrig, Bw. (altd. slipfec; oberd. fchlipferig, 
. niederd. flibberig, ſchwed. slipperig, engl. slippery), glatt, glitfchig, fo dafs 
man leicht ausgleitet; bef. glatt u. feucht zugleich, fchmierig (ein fchlüpf- 
viger Boden; ein Aal, das DL ıc. ift fchlüpfrig); uneig. oberd. f. unbe 
jtandig, leichtfinnig (ein fchlüpfriger Menſch); gefährlich, miſslich, bedenf- 
lich (eine fchlüpfrige Sache); auf verſteckte MWeife unfittlic u. zur Wolluft 
veizend, zweideutig, unzüchtig (ichlüpfrige Reden, Gedichte, Gemälde zc.); 
die Schlüpfrigkeit, das Schlüpfrigfein, die ſchlüpfrige Befchaffenheit 
eig. und uneig.; auch eine fihlüpfrige Sache, Stelle, Rede zc. (M. Schlüpf- 
rigkeiten). 





— — 








fhlüpfen — Sclufs 131 


fchlüpfen 2., oberd. ſchlupfen, ziellof. Zw. m. fein, (altd. sluphan, 
slupfan, slupfen, niederd. flupen; verftärfende Ableit. von sliefen, ich sliufe ⁊c., 
fchliefen, f. d.; vgl. das altſächſ. slopian, durchſchlüpfen machen), ſchnell und 
unvermerkt in od. durch eine Dffnung fidy bewegen (die Maus fchlüpft in 
ihe Loch; duch einen Zaun—; aus dem Haufe —; oberd. in ein Kleid, aus 
einem Kleide fchlupfen zc.); der Schlupf, -es, M. Schlüpfe, landſch. f. 
das Schlüpfen ; oberd. ein enger Raum, worein od. wodurd man ſchlüpft; 
auch f. v. w. die Schlupfe, M.-n (oberd. die Schlupfen, das Schlüpfelein) 
f. Schleife, Schlinge, Knoten, Band; landſch. auch f. die Krieche, Dafer- 
fchlebe; der Schlüpfer od. Schlupfer, -$, wer ſchlüpft; oberd. f. Muff; 
— 3fes. die Schlupffliege, eine Art Fliegen; der Schlupfhafen, Schiff. 
windftiller Ankerplatz für Eleine Schiffe; der Schlupffäfer, Mehlkäfer; der 
Schlupfkönig, landſch. f. Zaunkönig (oberd. ZBaunfhlupferlein); das 
Schlupfloch, Kleine Öffnung, in od. durch welche man fehlüpft; die Schlupf- 
pforte, das Schlupfthor, Pforte zc., durch welche man unbemerkt entkom— 
men kann; die Schlupfwespe, |. v. w. Raupentödter; auch f. Blattwespe; 
der Schlupfwinfel, ein Winkel, in welchen man ſich verbirgt; uneig. jeder 
verborgene Ort, wo man fich aus böfer Abficht aufhält. 

ſchlüren u. fehlürren, ziellof. u. ziel. Zw. niederd. (flüren, ſlören, flurren ; 
holl. slooren, sleuren; vgl. fchlarfen, ſchlarren; u. das oberd. fchlauren unter 
Schlaraffe) f. fchlarfen, fchleppen, nachfchleppen (die Kleider); nachläffig 
u. unordentlich mit etwas umgehen; fehlürig od. fchlurig, Bw. niederd. 
f. fchlaff herabhangend, fehleppend; nachlaffig, unordentlich u. unfauber, 
bef. in der Kleidung; niedergefchlagen, traurig (z. B. von einem Pferde, das 
die Ohren—, einem Hunde, der den Schwanz bangen Läfft), trübe, unfreund- 
lich) (Wetter). 

ſchlürfen, ziellof. u. ziel. Zw. (ein Schallw., holl. slurpen; niederd. ſchlub— 
bern; oberd. auch: ſchlufern und fürfen, fürfeln, vgl. das lat. sorbere), den 
Schall hervorbringen, welchen das Wort nachahmt, landſch. f. fchlarfen ; 
inöbef. eine Flüffigkeit mit halb gefchloffenen Lippen in fic) ziehen (. 8. 
eine Zaffe Thee —); uneig. etwas gleichfam einfaugend langſam genieken; der 
Schlurf, -e3, (mittelh. slorpf) vit. f. der Schlürfer. 

Schlurk, m., -es, M. -e, (mittelh. slurc), vlt. f. Schlund; ſchlurken, 
ziellof. u. ziel. Zw. (mittelh. slarken), vlt. f. ſchlucken, verfchlingen ; oberd. 
f. ffammeln, das r nicht auöfprechen können. 

Schluſs, m., -ffes, M. Schlüffe, (altd. siuz, von sliozan, ſchließen, 
f. d.), 2) das Schließen, u. zwar insbef. das Zumachen, WVerfchließen (z. 
B. der Thorſchluſs; der Schlufs eines Gewölbes zc.), das Anfchliegen, Feft- 
Anlegen, bef. der Schenkel des Reiters an den Leib des Pferdes (vgl. ſchlie— 
sen 3), das Eingehen einer Verbindung (4. B. Friedensſchluſs), das Be— 
ſchließen, Beendigen (etwas zum Schluffe bringen, damit zum Schluffe fchrei- 
ten, eilen 20.); 2) das Schließende und der Ort, wo etwas fehließt oder 
gefchloffen ift (3. B. der Schlufs einer Schere, d. i. der Theil, wo die.beiden 
Blätter mittelft eines Nietes verbunden find; der Schlufs eines Fenfters, einer 
Thür 2e.; auch f. Schlufsftein, Schlufsbein zc.), insbef. f. Ende, Befchlufs 
(der Schlufs eines Briefes, einer Rede 2c.); 3) das Gefchloffene, Befchloffene, 
insbei. f. v. w. Entfchlufs, Befchlufs (einen Schlufs fallen; vgl. Rath, 
Raths⸗, Reichsfchlufs 2c.); ein gefchloffenes, d. i. gefolgertes Urtheil (einen 


184 -: Schlüffel 


Schluſs machen, aus etwas ziehen, herleiten), im engerer Bed. ein aus Vor— 
derfägen hergeleiteter Schlufsfag mit Inbegriff der Vorderfäge, ein Ver— 
nunftfchluf8 (ein richtiger, ein falfcher Schlufs); — 3fes. der Schlufs- 
balfen, Zimmerl. der Balken, welcher den Schlufs eines Daches macht; das 
Schlufsbein, Hüftbein mit feinen Theilen, bef. beim weibt. Gefchlechte, auch 
Schlofsbein, u. bloß Schlufs, Schloſs; der Schlufsfall, Ton= und 
Redek. der Tonfall am Ende eines Mufikftüdes, eines Ton= od. Redefaßes ıc. 
(fr. Cadenz); die Schlufsfolge, die Reihenfolge mehrer Schlüffe od. Folge: 
rungen; aud die Folge, das Ergebnifs eines Schluffes; der Schluſskeil, 


Bergw. Keile zur Befeftigung der Haspel-Arme in die Löcher der Haspelmelle 


getrieben; die Schlufsfette, Schlufsreihe, Reihe von Schlüſſen; die 
Schlufsfunft, Kunft, (Vernunft) Schtüffe zu machen; die Schlufsleifte, 
f. Leifte; der Schlufspunft, f. Punkt; auch der legte Punkt, d. i. Sas, Ab— 
fchnitt zc. z. B. eines Vertrages; die Schlufsrechnung, legte Rechnung, Ab: 
rechnung; fchlufsrecht od. fchlufsrichtig, Bw., Neuw. f. logiſch richtig; die 
Schlufsrede, beichliegende Rede, Endrede; aud) ein in Worten ausgebrüdter 
Vernunftſchluſs (fr. Syllogismus); die Schlufsfäge, ſ. Schließfäge; der 
Schlufsfab, der fchliegende od. letzte Sag einer Rede, eines Muſikſtückes ze.; 
insbef. der legte Satz, Folgeſatz eines Vernunftfchluffes; der Schlufsftein, 
Bauk. ein Eeilförmiger Stein, welcher ein Gewölbe zc. oben ſchließt; uneig. 
überh. f. der Schlufs, das Schliegende; das Schluſsſtück, das Stück, der 
Theil, welcher ein Ganzes, z. B. ein Muſikſtück, befchließt (fr. Finale; fo 
auch: dev Schlufsgefang, das Schlufsfpiel 2e.); der Schlufstritt, 
f. Schlofstritt; das Schlufsurtheil, Endurtheil; das Schlufswort, Wort 
od. Worte zum Beichlufs; das Schlufszeichen, am Schluffe gefestes Zeichen, 
3. B. der Punkt; der Schlufözierath, Zieraty am Ende eines Buches oder 
Abſchnittes, Schlufsleifte; Bauk. ſpitz zulaufende Sierathe, die eine Sache ober: 
wärts Schließen; — Ableit. ſchlüſſig, Bw., felten f. einen Schlufs oder 
Beſchluſs faffend, entfchloffen, entg. unfhlüffig, (ichlüffig werden); 
niederd. auch f. einig. 

Schlüſſel, m., -s, M. w. E., Verkt. das Schlüffelchen, oberd. Schlüffe: 
lein, (altd. sluzil, slüzzel; niederd. Slötel; von fchliegen), ein Werkzeug 
zum Schließen, bef. zum Auf- und Zufchließen eines Schloffes (Haus-, 
Stuben-, Thor-, Keller, Garten, Schrankſchlüſſel 2c.; dem Sieger die 
Sclüffel der Stadt überliefern, d. i. die Stadt übergeben; der Kammerherren- 
ſchlüſſel, ſ. d.); in weiterer Bed. verfchiedene fchlüffelähnliche Werkzeuge, 
welche in eine Öffnung oder’auf einen Stift 2c. pafen u. etwas zu öffnen, um— 
zudrehen, auf u. zuzufchrauben 2c. dienen (z. B. der Uhrſchlüſſel, Schlüffel zur 
Spannung der Saiten eines Tonwerkzeuges; in den Orgelpfeifen, Kleine be 
- wegliche Kaften zur Verfchliefung der Pfeifenlöcher); uneig. was den Zu: od. 
Eingang verwehrt, oder geftattet (z. B. eine Grenzfeftung: der Schlüffel 
des Landes od. zu dem Lande; die Schlüffel des Himmelreichs, d. i. die Macht, 
von der Kirchengemeinfchaft auszufchließen, u. in diefelbe aufzunehmen: Binde: 


u. Löfefhlüffel, f. d.); ferner was den verborgenen Sinn, die Ber 


deutung einer Suche erkennbar macht, gleihfam auffchließt (z.B. den 


Schlüffel zu etwas haben; der Schlüffel des Räthſels), bej. das Erkenntniſs— 


mittel zur Entzifferung einer Geheimfchrift; Tonk. das vorangefeßte Zei- 
chen, mittelft deffen man den Ton jeder Note erkennt (Bafs-, Violin— 











Schluſsfall — ſchmachten 733 


Schlüſſel ꝛc.); — 3feg. das Schlüſſelbein, zwei gebogene Beine zu den 
Seiten des Halfes oberhalb der Bruftz daher die Schlüffelbeinader, auch 
bloß: Schlüffelader; der Schlüffelbeinmusfel zc.; die Schlüffelblume, 
eine im erften Frühling blühende gelbe Wiefenblume, aud) Himmelſchlüſſel 
(von ihrer Ähnlichkeit mit einem Schlüffel, oder weil fie den Frühlingshimmel 
gleicht. aufſchließt; primula veris L.), Ofter-, Gichtblume, Gichtkraut ze. ge— 
nannt;z blaue Schlüffelblume f. edles Lungenkraut, Scharfe Ochfenzunge; 
die Schlüffelbüchfe, ein Schtüffel mit hohlem Rohr u. einem Zündloch, aus 
welchem Knaben zu fchießen pflegen; das Schlüffelbund, mehre zufammen- 
gebundene Schlüffel; das Schlüffelgeld, ein Geldgeſchenk, welches der Käufer 
eines Daufes der Gattinn oder Tochter des Verkäufers giebt, gleich). für die 
Auslieferung der Hausihlüffel; der Schlüffelhafen, ein Haken, Schlüffel 
daran zu hängen; der Schlüffelforb, ein Körbchen, in welchem man Schlüſſel 
verwahrt u. mit ſich trägt; das Schlüffelfraut, Seifentraut; das Schlüffel- 
loch, das Loch im Schloffe, durch welches der Schlüffel geftectt wird; der 
Schlüffelring, ein Ring, auf welchen mehre Schlüffel gereiht find; auch der 
Ring an dem Schlüffelrohr od. -ſchaft; der (landſch. auch: das) Schlüffel- 
ſchild, das Blech, welches die Thüröffnung bedeckt, in welcher das Schlofs 
angebracht ift. 

Schlufsfall ꝛc. — Schlufszierath; ſchlüſſig, ſ. unter Schtufe. 

ſchlutten, jchluttern, ziellof. Zw., landfch. gem. ſ. v. w. ſchlötten, ſchlo— 
gen (ſ. d.); auch) f. fchlottern 2.5; die Schlutte, Schluße (oberd. Schlutt, 
Schluett) f. Pfütze, Lache: unreinliche, liederliche Perfon (vgl. Schlose); 
das Schlutterkraut, landſch. f. Waſſerſchwertel, gelbe Wafferlitie. 

Schmach, w., o. M. (von ſchmähen, f. d.; mittelh. smähe, smache;, 
ital. smacco; niederd. Smad, Smade; das altd. smähi, mittelh. smaehe, 
smaehede, smächeit bedeutet Kleinheit, Geringfügigkeitz vgl. ſchmähen), ehem. 
u. noch oberd. f. das Schmähen, die Schmähung, Schmährede (daher 
- Schmakhhandel, -ſache, »Elage f. Injurienklage 2c.); jest überh. Be— 
fhimpfung, Eränfende, verächtliche, herabwuürdigende Behandlung, bef. 
fofern ſich diefelbe auf Geringfchäsung aründet, u. der Zuftand des fo Behan- 
delten, finnv. Schimpf, Schande, (einem Schmach anthun; bibl. in Schmach 
fein 2..); — ſchmachbedeckt, - belaftet, Bw.; die Schmachfäule, alt f. 
Schandfäule; ſchmachvoll, Bw., viel Schmach bringend, oder erleidend 
chmachvolle Behandlung; ein ſchmachvolles Leben); — die Schmachheit, 
vlt. f. Schmach; ſchmachlich, Bw., vlt. f. Shmählich. 

ſchmachten, ziellof. 3w. m. haben (altd. smahtön, smahten, ‘von smähi, 
gering, ſchwach; smähen, fchwac werden (vol. ſchmähen); niederd. fmagten), 
urfpr. u. eig. Hering, ſchwach (fchmächtig) werden; vom Verlangen nad) 
etwas verzehrt werden, insbel. fchmerzlich nach Nahrung verlangen, im 
höchften Grade hungern u. durften, finnv. Techzen (vor Hunger ſchmachten; 
nad einem Trunke 2c. ſchmachten); überh. Mangel, Noth leiden (im Ge- 
fängniffe, in der Verbannung —); fich fehmerzlich fehnen, einen hohen Gard 
von Sehnfucht empfinden und ausdrücken (nad) Jemand ſchmachten; einen 
ſchmachtend anfehen; ſchmachtende Blide, Töne zc.; fchmachtende Liebe: als 
Hw. das Schmachten); die Schmacht, (niederd. Smagte), vit. f. hefti— 
ger Hunger, Verhungern, Hungersnoth; — der Schmachthals, gem. 
auch Schmachtlappen, Iandich. f. Hungerleider; das Schmachtkorn, ſächſ. 


134 ſchmachvoll — ſchmähen 


f. kleine, nicht volllommen ausgebildete Getreidekörner; der Schmachtriemen, 
ein breiter Riemen, womit die Fuhrleute ſich den leeren Unterleib gürten, da— 
mit er beim Reiten nicht fo ſehr erſchüttert werde; uneig. gem. den Schmadht- 
viemen umfchnallen f. hungern; — ſchmächtig, Bw., (niederd. fmagtig) lang 
u. dünn, mager und fchiwach, finnv. ſchlank (ein ſchmächtiger Menfch, Leib, 
Wuchs 2c.); landſch. auch f. in hohem Grade hungrig (ſchmächtig, wie ein 
Wolf), ärmlich, kümmerlich, geizig (ihmächtig leben); die Schmädhtigkeit, 
das Schmädhtigfein, die ſchmächtige Befchaffenheit; der Schmädtling, 
-08, M. -e, Landfch. f. eine ſchmächtige Perfon. 

ſchmachvoll, f. unter Schmad). 

Schmad 1. m., -e8, o. M. (von ſchmecken, |. d.; altd. smac, G. smackes; 
niederd. Smack; ſchwed. smaak; angelf. smaec, engl. smack) vlt. f. Ge- 
ſchmack (f. d.; noch in den Zſetz. Bei, VBorfhmad 2c.); ehem. bef. f. 
Geruch; daher ſchmacklos, Biv., f. ohne Gefchmad, geſchmacklos; Tchmad- 
haft, Bw., einen Gefchmad habend, d. i. einen merklichen Eindruct auf die 
Geſchmacksnerven machend, ſchmeckbar; gew. f. angenehm fchmedend, wohl- 
fhmedend (Ichmadhafte Speiſen; ſchmackhaft Eochen; niederd. ſchmacklich, 
ſmacklik; oberd. gefhmad); die Schmadhaftigfeit, das Schmadhaftfein; 
— ſchmacken, fhmadfen, ziellof. Zw. (niederd. fmaden, ſmackſen; oberb. 
fhmadezen; vielleicht als felbftändiges Schallwort zu betrachten), landſch. 
gem. f. ſchmatzen (beim Effen); fchmagend küſſen. 

Schmad, 2. m., -es3, M.-e, (aus Sumach zgez., fpan. sumaco), der 


Gerber oder Färberbaum im füdl. Europa, und deffen Rinde ꝛc.; daher - 


Ihmadgar, Bw., Gerb. mit Schmad gar gemacht (Leder); fchmad- 
ſchwarz, Bw., Färb. aus Schmad, Blauholz u. Weinftein mit Waffer be 
reitetes Schwarz. 

Schmade od. Schmafe, w., M.-n, (niederd. Smak, Smack; holl. u. 
engl. smack; franz. semaque; vgl. das angelf. snacca, isländ. sneckia und 
Nachen), niederd. eine Art einmaftiger Handelsfchiffe mit plattem Kiele, aber 
ſehr bauchigem Vorder» und Hintertheile, auch das Schmadjchiff; — das 
Schmadpfund, in Hamburg u. Riga ein Schiffsgewiht— 400 Pfund. 

fhmaddern oder ſchmadern, ziellof. und ziel. Zw., niederd. (jmaddern; 
ver. mit mitten, fchmigen, Schmuß ze.) f. mit einer Flüffigkeit unreinlic) 
umgehen; insbef. unreinlich fehreiben, fehmieren; daher das Schmadder- 
buch f. Schmierbudy; der Schmadderer, f. Schmierer ıc. 

ſchmädern, ziellof. u. ziel. Sw., oberd. (Schallw.) f. ſchmettern; ſchwa— 
gen, plaudern (val. fchnattern). 

ſchmähen, ziel. u. ziellof. 3w. (altd. smähen, smaehen; nieberd. ſmaen, 
jmaden, verfmaen ꝛc. f. verfchmähen; ſchwed. smaeda; von dem altd. smähi, 
smaehe, oberd. ſchmäch, niederd. fma, fmä, fmade f. gering, unanfehnlich, 
verächtlich; isländ. smär, ſchwed. smä, Hein; vgl. Schmach, ſchmachten, 
Ihmädhtig), einen—, urfpr. ihn als verächtlich od. fchlecht darftellen, ihn 
mit Eränfender Geringſchätzung behandeln (vgl. verfchmähen); jest gew. 
mit Worten empfindlich beleidigen, kränken, edler als die finnv. fchimpfen, 
ſchelten (einen—, und auf ihn f&mähen); — 3fes. der Schmähhandel, 
Rechtshandel wegen Schmähungen (fr. Injurienprocefs); die Schmährede, 
ſchmähende Rede, Schimpfrede; die Schmähfchrift, ſchmähende, ehrenrüh— 
rige Schrift (fr. Pasquill); der Schmähfchriftler, Neuw., Verfaffer einer 


— 





ſchmal 735 
ſolchen (fr. Pasquillant); die Schmähſucht, Sucht zu ſchmähen; daher 
ſchmähſüchtig, Bw., damit behaftet, oder darin gegründet; das Schmäh— 
wort, ein fchmähendes, ehrenrühriges Wort, finnv. Schimpfwort; — Ableit. 
der Schmäher, -8, wer ſchmäht; die Schmähung, das Schmähen; aud) 
f. Schmähwort, Schmährede (z. B. Schmähungen gegen Semand ausftoßen); 


ſchmählich, Bw. (zunächſt wohl von smahe, Schmady; mittelh. smaehlich, 


smaehenlich; niederd. ſmälik, verächtlich, gering, ſchlecht), einer Schmad) 
gleih, mit Schmad) verbunden, Schmach bringend, finnv. ſchmachvoll, 
ſchimpflich, verächtlich (einen -Ihmählich behandeln; ein fchmähliches Ende 
nehmen); gem. auch zur Bezeichnung eines hohen Grades, wie: fürchter- 
lich, Schrecklich 2c. (z. B. eine ſchmähliche Hitze u. dgl., d. i. eine überaus große). 

ſchmal, Bw., Comp. fehmäler, Sup. ſchmälſt, auch: fchmaler, fehmalft, 
(altd. niederd. ſchwed. smal; angelf. smael, engl. small; von der Wurzel sma, 
von welcher auch smähi, smaehe, ſchmähen ftammt, f. d.), ehem. und noch 
landſch. überh. Elein, gering (fo noch in: Schmalvieh, fchmälern 2c.); daher 
noch uneig. f. Enapp, karg, ärmlich und fchlecht (4. B. einem ſchmale Biffen 
geben; ſchmale Koſt; fchmal leben 2c.); insbeſ. f. dünn, entg. did (z.B. 
ſchmale Grofchen, ehem. eine Art dünner Groſchen), ſchmächtig, mager 
(ſchmal von Leibe fein; Jäg. ein fchmales Wild); jest gew. eine verhältnifg- 
mäßig geringe Ausdehnung in die Breite habend, entg. breit (3. 8. ein 
fchmaler Streifen, fchmales Band 2c.); — 3fes. fehmalbädig, Bw., gem., 
Schmale Baden habend, abgezehrt; das Schmaleifen, Hüttenw. das im Ofen 
zurüdbleibende gefchmolgene Eifen, aus welchem Pflugicharen geſchmiedet wer- 
den; die Schmal- Ente, eine Art Eleiner wilder Enten; der Schmalflügel 
od. Schmalflügler, Naturk. cin Thier, bei. ein Käfer oder Schmetterling, 
mit ſchmalen Flügeln; der Schmalhans, gem. fcherzb. f. eine Perfon, bei 
welcher es karg hergeht u. nur fchmale Biffen (f. o.) giebt, (hier ift Schmal- 
hans Küchenmeifter, d. h. der Tiſch ärmlich beftellt); das —— ehem. 
f. niedriges Gehölz, Gebüſch; bei Kohlenbrennern f. kleines Holz; der Schmal— 
kopf, Naturk. ein vier Zoll langer Fiſch mit kleinem Kopfe; das Schmal- 
Leder, dünnes Leder von Kühen, drei= bis vierjährigen Rindern und Pferden, 
entg. Pfundleder; die Schmalfaat (altd. smalsät), oberd. f. die Eleineren, 
niedriger wachfenden Feldfrüchte, namentlich Hülfenfrüchte, als Erbſen, Wicken 20.5 
der Schmalfchwanz, Naturk. eine Art Holzkäfer, der weiche Holzbock; das 
Schmalthier, Jäg. ein Wildkalb im zweiten Zahre, ehe es zu fegen anfängt, 
foraudh: das Schmalreh, die Schmalgeif 2c.; das Schmalvieh, das 
Bleinere zahme Vieh, insbe. die Schafe, z. U. v. Zug- und Laftvieh; der 


, Schmalvogef, vit. f. Sperling; der Schmalzehnte, der Zehnte von dem 


Schmalvich; — Ableit. die Schmäle, wenig gebr. f. geringe Ausdeh- 
nung in die Breite; aud) f. v. w. die Schmalheit, das Schmalfein, die 
Schmächtigkeit; ſchmälich, Bw., landſch. f. armfelig, kärglich, ſpärlich; 
ſchmalen od. ſchmälen 1., ziel. Zw. (mittelh. smaln, smeln; holl. smalen, 
smallen), vlt. f. Elein, gering machen, mindern; fcehmälern, ziel. Zw., 
Eleiner, geringer machen (den Ader, die Einkünfte zc.), oberd. f. enger 
machen (ein Kleid); uneig. f. benachtheiligen, Abbruch thun, verkürzen 
(Semands guten Namen, Verdienft 2c.); rüdz. fih—, ſchmäler werden; 
der Schmälerer, -8, mer etmas fehmälert; die Schmälerung, das 
Schmälern. 


736 ihmälen — Scmand 


ſchmälen 2. ziellof. 3w. 1) (Schaltw.?) Zäg. von den Rehen: die Stimme 
hören laffen, f. v. w. melden; 2) (urſpr. — ſchmälen 1. d. i. als gering 
od. ſchlecht darftellen, herabſetzen; oder: ſchmählen als Ableit. von ſchmä— 
hen?) feinen Unwillen über Jemand durch Worte Außern, gelinder und 
vertraulicher, als fchelten (auf einen ſchmälen). 

Schmal- Ente, fehmälern zc., Schmalflügel, ſ. unter ſchmal. 

ſchmalgen, ziellof. u. ziel. Zw., oberd., Speifen durcheinander mengen, 
unreinlich Eochen, unreinlich und mit vollen Baden eſſen; daher die 
Schmalgereiz fchmalgern, 3w. f. unreinlich mit etwas umgehen, ſchlecht 
fhreiben, ſchmieren. 

Schmalhans, Schmalheit ꝛc. — Schmalfchwanz, ſ. ſchmal. 

Schmalte, w., M. -n, (au) Smalte; engl. smalt; aus dem ital. 
smalto, mittl. lat. smaltum, welches aber von dem deutfhen Schmelz ab- 
ftammt), Schmelzblau, Kobaltglas, aus dem Kobalt gewonnenes metalli- 
ſches Glas, als blauer Färbeftoff gebraucht, auch Blaufarbe genannt; daher 
jhmaltblau, Bw., brennend hellblau. 

Schmalthier, =vieh, =zehnte, f. unter ſchmal. 

Schmalz, f., -e3, M. (nur von mehren Arten) -e, (altd. smalz, niederd. 
Smalt, Smolt, fchwed. smält; von fchmelzen), ausgefchmelztes od. ausge— 
bratenes Thierfett, welches nach dem Erkalten weich und ſchmierig bleibt, 
verih. Talg, bei. Schweine: und Gänſeſchmalz; auch die ausgefchmelzte 
od. zerlaffene und dadurch gereinigte Butter, mit welcher die Speifen fett ger 
macht werden, Schmelzbutter, (ſprichw. ohne Salz und Schmalz, f. fade, 
matt, geſchmacklos); oberd. auch überh. f. Butter (z. B. Maienfhmalz 
f. Maibutter); in weiterer Bed. ein fetter, fchmieriger Stoff (3. B. Ohren- 
ſchmalz); — 3feg. die Schmalzbirn, eine Art faftiger, ſchmackhafter 
Birnen; die Schmalzblume, oberd. f. Butterblume; Wiefenhahnenfufs: 
das Schmalzbrod, die Schmalzfchnitte, mit Schmalz beftrichenes Brod; 
oberd. auch f. Butterbrod; in Butter gefottene Brodſchnitten; die Schmalz 
feder, 1. Fettfeder; der Schmalzfifch, ein Seefifch mit nadtem, fchleimigem 
Körper in den nördl. Meeren; die Schmalzgrube, uneig. f. ein fettes, frucht- 
bares Land; der Schmalzfäfer, landſch. f. blauer Maikäfer; das Schmalz 
fraut f. Gartenfalat; der Schmalzfübel, das Schmalzfafs 2. ; der 
Schmalzfuchen, in Schmalz gebadener Kuchen; der Schmalztopf ꝛc.; — 
Ableit. fhmalzig, Bw., viel Schmalz habend, fehr fett, (oberd. der 
ſchmalzige Samstag, d. i. der Sonnabend vor Faſtnacht); ſchmalzen, 
landſch. auch ſchmälzen, ziel. Zw. (Mi. Tandich. gefchmalzen, r. ge 
fhmalzt) mit Schmalz od. Schmelzbutter fett machen (eine Suppe 20.—; 
weder gefalzen, noch gefchmalzen, f. v. w. ohne Salz und Schmalz, f. 0.); 
der Schmälzer od. Schmalzler, -$, oberd. f. Schmalz= od. Fetthändler; 
ſchmälzeln, ziellof. 3w., oberd. f. fehlerhaft nad) Schmalz riechen oder 
ſchmecken; der Schmalzling, Schmalzapfel, oberd. eine Art Apfel mit 
glänzender Schale. 

Schmand (r. als Schmant), m., -es, 0. M., (landſch. auch die 
Schmantez altd. smant, G. smandes; flav. smetana, böhm. smetten), landſch. 
f. Milchrahm, Sahne; in Salzwerken: die Unreinigkeit, welche ſich als ein 
Schaum oben auf die Soole fest. (Salzfhmand); Bergw. eine zarte, 
ſchwefelgelbe feuchte Erde, die ſich beim Vitriolfieden niederfchlägt u. aus welcher 








ſchmarackeln — Schmarting 737 


eine rothe Farbe gebrannt wird; ſchmanten od. ſchmänten, zielloſ. Zw., os— 
nabrück. f. Schaum geben (das Bier ſchmantet); ſchmandig, Bw., ſchwäb. 


f. ſchmutzig, kothig. 





| 


fhmaradeln, fehmarädeln, od. fhmarageln, ziellof. Zw. (vielleicht ein 
Schallw.; vgl. das griech. aucoayeiv), oberd. eine Art Kegel zu fchieben, 
wobei diefelben von verfchiedenen Seiten her mit einer großen Kugel (S hma= 
vad- oder Shmaradel- Kugel) herausgeftoßen werden, der Kurzfchub. 

Schmarengeln, M., o. E., ſchwäb. f. Überbleibfel von der Mahlzeit; 
ledkerhafte Efswaaren (vgl. das mittelh. smariac unter fhmarogen); Schma⸗ 
rolen (vgl. Schmarren 2.), ſchwäb. f. leichte Mehlklöße. 

ſchmarotzen, zielof. 3w. m. haben, (ehem. auch ſchmarutzen, fchmo- 
roßen, holl. smeerotzen, ſchwed. smärätsa; wahrfch. entft. aus dem mittelh. 
snarrenzen, welches von suarren, fchnarren, abgel. ift, u. fchwasen, dann auch 
Ihmarogen bedeutet (vgl. das fchwäb. Schmarrenmader f. Schwäger u. das 
bair. fchnarrmaulen f. Hunger leiden); daher suarrenzaere, umbherziehender 
Mufitant, Hungerleider, Schmaroger; vgl. jedoch auch das mittelh. smariac 
f. Leckermaul, Schmaroger, u. das oberd. Schmarren 2.), verächtl. f. unge: 
beten auf Anderer Koften f[hmaufen od. zehrenz auch Andern fchmeicheln, 
um Vortheile von ihnen zu erlangen; der Schmaroger, -$, die Schma- 
rotzerinn, M.-en, eine fchmarogende Perfonz die Schmarogerpflanze, 
verjchiedene Pflanzenarten, die in andern Pflanzen wurzeln u. aus diefen ihre 
Nahrung ziehen; jo auch: der Schmaroberbaum; die Schmaroßernefjel; 
der Schmarogerfhwamm ꝛc.; der Schmarogerfrebs, die Krebskrabbe, 
die ihren nackten Schwanz in leere Mufcheln ftedt; die Schmarogerfchale, 
Naturk. auf fremden Körpern feftfigende Schalen von Schalthieren; — die 
Schmarogerei, das Schmarogen; fehmarogerifch, Bw., nad) Art eines 
Schmarogers. 

Schmarre, w., M. -n, (niederd. Smarre, Smarl; wahrfch. durch Buch— 
jtabenverfegung aus Schramme entft., f. d.; vgl. Scharren und Schranne), 
gem. f. eine lange, Schmale Wunde od. Narbe, bef. von einem Säbelhieb ; 
jchmarrig, Bw., Schmarren habend; fehmarren, ziel. 3w., einen—, 
mit einer Schmarre verfehen, zeichnen. 

Schmarren 1., m., -$, M. w. E., aud) der Schmaren, Schmarn, 
Verkl. das Schmärrlein (bair. au) Schmarben, Shmarmwen; verw, 
mit Schmeer, fchmieren, oberd. fchmirben; fchmoren 2c.), oberd. eine Art 


trockner Mehlfpeife, in Butter od. Schmalz gefchmort (Brod-, Semmel-, 


Mehl-, Gries-Schmarren 2c.); ſchwäb. f. gefchmortes Obft, Obftmus; aud. 
eine Art weicher Kuchen von zerftoßenen Pflaumen oder Apfeln (auch: 
die Shmarre.). 

Schmarren od. Schmarn 2., m., -8, M. w. E. (verw. mit ſchmal, 


) von der Wurzel sma, f. unter ſchmähen; oder mit dem oberd. fhmorren, 


eintrodinen, einfchrumpfen; henneberg. fchmorgen , niederd. fmurfen f. fparen 
im Effen 2c.2), oberd. 1) f. Stück, Biffen, Klumpen; uneig. f. etwas zu 
Kleines, Schlechtes, Erbärmliches; 2) ein karger Menfch, Knaufer, auch: 
der Shmarhans (vgl. Schmalhans); fchmarren, ziellof. Zw., oberd. f. 


| Earg fein, knauſern; ſchmarriſch, Bw. (bair. auch ſchmarbiſſch) f. ſpar— 


fam, £arg; fchmarmaulen, Zw., bair. f. kärglich effen. 
Schmarting, w., M. -en, Schiff. altes Segeltuc) zum Bekleiden der Taue. 


Heyfes Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 47 


en 


738 Schmaſche — fchmaufen 


Schmafche, w., M. -n, 1. landſch. f. Mafche, Schlinge; — 2. (nies 
derd. Smaaske; flawifchen Uriprungs, poln. smusik, Lammfell) Kürfchn. fein 
gekraufete Felle von ungeborenen Lämmern, ſ. v. w. Baranke. 

ſchmatzen 1., ziellof. 3w. (ein Schallwort; landſch. auh ſchmacken, 
ſchmackſen, ſchmackezen; engl. smack; ital. schiamazzare), den Schall 
hervorbringen, welcher durch Zufammendrüden und plögliches Offnen 
der naffen Lippen und der Zunge entfteht, bef. unfciclicher Weife beim 
Eſſen (ichmasen, wie die Schweine); auch mit ſolchem Schalte derb küſſen; 
daher der Schmaß, -e3, M. Schmäße, ein folder Schall; ein derber, 
lauter Kufs, verkl. das Shmäshen, Schmäslein, oberd. auch der 
Schmager, das Schmagerlein, abgek. Schmagerl: der Schmaßer, -$, 
wer fihmast beim Eifen od. Küffen; verfchiedene Eleine Vögel, wegen ihres 
Schmagenden Lautes (auch Shmas, Schmätzzeh), insbeſ. die Grasmüde: 
Hedenihmaser; die Bachſtelze: Steinfhmaser; der Fliegenfchnäp- 
ver: großer Steinfhmasger; das Weißkehlchen: Eleiner Steim 
ſchmatzer. 

ſchmatzen 2. ziel. Zw. (val. metzen 2. u. ſchmeißen, angelſ. smitan, ſchla—⸗ 
gen), oberd. Forſtw. f. ſchlagen, hauen (anſchmatzen, mit dem Wald— 
hammer zeichnen); insbeſ. die Baumſtümpfe (Schmagen) ausroden und 
zu Klafterholz ſchlagen (die Stöcke fchmagen); die Schmatze, M. -n; 
Zerftw. der im Boden ftehen gebliebene Stod eines gefüllten Baumes; 
oberd. auch f. Hauklotz, Schlägel, Rammblod; die Schmaßklafter, eine 
aus Schmasen gehauene Klafter Holz. 

ſchmätzen, zielof. und ziel. Zw. (mittelh. smetzen), oberb. verächtl. f. 
ſchwatzen, reden; der Schmäßer, -8, f. Schwäßer. 

Schmauch, m., -e$, 0. M. (niederd. Smook; angelf. smeoc, smoca, 
engl. smoke; dän. smog; mit f[hmeden, altd. smacchian, smecchan f. 
riechen, zufammenhangend, wie Rauch mit riechen), dicker Rauch, bef. von 
bloß glimmenden Stoffen ohne Flamme; fehmauchen, Zw. (niederd. ſmoken, 
ſmöken; anaelf. smeocan, engl. smoke) 1) ziellos m. haben, Schmaud) 
von fich geben (Zorf, naffes Holz ꝛc. ſchmaucht); 2) ziel. Taback —, landſch. 
gem. f. rauchen, bef. viel und ſtark rauchen (audy ohne 3ielw., 3. B. er 
ſchmaucht beftändig); oberd. auch f. fhmoren, dämpfen (Fleiſch ꝛc.); der 
Schmauchaal, landſch. f. geräucherter Aal; das Schmauchfeuer, ein glim— 
mendes und daher fhmauchendes Feuer; das Schmauchholz, in Ziegelbrennes 
reien: Holz zu einem Schmauchfeuer; der Schmaucher, -8, (niederd. Smö— 
fer), wer viel Tabak raucht; ſchmauchig, Bw., vol Schmauch, bef. 
Tabacksrauch (eine ſchmauchige Stube); — ſchmäuchen, ziel. Zw. (das Fac— 
titioum von fchmauchen), eig. ſchmauchen machen; landſch. f. räuchern 
(Fleiih); durch Schmauch vertreiben (die Bienen aus dem Stode, den Fuchs 
aus feinem Bau). 

fhmaufen, ziel. u. ziellof. Zw. (im Alt- u. Oberd. nicht üblich; wahrſch. 
durch Vorfegung eines verftärfenden f von dem alten muasen, muosen, mufen 
f. effen gebildet, ſ. Mus u. Maft), veichlih und mit Behagen effen (Kir- 
ſchen —; er ſchmauſet gern); eine gute Mahlzeit halten, an einem Feſt— 
mahl (Schmaufe) Theil nehmen; der Schmaus, -es, M. Schmäufe; 
Verkl. das Schmäuschen, eine Üüberreichliche, feftliche Mahlzeit, ein Zelte 
mahl (einen Schmaus geben; einen zum Schmaufe bitten; Hochzeits⸗, Kind⸗ 





fchmeden — Schmeer 139 


‚ taufen«, Abſchiedsſchmaus 2c.; uneig. Ohrenſchmaus, f. d.); der Schmaus- 


- bruder, =gefell, gem., wer gern ſchmauſet; fo auch: der Schmaufer, -8, 


die Schmauferinn: die Schmauferei, das Schmaufen; ein Schmaus 
(M. Schmaufereien); ſchmauſeriſch, Bw., gem. f. gern ſchmauſend. 
fchmeden, 3w. (altd. smecchan, aus smacchian entft., von einer Wurzel 
smak, smah, woraus wahrfch. zunächſt ein fpäter verlorenes ablaut. Im. 
smikan, smehhan, rät. smah, smac hervorging; auch gismahhan; mittelh. 
smecken, Prät. smacte; auch smacken; urfpr. mehr: riechen, als ſchmecken, 
wofür in ziel. Bed. kosten üblicher ift; niederd. ſmecken; angel]. smaeccan, 
engl. smack, ſchwed. smaka, holl. smaaken), 1) ziellos m. Haben, durch) 
den Gefhmad empfunden werden, einen merklihen Eindrud auf die 
Geſchmacksnerven des Gaumens u. der Zunge machen, (es ſchmeckt füß, bit 
ter, fauer zc., gut (nicht: ſchön!), fchlecht od. übel; auch mit dem Dat. der 
Perfon: es ſchmeckt mir gut ꝛc.; nad etwas fchmeden, d. i. den Geſchmack 
von etwas an fich haben oder daran erinnern, z. B. die Speife fchmedt nach 
Rauch; der Wein ſchmeckt nad) dem Faffe; gem. fcherzh. das ſchmeckt nad 
mehr, d. i. fo gut, dafs man mehr davon haben möchte); in engerer Bed. f. 
gut [hmeden, einen angenehmen Gefchmad haben (das Eſſen fchmedt mir; 
es will dem Kranken nicht fchmeden; er Läfft fih's ſchmecken); uneig. überh. 
einen Eindrud auf die Sinne od. die Empfindung machen, bef. mit Wohl: 
gefallen empfunden werden, behagen, gefallen (4. B. der Gewinn fchmedt 
gut; die Arbeit will ihm nicht ſchmecken; nad etwas—, d. i. deſſen Art u. 
Eigenthümlichkeit an fi tragen und der Empfindung verrathen; 3. B. der 


Wis ſchmeckt nad der Schule; das ſchmeckt nach Eitelkeit ꝛc.); 2) ziel. und | 


ziellos, mittelft des Gefchmadsfinnes empfinden od. wahrnehmen (charf, 
fein ſchmecken; nicht ſchmecken können; ich ſchmecke das Salz in der Speife ꝛc.); 
mit dem Gefhmad verfuchen, erproben, den Gefhmad einer Sache un— 
terfuchen, b. Eoften (den Wein, die Suppe 2e.—); uneig. überh. f. empfin- 
den, fühlen (ein Kind die Ruthe ſchmecken laffen; Freuden u. Leiden ſchmecken 
u. dal.), def. mit lebhafter Empfindung genießen (ein Vergnügen—; bibl. 


| die himmliſche Gabe—); 3) alt und ober. f. riechen, ziellos u. ziel. (3. B. 
ſchmeckende Blumen; fchmedendes Fleifh, d. i. nach Fäulnifs riechendes; 


en —— — 


ſchmeckſt du etwas? f. merkft du etwas? u. dal. m.); — 3fes. der Schmed: 
herr, landſch. Zitel für Poligei-Perfonen, welche das Bier Eoften müffen ; 
ſcherzh. uneig. f. Recenfent; — Ableit. ſchmeckbar, Biw., was gefchmedt, 
d. i. durch den Geſchmack wahrgenommen werden kann; daher die Schmed- 
barkeit; die Schmede, Tandfh. gem. f. das Vermögen, zu ſchmecken; 
oberd. f. eine wohlriehende Blume, ein Blumenftrauß die Shmeden, 
au der Schmedens od. Shmedenbüfchel); der Schmeder, -$, wer 
fhmedt, bef. wer ſich's fchmeden läfft, ein Gutſchmecker, überh. ein ges 
nufsfüchtiger, lüfterner Menſch; landſch. gem. f. der Mund, bef. Jäg. 
das Maul des Hirfches; oberd. auch f. die Nafe; u. f. Riechpflanze, Riech- 
ftrauf. 

Schmeer od. Schmer, f., -es, 0. M. (altd. der smero, smer, G. smer- 
wes; daher altoberd. auh Schmerb; v. smirwen, smiren, fchmieren, f. d.; 
niederd. Smeer; angelf. smeru, smeruy ; ſchwed. smör, dän. smor, Butter), 
überh. dickes, fhmieriges Fett (z. B. Wagenfchmeer, oberd. auch Schub: 
ſchmeer zc.), bei. das im Bauch und an den Gedärmen befindliche Thier— 


47% 


ER 


140 ſchmeichen 


fett, welches über dem Feuer ausgelaſſen Schmalz heißt (das Schwein hat 
viel Schmeer); niederd. auch f. ſchmierige Unreinigkeit, Schmutz; — der 
Schmeerapfel, eine Art Winteräpfel mit fetticht anzufühlender Schale; der 


Schmeerbauch, ein dicker, fetter Bauch; auch der untere Theil des Bauches; 


der Schmeerbaum, das Schmeerholz, oberd. Schweinmaft gebende Eichen, 
Buchen 2c.; die Schmeerbeere, landſch. f. Vogelbeere; die Schmeerblume, 
f. Dotter- od. Butterblumez; die Schmeerbutte, eine Art See- od. Meerbarbe; 
auch f. Steinbeißer (Schmeerpütte); das Schmeererz, ein filberhaltiges 
Glanzerz; das Schmeergebirge, Bergw. Gebirge, welches viel Letten ent 
hätt; die Schmeerhaube od. -kappe, oberd. ein rundes, ſchwarz-ledernes 
Käppchen; die Schmeerhaut, Fetthaut;z der Schmeerhöfer, niederd. f. 
Ketthändler; das Schmeerfraut, 1) f. Wohlverleih; 2) f. Löwenſchwanz 
od. Hanfwürger, auh Schmeerwurz; der Schmeerlaib (j. Laib), oberd. 
eine zufammenhangende Maffe Schweinfchmeer; die Schmeerlinde, landſch. 
f. Speck- oder Auguftlinde; der Schmeerftein, landſch. f. Spedftein; das 
Schmeervieh, |. v. w. Schmiervieh; der Schmeervogel, Landic. f. Baum: 
od. Heidelerche, welche fehr fett wird; die Schmeerwurz od. = wurzel, das 
Schmeerkraut, |. d.; das Fettkraut (pinguicula L.); die Schwarzwurzel; die 
fette Henne (1. fett); die Zaunrübe; falſche Schmeerwurz, f. v. w. Fich— 


tenfauger oder Fichtenfpargel (f. d.); — fehmeerig, Bw., niederd. f. fettig, 


fchmierig. 

fchmeichen, ziellof. u. ziel. Zw. (altd. smeichen, smeiken, jmaichen ; niederb. 
ſmeken, ſchwed. smeka, ſämmtlich f. ſchmeicheln; verw. mit ſchmiegen; vgl. das 
mittelh. smeich, Schmiegung, Geſchmeidigkeit; isländ. smeikr, ſchlüpfrig; 
grieh. Kunze), vlt. f. ſchmiegen, ſtreicheln, ſchmeicheln; landſch. Web. 
den Aufzug—, d. i. mit Schlichte (f. d.) ſchmieren, ſchlichten; daher die 
Schmeiche, f. Schlichte; — ſchmeicheln, ziellof. 3w. m. Haben und dem 


Dat. der Perfon (abgel. Zw. der neueren Sprache f. das alte ſchmeichen; 


oberd. ſchmaicheln), eig. fi) vor od. an Jemand fehmiegen, ihn liebkofen, 
freundlich thun, bef. ftreicheln ıc. um etwas zu erlangen (der Hund ſchmei— 
chelt feinem Herrn; das Kind fchmeichelt der Mutter zc.); in weiterer Anwen— 


dung: fi) Jemand gefällig beweifen, ihm ungegründete Vorzüge beilegen, 


um feine Gunft oder einen Vortheil 2c. zu gewinnen (Höflinge fchmeicheln dem 
Fürften 20.5 ihm, ihr zc. (nit: er, fie) wird von Vielen gefchmeichelt; une 
eig. der Maler fchmeichelt einer Perfon, wenn er fie Schöner darftellt, als fie 
ift)y uneig. angenehme Empfindungen erregen (die lauen Lüfte ſchmeicheln 
ihr 20); bef. fich (mir) fhmeicheln, f. eine angenehme, obwohl ungemiffe 
Vorftellung, Hoffnung ꝛc. in ſich erregen u. hegen (ich ſchmeichle mir mit 
der Hoffnung ꝛc.; ich ſchmeichle mir, Ihren Beifall zu erlangen 2c.; oberd. 
und dicht. auch: ſich einer Sache (Gen.) ſchmeicheln); — 3fes. ber 
Schmeichelblid, laut od. ton, die Schmeichelrede, das Schmeidjel- 
wort 2c., fehmeichelnder Blick, Laut 2c.; die Schmeichelfaße, verkl. das 
Schmeichelfätschen, eine ſchmeichelnde Katze; uneig. ſcherzh. f. ein fchmeiz 
chelndes, zärtliches Kind; der Schmeichelnamen, ein Namen, mit welchem 
man Jemand fchmeichelt; die Schmeichelzunge, Zunge eines Schmeichlers; — 
Ableit. die Schmeichelei (oberd. auh der Schmaich eh, 1) das Schmei- 
cheln, als Gewohnheit und Fertigkeit; 2) dasjenige, womit man fhmeichelt, 
fchmeichende Reden od. Handlungen (M. Schmeicheleien) ; der Schmeich— 











fehmeidig — fehmelzen 141 


Ver (ggeg. aus Schmeicheler; altd. smeichenaere, smeicher, oberd. Schmai- 
her), die Schmeichlerinn, wer fehmeichelt (z. B. ein Kind), eine fchmei- 
chelnde Perfon, bef. in nachtheiligem Sinne (z. B. Schmeichler verderben 
den Fürften); ſchmeichlich, Bw., alt u. dicht. f. ſchmeichelnd, angenehm, 
lieblich; fchmeichelifch, vit. f. fchmeichlerifch, Bw., gern fchmeichelnd, im 
Schmeicheln geübt (ein fchmeichlerifcher Menſch); fhmeichelnd, angenehm 
(chmeichleriſche Worte); fchmeichelhaft, Bw., einer Schmeichelei ähnlich, 
eine Schmeichelei enthaltend, auch ‚überh. f. vortheilhaft, günftig (4. 2. 


‚ein fchmeichelhaftes Schreiben; er fagte mir viel Schmeichelhaftes 2c.); die 


Schmeichelhaftigkeit, das Schmeichelhaftfein. 

fchmeidig, Bw., (niederd. fmidig, ſmödig, dän. smidig), alt u. dicht. f. 
geſchmeidig (1. d.) auch f. gefchmeidig machend (ſchmeidiges DL); die 
Schmeidigfeit, f. Gefchmeidigkeit; fehmeidigen, ziel. Zw., gefchmeidig 
machen; fih—, f. gefchmeidig werden. 
Schmeilei, m 8, M. w. E., eine Art fäuerlicher Apfel, auch Schäm- 
apfel. ’ 

fhmeißen, ziel. u. ziellof. 3w., ablaut. Impf. ſchmiſs, Conj. fchmiffe, 
Mw. gefchmiffen, (goth. smeitan u. angelf. smitan, ſchmieren; althochd. smi- 
zan, smeiz, gismizan; mittelh. smizen, smeiz, gesmizzen, fowohl: werfen ıc., 
als fchmieren; daneben das abgel. ſchwache smeizen, oberd. ſchmaißen, f. 
befudeln; nieberd. fmiten, engl. smite, holl. smyten, ſchwed. smita, werfen ; 
niederd. fmitten, holl. smetten, isländ. smeta, fehmieren, beſchmutzen; — 
wahrfch. find in unferm ſchmeißen 2 Wörter von urfpr. verfchiedenem 
Stamme vermifcht: das eine: werfen — lat. mittere; das andere: fchmieren ıc., 
wovon ſchmitzen, Schmuß zc. abftammen), 1) gem. f. werfen (4. B. einen 


zu Boden—; mit Steinen—), u. f. fehlagen (einen hinter die Ohren—; das 


Pferd ſchmeißt hinten aus); daher auch f. plöglich u. heftig fallen (m. Al ein: 
“er ift hingefchmiffen; vgl. fchlagen); oberd. aud) f. fchlendern, gemächlich ges 
ben; ferner: den Koth durch den After auswerfen, bei. von Vögeln und 
Inſecten (in diefer Bed. alt u. landfch. auch umend. ſchmeißte, gefhmeißt, 
3. B. bibl. eine Schwalbe fcehmeißte), auch vom Eierlegen der Infecten; 2) 
alt u. oberd. f. fehmieren, befudeln, befhmugen; — der Schmeif, oberb. 
 (Schmaiß) f. Schlag; die Schmeiße, oberd. (Schmaißen) f. Durchfall; der 
Schmeißer, oberd. f. Hieb, Verweis; — die Schmeißfliege, eine Art 
großer Fliegen, welche ihre Eier in das Feiſch legen. 

Schmele, Schmelche, w., ſ. Schmiele. 

ſchmelen, zielloſ. Zw. m. haben, niederd. (ſmelen, ſmellen; vgl. das 


\ engl. smell, riechen) f. ſchmauchen, ſtark rauchend langſam verbrennen 


(feuchtes Holz ſchmelet weg); ſchmelerig, Bw., niederd. f. wie angebrannt 


oder verſengt riechend. 


Schmelte, w., M.-n, (auch: der Schmelt, Schmelz), landſch. f. Sand— 


| aal; Stint. 


fhmelzen 1. ziellof. 3w. m. fein, ablaut. ich fehmelze, du ſchmilzeſt, 
er ſchmilzt; Imper. fchmilz, ſchmelzet; Impf. ſchmolz, Gonj. ſchmölze; 
Mw. geſchmolzen, (altd. smelzan, smelzen, Prät. smalz, M. smulzun, smul- 
zen, Part. gismolzan, gesmolzen; niederd. fmulten, holl. smelten, smilten; 
isländ. smalta, dän. smelte; angelſ. meltan, engl. melt und smelt; griech. 
werdeıy, erroeichen, ſchmelzen machen; vgl. mild), flüffig werden, in Fluſs 


142 jchmelzen 


gerathen, zergehen, d. i. aus dem Zuftande der Feftigkeit in den der Flüffig« 
Feit übergehen, bei. durh Wärme (der Schnee ſchmilzt; geſchmolzenes Eis, 


Metall 2e.; uneig. das Auge ſchmilzt in Thränen, d. i. Löft fich gleichfam in 


Thränen auf; fchmelzende Zöne, d. i. Tanft in einander fließende); dicht. uneig. 
f. erweicht, gerührt werden (3. B. ihr Herz fchmolz in ſüßer Wehmuth); gem. 
auch ziel. f. fhmelzen 2. (z. 3. fie ſchmolzen Blei, r. ſchmelzten; 
die Sonne hat den Schnee gefhmolzen, r. gefhmelzt); — fchmels 
zen 2, ziel. Zw., (ſchwach umend. er Tchmelzt, ſchmelzte, gejchmelzt, (das 
Factitivum v. ſchmelzen 1.; altd. smelzan (entft. aus smalzian), smelzen, Prät. 
smalzta, smalzte, Part. gismalzit, gesmalzt u. gesmelzet; niederd. fmulten), 
machen, dafs etwas fchmilzt, einen feſten Körper mittelft dev Wärme in Flufs 
bringen (Wachs, Butter ꝛc. —; die Sonne fehmelzt den Schnee; bei. Mes 
talle —, durch Keuer flüffig machen u. dadurch von dem Geftein u. den Schla— 
&en abfondern); uncia. f. weich, mild, nachgiebig machen, erweichen, rüh— 
ren (das Herz, den Zorn 2.—); Mal. aufgetragene Karben in einander 
vertreiben, fo dais fie fanft in einander fließen (vgl. verfchmelzen); auch: mit 
Schmelz (f. u.) überziehen, od. mit Schmelzfarben malen (fr. emailliren; ein 
Uhrgehäufe, einen Ring ꝛc. —; gefchmelzte Arbeit); mit Schmalz od. Butter 
verfehen, r. ſchmälzen od. ſchmalzen (f. d.); — der Schmelz, -es, M. -e, 
(mittelh. smelz; daher das ital. smalto, franz. email), ein durch Schmelzung 
erhaltenes farbiges metalliſches Glas, auch Schmelzglas (vgl. Schmalte), 
beſ. eine mit Zinn- od. Bleiaſche verſetzte glaſige Maſſe, mit welcher Gold und 
Kupfer wie mit einer Porzellankrufte überzogen wird (fr. Email); in engerer 
Bed. aus folder Maffe verfertigte Eleine glänzende Röhrchen, die, auf 
Fäden gereiht, zur Stiderei u. andern Verzierungen dienen (mit Schmelz be: 
fegen, ftiden 2c.); in weiterer Bed. überh. ein harter, glänzender, glafichter 
Überzug, bef. der Zähne; dicht. f. bunter, lebhafter Farbenglanz (ber 


Schmelz der Blumen, der Wiefen 2c.); Mal. auch die Vertreibung od. Vers 


fchmelzung der Farben; — 3fes. von ſchmelzen u. v. Schmelz: Die Schmelz 
arbeit, 1) Hüttenw. das Schmelzen der Metalle; 2) das Überzichen mit 
Schmelz, u. mit Schmelz überzogene Dinge, Schmelzwaaren (fr. emaillirte 
Arbeit); der Schmelzarbeiter, Verfertiger von Schmelzwaaren (fr. Emailleur); 
fchmelzblau, Bw., f. v. w. fchmaltblauzs das Schmelzbuch, Hüttenw. ein, 
Bud, in welches alles die Schmelzarbeit Betreffende aufgezeichnet wird; die 
Schmelzbutter, geſchmelzte und dadurch gereinigte Butter (vgl. Schmalz); 
das Schmelzeifen, Hüttenw. gefchmelztes Eifen, welches erft auf ben Ham— 
mer gebracht werden muſs; die Schmelzfarbe, Farbe des blauen Schmelzes; 
metallifhe Karben, mit denen auf Schmelz gemalt wird (fr. Email = Karben); 
das Schmelzfeuer, ein Zeuer, bei welchem gefchmelzt wird od. werden kann; 
der Schmelzgaft, Hüttenw. ein Auswärtiger, der fein Erz in einer Schmelz 
hütte ausfchmelzen läſſt; das Schmelzglas, f. o. Schmelz; die Schmelz. 
hütte, ein Gebäude, in welchem Erze ausgefhmelzt werden; die Schmelzs 
kammer, in Münzen ber Ort, wo das Metall in Zaine gegoffen wird; die 
Schmelzkunft, 1) die Kunft, Erze zu ſchmelzen; 2) die Kunft, mit Schmelz 
zu überziehen, od. mit Schmelzfarben zu malen (Emaillir-Kunft); daher ber 
Schmelzkünſtler; der Schmelzlöffel, ein eiferner Löffel, in welchem man 
Blei, Zinn zc. ſchmelzen Läfft; der Schmelzmaler, wer auf Schmelz, mit 
Schmelzfarben malt (Email-Maler); die Schmelzmalerei; der Schmelgofen, 











Schmer — Schmerz 143 


ein Ofen, worin Körper, bef. Metalle, geichmelzt werden; das Schmelzrohr 
od. sröhrchen, ein enges Rohr, die Lichtflamme damit über den zu fchmelzens 
den Schmelz zu blaſen; das Schmelzfilber, mit rothem Borar vermifchter 
Silberkalt zum Verfilbern; der Schmelztiegel, ein Gefäß von gereinigtem 
Thon, Metalle darin zu Schmelzen; auf Kupferhämmern ein eifernes Gefäß, 
in welches das geichmolzene Kupfer gegoffen wird ; in Schmelzhütten der Theil 
des Schmelzofens, in welchem fich das geſchmolzene Metall fammelt; die 
Schmelzwaare, ſ. Schmelzarbeit; das Schmelzwerf, 1) eine Anftalt zum 
Metallichmelzen; 2) erhabene Arbeit aus Schmelg; — Ableit. v. fchmel- 
zen 2.: fchmelzbar, Bw., was gefchmelzt werden kann; daher die Schmel;- 


barkeit; die Schmelze, Neuw. f. das Schmelzen, u. eine Anftalt dazu; 


ber Schmelzer, wer fchmelzt, beſ. Hüttenw. wer das Schmelzen ber Erze 
verrichter; die Schmelzerei, das Schmelzen; eine, Anftalt zum Metall: 
fhmelzen (M. -en); der Schmelzling, -es, M. -e, 1) f. v w. Schmalz- 
fiſch; 2) eine Art mweißgrauer Apfel, Grübling; auch f. Schlotterapfel; 
die Schmelzung, das Schmelzen, bef. der Metalle; die Vertreibung ob. 
Berfehmelzung der Farben. 

Schmer, f«, ſchmerig, Schmerapfel, =baudy ꝛc. — Schmerwurz, 
f. Schmeer. 
Schmerbel, m., -8, 0. M. (von fhmirben, Schmerb f. ſchmieren, Schmeer, 


f. d.), landfch. f. fehmieriger Ganfefuß oder Mangold, eine Pflanze, auch 


guter Heinrich, Allheil 2c. genannt; auch f. Dotter=- od. Butterblume; u. f. 
Schmergel 2. 

Schmergel 1. m., -8, M. w. E. (gem. au) Schmirgel; ital. sme- 
riglio, franz. emeril, emeri; vom griech. auvoıs), ein ftrengflüffiges Eiſen— 
erz, "welches, durch Pochen u. Schlämmen gereinigt, zum Poliren des Stahls, 
Eifens, Glafes und einiger Ebdelfteine gebraucht wird; fehmergeln, ziel. Zw. 
(auch ſchmirgeln), mit Schmergel poliren od. blänfen; der Schmerg: 


‚ler, -8, wer dies verrichtet. 


Schmergel 2. m., -8, landſch. f. kleines Schelltraut, Feigwarzenkraut; 
große od. KubsSchmergeln, landfch. f. Butterblumen. 

Schmergel 3. m., ſ. Schmirgel. 

Schmerl, m., -es, M. -e, od. die Schmerle 1., M. -n, (landfch. auch 
Schmirl, Schmierlein, Schmierling, Merl, Merle; ital. smeriglione, franz. 
emerillon), eine Art Eleiner Falken: der Stein od. Lerchenfalf. 

Schmerle 2., w., M. -n, (auh der Schmer!, Schmerling; engl. 
smerlin; vielleicht von Schmeer, wegen bes zarten, ſchmalzigen Fleiſches ?) 
ein Eleiner wohlfchmedender Bachfifch mit geflectter Haut, in Oberd. Grüns 
del, Grundling genannt; die Schmerlengrube, Fiſch. eine Grube in einem 
Bache, in welche man eine Flechte fegt, um Schmerlen darin aufzubewahren. 

Schmerz, m., des Schmerzes (chem. Schmerzene), dem Schmerze 
(ehem. Schmerzen), den Schmerz, M. die Schmerzen, (alth. smerza, 
w.; mittelh. diu u. der smerze, &. des smerzen zc.; oberd. auch der Schmer: 
zen; nieberd. Smart; angelf. smeorte, engl. smart, ſchwed. smärta, dän. u. 
holl. smerte; von der Wurzel mar, mit verftärkendem s: smar; vgl. Mord, 
das lat. mors u. flav. smert, Tod), jede unangenehme Eörperlihe Empfins 
dung, an fich felbft (fubiectiv), verih. Weh, welches dasielbe von Seiten der 
Urjache (objectiv) bezeichnet, u. von weiterer Bed., ald Pein, Qual, welche 


144 Schmetten — Schmetterling 


den höchſten „Grad des Schmerzes bezeichnen, (Schmerz empfinden, haben; 


Schmerzen leiden, — machen od. verurfachen, — ftillen 20.5 Kopf-, eib-, 


Zahnſchmerzen 2c.); in weiterer Bed. au eine unangenehme Empfindung 
des Gemüths, das drüdende Gefühl eines Ubeld, in höherem Grade, als 
die finnv. Unluft, Zraurigkeit, Betrübnifs zc. (3. B. der Schmerz über den 
Verluft eines Freundes u. dgl.); uneig. ein hoher Grad der Ungeduld (einen 
mit Schmerzen erwarten); — fehmerzen, ziel. Zw. (altd. smerzan, smerzen, 
ablaut. Präf. smirze, Prät. smarz, Part. gesmorzen; jet nur umend. fchmerzte, 
gefchmerzt; oberd. auch ſchmirzen), einen—, ihm Schmerz verurfachen, 
einen unangenehmen, empfindlichen Eindrud auf feinen Körper, od. fein 
Gemüth machen, nur von Sachen (3. B. die Wunde, die Hand, der Zahn ze. 
ſchmerzt ihn; fein Unglüd, fein Zod 2c. fchmerzt mich; es ſchmerzt mich, dafs 2c.; 
auch ohne Zielm. die Wunde ſchmerzt; unverdiente Vorwürfe ſchmerzen u. 
dal. m.); — 3fes. von Schmerz: fehmerzbeladen, -belaftet, Bw.; 
fchmerzfrei, ſchmerzlos, Bw., ohne Schmerz; daher die Schmerzlofigkeit; 
fchmerzftillend, Bw., den Schmerz ftillend (ein Mittel); ſchmerzvoll, Bw., 
20.5; — von Schmerzen und Schmergens: das Schmerzengeld, Geld 
zur Vergütung für erlittene Schmerzen, Troftgeld; das Schmerzen= oder 
Schmerzenslager, Lager, auf welhem man Schmerzen empfindet, Kranken— 
lager; die Schmerzenlaft, viele drüctende Schmerzen; fehmerzenlindernd, 
Bw.; ſchmerzenreich, Bw.., viele Schmerzen empfindend, od. verurſachend; 
der Schmerzenreich, oberd. ein Eörperlich viel leidender Menſch; der Schmer— 
zensruf, = fchrei, -ton 2c., durch den Schmerz erprefiter Ruf ꝛc.; der 
Schmerzensfohn, ein unter Schmerzen geborener od. viel Schmerzen erlei- 
dender Menſch; die Schmerzensftunde, der Schmerzenstag, die Schmer- 
zensnacht, das Schmerzensjahr, die Schmerzenszeit, Stunde zc., Zeit, 
in welcher man viele Schmerzen erlitt; — Ableit. v. Schmerz: ſchmerz— 
haft, Mw., eig. Schmerz habend, empfindend (daher oberd. die ſchmerz— 
bafte Mutter Jeſu; der ſchmerzhafte Freitag od. Schmerzen-Freitag, bair. 
der Freitag vor Palmfonntag, als Feft der fieben Schmerzen Mariä); gem. 
mit Schmerz verbunden, Schmerz verurfachend (eine fchmerzhafte Krank- 
heit; fein Tod ift mie ſehr fchmerzhaft); die Schmerzhaftigfeit, das 
Schmerzhaftfein; fehmerzlich, Bw. u. Nw., fchmerzend, Schmerz verur— 


fahend, bef. von Gemüthsfchmerzen; mit Schmerzen (etwas ſchmerzlich 


empfinden 2c.); die Schmerzlichkeit. 

Schmetten, m., -$, 0. M. fchlef. und öftreih. f. Schmand (f. d.), 
Milchrahm. 1 

Schmetterling» m., -es, M. -e, (ein urfpr. niederd. Wort, von ſchmet— 
tern als Verftärkungsform von ſmiten, fehmeißen, ſ. d.; alfo: der Be 
ichmeißende, viele Eier Legende; daher auch: Raupenfhmeifßer), eine 
Gattung Inſecten, deren Larven Raupen heißen, mit haarigem Leibe und 
vier weißen od. farbigen Flügeln, die beftäubt erfcheinen, eig. aber mit Kleinen 
Federchen befegt find, niederd. auch) Butter-, Maivogel ꝛc., oberd. Falter, 


Sommervogel ze. genannt; (man unterfcheidet: Tag-, Dämmerungs-, und 


Nachtichmetterlinge od. » Vögel; in den fchönen Künften ein Sinnbild der Un- 
fterblichfeit u. des Überganges in einen vollfommneren Zuftand); uneig. ein 
leichtfinniger, flatterhafter Menfch, bef. ein folcher Liebhaber; Naturk. aud) 

eine Art bunter Baumkletten in Amerita; — die Schmetterlings- 





— — 





fchmettern — fehmieden 7145 


blume, Pflanz. Blumen mit fchmetterlingsartigen Blumenkronen; insbeſ. 
eine Art des Knabenkrautes; der Schmetterlingöfang; dev Schmetter- 
lingsfänger zc.; der Schmetterlingsfifch, eine Art Schleimfiihe, deren Rü- 
ckenfloſſe Schmetterlingsflügeln ähnelt; der Schmetterlingsflügel, uneig. 
eine Art Schöner Napfmufcheln, auch: der bunte Schmetterling. 
fehmettern, Zw. (urfpr. niederd. Verftärkungs- u. Wiederholungsform von 
fhmeißen, altſächſ. smitan, niederd. fmiten, vgl. Schmetterling; jest als 
Schallwort gefaſſt; vgl. das ſchwed. smattra, raffeln) 1) ziellos m. haben, 
heftig zitternd und erſchütternd ſchallen (die Trompeten fchmettern; ein 
fehmetternder Donnerfchlag); einen folhen Schall hervorbringen, mit ſtar— 
fer, erfchütternder Stimme fingen (die Nachtigall fchmettert); m. fein: 
fhmetternd fallen od. an etwas geworfen werden (z.B. mit dem Kopfe an 
die Wand—; er ift niedergefchmettert); 2) ziel. etwas—, mit diefem 
Schalle heftig werfen, fchlagen (z. B. etwas in taufend Stüde—, einen zu 
Boden fchmettern); die Schmetterheufchrede, eine Art Heufchreden, die ein 
ftarfes Geräufch machen, Klapper-, Schnarrheufchrede. 
ſchmetzeln, ziellof. 3w., ſchwäb. f. Lächeln, liebaugeln, fhmunzeln. 
Schmide, w., M.-n, (niederd. Smide) landſch. f. Schmiße an der 
Peitſchenſchnur; Peitſche; ſchmicken, 3w., f. peitfchen. 
Schmid, Schmidt, m., ſ. Schmied unter ſchmieden. 
ſchmieden, ziel. Zw., (altd. smidön, smiden, Prät. smidete, smitte; nie 
derd. ſmeden, fmeenz; ſchwed. smida; angelſ. smithian; — das altd. smidon 
läſſt auf ein altes ablaut. Zw. smidan, smeit, smiten ſchließen, welches „er— 
weichen, geſchmeidig od. biegfam machen‘ bedeutete; val. das angelf. smaethe, 
engl. smooth, wei, geſchmeidig, u. das lat. mitis), Metall im Feuer 
mittelft des Hammers dehnen u. bearbeiten (Eifen, Kupfer ꝛc. —; ſprichw. 
man mufs das Eiſen ſchmieden, weil es heiß iſt, d. i. den günſtigen Zeitpunkt 
benugen), ſchmiedend verfertigen (ein Hufeifen, einen Säbel, ein Meffer 2..—); 
ſchmiedend oder mittelft gefchmicdeten Eifens befeftigen (einen Verbrecher an 
den Karren, in die Eifen ꝛc. fchmieden); uneig. verädhtlih u. in nadıtheiligem 
Sinne f. machen, verfertigen, hervorbringen, anftiften (Verſe, Reime —; 
Ränke —; fein eigenes Unglüd—): — der Schmied, -e5, M. -e, (gem. 
Schmid od. Schmidt gefchr.; altd. smit, G. smides, niederd. Smid, 
ſchwed. u. dän. smed; angelf. u. engl. smith), überh. ein Handwerker oder 
‚Künftler, welcher Metall fhmiedet und verarbeitet (z. B. Huf: od. Grob: 
ſchmied, Meffer:, Nagel-, Waffen-, Zeugſchmied; Kupfer-, Goldfchmied 2c.); 
insbeſ. der Huf- od. Grobfcehmied, der allerlei grobe Eifenwaaren ‚verfertigt ; 
uneig. überh. wer etwas macht, hervorbringt, anftiftet (ſprichw. Jeder ift 
feines Glüdes Schmied; vol. Ränkefhmied); Narurk. der Petersfifch 
oder Meerfchmied; eine Art Lipp= oder Bandfifche; die Schmerle; der 
Schnellfäfer; das Schmiedel, landſch. f. der Weidenzeifig; die Schmiede, 
M.-n, (altd. smitta, smitti, smitte, oberd. die Schmitten, niederd. Smede, 
engl. smithy), die MWerkftatt eines Grobfchmiedes; chem. überh. f. Werk— 
ftatt (daher noch fprichw. vor die rechte Schmiede gehen, d. i. ſich an den rech— 
ten Ort od. den rechten Mann wenden); — 3fe$. v. fchmieden u. Schmied; 
die Schmiedearbeit; der Schmiedebalg, Blafebalg in einer Schmiede: 
die Schmiedeeffe, 1. Efies das Schmiedegeräth; der Schmiedehammer, 
großer Hammer des Grobſchmieds; das Schmiedehandwerk, =gewerbe, 


746 fhmiegen — fdhmieren 


-gewerk; der Schmiedemeifter, -gefell ıc.; der Schmiedkäfer, landſch. f. 
Hirſchkäfer, Feuerfhröter; der Schmiedefnecht, f. v. w. Schmiedegeſell; 
Naturk. f. Schnell: od. Springkäfer; die Schmiedefohle, Kohlen, bef. Stein: 
kohlen zur Schmiedearbeit; die Schmiedefchlade, bei den Grobſchmieden ab» 
gehende Schladen; der Schmiedeftod, ein Klo, auf welchem der Ambofs 
des Schmiebes fteht; die Schmiedezange, ſtarke Zange der Grobſchmiede; — 
Ableit. v. fchmieden: fehmiedbar, Bw., ehem. auch ſchmiedſam (altd. 
smidesam), was gefchmiedet werden kann (fchmiedbare Metalle); daher die 
Schmiedbarkeit. 

ſchmiegen, ziel. u. gew. rückz. Zw. (altd. smiugan, smiegen, ablaut. Prät. 
smouc, smög, smugen, Part. gesmogen; noch oberd. ſchmug, oe neben 
ſchmiegte, geſchmiegt; im Hochd. jetzt nur umend.; angelf. smugan, kriechen; 
isländ. smiuga, ſchwed. smyga, kriechen, ſich einſchleichen, mit dem Factitiv. 
smeygia, smegia; daher das niederd.ſmuggeln, ſchmuggeln, f. d.; vgl. 
das dän. myg, ſchwed. mjuk, ſchmeidig, weih), fih—, ſich gefchmeidig 
biegen, ein= od. zufammenziehen, drehen und winden, mit dem Nebenbe: 
griff des genauen Anſchließens an einen Körper (die Rebe ſchmiegt fich um den 
Baumftamm; fie ſchmiegte fich zärtlich an ihn 2c.), bef. als Zeichen der De- 
müthigung od. Ericchenden Unterwürfigkeit (dev Hund jchmiegt fich vor feinem 
Herrn); auch duch Krümmung feinen Umfang vermindern (fi in einen 
Winkel —); etwas—, uneig. es einer andern Sache genau anfchließend 
od. anpaffend machen; Handw. eine Wand—, d. i. genau nach der Schmiege 
aufführen; (das oberd. Mw. gefhmogen als Bw. f. fhmächtig, knapp, 
Hein); die Schmiege, M. -n, Handw. ein Winkel über od. unter 90 Grad 
(and) Schmiegung); ein bewegliches Winkelmaß zum Meffen folder 
Winkel, Schrägmaß, Winkelfaffer; die Schmiegung, das Schmiegen; 
die Schmiege (1. d.); ſchmiegſam, Bw., ſich gut und leicht ſchmiegend, 
biegfam u. gefchmeidig, eig. u. uneig. (eine ſchmiegſame Ranke; ein fchmieg- 
famer Menſch); die Schmiegfamteit. 


Schmiele, w., M.-n, (altd. smelohe, smelhe; oberd. Schmelhen, Schmel- 


hen; landſch. auch Schmele, Schmelengras; von fehmal?), eine Grasart 
mit langen, fchlanfen u. biegfamen Halmen, auch: Windhalm, (befon- 
dere Arten find: gebogene Schmielen, auch Drathfchmielen; hohe od. Rafen- 
ſchmielen; weiße od. Silberfchmielen auf den Alpen; Berg-, Rohr-, Zwerg⸗ 
fchmielen ze.); oberd. überh. f. dünnes, langhalmiges Gras; landſch. au 
f. Binfen. 

fchmielen u. ſchmieren 1. ziellof. Zw. (mittel. smielen, smieren; ſchwed. 
smila, engl. smile; daher noch ſchwäb. ſchmollen, fchweiz. fchmölleln, f. 
Yächeln), völlig vlt. f. lächeln. 

fehmieren 2, ziel. 3w. (altd. smirwan, smirwen, smiren, smirn; oberb. 
fhmirben u. ſchmiren; niederd. fmeren; angelf. smervian, engl. smear; isländ. 
smyrja, ſchwed. smörja; f. Schmeer; vgl. das griech. uvpor, Salbe), einen 
weichen, feuchten, und bef. fertigen Stoff auf der Oberfläche eines Körs 
pers ausbreiten, oft mit der Nebenvorftellung des Schmugigen, Unreinlichen, 
wodurd es fich von den finnv. ftreichen, falben, fetten ꝛc. unterjcheidet, 
(Lehm über etwas—; Butter auf das Brod—; einem Kinde Brei in den 
Mund—; daher uneig. gem. einem etwas ind Maul—, d. i. es ihm ſehr 
deutlich machen) ; etwas mit einem feuchten Stoffe, mit Fett ıc. beffreichen 








fchmieren 7147 


ober überſtreichen (einen Ofen—, d. i. mit Lehm auöftreichen; eine Brod» 
fhnitte mit Schmalz ꝛc. —3 die Haare mit Pomabe—; die Schuhe, die 
Stiefel 2..—; den Wagen—, d. i. bie Achſen mit Theer ꝛc. beftreichen; daher 
ſprichw. wer gut fchmiert (niederd. ſchmert), der gut fährt; ein Schloſe eine 


Feder ꝛc. —, einölen; uneig. gem. die Gurgel ſchmieren, f. ftarf trinken; einem 





’ 


den Budel ſchmieren, f. prügeln; einem das Maul fchmieren, d. i. ihm Hoff: 
nungen erregen, ohne fie zu erfüllen; einem die Hande—, auch bloß: einen 
fhmieren, gem. f. beftechen; niederd. f. ihm fchmeicheln, nach dem Munde 
reden; oberd. ziellos: mit Einer fhmiren od. Ihmirben, f. fyönthun, 
zubringlich Liebkofen; geſchmirbte Worte f. Schmeicheleien; den Wein 
fhmieren, d. i. durch Zufäge verfülichen, um ihm eine ſchönere Farbe und 
einen angenehmeren Gefhmad zu geben); insbeſ. gem. f. fchlecht fchreiben 
od. malen, fudeln (etwas in ein Buh—, einen Brief— 2c.); das Schmier, 
-e8, M.-e, landſch. f. Schmeer, ſchmieriger Stoff, bei. in: Wagen- 
ſchmier; M. Schmiere uneia. gem. f. Schläge (Schmiere befommen) ; 
die Schmiere, M. -n, (oberd. Schmirbe, Schmirben), ein weicher, fettiger 
Stoff, mit welhem man etwas fchmiert (Schuh- Wagenfchmiere zc.; die 
Schmiere der Schäfer, eine Salbe für die räudigen Schafe); in weis 
terer Bed. fettige, Elebrige Unreinigkeit; — 3feg. der Schmierarzt, ein 
Quackſalber, der mit Schmiere od. Salben heilt; der Schmierbaum, landſch. 
f. die Kiefer; Schiff. mit Fett beichmierte lofe Bäume an den Seiten eines 
Schiffes angehängt, wenn ein Boot ausgeſetzt, od. Güter ein- u. ausgewunden 
werben follen; das Schmierbuch, gem. ein Buch, in welches man fchmiert, 
d. i. flüchtig und ſchlecht Schreibt; die Schmierbüchfe, der Schmiereimer, 
das Schmierfafs, ein hölzernes Behältniis mit Wagenfchmier, unten an den 
Wagen gehängt; der Schmierhammel, -fittel, -matz, -ſack, gem. f. ein 
ſchmieriger, fehr unreinliher Menſch; der Schmierkäfe, 1. v. w. Quarf 1), 
Käfebutter; der Schmierlappen, ein Lappen zum Schmieren; fchmieriger 
Lappen; das Schmierleder, mit Thran gefchmiertes Leber; der Schmier: 
ofen, f. v. w. Pechofen; die Schmierfalbe, weiche ölichte Salbe der Wund» 
ärzte; das Schmierfchaf, cin räudiges od. krätziges Schaf, welches gefchmiert 
werden mufs, als Sammelw. das Schmiervieh; die Schmierfeife, ſchwarze 
od. grüne ſchmierigeSeife; die Schmiertafche, gem. niederd. (Smeertaste) 
f. ein Schmeichler; die Schmierwolle, Wolle von Schmierfchafen, unreine 
Wolle; — Ableit. Schmieralien, M. o. E., ſcherzh. mit lateinifcher En» 
dung gebildet f. elendes, fchlechtes Gefchreibfel, Subdeleien; auch f. Ge— 
ſchenke zur Beftehung des Richters 2c.; der Schmierer, -8, M. w. E., 
wer fchmiert, insbef. ein Schäfer, der mit Schmiervich zu thun hat, Schmier= 
ſchäfer; gew. wer ſchlecht u. unreinlich ſchreibt; auch ein ſchlechter Schrift: 
fteller, Vielſchreiber; oberd. ein leichtfertiger , verliebter Menſch (auch 
Schmirber; f. o. fohmieren); die Schmiererei, das Schmieren, die 
ſchmierige od. unreinliche Behandlung od. Arbeit; eine ſchmierige, uns 
teinliche Sache, bef. fubelhafte Schreiberei; auch eine fchlechte, flüchtig 
verfaffte Schrift (M. Schmierereien); fehmierig, Bw. (oberd. fchmirbig, 
geſchmirbig), weich oder dicklich flüffig und fettig (eine fchmierige Maffe, 
fehmieriger Käfe 1.) ; mit einem folhen Stoffe überzogen, befubelt (ſchmie— 
tige Schuhe; fi ſchmierig machen ꝛc.); gem. überh. f. ſchmutzig, unrein 
(ein ſchmieriger Menſch), auch fhmierig oder ſchmutzig machend (eine 


748 Schmiering — fehmirmeln 


ſchmierige Arbeit); die Schmierigfeit, ſchmierige od. ſchmutzige Beſchaf— 
fenheit; fehmieriger Stoff; der Schmierling, -es, M. -e, eine giftige 
Art des milchigen Blätterſchwammes. 

Schmiering, m., -e3, M. -e, landſch. * Art Strandläufer, Gelbbein. 


Schmierlein, . ob. Schmierling 1., . ſ. Schmerl; 2. ſ. fchmieren. 


Schmierofen ıc. — Schmierwolle, Bi unter fchmieren. 

Schmiete, w., M.-n, niederd. Schiff. f. v. w. Halſe 2 

Schminkbeere, w., Erdbeerfpinat, Maulbeermelde (blitum L.), eine 
Pflanze mit fpinatähnlichen Blättern u. erdbeerähnlichen Blumenköpfen. 

Schminfbohne, w., (wahrfch. von ſchminken f. ſchmiegen; daher auch 
landſch. Shmüdbohne v. dem oberd. ſchmucken f. ſchmiegen), die ge- 
meine ranfende Bohne, auch türfifche od. weliche Bohne, Veits- od. Vits— 
bohne, Ringel-, Steig-, Stangen-, Schnittbohne ꝛc. genannt. 


Schminke 1. w., M.-n, im Magdeburg. f. ein Stück (Spet, But- 


ter 2c.). 

Schminke 2. w., M.-n, (ſchwed. smink; das Wort fehlt im Alt» und 
Dherd. u. ift vielleicht aus Mennig, Mennige, lat. minium, entft.),. ein 
rother, od. weißer, trodner od. flüffiger Färbeftoff, womit die Haut, bei. 
im Geficht, beftrichen wird, um die natürliche Hautfarbe zu verfchönern, (rothe 
Schminke; weiße Schminke, insbef. das Spanifche Weiß, Shmine 
weiß, ein aus Wismuth beftehendes Pulver); auch ein den Bienen angeneh— 
mer Stoff, womit die Bienenftöce inwendig beftrichen werden (Bienen: 
ſchminke); uneig. f. die verfünftelte, täuſchende Außenfeite, der ver— 
fehönernde od. befchönigende Anftrich einer Sache, (etwas ohne Schminke 
darftellen; die Wahrheit ohne Schminke) ; ſchminken, ziel. 3w., mit Schminfe 
beftreichen od. bemalen (das Gefiht, die Wangen—, fi) —); uneig. einer 
Sache ein fehöneres, täufchendes Anfehen geben, welchem das Wefen der- 
felben nicht entſpricht (geſchminkte Worte, d. i. verftellte, heuchleriſche); — 
3feg. v. Schminke u. Schminken: die Schmintbüchfe, -dofe, das Schminf- 
glas, der Schminftopf ꝛc., Gefäße zu Schminke; das Schminkfledichen 
od. =läppchen, ein Läppchen, womit man Schminte aufträgt, bef. ein mit 
Scharlach gefärbtes Läppchen zum Rothſchminken; das Schminfpfläfterchen, 
f. v. w. Schönpfläfterchen; der Schminkpinſel, feiner Pinfel zum Schmin- 
Een; das Schminfwaffer, ein künſtliches Waffer zur Verfhönerung der 
Hautz das Schminfweiß,«f. o.; die Schminfwurz od. -wurzel, eine Art 
wild wachfenden Steinfamend mit röthlicher, zum Schminken brauchbarer 
Wurzel, Aderfteinfamen, Feldhirfe. 

Schmirbe, fehmirben ıc., oberd. f. Schmiere, Bo Be: 

Schmirgel, m., -8, 1.f.v.w. mil; 2. (auch Schmer: 
gel; von Schmeer, fchmieren) gem. eine zäbe, — — unreine Maſſe 
(bef. Tabacksſchmirgel); ſchmirgeln, ziel. u. zielloſ. Zw., 1) (auch ſchmer⸗ 
geln), mit Schmirgel beſchmieren, beſudeln; gem. verächtl. viel Taback 
rauchen; 2) oberd. (auch ſchmirkeln und ſchmirbeln) nach verdorbenem 


Fett riechen, ranzig fein; der Schmirgler, -$, wer ſchmirgelt; gem. vers 


ächtl. ein ſtarker Tabackraucher. 


ſchmirmeln, zielloſ. Zw., oberd. f. nach Fäulniſs oder Schimmel 


ſchmecken; fchmirmelhaft oder ſchmirmelicht, Bw., was dieſen Ge— 
ſchmack hat. 














Schmiſs — fehmoren 749 


Schmiſs, m., -ffes, -ffe, (altd. smiz, von smizen, ſchmeißen, ſ. d.) gem. 
f. Wurf (oberd. uneig. f. Handlungsweiſe, Manier); heftiger Schlag, Streich, 
Hieb (Schmiffe befommen; oberd. uneig. einen Schmifs haben, f. verliebt 
fein; auch f. Verlegenheit); landſch. f. Auswurf, Unflath; ſchmißig, Bw., 
oberd. f. ſchlank, dunn. 

ſchmitzen, ziel. u. ziellof. Zw. (altd. smitzen, Prät. smizte; verftärkende 
Ableitung von smizen, fehmeißen, wie rigen, ſchlitzen von reißen, fchleißen), 
1) oberd. f. werfen (z. B. einen zu Boden); auch f. fallen (Hinfchmigen) ; 
gew. f. Schlagen, hauen, insbef. mit der Spike eines dünnen, biegfamen 
Körpers (einen mit einer Gerte, Peitfche 2. —); 2) (niederd. fmitten) landſch. 
f. fhmieren, befchmieren, beftreichen (Web. den Aufzug—, d. i. mit 
Schlichte od. Schmitte beftreichen); farben, be. ſchwarz farben (Kelle, 
Hofen ꝛ⁊c. —; daher Fell» oder Lederfhmiger, oberd. f.. Lederfärber, 
Schwarzfärber); beſchmutzen, befudeln (fi die Hände mit Tinte, mit 
Rufs 2..—); ziellos m. haben f. abfürben (die Kohlen, der Ruß 2c. ſchmi— 
gen); der Schmiß, -e3, M. -e, 1) Schlag, Streich (oberd. auch: der 
Schmiger), bef. mit einer Gerte, Peitfche.rc. (Schmige auf die Finger, d. i. 
Schläge auf die Fingerfpigen; Handſchmitze od.-ſchmiſſe, Ruthenſtreiche 
auf die flache Hand); 2) ein angefprengter Theil einer Flüſſigkeit und der 
dadurch entftandene Schmußfled; Bergw. eine fchmierige, fette Erdart 
(blauer Lettenfhmisg); die Schmiße, 1) oberd. (Schmigen, altd. smitze) 
f. Dieb, Streich ; gew. das Außerfte dünne Ende der Peitfchenfchnur (nie- 
derd. Schmicde); 2) (niederd. Smitte) landih. f. Schmiere, Salbe (in 
der nicderd. dorm Schmitte beſ. f. die Schlichte der Weber, niederd. auch 
Smittels); Farbe, def. der Lederfärber; Schmutz, Ruß, Keffelfehmwärze; 
ein Shmutild, der Schmißen, -8, M. mw. E., oberd. f. ein Mund- 
biffen; ein Bifschen, das Geringfte: das Schmigwort, vlt. f. Spott- 
od. Schimpfwort. 

fhmodig, ſchmudig, Bw., oberd. f. ſchwül, gewitterhaft. 

ſchmolen, zielof. 3w., I. unp. es ſchmolt, niederd. f. fein regnen, 
viefeln; 2. landſch. f. ſchmoren, vor Hitze dorrenz daher fchmolig, Bw., 
niederd. f. angebrannt (von Speifen). 

Schmolle, w., M.-in, (ſchwed. smola, smula; vgl. mollig, lat. mollis), 
oberd. f. die Krume, das Weiche des Brodes; ſächſ. ein Biſſen; fchwäb. 
ein Fettklumpen; daher ſchmollig, Bw., f. fett, feiſt. 

fhmollen 1. ziellof. Zw. (mittel. smollen; ſchweiz. ſchmölleln; val. ſchmie— 
len) ſchwäb. f. lächeln. 

Ihmollen 2. ziellof. Zw. (verw. mit dem isländ. smella, — raſſeln; 
alſo urſpr. murren? od. verw. mit maulen?), feinen Unwillen od. Ver— 
drufs durch Unfreundlichkeit u. Murrem Außern, finnv. grollen u. das un— 
edlere maulen; oberd. auch: fic bei Zifche zieren, Tpröde thunz u. bei einem 
Hochzeits- od. Kindtauf-Schmaufe zu Gafte fein (daher: die Schmolljung- 
fer, Shmöllerinn f. Brautjungfer) ; der Schmollwinfel, das Schmoll- 
ftübchen, -zimmerchen zc., ein abgefchiedener Ort, wo man ſich feinen Gril- 
len überläfft (fr. Boudoir) ; der Schmoller, die Schmollerinn, wer ſchmollt; 
ſchmollig, Bw., landſch. f. zum Schmollen geneigt, mürriſch. 

ſchmoren, * u. ziel. Zw., 1) oberd. (gew. ſchmorren, auch ſchmor— 
hen, ſchmorkeln, ſchwäb. auch ſchmockeln) f. durch Hitze trocken werden, 


0 Schmoße — ſchmuck 


dorren, überh. eintrocknen, einſchrumpfen, verdorren; 2) niederd. (ſmoren, 

ſmoorten, ſmurten, auch ſmurken; holl. smooren v. smoor, Dampf; angelſ. Ir 
smoran; vgl. das engl. smother; ital. smorzare) f. erftiden, ziellos (4. B. | 
vor Hitze —; in feinem eigenen Fette —), u. ziel. dämpfen; gem. in engerem ı 


Sinne: ziel. etwas in einem verfchloffenen Gefäße bei gelindem Feuer in 


feinem eigenen Dampfe Eochen oder braten laffen, f. v. w. dämpfen, oberd. | 


jtauchen, fchmauchen, niederd. toben od. ſtowen (Rind-, Hammelfleiſch —; 


geichmortes Obft 2c.); ziellos m. haben: auf felhe Weife langſam Eochen 


oder braten (das Fleiſch Ihmort im Topfe; dafür foll er in der Hölle ſchmo— 


een 2c.); der Schmorbraten, das Schmorfleifch, geſchmortes od. gebämpfs | 


tes Fleiſch; die Schmorhiße, Hise zum Schmoren; erſtickende Hige; der 


Schmortopf, -tiegel, die Schmorpfanne, mit einem Dedel verfehene Ges 


fäße zum Rleifch -Schmoren; — ſchmorig, Bw., landſch. f. ſchmorheiß, er: 
ſtickend heiß. 

Schmoße, w., M.-n, Landfch. gem. f. Schmaſche, Mafche. 

ſchmotzen, ſchmötzeln, ziellof. 3w., (alt: smotzen; auch ſchmutzen, 
ſchmutzeln; vol. Schmunzeln), oberd. f. lächeln. 

Schmu, m., unbiegf. (niederd. Smu, oberd. Schmus; aus dem Züdifch- 
Deutichen in die Volksiprache übergegangen), gem. f. Vortheil, Gewinn, bef. 
beim Handel durch einen ſchlauen Kunftgriff auf Unkoften Anderer gemacht, 
(Schmu maden, od. einen Schmu machen); daher das Schmumachen ; 
der Schmumadher ꝛc.; ſchmuſen od. ſchmuſeln, ziellof. 3w., jüd. f. un: 
terhandeln, Gewinn fuchen; der Schmufer, -8, f. Unterhändler. 

ſchmuck, Bw., niederd. (ſmuck; isländ. smockr, dän. u. ſchwed. smuck; 
engl. smug; wahrſch. von ſchmiegen, oberd. ſchmucken (f. u.), fo dafs 
der Beariff der Zierlichkeit durch den der Gefchmeidigkeit od. Kleinheit vermit- 
telt iſt; vgl. fein) f. zierlich, Hübfeh, nett, fauber, ſchön (ſchmuck angezogen 
fein; ein ſchmuckes Mädchen 2c.); — der Schmud, —es, M. (felten) -e, 
(niederd. Smuck; oberd. der od. das Gefhmud), was eine Sache od. Per: 
fon Außerlich verfchönert, finnv. Zier, Dierde (der Schmud des Frühlings ; 
des Mädchens fehönfter Schmuck ift Sittfamkeit), bef. Zierathe, glänzende 
Koftbarkeiten, ſchöne Kleidungsftüde ze. zur Verfchönerung, ſinnv. Pub, 
als Sammelw. o. M. (der Kirchen-, Altarſchmuck 2c.; feinen Schmud anles 
gen; ber priefterliche, königliche, Feſttags-Schmuck ꝛc.); in engerer Bed. 
mehre als ein Ganzes zufammengehörende Koftbarkeiten von Gold, Edel— 
fteinen, Perlen ꝛc., fofern fie zur Ausihmüdung dienen, verfh. Putz (z. 8. 
ein Schmuck von Perlen, Diamanten ꝛc.; der Kopf, Halsſchmuck, Braut 
ſchmuck 2c.; in diefem Sinne auch M. die Schmude); in weiterer Bed. 
alles zur Verſchönerung od. Verzierung Dienende (4.8. der Redefhmud); 
— 3fes. das Schmudgeld, landſch. das Geld, welches eine Tochter bei 
der Ausftattung zu ihrem Schmude erhält; der Schmudlandel, Handel mit 
Schmuck von Gold, Edelfteinen 2c., Sumelenhandel, verfch. Putzhandel; fo 
auch: die Schmudhandlung; der Schmudhändler, die Schmudhänd- 
lerinn; der Schmudladen, Kaufladen eines Schmudhändters ; die Schmud- 
waare (fr. Bijouterie); der Schmudfaften, das Schmuckkäſtchen, zier- 
lihes Käftchen zur Verwahrung von Juwelen, Ketten, Ringen ze. ; ſchmuck⸗ 
los, Bw., ohne Schmuck, unverziert, einfach (ſchmuckloſe Reden ꝛc.); die 
Schmuckloſigkeit; die Schmucknadel, eine koſtbare Kopf-, Buſen- ober 








RL 
Es 


——— Tr 
— — 


— — — — — 


wer ee 








fhmuden — ſchmuſen 51 


Tuchnadel; die Schmuckrede, gew. Prunkrede; ſchmuckvoll, Bw., reich 
an Schmuck, ſehr geſchmückt; — ſchmücken, ziel. 3w., (oberd. ſchmucken; 
engl. smug, ſchwed. smycka), mit Schmuck verſehen, verſchönern, zieren, 
verzieren, edler u. von weiterer Bed., als das finnv. pußen, (ben Altar, die 
Kiche—; ein Grab mit Blumen—; einen, od. ſich —; die Braut—; uneig. 
die Natur ſchmückt ſich im Lenze; ihre Befcheidenheit ſchmückt fie am meiften, 
de i. gereicht ihr zur Bierde; Federn ſchmücken, d. i. zum Puß zurichten); 
der Schmüder, -8, die Schmüderinn, M. -en, wer Perfonen od. Sachen 
fhmüdt (bei. in dem zgeſ. Federfhmüder, f. d.). 

Ihmuden 1. ziel. u. bei. rückz. Zw. (altd. smucken, smücken; verftär: 
kende Ableitung von ſchmiegen, ſ. d.), alt und oberd. f. fehmiegen, ans 
drücken, den Körper ein- oder zufammenziehen; niederbiegen, fich demüs 
thigen, (geſchmuckt, ſchweiz. f. gebogen, gekrümmt). 

ſchmucken 2., zielloſ. 3w., niederd. (fmuden) ſ. v. w. Ihmaden, ſchmatzen 
beim Küffen; daher die Schmuckhand f. Kufshand. 

fhmüden, Schmudgeld ꝛc. — Schmudwaare, f. unter ſchmuck. 

ſchmudeln 1. ziellof. u. ziel. Zw. (niederd. ſmudden, jmuddeln, fmullen; 
verw. mit Schmuß 2c.), gem., bef. niederd., f. ſchmutzig mit etwas umge- 
hen, fudeln, ſchmieren; befubeln; ſchmutzig werden, Flede befommen; 
unreinlich effen und trinken, fchlemmen; der Schmubdel, -5, M. m. E., 
gem. f. eine unreinliche Perfon, auch: der Schmudler, die Schmubdlerinn; 
die Schmudelei, gem. f. Unreinlichkeit, Sudelei; Schmuß; ſchmudelig, 
Bw., (niederd. fmuddelig, fmullig, ſmudderig) f. f[hmusig, unrein, uns 
reinlich. 

ſchmudeln 2. ziel. u. ziellof. Zw. (auch ſchmueln, ſchmulen, fchmaueln ; 
vgl. ſchmotzen, ſchmutzen), oberd. f. fhmeicheln, liebEofen, verliebt tändeln; 
die Schmudel, f. eine allzu verliebte weibl. Perfon. 

ſchmudern od. ſchmuddern, ziellof. unp. Zro., niederd. (fmuddern) f. fein 
regnen, riefen; fchmuderig, Bw., f. regnicht, feucht. 

ſchmuggeln, ziellof. u. ziel. Zw. (niederd. fmuggeln, holl. smokkelen, engl. 
smuggle; vom angelf. smtgan, altd. smiugan, ſchmiegen, ſ. d.), niederd. f. 
Schleichhandel treiben, verbotene Waaren heimlich einbringen, fchwärzen; 
die Schmuggelei, das Schmuggeln, der Schleichhandel; der Schmugg- 
ler, die Schmugglerinn, Schleihhändler. 

Schmulle, w., M.-n, niederd. (Smulle; vol. das ſchwäb. Schmolle) 
f. das in Riemen gefehnitfäne Rückenfett gefehlachteter Schweine. 

Ihmullen, Zw., niederd. ſ. ». w. fhmudeln 1.; daher der Schmull- 

bruder, f. Schlemmer, Säufer. 

ſchmunzeln, ziellof. 3w. m. haben, (mittelh. smunzen, smutzen, smutze- 
münden; oberd. ſchmutzen, ſchmutzeln, ſchmutzmaulen; val. ſchmotzen; niederd. 
fmuftern, fmunftern, fmuniterlachen, jmufchern; ſchwed. smystra), mit zu— 
fammengezogenen Lippen lächeln, als Ausdrud des Behagens, der Zufrier 
denheit, des Wohlgefallens; auch f. freundlich thun, ſchön thun, liebfofen. 
ſchmurren, ſchmurrlen, ziellof. Zw., ſchweiz. f. v. w. ſchmorren, ſchmo⸗ 
ven (f. d.): einfchrumpfen; fhmürzen, ſchmürzeln, zielloſ. Zw., ſchweiz. 
fe ſengerig riechen; knauſern; der Schmürzer od. —— f. Knau⸗ 
fer; ſchmürzelig, Bw., f. knauſerig. 

ſchmuſen, Schmufer, f. unter Schmu. 


152 fhmußen — Schnabel 


fchmußen od. fchmufern, ziel. 3w. (vgl. mutzen 2. f. pusen, und das 
ſchweiz. gefhmüst f. geſchmückt, hübſch), in Pfeifendrennereien: die Pfei— 
fen—, d. i. glätten u. ftempeln; der Schmußer, -8, wer dies verrichtet. 

Schmuß 1. (nit gut: Schmuz), m., -e$, 0. M. (altd. smuz, ©. 
smutzes; oberd. auch Schmotz, Geſchmötz; engl. smut, smutch; ſchwed. 
smuts; verw. mit ſchmeißen, ſchmitzen?), Unreinigkeit jeder Art, ſo— 
fern fie befledt od. beſudelt, weniger unedel, als Dreck, Koth (voll Schmutz 
ſein; etwas vom Schmutze reinigen); uneig. f. alles Unſittliche, Unanſtän— 
dige; auch der Brand im Getreide; — Zfeg. der Schmutzärmel, Halb— 
Ärmel, welche man überzieht, um die Ärmel des Kleides zu fchonen; der 
Schmutzbauch, eine Art Lippfiſche mit afchgrauem, braungeflecttem Bauche; 
das Schmutzbuch, ſ. Kladde; die Schmußfarbe, eine dunkle Farbe, auf 
welcher man Schmußflede nicht leicht bemerkt; der Schmußfinf, gem. f. un- 
veinlicher Menſch; der Schmußfled, durch Schmug entftandener Fleck; der 
Schmutzkittel, ein ſchlechter unreiner Kittel; der Schmutzkoch, die Schmuß- 
köchinn, f. v. w. Sudelkoch 2c.; der Schmußlappen, ein Lappen, womit 
man etwas vom Schmug reinigt; die Schmußrede, das Schmuswort, un- 
anftändige, unfittliche Rede 2c.; der Schmußtitel, ein dem Haupt-Zitel eines 
Buches vorgedructer, gew. kürzerer Titel; — Ableit. ſchmutzen 1., ziellof. 
3mw. m. haben, (engl. smut, smutchz; ſchwed. smutsa; vgl. das niederd. ſmud— 
den 2c. unter ſchmudeln), Schmuß fahren laffen, fhmusig machen, gew. 
abfhmusen, (Kohlen fhmusen teiht); Schmuß annehmen, ſchmutzig wer- 
den (helle Kleider Shmusen mehr, als dunkle); ſchmutzig, Bw., Schmuß 
an ſich habend, unrein, befledt, befudelt (ſich ſchmutzig machen; ſchmutzige 
Käthe, Hände, Kleider, Teller ꝛc.; auch f. ſchmutzig machend: ſchmutziges 
Wetter, d. i. naffes, Eothiges); unreinlich, unfauber (ein ſchmutziger Menſch); 
in weiterer Bed. f. nicht hell’ u. Elar, nicht rein (ſchmutzige Farben); uneig. 
f. unfittlich, unanftändig, garftig, unfläthig (ſchmutzige Reden; ein ſchmu— 
tziges Bild; ein ſchmutziger Menſch); die Schmugigfeit, das Schmusigfein. 

chmutz 2. m., -e5, (auch Schmos; holl. smuot), oberd. u. ſchweiz. f. 

Fett, Schmeer, Schmalz; daher ſchmutzen 2. od. ſchmützen, ziel. 3w., f. 
mit Schmalz od. Butter fett machen; die Daare—, mit Pomade ſchmie— 
ven; ſchmützeln, ziellof. 3w., f. nad) Fett ıc. riechen. 

Schmuß 3. m. -e8, M. Schmütze, (ein Schallwort), ſchwäb. u. ſchweiz. 
f. Schmatz, fehmagender Kufs; auch f. Schlag, Schmitz; u. f. Platzre— 
genz daher ſchmutzen 3. od. ſchmützen, ziellof. u. ziel. Zw. f. ſchmatzen, 
fhmasend küſſen; Zäg. die Stimme eines Thieres nachahmen, um es zu 
locken; ſchweiz. aud) f. ſchmitzen, fehimpfen; regnen, dafs es plaßt. 

ſchmutzen 4. od. ſchmutzeln zc., Zw., ſ. ſchmunzeln. 

Schmutzfleck ꝛc. — Schmußtitel, ſchmutzig, ſ. unter Schmug 1. 

Schnabel, m., -8, M. Schnäbel; Verkl. dag Schnäbelchen, (altd. sna- 
bul, snapul, snabel, von snaben, snappen, ſchnappen, d. i. eine kurze, meiſt 
klappende Bewegung machen, isländ. snapa, faſſen; ſchwed. smabel; oberd. 
auch Schnappel; niederd. Snau, Snawel, Snibbe, Snippe, und daneben: 
Nibbe, angelj. naebbe, engl. nib, dän. näb zc.; vgl. Nabe, Nabel), das in zwei 
hornartige Spisen auslaufende Maul der Vögel; uneig. ſcherzh. aud) f. 
Mund, von Menfchen (4. B. das ift etwas für feinen Schnabel, d. i. er iſſt 
es gern; fprichw. fprechen, wie einem der Schnabel gewachlen ift, d. i. nad) 








fhnaden — fchnaiten 753 


feiner eigenen, natürlichen Weife); in weiterer Anwendung auch ein fehnabel- 
“ähnlich hervorragender fpis zulaufender Körper oder Körpertheil, 3. B. 
Schiffsſchnabel (f. d.), lange Spige an Schuhen, an Blafebälgen, an 
der Hinterachfe eines Wagens (f. v. w. Schere), an den Schreibfedern zc., an 
den Schmetterlingsblumen, an manchen Samenkörnern; Maur. das hevvor- 
ragende Ende einer Dachrinne; Jäg. eine hölzerne Gabel, welche dem Hüh— 
nerhunde unten an den Hals gefchnallt wird; — 3ſetz. das Schnabelbein, 
- eine Art Stachelſchnecken (dorniges Schnabelbein); das Schnabeleifen, eine 
3ange der Perrückenmacher zum Brennen der Haare; der Schnabelfifch, f. 
v. w. Rüfferfifch, f. d.5 auch f. Buskopf; die Schnabelflöte, eine Art Flöten 
mit langem Schnabel; fehnabelförmig, Bw.; das Schnabelfraut, ein 
Pflanzengefchledyt mit fchnabelförmig auslaufender Frucht, auch Storchſchnabel; 
ber Schnabelring, an Leiterwagen ein Ring, welcher den Schnabel der Hin- 
terachfe an den Langwagen befeftigt; das Schnabelfhiff, ein Schiff mit fpig 
zulaufendem Ende; Schnabelfchnell, Bw. (mittely.-snabelsnel, snabelraeze), 
ſchwäb. f. übereilt im Reden, vorlaut; der Schnabelfchuh, chem. Schuhe 
mit langer, aufwärts gefrümmter Spige; der Schnabelſchwanz, eine Art 
Stachelſchnecken mit hervortretendem Schwanze; das Schnabelthier, ein mit 
einem Schnabel verfehenes Thier; bei. ein neuholländifches, einer Flufsotter 
ähnliches Säugethier mit einem Entenfchnabel; die Schnabelweide, fcherzh. 
was dem Munde behagt, leckere Speife; auch f. Küffe; die Schnabelwurz, 
der gemeine Haarftrang ; die Schnabelzange, eine-Zange mit langen Spitzen; 
insbei. f. Schnabeleifen; — Ableit. jchnäbelig, Bw. (altd. snabelaht, sna- 
beleht) , einen Schnabel habend, gefchnäbelt, gew. in Zſetz. wie: did-, 
dünn, lang=, kurzſchnäbelig 2c.; fchnabeln od. mit fremder Endung ſchna— 
beliren (auch ſchnabulirem, ziellof. u. ziel. Zw., gem. ſcherzh. f. effen, 
bef. wohlfchmectende, leckere Speifen; ſchnäbeln, ziel. 3w., 1) mit einem 
Schnabel verfehen (nur im Mw. gefhnäbelt); 2) ſich — fich wieder- 
holt mit dem Schnabel berühren (die Tauben fchnäbeln ſich); uneig. fcherzh. 
f. ſich küſſen; die Schnäbelei, das Schnäbeln, zärtlihe Küffen: der 
Schnäbler, -8, eine Art Patſchfüße mit einem Schnabel von ungewöhn- 
lihem Bau. 
ſchnacken, zielof. u. ziel. 3w., (niederd. fnaden, ſchwed. snacka, dän. 
snacke; ein Schallwort, wie fchnattern, plappern 2c.; vgl. das oberd. Tchnas 
Eeln, ſchnackezen f. ſchnalzen, fchnallen, fchnappen, fehnippen, mit der 
Zunge oder den Fingern; der Schnadler f. Schneller, Schnippchen, u. f. 
der Schlucken), niederd. f. ſchwatzen, plaudern, Unbedeutendes oder von ge- 
ringfügigen Dingen reden; der Schnad, -e8, (niederd. dän. ſchwed. snack) 
f. Geſchwätz, Geplauder, leeres Gewäſch, Klatfcherei, (dummer Schnad; 
Kinderſchnack; verft. Shnidfhnad); fchnadern, Bw., niederd. (Tnadern) 
f. ſchwatzhaft, geſchwätzig. 
ſchnaiten, ſchnaiteln, ziel. Zw. (auch ſchneitelnz altd. sneitön, snei- 
| ten, ſchwach umend. Zw. abgel. v. snidan, sneit 2c., fchneiden), oberd. f. be— 
) hauen, befchneiden (einen Baum zc.); Elein hauen, baden (Reifig); das 
Schnait, f. Elein gehadtes oder zu hadendes Neifig; (das Gefhnait, 
Gefhnaitel, zerfchnittenes od. zerhacktes Fleiich u. dal.; geſchnaitig, 
Bergw. f. leicht zu brechen, zu gewinnen); der Schnait (oder Schnaid), 
öſtr. (eig. wohl: das Schneidende, Scharfe) f. der fcharfe Geruch und Ge: 


Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil, 48 






254 Schnake — fchnalzen 


fhmad des Bieres u. anderer Getränke; auch f. Muth (keinen Schnaid ha- 
ben); die Schnaif, auch Schnat, Schnafte, vit. f. Einfchnitt, Strieme, 
Wunde; Landich. f. abgefchnittener Zweig, Reis (daher das Gefhnait, 
Reihe von Sprenkeln zum Vogelfang); Grenze, Dorf-, Flurgrenze (niederd. 
Snaat;z daher ver Schnatpfahl, =ftein.ze.). 

Schnate 1. ., w., M.-n, (niederd. Snake; angelj. snaca, engl. — 
ſchwed. snok, dän. snog: vom angelſ. snican, engl. sneak, althochd. snahhan, 
alt u. fchweiz. ſchnaken, ſchnaggen f. Eriechen, fchleichen; daher ſchweiz. 
Schnegge, Schnaagbohne f. Krichbohne; vgl. Sthnede), niederd. 
1) f. Schlange, beſ. Waffer-, Sumpffchlange; 2) eine Art Eleiner Schafe 
Geideſchnake od. -[hnude); landſch. auch f. weibliches Schaf, Mutter- 
ſchaf; der Schnafenfopf, f. das Schlangenköpfchen, eine Mufchelart. 

Schnafe 2. w., M.-n, (altd. der make, oberd. det Schnack; engl. 
gnat; wahrfch. verw. mit nagen, neden, f. d.; Urbegriff: Spise, Stachel), 
eine Art Iangbeiniger empfindlich ftechender Müden, große Müde, Erd— 
fliege, Yandfch. auch Gelſe od. Gölſe; audy f. die Frühlingsfliege od. Waffer- 
motte; Eintagsfliege, Haft; fchwäb. uneig. f. eine lange, hagere Perfon: 
das Schnafengarn, Müdengarn; der Schnakenftich, Stich einer Schnake. 

Schnafe 3. w., M. -n, (niederd. Snake; oberd. der Schnadz ſchwed. 
snack; wahrfch. von gleicher Abftammung mit Schnafe 2.; alfo urfpr. ſtach— 
liger Scherz, Stichelvede), gem. f. ein luftiger Einfall, eine feherzhafte Er- 
zählung, finnv. Schwanf, Schnurre, Spaß, Poffe zc.; der Schnafe, -n, 
niederd. (Snake; hol. maeck) f. ein Menſch, der Iuftige Einfälle hat, 
Luftigmacher , Poffenreißer; die Schnaferei, niederd. f. das Schnafen- 
machen, Spaßen; ſchnakiſch, Bw., gem. f. fpaßhaft, luſtig, poffierlich, 
drollig, ſchnurrig. 

Schnallen, 3w. 1) (von einer Wurzel snal, welche fchnelle Bewegung ver- 
bunden mit einem kurzen Schall bezeichnet; daher ſchnell, ſchnellen, ſ. d.) 
ziellos mit haben, oberd. f. Enallen, Erachen, Elatfchen, ſchnalzen (es 
Tchnallt; mit der Peitfche, mit der Zunge, mit den Fingern 2c. fchnallen); 
2) (von Schnalte abgel.) ziel. mittelft einer Schnalle (f. u.) befeftigen 
(die Schuhe—; etwas in Riemen, feft— 2c.); der Schnall, -e8, M. -e, 
(altd. snal, G. snalles), oberd. überh. der Schall und Schlag einer logge: 
laffenen Schnellkraft; insbef. plöglicher Knall, Schneller mit dem Finger, 
Schnippchen, Stüber; die Schnalle, M. -n, Verkl. dag Schnällchen, 
überh. ein ſchnallendes Ding (daher landſch. f. Klaticjrofe), eine ſchnellkräf⸗ 
tige (elaſtiſche) Feder; gew. ein metallenes Werkzeug mit einem beweg— 
lichen Dorn, um etwas zuſammenzuhalten od. zu befeſtigen, oberd. auch Der 
Ninken, G. B. Schuh-, Hoſen-, Gürtel-, Hutfchnallen 2c.); oberd. auch f. 
Thürklinke (Thürſchnalle); verächtl. fe Mund, u. f. Unmwahrheit, fehlaue 
Lüge (d. i. etwas Schnallendes, Schallendes, leerer Schall); Jäg. der Ges 
fchlechtstheil einer Hündinn und jedes weibl. Raubthierd; oberd. gem. f. weib- 
licher Gefchlechtstheil; der Schnallenfchmied, ein Schmied, welcher bef. 
eiferne Schnallen verfertigt; der Schnallenfchuh, = ftiefel, Schuhe, Stiefel 
welche mit Schnallen befeftigt werden. 

ſchnalzen, ziellof. Zr. m. haben, (das verft. ſchnallen, eig. durch Zus 
fammenziehung aus [hnallezen entft.), einen fehnallenden, d. i. knallen— 
den od. klatſchenden, Schall hören Iaffen od. hervorbringen, bef. mit der an 





Schnäpel — ſchnapp 155 


‚den Gaumen gebrüdten u. fchnell zurüdgezogenen Zunge (mit der Zunge fchnals 
zen; oberd. auch: mit der Peitfhe—, f. v. w. knallen; mit den Fingern —, 
ſchnippen, ein Schnippchen fchlagen) ; der Schnalz, -es, M. -e, das Schnal- 
zen, der fchnalzende Schall, Knall; oberd. bef. ein Schneller, Schnipp- 
hen mit den Fingern; die Schnalze, oberd. ein Werkzeug zum Knallen 
(3. B. von Papier) ; der Schnalzer, -$, wer fchnalztz auch f. v. w. Schnalz, 
Schneller, Schnippchen. 

Schnüpel, m., f. Schnepel. 

ſchnapp od. ſchnapps, ein Naturlaut, welcher den Schall nachahmt, der 
mit einer Eurzen, meift Elappenden od. fehließenden Bewegung verbunden 
ift (4. B. ſchnapp ſchlug die Thür zu; ſchnapp hatte er es weg 2c.); fchnap- 
pen, ziellof. 3w. m. haben, (altd. snaben, snappen; niederd. u. holl. snap- 
pen; isländ. snapa, faffen, ſchwed. snappa, engl. snap), eine Eurze, meift 

Elappende u. mit einem Schall verbundene Bewegung machen, bei. duch 
Federkraft, finnv. fchnellen (ein Schlofs fchnappt; der Dedel fehnappt zu ꝛc.; 
oberd. f. ſchnalzen mit den Fingern), auch überh. f. ſchnell auf= oder nieder- 
fahren (ein Brett fchnappt in die Höhe); daher oberd. mit dem Fuße aus— 
fahren, gleiten, ftraucheln, hinken; gew. in engerer Bed. den Mund fchnell 

öffnen und fchließen, um etwas zu erhafchen oder zu faffen (nach einer 

Sache —; der Hund fehnappt nad) Fliegen; nad) Luft fchnappen; aud) ziel. 
Luft ſchnappen, f. Schnell athmen); uneig. nah etwa8—, f. danadı) ha= 
fhen, begierig danach ſtreben; niederd. ſchnappen aud f. ſchnell reden, 
plaudern (vgl. fich verfchnappen) ; der Schnapp, - 03, M.-e, gem. f. das 
Schnappen und der damit verbundene Schall (einen Schnapp nad) etwas 
thun; mit einem Schnapp, im Schnapp , niederd. f. in größter Schnelligs 
keit); — 3feg. v. fchnappen: die Schnappfeder, eine fchnappende, fchnell- 
kräftige Feder; der Schnappgalgen, f. v. w. Schnellgalgen ; der Schnapp- 
hahn, eig. ein fchnappender Hahn z. B. einer Flinte (vgl. das holl. snaphaan, 
ſchwed. snaphane f. Flinte); gew. f. ein Menſch, der etwas zu erfchnappen 
fucht, d. i. auf Raub ausgeht, insbef. ein Parteigänger, Freibeuter im Kriege; 

auch f. Straßenräuber; niederd. verächtl. f. Gerichtödiener, Bettelvogt; in 

den Niederlanden eine Münze, etwa 4 gGr. werth; das Schnappmeffer, 
ein zufchnappendes Einlegemeffer; der Schnappſack (engl. snapsack), ein 

Reiſeſack oder Ranzen, vorzüglid für Lebensmittel, auch Knappſack; die 

Schnappweife, eine Art Weifen, welche die Zahl der abgelaufenen Fäden 

durd) das Abfchnappen eines Brettchens anzeigen; — Ableit. die Schnappe, 

M.-n, gem. f. Mund, Maul; oberd. eine Hanfbreche ohne Zunge; Säg. 

ein Zuch, welches auf= u. niedergelaffen werden kann, Schnapptuch; der 

Schnapper, -8, wer ſchnappt; oberd. aud) f. ein fehnappendes Ding, u. f. 

Maul; audy f. v. w. Schnapp; der Schnäpper (od. Schnepperv. dem 

oberd. ſchneppen f. fchnappen), -$, M. mw. E., Verkl. das Schnäpper- 

chen, oberd. Schnäpperlein, überh. ein fchnappendes Ding od. Werkzeug, 
daher ehem. eine Eleine Armbruftz oberd. Schnäpperlein auch: Theil 
des Thürſchloſſes; Klapper (daher uneig. f. vorlautes Mädchen); gew. ein 
durch die Schnellkraft einer Feder Ichnappendes Aderlafswerkzeug der Wund- 
ärzte; fchnappern, ziellof. u. ziel. Zw., gem. f. viel u. oft ſchnappen; auc) 

f. fehnattern, ſchwatzen (oberd. ſchneppern); ſchnäppiſch, Bw. (niederd. 

ſnapsk; oberd. gefchnäppig), gem. f. vorlaut, nafeweis, gew. ſchnippiſch; 


48* 


156 ſchnarchen — fchnattern 


ſchnapps, Nw., oberd. f. knapp, kaum; der Schnapps, -es, M. 
Schnäppſe, (niederd. Snapps), eig. ſ. v. w. der Schnapp, das Schnap⸗ 
pen; gem. f. ein Schluck, beſ. Branntwein (einen Schnapps nehmen, trin— 
ken); u. überh. f. Branntwein (ein Glas Schnapps ꝛc.); daher die Schnapps— 
bulle, =flafche, das Schnappsglas, das Schnappshaus, der Schnapps— 
Feller, laden ꝛc., der Schnappätrinfer zc., gem. f. Branntweinflafche, 
-glas 2c.; fchnappfen, ziellof. Zw. , gem. f. Branntwein trinken. 

ſchnarchen, ziellof. Zw. m. haben, (ein Schallwort, verw. mit [hnar- 
ten; altd. snarken, snarchen; niederd. fnoren, fnorfen, ſnurken; engl. snore, 
snort, ſchwed. snarka; vgl. d. griech. dEyzo, 6Eyyo), einen rauhen, ſchnar— 
renden Laut hören laffen od. hervorbringen, bef. im Schlafe beim Athmen 
durch die Naſe; daher auch f. Fehnarchend fchlafen, feft fchlafen (ev ſchnarcht 
Schon); aud mit rauher, feharfer Stimme fprechen, heftig fchelten (bef. 
einen anfhnarden, f. d.); der Schnarcher, -8, wer ſchnarcht; ſchnar— 
cheln, ziellof. 3w., Tandfch. das verkl. fchnarchen: ein wenig fchnarchen od. 
ſchnarchend fprechen. 

ſchnarren, ziellof. Zw. m. haben, (ein Schallwort, altd. und niederd. 
snarren; oberd. auch fchnerren; engl. snarl; ſchwed. snorra; — daher auch 
das niederd. fnar, fnarre, f. raſch, Hurtig), einen rauhen, zitternden, 


gew. unangenehmen Schall hören Laffen, vgl. Enarren, ſchnurren, raſſeln; 


insbef. im Sprechen—, dag r als rauhen Kehllaut und etwas durch die 
Naſe ausfprechen (oberd. auch fchnorren, Schnorcheln, ratſchen); niederd. auch 
f. murren, brummen, ſchmälen; — 3feg. der Schnarrbafs, ein ſchnar— 
render Baſs; die Schnarrdroffel, Miſteldroſſel (ſ. d.), landſch. auch 
Schnarre, Schnerf, oberd. Schnerrer; das Schnarreifen, eine Art Am- 
boſs der Goldfchmiede; die Schnarr-Ente, eine Art wilder Enten mit ſchnar— 
render Stimme, auch Schnatter-, Lockente; die Schnarrheufchrede, ſ. 
Schmetterheufchrede; Ichnarrmaulen, untrb. ziellof. Zw., oberd. f. hungern, 
Hunger leiden, darben; die Schnarrwachtel, eine Art ſchnarrender Wach— 
teln; das Schnarrwerf, in den Orgeln ein Pfeifenwerk, mit fchnarrendem 
od. [hwirrendem Zone; — Ableit. die Schnarre, M. -n, ein ſchnarren— 
des Ding oder Werkzeug, bei. das hölzerne Schnarrwerkzeug der Nacht— 
wächter, auch als Kinderfpielzeug und als Vogelſcheuche dienend, vgl. Knarre, 
Ratſche; niederd. f. Garnwinde; Tandfch. fe Schnarrdroffel, Schnarr- 
wachtel; der Schnarrer, -8, wer ſchnarrt; fchnarrig, Bw., niederd. 
(Mnarris) f. heftig anfahrend mit Worten, brummend, beißig; Fed, raſch, 
hurtig. 

fchnarzen, ſchnärzen, zielof. Zw. m. Haben, (ſchweiz. auch ſchnörzen; nie— 
derd. fnarten, fnirten, Tnurten), landſch., das verft. ſchnarren, ſchnarchen 
(4. B. ſchweiz. einen anſchnärzen f. anbrummen); niedr. f. eine Blähung 
mit ſtarkem Schalt freichen laffenz der Schnarz, -e$, landſch. f. ſchnar— 


vender Laut; laut abgehende Blähung (vgl. Furz, Farz); der Schnarzer, 


-$, wer ſchnarzt; auch f. Schnarz. 
Schnat, Schnate, Schnatte, w., f. die Schnait unter fchnaiten. 
ſchnattern, ziellof. 3w. m. haben, (ein Schallwort, niederd. fnatern), 
einen ftarken, fchnelf wiederholten, gleichfam Elappernden Laut hervor: 
bringen, zunächft von dem Gefchrei der Gänfe u. Enten; oberd. aud) f. klap— 
pern, von dem Storch, u. mit den Zähnen (niederd. ſnätern); uneig. f. ſchnell 











Schnatze — Schnauze 757 


reden, bef. von unerheblichen Dingen, plappern, ſchwatzen (in biefer Bed. auch 
ziel. etwas—); die Schnatter, M. -n, (oberd. Schnattern, niederd. Sna- 
ter), gem. f. gefhmwäßiger Mund; verächtl. überh. f. Mund, Maul; die 
Schnatterente, f. v. w. Schnarr⸗ Ente; die Schnatteret, das Schnatten; 
‚gem; f. unerhebliches Geſchwätz; der Schnatterer, -8, die Schnattrerinn, 
wer ſchnattert, gem. f. Schwäßer, Schwäßerinn, fo auch: das Schnatter: 
maul, der Schnatterhans, die Schnattergans, Schnattertafche ıc. 

Schnas e, m., M.-n, od. ber Schnaufiſch, (altd. snazo, m.), ein 
Fiſch: Seekröpfer od. Seeflafche. 

fchnauben, ziellof. u. ziel. Zw. (mittelh. suüben u. snöuwen; als abgel. 
3w. von dem ablaut. snieben, ſchnieben ꝛ⁊c. (f. d.) nur ſchwach umend.: 
fhnaubte, gefhnaubt; jedoch werden die Ablautformen ſchnob, ge> 
ſchnoben gew. ald zu fchnauben gehörig angefehen, da die Form ſchnieben 
meift vlt. ift; niederd. fnuwen; oberd. gew. ſchnaufen; ſchwed. smufwa; engl. 
snuff, snub; vgl. fchnupfen, fchnüffeln zc.), den Athem hörbar und heftig 
durch die Naſe einziehen u. ausftoßen (fchnaubende Roffe 2c.); auc etwas 
fhnaubend durch die Nafe ausftoßen (Flammen —), niederd. aud) in die 
Naſe einziehen (Taback—, f. fchnupfen); die Nafe—, d. i. ſchnaubend rei- 
nigen, fchneuzen, pußgen (auch: ſich fchnaubenz fchnaube dich zc. ft. die Nafe); 
ehem: , bef. bibl. überh. f. athmenz uneig. durch heftiges Athmen eine Ieb- 
bafte Gemüthsbewegung äußern (vor Wuth ſchnauben; nah Golde—; u. 
ziel. Wuth und Rache fchnauben); fchnaubig, Bw., vlt. f. fehnaubend. 

ſchnauden u. ſchnauen, ziellof. Zw. (mittelh. snouden; niederd. fnauen, 
fnaueln; holl. snauwen, f. fehnappen; vgl. das oberd. Schnud, ieländ. snudd 
f. Schnauze), oberd. f. ſchwer u. heftig athmen; eilen; niederd. nad) etwas 
0d. Semand fihnappen; beißen; einen unfreundlich anfahren, anfchnauzen 
(niederd. anfnauen, oberd. anfchnauen); die Schnau, M. -en, niederd. 1) f. 
Schnauze, Maul, Nafe, Schnabel; 2) Bifs, unfreundliche, heftige An- 
rede; 3) au die Schnaue, M.-n, (holl. snaauw, engl. snow) eine Art 
Eleiner vorn fpis zulaufender zweimaftigee Schiffe mit einem viereckigen Haupt: 
fegel, u. einem Gaffelfegl (Schnaufegel) an dem Heinen Maft (Schnaus 
maft); fchnauig, (ſchweiz.) oder fchnauifch (niederd.), Bw., f. beifig, 
zänkiſch. 

ſchnaufen, ziellof. 3w. m. haben, (oberd. Nebenform von ſchnauben; 
im Hochd. als Verſtärkungsform geltend), heftig und mit Geräuſch ſchnau⸗ 
ben od. athmen (die Pferde ſchnaufen; vgl. auch verſchnaufen u. ſchnüffeln); 
oberd. auch ziel. die Nafe—, f. ſchnauben; der Schnaufer, -$, wer 
ſchnauft; oherd. wer mühfam athmet, ein Schwächling; auch f. Athemzug. 

Schnaupe, w., M. -n, oberd. (auch die Schnaupen, Schnauben; verkl. 
das Schnäuplein, Schneupel) f. Schnabel, Schnauze (niederd. Snuff, Snuffe), 
verächtl. Mund; fchnabelformig hervorragender Theil 3. B. einer Kanne, 
Lampe 2c.; Schneppe oder Schnebbe (bef. der Tpis zulaufende Theil eines 
Schnürleishens); Schnuppe eines Lichtes; ſchwäb. f. anzüglihe Rede; 
ſchnaupen, ziellof. Zw., landſch. f. fchneuzen, fchnüffeln. 
* Schnauze, w., M.-n, Verl. das Schnäuzchen, oberd. Schnäuzlein, 
(mittelh. snüze, oberd. Schnauzgen, niederd. Snute, hol. snuyt, ſchwed. snut, 
engl. snout; vgl. fchnauden, ſchneuzen, u. das angelf. snote, engl. snot, nie— 
derd. Snotte f. Schnupfen, Rog), das weit hervorragende, mit der Nafe 


758 Scnede 


verbundene Maul der Hunde, Wölfe, Füchſe ꝛc.; niedr. verächtl. f. Nafe 
u. f. Mund eines Menfchen; uneig. der fchnauzenähnlich hervorragende 
Theil an Gefäßen und Geräthen (z. B. Kannen, Töpfen, Lampen ıc.); — 
3fes. der Schnaugbart, gem. f. Schnurrbart, auch bloß: der Schnauz, 


-05, M. -e; das Schnauzenband, Fafeb. ein an beiden Enden zugeſpitztes 


Band mit einem Einfchnitte; der Schnauzenkäfer, f. Rüffelkäfer ; die 
Schnauzfanne, der Schnauztopf, Kanne, Zopf mit einer Schnauze; — 
Ableit. ſchnauzig, Bw., 1) mit einer Schnauze verfehen (auh Shnäu- 
zig in Zfeß. wie lang =, dickſchnäuzig 2c.); 2) oberd. f. heftig anfahrend, 
ungeftüm; fchnauzen, ziellof. Zw. oberd. f. auffehnauben, durch die Nafe 
aufriechen ; außerdem nur in: einen anſchnauzen, gem. f. heftig anfahren; 
ſchnäuzen, ziel. 3w., mit einer Schnauze verfehen (eine Kanne 2.—; 
verſch. ſchneuzen, ſ. d.). 

Schnecke, w., M.-n, Verkl. das Schneckchen, Schnecklein, (altd. der 
sneccho, snecke, oberd. der Schneck, des Schnecken; niederd. Snigge; angelſ. 
snaegl, engl. snag, snail, ſchwed. snäcka; von dem altd. snahhan, snuoh, 
angel. snican, £riechen; vgl. Schnafe 1.), 1) eine Gattung nadter Weich: 
thiere mit länglichem Körper und vier Fühlfpigen am Kopfe: Erd-, Wege: 
fchnede, nadte Schnede; 2) eine Gattung Schalthiere mit einfchaligem, 
mehrmals gewundenem und in eine Spise auslaufendem Gehäufe, von vielen 
Arten, 3. B. Garten-, Fluſs-, Meerfchneden zc., insbe. die Gartenfchnede, 
(Iprihw. langſam, wie eine Schnede); oberd. fcherzh. LiebEofend f. Perfon, 
def. Kind (Schneckchem; uneig. verfchiedene fchnedenähnlich gemundene 
Dinge, 3. B. Bauf. ein fehnedenförmiger Zierath od. Schnörkel; eine Wen: 
deltreppe, auh: Schnedentreppe (oberd. der Schne den); ein gewuns 
dener Weg; ein Schnecenrad (f. u.) in einer Uhr; eine Art Wafferfchraube; 
ein großer Hohlbohrer; Anat. die innere gewundene Höhlung des Ohres; 
Landfch. gem. f. die weibliche Scham; — 3fes. das Schnedenauge, uneig. 
der Mittelpunkt einer Schnedenlinie od. eines Schnörkels; der Schneden- 
berg, ein Hügel, wo man die eſsbaren Gartenfchnecen aufbewahrt u. mäftet; 
auch ein Luftberg, auf welchen ein Weg in einer Schnedenlinie ſich windet; 


die Schnedenbohne, eine Art Bohnen in Brafilien mit ſchneckenförmig ges. 


wundenen Blumenblättern; der Schnedenbohrer, ein Bohrer mit fchneden- 
förmig gewundener Spige; die Schnedendrommete, eine aus einer Meer 
fchnede gemachte, od. ſchneckenförmig gewundene Drommete; die Schneden: 
feder, fchnedenförmig gewundene Stahlfeder in Zafchenuhren (fr. Spiral: 
Feder); ſchneckenförmig, Bw., die Form eines Schnecdenhaufes habend; 
der Schnedengang, 1) ſehr langfamer Gang, gleich dem Kriechen der 
Schnecken; 2) ein nad) einer Schnedenlinie gewundener Gang od. Weg; das 
Schnedengewölbe, ein Gewölbe, welches fich in einer Schraubenlinie um 
einen Pfeiler in die Höhe windet; die Schnedengrube, eine Grube, in wel- 
cher man efsbare Gartenfchnecen aufbewahrt; das Schnedenhaus oder 


häuschen, die gewundene Schale einer Schnee; das Schnedenhorn, Fühls 


horn einer Schnecke; auch ein ſchneckenförmig gewundenes Horn; der Schne— 
ckenkegel, das kegelförmige Schneckenrad in einer Taſchenuhr; dev Schneden- 
Flee, ein dem Klee ähnliches Hülfengewächs mit fchnedenförmig gewundenen 
Schoten (medicago L.), von vielen Arten, bef. der blaue u. rothe Shne 
cdenklee, gew. Lucerne od. Lucerner Klee genannt; der Schneckenkohl, 














fchneden — Schnee 159 


landſch. f. Braun oder Blaukohl; der Schnedenfünig, in Wien eine Art 
efsbarer Schnirkelſchnecken; der Schnedenkreis, eine ſchneckenförmige Kreis- 
linie; die Schnedenlinie, eine den Windungen eines Schnedenhaufes ähnlich) 
um einen Punkt gewundene Linie (fr. Spiral-Linie); der Schnedenmarmor, 
mit verfteinerten Schnecken durchfegter Marmor; der Schneckennerve, Anat. 
das vordere Bündel des Gehörnerven; die. Schnedenpoft, ſcherzh. eine fehr 
langfame Art zu reifen od. überh. von der Stelle zu kommen (mit od. auf der 
Schneckenpoſt 2c.); das Schnedenrad, ein fchnedenförmiges Rad in den 
Uhren, an welches fich die Kette der Uhr beim Aufziehen legt; die Schneden- 
raupe, Raupen von ſchneckenförmiger Geftalt; die Schnedenfchlange, eine 
Art Röhrenfchneden, einem Spulwurm ähnlih, auch: Wurmfchlange; der 
Schnedenftein, 1) ein einer, weißer fteinartiger Körper im Kopfe der 
Megefchneden; 2) Stein, bef. Marmor, in welchem fich verfteinerte Schneden 
finden; die Schnedentreppe, |. v. w. Wendeltreppe; der Schnedenzug, 
1) Zug der Schnecen, ſehr langfamer Zug; 2) nad) einer Schnedenlinie gezo— 
gener Strich; — ſchnecken 1. od. ſchneckeln, zielloſ. Zw., oberd. 1) f. ſehr 
langſam gehen, ſchleichen; langſam vergehen (won der Zeit); 2 fchne- 
deln auch f. pußen, zierlich ankleiden (urſpr. wohl: glatt u. rund machen; 
vgl. fchniegeln). * 

fehneden 2. od. ſchneckern, ziel. Zw., oberd. (vgl. das ſchwed. snickra, 
Zifchlerarbeit machen) f. Elein hauen, baden (Reifig); fchnigeln. 

Schnee, m., ©. des Schnee -e$ (zweifilb.) od. zgez. Schnees (einfilb.), 
0. M., (goth. snaivs, altd. sneo, sne, G. snewes; niederd. Snee; angelf. 
snäv, engl. snow; isländ. snio, ſchwed. snö; holl. sneuw; böhm. snih, poln. 
snieg; lat. uix, niv-is; griech. (wur) vip-e 20.5; — die urfpr. Wurzel ni, 
“ verft.'sni, weiter gebildet sniv, fcheint glänzende Weiße zu bezeichnen), in der Luft 
gefrorene wäfferige Dünfte, die in Geftalt weißer Sloden zur Erde fallen 
(es fällt Schnee, weiß wie Schnee); uneig. dicht. f. das blendend Weiße, 
verbunden mit dem Begriff der Reinheit und Unbeflectheit (des Bufens 
Schnee 2c.); auch f. Schneemilch (. u); — 3ſetz. die Schneeammer, eine 
Art Ammern in den nördlichſten Ländern, auch Schneefperling, Schnee 
vogel, Winterfperling 2c. genannt; der Schneeapfel, eine Art weißlicher 
Plattäpfel; die Schneebahn, eine mit Wagen od. Schlitten durch den Schnee 
gemachte Bahn; der Schneeball, eine ballförmig zufammengedrüdte Schnee: 
maſſe (Kinder werfen ſich mit Schneebälfen); uneig. die Eugelrunden, weißen 
Blüthendolden des Hirſchholders od. Wafferholunders, u. das ganze Gewächs; 
auch eine Art hohlen, leichten Badwerks; der Schneeballen, eine größere 
zufammengeballte Schneemafle; fchneeballen, untrb. 3w., gem. f. Schnee: 
bälle machen; fi —, mit Schnecbällen werfen; der Schneebaum, ein nord- 
amerifan. Strauch mit jchneeweißen Blumen, auh: Schneeflodenbaum, 
Schneeblume (chionanthus L.); ſchneebedeckt, Bw., mit Schnee bededt; 
die Schneebeere, ſ. v. w. Eiöbeere, ſ. d.; der Schneeberg, mit Schnee be- 
deckter Berg; großer Schneehaufen; die Schneebirne, die efsbare Frucht 
einer Art wilder Birnbäume, bef. auf den öftreich. Alpen; auch f. weiße But- 
terbirne; die Schneeblume od. das Schneeblümchen, ſ. v. w. Schnerglöd- 
chen (1. d.); auch f. die Alpenwindblume (anemone alpina L.) oder weiße Kü- 
henichelle; u. fe die Blume des Schneebaums; der Schneebruch, Zorftw. 
das Brechen der Äfte und Bäume unter der Saft des Schnees und der dadurch 


\ 


160 Schnee 


verurſachte Schaden; daher: fchneebrüchig, Bw., durch die Laft des Schnees 
gebrochen; die Schneedohle, Landich. f. die gemeine Dohle, weil fie fich bei 
gefallenem Schnee fchreiend den Wohnungen nähert (gem. auch) Schneegäde); 
die Schneedvoffel, Ring- od. Meerdroffel; die Schnee- Eule, große weiße 
Eule; auch eine Art Nachtfchmetterlinge; der Schneefinf, Berg- od. Mift- 
fink; die Schneeflode, f. Flocke; uneig. f. Schneeglöckchen, Schneeblume; 
die Schneegand, eine Art ganz weißer wilder Gänfe im nördl. Afien und 


Amerika; auch f. Kropfgans; das Schneegarn od. neß, ein Sagdneg zum 


Rebhühnerfang im Winter; das Schneegebirge, =gefilde 2c.; das Schnee: 
geftöber, Schneefall bei ftarkem Winde, welcher den Schnee wie Staub um- 
hertreibt (vgl. ftöbern); das Schneeglöckchen, eine fehr früh blühende Blume 
aus der Familie der Narziffen, auh: Schneeblume, -veildhen, =tropfen, 
fchlef. Schneegallen, Frühlings= od. Märzglöckchen zc. (leucoium vernum L.); 
die Schneehaube, Säg. ſ. v. w. Schneegarn; das Schneehuhn, eine Art 
wilder Hühner, die im Winter faft fehneeweiß werden, auh: Schneevogel, 
Schneehafe, weißes Birk» oder Haſelhuhn, Weißhuhn ꝛc.; der Schnee: 
könig, Landich. f. Zaunkönig; die Schneefuppe, (f. Kuppe), ein mit Schnee 
bedeckter Berggipfel; als EN. die höchfte Spitze des fchlef. Riefengebirges 
(gew. Schneekoppe); die Schneelauwine od. -lawine, f. Lauwine unter 
lau; die Schneelerche, Berg- od. Winterlerche in Amerika; das Schnee- 
licht, der biendende Schein des Schnees; die Schneelinie od. «grenze, die 
Grenzlinie im Dunftkreife, jenfeit welcher in den verfchiedenen Erdſtrichen der 
gefallene Schnee Liegen bleibt, ohne zu thauen; die Schneeluft, mit Schnee 
angefüllte &uft; der Schneemann, eine aus zufammengewälzten Schneeflum- 
pen gebildete plumpe Menfchengeftalt, mit deren Errichtung fid) Knaben zu 
beluftigen pflegen; die Schneemaffe; die Schneemeife, Schwanz oder 
Bergmeife, die fi im Winter den Wohnungen nähert; die Schneemilch, 
mit Eiweiß vermifchte und zu Schaum gefchlagene Sahne, auh: Schnee 
mus und bloß: Schnee; die Schneepappel, weiße od. Silberpappel; der 
Schneepflug , ein pflugägntiches Geräth zum Wegbahnen in tiefem Schnee; 
der Schneepilz, eine Art grauer efsbarer Pilze, die in großen Klumpen meift 


an den Wurzeln der Eichen wachſen, auch: Eichhafe, -bod 2c.; die Schnee— 


riefe, alt u. landſch. f. Lauwine (f. riefen 1.); die Schneerofe, eine Art 
Xprofen, Gichtroſe; die Schneefchlange, eine Art fchneeweißer giftiger 
Schlangen in Afrika; der Schneefchuh, breite, platte Fußbekleidung der Be— 
wohner des hohen Nordens; der Schneefperling, ſ. Schneeammer; der 
Schneetropfen, landſch. f. Schneeglödchen; Schneeblume; das Schnee: 
veilchen, f. Schneeglödchen; der Schneevogel, f. Schneeammer; Schnee 
huhn; Seidenſchwanz; das Schneewaſſer, Waſſer aus gefehmolzenem Schnee; 
fehneeweiß, Biw-, glänzend weiß, wie frifchgefallener Schnee; das Schnee 
wetter, die Witterung, da Schnee fällt; der Schneewind, Wind, weldyer 
Schnee bringt; die Schneewolfe, Wolke, aus welcher Schnee fällt oder zu 
fallen droht; der Schneewurm, die Larve des ſchwarzbraunen Warzenkäfers, 
die im Winter aus der Erde hervorkriecht; die Schneewurz, Schmeerwurg 
od. Fettkraut; — Ableit. fchneeig, Bw. (altd. snewec, oberd. ſchnewig), 
Schnee enthaltend, mit Schnee bedeckt; auch f. v. w. fehneeicht, Bw., 
fchneeähnlich, ſchneeweiß (der fchneeichte Sein); ſchneien (ehem. ſchneyen 
geihr.), unp. ziellof. Iw. m. haben, (altd. sniwan, sniwen, Prät. snei, 














Schneerkraut — fchneiden 161 


Mio. gesniwen; mittel). aud) snien, snigen, snite, gesniget; oberb. fchnei- 
wen, fchneiben, ablaut. ſchniw, fchnieb, fehnie, gefchniwen, gefchnieen, jedoch 
auch umend. fchneiwet, gefchneibt; im Hochd. jegt bloß umend. fchneite, ge— 
ſchneit; niederd. fneen, fchneen; angelf. snivan, engl. snow; gried). wipe), 
e8 fehneiet oder ſchneit, es fallt Schnee, (ed hat gefchneit 2c.; das 
Schneien als Hw.); uneig. auch ziel. et was —, 3. B. es fchneit Blüthen ıc. 

Schneerkraut, f., Landich. f. Wegetritt, Buchwindewide ıc. 

Schneffel, m., ſ. Schnepel. 

fehneiden, 3w., ablaut. Impf. fehnitt, Gonj. ſchnitte; Mw. gefchnitten, 
(goth. sneithan, Prät. snaith, Part. snithan; altd. snidan, sniden, sneit, 
gesniten; niederd. fniden od. fnien, Prät. need. Part. fneden, ſneen; angelf. 
snithan, snidan, ſchwed. snida) 1) ziellos mit haben, fiharf fein und da- 
durch fähig, andere Körper zu durchdringen (fchneidende oder Schneide- 
Werkzeuge; das Meffer, die Schere 2c. fchneidet gut, od. ſchlecht zc.); uneig. 
einen empfindlichen, ducchdringenden, fcharfen Eindrud auf das Gefühl 
oder einen andern Sinn machen (zZ. B. die Kälte fAmeidet ins Geſicht; ein 
fchneidender Wind; auch: fchneidende Töne, Karben, Umriffe zc., d. i. grelle, 
ſcharfe, nicht gehörig verfchmolzene; uneig. gem. das fehneidet in den Beutel, 
d. i. verurfacht einen beträchtlichen Aufwand); bei. empfindlich fchmerzen, 
wie eine Verlegung mit einem Schneidewerkzeuge (ein fchneidender Schmerz; 
es fchneidet mir (nicht: mich) im Leibe, vgl. das Leibfchneidenz das ſchnei— 
dende Waffer, d. i. der Harnzwang), uneig. einen fchmerzlichen, ver- 
legenden Eindruck auf das Gemüth machen (es fchneidet mir ins Herz od. 
in die Seele; fehneidende Worte, Reden, d. i. empfindlich Eränfende, beleidi- 
gende); 2) ziel. mit einem Schneidewerkzeuge trennen od. theilen, fofern 


es mit einem Zuge oder Drude gefchieht, verfch. hauen, baden, (7. B. Brod, 


Fleiſch, Papier ꝛc. —; Tuch u. dgl.—, alt und oberd. f. ellenweife verkaufen, 
ausfchneiden, vgl. u. Schneider; das Getreide—, d. i. mit der Sichel 
abjchneiden, verich. mähen od. hauenz daher in engerer Bed. ſchneiden f. 
ernten; uneig. Geld Schneiden f. gewinnen, bef. unrechtmäßiger Weife, vgl. 
einen Schnitt machen); mit einem fchneidenden Werkzeuge verlegen, ver— 
wunden (Semand fchneiden, ihn in den Finger—; ſich —; ich habe mich 
(nicht: mir) in die Hand gefchnitten; ſich Schneiden, uneig. f. ſich irren u, 
dadurch zu Schaden Eommen, in feiner Erwartung getäufcht werden); ſchnei— 
dend bewirken oder hervorbringen (etwas in Stüden—, Elein—; Häcdfel, 
Futter ꝛc. —; Bretter—, d. i. aus Baumftämmen ſägen; Tiſchl. überh. Ichnei- 
den f. fägen); durch Fünftliches od. gefchicftes Schneiden zu einem Zwecke 
zubereiten, bearbeiten (eine Schreibfeder— ; ein Kleid—, landſch. f. zu: 
ſchneiden; ehem. einem ein Kleid fchneiden, überh. f. machen od. machen 
laffen; den Stein—, f. ausfchneiden; ein Schwein—, f. verfchneiden; die 
Bienen—, d. i. ihre Honigfcheiben ausschneiden, zeideln; in Holz, in Stein ıc. 
fchneiden, d. i. graben oder ftechen, fr. graviven; daher: gefchnittene 


Steine, d. i. mit eingegrabenen Figuren, Verzierungen 2c. verfehene Edel- 


feine); uneig. einen Ball ſchneiden, (im Billard) f. an der Seite berühren 


 (oberd. auch: einen Kegel—); den Wein —, f. verfälfchen; Gefichter fchnei- 


den, f. das Geficht verzerven, Fratzengeſichter machen; — 3fes. der Schneid- 
arzt, ehem. f. Wundarzt, welcher Brüche, den Stein 2c. fehneidet; die Schnei- 
debanf, ſ. v. w. Schnitzbank, z. B. der Bötticher; die Schneidebohne, die 


162 fchneiden 


gemeine Bohne, welche zur Speife Klein gefchnitten wird, entg. Brechbohne; 
der Schneidebohrer, eine Art Bohrer mit ſcharfer Schneide; das Schneide-- | 


eifen ,- ein eifernes Schneidewerkzeug der Stellmacher, der Kammmacher zum 
Schneiden der Zähne, der Schloffer zum Abdrehen der Schrauben (au 
Schneidekluppe); die Schneidelade, Häderlings > od. Futterbank; dag 
Schneideleder, Schuhm. zu Sohlen zerfchnittenes Leder; das Schneide 
meffer, in engerer Bed. ein Meffer mit zwei Handhaben zum Befchneiden von 
Holz auf der Schneidebanf, auch Schnittmeffer;z Küch. f. Wiegemeffer; die 
Schneidemühle, f. v. w. Brett= oder Sägemühle, |. d.; die Schneide 
fcheibe, ſtählerne Scheibe der Uhrmacher, die Zähne der Räder damit auszu- 
Schneiden, auch: das Schneidezeug; die Schneidefohle, bei den Stell 
machern eine ftarke Bohle mit drei Löchern, worin die zu bearbeitenden Hölger 
befeftigt werden ; der Schneideftein, eine aus Glimmer und Spedftein befte- 
hende Steinart, welche fich Tchneiden läſſt; der Schneideftichel, ein Eleiner 
flacher Stichel der Petfchaftitecher; das Schneidewerkzeug, jedes ſchneidende 
od. zum Schneiden dienende Werkzeug; der Schneidezahn, die Iharfen Vor— 
derzähne bei Menfchen und Thieren; das Schneidezeug, allerlei Werkzeuge 
zum Schneiden, insbe]. f. Schraubenzeug od. Schneideeifen, und f. Schneide 
ſcheibe; — Ableit. die Schneide, M. -n, (altd. snide, oberd. Schneid) 
1) der fehneidende Theil eines Werkzeuges, einer Waffe ꝛc.; auch f. ſchar— 
fer Rand, Kante (3. B. an Felfen ꝛc.; Anat. der obere Rand des Eeilförmigen 
Beines); 2) die Scharfe, d. i. die Fahigkeit zu ſchneiden; oberd. uneig. fa 
durchdringende Kraft, Vermögen, Kraftgefühl, Muth; 3) das Gefchnittene, 
Ab-, Durch- od. Eingefchnittene (vgl. ſchnaiten, Schnait 2c.), insbef. Jäg. 
f. Sprenfel od. Dohnen, aud) der ganze Vogelherd; landſch. f. ausgehaue- 
ner Weg dur) einen Wald; auch f. Grenze; fchneidig, Bw. (mittelh. sni- 
dec, ſcharf), eine Schneide habend (bef. in Zſetz. wie ein», zweifhnei- 
dig); oberd. auch f. ſcharfkantig; u. uneig. f. muthig; Bergw. f. leicht zu 
fchneiden od. zu gewinnen, weich (ſchneidiges Geftein); der Schneidel, -8, 
die zweite Reihe Holz in einem Kohlenmeiler; fchneideln od. gew. fehnei- 
teln, ziel. Zw. (oberd. fchnaiteln, fchnaiten, ſ. d.), befchneiden, behauen 
(Bäume, Weinftöde 2c.); das Schneidelholz, Forftw. Bäume, welche ſich 
gut fchneidein laſſen und bald wieder ausjchlagen, z. B. Weiden, Birken zc.; 
auch das von folchen Bäumen abgefchnittene Holz; — der Schneider, -8, 
M. w. E. (mittelh. snider), weibl. die Schneiderinn, M. -en, überh. wer 
etivas fehneidet, od. mittelft fchneidender Werkzeuge hervorbringt, bearbeitet, 
in vielen Zſetz., z. B. Brett:, Futterfchneider, Holzs, Stein, Stable, Stem- 
pel⸗ Kormfchneider 2c.; insbeſ. chem. wer Tuch ausfchneidet, d. i. nad) der 
Ele verkauft, Tuchverkäufer, Schnitthändler, genauer: Gewand= oder 


Tuchſchneider (vol. das franz. Detail, Detailleur); jest gew. ein Hands 


werker, welcher Kleidungsftüde aus gewebten Zeugen verfertigt, Kleider 
macher (vgl. o. fchneiden und das franz. tailleur; Mannsfchneider, Frauen? 
fchneider od. =fchneiderinn, Leibſchneider 2c.); uneig. Säg. ein geringer, nicht 
jagdbarer Hirſch; landſch. f. die Wafferjungferz Ifes. dag Schneider: 
handwerk, -gewerbe, -gewerk; die Schneiderzunft; der Schneidermei- 
fter, -gefell, lehrling od. junge, -burfche zc.; die Schneiderarbeit; der 
Schneiderlohn; die Schneiderrehnung; die Schneiderwerkftatt ꝛc.; 
der Schneiderfifch, verächtl. Benennung einiger Kleinen Weißfiſche (oberd. 





4 
1 
1 
4 





—— = —— — 5 


ſchneien — fchnell 763 


auch das Schneiderlein); die Schneiderfranfheit, Krankheiten, welchen 
die Schneider wegen ihrer figenden Lebensart beſ. unterworfen find; gem. 
ſcherzh. f. Kräge; der Schneidermusfel, Anat. der Muskel, welcher zur 
Einbiegung des Unterfchenkels und daher zur Unterfchlagung der Beine dient; 
die Schneidernadel, eine dreifantige Nadel der Schneider; Die Schneider: 
fchere, eine große, ftarfe Schere zum Zufchneiden der Kleidungsftüde; ber 


- Schneidervogel, ein Eleiner oftind. Vogel, der fein längliches flafchenförmiges 


Neſt an die Zweige hoher Bäume hängt; Ableit. die Schneiderei, die Be- 
ſchäftigung eines Schneiders im weiteren Sinne, in 3fes. wie Form-, Stein», 
Stempelfchneiderei 2c.; in engerer Bed. dad Handwerk des Schneiders od. 


Kleidermachers (3. B. die Schneiderei erlernen); fchneidern, ziellof. Zw. m. 


haben, Schneiderarbeit machen, die Schneiderei treiben; — die Schnei- 
dung, gew. das Schneiden. 

ſchneien, 3w., f. unter Schnee. 

Schneife od. Schneiße, w., M.-n, (mittelh. sweise, oberd. die Schnai- 
fen; verw. mit fchneiden, fchnaiten, Schnait), landſch. überh. ſ. v. w. die 
Schneide 3): etwas Ab- oder Ausgefchnittenes; insbe. f. Baumreis, 
Stäbchen (isländ. sneis, angeli. snäs; niederd. Snefe, der Stod, an wel- 
chem das zu räuchernde Fleiſch in den Schornftein gehängt wird); Jäg. f. 
Sprentel, Dohne (landſch. auch: die Schneus); oberd. auch: ein Stroh: 
band, eine Schnur ıc., woran mehre gleichartige Dinge zum Verkauf ıc. 
aufgereihet find, und die fo aufgereiheten Dinge felbft G. B. eine Schneife 
3wiebeln; vol. das landſch. Schneje, holl. dän. ſchwed. snés f. eine Zahl 
von 20, eine Stiege); auch f. Reihe überh.; insbei. ein zum Wogelfang 
ausgehauener Waldweg, Vogelherd; die Schneißenbeere, landſch. f. Vo— 
gelbeere; ſchneiſig, Bw., landſch. f. Schneifen enthaltend, aus Schneifen 
0d. Reihen beftehend; auch ſchlank, lang u. dünn (oberd. gefhnaifig). 

fchneiteln, 3w., f. fchneideln unter ſchneiden; fchneiten, ſ. ſchnaiten. 

‘fchnell, Bw. (altd. snel, ©. snelles; niederd. fnell; isländ. sniallar, 
ſchwed. snäll, angelf. snel; ital. snello; von Schnall, fchnallen, f. d.), durch 


-befchleunigte Bewegung in kurzer Zeit einen verhaltnifsmaßig großen 


Raum zurüdlegend, zunächft vermöge der Spann- od. Schnellkraft, daher 
einen höheren Grad bezeichnend, als die finnv. gefchwind, raſch, (4. B. ſchnell 
wie ein Pfeil, fchnell laufen, fchnelle Füße; auch von der Zeit: die Zeit ver- 
geht ſchnell 2c.); in kurzer Zeit viel vereichtend (Ichnell arbeiten, fchreiben, 
ſprechen; ein fchneller Arbeiter 2c.); auch f. vorfchnell, vereilig u. unüber- 
legt, und landſch. f. jähzornig (ſchnell fein); in kurzen, faſt unmerflichen 
Zwiſchenzeiten erfolgend od. gefchehend, finnv. ſchleunig, plöglich, jahling . 
(ihnell fterben; ein ſchneller Tod; ein ſchneller Entſchluſs 2c.); Forſtw. f. 
fhief, windfchief (ein Stamm geht ſchnell 2c.) ; — 3Tes. der Schnellblid, 
ein fchneller, Alles fogleich überfehender Blid; der Schnellbote, ſ. v. w. 
Eilbote; der Schnellfahrer , wer fchnell fährt; ein fchnell fahrendes Leichtes 


Fuhrwerk, auch der Schnellwagen, die Schnellfurfche; fchnellfingerig, 
Bw., fehnelle Finger habend, z. B. zum Schreiben; fchnellfüßig, Bw., 


fchnelle Füße habend, ſchnell laufend; die Schnellfüßigkeit; der Schnell 
lauf; der Schnellläufer; das Schnellloth, ein fchnell= od. Leichtflüffiges 
Loth (I. Loth 1), auch das Schnellzinn; die Schnellpoit, Eitpoft; Das 
Schnellſchiff, ſchnell ſegelndes Schiff; der Schnellfchreiber, Geihwind- 


764 fchnellen 


ſchreiber (fr. Tachygraph); die Schnellfchrift, Schnellfchreibefunft (Tachy— 
oraphie); der Schnellfchritt, beichleunigter Schritt, Geſchwindſchritt; der 
Schnellwolf, Goldwolf; fehnellwüchfig, Bw., fchnell wachſend (G. 8. 
Holz); — Ableit. die Schnelle od. gew. Schnelligkeit, felten Schnell- 


beit, (altd. snelle, snelheit, snellec-heit; oberd. die Schnellen), das Schnell " ) 


fein, die befchleunigte Bewegung, ſinnv. Gefchwindigkeit, Raſchheit. 


fchnellen, Zw. (altd. snellan, snellen, Prät. snalte; angelf. snellian) 
1) ziel. (das Factitivum von ſchnallen, f. d.) et was —, fehnallen machen | 
od. laffen, eine Spann= od. Federkraft loslaffen u. etwas mittelft derfer 
ben fortbewegen (4. B. einen Pfeil vom Bogen—; etwas mit den Fingern—; 


einem einen Kirſchkern u. dal. ins Gefiht—); auch f. prellen (7. 8. einen 
Fuchs —, ſ. prellenz uneig. einen—, f. liftig übervortheilen, betrügen); 
einen—, ihn mit den Fingern fehnallend berühren, ihm einen Schneller 
geben; auch: in fchnelle Bewegung feßen (Säg. den Leithund —, ihm mit 
dem Hängefeile einen Ruc geben); 2) ziellos m. haben, ſ. v. w. fihnallen: 
mit Schnell= od. Federkraft ſich fortbewegen (eine Feder, eine Wage ꝛc. 
fchnellen Laffen;z audy mit fein, wenn die Richtung der Bewegung angedeutet 
wird, z.B. die Wagſchale ift in die Höhe gefchnellt); niederd. (Inellen) 
überh. f. gefchwind fein; ferner den ſchnallenden Schall hervorbringen, f. 
v. w. fchnallen, fchnalzen, fchnippen (mit den Fingern—); Jäg. von dem 
Leithunde: vorfchnell anfchlagen; — 3ſetz. die Schnellbanf, ehem. ein 
Wurfzeug, große Steine damit auf den Feind zu fchnellen (fr. Katapulte); die 
Schnellfalle, eine in die Höhe fchnellende Falle zum Fange von Thierenz der 
Schnellgalgen, ein Galgen in Geftalt eines griech. T’, an welchem man ehem. 
die Verbrecher in die Höhe fchnellte und plöglich wieder fallen ließ, Wippgal- 
gen; das Schnellharz, Federharz; der Schnellfäfer, eine Art Käfer, bie, 
wenn fie auf dem Rücken liegen, fich in die Höhe fchnellen können, Spring— 


käfer, Schmied (elater L.); die Schnellfraft, Federkraft (fr. Elaftieität); 


fchnellfräftig, Bw. (fr. efaftifch); die Schnellfugel od. das Schnellfügel- 


hen (gem. Schnellkäulchem), Eleine Marmor- od. Thonkugeln, welde r 
fpielende Kinder in Eleine Gruben zu fchnellen pflegen, landſch. Murmel, oberd. | 


Schuffer, niederd. Knider 2c.; die Schnellfchleife, Jäg. eine Art Schleifen 
zum Bogelfange, welche bei der geringften Berührung in die Höhe fchnellen ; 
das Schnellfeil, Jäg. Seile, mittelft deren das Vogelgarn zum Zufammen- 
ſchlagen in Schwung gebracht wird; die Schnellwage, eine Wage mit un- 
gleichen Armen, auf welcher man mit gleichem Gewichte Körper von ſehr ver- 


fchiedener Schwere wägen kann, nieberd. Knippwage; — Xbleit: die | 


Schnelle, M.-n, (oberd. die Schnell), landſch. f. ein ſchnellendes oder 
fhnallendes Ding, bef. eine Peitfche; der Schneller, -$, M. w. E. 
1) eine ſchnellende Perfon (4.8. oberd. ein Burfche, der beim Fahren hinten auf 
dem Wagen fteht, um diefen bei Gefahr des Umfallens auf die entgegengefeßte 
Seite zu fchnellen); ein Ding, welches jchnellt, d. i. fich od. etwas Anderes 
mit Schnellraft bewegt, 3. B. Jäg. u. oberd. f. Schlagbaum; Jäg. f. Spren- 
kel; oberd. f. Schnellgalgen, auch f. Haspel mit einfchnappendem od. fchnellen 
dem Räderwerf, f. v. w. Schnappmweife, daher auch ein Gebinde von 240 Fä— 
den; an dem Schloffe eines Feuergewehrs der Theil, bei deffen Berührung der 
Hahn abfchnellt od. abfchnappt; Pflanz. ein fadenförmiger fchnellfräftiger Kör- 
per an den Samen der Lebermoofe; 2) eine fchnelfende Bewegung und der 





de, -yi-Izar 





; 
1 


\ 


Schnepel — fihnerren 165 


damit verbundene Schall, bef. mit den Fingern, f. v. w. Schnall, Schnipp- 
hen, Knippchen, Stüber; Jäg. auch ein fchneller Zug des Hängefeils auf 
dem Rüden des Leithundes. 

Schnepel, m., -8, M. w. E. (n. X. Schnäpel; landſch. auch Schnä- 
bel, Schnabel; niederd. Snepel, dän. snibbel, engl. snipe), ein zum Lachs— 
geſchlecht gehörender Flufsfifch mit länglichem, ſchnabelähnlichem Oberkiefer, 
bef. in der Altmark, gew. geräuchert verfendet, auch Schnabelfiich, Nafe, 
Näsling ꝛc.; niederd. uneig. f. ein blaffer, kränklicher Menſch. 

Schnepfe, w., M.-n, Verkt. das Schnepfchen, (althochd. der snepho 
u. diu snepha, mittelh. der u. diu snepfe; oberd. der Schnepf, des Schnepfen; 

niederd. Sneppe, Snippe; ſchwed. snäppa, dän. snap-hone, engl. snipe; 
von gleihem Stamme mit Schnabel: der Schnabelvogel; wie das franz. 
becasse von bec), eine zahlreiche Gattung ſchmackhafter Sumpfoögel mit 
langem dünnem Schnabel, auch Schnepfhuhn genannt, von verfchiedenen Ar- 
ten, als: die gemeine Wald- od. Holzſchnepfe, die Doppelichnepfe oder der 
Brachvogel mit krummem Schnabel, Heer-, Mittel: od. Haar-, Pfuhl- oder 
Riedfchnepfe, Regen, Moos, Strandfchnepfe 2c.; der Schnepfendred, mit 
Eiern und Semmelmehl in Schmalz gebadene Schnepfengedärme, als Lecker— 
biffen; der Schnepfenfang, das Fangen der Schnepfen und ein dazu einge- 
tihteter Ort; der Schnepfenfifh, gem. Schneppenfiſch, f. v. w. die 
Meerichnepfe, ſ. d.; die Schnepfenfliege, eine Art Fliegen mit zweifchneidi- 
gem, gebogenem Saugrüffel; das Schnepfhuhn, landſch. f. die Schnepfe, 
insbeſ. die größere Wald- od. Holzichnepfe; die Schnepfenjagd; der Schne- 
pfenkopf, uneig. Namen verfchiedener Schnedenarten; der Schnepfenfchna- 
bel, uneig. Namen einiger Stachelichneden; der Schnepfenftoß, eine Art 
des Schnepfenfanges mit Klebegarnen; der Schnepfenzug, 1) das Ziehen 
der Schnepfen im Frühling u. im Herbfte, auch der Schnepfenftrich; 2) eine 
Menge in Gefellichaft ziehender Schnepfen. 

Schneppe, auch Schnebbe, Schnibbe, w., M.-n, (oberd. Schneppen 
od. Schnepp, niederd. Snibbe, Snebbe; ſchwed. snibb), landſch. f. Schnabel; 
etwas fchnabelfürmig Zugefpistes, insbef. an Frauenkleidern; ein fpig zu> 
laufendes Stirnläppchen an Trauerhauben der Frauen; ein Fleck od. Strich 
auf der Nafenfpige eines Pferdes; auch f. die Schnauze einer Kanne 2c.; oberd. 
auch: das Äußerfte Ende, der Rand, die Spitze eines Dinges; der Schnepp= 
9 Horn⸗ od. Nadelhecht; die Schnepphaube od.-mütze; die Schnepp—⸗ 

anne. 

ſchneppen, zielloſ. u. ziel. Zw., oberd. f. ſchnappen, eine kurze Bewe— 
Hung machen; Vögel— mit dem Fallkäfich fangen; die Schneppe, oberd. 
f. Plappermaul; der Schnepper, |. Schnäpper; ſchneppern, 3w., oberd. 
f. ſchwatzen, plaudern; der Schnepperer, -8, f. Schwätzer, Poffen od. 
Botenreißer. _ 

Schnerf, m., -es, M. -e, landſch. f. Schnärre, Schnarrdroffel. 
ſchnerfen, ziel. Zw. (altd. snerfen, snirfe, Prät. snarf; vgl. fehnerren 2., 
ſchnurren, fchnurfen), altoberd. f. zufammenziehen, fihmiegen, fchrumpfen. 

fihnerren 1., ziellof. Zw. (altd. sneren), oberd. f. ſchnarren; ſchnarrend 
ſchreien, wie manche Vögel; plappern; die Schnerre, M. -n, oder der 
Schnerrer, -8, f. Schnarre, Schnarrdroffel. 

ſchnerren 2. od. ſchnerchen, ziel. 3w. (altd. snerahan , snerhen, snirhe, 


766 Schneſe — fchnipfen 


snarchz ſchwed. smärja, engl. snare, niederd. ſnirren; v. altd. snaraha, engl. 
snare, niederd. Snirre, Schlinge), chem. f. einfhnüren, verfchlingen, 
verſtricken; noch oberd. ſich —, f. fich felbft fangen, ſich irren. 

Schneſe, Schneus, w., M.-en, landſch. f. Schneife, f. d. 

ſchneuzen, ziel. Zw. (altd. snüzian, snüzan u. snüzon, sniuzen; niederd. 
jnütten; isländ. snita; verfch. von ſchnäuzen; vgl. Schnauze), die Nafe—, 
mit fehneller und heftiger Ausftoßung der Luft reinigen, finnv. fchnauben, 
pußen (einem od. ſich (mir) die Naſe —); auch einen od. ſich (Acc.) —, 
f. ihm o». fich felbft die Nafe ſchneuzen; uneig. gem. einen—, f. ihn 
hintergehen, betrügen, prellen; in weiterer Bed. das Licht —, f. pußen, 
(„die Sterne ſchneuzen jich“ fagt man von fallenden Sternſchnuppen, ſ. d.). 

Schnibbe, w., ſ. Schnepre. 

ſchnicken; ziellof. u. ziel. Zw. (vgl. ſchnacken, ſchnecken 2., ſchnappen und 
fchnippen), Yandfch. f. fich od. etwas fchnell bewegen, fehnellen, fort- od. in 
die Höhe fehnellen (manche Vögel ſchnicken mit dem Schwanze, d. i. fie be 
wegen ihn mit Schnellfraft auf und nieder; vgl. fchnippen; einem etwas ins 
Geficht ſchnicken 2c.); niederd. (ſnicken od. fniggen) f. nach Luft ſchnappen, 
ſchluchzen; erftiden; der Schnid, -es, M. -e, gem. f. eine einzelne fchnel- 
lende Bewegung; die Schnic od. Schnigge, M. -en, (niederd. Snid), 
eine Art Eurzer, runder Fahrzeuge in der Nordfee, Eleiner als eine Schmack, 
bef. zum Fiſch- und Aufternfange (von der fchnellen Bewegung); fchnider, 
Bw., niederd. (Inicer, fnigger, fnögger, holl. snogger, snugger) f. hurtig, 
munter, lebhaft; dünn, ſchlank, zierlich, hübſch (ein ſchnickeres Mädchen); 
glatt, zierlich geordnet (fchnideres Haar; — in den Iegteren Bed. vielleicht 
zu fchniegeln gehörend); — ſchnickern, zielof. Zw., Yandfch. f. wieder— 
holt ſchnicken od. ſchnellen, (brandenb. in Eleinen Sachen, Papieren ze. herum⸗ 
ftöbern, Eramen); beſ. einer kurz abgeftoßenen Schall wiederholt hören 
laffen, zwitfchern (von Kleinen Vögeln); auch. f. Eichern (engl. snicker); — 
der Schnickſchnack, -*3, o. M. (vgl. ſchnacken, Schnad), gem. f. albernes, 
leeres Geſchwätz. 

fchnieben, ziellof. 3w. m. haben, ablaut. Impf. ſchnob, Gonj. ſchnöbe; 
Mm. gefchnoben, (altd. snieben, snoup, snuben; in den Präſens-Formen meift 
olt. u. durch ſchnauben (f. d.) erfegt), die Luft durch die Naſe hörbar aus: 
ftoßen od. einziehen, jedoch mit gelinderem Geräufch, als ſchnauben, ſchnau— 
fen (mit der Nafe—; dicht. der Zorn ſchnob ihm in der Nafe); der Schnie- 
ber 1., -8, wer fehniebt. 

Schnieber 2., m., -8 (zgez. aus Schneeberger) gem. f. Schneeberger 
Groſchen. 

ſchniegeln, ziel. 3w. (verw. mit dem altd. snahhan, angelf. snican, krie— 
hen, Schnede 20.5 vgl. ſchneckeln; isländ. snoggr, altdän. snög, ſchwed. 
snygg, niederd. fnigger, ſnicker, f. glatt, zierlich 2c.) glatt anpaffen, glatt 
und zierlih machen, putzen, fihmüden, (gefchniegeltes Haarz ſich ſchnie— 
geln; gefchniegelt fein). 

Schnigge, w., M. -n, niederd. (Snigge) 1. f. Schnede; 2. |. Schnid 
unter fchniden. 

fchnipfen, fchnipfeln, ziel. Zw., oberd. f. v. w. fehnippen, fihnippeln, 
insbeſ. etwas in Eleine Stüden ſchneiden; in kurzen Zügen trinken; 
Kleinigkeiten ſchnell entwenden, flink ftehlen (ſchwäb. ſchniffem); der 











fehnipp — Schnitt 767 


Schnipf, das Schnipflein, f. abgefchnittenes Stückchen, Schnigel, Ab- 
fall, Bifshen, Schlüdchen ; der Schnipfer, -8, ſcherzh. f. Dieb; Eleiner 
Schluck; ſchnipfezen, ziellof; Zw., ober. f. fchluchzen. 

ſchnipp od. ſchnipps, ein. Naturlaut, welcher den kurz abgeftoßenen 
Schall nachahmt, der beim Schnellen mit den Fingern, beim Schneiden mit 
der Schere zc. entfteht, vol. ſchnapp (ſchnipp ſchnapp Schnipp-ſchnapp— 
fhnurr, Namen eines Kartenipiels in Niederd.); ſchnippen, Zw. (oberd. 
auch ſchnipfenz vgl. ſchnappen, ſchneppen) 1) ziellos m. haben, den 
Schall ſchnipp hervorbringen (Jäg. die Amſel ſchnippt); beſ. mit den Fin— 
gern ſchnellen (niederd. knippen); auch f. auf- und niederſchnellen, ſ. v. w. 
ſchnicken, kippen; 2) ziel. et was —, mit Schnellkraft fortbewegen, mit 
den Fingern fortſchnellen; mit einer Schere in kleine Stückchen ſchnei— 
den (auch ſchnippſen; engl. snip, holl. snippen); der Schnipp oder 
Schnipps, 1) der Schall fchnipp ; bei. das Schnellen mit den Fingern, 
indem man den Mittelfinger von dem Daumen hinabfchnellt, gem. verkl. das 
Schnippchen, f. v. w. Schnall, Schneller,. Schnalzer, (einem ein 
Schnippchen ſchlagen, als Zeichen des Hohnes- od. der Gleichgültigkeit); 2) ein 
abgefchnittenes Eleines Stück, auch das od. der Schnippel, —s, u. verkl. 
das Schnippeichen, landſch. auch: der Schnipperling, vgl. Schnigel; 
der Schnipps, gem. auch f. Eleines Ding, verächtl. f. Eleiner Menfch, 
Knirps; fchnippeln od. fehnippern, ziellof. u. ziel. Zw. (niederd. fnippeln, 
fnippern) gem. f. in fleine Stüde zerfchneiden, bei. mit der Schere; 
ſchnippiſch, Bw. (vgl. ſchnäppiſch), gem. bef. niederd. f. fchnell u. vorlaut 
im Reden, kurz angebunden, nafeweis. 

Schnirkel, m., -3, M. w. E., ſ. v. w. Schnörkel, f. d.; die Schnir- 
kelnadel, eine Kt gethürmter Schnirkelfchneden; die Tute od. Rischidhät; 
die Schnirkelfhnede , eine Gattung Schneden mit gewundener, dünner 
Schale, Sonnen=, Pofthorn (helix L.); auc) f. Zute od. Zutenfchnede. 

Schnirre, w., M. -n, niederd. (Snirre; vgl. Schnur) f. Schlinge, 
Dohne; daher fehnirren 1. Zw. f. ſchnüren, eine Schlinge zuziehen. 

nirren 2., ziellof. u. ziel. Zw., niederd. (fnirren, ein Schallw.) f. fein 

. leife fehnurren od. fihnarren (f. d.); mit folhem Geräufch in Butter 
braten, od. ziel. in der Pfanne braten laffen; fchnirrbaden, untrb. ziel. 
3w., niederd. f. in fchnirrender od. »praffelnder Butter baden; etwas Lederes 
baden od. bereiten; ſchnirrbraten, untrb. ziel. Zw., niederd. f. geſchwind u. 
ſtark braten laſſen, bef. in der Pfanne; der Schnirrbraten, etwas jcharf 
Gebratenes; der Schnirrbrater, f. ungeſchickter Roh; ſchnirrig, Bw., nie> 
derd. f. fcharf und dürr gebraten; nad) dem Brande fchmedend; — der 
Schnirring, 085, M. -e, landſch. f. die gemeine Meerfchwalbe. 

Schnitt, m., * M. -e, Verkl. das Schnittchen, oberd. Schnittlein, 
(altd. snit, von sniden, sneit, sniten, ſchneiden, ſchnitt, f. d.), 1) das 
Schneiden, bei. ein einmaliges Schneiden (einen Schnitt in etwas thun; 
‚mit einem Schnitte 2c.), überh. die Handlung des Schneidens (z. 8. 

Blaſen⸗, Kaifer-, Kreuzfchnitt; einen auf den Schnitt herausfordern, d. i. auf 
den Zweikampf mit Erummen Meffern, bei den Matrofen üblich, auch: ein 

Schnittchen machen), insbef. f. das Befchneiden (der Schnitt der Obftbäume 
in den Weinbergen 2c.), oberd. f. das Ausfchneiden, der Ausfchnitt, Vers 
kauf von Ellenwaaren im Kleinen (Tuch, Leinwandichnitt), das Abſchneiden, 


768 Schnitt 


bef. des Getreides, daher auch f. Ernte, Erntezeit (der Roggen-, Hafer 
ſchnitt 2c.), uneig. gem. f. Gewinn, Vortheil, bef. unrechtmäßiger, (einen 
Schnitt od. feinen Schnitt bei etwas machen); ferner die Art und Weife zu 
fchneiden, bef. eine Eünftliche Art, etwas zuzufchneiden (diefer Schneider hat 
einen guten Schnitt; ſprichw. an fremdem Tuche den Schnitt lernen, d. i. auf 
Anderer Koften Elug werden; den Schnitt verftehen, d. i. die Kunft des Schnei— 
dens, uneig. auch feinen Vortheil zu fuchen); Iandfch. uneig. auch f. das 
Prahlen, die Prahlerei, vgl. auffchneiden (große Schnitte thun f. ſehr 
prahlen); 2) das Öefchnittene, duch Schneiden Bewirkte od. Hervorge- 
brachte, insbef. der Einſchnitt, die duch "Schneiden gemachte Offnung, 
Spalte, Wunde rc. (die Schnitte in einem Kerbholze; ein Schnitt im Finger, 
in der Hand; auch eine fchnittähnliche Vertiefung, 3. B. die vertieften Linien 
in der Hand); der Abfchnitt, das abgefchnittene Stud, gew. die Schnitte, 
ſ. u. (4. B. ein Schnitt Brod, Fleiſch 2c.; vgl. Pfaffenfchnitt); auch der 
Ort, wo etwas abgefchnitten oder befchnitten ift (4. B. ein Reis in den 
Schnitt pfropfen, d. i. in die Stelle, wo der Aft abgefchnitten ift; der Schnitt 
eines gebundenen Buches, d. i. der befchniitene Rand, daher: ein Buch mit 
rothem, gelbem, vergoldetem Schnitte 2c.); ferner das Zugefchnittene, ein 
von Papier ıc. gefchnittenes Mufter (der Schnitt zu einer Haube u. dgl.); 
die durch Schneiden hervorgebrachte Figur oder Form (f. Holzſchnitt; der 
Schnitt einer Feder, eines Kleides), die Art und Weife, wie etwas zuge- 
ſchnitten od. durch Schneiden geftaltet wird (zZ. B. ein Kleid nach dem neue- 
ften Schnitt; ein veralteter Schnitt 2c.); 3) das Schneidende, nur Glaf. 
die Schärfe des Diamants, womit das Glas gefchnitten wird; — Zfeß. bie 
Schnittbohne, f. v. w. Schneidebohne; das Schnittfleiſch, in Stüde ge- 
ſchnittenes Fleiſch, als Speife zubereitet (fr. Fricaffee); das Schnittgras, 
fpigiges Niedgras; der Schnitthandel, die Schnitthandlung, Handel ꝛc. 
mit Schnittwaaren, d. i. Ellenwaaren; der Schnitthobel, Buchb. Hobel zum 
Befchneiden der Bücher; das Schnittholz, im Weinbau: abaefchnittene Re- 
ben, die als Fächſer dienen, auh Schnittlinge; der Schnittfohl, Kohl, 
welcher jung abgeichnitten u. zu Gemüfe bereitet wird: englifher Schnitt 
kohl, eine als Öl- und Futtergewächs gebaute Kohlart; der Schnittlauch, 
eine Art Lauch, welcher fic) öfters abfchneiden läſſt u. wieder nachwächſ't, als 
Küchenkraut gebraucht, auch Gras-, Binſenlauch 2c.; das Schnittmeſſer, 
Rebmeſſer der. Winzer; Schneidemeſſer (ſ. d.) der Bötticher, Wagner 2c.; Der 
Schnittfalat, dicht gefäeter Salat, deffen junge Blätter man im Frühlinge 
fogleich abfchneidet, Stechfalat; der Schnittjchein, abgeſchnittener Sinsſchein bei 
Staatöpapieren (Neuw. f. das fr. Coupon); die Schnittwaare, Zeuge, die 
nad) der Elle verkauft werden, Ellenwaare; die Schnittwunde, durch einen 
Schnitt entftandene Wunde; die Schnittzwiebel, Gärtn. verfegte Zwiebeln, 
an denen die Blätter verfchnitten werden; — die Schnikte, M. -n, Val. 
das Schnittchen, oberd. Schnittlein, (altd. snita, snite; oberd. die u. der 
Schnitten; niederd. Snede), ein abgefchnittenes flaches Stud, eine Scheibe 
(Brode, Semmel-, Kleifch-, Apfelſchnitten 2c.); ſchnitteln, ziel. 8w., oberd. 
f. in dünne Schnittchen ſchneiden; — der Schnittling, -es, M. e, 
(altd. snitelinc), Gärtn. u. Weinbau: ein zur Fortpflanzung abgefchnittenes 
Reis, vgl. Schnittholz; landſch. f. Schnittlauch); auch f. junges verfchnit- 
tenes Pferd oder Rind; — der Schnitter, -3, M. w. E. (altd. snitari, 














ſchnitzen — ſchnöde —769 


snitaere; verhält ſich ſeiner Bildung nad) zu Schneider, wie Ritter zu Rei— 
ter) , weibl. die Schnitterinn, M.-en, wer in der Ernte das Getreide 
mit der Sichel fehneidet, in weiterer Bed. au f. Mäher; daher: das 
Schnitterfeft; der Schnitterlohn; das Schnittermahl od. der Schnitter- 
fhmaus; der Schnittertanz, oberd. Schnitterhupf; das Schnitterhüpf- 
lein, bair. eine Art kurzer, aus einem od. zwei Reimpaaren beftehender, länd— 
licher Tanzlieder, auch Schlumper-, Schnapper-, Schelmenliedlein zc. 
ſchnitzen, ziel. Zw. (mittelh. snitzen; verftärfende Ableit. von fchneiden), 
oft und viel fchneiden, mit dem Nebenbegriff des Mühfamen u. Künftlichen, 
daher: durch künſtliches Schneiden verfertigen (ein Bild, Figuren, Zierathe zc. 
in Holz —); der Schniß, -e8, M.-e, Verkl. das Schnischen, Schnig- 
lein, ein abgeſchnittenes büinnes Stüd, eine Schnitte, Scheibe, insbeſ. 
zerfchnittene und gedörrte Üpfel od. Birnen (Üpfel=, Birnenſchnitze); auch 
Abfälle beim Schneiden oder Schnigen, gew. Scnisel: jchweiz. f. Steuer, 
Abgabe (das fr. Accife; daher auh: ſchnitzen, beſchnitzen f. fteuern, 
beftenern); oberd. uneig. f. drolliger Einfall; ſchlaue Lüge, Auffchneiderei ; 
— 3fes. die Schnißarbeit, die Arbeit des Schnigens; auch f. v. w. das 
Schnigwerf, in Holz, Elfenbein zc. gefchnigte Kunftwerke, Bierathe 2c.; die 
Schnitzkunſt, die Kunft, Bildwerke aus Holz 2c. zu ſchnitzen; die Schniß- 
banf, eine hölzerne Bank mit beweglichen Tritte, auf welcher die Holzarbeiter 
das Holz mit dem Schnittmeffer bearbeiten, Schneidebant; das Schnigbrett, 
der Schnigtifch, Brett, Tiſch, auf od. an welchem man etwas ſchnitzt; das 
Schnigmeffer, Schneides od. Schnittmeffer der Tiſchler und anderer Holzar- 
beiter; — Ableit. der Schnißer, -8, M. mw. E., 1) wer fchnißt, bef. 
Bildfchniger, ehem. auch f. Bildhauer, u. f. Armbruſtmacher und Pfeilipiger 
(mittelh. snitzaere); 2) ein Werkzeug zum Schnigen, insbef. ein ftarkes, 
fpisiges Meffer der Tiſchler mit langem, etwas gefrümmtem Hefte, welches an 
die Schulter gelehnt wird beim Ausfchneiden von Vertiefungen; auch ein Meffer 
der Sattler u. Riemer zum Abfchärfen der Kanten des Leders beim Zufchnei- 
den, und ein Schabemefler der Kammmadjer; 3) ehem. auch wohl f. ein 
Schnitt, Fehlſchnitt; daher jegt uneig. ſcherzh. od. verächtl. f. ein Fehler, 
bei. Sprachfehler (einen Schniger machen; ein Sprachſchnitzer); daher ſchni— 
Bern, ziellof. 3w., gem. f. Fehler, bef. Sprachfehler machen; die Schnißeret, 
1) das Schnigen; auch eine Schnigarbeit (M. Schnigereien); 2) gem. f. 
das Schnigern, Fehlermachen; — der od. das Schnißel, -8, gem. M. 
die Schnigel, beim Schnigen od. Schneiden abfallende Späne (Papier- 
ſchnitzel); ſchnitzeln, ziellof. und ziel. Zw. (das verkl. ſchnitzen; niederd. 
fnittein, fneteln), mit Eleinen Werkzeugen an einer Sache fehnigen oder 
fchneiden, fo dafs nur Eleine Späne abfallen, meift mit dem Nebenbegriff des 
Unnügen u. Zwedlofen; et was —, ſchnitzelnd verfertigen; der Schnißler, 
-8, wer fihnigelt; der Schnigling, -es, M. -e, ſ. v. w. Schnigel; gen 
eine werthloſe Kleinigkeit. 
ſchnoben u. verſt. ſchnobern, ſchnobbern, zielloſ. Zw. m. haben, aud 
ſchnoppern, ſchnubbern, fchnuppern; von fchnieben, jchnauben), landſch. f. 
ſchniebend beriechen, fuchen, fpüren (von Hunden); ſchnobiſch od. ſchnö— 
bifch, Bw., f. ſchnupfig, verfhnupft; von Pferden: mit dem Rotz behaftet. 
Ondde, Bw. (altd. snödi, snoede, knapp, ärmlich, ſchlecht, verächtlich; 
fo auch holl. snoode; oberd. ſchnöd; niederd. ſnöde, ſnöe, f. witzig, ſchlau; 


Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 49 


770 jchnoden — Schnotzen 


isländ. snandr und ſchwed. snöd f. dürftig, arm; ſchott. snod, nett, artig; 


wahrſch. von einem alten ablaut. Zw. sniodan, snieden, Prät. snöd, von der 


Bed. des fchott. snod, befchneiden, putzen; vgl. das Tchmweiz. ſchnözem), alt 
und noch oberd. f. fehlecht, werthlos, erbätmlich, gering G. B. ſchnöde 
Waaren, ſchnöder Wein ꝛc.; fehnöde Kleider; ſchnödes Gefchlechts fein, d. t. 
niederer Herkunft; der ſchnöde Senf od. aew. zgef. Schnödefenf, landſch. 
f. wilder Senf, Hederich; ſchweiz. ſchnöd Leben, f. ärmlich, kärglich); jest: 
verächtlich, d. i. Verachtung verdienend, finnv. elend (4. B. fchnödes Geld; 
ſchnöder Gewinn ze.), gew. Verachtung erweifend, mit Verachtung, finnv. 
geringſchätzig, höhniſch (einem fchnöde begegnen ; ſchnöde Behandlung, 
Worte ꝛc.); die Schnödigfeit, das Schnödefein: chem. die erbärmliche, 
verächtlihe Befchaffenheitz jegt die Geringfchägigkeit, das Höhniſche 
(7. B. einer Antwort). 

fhnodeln, zielloſ. 3w. (v. ſchnauden f. ſchnaubem oberd., durch die 


verſtopfte Naſe athmen; ſchnodern, zielloſ. Zw., fehweiz. f. ſchnoben, \ 


ſchnobern; u. f. ſchnarchen. 

fchnöfern, zielloſ. Zw., niederd. (ſnökern; auch ſnöggen, ſnuckern; vgl. 
das oberd. ſchnuckeln) f. naſchen; löffeln, liebeln; brandenb. f. ſchnobern, 
mit der Naſe od. dem Rüſſel durchſuchen. 

Schnoller, m., f. Schnuller unter ſchnullen. 

ſchnopen, ſchnopern, ziellof. u. ziel. Zw. niederd. (fnopen, ſnopern; holl. 
snoepen; vgl. fchnoben und das oberd, Schnaupe f. Schnabel, Mund) f. 


nafchen; der Schnoper, 3, f Näſcher; ſchnopiſch (Mmocpsd, Bw., f. 


näſchig ıc. 

fhnoppern, zielloſ. Zw., ſ. fehnoben, ſchnuppern. 

ſchnoren, zielloſ. Zw. niederd. (ſnoren) 1) f. ſchnarchen (auch: ſnorken, 
ſnurken; engl. snore, snort; vgl. ſchnorren); 2) f. faulenzen, liederlich leben. 

Schnörkel, m., -3, M. w. E. Verkl. das Schnörkelchen, (auch: Schnir- 
£el, landich. Schnerkel; wahrfch. von Schnur, niederd. Snoor, f. Schlinge), 
eine gewundene od. gefchlungene Linie, Schnedenlinie; bef. Bauf., Bildh. ze. 
Verzierung in gefehlungenen Pinienz uneig. überh. f. Uberflüffiger, ge— 
fhmadlofer Zierath, bei. im Schreiben; ſchnörkelhaft, Bw., aus Schnör— 
keln beftehend, ſchnörkelähnlich; ſchnörkeln, ziellof. u. ziel. * Schnör: 
kel machen; mit Schnörkeln verſehen; gefchmadlos verzieren; die Schnör— 
Felet, das Schnörfeln, od. dag Gefhndrkette. 

ſchnorren od. fchnörren, auch ſchnorzen, ziellof. Zw., oberd. f. ſchnurren, 
ſchnarren; ſchweiz. f. ſchnoben, fehnobern; die Schnorre, Schnörre, 
M.-n, (auch Schnorren, Schnurren, Schnörr) oberd. u. ſchweiz. f. Rüſſel, 
Schnauze; gem. f. Naſe; der Schnorrbod, landſch., eine Art geaugter 
Dämmerungsfalter; die Schnorrmaus, landſch. f. Schnarrmaus; fehnorrig 
od. ſchnorzig, Bw., oberd. f. mürriſch, verdrieglih, auffahrend. - 

Schnotte, w., 0. M., niederd. (Snottez angelf. engl. hol. dän. snotz 
preuß. Schnodder; oberd. Schnuder, Schnudel; val. ſchneuzen) f. Rob, Na 
ſenſchleim; daher der Schnottbörs, landſch. eine Art Eleiner, mit zähem 
Schleim überzogener Börſe; der Schnottbengel, die Schnotternafe u. f. 
Rosnafe; ſchnotterig, Bw. f. roßig; fehnottern, 3w., f. ſchnudern. 

Schnotzen, m., -8, M. mw. €., od. die Schnoie, M.-n, oberd f. 
Wurf, Fleiſch- od. Fetttlumpen am * der Thiere und Menſchen; der 
Schnotzel, -8, f. dns Unterkinn. 











ſchnözen — Schnupfen 711 


ſchnözen od. ſchneuzen, ziel. Zw. (vgl. ſchnöde), ſchweiz. beſ. Tiſchl. f. in 
ſchräger Richtung abſchneiden od. vorn beſchneiden; der Schnoz, f. ſchrä— 
ger Schnitt, Zipfel. 

Schnucht, m., -e38, M.-e, eine Art Hechte bei Köln. 

Schnude, w., M. -n (auch Schnicke, Schnafe, f. d.) niederd. eine 
Art Eleiner rauhwolliger Schafe auf den niederfächfiihen Heiden (Heid- 
fhnuden). 

ſchnucken, zielloſ. Zw., niederd. (ſnucken) f. ſchlucken, ſchluchzen; ſchnu— 
ckeln, oberd., ſchnuckern, niederd. (ſnuckern; vgl. ſchnökern), zielloſ. u. ziel. 
SW. f. (eden, faugen, naſchen; der Schnudes, oberd. liebEofende Be— 
nennung eines Kindes. 

Schnudel oder Schnuder, m., -8, o. M. (altd. snude, snuder; vgl. 
Schnotte; und das oberd. die Schnud, Schnudern f. Schnauze, Nafe) oberd. 
gem. f. Nafenfchleim, Rotz; Schnupfen; fchnudeln 1. (vgl. ſchnodeln) 
u. ſchnudern, ziellof. Zw., oberd., durch die verftopfte Nafe athmen; durch 
die Nafe fprehen; ſchnudern oder ſchnüdern, aud) den Rotz aus ber 
Naſe hangen laſſen (von Kindern, bef. beim heftigen Weinen); der Schnu— 
derfifch, eine Art Kropffifche, auch: der Schnuderer; die Schnudernafe, 
oberd. f. Rotznaſe; ſchnuderig, Bw., f. rotzig; ſchleimig; der Schnüder- 
ling, -e3, M. -e, f. Kosklumpen (Sternfhnüderling f. Sternfchnuppe). 

nudeln 2. Zw. oberd. f. eilfertig u. obenhin verfahren, hudeln. 

Schnuff, Schnuffe, w., M.-en, niederd. (Snuff, Snuffe, Snüff) f. 
Schnauze, Nafe; fehnaizenähntiche Spitze an Schuhen u. dgl.; ſchnüffeln, 
ziellof. u. ziel. Zw. (niederd. fnuffelnz oberd. fchnufeln, fchnüfeln, fchnofeln, 
ſchnofezen ze.; engl. snuflle u. snivel, ſchwed. snöfla; Ableit. von ſchnaufen), 
gem., wiederholt und in Eleinen Ubfäsen die Luft durch die Naſe hörbar 
einziehen und ausſtoßen (ogl. ſchnobern, ſchnuppern), beſ. beim Riechen und 
Aufſpüren; auch undeutlich durch die Naſe ſprechen; die Schnuffel od. 


Schnufel, gem. oberd. f. Naſe u. Maul von Thieren, verächtl. von Men 


ſchen; der Schnüffler, -8, wer ſchnüffelt, ein Spürer, Spürhund. 
ſchnullen, zielloſ. Zw. (ogl. nollen, nullen), oberd. f. ſaugen, den Mund 
zum Saugen bewegen; der Schnuller od. Schnoller, -8, f. Saugläppchen, 
Kinderdutte. 
fchnupfen, ziellof. u. ziel. 3w. (gem. ſchnuppen; oberd. auch fchnopfen, 
u. Schnopfezen, fchnupfezen, welche auch „schluchzen‘“ bedeuten (ſ. fchnuppen 1.); 
verftärkende Ableit. von ſchnauben, fchnaufen), mit Heftigkeit und Geräuſch 
die Luft durch die Nafe einziehen, finnv. fchnüffeln; gew. auf folche Weife 
etwas in die Nafe ziehen (TZabad—; engl. suuff; das Schnupfen, als 
Hw.); 3ſetz. der Schnupftabad; die Schnupftabadsbüchfe, - dofe 2c. ; 
das Schnupftuch (von Schnupfen f. fchnauben od. fchneuzen), ein Tuch zum 
Reinigen od. Schneuzen der Nafe, Taſchentuch, oberd. Nafentuh; Ableit. 
der Schnupfer, -8, die Schnupferinn, M. -en, wer (Tabad) ſchnupft; 
‚Schnupfer, Ha; f. einmaliger Athemzug ; — der Schnupfen, -s, M. 
w. E. (mittel). snupfe, &. snupfen; Tandfc. gem. der Schnuppen, au 
Schnopf, u, die Schnupfe; niederd. Snöve, hol. snof, snuf, ſchwed. snufva), 
krankhafter häufiger Schleim = Abflufs durch die Nafe od. Verftopfung der 
Nafe durch Schleim » Anhäufung (Nafen- Katarıhz; den Schnupfen haben; der 
Schnupfen ſtockt, Lt fich 2c.); fchnupfenartig od. -ähnlich, Bw. (fr. ka— 


49% 


712 ſchnupp — Schnur 


tarrhalifh); das Schnupfenfieber, mit ftarfem Schnupfen verbundenes leich⸗ 


tes Fieber; das Schnupfenmittel, Mittel gegen den Schnupfen ; ſchnupficht, 
Bw., ſchnupfenähnlich; ſchnupfig, Bw., den Schnupfen habend, ver- 
ſchnupft. 

ſchnupp od. ſchnupps, gem., beſ. niederd. (ſnupp, ſnupps) Naturlaut, 
welcher den kurz abgeſtoßenen, plötzlichen Schall eines Stoßes, Schlages ꝛc. 
nachahmt, vgl. ſchnapp, ſchnipp; der Schnupp od. Schnupps, gem. f. 
ein ſolcher Schall (ſchweiz. Schnupf’f. Schall des Schluchzens); auch f. 
Augenblick (niederd. im Schnupp od. Schnupps, ſchweiz. auf den Schnupf, 
f. ſogleich, im Augenblick); ſchnuppen 1. zielloſ. Zw. (oberd. ſchnopfen, 
ſchnupfen f. ſchluchzen; engl. snub, ſchluchzen, ſchelten, anfahren, ſtutzen, ab- 
brechen) landſch. gem. f. einen plötzlichen, dumpfen Schall hören laſſen; 
mit ſolchem Schalle fallen, ſtolpern (niederd. ſnübbeln); uneig. gem. f. 
einem aufſtoßen, Anſtoß geben, ihn ſtutzig, betreten od. empfindlich machen 
(das ſchnuppt ihm, od. es ſchnuppt ihm vor die Naſe; auch: es verſchnupft 
ihn); ſchnüppen, Zw. ſchweiz. f. ſchnippiſch reden. 

ſchnuppen 2., zielloſ. u. ziel. Zw., landſch. gem. f. ſchnupfen; ſhneuzen 
(ſchwed. snoppa); das Licht putzen; die Schnuppe, M.-n, der ausge— 
brannte Docht eines Lichtes, welcher abgeputzt wird Eichtſchnuppez; vgl. 
Sternſchnuppe); — ſchnuppern, zielloſ. Zw. m. haben, wiederholt und 
hörbar die Luft durch die Naſe einziehen und auf ſolche Weiſe riechen, auch 
ſchnoppern, ſchnoben, ſchnobern. 

Schnur 1. w., M. Schnuren u. ehem. Schnüre, (altd. snura, snur 
(SR. snüre), snore, snurge; oberd. auch Schnörch, Schnürche; angel. more; 
Yat. nurus, griech. vvos f. Schwiegertochter u. Braut, wahrfch. von der Wur- 
zel nu, verhüllen; vgl. das lat. nubere), alt u. noch oberd. f. Schwiegertoch- 
ter, des Sohnes Frau. 

Schnur 2. w., M. Schnüre, Verkl. das Schnürchen, (altd. snuor, 
Pl. snüere; oberd. Schnuer, niederd. Snoor, fchwed. snor, snöre; wahrſch. 
von einer Wurzel snar, winden, flechten; daher isländ. snara, verftricen, 
snara, engl. snare, Schlinge; ‚vgl. das isländ. dän. niederd. snar f. geſchwind, 
gewandt), ein aus Faden zufammengedrehtes rundes Band, dicker als ein 
Faden, dünner als eine Leine, ein Strid zc. (etwas mit einer Schnur befefti- 
gen, an eine Schnur binden; daher uneig. etwas am Schnürdyen haben, 
d. 1. es nad) Willkür lenken od. ganz in feiner Gewalt haben; ein Kleid mit 
Schnüren befegen; Blätter, Perlen u. dgl. auf eine Schnur ziehen, an_eine 
Schnur reihen; die Angel, Peitfhenfchnur 2e.); insbef. eine in gerader Linie 
ausgefpannte Schnur, etwas danach zu regeln, zu meffen ꝛc. (Gartenbeete 
nad) der Schnur anlegen; Bäume nad) der Schnur fegen ; etwas nad) der Schnur 
meffen richten 2c., daher: die Mefsihnur, Richtſchnur; uneig. Alles 
nach der Schnur haben wollen, d. i. fehr genau und pünktlich; nad) der 
Schnur leben, d. i. nach frenger Regel od. Vorfchrift; Zimmerl. mit der 
Schnur zeichnen, d. i. mit einer auögefpannten, mit Röthel od. Kreide 
geftrichenen Schnur, welche auf das Zimmerholz gefchnellt wird, um dadurch 
eine gerade Linie vorzuzeichnen; daher über die Schnur hauen, d. i. über 
die vorgezeichnete Linie, uneig. f. das rechte Maß überfchreiten); uneig. was 
einer Schnur Ähnlich ift, z. B. die Fühlhörner der Infectenz ſ. auch Nabel- 


ſchnur; eine Art chleichenden Fiebers der Pferde, wobei fich im Athemholm | 








TE E  F 


— — — 
— — — mn 





| 


EEE TEE. 


Mu 


ſchnurfen 773 


zu beiden Seiten in der Nähe der Rippen eine ſchnurgerade Rinne bildet; die 
auf eine Schnur gereiheten Dinge (eine Schnur Perlen, Korallen); das 
mit einer Schnur Gemeſſene: Bergw. ein Lehen von ſieben Lachtern; — 
Z3ſetz. der Schnurbund, eine Art Kreiſelſchnecken, deren Gewinde durch einen 
ſchnurähnlich erhöheten Streif von einander abgeſondert ſind; das Schnur— 
feuer, ein an einer Schnur herablaufendes Kunſtfeuer; die Schnurfolge od. 
richtung, Bauk. Richtung nad) der Schnurz ſchnurförmig, Bw., (4. B 
ſchnurförmige Fühlhörner); fehnurgerade, Bw., fo gerade, wie eine ausge 
fpannte Schnur; die Schnurmühle, ein Eünftticher Webeftuhl, auf welchem 
ein Arbeiter mehre Schnüre zugleich verfertigen kann; die Schnurperle, durch— 
bohrte, auf eine Schnur zu ziehende Perle; ſchnurrecht, Bw., nach der 
Schnur gerichtet, fchnurgerade; der Schnurftein, Bergw. Grenzftein der 
mit der Schnur abgemeffenen Fund» u. Erzgruben; ſchnurſtracks (gl. ſtracks), 
Nw., in gerader Linie od. Richtung, geradezu (z. B. den Gefegen ſchnurſtracks 
zuwiderlaufen); auch f. ſogleich, unverzüglich; der Schnurftrauch, ein aus- 
Yändifches Gewächs mit Schmetterlingsblumen (sophora L.); — Xbleit. 
ſchnuren, ziellof. Zw. m. haben, Jäg. von den Wölfen, Füchſen u. Luchſen: 
in fchnurgerader Linie laufen (der Wolf fchnuret; auch das Schnuren f. 
die Spur diefer Thiere); — fehnüren, Zw. 1) ziel. (altd. snuorjan, snüeren, 
Prät. snuorte; oberd. fehnüeren, niederd. fnören, ſchwed. snöra) etwas mit 
einer Schnur oder mit Schnüren verfehen (eine Wage), umwinden, be— 
feftigen, zufammenziehen (z. B. den Mantelſack auf das Pferd—; die 
Schnürbruft feſt —; fih —, f. eine Schnürbruft anlegen u. tragen; ein Thier —, 
d. i. durch Abbindung der Hoden entmannen; ehem. einen Miffethäter—, ihm 
Schnüre um die Arme legen und biefelben feft zuziehen, eine Art der Folterung; 
uneig. gem. einen fhnüren, f. in die Enge treiben, übervortheilen, prel- 
Yen); Zimmerl. 2c. mit der ausgefpannten u. gefärbten Schnur eine Linie 
vorzeichnen (f. 0.); auch mit der Schnur meffen (abſchnürem; auf eine 
Schnur reihen (Perlen 2); 2) ziellos m. haben, Bergmw. f. an einander 
grenzen (zwei Zehen fehnüren mit einander; daher dee Shnürnadhbar f. 
Grenznachbar, Befiger der angrenzenden Zeche); Zſetz. das Schnürband, 
ein Band zum Zufammenfchnüren von Kleidungsftüden, bef. der Schnürbruft, 
oberd. die Schnürneftel, der Schnürfenkel; die Schnürbruft, eine mit 
Fiſchbeinſtäbchen ausgefteifte, vorn gewölhte, hinten zugefchnürte weibl. Bruft- 
bekleidung, auch der Schnürleib od. das Schnürleibchen, wenn dies Klei- 
dungsftüct weniger gefteift und gewölbt ift; der Schnürhafen, ein zum Zu— 
ſchnüren von Kleidungsftücden dienender Haken; das Schnürholz, Werkzeug 
zum Verfertigen der runden Schnüre; die Schnürfette, eine Kette, etwas 
damit zuzufchnüren, ehem. an Schnürleibern 2c.; das Schnürloch, runde 
Löcher, durch welche das Schnürband gezogen wird, an zuzufchnürenden Klei= 
dungsſtücken; die Schnürnadel, eine große ftumpfe Nadel, mittelft deren die 
Schnüre durch die Echnürlöcher gezogen werden, oberd. Neftelnadel; der 
Schnürriemen, ein Riemen zum Zufhnüren; der Schnürſchuh, Schnür— 


ftiefel, Schuhe, Halbftiefel, welche vorn zugeſchnürt werden; Ableit. die 


Schnürung, das Schnüren. 

ſchnurfen oder ſchnurpfen, fehnurfeln, ziellof. Zw., (ſchwed. snärpa, 
snörpa) oberd. f. fich zufammenziehen, einfhrumpfen (vgl. ſchnurren 2.); 
der Schnurfling, f. unanfehnliche — 


714 Schnurfeuer — Schnute 


Schnurfeuer ıc. — Schnürholz, ſ. unter Schnur 2. 

ſchnurkeln oder ſchnürkeln, ziellof. 3w., oberd. 1) f. ſchnarchen (vgl. 
ſchnoren); fehnauben, ſchnüffeln; 2) f. fhrumpfen (vgl. ſchnurfen, ſchnur— 
ren 2.); daher die Schnurfel, M. -n, verächtl. f. alte Weibsperfon. 

Schnürfette ꝛc. — Schnurperle, ſ. unter Schnur 2. 

ſchnurren 1. ziellof. u. ziel. 3w. (ein Schallw.; alt- u. niederd. snurren; 
oberd. auch ſchnorren;z ſchwed. snorra) einen dumpfen, zitternden Schall 
hören laffen oder hervorbringen, ſtark und tief ſchnarren (f. d.), ſinnv. 
brummen, faufen (das Spinnrad ſchnurrt; große Käfer ſchnurren im Fluge; 
die Kasen ſchnurren; niederd. die Säue—, in der Brunftz niederd. aud) f. 
fhnarchen, u. f. brummen, murren); alt u. oberd. ziel. f. mit fchnurrendem 
Zone werfen, fehleudern (Steine—); ferner ſich [hnurrend im Kreife dre— 
ben, und überh. ſich fehnell herumbewegen; gem. f. fingend, Muſik oder 
Gaukelkünſte machend nach milden Gaben umherziehen, auch überh. f. bet— 
teln (einem etwas abſchnurren; etwas erfchnurren 2c.; daher bie 
Schnurr od. Schnorr, oberd. f. das Herumfchnurren, Liederliche Umher— 
Thweifen; dee Schnurrer, eine fchnurrende, d. i. bettelnde Perſon, bef. 
ein Betteljude); — Zfeg. der Schnurrkäfer, landſch. f. Mift-, Rofskäfer; 
die Schnurrpfeife (niederd. Snurrpipe), eig. wohl eine alte, ſchnurrende 
Pfeife; gem. f. alter unbraudhbarer Hausrath, Gerümpel, unbedeutende, werth- 
loſe Sachen, in diefem Sinne auch die Schnurrpfeiferet, M. -en; — 
Ableit. der Schnurre, -n, M.-n, landſch. gem. f. Nachtwächter (von 
der ſchnurrenden Raſſel?); Tcherzh. beſ. Studentenfpr. f. Polizeifcherge, Hä— 
ſcher, Stadtſoldat; die Schnurre, M. -n, ein ſchnuxrendes Ding oder 
Werkzeug (z. B. eine Schnarre, ein Spinnrad); insbeſ. 1) (oberd. Schnur- 
ren, Schnorren, niederd. Snurre) gem. f. Maul, Naſe, Schnauze; daher 
der Schnurrbart, ſ. v. w. Schnauzbart, Knebel-, Schweizerbart auf der 
Oberlippe; ſchnurrbärtig, Bw., einen Schnurrbart habend; die Schnurre 
2) gem., beſ. niederd. f. altes Hausgeräth, ſchlechtes Gerümpel (gew. M. 
Schnurrem); 3) ein ſcherzhafter Einfall, eine poſſenhafte Erzählung, 
ſinnv. Schnake, Schwank (etwa von den Gaukeleien und Schwänken ſchnur— 
render Perſonen oder Poſſenreißer? vgl. das mittelhochd. snurrinc f. Poſſen— 


reißer, Thor); daher ſchnurrig, Bw., poffenhaft, poſſierlich, drollig (ein 


ſchnurriger Einfall, Menſch); die Schnurrigkeit, ſchnurrige Beſchaffenheit, 
Poſſierlichkeit. 

ſchnurren 2. zielloſ. Zw. m. fein, (wahrſch. durch Lautumſtellung aus 
ſchrunden, ſchrunnen entſt.; vgl. das oberd. ſchnurfen, ſchnurpfen f. 
ſchrumpfen), gem. f. einſchrumpfen, zuſammentrocknen, einlaufen; die 
Schnurre (vgl. Schrunde), ſchwäb. f. eine klaffende Wunde, deren Ränder 
eingetrocknet find. 

Schnürriemen ꝛc. — Schnurſtrauch, ſ. unter Schnur 2. 

ſchnuſſeln od. ſchnüſſeln (mit gelind geſprochenem ſſ) ziellof. u. ziel. 3w., 


nieberd. (Inuffeln ze. von Snufs, Snüffel f. Schnauze, Nafe; vgl. nufchen, 


nuffeln) f. mit der Schnauze oder Nafe auffpüren, ſchnüffeln; vorwitzig 
ausforfhenz audy f. nafchen. 

Schnute, w., M.-n, (niederd. Snute; oberd. Schnud, Schnudern) f. 
Schnauze, Maul der Thiere, niedr. auch der Menfchen, bef. ein vorgeftredter 
zugefpigter Mund; fchnütern, 8w. niederd. (fnüsern, auch fnütjen) f. küſſen. 





Schob — fhoden 175 


Schob, m., -es, M. Schobe u. Schöbe, (niederd. Schof, Schoof; 
von fchieben) f. v. w. Schaub (1. d.): ein Strohbündel von gewiſſer Dicke 
zum Dachdecken; der Schobbel, -8, niederd. ein von der See an den 
Strand geworfener, aus Sand u. Muſchelſchalen beftchender Haufen; ber 
Schober, -8, M. Schober, oberd. Schöber (altd. scopar, scober), alt 
u. oberd. überh. f. Haufen ; jest gew. Landw. ein auf dem Felde errichteter großer 
Haufen Getreide, Stroh, u. bei. Deu (ſ. Heufhober); oberd. ein folder 
Haufen von beftimmter Größe, aus 60 Gatben beftchend, daher überh. 
eine Zahl von 60 Büfcheln od. Bündeln (z. B. ein Schober Wellen, d. i. 
Reisbündel); dos Schöberlein, in Nürnberg —4t Schober od. 10 Bündel 
(Stroh); auch ein Gebäd von Mehl, Butter und Eiern; der Schoberfled, 
Landw., runde Pläge auf den Wiefen, die eine Elle hoch mit Heu bededt find, 
um es zu trocknen und dann zu Schobern aufzuhäufen; der Schoberling, -es, 
M.-e, Korallenfhwamm; Eichhafez fehobern, ziel. Zw. (mittelh. scho- 
beren, oberd. auch ſchöbern, fchubern, ſchübern) alt u. oberd. überh. f. haufen, 
aufhäufen; gew. in Schober fegen (Heu). 

Schoch, m., -es, M.-e, od. der Schochen, -$, M. w. E., alt und 
oberd. f. Schod (ſ. d.), Schober, Heuhaufen; fchochen, ziel. 3w., f. in 
Haufen feßen; ſchöcheln, ſchwäb. f. Eleine Haufen machen (beim Heuen). 

Schock, f., -es, M.-e, (mittelh. schoc, schoch; oberd. auch Gefhod, 
Schuck, Gefhud; isländ. skockr, ſchwed. skock, Haufen, skocka, häufen; engl. 
shock, Mandel Garben; — vielleicht von schochen, ſchocken 2. f. ftoßen, ſchwin— 
gen, werfen, alfo: ein zufammengeworfener Haufen, wie Schober v. fchieben), 
urfpr. überh. f. Haufen, Menge (vgl. Schoch); jest eine beftimmte Anzahl 
einzelner Dinge einer Art (in diefer Bed. nad) einem Zahlw. in der Mehrh. 
unverändert, 3. B. zehn Schock), gew. eine Zahl von 60 Stud od. 4 Man- 
del, ſ. d. (4. B. ein Schod Äpfel, Eier, Käfe; zwei Schock Nüffe; ein 
Schod Garben zc.), landſch. nur 20 Stüd, fchlef. ein leicht Schock — 40, 
ein ſchwer Schock — 60 Stück; auf Blehhämmern: ein Shod Blech 
— 120 Stück; ehem. bei. 60 Stud der gangbarften Münzforte (z. 8. ein 
Schod Pfennige; ein Schod böhmiſcher Grofchen, im 14. Jahrh. — 1 Mark 
Silbers; in Sachſen im 15. Sahrh. ein alt Schock—60 leichten Grofchen, 
ein neu Schock—20 jhweren Grofchen, die einen Gulden ausmachen; jeßt 
bei Steuern, Gelöftrafen ꝛc. umgekehrt: ein alt Schock — 20, ein neu 
Shod=60 meifnifhe Groſchen od. 24 Thlr.); ſächſ. auch f. Grundfteuer 
von Feldern, welche nach chem. üblichen Schocken gefhägt werden; — der 
Schodanfhlag, ſächſ. Beftimmung der Steuern von Äckern nad) Schoden; 
ſchockfrei, Bw., frei von der nach Schoden beftimmten Abgabe; der Schod- 
grofchen, Ed nad) Schoden gezählte Grofchen; das Schodholz, Forftw. 
aus den Äften gefchlagenes Holz, welches nad) Schoden verkauft wird; auch 
Ihodweife, d. i. zu 60 Bündeln, verfauftes Reisholz; ſchockweiſe, Nw., 
ehem. f. haufenweife; jest in od. nach Schoden; — fihoden 1., 3w. 1) ziel. 
ehem. f. aufhäufen; jest: nach Schoden zählen, in Schode fegen (Korftw. 
das Unterholz —); 2) ziellos m. Haben, Landw. Schode (Garben) geben 
(- B. das Getreide ſchockt gut, wenn es fehr dic im Stroh iſt; vgl. 
ſcheffeln). 

ſchocken 2. 3w. (mittelh. schocken, schoggen, schochen; gem. auch [ch u- 
den; vgl. das franz. choquer; engl. shock; ſ. fchaufeln) gem. ober= u. nie⸗ 


716 Schoder — Scholle 


derd. 1) ziellos m. Haben: in ſchwingender Bewegung fein, ſchwanken 
(niederd. ein Schiff ſchocket; oberd. insbef. den Dreher tanzen); 2) ziel. mit 
kurzem Schwunge werfen; ftoßen, anftoßen (4. B. mit den Gläfern beim 
Trinken); niederd. f. ſchütteln, ſchaukeln; der Schod, -ed, M. -e, (mit 
telh. schoc, G. schockes; oberd. auch Schuck; franz. choc), alt u. landſch. 
f. fchwingende, drehende Bewegung; Wurf, Stoß (Säg. Schode f. die 
Ringe an den Hörnern des Steinbods, d. i. eig. Stöße); ehem. eine Art 
Eleiner Fahrzeuge; — 3feg. der Schockbrunnen, landſch. f. Pumpbrun- 
nen; der Schodregen od. das Schockreep od. Schoefeil, niederd. f. das 
Schwungfeil einer Schaufel (ſchwäb. die Schocke), die Schaufel; — Ableit. 
fhodeln, ziel. Zw. (niederd. ſchuckelm), oberd. f. fehwingend bewegen, 
ſchaukeln; uneig. f. unvorfichtig laufen, übereilt handeln; der Schodel, 
-8, oberd. f. eine übereilt handelnde Perſon; die Schodel, M. -n, landſch. 
f. Schaufel, niederd. auch: der Schodler. 

Schoder, m., -8, (au) Schotter, f. d.), gem. oberd. f. Schutt. 

Schof od. Schoof, m., -e8, M. Schöfe, niederd. f. Schob, Schaub 
1. d.); der Schofftein, nieverd. eine Art ſchmaler Dachziegel, welche in ein- 
ander gefchoben werden. 

fchofel od. fchofelig, Bw. (wahrſch. verw. mit f haben, angelf. scafan, 
isländ. skafa; vgl. ſchäbig und Schuft; daher oberd. bef. von abgetragenen 
Kleidern 2c.), gem. f. fehr ſchlecht, erbärmlich, armfelig, elend (fchofelige 
Waare; ein fchofeler Menſch 2c.); der Schofel, -8, fchlechtes Zeug, 
elende Waare, Ausfhufs; Zfes. die Schofelwaare; die Schofelwelt; 
das Schofelzeug ꝛc. 

Schoff, f., es, M.-e, landſch. das fpis zulaufende Vordertheil eines 
Elbkahnes. 

Schöffe, m., ſ. Schöppe. 

Schoke od. Schöke, w., M. -n, niederd. f. liederliche Weibsperſon. 

fcholdern od. ſchollern, ziellof. 3w. (ogl. das altfranz. choller, Ballon 
fpielen„ flandr. souller, ein Kugelfpiel; u. das poln. szuler, Spieler, Doppler), 
alt u. oberd. f. Glüdsfpiele fpielen, z. B. mit Würfeln, mit Rüffen oder 
Steinen, insbef. eine Art Roll- od. Kugelfpiel (Roulette); auch f. Kegel 
fpielen; ferner beim Spiele wetten; ſchwäb. auch f. müßig gehen; der 
Scholder od. Scholler, -8 (altd. auch scholir, scholier) f. Vorrichtung zu 
Glücksſpielen; der Ertrag daraus; das Necht dazu; das Spielen felbft; 
der Scholderer od. Schollerer, -8, (altd. auch scholierer), Glücks- oder 
Mürfelfpieler; Unternehmer eines folhen Spiels; Auffeher od. Aufwär— 
ter dabei; ſchwäb. f. Kegelauffeger; ehem. auch f. Scherge, Scharfrichter 
- (welche das Necht hatten, Spiel- od. Scholderpläge zu halten); das Schol- 
dergeld, ſchwäb. Geld für die Exrlaubnifs, eine öffentl. Spielbank zu halten. 

fchölen, 3w., niederd. f. v. w. fehlen 2.5; daher die Schölung, Wafferb. 
Bewegung des Waffers durch den Schwung, oder nad) der Seite; — 
ſcholken, zielloſ. Zw., Schiff. die See ſcholkt, d. i. fchlägt hoch, aber 
mit geringer Kraft, gegen das Schiff an. 

Scholle, w., M. -n, Verkl. das Schöllchen, 1) (altd. scollo u. scolla; 
oberd. der Schollen, Scholl, auch der Schielen, Schiel; niederd. Schulle, 
Schulpe; von gleicher Abftammung mit Schale, f. d. u. vgl. ſchelen, fchel- 
len) ein unförmliches, flaches Bruchftüd, bef. Erde und Eis (Erd, Eis- 








fhollen — ſchön 777 


ſcholley; 2) (von der ähnlichen Geſtalt) eine Gattung ſchmackhafter platter 
Seefifche, welche beide Augen u. Nafenlöcher auf einer Seite haben, Platt-, 
Halbfifch (niederd. Schulle, holt. scholle; franz. sole, ital. suola; Arten der- 
felben find: die Butte, Platteige, Flunder 2c.); insbef. f. Platteiße (1. d.); — 
der Schollenhüpfer, landſch. f. das Weißkehlchen (weil es auf den Erdſchollen 
des frifchgepflügten Ackers umherhüpft); ſchollicht, Bw., einer Scholle ähn— 
ich; ſchollig, Bw., aus Schollen beftehend (fettes Erdreich ift ſchollig); 
fhollern, ziellof. Zw., in Schollen zerfallen u. hinabrollen (von der Erbe; 
zugleich) als Schallw. , vgl. Eollern). 

fchollen 1., ziellof. Zw., alt u. noch oberd. (niederd. f#öten) f. folleh. 

ſchollen 2. "giellof. 3w., landich. gem. f. harnen, fein Waffer laffen. 

fhollern, 3w., 1. f. ſcholdern; 2. f. unter Scholle. 

Schöllfraut, Schöllwurz, f. Schellkraut. 

Scholz, m., ſ. Schulze. 

Schomerling, m., -e8, M.-e, Landich. f. Krammetsvogel. 

fchon, Nw. (eig. das Adverb. von ſchön, wie-faft von feft; altd. scöno, 
schöne, neben dem Adjectiv scöni, schoene; + B. schöne und eben, Der 
schöne 2 erft fpät u. felten in der Bed. ‚bereitgt), 1) alt u. A mund⸗ 
artlich f. ſchön, gut, recht, niederd. beſ. f. ſauber, rein (ſchon machen f. 
putzen; vgl. ſchonen); daher 2) verfichernd oder bekräftigend u. einräu— 
mend, finnv. wohl, zwar (zZ. B. es wird fchon werden; wir wollen fchon 
ſehen; ſchon gut; das ift fchon wahr, aber 2c.; fo bef. in Verbindung mit 
wenn od. ob: wenn—ſchon, obſchon, f. v. w. wenn glei, obwohl, 
obgleich, f. d.; in diefem Sinne auch bloß ſchon als Bdw., z. B. habe ich 
fhon wenig, fo habe ich doch genug; vgl. gleich; niederd. auch ſchöner, 
Thöners, 3. B. ob fchöners, wenn fchöners f. obfchon, wenn gleich); 3) zeit- 
beflimmend, eig. die Verficherung gebend, dafs etwas wirklich gefchehen fei, 
daher den Zeitpunkt bezeichnend, in welchem ein Vorgang oder Zuftand 
eingetreten ift, oft mit dem Nebenbegriffe, dafs es früher gefchehen, als man 
erwartete, finnv. bereits (niederd. fchon, ſchonſt, gew. all; die goth. und 
altd. Sprache hat dafür ein eigenes Wort: ju, giu; lat. jam; franz. deja; 
4 B. er ift fchon angekommen; der Tag graut fchon; ich weiß es ſchon; wäre 
er doch ſchon da! er ift ſchon geftern abgereif’t, d. i. nicht fpäter); 4) zur 
Beſtimmung einer Zahl, Menge, Ausdehnung ıc. dienend, welche als 
völlig erfüllt od. erreicht dargeftellt werden fol (z. B. er ift fchon zehn Sahre 
alt; wir haben fchon drei Meilen zurückgelegt; es giebt des Unglücks ſchon 
genug ꝛc.). 

ſchön, Bw., Comp. ſchöner, Sup. ſchönſt, (goth. skauneis; altd. scöni, 
schoene; daneben ſchwach biegend: scöno, scöna, daher noch bis ins 17. Jahrh. 
Thon neben ſchön; niederd. fchon f. fauber, rein; angelf. scene; ſchwed. 
skön, dän. schön; gew. von scinan, ſcheinen abgel.; richtiger wohl von 
der Wurzel scu, woher fchauen ftammt, f. d. u. vgl. d. lat. species, specio- 
sus), 1) urfpr. glänzend, fehimmernd, hell; daher noch oberd. f. rein, ſau— 
ber (niederd. ſchon; 3. B. fchöner Wein; ein ſchönes Hemd anlegen; ſchön 
‚machen, f. reinigen, putzen; fich fchön machen, oberd. f. entfchuldigen,, vgl. 
befhönigen; fchön Deck machen, Schiff. f. das Dec reinigen, abfpülen) ; 
daher insbe. vom Wetter f. hell, heiter (ſchönes Wetter, ein fchöner Tag) ; 
2) dur) Glanz, Reinheit, Farbe, — ꝛc. Wohlgefallen erregend od. 


118 ſchön 


einen angenehmen Eindruck auf die Sinne u. die innere Empfindung machend, 
jedoch im beſſeren Sprachgebrauch nur von ſichtbaren u. hörbaren Ge— 
genſtänden, finnv. angenehm, lieblich, reizend, entg. häſslich (z. B. ſchöne 
Farben, Blumen; ſchöne Kleider; eine ſchöne Gegend; ein ſchöner Anblick; 
eine ſchöne Stimme ꝛc.; ſchön ausſehen, klingen; gem. auch: das riecht, ſchmeckt 
ſchön, b. angenehm; ſchön ſchreiben, d. i. regelmäßig, ſauber und zierlich; 
ſchöne Augen, Lippen, Zähne, Haare, Arme ꝛc.; das ſchöne Geſchlecht, 
d. i. das weibliche); 3) in engerer u. höherer Bed. von Natur- u. beſ. Kunft- 
Erzeugniffen: durch vollkommenes Ebenmaß aller Theile u. Verbindung 


derfelben zu einem in fich übereinftimmenden Ganzen den Schönheits- 


finn od. Geſchmack befriedigend, bef. fofern in der finnlichen Erſcheinung ſich 
eine Idee darftellt, fo dafs darin das Geiftige verkörpert vor den Sinn u. bie 
Borftellung tritt (eine Schöne Geftalt, ein fchöner Körper, ein Schönes Geſicht; 
eine fchöne Frau; die ſchöne Frau, uneig. Naturk. f. Wolfskirfhe, Zoll- 
kraut, eine Giftpflanze (fr. Belladonna); aud) f. rothe Lilie; ein ſchönes Ger 
bäude, Gemälde, Kunftwerk; ſchöne Bewegungen, Stellungen ꝛc.; eine fchöne 
Mufit, Oper ꝛ⁊c.; aud von Werken der vedenden oder Dichtkunſt: ein 
fhönes Gedicht; eine ſchöne Rede; ein fchönes Buch, hinſichtlich des Inhaltes 
u. der Darftellungz ferner übertragen auf das rein Geiftige: ein fchöner 
Gedanken; eine ſchöne Seele, in welcher das vollfommenfte Gleihgewicht 
aller Kräfte herefcht; ein [höner Geift, der für das Schöne vorzüglid) 
empfänglich u. zu deffen Darftellung befähigt ift, verſch. Schöngeift, ſ. u.); 
auch das Schöne in jenem Sinne hervorbringend od. zum Öegenftande ha= 
bend (die ſchönen Künfte, ſ. unter Kunſt; chem. auch: die ſchönen 
Wiſſenſchaften f. die redenden Künfte u. die Schöne Litteratur, unrichtig, 
da die Wiffenfchaft-nicht die Hervorbringung des Schönen, fondern die Er- 
kenntniſs des Wahren zur Aufgabe hat); 4) uneig. in fittlihem Verſtande f. 
edel, wohlanftandig, geziemend (eine ſchöne That; das war nicht ſchön von 
ihm); 5) im gemeinen Leben in weiterer Bed. f. gut, günſtig, vortrefflich, 
erfreulich, befriedigend, beträchtlich, (3. B. eine ſchöne Gelegenheit; es ift 
ſchön, daſs du kommſt; ſchön! als Nw. Beifall od. Zuftimmung ausdrüdend, 


vgl. gut! ein fehönes Alter; eine Ihöne Summe u. dgl.; auch ironisch für 
das Gegentheil, 3. B. Sie find mir ein fchöner, Herr! da würde ich ſchön 


(d. i. übel) anfommen;z das würde fih ſchön ſchicken! u. dgl. m.); bef. ala 
Nw. f. freundlich, ſchmeichelnd, zärtlich (einen Shin grüßen, ihm fchön 
danken; ſchönen Dank! gem. abgek. ſchön Dank! mit einer Perfon 
fhönthun, d. i. ihe fchmeicheln, liebkoſen); als Hw. das Schöne, -n, 
0. M., was fchön, bef. künſtleriſch (äſthetiſch) ſchön ift, u. deffen Wefen 
- und Begriff (z. B. das Schöne und Erhabene; die Wiffenfhaft vom Schö— 
nen); die, eine Schöne, ©. der Schönen, d. i. eine ſchöne weibl. Pers 


fon; M. die Schönen, auch überh. f. das ſchöne (weibliche) Geſchlechtz — 


3feg. der Schönadel od. Schönedel, f. v. w. Gutedel, ſ. d.; ſchönarmig, 
-augig, -blätterig, -haarig, -lodig, -wangig u. dgl. m., Bw., ſchöne 
Arme, Augen, Blätter, Haare, Locken, Wangen habend; der Schönbart, 
verderbt aus Schembart, f. d. unter Schemen; der Schönbaum, das 
Schönholz, landſch. f. Lärchenbaum; das Schönblaft, Namen verſchiedener 
indifchen Bäume (calophyllum L.: das große, und das Kleine Schönblatt); 
fhönblind, Bw. (wahrjch. verderbt aus ſcheinblind) von den Pferden 


j 











ſchön 779 


ſ. v. w. mondblind (ſ. d.); das Schönbrod od. der Schönroggen, niederd., 
eine Art Weißbrod; ber Schöndruck, Buchdr. die erſte bedruckte Seite eines 
noch weißen Bogens, entg. Widerdrudz; der Schönfärber, Färber, welcher 
Beuge mit hohen oder hellen Farben zu färben verſteht, Waid-, Kunftfärber, 


z. U. v. Blau: u. Schwarzfärber; daher die Schönfärbereiz der Schönfeiler, 


eine Art Weintrauben, grünlicher u. kürzer, als die des Gutedels; das Schön— 
fleckchen, ſ. Schönpflafter; der Schöngeift (franz. bel esprit), eig. f. v. w. 
ſchöner Geift (f. 0.); gew. in nachtheiligem Sinne: wer ohne wahren Beruf 
ſich mit den fchönen Redefünften befchäftigt, auch, ſofern er Schriftfteller ift: 
Schönſchriftler (fr. Belletrift); daher die Schöngeifterei, Schön- 
ſchriftelei, verächtl. f. das Wefen u. Treiben eines ſolchen; ſchöngeiſtig, 
Bw., einen Schönen Geift habend; einem Schöngeift eigen oder von ihm her— 
rührend (fr. belletriftiich); ſchöngelockt, gemähnt, u. dgl. Bw., dicht. f. Schöne 
Locken, eine ſchöne Mähne habend; das Schöngras, das überhangende Perlgras, 
aud) glattes Perlgras, Berg-, Waldgras 2c.; das Schönhärlein, landſch. f. die 
gemeine wilde Eberwurz; der Schönherr od. das Schünherrchen, Neuw. 
f. das fr. Petitmaitre; das Schönkraut, landſch. f. Schellfraut; das Schön 
mehl, oberd. f. feines Weizenmehl; das Schönpflafter od. - pfläfterchen, 


eine Schwarze Pflafter, welche chem. die Frauen zur Bedeckung von Hautz _ 


fleden, Blätterchen oder zur Erhöhung der Schönheit ins Gefiht zu Eleben 
pflegten, auh Schönfledhen, Schminkpfläfterchen; der Schönreder od. 
-fprecher, wer fchön redet od. fprichtz verſch. der Schönredner, ein Redner 
od. Schriftfteller, der mehr duch Schönheit der Form od. des Ausdruds, als 
duch geiftigen Gehalt ausgezeichnet iſt; ſchönſäulig, Bauk. von der ſchön— 
ften "Säulenftellung,, wo die Säulenweite 64 Model beträgt; das Schön— 
ſchreiben, die Schönfchreibung, das ſchöne, d. i. regelmäßige und zierliche 
Schreiben binfihtlic; der Form der Buchſtaben (fr. Kalligraphie), verächtl. 
auch: die Schönfchreibereiz daher der Schönfchreiber (fr. Kalligraph) ; 
die Schönfchreibefunft; die Schönfchrift, etwas ſchön Gefchriebenes; der 
Schönfchriftler, ſ. Schöngeiftz das Schönthierlein, oberd. f. das Wieſel; 
der Schönthuer, die Schönthuerinn, get. f. wer mit einer Perfon ſchön 
thut, ihr LicbEofet, bef. ohne es vedlich zu meinen; daher die Schönthueret, 
das Benchmen eines folhen; ſchönwiſſenſchaftlich, Bw., zu den fogen. fchö- 
nen Wiffenfchaften (f. 0.) gehörend (ein ſchlechtes Wort f. das fr. belletriftifch) 
— Xbleit. die Schöne, ©. der Schöne, 0. M. (altd. scöni, schoene, 
auch schoende; oberd. die Schön), alt und dicht. f. Schönheit 1); oberd. f. 
die Nachgeburt, vom Vich (vgl. Säubere); ſchönen, ziel. Zw. (mittel. 
schoenen, Prät. schönte; landſch. auch fhonen), alt u. oberd. f. ſchön 
machen, ſchmücken, zieren (vgl. ver-, befchönen); insbef. den Wein—, 
d. i. Elar machen, Elären, von Hefen reinigen; fchweiz. aud) f. ſäubern, ſchä— 
Yen (Obſt); ſchöneln, zieliof. Zw., ſchwäb. f. mehr fchön, als nützlich fein; 
ſchönern, ziel. Zw., fchöner machen, gew. nur in: verfchönern; die Schön- 
heit, M.-en, 1) a M.) das. Schönfein, die ſchöne Befchaffenheit 8. 


der Natur, einer Gegend, einer Perfon, des Geiftes 2c.); auch das Weſen 


u. der Begriff des Schönen an fich; 2) was an einem Gegenftande ſchön 
ift, etwas Schönes, ein fchöner Theil (4. B. die Schönheiten der Natur; 
einzelne Schönheiten eines Gedichtes 2c.); 3) eine ſchöne weibliche Perfon 
(fie ift eine wahre Schönheit, die erfte Schönheit der Stadt 2c.); das Schön- 


* 


180 fhonen — Schopf a 


heitsgefühl od. der Schönheitsfinn, Gefühl und Gefhmad für das Schöne 
(fe. äfthetifches Gefühl); das Schönheitsmittel, Mittel zur Erhöhung der 
Schönheit, z. B. ein Schönheitswaffer ; der Schönling, -es, M. -e, eine 
Art Lippfifche: der Meerjunker; fchönftens, Nw. (von dem Sup. ſchönſt) 
ſ. v. w. aufs fchönfte, beftens (z. 8. fich fchönftene bedanken; ſchönſtens 
grüßen). ' 
ſchonen, ziel. u. giellof. Zw. (mittel. schönen f. ſchön thun, fehmeicheln, 
nachgeben, folgen; ſchwed. skona; von ſchon, ſchön, alſo eig. ſchön, d. i. 
rein u. ganz erhalten; vgl. auch das ſchweiz. ziellofe [schonen f. ſchön werden, 
fih aufgeitern, vom Wetter), etwas (felten: eines Dinges)—, fauber hal- 
ten, forgfam behandeln (feine Kleider, Sachen 2e.), überh. vor Verlegung 
od. Befhädigung bewahren, nicht angreifen od. anftrengen (fchone deine 
Augen! feine Gefundheit fchonen; fih—, d. i. fi) vor Verlegung, Ber 
fchwerde, unangenehmen Empfindungen ꝛc. hüten); auch f. fparen, erfparen 
(die Unkoften, die Zeit, od. Gen. der Zeit 2.—); Jemands (weniger gut 
Semand)—, ihn unverfehrt od. unangetaftet Iaffen, ihm Nachſicht be— 
meifen, vgl. verfchonen, (Herr, fchone meiner! der Schwachen, des Fein- 
des 2c. fchonen): — die Schonzeit, die Zeit, während welcher ein Wald, 
eine Wiefe 2c. u. bei. das Wild gefchont wird, |. v. w. Hegezeit; — ſchon— 
fam, Bw., zum Schonen (z. B. der Kleider 2c.) geneigt u. darin geſchickt; 
bef. niebderd. f. fparfam, haushälterifch; daher die Schonfamkeit; die 
Schonung, das Schonen, Bewahren vor Befhädigungz bei. Nachficht, 
rucfichtsvolle Behandlung Anderer (einem Schonung fhuldig fein, bewei— 
fen 2c.); fehonungslos, Bw., keine Schonung gewährend, ohne Schonung, 
unnachſichtig; die Schonungslofigkeitz entg. ſchonungsreich, od. voll, Bw. 

Schoner od. Schooner, m., -8, M. w. E. (aus dem engl. schooner), 
eine Urt langer und fchmaler, zweimaftiger, fchnellfegeinder Fahrzeuge. 

Schönfärber, Schöngeift zc., Schönheit — ſchönwiſſenſchaftlich, 
f. unter ſchön; — ſchonſam, Schonung, Schonzeit, ſ. unter ſchonen. 

Schooß, m., f. Schoß. 

Schopf 1., m., -es, M. Schöpfe; Verkl. das Schöpfchen (goth. skuft, 
Haupthaar, alth. scuft, mittelh. schopf; oberd. auch Schaupen, Schoppen; 
gem. Schopp; wahrfch. von gleicher Abkunft mit Schof, Schob, Schaub, ſ. d.5 
aljo urfpr. Büfchel; vgl. das ſanskr. tschupas, Buſch), ein Büſchel gleich» 
artiger Dinge, als Haare, Federn (auf dem Kopfe verfchiedener Vögel, z. B. 
des Wiedehopfes), oberd. ein Buſch von Gras, Schilf u. dgl. (Shoppen, 
Schaupem, eine freiftehende Baumgruppe (Schopf); insbef. der Haar⸗ 
buſch auf dem Scheitel der Menſchen u. mancher Thiere (einen beim Schopfe 
faſſen, d. i. bei den Haaren); daher gem. auch f. Kopf; in weiterer Bed, f. 
dag Dberfte, der Gipfel (Forſtw. u. Zimmerl. der Gipfel eines Baumes); — 
3fes. fchopfartig, Bw., einem Schopf ähnlich, büfchelartig (Pflanz.); das 
Schopf-Ende, Gipfelende eines Baumes, entg. Stammende; die Schopf- 
Ente, Strauß- od. Haubenente; das Schopfhaar, die dichten Haare auf 
dem Kopfwirbel; die Schopfhaube, oberd. f. Kopfzeug der Damen; ſcherzh. 
f. Stadtdame; der Schopfhäher, eine Art Häher mit einem Federſchopfe, 
Straußrabe; die Schopflerche, =meife, =taube, f. v. w. Haubenlerche u. 
ſ. w.; die Schopfraupe, mit Haarbüfcheln verfehene Raupen; — Ableit. 
fchopfig, Bw. einen Schopf habend (oberd. auch: geſchopfet: Pflanz. 








Schopf — ſchöpfen —781 


ein Blumenkopf, eine Ühre iſt ſchopfig); ſchopfen, Zw. 1) ziellos m. haben, 
einen Schopf bekommen (der Hopfen ſchopft, wenn er blüht); 2) ziel. mit 
einem Schopfe verfehen; oberd. auch: einen—, f. beim Scopf faflen, 
ziehen. 

Schopf 2. m. od. Schopfe, w. (alt. scoph, scof) oberd. f. Schoppen 
od. Schuppen, Wetterdach, bedeckter Gang. 

Schöpf od. Schöpfe, m., oberd. f. v. w. Schöffe, Schöppe, f. d. 

Schöpfbrunnen, =eimer, Schöpfe, w., f. unter jchöpfen 1. 

fchopfen, Zw. 1. f. unter Schopf; — 2. |. fchoppen. 

ſchöpfen 1. ziel. 3w. (alth. sceffan, entft. aus scaphian, scephian ; mittelh. 
scheffen und schepfen, schafte, geschaft; oberd. ſchepfen, auch fchapfen; 
niederd. ſcheppen; vgl. das engl. scoop; — wahrſch. von schaf, Schaff, oberd. 
Schapf, Gefäß, gebildet; dann aber mit ſchöpfen 2. u. ſchaffen (f. d.) 
vermengt; — das ö in fchöpfen fteht für e, wie in Löwe, ſchwören, zwölf 
u. a.), einen Theil einer Fluffigkeit mit einem Gefäße auffaffen G. 8. 
Waſſer mit einem Kruge zc., auch mit der hohlen Hand—; Mil mit dem 
Löffel — 20.5 Waffer mit dem Siebe ſchöpfen, uneig. f. Vergebliches, Thö— 
richtes unternehmen); fchöpfend etwas bewirken (einen Zuber voll jchöpfen; 
einen Brunnen leer—, d. i. durch vieles Wafferfchöpfen leer machen; etwas 
in ein Gefäß ſchöpfen 2c.); in weiterer Bed. eine Flüffigkeit in fi aufneh— 
men, eindringen laffen, ein= oder anziehen (das Schiff, die Schuhe ıc. 
fhöpfen Waffer; auch ohne Zielw. der Kahn ſchöpft, d. i. ift led; Jäg. 
vom Wild und Geflügel f. trinken, z. B. der Falke ſchöpft; auch f. tränfen, 
trinken laffen: den Falken Ihöpfen; die Sonne ſchöpft Waſſer, |. v. w. zieht); 
Luft, Athem—, d. i. einziehen, einathmen, vgl. holen; oberd. von Pflan= 
zen f. befruchtet werden, Frucht anfegen; in weiterer uneig. Bed. von un= 
‘ Zörperlichen Dingen: etwas woher nehmen, entlehnen G. B. Nachrichten 
aus ficheren Quellen —; Licht fchöpfen, d. i. ſich Aufſchluſs verfchaffen) ; bei. 
eine Empfindung, Gemüthsbewegung ꝛc. in fi) aufnehmen, befommen, 
finnv. faffen (Muth, Hoffnung, Troft, Verdacht; Argwohn ꝛc. —; oberd. auch: 
Hals gegen Semand, Eiferfucht, ein Verlangen, eine Begierde ſchöpfen); — 
Zſetz. der Schöpfbrunnen, ein Brunnen, aus welchem das Waffer mit 
Eimern (Schöpfeimern)gefchöpft wird, vgl. Ziehbrunnen, verfch. Pumpe zc.; 
der Schöpfgalgen, die gabelförmige Säule, auf welcher die Ruthe eines 
Schöpfbrunnens ruht; das Schöpfgefäß, -geſchirr, ein Gefäß zum Schöpfen, 
insbef. der Schöpfeimer, die Schüpfgelte, -kanne, der Schöpffübel, 
znapf, -topf ꝛc.; die Schöpffelle, ſ. Kelle; der Schöpflöffel, bei. ein 
großer, tiefer Löffel in Glashütten zc.; die Schöpfmühle, ein Mühlwerk, 
mittelft deffen Waffer aus Zeichen, Gräben ꝛc. aefhöpft wird; das Schöpf— 
rad, ein zwifchen den Schaufeln mit Kaſten verfehenes Rad, mittelft deffen 
Waffer ausgefhöpft wird; auch f. v. w. der Schöpfer (f. u.) in Uhrwerken; 
der Schöpfrüffel, f. v. w. Saugrüffel; das Schöpfwerf, eine zufammen= 
gefegte Mafchine zum Ausfhöpfen des Waffers; — Ableit. ſchöpfbar, Bw., 
was gefchöpft werden kann; die Schöpfe, M.-n, (oberd. die Schepf, 
Schepfen, Schapfen), ein Ort, wo man Waffer fchöpft, be. eine Eleine 
Bretterbühne an einem Fluffe, Teiche 2c., ein Wafchfteg; Färb. f. Schöpf- 
Löffel; oberd. ein hölzernes Schöpfgefäß an langem Stiele; auch eine Art 

großer Fiſchnetze u. das Fifchen damit; der Schöpfer 1.,-8, die Schöpfe- 


182 fchöpfen — Schöppe 


rinn, wer fchöpft, z. B. in Papiermühlen: wer den Zeug mit der Form aus 
der Bütte ſchöpft; ein Schöpfgefäß, insbeſ. eine kupferne oder meffingene 
Schöpfkelle; Naturk. eine Art Stachelfchneden, die einem Schöpfgefäße 
ähneln; in dem Schlagwerke der Uhren ein gezähntes Mad, welches bei jedem 
Stundenſchlage einen Zahn des Rechens in dem Vorlegewerke aushebt, auch 
Schöpfrad, Ausheber. 


ſchöpfen 2. ziel. 3w. (mittelh. schepfen, Prät. schepfte u. schuof; Abfeit. . 


v. schaffen, schuof, goth. skapan, sköp, |. ſchaffen 1.; mithin ift das ö hier 
organiſch, u. schepfen fteht für schöpfen in Folge der Vermengung mit scheffen 
od. fchöpfen 1.5 niederd. u. holl. scheppen), vlt. f. fehaffen, erfchaffen, herz 
vorbringen (fo noch in Schöpfer, Schöpfung, Geſchöpf); alt und 
oberd. f. feſtſetzen, beftimmen, zuerkennen, für Necht erkennen (einem 
Lohn, Befoldung, eine Strafe—; eine Antwort—, d.i. ertheilen; bef. ein 
Urtheil, Erkenntniſs —, d. i. fällen; vgl. Schöppe); der Schöpfer 2., 


8, (mittel. schepfaere, niederd. Schepper, Schipper), die Schöpferinn, 


M. - en, wer etwas fchafft, d. i. aus eigener Kraft hervorbringt (4. B. er ift 
der Schöpfer diefer Anftaltz fie ift die Schöpferinn meines Glüdes); insbef. 
Gott als Urheber aller Dinge (der Schöpfer der Welt; danke Deinem 
Schöpfer 2c.); daher der Schöpfergeift; die Schöpferhand, =Fraft, -Tiebe, 
macht; der Schöpferruf, das Schöpferwort, das Wort oder die Kraft, 
durch welche der Schöpfer etwas ins Dafein ruft; ſchöpferiſch, Bw., einem 
Schöpfer eigen oder gemäß, felbftändig fchaffend oder hervorbringend 
(Gottes ſchöpferiſche Kraft; der ſchöpferiſche Geift des Künftlers zc.); die 
Schöpfung (mittelh. schepfenunge) , das Schaffen, die Erfchaffung oder 
Hervorbringung eines Dinges od. aller Dinge durch die Gottheit (die Schöpfung 
der Welt, des Menfchen ꝛc.; vor der Schöpfung); die Gefammtheit der er— 
fihaffenen Dinge (ein Blick in die Schöpfung ; der Menſch, das Meifterftüc 
der Schöpfung); in weiterer Bed. auch eim durch menfchliche Kräfte, bef. 


durch höhere Geiftesthätigkeit hervorgebrachtes Werk (in diefem Sinne au 


in der Mehrh., 3. B. die Schöpfungen eines Dichters, Künftlers ; eine 
feiner fchönften Schöpfungen); daher: die Schöpfungsgefchichte, Erzäh- 


lung von der Welt-Erfhaffung, bei. die mofaiiche; der Schöpfungstag, - 


einer von den Tagen der Weltichöpfungz das Schöpfungswerk; die Schö— 
pfungswoche; das Schöpfungswort, das ſchaffende Wort des Schöpfers: 
es werde! ıc . 

Schöpp, m., ſ. Schepp; — Schoppe, w., f. Schoppen 1. 

Schöppe, m., -n, M.-n, (die ins Hochd. aufgenommene niederd. Form 
f. das oberd. Schepf, Schöpf, Sheff, Schöffe; alth. scepho, mittelh. 
“ schepfe, der schepfende, d. i. der das Urtheil ſchöpft (von fchöpfen 2.), der 
Rechtiprechende; althochd. auch sceffino, altniederd. scepeno ; daher das mittl. 
lat. scabinus, franz. echevin, engl, eschevin), ein Gerichtsbeifiger, chem. for 
wohl bei höheren, bei. peinlichen, als auch niederen Gerichten, auch Finder, 


Urtheilfinder 2c. genannt, jest nur landich. u. bef. bei Dorf u. Feldgerichten; 


Yandich. auch f. Handmwerksältefter, Beifiger des Zunftmeifters; — 3feb- 
die Schöppenbanf, der Sig der Schöppen in einem Gerichte; auch f. Schöp- 
pengericht; das Schöppenbuch, das Gerichtsbuch in einem Schöppengerichte; 
das Schöppengericht oder der Schöppenftuhl, ein mit Schöppen beſetztes 
Gericht; gew. in engerer Bed. eine Behörde, welche auf Befragung in vor— 


fhoppen — Schöps 183 


kommenden Fällen Rechtöbefcheide ertheilt, ohne vollziehende Gewalt zu haben 
(wie die Facultät der Nechtegelehrten auf Univerfitäten); das Schöppen— 
pferd, Landfch. das befte Pferd eines Dorfichöppen , welches bei deffen Tode 
dem Gerichtsheren zufällt; der Schöppenfchreiber, Schreiber in einem 
Schöppengerichte; die Schöppenftube, Gerichteftube, u, das Schöppenge- 
richt felbft; — Ableit. fhöppenbar, Bw., chem. f. einem Schöppen in 
einem oberen Gerichte an Rang gleich. 

fhoppen, ziel. 3w. (auch ſchopfen; altd. scoppen, schopfen; — 
wahrſch. verftärkende Ableit. von ſchieben, ſchob), oberd. f. fteden, ftopfen, 
pfropfen, bef. etwas Weiches, Wulftiges (z. B. Wolle ins Ohr—; Gänfe, 
Hühner ꝛc. —, d. i. mit in den Hals geftopften Zeignudeln (Schoppnudeln) 
mäften; ein Schiff —, d. i. die Fugen zuftopfend wafferdicht machen; ſich —, 
f. fich anhäufen, gehemmt werden; gefhoppt voll f. dicht angefüllt, ge- 
pfropft voll); der Schoppftall, oberd. f. Stall, in welchem Thiere gemäftet 
werden; der Schoppftein, Maur. f. Füll- od. Flicftein; der Schopper, 
-8, oberd. f. Schiffszimmermann; das Schopperholz, f. Holz zum Schiff— 
bau; die Schopperftatt, f. Schiffbauplas; die Schopperinn, oberd. 1) die 
Magd, welche das Geflügel mäfter; 2) f. Wärterinn einer Wöchnerinn. 
- Schoppen 1. m., -8, M. w. E. (aud) Schuppen; altd. scoph, scof, 
schopf und scupha, schupfe; oberd. der Schopf und die Schupfen; niederd. 
Schupp, Schuppe; holl. schop; angelf. sceop, engl. shop, Kaufladen ; wahrſch. 
von gleicher Wurzel mit dem grichh. ozE77n, Dede ıc., ozer&v, bedecken; vgl. 
Schaube, Schoppen 3. und das hannöv. Schuppen f. bedecken, beſchützen), 
ein Schirmdach, Werterdach, leichtes, an den Seiten gew. offenes Gebäude 
zur Verwahrung gewiffer Dinge gegen die Witterung (Wagen>, Feld, Siegel 
fchoppen 2c.). 

Schoppen 2. m., -8, M. mw. E., Bert. das Schöppchen, oberd. 
Schöpplein, 1) niederd. (Schopen, hol. schoepe, schuppe, ſchwed. skopa, 
engl. scoop; von fheppen, fchöppen f. fchöpfen 1.) eine große Gelte, 
Schöpfkelle der Brauer 20.5 2) oberd. (wahrfch. v. dem lat. cupa, daher 
mittl. lat. cupina, copina, franz. chopine, engl. chopin) ein Maß zu flüſſi— 


gen Dingen, bef. Wein, — 4 over 4 Maß od. Quart, vgl. Nößel; das 


Scoppenglas, ein Glas, welches einen Schoppen faſſt; ſchoppenweiſe, 
Nw., nad) od. in Schoppen. 
Schoppen 3. m., -3, M. w. E., Verl. das Schöpplein, (mittelh. 


schope, schopen; franz. jupe, jupon; vgl. Schaube u. Schoppen‘1.), oberd. 


f. Jade, Wamms, Kamifol, Leibchen. 

Schöppenbanf ꝛc. — = fluhl, ſ. Schöppe; — Schoppenglas, ſ. 
Scoppen 2. 

— Schopperinn ꝛc., Schoppnudel, = fall, -ſtein, ſ. unter 
ſchoppen. 

Schöps (nicht gut: Schöpps), m., —es (oberd. -en), M. -e (oberd. 
-en), Verkl. das Schöpschen, (mittelh. schopez, schopz, schepz; aus dem 
flav. skopec, verſchnittenes Thier v. skopiti, verfchneiden), ein verfchnittener 
Schafbock, Hammel; uneig. gem. f. ein dummer Menſch; oberd. auch eine 
Art Nachbier od. Kofent; — Zfeg. der Schöpfenbraten; das Schöpfen- 
fleiſch; die Schöpfenfeule od. der Schöpfenfchlägel ec.; der Schöpsbut- 
„ten (fe Butten), landſch. gem. f. Magen u. Eingeweide eines Schöpfes. 


784 Shore — Schornftein 


Score 1. w., M.-n, (isländ. skorda, Hol. schoore, Stütze, schooren, 
ftügen), niederd. f. Stüge, Pfahl, insbef. Schiffb. die ſtarken Stügen, welche 
das Schiff auf dem Stapel halten; und die breiten Pfähle an Deichen und 
Dämmen. 

ſchoren, ziel. u. ziellof. Zw. (abgel. Nebenform v. ſcheren, ſchor; in 
einigen Bedeutungen ſich auch mit ſcharren berührend) 1) niederd. (auch 
hören; vgl. d. isländ. skora, Eerben) f. ſchneiden, abfondern, 3. B. durch 
eine Wand (vgl. fcheren 2.); zerreißen, zerbrechen, vernichten (Holl. scho- 
ren, franz. de-chirer); 2) oberd. (mittel. schorn) f. mit der Schaufel oder 
dem Spaten arbeiten, insbe]. umgraben (umfchoren); zufammenfcar- 
ven, =Eehren (den Mift); 3) nieder= und oberd. f. reiben, abreiben (vgl. 
ſcheuerm), glätten (poliren, 3. B. in den Nadelfabriten zu Schwabad: 
Schormühle); — die Schore 2., M.-n, (altd. scora, schor; vgl. 
Schar 2.) oder der Schoren, -3, M. w. E., oberd. f. Schaufel, Spaten, 
Grabſcheit; — das Schoreifen, landſch. f. Scharre, Scharreifen; das 
Schorfeld, oberd., Feld, das umgegraben wird; die Schormaus, landſch. 
f. Eleine Feldmaus, Scharrmaus; niederd. f. Maulwurf (oberd. Schermaus). 

Schorf, m., -e8, M. (felten) Schorfe, (gem. auch Schurf, Schörft; 
angelj. u. engl. scurf, scruft, isländ. skurfa, skorpa; von scurfan, ſchurfen 
(f. d.), d. i. rigen, aufreißen, Eragen; vgl. Icharf, Tchroff), bef. niederd., die 
rauhe Krufte auf einer heilenden Wunde, einem Gefhwür ꝛc., oberd. 
Rufe; auch f. Grind, trodener Ausfhlag; Räude, Krätze; — der 
Schorflattich, landſch. f. Pferdeampfer, Lendenkraut, |. d.; das Schorf- 
moos, f. die Flechte; — fchorfen, ziellof. Zw., den Schorf od. die Räude 
haben, von den Schafen; ſchorfig, Bw. (niederd. auch ſchorfd, engl. scurvy) 
mit Schorf bedeckt od. behaftet, grindig, räudig; niederd. uneig. von der 
Böſchung eines Deiches: durch das anfpülende Waſſer ſchadhaft geworden. 

fhorgen, ſchörgen od. ſchürgen, ziel. Zw. (landfh. auch ſchergen, 
ſchirgen ac.; altd. scurigan, scurgan, schürgen; vgl. ſchüren), oberd. f. 
floßen, fchieben G. 8. den Tiſch an die Wand; den Mift mit der Schorg- 
krücke aus-, fortſchorgen); ſchweiz. [hürgen f. ſchüren, anſchüren (das 
Feuer); ſchleſ. auch f. eilen; das Schorgicht, oberd. f. zuſammengeſcho— 
bener Dünger. - 

Schörke, w., M.-n, landſch. f. die Grille. 

Schörl, m., -e3, M. -e (gem. auch Schirl, Schörlich, Schorlet; von 
fhoren?), Bergm. eine wenig Metallifhes enthaltende Steinart von 
glängendem, blättrigen Gefüge, meift in geftreiften Kryſtallen anfchießend, 
fehr leicht ſchmelzbar; das Schörlforn, Schörl in Körnern; auch f. Flufe- 
granate. r 

Schornftein od. Schorftein, m., -es, M. -e, (aus dem niederd. Schorn- 
fteen, Schofteen ins Hochd. aufgenommen; ſchwed. skorsten; das altſchwed. 
skarstön, hol. schoorsteen, schoorensteen bedeuten den Herdftein, die Herd- 
platte, wahrfch. von schoore, Stütze, Unterlage (ſ. Schore 1.); n. A. ift 
Schorſtein ſ. v. w. Schürftein von ſchüren; jedenfalls ift die urſpr. Bed. 
Unterlage für das Zeuer, Herd), ein gemauerter Rauchfang, Schlot, 
Feuermauer, Effe; der Schornfteinfeger, wer den Schornftein fegt, reis 
nigt, auch Schlotfeger, Eſſenkehrer 2c.; uneig. Naturk. der ſchwarze Kern 
beißerz die Wafferjungferz eine Art Bodkäfer; der Schornfteinfegerjunge, 


‘ 











| 


Schorp — Schoſs 785 


-gefelle, =meifter; das Schornſteinfegerhandwerk ꝛc.; der Schornſtein— 
fragen, od. mantel, ſ. Mantel; die Schornfteinröhre ıc. 

Schorp, m., -en, M.-en, vit. f. Skorpion; daher: der Schorpfifch, 
eine Art Fifhe: der Seeſkorpion (cottus scorpius L.). 

ſchorren, ziellof. Zw. (altd. scorren, Zw.; scorra, schorre, ſchroffer Fels), 
vlt. f. ragen, empor= od. hervorragen. 

Schorſche, wm, M. -n, (v. ſchorren f. ſchurren), niederd. f. Schlittfhuh. 

Schorftein, ſ. Schornftein. 

Schoß od. Schooß, m., -e3, M. Schöße, Verkl. das: Schöfchen, 
(althochd. scöz u. scöza, w.; mittelh. schöze, w. u. m., u. schöz, ſ.; oberd. 
die Schoß; niederd. Schoot; isländ. skaut; fchwed. sköt; goth. skauts, m., 
f. Zipfel eines Kleides; vgl. das angel. sceat, Winkel, Gegend, u. das engl. 
sheet; — Grundbed. fcheint: Bug, Eins od. Ausbiegung, Winkel, Ede; da- 
her altd. driscöz f. dreiedig; von fchießen? alfo urfpr. das Hervorfchießende, 
der Faltenwurf?), 1) der Bug am Unterleibe eines fisenden Menfchen, 
die Oberſchenkel eines folchen und die zwifchen denfelben entftehende Ver— 
tiefung, bef. bei weiblichen Perfonen (etwas in den Schoß nehmen; ein Kind 
auf den Schoß nehmen, auf dem Schoße haben; einem auf dem Schoße fißen ; 
uneig. dem Glüde im Schoße fisen, d. i. vom Glücke anhaltend begünftigt 
werden; die Hände in den Schoß legen, uneig. f. nichts thun, müßig fein); 
auch ald anftändiger Ausdruck f. die weiblichen Zeugungstheile, der Mutter- 
leib (ein Kind entwand fich ihrem Schoße u. dgl.); uneig. f. das innere, die 
Mitte einer Sache, als das Aufnehmende, Verbergende, Hegende (er lebt im 
Schoße feiner Familie; in den Schoß der Kirche zurückkehren; im Schoß der 
Erde ruhen 2c.); 2) an Kleidungsftüden ein in einem Winkel abftehender 
od. in Falten herabfallender Theil, z. B. oberd. ein breiter, faltig vom Leibe 
abftehender Saum um ein Leibhen (Schößlein); niederd. überh. f. Zipfel 
(auch eines Segels), Schweif, Schleppe, Keil, Zwickel; insbef. an Manne- 
Eleidern, Röcken zc. die über die Mitte des Leibes nach hinten hinabhan- 
genden Theile, in welchen fich gewöhnlich die Taſchen befinden GKockſchöße); 
— 3fes. das Schoßbein, f. v. w. Schambein; der Schoßfall, landſch. 
Ripr. der Erbfall, vermöge deffen bei dem Tode eines Kindes der Nießbrauch 
feines väterlichen Vermögens der Mutter anheimfällt („in den Schoß der Mut- 
ter fäut‘); das Schoßfell, niederd. (Schootfell) f. Schurzfell; der Schoß- 
hund, das Schoßhündchen, Kleiner, zierlicher Hund einer Dame (niederd. 
Zungfernhund); der Schoßjünger, der geliebtefte Sünger oder Schüler, bef. 
Chrifti (Sohannes); das Schoßfind, ein zärtlich gepflegtes, auch wohl ver- 
zogenes u. verwöhntes Lieblingskind (uneig. ein Schoßkind des Glüdes fein); 
die Schoßrippe, Fleifch. die aus dem Schoße des Rindes gehauenen, mit 
Fleiſch bewachſenen Rippen; die Schoßfchlange, eine Eleine, unfchädliche, 
zahme oftind. Schlange (auch Sungfernfchlange); die Schoßfünde, uneig. f. 
Lieblingsfünde;, das Schoßtuch, landſch. f. Schürze; — Ableit. ſchößeln, 
ziellof. zw., oberd. f. im Gehen die Schöße des Kleides in Bewegung 
fegen; ſchößig, Bw., einen Schoß od. Schöße habend, in Zſetz. wie Eurz-, 
langſchößig; der Schößling, -es, M. -e, Neum. f. Schoßfind, Liebling. 

Schoſs, m. (in einzelnen Bed. auch f.), -ffes, M. Schoffe (andſch. 
Shöffe), Verl. das Schöſschen, Schöfglein (von ſchießen, ſchoſs ıc. 
ſ. d.), 1) was fchießt od. gefchoffen ift (ziellos), insbef. ein junger aufge— 


Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 50 


186 Schoſs 


ſchoſſener Zweig eines Baumes od. einer Pflanze, auch Schöſsling, Schuſs 
(engl. shoot); landſch. auch f. das Stockwerk eines Gebäudes, gew. Ge— 
ſchoſs (ſ. d.); Bergw. hereingeſchoſſenes od.-geſtürztes Erdreich od. Geſtein; 
2) was geſchoſſen, d. i. überh. in ſchnelle Bewegung geſetzt wird oder 
worden iſt; daher niederd. (Schott, ſ.) f. Schub=- oder Fallthür (das 
Schöſschen, ein kleines Schubfenſter in einem größeren Fenſter) u. f. Rie— 
gel; auch die ausgeworfene Erde aus einem Graben; ehem. f. Schießgeräth, 
Geſchoſs (ſ. d.), Geſchütz, Pfeil ıc. (altd. daz scoz, schoz); 3) was her— 
geſchoſſen, d. i. gegeben, dargereicht wird, daher f. Steuer, Abgabe an 
die Obrigkeit, bei. von Grundſtücken (mittelh. der schoz; oberd. der und das 
Schoſs; niederd. Schott; isländ. skot; engl. scot; mittl. lat. scottum, ital. 
scotto, fpan. escote; bibl. Schofs geben; drei Schoffe geben, d. i. dreifache 
Abgabe entrichten); — ſchoſſen, Zw. 1) (unmittelbar von hießen, ſchoſe) 
ziello8 m. haben, in die Höhe fehießen, d. i. fehnell in die Höhe wachfen, 
bef. vom Getreide: Stengel, Halme treiben (die Gerfte hat gefchoffet); 
2) won Schofs, Steuer; mittelh. schozzen) ziel. Schofs oder Abgabe 
zahlen (ev, od. das Haus, der Ader ꝛc. fchoffet jährlich zehn Thaler); — 
Z3ſetz. von Schofs und fchoffen: der Schofsbalg, die Scheide, in welcher 
die hre, ehe fie hexvorfchoffet, eingefchloffen ift; das Schofsbuch, Werzeich- 
nifs der ſchoſsbaren Güter u. Unterthanen, Schofs-Regifter; die Schofsbühne, 
Bergw. ein gezimmertes Schirmdach in der Grube; das Schofsfafs, landſch. 
Brau. die Kufe, in welche man das gefochte Bier laufen (ſchießen) läſſt; 
ſchoſsfrei, Bw., fteuerfrei;z das Schofsgatter, ein niederfchießendes Gatter, 
Fallgatter; das Schofsgerinne, Bergw. das Gerinne, aus welchem das 
Waſſer auf die Räder fällt; od. in welchem das Waffer aus dem Pochtroge 
abfließtz das Schoſsgras, Landfch. f. der Sommerloih; das Schofsjahr, 
beſ. M. Schofsjahre, landſch. die Sahre, in welchen eine Perfon noch 
merklich in die Länge wählt; die Schofsfelle, Tandfch. der Hintere Raum an 
Poftwagen ꝛc., in welchen Koffer, Kiften ꝛc. geworfen werden; der Schoſs— 
fiel, Landw. die jungen Halme des Getreides, wenn es zu ſchoſſen beginnt; 
der Schofsmann, chem. wer Schofs entrichten mufs; fchofspflichtig, Bw., 
verpflichtet Schoſs zu entrichten, ſchoſsbar, fteuerpflichtig; die Schoſsraupe, 
Raupen, welche jungen Schoſſen ähneln; die Schoſsrebe, Schöſsling an einem 
Weinſtock; das Schoſsreis, ſ. v. w. Schoſs, Schöſsling; die Schoſsrinne, 
landſch. Dachrinne, in welcher das Regenwaſſer abfließt; der Schoſsſtein, 
landſch. f. Donner- Finger- od. Pfeilſtein; die Schoſswurz, landſch. f. Stab— 
wurz; Hundszahn; — Ableit. ſchoſsbar, Bw. (mittelh. schozbaere), ſ. 

v. w. ſchoſspflichtig, entg. ſchoſsfrei, (ſchoſobare Acer, Häuſer, Untertha— 
nen ꝛc.); der Schöſſer, „s, M. w. E., 1) ein Werkzeug zum Schießen, 
d. i. Schieben, insbef. Bad. die Schaufel, mit welcher das Brod in dem 
Ofen gefchoben wird (auh Schöffel, Schiefer); oberd. f. Hanfling (auch 
dag Schöfslein, Schöffel; weil er ſchuſsweiſe fliegt?); 2) (mittelh. 


schozzer) der Steuer-Einnehmer (z. B. Amtsſchöſſer); die Schöfferei, 


deffen Amt und Wohnung; der Schöfsling, -es, M. -e, (altd. scuzzilinc, 
schüzzeline, schuzlinc), was ſchnell aufgefchoffen if, bef. ein jähriger junger 


Pflanzenzweig, Schofs, Schofsreisz in engerer Bed. ein aus der Baum— 


wurzel entiproffenev Trieb, der Wurzeln fchlägt u. eine neue Pflanze hervor: 








| 


| 


Schote — Schotte 187 


bringt; fchoffeln, zielloſ. Zw., oberd. f. gedankenlos hin und her rennen; 
die Schoffel, f. eine allzu lebhafte, unbefonnene Perfon. 

Schote, m., -n, M.-n (v. hebr. schoto, unfinnig fein) jüd. deutſch f. 
Narr, einfältiger Menfch. » 

Scote, w. 1., M. -n, Verkl. das Schötchen, (vielleicht von der Wurzel 
sca, scu, bededen, verhüllen, f. Schatten u. vgl. Hülſe; vgl. jedoch das 
angelf. codde, engl. cod, ſchwed. kudde, mittl. lat. cossa, franz. cosse; fo- 
wohl im Altd., als in den ober- u. nieberd. Mundarten fehlt das Wort), ein 
aus zwei langlichen, durch zwei Näthe verbundenen, Klappen beftehendes 
Samengehäufe mancher Hülfenfrüchte, finnv. Hülfe; (im engeren Sinne find 
Schoten nur folde Hülfen, in denen der Samen von einer Nath zur andern 
wechfelsmweife fist); auch die ganze Hülfenfrucht fammt dem Samen, ins— 
bef. die noch grünen Erbfenfrüchte, u. das ganze Gewächs (in die Schoten 
gehen); brandenb. unr. f. die ausgehülfeten grünen Erbſen felbft (Schoten 
effen); uneig. Naturk. eine zu den Schiffkutteln gehörende Schnede (Erb- 
fenfhote); die Schotenblume, f. v. w. Schneeblume, Alpenwindblume; 
der Schotendorn, verfchiedene fhotentragende Dorngewächfe: die Acacie; 
eine Art Sinnpflanze, welche das arab. Gummi liefert (ägyptiſcher Schoten- 
dorn); der Honigdorn od. die Honigerbfe (1. d.); die Schotendotter, eine 
Urt des Wegefenfes; die Schotenerbfe, grüne Erbſen in ihren Schalen; die 
Schotenkaper, eine Art fchotentragender Kapern in Jamaika; der Schoten- 
klee, ein kleeartiges Schotengewächs (lotus L.); auch f. gemeiner Steinklee; 
der Schotenfümmel, Horntümmel; der Schotenpfeffer, gemeiner fpan. 
Pfeffer; der Schotenftein, fchotenförmiger Fiſchzahn; dev Schotenweide- 
rich, eine Art — Weiderichs. 

Schote, w. 2., M.-n, (wahrſch. — Schoß, niederd. Schoot, in der 
Bed. Winkel, Be fänoes. sköt; f. Schoß) Schiff. die Taue an den uns 
teren Eden der Rahſegel, mittelft deren diefelben hinterwärts angeholt und 
gefpannt werden (Mars, Bram-, Steuerfchoten, je nad) den Segeln, 
an welchen fie fich befinden); das Schofgat, ein Loch an der Seite des. 
Schiffes, wodurch die große Schote ins Schiff fährt; das Schothorn, die 
unterften Eden der Segel, an denen die Schoten befeftigt find. 

Schoter, m., -3, landſch. f. wilde Engelwur;. 

Schothenne, w., landſch. f. Erdhenne, Zwerghuhn, Spielart des 
Fafanen. 

Schott, f., -es, M. -e, 1. in Danzig f. Karat; — 2. 0. M. (wahrſch. 
— Schoſs, das Glſchoſene landſch. f. Fiſch-Eier ober Laich; — 3. (vgl. 
Schoſs, niederd. Schott f. Fallthür; niederd. fhotten, ſchutten, engl. 
"shut, verſchließen) Schiff. eine hölzerne Scheidewand zur Abfonderung der 
verfchiedenen Kammern u. Pläge, auch die Schotting, Schötting; der 
Schottitänder, Wafferb. Seiten oder Mittelftänder, in welche das Schott 
eingeſpundet iſt. 

Schött, ſ.,—es, od. w., M.-e, (auch Schott; mittl. lat. scota; vgl. 
Schütte, Schütt) oberd. f. Bündel Flachs, gew. 60, anderswo nur 12 — 
24 Reiften. 

Schotte, m., -n, M.-n, weibl. die Schottinn, M. -en (lat. Scotus; 
altd. Scotto; engl. Scotch) EN. der Einwohner von Schottland, dem nördl. 
Theile der beittifchen Inſel; daher auch: der Schottländer, die Schott- 


50% 


188 ſchotteln — ſchräg 


länderinn; der Schotte (oberd. Schott) ehem. f. herumziehender Krä⸗— 
mer, Landfahrer, Haufirer (aus Schottland?); daher noch diejenigen Weiß: 
gerber, welche im Lande umherziehen; der Schottenbruder, landſch. f. Be— 
nedictinermönd, (weil die erften aus Schottland nach Deutfchland kamen); daher 
das Schottenklofter, f. Benedictinerklofter; die Schottengans, eine Art auf 
der jchottifchen Infel Bafs lebender weißer Waffervögel, Baffonergans, weißer 
Seerabe; ſchottiſch, Bw., den Schotten eigen, aus Schottland ftam- 
mend, zu Schottland gehörend, auch ſchottländiſch, (ſchottiſche Sprache, 
Tracht 2c.; fchottifch tanzen zc.). 

fchotteln, Zw. oberd. 1) ziel. f. ſchütteln; 2) ziellos (auch fhottern) 
f. erfchüttert werden, fich hin und her bewegen. 

Schotten, m., -8, o. M. od. die Schotten, M. o. E., (altd. scotto, 
schotte; verw. mit fchotten, fchotteln f. ſchütten, ſchütteln ?), oberd. u. fchweiz. 
f. Molken; auch der geronnene, käſige Theil der Milch, insbef. der aus 
den Molken von füßer Milch abgefonderte Quark, verfh. Topfen; die 
Schottfuppe, öftr. eine mit gefalzenen Schotten bereitete Suppe; das Schöt— 
telein oder Schötterlein, bair. eine aus zerfchnittenem Fleiſch, zerſtoßenen 
Krebfen u. dgl. mit Eiern ꝛc. gekochte quarkähnliche Speife. 

Schottenbruder, -gans, -kloſter, f. unter Schotte. 

Schotter, m., - 8, 0. M., oberd. f. Schutt; zerbrödeltes Geftein, Gries, 
Grand am Ufer von Gebirgsmwaffern. 

Schottert, m., -e8, M. -e, landſch. f. Klut- od. Kaulhuhn, f. d. 

Schotting, w., Schottftänder, j. Schott 3. — ſchottiſch, Schott: 
land ꝛc. f. unter Schotte. 

Schötz, m., -en, M. -en, (auch Schüs; mittelh. schoz) oberd. f. 
Schöps, f. d. 

Schoverfegel, f. (gem. niederd. Schonferfeil, woraus man une. Schön- 
fahrfegel gemacht hat; verw. mit dem engl. shove, fchieben, ftoßen?) 
Schiff. das große Segel eines Schiffes, insbef. der Schmaden, Kuffe u. a. 
Eleiner Seeſchiffe. 

fchrabben, 3m. (val. fchrapen) niederd. f. Eragen.” 

ſchrachtern, Zw. (vgl. ſchachern 2.) niederd. f. laut lachen. 

fchradeln, Zw. (isländ. skreika; vgl. fchräg, Tchrägeln) oberd. f. mit 
gefchränkten Beinen gehen. 

fchrad, Bw. (von ſchraden f. ſchroten) niederd. 1. f. fehräg; 2. (auch 
ſchrag; engl. scrag; oberd. ſchrah, fchroh) f. mager, Enapp. 

ſchrafen, Zw. (gew. ſchrefeln; altd. screfan, screvon, schreven; vgl. 
ſchröpfen u. das niederd. ſchrapen), oberd. f. rigen, Eragen, Einfchnitte ma— 
hen; — ſchraffiren, ziellof. u. ziel. 3w. (zunächſt aus d. ital. sgraffiare; 
diefes aber von ſchrafen, fchraffen), bei Zeichnern u. Kupferft. gleichlaufende 
oder fich Ereuzweife durchfchneidende Schattenftriche machen; daher die 
Schraffirung. 

ſchräg od. ſchräge, Bw. (oberd. ſchreg; landſch. gem. ſchrä; in mieder- 
u. oberd. Mundarten auch: fchrad, fchräm, fehreem; die Wurzel fcheint alfo 
bloß scra), mit der fenkrechten od. wagerechten Linie einen fchiefen Winkel 
bildend, finnv. fchief (ſ. d.), entg. gerade (eine ſchräge Linie, Richtung, 
Fläche zc.; einem fehräg gegenüber wohnen); auch f. fanft abhängig, entg- 
ſteil; — 3feg. das Schräg- oder Schrägemaß, Tiſchl. ein bewegliches 








Schragen — Schramme 189 


Winkelmaß zum Meffen fchräger Linien u. Flächen, die Schmiege; die Schrä- 
gemauer, Bauk. die abhängige Mauer, auf welcher die Stufen einer Treppe 
liegen; der Schrägſchnitt, ein fchräg geführter Schnitt; — Ableit. die 
Schräge, o. M., (oberd. Schrege, Schregen), 1) das Schrägfein , auch: 
die Schrägheitz 2) eine fehräge Linie oder Fläche, oberd. f. die Quere 
(nad) der Schräge) ; öfter. audy eine Querftange in einem Zaune; fchrägen, 
ziel. 3w., 1) fehräge machen; 2) mit einem Gefchräge (ſ. d.) verfehen 
(einz, umfchrägen 2c.); daher die Schrägung, das Schrägen; die fhräge 
Fläche, Abdachung; fchrägeln od. fchregeln, ziellof. Zw. (mittelh. schregen; 
vgl. ſchrackeln) oberd. f. mit geſchränkten Beinen gehen; das Schrägel- 
chen, niederd. eine Perfon mit auswärts gebogenen Säbelbeinen. 

Schragen, m., -8, M. mw. E. (oberd. die Schrägen), landſch. auch: 
die Schrage, M. -n, (mittely, der schrage, -n; von ſchräg, ſchiefwinklig, 
verfchräntt), 1) ein aus Ereuzmweife verſchränkten Hölzern beftehendes, od. 
auf folchen Füßen ruhendes hölgernes Geftell (z. B. des Badtroges, eines 
Tiſches, Bettes 20.5 der Sägefhragen, ſ. v. w. Sägebod; auf dem 
Schragen od. den Schrägen liegen, oberd. f. auf dem Zodbette); in weiterer 
Bed. oberd. eine Bretterbühne; auch das aus Latten beftehende Geftell für 
Krämerwaaren 20.5 2) Forftw. ein Haufen Scheitholz, 1 Ktafter hoch und 
breit und 3 Klafter tief; daher das Schragenholz, nach Schragen verfauftes 
Holz; der Schragflein, Weißgerb. ein ald Gewicht am Schragen od. Schlicht— 
rahmen hangender Stein; der Schragftengel, die Stange od. Latte am Schra- 
gen der Weißgerber. 

Schräfel, m., -8, M. w. E. (vgl. das oberd. ſchrah f. mager, unge- 
ftalt; Schrähelein, ein zauberifches Wefen, Wichtlein; f. auch Schratt, 
Schrättel 2c.) niederd. ein nicht gehörig ausgemachfenes, verfrüppeltes Ge- 
ſchöpf, bef. ein krüppelhafter, magerer, unanfehnlicher Menſch; fehräfel- 
haft, ſchräkelig, Bw., niederd. f. krüppelhaft, Elein u. unanfehnlich. 

Schral, m., -es, M. -e, niederd. f. der Schrei; fchralen, ziellof. Zw. 
1. niederd. f. laut ſchreien; 2. Schiff. vom Winde: von dem günftigen 
Striche abweichen u. von vorn in die Segel fallen. 

Schram, m., -e3, M. Schräme, (Nebenform von Shramme, f. b.), 
Bergw. die zur Gewinnung des Erzes zwifchen demfelben und dem Geftein 
gemachte Offnung; altoberd. überh. f. Loch; fehrämen 1., ziellof. u. ziel. 
3m., Bergw. Schräme machen, einen Ort neben dem Gange treiben; Kupferft. 
f. fhraffirenz der Schrämhammer, Schrämfpieß, Bergw. Werkzeuge 
zum Schrämen; der Schrämhäuer, ein Häuer (f. d.), welcher die Schräme 
macht. 

ſchräm od. fchreem, Bw., (vgl. ſchlemm) ober- u. niederd. mundartl. f. 
ſchräg (ſ. d.) ſchief; ſchräms, Nw. (auch gefchräms) oberd. f. ſeitwärts, 
ſchräg gegenüber; ſchrämen 2. od. ſchremen (auch ſchramem, ziel. Zw. 
f. ſchräg richten, machen, ſchneiden ıc. 

ſchramen od. ſchrämen 3. ziel. Zw. (vgl. das altniederd. Schraa, Schrage 
f. Geſetzbuch, Statut; isländ. skra, ſchreiben) oberd. f. feftfegen, ſchätzen, 
anfchlagen. 

Schramme, w., M.-n, (oberd. die Schramen; vgl. Schram; isländ. 
skrama, von skrama,. freifen; ſchwed. skrämma; poln. szram, Narbe; vgl. 
das mittl. Tat. scrama, eine Art Degen; engl. scratch, kratzen, rigen), ein 


790 | Schrange — Schrank 


langer, aber nicht tiefer Ritz, in der Oberfläche eines Dinges mit einem 


fpisigen Körper gemacht (z. B. in einem Glafe, Teller u. dal.); bei. eine 


ſolche Verletzung der Haut, Streifwunde, Narbe; fchrammig, Bw., 
Schrammen habend; fchrammen, ziel. 3w., etwas —, Schrammen 
darin machen, rißen; ſich —, fih, an etwas Spitziges ſtreifend, leicht 
verlegen; der Schrammhuften, niederd. f. ein trockener, fchmerzhafter Huſten; 
der Schrammſchuſs, f. Streifichufe. 

Schrange, w., M.-n, alt u. landſch. f. Schranne, Schatren. 

Schrank, m., -es, M. Schränke, (mittel). schranc; von einem alten 
ablaut. 3w. scrinchan, scranch 2c.; angel. serincan, engl. shrink, fid) zu= 
fammen= od. einziehen, Erümmen, be= od. verſchränken; vgl. ſchwed. skrynka, 
Runzel), urfpr. etwas Gefchränktes, Verfchränktes, Eingeſchränktes oder 
Einſchränkendes; daher Zäg. der gefchränkte Schritt des Hirfches, (altd. 
auc) f. Unterfchlagung eines Beines, Hintergehung, Betrug); oberd. ein Holz: 
ftoß von verfchräntt aufgefchichteten Scheiten; altd. f. eingepferchter Ort, Ker— 
ter; jest gem. ein mit Thüren verfehenes, meift verfchließbares Behältnifs, 
gemeiniglic mehr hoch, als breit und tief, zur Verwahrung von mancdherlei 
Dingen, ſ. v. w. Schrein, landſch. Spinde, Schaff, oberd. Behalter, Ge- 
halter, Almer ꝛc. (4. B. ein Kleider-, Bücher-, Brod-, Speiſeſchrank ıc. ; 
Berl. das Schränkchen); Zfeg. die Schranfader, an den Pferden die 
Blutader an der inneren Seite der Schenker; der Schrankfchlüffel, die 
Schranfthür, u. dgl. m., Schltiſſel, Thür eines Schrankes oder Schreines; 
der Schranfzaun, vit. f. Zaun aus verſchränkten Knüppeln ; — die Schranfe, 


* 


M. -n, (mittel). der schranke, oberd. der Schrankenz daneben: die 


schranke, Schrank, als Fechterausdruck), urfpr. ein Querholz, eine Zaun— 
ftange; dann gew. in der M. die Schranfen, ein Stangenzaun, überh. 
eine Einzäunung od. Einfchliefung eines Ortes, aus verſchränkten Stäben 
beftehend (Schranken um etwas machen, fegen; die Gerichtsſchranken, 
auch f. das Gericht jelbft, daher: vor den Schranken erfcheinen; die Schran- 
en um einen Kampfplag, Schauplag ꝛc.; in den Schranken erfcheinen, d. i. 
als Kämpfer in den ehemal. Turnieren); in weiterer Bed. alles den Raum 
u. uneig. die Wirkfamkeit, Kraft od. Fähigkeit Befchränfende, Hemmende, 
finno. Grenze, welches aber auch das bloße Aufhören oder Ende einer Größe 
ohne den Nebenbegriff der Hemmung bezeichnet, (die Kraft, die Vernunft ze. 
des Menfchen hat ihre Schranken; fi) in den Schranken der Mäßigung halten; 
in feinen Schranken bleiben; feine Schranken überfchreiten; feine Schranken 
Eennen, fühlen 2.); 3fes. fchranfenlos, Bw., keine Schranken habend, 
ſinnv. unbefchräntt, grenzenlos (7. B. ſchrankenloſe Freiheit); die Schranfen- 
loſigkeit; — ſchränken, ziel. u. ziellof. Zw. (altd. screnehan, schreüken, 
Prät. schrancte, aus scranchian, von serinchan gebildet, ſ. o.) 1) ſchräg 
od. quer und kreuzweiſe über einander legen, feßen, ftellen (4. 8. Hol, 
Stangen zu einem Zaun 20.5 Jäg. die Leinen—, d. i. Über einander ſchlingen; 
insbeſ. die Füße ſchränken; mit geſchränkten Füßen ſitzen, gehen; die Arme 
in einander —); auch ziellos: im Gehen die Beine aus einander geſpreizt 
fegen (Zäg. der Hirſch ſchränkt), oder auch kreuzweiſe über einander fegen, 
wie Betrunfene (oberd. auch ſchränkeln); ehem. auch f. hinten, u. uneig. 
auf Umwegen gehen, fich verftellen; 2) mit Schranken verfehen, umgeben 
(einen Platz —; vol. beſchränken, einſchränken 2c.); 3ft 6. der Schränfbalfen 


Schranne — Schratt A 


ein geſchränkter Balken; das Schränfeifen, die Schränfflinge, ein geferb- 
tes Eifen, die Zähne einer Säge zu ſchränken, d. i. aus einander zu biegen; 
das Schränffenfter, Fenfter od. Fenfterladen aus fehräg über einander ftehen- 
den Brettchen (fr. Saloufie); ſchränkweiſe, Nw., geſchränkt, fchräg u. Ereuz- 
weife über einander (bef. Buchdr. u. Buchb. die Bücher ſchränkweiſe legen). 

Schranne, w., M. -n, (altd. scranna, schranne, schrande; oberb. 
Schrann, Schrannen, Schrand; mittl. lat. escrannium, ital. scranna) urfpr. 
eine Bank, ein vergitterter oder mit einem Geländer eingefaffter Sie; 
insbef. fränk. Bank mit einer Rüdlehne (au Schrannenband); alt und 
oberd. Bank, Tiſch, Laden, Gebäude zum Verkauf bef. von Brod und 
Fleiſch (Brod-, Fleiſchſchranne; niederd. Scharren, f. d.); der zum Auf: 
ſtellen, Abmeffen ıc. des verkäuflichen Getreides eingerichtete Platz, Ge— 
treidemarft (Rornfhranne;z daher oberd.: die Schrannenfreiheit, 
"das Vorrecht, einen Getreidemarkt zu halten; dee Schrannenfnedt, -die— 
ner, zmeifter; die Schrannenordnung; Shrannenmäßig, zum 
Berkauf auf dem Getreidemarft geeignet 2c.); die Nichterbanf, der Sitzungs— 
plaß für ein verfammeltes Gericht (Gerihtsfhranne); in Wien auch 
das Gerichtshaus; ferner f. das Gericht, Dorf-, Land» Stadtgericht ıc. 
(Landfhrannezr.; daher der Schrannenredner f. Sahmalter; der 
Schrannenfhreiber f. Gerichtöfchreiber; der Schrannenfiger, Ge 
vichtsbeifiger); der Gerichtsfprengel, die Gerichtsbarkeit. 

Schranz, m., ⸗es, M. -e, (mittelh. schranz, M. schrenze; von scrintan, 
schrinden, schrant 2c. f. ſchrinden) alt. u. oberd. f. Riſs, Bruch, Spalt, 
Schrunde, u. der mit dem Reißen od. Berften verbundene Schall; daher 
ſchraͤnzen od. ſchränzen, fchrenzen, ziel. u. ziellof. Zw., (mittelh. schrenzen, 
rät. schranzte, aus scranzian), alt u. oberd. f. durch einen Rifs od. Spalt 
trennen, reißen, brechen; niederd. überh. f. theilen, zus, mittheilenz u. f. 
ſtark effen, freffen (eig. mit den Zähnen zerreißen; holl. schrantsen; engl. 
scranch, zerbeifien); daher der Schranze od. Schranz, -en, M. -en, eig. 
ein Freſſer, Schlemmer; gew. f. Schmaroger, fchmeichelnder u. Eriechen- 
der Diener, Speichelleder, bef. Hofſchranz (f. d.); fehranzenhaft, Bw. 
nach Art eines Schrangen. 

fhrap, Bw., niederd. (u. holl.) f. bereit, fertig, bef. Schiff. 
ſchrapen, ziellof. u. ziel. Zw. (mittelh. schrapfen, schraven; oberd. fchrap- 

pen u. gew. fchrafen, f. d.; niederd. auch fehrabben; holl. schrabben, schra- 
pen zc.; dän. skrabe; fchwed. skrapa, firiegeln; angel. screopan, engl. 
scrape) niederd. f. Fragen, fiharren, fehaben mit dem durd) das Wort felbft 
ausgedrückten fcharfen, rauhen Schalle (z. B. Rüben—; auf der Geige—, 
ſ. v. mw. fragen; Geld zufammen—, fcharren); die Schrape, M.-n, nie 
derd. ein Werkzeug zum Schaben od. Kragen, bef. eine Striegel; und in 
Salzwerken ein Werkzeug zum Abfragen des Schmutzes von den Galzftüden 
(Salzfhrape); der Schraper, —s, mer fchabt, Fraßt ꝛc.; holftein. bef. 
ein Fiedler; auch f. v. w. Schrape, Schrapeifen; das Schrapel, -8, nie- 
derd. (gew. Schrapels) f. Schabfel; fehrapeln, Zw. nieverd. 1) ziel. f. 
ein wenig fchaben, fragen 20.5 2) ziellos (auch fchrapen, ſchrofeln, fchrum- 
peln; wahrfch. von anderem Stamme) f. anfangen zu gefrieren, Eisnadeln 
anfegen. | r 
Schratt od. Schratz, Schräß, m., -em, M. -en;z gem. der Schrättel, 


192 fchrauben 


Schratel, Schregel, das Schrätlein od. Schräßlein (altd. scrato, schrat, 
schrate, schretelin, schretel; auch screz, pl. screzza; schraz, G. schratzes; 
island. skratti, eine Art Unhold; fcheint urfpr. überh. etwas Schroffee, Raubes, 
Spigiges zu bezeichnen; daher auch: Schrättel, Schradel, öftr. f. die 
Stechpalme; der Schratten, fehmweiz. ein Berg voll Riſſe und Spalten; 
der Shrag od. Shräg, auch Schragen, oberd. f. ein Fifc mit fcharfen 
Rückenfloſſen, der Bürftling, Flufsbörs; altd. scratun, Haarige; alfo zu: 
nächſt: ein rauher, borftiger Waldteufel; verw. mit d. goth. skreitan, ſchweiz. 
ſchreißen, f. reifen, angelf. screadan, ſchwed. skräda, ftechen, ſchneiden; vgl. 
jedoch auch Schräkel u. fhräg), oberd. f. Waldteufel, Kobold, Polter- 
geift, höllifcher Geift, Gefpenft, Alp; uneig. f. überläſtiger Menſch; der 
Schrätz, aud f. ein im Wahsthum zurüdgebliebener- Menfch, Knirps; 
ſcherzh. f. ein Kind. 

fchrauben, ziel. 3w., ablaut. Impf. fchrob, Conj. fehröbe; Mw. ge 
fhroben;z u. gew. bloß umend. fihraubte, gefchraubt, (altd. scrüfan, oberd. 
ſchraufen, niederd. ſchruwen; isländ. skrüfa, ſchwed. skrufva; engl. screw; 
fcheint von dem Begriff der Höhlung auszugehen; vgl. das niedeard. Schrume, 
eine Art Zrinkgefäß; fchwed. skruf, Trichter, skrubb, Höhlung, lat. scrobis, 
Grube), etwas in eine Höhlung ein= u. feſtdrehen u. dadurch zufammen- 
drüden, be. mittelft Umdrehung einer Schraube, f. u., (einem die Dau- 
men—, eine Art der Folter; etwas ein=, zufchrauben, feftichrauben ꝛc.); 
uneig. einen—, f. drängen, drüden, in die Enge treiben, liftig betrügen, 
prellen (ihn um fein Geld —), u. bef. f. neden, aufziehen, zum Beften 
habenz das Mw. gefhraubt als Bw. f. gezwungen, gefucht (von Wor- 
ten u. Redensarten); — die Schraube, M. -n, Verkl. das Schräubchen, 
(oberd. der Schraufen, das Schräufelein; niederd. Schruwe; holl. schroeve, 
ſchwed. skruf, dän. skrue, engl. screw; franz. ecrou, Schraubenmutter), ein 
Merkzeug zum Schrauben, beftehend in einem mit Gewinden verfehenen 
walzenförmigen Körper, welcher in ein dazu paffendes Loch (die Shrauben- 
mutter) gedreht wird, um dadurch etwas feit anzuziehen oder zufammenzu- 
drücken (die Schrauben anziehen, d. i. feft eindrehen; die Schraube ohne 
Ende, eine Schraube, welche in ein Stirnrad eingreift; uneig. feine Worte 
auf Schrauben ftellen, d..i. fie abfichtlich undeutlich od. zweideutig wäh— 
len, fo dafs man ihnen eine verfchiedene Deutung geben kann; eine Sache fteht 
auf Schrauben, d. i. ift unbeftimmt und ſchwankend); auch ähnliche walzen- 
fürmige Körper ohne Gewinde, welche wie Schrauben umgedreht werden, 
3. B. die Wirbel an den Klavieren 2c., um welche die Saiten gewickelt wer 
den; Naturk. ein Schnedengefchlecht mit gewundener Schale und ununter- 
brochen runder Mündung, auch Schraubhorn, Mondfchnede; — 3fee. dv. 
Schraube: der Schraubenbaum, ein indifcher Baum mit ſchraubenförmig 
gewundener Frucht (helicteres L.); der Schraubenbohrer, ein ftählerner 
Bohrer zum Ausbohren der Schraubenmutter; das Schraubeneifen, eine 
eiferne Platte, oder ein Dreheifen zum Schneiden der Schrauben; fehrauben- 
fürmig, Bw.; das Schraubenfutter, Orechsl. eine hohle Büchfe, in welche 
Eleine zu drehende Sachen gefpannt werden; der Schraubengang oder das 
Schraubengewinde, die Gänge od. Gewinde einer Schraube u. Schrauben: 
mutter; das Schraubhorn, f. o. Schraube; der Schraubenfloben, ein 
Eleinev Schraubftoct der Kupferfchmiede; die Schraubenlinie, eine um cine 


«on. (m ze — 22 


— 


— vn — 


En u en 


ſchrauen — ſchrecken 793 


Walze laufende ſchief gewundene Linie, wie ſie ein Korkzieher darſtellt; die 
Schraubmühle, eine Schöpfmühle mit einer Waſſerſchraube ſtatt des Schöpf- 
rades; die Schraubenmutter (vgl. Mutter 2.), das mit Schraubengängen 
verfehene runde Loch, welches die Schraube aufzunehmen, od. auch eine hinein- 
gedrehete glatte Walze zu einer Schraube zu machen dient; der Schrauben- 
reif, Faſsb. ein eiferner Reif, mittelft Schrauben um ein Faſs gelegt; der 
Schraubenfalat, eine Art Salat mit zufammengedreheten Blättern; der 
Schraubenſchlüſſel, Schtüffel zu einer Art Schlöffer mit Schraubengängen 
ftatt des Bartes; auch ein Werkzeug zur Umdrehung der Schrauben; die 
Schraubenfchnede, einfachige gewundene Schnede, eine Gattung des Schraub- 
horns oder der Schraube (f. 0.); der Schraubenftein, eine Art fchrauben- 
förmiger Verfteinerungen; der Schraubſtock, eine ftarke Zange, welche mit: 
telft einer Schraube feft zugedreht werden kann, um einen zu bearbeitenden 
Körper dazwiſchen feftzufchrauben, aud) die Schraubenzange; das Schrau- 
benzeug, alles zur Berfertigung der Schrauben zc. dienende Werkzeug; der 
Schraubenzieher, ein meißelförmiges Werkzeug zum Ein= od. Aufdrehen der 
Schrauben; der Schraubenzug, ein aus mehren Kloben zufammengefestes 
Hebezeug; die Schrauben- oder Schraubzwinge, Zifhl. eine mit einer 
Schraube verfehene Zwinge (f. d.), Bretter damit feft zu Schrauben ꝛc. 

ſchrauen, fchraulen, ziellof. Zw. (vgl. ſchralen) niederd. f. laut u. häſs— 
lich ſchreien; widrig fingen, pfeifen ıc.; der Schrauhals, Schraufe, f. 
Schreier, fchreiendes Kind. 

ſchrecken 1. ziellof. Zw. m. fein, ablaut. du ſchrickſt, er ſchrickt; Imper. 
ſchrick; Impf. ſchrak, Conj. ſchräke (nicht: ſchrack, fchräde); Mw. ge- 
fhröden, (althochd. scricchan, scrach (?), gew. scrichta, scrieta; mittelh. 
schricken, schrecken, schrac, gew. schricte, schrihte, er-schrocken; daneben 
screcchön, screcchota; schrecken, schreckete; beides ziellos f. fpringen 2c. ; 
oberd. ſchricken, ſchrecken, gefchridt zc.), alt u. noch oberd. f. frringen, auf: 
fpringen,, hüpfen (daher Heufhrede, ſ. d.); einen Sprung oder Riſs 
befommen, berften (oberd. das Glas, das Eis zc. ſchrickt, ift gefchroden od. 
gew. gefchrict); gew. plößlich in heftige Bewegung gerathen, auffahren, 
zufammenfahren, durch etwas Unerwartetes, bei. das plögliche Erfcheinen 
eines Übels, einer Gefahr zc. im Gemüth heftig erfchüttert werden, gew. 
erfchreden, finnv. fich entfegen, (4. B. er ſchrak auf, zufammen ꝛc.; Jäg. 
der Rehbock ſchrickt od. ſchreckt, hat geſchreckt, wenn er über etwas Ungewöhn- 
liches erſchreckend einen plöglichen Laut ausftößt, — in diefem Sinne vielleicht 
von [hreien? f. d.); — ſchrecken 2. ziel. 3w., umend. ſchreckſt, fchredt, 
ſchreckte, geſchreckt, (altd. screcchan, aus scracchian entft., schrecken, Prät. 
scracta, schracte; das Factitivum von fchreden 1), einen od. etwas—, 
alt u. oberd. f. fpringen machen, auf=, fortfpringen machen, plöglich in 
heftige Bewegung fegen, insbeſ. Küch. Speifen—, d. i. ſchnell mit einer 
Slüffigkeit begießen, bef. kaltes Waffer zu der in heißem Waſſer Eochenden 
Speife hinzugießen (Erbfen, Klöße zc. fchreden; in Glashütten: die Glas- 
mafje—, d. i. mit eijernen Löffeln in Ealtes Waffer gießen); gew. einen—, 
ihn durch Vorhaltung od. Androhung eines Ubels in heftige Gemüthsbe- 
wegung verfegen, ſtark und unangenehm erfhüttern, in engerer Bed. um 
ihn dadurch von etwas abzuhalten oder zu etwas zu bewegen, verſch. er- 
ſchrecken, (Semand mit etwas—, die Kinder mit dem ſchwarzen Manne 


194 ſchrecken 


ſchrecken ꝛc.); auch f. ſcheuchen (Vögel —, durch Schießen); oberd.: ſich 
vor etwas —, f. erſchrecken, entſetzen; — der Schreck, es, M. (ſelten) -e, 
(altd. schric, oberd. Schrick), ehem. f. das Aufſpringen, Auffahren (z. 8. 
aus dem Schlafe); alt u. oberd. f. Riſs, Sprung (in einem Geſchirr u. dgl.); 
auch f. plöglicher Knall, Donnerfchlag ; gew. der Zuftand od: die Empfin- 
dung des Erſchreckens, finnv. der Schreden (7. B. id) habe einen großen 
Schreck gehabt); Jäg. auch f. Schrecktuch, f. u.; die Schrede, M. -n, 
1) ein fpringendes Ding, Thier (nur in Heuſchrecke); 2) landfc. f. 
der Wachtelkönig (oberd. der Schrid, angelf. seric; in diefer Bed. wohl 
ein Schallwort, verw. mit ſchreien; vgl. das isländ. skrikia, girren); der 
Schreden, -$, M. w. E., (alt u. landſch. das Schreien; oberd. auch der 
Schriden, Schroden), das Erfchreden, d. i. die heftige Erfchütterung od. 
Gemüthsbewegung beim plöglichen Wahrnehmen eines unvermutheten 
Ubels (in Schreden gerathen; einem Schreien machen, verurſachen, einjagen, 
ihn in Schreden fegen); auch f. eine heftige, aber freudige Uberrafchung 
(ein freudiger Schreden); ferner der Gegenftand des Schredeng, das was 
Schreden erregt (bef. Mehrh. z. B. die Schredten des Todes, eines Schiff- 
bruchs 20.); — 3feg. von Schreden: fchredenerregend, Bw.; die 
Schrecken- od. Schredensgeftalt, ſchreckenerregende Geftalt; jo auch: das 
Schredensgefpenft; die Schredensherrfchaft od. -regierung (fr. Ter— 
rorismus); der Schreckensherrſcher, -könig; die Schredensnachricht, 
poftz die Schredensnacht, der Schredenstag , die Schredensftunde, 
Schredenszeit, eine mit Schreden erfüllte, ſchreckliche Zeit 2c.; der Schre- 
ckensort, fchredenerregender Ort; der Schredensruf, das Schredens- 
wort; fchredenvoll, Bw., mit Schreden erfüllt, in hohem Grade ſchreck— 
lich; — von [hreden oder Schred: das Schreckbild, ein fchrectendes, 
d. i. fchrectenerregendes Bild, od. eine ſolche Vorftellung; der Schredgeift, 
das Schredgefpenft zc., ein die Menfchen erfchredender Geift 2c.; der 
Schreckherd, ein Vogelherd mit vier Seitenwänden u. einer Dede, in welchen 
die Vögel durch Raubvögel geſchreckt werden; die Schreckſchanze, eine Kleine 
im Freien liegende Verſchanzung; der Schreckſchuſs, ein blinder Schufe, 
welcher nur fchreden ſoll; uneig. eine ungegründete Nachricht 2c., durch welche 
man Schrecken erregen will; der Schreckſprung, Jäg. Sprung eines ange: 
ſchoſſenen Thieres; der Schredftein, gem. f. Pappelftein (fr. Malachit; als 
vermeintliches Heilmittel wider jähen Schreden); auch f. Prallftein, f. d.; das 
Schrecktuch, Jäg. Lappen oder Tücher, womit der Sagdraum umftellt wird, 
um das Wild zuriiczufchreden; der Schredvogel, f. Sägefehnäbler; das 
Schreckwaſſer, ein abgezogenes Waſſer als Heilmittel bei heftigem Schreden; 
— Ableit. von ſchrecken: der Schreder, -8, wer Andere fehredtz die 
Schreckung (mittelh. schreckunge), dag Schrecken (ziel.); fchreefbar, Bw., 
wer gefchreckt oder in Schreden gefegt werden kann; die Schreckbarkeit; 
ſchreckhaft, Bw., geneigt zu erfchreden, leicht in Schrecken gerathend 
(ein ſchreckhafter Menfch); landſch. auch f. ſchreckenerregend, ſchrecklich (eine 
ſchreckhafte Begebenheit); die Schreckhaftigkeit, das Schreckhaftſein; ſchreck⸗ 
lich, Bw., ſchreckende Geſtalt habend, Schrecken einflößend, mit Schrecken 
begleitet, finnv. erſchrecklich, entſetzlich, fürchterlich ıc. (eine ſchreckliche Ge— 
ſchichte, ein ſchrecklicher Menſch 2c.); gem. f. außerordentlich, erftaunlich, 
fehr (ſchrecklich groß, viel 2c.); die Schreeflichkeit, das Schredlichfein, die 


— — — 


25 


— 


a el a a a ee en 


Schredenberger — fchreiben 7195 


ſchreckliche Befhaffenheit; der Schredling, -e3, M. -e, vlt. f. ein ſchreck— 
hafter, furchtfamer Menſch; die u. gew. das Schrednifs, -ffes, M. -ffe, 
1) der Zuftand des Erfchredeng, der Schreden; 2) gem. der Gegenftand 
des Schredens, das Schredliche (z. B. die Schrediniffe des Todes). 

Schredenberger, m., -$, eine ehemal. kurſächſ. Silbermünze (von dem 
Dorfe u. Bergwerke Schreckenberg, jest Annaberg), auch Engelgrofchen 
genannt, |. d. 

ſchreckhaft, ſchrecklich, Schrednifs ꝛc. f. unter ſchrecken. 

Schrei, m., ſ. unter ſchreien. 

fhreiben, ziellof. und ziel. 3w., ablaut. Impf. ſchrieb, Gonj. fhriebe; 
Mw. gefchrieben, (althochd. scriban, screip, scribun, giscriban, mittelh. 
schriben, schreip, schriben, geschriben; oberd. Prät. chem. fchraib, jegt 
ſchrib, fchreibet; niederd. ſchriwen, fchreew, ſchrewen; hol. schryven; ſchwed. 
skrifwa; zunächſt von dem lat. scribere entlehnt, aber urfpr. verwandt mit 
graben, grieh. yo«yer), überh. Sprachlaute und Worte durch fichtbare 
Zeichen (Schriftzeichen od. Buchftaben) dem Auge darftellen (mit dem Stode, 
mit dem Finger in ben Sand —), be. mittelft eines trodenen od. gew. flüffi- 
gen Färbeftoffes (mit Kreide, Bleiftift, Feder und Zinte—; auf eine Tafel, 
auf Papier 2..—; gut, ſchlecht, ſchön, deutlich ze. fchreiben; fchreiben Lernen); 
von den Schreibwerkzeugen: zum Schreiben brauchbar fein (z. B. der Blei- 
ftift, die Kreide fchreibt nicht, weil fie zu hart iſt; die Feder fchreibt nicht); 
ferner mit Hinfiht auf den Inhalt od. Gegenftand: etwas—, d. i. ſchrei— 
bend hervorbringen, fehriftlich ausdrüden od. darftellen (z. B. ein Wort, 
feinen Namen unter etwas—; eine Rechnung, einen Brief, ein Buch — ıc.; 
uneig. fich etwas hinter die Ohren fchreiben, d. i. genau merken; feine Worte 
find mir tief ins Herz gefchrieben, d. i. unvergefslich); auch bloß f. abfchrei- 
ben (Noten—; fi) vom Schreiben nähren 2c.); ferner ohne Zielw. f. ſich 
ſchriftlich Außen od. mittheilen, feine Gedanken fchriftlich (od. auch durch 
den Drud) ausdrüden od. darftellen (über eine Sache, gegen Semand ꝛc. —, 
in feiner Mutterfprache ſchreiben; diefer Schriftfteller ſchreibt rein, aut, fchön, 
ſchlecht, nachläſſig 2c.), inshef. einen Brief fehreiben (an Semand, an einen 
Freund ze. fchreiben; er hat mir od. an mich gefchrieben; nad) Hamburg 
fohreiben; man fchreibt aus Leipzig 2c.; nach einer Sache od. um eine Sache —, 
d. i. brieflich danach fragen oder verlangen, fie verschreiben; dieſe Nachricht 
ſchreibt ſich daher zc., d. i. eig. wird von jenem Orte her gefchrieben od. 
gemeldet; daher uneig. fich woher fchreiben f. davon ausgehen, daher rühren); 
ſich —, f. feinen Namen fchreiben, hinfichtlich der dazu nöthigen Buchftaben 
(3: B. wie fchreibt er ſich? er fchreibt ſich mit einem y, dt 2c.); das Schrei: 
ben, -8, 1) o. M. die Handlung des Schreibens, auch die Kunft oder 
Fähigkeit zu fchreiben (z. B. das Schön, Rechtſchreiben 2c.); 2) M. w. €. 
eine fchriftlihe Mittheilung, |. v. w. Brief, jedoch gewählter, als diefes, 
und bei. von ausführlichen, wichtigen od. förmlichen Briefen (vgl. Hand- 
Kreis, Sendfchreiben 2c.); — 3fes. die Schreibart, die Art und Weife, 
feine Gedanken fchriftlich auszudrücken (fe. Stil); der Schreibbedarf (fr. 
Schreib - Materialien); das Schreibeblei, Waſſer- od. Reißblei, f. d.; das 
Schreib od. b. Schreibebuch, ein Bud, in welches man fchreibt, insbef. 
zur Übung im Schönfchreiben; die Schreibfeder, Feder zum Schreiben, gew. 

\ Gänfefeder; der Schreibfehler, ein im Schreiben aus Verſehen gemachter 


196 fi reiben 


Fehler; die Schreibeflechte, ſ. Schriftflechte; die Schreib» od. Schreibege- 
bühr, bef. M. =gebühren, gebührende Bezahlung für das Schreiben, bef. 
Abfchreiben (fr. Gopialien), auch: das Schreibegeld, der Schreibelohn, 
Yandfch. der Schreibegrofchen, wenn die Gebühr in einem Grofchen beftehtz 
der Schreibgriffel, Griffel zum Schreiben, Schieferftift u. dgl.; der Schreib: 
Faften, das Schreibfäftchen, Käſtchen zu Schreibbedarf; der Schreibefigel, 
übertricbene Neigung zu ſchreiben, Schriftftellerkigel; die Schreibekunft, 
überh. die Kunft zu fchreiben, d. i. die Lautſprache in Schriftzeichen fichtbar 
darzuftellen (z. B. die Erfindung der Schreibefunft); in engerer Bed. f. v. w. 
Schönſchreibekunſt (ſ. d.); auch f. einzelne Eünftliche Schriftzüge, Verzierun— 
gen, Kürzungen ꝛc. (M. Schreibefünfte); der Schreibefünftler, Schönfchreiz 
ber; das Schreibleder, Neuw. f. das fr. Pergament; die Schreib= oder 
Schreibeluft, Luft, Neigung zu fchreiben; fehreibluftig, Bw.; der Schreib- 
od. Schreibemeifter, Schreiblehrer, Lehrer im Schreiben, bei. Schönfchrei- 
ben; das Schreibpapier, geleimtes Papier, auf welches man fchreiben Eann, 
z. U. v. Druckpapier; das Schreib- od. Schreibepult, f. Pult; die Schreib- 
regel, beim Schreiben zu beobadhtende Regel; fchreibrichtig, Bw. (fr. ortho- 
graphiſch); die Schreibrichtigkeit; das Schreibe- od. Schreibrohr, Gar- 
tenrohr, fpan. Rohr, ehem. zum Schreiben ftatt der Federn gebraucht; der 
Schreib- od. Schreibefchranf, Schrank mit einem Schreibtifche od. -pulte; 
die Schreib- od. Schreibefchule, Schule, in welcher Schreib Unterricht er— 
theilt wird; der Schreibfchüler, wer fchreiben lernt; fehreibfelig, Bw., 
gern und viel fchreibend; die Schreibfeligkeitz; der Schreibftein, eine Art 
Seifenftein, zum Zeichnen u. Schreiben brauchbar; der Schreibftift, Stift 
zum Schreiben, z. B. Bleis, Roth, Schieferftift; die Schreibftube, Stube, 
in welcher gefchrieben wird, Gefchäftszimmer eines Kaufmanns, Beamten ıc. 
(fe. Büreau); die Schreibfucht, Sucht zu fchreiben; fchreibfüchtig, Bw.; 
die Schreibtafel, eine Tafel, darauf zu ſchreiben, z. B. eine Schiefer- oder 
Rechentafel; bef. Eleine Tafeln von Pergament, Elfenbein 2c., welche man zu 
diefem Gebrauche bei fich trägt; der Schreibtifch, ein Tiſch, welcher dazu 
eingerichtet ift, daran fißend zu fchreiben; die Schreibübung, Übung im 
Schreiben, bef. Schönfchreiben; die Schveib- od. Schreibewuth, übertriebene 
Begier zu fchreiben, bei. als Schriftfteller; das Schreibzeug, Geräth zum 
Schreiben, be. ein Käftchen od. Geftell mit Zintenfafs, Streuſandbüchſe ꝛc.; 
— Ableit. der Schreiber, -$, M. w. E., (altd. scribäri, schribaere), 
die Schreiberinn, M. -en, überh. wer fchreibt oder fchreiben kann (ein 
guter, ſchlechter zc. Schreiber); wer etwas fehreibt oder gefchrieben, d. i. 
Tchriftlich abgefafft, hat, finnv. Verfaffer (der Schreiber eines Briefes, einer 
‚Anzeige, eines Aufſatzes; Geſchicht-, Zeitungsfchreiber 2c.); in engerer Bed. 
wer berufsmäßig für Andere fchreibt, bei. abfchreibt , den Briefwechfel 
führt 2c., auch als Beamter bei öffentlichen Behörden, (4. B. der Schreiber 
eines Sachwalters; Geheimfchreiber, fr. Secretär; Amts-, Gerichts, Stadt- 
Hüttenfchreiber 2c.); daher: das Schreiberamt, der Schreiberdienft, =poften, 
die Schreiberftelle 2c.; der Schreiberlohn; der Schreiberfifch, eine Art 
Fiſche: Nafe oder Näsling (1. d.), auch der Schreiber genannt; das 
Schreiberholz od: =laub, landſch. f. Feldahorn, Masholder; die Schreiberet, 
1) das Schreiben, die Schreibefunft , Befchäftigung des Schreibers, 
gew. verächtl.; 2) verächtl. f. das Gefchriebene, die Schrift in Anfehung der 


fchreien — Schrein 197 


Schhriftzüge, od. des Inhalts und Ausdrudes (eine ſchlechte Schreiberei; M. 
Schreibereien); der Schreibler, oberd. auch Schreiberling, verächtl. f. 
fhlechter Schreiber od. Schriftftellerz die Schreibung, 1) fetten f. die 
Handlung des Schreibens; 2) die Art und Weife zu fehreiben in Anſe— 
hung der Schreibrichtigkeit, die Schriftform (z. B. die richtige, od. unrichtige 
Schreibung eines Wortes). 

ſchreien (ehem. ſchreyen gefchr.), ziellof. u. ziel. Zw., ablaut. Impf. 
ſchrie (einſilb.) Gonj. ſchriee (zweifilb.); Mw. gefchrieen od. zgez. gefchrien, 
(althochd. scrian, scrigan, Prät. screi, Pl. scrigun, scriuun, scrirun, Part. 
giscrian, giserigan, giscriran; mittelh. schrien, schrigen, schriwen, Prät. 
schrei od. schre, Pl. schrigen, schriwen, schrirn, Part. geschrigen, geschri- 
wen, geschrirn; daneben auch schrite, geschrit; u. das abgel. eig. factitive 
screiön, schreien, schreiete, geschreiet; oberd. fehreien, ſchri (alt ſchrai) u. 
fchreiet, daneben: fchraien, gefchrait 2c.; niederd. fchrijen, ſchrauen; ſchwed. 
skria; engl. screech, screek; celt. erio, franz. crier, écrier; vgl. Erähen, 
kreiſchen ꝛc. u. das griech. z0«Lw), überh. mit erhobener Stimme einen 
foharfen, durchdringenden Laut hervorbringen (der Hirfch Tchreit in der 
Brunftz Feldhühner, Gänfe, Enten, Eulen zc. fchreien); in weiterer An— 
wendung auch von einem ähnlichen Schall unbelebter Dinge (die Thür 
fchreit, wenn fie nicht gefehmiert ift; ein Stein fchreit beim Durchfägen ze.) ; 
in engerer Bed. von Menfchen: die Stimme heftig und mit Anftren= 
gung erheben, finnv. rufen, f. d. (aus vollem Halfe fchreien; einem etwas 
in die Ohren —, ihm die Ohren voll fchreien; ſprichw. wie man in den Wald 
ſchreiet, fo fchallt e8 wieder heraus, d. i. die Antwort richtet fi nach der 
Frage), bef. ald Ausdrucd heftiger Schmerzen oder Gemüthsbewegungen 
(vor Schmergen—, über Ungerechtigkeit —, d. i. fich laut beklagen; um Hülfe, 
nad) Brod, zu Gott 2..—; Feuer Schreien 2c.); laut weinen (ein fchreiendes 
Kind); auch übertreibend f. mit unangenehm lauter Stimme fprechen 
(fchreie nicht fol; uneig. f. den Sinn oder die innere Empfindung heftig 
u. unangenehm berühren (fchreiende Farben, d. i. fehr grelle; eine fchreiende 
Ungerechtigkeit, vgl. Himmelfhreiend); — der Schrei, -e8, M. -e, 
(altd. screi, schrei, schre, oberd. Schrai), ein einzelner, heftig ausgeftoßes 
ner, feharfer Laut (einen Schrei thun; ein Schrei der Angft 2c.); die 
Schreie, landſch. gem. f. eine ſtarke, fehreiende Stimme; der Schreier, 
-8, die Söhreierinn, M. -en, (mittelh. schrier, Herold), wer fchreit, 3. B. 
ein viel fchreiendes Kind, eine fehr laut fprechende Perfon (f. auch Marktichreier); 
Schreier, Naturk. die Quafente (f. d.); eine Art amerifan. Regen— 
pfeifer; die Eleinfte Adler-Art, auch Eleiner Adler, Steine, Enten-, Schell 
adler ꝛc.; — der Schreihäld, auch das Schreimaul, der Schreifad, gem. 
f. Schreier, bef. ein viel und heftig fchreiendes Kind; der Schreimann, ehem. 
f. Zeuge einer verübten Gemaltthat od. Beleidigung; der Schreiton, ar 
der, foharfer Ton. 

Schrein, m., -3, M. -e, Verl. das Schreinchen, (altd. serini, daz 
schrin; ſchwed. skrin, angelf. scrin, engl. scrine und shrine; von gleichen 
Stamme mit dem lat. —— mittl. lat. escrinium, ital. — alt, oberd. 
u. dicht. f. Behältniſs, Kaſten, Lade, Schrank zu Kleidern, Büchern, 
Schriften ze., bei. ehem. zu Deiligthümern, Deiligengebeinen 2c. (fr. Reliquien= 
Kaften; uneig. der Herzensſchrein, d. i. das Herz als ein Behältniſs 


198 ſchreiten — Schrift 


betrachtet); landſch. auch die hölzerne Einfaffung eines Grabes; der Schrein- 
halter, ehem. f. Urkundenbewahrer (fr. Archivar); das Schreinpfand, f. 
ein aufbewahrtes bewegliches Pfand; — der Schreiner, -8, M. mw. E., 
oberd. der Handwerker, welcher Schreine macht, f. v. w. Tifchler, ſchwäb. 
Kiftter; daher: das Schreinergemwerbe, -gewerf, «handwerk; der Schrei: 
nermeifter, =gefelle 2c.; die Schreinerarbeit, -waare; die Schreiner- 
werkſtatt 2c.; die Schreinerei, das Schreinerhandwerf; die Schreinerinn, 
Schreinersfrau. 

ſchreiten, ziellof. Zw. m. fein, ablaut. Impf. fehritt, Gonj. fchritte; 
Mw. gefchritten, (altd. seritan, schriten, Prät. schreit, schriten, Part. ge- 
schriten, ehem. auch f. Eriechen, gleiten, von Schlangen 2c., daher noch 
Schrittſchuh f. Schlittfhuh; fo auch das isländ. skrida; altſächſ. scridan, 
angelf. scrithan; niederd. ſchriden, fchrien; Grundbed. fcheint: aus einander 
aehen, ſich fperren, ſpreizen; vgl. das lat. gradi u. grätfchen; auch das goth. 
skreitan f. zerreißen), die Füße zum Gehen aus einander fegen, einen Fuß 
vor den andern fegen, einen Schritt (f. d.) machen (weit, eng, kurz 2c.—, 
über einen Graben, über die Schwelle ꝛc. —); mit feften, gemeffenen Schrit- 
ten gehen (ftolz daher od. einher—); uneig. zu etwas—, deffen Boll- 
ziehung mit Ernft und Bedacht beginnen (Gum Werke, zur Sache, zur 
Ehe—); der Schreitfuß, ein ſchreitender Fuß, bef. der Vögel u. Schmetter- 
linge; die Schreitung, felten f. das Schreiten. 

fchrell, Bw., (engl. shrill; vgl. ſchrillen), niederd. f. fcharf tönend od. 
fhmedend (ſchrelle Stimme; fehrelles Bier 2c.); dürr, troden (Hol), au 
troden u. rauh im Halfe; die Schrelligfeit, f. Schärfe; Rauhigkeit. 

Schrems-, Schrembs-, od. Schrenzpapier, f., oberd. f. Fließ- od. 
Löſchpapier. 

ſchrenzen, ziel. Zw. (ſ. Schranz f. Riſs, Spalt) oberd. f. ſpalten, 
reißen; die Schrenze (Schrenzen), f. Schlinge zum Vogelfang; flacher 
Korb. 

Schretel, Schretz, Schretzel, ſ. Schratt. 

ſchrichten, ſchrichtern, zielloſ. Zw. niederd. verſt. f. ſchreien, durchdrin— 


gend und kläglich ſchreien; das Schricht f. lautes Geſchrei, Sammer: 


geſchrei. 

Schrick 1. m., ſchricken, Zw., oberd., ſ. ſchrecken ıc. 

Schrick 2. m., niederd., ein länglicher Klotz mit drei Beinen, Bock; 
auch gewiſſe Hölzer an den Flößen auf der Elbe. 

Schrift, w., M.-en, (altd. scrifte, schrift; auch serip, giscrib, ge- 
schrift; v. ſchreiben), überh. das Gefchriebene, insbef. 1) in Anfehung der 
"äußeren Form der Lautzeichen od. Buchftaben: die Art und Weiſe, Ber 
ſchaffenheit, Größe ıc. jener Zeichen (große od. Kleine, grobe od. feine, deut- 
liche, Teferliche, oder undeutliche Schrift 2c.; fehräge, gebrochene, Mönchs- 
Kanzleifhrift 2c.); auch als Sammelw. die Schriftzeichen oder Buchftaben 


ſelbſt, ſowohl gefchriebene, als gedruckte (gefchriebene, gedrudte—, od. Drud- 


ſchrift; deutiche, Lateinifche, griechifche Schrift; ein mit Yateinifher Schrift 
gedructes Buch 20); M. Schriften, gegoffene Druckbuchſtaben, Let 
tern (neue Schriften gießen laſſen); auch der befchriebene od. bedruckte Theil 
eines Blattes ıc. (4. B. der Buchbinder hat in die Schrift gefchnitten); 2) in 
Anfehung des In haltes od. Gedankenausdrucks: jeder geſchriebene Aufſatz 


J 


— U 


— — — — — — — — 


ai 
{ur 


w 


Schrift 799 


(3. B. eö findet fich nicht unter meinen Schriften, f. v. w. Papieren), insbef. 
eine Urkunde, gefchriebene Verhandlung, Gerichts- od. Nechts- Verband: 
lung (. B. eine Schrift auflegen, einreichen 20.5; ehem. Schrift od. Shrif- 
ten ftellen, f. Rechts-, Bittfchriften u. dgl. verfaffen; Schriften wechleln, 
in einer Rechtöfache); ein gefchriebenes oder gedrucktes wiffenichaftliches, 
vebnerifches od. dichterifches Geiſteserzeugniſs, finnv. Wert, Bud, jedoch 
bef. von fchriftlichen Erzeugniffen geringeren Umfanges (verſch. von Bud), 
die Zeinen Anfpruch auf bleibenden Werth und vollendete Kunftform machen 
(verfch. von Werk; z. B. eine Flugs, Zeit, Wochen-, Streitfchrift 2.5 auch 
verkl. das Schriften), u. in der Mehrh. von einer Sammlung, od. den 
fämmtlichen Erzeugniffen eines Schriftftellers (z. B. Luthers, Kant's Schrif— 
ten); in engfter Bed. heißt die Bibel: die Schrift, od. genauer: die hei— 
lige Schrift ; — 3feg. der Schrift- od, Schriftenbeurtheiler (fr. Recen- 
jene); die Schriftbeurtheilung (Recenfion); der Schriftenbewahrer, Bes 
wahrer von Urkunden, amtlichen Verhandlungen zc. (Neuw. f. das fr. Regiftra- 
tor); der Schriftbörs, eine Art Börs mit fehriftähnlicher Zeichnung auf dem 
Kopfe; der Schrifterklärer od. zausleger, Erklärer der (heil.) Schrift (fr. 
Ereget); die Schrifterklärung (fr. Eregefe); die Schriftflechte, eine Art 
mit ſchriftähnlichen Linien gezeichneter Flechten an Baumftämmen; der Schrift- 
forfcher, Forſcher in der (heil.) Schrift; die Schriftforfchung ; der Schrift- 
gebrauch, Gebrauch in der Schriftſprache; daher ſchriftgebräuchlich, Bw., 
demfelben gemäß; der Schriftgelehrte, bibl. ein Gotteögelehrter bei den Ju— 
den; das Schriftgewülbe, Gewölbe zur Aufbewahrung von Urkunden zc. 
(fe. Achiv); der Schriftgießer, wer die metallenen Buchdruckerſchriften od. 
Lettern gießt; die Schriftgießerei, deſſen Gefhäft und Werkftätte; das 
Schriftgießererz, ein reichhaltiges Eifenerz, mit Spießglas u. Arfenif ge- 
mifcht, fo genannt, weil das Meifchmetall der Schriftgieger (Schriftgießer- 
metall) vorzüglich aus Eifen u. Spießglas beiteht; der Schriftgufs, - das 
Gießen der Buchdruderfchriften; der Schrifthalter, Buchdr. ein gabelähn- 
liches Werkzeug zum Halten der zu fegenden Handſchrift (fr. Zenakel); der 
Schriftkaſten, ein Kaften zur Aufbewahrung von Schriften, Urkunden 2c.; 
Buchdr. ein in Fächer abgetheilter Kaften, in welchem die Schriften od. Lettern 
geordnet liegen; die Schriftkürzung, Abkürzung im Schreiben (fr. Abbrevias 
tur); ſchriftmäßig, Bw., der Schrift od. Schriftfpracdhe angemeffen ; insbef. 
der Heil. Schrift gemäß; die Schriftmäßigkeit; die Schriftmutter, die 
Form, in welcher die Schriften od. Lettern gegoffen werden (fr. Matrize; vgl. 
Mutter); der Schriftfafs, -faffen, ehem. ein Lehnsmann od. Unterthan, wel- 
hem gerichtliche Meldungen, Vorladungen ꝛc. fchriftlich zugefertigt werben 
müflen; in engerer Bed. ein Lehnsmann, welcher dem Landeshern und beffen 
Kanzlei unmittelbar unterworfen ift, aud) Kanzleifafs, 3. U. v. dem Amts⸗ 
ſaſſen; fchriftfäflig, Bw., auf Schrift figend, d. h. dem Lehns- und Landes- 
heren unmittelbar unterworfen, kanzleiſäſſig, 3. U. v. amtsſäſſig; die Schrift- 
ſäſſigkeit, diefes Lehnsverhältnijs; die Schriftfäule, eine mehr hohe, als 
breite Maffe gefegter Drudichrift Neum. f. das fr. Columne); der Schrift: 
ſchneider, wer Drudichriften in Stahl 0d. Holz fchneidet; der Schrift: od. 
Schriftenfchranf, Schrank zu Urkunden zc., 0d. zu Buchdruderfchriften; der 
Schriftfeger, wer die abzudrucenden Schriften in gehöriger Ordnung in die 
Form zufammenfegt, gew. bloß: der Setzzer; die Schriftfpindel, eine Art 


/ 


800 Schrifteral — Schrippe 


Stachelſchnecken, mit ſchriftähnlichen Flecken gezeichnet; die Schriftſprache, 


die gebildetere Form der Sprache, deren ſich ein Volk im Schreiben u. beſ. in 
Schriftwerken (in der Litteratur) bedient, entg. der Volksſprache, Umgangs— 
ſprache u. den Mundarten; die Schriftftelle, eine Stelle aus einer Schrift, 
bef. aus der heil. Schrift; der Schriftfteller, ehem. wer Schriften ftellt 
(f. o. Schrift 2), d. i. fchriftliche, bei. gerichtliche Auffäse für Andere ver— 
faflt (oberd. auch Schriftenfteller, Schriftdichter); jest: wer Schriften oder 
Schriftwerke verfafft und durch den Druck bekannt macht (fr. Autor), weibl. 
die Schriftftellerinn; fchriftftellerifch, Bw., einem Schriftfteller eigen od. 
angemeffen, als Schriftfteller; fchriftftellern, unteb. zielof. Zw., als Schrift- 
fteller thätig fein, fi) mit der Abfaffung von Drudichriften od. Büchern be- 
Ihäftigen; die Schriftflellerei, das Schriftftellern, die Thätigkeit des Schrift- 
ftellers (oft mit dem nachtheiligen Nebenbegriff der Bielfchreiberei od. Buch— 
macherei); die Schriftftellerfchaft, das Schriftftellerfein (fr. Autorichaft); 
der Schriftſtellerſtolz; die Schriftftellerfucht 2c.; der Schriftftempel, ein 
ftählerner Stempel, in welchen ein Schriftzeichen erhaben gefchnitten ift (Pa- 
trize), um, in eine weichere Maffe abgedruckt od. abgeformt, diefe zur Schrift: 
mutter (f. 0.) zu machen; die Schrifttafche, Neuw. f. das fr. Portefeuille; 
der Schriftverfälfcher (fr. Falfarius); die Schriftverfälfhung; der 
Schriftwechfel, gegenfeitige Auswechfelung von Schriften, in Gerichtsfachen 
u. dal.; das Schriftwerf, ein fchriftliches Geifteswerk, z. U. v. Bildwerk ze. ; 
das Schriftzeichen, jedes durch Schrift oder Druck gemachte Laut- oder Be- 
griffszeichen, z. B. Buchftaben, Zahlzeichen 2c. (fr. Charaktere); der Schrift- 
zug, ein im Schreiben gemachter Zug (ſ. d.), bei. M. Schriftzüge; — Ab» 
Leit. ſchriftlich, Nw. u. Bw., mittelft der Schrift, durch Schreiben, in 
Schrift dargeftellt (einem etwas fchriftlich melden; fchriftliche Auffäge, Bes 
weife, Zeugniffe 2c.); fehrifteln, ziellof. Zw., vlt. verächtl. f. unbedeutende 
Eleine Schriften verfaffen; der Schriftler, -8, Verfaſſer folher Schrift: 
hen; der Schriftling, oberd. verächtl. f. Schreiber; der Schriftner, -8, 
Neuw. f. Schriftfteller. 

Schrifteral od. Schrifteral, ſ. es, M. -e, (werderbt aus dem neulat. 
scriptorale) , oberd. f. Federmeffer, Schreibmeffer. 

fchrillen, zielof. 3w. m. haben, (ein Schallw.), einen durchdringenden, 


feinen, zitternden Schall hören laſſen od. herborbringen (eine ſchrillende 


Stimme), bef. f. [hwirren, ziepen, von den Grillen u. Heimchen; auch von 
dem Klingen od. Saufen in den Ohren (es ſchrillt mir in den Ohren, ober 
die Ohren fchrillen mir); ſchrill, Bw. (vgl. ſchrell) bei. niederd., mit feharf 
gellendem u. zugleich ſchwirrendem Zone fehallend. 
Schrimpf, m., — es, Landfch. f. Schrumpf, 1. d. 

ſchrinden, ziellof. Zw. m. fein, ablaut. Impf. fehrand (ungebr.), Mw. 
gefchrunden, (altd. scrintan, scrindan, schrinden, Prät. schrant, schrunden, 
Hart. geschrunden; oberd. Prät. fchrand, ſchrund u. fchrindetz niederd. ſchrinnen, 
ſchrinen, welches auch den ftechenden Schmerz beim Aufipringen der Haut 2c. 
bezeichnet; vgl. Schrunde, ſchrunden), alt u. oberd. f. auffpringen, berften, 
Spalten oder Niffe befommen (z. B. das Erdreich, die Hände, Lippen zc. 
ſchrinden); im Hochd. ift nur noch das Mw. gefchrunden üblich (z. B. ges 
fchrundene Lippen 2c.). 

Schrippe, w., M.-n, 1. landſch. Eleine Tängliche zugefpigte Brode 


Schritt — ſchroff 801 


von derb und feſt geknetetem Mehle; — 2. Tuchm. beim Walken entſtandene 
Brüche im Tuche. 

Schritt, m., -e8, M.-e, Verkl. das Schrittchen, (altd. scrit, schrit, 
niederd. Schrede; von fehreiten, jchritt 2e.), das Schreiten, insbef. das ein- 
malige Borfegen eines Fußes vor den andern beim Gehen (einen Schritt 
machen, thun; keinen Schritt mehr gehen können; Eleine, große, weite, enge 
Schritte machen; mit fchnellen Schritten Eommen; Schritt für Schritt, 
d. i. langfam u. gemeffen; uneig. den erften Schritt in einer Sache thun, d. i. 
den Anfang machen); die Weite eines Schrittes, die Entfernung beider Füße 
im Schreiten, ald Maß von 2 od. 24 Fuß (nad) einem Zahlw. in der Mehrh. 
unverändert, 3. B. die Stube ift zehn Schritt lang); uneig. überh. f. eine 
Eleine Entfernung, ein kurzer Zeitraum (z. B. er hat nur nody einen 
Schritt zum Grabe); ferner das wiederholte Schreiten, der fchreitende, 
d. i. langfame und gleichmäßige Gang, z. U. v. Lauf, Trab, Galopp 2c., 
0. M. (z. B. einen guten, ftarken Schritt gehen; im Schritte reiten, d. i. das 
Pferd im Schritte gehen laſſen; mit Semand Schritt halten, d. i. gleich- 
mäßige Schritte mit ihm machen; auch uneig. f. gleichmäßig mit ihm fort- 
Ichreiten); — 3fes. der Schrittmeffer oder -zähler, ein Werkzeug zum 
Meffen od. Zählen der Schritte, beftehend in einem Räderwerke mit Zeigern, 
auch Wegmeffer (fr. Hodometer); der Schrittfchuh (von fchreiten f. gleiten) 
f. v. w. Schlittſchuh, f. d.; der Schrittftein, M. Schrittfteine, in ein ſeich— 
tes Waſſer gelegte Steine, um mitteljt derfelben über das Waſſer zu fchreiten ; 
aud) ein Fußweg von breiten Steinplatten (fr. Trotteiv); fchrittweife, Nw., 
nad) Schritten, im Schritt; — Ableit. fchrittlings, Nw., oberd. f. ſchrei— 
tend, im Schritt (z. B. gehen); fehritten, ziellof. Zw. oberd. f. Schritte 
machen, fchreitenz ſchritteln, oberd. f. mit Eleinen Schritten gehen, trippeln. 

Schritz 1., m., - 08, M. -e, (auch Schrie, Schret) landſch. f. die 
Kalle, ſ. d. 

— Zw., oberd. 1. f. ſpritzen; 2. f. ſchlitzen; daher der Schritz 2. 
f. litz. 

ſchroben od. ſchrobben, 8w., landſch. ſ. v. w. ſchrubben, ſ. d.; die 
Schrobſäge, Schiffb. eine Stichſäge mit geradem, hölzernem Stiel; die 
| Schrobel, M.-n, eine Art feiner Kardätfchen (f. d.) zum Streichen der 
feinen fpan. Wolle; fcehrobeln, ziel. Zw., die feine Wolle mit den Schrobeln 
augeinanderziehen. 

Schröder, m., niederd. f. Schröter, ſ. >. 

Ihroff, Bw., Comp. fhroffer, Sup. fchroffft, (v. dem altd. screvon, 
schruven, schruffen f. einfchneiden, fpalten, theifen, ſchröpfen; oberd. fchrafen, 
ſchrefeln f. rigen, Tragen; ſchwed. skräf; vgl. das lat. scrupus, rauher Stein, 
scrapeus, scruposus 2c., rauh, ſchroff; vgl. auch ſcharben, ſcharf, Schorf, 
franz. escarpe, welche von demfelben, nur durch Lautverfesung veränderten 
Stamme zu fein fcheinen), eig. zerriffen, zerkratzt, zerfpalten, daher: fehr 
rauh, zerklüftet, zackig (Ichroffe Felſen, ein ſchroffer Weg); rauh und fteil, 
abſchüſſig, jäh (ein Tchroffer Abhang); uneig. f. rauh und zurücftoßend, 
unzugänglic; und Ealt im Benehmen gegen Andere (ein fchroffer Mann 2c.); 
as Schroffgewächs, f. Aftermoos; der Schroffzahn, vit. f. Schneide- 
ahn; — die Schroffe od. gew. Schroffheit, das Schrofffein, eig. u. uncig., 
nv. Rauhigkeit, Abfchüffigkeit 2.5 der Schroffen oder Schrofen, - 8, 


Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2, Theil. 5l 
















802 Schroll — fchroten 


M. w. E., (mittelh. schrove; ſchweiz. auch Schrof, Schrofer), oberd. 
f. rauher, zerklüfteter Fels, Felswand, Felsgipfel; ſchroffig, (auch ſchrof— 
ferig), Bw., oberd. f. ſchroff, rauh, zerklüftet. 

Schroll, m., -en, M. -en, auch der Schrollen, -8, u. die Schrolle 1.., 
M.-n, oberd. f. ein unförmliches Bruchſtück, Klumpen, Scholle (z. 8. 
Erd-, Eiöfchrollen 2c.); der Schroll auch f. ein grober, plumper Menſch; 
insbef. Hausknecht od. geringer Arbeiter in einer Brauerei; und f. Kaulbörs; 
ſchroll⸗ od. fchrollenhaft, fchrollenmäßig, Bw., oberd. f. grob, vierfchrötig. 

Schrolle 2. w., ſ. Schrulle. 

fhrömen, 3w. (holl. schroomen), niederd. f. fürchten, beforgen. 

ſchröpfen, ziel. 3w. (alt u. oberd. ſchrepfen; vgl. ſchrafen, fchrapen, 
ſchroff), urfpr. rigen, einfchneiden, ſchneiden; jest nur in folgenden befon= 
deren Anwendungen: Landw. das Getreide —, es mit der Sichel abfchneiden, 
ehe es Halme treibt, damit es nicht zu geil wachſe; Gärtn. kranke Bäume—, 
d. i. die Äußere Rinde derjelben mit einem Meffer aufrigen, um dem Safte 
Luft zu machen; Küch. Apfel u. dgl. —, zerfchneiden u. mit einem Meffer rigen 


od. aufhacden, ehe man fie Eocht; gew. einen—, ihm Blut abzapfen od. 


Blut laffen, indem man mittelft eines zufammengefesten Schnäppers (ber 
Schröpffchnäpper, das Schröpfeifen od. die Schröpffliete genannt) mehre 
Eleine Einfchnitte in die Haut macht, u. durch diefe mittelft aufgefester klei— 
ner runder Gefäße von Glas od. Metall (Schröpfföpfe, -gläfer, -hörner) 
das Blut herausziehtz uneig. einen—, f. ausfaugen, empfindlich über: 
theuern, prellen; die Schröpfe, Landw. f. das Schröpfen, z. B. des Wei- 
zens (f. 0.); der Schröpfer, -8, wer fchröpft, d. i. Schröpfföpfe fegt; die 
Schröpfung, das Schröpfen. 

fchroten 1. ziel. 3w., ehem. ablaut. Smpf. ſchriet, jest fehrotete; aber 
noch Mw. gefchroten, (altd. scrötan, schröten, schriet, geschroten, und da— 
neben schroeten, Prät. schröte f. Zeug ſchneiden; oberd. fehroten u. fchröten, 
Prät. fehriet und fehrotet, Part. gefchroten und gefchrotet; niederd. ſchraden, 
fchraen; holl. schrooden; ſchwed. skräda, engl. shrowd; vgl. auch das angelf. 


screadan, engl. shread, shred, und das goth. skreitan, zerreißen), überh. 
fhneiden, hauen, zerftüden, jedoch gew. nur in gewiffen gewerblichen Ans 


wendungen, insbef. 1) Einfchnitte in etwas machen, einbauen, fchlagen, 
bohren, aushöhlen (ehem. einem Wunden—, d. i. fchlagen; Bergw. ducd) 
Erde und Geftein graben od. arbeiten; vgl. erfchroten); 2) ab= oder zer— 
fchneiden, bef. der Quere nach durchfchneiden, zerfägen, zerhauen (z. B- 
einen Baumftamm in drei Theile—; Schmied. ein Stüd Eifen—, entzwei 
bauen; Bergw. gefhrotene Eifen, d. i. von dem Stangeneifen abgeſchla— 
gene Stüde; den Drath zu Naden—, d. i. mit der Schrotfchere in Stücke 
Schneiden; Münzw. die Zaine—, d. i. die runden Stüde zu den Münzen aus 
denfelben hauen od. fhneiden; bei Kammmachern: das Horn —, fügen; ehem. 
das Getreide—, mit der Sichel abfchneiden); ehem. auch f. Zeug fehneiden, 


Kleider fehneiden, Schneiderarbeit machen (daher Schröter f. Schneider, 


ſ. u.); 3) zerftücten, Elein baden, zermalmen (obevd. Rüben, Kraut 2. —, 
d. i. mit dem Schrotmeffer Hein haden), bef. in den Mühlen: in gröbs 
liche Theile zermalmen, grob mahlen (Getreide, Erbſen, Bohnen—; ge* 
ſchrotenes Malz 2c.); auch f. nagend zermalmen, zernagen (bie Mäufe ꝛc. 
ſchroten das Holz, Papier 20.); — das (oberd. der) Schrot, -es, M. Schrote 


L- ng 7 ul et pre — 


— 


> ia 3 





| 
| 


Mroten 803 


(oberd. Schröte), Verkl. dad Schrötchen, (mittelh. der schröt, welches 
auch das Schneiden, Schnitt, Wunde, Verlegung bedeutet; niederd. Schraad), 
überh. das Gefchrotene, insbef. 1) ein abgefchnittenes od. durch Zerfchneis 
den, Zerhauen ıc. entftandenes Stück (z. B. oberd. Eifen, Brod, Tuch, 
Papier ꝛc.; nieberd. bef. ein der Länge nach abgefchnittenes Stück Leinwand; 
Tuchm. die fchmalen Leiften von grober Wolle an den Seiten des Tuches, auch) 


Anſchrote); insbef. ein dickes Stud eines zerhauenen od. zerfägten Baum- 


ſtammes, Stammftüd, Blod, Klotz; Münzw. die aus den Zainen ge- 
fchrotenen runden Metallftüde, welche zu Gelde geprägt werden, und das 
gehörige Gewicht derfelben (in der Redensart: Schrot und Korn, f. Korn; 
uneig. ein Mann von altem Schrot und Korn, d. i. von alter Züchtigkeit u. 
Redlichkeit); 2) ein aus Schroten, d. i. rohen Baumftücden, zufammenge- 
fegtes Gebäude od. Behältnifs, bef. Bergw. ein Geviert von Zimmerholz u. 
überh. das Zimmerwerk in einem Schadhte (daher oberd. ſchroten od. [chrö- 
ten, als bloß umend. Zw. f. Wände u. dgl. von Holzſtämmen bauen); landſch. 
auch die aus Stüden von Baumrinde zufammengefügten Eleinen Behältniffe 
für Erdbeeren, Heidelbeeren 2c.; (auch wohl überh. f. Behältnifs, vgl. Ge 
ſchröte; oberd. ift der Schrot od. das Schrotneg auch eine Art Fifcher- 
neg, u ſchroten, ſchröten od. ſchrotten als Zw. eine Art, Fifche zu 
fangen); 3) ald Sammel- od. Stoffnamen: der Abfall oder die Abgänge 
beim Schneiden, Sägen, Hauen ıc. (bei den Steinhauern: das Schrot;z 
außerdem in der Mehrh.: die Schrote, Schrötchen, oberd. der Ab— 
ſchrot); o. M. etwas in Kleine Stüde Zerhadtes, Zermalmtes ꝛc. insbef. 
das grob gemahlene u. ungebeutelte Getreide, auch Schrotkorn (niederd. 
Schradels, Schrodels, Schrodfel;z Roggen, Gerften-, Erbfenfchrot 2c.); in 
Eleine Stüde gehadtes Blei od. Eifen, u. in weiterer Bed. auch gegoffene 
Bleifligelchen zum Schießen aus Feuergewehren, auc Hagel genannt (mit 
Schrot jhießen; Haſen-, Fuchs-, Wolfsichrot ꝛc.); — 3fe$. von fchroten 
u. Schrot: die Schrotart od. das Schrotbeil, Art zum Auseinanderfchroten 
0d. Zerhauen der Bäumez der Schrotbeutel, Jäg. ein Iederner Beutel zu 
Schrotz der Schrotbohrer, ein Bohrer mit einem Haken am Ende zum 
Bohren der Pumpenröhren; die Schrotbüchfe, eine Büchſe zu Schrot; ein 
gezogenes Feuergewehr, woraus mit Schrot geſchoſſen wird, z. U. v. Kugel: 
büchfe; der Schrotbungen, das Schroteifen, der Schrotmeißel, eiferne 
Werkzeuge, etwas damit abzufchroten, d. i. abzufchneiden od. abzuftoßen; die 
Schrotform od. das Schrotmodel, die Form, in welcher das Bleifchrot zum 
Schießen gegoffen wird; der Schrothammer, ein hammerförmiges Schrot- 
eifen; der Schrothobel, Tiſchl. ein Hobel mit zundlicher Schneide, das Holz 
aus dem Groben zu behobeln, au Schärf-, Schrubbhobel, z. U.-v. Schlicht 
hobel; die Schrotfleie, gröbliche Kleie, die von dem Griefe im Siebe zurück 
bleibt; das Schrotforn, 1) (von Schrot) ein einzelnes Korn Schrot zum 
Schießen; 2) (v. fehroten) gefchrotenes Korn oder Getreide, f. v. w. Schrot; 
die Schrotmaus, der Siebenfchläfer; das Schrotmehl, grobes Mehl von 
Weizengriesz die Schrotmühle, Mühle, auf welcher befonders Schrot ge 
mahlen wird; der Schrotfad, Kleine mit Kartätſchenzeug gefüllte Säde, die 


" aus Kanonen gefchoffen werden; die Schrotfäge, eine große, lange Säge mit 


zwei Handhaben zum Durchfchroten der Bäume, Baumfäge; die Schrot- 
ſchere, eine große, ſtarke Schere, z. B. der Nadler zum Ducchfchneiden des 


51* 


804 ſchroten — fehrufen 


Drathes; das Schrotfehwein, Landw. ein Eleines Schlachtſchwein, welches 
Zeine ganzen Spedfeiten, fondern nur Schrotfped (niederd. Schraadfped) giebt, 
d. i. der Länge nad) fammt den Rippen durchgehauene Speckſeiten; das 
Schrotſtück, ein abgefchrotenes, d. i. abgefägtes oder -gehauenes Stück; 
Krſpr. eine Kanone, welche 48 Pfund Eifen fchießt; der Schrotthurm, ein 


zur Verfertigung des Schrotes (zum Schießen) gebauter und eingerichteter | 


Thurm; die Schrotwage, f. v. w. Setz- od. Bleiwage, f. d. (von eigenem 
Stamme?); das Schrotwerf, Bergw. die Auszimmerung eines Schachtes 
mit Schroten, d. i. zerfägten Baumftämmen; der Schrotwurm, landſch. f. 
die Maulwurfsgrille; der Schrotzahn, vit. f. Schneidezahn; das Schrot— 
zeug, die Werkzeuge zum Schroten der Münzen; — Ableit. die Schrote, 
M.-n, Handw. ein Werkzeug, etwas damit abzuſchroten, ein Schrot— 
eifen, = meißel 2c.; der Schröter 1., -$, 1) wer etwas fehrotet, d. i. 
fehneidet, fügt, hauet ıc., z. B. in Münzen: wer die Zaine fchrotet (Münz- 
Ihröter), in Mefferfabriken: wer die Knochen ꝛc. zu den Mefferfchalen zer 
fchneidet (Schalenfhröter); ehem. f. Schneider, Kleidermacher (altd. 
schrötaere, schroeter; oberd. Schroter; niederd. Schröder, Schrader); 2) ein 
Merkzeug zum Schroten, z. B. Bergw. ein hammerförmiges Schroteifen, 
Schrothammer; 3) ein fhrotendes, d. i. nagendes, malmendes Thier, bei. 
Käfer, in engerer Bed. der HirfchEäfer, auch Feuer-, Holz-, Horn-, Baum-, 
Weinfchröter 2c. genannt; fchröfig, Bw., aus Schrot beftehend; gefchro- 
ten, in 3feg. wie: beinfchrötig, oberd. f. Enochenbrüdig; vierfchrötig, 
f. d.; der Schrötling, -es, M. -e, ein abgefchrotenes, d. i. abgefchnittenes 
Stud, bef. Metall in den Münzen, Eifenhämmern ꝛc. 


ſchroten 2. ziel. Zw. (bloß umend. fehrotete, gefchrotet, nicht gut gefchror 


ten; mittelh. schroten; von anderem Stamme, als fchroten 1., od. uripr. 
auf Schroten, d. i. Holzblöcden, fortwälzen?), ſchwere Körper fortwälzen 
od. fehieben (eine Laft auf den Wagen, von dem Wagen—; Fäfler, Wein ze. 
in den Kellerü —); daher: der Schrotbaum, ftarke Hölzer zum Auf- und 
Abladen von Laftenz der Schrotbock, ein Geftell zu demfelben Zwecke; die 
Schrotleiter, eine aus ftarfen Hölzern beftehende leiterförmige Unterlage, auf 
welcher man Laften auf⸗ und abfchrotet od. wälzt; das Schrotfeil od. -tau, 
ein ftarfes Seil zum Sur u. Abſchroten von Laften, bei. Fäffern; der Schro- 


ter od. gew. Schröter 2., -8, wer Laften, bef. Fäffer in die Keller u. aus 


denfelden fchrotet (Wein -, ' Bierfhröter). 

ſchrubben, ziellof. u. ziel. Zw. (ſchwed. skrubba, engl. scrub, hol schrob- 
ben; vgl. ſchrapen, fchrafen, und das ſchweiz. ſchrufen f. fcharren) niederd. f. 
ftar£ reiben, fcheuern, bef. mit einem ftumpfen Befen od. einer fteifen Bürfte 
(ven Fußboden eines Zimmers, die Seiten eines Schiffes—, fheuernd reinigen); 
Tiſchl. aus dem Groben hobeln; der Schrubbhobel, ſ. v. w. Schärf- ob. 
Schrothobel; der Schrubber, -8, mer fihrubbet; ein Werkzeug zum 
Schrubben: ftumpfer Scheuerbefen od. fteife Bürfte an einem Stiel (niederd. 
auch Schrubbert; oberd. Schropp, Schrupp, Schrupper) ; fehrubbeln, ziellof. 
u. ziel. Zw., das verkl. fehrubben; Zuchm. die Wolle zwifchen zwei Kämmen 
zerzaufen. 

ſchrudern, ziellof. Zw., niederd. f. ſchaudern, zittern vor Froft, Furcht ze. 

ſchrufen, fehruffen, ziel. 3w., alt u. oberd. f. fchroten, theilenz ſcharren, 
fhaben; der Schruf, fchweiz. eine hölzerne Schüffel mit einer Handhabe; 








Schrulle — Schub 805 


das Schruffafs, im Handel zu Stettin: gegen 3 Tonnen Fiſche; die Schruf— 
tonne, 14 Zonne Fiſche; der Schruffhobel, ein Eleiner Handhobel mit gerad- 
liniger Schneide u. Bahn, auch Ruffhobel. 

Schrulle od. Schrolle, w., M.-n, (niederd. Schrull; vgl. das holl. 
schrollen f. murren, brummen, u. grollen, Groll), landſch., bef. niederd. f. 
ein Anfall von übler Laune, auch f. unfinniger oder närriſcher Einfall, 
Grille, (feine Schrullen haben, bekommen). 

fhrumpen, fchrumpeln, ziellof. Zw. m. fein, (vgl. rimpeln), niederd. 
f. fhrumpfen, einfchrumpfen, runzelig werden; die Schrumpel, M. -n, 
f. Runzel, Falte; oberd. eine hlatternarbige Perſon; ſchrumpelig, Bw., f. 
runzelig. 

ſchrumpfen, zielloſ. 3w. m. fein, (niederd. ſchrumpen, dän. skrympe; 
vgl. rümpfen u. d. engl. crumple, shrink), durch Zuſammenziehung oder 
Vertrodnen an Ausdehnung verlieren und runzelig werden (Pflaumen, 
Kirfchen 2c. ſchrumpfen, wenn fie vertrodnen;z die Haut [hrumpft, auch 
wohl rückz. — ſchrumpft fich; gew. ein od. zufammenfchrumpfen); landſch. 
aud anfangen zu gerinnen (die Milch fchrumpft; das Waffer fchrumpft, d. i. 
fängt an zu gefrieren) ; der Schrumpf, -es, 1) o. M. das Einfhrumpfen, 
gew. nur in dem zgeſ. Fruchtſchrumpf, d. i. der Abgang des Getreides 
am Maße durch Eintrodnen;z 2) M. -e, gem. f. Runzel, Falte; fchrum- 
pfig, Bw., Nunzeln habend, runzelig. 

Schrurde, w., M. -n, oberd. auch der Schrund, -e8, M. Schründe, 
Verkl. dag Schründchen, (althochd. scrunta, scruntussa; mittelh. schrunde; 
von scrintan, fehrinden, f. d.), bef. oberd. f. Spalt, Riſs in einem feften 
Körper, 3. B. in einem Felfen, im Eife 2c.; auch ein Riſs in der aufges 
fprungenen Haut; fehrunden, ziellof. oder rüdz. Zw. (Mw. regelm. ges 
ſchrundet; gew. aber gefhrunden, weldes zu ſchrinden gehört), 
Riſſe od. Spalten befommen, auffpringen (die Mauer fchrundet, od. ſchrun⸗ 
det fich; die Erde fchrundet vor Hitze; die Haut ift vor Kälte gefchrundet). 

Schrunthahn, m., landfch. f. Truthahn. ; 

ſchrupfen, ziel. 3w., bei Metallarbeitern: Walzen, Kugeln ıc. aus dem 
Groben abdrehen. 

Schub, m., -es, M. Schübe, (altd. schup, G. schubes; niederd. Schuf 
u. Schup; von fhieben) 1) das Schieben, ziel. G. 8. der Schub des Brodes 
in den Ofen; der Kegelfehub, d. i. das Kegelfchieben, auch f. die Kegelbahn; 
den Schub verftehen 2e.); bef. ein einmaliges Schieben, ein fchiebender 
Stoß (einen Schub thun, 3. B. im Kegelipiele; einem einen Schub geben, 
vgl. Schupp, fchuppen; mit einem Schub, f. plöslich, mit einem Male); 
oberd. überh. f. Fortſchaffung, Fortſchickung (z. B. des Getreides); insbef. 
die Kortichaffung eines Verbrechers, verdächtigen Landftreichers ze. von einem 
Orte zum andern bis über die Grenze; alt und oberd. auch f. Aufichub, ge— 
vichtliche Friftverlängerung; das Schieben der Schuld auf einen Andern, auch 
der gerichtl. Beweis durch Augenſchein; f. Vorſchub, heimliche Begünftigung ; 
Anrufuna eines höheren Gerichtes (daher: das Schubamt od. -geridtf. 
das fr. Appellationsgeriht; der Schubfchreiber, Schreiber in einem fol- 
chen Gerichte); ferner das Schieben, ziellos, d. i. das ſchnelle Aufwachfen, 
Hervorfchießen, def. das Bahnen der Pferde; 2) das Gefchobene, was 
gefhoben wird od. werden kann, daher f. Schubfaften ıc. (4. B. eine Lade 


806 ſchubben — ſchucken 


mit drei Schüben); ſo viel auf einmal geſchoben wird (Bäck. ein Schub 
Brod, Semmeln ꝛc., d. i. ſo viel gleichzeitig in den Ofen geſchoben wird; 
oberd. auch was mit einem Male in den Mund genommen wird, Löffel-, Gabel- 
vol, verkl. das Schüblein; ein Schub Kegel, d. i. fo viel zum Kegel- 
ſchieben gehören, ein Spiel Kegel); Schiffb. die Krümmung der eriten Bretter 
Reihe der äußeren Verkleidung vom Kiele herauf bis über die Bauchſtücke; — 
3feg. das Schubbleh, Bäd. das Blech, welches vor den Ofen gefchoben 
wird, um ihn zu verfchließen; das Schubfach, das Fach in einem Schranke ze, 
in welches ein Schubkaften paſſt; auch f. Schubkaften; das Schubfenfter, 
f. v. w. Schiebfenfter; der Schubfarren, die Schubfarre, f. Karre; der 
Schubfaften, die Schublade, f. v. w. Schiebkaſten; das Schubloch, Hüt- 
tenw. die Löcher, duch welche das Holz auf den Herd gefchoben wird; der 
Schubochs, f. v. w. Schiebohs; der Schubriegel, ein Riegel, welcher vor— 
gehoben wird; der Schubfad, oberd. eine Taſche an der Seite eines Klei- 
dungsſtückes (miederd. Kiep- od. Küpſack); die Schubwand, Bergw. Theile 
eines Ganges, welche das Waffer abgefchoben hat, Gefchiebe; ſchubweiſe, 
Nw., durch Schub, od. in Schüben; die Schubzeit, im Deichbau die Ruhe: 
zeit nach) einem Gange in der Arbeit; — Ableit. ſchübiſch (od. ſchiebiſch), 
Bw., Bergw. f. fanft abhängig, fo dafs etwas darauf leicht fortgeſchoben 
wird (eine ſchübiſche Fläche); der Schübling, -es, M. -e, (altd. scubiline, 
schübelinc) landſch. was in od. auf einen andern Körper gefchoben wird, 
ein Schieber, Schubriegel ıc.; ein aufgefchoffenes Bäumchen (auch Auf- 
ſchübling); oberd. eine Art Würfte, Bratwurft (ud Schübelwurſt, 
vom Scieben in den Darm). 

fehubben, fehubbern, ziel. Zw. (vgl. ſchaben), niederd. f. reiben, feheuern, 
ſchaben, Fragen; bei. fih—, f. fich reiben oder feheuern, wenn es judt; 
daher der Schubbiad od. x. Schubbejad, -8, (hol. schobbejack; d. i. eig. 
wer wegen UnveinlichEeit u. Ungeziefers feine Jacke ſchubbet), niedr. Schimpfw. 
f. bettelhafter Menſch, Taugenichts, vgl. Schuft. 

Schübel, m., -83, M. w. E. (von fchieben; vgl. Schober), oberd. f. ein 
Büfhel, Bündel (Haare, Wolle, Heu 2c.); uneig. f. Haufen, Menge; 
fhübeln, ziel. 3w. oberd. 1) einen—, f. an den Haaren reißen, ziehen; 
2) f. fortwälzen, tollen ((chübbelm. 

Schubfach xc., Schübling — Schubzeit, ſ. unter Schub. 

Schubut, m., ſ. Schufut. 

ſchuͤchſeln, fchuchteln, zielloſ. Zw., oberd. f. flüchtig u. übereilt verfah— 
ven; die Schuchfel, Schuchtel, der Schuchfen, Schuchten, f. übereilte, 
leichtfinnige, flatterhafte Perfon. N 
ſchüchtern, Bw. (oberd. ſchüchter, auch ſchiech; v. schiuhen, schiehen, 
ſcheuen, ſ. d.), geneigt fich zu ſcheuen, leicht in Furcht gerathend, finnv. 
fheu, furchtſam, Angftlich, blöde (ein ſchüchternes Kind; fich fehüchtern 
umsehen); die Schüchternheit, das Schlichternfein, die Furchtſamkeit 26.5 
fhüchtern, ziel. 3w., fhüchtern machen, in Furcht fegen, nur in eine 
und verſchüchtern. 

fchuden, ziel. Zw., Yandfch. gem. f. v. w. ſchocken 2, (f. d.): ſchwingen, 
ftoßen, werfen, (die Achſel —, f. zuden); der Schud, -es, M. -e, ſ. v. mw. 
Schock; der Schuder od. Schudel, -8, M. w. E., landſch. Jäg. f. junger 
Steinbod; ſchuckeln, ziel u. zielloſ. zw., gem. bef. niederd. f. ſchaukeln; 








fhuden — Schuh 807 


wadeln, ſchwanken; landſch. auch f. pumpen; ſchwäb. f. müßig umher: 
fhweifen; die Schudel, nieverd. f. Schaufel; das Schudelfeft, olt. f. 
bewegliches Feſt; das Schudelrad, bibl. ein ſchaukelndes, ſchwankendes Rad; 
der Schudler, -8, Schaukler; ſchwäb. f. Landftreicher, Teichtfertiger 
Menſch; fehudelig, Bw. f. wadeligz; ſchuckern, Zw., oberd. f. ſchaudern 
(es ſchuckert mid). 

ſchudeln od. fehaudeln, ziellof. Zw. (vgl. hudeln), oberd. f. übereilt ver- 
fahren, flüchtig arbeiten; der Schudel od. Schaudel, -8, f. Ubereilung ; 
ein fich übereilender Menfh, au: der Schudeler, u. von einer weibl. 
Perfon: die Schufel. 

Schufe od. Schuffe, w., M.-n, (altd. schuofe, oberd. Schuefen; von 
fchöpfen, altd. scheffen, Prät. schuof neben schepfte; vgl. ſchaffen 1.), landſch. 
ein Schöpfgefäß, Schöpfgelte an langem Stiele bei Seifenfiedern, Bier- 
brauern ꝛc.; vgl. Schapf. 

Schuffel, w., landfch. gem. f. Schaufel; fchuffeln, 3w., f. ſchaufeln; 
der Schuffler, -3, Schaufler, gemeiner Löffelreiher. 

Schufhamen, m. (v. fhuven, ſchufen f. fchieben) niederd. eine Art Fifcher- 
hamen. 

Schuft 1. m., -e3, M. -e, (von fihaben, ſchubben; vgl. ſchäbig, Schub— 
biack, fchofel, u. d. engl. scab, shab; od. wahrſch. v. dem niederd. fchufen, 
fchuven f. ſchieben, Schuf f. Schub ; daher niederd. Schufut (v. ut-fchuven, 
ausftoßen), zgez. Schuft, d. i. alfo eig. ein ausgeftoßener Menſch, Schübling), 
gem. verächtl. f. ein armfeliger, bettelhafter Menſch, u. bef. ein fchlechter, 
ehrlofer, niederträchtiger Menſch, finnv. Lump; fchuftig, Bw., gem. f. 
armfelig, bettelhaftz; niederträchtig, ehrlos. 

Schuft 2. m., Aes, M.-e, (v. ſchuven f. ſchieben; vgl. das mittel. 
schuften, fchnell reiten, galopiren), niederd. f. der obere Theil der Vorder— 
beine der Pferde u. Rinder (womit fie ſchieben od. ziehen); — 3. vlt. f. 
Schopf, Haupthaar. 

Schufut, m., -e38, M. -e, (au Schubut; von Schopf, oder ein 
Schalw.?), landſch. bei. niederd. f. Schaufeule, Uhu. 

Schuh, m., -es, M.-e, Bert. das Schühhen, Schühlein, (goth. 
skohs; altd. scuoh, schuoch, Schuh; oberd. Schueh; niederd. Scho; isländ. 
skor, fchwed. u. dän. sko; angelf. sco, scoh, engl. shoe; wahrfch. von der 
Wurzel sca, scu, bedecken; vgl. ſcheuen, Schuß zc., das angelf. scua, Schat- 
ten, Höhle, das engl. sky, Himmel ꝛc.), 1) eine Fußbekleidung, genauer: 
die feft anfchließende und mit ftärkeren Sohlen verfehene, nicht über die Knöchel 
reichende, gew. lederne Bekleidung der Füße, verfch. Pantoffel u. Stiefel (ein 
Paar Schuhe; lederne, feidene, Zeug-, Filz- Pelz, Holzſchuhe ꝛc.; ſ. auch 
Schlittſchuhe; ſprichw. uneig. etwas an den Schuhen abgelaufen, od. zerriffen 
haben, d. i. eö längft gewuſſt haben, fchon lange darin geübt fein; Jeder weiß 
am beften, wo ihn der Schuh drüdt, d. i. wo es ihm fehlt, woran er leidet; 
einem etwas in die Schuhe fchieben od. gießen, d. i. ihm die Schuld davon 
beimeffen); uneig. die Riemen, welche den Falken um die Füße gelegt 
werden (das Geſchühe); Naturk. eine Art Meereicheln, auch eine Napf- 
od. Schuffelmufchel; ferner ald Längenmaß f. v. w. Fuß (in diefem Sinne 
nad) einem Zahlw. in der Mehrh. unverändert, z. B. fünf Schuh lang und 
vier Schuh breit); 2) in weiterer Bed. eine fefte Bekleidung od. Bedeckung 


808 Schuhu — Schuld 


der Aufßeren Theile verfchiedener Körper, 3. B. die eifernen Beichläge an den 
Enden von Stangen, Pfählen ꝛc., an den Eden von Kaften, Koffern ꝛc.; bie 
Hölzer, in welche die Spisen des Ankers gefteckt werden; im Bergm. und 
Schiffb. kurze Schwellen, Brett= od. Planken= Unterlagen zu verfchiedenen 
Zwecken; am Rumpfe der Windmühlen die fehräge Rinne, durch welche das 
Korn auf den Stein fällt; auch die natürliche hornartige Bekleidung od. Schale 
an den Füßen der Pferde, Rinder, Schafe, Hirfche ze. und einiger Arten des 
Federviehs; vgl. außerdem die zgef. Handfhuh, Hemmſchuh; Kahnenz, 
Slinten-, Pumpenſchuh; — Zfes. der Schuhbalfen, ein Körpermaß, 1 Schuh 
Yang, 1 3oll hoch u. breit, dergleichen 10 einen Schuhſchacht, 100 einen 
Würfelſchuh ausmachen; das Schuhblatt, Oberleder eines Schuhes; die 
Schuhblume, ein hinef. Strauchgewächs mit rofenähnlichen Blumen, chine— 
ſiſche Roſe (deren frifche Blumen die damit geriebenen Schuhe glänzender 
ſchwarz machen); die Schuhbürfte, Bürfte zur Reinigung der Schuhe; der 
Schuhdrath, Pehdrath zum Nähen der Schuhe ꝛc.; der Schuhfleck, ſ. 
Fleck 3); der Schuhflider, wer zerriffene Schuhe ausbeffert, Altflicker, alt 
u. landſch. auh Schuhbüßer; uneig. landſch. f. die Wafferjungfer; der 
Schuhknecht, alt u. landſch. f. Schuhmachergefelle; das Schuhleder, Leder 
zu Schuhen; der Schuhmacher, ein Handwerker, welcher Schuhe, Stiefel ze. 
verfertigt, gem. Schufter; daher die Schuhmacherinn, Berfertigerinn von 
Schuhen, od. Schuhmachersfrau; das Schuhmacherhandwerf, -gewerk ıc. ; 
der Schuhmachermeifter, -burfche, = gefell 2c.; der Schuhmarft; der 
Schuhnagel, eiferne od. hölzerne Nägel, welche in die Abfäge der Schuhe 
gefchlagen werden; die Schuhneftel, f. Neftel; die Schuhpinne, (. Pinne) 
ſ. v. w. Schuhzwede; der Schuhpußer, wer Anderer Schuhe ıc. für Lohn 
reinigt, überh. ein geringer Bedienter od. Knecht; der Schuhriemen, Rie- 
men zum Zubinden der Schuhe (ſprichw. nicht werth fein, einem die Schuh- 
riemen aufzulöfen, d. i. ihm weit nachftehen oder untergeordnet fein); der 
Schuhſchacht, ſ. o. Schuhbalken; die Schuhfchmiere, das Schuhwachs, 
die Schuhwichſe, ſ. Schmiere, Wichſe ꝛc.; die Schuhſchnalle, ſ. Schnalle; 
die Schuhſohle, ſ. Sohle; das Schuhwerk, Schuhe u. andere Schuhma— 
cherarbeit: der Schuhwichfer, wer Schuhe wichſet, Schuhpuger; die 
Schuhzwecke, eiſerne Zwecken (f. d.) zur Befeſtigung der Sohle u. des Leders 
auf die Leiften; — Ableit. ſchuhen, ziel. Zw. (altd. schuohen), mit Schu— 
hen verfehen, nur im Mw. gefchuhet, außerdem gew. befhuhen; 
ſchuhig, Bw. (oberd. fchühig), einen oder mehre Schuh (als Längenmaß) 
haltend, in Zſetz. wie ein- zweifchuhig . .. 

Schuhu, m., —s, landich. f. Uhu, vgl. Schufut. 
ſchük, Bw. (vgl. fchieg) niederd. f. ſchräg, abhängig. 

Schulamt, =anftalt ı.. — Schulbuch, |. unter Schule. 

Schuld, w., M.-en, (goth. skulds, auch als Bw. f. ſchuldig; alth. 
sculd, M. sculdi; mittelh. schult u. schulde, M. schulde; isländ. u. ſchwed. 
skuld, angelſ. scylde; von dem goth. u. altd, skulan, scolan, schullen, ſchollen 
f. ſollen), eig. das Sollen oder mas man foll, daher überh. das Verhältniſs 
der durch ein Thun auf fich geladenen Verpflichtung od. der Verantwort— 
lichkeit, des Haftens für die Folgen des Gethanen; insbef. 1) das Be— 
wirkende, die wirkende Urfache, mit dem Nebenbegriff der Verbindlichkeit od. 
Verantwortlichkeit für das Bewirkte, daher bef. fofern diefes ein Über ift 





NETTE RENT BEE DEE EEE 


Schuld 809 


(gew. nur in der Einheit; 3. B. einem etwas Schuld geben, ihm die Schuld 
beimeflen , zufchreiben 2c., die Schuld auf ihn fchieben, d. i. ihn für die wir- 
kende Urfache erklären; die Schuld Liegt an mir; ich habe feine Schuld daran; 
es ift nicht meine Schuld; eö ift durch, oder ohne meine Schuld gefchehen; die 
Schuld von etwas tragen, auf ſich nehmen; der Tod ift der Sünde Schuld, 
d. i. die Eünde hat ihn bewirkt; auch die Natur eines Bw. annehmend, finnv. 
fhuldig: an etwas Schuld (oder ſchuld) fein; er ift an meinem Un- 
glücke Schuld; uneig. aud) von Sachen, 3. B. das ungünftige Wetter ift an 
feiner Krankheit Schuld; bisw. aud) in gutem Sinne: id bin Schuld, 
dafs die Sache zu Stande gekommen iftz — in der Mehrh. nur nad) zu: 
fi etwas zu Schulden Eommen laffen, d. i. von einem Übel die Urſache 
fein; mir kommt dabei nichts zu Schulden); 2) das Gethane, Begangene 
in Anfehung der Verbindlichkeit zum Erſatz, zur Buße od. Strafe, daher bef. 
f. Vergehen, Verbrechen (mit Schuld beladen; vergieb uns unfere Schuld 
oder Schulden; jede Schuld rächt ſich auf Erden; der Übel größtes ift die 
Schuld ꝛc.; ehem. überh. f. das Thun, die Verwirklichung, in der Redensart: 
zu Schulden Eommen f. wirklich werden, Statt haben, der Fall fein); 3) die 
Berbindlichkeit, Pfliht, Schuldigkeit (z. B. Verſprechen macht Schuld; 
ich bin noch in feiner Schuld, d. i. ich habe noch eine Verbindlichkeit gegen ihn; 
uneig. die Schuld der Natur bezahlen, f. fterben; chem. von Schulden f. 
pflichtgemäß, mit Recht, billiger Weife); insbef. die Verbindlichkeit gegen 
einen Gläubiger u. der Gegenftand derfelben: das, was man zu erftatten 
verpflichtet ift, die zu bezahlende Geldfumme, (Schulden machen, d. i. durd) 
Geldleihen Verbindlichkeiten auf fi laden; in Schulden fein, fteden; feine 
Schuld bezahlen, abtragen, entrichten; ſprichw. wer feine Schulden bezahlt, 
verbeffert feine Güter; einem eine Schuld erlaffen; es haften Schulden auf 
dem Grundftüce 2c.); auch von Seiten des Gläubigers f. ausftehende Gelder, 
Forderungen (ausftehende Schulden; eine Schuld einziehen;. Schulden ein» 
fordern, eintreiben 26.); — 3fes. von Schuld u. Schulden: ſchuldbefleckt, 
beladen, -belaftet zc., Biw., mit Schuld, d. i. Vergehen, beladen 2c.; fchuld- 
bewufft, Bw., der Cchuld, d. i. des Vergehens zc. fich bewufft; der Schuld- 
‚ brief, ſ. v. w. Schuldfchein, -Verſchreibung; das Schuldbuch, Bud, zur 
Aufzeichnung von Schulden, bef. ausftehenden Geldern; der Schuldbürge, 
wer für eines Andern Schulden Bürgſchaft Leiftetz die Schuldforderung, 
Einforderung einer ausftehenden Schuld; auch f. ausftehende Schuld; ſchuld— 
od. gew. fehuldenfrei, Bw., Keine (Geld -) Schulden habend; das Schuld- 
od. gew. Schuldengericht, Gericht, welches in Schuldklagen entſcheidet; der 
Schuldheiß, (ſ. Schultheiß); die Schuldflage, gerichtl. Klage gegen einen 
nicht zahlenden Schuldner; die Schuldenlaft, drüdende Menge von Schul 
den; ſchuldlos, Bw., frei von Schuld, d. i. Vergehen, finnv. unfchuldig ; 
die Schuldlofigkeit; der Schuldenmacher, wer (bef. Leichtfinnig) Schulden 
macht; der Schuldmann, M. männer u. leute, gem. f. Schuldner; die 
Schuldenmaſſe, die fimmtlihen Schulden (vgl. Maffe); das Schuldopfer, 
bibl. ein Opfer für ein Vergehen (Sündopfer) , insbef. für eine Unterlaffungs- 
ſünde; die Schuldpoft (f. Poſt 1), eine Geldfumme, welche man fchuldig 
ift, oder zu fordern hat; die Schuldfache, eine (bef. gerichtliche) Sache, 
welche eine Schuld betrifft; der Schuldfchein, Schriftliche Befcheinigung einer 
Geldſchuld (fr. Obligation); der Schuldthurm, Gefängnifs fir böfe Schuld» 


810 Schule 


ner; der Schuldvogt, ehem. f. Schuld - Eintreiber (fr. Executor); fehuld- 
vol, Bw., viele, große Schuld habend, fehr fchuldig, entg. ſchuldlos; das 
Schuldenwefen, Alles, was die Geldfchulden, deren Bezahlung ꝛc. betrifft; — 
Ableit. fehulden, ziel. Zw. (altd. sculdön, schulden; angelj. scyldan), 
einem etwas—, fhuldig fein, eine Schuld zu entrichten haben (4. 8. 
er fchuldet mir 100 Thlr.); fchuldhaft, Bw., vit. f. ſchuldig, verpflichtet; 
befchuldigt, angeklagt; fehuldig, Bw. (altd. schuldie, schuldec), eine 
Schuld, d. i. ein Vergehen od. Verbrechen, auf fich habend, Schuld an 
etwas feiend (ſich fchuldig willen; der Schuldige, entg. dem Unfchuldigen; 
auch mit dem Gen. der Sache: eines Vergehens, eines Mordes zc. fchuldig 
fein; ehem. auch: an einer Perfon oder Sache fchuldig fein, d. i. fih an ihr 
verfündigt haben); zur Erduldung der Folge des Begangenen, der Strafe x. 
verpflichtet, mit dem Gen. (er ift des Todes fchuldig, d. h. er hat die Todes— 
ftrafe verdient); eine Verbindlichkeit auf fich habend, verbunden, ver— 
pflichtet (z. B. die Kinder find ſchuldig, den Altern zu gehorchen), bef. einem 
etwas fchuldig fein, d. i. verpflichtet, es ihm zu erweifen, zu erſtat— 
ten (die Kinder find ihren Ültern Gehorfam, Dank zc. ſchuldig; insbef. Geld 
od. Geldeswerth, z. B. er ift mir zehn Thaler ſchuldig; die Abgaben, Gebühr 
ren fchuldig ſein; viel fchuldig fein, d. i. viele Schulden haben; auch: etwas 
fhuldig bleiben, d. i. nicht erftatten od. abtragen; uneig. einem bie Ant— 
wort fchuldig bleiben, d. i. keine Antwort geben); von Sachen: in einer 
Berbindlichkeit od. Pflicht gegriindet, verdient, gebührend (z. B. einem die 


- 


fhuldige Achtung, den ſchuldigen Gehorfam zc. verfagen;z die fchuldige Summe; . 


die ſchuldigen Binfen 2c.); die Schuldigfeit, der Zuftand des Schuldig- 


od. Verpflichtetfeins, finnv. Verbindlichkeit; dasjenige, mas man einem 


Andern zu leiften verbunden ift, ſinnv. Obliegenheit, Pflicht (feine Schul- 
digkeit thunz etwas von Semand als eine Schuldigkeit fordern); gem. auch 
f. eine ſchuldige Geldfumme; fchuldigen, ziel. Zw. (mittel. schuldegen), 
einen—, vlt. f. ihm etwas Schuld geben, ihn anklagen, befchuldigen; 
auch: der Schuld überführen; der Schuldiger, -8, 1) (mittelh. schulde- 
gaere) vlt. f. Befchuldiger, Ankläger; 2) bist. wer eine Schuld gegen 
Semand auf fich hat, Schuldner, Beleidiger (—wie wir vergeben unfern 
Schuldigern); der Schuldner, -8, die Schuldnerinn, M. -en, (von ſchul⸗ 
den; alfo f. Schulder; vgl. Bildner v. bilden), wer einem Andern etwas 
fhuldig, d. i. zu leiften verpflichtet ift (Shre Güte macht mich zu Ihrem 
Schuldner), insbef. wer Geld oder Geldeswerth fihuldet, entg. Gläubiger 
(feine Schuldner mahnen 20.5 ehem. gebrauchte man Schuldner f. Gläu— 
biger). 

- Schule, w., M.-n, (altd. scuola, schuole; oberd. Schuel, nieberd. 
Scoole, ſchwed. skola, engl. school, franz. Ecole, fämmtlid vom lat. schola, 
u. diefes dv. griech. 07047, Muße, und Verwendung derfelben bef. zu wiſſen— 
ſchaftl. Befchäftigungen), 1) überh. jede Lehr od. Bildungsanftalt zur Erz 
lernung von Wiffenfchaften, Künften od. Fertigkeiten, u. der Drt einer fols 
hen Anftalt, das Schufgebaude, (eine hohe od. Hoch-, gelehrte od. Ger 
lehrten-Schule; niedere Sch.; Öffentliche, od. Privat-Schule; Lefe-, Schreibs, 
Rechenſchule 2c.; Zeichen-, Singe-, Fecht-, Neit-, Zanzfchule, Nähſchule u. 
dal. m.; in der Schule wohnen, d. i. im Schulgebäude; vgl. aud Juden: 
Thule; ehem. jede einzelne Klaffe einer Gelehrtenfchule, daher: die erſte, 





Schule s11 


zweite Schule 2e.; alle Schulen durchlaufen 2c.); uneig. jede Veranftaltung 
0d. Gelegenheit, etwas zu lernen od. zu etwas gebildet zu werden (z. ©. 
eine Schule des Gehorfams, der Geduld 2c.); in weitefter Anwendung aud) 
der Det, wo Gewächſe gezogen werden (Pflanz-, Baumfchule); 2) in en— 
gerer Bed. eine niedere Schule (z. U. v Univerfität, Akademie zc.) zur Erz 
lernung der nöthigften Fertigkeiten und der Anfangsgründe der MWiffen- 
fhaften u. Sprachen (eine Stadt, Bürger-, Dorf- oder Land-, SKinaben- 
od. Mädchenſchule; Freifchule zc.; in die Schule gehen, die Schule befuchen; 
ein Kind in die Schule ſchicken, zur Schule halten 20.5 aus der Schule 
ſchwatzen, uneig. f. etwas ausplaudern, verrathen); 3) die Verfammlung 
des Lehrers und der Kernenden in folchen niederen Schulen, u. der ertheilte 
Unterricht (Schule halten; die Schule anfangen, fchliegen; die Schule ift 
aus; heute ift Eeine Schule; die Schule verfäumen, gem. ſchwänzen, auch: 
hinter od. um die Schule gehen); 4) die Schüler einer Schule, die Schüler- 
[haft (z. B. die ganze, od. die halbe Schule folgte der Leiche 2c.); in weiterer 
Anwendung die fammtlichen Schüler, Freunde u, Anhänger eines Lehrers 
od. Meifters einer Wiffenfhaft oder Kunft, Hinfichtlich der Eigenthümlich- 
keit ihrer Lehre od. Kunftübung (4. B. die Schule des Plato; die Sofratifche, 
die Stoifche, die Hegel'ſche Schule 2c.; die Schule Raphael's 2c.), auch die 
Folge der fammtlichen Maler eines Landes, einer Provinz zc. hinfichtlich ihrer 
Übereinftimmung in Kunftart u. Gefhmad (zZ. B. die römifche, lombardiſche, 
venetianifche, deutfche, niederländifche Schule 2c.); 5) das in der Schule 
Erlernte, Angebildete, Schulbildung, überh. Eunftmäßige Bildung (. 8. 
er hat nichts, als ein wenig Schule; die Sängerinn hat Feine Schule, d. i. 
ihre Anlagen find nicht Eunftmäßig ausgebildet; das ſchmeckt od. riecht nach 
der Schule, d. i. man merkt, dafs es etwas Angelerntes ift); Reit. Schulen, 
die regelmäßigen u. Eünftlichen Gänge eines Pferdes (ein Pferd alle Schu— 
ten machen laffen); — 3feg. das Schulamt, Amt bei einer Schule, Lehr: 
amt; auch ein Kammeramt, deffen Einkünfte zum Unterhalt einer Schule be- 
ftimmt find; die Schulanftalt; der Schulauffeher (fr. Schul -Infpector, 
Scholarch); die Schulaufficht; die Schulbank, Bank für die Schüler; 


der Schulbube, oberd. f. Schulfnabe, Schüler; das Schulbuch, in Schufen 


gebrauchtes Lehrbuch; der Schuldiener, Aufwärter bei einer Schule; der 
Schuldienft, ein geringes Schulamt; die Schulfeier, + feierlichkeit, das 
Schulfeſt, eine in der Schule öffentlich angeftellte Feierlichkeit, z. B. bei Prü— 
fungen 20. ; der Schulfreund, 1) ein Freund, Gönner, Beförderer der Schu: 
len u: des Schulweſens; 2) wer von der gemeinschaftlich befuchten Schule her 
Jemands Freund ift, weibl. die Schulfreundinn; die Schulfreundfchaft, 
Freundſchaft von der Schulzeit her; der Schulfuchs, ſpöttiſch f. neuer Anz 
tömmling auf hohen Schulen (vgl. Fuchs); gew. f. ein fteifer Gelehrter ohne 
Weltkenntnifs u. gefellige Bildung (fr. Pedant); die Schulfuchferei, die Ei- 
genfchaft, das Weſen, auch eine einzelne Lußerung od. Handlung eines Schul- 
fuchfes (fr. Pedantismus od. Pedanterei); das Schulgebäude; der Schul- 
gefährte, -genoffe, ehem. =gefelle (fr. -Kamerad), Mitfhüler; das Schul- 
geld, für den Schulunterricht bezahltes Geld; fchulgerecht, Bw., den Regeln 
der Schule gemäß; insbef. nad) den Regeln der Reitkunft gebildet (ein ſchul— 
gerechtes Pferd 2c.); der Schulhalter, die Schulhalterinn, wer eine (Pri⸗ 
vat⸗) Schule Hält, od. einer niederen Schule, bef. auf dem Lande, vorfteht; 


812 Schule 


das Schulhaus; der Schulherr, oberd. der Vorfteher einer Lateinifchen 
Schule; auch f. Schulauffeher (Scholard) ; das Schuljahr, die Schuljahre, 
die Jahre, während deren man die Schule befucht; die Schulfenntnifs, bei. 
M. »Eenntniffe, auf der Schule zu erlangende Kenntniffe; das Schulfind, 
Kind, welches eine niedere Schule befucht, fo auch: der Schulfnabe, das 
Schulmädchen; die Schulklaffe, f. Kaffe; die Schulfrankheit, ſcherzh. 
eine vorgefhüste Krankheit, um fi) dem Beſuche der Schule, od. uneig. einem 
unangenehmen Geſchäfte zu entziehen; fchulfranf, Bw., die Schulkrankheit 
habend; der Schullehrer, Lehrer an einer (öffentlichen) Schule; daher das 
Schullehreramt, die Schullehrerftelle 2c.; der Schulmann, ein Mann, 
welcher fi dem Schulwefen und bef. dem Lehrer-Beruf gewidmet hat; fchul- 
mäßig, Bw., der oder einer Schule gemäß, nad) Art einer Schule; der 
Schulmeifter, ehem. jeder Lehrer, u. be. der erfte Lehrer einer öffentlichen 
Schule; in den Domftiftern die Stiftsherren, welche den Unterricht der Jugend 
beforgten (fr. Scholafter, Scholafticus) ; jegt nur noch f. Lehrer einer niederen 
Schule, bei. auf dem Lande (Dorfſchulmeiſter), deſſen Ehefrau: die 
Schulmeifterinn; fchulmeiftern, untrb. ziellof. u. ziel. 3w., ein Schul- 
meifter fein; gew. uneig. fcherzh. f. den Schulmeifter fpielen, im Zone eines 
Schulmeifters abfprehen; einen—, ihn auf anmaßende Art belehren, mei- 
fiern, tadeln; die Schulordnung, Einrichtung einer Schule; obrigkeitl. 
Verordnung in Betreff derjelden; das Schulpferd, ein auf der Reitfchule be 
findliches, od. fchulgerecht zugerittenes Pferd; der Schulpları, Entwurf zur 
Schuleinrihtung; die Schulprüfung, öffentl. Prüfung der Schüler (fr. 
Examen); der Schulrath, eine den Schulen vorgefegte Behörde (fr. Schul 
Collegium), u. ein einzelnes Glied einer folchen; die Schulrede, Rede, auf 
Schulen bei feierlichen Gelegenheiten gehalten; der Schulfattel, eine Art 
Sättel für diejenigen, welche reiten lernen; das Schulfchiff, ein ausgerüftetes 
Schiff, auf welchem die Zöglinge einer Seefchule die Handhabung eines Schiffes 
lernen; die Schulfchrift, eine das Schulweſen betreffende Schrift; bef. eine 
von dem Vorfteher od. einem Lehrer der Schule verfaflte Einladungs= od. Ge- 
Vegenheitsfchrift (fr. Programm); der Schulflaub, der in den Schuiftuben 
entftehende Staub; uneig. f. die Beſchwerden des Lehrerftandes (4. B. im 
Schulſtaube Leben); die Schulftelle, Stelle bei einer Schule, Schulamt; die 
Schulftube, Lehrzimmer in einer Schule, au) das Schulgimmer, der 
Schulfaal; die Schulftunde, Lehrſtunde in der Schule; die Schulübung; 
der Schulunterricht; die Schulverfaffung; der Schulvorfteher, (fr. 
Director); die Schulweide, landſch. f. Hartriegel; der Schulweife, ein 
Schulweifer, ein durch die Lehre der Schule Weiler, Schulgelehrter; bef. 
Anhänger einer beftimmten (Philofophen-) Schule; die Schulweisheit, Weis— 
heit, wie fie die Schule lehrt, entg. Lebensweisheit; be. die Lehre einer bes 
ftimmten (Philofophen-) Schule; das Schulwefen, Alles, was die Schulen, 
deren Einrichtung ꝛc. betrifft; die Schulwiffenfchaft, bei. M. -en, auf 
(höheren) Schulen gelehrte Wiſſenſchaften; der Schulwiß, in Schulen oder 
durch Unterricht erlangter, angelernter Wig, meift verächtl. entg. dem natür- 
lichen od. Mutterwig; die Schulzeit, die Zeit, während welcher man bie 
Schule befuht; das Schulzimmer, ſ. Schulftube; die Schulzucht, Zucht 
(f. d.) in der Schule (fr. Disciplin); — Ableit. fchulen 1. ziel. 3m., 
einen—, in der Schule lehren; (oberd. u. ſchweiz. bef. ein Kind in die 











ſchulen — Schulter 813 


Schule ſchicken, oder unterrichten laffen); überh. unterrichten, bef. zu einer 
Kunftfertigkeit geſchickt machen, abrichten (ein Pferd— ; außerdem gew. nur 
im Mw. gefchult); daher der Schuler, wer Andere fchult, lehrt; ſchwäb. 
u. fchweiz. bef. f. Hauslehrer; — der Schüler, —s, (oberd. Schueler), die 
Schülerinn, M. -en, wer in einer Schule Unterricht empfängt (z. 8. ein 
Schüler der erften, zweiten Klaffe einer Gelehrtenfchule); in engerer Bed. 
wer eine niedere Schule oder Schulklaffe befucht, ſinnv. Schulkind, 
Schulfnabe ıc. (entg. Gymnaſiaſt, Student 2c.); in weiterer Bed. Je— 
der, der in einer MWiffenfchaft od. Kunft eines Andern Unterricht em— 
pfangen hat oder durch ihn gebildet worden ift, im Verhältniffe zu diefem 
feinem Lehrer oder Meifter (Platon’s Schüler; diefer Maler ift ein Schüler 
Raphael's ꝛc.); fchülerhaft, ehem. auch ſchüleriſch, Bw., einem Schüler, 
d. i. einem Anfänger, ähnlich od. gemäß, auch ſchülermäßig, unvollkom— 
men, mangelhaft, entg. meifterhaft, (eine ſchülerhafte Arbeit); die Schüler- 
haftigkeit, fchülerhafte Befchaffenheit. 

ſchulen 2. zielof. Zw., 1) (mittelh. schälen, niederd. auch ſchulken, Hol. 
schuilen, engl. sculk, ſchwed. skiolka; isländ. skiola, bededen, verbergen; 
vgl. Schild), alt u. niederd. f. fich verbergen, verborgen halten, in einem 
Schlupfwinkel lauern; daher ſchulen laufen f. weglaufen und ſich ver- 
fteen, bef. um fich feiner Pflicht zu entziehen, (Schiff. uneig. der Wind läuft 
ſchulen, d. i. fängt an, ftill zu werden); der Schulenläufer, f. ein Kind, 
das fich verftect und die Schule verfäumt (niederd. auh Schulter); der 
Schulort, f. Schlupfwinkel; 2) niederd. f. fchielen, feitwärts fehen; da— 
ber: ſchulſch (ſchuliſch), Bw. f. fcheu (von Pferden); auch f. plump, un— 
geſchickt. 

Schüler ꝛc. ſ. unter Schule. 

fhulfern, Zw., niederd. 1) f. fhelfern, fchilfern; 2) f. fhlottern, un= 
bedachtfam verfahren. 

Schulfreund, -fuchs ꝛc. — Schulprüfung, f. unter Schule. 

Schulpe od. Schülpe, w., M. -n, niederd. (auh Schelpe, holl. 
schelpe; vgl. d. engl. scallop, scollop, Kammmuſchel) f. Schelfe, Schale, 
bef. Mufchelfchale; das vordere löffelähnliche Ende eines Schulpbohrers, 
ſ. u.; Schiff. eine hölzerne kegelförmige Kappe über dem Loche, durch welches 
das Ankertau fährt; fchulpen od. fehülpen, 1., ziellof. Zw., niederd. f. 
ſich ſchelfern od. fchilfern, fich abblättern; der Schulpbohrer, ein Boh— 
rer, deſſen Schneide die Form einer hohlen Halbwalze hat, Löffelbohrer; die 
Schulpfäge, eine Säge mit vieredigem Rahmen, in deffen Mitte ſich das 
Blatt befindet. 

fchulpen od. ſchülpen 2. Zw. (ein Schallw.) niederd. 1) ziellos, von einer 
Flüffigkeit in einem Gefäße: in ſchwankender Bewegung fein, ſich fchütteln; 
2) ziel. eine Flüſſigkeit ſchütteln, verfchitten, übergiefen; der Schulp, 
niederd. fo viel von einer Flüffigkeit bei fchüttelmder Bewegung auf einmal 
über den Rand des Gefäßes ſchlägt; fo viel man auf einmal an die 
Speife gieft, ein Gufs (z. B. Effig, Wein). 

- Schulrath ıc. — Schulftunde, ſ. unter Schule. 

Schulter, w., M. -n, (altd. scultara, scultirra, scultra; schulter; 
niederd. Schuler; ſchwed. — angelſ. sculder, engl. shoulder; vielleicht 
von gleichem Stamme mit Shin, ſ. d., alſo: Bededung?), die erhabenen, 


814 Schultheiß — Schund 


breiten Theile unterhalb der Achſeln zu beiden Seiten des Rückens, beſ. am 
menſchl. Körper (etwas auf die Schulter nehmen, auf den Schultern tragen); 
auch der Obertheil der Vorderbeine mancher Thiere, z. B. der Pferde, 
Schweine 2c.; Feſtungsb. das Stück eines Bollwerkes zwiſchen der Geſichts— 
linie u. der Streiche; — Zſettz. das Schulterband, Anat. verſchiedene Bän- 
der der Schulterknochen; das Schulterbein od. der Schulterknochen, die 
Beine, welche die Schulter ausmachen; das Schulterblatt, das breite, 


dreieckige Schulterbein unmittelbar unter der Achſel; der Schultergrat, die 


Erhöhung auf der hinteren Fläche des Schulterblattes; das Schulterkiſſen, 
ein Kiſſen, die Schultern daran zu lehnen, z. B. in einem Wagen; das 
Schultertuch od. -kleid, ein über die Schulter herabhangender Theil der 
Kleidung Eathol. Geiftlicher (fr. Humerale, Scapulier); der Schulterwinkel, 
Kriegsb. der Winkel an der Schulter eines Bollwerkes; — Ableit. ſchul— 


terig, Bw., Schultern habend, nur in den Zfeg. breit=, hochfchulterig; - 


fhultern, ziel. 3w., auf die Schulter nehmen, nur von den Soldaten: 
das Gewehr—. 

Schultheiß (gew. ald Schuld heiß), m., -en, M. -en, (altd. scultheizo, 
schultheize; angelf. scultheta; mittl. lat. sculdasius, scultetus; gem. zgez. 
Schulze, niederd. Schulte; — von Schuld u. heißen, d. i. gebieten, 
alfo eig. wer zur Leiftung der Schuldigkeit od. Pflicht anhält; daher ehem. f. 
Schuldeintreiber, Auffeher, Verwalter, Feldhauptmann 2e.), ein Orts- oder 
Gemeindevorfteher, in einigen Städten f. v. w. Bürgermeifter, u. bef. auf 
dem Lande: der Vorgefegte einer Dorfgemeinde, der die gute Ordnung auf- 


recht zu erhalten, die Befehle des Gerichtsherrn zu vollziehen hat 2c., gew. 


Schulze, auch Bauermeifter, Dorfrichter ıc. genannt; ferner wer an einem 
Drte die Gerechtigkeit handhabt, der Vorgefegte eines Gerichts, auch 
Vogt genannt, (Stadtſchultheiß; Reichsſchultheiß, ſ. d.); das Schultheißen- 
amt, gericht, die Schultheißenwohnung ıc. 

Schulübung ꝛc. — Schulzucht, f. unter Schue. 

Schulze od. Schulz, m., -en, M.-en, (niederd. Schulte, welches 
auch den oberften Knecht auf adeligen Gütern bezeichnet; hol. schout), ſ. v. w. 
Schultheiß (f. d.), bei. auf Dörfern GGorfſchulze); das Schulzenamt, 
«gericht 2.5; das Schulzenlehen, Belchnung mit einem Schulzengerichte; 
die Schulzinn, Ehefrau des Schulzen. 


ſchummeln, 3w. landſch. gem. 1) ziellos f. zwecklos umherlaufen; nach- i 


läſſig, unordentlich u. fhmusig einhergehen; 2) ziel. niederd. f. feheuern, 
rütteln; oberd. einen—, f. antreiben, jagen, plagen (vgl. befchummeln); 
die Schummel, M.-n, Yandfch. gem. f. eine nachläffige, fehlotterig ein- 
hergehende, od. auch zwecklos und wild umbherlaufende weibl. Perſon (nie 
derd. Schummelfe); oberd. überh. verächtl. f. Weibsperfon (auch Schumpel, 
mittelh. schumpfe) ; fhummelhaft, Biw., niederd. f. nachläffig in der Klei- 
dung und Körperhaltung. 

Schummer, m., -$, niederd. f. Schimmer (f. d.), Dämmerlicht, bef. 
Abenddämmerung; fehummern, ziellof. Zw. f. fhimmern, dämmern; 
f[hummerig, Bw., f. dämmerig. 

Schund, m., -es, 0. M. (von fehinden), gem., eig. das Gefchundene, 
der Abfall beim Schinden, Schälen, Schaben, z. 8. Gerb. das von den 
Häuten abgefhabte Fleiſch; in weiterer Bed. f. Auswurf, etwas Berwerf: 








ſchunden — Schuppe 815 


liches, Schlechtes, vollig Unbrauchbares; landſch. auch f. Unflath, Koth; 
daher die Schundgrube f. Kothgrube (fr. Gloake); der Schundfeger, wer 
die Schundgruben u. Abtritte reinigt (landfch. auch Schundkönig); fchun- 
dig, Bw., landſch. gem. f. [hmusig, erbärmlich; karg, Enauferig; ſchun— 
den 1., fehundeln, 3w., oberd. f. wühlen (ausfhundeln). 

fehunden 2. od. ſchünden, ziel. Zw. (altd. scundan, scuntan, aus scun- 
tian entft., alfo Ableit. von sgintan, scunt, finden, in der allgem. Bed. auf 
reißen, verlegen; vgl. reizen und reißen; niederd. auch ſchunnen; angelf. 
scynnan, dän. skynde), alt u. landſch. f. reizen, antreiben, verloden zum 
Böfen. 

Schuner, m., -8, ſ. v. w. Schooner od. Schoner, f. d. 

ſchunkeln, 3w., landſch. f. ſchaukeln; die Schunkel, f. Schaufel, 
Schwinge. 

Schunfen, m., -$, (niederd. Schunke) landſch. f. Schinken; gem. 
verächtl. f. Schenkel, Bein. 

Schupfe, Schupfen, w., od. Schupfen, m., oberd. f. Schoppen 1.,f. d. 

fchupfen, oberd., ſchuppen nieverd., auch fchuppfen, ziel. Zw. (altd. 
scuphen, schupfen; verw. mit fchieben, ſ. d., ſchwed. skufwa), gem. f. ftoßend 
fehieben, fortftoßen, mit kurzem Schwunge aus dem Gleichgewicht brin= 
gen u. bewegen, fchnellen (4. B. einen auf die Geite, ins Wafler 2.—; 
oberd. bef. einen mit der Schupfe (f. u.) wiederholentlid ins Wafler ſchnel— 
len; fih ſchupfen, f. ſchaukeln; die Achfel—, f. zuden); uneig. oberd. 
einen vom Lehen fchupfen, d. i. entfernen (f. u. Schupflehen) ; einen ſchupfen 
od. niederd. ſchuppen f. zum Beften haben, neden, betrügen (daher: bes 
ſchuppem; gefhupft (od. verfchupft), oberd. vom Brode: durch zu 
große Backhitze aufgedunfen u. abgebaden; von Menfchen f. albern, närriſch; 
der Schupf, oberd., od. Schupp, Schupps, niederd., -e8, M. -e, (oberd. 
auch der Schupfer) f. das Schupfen, der fehiebende od. fchnellende Stoß; 
uneig. ein empfindlicher Betrug; die Schupfe, M.-n, alt und oberd., 
Schleudermaſchine, Schnellgalgen, mittelft deffen man Semand zur Strafe 
mehrmals ins Waffer fehnellt, u. diefe Strafe ſelbſt; das Schupflehen, oberd. 
ein nur auf Lebenszeit verlichenes Lehen, aus deffen Befig die Erben des Lehns— 
manns gefhupft (d. i. geftoßen, entfernt) werden, Fallgut; die Schupf: 
nudel, ſchwäb., mit den Händen länglich rund gewälzte Nudeln (auch Schutz— 
nudeln, f. u. fchugen). 

Schuppe, w., M. -n, Verkl. das Schüppchen, (altd. scuobba, schuope, 
oberd. Schueppen; v. scaban, schaben, Prät. scuob, schuop, ſ. f&haben, 
alfo eig. was abgefchabt wird; niederd. Schubbe, val. ſchubben; holl. schob, 
schub), die Eleinen, dünnen Schilde von fefter Maffe, welche den Körper 
der Fifhe u. Schlangen bedecken; in weiterer Anwendung denfelben ähn— 
liche Körper od. Körpertheile, bei. Sofern fie zur Bedeckung dienen, insbef. 
die ſich ſchuppenähnlich abblätternden Theile der Haut, eines Hautausfchlages ze. 
(daher uneig. die Schuppen fallen ihm von den Augen, d. i. er fieht jet klar 
ein, was er früher nicht richtig erkannte); Anat. ein flach gewölbter Theil des 
Scläfenbeines (au: dad Schuppenbein oder der Schuppentheil); 
Pflanz. die Eleinen Blättchen, welche das Käschen bedecken; Naturf. eine Art 
Bohrmuſcheln (Fiſchſchuppe); — 8 ſetz. die Schuppendede, aus Schuppen 

beftehende Dede; die Schuppen Ente, ein entenartiger Vogel in Amerika; 


x 


816 Schüppe — Schur 


der Schuppenfifch, mit Schuppen verfehener Fiſch, z. U. v. den ſchuppen— 
loſen; die Schuppenflechte, aus fchuppenähnlichen Blättchen beftehende 
Flechten; fehuppenförmig, Bw.; das Schuppengras, ein ausländ. Pflan- 
zengefchlecht, deffen Ührchen wie Schuppen über einander liegen (ischaemum L.); 
der Schuppengrind, in Schuppenform abfallender Grind; fehuppenlos, _ 
Bw., Feine Schuppen habend; die Schuppenmufchel, Rieſenmuſchel; die 
Schuppennath, Anat. die Nath, welche den oberen Rand der Schuppe (f. 0.) 
mit dem unteren Rande (Schuppenrand) des Scheitelbeines verbindet; 
der Schuppenpanzer, ein Panzer aus Kleinen fchuppenförmigen Blechen, die 
wie Schuppen über-einander liegen; die Schuppenraupe, Raupe mit ſchup— 
piger Haut; der Schuppenrüden, eine Art Seeraupen; die Schuppen- 
fchlange, Schlangen, welche Feine Schilde, fondern Schuppen am Bauch ha- 
ben, Aalfchlange, (Arten find: die gehörnte, die langgeſchwänzte, gefledte zc. 
Schuppenſchlange, die Natterfhlange, Blindfchleiche 2c.); der Schuppen- 
ſchwamm, eine Art Löherfhwämme an Baumftämmen; das Schuppen- 
thier, eine Gattung Säugethiere, deren Oberkörper mit Schuppen bededt if, 
in Oftindien, China 2c.; auch ein Eleines mit filberfarbenen Schüppchen be 
decktes Infeet: Schuppenthierchen, Silbermotte; die Schuppenwurz, od. 
-wurzel, eine Pflanzengattung, deren Wurzel mit Schuppen bedeckt ift (squa- 
maria L.); bef. die auf feuchten Plägen wachfende Art (lathraea squamaria L.), 
aud) Zahnwurz, Zahnkraut, Fraipamkraut ꝛc.; — Ableit. ſchuppen, ziel. 
u. rüdz. 3w. 1) mit Schuppen verfehen, gew. nur im Mw. gefhuppt; 
2) (oberd. ſchueppen, ſchüeppen; niederd. ſchubben) der Schuppen berauben, 
abſchuppen (Fiſche); fih—, in Schuppenform abfallen, fich abblättern 
(die Haut ſchuppt fih); ſchuppicht, Bw., ſchuppenähnlich; fehuppig, 
Bw., Schuppen habend, mit Schuppen bededt (Fiſche, Wurzeln, Pflan- 
zenftengel 2c.). 

Schüppe, w., M.-n, (niederd. auch Schuppe, Schippe; oberd. 
Schüppen ; von f&hieben, ſchuppen, f. ſchupfen), landſch. bei. niederd. f. Schau: 
fel, Spaten, (uneig. einem die Schüppe geben, f. ihn wegftoßen, fehnell ent- 
fernen; die Schüppe befommen, niederd. f. einen Korb bekommen, f. Korb); 
Yandich. auc) eine Farbe in der franz. Spielkarte, f. v. w. Spaten (fr. Pik); 
ſchüppen, (miederd. auch ſchuppen, ſchippem, ziel. Zw. f. fhaufeln, 
mit der Schaufel ftoßen, werfen ıc. 

Schuppen, m., -8, M. w. E., f. v. w. Schoppen 1., 1. d. 

fhuppen, 3w. 1. f. ſchupfen; 2. f. unter Schuppe; 3. (auch ſchup— 
perm ſ. [hubben. 

Schuppendecke ꝛc. — -wurz, ſchuppicht, ſchuppig, ſ. Schuppe. 

Schupps, m., ſchuppſen, Zw., ſ. unter ſchupfen. 

Schur J. w., M.-en (altd. schür; von ſcheren 1.), das Scheren, und 
die Zeit, zu welcher es gefchieht (die Schafſchur; in der Schur ze.) ; oberd. 
auch) das Abmähen einer Wiefe, und das Abgemähete; der Abtrieb eines 
Waldes; überh. f. Ernte; uneig. gem. f. Schererei, Plage, unnütze Mühe 
u. Befhwerde, in dieſer Bed. landſch. der Schur, (er thut es mir zur, 
od. zum Schurz einem einen Schur anthun ꝛc.); die Schurwolle, f. v. w. 
Scherwolle. 

Schur 2. w., M.-en, (v. altd. schüren, schiuren, bedecken, ſchützen; 





fhüren — Schurke | 817 


vgl. Schauer 2), niederd. f. Schauer, Obdach; chem. Fell, Haut (daher: 
Wildfhur); — Schur 3. f. unter ſchüren. 

ſchüren, ziel. Zw. (alth. scurian, scurigan, scurgan, scurkan; mittelh. 
schürgen, schüren, schürn; oberd. u. Tdweiz. auch ſchürgen, vgl. ſchorgen; 
urſpr. überh. ſtoßen, fort-, vorſtoßen, ſchieben; vgl. ausſchüren, welches 
oberd. überh. ausſtoßen, ausmerzen bedeutet; wahrſch. von einer Wurzel scur, 
bewegen, vgl. Schauer 4), an- od. aufregen, gew. nur von brennendem Holz 
od. anderem Brennftoffe: loder über einander ftoßen od. fchieben, damit es 
ftärker brenne, finnv. ftören (das Holz, die Kohlen, das Feuer—; Bergw. 
das Grubenliht—); auch) f. Feuer anlegen, anmachen; uneig. f. heftiger 
erregen, anfachen (die Leidenfhaft u. dal.); die Schür (auch Einſchür), 
oberd. der Raum vor dem Ofenloch, das Schürloch; die Schur, Bergw. 
was von den Ofenbrüchen ausgebrochen (ausgefchürt) worden (vgl. Ge— 
ſchür); — 3fes. der Schürbaum, Stange der Köhler zum Schüren des 
brennenden Holzes; das Schlireifen, der Schürhaken, die Schürſchaufel, 
-ftange, der Schürftab, -ſtock ıc., Werkzeuge zum Schüren, bef. im Hüt- 
tenw.; der Schlirherd, der Herd im Ziegelofen, auf welchen das Holz zum 
Brennen gelegt wird; das Schürholz, Scheitholz zur Feuerung in Glashüt- 
ten; der Schürfnecht, ein Hüttenarbeiter, der das Feuer ſchürt 2c.; das 
Schürloch, Ofenloch, durch welches das Feuer geihürt wird; — Ableit. 
der Schürer, -$, in Glashütten der Arbeiter, welcher die Gluth vom 
Schutte reinigt ıc.; die Schürung, das Schüren, die Erregung, eig. 
und uneig. 

fhürfen, ziel. u. zieliof. 3m. (oberd. auch ſchurfen, ſchürpfen, ſcherpfen; 
althochd. scurfan, mittelh. schürfen, Prät. schurfte; verw. mit ſcharf, Schorf, 
fchroff ze.), alt u. oberd. überh. f. aufrigen od. =fchneiden, leicht verwunden 
(4. B. die Haut, den Bauch aufichürfen; ehem. f. ausweiden; Feuer—, f. arts 
ſchlagen); jetzt Bergw. Köcher od. Gruben in die Erde graben, um Gänge ıc. 
zu entdeden (nad) Gängen, auf Erz fchürfen) ; der Schurf, -es, M. Schürfe, 
1) Offnung, Loch; Jäg. f. Schnitt; Bergw. Grube, Schacht zur Ent— 
deckung neuer Gänge, auh Schürfſchacht; 2) landſch. f. Schorf; die 
Schürfarbeit, Bergw. Arbeit des Schürfens; das Schürfgeld, Belohnung 
für den Bergmann, der einen neuen Gang erſchürft; der Schürfhobel, landſch. 
Tiſchl. f. Schärf-, Schrothobel; der Schürfzettel, ſchriftl. Erlaubnifs des 
Bergmeifters, zu ſchürfen; — der — 8, ein Bergmann, welcher 
ſchürft; der Schürfling,. -es, M. -e, oberd. f. ein unzeitig geborenes oder 
ausgefchnittenes Kalb; auch die Bo von einem folchen Kalbe. 

jürgen, ziel. Zw. (altd. scurigan, scurgan, schurgen) oberd. f. v. w. 
fhorgen (f. d.): ſtoßen, fchieben; ſchüren; daher: ſchurigeln (f. ſchurgeln, 
fhürgeln), ziel. Zw. (niederd. [huregeln), einen—, gem. f. ohne Noth 
bemühen, beläftigen, plagen, quälen. 

Schurke, m., -n, M.-n, (niederd. Schurk; isländ. skurka, ſchwed. 
skurk; wahrſch. v. dem altd. scurkan, scurgan f. fort, wegftoßen, ſ. ſchorgen 
u. ſchüren; alſo; ein Ausgeftoßener oder Auszuftoßender; vgl. Schuft) gem. 
beleidigendes Schimpfw. f. ehrlofer, nichtswürdiger Menfch; landſch. f. 
MWildling, wilder Apfel- od. Birnbaum; der Schurfenffreich, Streich, That 
eines Schurken; die Schurkerei, Handlungsweife eines Schurken; au 


Heyſſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 92 


“ 


818 Schürl — ſchürzen * 


ſ. v. w. Schurkenſtreich (M. Schurkereien); ſchurkiſch, Bw., einem Schur— 
ken ähnlich, gemäß. 

Schürl, m., landſch. f. Schörl, ſ. d. 

ſchurren, zielloſ. Zw. (ein Schallwe; vgl. ſcharren, ſcherren), beſ. niederd. 
1) m. haben, einen dumpfen, rauhen Schall hervorbringen, beſ. indem 
man etwas auf dem Boden reibend fortzieht (mit den Füßen, mit einer Schau— 
fel ꝛc. —); ſich gleitend od. ſchleifend fortbewegen, fortrutſchen (auf dem 
Eiſe ſchurren, landſch. f. gleiten, fchleifen); 2) m. fein, ſchurrend hinab— 
falten (3. B. die Erde ift vom Rande in den Graben gefchurrt) ; die Schurre, 
M.-n, landich. f. Eisbahn, Gleitbahn. 

Schürfchaufel ꝛc. — Schürung, T. unter ſchüren. 

fhürzen, ziel. 3w. (niederd. fchorten; mittelh. schürzen, Prät. schurzte, 
f. abkürzen 20.5; von dem altd. Bw. scurz, schurz, angelf. sceort, engl. short, 
d. i. kurz; u. dieſes wahrfch. von ſcheren 1., ſchneiden; vgl. Scherz 2. u. 
kurz), ehem. f. abkürzen; von der Arbeit ablaffen (daher noch fränf. f. aus 
dem Dienft abziehen, von Dienftboten); etwas auffchieben (niederd. fchorten); 
jet in engerer Bed. 1) ein lang herabhangendes Kleid in die Höhe binden, 
fo dafs e8 Eürzer wird (ein Kleid—, auch ſich —; aufihürgen); daher 
2) überh. mittelft eines Bandes befeſtigen; einen Knoten, eine Schleife —, 
d. i. durch Binden machen, Enüpfen, fchlingen (uneig. den Knoten der 
Handlung in einem Schaufpiel ꝛc. —, entg. löfen; vgl. Knoten); 3) mit einer 
Schürze (1. u.) verfehen; — der Schurz, -es, M. Schurze, 1) ein kur— 
zes Kleidungsftück zur Bedeckung des Unterleibes, jest bei. bei Handwer— 
kern, gew. Schurzfell; oberd. f. Weiberrod, Bauernkittel; Priefterrod 
(Schürzlein; — vgl. das isländ. skirta, ſchwed. skörte, dün. skiorte, 
holl. schort, engl. shirt, .f. dünnes Unterkleid, Hemd); uneig. Jäg. das kurze 
Haarbüfchel am Hintertheile und in weiterer Bed. der ganze Dintertheil der 
Hirſche u. Rebe; über Zeuerherden f. v. w. der Mantel, f. d.; auch der un- 
terfte Theil eines Daches; 2) das zur Auffhürzung od. überh. Befeftigung 
dienende Band, das Schurzband, der Gurt, (niederd. Schorte aud f. 
Schleife, Knoten); daher Bergw. eine Kette, welche um ein Gefäß zc. gelegt, | 
od. womit das aus der Grube zu jhaffende Holz zuſammengeſchürzt wird.ze.; 
landfch. uneig. mehre mit einander verbundene Dinge einer Art, insbef. 
Landw. ein Haufen Schweine desfelben Alters, die einen eigenen Stall haben; - | 
fächl. bei gerichtl. Schäßungen der Landgüter zwei von beiden Parteien ge: | 
wählte zuſammenwirkende Schäger; — die Schürze, M. -n, Verkl. das 





fire .. 


Schürzchen, (niederd. Schorte), überh. eine um den Leib mit Bändern be— | 
‚ feftigte, dis an oder über die Kniee herabhangende Bedeckung des Vorder: \ 


leibes, bei Handw. ꝛc. |. v. w. Schurz, jedoch nur, wenn derfelbe von geweb- 
tem Zeuge ift, verſch. Schurzfell; bei. ein folches Kleidungsſtück weiblicher 





| 
Perfonen, bei geringerer Hauskleidung zur Schonung des Kleides 2c., oberd. | 
Fürtuch, Fürfleck, niederd. auch Schlippez uneig. und fpöttifch gem. f. eine \ 
weibliche Perſon; daher das Schürzenamt, gem. f. ein Amt, zu welchen 
man durch Heirath od. Weibergunft gelangt ift; der Schürzenzins, chem. das N 
Geld, welches ein Feibeigener für die Erlaubnifs zu heirathen feinem Seren | h 
geben.muffte, auch Frauengeld, Gürtelpfennig, Hemdeſchilling; — Zfeb. v. i 
Schurz und ſchürzen: das Schurzfell, Schurg oder Schürze von Leder, bei | & 


versch. Handw., oberd. au der Schurzfleck; das Schurz- od. Schürztuch, 





ſchuſcheln — Schufs 819 


ſ. v. w. Schürze; das Schurzwerk, landſch. Bauart mit über einander ge— 
legten u. in einander gefügten Balken. 

fhufcheln, Zw., landſch. f. zifcheln, flüftern; auf dem Eife gleiten. 

fchufeln od. ſchuſſeln (mit weichem ſſ), ziellof. Zw. (oberd. auch ſchu— 
Beln, von ſchießen, Schufs, d. i. fchnelle Bewegung; vergl. jedoch auch 
Thudeln), landſch. f. übereilt handeln, flatterhaft fein; die Schufel, 
M. -n, (oberd. Schußel), f. eine flüchtige, flatterhafte, Leichtfinnige 
weibl. Perſon; fchufelig, Bw. (oberd. ſchußig, ſchußlich) f. voreilig, 
übereilt, flatterhaft. 

Schufs, m., -ffes, M. Schüffe, (altd. scuz, schuz, M. scuzzi, schüzze, 
Wurf u. Wurfgefchofs ; niederd. Schott u. Schäte; isländ. skot, ſchwed. skott, 
engl. shot; von fchießen, f. d. u. vgl. Schofs), 1) das Schießen (Ziellos), 
d. i. der Zuſtand der fehnellen, heftigen Fortbewegung, finnv. Drang, 
Sturz (z. B. des Waffers, eines Stromes ꝛc.; der Vogel ift im Schuffe, d. i- 
er bewegt fich ſehr ſchnell in einer Richtung fort; uneig. mit einer Sache in 
den Schufs kommen, d. i. darin einen hohen Grad der Fertigkeit erlangen; 
vgl. Zug), insbef. das fchnelle Auffchießen, d. i. Emporwachfen @. 8. der 
Salat ꝛc., ein junger Menfch ift im Schuffe); 2) was fchießt, auf- od. an 
fhießt, od. =gefchoffen ift, insbef. oberd. f. Schofs, Schöfsling, junges 
Reis; Bergw. was an einen andern Körper angefchoffen iftz auch was einem 
andern Körper äußerlich ähnlih iſt (ſ. Eifenfhufs); am Pferdehufe der 
vordere, abichüffige Theil; 3) die Handlung des Schießens: der Schub 
(3. B. des Brodes in den Ofen; ein Schufs Brod, fo viel auf einmal in 
den DOfen»gefchoben wird), Wurf (7. B. des Geldes beim Zählen); be. der 
Wurf eines Gefchoffes (4. B. einer Lanze, eines Wurfipießes); gem. in en= 
gerer Bed. das (einmalige) Kosbrennen eines Schdeßgewehrs, od. überh. 
einer Pulverladung (Bergmw.), der damit verbundene Knall u. die dadurch 
hervorgebrachte Wirkung (ein Flinten-, Kanonenſchuſs 2e.; ein fcharfer, od. 
blinder Schufs, f. ſcharf; einen Schufs thun; es fällt ein Schufs, ſ. fallen; 
man hört Schüffe; das Thier fiel auf den erften Schufs; fprichw. weit davon, 
od. vom Ziel, ift gut vorm Schufs; einem in den Schufs Eommen od. laufen, 
d. i. in die Richtung des Schuffes); ferner das Gerroffenfein von einem 
Schuffe, die dadurch gemachte Verlegung, Wunde (einen Schufs befom- 
men; ‚einen Schufs haben, auch uneig. fcherzh. f. verliebt, oder ein wenig 
närrifch fein; Säg. die Stelle, wo ein Thier durch einen Schufs verwundet 
if); 4) was abgefchoffen wird: ehem. f. Gefchofs, Wurfſpieß ꝛc.; jest die 
Ladung eines Feuergewehres (den ganzen Schufs bekommen; den Schufs aus 
der Kanone ze. herausziehen: ein Schufs Pulver, d. i. fo viel Pulver man 
zu einem Schuffe ladet; ſprichw. er ift Eeinen Schufs Pulver werth, 1. Puls 
ver); — Z3ſetz. der Schuſs-Bartel (EN. f. Bartholomäus), oberd. gem. 
f. ein unbefonnener, od. närrifcher Menſch; die Schufsbrüde, im Mühlen: 
bau: eine eichene Bohle, über welche das Waſſer auf die Schaufeln fällt, auch 
der Schufsladen, das Gießbrett; die Schufsbühne, Bergw. ein Gerüft 
von Hölzern (Schufsbäumen), welche über den Schacht gelegt werden, 
damit nichts hineinſchieße; ſchuſsfertig, Bw., zum Schießen bereit; fchufs- 
feft, Bw., durch ein Geſchoſs nicht verwundbarz das Schufögatter, f. v. w. 
Schofsgatter, Fallgatter, Schleuſe; das Schufsgebet, oberd. f. Stoßgebet; 
das Schuſsgeld, |. v. w. Schießgeld; fehufsgerecht, Bw. von einem Pferde, 

| 52* 


820 Schüſſel — Schufter 


welches ſich vor dem Schießen nicht ſcheut; der Schuſskeil, ſ. v. w. Richtkeil, 


ſad.; ſchuſsmäßig od. ſchuſsrecht, Bw., Jäg. ſchießbar, d. i. in gehöriger 
Entfernung, um durch einen Schuſs erreicht zu werden; das Schufspferd, 
ſ. v. w. Schiefpferd; die Schufsrolle od. -hülle, Neuw. f. Patrone, ſ. d.; 
der Schufsftein, f. v. w. Schofeftein; das Schufswafler, Wundwaſſer 
zur Heilung’ von Schufswunden, Shufswundmwaffer (fr. Arquebüfabe- 
Waffer); die Schufsweide, Korb-, rothe Bandweide; die Schufsweite, 
die Entfernung, bis wohin sin Schießgewehr trägt; die Schufswunde, durch 
einen Schufs gemachte Wunde; — Ableit. die Schuffel, oberd., ſ. Schufel; 
die Schüſſel 1. (altd. scuzil), oberd. das Werkzeug, mit welchem der 
Bäder das Brod in den Ofen fehießt; der Schuffer, -$, Verkl. das 
Schüfferchen, landſch. f. Schnellkugel (j. d.), Knippkugel, Murmel ꝛc.; 
der Schufferbaum, ein oft- u. weftind. Strauchgewächs mit Schoten, in de— 
nen fi) harte, glatte Kerne in der Größe der Schuffer befinden; fchuffern, 
ziellof. Zw., mit Schnellfügelchen fpielen; ſchuſſig, ſchuſslich, Biw., oberd. 
f. voreilig, übereilt; der Schufsling oder Schüſsling, alt u. oberd. f. 
Schöſsling, |. d.5 uneig. ein aufgefchoffener junger Menfch; auch ein im 
Wachen begriffenes junges Schwein. » 

Schüffel 2., w., M. -n, Verkl. das Schüffelhen, (altd. scuzila, 
schüzzel; niederd. Schottel, Schöttel; isländ. skutull; angelf. scutel, vgl. 
d. engl. scuttle; ital. scodella, franz. ecuelle; fämmtlich von d. lat. scutella, 
scutula, eig. Verkl. von scutum, Schild; alfo fchildförmiges Gefäß; vergl. 
Tiſch v. discus), ein gew. rundes oder länglichrundes, mehr flaches, als 
tiefes Gefäß, bef. zum Auftragen der Speifen, daher größer, als ein Teller, 
flacher, als ein Napf, eine Schale ꝛc. (eine flache, eine tiefe Schüffel, 
Braten, Suppenfhüffel.2c.); auch das in einer Schüffel aufgetragene Gericht 
(z. B. eine Schüffel Fifche, Gemüfe zc.; ein Mahl von ſechs Schäffeln, d. i. 
Gerihten); in weiterer Bed. verfchiedene fhuffelformige Körper, z. B. Na— 
turk. eine Gattung Schneden, auch Schüffel-, Napfmuſcheln; Pflanz. ein 
tellerförmiges, mit einem Rande verfehenes Fruchtlager: das Schüſſelchen; 
Zäg. die Ohren der Hirſche; — Zfes. das Schüffelbrett, Geftell zum Auf 
ftellen der Schüffeln; ſchüſſelförmig, Bw.; der Schüffelhecht, Küch. ein 
Hecht von mittlerer Größe, der gerade ein Gericht abgiebt; der Schüſſel— 
fnecht, f. Knecht; der Schüſſelkoch, landſch. eine Art in der Schüffel ges 
badener Milchſpeiſe (vgl. Koh); die Schuffelmufchel, Napfmufchel, ſ. d.5 
die Schuffelpaftete, eine in einer Schüffel gebackene poftetenartige Speiſe; 
der Schüffelpfennig, ehemal. Hohlmünze, f. d.; der Schüffelrand, Rand 


‚einer Schüffel; der Schuffelring, ein geflochtener od. metallener Kranz, auf 


welchen man die Schüffeln auffest, um das Tiſchtuch nicht zu beſchmutzen; 
der Schüffelftein, ein ſchüſſelförmiger Stein; das Schüffeltuch, ein Lappen 
zum Wafchen der Schüffeln; das Schüſſelwaſſer, Waffer, worin die Schüffeln 
abgewaschen werden; — Abbeit. fehuffeln, ziel. u. ziellof. 3w., 1) auf die 
Schüſſel legen u. auftragen, gew. auffchüffeln; niederd. ([hotteln) au) 
f. bewirthen, zu Gafte bitten; 2) die Schüffel leeren, ſtark effen; der 
Schüſſeler, -$, alt und landſch. 1) f. Schuffelmacher, bef. wer hölzerne 
Schüſſeln macht; 2) ftarfer Effer, Treffer. 

Schuſſer xc., fchufsfertig ꝛc. — Schufswunde, f. Schufe. 

Schufter, m., -$, M. w. E. (sgez. aus Schuh-Suter, f. d.; altd. 





| 
| 
j 
] 





u, et Fa, Ten ee ee 


Schute — fchütten 821 


schuoch-sütaere, schuohstaere, oberd. Schuechfter, Schuchfter, Schuefter, nie: 
derd. Schofter), gem. f. Schuhmacher, (ſrichw. Schufter, bleib bei deinem 
Leiſten! f. Leiften; bei manchen Spielen fagt man von dem, welcher das Spiel 
doppelt verliert: er wird Schuſter; bair. den Schufter haben f. die monatl. 
Reinigung, weil die Landmädchen in diefem Zuftande ſich hüten, barfuß zu ges 
* ben; daher audh: in die Schuh’ Eommen); uneig. landſch. f. Iangbeinige 
Spinne, Weberknecht; Schabe; Bodkäfer, Holzbock; — 3fes. der 
Schufterburfche, junge, =gefelle zc.; das Schuftergemwerbe, = gewerf, 
handwerk; die Schufterherberge, -werkftatt, -zunft u. dgl. m.; die 
Schufterahle, -pfrieme, ſ. Ahle; die Schufterarbeit, swaare; das Schu— 
ftergarn, grobes Garn zu Pechdrath; das Schufterholz, landſch. f. Holz 
des Hartriegels, deffen fich die Schufter bedienen; der Schufterfarpfen od. 
fifch, landſch. fcherzh. f. die Schleie; der Schufterfneif, ſ. Kneif; das 
Schufterfraut, landſch. f. gemeiner Doft, Wohlgemuth; das Schuſterpech, 
weiches Pech, womit die Schuhmacher ihren Drath beftreichen; die Schufter- 
fhwärze, Farbe zum Schwärzen des Leders; die Schuflerzwede, f. v. w. 
Schuhzwecke; — Ableit. die Schufterinn, Schufterfrau; ſchuſtern, ziel— 
loſ. 3w., gem. f. Schuhmacherarbeit machen, ausbeffern ꝛc.; auch f. fehlecht, 
ungefchieft arbeiten, daher: ein=, verfchuftern, f. d.; im Tridtrad: dem 
Gegner fo überlegen fein, dafs man Hoffnung hat, ihn zum Schufter zu ma- 
chen (ſ. 0.); die Schufteret, gem. f. das Schuhmacherhandwerk; fchufter- 
haft, Bw., verächtl., einem Schufter Ahnlich od. gemäß. 

Schute, w., M. -n, niederd. 1. f. Grabſcheit, Spaten, bef. ein folcher, 
deſſen Eifen ohne hölzerne Einfaffung u. ein wenig gebogen iſt; — 2. f. eine 
liederliche, unzüchtige Meibsperfon (wahrfch. von dem niederd. Shut f. 
Haut, Fell). 

Schüte, w., M. -n, (isländ. skuta, dän. skude, engl. scout, holf. schuit, 
schuite; vgl. das niederd. Schut, griech. ozüros, Fell), niederd. Schiff. eine 
Urt Fahrzeuge von verfchiedener Befchaffenheit, gew. ein Kahn od. Nahen 
ohne Maft und Segel zum Überfegen über Flüffe 2c.; in Hamburg: eine Art 
großer, 120 Fuß langer Kähne; auf der Oftfee eine Art kurzer u. breiter dreis 
maftiger Schiffe; der Schütenfahrer, wer mit einer Schüte fährt. 

Schutt, m., Schütt, w., f. unter ſchütten. 

ſchütt od. fchütter, Bw., oberd. f. v. w. fhitter, f. d. 

Schütte, w., 1.f. unter fhütten; — 2. f. ſchutten; — 3. landſch. f. 
Taucherhuhn, Zauchermewe. 

ſchütteln, 3w., ze. f. unter ſchütten. 

ſchutten, ziel. Zw. (niederd. auch ſchudden, fchotten, vgl. Schott 3. und 
Schoſs; oberd. ſchutzen— ſchützen f. hemmen, ſtauen; auch Shütten f. 
umdämmen, ſchützen; angelſ. scyttan, engl. shut, verſchließen), niederd. f. 
verriegeln, durch eine Fallthür abſperren; Waſſſer —, durch eine Schleuſe 
od. einen Damm zurückhalten; Vieh —, einſperren u. pfänden; die Schütte, 
niederd. f. Zallthürz der Schutteldamm, f. Damm zur Abhaltung des 
Waſſers; dans Schutt= od. Schuttelgeld (auch Schuddegeld) , f. Geld zur 
Auslöfung des gepfändeten Viehs; das Schuttrecht, f. Recht zur Pfändung 
fremden Biches; der Schuttftall, f. Pfandftaltz die Schuttung, f. Ab— 
dämmung des Waffers. 

ſchütten, ziel. Zw. (althochd. scutian, scuttan; mittelh. schüten, Prät. 


822 ſchütten 


schutte; altſächſ. scuddjan, niederd. u. holl. ſchudden; ſchwed. skudda; angelſ. 
scedan, engl. shed, ausgießen; — urſpr. Bed. bewegen, erſchüttern; verw. 
mit dem lat. con-cutere, ital. scuotere), alt u. landfch. f. heftig bin u. her 
bewegen, f. v. w. fehütteln, ſchüttern, (z. B. oberd. den Kopf, einen Baum, 
Apfel 2c. ſchütten; daher chem. entfhütten, d. i. gleich]. abſchütteln, fich 
od. Semand eines Dinges—, f. entledigen, davon befreien); jegt: einen tro— 
denen, od. flüffigen Stoff in Maffe in eine fehnelle, meift fallende, Bewe— 
gung feßen, finnv. gießen, welches jedoch nur von Flüffigkeiten gebraucht 
wird u. eine geringere Maffe des Stoffes u. Heftigkeit der Bewegung bezeich- 
net (Getreide in Säde od. aus den Säcken —, Sand in den Kelle —, Malz 
auf den Boden—, Obft aus dem Korbe—, Waffer auf die Erde—; oberd. 
unp. ziellos: es ſchüttet, f. es gießt, d. f. regnet ſtark; vgl. aus=, ein-, 
verfchütten 2c.); alt u. oberd. insbeſ. f. Erdreich an= oder aufſchwemmen 
(von Flüffen), und überh. Erdreich anhäufen, aufdämmen, ein= oder um: 
dämmen (in welcher Bed. fih [Hütten u. ſchützen, niederd. ſchutten ac. 
begegnen); rückz. fih—, von der Milh, f. gerinnen (vgl. Schotten); alt 
u. landſch. einem—, f. ihm (Getreide) hinfchütten, als Lohn entrichten 
(dem Hutmanne, dem Hirten—); uneig. in reihem Maße ertheilen (bibt. 
Schütte deinen Grimm auf die Heiden); auch f. in Menge ergeben, ergiebig 
fein @- B. Landw. das Schod Roggen fchüttete vier Viertel; u. ziellos: das 
Getreide ſchüttet reichlich; Bergw. die Zeche fehüttet); Jäg. f. gebären, wer— 
fen, bef. von Hündinnen u. Wölfinnen; der Schutt, -e3, 0. M., (oberd. 
die Schütt, Beſchütt), überh. etwas Hin- od. Aufgefchüttetes; daher 
ehem. f. ein Erdwall (M. Schütte, bibl.); Landw. aufgefihüttetes Getreide, 
bei. als Lohn des Hirten 20.5 Brau. das zu einem Gebräude nöthige Malz; 
gew. unbrauchbare weggefchüttete Erde, bef. UÜberbleibfel vom Bauftoffe: 
zerbröcelte Steine, Kalk zc. (den Schutt wegräumen ; im Schutt vergraben ze.) ; 
3feg. der Schutthaufen; der Schuttkarren od. -wagen, Karren ꝛc. zum 
Wegſchaffen des Schuttes; der Schuttfärrner ꝛc.; — die Schütt, M. -en, 
oberd., in einem Fluffe aufgehäuftes od. am Ufer angeſchwemmtes Erd— 
veich, bef. eine Slufsinfel, ein Werd od. Werder, daher EN. verfchiedener 
Slufsinfeln der Donau, Pegnig zc. (auch Anſchütt, niederd. Anſchudde); 
ferner ein Fünftlicher Erdwall (vgl. Schutt); die Schütfe, M. -n, landſch. 
ein Haufen zufammengefchütteter Dinge, auch überh. f. Haufen (z. 8. 
eine Sand-, Steinfhütte ꝛc.); Landw. ein Bündel ausgedrofchenen, nicht 
zerrütteten Strohes (oberd. die Schütt, vgl. Schött; aud Schaub; daher 
das Schütten- od. Schüttftroh, in Schütten gebundenes Stroh, Lang- 
froh); auch f. Schüttbodenz; — Zſetzz von fhütten: der Schüttboden, 
ein Boden, auf welchem man Getreide zur Verwahrung auffhüttet, Spei— 
her; die Schüttgabel, Landw. hölzerne Gabel. zum Auffchütteln des auöge- 





droſchenen Steohes; das Schüttgut, Schiff. Güter od. Waaren, welche in 


das Schiff gefchüttet werden, aldr Korn, Salz ꝛc., entg. Stückgut; das 
Schütthaus, landſch. f. Getreide-Vorrathshaus, Speicher; der Schüttkaften, 
öfte. f. Kornboden, Speicher; der Schüttmohn, Mohn mit ſchwärzlichem 
Samen u. Löchern in der Samenkapfel, durch welche fich der Samen ſchütten 
läſſt; der Schuttplaß, Zäg. Pläge im Walde, auf welchen den wilden 
Schweinen im Winter Futter vorgefchüttet wird; der Schüttregen, landſch. 
f. Platzregen; der Schüttſenf Cwahrfch. eig. niederd. Schitfenf, d i. 





in 
r 


\ 


* 





Schüttgelb — Schuß 823 


Scheißſenf; vgl. fcheißen) landſch. f. wilder od. Wegefenfz der Schüttftein, 
landſch. f. Guſs- od. Goffenftein; — Ableit. der Schütter, -$, 1) wer 
fohüttet; 2) (auch Schutter) oberd. f. einmaliges Schütteln, fehlittern- 
der Stoß; ſtarker Negengufs; die Schüttung, gew. das Schlitten; ine: 
bef. oberd. f. Anhäufung von Erdreich, Aufdammung; — fchütteln, ziel. 
u. ziellof. Zw., (die Verkleinerungsform von ſchütten; altd. scutilön, schü- 
telen, niederd. ſchuddeln, oberd. auch fchotteln), etwas fchnell hin= u. hers 
bewegen, in zitternde od. fchrwanfende Bewegung feßen (einen Baum —; 
den Kopf zu od. über etwas —, ald Zeichen der Verneinung od. Mifsbilligung; 
auch ziellos: mit dem Kopfe fchütteln, u. bloß: ſchütteln, entg. nicken; 
einem die Hand —, beim treuherzigen Handſchlag; einen—, d. i. heftig bin 
u. ber ftoßen, uneig. f. ihm heftige Verweiſe geben; das Fieber ſchüttelt ihn; 
auch ſich fchütteln f. geichüttelt werden vom Froft, Fieber 2c.); etwas durch 
Schütteln herab: od. herausfallen machen (Obft vom Baume—, den Staub 
von den Füßen—; uneig. etwas aus dem Ärmel ſchütteln, d. i. ohne Mühe 
u. Vorbereitung hervorbringen, 3. B. eine Rede); der Schüttelfopf, ein ge- 
fchüttelter Kopf; wer den Kopf oft fchüttelt, bef. ein Alter, der aus Schwäche 
mit dem’ Kopfe wackelt; landich. f. die Pfautaube; oberd. auch eine Art Klöße; 
der Schüftler, —s, wer fehütteltz oberd. f. das Ealte Fieber (au: der 
Schütten; der Schüttling, -e8, im Wollhandel: die fürzere, lockere 
Wolle, welche aus der größeren gefchüttelt wird; die Schüttelung, das 
Schütteln; — fchüttern, Zw. (die Verftärkungs- und Wiederholungsform 
von ſchütten; nberd. auch ſchuttern, niederd. ſchuddern; vgl. fchaudern) 
1) ziellos m. haben, in allen feinen Theilen in eine heftige zitternde Be— 
wegung gerathen (vor Froft füttern; lachen, dafs der Bauch fchüttert) ; 
2) ziel. in foldye Bewegung verfegen, gew. erfchüttern; oberd. auch f. an- 
treiben, ftoßen, reizen, hetzen; dev Schütterfifch, Zitteraal; der Schütter— 
fein, eine Art Adlerſteine, die inwendig Waſſer enthalten; die Schütterung, 
das Schüttern, heftige Exzittern. 

Schüttgelb, f. (hol. schytgeel; nicht von ſchütten, fondern vom niederd. 
ſchiten, fcheißen, wegen der Ähnlichkeit mit dem Unrath Kleiner Kinder; alfo 
eig. Schietgelb), ein ſchön gelber Farbeftoff, aus Bleiweiß od. einer krei— 
digen Erde mit dem Safte der Kreuzbeeren u. Alaun bereitet; auch eine gelbe 
Ladfarbe von der Färbefcharte. 

Schuttgeld, -vecht, -ſtall, Schuttung, f. unter fchutten; — Schütt: 
gut, Schutthaufen ꝛc., Schütthaus ꝛc. — Schüttftein, f. unter 
ſchütten. 

Schuß 1. m., ſ. unter ſchützen. 

Schuß 2. m., -es, M. Schütze, ſchwäb. u. ſchweiz. f. Schuſs (altd. 
scuz; vgl. Geſchütz), Wurf; ſchweiz. insbeſ. f. Waſſerfall; kurzer Zeit— 
raum; — der Schütze od. Schütz 1., -en, M. -en, (altd. scuzzo, schütze; 
niederd. Schutte; angel. scytta, isländ. skyti, ſchwed. skytte; von ſchießen), 
1) wer mit einem Schießgewehre fchießt, u. bef. wer darin geübt u. dazu 
berufen ift (ein guter, oder ſchlechter Schüige fein; ein Bogenſchütze, Leib-, 
Scharfſchütze ꝛc.; Jäg. wer gut fchießen kann, verfch. von Säger, welder 
noch andere Kenntniffe befigen mufs); in engerer Bed. eine Art leichtbewaff- 
neter fcharffchießender Soldaten; in deutichen Städten auch ein Bürger, 
melcher Mitglied einer Schützengeſellſchaft, =brüderfchaft, =gilde ıc. iſt, 


824 Schütze — ſchützen 


die ſich im Scheiben- u. Vogelſchießen übt: auch eines der 12 Sternbilder 
des Thierkreiſes Heißt: der Schis, uneig. fcherzh. f. ein Anfangsfchüler: 
Abece-Schütz (vielleicht Verdeutfchung des lat. tiro); im Schachſpiel f. v. 
w. der Läufer; Naturk. der Nüffel- od. Schnabelfifh; 2) Web. |. v. w. 
die Schieffpule (f. d.), das Mebefchiffz der Schükenbruder, Mitglied 
einer Schützengeſellſchaft (f. o.); das Schüßenhaus, der Schlisenhof, Ber: 
fammlungshaus u. Übungsplag einer Schützengeſellſchaft; das Schlißenjagen, 
Säg. eine Jagd, wobei man, hinter Schirme geftellt, Alles niederfchießt, was 
vorbeitommt; dev Schützenkönig, wer bei dem Schieffefte einer Schützenge— 
ſellſchaft den beften. Schufs gethan hat; der Schügenmeifter, Vorfteher einer 
Schützengeſellſchaft; der Schützenplatz od. -plan, öffentl. Plag zu Schieß- 
übungen einer Schügengefellfchaft; die Schützenraupe, Raupen, welche in 
der Mitte breit, an den Enden zugefpist find (wegen der Kpntichkeit mit einem 
Webeſchiffchen, 1. o. 2); der Schützenſchmaus, das Schügenmahl, 
-effen 2c., Feſtmahl der Schützenbrüder. 

Schütze od. Schuß 2., m., f. unter ſchützen. 

ſchutzen, ziel. 3w. (altd. scuzzan; eine Verftärkungsform von fchießen), 
oberd. 1) f. durch einen Schwung od. Stoß in fehnelle, kurze Bewegung, 
bef. nach oben, feßen, werfen, fehleudern, fehnellen G. B. den Hut beim 
Tanze —; fchugende Tänze; ſich aufs Roſs —, ſchwingen; gefchugte oder 
Schutznudeln, vom Zeige drehend abgeſchnellte, auch „gedrehte“ Nudeln; 
einen Bäder zur Strafe —, |. v. w. ſchupfen; einen —, uneig. f. aufziehen, 
zum Beſten haben; die Achfel—, f. zucken); insbeſ. auch f. ſchaukeln (fi 
od. einen Andern ſchutzen od. ſchutzeln; daher die Schutzen f. Schaukel); 
fchweiz. es ſchutzt, f. das Wetter verändert fich ſtoßweiſe, es ift Aprilwet- 
ter; ſchützeln, f. ſchauern 1. (es fehügelt mir); 2) f. ergiebig fein (vgl. 
erichießen), ergeben, anhalten; ſchutzig, Bw., f. reichlich, ergiebig, ges 
deihend, nachhaltig. 

ſchützen, ziel. Zw. (ſcheint im Alth. zu fehlen; mittel. schützen, Prät. 
schuzte, fchirmen, decken; entweder von einem alten Zw. scuan f. bededen, 
abmwehren, W. scu, daher niederd. Schut f. Haut, Fell, lat. scutum, Schild, 
vgl. Schauer 2. u. Schatten; od. wahrſch. von ſchießen abgel., alſo uripr. 
etwas oöchihieben, d. i. =ftoßen, -ſchieben, dadurd) verfchließen, verwahren; 
vergl. das niederd. [hutten, engl. shut, verfchließen, und scoat, hemmen), 
1) die Bewegung einer Maffe, bef. den auf des Waffers durch ein Hinder- 
niſs, z. B. einen Damm, ein Brett (Schuß, ſ. u.), hemmen, aufhalten, 
ftauen (das Kammrad einer Windmühle—; das Waffer—; oberd. ſchutzen, 
nicderd. ſchutten, fchotten); 2) gew. in weiterer Bed. einen oder et- 
was —, gegen ein Übel fihern, beſchirmen, deden, eine Gefahr von 
einer Perſon od. Sache abhalten, abwehren, finnv. fhirmen, hüten, be 
wahren, vertheidigen 2. (Gott fehüge mich! Jemand gegen Angriffe, vor 
Beleidigungen fchüsen; die Mauer [hügt den Baum vor dem Nordwinde ꝛc.); 
— der Schuß, -es, IM. Schüge, Waſſerb. ein ſtarkes Brett, eine 
Schub- od. Fallthür an einem Wehr zur Hemmung u. Stauung des Waffers, 
auch Schußbrett, =gatter ıc. (gt. Schütte unter ſchutten); ſchwäb. auch f. 
Damm, Deich (vgl. Schutt); 2) o. M., dasjenige, wodurch eine Perfon 
oder Sache vor einem Übel geſchützt, beſchiem wird, und die Abhaltung 
oder Abwehrung des Übels, der Gefahr ıc., finnv. Shlm, Abwehr, 





ſchützen 825 


Siccherung ꝛc. (4. B. die Kleider find ein Schutz od. gewähren Schutz gegen 
die Witterung 2c.; der Baum fteht im Schuge, d. i. gefichert vor der Witte 
rung; einen in feinen Schuß nehmen; ſich in Semands Schuß begeben); — 
3fe$. von Schug u. ſchützen: der u. die Schußbefohlene, wer dem Schuge 
eines Andern anbefohlen ift; die Schußblattern oder -poden, qutartige 
Kinder⸗ od. Kuhpocken, welche zur Sicherung gegen die bösartigen natürlichen 
Pocken eingeimpft werden; das Schukbrett, ein ſchützendes, ab- od. zurüc- 
haltendes Brett, bef. bei Schleufen zc., f. o. Schutz; der Schusbrief, lan— 
deöherrliche Urkunde zur Sicherung gegen Angriffe od. Beleidigungen zc.; der 
Schukbund od. das Schußbündnifs, ein zu gegenfeitigem Schutz gefchloffe- 
ner Bund (fr. Defenfiv- Allianz; vgl. Trug); der Schugengel, Schußgeift, 
fchüsender Engel, höheres Wefen, welchem die Befhüsung eines Menfchen, 
eines Landes, Drtes 2c. anvertraut iſt; uneig. auch eine befchüsende Perfon ; 
das Schußgatter, Fallgatter an Thoren, auch Schofs-, Schuſsgatter; ein 
verfchließbares Flügelthor in Schleufen und Deichen; das Schußgeld, Ab- 
gabe der Schugverwandten (f. d.) für den obrigkeitl. Schutz; der Schußge- 
nofje, wer mit Andern denfelben Schus genießt; die Schußgenoflenfchaft, 
der Zuftand, u. die Gefammtheit der Schuggenoffen; die Schußgerechtigkeit, 
das Recht, gewiffe Perfonen u. Gemeinheiten zu ſchützen u. die damit verbun— 
denen Vortheile zu genießen; der Schußgott, die Schußgöttinn, Schuß- 
gottheit, befchügende Gottheit; der Schußhalter, vit. f. Beſchützer, Ver- 
theidiger; Vorfteher einer Fechtfchule; der od. die Schußheilige, ein Schuß: 
heiliger 2c., in der röm. Kirche Heilige, fofern ihnen die Beſchützung gewiſſer 
Perfonen. od. Orter übertragen ift (fr. Patron); das Schußheiligthum, ein 
Heiligthum, z. B. das Bild einer Gottheit ze. (Schusbild, fr. Palladium), 
welchem die Beſchützung eines Ortes zc. zugefchrieben wird; der Schußherr, 
die Schußherrinn, wer die Schusgerechtigkeit über gewiſſe Perfonen od. Or— 
ter hat, auch Schirmherr (fr. Patron); daher ſchutzherrlich, Bw.; die 
Schußherrlichfeit, Schußherrfchaft; der Schusjude, ein Jude, welcher 
unter obrigfeitl. Schuße gegen Entrichtung eines Schußgeldes an einem Orte 
lebt; der Schutzkolben, Wafferb. ein Kolben, mittelft deſſen man das Waffer 
eines Teiches zu= od. abſchützt; ſchutzlos, Bw., ohne Schuß, unbeſchützt; 
die Schußlofigkeit; das Schugmittel, ein Schug gewährendes Mittel; der 
Schutzort, Ort, welcher Schug gewährt; die Schußpoden, ſ. o. Schuß: 
blattern; die Schußrede, Vertheidigungsrede; Rſpr. eine Verantwortungs- 
ſchrift, insbef. eine verzögerliche (oberd. verzüglihe) Schugrede, 
zur Aufſchiebung der angeftellten Klage (fr. dilatoriiche Exception) ; der Schuß» 
redner, wer eine Schugrede hält od. ſchreibt; die Schußfchrift, Vertheidi— 
gungsfchrift (fr. Apologie); der Schußfucher, -anfleber, wer Schuß nach— 
fuht (fr. Implorant); der Schußverwandte, ein Schußverwandter ıc., 
Einwohner, welche, ohne Bürger zu fein, gegen Entrichtung eines Schuägel- 
des unter dem Schuge der Obrigkeit an einem Orte leben; die Schutzwache, 
Sicherheitswache (fr. Sauvegarde); die Schußwaffe, zur Beihirmung oder 
Abwehr dienende Waffen, ald Schild, Helm zc., entg. Angriffswaffe; auch die 
Schußwehr, gem. uneig. f. Alles, was Schug und Sicherheit gewährt; der 
Schußzettel, obrigkeitt. Befcheinigung, dafs Semand ein Schusverwandter 
feis — Ableit. der Schüße oder Schuß, -en, M.-en, ein Wächter, 
Hüter; daher vlt. fe Hirt; landſch. f. öffentlicher Feldhüter od. Feldwächter: 


826 Schützenbruder — Schwabe 


Feld- oder Flurſchütz; oberd. auch f. Nachtwächter; Büttel, Häſcher 
(daher: der Schützenhauptmann; der Schützenhof, die Wohnung 
der Büttel); der od. das Schützel, -$, M. w. E., die mit einem Schutz— 
brette verfihließbare Offnung in einer Schleufenthür ; in Hamburg f. Betz, 
Ofenfchirm 2c.5 der Schüßer, —s, wer fhüßt, insbef. 1) Bergw. der Ar— 
beiter, welcher bei dem Treiben des Kehrrades das Waffer ſchützt; 2) wer 
Schuß gewährt, Andere in Schus nimmt, gew. Beſchützer; weibl. die 
Schützerinn; der Schüßling, -es, M. -e, wer eines Andern Schuß ger 
nießt, unter Semands Schuß fteht, von Perfonen beider Geſchlechter (ev, 
fie ift mein Schügling); die Schützung, das Schügen (z. B. des Waffers); 
die Beſchützung, Beſchirmung. 

Schützenbruder, -haus ıc. — -ſchmaus, ſ. Schütze unter Schutz 2. 

Schutzengel, Schutzgeiſt ꝛc. — Schußzettel; Schützer, Schützling ıc., 
ſ. unter ſchützen. 

Schwabacher, m., —s, wer aus der fränkiſchen (um Könige. Baiern 
gehörenden) Stadt Schwabach gebürtig iſt; als unbiegf. Biw.: aus Schwar- 
bach herftammend, daher: Shwabadher Schrift, eine Art deutjcher 
Druckſchrift mit breiteren und mehr gerundeten Buchſtaben, ehem. mehr, als 
jest, zur auszeichnenden Hervorhebung einzelner Worte od. Stellen gebraucht; 
Schwabacher Nadeln, eine Art Nähnadeln mit großen Shren. 

ſchwabben od. gew. ſchwabbeln, zielloſ. Zw. m. haben, (vgl. ſchwapp ze. ; 
fchweben, ſchwaiben), gem., bef. niederd. von Flüffigkeiten u.. weichen Körpern: 
fich zitternd oder fchwanfend hin und her bewegen, bef. in Verbindung mit 
einem durd) das Wort felbft nachgeahmten klatſchenden Schalle, vgl. wabbeln, 
quabbeln, oberd. ſchwappeln, (zZ. B. das Wafler ſchwabbelt im Eimer; 
Ihwabbelndes Fleiſch, Fett; Shwabhbel- od. Shwappelbaden; ein 
Schwabbelbaudze.); auch eine ſolche ſchwankende Bewegung hervor- 
bringen (fchwabbele nicht, damit es nicht überlaufel); ſchweiz. auch: tau— 
meln wie ein Betrunkener; landich. f. ſchwelgen, praffen, loder leben; die 
Schwabbel, tandih. gem. f. eine leichtfinnige weibl, Perfonz ſchwabbelig, 
Bw., leicht ſchwabbelnd (von fleifhigen od. fetten Körpern) ; ſchweiz. auch: 
voll zum Überfliegen; taumelnd; — der Schwabber, -8, Schiff. ein 
Quaſt an einem Stode, zum Abwifchen der gefpülten Dede; ſchwabbern, 
ziel. Zw., mit dem Schwabber reinigen; der Schwabberer, -8, ein Ma- 
trofe, welcher dies verrichtet. 

Schwabe 1. m., -n, M.-n, die Schwäbinn, M. -en, (alth. Suäb, 
M.Suäba; mittel}. Swäb, G. Swäbes, M. Swäbe; oberd. der Schwab, -en; angelf= 
Svaef, M. Svaefe; Yat. Suevi, fpäter Suaviz vielleicht von der Wurzel deö 
altfäch]. sueban, angelf. svefan, ſchlummern; altd. en-sweben, einſchläfern, 
isländ. svefn, Schlaf, svaefa, beruhigen; alfo: die Friedfertigen, Ruhigen?), 
EN. eines oberdeutfchen Volksftammeg; überh. jede aus Schwaben ge— 
bürtige Perfonz (in Ungarn u. Oftreich heißen alle deutfchen Anfiedlev: Schwer 
ben). Sehr mit Unrecht ftehen die Schwaben in dem Rufe geiftiger Ber 
ſchränktheit u. langfamen Verftandes, daher: fprichw. mit den Schwaben flug 
werben, d. i. fehr fpät, erft im 4Often Jahre; der Schwabenftreich, gem- 
f. ein dummer, alberner oder närrifcher Streich; — das Schwabenkrauf, 
eine Kohlart; der Schwabenfpiegel, das Schwabenrecht, die um 1282 
abgefafite Geſetzſammlung der Schwaben; der Schwabenweber, landſch. f- 





Schwabe — ſchwach . 89 


Barchentweber (deren gegen Ende des 15. Jahrh. viele aus Augsburg aus— 
wanderten); der Schwabenweizen (vielleicht aus Schwadenweizen ver- 
derbt, ſ. Schwaben 3), eine Art Weizen od. Dinkel, auch Einkorn, Peters- 
korn 2.5; — Schwaben, f., -8, das Land der Schwaben, chem. gem. 
Schwabenland (altd. Suäbe-rich) genannt; bef. einer der chemat. 10 Kreife 
des deutfchen Reiches, welcher jest Baden, Wiürtemberg und einen Theil von 
Baiern ausmacht; ſchwäbeln, ſchwäbezen, zielof. Zw., oberd. f. in ſchwä— 
bifcher Mundart fprechen, oder dahin neigen; ſchwäbiſch, Bw., den 
Schwaben eigen, aus Schwaben ftammend od. dort einheimifch, zu Schwa- 
ben gehörend, (ſchwäbiſche Mundart, Dichter; ſchwäbiſch tanzen; ſchwäbiſche 
Leinwand, d. i. Florleinwand; eine ſchwäbiſche Stadt zc.). 

Schwabe 2. m., -n, M.-n, oberd. (Schwab, gew. Schwaben) 1) f. 
ein eingefchobenes Stud, Einfchiebfel, def. Schuhm. ein Stüd ſchlechteren 
Leders, welches zwifchen die Brand - und die Doppelfohle gelegt wird; Faſsb. 
ein Stück Reif, welches zwifchen einen allzu loderen Reif geichlagen wird; 
2) öfte. ein Bund ausgedrofhenen Strohes (vgl. ſchweben, fchwaiben, 
fchwaibeln). - 

Schwabe, w., M. -n, (oberd. auch der Schwab), landſch. f. die 
Schabe, Müllerfhabe, auch: der Schwabenfäfer; das Schmwabengift, 
Yandich. f. Giftmehl, mehlähnliche Arfenik » Erde. 

ſchwach, Bw., Comp. ſchwächer, Sup. ſchwächſt, (fehlt im Althochd., 
Isländ. u. Angelf.; mittelh. swach; niederd. ſwack, ſchwed. swag; — wahrfd. 
von dem Stamme des altd. Zw. suehhan, suah ze., verdunften, riechen, ftinfen; 
angelj. svecan; isländ. svac, Hauch, svaka, hauchen; alſo eig. verbunftend, 
fich auflöfend, verweſend, ftinkend; n. X. von dem angelf. wac, holl. wack, 
engl. weak, weich u. ſchwach, durch vorgefchobenes s gebildet), chem. bei. 
gering, erbärmlich, armfelig, unedel, niedrig (4. B. ſchwache Speije, Klei- 
der 2c.; ein fohwaches Leben, d. i. ein ruhmlofes; ein Schwacher Mann zc., 
von niederem Stande 2c.); fchlecht, ehrlos, entehrt (ſchwache Frauen f. Buhl- 
dienen; vgl. Schwächen); jest in weiterer Bed. wenig Kraft habend, der ge— 
gehörigen Stärke ermangelnd, jinnv. Eraftlos, unkräftig, entg. ftarf: 
1) körperlich (3. B. ein ſchwaches Kind; ein Schwacher Menſch; vor Alter 
ſchwach fein; ehem. auch f. krank; fchwache Arme, Füße ꝛc.; auf ſchwa— 
hen Füßen ftehen, auch uneig. f. geringe Feftigkeit und Sicherheit haben, 
ſchwanken, unzuverläffig fein); insbef. nicht fähig, hinlänglichen Widerftand 
zu leiften (der Feind ift ſchwach; die Stadt hat nur eine ſchwache Beſatzung, 
d. i. eine der Zahl nach geringe; eine Schwache Feftung ze.) ; von lebloſen Kör- 
pern: Heringe Dice od. Dichtigkeit und Haltbarkeit habend, finnv. dünn, 
loder (ein ſchwaches Reis, Rohr ꝛc.; der Faden zc. ift zu ſchwach); von 
Sinnesthätigkeiten u. finnlichen Wahrnehmungen: ohne Schärfe, Nachdruck 
und Lebendigkeit, von geringer Wirkfamkeit, nicht durchdringend (ein 
ſchwaches Gefiht, Gehör ꝛc. haben; eine ſchwache Stimme; ein Ihwaches 
Sicht; ſchwache Farben, Umriffe 2c., finnv. matte; einen ſchwachen Eindrud 
machen, d. i. einen geringen; ſchwacher Wein, entg. ftarker); 2) geiftig: 
der gehörigen Stärke u. lebendigen Wirkſamkeit ermangelnd (ein ſchwacher 
Menſch, d. i. der ohne die gehörige geiftige und bei. fittliche Kraft iftz man 
muſs mit den Schwachen Geduld und Nachficht haben; ein fchwacher Geift, 
Kopf ꝛc.; ein ſchwaches Gedächtnifs haben; ſchwach an Verftande fein; ein 


828 ſchwach 


ſchwacher Glauben); von Geiſteserzeugniſſen ſ. v. w. gering, unvollkommen, 
unbedeutend (z. B. ein ſchwacher Verſuch; das Gemälde, Gedicht, Buch ıc. - 
iſt ſchwach); — 3fes. das Schwachfeuer, eine herbſtliche Lufterſcheinung 
in den Binnenwaſſern u. Buchten der Oſtſee, beſtehend in einem bleichen Scheine 
im Waſſer, meiſt Vorbote eines ſchnell entſtehenden Oſt- oder Nordoftwindes: 
ſchwachherzig, Bw., ein ſchwaches Herz habend, d. i. ſeine Empfindungen 
u. Neigungen nicht beherrſchend, ſinnv. weichherzig; auch wenig Gemüthskraft 
od. Muth habend, ſinnv. mattherzig, kleinmüthig; die Schwachherzigkeit, 
das Schwachherzigſein, u. eine daraus fließende Handlung; der Schwachkopf, 
ein ſchwacher Geiſt oder Verſtand, u. ein Menſch mit einem ſolchen; daher 
ſchwachköpfig, Bw.; die Schwachköpfigkeit; der Schwachmuth, ſchwa— 
ches Gemüth, Kleinmuth; ſchwachmüthig, Bw.; die Schwachmüthigkeit; 
ſchwachſichtig, Bw., ein ſchwaches Geſicht habend; die Schwachſichtigkeit; 
der Schwachſinn, geringe Verſtandeskraft; ſchwachſinnig, Bw.; die 
Schwachſinnigkeit; — Ableit. vie Schwäche, 1) o. M. das Schwach— 
ſein, die mangelnde Kraft od. Stärke, im weiteſten Sinne, ſinnv. Kraft— 
loſigkeit, Ohnmacht ꝛc. (z. B. die Schwäche eines Menſchen, des Kranken; 
feine Schwäche fühlen; die Schwäche des Feindes, der Feſtung ꝛc.; die 
Schwäche eines Reifes, Bandes ꝛc., der Stimme, des Geiftes, eines Gedich- 
tes 2c.); 2) M. Schwähen, was an einem Gegenſtande ſchwach iſt, 
ein ſchwacher Theil, eine ſchwache Seite, (z. B. die Schwäche eines Degenz, 
Meſſers 2c., d. i. der Theil der Klinge von der Spige bis zur Mitte; Jemand 
bei feiner Schwäche faffen; viele Schwächen haben); aud) eine aus geiftiger 
od. fittlicher Schwäche fließende Handlung (Semands Schwächen benusen, 
entſchuldigen 2c.); die Schwachheit (mittelh. swacheit, Armſeligkeit; Krän- 
fung, Schmach; ehem. auch f. Krankheit), das Schwachfein, die ſchwache 
Beſchaffenheit, finnv. Schwäche, jedoch von engerer und abftracterer Beb., 
gew. nur auf den Geift u. bef. die fittliche Willenskraft bezogen (z.B. nicht: 
die Schwachheit, fondern Schwäche eines Kranken, des Gefichts, der Stimme ze. ; 
wohl aber: die Schwachheit des Verftandes, Gedächtniffes, des Herzens 2c.); 
insbef. die mangelnde Seelenftärke u. fittliche Kraft zur Beherrfchung der 
Gefühle und Keidenfchaften (viele Schwachheit für das andere Geſchlecht ha- 
ben), u. die daraus fließende zu große Nachgiebigkeit, Weichherzigkeit G. 8. 
einer Mutter gegen ihre Kinder); in weiterer Bed. die fittlihe Mangelhaf: 
tigkeit od. Unvolllommenheit überh. (die menfhlihe Schwachheit); auch 
eine aus mangelnder Willensftärke od. fittlicher Unvollfommenheit flie- 
ßende Handlung (eine Schwachheit begehen; M. Schwachheiten) ; Die 
Schwahheitsfünde, aus Schwachheit begangene , unvorfäglide Sünde; 
ſchwächlich, Bw., ein wenig ſchwach, mildernd f. ſchwach, gew. nur von 
körperlicher Schwäche als bleibender Befchaffenpeit, finnv. Eranklich, gebrechlich 
(ein ſchwächlicher Menſch; eine ſchwächliche Gefundheit); die Schwächlich— 
keit, das Schwächlichfein, die ſchwächliche Befchaffenheitz der Schwäch— 
ling, -e8, M. -e, verächtl. f. ein ſchwacher od. ſchwächlicher Menfch, bef. 
der Körperkraft u. Gefundheit nad), uneig. auc) in Anfehung der Geiftes= und 
Willenskraft, gem. fcherzh. auh der Schwachmaticus (mit latein. En- 
dung); — ſchwachen, giellof. Zw. (mittelh. swachen), völlig. vlt. f. ſchwach, 
d. i. gering, fchlecht fein od. werden, abnehmen; auch ziel. f. herabfegen; 
fhwächen, ziel. 3w. (mittelh. swechen, Prät. swachte), ſchwach od. ſchwächer 





Schwad — ſchwadern 829 


machen, ſowohl körperlich, als geiſtig, ſinnv. entkräften, welches jedoch mehr 
ein völlige Beraubung, ſchwächen hingegen nur ein Verminderung der Kraft 
bezeichnet, (3. B. den Körper, die Augen 20.—; fich durch Anftrengung, Aus» 
fhweifung 2e.—; eine geſchwächte Gefundheit; den Feind— durch eine Nies 
derlage 2c.; den Ton —, dämpfen; ein Gefühl, der Glauben zc. wird durch 
etwas geſchwächt); ehem. f. fchlecht machen, erniedrigen, herabfegen, ent— 
ehren, daher noch: ein Mädchen ſchwächen, d. i. der Jungfraufchaft 
berauben, ſchwängern, vgl. ſchänden (eine Geſchwächte, als Hw.); der 
Schwächer, —s, wer ſchwächt, def. f. Schwängerer; die Schwächung, 
das Schwächen, die Verminderung der Kraft (daher 4.8. ein Schwäs 
hungsmittel); insbef. f. Schwängerung, Schändung. 

Schwad, f., -e8, M.-e, (gem. niederd. Schwattz aud wohl: die 
Schwade, M. -n, nicht aber der Schwaden! — holl. swade, engl. swath; 
vgl. das angelf. swath, holl. swad, das Abfchneiden, niederd. die Schwade 
f. Senfe; wahrfch. von einer Wurzel, welche Schneiden bedeutet; vgl. jedoch 
auc) das engl. sway, ſchwingen), Landw. bef. niederd. die Neihe des mit der 
Senfe gemäheten Grafes od. Getreides zur Linken des Mähers (das Korn zc. 
liegt in Schwaden); auch der Naum, den der Mäher mit dem Schwunge 
der Senfe abreicht, oberd. der Janh, (daher niederd. fprichw. übers Schwab 
od. Schwatt hauen, |. v. w. über die Schnur hauen). 

Schwaden 1. m., -8, M. w. E., (ehem. Shwadem, altd. suadum, 
swadem, v. suedan, brennen, aufmwallen, qualmen; vgl. suehhan unter ſchwach, 
u. das böhm. swad, Geſtank), landſch. f. auffteigender dicker Dunft oder 
Dampf von fiedendem Waffer, bef. von fiedender Soole, f. v. w. Brodem; 
Bergmw. die in den Gruben fich erzeugenden, oft giftigen Dünfte, gew. M. 
die Schwaden, auch böfe od. faule Wetter. 

Schwaden 2. m., -8, M. w. E. (von dem Stamme des niederd. Twa- 
jen, vom Winde bewegt werden, engl. sway, ſchwanken, ſchwingen; vgl. 
Wedel und wehen) Zäg. der kurze Schwanz des Hirfches, auch Wedel. 

Schwaben 3. m., -8, M. (felten) w. E., (niederd. Swade; vielleicht 
von gleihem Stamme mit Schwaden 2; daher ud Schwingel; n. %. 
von dem angelf. swaet, engl. sweet, füß, wegen des füßen Samens), verfchie- 
dene Grasarten u. bef. deren efsbarer Samen, insbef. I) ein Pflanzenge- 
fchlecht mit Ahren od. Nispen, au Hirſe- od. Fenchgras (panicum L.), 
deffen Arten: die Hirfe, die Bluthirfe, die Kolbenhirfe, der fchlef. graue—, 
u. der böhm. weiße Schwaben, auch Himmelfchwaden, ferner der wilde Schwa— 
den oder dad Schwadengras, ein gutes Vichfutter; 2) eine Art des 
Schwingels (f. d.): Mannafchwingel oder Mannagras, auch gemeiner, 
wilder Schwaden, Schwabdengras genannt, u. der geftampfte Samen: die 
Schwadengrüße; — die Schwadengerfte, eine Art Dinkel, f. v. w. Ein- 
korn. Schwabenweizen; das Schwadenried, ein ſchwadenähnliches Riedgras. 

fhwadern, ziellof. u. ziel. Zw. (auch ſchwedern, ſchwidern, ſchwatteln, 
Schallwörter; vgl. das niederd. ſchwabbeln), oberd. 1) von Flüffigkeiten: 
ſchwanken, Elatfchend an ein Gefäß fchlagen, überſchwanken, überfließen; 
in fchwanfende Bewegung fegen u. dadurch überſchütten; 2) f. plaudern, 
fhwagen, in dieſer Bed. auc mit fremdartiger Endung: fchwadroniren 
(nit von Schwadron, fondern v. ſchwadern ftammend) f. viel u. prahlerifc 
ſchwatzen; der Schwaderer, -8, gem. Schwadrondr, f. Schwäßer, 


830 Schwadron — Schmwaige 


Prahler; der Schwäderich, -e3, M. -e, landſch. eine Vertiefung, welche 
das von einem Gerinne abjchießende Waffer in den Boden wühlt. i 

Schwadron, w., M.-en, (v. dem. ital. squadrone, franz. escadron) 
f. vo. w. Geſchwaber, ſ. d.; ſchwadroniren, ziellof. Zw, 1. Krſpr. in 
Schwadronen zufammenftoßen; 2. f. unter ſchwadern. 

Schwager, m., -5, M. Schwäger; die Schwägerinn, M. -en, (altd. 
swäger, swaegerinne; urfpr. wohl nur Nebenform des älteren Schwäher 
(j- d.), von welchem es dann durch genauere Bearenzung der Bed. gefchieden 
wird), ehem. jeder nahe Anverwandte durch Heirath (lat. affınis); jest in 
beftimmterer Bed. nur ein folher Verwandter im erften Grade, fo dafs 
Bruder oder Schwefter des einen Ehegatten Schwager od. Schwägerinn bes 
andern, Gatte oder Gattinn der Schwefter oder des Bruders einer Perfon 
deren Schwager od. Schwägerinn iſt; in weiterer Anwendung nennen aud) 
die Ehegatten zweier Gefchwifter G. 3. die Männer zweier Scheftern) einan= 
der Schwäger und Schwägerinnen; fcherzh. gem. heißt der, welcher mit der 
Ehegattinn eines Andern unerlaubten Umgang pflegt, deffen Schwager; aud) 
ein Poſtknecht in Bezug auf feine Poftreifenden; Pflanz. Schwäger, Pflan- 
zen mit fichtbaren Blüthen, wo Staubbeutel u. Stengel in einer Blume ver- 
einigt u. die Staubbeutel walzenförmig zufammengewachlen find; ſchwäger⸗ 
lich, Bw., dem Verhältniſſe von Schwägern gemäß od. darin gegründet; 
die Schwägerſchaft das Verhältniſs von Schwägern u. Schwägerin— 
nen; auch die ſämmtlichen Schwäger und Schwägerinnen einer Perſon; 
ſchwägern, ziel. Zw., vlt. f. zum Schwager machen; ſich —, in ſchwä— 
gerliche Verhältniffe treten, gew. verfehwägern. 

Schwäher, m., -3, M. w. E. (goth. sraihra, Schwiegervater, svaihro, 
Schwiegermutter; altd. suehur, sueharz; sweher, swer; oberd. Schweher, 
Schwer; angelf. sveora, ſchwed. syär; fpan. suegro, weibl. suegra; vgl. das 
lat. socer, socrus, griech. &zvoos, Exvod, fanskr. cvaguras, gvacrus; Grund- 
begriff der gemeinfamen Wurzel aller diefer Wörter fcheint: Verbindung; val. 
Schwieger und Schwefter), alt u. oberd. f. der Schwiegervater, f. d.; (die 
Schwiegermutter heißt nit: Schwäherinn, fondern: suigar, swiger, 
die Schwieger, 1. d.); die Schwäherfchaft, das Verhältnifs des Schwie— 
gervaters zu den Schwiegerfindern. 

ſchwaiben od. fehweiben, Zw. (altd. sueipön, sweiben; wahrfch. abgel. 
Factitiv von einem ablaut. swiben, sweip, isländ. svifa, fich hin u. her bewer 
gen; verw. mit ſchweben u. fchweifen), oberd. u. ſchweiz. 1) ziel. f. ſchwenken, 
fhwemmen, fpülen, vgl. fehweifen, (z. B. die Wälche, Gläfer); 2) ziellos 
f. ſchwanken (von Flüſſigkeiten), taumeln; ohnmächtig niederfinfen ; ſchwai⸗ 
"bein, ziellof. Zw. (isländ. sveifla) f. drehen, bef. einen Strict durch Umdrehen 
ſtraffer anziehen (daher: der Shwaibelfteden f. v. w. Raidel); uneig. 
ziellos f. im Scherze lügen, Schwänfe machen. 

Schwaige od. Schweige, gew. Schwaig, w., M. -en, (altd. sweiga, 
sweige, sweie; verw. mit dem altd. swihhon, swichen f. fchweifen, alfo urſpr. 
Heerde?), oheet ein gew. einzeln liegender Viehhof, Sennhof, auch der 
Schwaighof; beſ. Kühzucht, Melkerei; öftr. auch f. Weideplag, Alp; 
ehem. auch f. Vieh-, bef. Ninderheerde; fehwaigen, ziellof. Zw., oberd. f. 
einen Viehhof bewirthſchaften; bef. Käfe bereiten; der Schwaiger, -8, 





Schwalbe — Schwalg 831 


Eigenthümer od. Pächter eines Viehhofes; ſchweiz. f. Hirt, Senne, bef. 
welcher bie Käfe verfertigt; die Schwaigerinn, Älplerinn, Sennerinn. 

Schwalbe, w., M.-n, Verkl. das Schwälbchen, oberd. Schwälblein, 
(alth. sualawa, mittelh. swalewe, swalwe; auch swalme, m.; oberd. die und 
der Schwalben, ſchwäb. u. Schweiz. der Schwalm, des Schwalmen ꝛc.; nie 
derd. Swaalke; isländ. u. fchwed. swala, angel. svaleve, engl. swallow; 
vielleicht von der Wurzel sval, woher das engl. swill, swallow, niederd. fwal- 
gen, ſchwelgen, d. i. fchlingen, fchluden; Schwalg, engl. swallow, Schlund, 
Kehle ze. ftammen?), ein Gefchlecht Eleiner, meift ſchwarz⸗ u. weißer Zug— 
vögel mit kurzem, pfeiemenförmigem Schnabel, fehr fehnell fliegend und von 
Inſecten ſich nährend; verfch. Arten find: die Haus-, Mauer, Erd-, Raud)- 
ſchwalbe zc. (ſprichw. eine Schwalbe macht feinen Sommer, d. i. ein einzel- 
ner Fall macht noch Feine Regel); in weiterer Anwendung verfch. andere 
Bogel-, auch Seefifch-Arten, als: die großbärtige od. Nachtſchwalbe, 
der europäifche Ziegenmelker; die Meerſchwalbe, f. d.; auch eine Art 
Porzellanfchneden, u. eine Art Miesmufcheln (das Vögelchen); Sciffb. 
eiferne Platten zur Verbindung des Kiels; landſch. gem. f. eine Ohrfeige; 
— 3feg. der Schwalbenadler, ein braunfahler, weißgeſchwänzter Adler in 
Schottland, auch Schwalbengeier, Fiſchadler zc.; die Schwalbenbeere, 
landſch. f. Beere des Wafferholunders (gem. Schwalbisbeere); der Schwal- 
benbeerbaum (gem. zgez. Schwalberbaum), landſch. f. Waſſerholunder; 
das Schwalben-Ei; der Schwalbenfalf, j. v. w. Weihe, Gabelgeier; auch) 
f. Sperber; eine ſchwalbenähnliche Falkenart in Peru; die Schwalbenfliege, 
eine der Rofsfliege ähnliche Fliege, welche ihre Eier in die Schwalbennefter 
legen foll; das Schwalbenfraut, Schellkraut (ſ. d.); auch Giftwurz, 
Schwalbenwurz; die Schwalbenlausfliege od. fliegende Schwalbenlaus, 
eine Art Lausfliegen auf den Schwalben; der Schwalbenmift, -Eoth ıc.; 
das Schwalbenneft, (efsbare Schwalbennefter, die Nefter. der indi— 
Ihen Schwalbe, einer Art kleiner Schwalben in Oftindien, indifche Vogelne- 
fter); der Schwalbenſchwanz, der breite, in der Mitte geſpaltene Schwanz 
einer Schwalbe; uneig. f. der Weihe, die Spitzente (Schwalbenſchweif); 
eine Art Tagſchmetterlinge; ein zweiſpitziger Bohrer in Geſtalt eines Schwal- 
benfhwanzes (au) Schmwalbenfhwangbohrer); Zifhl. u. Zimmerl. 
eine Art der Verbindung des Holzes durch Einfügung in einen Ausfchnitt;z 
Kriegsb. |. v. w. die doppelte Schere, |. Scherwerf unter Schere; eine Art 
Dachziegeln; der Schwalbenftein, Eleine Steinen, die ſich im Magen der 
Schwalben finden follen, wahrfch. verfteinerte Zähne eines Seefiihes; die 
Sthwalbentaube, eine Spielart der gemeinen Taube, Elein und fchnellflie> 
gend; die Schwalbenwurz, Giftwurz; Storchſchnabel od. Schnabelkraut; 
großes Schellkraut; — Ableit. ſchwälbeln, Zw., oberd. f.-zwitfchern ; 
plaudern; fchmeicheln (auch ſchwelmeln). 

Schwald, m., ſ. Schwalg. 

fhwälen, 3w., — ſchwelen; daher wahrſch. das Schwaleiſen, Hüttenw. 
eine Art ſehr — Eiſens, welches unten im Ofen ſtehen bleibt, wenn das 
Schmelzfeuer ausgeht. 

Schwalg, m.— es, M.-e, (auch Schwalch, Schwalk; altd. swalch, 
. swalc, v. suelgan, sualh ze. ſchwelgen, d. i. ſchlingen, ſchlucken; niederd. 
u. ſchwed. swalg, engl. swallow), alt u. niederd. f. Schlund, Speiſeröhre; 


832 Schwalk — Schwamm 


bei den Glodengiegern die Offnung des Schmelzofens, durch welche die 
Flamme auf dad Metall ſchlägt; niederd. auch f. Schwelger, Praffer (att- 
oberd. Schwelch); fehwalgen, Zw., niederd. (fwalgen) f. ſchwelgen. 

Schwalf, m., -e$, niederd. (Swalk; v. ſwelen, f. ſchwelen) f. Dampf, 
Qualm, bef. von einem Lichte. 

Schwalfe, w., M. -n., niederd. (Swaalke, Swaalk) f. Schwalbe; 
daher die Schwalfenbeere, |. Schwalbenbeere; ſchwalken (ſwaalken), Zw. 
1) ziellos, wie eine Schwalbe fich hin und her bewegen, auf der See um— 
herfchtwärmen; 2) ziel. zwei Hölzer mittelft des Schwalbenſchwanzes (ſ. d.) 
in einander fügen; der Schwalfer, —s, Schiff. ein abgehärteter, wüſt 
lebender Matrofe. 

Schwalll., m., -e8, 0. M. (altd. sual, swal; oberd. auch Schwal, 
Schwaal; von fchwellen, altd. suellan, sual ze.) überh. etwas Schwellendes. 
0d. Angefchwollenes, beſ. eine anfchwellende od. aufwogende Waffermaffe, 
(ehem, auch das Aufbrodeln des Dampfes oder der fih aus dem Waffer ent- 
wicelnden Luft; daher Ortsnamen, wie Schwalbach); oberd. ein Maffer- 
graben, welcher angefchwellt werden kann; ſchwäb. Schwaal aud f. Schiff: 
ladungsplaß; uneig. f. eine große, ungeordnete Menge oder Maffe, vgl. 
Fluth (4. B. ein Schwall von Menſchen, Worten u. dgl.); der Schwallig, 
-8, M. -e, landſch. Wafferb. eine ausgeriffene Uferfteile; fchwallen, ziel- 
lo. 3w. m. haben, fchweiz. f. ſchwellen, auffchwellen, quellen, von har- 
ten Körpern. 

Schwall 2. m., -e3, M. -e, (altd. swäl, Schwah) ein Fifchgefchlecht. 

Schwalm 1.,.m., -e8, o. M. (altd. swalm), landſch. f. Schwall, das 
Aufivallen, der Strudel; Qualm; oberd. auch f. Schwarm; daher ſchwäl⸗ 
men, 3w., ſchwäb. f. ſchwärmen. | 

Schwalm 2. m., -en, M. -en, oberd. f. Schwalbe. 

Schwaple, w., M. -n, Schiff. die Stüde, welche um die Zunge 
eines zufammengefeßten Maftes liegen. 

Schwamm, m., -8, M. Schwämme, Verkl. dag Schwämmchen, 
(goth. svam, altd. suam, swam, swamp, G. swambes; aud; der swamme, 
G. -en; oberd. der Schwamm und Schwammen;z niederd. Swamm, gew. 
Swamp; angelf. svam, isländ. swampr, ſchwed. swamp, dän. suomp; von 
fhwimmen, ſchwamm, ſchwemmen, wegen der lockeren, gleich]. aufgeſchwemm— 
ten, Befchaffenheit), überh. ein weicher, fehr lockerer od. Löchriger (poröfer) 
Naturkörper, insbef. 1) eine Klaffe von Gewächfen, beftehend aus einer 
fleifchichten, Lederartigen Maffe ohne Zweige u. Blätter (lat. fungus), finnv. 
Pilz, welches jedoch) in engerer Bed. nur die mehr pflanzenähnlichen Schwämme 
mit unterf'heidbaren Theilen, als Stiel, Hut 2c. bezeichnet; Gattungen des 
Schwammes find: der Blätter, Löcher-, Stachelſchwamm, Ader- od. Runzel⸗ 


ſchwamm (Morde), Beher- od. Schüſſelſchwamm, Kugelfhwamm ꝛc.; auch 


der Schimmel; der durch Feuchtigkeit in Gebäuden entftehende Hausſchwamm 
ift verfchiedener Art; der Zunder- od. Feuerſchwamm, auch fchlechthin 
Schwamm (als Stoffnamen) genannt, ift eine Art Löcherfhwamm; 2) eine 
Gattung faferiger, Löcheriger Pflanzenthiere im Meere, Meer-, Saug- 


ſchwamm (lat. spongia), insbef. der zum Wafchen gebrauchte Badefchwamm; 


3) Erankhafte weiche Auswüchfe am thier. u. menfchl. Körper, z. B. das 
wilde Fleiſch in den Wunden der Pferde; ſchwammartige Auswüchſe an den 








Schwan | 833 


VBorberfüßen des Hornviehs; eine ſchwammichte Gefhwulft an den Gelenken 
des menfhl. Körpers: der Gliedſchwamm; dergl. Auswüchſe im Munde, bef. 
bei Kindern: Mundfhwamm, Schwämmchen, oberd. gem. der Faſch (fr. 
Aphthen); — Zfes. ſchwammähnlich, -artig, Bw.; die Schwamm— 
büchfe, =Dofe, Büchfe zu Feuerihwamm; das Schwammeifen, f. Eifenrahm; 
die Schwämmchenflechte, eine Art Flechten, als Mittel gegen die Schwämm— 
chen im Munde, auch dad Shwämmden genannt; das Schwammge— 
wächs. ſchwammichtes Gewächs, z. B. am menſchl. Körper; die Schmamm- 
koralle, eine Art Sternkorallen; die Schwammmotte, eine Art Motten, die 
fi gern auf Baumſchwämmen aufhalten, deren Larve: die Schwammraupe; 
die Schwammfeife, eine leichte, löcherige Seife; der Schwammſtein, Ko- 
rallenfhwamm; eine Elumpenweife zufammengeballte ſchwammförmige Stein- 
mafle; — Ableit. [hwammicht, Bw., ſchwaͤmmähnlich, d. i. weich, ge— 
dunfen und löcherig (z. B. Brod); ſchwammig, Bw., Schwamm oder 
Schwämme habend, enthaltend; gem. f. ſchwammicht; ſchwammezen, 
3mw., oberd. f. loder fein, [hwanfen, einfinken (wie Moorgrund ; val. das 
engl. swamp, Sumpf, Meoraft). 

Schwan, m., -e3, M. Schwäne, alt u. oberd. ©. u. M. Schwanen, 
(althochd. suan, G. suanes, u. suano, G. suanin; mittelh. swane, -n; angelf. 
svan, engl. ſchwed. swan; von dunkler Abftammungz ſchwerlich von einer 
Wurzel svan, tönen, fingen, (ſanskr. svana, lat. sonus): alfo der Sänger?), 
ein zum Gefchlechte der Gans gehörender großer ſchöner Schwimm- 
vogel mit langem Hals und blendend weißem Gefieder, im Alterthum dem 
Apollo heilig u. ein Sinnbild der Dichter; auch Namen eines Sternbildes; 
uneig. eine Art Nacdjtmotten, die auf Obftbäumen leben; bie oberd. M. 
Schwanen, auch f. Schwanenfedern, u. ein Bett von folchen Federn; — 
3fes. der Schwanenarm, -buſen, -leib, naden, die Schwanenbruft, 
hand, -haut 2c., dicht. f. ſchwanenweißer Arm, Bufen 2c.; das Schwa- 
nenbett, ein Bett von den weichen Flaumfedern des Schwanes; der Schwa- 
nenboi, ein fehe weicher, feiner Boi (ſ. d.); die Schwanenfeder: das 
Schwanenfell, zubereitete Schwanenhaut mit den daran befindlichen Flaum— 
federn; die Schwanengans, eine Art aus Afrika ffammender Gänfe, welche 
den Hals wie die Schwäne tragen; der Schwanengefang, der Liebliche Ges 
fang, welchen nach einer alten Sage der fterbende Schwan hören laſſen foll; 
daher uneig. der legte Gefang od. die legte Dichtung eines Dichters, auch wohl: 
das Schwanenlied, der Schwanenfang; der Schwanenhals, der lange, 
wie ein latein. S gebogene Hals des Schwanes; uneig. ein ähnlich gebogener 
Hals, bef. eines Pferdes, u. ein Pferd mit ſolchem Halfe; verfchiedene ähnlich 
geftaltete Körper, z. B. gebogene ftarke Eifen an Kutfchageftellen; eine Art 
Fangeiſen, bef. für Füchſe; Schiff. der gabelförmige Theil des Eifens einer 
Drehbaffe; ein Erummer Haken am Giefbaum u. dal. m.; auch f. fchwanen- 
weißer Hals (4. B. eines Mädchens); der Schwanenfiel, Kiel einer Flügel— 
feder des Schwanes; der Schwanenkrebs, eine Art oftind. Krebfe; der 
Schwanentaucher, die Kropfgans; der Schwanenwagen, ein mit Schwä- 
nen befpannter Wagen; fhwanenweich, Bw., fo weich, wie die Klaumfedern 
des Schwanes; ſchwanenweiß, Bw., blendend weiß; die Schwanenweiße, 
Weiße des Schwancs, blendende Weiße; — Ableit. der Schwänling, -e$, 
M. -e, Neumw. f. junger Schwan. 


Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 33 


* 


834 Schwand — ſchwanken 


Schwand 1. m., -es, (verw. mit Wand, od. von ſchwinden, allmählich 
abnehmen?), ſchweiz. ein nicht fehr fchroffer Berg - Abhang. 

Schwand 2. m., -e8, od. w. (von ſchwinden), oberd. f. Abnahme oder 
Verminderung durch Eintrodnung x, f.v. w. Schwund, Schrumpf, 


vom Getreide (Kaftenihmwand), Wein (Kellerfhwand) u. dgl.; daher ° 


ſchwanen 1. (t. ſchwanden) zielof. Zw., ſchwäb. u. ſchweiz. f. abnehmen, 

ſchwinden, vermindert werden (vom Wein, Eintrodnenden Holze, menſchl. 

Gliedern 2c.); die Schwanung f. Abnahme, beſ. Fruchtſchrumpf. 
ſchwanen 2. zielloſ. 3w. m. haben (mittelh. swanen? niederd. ſwanen, 


ſwanden, letzteres vielleicht die urſpr. Form, fo dafs es mit ſchwinden 


verw. wäre; vgl. das oberd. es ſchwindelt mir f. es ahndet mir; n. A. heißt 


es urſpr. tönen (verw. mit dem ſanskr. svana, lat. sonus), dunkel in der Seele 


klingen) gew. unp. mit dem Dat. ber Perſon: es ſchwanet mir, landſch. 
u. alterthüml. f. es ahndet mir, ich habe ein Vorgefühl, (es hat mir ges 
ſchwanet; auch mit einem Sahmort ald Subject, 3. B. mir ſchwanet nichts 
Butes). 

Schwanenarm ıc. — Schwanenweiße, f. unter Schwan. 

Schwang, m., -08, 0. M. (v, ſchwingen; vgl. Schwant), ber Zuftand 
des Schwingens, finno. Schwung, Schwingung (3. B. einer Glode); gew. 
uneig. f. allgemeine Ubung od. Anwendung, herrfchender Gebrauch, finnv. 
Gang, in den Redensarten: im Schwange fein od. gehen (vgl. das franz. 
etre en. vogue), in Schwang kommen, etwas in Shwang bringen, 
(bibl. daſs Gerechtigkeit im Schwange gehe; jest gew. von üblen Gewohnhei— 
ten, 3. B. allerlei Thorheiten, after zc. find im Schwange); das Schwang- 
bett, f. Hangebett, Hangematte; das Schwangblei, bieierner Schwengel; 
das Schwangrad, =feil ıc., f. Schwungrad, feil; — der Schwängel, f. 
Schwengel. ; 

fchwanger, Bmw. (altd. suangar, swanger; auch swaugel, geswanger, ge- 
swangen; von suingan, ſchwingen, erfhüttern, alfo eig. erfchürtert, durch 
Erſchütterung müde, träge; vgl. das angel. svongor, träge, ſchläfrig, isländ. 
svangr, hungrig, nüchtern), befruchtet, eine Leibesfrucht tragend, nur von 
dem Weibez von Thieren fagt man: trächtig, (ſchwanger fein od.ger 
ben, edler und gewählter: guter Hoffnung oder gefegneten Leibes fein; eine 
ſchwangere Frau, od. als Hw. eine Schwangere; hochſchwanger, f. unter 
hoch); uneig. mit etwas ſchwanger gehen, d. i. etwas (gem. Böfes) 
im Sinne haben, mit deffen Ausführung: umgehen; überh. f. etwas in ſich 
tragend, den Keim oder Grund einer Erfcheinung in ſich enthaltend, in 
Zfeg. wie gewitter:, unglüdsfhwanger u. dgl.; die Echwangerfchaft, der 


Zuſtand des Schwangerfeins, nur im eig. Sinne; fhwängern, ziel. 3w., 


fhwanger machen, bef. außer der Ehe, finnv. fchwächen (ein Mädchen—; 
eine Gefchwängerte); in weiterer Bed. überh. f. befruchten (von Pflanzen); 
uneig. f. anfüllen, fättigen (3. B. die Luft ift mit Dünften geſchwängert); 
der Schwängerer, -8, wer (eine weibl. Perfon) ſchwängert; die Schwänz. 
gerung, das Schwängern. ' 

fchwanfen, ziellof. Zw. (abgel. von ſchwingen, swingan, swingen und das 
neben suinchan, swinkan, Prät. swanc; vgl. fhlingen u. ſchlank, zingen und 
ranfen), 1) m. haben, eig. ſich ſchwingend bin und her od. auf und ab 
bewegen (4. B. die Pappel ſchwankt im Winde, der Kahn auf den Wellen, 





Shwn " 835 


das Waffer im Gefäße 2c.); fich ſchwach u. unficher bewegen, finnv. wan- 

fen, taumeln (im Gehen ſchwanken; ſchwankende Kniee ꝛc.; uneig. fchwan- 
kende Gefundheit); von der regelmäßigen Bewegung od. geraden Richtung 
abweichen (das Schwanfen ber Erdachſe, fr. Nutation, — des Mondes, fr. 
Libration); uneig. f. unentfchloffen, unentfchieden fein (ih ſchwanke noch, 
was ich thun fol), unbeftimmt, unklar fein (ſchwankende Begriffe, Aus— 
drüde 2c.); 2) m. fein, ſchwankend den Drt verlaffen oder verändern, 
ſchwankend gehen (z. B. der Wein ift aus dem Gefäße geſchwankt; der Kranke 
ift aus dem Zimmer gefehwantt); die Schwanfung, das Schwanten; — 
fhwanf, Bw., Comp. ſchwanker, Sup. ſchwankſt, (oberd. auch ſch wan— 
keh), lang, dünn u. biegfam u. daher hin u. her ſchwankend, finnv. ſchlank 
(ein ſchwankes Reis, ein ſchwanker Baum); felten uneig. f. unentfcieden, 
unbeftimmt (ſchwanke Ausdrüde, gem. ſchwankende); ſchwankfüßig, Bw., 
auf ſchwankenden Füßen gehend; — der Schwanf, -es, M. Schwäne, 
(altd. swanc, G. swankes), ehem. f. ſchwingende Bewegung, Schwang, 
Schwung; gefhwungener Schlag, Streih, Schwert=, Fechterſtreich; 
jegt uneig. f. luftiger Streich od. Einfall, launige Erzählung, Scherzrede, 
ſinnv. Schnafe, Schnurre, Poffe, (Schwänfe machen, erzählen ꝛc.; ſchwed. 
swink, Liſt; dän. swenke, £iften, Kniffe; vergl. Rank und ranfen); der 
Schwanfmader, wer Schwänke macht; oberd. f. unzuverläffiger Menfch, 
Windbeutel; ſchwankweiſe, Nw., nah Art eines Schwantes; — ſchwän— 
fen, ziel. 3w., f. ſchwenken. 

Schwanz, m., -es, M. Schwänze; Verkl. das Schwänzchen, Schwänz- 
lein, (mittelh. swanz f. Schleppkleid, Tanz, wahrſch. von swanzen, f. ſchwan— 
ten, ſ. u. ſchwanzen u. vgl. ſchwenzen; in der jest üblichen Bed. gebrauchte 
man dafür zagel; ſchwed. swans, dän. swands), urfpr. überh. etwas Herab— 
hangendes, Schwanfendes, daher ehem. f. Schleppe, Schleppkleid, Tanz- 
anzug; aud ein (auf dem Kopfe ſchwankender) Theil des weibl. Kopfputzes; 
u. f. Tanz; jegt der bewegliche, gem. in eine Spise auslaufende Theil am 
Ende des Rumpfes thierifcher Körper, von weiterer Bed., aber weniger edel, 
als Schweif (j. d.), landich. gem. auch Bürzel, Sterze, niederd. Steert 2c. 
(der Schwanz eines Pferdes, Hundes, der Mäufe, Eidechſen, Krebfe, Fiſche ac. 5 - 
ſprichw. dem Hunde —, uneig. Jemand auf den Schwanz treten, f. ihn belei- 
digen; den Schwanz ftreicheln, f. Fuchsſchwanz; eine Sache auf den Schwanz 
ſchlagen, d. i. fie fich heimlich u. widerrechtlich zueignenz oberd. einen Schwanz 
machen f. fein Wort nicht halten); in weiterer Bed. das dünne Ende eines 
Dinges, 3. B. der Haarzopf; die Schwänze der Noten, d. i. die dünnen 
Strihe an den Köpfen; der Schwanz einer Schraube; Pflanz. ein langer, 
fadenförmiger Körper an der Spige des Samens ꝛc.; uneig. auch f. etwas 
Nahfolgendes, ein Anhang, Gefolge zc. (einen langen Schwanz an etwas 
machen; landfch. der Kaffee Hat einen Schwanz, f. Nachgeſchmack); niedr. f. 
das männliche Glied (vgl. das lat. canda f. penis); oberd. gem. geringfchäsig, 
aber nicht beleidigend f. männliche Perfon (du Schwanz! 2c.); in Zfes. ein 
Thier, eine Pflanze ꝛc. mit einem Schwanze, 3. B. Lang-, Stumpf, Grün-, 
Seiden-, Fuchs-, Katzenſchwanz zc., ſ. d. — ſchwanzen (auch ſchwanzie— 
ren), zielloſ. Zw. (mittelh. swanzen, eig. den Leib ſchwankend hin u. her be— 
wegen) oberd. f. ſtutzerhaft geziert einhergehen, ſtolziren; müßig umher— 
gehen, ſchlendern; — 3ſetz. von Schwanz: die Schwanzader, Ader am 


53* 





836 Schwanz 


Schwanze, bef. der Pferde, auch Sternader; die Schwanzbeere, landſch. f. 
Heidelbeere; das Schwanzbein, bei vierfüß. Thieren die Beine des verlän- 
gerten Rüdgrats, welche den Schwanz bilden; bei Menfchen ſ. v. w. Steiß- 
bein; das Schwanz-Ende, das Ende eines Dinges, welches deffen Schwanz 


ausmacht; auc das Ende des Schwanzes; der Schwanzfarn, eine Art des 


Srauenhaars, eine Pflanze; die Schwanzfeder, Federn, welche den Schwanz 
eines Vogels ausmachen; die Schwanzfliege, eine Art Fliegen mit einem 
zweifchneidigen Stachel als Schwanz; die Schwanzfloffe, die Floſſe, welche 
den Schwanz des Fiihes endigt; der Schwanzfuß, Füße in der Gegend des 
Schwanzes, bei vielfüßigen Inſecten; der Schwanzhafer, landſch. f. Taub- 
od. Windhaferz der Schwanzhammer, ein vom Waffer getriebener, 20 bie 
40 Pfund fhwerer Hammer; die Schwanzfröte, eine Art geſchwänzter Krö- 
ten; ſchwanzlos, Bw., ohne Schwanz, ungefchwänzt; die Schwanzmeife, 
eine Art Eleiner, langſchwänziger Meilen, auch Zagel-, Berg-, Schnee-, Sumpf: 
meife 2c.; der Schwanzpapagei, Papageien-Art mit langem Schwanze; die 
Schwanzperrüde, Zopfperrüde; die Schwanzrafte, furinam. Beutelvatte 
mit langem Schwanze; der Schwanzriemen, ein Riemen am Pferdegeichirr, 
welcher unter dem Schwange des Pferdes durchgeht; der Schwanzring, 
Hüttenw. der um den Schwanz eines Hammers gelegte eiferne Ring; Die 
Schwanzrübe, |. Rübe; die Schwanzfchraube, an Feuergewehren die 
Schraube, welche in die Mündung des Pulverfads eingefchraubt iftz der 
Schwanzitern, f. v. w. Haar» oder Schweifftern (f. das fr. Komet); das 
Schwanzſtück, ein Stück von dem Schwanze od. Hintertheil eines Thieres 
(z. B. eines Rindes); das Stück, an welchem fic der Schwanz befindet, der 
abgefchnittene Schwanz (won einem Fiſche); der Schwanzfräger, olt. f. 
Schleppträger; die Schwanzwespe, ſ. v. w. Sägenfliege; der Schwanz: 
wurm, ein Eingeweidewurm, welcher an einem Ende eine fadenförmige Borfte 
hat, auch Haarwurm; ein freffendes Gefhwür in dem Schwanze des Rind- 
vichs, niederd. Quas-, Steertwurm; — Ableit. das Schwänzel, -$, M. 
w. E., oberd. gem. f. Schwänzlein, Schwänzchen; landſch. f. Grün— 
fhwanz, Grünfink; f. Sommerloldy; Hüttenw. verderbt f. Schwemmſel, 
ſ. d.; ſchwänzen, 3w., 1) ziellos m. Haben, den Schwanz hin u. her 
bewegen, wedeln; daher gem. im Gehen den Hintern hin u. her bewegen, 
gew. ſchwänzeln; Yandfch. auch f. müßig und nachläffig umhergehen (her- 
umfhwänzen; vgl. o. ſchwanzen); daher wohl gem. f. ettwas ohne Noth 
u.muthwillig verſäumen (er hat geſchwänzt; u. ziel. die Schule, die Stunde ze. 
ſchwänzen); 2) ziel. mit einem Schwanze verfehen (4. B. eine Note; bei. 
des Mw. geſchwänzt); oberd. auch des Schwanzes berauben (einen 
Hund —, ihm den Schwanz abhauen); uneig. et was —, oberd. f. heimlich 
und unerlaubter MWeife nehmen; einen—, gem. f. um etwas betrügen, 
prellen; oberd. f. ihn Schwanz (ſ. 0.) heißen, fchelten, verächtlich behandeln; 
plagen, züchtigen; ſchwänzeln, ziellof. Zw., das verkt. ſchwänzen: dem 
Schwanz (oder Hintern) hin u. her bewegen; beſ. fehmeichelnd mit dem 
Schwanze wedeln (von Hunden); der Schwänzelpfennig, gew. M. 
Schwänzelpfennige, gem. fcherzh. Geld, weldyes man ſchwänzt, d. i. als un— 
erlaubten Gewinn beim Ein= oder Verkauf unterfchlägt, auch Korbpfennige; 
fhwänzig, Bw., 1) einen Schwanz habend, geſchwänzt, gew. nur in 





ſchwapp — Schwarm 837 


Zſetz. wie lang=, kurzſchwänzig 2c.; 2) oberd. f. munter, ftattlich, zierlich 
(wohl von ſchwanzen, f. 0.) 

fhwapp od. ſchwapps, ein ſchallnachahmender Naturlaut der Valkefpr., 
welcher den Schall ausdrückt, der durch einen heftigen Schlag auf einen 
weichen Körper, oder durch das Anfchlagen eines weichen od. flüffigen Kör— 
pers an einen harten entfteht (z. B. es ging ſchwapp; ſchwapp, befam er 
eine Ohrfeige; vgl. fhwipp); ſchwappen, ſchwappeln, fihwappern, 3m., 
gem., diefen Schall hervorbringen (3. B. fchlagen, dafs es ſchwappt); oberd. 
f. fhwabben, fhwabbeln (f. d.); ſchwappen aud f. fhwanfen, unftät 
fein; ſchwappeln f. gern trinken, ſchwelgen; ehem. f. ſchwatzen; der 
Schwappelbauch, fehwappelig ꝛc. ſ. Schwabbelbauch 2c. 

Schwar, m., -e8, M. -e, od. der Schware, -n, niederd. (Sware von 
Mwaar f. ſchwer), eine Eupferne Scheidemünge in Bremen, — JGrot oder 
15 Grofchen. 

ſchwären, zielloſ. Zw., ablaut. ſchwärſt, ſchwärt mundartf. noch ſchwierſt, 
ſchwiert); Impf. fehtwor, Gonj. ſchwöre; Mw. geſchworen, (oberd. 
ſchweren, ſchwiren; altd. sueran, swern, Präſ. swir ꝛc., Prät. swar, Part. 
gesworn, überh. f. ſchmerzen; Grundbegriff der Wurzel suar ſcheint: drücken; 
daher suäri, swaere, ſchwer, ſ. d.; vgl. euch ſehr, das angelſ. sar, ſchwed. 
sar, Schmerz, Geſchwür, engl. sore 2c.; n. X. iſt die Wurzel war, freſſen od. 
brennen (vgl. warm?), mit vorgetretenem s; vgl. d. ſchwed. war, angelf. vyr, 
Eiter, lat. virus; angelf. vaerc, Geſchwür ꝛc.), in Eiterung übergehen, ein 
Geſchwür bilden, gew. m. fein (4. B. der Finger ſchwärt, ift gefchworen, 
d. i. es ift ein Geſchwür daran entftanden; m. haben nur, wenn mehr der 
Vorgang des Schwärens, als das Ergebnifs ausgedrückt werden foll, 3. 8. 
die Wunde hat gefchworen, d. i. geeitert); — der Schwär, -en, M. -en, 
od. der Schwären, -$, M. w. E., landſch. auch) die Schwäre, M. -n, 
(oberd. der Schwer od. Schweren, aud) das Gefchwer; altd. der suero, swere, 
swer, d. i. überh. Schmerz, z. B. zandswer, f. Zahnfchmerz), eine mit Eiter 
angefüllte Haut-Erhöhung, Eiterbeule, Außerlihes Geſchwür, (von enge: 
rer Bed., ald Gefhwür, welches auch Eiterungen in inneren Körper: 
theilen bezeichnet); — das Schwärfraut, f. v. w. Grindkraut, bei. Ader- 
grindkraut, blaue Kornrofe. 

Schwarf, m., -es, M. Schwärfe, niederd. (Swark; preuß. die Schwärke; 
holl. zwark, zwerk; angelj. sveorc, Finfternifs, gesveorc, Nebel; verw. mit 
fhwarz 2) f. eine Dice Regen- oder Gewitterwolke; ein Bienenfhwarm; 
fchwarfen od. ſchwärken, ziellof. Zw., niederd. (auch ſworken, beſworken; 
ehem. ſchwargen; altfächf. suercan, finfter werden) f. fich dicht bewölken (es 
ſchwarket zc.). 

Schwarm, m., -e8, M. Schwärme, (alid. suaram, suarm, swarm; 
angelf. svearm, engl. swarm, ſchwed. svärm; von der Wurzel suar, ſchwirren, 
ſ. d.5 vgl. aud) das altd. swerben, swarp 2c., niederd. ſwarven, oberd. 
fhwirbeln, ſich wirbelnd bewegen, ſchwärmen, und werben, wir: 
bein zc.), ein fi) mit Geräufch bewegender, verworrener Haufen gleich- 
artiger lebendiger Werfen, bef. von Müden, Bienen ꝛc. (Müden-, Bienen: 
ſchwarm, f. d.), aber auch von Menfchen (ein Schwarm junger Leute; der 
ganze Schwarm folgte ihm 2c.); auch f. Lärm, Geräufch, raufchende Ver: 
gnügungen (im Schwarme leben, Tandfch. f. in Saus und Braus); uneig. 


838 h Schwarte 


überh. f. eine ungeordnete, vertworrene Menge (4. B. ein Schwarm von Ge 
danken, Bildern 2c.); landfch. f. ein Anfall von Geiftesverwirrung, Zer: 
flreuung 2e. (einen Schwarm haben, bekommen ꝛc.; Jäg. ber Leithund hat 
den Schwarm, wenn er, duch fremde Witterung verwirrt, die Fährte ver: 
liert); Zſetz. der Schwarmfad, ein Sad, in welchen man einen Bienen- 
ſchwarm fat; ſchwarmweiſe, Nw., in einem Schwarme oder in Schwär- 
men; — fhwärmen, ziellof. Zw., (oberd. fchwermen, ſchwirmen; niederd. 
fwarmen u. fwarven; angelf. svearmian, engl. swarm, ſchwed. svärma), ſich 
im Schwarm, d. i. in verworrener Menge und mit Geräuſch bewegen 
(Mücken ſchwärmen; die Bienen ſchwärmen, wenn die Jungen im Schwarm 
aus dem Stocke ziehen; Kinder, junge Leute ſchwärmen auf den Straßen um: 


herz; in der Regel m. haben, 3. B. die Bienen haben geſchwärmt; m. fein T 


nur, wenn Ausgangspunkt oder Ziel der Bewegung angedeutet wird, 3. B. fie 
find fort-, dahin geſchwärmt 2c.); auch überh. f. ſchweifen G. B. auf der See 
umherfchwärmen); in engerer Bed. u. uneig. in raufchenden, ausſchweifenden 
Vergnügungen leben (er ſchwärmt gern, hat viel gefchwärmt); verworrenen 
finnlichen Vorftellungen folgen od. nachhangen (Jäg. der Leithund ſchwärmt, 


d. i. läfit fih im Suchen irre machen; auch unp. es ſchwärmt in feinem | 
Kopfe); insbef. fich angenehmen dunkeln Gefühlen oder Einbildungen, ° 


überfpannten Empfindungen ꝛc. ohne befonnenes Urtheil hingeben (er 
ſchwärmt in der Religion, in der Liebe, Freundſchaft ze; au: für etwas 
ſchwärmen, d. i. maßlos und blindlings dafiir eingenommen fein); 3fes. der 


Schwärmgeift, Geift, Gefinnung des Schwärmens od. eines Schwärmers; 1 


auch ein gern ſchwärmender Menſch; die Schwärmzeit, die Zeit, im welcher 
die Bienen ſchwärmen; Ableit. der Schwärmer, -8, M. w. €., 1) überh. 
wer ſchwärmt, ein ſchwärmendes Weſen od. Ding, z. B. eine zum Schwär— 
men geneigte Biene; Jäg. ein ſchwärmender (ſ. o.) Leithundz Naturk. fi. 


Dimmerungsfehmetterling, Abendvogel; eine Art Klipp=, oder Bands 4 
fifche; die fpringenden Spinnen, welche fein Gewebe machen 2c.; in der 
Feuerwerkskunft eine mit Pulver gefüllte walzenformige Papierhülfe, weiche 


angezündet praſſelnd hin und her fliegt u. mit einem Knalle zerplagt; 2) def. 


ein Menfch, welcher ſchwärmt, d. i. in raufchenden Vergnügungen lebt 7 
(z. B. ein Nachtſchwärmer), oder uneig. verworrenen Vorftellungen, dunfeln 


Gefühlen und Einbildungen nahhängt (fr. Phantaft), weibl. die Schwar- 
merinn, (4. B. in ber Liebe; KReligionss od. Glaubensfhwärmer, ft. 


Fanatiker); daher: der Schwärmereifer, Eifer eines Schwärmers (fr. ga 
natismus); die Schwärmerei, 1) das Schwärmen, der Zuftand und die 


Handlungsweiſe eines Schwärmers, nur uneig. (7. B. in der Liebe, Relis 
gion 20.); 2) eine Handlung oder Außerung eines Schwärmers (M. 
Schwärmereien); ſchwärmeriſch, Bw., einem Schwärmer eigen od. anz 
gemeffen, in der Schwärmerei gegründet, nach Art eines Schwärmers 


(Ihwärmerifche Meinungen; fchwärmerifch lieben 20.); einem Schwärmer 


Ähnlich, zur Schwärmerei geneigt (ein ſchwärmeriſcher Menfch). 


Schwarte, w., M. -n, Verkl. das Schwärtchen, (altd. swarta, swarte, 


bef. f. die behaarte Kopfhaut des Menfchen, ohne verächtl. Nebenbegriff; oberd. 


die Schwarten, niederd. Swaarde, Sware; isländ. svördr, angelf. sveard, 


engl. sward, ſchwed. swärd, holl. zwoord), urfpr. wohl "üiberh. dicke, harte 


Dede, bef. Thierhaut; jest gem. in engerer Bed. die dicke Spedhaut des 





nn male —— 


m nen, 


—— — 


ſchwarz 839 


Schweines, Speckrinde, (Sped-, Schweinſchwarte); Jäg. auch die abgezo— 
gene Haut des Dachſes; niedr. f. die Haut des Menſchen (z. B. einen ſchla— 
gen, dafs ihm die Schwarte knackt), daher auch gem. f. Menſch (z. B. eine 
gute Schwarte; vgl. Haut); landſch. f. Nafen, begraste Aderrinde (in der 
Schwarte adern, d. i. das Brachfeld umpflügen); die noch mit der Rinde bes 
Eleideten Außerften Bretter von einem zerfügten Kloße heigen: Schwarten, 
auh Shwartenbretter, oberd. Schwärtlinge; die Ninde, welche 
ſich beim Kochen der Speifen an das Gefchirr anfest (das Schwärt- 
den); gem. ſcherzh. f. ein in Schweinsleder gebundenes u. überh. ein altes 
Buch; der Schwartenmagen, ein mit zerfchnittenem Sped und Schweine: 
haut, Schweinsblut, Semmel ze: gefüllter Schweinsmagen; die Schwarten: 
wurft, eine eben fo gefüllte Wurft; ſchwartig, Bw., Schwarte, d. i. die, 
harte Haut habend, (Weißgerb. ein Fell ift fchwartig, d. i. dick und hart); 
ſchwarten, ziel. 3w., oberd. f. prügeln, peitfchen. 

ſchwarz, Bw., Comp. ſchwärzer, Sup. ſchwärzeſt, (gorh. syarts; altd. 
suarz, swarz; niederd. engl. holl. swart, angelſ. sveart; isländ. svartr, ſchwed. 
svart, dän. sort; vielleicht von gleicher Wurzel mit dem lat. sord-idus ?), Be 
nennung der dunkelften Farbe, welche die wenigften Lichtſtrahlen zurüdwirft, 
entg. weiß, von verſchiedenen Schattirungen, z. B. blau=, braun, Eohl-, 
pechſchwarz 2c., (Ihmwarze Kreide, Tinte, Schwarzes Haar 2c.; ein Schwar: 
zer, die Schwarzen, als Hw. f. Neger; der Schwarze, gem. f. Zeus 
fel; das Schwarze f. was ſchwarz ift, z. B. das Schwarze im Auge, in 
der Scheibe 2e.; auch f. die Schwarze Farbe, 3. B. ins Schwarze fallen, |. 
fallen; vgl. u. das Schwarz; das ſchwarze Brett, auf Hochſchulen ein 
ſchwarz angeftrichenes Brett, an welches die Bekanntmahungen der Lehrer, 
Behörden zc. geheftet werden; die ſchwarze Tafel, in Schulen 2c.; der 
ſchwarze Sonntag, d. i. der zweite Sonntag vor Oftern (fr. Iudica), 
an welchem die Altäre, Kanzeln ꝛc. ſchwarz behängt wurden; der ſchwarze 
Staar, |. Staar; fprihw. einem etwas ſchwarz auf weiß geben, d. i. 
ſchriftlich; ſo auch: Schwarz auf Weiß haben; vor Ärger, Zorn zc. ſchwarz 
werden; einen ſchwarz maden, ſchwarz anfchreiben oder ins ſchwarze 
Regifter Schreiben, d. i. ihm Böſes nachſagen, ihn für ſchlecht halten und er— 
Elären, verleumden, vgl. anfchwärzen); in weiterer Bed. f. dunkelfarbig, ing 
Schwarze fallend, ſchwärzlich (7. B. ſchwarze Augen, d. i. ſchwarzbraune; 
ſchwarze Kirfchen, d. i. ſchwarzrothe; ſchwarzes Brod, von grobem Rog— 
genmehl gebadenes, entg. weißes Brod; eine ſchwarze Haut, d. i. cine von 
der Sonne verbrannte; ſchwarze Zähne 2c.: fchwarzes Wildbret, |. v. m. 
Schwarzwild, f. ü.; der ſchwarze Waldhahn, f. v. w. Birkhahn; ſchwar— 
zes Dolz, Forftw. f. Nadelholz; ſchwarze Münze, chem. f. Kupfers, 
od. mit vielem Kupfer gemifchte Silbermünze; To auch: fchwarzes Silber; 
Hüttenw. ſchwarzes Kupfer, f. ungereinigtes; ſchwarzer Meſſingdrath, d. i. 
beim Ziehen Schwarz angelaufenerz die ſchwarze Kunft, gefhabte Kupfer- 
ftih- Manier; f. auch u.); auch f. Shmusig, befhmußt (ichwarze Wäſche); 
dunkel, finfter (Ichwarzes Gewölt ; der Himmel wird fchwarzz Schwarze 
Naht 2.5 oberd. von Waaren: ſchwarz herein kommen, d. i. gegen 
das Verbot heimlich (im Dunkeln) über die Grenze gebracht werden, vgl. u. 
ſchwärzen); uneig. f. unglüdlich, höchſt traurig, unheilvolf (ein ſchwarzer 
Tag; Alles erfcheint ihm ſchwarz); abſcheulich, boshaft, verrucht (eine 


840 ſchwarz 


ſchwarze That; die ſchwarze Seele des Verbrechers; ſein ſchwarzes Leben; 
die ſchwarze Kunſt, angebl. Zauberei mit Hülfe böſer Geiſter, fr. Nigro— 
mantie); das Schwarz, -28, 0. M., die ſchwarze Farbe (3. B. ein fchönes, 
glänzendes Schwarz; das Schwarz der Haare zc.); ein ſchwarzer Farbeftoff 


(3: B. Bein, Kohlen, Rußfhwarz; deutfches od. Frankfurter Schwarz,. 


eine bläulich-ſchwarze Erde); — 3feg. die Schwarzamfel od. -droſſel, 
gemeine Amfel; das Schwarzauge, Naturf. eine Gattung Klippfifche; eine 


Art ſchwarzgefleckter Porzellanfhneden; ſchwarzaͤugig, Biw., [hiwarze Augen 


habend; die Schwarzuade, Jäg. der große Baumfalke; der Schwarzbäder, 
wer nur ſchwarzes (Roggen-) Brod backt; der Schwarzbart , eine Perfon 
mit ſchwarzem Bartez eine Art Papageien; landfch. f. Rothhänfling, Flachs— 
fine: das Schwarzbärtchen; der Schwarzbauch, landſch. f. Näsling oder 
Nafe, eine Art Fiſche; die Schwarzbeere, Heidelbeere; der Schwarzbinder, 
ein Bötticher, welcher nur große Gefäße aus fchwarzem, d. i. Eichenholze, 
serfertiät, 7. U. v. Weißbinder; fchwarzblau, Bw., fehr dunkelblau; das 
Schwarzblech, ſchwarzes, d. i. unverzinntes Blech; ſchwarzblütig, Bw., 
ſchwärzlich rothes, dies Blut habend, u. daher ſchwermüthig; ſchwarzbraun, 
Bw., ins Schwarze fallend braun; das Schwarzbrod, Schwarzes (Roggen-) 
Brod (f. 0.); die Schwarzbruft, das Schwarzbrüftchen, eine Art Baum: 
Eletten mit ichwarzem Unterleibe; der Schwarzdorn, ſ. v. w. Schlehdorn, 
ſ. d.; die Schwarz-Ente, ver Eieine Flufstaucher; das Schwarzerz, Bergw. 
eine ſchwärzliche Art Silbererz; der Schwarzfalfe, der ſchwarze Falke oder 
Hühnerweihe; der Schwarzfärber, ein Färber, welcher nur ſchwarz färbt, 
3. U. v. Blau-, Schönfärber zc.; fehwarzfledig, Bw., Ichwarze Flecken ha— 
bend; der Schwarzflügler, eine Art vother Diefchnäbler mit ſchwarzen Flü— 
geln, in Mexiko; fchwarzfüßig, = beinig, Bw., Schwarze Füße oder Beine 


und fhwermüthig (fr. melancholiſch); ſchwarzgar, Bw., Gerb. vom Leder: 
auf folhe Art gegerbt, dafs es ſchwärzlich ift, entg. weißgar; Ihwarzge- 
fleckt, -geflügelt, gelockt, -geftreift u. dgl. m., Bw., mit ſchwarzen Flecken, 
Flügeln, Locken zc. verfehen; ſchwarzgelb, grau, grün, Bw., ins Schwarze 
fallend gelb, grau, grün; das Schwarzgüldenerz, Bergw., ein ſchwärzliches 
Silbererz, welches etwas Gold enthält; ſchwarzhaarig, Bw., ſchwarzes 
Haar habend; der Schwarzhafer, Barthafer mit kleinen ſchwärzlichen Kör— 
nern; das Schwarzholz, Forſtw. f. Nadelholz; auch f. Faulbaum; der 
Schwarzkamm, eine Art morgenländ. Wiedehopfe mit ſchwarzem Kamme; 
die Schwarzkappe, das Schwarzkäppchen, ein Perſon mit ſchwarzer 
Kappe; eine Art Bachſtelzen mit einer ſchwarzen Platte auf dem Kopfe; das 
Schwarzkehlchen, verſchiedene Vögel mit ſchwarzer Kehle, insbeſ. eine Art 
Grasmücken, auch Rothſchwänzchen; eine Art Steinſchmätzer, auch Braun— 
kehlchen, Steinpacker 2c.; eine Art blauer Baumkletten; der Schwarzkopf, 
ein Menfch od. Thier mit ſchwarzem Kopfe, insbef. die ſchwarzköpfige Gras- 
müde, j. v. w. Schwarzkäppchen; die gemeine Meerfchwalbe; eine Art gelber 
Dickſchnäbler; die amerikan. fehwarzköpfige Natter; eine Art Klippfifche; eine 
Art Erd- od. Laufkäfer; ſchwarzköpfig, Bw., einen Schwarzen Kopf habend; 


das Schwarzfrauf, eine in den Wäldern wachfende Pflanze mit ſchwarzen 
Beeren, aud) Schwarzwurg (actaea L.), be. das ährenförmige Schwarg 


traut, auch Chriftophkraut, beerentragende Wolfswurz; der Schwarz 










* 
4 





1 


EZ EL HE EHE ET U Non 


— 


nz 
F 


habend; ſchwarzgallig, Bw., eine ſchwarze Galle habend, daher jähzornig 


— urn 


En ec Ann 


= 





u Zu — — — GE — 2—— 


en nu rn Ze 


ſchwarz 841 


kümmel, eine Art Kümmel, welcher wild auf den Feldern wäch't, mit ſchwar— 
zem, gewürzhaftem, heilkräftigem Samen; auch f. Kornraden; Stechapfel; 
die Schwarzkunft, gew. ſchwarze Kunſt (ſ. o. fhwarz); der Schwarz 
fünftler, die Schwarzfünftlerinn, wer die ſchwarze Kunft verfteht u. übt, 
bbſer Zauberer, Herenmeifter,, auch überh. f. Zauberer, Zauberinn; das 
Schwarzfupfer, Hütten. das zum erften Male gefchmelzte, noch ungerei- 
nigte Kupfer, Königskupferz das Schwarzkupfererz, Bergw. Schwefel u. 
. Eifen haltendes, dem Schwarzkupfer ähnlich Tehendes Erz; Ichwarzlodig, 
Bw., Schwarze Locken habend; das Schwarzmehl, grobes Mehl; die 
Schwarzmeife, Kohlmeife; Zannenmeife; dev Schwarznagelfchmied, wel- 
her nur ſchwarze, unverzinnte Nägel macht; das Schwarzohr, ein Thier 
mit ſchwarzen Ohren, inöbef. der Steppenfuchs; der Schwarzraud), landſch. 
f. die 3werggarbe (achillea nana L.); der Schwarzrod, eine Perlon in 
ſchwarzem Rode, fcherzh. beſ. ein Geiftlicher; fchwarzrödig, Bw., einen 
ſchwarzen Rod tragend; ſchwarzroth, Bw., ins Schwarze fallend roth; der 
Schwarzrüden, ein Thier mit ſchwarzem Rüden, insbef. eine Enten - Art; 
der oder die Schwarzfchede, ein ſchwarzgefleckter Schecke (ſ. d.); ber 
Schwarzichimmel, ein weißes Pferd (f. Schimmel), deffen Weiß mit Schwarz 
gemiſcht iftz der Schwarzfchwanz, ein Thier mit ſchwarzem Schwanze, 
insbef. eine Art Bruftwenzel; eine Art Börs im nördl. Amerika; eine Art 
Meerbraffen; der Schwarzfpecht, die größte Art Spechte, meift ſchwarz, 
auch Baumhader, Specht-, Holzkrähe zc.; der Schwarzſtein, ſchwarzer 
Braunſtein; Trapp; ſchwarzſtirnig, Bro., eine ſchwarze Stirn habend (der 
ſchwarzſtirnige Sänger, eine Art Laubvögelchen: der Weidenzeiſig); 
ſchwaͤrzſtreifig, Bw., ſchwarze Streifen habend; die Schwarztanne, Fichte; 
der Schwarztaucher, das gemeine Waſſerhuhn; der Schwarzwald, ein 
aus Schwarzholz beſtehender Wald; beſ. EN. eines Waldgebirges in Ober— 
deutſchland; der Schwarzwälſche, eine Art Weinſtöcke mit großen Trauben 
und ſchwarzbraunen Beeren; das Schwarzwild oder - wildbret, wilde 
Schweine, bei Einigen auch Bären u. Dachſe; die Schwarzwinde, Korn- 
winde; [hwarzwollig, Bw., jchwarze Wolle habend; die Schwarzwurz 
od. zwurzel, eine Pflanze mit großer, auswendig fchwarzer Wurzel, die als 
Wundmittel be. bei Beinbrüchen gebraucht wird, auch Beinwell, Schmeer- 
wurz, großer Waldmeifter 2c. (symphytum officinale L.); das Schwarzkraut 
(f. d.); die Zaunrübe; ein Gartengewächs mit wohlfchmedender, äußerlich 
ſchwarzer Wurzel (scorzonera hispanica L.); ein Rantengewächs im: füdl. Eu— 
ropa mit Enolliger, äußerlich ſchwarzer Wurzel, auch Schmeerwurg, ſchwarze 
Zaunrübe (tamus communis L.); — Ableit. die Schwärze, (altd. suarzi, 
swerze) 1) o. M. das Schwarzfein, die ſchwarze Farbe eines Dinges 
(4. B. der Tinte, der Haut, der Nacht 2c.; insbef. eine durch den Mehlthau 
verurfachte Krankheit des Hopfens); auch uneig. f. die höchft traurige, oder 
fhrediihe, abfheuliche Beſchaffenheit (z. B. die Schwärze diefes Gedan— 
kens, dieſer That 2e.); 2) M. (von mehren Arten) -n, ein ſchwarzer Körper 
oder Stoff, z. B. Bergw. eine fchwarze milde Bergart (Silber-, Gold- 
ſchwärze 2c.); bei. ein fchwarzer Farbeftoff (3. B. Druder-, Schufter- 
ſchwärze 2c.); ſchwarzen, ziellof. Zw. (altd. suarzön, swarzen), vlt. f. ſchwarz 
werden, oberd. erfchwarzen; ſchwärzen, ziel. Zw. (altd. suarzian, swerzen), 
ſchwarz machen oder färben (Leder, Schuhe; das Eifen—, Schmied. mit 





842 fchwatteln — fihweben - 
Pech beſtreichen, wenn es noch heiß iſt); ſchmutzig machen (die Wäſche); 


dunkel machen, verfinſtern, trüben (Wolken ſchwärzen den Himmel; auch: 


ſich ſchwärzen, f. dunkel werden, z. B. der Himmel ſchwärzt ſich); uneig. 
f. traurig machen, betrüben (bange Ahndungen ſchwärzen ſeinen Sinn); böſe 
darſtellen, verleumden, gew. anſchwärzen; oberd. Waaren —, d. i. gegen 
das Verbot mit Umgehung des Zolles heimlich über die Grenze bringen, 
niederd. ſchmuggeln, (etwas ein- durchſchwärzen ꝛc.; wahrid. von 
ſchwarz f. dunkel, heimlich; vgl. o. ſchwarz herein kommen; u. die Schwärz 
in der Gaunerfpr. f. Naht); der Schwärzpinſel, quaſt, wiſch, ein Pin⸗ 


ſel 2c. zum Schwärzen, d. i. Schwarz-Anftreichen; der Schwärzer, -8, wer. 


etwas ſchwärzt, d. i. ſchwarz macht; oberd. fe Schmuggler, Schleich 
händler; das Schwärzfel, -8, ein Färbeftoff zum Schwärzen, bef. Schiffb. 
ein Gemiſch von Kienruß mit Ol oder Theer; ſchwärzlich, Bw. , ſich det 
ſchwarzen Farbe nähernd, ins Schwarze fallend. 

fchwatteln, ziellof. Zw., ſchwäb. f. fchwabbeln, fehwappeln: über 
ſchwanken, plätfhern; ſchwattig od. ſchwättig, Bw., f. v. w. ſchwabbelig, 
ſchwankend. 

ſchwatzen, oberd. ſchwätzen, zielloſ. u. ziel. Zw., (holl. zwetsen; engl. 
twattle, tattle; — fehlt im Altd. u. iſt vielleicht nur Schallw.; vgl. waſchen, 
Gewäſch, quaſſeln, u. das griech. Zaleıv), ſchnell u. viel von unerheblichen 
Dingen reden, finnv. plappern; weitläufig und langweilig fprechen (über 
etwas —, von einer Sache —; auch etwas —, 3. B. albernes Zeug —); Vetz 
traulich reden, finnv. plaudern (mit Semand—); etwas Anvertrautes od. 
‚Geheimes Andern mittheilen (aus der Schul ſchwatzen; etwas ausſch wa—⸗ 


en 2c.); uneig. auch vom Gefang oder Gezwitfcher der Vögel, dem Raus } 


hen des Windes u. Waffers 2c.; der Schwaß od. Schwätz, -es, oberd. f. 
das Geſchwätz, vertrauliches Geſpräch; — das Schwaßmaul, gem. fi 
Schwäser, Scwägerinn; der Schwaßmarkt; die Schwatzſchule, der 
Schwatzwinkel, ſcherzh. ein Ort, wo man zum Schwasen zuſammenkommt; 
die Schwatzſucht, Sucht zu Shmwagen; ſchwatzſüchtig, Bw.; — bet 
Schwäßer, -$, die Schwäßerinn, M. -en, wer gern und viel ſchwatzt 


(ein langweiiger Shwäger); wer Geheimniffe ausplaudert; die Schwägere, — 


gem. f. dag Schwagen; Gefhwäs; ſchwatzhaft, Bw., gern fchwagend, 
ſinnv. gefhmwäsig; zum Schwaßen od. Ausplaudern geneigt; die Schwab: 
haftigfeit, finno. Geſchwätzigkeit; ſchwätzig, ſchwatzlich, Bw., vit. f. ges 
ſchwätzig, ſchwatzhaft. 
ſchweben, zielloſ. Zw. m. Haben (altd. suepon, sueben, sweben; isländ. 
sueifa, ſchwed. sväfvaz val. fchweifen u. weben), urfpr. überh. im wogender 
“od. ſchwankender Bewegung fein, daher chem. insbef. f. [hwimmen, auf 
dem Waſſer ſchwanken (bibl. wie ein Schiff auf ungeſtümem Meere ſchwe— 
bet 2c.); jest gew. 1) fi in der Luft frei erhalten oder leicht und fanft 
bewegen, finnv. fliegen, welches fchnellere Bewegung in beftimmter Richtung 


bezeichnet (ein Vogel ſchwebt in der Luft; der Nebel ſchwebt über dem Wafler; - 


bibl. der Geift Gottes ſchwebte auf den Waſſern; uneig. ein ſchwebender 
Schritt, Gang, d. i. ein ſehr leichter, welcher den Boden Faum zu berühren 


ſcheint; hoch ſchwebende Gedanken; es ſchwebt mir vor den Augen, d. i. ih 


glaube es im Geifte vor mir zu fehen; das Wort ſchwebt mir auf der Zunge, 
d. i. es liegt mir dunkel im Sinne, fo dafs ich mich jeden Augenblict darauf 


⸗ 





Pr nu er — 


Schwede — fhwedern 843 


zu befinnen hoffe); 2) in der Höhe befeftigt frei herabhangen (z. B. ein 


Kronleuchter ſchwebt an der Dede; eine ſchwebende Lampe 2c.); im weiterer _ 


Bed. auch: bei wenig bemerkbarer Befoftigung vom Boden aus Über den: 
felben erhoben fein (eine ſchwebende Brücke, d. i. eine in Ketten hangende, od. 
eine hoch u. kühn gewölbte; Bergw. ein ſchwebendes Feld, d. i. ein folches, 
welches von allen Seiten verfahren ift u. nur noch feine Bergfefte hat; ſchwe— 
bende Gänge, d. i. flahe, wagerechte, auh ſchwebiſche, une. ſchwäbi— 
ſche genannt); uneig. f. v. w. ſchwanken, in einem ungewiffen, unent= 
f&hievenen Zuftand fein (zwifchen Furcht und Hoffnung—,-in Gefahr ſchwe⸗— 
ben; ein Ton ſchwebt, wenn er nicht rein iſt; eine Streitſache ſchwebt, 
wenn fie noch nicht entichieden ift) ; — der Schweb, oberd. Schiff. am Bor 
denfee: der mittlere Theil des Sees; die Schwebe, M. -n (oberd. die 
Schweb), der Zuftand des Schwebens oder Schwankens (4. B. in der 
Schwebe fein); oberd. auch f. die Schwebftange am Frachtwagen; — Zſetz. 
das Schwebeband, ein ſchwebendes, oder etwas in der Schwebe haltendes 
Band, z. B. die Bänder, welche den Dotter im Ei halten; die Schweb- 
fliege, Rüſſelfliege; die Schwebforelle, Forellen, welche fi) in der Höhe 
des Waffers aufhalten, z. U. v. Grundforelle; der Schwebefünftler, Neum. 
f. das fr. Äquilibriſt; — Ableit. der Schweber, -8, die Schweberinn, 
wer ſchwebt; Naturk. Schweber f. Schwebfliege; u. f. Lerchenfal oder 
Schwimmer; — fehwebeln, zielof. Zw. m. haben, (mittel). swibelen 
f. taumeln; vgl. ſchweimen ꝛ⁊c.; wahrfch. nicht von dem obigen fchweben, fon= 
dern don dem völlig vlt. ablaut. suepan, sweben, swap 2c., isländ. svefan, 
ſchlafen; daher mittelh. entsweben, einſchläfern u. einfchlafen; ſanskr. Wurzel 
svap, lat. sop-or ıc., somnus f. sop-nus, griech. Urvos, Schlaf ıc.), träu⸗ 
merifch betäubt fein, bef. in der Verbindung: nebeln w [hwebeln, di. 
in unklaren Gefühlen u. Vorftellungen ſich bewegen; daher auch: der Schwer 
beler, finnv. Träumer, Schwärmer. 

Schwede, m., -en, M.-en, (oberd. der Schwed), die Schwedinm, 
M.-en, EN. eines zum deutſchen Stamme gehörenden Volkes, welches 
den größeren Theil der fEandinavifhen Halbinſel bewohnt, („alter Schwede!“ 
gem. vertrauliche Benennung f. ehrlicher, treuberziger Menſch); daher Schwer 
den, f., -$, das Land der Schweden (das Königreich Schweden); der 
Schwedenkopf, ein Kopf mit kurz gefchnittenem Haare; aud eine Perfon, 
welche das Haar fo trägt; ſchwediſch, Bw., den Schweden eigen, zu 
Schweden gehörend oder dort einheimifch (die ſchwediſche Sprache; 
ſchwediſches Eifen; die ſchwediſche JZungfer, EN. einer gefährlichen 
Klippe vor Stodholm). 

Schweder, m, -3, M. mw. E, landſch. bef. niederd. (Sweder; urfpr. 
wohl: etwas Weiches u. Feuchtes; vgl. das niederd. Sweet, Schweiß, und 
das altd. Schwed, Wundpflafter) f. die weichen Bruſtdrüſen der zu 
f. v. w. Bröschen, Kalbsmilch. 
ſchwedern, ziellof. = ‚ oberd. ſ. v. w. ſchwadern, f. d.; daher wehl: 
der Schwederich, -e8, M. -e, eine Art Garnſäcke zum Fiſchfang am Ende 
eines Mühlgerinnes aufgeftellt; das Schwederlein, -8, (gem. Schwederle; 
d. i. das Schwägerchen?) landſch. f. Rothhänfling. 

Schwefel, m.⸗s, M. (fetten) w. E., (goth. svibls, altd. suebul, sueval, 
swebel; oberd, Schwebel; angelf. svaeil, au svafvel; von der Wurzel 


— 


844 Schwefel 


suab, suap, lat. sop—, daher das altd. sueban, sweben, angelf. suefian, be- 
täuben, einfchläfern, vgl. ſchwebeln unter ſchweben; alſo: das Betäubende), 
ein Mineral von blafsgelber od. grünlicher Farbe, beftehend aus einer mit 
Vitriolfäure gefättigten brennbaren Erde, welches mit blauer Flamme brennt 


und dabei einen ſtark riechenden, erſtickenden Dampf verbreitet; — Zfes. der 


Schwefelabdrud, Abdruck eines gefcgnittenen Steines u. dal. in Schwefel 
(fr. Schwefel-Pafte); das Schwefelbad, ein Bad in’ Schwefelwaffer; ein 
Badeort mit Schwefelquellen; der Schwefelbalfam, in DI aufgelöfter Schwe— 
fel; die Schwefelblumen, f. Blume; der Schwefelbrand, in Schwefel: 
hütten: Kiefe, aus welchen der Schwefel bereits ausgezogen ift; der Schwe- 
felbrech, Eleine Sumpfhahnenfuß ; der Schwefeldampf, od. dunft, ſ. Dampf; 
die Schwoefelerde, ſchwefelhaltige Thonerde; das Schwefelerz, viel Schwe- 
fel enthaltendes Erz; der Schwefelfaden, das Schwefelholz od. =hölzchen, 
ſtöckchen, niederd. der Schwefelftiden, der Schwefelfpan, in ge— 
fhmolzenen Schwefel getauchte grobe Swirnfäden, Eleine Hölzchen, Späne ıc. 
zum Feuermachen; fchwefelfarben od. -farbig, fchwefelgelb, Bw., grün- 
lich = blafögelb, wie der Schwefel; die Schwefelgrube, eine Grube, wo 
Schwefelerze gebrochen werden; fehwefelhaltig, Bw., Schwefel enthaltend ; 
die Schwefelhütte, ſ. Hütte; der Schwefelfies, ein Kies (f. d.), deffen 
Hauptbeftandtheil Schwefel ift; die Schwefelfirfche, eine Art Kleiner faftiger 
Kirſchen, auf einer Seite blafsgelb, auf der andern röthlich (weiße Twieſel— 
beere): auch f. Wachskirſche; die Schwefelkohle, ſchwefelhaltige Steinkohle; 
die Schwefelleber, Leberfarbige Verbindung des Schwefels mit Laugenſalz; 
die Schwefelleberluft, eine eigenthümtiche erftitende brennbare Luftart, ftin 


kende Schwefelluft , geſchwefeltes Waflerftoffgas; die Schwefelluft, flüchtige 


Schmefelfäure in, Luftgeftalt, luftförmige Schwefelfäure, vitrioffaure Luft; 
das Schwefelmännchen, Bergw. ein doppelt zufammengedrehter Schwefel: 
faden, beim Sprengen der Erze in das Schießröhrchen gefegt; der Schwefel- 


meifter, Hüttenw. der Vorgeſetzte einer Schwefelhütte; das Schwefelmetall, 


ſchwefelhaltiges Metall; die Schwefelmilch, Scheidek. ein weißes Pulver, 
welches fich niederfchlägt, wenn man in Waffer aufgelöfte Schmwefelleber in ver— 





REN A 


ER 


RZ 


dünnte Vitriolfäure tröpfelt; der Schwefelofen, Zreibofen in Schwefelfüt: 


ten; die Schwefelpfanne, in Schwefelhütten Eleine bleierne Schüffeln mit 
Ealtem Waffer, in welche man den Schwefel fließen läſſt; das Schwefel 
pflafter, ein aus Schwefelbalfam, Wachs u. Geigenharz bereitetes Heilpfla— 
fter; die Schwefelquelle, ſchwefelhaltige Quelle; die Schwefelräucherung, 
Räucherung mit Schwefeldampf, als Heilmittel; der Schwefelregen, ein 
Regen, nad) welchem man ein feines gelbes Mehl auf der Erde findet, welches 
° gemeiniglich für Schwefel gehalten wird, in der That aber der gelbe Staub 
von den Zäpfchen der Rothtannen iſt; die Schwefelfalbe, mit Schwefel bes 
reitete Salbe; die Schwefelfaure, eine dem Schwefel eigenthümliche Säure, 
jest durdy Verbrennung des Schwefels, ehem. aus dem gemeinen Eifenvitriol 


gewonnen, daher auch Vitriolfäure, Vitriolöl, auch Schmefelöl, genannt; 


fchwefelfauer, Bw., mit Schwefelfäure verbunden od. darin aufgelöft (4. B. 
ſchwefelſaures Eifen, Kupfer 20.5 fehwefelfaure Kalkerbe, d. i. Bitterfalz); die 
Schwefelfeife, ſ. v. w. Schwefelleber; der Schwefelfpan, -fliden, f. unter 
Schwefelfaden; der Schwefeltropfen, Hüttenw. gefhmolzener Schwefel, 
welcher bei dem Köften des Bleies aus den Bleierzen tropft, auch Tropf— 


a A a — 





u 


Schwefze — Schweif 845 


ſchwefelz das Schwefelwachs, Schuhm. weißes, mit Schwefel vermifchtes 
Wache, bei. weißen Näthen ftatt des Peches gebraucht; das Schwefelmaffer, 
fchmwefelhaltiges Waſſer; das Schwefelwerf, Schwefelbereitungsanftalt; die 
Schwefelwurz, f. v. w. Haarftrang; — Ableit. ſchwefelicht, zgez. ſchwef— 
licht, Biw., ſchwefelähnlich, def. dem Geruche nad); ſchwefelig oo. ſchweflig, 
Bw., Schwefel enthaltend, ſchwefelhaltig; daher ſchwefeligſauer, Bw., 
Scheidek. mit der flüchtigen Schwefelfäure oder der Schwefelluft verbunden; 
ſchwefeln, ziel. 3w., mit Schwefel u. bef. mit Schwefeldampf bearbeiten, 
von Schwefeldampf durchziehen laffen (Strohhüte—; den Wein—, indem 
man duch gefchmolzenen Schwefel gezogene Reinwandftreifen od. Holzſpäne in 
dem zu füllenden Faffe verbrennt). 

‚ Schwere, w., M.-n (verw. mit ſchweifen, fchwippen), Jäg. f. das 
| Schnellfeil, ſ. d. 

Schwegel od. Schwiegel, w., M. -n, auch die Schwegelpfeife, (ver- 
derbt: Schwebelpfeife; altd. suegala, swegila, swegele, vgl. das angelf. 
| sveg, svög, Ton, svegan, svögan, tönen), oberd. u. ſchweiz. f. Pfeife, Quer— 
pfeife; Eleine ländliche Flöte, Schalmei; Drgelpfeife, Drgelregifter (die 
große Schwiegel, ein Regifter von 8 Fuß Ton; die Eleine Schw., von 
4 Zuß); ehem. auch überh. f. Tonwerkzeug; fchwegeln 05. fchwiegeln, 
| ziellof. u. ziel. 3t., (verderbt auch: fchwibeln; goth. svigljön, altd. swegelen), 
auf der Schwegel blafen, pfeifen; oberd. fcherzh. f. einen guten Zug trin= 
ten; der Schwegeler, -8, (altd. suegalari, swegelaere) f. Pfeifer, Flöten- 
| bläfer (goth. sviglja). 
ſchwehlen, 3w., f. ſchwelen. 
ſchweiben, zielof. Zw. (mahrfch. ein altes ablaut. 3w. swiben, sweip ıc., 
| i8länd. svifa, sveif 2c., fich bewegen; vgl. ſchwaiben, ſchweben zc), ſchweiz. f. 
ſchwanken, ohnmächtig niederfinfen; der Schweiber, -$, oberd. eine 
Borrihtung zum Fifhfang, Garnreufe (ſchweiz. Shwäbnep). 
| /Schweideler, m., -8, M. w. E., niederd. (Sweideler; vgl. das angelf. 
| svethil, Binde; engl. swathe u. swaddle f. Windel u. wideln) f. Neifefad, 
Satteltafche. 
ſchweiden oder ſchweden, auch ſchwöden, ziel. Zw. (wahrſch. urfpr. be— 
feuchten, befchmieren; vgl. Schweiß, niederd. Sweet; Schweder, und das 
niederd. fweeg, zgez. aus ſwedig, f. feucht), Weißgerb. die Felle auf der 
Aasfeite mit einem Gemifch von Kalkwaffer und Afche beftreichen mittelft 
‚ eines Wedels von einem Kuhſchwanz (Schweide- od. Schwödewedeh, 
| damit die Haare losgehen; daher das Schweide: od. Schwödefaſs; die 
| Schweidegrube ıc. 
|  fchweien, ziellof. Zw. (vgl. d. engl. sway, ſchwanken) Schiff. von einem 
vor Anker liegenden Schiffe: beim Wechfel der Ebbe und Fluth od. des Win- 
des feine Lage verändern; — der Schwei, -e3, M. -e, Schiffb. f. die 
\ Schmiege. 
Schweif, m., -e8, M. -e, (altd. sweif, oberd. Schwaif; von ſchweifen, 
| 1. d., alfo: was ſich hin und her bewegt od. ſchwankt; vgl. das griech. aößn 
| v. coßEw) , überh. j. v. w. Schwanz, jedoch edler, als diefes und in engerer 
\ Bed. bef. ein langer, haariger, oder fchönfarbiger Schwanz eines Thieres 
| @ 8. der Schweif eines Löwen, eines Pferdes, eines Pfaues 2c.); der 
‚ Ichweifähnliche Theil "eines Haarfterns od. Kometen; die Schleppe eines 





* 


846 | N ſchweifen — ſchweigen 


Kleides; am den Auſtern ſ. v. w. ber Bart; uneig. f. langer Anhang, Ge— 
folge; Bergw. das äußerſte Ende eines Ganges, u. die in demſelben bres 
enden, gemeiniglich tauben oder fehr armhaltigen Erze; — der Schweiß: 
riemen, f. v. w. Schwangriemen ; die Schweifrübe, f. Rübe; die Schweif- 
fcheide, Riem. ein Leder, in welches der Schweif des Pferdes eingewicelt und 
damit aufgebunden wird; der Schweifftern, Haarftern (fr. Komet); der 
Schweifträger, die Schweifträgerinn, Schteppenträger zu.; — ſchweifig 1., 
Bw., einen Schweif habend, in Zſetz. wie lang-, dickſchweifig 2c.; ſchwei⸗ 
fen 1. ziel. 3w. mit einem Schweife verfehen (einen Helm—, mit einem 
Rofsschweife zerzieren) , bei. im Mw. gefhweift (z. B. ein Schön geſchweif— 
tes Pferd); fchweifeln, ziellof. Zw., oberd. f. wedeln, fchmeicheln. FR 

fchweifen 2., Zw. (altd. zwei ablaut. Verba: swifen; sweifzc., oberd. 
ſchweifen, ſchwaif, gefhwiffen, d. i. ſchwingen, fehwingend bewegen, zielloee 
u. ziel.; u. ziel. sweifen, swief 2c., oberd. fchwaifen, ſchwief, geichwaifen, d. i. 
winden, ſchwingen; jest nur umend. fchweifte, gefchweift; isländ. sveipa, ein= 


wideln, ſchwed. svepa, sväfvaz verw. mit fchweben, fchweiben, jchwaiben; 


vielleicht von gleicher Wurzel mit dem griech. voßEw), 1) ziellos m. fein, 
ohne beftimmte Richtung fich in einem weiten Kaum hin und her bewe- 
gen (3. B. im Lande umher—, Über die Grenzen fchweifen, finnv. ftreifen; 
vgl. die zgeſ. ab-, aus-, umherichweifen), uneig. von den Bliden, Gedanken ꝛc. 
(die Augen fchweifen laſſen 2e.); alt u. oberd. auch f auf der Erde ſchleppen; 
u. f. fhleihen (bef. das Mw. gefhweift f. gefchlichen, ſchleichend, ganz 
fi); 2) ziel. fchwingend hin und her bewegen, finnv. ſchwenken (vie 
Wäſche —, ein Glas 2. —, im Waffer abjpülen); alt und ſchweiz. f. fegen, 
ehren (die Stube —; angel. svapan, engl. sweep), daher noch Landw. das 
Setreide—, d. i. mit einem Flederwifche die Sprey davon abfegen; alt und 


oberd. f. winden, fehlingen (bef. umfhweifen, altd. umbesweifen, f. ums 


faffen, umarmen); uneig. Tiſchl. bogenförmig od. zadig ausfchneiden (gew. 
ausfhweifen); Web. dad Garn auf den Webebaum ziehen, die Kette 
. aufipannen, anzetteln; daher chem. uneig. f. — anfangen; — 8 ſetz. 
der Schweifbügel, ſ. v. w. Hängebügel, ſ. d.; das Schweifeiſen, ein 
Stemmeiſen der Stuhlmacher zum Ausſchweifen wi Borderfüße eines Stuhles; 


der Schweifrahmen, bei den Bortenmwirkern die Stangen, an welche die Kette 


gefpannt (anaefhweift), wird; die Schweilfäge, Tiſchl. eine dünne, 
ſchmale Säge zum Ausichweifen der Tiſchfüße ꝛc.; — Ableit. der Schwei- 
fer, -$, wer fchweift (z. B. ehem. ein Landjchweifer); die Schweifung, 
das Schweifenz der Umſchweif (im Reden); bogenformige Krümmung; 
fhweifig 2. Bw., ſchweifend, Umfchweife machend, gew. nur in: weit- 
fhweifig. 

ſchweifzen, ziellof. Zw., ſchwäb. f. ängſtlich ſeufzen; ſchweifzig, Si, 
f. zum Seufzen geneigt. ©. 

Schweige, w., Schweiger, m., ꝛc. f. unter Schwaige. 

fchweigen 1. ziellof. Zw. m. haben, ablaut. Imper. ſchweige, gew. 
ſchweig; Impf. ſchwieg, Conj. ſchwiege; Mw. gefchwiegen, (althochd. 
suigen, nicht⸗ ablaut. Prät. suigeta; mittelh. swigen, ablaut. sweic, geswigen; 
oberd. Schweigen, ſchwig u. ſchweiget; angelf. svigan; vgl. das isländ. svig, 
Unterbrüdung, sveigja, biegen, krümmen, ſchwed. sviga, nachgeben 2c.; alfo 
urfpr. die Stimme unterdrüden? vgl. jedoch auch das griech. ouy&@r), Keinen 


A‘ N. 





fchweimen — Schwein 847 


Laut hören laffen, ftill od. ruhig fein; insbef. nicht reden, od. aufhören 
zu reden, (er ſchweigt; der Redner ſchwieg; gem. ftill ſchweigen, durch 
Wortüberflufs f. ſchweigen; von od. über etwas ſchweigen, d. i. nichts davon 
fagen; ehem. mit dem Gen. eines Dinges—, f. verichweigen, wofür neuere 
Dichter auch wohl den Acc. fegen, z. B. den Namen fchweigen u. dgl.; zu 
einer Sache—, d. i. ſich nicht darüber äußern, fie ſchweigend gefchehen 
laflen; vor einem—, dicht. au: einem—, d. i. in feiner Gegenwart 
aus Furcht od. Ehrerbietung nicht fpredyen); uneig. überh. f. nichts melden 
od. mittheilen, keine Nachricht geben, auch fchriftlich, fih nicht verneh— 
men laffen (3. B. er ſchweigt in feinem Briefe über diefen Punkt; mein Freund 
bat lange geſchwiegen, d. i. mir nicht geſchrieben; die Geſchichte ſchweigt 
darüber; fein Gewiffen ſchweigt dabei); im engerer Bed. ein Geheimnifs 
nicht verrathen (kannſt du ſchweigen ?); in weiterer Bed. aufhören zu fchal- 
len (der Gefang, die Orgel ſchwieg; der Wind ſchweigt zc.), u. uneig. überh. 
aufhören, wirkfam zu fein (4. B. im Kriege ſchweigen die Gefese); — 
ſchweigen 2. ziel. 3w. bloß umend. fchweigte, geichweigt, (altd. sueigan, 
sweigen, Prät. sweigte; oberd. ſchwaigen u. geſchwaigen), alt u. dicht. einen 
od. etwas—, ſchweigen machen, zum Schweigen bringen, eig. u. uncig., 
finnv. befhwichtigen, (bibl. die Gottlofen müffen in der Hölle geichweiget 
werben; feine Zunge, fein Gewiffen ze. fhweigen); — Ableit. von fchweis 
gen 1. der Schweiger, -$, wer fchweigt; ſchweigſam, ehem. auch ſchweig— 
haft, als Neuw. fchweigfelig, Bw., gern fihmeigend, geneigt zu ſchwei— 
gen, wenig fprechend; auch Geheimes verfehweigend, gem. verſchwiegen; 
die Schweigfamkeit, das Schweigfamfein. 

weinen, landich. gem. auch ſchwiemen, ziellof. Zw. m. haben, (altd. 
sweimen, wahrfch. von einem alten ablaut. swimen, Prät. sweim; oberd. 
fhmwaimen; nicderd. fweimen, ſwemen u. fwimen, hol. zwymen; iöländ. und 
ſchwed. swima; angelf. syiman, engl. swim u, swoon; vgl. ſchwimmen und 
fhweben), uripr. ſchweben, fliegen; ſchweifen, wandern; jest gem. f. 
Eraftlos ſchwankend einhergehn, finnv. manfen, taumeln; be. ſchwindlig 
fein od. werden, ohnmächtig werden; ſchwinden, vergehen (das Geſicht 
ſchweimet mir); der Schweim, -es, (altd. sweim, sweime, oderd. Schwaim) 
alt u. oberd. f. fehwebende Bewegung, Flug; ſchwebender Schatten; der 
Schweimer, -8, alt u. landſch. f. Wachtelfal; der Schweimel od. Schwie- 
‘mel, -$ (oberd. Schwaimel, niederd. Swimel) gem. f. Schwindel, Taumel, 
Ihnmadit; ſchweimelig od. ſchwiemelig, Bw., gem. f. ſchwindlig, ohn— 
mächtig; dämlich; ſchweimeln od. ſchwiemeln, zielloſ. Zw., f. ſchwin— 
deln, taumeln, ohnmächtig werden. 

Schwein, f., -e8, M. -e, Verkl. das Schweinchen, (goth. svein, altd. 
suin, swin; oberd. das und die Schwein, niederd. Swien: ſchwed. swin, 
angelf. svin, engl. swine; — wahrſch. entftanden aus einem von sü, Sau 
(j. d.) gebildeten Bw. sawin, suin; n. X. von dem Zw. suinan, swinen, 
ſchweinen (1. d.) f. ſchwinden, Urbed. ſich bewegen, getrieben werden, alfo: 
das Thier, welches auf die Meide getrieben wird? daher das alth.. suein, 
suen, angelj. suän f. Hirt, u. in niederd. Mundarten noch jest Swein, 
Sween f. Schweinhirt, neben Swien f. Schwein), ein bekanntes, mit 
Borften beivachfenes vierfüßiges Säugethier mit gefpaltenen Klauen und 
. züffelförmiger Schnauze, von verfchiedenen Arten; das wilde Schwein, Jäg. 


848 Schwein 


ſchlechtweg: Schwein, auch Schwarzwild; u. beſ. das zahme od. Haus- 
fhwein, ein wegen feiner großen Unreinlichkeit und Gefräßigkeit verachtetes, 
aber fehr nüsliches Hausthier (das männliche Schwein heißt: Eher, Bär ꝛc.; 
das weiblihe: Sau (f. d.); das Zunge: Zerkel, Ferken; ein verfchnittener 
Eher: Borg; eine verfchnittene Sau: Sauborg); uneig. gem. Schimpfw. f. 
eine höchſt unreinliche Perſon; auch f. Kleds, Fleck, grober Fehler, gem. 
Sau; Naturk. eine Art Walzenfchneden; niederd. f. Kehrbürfte, Borſt— 
wiſch; Schiffb. ein Block unten im Schiffe ıc., ſ. Kielſchwein (niederd. 
Swien; landſch. auch Schwinne, Kielfehwinne; vielleicht von anderm 
Stamme?); — 3feg. in denen das .erfte Glied bald Schwein, bald 
Schweine, bald Schweins lautet (legtere Form in der Regel nur, wenn 
Theile des, Schweines od. etwas von demfelben Herkommendes bezeichnet wer- 
den): das Schweinaas, f. Sauaas; das Schweinsauge, Auge eines 
Schweines; auch ein demfelben ähnliches Eleines, längliches Auge, u. ein Thier, 
bef. ein Pferd, mit folchen Augen; der Schweinbär, ein männliches zahmes 
Schwein; die Schwein: (od. gew. Schweins-) blatter od. =pode, eine 
Art länglicher, harter Kinderblattern, auch Steinpoden; das Schweinsblut 
od. gew. Schweineblut; die Schweinsborfte, f. Borfte; der Schweins- 
od. gew. Schweinebraten; das Schweinbrod, ſ. Saubrod; der Schwein- 
od. gew. Schweinsdachd, ehem. f. ein Dachs, deſſen Kopf einem Schweins- 
kopfe ähnelt, z. U. v. Hundsdachs; die Schwein- od. Schweinspiftel, 1. 
Saudiftel; das Schweineffen od. freffen, der Schweinefraß, niedr. ſ. v. w. 
Saueſſen; der Schweinfänger, Iäg. ein Iagdhund, welcher die Schweine 
fängt, auch Saufänger, -pader; die Schweinsfeder, ſcherzh. f. Schweins- 
borfte; Zäg. f. Fangeifen für wilde Schweine, Schwein- od. Sauſpieß; ehem. 
auch mit fpisem Eifen befchlagene Steden, welche die Soldaten ftatt der 
Bajonette führten; das Schweind- od. gew. Schweinefett, -fleifh x. ; 
der Schweinshals, Hals eines Schweines; ein demfelben ähnlicher kurzer, 
wagerechter Hals, z. B. eines Pferdes, u. ein Pferd mit ſolchem Halfe; das 
Schweins- od. r. Schweinharz od. Gummi, ein heilkräftiger Wundbalfam 
aus einem Baume auf Domingo (deffen Heilkraft durch Schweine entdeckt fein 


fol) ; die Schwein- od. Schweinshaß od. -jagd, Hetzjagd auf wilde Schweine; _ 


die Schweinshaut; die Schweinheerde, ſ. Heerde; der Schweinhitt, f. 
Hirtz der Schweinhirfch, ein zum Gefchlecht der Schweine gerechnetes, 
theilweiſe hirſchähnliches Thier in Oftindien; der Schweinhund, ein Hund 
zur Hütung einer Schweinheerde, od. zur Jagd auf wilde Schweine (Sau— 
hund); uneig. niedr. Schimpfw. f. höchſt unreinlicher od. unfittlicher Menſch; 
der Schweinigel, ein Igel (f. d.) mit rüffelförmigem Maule, z. U. v. Hunde- 
igel; auch f. Stachelfchwein; umeig. gem. f. höchſt unreinlicher od. ungefitteter 
Menſch; daher fehweinigeln, untrb. Zw. gem. f. ſchmutzig od. ungefittet fein, 


reden od. handeln; die Schweinigelei, gem. f. große Unreinlichkeitz ſchmutzige, 


ungeſittete Rede od. Handlung (M. Schweinigeleien); der Schweinfäfer, 


Rüſſelkäfer; der Schweinsfäfe, eine Speife aus Elein gefchnittenen, mit Ger 


würz vermifchten Theilen eines Schweinsfopfes, die in einem Tuche gepreſſt 
werden, auch) Prefstopf; der Schwein- od. Schweinefoben, f. Koben; der 
Schweinskopf, Kopf eines Schweines; ein demfelben ähnlich gebildeter 
Kopf, z. B. eines Pferdes, und ein Pferd mit folhem Kopfe; die Schwein- 
oder gew. Schweinsfreffe, eine Art des Löffelfrauts, welche wie Galat 


— 


A nk m RE 





— — 


| 
| 
| 


— 


ſchweinen — Schmweinfänger 849 


. genoffen wird, auch Krähenfuß; eine Art des Wegerichs; das Schweinsleder, 
aus Schweinshaut bereitetes Leder; daher fchweinsledern, Bw.; der 
Schweinsmagen, ſ. v. w. Saumagen, |. d.; die Schwein- od. Schweine- 
maſt, f. Maft 2.; der Schweinmeifter, Landw. wer der Schweinzucht vor- 
ſteht; die Schweinmelde, ſ. v. w. Hundsmelde, ftinfende Melde, auh Sau- 
melde, Sautod, ein tödtliches Gift für die Schweine; die Schwein- od. 
gew. Schweinsmöhre, ſ. Möhre; die Schweinmufter, ſ. v. w. Mutter- 
Ihwein, Sau; das Schweinsneb, Jagdnetz zum Fang wilder Schweine; 
das Schweinsohr, Ohr des Schweines, und ein demfelben ähnliches Ohr, 
3: B. eines Pferdes; uneig. eine Art Flügelichneden; u. eine Art Miesmufcheln; 
die Schweinpflaume, die gelbe, pflaumenähnliche Frucht eines weftind. Bau- 
‚mes, ald Schweinmaft dienend; der Schwein= od. gem. Schweinepilz, eine 
Urt efsbarer Löcherſchwämme, gelber Löcherſchwamm; der Schwein- od. gem. 
Schweineporfch, verderbt -Poft, f. Porich; der Schweinsrüffel, Rüſſel 
eines Schweines, u. ein demfelben ähnlicher; uneig. eine Art Walzen: oder 
Rollenfchneden; der Schweinfalat, eine wild wachfende Pflanze, welche die 
Schweine gern freffen follen, auch Kranichkraut (hyoseris L.); der Schwein- 
od. Schweinefchlächter, der befonders Schweine ſchlachtet; das Schweine- 
fchmalz, ſ. Schmalz; die Schweinfchnede, verfteinerte Schwimmſchnecke 
mit halbmondförmiger Mündung, auch Fifhmaul, Lefzenfchnede; der Schwein- 
fchneider, wer Schweine verfchneidet; der Schweinfchnitt, das Verfchneiden 
der Schweine; der Schweins- od. gew. Schweinefhwanz; die Schwein- 
fchwarte, ſ. Schwarte; der Schweinfpieß, ſ. Schweinsfeder ; der Schwein- 
od. gew. Schweineftall, Stau für Schweine; uneig. ein höchſt unreinlicher 
Ort; der Schweinftein, f. v. w. Stinkſtein; auch ein Stein, welcher fi 
zuweilen in den Stachelfchweinen finden fol; der Schweintang, eine Art 
Tang (f. d.), als Dünger, auch als Schweinfutter gebraucht; die Schweins- 
thrane, gem. f. erzwungene od. erheuchelte Thränen; der Schweintreiber, 
wer Schweine zum Verkauf 2c. treibt; auch f. Schweinhirt; die Schwein- 
trüffel, ſ. v. w. Hirſchtrüffel; das Schweinwildbret, wilde Schweine und 
das Fleifch derfelben; der Schweinszahn, Hauzahn, Hauer des wilden Ebers; 
auch ein ähnlicher, lang hervorragender Zahn; uneig. eine Art Zahnfchneden ; 
das Schweinszeug, Geräth zur Jagd der wilden Schweine; die Schweine 
zucht, ſ. Bucht; — Xbleit. fehweinen, Bw., oberd. f. vom Schweine 
kommend (ſchweinen Fleiſch f. Schweinfleiſch); der Schweiner, -8, landſch. 
f. Schweinhirt; die Schweinerei, gem. ſ. v. w. Sauerei, ſ. d.; die 
Schweininn, oberd. Schimpfw. f. ſchmutzige Meibsperfon ; ſchweiniſch, 
Bw., den Schweinen eigen; höchſt unreinlich, unfläthig, ſäuiſch; der 
Schweinling, -e3, M.-e, landſch. f. Schweinpilz. 

ſchweinen 1. zielloſ. Zw. (altd. sulnan, swinen, Prät. swein; isländ. u. 
ſchwed. svina; vgl. ſchwinden), alt und oberd., beſ. ſchwäb. und ſchweiz., fi 
ſchwinden, abnehmen, eintrocknen, ſich einziehen; die Schweine, f. ie 
nahme, Abgang des Getreides zc., vgl. — Schwund; die Schwein- 
ſucht, f. Schwindfucht ; ſchweinen 2. od. fehweinern, ziel. Zw. (das 
Factitivum des vorigen; altd. sueinan, sweinen, Prät. sweinte; oberd. 
ſchwainen) alt und oberd. f. ſchwinden machen, verzehren, mindern, 
ſchmälern. 

Schweinfänger ıc. — Schweinwildbret, ſ. unter Schwein. 


Heyſe's Handwörterb. d. deutichen Spr. 2. Theil. 54 


850 Schweiß — Schweiz 


Schweiß, m., -e3, M. (felten) -e, (altd. sueiz, sweiz, oberd. Schwaiß, 
niederd. Sweet; iöländ. sveiti, ſchwed. svett; angelf. svät, engl. sweat; vgl. 
das ſanskr. svedas, Yat. sudor, grich. idows; urfpr. überh. Feuchtigkeit; T. 
Thwigen; vgl. das griech. Üdwo, Tat. udor), 1) hervordringende Feuchtig- 
£eit, die fich auf der Oberfläche eines Körpers in Tropfen anfest, insbef. 
in Folge der Ausdünftung menfchl. u. thier. Körper bei großer Wärme (der 
Schweiß bricht aus; Schweiß vergießen; in Schweiß gerathen od. kommen; 
einen in Schweiß bringen ; bibl. im Schweiße deines Angefichts follft du dein - 
Brod effen, d. i. unter befchwerlicher Arbeit; ein Falter Schweiß, der bei großer 
Angft ausbricht; der Angſt-, Todesſchweiß ꝛc.; der englifhe Schweiß, 
eine mit anhaltendem Schwigen verbundene anfteckende Krankheit im 16ten 
Jahrh.); uneig. f. große Anftrengung, mühevolle Arbeit und das dadurd) 
erworbene Gut (bibl. du mufft doch deinen fauern Schweiß Andern laſſen; 
den Schweiß der Unterthanen verpraffen u. dgl.); in weiterer Anwendung: 
die Feuchtigkeit, die fich bei äußerer Kälte und innerer Wärme an die Senfter 
anlegt (Fenfterfhweiß); in Galzwerken das tropfenweife durchdringende 
Salzwafler GSalzſchweiß); 2) alt, landſch. und bef. Jäg. f. Blut, von 
Thieren; — 3feg. das Schweißbad, ſ. v. w. Schwigbad; die Schweiß- _ 
beeve, Waſſer- od. Hirſchholunder; das Schweißfieber, die Schweißfucht 
od. -ſeuche, f. v. w. der englifche Schweiß, ſ. o.; det Schweißfuhs, ein 
röthliches Pferd, deffen Grundfarbe fo mit Weiß gemischt ift, daß es mit 
Schweiß bedeckt zu fein Theintz der Schweißhund, Jäg. ein Jagdhund, 
welcher das angefchoffene Wild nach der Spur des vergofjenen Blutes auffucht, 
Bluthund; aud) f. Bullenbeißer; das Schweißloch, gew. M. Schweißlächer, 
feine Öffnungen in der Haut, durch welche die Ausdünftungen u. der Schweiß 
hervordringen; das Schweißmittel, ein fchweißtreibendes Mittel, z. B. 
Schmweifpillen, -pulver, -trankac.; fehweißtreibend, Bw., den 
Schweiß erregend und hervortreibend; das Schweißtuch (altd. sweiztuoch, 
sweizvan), ein Euch zum Abtrocknen des Schweißes, ehem. f. Schnupftud) ; 
die Schweißwurft, landſch. f. Blut od. Rothwurft; die Schweißwurz od. 
-wurzel, eine Art Huflattich mit einer fhweißtreibenden Wurzel, Rofspappel, 
Peftwurzel ꝛc; — Ableit. fehweißig, Bw. (alt. sweizec) ,: feucht von 
Schweiße (4. B. fchweißige Hände); oberd. u. Jäg. f. blutig; fehweißen, 
Zw. (altd. sweizen) 1) ziellos: m. haben, oberd. f. ſchwitzen; bluten (Zäg. 
von Thieren; oberd. auch) von Menfchen, 3. B. aus der Naſe —); fchweiz. 
auch f. durchficern, leden, triefen; Schmied. anfangen zu fchmelzen (das 
Eifen fchweißet); 2) ziel. Schmied. das Eifen—, d. i. zwei Stücke in die 
Schweißhitze (den Grad der Hige, wo es flüffig zu werden anfängt) bringen, 
u. dann mit dem Hammer zufammenfchmieden; der Schweißer, -8, wer 
das Eifen ſchweißt; fchweißeln, ziellof. 3w., oberd. (ſchwaißeln; auch 
re fchweißenzen) f. nach Schweiß riechen. | 

Schweiz, w., immer mit dem Artikel: die Schweiz, EN. des zwi— 
fhen Deutfchland, Stalien u. Frankreich mitten inne liegenden Gebirgs- 
landes; der Schweizer, -8, M. w. E., die Schweizerinn, M. -en, Ein- 
geborene und Einwohner der Schweiz; der Schweizer, auch f. Leib- 
wächter, Thürhüter, wozu manchem. vorzüglich gern Schweizer nahm (da= 
her: der Schweizerhauptmann, Hauptmann der Leibwache); ferner 
ein Landwirth, welcher die Viehzucht und bef. die Butter- u. Käfebereitung 





fchwelen — fchwelgen 851 


nach Art dev Schweizer betreibt; Naturk. eine Art Eichhörnchen in Afien: 
das fchwarzgeftreifte Erdeichhorn; Yandfch. auch f. Waldrabe; — Schwei- 
zer wird auch als unbiegf. Bw. gebraucht f. der Schweiz od. den Schweizern 
eigen, dort befindlich, daher kommend, finnv. fehmweizerifch (1. u.) (. B. 
die Schweizer Gebirge, Hirten 2.5; eine Schweizer Kuh, Schweizer Käfe od. 
zgeſ. Schweizerkäfe); daher die 3feg. der Schweizerbart, |. v. w. Knebel— 
bart; Schnurrbart; die Schweizerbohne, eine Art weißer Schminkbohnen, 
Brech-, Zucderbohne; die Schweizerflöte od. = pfeife, die Eleinfte Art der 
Querpfeifen zur Begleitung der Trommel; auc ein Orgelregifter, fo auch: 
der Schweizerbafs; die Schweizerhofe, M. -n, lange, weite geftreifte 
Hoſen; uneig. die roth und gelb geftreifte Wunderblume; eine Art länglicher, 
‘ grün und gelb geftreifter Birnen; eine Art Stachelichneden, und verfchiedene 
Rollen» od. Walzenſchnecken; der Schweizerklee, gemeiner Süß- od. Widen- 
Eee; die Schweizerfrähe, Steinkrähe; die Schweizerfranfheit, das Heim— 
"weh, weil ihm die Schweizer vorzliglich ausgefegt find; die Schweizerkräu- 
ter, Apoth. ein Gemifch von verfchiedenen Heilkräutern aus der Schweiz; das 
Schweizerland, f. die Schweiz; das Schweizerrad, ein einfaches Getriebe 
mit einem Nade, worauf die Baumwolle gefponnen wird; die Schweizerrofe, 
Apenrofe; die Schweizertaube, eine Spielart der gemeinen Taube; — 
Ableit. fchweizerifch, Bw., den Schweizern eigen od. angehörend G. 8. 
Ichweizerifche Mundart, Sitte 2c.); auch zu der Schweiz gehörend, od. der- 
felben ähnlich (ſchweizeriſche Städte; eine ſchweizeriſche Gegend 2c.); die 
Schweizerei, M. -en, eine Meierei od. ein Viehhof, wo die Rindviehzucht 
u. Butter u. Käfebereitung wie in der Schweiz betrieben wird. ‚ 
fchwelen od. fehwehlen, Zw. (altd. suelan, swellen, Prät. swal, Pl. 
swullen, f. erfticten, verſchmachten; urfpr. wohl qualmen, vgl. Schwall; nie 
derd. ſwelen; isländ. svaela, angelf. svelan, engl. sweal, swale) bef. niederd. 
1) zielos m. haben, ohne Flamme langfam und mit Dampf brennen, 
finnnv. glimmen, qualmen, ſchmauchen (naffes Holz fchwelt); 2) ziel. auf 
ſolche Weife brennen Laffen, u. dadurch hervorbringen (Kohlen, Theer 2c.—, 
f. brennen; daher der Kohlenſchweler zc. f. Kohlenbrenner) ; niederd. 
auch f. dörren, welfen laffen, vgl. ſchwelken (Gras—, zu Heu machen); 
das Schwelholz, Forftw. Brennholz zum Schwelen des Peches. 
Schwelge, Schwelfe, od. Schwelgenbeere, w., landſch. f. die Frucht 
des Waſſerholunders, welcher Iandfch. der Schwelgen- od. Schwelfen- 
baum heißt (auch Schwelges=, Schwalfenbaum 2c.). 
ſchwelgen, ziellof. 3w. m. haben, (altd. suelgan, swelgen, swelhen, 
ablaut. swalc, geswolgen; vgl. Schwalg; jest bloß umend. fchwelgte, ge 
ſchwelgt; niederd. fwalgen, ſwelgen; isländ. svelgja, ſchwed. svälja, dän. svelge; 
angelſ. svelgan, svilgan, engl. swill u. swallow), chem. ziel. f. verfchlingen, 
hinunterfchluden, einfchlürfen, (noch nieverd. verfwelgen)z jest: un- 
mäßig effen u. trinken, finnv. praffen, fehlemmen, f. d. (er ſchwelgt Tag 
und Nacht); uneig. im Übermaß genießen, auch von geiftigen Genüffen und 
ohne nachtheiligen Nebenbegriff; niederd. auch rückz. ſich —, f. erftiden; der 
Schwelger,-s, die Schwelgerinn, M. -en (altd. suelgari, u. saelcho, swelch), 
wer ſchwelgt, unmäßig im Genuffe iftz die Schwelgerei, dag Schwelgen, 
die Lebensweife eines Schwelgers; fchwelgerifch, Bw., ſchwelgend, nad) 
» Urt eines Schwelgers. X 


54* 


852 ſchwelk — ſchwellen 


ſchwelk od. ſchwelch, Bw. (mittelh. swelch; vgl. ſchwelen), oberd. f. 
welk, mürbe; fchwelfen od. fehwelchen, Zw. (altd. suelahan u. suelchön, 
—— 1) ziellos m. fein f. welken, welk werden: erſchlaffen; 2) ziel. 
f. welk od. trocken machen, dörren (Gras, Obft, Malz ꝛc.); die Schwelf 
od. Schwelh, M.-en, od. der Schwelfboden, Trodenboden, bef. zum 
Marzdörren. 

Schwelfe, w., Schwelfenbaum, -beere, j. Schwelge. 

Schwelle, w., M.-n, Verkl. das Schwellchen, (mittelh. swelle; oberd. 
das Gefchmwell; niederd. Sülle, Sull, angelf. syl, engl. sill, ſchwed. syle, 
franz. seuil; — nit von ſchwellen, fich erheben; fondern von der Wurzel 
des goth. suljan, gründen; vgl. Säule, Sohle u. das lat. solum), der wage— 
vecht liegende Grundbalfen, welcher die Unterlage eines Zimmerwerkes 
bildet, die Grund= od. Unterfchwelle (die Schwellen eines Haufes, Dach— 
ſchwelle 2c.); in weiterer Bed. Zimmerl. jeder wagerecht liegende Balken, 


im welchen andere Bauhölzer eingezapft find (Oberfchweite); in engerer 


Bed. der Grundbalken eines Thürgeruftes, die Thürſchwelle (4. 8. er ſoll 
nicht wieder über meine Schwelle Eommen, d. i. in mein Haus od. Zimmer); 
daher uneig. f. der Eingang, Anfang G. B. an der Schwelle des Alters, des 
Verderbens 2c. ftehen); der Schwellenbaum, das Schwellenholz, Baum, 


Holz zu Schwellen tauglich; — der Schweller, —s, M. mw. E., landſch. f. 


die aufwärts gebogenen Schlittenfufen; auch die vorfpringenden Seiten— 
fhmwellen des Kutfchkaftens; daher das Schwellerband od. die Schwel- 
lerriemen, Sattl. die um die Schwellen des Kutfchkaftens gelegten Riemen. 
f&wellen 1. ziellof. 3w. m. fein, ablaut. ich ſchwelle, du ſchwillſt, er 
ſchwillt, wir ſchwellen ꝛc.; Imper. ſchwill; Impf. ſchwoll, Conj. ſchwölle; 
Mw. geſchwollen, (landſch. auch ſchwillen; altd. suellan, swellen, ich swille; 
Prät. swal, swullen; Part. geswollen; niederd. es und fwillen, ſwull, 
fwullen; isländ. suella, ſchwed. svälla; angelf. svellan, engl. swell; verw. 
mit Welle, wallen 2c.), überh. fich von innen her ausdehnen u. anwachfen 
od. aufgetrieben werden, insbeſ. von Flüffigkeiten, |. v. w. aufwallen, quel- 
len, wogen, auch fteigen, in der Höhe zunehmen (das Meer ſchwillt; das 
Waſſer ſchwoll; der Flufs ſchwillt an zc.; vgl. Schwall) ; von feften, bef. weichen 


Körpern: fich ausdehnen und dicker werden (der Leib fchwillt dem Kranken; 


gefhmwollene Baden, Augen, Füße ꝛc.; vgl. Schwulft, Geſchwulſt; der Bufen 
ſchwillt, d. i. dehnt fi aus beim Athmen, od. wölbt ſich; Knospen, Früchte 
ſchwellen; ſchwellende Kiffen, Polfter u. dgl., d. i. pralle, die fi) nad) dem 
Druk wieder ausdehnen; uneig. die Bruft ſchwillt ihm von Entzüdenz bie 
Galle ſchwoll ihm, d. i. er ward zornig; oberd. geſchwollen f. aufgeblafen, 
ſich brüftend, hochfahrend); überh. f. zunehmen, wachfen, bef. von Ge— 
müthsregungen (fein Muth, Zorn, feine Leidenfihaft ſchwoll), auch der Maffe 
od. Zahl nach (die Büchermaffe ſchwillt immer mehr an); — ſchwellen 2. 
ziel. 3w., bloß umend. du fchwellft, er fchwellt zc., fchwellte, geſchwellt, (altd. 
suellan, swellen, aus sualian entft., Prät. swalte; das Factitivum von ſchwel⸗ 
len 1.), etwas—, machen, dafs es ſchwillt, ſich ausdehnt oder fleigt 
(3. B. das Waſſer —, d. i. aufftauen, hemmen; manche Gifte ſchwellen den 
Leib; das Weinen hat ihre Augen gefchwellt; der Wind fchwellt das Segel; 
Seufzer fchwellen ihren Buſen; der Muth ſchwellte feine Bruft); oberd. et— 
was in Eochendem Waffer—, d. i. weich fieden und dadurch auffchwellen 


y 





} 
| 
| 
| 
| 
! 


Den 


Schwellenbaum — Schwenge 853 


machen, vgl. quellen 2.; — die Schwellfarbe, Gerb. eine zufammenziehende 
Brühe, worein die abgehaarten Häute gelegt werden, damit fie fchwellen. 

Schwellenbaum, -holz, Schweller zc. ſ. unter Schwelle. 

ſchwemmen, ziel. 3w. (das Factitioum von ſchwimmen, f. d.), eig. ſchwim— 
men machen oder laffen (Holz —, gew. flößen); durd die Kraft des 
Waſſers in. Bewegung fegen, fort od. antreiben, finnv. fpülen (der Fluſs 
ſchwemmt Erde zc. fort, an; den Koth, die Unreinigkeit von etwas ſchwemmen; 
vgl. auch überſchwemmen); in engerer Bed. Thiere—, d. i..teinigen, indem 
man fie ins Waffer treibt (Pferde, Schafe 2c.); die Schwenme, 1) o. M. 
das Schwemmen od. Geſchwemmtwerden; 2) M. -en, eine Warfferftelte, 
wo Thiere geſchwemmt werden, fo auch: der Shwemmteidh; der 
Schwemmer, -8, wer ſchwemmt; auf der Donau eine Art langer Salz- 
fähne, auh das Schwemmerſchiff; oberd. eine Art fanfter Wagen; 
ehem. eine fächf. leichte Scheidemünze (vgl. Schwimmer); die Schwem— 
mergans, eine Art Waffervögel; das Schwemmſel, -8, (gem. verderbt 
Schwänzeh, Hüttenw. das von dem gewafchenen Erze bis an den Schlämme 
graben fortgeſchwemmte geringhaltigfte Erz; die Schwemmung, das 
Schwemmen. 

Schwende 1. w., M. -n (altd. swente) landſch. f. Halsgeſchwür, 
Schwamm. 

fhwenden, ziel. Zw. (altd. suentan, swenden, Prät. swante, Part. ge- 
swendet und geswant; das Factitivum von ſchwinden, f. d.), alt u. oberd. f. 
[hwinden oder abnehmen machen, wegfchaffen, verringern; tilgen, ver- 
nichten, zerftören, zu Grunde richten (im Hochd. jegt nur in verſchwen— 
den); landſch. in engerer Bed. hinderliche Bäume, Gefträuche ꝛc. aus- 
totten od. abbrennen u. das Land dadurch urbar machen, val. abſchwen— 
den, (gefehwendetes Land); daher die Schwende 2., oberd. (aud) das Ge— 
ſchwend, Gefhwand) das Schwenden, und der dadurch zu Meide oder 
Ader gewonnene Platz; der Schwender, -8 (altd. auch swende), oberd. 
wer etwas ſchwendet, insbef. der Knecht, welcher die Alp von Staudenge- 
wächſen zu reinigen hat; auch f. fehlechter Wirthfchafter, Verſchwender. 

Schwenge, w., M. -n, (v. ſchwengen, fwengen, niederd. Nebenform 
v. ſchwingen, f. d.) niederd. f. Gerte, Nuthe; der Schwengbaum, Bergw. 
der Baum im Göpel, welcher quer durch die Spindel geht; — der Schwen- 
gel, -8,.M. w. E. (altd. swenkel, oberd. Schwenkel; ſchwed. svängel) 
1) was ſich ſchwingen läſſt u. geſchwungen wird, insbef. der Klöppel in 
einer Glode; die bewegliche Stange an einem Ziehbrunnen, einer Pumpe ıc. 
(f. Brunnen-, Pumpenſchwengel); landſch. auch f. Deichfel eines Wagens; 
bei. f. Pendel (ſ. d.), Schwunggemwicht (der Schwengel einer Uhr 2c.); 2) ein 
Ding, wodurd ein anderes in Schwung gebracht wird, insbef. an einer 
Glocke der Hebel, woran ſich das Seil befindet, mittelft deffen die Glode 
bewegt wird; Hüttenw. beim Treibherde das an dem beweglichen Kranich quer- 
über ftehende Holz; auch das Gewicht, welches die Bälge des Gebläfes in die 
Höhe zieht; der Schwengelbrunnen, Ziehbrunnen mit einem Schmwengel ; 
die Schwengelkunft, das Schwengelwerf, eine Wafferkunft, ein Pumpen: 
werk, in welchem das Waſſer durch Schwengel in die Höhe gepumpt wird; 
die Schwengelpreffe, eine Preffe, die mittelft eines Schwengels zugezogen 
wird; die Schwengeluhr, Schwing= od. Pendeluhr. 


854 ſchwenken 4 ſchwer 


ſchwenken, ziel. Zw. (altd. swenken, Prät. swancte; wahrſch. von einem 
ablaut. Zw. suinkan, swinken, swanc, als Nebenform von swingen, ſchwingen; 
vol. ſchwank, Schwank, ſchwanken), et was —, ſchwingen machen, im 


Schwunge bewegen (die Fahne —; das Waſſer im Glafe—; auch: ein 


Glas—, d. i. ſchwenkend reinigen, ſpülen); ſich —, ſich mit einem 
Schwunge wenden, umdrehen, z. B. beim Zange, u. beſ. von den Soldaten 
(chwenkt euch!! — Z3ſetz. die Schwenkbürſte, Bürfte, mit welcher die 
Flaſchen inwendig gereinigt werden; der Schwenkfefjel, ein mit Waffer ge- 
fülltes Gefäß, in welchem Gläfer u. dal. gereinigt od. ausgeſchwenkt werden, 
auch das Schwenkbecken; bei Zuderbädern ein flacher Eupferner Keffel, in 
welchem Früchte verzucert werden, indem man ihn über einen geheizten Wind- 
ofen hin und her ſchwenkt; das Schwenfrad, f. v. w. Schwungrad; das 
Schwenkwaſſer, Waffer, in welchem man Trinkgeſchirre ſchwenkt; — Ab— 
Leit. der Schwenfel, -8, M. w. E., (altd. swenkel) oberd. f. Schwengel, 
Klöppel; der Schwenfer, -8, wer etwas ſchwenkt (4. B. Fahnenſchwen— 
ger); landſch. auch eine Art Weiberjaden mit kurzen Schößen und einem 
längs des Rückens herabhangenden hin und Her ſchwankenden Zipfel; die 
Schwenfung, M. -en, die Handlung des Schwenfens; auch eine ſchwen⸗ 
Ende Bewegung, Wendung, Drehung, bei. der Soldaten; ſchwenkern, 
ziel. Zw. (das verft. ſchwenken) landſch. f. viel od. ſtark ſchwenken, aus— 
fpülen. 


Schwente od. Schwänte, w., M.-n, (vgl. Schwende) landſch. f. eine . 


Breigefhmwulft. 

ſchwenzen, ziel. Zw. (vgl. Schwanz, ſchwanzen), oberd. f. ſchwenken 
(4. B. ein Glas ausfhwengen); der Schwenzel, —s, f. Schwindel. 

fchwepen, ziel. Zw., niederd. (fwepen, aud) ſwipen; engl. sweep; f. das 
hochd. ſchweifen, f. d.) die Spreu von dem ausgedrofchenen Getreide 
mit dem Schwepelbefen, einem Befen von langen, feinen Binfen, abfe- 
gen; — die Schwepe od. Schweppe, M. -n, (auch Schwippe, Swöpe; 
angelf. swipe, engl. whip) niederd. f. Peitfhe; daher der Schwepenfnecht 
od. junge, auch Schwepfer, -$, ein Unterfnecht, der die Pferde beim Pflü- 
gen antreibt. 


fchwer, Bw., Comp. ſchwerer, Sup. ſchwerſt, (oberd. r. ſchwär, nieberd, 


fibaarz altd. ald Bw. suär, swär u. suäri, swaere; als Nw. suäro, swäre, 
swaere; von dem ablaut. Zw. sueran, suar ıc. (f. ſchwären), d. i. drücken, 
ſchmerzen; alfo urfpr. drückend, läſtig, ſchmerzhaft; dann auch uneig. ge— 
wichtig, vornehm, daher goth. svers, geehrt, angeſehen, vgl. das lat. gravisz 
angelf. svaer, ſchwed. svär, engl. sore), überh. Gewicht habend, gewichtig 
1) an fi) u. körperlich: Schwerkraft habend, d. i. das allen Eörperli- 


chen Stoffen in verfchiedenem Grade eigene Streben nad dem Mittelpuntte 


der Erde (Gold ift ſchwerer als Blei, Blei als Eifen, Eifen als Holz, Holz 
als Federn ꝛc.; diefer Körper ift 1 Loth, jener 2 Pfund, ein anderer 10 Sent⸗ 
ner fchwer 2c., d. i. wiegt fo viel); in engerer Bed. viel wiegend, im ver— 
hältnifsmäßig ‘hohem Grade Schwerkraft habend, entg. Leicht G. B- 
Gold, Blei zc. find Schwere Metalle; eine ſchwere Laſt; ſchwer wiegen), bei. 
im Gegenfaß anderer Dinge derfelben Art von geringerem Gewicht (3. B. das 
ſchwere Gefhüs, f. v. w. das grobe: Kanonen, Mörfer ꝛc.; die ſchwere 
Rüftung, ſchwer bewaffnete Reiter; Schweres Gewicht, Geld 2c., entg. 





— 





— 


ſchwer ‚855 


dem leichten; ſchwere Seidenzeuge, d. i. dichte, ftoffreiche; fchiwere Taue, d. i. 
dicke Ankertaue, u. dal. m.); daher auch uneig. f. viel, anfehnlich, groß, be- 
trächtlich (z. B. ſchweres Geld, f. eine große Geldfumme; die ſchwere Menge, 
gem. f. eine große Menge; ſchwere Sünden, Verbrechen ze.), u. als Nw. f. 
in hohem Grade, fehr, jedoch nur von Üben, (z. B. fich ſchwer verfündigen; 
er hat fich Schwer geärgert 2c.); 2) in Beziehung auf ein Subject umd 
deffen Kraft od. Empfindung: (körperlich) drückend, laftend (z. B. der Stein 
ift mie zu ſchwer; die Laft drückt ſchwer auf meine Schultern; es liegt mir 
fhwer in den Gliedern, d. i. ich empfinde einen unbehaglichen Drud darin); 
uneig. von Zuftänden oder Empfindungen überh. drüdend, läftig, 
fchmerzlich, betrübend, widerwärtig (ſchwere Zeiten; Schiff. ſchwerer Wind, 
d. i. heftiger, ungeftümer; eine ſchwere Krankheit; die ſchwere Noth, f. 
Roth; ein fehwerer Kampf; ſchwere Träume; eine Schwere Strafe, d. i. eine 
harte; ſchwer verwundet fein; einen fchwer kränken; ſchwer für etwas büßen; 
eö fällt mir ſchwer, d. i. ift mir fchmerzlich, drückend, od. Eoftet viel Überwin- 
dung; die Trennung wurde mir ſchwer 2c.); auch f. gedrüdt, gehemmt in 
der Bewegung od. Thätigkeit (eine fhwere Zunge, Hand, einen fchweren Kopf 
haben; ein ſchwerer Schlaf, d. i. ein fefter, tiefer), befchwert, bekümmert, 
ängſtlich (einem das Herz Schwer machen; etwas mit ſchwerem Herzen thun); 
ferner von Handlungen od. in Beziehung auf die Thätigkeit des Subjects: 
viel Mühe machend, Anftrengung erfordernd, finnv. beſchwerlich, ſchwie— 
ig, mühfam (fchwer lernen, begreifen 20.5 ſchwer hören, d. i. harthörig 
fein; eine ſchwere Arbeit, Aufgabe; ein Schweres Buch, ein ſchwerer Schrift- 
ſteller, d. i. der ſchwer zu verftehen iſt; es wird-mir fchwer, d. i. es macht 
mie Mühe; einem eine Sache fhwer machen ꝛc.), häufig mit nachfolgenden 
zu und einem Inf. (7. B. das ift fchwer zu fagen, zu thunz diefe Kunft ift 
ſchwer zu lernen 2c.); — 3fe9. fchwerathemig, Bw., mit Mühe athmend ; 
fchwerblütig, Bw., fchweres, dies Blut Habend, und daher trübfinnig od. 
ſchwermüthig; die Schwerblütigfeit; die Schwer- Erde, eine eigenthüm- 
lihe Erdart, welche, mit Schwefelfäure verbunden, den Schweripath ausmadıt ; 
fohwerfällig, Bw., eig. wegen großer Körpermaffe Schwer fallend; überh. 
. wegen feiner Maffe u. Schwere unbehülflih, ohne Gewandtheit u. Gefchmei- 
digkeit (ein Schwerfälliger Menſch, Gang ꝛc.; fchwerfällig tanzen 2c.); uneig. 
f. unbehürftich, ungefchmeidig, ſchwer zu behandeln (Wörter, Schreibart, Verse 
maß u. dgl.); die Schwerfälligfeit, das Schwerfälligfein, finnv. Unbehülf- 
lichkeit, Ungefchmeidigkeit; die Schwerfläche od. -ebene, Natur. die Fläche, 
in welcher ſich der Schwerpunkt befindet; fehwerflüffig, Bw., f. v. w. ftreng- 
ftüffig ; ſchwerfüßig, Bw., ſchwere, plumpe Füße, od. einen fehweren, Tang- 
famen Gang habend, wie die Säugethiere mit langen hakenförmigen Krallen, 
3. B. das Faulthier; fehmwergläubig, Bw., mit Mühe glaubend, entg. leicht- 
gläubig; fehmwerherzig, Bw., f. v. w. ſchwermüthig; ſchwerhörig, Bw., 
f. v. w. harthörig; die Schwerhörigkeit; die Schwerkraft, die Kraft, ver- 
möge deren die Körper gegen ben Mittelpunkt dev Exde ftreben; ſchwerleibig, 
Bw., einen ſchweren Leib habend (fr. corpulent); die Schwerleibigfeit: 
fihwerlöthig, Bw., von ſchwerem Loth od: Gewicht; die Schwermuth, 
niedergefchlagenes Gemüth, anhaltender Zrübfinn (fr. Melancholie); daher 

ſchwermuthsvoll, Bw.; fhwermüthig, Bw., mit Schwermuth behaftet 
od. davon zeugend (fr. melancholiſch); die Schwermüthigfeif, das Schwer: 


856 ſchwerben — Schwert 


müthigfein; die Schwerenoth, x. ſchwere Noth, f. d. unter Noth; der 
Schwerendther, niedr. Schimpf- od. Verwünfdhungswort; der Schwer- 
punkt, der Mittelpunkt der Schwere eines Körpers, d. i. der Punkt, welcher 
unterftügt fein mufs, damit der Körper im Gleichgewicht ruhe; der Schwer- 
Schritt od. tritt, fchwerfälliger Schritt; Versl. ein Versfuß von drei Längen 


(fr. Moloffus) ; der Schwerfinn, f. v. w. Schwermuth; fchmwerfinnig, Bmw., 


ſ. v. w. ſchwermüthig, tieffinnig; der Schwerfpath, eine Art Spath, welcher 
die Schwer-Erde (f. d.) enthält; der Schwerftein, das weiße Wolfram-Erz; 
- das Schwerfteinmetall, der Wolfram (f. d.); — Ableit. die Schwere, 
0. M. (altd. suäri, swaere, aud) suärida, swaerde, vgl. Beſchwerde; oberd. 
die Schwäre und Schwären, niederd. Swärte), das Schwerfein als Eigen- 
Schaft eines Körpers, das Gewicht; uneig. f. Drud, Befchwerde, Läftig- 
Eeit, Härte (z. B. eines Amtes, einer Strafe 2c.; aber nicht leicht f. Schwie- 
rigkeit, ſ. d.); ehem. auch f. Betrübnifs, Leid, Schwermuth; der Schwere- 
meffer (nit gut: Shwermeffer), ein Werkzeug zum Meffen ver Schwere 
bef. der Luft (fr. Barometer); fehweren, vlt. Zw. 1) ziellos (altd. suären, 
swären) f. ſchwer od. läftig fein od. werden; 2) ziel. (altd. suärian, suar- 
ran, swaeren, Prät. swärte; oberd. ſchwären, durch fchwere Gewichte 
preffen), f. befehweren, befchwerlic) fein, ſchmerzen; die Schwerheit, vlt. 
f. Schwierigkeit; ſchwerlich, Nw., chem. f. ſchwer, d. i. beträchtlich, in 
hohem Grade (4. B. bibl. ſchwerlich fündigen); jest nur als Ausdrucd des 
Zmweifels od. der Unwahrfcheinlichkeit, f. nicht leicht, kaum, mwahrfcheinlich 
nicht (3. B. du wirft dein Vorhaben ſchwerlich ausführen; er wird ſchwerlich 
fommen u. dal.). ; 


fehwerben, ziellof. u. ziel. Zw. (altd. suerban, swerben, Prät. swarp, 
Part. gesworben; vgl. das oberd. ſchwirbeln), völlig vlt. f. fchnell hin und » 


her fahren, wirbeln; ſchwärmen (niederd. Twarven); abwifchen, reinigen. 
fchwerblütig, Schwere, fehweren 2c. — ſchwerhörig, |. fchwer. 
. Schwerf, m., ſchwerken, 3w., ſ. Schwarf ıc. 

Schwerkraft, fchwerlich ꝛc. — ſchwerlöthig, T. ſchwer. 

Schwerm, m., -08, M. -e, Bergiw. der frumme Zapfen an einem 
Waſſerrade. 

Schwermuth ꝛc. — Schwerſtein, ſ. unter ſchwer. 

Schwert (ehem. auch Schwerdt u. unr. Schwerd geſchr.), ſ.es, 
M.-er, Verkl. das Schwertchen, (altd. suert, swert, M. swerte; niederd. 
Sweerd; isländ. sverd, fehwed. u. dän. svärd; angelf. sveord, svurd, engl. 
sword; — vielleicht von dem alten sueran, suar 2c. in der Bed. verfehren, 
verlegen? vol. ſchwären und fchwer), eine große Waffe zum Hauen und 
Schneiden mit breiter, gerader Klinge, ein, od. auch zweiſchneidig, verich. 
von dem fchmaleren, leichteren Degen, u. dem krummen Säbel (f. d.), 
ehem. neben dem Speer die Hauptwaffe des Nitters (Ritterfhmwert; daher 
Schwert geben, f. zum Ritter machen; Schwert nehmen f. Ritter werden) 
u. in Schlachten gebrauht (Schlahtfeh wert); jegt bef. von dem Scharfz 
vichter zum Enthaupten gebraucht: Richtſchwert u. ſchlechtweg Schwert 
(3. B. zum Schwerte verurtheilt werden ; einen Verbrecher mit dem Schwerte 
hinrichten); in weiterer Anwendung, bef. dicht., auch f. Degen u. jede fchnei- 
dende Waffe, u. uneig. f. offenbare Gewalt, Kampf, Krieg (7. B. mit dem 
Schwerte drein ſchlagen; das Schwert mufs entfcheiden; ein Land mit Feuer 








Schwert 857 


und Schwert verheeren; ev hat eine Zunge, wie ein Schwert); uneig. ver- 
fchiedene fehwertförmige Körper, Werkzeuge ıc., 3. B. an Schiffen ein an 
der Seite hangendes ftarfes Brett, welches das Abtreiben und Umlegen des 
Schiffes zu verhindern dient; Buchb. ein hölgernes Werkzeug, ‚die Blätter eines 
Bogens in einander zu legen, u. dgl. me; — 3fep. die Schwertbohne, eine 
. Art Schminkbohnen mit breiten Schalen; der Schwertbruder, ſ. Schwert- 
orden; der Schwertdegen (f. Degen 2.), ehem. ein junger Ebdelfnappe, ber 
die Ritterwürde empfangen hat; der Schwertfeger, eig. wer Schwerter 
fegt, d. i. pust u. blänft (polict) ; in weiterem Sinne ein Handwerker, welcher 
Seitengewehre verfertige; der Schwertfegerdrath, eine Art groben Drathes, 
woraus die Gewinde an Degen» und Säbelgefäßen gemacht werden; der 
Schwertfifch, ein großer Seefifch mit einem fchwertförmigen Rüſſel; aud f. 
Sägefiſch; Stacheldrache; öfter. f. Sichelfiih; fehwertfürmig, Bw. (z. B. 
Pflanz. ein fhwertförmiges Blatt); der Schwertgenoffe, ehem. wer mit 
einem Andern zugleich das Ritterſchwert erhalten hatz der Schwertgrofchen, 
ehemal. Eurfächf. Grofchen mit dareuf geprägtem Kurſchwerte; der Schwert- 
fnecht, chem. der Schwertträger eines Ritters; der Schwertfnopf, der 
Knopf am Gefäße des Schwertes; das Schwertlehen, f. v. w. Manntehen, 
entg. Kunkellehen; die Schwertlilie, Pflanz. überh. Lilien mit fchwerförmi- 
gen Blättern u. einblattigen Blumen (ensatae); in engerer Bed. eine Pflanzen- 
gattung mit Lilienähnlichen Blumen und fehwertförmigen Blättern, auch der 
Schwertel (iris L.), von verfchiedenen Arten, bef. die gelbe Schwertlilie od. 
der gelbe Schwertel, auch Wafferfchwertel, und die gemeine blaue Schwert- 
litie, gemeiner od. deutfcher Schwertel, blauer Himmelsfchwertel; ferner die 
ſtinkende Schwertlilie od. der wälſche Schwertel; die Ipanifche, die Enollige, 
die zwiebelartige Schwertlilie ze. ; auch der Kalmus (f. d.) heißt: wohlriechende 
Schwertlilie od. Schwertheu; der Schwertmage, M. Schwertmagen, 
f. Mage 1.; der Schwertorden, ein ehemal. Ritterorben in Liefland, deſſen 
Glieder Schwertritter od. Shwertbrüder hießen; die Schwertfcheide 
oder das Schwertfutter, ſ. Scheide 2.; der Schwertfchlag, = flreich (altd. 
auch swert-swanc), Hieb, Streich mit dem Schwerte (ein Land ohne Schwert- 
ſtreich erobern, d. i. ohne Blutvergießen); der Schwertfchleifer, wer Schwer- 
ter, Degen, Schermeffer ꝛc. fchleift, verfch. Rauhfchleifer; das Schwert- 
ſchock, ehem. ein Schock Schwertgrofchen; die Schwertfeite, die Seite der 
Schwertmagen, d. i. die Verwandten von väterlicher Seite, entg. Spill= od. 
Kunkelfeite; der Schwert= od. Schwertertang, ehem. ein Tanz mit ent- 
blößten Schwertern; dicht. uneig. f. Kampf, Gefeht; das Schwerttheil, 
ehem. f. Erbtheil von der Schwertfeite (ſ. d.); der Schwertträger, wer 
einem Andern das Schwert trägt, bef. bei gewiffen feierl. Gelegenheiten (4. B. 
ehem. in Polen: der Krongroßfchwertträger); Naturk. ein Fiſchgeſchlecht mit 
aalförmigem Körper u. einem in einen fchwertförmigen Schnabel auslaufenden 
Oberfiefer (xiphias) ; — Ableit. der Schwertel, -$, M. mw. E., 1) ſ. v. w. 
Schwertlilie, ſ. o.; 2) (mittelh. swertel) eine ſchön rothe Blume mit nad- 
tem Stengel: gemeiner, rother Schwertel (gladiolus L.); das Schwertel- 
gras, f. v. w. Schilfgras; die Schwertelmaus, eine Art Mäufe mit rauhem 
Schwanze, Rauchſchwanz; der Schwertelried, eine dem Riedgraſe ver- 
‚wandte Pflanze, mit ftachligen Fruchtknoten, Igelsknospe od. =Eolbe, auch) 


858 Schweſter — Schwibbogen 


Schwertriedel, Knospengras ꝛc. (sparganium L,); die Schwertelwurz, 


gemeine blaue Schwertlilie; auch f. Schlangenlauch. 
Schweſter, w., M. -n, Verkl. das Schweſterchen, oberd. Schweſter— 
lein, (goth. svistar, altd. suestar, swester, M. swester u. swestern; nicberd. 
Süfter, Sufter, u. verkl. Susje; angelf. sveostor, svuster, engl. sister, ſchwed. 
und dän. syster; poln. siostra; ſanskr. svasriz wahrſch. von der Wurzel sva, 
ſelbſt, eigen (lat. su-us); daher das goth. sves, eigen, angehörig; althochd. 
suäs, vertraut, lieb; vgl. auch Gefhwifter, Schwager, Schwieger, u. das lat. 
soror), eine weibliche Perfon in ihrem Berhältnifs zu andern, die von 
denfelben Altern abftammen (leibliche, gem. rechte Schweſter, z. U. v. Stief⸗, 


Halbſchweſter, ſ. d.5 vgl. Bruder); im weiterer Anwendung heißt auch die 


Schwägerinn: Schwefter (Frau Schwefter); ferner eine weibl. Perfon, 
weldye mit andern durch gleichen Stand oder Beruf genau verbunden ift 
(def. geiftliche od. Klofter-Schweftern, d. i. Nonnen); in engerer Bed. 
die Perfonen, welche in den Nonnenklöſtern die häusl. Angelegenheiten 
beforgen (Schweftern od. Laienſchweſtern); uneig. ein Gegenftand weibl. 
Geſchlechts (z. B. eine Stadt) in feinem Verhältniffe zu andern feiner Art; — 

3feg. die Schwefterhand, das Schwefterherz u. dgl. m.; das Schwe- 
ſterkind, M. Schweiterkinder, Kinder einer Schweſter, jo auch: der 
Schwefterfohn, die Schweitertochter; die Schwefterliebe, Liebe einer 
, Schwefter ,. fchmefterliche Liebe; der Schweſtermann, Gatte von Jemands 


Schwefter, Schwager; der Schweftermord, Ermordung einee Schwefter; 
der Schweftermörder ; das Schwefter- ob. Schwefternpaat, zwei ** * 


ſtern; die Schweſterſeele, der Schweſterſinn, die Schweſtertreue ıc.; 


Ableit. fchwefterlich, Bw., im Verhältniffe einev Schweſter —— 


einer Schweſter od. Schweſtern angemeſſen, nach Art derſelben (ſchweſter— 
liche Liebe, Geſinnung 2c.); die Schweſterlichkeit; die Schweſterſchaft, 
das Verhältnifs zweier Schweftern, u. bef. fehmwefterlich verbundener Per- 


ſonen; auch die in einer fchwefterlichen Verbindung ftehenden Perfonen - 


felbft (geiftliche Schwefterfchaften) ; ſchweſtern, Zw., wenig. gebr. F) ziellos, 
fchwefterlihen Umgang pflegen; fich in eine Schwefterfchaft, ein Nonnen- 


Elofter 2c. begeben; 2) ziel. fi, einander—, Schwefter nennen und 


fchwefterlich behandeln. 

fchwetten 1. ziel. Zw. (vgl. ſchwadern, ſchwatteln zc.) ſchweiz. f. — 
men (Pferde); die Schwette 1. (ſchweiz. Schwetti) f. Schwemme, Lache; 
vergoſſene Flüſſigkeit; ausgeſchüttete Menge, Haufen; ſchwettern, ziellof. 
3w., landſch. f. ſchwadern; ſchlottern; der Schwetterſtein, ein Stein, in 
welchem Waſſer eingeſchloſſen iſt u. ſchlottert. 

— zielloſ. Zw., niederd., beſ. oſtfrieſ. (ſwetten) f. angrenzen; 
die Schwette 2., M. -n (Siwette) f. Grenze, Grenzzeichen (vieleicht ur- 
ſpr. Bafferfcheide, Grenzgraben, alſo — Schwette 1.2 vgl. jedoch auch das 
angeli. svathe, Spur, Merkmal); auch das Nachbarrechtz der Schwett- 
genoffe, niederd. (Swettgenote) f. Grenznachbar. 


Shwibbogen od. Schwibogen, m., -$, M. w. E., (gem. Schwib⸗ 
bogen geſchr. u. von ſchweben abgel., welches aber nicht ablautet; oberd. - 


Schwi-bogen; altd. sui-pogo, swi-boge; alt u. landſch. auch swin-, Schwiel⸗, 
swig-, Schmwichbogen; vgl. das isländ. sveigia, Erimmen, biegen, svig, Krüm— 
mung, sveigr, Bogen), ein gemauerter Bogen, eine gemwölbte fleinerne 








fhwichtigen — ſchwieren 859 


Decke; ein mit einem ſolchen Bogen bedeckter Raum, gewölbtes Gemach 
od. Behältniſs, Gewölbe, beſ. Grabgewölbe. 

ſchwichtigen, ziel. Zw. (vom niederd. ſwigten, holl. zwichten, ver— 
ſtummen, nachgeben, u. dieſes von ſchweigen, od. niederd. Nebenform des 
mittel. swiften, beruhigen, von sweben, fchlummern?), zum Schweigen 
bringen, beruhigen, befanftigen, gem. befhwichtigen; daher dicht. der 
Schwichtiger; die Schwichtigung. 

Schwiegel, w., fehwiegeln, 3w., ſ. Schwegel, ſchwegeln. ro 

Schwieger, w., M. w. E., (altd. suigar, suigir, swiger; oberd. Schwi— 
ger; lat. socrus, griech. Ezvod; vgl. Schwäher, Schwager, u. das altd. gesuio, 
geswie, geswige, oberd. der u. die Gefhwei f. jede verſchwägerte Perfon), 
alt u. oberd. f. Schwiegermutter, entipr. Shwäher, (ein männl. „der 
- Schwieger giebt es nicht!); die Schwiegerältern, o. E., die Ältern des 
einen Ehegatten in Bezug auf den andern (4. B. meine Schwiegerältern, d. i. 
die Ältern meiner Frau), einzen: der Schwiegervater, die Schwieger- 
mutter; der Schwiegerfohn, der Ehemann der Tochter, Tochtermann; 
die Schwiegertochter, die Gattinn des Sohnes, alt: die Schnur; fo auch: 
das Schwiegerkind, die Schwiegerfinder ; — die Schwiegerinn, M. -en, 
landſch. f. Schwägerinn, f. d. \ 

Schwiele, w., M.-n, Verkl. das Schwielchen, (altd. der suilo, swil, 
M. swiln; aud) daz gisuil; oberd. der Schwillen, das Geſchwill; von ſchwel⸗ 
len, ſ. d.; vgl. das niederd. Swill f. Gefhwulft; engl. weal, Schwiele), eine 
harte und die Stelle in der Hautz def. aufgelaufene Stellen der Haut 
in Folge harter Handarbeit (Schwielen in den Händen) od. von Peitichenhieben 
u. dgl.5 uneig. etwas Schwielenähnliches: Naturk. eine Art des Zahnes am 
Schloffe einer Muſchelſchale; Bergw. Nieren im Schiefer; ſchwielig, Bw., 
Schwielen habend (Haut, Hände 2c.); fchwielicht, Bw., ſchwielenähnlich; 
ſchwielen, ziellof. Zw. (altd. suillan, swillen, dickhäutig werden; niederd. 
fwillen f. ſchwellen), landſch. f. fhmwellen, auflaufen. 

ſchwiemen, fehwiemeln, zielof. 3w., fchwiemelig, Bw., landſch. bei. 
niederd. (fwiemen zc., fwiemelig) f. ſchweimen ıc., f. d.; daher die Schwiem, 
niederd. (Swiem) f. Ohnmacht (in die Schwiem fallen f. ohnmächtig werben, 
auch: befwiemen); ſchwiemſchlagen, untrb. ziellof. Zw., niederd. f. 
fhwindeln, ohnmächtig taumeln, ſchwanken; der Schwiemfchlag, Schiff. 
im Schwiemſchlag liegen, d. i. im Winde von einer Seite zur andern 
ſchwanken. 

Schwieping, w., M. -en, (auch Schwepping; vgl. Schweppe, ſchwip— 
pen 2c.), Schiff. das ſpitz zulaufende Ende eines Taues; auch eine ſtarke 
Latte, welche die Enden eines Spannes zufammenhält. ; i 

fchwieren, ziellof. Zw. m. Haben, niederd. (fwiren, Twieren, holl. zwie- 
ren, dän. svire; eig. wohl Nebenform von ſchwirren, fich ſchwirrend be- 
wegen, vgl. ſchwärmen) f. herumfliegen, fhwärmen; luſtig, in Saus u. 
Braus leben; preuß. auch f. wanfen, fhwanfen; die Schwier (Swier, 

holl. zwier) 1) f. Wendung, Schwung; Anftand, Pracht u. Geſchmack, 

beſ. in der Kleidung, großer Staat, prüchtiges Gefolge; Wortſchwall; 
2) f. Trinkgelag, Trinflied; der Schwierbruder od. =gaftz f. liederlicher 
Schwärmer, Saufbruder; ſchwierig 1. (fwierig), Bw., f. ſchwunghaft, 
prächtig, zierlich, pomphaft; locker lebend, liederlich. 


860 Ihwierig — f chwimmen 


ſchwierig 2., Bw. (altd. swirec; oberd. ſchwirig, geſchwirig; v. sueran, 
sweren, ſchwären, ſ. d.), alt u. oberd. überh. ſchmerzhaft; auch f. em— 
pfindlich, reizbar; insbeſ. ſchwärend, in ein Geſchwür übergehend (ſchwie— 
rig werden, ein ſchwieriger Finger 2c.). 

ſchwierig 3., Bw. (von ſchwer erft in der neueren Sprache gebildet und 
der Volksſprache fremd), ſchwer, d. i. viel Mühe machend, Anftrengung 
erfordernd, finnv. befehwerlih, mühfam (3. B. ein fchwieriges Unternehmen, 
eine ſchwierige Arbeit. 2c.); von Menfhen: Schwierigkeiten machend, be- 


denklich, ſchwer zu bewegen oder zufrieden zu ftellen; die Schwierigkeit, | 


(f. das vlt. Schwerheit, niederd. Swaarheit, Swarigheit) 1) o. M. dag 
Schmwierigfein, die Schwierige Befchaffenheit einer Sache od. Perfon (gem. 
nad der Schwierigkeit f. in hohem Grade); 2) M. -en, was eine 
Sache fehwierig macht od. erfchwert, finnv. Hindernifs (bei einem Gefchäfte 
Schwierigkeiten finden; alle Schwierigkeiten befeitigen; die Sache hat manche 
Schwierigkeiten); auch f. Einwendung, Bedenklichkeit (Schwierigkeiten ma- 
hen; daher der Schwierigfeitsmader, ein fhwieriger, bedenklicher 
Menſch). 

ſchwigten, ziel. Zw. (wahrſch. das niederd. ſwigten, d. i. beſchwichtigen, 
dann: befeſtigen) Schiff. zwei geſpannte Taue mittelſt einer Leine, welche 
die Schwigtlien od. Schwigting, M. -en, heißt, zuſammenziehen und 
dadurch noch mehr fpannen. 

fhwih, ein Fuhrmanns-Ruf, f. hott. 

Schwilbe, w., Bergmw. eine taube Bergart. 

fchwillen, 3w., landſch. f. ſchwellen; der Schwillen, -8, oberd. f. die 
Schiele. 

ſchwimmen, ziellof. 3m. m. haben u. fein, ablaut. Impf. ſchwamm, 
Gonj. ſchwämme und ſchwömme; Mw. gefchtwommen , (altd. suimman, 
swimmen , Prät. swam, Pl. swummen, Part. geswummen; oberd. Prät. 
ſchwam u. ſchwum, Part. geſchwummen; niederd. fwimmen; angelf. svim- 
man, engl. swim; isländ. svimma, ſchwed. simma; vgl. Schwamm u. das 
abgel. jchwemmen), 1) von dem MWaffer oder überh. von einer Flüffigkeit 
getragen werden, fich auf der Oberfläche derfelben ſchwebend erhalten u. 


fortbewegen (das Holz, ein Schiff 2c. ſchwimmt); insbe. fich durch felbft- | 


thätige Kraft vom Waffer getragen erhalten u. auf od. in demfelben fort- 
bewegen (die Fifche, Enten ꝛc. ſchwimmen; Hunde, Pferde ꝛc. können ſchwim— 
men; EZunftmäßig ſchwimmen lernen; auf dem Bauche, auf dem Rüden zc. 
ſchwimmen); in weiterer Anwendung auch f. ſchweben in der Luft, fich fanft 
und mwellenförmig bewegen (dev Adler ſchwimmt in der Luft; der Mond 
ſchwamm im reinen Blau), — in diefen Bed. m. haben, wenn das Getra- 
genmwerden od. die Bewegung an ſich od. in Beziehung auf Zeit, Kunft u. Abs 
fiht ausgedrückt wird; m. fein, wenn Ausgangspunkt, Ziel od. Richtung der 
Bewegung angedeutet wird, (Z. B. ich habe in meiner Jugend geſchwommen; 


er hat lange, viel, gut 2c. geſchwommen; aber: das Brett ift ans Ufer ges. 


ſchwommen; er ift fort=, über den Flufs, zurück geſchwommen 2c.); 2) (mit 
haben) uneig. von einer Flüffigkeit ganz übergoffen od. bedeckt fein, bef. 
übertreibend (3. B. in feinem Blute fhwimmen, in Thränen—; ihr Auge 
ſchwamm in Thränen; der Boden ſchwimmt von Blute; Bergw. ein ſchwim— 
mendes Gebirge, d. i. ein fumpfiges); auch von der Flüffigkeit ſelbſt f. fich in 





ſchwind — Schwindel 861 


Menge ergießen od. verbreiten (das Blut ſchwamm auf dem Boden; Thrä— 


‚nen ſchwimmen im Auge) ; noch uneigentliher: in etwas —, f. e8 in UÜber- 


flufs genießen od. befigen (im Weine—; in Freude od. Wonne ſchwimmen); 
— 3fes. die Schwimmblafe, f. v. w. Fiſchblaſe, ſ. d.: auch getrodnete 
Harnblafen von Rindern 2c., welche man ‚unter den Armen befeftigt, um mit 
deren Hülfe zu Schwimmen; der Schwimmbruch (f. Bruch 2.), in Niederd. 
ein von Waffer umgebenes Sumpfland; der Schwimmfuß, die zum Schwim- 
men eingerichteten Füße der Wafferthiere, deren Zehen durch eine Haut, die 
Schwimmhaut, verbunden find; der Schwimmgürtel, ein Gürtel von 
Korkholz u. dgl. mit Blafen verfehen, um mit deffen Hülfe zu ſchwimmen; 
der Schwimmfäfer, eine Art Kleiner Käfer auf ftehenden Waffern, auch 
Schwimmer, Drehkäfer, Wafferfloh 2c.; die Schwimmfrähe, eine Art 
MWafferraben, auch Seekrähe; die Schwimmkunſt; der Schwimmlünftler; 
die Schwimmfchnede, eine Art gewundener, bauchiger Schnecken mit halb- 
runder Mündung, auch Halbmondfchnede; die Schwimmfchule, Anſtalt zum 
Erlernen der Schwimmkunſt, auch Schwimmanftalt; der Schwimm- 
vogel, mit Schwimmfüßen verfehener Waffervogel, 3. B. Enten, Taucher zc.; 
das Schwimmzeug, alles zum Schwimmen dienende Zeug od. Geräth, z. B 
Shwimmhofen, Shwimmgürtelu. dgl. — Ableit. der Schwim- 
mer, -8, die Schwimmerinn, M.-en, mer ſchwimmt, u. bef. wer die 
Kunft zu ſchwimmen verfteht (ein guter ze. Schwimmer fein); auch f. 


Schwimmkäfer; Lerchenfalt, Schweimer; eine im Waffer wachfende 


ſchwimmende Pflanze (aponogeton L.) ; landſch. auch) ein in Riemen hangen- 
der bedeiter Wagen, auch Schwemmer, (wegen der jchaufelnden Bewe- 


gung); eine Hohlmünze (Schwämming). 


fhwind od. fchwinde, Bw. u. Nw. (mittelh. swinde, niederd. wind), 
alt u. landſch. f. gefchwind (f. d.), fehnellz; chem. bef. f. Eräftig, ftark, heftig, 
verderblich (vgl. das goth. svinth, altfächf. und angelf. suith f. Eräftig, ftark; 
u. ald Nw. suitho, niederd. [wied f. fehr; ſwidig f. groß, viel, übermäßig; 
die Grundbed. fcheint alfo „ſtark, kräftig,“ und dies Wort von einer andern 
Wurzel, ale ſchwinden, auszugehen). 

Schwinde, w., M.-n (von fhwind, gefchwind, weil fie fich ſchnell aus— 
breitet; oder von fchwinden?), 1) f. v. w. Flechte 2., Hautflechte, auch 
die Schwindflechte; 2) eine Art Milben, welche die Flechte und die Kräge 
erzeugen follen. + 

Schwindel 1. m., -8, landfch. f. Schwingel. 

Schwindel 2. m., -3, M. (felten) w. E., (von ſchwinden; ſchwed. 
svindel; altd. suintilöd, swintlunge) der vorübergehende Zuftand der 
Schwäche des Kopfes, da Sinne u. Bewufftfein augenblidlih ſchwin— 
den od. vergehen u. fich Alles im Kreife zu drehen fcheint, landſch. Schwei- 
mel(f. d.), Shwiemel, (den Schwindel befommen; vom Schwindel be— 
fallen werden, z. B. beim Hinabfehen von einer fteilen Höhe; der Schwindel 
der Schafe, d. i. die Drehkrankheit); in weiterer Bed. überh. f. Betäubung, 


mangelnde Befinnung; unbefonnene Handlungsweife, da man abenteuer- 


liche Pläne macht; Ableit. fchwindelig od. zgez. ſchwindlig, Bw. (oberd. 
auch ſchwindliſch) den Schwindel habend, landſch. gem. ſchweimelig, 
Ihwiemelig, (ih werde ſchwindlig, oder mir wird fchwindlig); dem 
Schwindel ausgefegt (ich bin ſchwindlig, d. i. ich werde Leicht fchwindlig) ; 


862 ſchwinden 
auch f. Schwindel erregend (eine ſchwindlige Höhe ꝛc.); uneig. f. unbeſon— 
nen handelnd, abenteuerliche Pläne machend (ein ſchwindliger Menſch); — 
ſchwindeln, zielloſ. 3w. m. haben, (altd. suintilön, swindeln), den Schwin— 
del bekommen oder haben, ſchwindlig werden oder fein, landſch. ſchwei⸗ 
meln, ſchwiemeln, (ich ſchwindele, und gew. unp. mit dem Dat. es 
ſchwindelt mir, od. mir ſchwindelt, hat geſchwindelt ꝛc. oberd. auch 
f. es ahndet mir, ich befürchte, vgl. ſchwanen); uneig. f. unbeſonnen fein u. 
handeln, unausführbare oder ſehr gewagte Entwürfe, Verſprechungen, 
erlogene Behauptungen ꝛc. machen (er ſchwindelt; auch mit dem Acc. der 
Sache: was ſchwindelt er. wieder! einem etwas vorſchwindeln ꝛc.); 3ſetz. 
die Schwindelbeere, Tollbeere; auch f. Schlingbeere, Schlingbaum; der 
Schwindelgeift, die Neigung zu ſchwindeln, d. i. unbefonnen zu handeln zc., 
u. ein unbefonnen handelnder Menſch, Schwindler; der Schwindelhafer, f. 
v. w. Schwindelforn, Schwingel 2); die Schwindelhöhe, eine Schwindel 
erregende Höhe; der Schwindelfopf, ein ſchwindelnder Kopf, bef. uneig. 
ſ. v. w. Schwindelgeiftz ſchwindelköpfig, Bw.; das Schwindelforn, ver 
gemeine betäubende Sommerlolch,” Taumellolch; auch f. Koriander (Shwin- 
delkörner); Schwangpfeffer; das Schwindelfraut, 1) Koriander; 2) die 
Gemfenwurz, auch Schwindelwurz; Ableit. der Schwindeler od. zgez. 
Schwindler, -$, die Schwindlerinn, M. -en, wer ſchwindelt (nur uneig.), 
d. i. unbefonnen handelt, unvorfichtige, fehr gewagte Unternehmungen 
macht, z. B. ein folder Kaufmannz die Schwindelei, das Schwindeln, 
die Handlungsweife eines Schwindlers; auch eine einzelne unbefonnene, - 
abenteuerliche Unternehmung; u. f. ein ungegründetes Vorgeben, finne. 
MWindbeutelei, (M. Schwindeleien). 

fchwinden, ziellof. Zw. m. fein, ablaut. Smpf. ſchwand, Gonj. ſchwände; 
Mw. gefhwunden, (altd. suintan, swinden, neben swinen, [weinen 
f. d., von der Wurzel suin; niederb. fwinden, fwund, ſwunden; angelf. svin- 
dan, ſchwed. svinda), urſpr. Eleiner werden, fich verringern, an Eörperlihem 
Umfange abnehmen, fidy verzehren (das Holz ſchwindet, wenn es troden 
wird; ein Glied, z. B. eine Hand, ſchwindet, d. i. trodinet ein u. ftirbt ab); 
überh. f. vermindert, gefchwächt werden (ein Vorrath, eine Zahl ſchwindet; 
der Muth, die Kräfte ſchwanden ihm); unfichtbar od. überh. unbemerkbar, 
auch unwirkſam werden, vergehen, vgl. ver-, entfehwinden, (4. B. die Ge⸗ | 
ſtalt ſchwand vor meinen Augen; Farben ermatten und ſchwinden; die Sinne 
ſchwanden ihm; alt u. oberd. auch unp. es fchwindet od. gefhwindet 
mir f. es ſchwindelt mir, mir vergehen die Sinne); aufhören zu fein, ver 
loven gehen, vergehen (jeder Verdacht ift gefchwunden; Tage, Jahre 2. 
ſchwinden; bef. auch: etwas fchwinden laffen, d. i. fahren laffen, aufgeben, 
3. B. einen Verdacht, etwas an einer Geldforderung ſchwinden laffen); — 
3Tes. die Schwindblume, eine zu den Binfen gehörende Pflangengattung 
(helonias L.); die Schwinöflechte, f. Schwinde; die Schwindgrube, landſch. 

. Schundgrube, eine verdeckte Grube, in welche Unreinigkeiten geworfen wer⸗ 
den; die Schwindſucht (oberd. auch: ſchwindende Sucht, landſch. Schwein: 
ſucht; niederd. Swinfte), allmähliche Abzehrung des Körpers und Schwinden 
der Kräfte bis zum völligen Erlöfchen, Auszehrung ; auch eine tödtliche Kran« 
heit der Seidenwürmerz das Abftehen u. die Magerkeit der Bäume; [hwind- 
füchtig, Bw., die Schwindfucht abend (ein Schwindfüchtiger, eine Schwind ⸗ 








Schwinge — ſchwingen 363 
füchtige, als Hw.); die Schwindfüchtigfeit, das Schwindfüchtigfein; bie 
Shwindwurz, landſch. f. das große Schellkraut, deffen Wurzel mit allerlei 
Kräutern zufammen in einem fogen. Shwindbeutel den Kühen, welche bie 
Schwindfucht Haben , angehängt wird; — Ableit. der Schwinderling, 
bair. f. eine heftige Maulfchelle, wobei einem Hören u. Sehen vergeht. 

Schwinge, w., f. unter fchwingen. 

Schwingel, m., -$, 0.M., 1) won ſchwingen, wegen der ſchwin— 
genden Bewegung der ſchlanken Halme?) eine Grasart mit zweilpelziger Blu 
mendecke und Heiner, länglich runder Ähre (festuca L.), landſch. auch Schwin- 
del, Eleines Riedgras; dahin gehören: der ſchwimmende od. Mannaſchwingel, 
der Harte, Wiefen-, Schafſchwingel ec.; 2) landſch. f. Lolch, bei. der betäu- 
bende Sommerlolch (wahrſch. verderbt aus Schwindel; daher aud: 
Schwindelhafer, -korn; ſchwed. svindel, dän. svingel). 

fhwingen, 3mw., ablaut. Impf. ſchwang (oberd. auh [hwung), Eon. 
ſchwänge (ehem. ſchwünge), Mw. gefhwungen, (altd. suingan, swingen, 
Prät. swane, Part. geswungen; früh vermengt mit suinkan, swinken, swanc, 
swunken 5, vgl. Schwang, Schwung, u. Schwank, ſchwenken ꝛc.; Grundbeb. 
ift: heftige Bewegung; angel. svingan, ſchlagen, peitfchen, und svincan, ar— 
beiten; ſchwed. svinga; engl. swing, swinge, swingle; niederd. ſwingen, bei. 
f. den Flachs Schlagen), 1) ziellos m. haben, chem. überh. f. fich heftig be- 
wegen, arbeiten (daher vieleicht noch: etwas erfchwingen f. erarbeiten), 
ſchweiz. f. ringen, vingend kämpfen; jest. insbef. fich bogenfürmig um 
einen feften Punkt fehwebend hin und her bewegen (der Schwengel oder 
Pendel der Uhr fchwingt in einer Minute 50 Mal; eine fchwingende Bewe- 
-gung); 2) ziel. etwas—, fehnell u. bef. im Schwung, d. i. bogenförmig 
bewegen (den Arm—; etwas in der Hand, die Lanze, die Fahne —; bie Flü- 
gel—; etwas über den Kopf, hinter fih—, d. i. ſchwingend werfen, ſchleu— 
dern); ſchwingend bearbeiten, reinigen (das Getreide, das Futter—, mit- 
teift der Schwinge, ſ. u.); ſich —, d. i. fi im Schwunge bewegen (4. B. 
fich über einen Zaun, fic) auf das Pferd —; bei. mittelft der Flügel: der Adler 
ſchwang fich in die Luft), uneig. ſich ſchnell auf einen höheren Punkt erhes 
ben (fi auf den Thron —); ferner mit gefhwungener Hand fihlagen 
(ſchweiz. ein Kind—, d. i. mit Ruthen ftreihen; bei. den Flachs —, ihn 
nach dem Brechen mit der Schärfe eines Brettchens fchlagen, um.ihn von den 
Holzfafern zu reinigen); — 3feg. der Schwing- od. Schwingeblod, das 
Schwingebrett, Geftell, auf welchem der Flachs und Hanf gefchlagen wird; 
die Schwingfeder, f. v. w. Schwungfeder; die Schwingfolbe oder das 
Schwingkölbchen, Naturk. dünne, bewegliche Stielchen,an den Flügeln der 
Infecten ohne Flügeldecken; die Schwingkraft, gew. Schwungtraft; der 
Schwingenapf od. die Schwingfchale, Nadl. eine Wanne, worin die ver- 
zinnten u. in Kleie 2c. getrodneten Nadeln duch Schwingen von der Kleie ge- 
reinigt werden; das Schwingfeil, ein Seit, welches fich ſchwingt, od. etwas 
in Schwung zu fegen dient; der Schwingftod, ſ. u. Schwinge; die Schwing- 
uhr, Schwengel- od. Pendeluhr; — Ableit. die Schwinge, M. -n, überh. 
ein Werkzeug, welches geſchwungen wird, oder etwas zu ſchwingen dient, 
insbef. Landw. eine von Ruthen geflochtene länglich runde Wanne, in welcher 
das Getreide und Futter gef hwungen u. dadurch gereinigt wird (Futter 
Ihwinge); ein Brettchen mit einem Griffe, den Flachs oder Hanf damit 


% 


864 Schwinz — ſchwirren 


zu ſchwingen, d. i. zu ſchlagen; Seil. ein Stock (Schwingftod) oder ein 
eifernes Werkzeug zum Ausfchwingen des Hanfes; Bergw. die Hölzer an den 
Wafferkünften u. Feldgeftängen, fi) darauf hin und wieder zu bewegen; Pa— 
pierm. die Stiele an den Stampfen, welche diefe mit einem Schwunge heben; 
uneig. landſch. die breiten Sproffen in den Wagenleitern, Sperrleiften; an 
Slufsfahrzeugen das Querholg, an welches das Ziehfeil gebunden wird; ferner 
die ſtarken Schwungfedern der Vögel, bef. der Falken; auch der ganze 
Flügel (engl. wing; ſchwed. vinge), bef. won großen Vögeln; dicht. überh. f. 
Flügel, Fittig, auch uneig. (2. B. die Schwingen des Windes, der Gedanken, 
des Geiftes 2c.); daher das Schwingenpaar, ein Paar Schwingen od. Flü— 
gel; — der Schwinger, -$, wer etwas ſchwingt; die Schwingung, M. 
-en, die Handlung des Schwingens; ſchwingende Bewegung (z. B. bie 
naar des Pendels, einer gefpannten Saite 2c.); der Schwingungs- 
knoten, die ruhenden Punkte einer in Schwung gefesten Saite. 

Schwinz, m., -08, M. -e, landſch. f. der Grünfinf. 

[hwipp, ſchwipps, gem., Naturlaut, welcher fehnelle Bewegung, bei. 
einen Schlag u. den damit verbundenen Schall bezeichnet, gew. in Verbin- 
dung mit ſchwapp, f. d. (es ging ſchwipp, ſchwapp!); niederd. (fwipp, 
fwipps) auch als Nw. f. fehnell, behende; als Bw. ſchwipper; fehwippen, 
3w., landfch. gem. 1) zielios m. Haben, fich mit dem Schall fhwipp be- 
wegen, insbef. von Flüffigkeiten, f. v. w. fchwabben, ſchwabbeln (f. b.), 
fhwappen, aud) ihwippeln, (geſchwippt voll u. dgl.), überfluthen (vgl. 
das goth. sveipains, überſchwemmung); von langen biegfamen Körpern: nach 
der Beugung in die Höhe fihnellen; auch mit einer Ruthe oder Peitfche 
fehlagen; 2) ziel. mit einer Schwippe (f. u.) verfehen (eine Peitfhe—); 


die Schwippe, M. -n, landſch. ein langer, biegfamer Körper, insbef. nie 


derd. f. Brunnenfchwengel (Swipe); der obere, dünne Theil der Angel- 
ruthe; die dünne Spige der Peitfchenfchnur (auch Schweppe, niederd. 
Swepe; Schmide, Schmige); auch f. Peitfche; der Schwippflod, bei den 
Vogelſtellern: biegfame Stöde zum Ausheben u. Zufammenfchlagen der Vogel— 
wände; — ſchwippſen, zieliof. Zw., holftein. (fwippfen) f. ſich ſchnell davon 
machen. 


fehwirben, Zw. landſch. f. v. w. ſchwerben, f. d.; ſchwirbeln od. ſchwur⸗ 


bein, ſchwürbeln, ziellof. Zw., oberd. u. fchweiz. f. wirbeln, ſchwärmen, 


ſich im Strudel od. im Schwarm bewegen (Waſſer, Bienen 2c.); ſchwin— 
deln, taumeln, ohnmächtig werden (3. B. es fchwirbelt ihm im Kopfe, od. 
der Kopf ſchwirbelt ihm); der Schwirbel, Schwurbel, Schwürbel, -8, f. 
MWirbel, verworrene Menge, Schwarm; Schwindel, Taumel; der 
. Schwirbelfopf, f. Schwindelfopf; fchwirbelig, Bw., f. ſchwindlig. 
fchwirren 1., ziellof. 3w. m. haben, (ein Schallw.; ſchwed. svirra, surra, 
ſanskr. svar; fat. susurro, vgl. ſurren; niederd. ſwirtjen f. zwitfchern, zir— 
pen; — ſchnell hin und her laufen, vgl. ſchwieren), einen feinen, 


zitternden, meift verworrenen Schall hören laffen od. hervorbringen (das 


Spinnrad ſchwirrt; ein Pfeil, Inſecten 2c. fehwirren im Fluge) ; bef. von dem 
Laute mancher Vögel und der Grillen od. Heimchen, vgl. zirpen, (die Lerche 
ſchwirrt; das Schwirren der Grillen) ; uneig. f. fich unruhig u. mit Geräuſch 
umbherbewegen, finnv. ſchwärmen (herum ſchwirren); die Schwirre, alt u. 
landſch. f. ein fchwirrendes Ding, bef. die Schwinge; fehwirrig, Sw⸗ f. 
unruhig, geräuſchvoll. 











Schwirren — Schwopp 865 


Schwirren, m., -8, M. w. €. (auch Schwirn; altd. swir, swirre; 
wahrfch. v. dem altd. suiron, befeftigenz; vgl. ſchwören; angelf. svira, sveora, 
Säule), alt. u. oberd. f. Pfahl, bef. Uferpfahl, an welchen man Schiffe bin- 

det; daher ſchwirren 2: ziel. Zw., Schweiz. f. pfählen, mit Pfählen verfehen 
(ein-, ausfchwirren). 

ſchwitzen, Zw. (altd. suizzan, switzen; nieder. fweten, engl. sweat; 
ſanskr. Wurzel: svid: svidjami, ich ſchwitze; vgl. Schweiß, fchweißen), 1) ziel: 
los m. haben, Feuchtigkeit ausdünften u. in Tropfengeftalt anfegen, bef. 
durch die Haut: Schweiß von fich geben, vergiefen, in Schweiß ausbre= 
chen, (ich ſchwitze, habe geſchwitzt; Tandfch. auch unp. mit dem Acc. es ſchwitzt 
mich od. mich ſchwitzt); uneig. f. viel Mühe, Befchwerde haben, fich 
anftrengen (er fchwigt den ganzen Tag bei der Arbeit); in weiterer Bed. 
überh. f. Feuchtigkeit anfegen, feucht werden (das Getreide ſchwitzt in der 
Scheuer; das Leder ſchwitzt; die Fenfter, die Steine ſchwitzen, wenn ſich die 
Dünfte an diefelben anlegen); 2) ziel. etwas—, in Geftalt eines Schweißes 
von fich geben (MWaffer u. Blut —); ſchwitzen machen (die Gerber ſchwitzen 
das Leder im Äfcher); der Schwiß, -e8, oberd. f. Schweiß; auch f. das 
Geringfte, Unbedeutendfte („nicht ein Schwitz'); — Zfes. das Schwißbad, 
ſchweißtreibendes Bad; die Schwisbanf, Bank in einem Schwigbade, auf 
welcher man den Schweiß abwartet; der Schwißkaften, ein enges Behältnife, 
in welchem einem Kranken der Schweiß auögetrieben wird; uneig. fcherzh. ein 
fehr Heißes Zimmer; das Schwigmittel, ein ſchweißtreibendes Mittel, insbef. 
ein Schwißpulver, Schwißtranf ıc.; — Ableit. die Schwiße, landſch. 
der Zuftand des Schwitzens, gew. das Schwitzen; bef. Gerb. das Leder 
in die Schwige legen, d. i. mit Salz einbeizen, damit es feucht werde; ſchwi— 
Big, Bw., landſch. f. fehweißig, von Schweiß befeuchtet (Hände, Füße); 
leicht ſchwitzend (ſchwitzig fein); ſchwitzeln, zielof. Zw., oberd. f. ein wenig 
ſchwitzen; nah Schweiß riechen. 

fhwöden, 3w., Schwödefafs, -grube ıc., f. ſchweiden ıc. 

ſchwögen, ziellof. u. ziel. Zw., niederd. (¶ wögenz angelf. svegan, svögan, 
ſchallen, tönen; svög, svög, Schall; vgl. Schwegel, ſchwegeln) f. Eläglich 
reden, mitleidig beklagen, befeufzenz; leichtfertig fchwören od. fluchen, bef. 
bei großen Schmerzen, in Angft u. Furcht 2c.; der Schwöger, f. gern kla— 
gender, weinerlicher Menſch; die Schwögereti, das Schwögen, Kläglich- 
teden ıc.; fchwögfelig, Bw., f. gern Elagend, weinerlich zc. 

Schwoll, m., —es, M. -e, (v. ſchwellen) tandich. f. Kaulbörs; der 

. Schwollfopf, oberd. f. Dickkopf, Dummkopf; — der Schwolftpilz, landſch. 
eine Art ſchädlicher Pilze. 

Schwope, w., M.-n, in Pommern (Swope) f. v. w. Zope (f. d.), 
ein Fiſch. 
Schwöpe, w., M.-n, 1) niederd. (Swöpe, Swepe; vgl. Schwippe) 

f. Peitfche; 2) Bauk. ein Querbalken (Rimm od. Schrägeband) zur Verbins 
dung u. Stügung von Pfählen, Sparten ꝛc. 
ſchwöpen, ziel. 3w., nieberd. (ſwöpen) einen Deich mit Rafenftüden be: 
legen; die Schwöpelfode, M. -n, dazu dienende Rafenftüce od. Soden (f. d.). 

Schwopp, m., -es, M. -e, niederd. (Swopp; vgl. Woppe, Wipfel ꝛc.) 
f. der Wipfel eines Baumes; ſchwoppen, ziellof. Zw., niederd. (fwoppen) 
f. hin u. her ſchwanken, wie ein Baummipfel. 


Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 55 


866 ſchwören — ſchwül I 


ſchwören, ziel. u. zielloſ. Zw., (eig. verderbt ft. ſchweren, wie Löwe, 
zwölf ze. ft. Lewe, zwelf), ablaut. Impf. ſchwor, Conj. ſchwöre, u. b. ſchwur, 
ſchwüre; Mw. geſchworen, (goth. svaran; althochd. suariau, suerian, suerran, 


mittelh. swern, urfpr. ablaut. Prät. swuor, Part. gisuaran, geswarn; fpäter 
in feinen Formen vermifcht mit sueran, swern, ſchwären (ſ. d.), daher: 


Präſ. ich swir, Prät. swar, Part. gisuoran, gesworn; oberd. ſchweren, ſchwur, 


geſchworen; niederd. fwören, fwoor, ſwaren; isländ. sverja, ſchwed. svärjaz 


angelj. sverjan, engl. swear; — wahrſch. von wär, wahr, d. i. Eräftig, gültig, 
wäran, wahren, d. i. ſichern, ſchützen, mit vortretendem s gebildet; val. jedoch 


auch das altd. sviron, befeftigen), überh. feierlich verfichern oder befraftigen, 


eidlich betheuern od. geloben, insbef. indem man Gott 0d. irgend eine Perſon 
od. Sache zum Zeugen der Wahrheit anruft (bei Gott, beim Himmel, bei Allem, 


was heilig ift—; hoch und theuer—; Stein und Bein ſchwören, f. unter 


Bein); auf etwas —, d. i. es mit einem Schwure befraftigen G. 8. 
ich wollte darauf ſchwören, dafs 2c.; ehem. auf einen—, f. fich eidlich gegen 
ihn verbinden; ihn gerichtlich verfolgen), gew. etwas—, 28 eidlich befraf- 
tigen (das kann ich ſchwören; ich ſchwöre, dafs es fich fo verhält; ehem. auch 
mit bem Gen. der Sade); einem etwas—, e8 ihm feterlid) zufichern, 
verfprechen (3. B. einem Liebe, Treue —, ihm Rache, den Tod ꝛc. —) auch 
f. mit einem Schwure übergeben, widmen (ehem. einem eine Braut—, 
d. i. verloben; dicht. er ſchwur fich zu ihrem Getreuen, zu feinem Knechte u. 
dgl.); in engerer Bed. einen fürmlichen, feierlichen Eid ablegen @. B. vor 
Gericht; der Zeuge muffte ſchwören; einen leiblichen Eid ſchwören; die Unter- 
thanen den Eid der Treue ſchwören laffen; auf die Bibel, auf das Evangelium, 
auf ein Schwert ze. ſchwören, d. i. beim Schwören die Schwurfinger darauf 
legen); gem, f. fluchen, läftern, Berwünfhungen ausftoßen; — das Mm. 
gefhworen auch in thätliher Bed. f. wer gefhworen hat (zZ. B. er ift 
mein geſchworener Feind, d. i. er hat mir Feindfchaft gefchworen; ein Ge 


ſchworener, als Hw. f. Vereidigterz f. gefchworen); — das Schworhaus, 


oberd. landſch. z. B. in Ulm f. Rathhaus; der Schwörherr, in abeligen 
Stiftern die Herren, welche die Ahnen der aufzunehmenden Perſon beſchwören; 
der Schmwörtag, Tag, an welchem ein feierlicher Eid abgelegt wird, z. B. der 
Huldigungstag; — der Schwörer, -$, M. w. E., wer ſchwört. 

ſchwuben, 3w., landſch. 1) ziellos f. ſchwabben, ſchwanken; 2) ziel. f 
fhmenten, fpüten (ein Glas ausſchwuben). 

ſchwuchten, ſchwuchtern, zielloſ. Zw. niederd. (wugten, ſwugtern) 1) das 
verſt. ſchwögen (ſ. d.); 2) f. ohnmächtig werden. 

ſchwude, ein Zuruf der Fuhrleute an die Pferde, wenn ſie ſich links 


wenden ſollen, entg. hott (f. d.); daher ſchwuden od. ſchwoden, Zw· 


alt u. landſch. f. ſich links wenden. 


ſchwül, gem. auch ſchwul, ſchwülig, Bw. (altd. swuoli, swüele, und 


als Nw. swuolo, swuole; auch swüelich, swüllec; oberd. fhwul, ſchwüllig, 


geſchwüllig, ſchwülch, ſchwilch; niederd. ſwool, ſwolig; angelſ. svole, svilicz 


holl. zwoel; engl. sweltry, sultry; von gleichem Stamme mit ſchwelen, 
ſ.d., angelſ. svelan; vgl. das altd. swellen, swal, swullen f. erſticken, ver 
ſchmachten), drückend heiß od. feuchtwarm, wie vor einem Gewitter, fo dafs 
man ſich matt und beängftigt fühlt (ſchwüle Luft, ein ſchwüler Tag 2e.); uneig. 
gem, f. Angftlich, bange (mir wird ganz ſchwül, oder gem. ſchwul, bei ber 


= 











BZ u mem ou zn ee Aussee een ee ee 


— — 


Schwulſt — Schwung 867 


Sad); die Schwüle, o. M., das Schwülfein, die ſchwüle Befhaffen- 
heit der Luft, drüdende Hitze; uneig. f. große Angſt, Verlegenheit, wofür 
gem. das fcherzh. mit Latein. Endung gebildete: die Schwulität, M. -en. 

Schwulft I) w., M. Schwülſte, (altd. suulst, swulst; von ſchwellen), 
das Schwellen, An= oder Auffchwellen des Leibes oder eines Körpertheils 
(4. B. die Schwulft verhindern); das Geſchwollene, die geſchwollene Stelte, 
gew. Geſchwulſt, (4. B. Schwulft in den Beinen);-2) m., o. M., uneig. f. 
Aufgeblafenheit, Stolz; bef. im Reden u. Schreiben: dem Inhalte unan— 
gemeffene Erhabenheit des Ausdruds, hochtrabende Schreibart ‚+ finnv. 
Wortſchwall, Wortgepränge (fr. Bombaft) ; das Schwulftfrauf, der Wie- 
ſen⸗ od. Geißwedel; ſchwülſtig, Bw., Schwulſt habend oder enthaltend, 
im eig. Sinne gew. gefchwulftig od. gefhmwollen; bef. uneig. f. aufgeblafen, 
ſtolz; hochtrabend, voll Wortgepränge (ſchwülſtige Schreibart; ein ſchwül— 
ftiger Dichter); die Schwülſtigkeit, das Schwäülftigfein. 

Schwunm, m., -e3 (v. ſchwimmen), ſchweiz. f. Schaum; ſchwummen, 
3w. f. f[haumen, Schaum geben; der Schwummel, -$, landſch., ein 
Eleines Fahrzeug von Binfen; die Schwümmeln, 0. E., ſchweiz. f. See: 
gras, Schilfrohr. 

Schwund, m., —-es, o. M. (v. ſchwinden) oberd. f. das Schwinden, bie 
Abnahme, ſ. v. w. Schwand; insbeſ. Heilk. der Schwund des Augapfels, 
d. i. das Zuſammenfallen u. Kleinerwerden desſelben (phthisis ocularis), 

Schwung, m., -e3, M. Schwünge (von ſchwingen; vgl. auch Schwang), 
das Schwingen, die fchwingende, bogenfürmige Bewegung (z. B. eines 
Pendels; eine Glocke in Schwung bringen; im Schwunge fein; die Schwünge 
eines’ Pendels zählen 2c.); auch f. geſchwungene oder bogenfürmige Kinie, 
Schnörkel im Schreiben zc.; be. die ſchnelle, fchwebende Erhebung (mit 
einem Schwunge auf dem- Pferde fein; fich einen Schwung geben; der Schwung 
des Adlers 2c.); daher uneig. fehnelle Erhebung der Seele, des denfenden 
oder dichtenden Geiftes (dev Schwung der Gedanken, der Rede 2c.; einen 
hohen Schwung nehmen 2c.); in weiterer uneig. Bed. der Anftoß od. Antrieb 
zu erhöheter Thätigkeit, u. der höhere Grad der Wirkfamkeit felbit (einer 
Sache Schwung geben, od. fie in Schwung bringen; einen neuen Schwung befom- 
men; im Schwunge fein, vgl. Schwang; oberd. einen Schwung haben, f. gut 
von Statten gehen); auch f. Fertigkeit, Gewandtheit, Leichtigkeit (feine 
Handichrift hat Schwung; oberd. etwas im Schwung hasen); — Zjes. das 
Schwungbrett, ein ihwantendes Brett, welches dem darauf Stehenden oder 
Legenden Schwung giebt (bei Auftipringern, Seiltänzern 2c.); die Schwung- 
feder, die langen Flügelfedern der Vögel, mittelft deren fie fih in die Höhe 
ſchwingen; das Schwunggewicht, Neuw. f. Pendel; die Schwungfraft, 
die Kraft, welche etwas in Schwung feßt, im: Schwunge erhebt; Naturl. ins— 
bef. f. das fr. Centrifugalkraft; das Schwungrad, .ein fi umſchwingendes, 
od. etwas Anderes in Schwung fegendes Rad; der Schwungriemen, Riemen 
an Kutſchen, worauf der Kutichkaften ruht, von den Schwungringen oder 
lammern gehalten; die Schwungfchaufel, Schaufeln in Waſſerkünſten; 
ſchwungvoll, Bw., ſich in hohem Grade über das Gemeine erhebend, von 
hohem Schwunge der Seele zeugend, finnv. erhaben, auch ſchwungreich; — 
Ableit. [hwunghaft, Bw., Schwung habend, ſchwungähnlich, im 


55 * 


868 Schwunitz — ſechs 


Schwunge ſeiend, beſ. uneig. (z. B. ein ſchwunghaftes Gewerbe); auch f. 
ſchwungvoll, erhaben (eine ſchwunghafte Schreibart). 

Schwunitz od. Schwunz, m., -es, M. -e, (auch Schwunze, Schwing, 
Wonitz; aus dem Wendifchen ; vgl, * Schwänzeh, landſch. f. Grünfink. 


ſchwupp od. ſchwupps, ein Naturlaut, welcher einen ähnlichen, nur 


tieferen Schall ausdrüdt, als fchwipp , ſchwapp (f. d.). 

Schwur, m., -es, M. Schwüre, (von fhwören, ſ. d.) 1) o. M. die 
Handlung des Schwoͤren⸗ (z. B. zum Schwure kommen; nicht zum Schwure 
gelaſſen werden); 2) eine lebhafte Betheuerung unter Anrufung Gottes od. 
irgend einer Perfon 0d. Sache zum Zeugen der Wahrheit, finnv. Eid, jedoch 
weniger feierlich u. förmlich, als diefes (zZ. B. etwas mit einem Schwure, mit 
vielen Schwüren ze. verſichern; Liebesſchwüre u. dgl.); gem. auch f. Fluch, 
Läfterung, Verwünfhung; ſchwurbrüchig, Bw., feinen Schwur brechend; 
der Schwurfinger, M. die Schwurfinger, Daumen, Zeige- und Mittel- 
finger der rechten Hand, welche man beim Eidſchwur aufhebt; ſchwurver— 
geffen, Bw., feines Schwures vergeſſend, ihn nicht erfüllend. 

ſchwurbeln, fchwürbeln, 3w., f. ſchwirbeln. 

jhwürig, Bw. 1. (v. fchwären) r. ſchwierig (f. Schwierig 2.); — 2. (von 
Schwer). unr. f. fchwierig 3. | 

Sclave, Scorpion, Scrupel, ſ. Sklave, Skorpion, SErupel. 

Sebenbaum, |. Säbenbaum. 

Sch, f., -es8, M.-e, (altd. sch, sech; franz. soc, mittl. lat. soccus; 
von dem Stamme v. fägen, lat. secarez vgl. Sachs, Sichel, u. d. nieberd. 
Site, Seged, Segd f. eine Art Sicheln od. fcharfer Querhaken), das ges 
krümmte fcharfe Eifen, welches, in dem Baume des Pfluges vor der 
Pflugſchar ſenkrecht befeftigt, das Erdreich durchfchneidet: Pflugſech, auch 
Dflugmeffer od. =eifen; das Sechloch, das Loch im Pflugbaume, in welchem 
das Sech durch den eifernen Sechring befeftigt ift; fechen, Zw., vlt. f. mit 
dem Sehe durchfchneiden. 

Sechs, w. wahrih.— Sachs, Meſſer, Schwert) nur in der Betheu- 
zungsformel der Volksfpr.: bei meiner Sechs, od. blog: meiner Sechs 
(ah Sihs, Sir), d. i. bei meinem Schwerte (). * 

ſechs, 6, Grundzahlw. (goth. saihs, altd. sehs; niederd. ſöſs; isländ. 
0. ſchwed. sex; angelſ. u. engl. six; lat. sex, franz. six; griech. de; ſanskr. 
shash, perf. ses; poln. szesc 2c.) unbiegf. (z. B. ſechs Perfonen; mit ſechs 
Pferden fahren; ſechs Uhr; es hat Sechs (nicht fechfe) gefchlagen), außer 
bisw. wenn es ohne Hw. fteht, wo es Sechfe lautet, und bef. im Dativ: 
Sechſen (z. 8. id) habe es allen Sechfen geſagt; mit Sechſen fahren, d. i. 
mit fechs Pferden); die Schs, M. -en, die Zahl oder das Zahlzeichen 


6; das Sechs, M. -e, eine Anzahl von ſechs Dingen (4. B. das erfte 


Sch); — 3feg. fechdarmig, -beinig, »blätterig, -blumig, -fächerig, 
fingerig, flügelig ıc., Bw., fechs Arme, Beine, Blätter ꝛc. habend; das 
Scheed, eine von ſechs geraden Linien eingefchloffene Fläche mit 6 Eden; 
ſechseckig, Bw., ſechs Eden habend; der Sechsender, ein Hirſch, deſſen 
Geweih 6 Enden hatz fechsfach od. fechsfältig, Nw. u. Bw., ſechsmal ge 
nommen, fechömal fo viel (das Schefade, als Hw.; fechsfältige Frucht 2c.) 5 
das Schsflach, ein von fechs Flächen eingefchloffener Körper (fr. Heraedron) ; 
der Sechsfuß, Sechsfüßer oder - füßler, ein Ding, Thier zc. mit ſechs 











fh 869 


Füßen; auch ein Vers von ſechs Versfüßen (fr. Herameter) ; ſechsfüßig, Biw., 
ſechs Füße habend; verfch. fechsfußig, fechs Fuß lang; der Sechsherr, einer 
von ſechs gemeinfchaftlich Herrfchenden, auch Sechsherrſcher (fr. Hexarch); 
ein Glied einer aus ſechs Perfonen beftehenden obrigkeitl. Behörde; fechsjäh- 
tig, -flündig, =tägig, -wüchig u. felten -monatig, Bw., was ſechs Jahre, 
Stunden ıc. alt ift oder dauert; fechsjährlich, -ftündlich, täglich, wöchent— 
lic), -monatlich, Bw., alle ſechs Jahre, Stunden ꝛc. wiederfehrend; ſechs— 
Fantig, Bw., fechs Kanten habend; fechsmal, Nw., od. ſechs Mal, in ſechs 
Wiederholungen, zu ſechs Malen; fechsmalig, Bw., ſechsmal gefchehend ; 
fehömännerig, Bw., Pflanz. von Gewächſen mit ſechs Staubbeuteln, vier 
längeren u. zwei kürzeren (fr. Herandria); der Scchspfünder, ein Geſchütz, 
das eine fechspfündige Kugel ſchießt; fechspfündig, Bw., ſechs Pfund ſchwer; 
der Sechsſchaufler, 1. Schaufler; fechsfeitig, Bw., ſechs Seiten habend; 
fechsfilbig, Bw., aus ſechs Silben beftehend; fechsfpännig, Bw., mit ſechs 
Pferden befpannt; der Sechöftändner, bei den Vogelftellern ein alter Herd- 
finE mit fech& weißen Federn im Schwanze; fehsftimmig, Bw., Tonk. für 
fehs Stimmen gefegt; der Sechöftrahl, eine Art Seefterne mit ſechs Strah- 
len; fechstheilig, Bw., aus ſechs Theilen beftehend; die Sechswochen, die 
erften jechs Wochen einer Kindbetterinn nach ihrer Entbindung, während deren 
fie fid) zu Haufe zu halten pflegt, gero. fchlechtweg: die Wochen (daher: in 
die Sechswochen od. in die Wochen kommen f. entbunden werden, nieber- 
kommen; die Scchswochen od. die Wochen halten 2c.); die Sechswöch— 
nerinn, Kindbetterinn in den erften ſechs Wochen, gew. ſchlechtweg: Wöch— 
nerinn; fechözeilig, Bw., aus ſechs Zeilen beftehend; ſechszollig (x. als 
-zöllig), Bw., ſechs Zoll lang, dic ac.; fechzehn (ſt. fjehszehn), 16, 
unbiegſ. Grundzahlw., ſechs und zehn; daher der Sechzehnender, ein Hirſch, 
deffen Geweih 16 Enden hat; ſechzehnfach, -jährig, =tägig ꝛc., -jährlich, 
täglich 2c., mal, -malig, =pfundig ꝛc., wie ſechsfach, jährig ꝛtc. ſ. d.5 
ſechzehnlöthig, Bw. ſechzehn Loth ſchwer; bei. ſechzehnlöthiges Sil— 
ber, d. i. ganz reines, welches in der Mark 16 Loth Silber ohne Zuſatz ent— 
hält; der Sechzehner, ein aus 16 Einheiten beftehendes Ganzes, z. B. ein 
Doppelbagen von 16 Pfennigenz einer. von einer Gefammtheit von 16 Per- 
fonen; der fechzehnte Theil eines Ganzen, 3. B. jchweiz. -'; Immi (f. d.); 
auch f. Sechzehnender; der, die, das fechzehnte, Ordnungszahlw.; ſech— 
zehntehalb, unbiegf. Zahlw., funfzehn und ein halb; das Sechzehntel, - 8, 
der fechzehnte Theil; die Sechzehntelform od. - größe, Form eines Buches, 
da der Bogen in 16 Blätter gebrochen ift (fr. Sedez); fechzehntens, Nw., 
zum fechzehnten; — Ableit. von fehs: der Sechfer, -3, M. w. E. ſechs 
Einheiten, zu einem Ganzen vereinigt, bef. ein Sechspfennigſtück, auch der 
Sechsling genannt; landſch. auch f. die Sechs, das Zahlzeichen; Jäg. 
ein Hirfch vom Iten bis zum Aten Jahre, da er fein zweites Gehörn von 


4 bis 6 Enden auffegt; fechferlei, unbiegf. Bw., von fechs verfchiedenen 


Arten od. Befchaffenheiten; der Sechsling, -03, M. -e, niederd. f. v. w. 
Sechſer, Sechspfennigſtück; oberd. der fechste Theil eines Schaffs, als 
Getreidemaß (f. Schaf); der, die, das fechäte, nicht gut fechfte, (goth. 
saihsta, altd. sehsto, sehste), Orbnungszahlw. von ſechs (zZ. B. der fechste 
Tag; zum fechsten Male 2c.); fechötehalb, unbiegi. Zahlw., das fechste halb, 
d. i. fünf und ein halb; das Sechötel, -$, M. wm. E., der fechste Theil 


870 ſechten — Seden 


eines Ganzen; der Sechötelfreis, der fechste Theil eines Kreifes; Sternk. 
ein Werkzeug, welches einen Bogen von 60 Grad befchreibt (fr. Sextant); 
fechötens, Nw., zum fechsten; fechzig (ft. ſechszig; altd. sehzuc, sehzie), 
60, unbiegſ. Grundzahlw., zehn mal ſechs (nur im Dat. gebeugt, wenn es 
ohne Hw. felbft ale ein folches ftcht, z. B. einer von Sechzigen; in ben 
Sech zigen fein, d. i. zwiſchen 60 und 70 Sabre alt); 3fes. fechzigfach, 
ejährig, =tägig zc., jährlich zc., mal, =» malig 2c. wie ſechsfach, ſechs— 
jäprig.2c., 1. d. Ableit. der Sechziger, -8, ein aus 60 Einheiten bes 
ſtehendes Ganzes, 3. B. landſch. ein Holzmaß von 60 Schod Kleiner Scheite; 
einer von Sechzigen, die zufammen ein Ganges ausmachen; eine Perfon von 
ſechzig Sahren, weibt. die Sechzigerinn; fechzigerlet, unbiegſ. Bw., wie 
fechferlei, f. d.; der, die, das fechziafte, Ordnungszahlw. von jechzig; das 
Sechzigſtel, -8, der fechzigfte Theil; ſechzigſtens, Nw., zum fechzigften. 

fechten od. fechteln, auh fehtnen, ziel. 3w., E— ſeihen, feigen, ſich— 
ten; alfo urfpr. durchfickern laffen; val. das niederd. Sichter f. eine Rinne 
von Bchlen zur Durchlaffung des Waffers), oberd. u. fehweiz., ehem. f. fieben, 
fihten; jest: die Wäſche —, laugen, beuchen, niederd. büken; die Sechte 
od. Sechtel, diefe Arbeit und die Vorrichtung dazu, beftehend in einem 
Sechtelzuber, =bottich, od. -[haff mit einer verſchließbaren Sffnung 
im Boden, welcher auf einer Sechtelbank ftcht, einem Secht- od. Schr 
tel&effel, unter welhem das Sechtelfeuer brennt, und einem Sech— 
teltuch, durch welches die Lauge abgefeihet wird; die Sechterinn, f. 
Wäſcherinn. 

Sechter, m.,s, M. w. E., 1) (altd. sehstaere, sehtari, sehter; 
wahrſch. von ſech s mit ausgefallenem 8; vgl. Sefter u. das lat. sextarius, 
ital. sestiere, franz. setier) fränk. u. niederrhein. ein Trodenmag — F Metze 
od. 4 Simmerz 2) bair. u. öftreich. ein Eleines Böttchergefäß, Gelte zum 
Wafferfhöpfen, Melten (Melkſechter) zc., theils mit einer, theild mit zwei 
Handhaben. _ 

fechzehn ꝛc., fechzig 2c., 1. unter ſechs. 

Seel l., m., -8, M. w. E., Verkl. dag Seckelchen, (altd. secchil, 
seckel, m.;-von Sad, f. d.; aber verfch. v. dem oberd. Verkl. das Säckeh, 
bei. oberd. ſ. Beutel, Taſche, bef. Geldbeutel; uneig. f. Kaffe, öffent. 
Schatz; daher das Sedelamt, f. Schagamt, Kämmerei; der Gedelmeifter, 
f. Einnehmer, Schatzmeiſter, Kämmerer; das Sedelfraut cd. der Seckel—⸗ 
fenf f. Täſchelkraut od. Hirtentaſche; der Seckelſchneider f. Beutelſchneider; 
— ſeckeln, ziel. 3w., in den Sedel od. Beutel thun; der Gedler, -& 
1) (altd. sekilari, seckelaere) oberd. |. v. w. Seckelmeiſter; 2) f. Beutler, 
Täſchner (f. Sädler). ß 

Sedel 2. m., -8, M. w. E., (vom hebr. schekel, v. schakal, wiegen), 
bei den alten Juden ein Gewicht, zu Ehriftus’ Zeit etwa—1 Loth; aud) eine 
Münze, etwa — 1 Gulden. 

Secken, m., -$, (vgl. das mittelhochd. sechtn?), bei den Drathziehern: 
ein flacher od. flachrunder hohler Drath; daher der Seckenſtock, ein Ambofs 
mit eingehauenen Furchen, worin der Drath flach gefchlagen wird, worauf man 
ihn in dem Seckenzug, einer eifernen Preffe, mittelſt Aufſchraubung des 
Seckeneiſens noch mehr flach u. hohl drückt. 











Seder — See 871 


Secker od. Säcker, -8, oberd. die Maſſe Trauben, welche auf einmal 
gekeltert wird, u. der nach dem Auspreſſen zurückbleibende Treſterklumpen. 

Seckler, m., ſ. unter Seckel 1. 

Sedel, m. u. f., (altd. sedal, sedel; vgl. Siedel, anſiedeln zc.; d. lat. 
sedes, * 2c.), alt u. oberd. f. Sib Eeſ bei Tiſche), Seſſel, Thron; Anz 
fiedelung, Niederlaffung, Wohnung; bef. (der Sedel) Landſitz, Sand: 
Hut, in engever Bed. der Landfig eines adeligen od. fogen. gefreiten Beſitzers; 
ehem. auch f. Untergang der Sonne u. der Sterne (in sedel gen); der Se— 
delhof, ehem. f. Edelhof; oberd. ein urfpr. adeliger Bauernhof; der Sedel— 
bauer od. meier, oberd. f. Pächter auf einem Sevelhof>— fedelhaft, Bw., 
alt u. oberd. f. wohnhaft, fefshaft, anſäſſig; fedeln, ziel. u. zielloj. Zw., 
alt u. oberd. f. felshaft machen (au befedeln); oberd. auch: mit ber 
Schafheerde auf einem freien Pla (Sedelplas) übernadhten; einen 
Plas—, abfedeln, d. i. auf folhe Weife durch die Heerde düngen. 

See, m., ©. See- es (zweifilbig) od. zgez. Sees (einfilb.), M. See-en 
0d. 3903. Seen; u. w.-die See, M. Seren od. Seen, (goth. saivs, m.; 
altd. seo, se, m., ©. sewes, Pl. sea, se, fowohl f. Landfee, als Meer; 
mittelh. auch w. diu se; oberd. der SE, M. Se, Verl. Sélein; isländ. saer, 
ſchwed. sae, sjö, dän. sö; angelf. sae, w., engl. sea; — wahrſch. von ber 
Wurzel si, siv, bewegen, grieth. oe-o, erihüttern ; daher auch Seele, ſ. d.; 
vgl. das altd. wäic, Woge, und das griech. @is v. @Aloıer; |. unter Sal), 
1) m. der See, "ein großes, von Land eingefchloffenes Waffer, ein Land 
fee, Binnenfee (7. B. der Boden-, Genferfee 2c.); oberd. auch f. ein klei— 
neres, tiefes, ftehendes Waſſer, eine Lache; 2) w. die See, die große, 
das’ fefte Land umgebende Maffermaffe, das Meer (vgl. d.), bef. dem 
Stoffe nach, daher gew. o. M. u. bisw. ohne Artikel gebraucht (z. B. in See 
gehen, ſtechen; die offenbare, hohe See; die See halten, d. i. auf der See 
bleiben; zur See reifen; die See geht hoch, hohl ꝛc.; die See läuft kurz, od. 
lang, d. i. macht kurze, od. lange Wellen); jedoch auch von einzelnen be= 
grenzten Theilen des Weltmeeres in EN. wie: die Süd-, Oſt-, Nord- 
fee; Schiff. auch f. Welle, Waſſerwoge (lange, od. kurze Seen); — Zſetz. 
in denen See meiftens das Meer bezeichnet, daher viele derfelben auch mit 
Meer gebildet werden, und dann unter Meer zu fuchen find: der Seeaal, 
Seeadler, -affe, die Seeamſel, ſ. Meeraal, -adler c.; die Seealpen, ein 
Zweig der Alpen am Meerbuſen von Genua; der Seeanker, der ſchwere An— 
er an der nad) der offenen See gerichteten ©eite eines Schiffes, 3. U. v. Walls 
anker; der Seeapfel, f. v. w. Seeigel; das Seebad, Bad u. Babdeauftalt 
in, der See; der Seeball, eine Art Seeigel, mit Eleinen Wärzchen befegt; 
der Seebär, eine Art großer Robben mit langem, gottigem Schwanze u. grauen 
Haaren; die Seebarbe, f. Bartfiich; der Seebaum, Seeſchlagbaum, wos 
durch die Einfahrt in einen Hafen gefperrt wird; der Seebeſen, eine Art 
Seeſtauden oder Hornkorallen; der Seebeutel, eine Art des Seckorkes; und 
eine Art Seeſcheiden; die Seebinfe, in Zeichen und an den Ufern der Land» 


ſeeen wachſende Binfen, auch Teich Waldbinfe 2c.; auch eine Art Binfen am 


Meeresufer, Meer-, Strandbinſe; eine Art Stachelkorallen; die Geeblafe, 
eine Gattung Weichthiere mit walzenförmigem Körper; die Seeblume, eine 
in Seeen zc. wachfende Waflerpflanze, auch Seerofe, Waſſerblume, Waffer: 
lilie, Haarſtrang ꝛc. (nymphaea L.), insbeſ. die gelbe, die weiße, u. die roſen⸗ 


872 Eee 

farbige; Eleine Seeblume, eine ähnliche Waflerpflange mit wohlriechen- 
den weißen Blumen, auch Eleine Nirblume, Froſchbiſs 2c.; der Seebock, Horn- 
fiih; die Seebohne, eine Art Seeigel; eine Art Gienmufcheln; eine ind. 
Sinnpflanze mit efsbaren Bohnen; das Seeboot, eine Art Käfermuſcheln; 
der Seebörs, -braffen, f. Meerbörs 2c.; die Seebreme, -bremfe, Meer: 
affeln, welche den Fischen befchwerlich fallen; der Seebrief, eine Urkunde, bef. 
ein Pag, deffen man bei einer Seefahrt bedarf; der Seebulle, f. v. w. Mecr- 
ochs; der Seedeich, z. U. v. Flufsdeich, ſ. Deich; der Seedorn, Meerkreuz- 


dorn od. Haffdorn, ſ. d.5 der Seedrache, eine Art Meerpferde od. Scepferb- 


hen (f. u.); auch f. Stacheldrache; Meeraffe; Eleiner Spinnenfiſch; der See— 
drath, eine Art vicläftiger Seewürmer; die Seedroffel, |. v. w. Meeramfel; 
die Seeeiche, -eichel, f. Mecreiche 2e.; das Seeeinhorn, der Einhornfifch, 
auch bloß: Einhorn, |. d.; die See-Elfter, verfchiedene Arten Papageitaucher, 
f. d.z der See-Engel, ſ. v. w. Engeleochen; die See- Ente, der nordifche 
Papageitaucher, auh See-Elfter; die See- Erbfe, eine Art Erbfen an 
fandigen Seeufern im nördl. Europa, Stranderbfe; eine Art Eleiner Gien- 
muſcheln; das Gee-Erz, f. v. w. Sumpferz; der Seefächer, ein unter den 
Wendekreifen lebender Scevogel; eine Art Seeftauden; die Seefahne, eine 
Art oftind. -Blafenfchneden, fehr dünn u. zerbrechlich; der Seefahrer, wer zur 
See fährt, bef. wer berufsmäßig Seereifen macht; die Seefahrt, eine Fahrt 
zur See, Seereife; überh. die Schifffahrt zur See, Seefchifffahrt; die See- 
falten, o. €., das fchwimmende Samenkraut (f. d.), Fluſs-, Wafferkraut zc.; 
ber Seefafan, die Schild - od. Löffelente; auch f. Meerbutte, ſ. Butte; die 
Seefeder, eine Gattung federähnticher Seewürmer; auch eine Art Seeftauden; 
die Seefeige, eine Art Seekorke oder Meernefter; eine Art Blafenfchneden, 
auch bloß: Feige; ſeefeſt, Bw., Schiff. ein feefeftes Schiff, d. i. welches der 
See gut widerfteht; dev Seefiſch, ſ. v. w. Meerfifh; auch in Landfeeen le— 
bende Fiſche, z. U. v. Fluſsfiſch; der Seefifcher; die Seefifcherei; der 


Seeflachs, ein in Oftreich, Italien 2c. an der See wachfender gelb blühender 


Flachs; die Seeflafche, eine Art Eugelförmiger Seefifche in Indien 2c., Kugel- 
fiſch; eine Art Blafenfchneden, Rübe, Knollhorn ꝛc.; die Seefledermaus, 
ein Seefiſch, gehörnter Froſchfiſch; der Seefloh, eine Art Krebfe od. Krabben 
am Meeresufer und in Brunnen, Bächen 2c., welche wie Flöhe hüpfen follen, 
auch Wafferfloh, Flohkrebs, Springer ꝛc.; der Seeflor, eine gefräufelte 
Punktkoralle, auch Spigenkoralle 2c.; der Seeflunder, eine Art Taucher in 
den nordifchen Meeren; die Seeforelle, in Landfeen, od. im Meere, z. B. in 
der Oftfee, lebende Forelle; die Seegallerte, eine Art gallertähnlicher See— 
korke od. Meernefter; auch eine Art Seeblaſen; die Seegarnele, ſ. Garnele; 
. das Seegefecht, ein Gefecht zur See, Schiffsgefecht; ſo auch: das See 


treffen, die Seeſchlacht; die Seegegend, Gegend auf, od. an der See; 4 


das Seegericht, Gericht in Sachen, welche das Seewefen, die Schifffahrt ze. 
betreffen; das Seegefeß, ein Gefeß, welches das Seeweſen, die Seefahrt, 
den Seekrieg 2c. betrifft; das Seegefpenft, eine Art Seeblaſen; das See— 
gewächs, ſ. Meergemähs; das Seegras, f. Meergras, Seetang; der Gee- 
grind, Verfteinerungen von dünnen, rindenartigen Korallengewächfen; ber 
Seehafen, ein Hafen im Meere, z. U. v. Fluſshafen; der Seehafer, eine 
ausländ. haferähnliche Graspflanze; auch f. Sandhaargras; Seehalm; der 
Seehäher, Kleiner Wafferrabe od. Schwimmträhe; der Seehahn, f. v. w. 











See 873 


Meerhahn; auch eine Gattung Seefifche mit fingerförmigen Anhängen neben 
den Bruftfloffen (trigla L.); der Rüffeldrache; die Lohme; die Seehalde, das 
MWafferflöpkrautz auch f. v. w. Seefalten; der Seehalm, die Pfeilfchnede; 
die Seehand, eine Art handähnlicher Seekorke; der Seehandel, die See 
handlung, der zur See getrichene Handel, entg. Landhandel; Seehandel 
auch: eine das Seeweſen betreffende Streitſache; der Seehandſchuh, eine Art 
aus walzenförmigen Köchern beftehender Meerihwämme; dev Sechafe, f. v. w. 
Meerhaſe, ſ. d.; auch ein Elumpenförmiges, einer Erdfchnede ähnliches See— 
thier, welches für. giftig gehalten wird, Seelunge, Giftfuttel; die See— 
beide, eine Art Seeftauden; der Seeheld, Kriegsheld zur See; der See— 
herr od. =herrfcher, Herrſcher zur See; die Seeherrfchaft; das Seeheu, 
eine Art Stachelkorallen; die Seeheufchrede, ein wohlichmedender Seekrebs 
im mittelländ. Meere; das Seehorn, die Seehofe, das Seehuhn, |. Meer: 
horn 2c.; der Seehund, 1) überh. f. v. w. Robbe, ſ. d.; in engerer Wed. 
eine Art diefes Thiergeſchlechts, 9 bis 6 Fuß lang, mit rundem, glattem Kopfe 
u. ftarkem, dichtem Haare: gemeiner Scehund, Sees od. Meerkalb 2c.; daher 
dad Seehundsfell (auch wohl fhlehtweg Seehund genannt), bef. zur 
Beichlagung von Koffern zc. gebraucht; 2) eine Art Haifiiche, auch Seewolf, 
Hundskopf; der Seeigel, eine Gattung rundlicher, hartfchaliger u. ftachliger 
Seewürmer, aud) Seeapfel, -Enopf zc.; der Seeigelftein, verfteinerter 
Seeigel (fr. Ehinit); das Seekalb, f. Seehund; der Seefamm, eine Art 
- Seeftauden; die Seefante, |. Kante; die Seefaraufche, eine Art Lipp- 
fiiche; der Seefarpfen, Karpfen in Landfeeen, z. U. v. Flufskarpfen; die 
Seefarte (f. Karte), Abbildung oder Grundrifs des Meeres od. eines Theiles 
desſelben mit den Küften, Infeln, Sandbänken 2c.; die Seefaftanie, eine 
Art halbEugelrunder Seeigel; die Seekatze, 1) der Seebär; 2) eine Gattung 
im Meere lebender Weichthiere, auch Kuttel- od. Zintenfifch genannt (sepia L.); 
die Seefennung, Schiff. ſ. Kennung ; der Seeknopf, ſ. Seeigel; der See— 
knoten od. das Seefnötchen, eine Art Seeigel; der Seefücher, eine Gat- 
tung röhrenförmiger Thierpflanzen, auch Meerröhre; der Seekohl, f. Meer: 
kohl; der Seekork, weiche Thierpflanzen, im Innern zaferig u. zellig, äußer— 
lich Löcherig u. mit vielen Armen u. warzenähnlichen Erhöhungen (alcyonium 
L.); der Seekorkbaum, die größte Art des Seekorkes; die Seefrabbe, f. 
Krabbe; die Seekrähe, ſ. v. w. Seehäher; auch eine Art Börs; die See— 
krankheit, überh. jede Krankheit, welcher bef. Seefahrer ausgefegt find; in 

engerer Bed. die durch das Schwanken des Schiffes u. die Seeluft verurfachte, 
in Schwindel, Ekel, Erbrechen ıc. beftehende Krankheit; feefranf, Bw., 
diefe Krankheit habend; der Seefrapp, ſ. Salzkraut; der Seekrebs, überh. 
‚in der See, od. in Landfeeen lebende Krebſe; inöbef. der Hummer, f. d.; der 
Seefrieg, Krieg zur See, entg. Landkrieg; die Seefrone, eine Art platt 
runder Seeigel; die Seefröte, der geflectte Froſchfiſch; der Seefuchen, eine 
Art länglich runder, platter Sceigel; die Seekugel, eine Art Eugelförmiger 
Seeigel; eine Art Waffermoos in den Sümpfen von Schweden, England ıc.: 
kugelförmiger Wafferfaden, Seepflaume 2c.; die Seefuh, der Seeochs, ein 
im Meere lebendes Säugethier, theils den Elephanten, theild den Robben ähn- 
lich (fr. Manati, Lamentin); auch f. Flufspferd; die Seeküſte, ſ. Küfte; 
das Seeland, ein an der See liegendes Land; als EN. ein Theil von Hol- 
land (Zeeland); die größte dänische Infel am Sund; Neu-Seeland, eine 


574 Ce - 


große Inſel in der Südſee; daher: der Seeländer, die Seeländerinn; fees 


ländifch, Bw.; die Seelaterne od. »leuchte, Sciffstaterne; die Seelaus, 


f. v. m. Seebremſe; auch eine Art Krebfe;z die Seelerche, f. v. w. Meers 
lerche; das Seelicht, das leuchtende Seetaufendbein, ein mit bloßem Auge 
nicht erkennbares Thierchen, welches das Leuchten des Mecres bewirkt; auch 
eine Art Tuten od. Kegelſchnecken; die Seelilie, |. v. w. Seeblume; auch eine 
Art Seefeder; die Seelinfe, ſ. Meerlinfe; der Seelöwe, zwei große Robs 
ben-Xrten: der zottige Seelöwe od. Seebär, u. der glatte Seelöwe od. Löwen⸗ 
robbe; die Seeluft, die Luft auf od. an der See; die Geelunge, f. v. w. 
Serfeige, u. Seehaſe; die Seemacht, I) o. M., die Macht (f. d.) zur See, 
d. i. Kriegsflotte u. deren Bemannung (zZ. B. eine anfehnlihe Seemacht has 


ben); 2) ein zur See mächtiger Staat (M. Seemächte; z. B. England; 


Frankreich ze. find Seemächte); der Seemann, wer die Seefahrt verfteht u. 
berufsmäßig treibt (M. Seemänner f. Schiffs- Anführer; Seeleute ale 


Sammelw. f. das Schiffsvolk); die Seemannskunft 2c.; feemännifch, Bw, - 


einem Seemann eigen od. angemeffen; die Seemannfchaft, Mannſchaft eines 
Sechhiffes; die Seemaus, f. v. w. Meermaus; die Seemeile, ein Wegmaß 
zur ©ee, wovon gew. 20 auf einen Grad geredjnet werden; der Seemenſch, 
Meerengel od. Krötenhai; die Seemerle, eine Art Lippfiſche im mittelländ. 
Meere; die Seemewe, große Fiſchmewe; auch überh. f. Mewe; der See— 
mönd, Keötenhai od. Meerengel; auch eine Art Röhrenfchneden; das Gee- 
moos, im Megre wachlendes Moos; der Seemornell, eine Art Regen- od. 
Strandpfeifer (f. Mornell); der Seemurrer, in Pommern, ein zum Ge 
ſchlecht der Steinpider u. Kaulköpfe gehörender Seefifch, der außer dem Waffer 
einen murrenden Laut hören läfft, auch Knorrhahn, Scherpfiich zc.; die Sees 
mufchel, ale in der See ſich findenden Mufcheln; die Seemüße, eine Art 
ae Meereicheln; auch eine Art Quallenz der Seenabel, ſ. Meer 
nabel; die Seeftadel,“ eine Art Trompetenſchnecken, die Pfrieme; auch f. 


Nadelfiſch, Meernadel; die Seenatter, Meeraal, Meerfchlange, ſ. d.; die N 
Seenelfe, Sandnelke, Wieſenkraut; eine Art des Hornkrautes; auch eine Art 


Meerneffel: Aufterneffel, Seeftrumpf, -tafche; die Seeneffel, |. v. w. Meer 
neffel; auch f. Seegras,-tang; das Seenetz, eine Art Seeftauden; u. eine 


Art Röhrenſchnecken: Flechtenröhre; die Seeniere, eine Art Seekork; die 


Seenufs, ſ. v. w. Meernuſs; Stachelnuſs; der Seeochs, ſ. Seekuh; das 


Seeohr, ſ. v. w. Meerohr; die Seeorgel, ſ. v. iv. Meerröhre; die See 


otter, eine Art Ottern, die ſich am Seeufer aufhalten, verſch. Fluſsotter; die 
Seepalme, eine Art Schwertlilien; auch eine Seeſtaude; der Seepapagei, 
ſ. v. w. Papageitaucher; Papageifiſch; die Seepeitſche, eine Art Seeſtauden; 
der Seepfau, Pfaureiher; die Seepfeife, eine Art Röhrenſchnecken; das 
Seepferd, ſ. v. w. Fluſspferd; Wallroſs; der große Sturmvogel; das See 
pferdchen, eine Gattung kleiner Nadelfiſche, auch Meerpferd, Meerraupe ꝛc.; 
die Seepflanze, in od. an der See wachſende Pflanze; die Seepflaume, 


ſ. Seekugel; der Seepilz, eine Art Sternkorallen; die Seepocke, eine Art. 


fehe Kleiner Meereicheln, welche Elumpenweife auf andern Körpern figen; die 
Seequalle, ſ. Qualle; die Seequitte, eine Art runder Seekorke; der See— 
rabe, eine Art Raben mit gezähneltem Schnabel in Liefland; der Schlingrabe 
od. Wafferrabe; die Tauchergans; der Seerache, -n, (Rache wahrſch. — 
Rad, Rade, ſ. d.), die Tauch-Ente, insbef. der Haubentaucher, und bie 


| 


| 





„ 


‚die Seefemfe, Seebinſe; der Seefoldat, ein zur See dienender Soldat; die 


Ste 875 


Tauchergans; der Seerappe, eine Art Geebörs; die Seeratte, der Meer: 
affe; der Seeräuber, wer auf der See eigenmächtig und gewaltſam Schiffe, 
Schiffsgüter und Mannſchaft wegnimmt (fr. Pirat, Corſar; verſch. Kaper, 
ſ. d); daher die Seeräuberei; ſeeräuberiſch, Bw.; das Seeräuberſchiff; 
der Seeraͤuberſtaat ec.; die Seeraupe, ſ. v. w. das Seepferdchen; auch ein 


ſchuppiger Seewurm, insbeſ. die See- od. Meermaus; das Seerecht; der 


Inbegriff der das Seeweſen, den Seehandel zc. betreffenden Gefeße; der See— 
reiher, Stachelkopf; die Seereife, Reife zur See; ein Seereifender, der, 
die Seereifende ꝛtc.; ber Seerichter, Mitglied eines Seegerichts; die See 
tofe, gelbe Seebfume, f. d.; die Seeröthe, eine Art Kreuzkraut, an der 
Seeküſte wachſend; das Seefalz, aus dem Seewaſſer ‚bereitetes Salz; daher: 
die Seefalzfäure, od. bloß Seeſäure; der Seefchaden, durch die See ver: 
urfachter Schaden an Schiffen, Waaren zc.; der Seeſchäumer, f. Meer: 
fhäumer u. ſchäumen; die Seefcheibe, fcheibenförmiger Seeigel; die Sees 
fcheide, Seewürmer mit fcheidenförmigem Körper (ascidia L.); das See: 
ſchiff, ein Schiff zur Seefahrt; die Seefchifffahrtz die Seefchildfröte, im 
Meere lebende Schildkröte; der Seeſchilling, eine Art dünner Seeigel; die 
Seefchlacht, |. Seegefecht; der Seefchlägel, Hammerfiſch; die Seefchlange, 
f. v. w. Meerfchlange; Seepfeifez die Seefchule, Anftalt zur Bildung von 
Scemännern (fr. Navigations- Schule); die Seefehwalbe, ſ. v. w. Meere 
ſchwalbe, in allen Bed.; der Seeſchwärmer, eine Art Quallen; das See— 
ſchwein, eine Art Haififche, Sauhund; eine Art Spiegelfiſche, Saurüſſelfiſch; 


- Sepfonne, eine Art Scefterne mit vielen Strahlen; auch der oftind. Sonnen- 


ſiſch; die Seefpinne, eine Art dickbeiniger Afterfpinnen; auch f. Zafchen- 
krebs; der Seefpint, eine Art Seekork von milhweißer Maſſe; die See— 
forache, Kunftiprache der Seefahrer; der Seeſtaat, ein Staat, welcher eine 
Seemacht hat; auch der Zuftand des Seeweſens eines Staates; die Seeftadt, 
eine am Meere, od. auch an einem Landfee liegende Stadt; die Seeſtaude, 
Seegewächſe mit hornartigem Stamm, überzogen mit einer weicheren zelligen 
Rinde, in deren Zellen Pflanzenthierchen (Polypen) Ieben, auch Hornſtaude 
od. -Eoralle; der Seeftein, mit Nesen aufgefifchter Bernfteinz der Seeftern, 
Seewürmer, deren lederartiger Körper ſich in 4 bis 30 Strahlen theilt; auch 
eine Art Taucher; das Seeſternkraut, gelbes Sternkraut , eine Art des 
Alants; der Seeſtichling, verſch. Arten Stichlinge (1. d.) insbeſ. der große — 
ornfiſch), u. der kleine Seeſtichling (Stachelbörs); der Seeſtier, eine Art 
Bein⸗ od. Panzerfiſche, Koffer⸗, Hornfiſch; der Seeftand, j. Strand; der 
Seeſtrick, eine Art Stachellorallen; der Seeftrumpf, ſ. Seenelke; das 


Seeſtück, ein Gemälde, welches die See od. eine Sergegend darftellt; der 


Seeſturm, Sturm auf der Ste; der Geetang, ſ. Tang; die Seetanne, 
der Schafthalm; eine Art Seeftauden; die Seetafche, ſ. Seenelke; die See— 
taube, eine nordiſche Taucher-Art; auch cine Art Igelfiſche; der Seetau- 


. her, der nordiſche Papageitaucher; der Seeteufel, |. Meerteufel; das See— 


thier, jedes in der See Iebende Thier, entg. Landthier; die Seetonne, ſ. v. 
w. Bake, ſ. d.; auch eine Art Kreifelfchneden; die Seetraube, die Frucht 
des Traubenbaumes, f. d.; auch die fäuerliche Beere eines in Beonkreic, Spa⸗ 
nien ze. am ſandigen Seeufer wachſenden dornigen Strauches: Seetraube mit 
doppelten Ihren; das Seetreffen, ſ. Seegefecht; der Seetrichter, eine trichters 


ee . o— 


876 ar Seede — Seele 


ähnliche Koralle; die Seetrift, niederd., was auf der See treibt u. ans Land _ 


geworfen wird, auch: der Seemwurf; feefriftig, Bw., niederd. f. auf der 
See treibend; die Seetrompete, f. v. w. das Meerhorn; die Seetruppen, 
Kriegsvolk auf Kriegsfchiffen; das Seeufer, Meeresufer, od. Ufer eines Land: 
fees; die Seeuhr, eine fehr richtig gehende Uhr auf Seeſchiffen (fr. Chrono: 
meter); das Seeungeheuer, ein großes, gefährliches Seethier; der See— 
vogel, auf od. an der Sce Lebende Vögel; die Seewanze, eine Art Meer- 
affeln, die den Fifchen Läftig fallen; feewärts, Nw., nad) der See zu, oder 
weiter in die See hinein, entg. Iandwärts; das Seewafler, Meerwaffer, od. 
Waſſer eines Landſees; der Seewedel, eine Art Seeftauden; der Seewege— 
rich, eine Art an der See wachſenden Wegerihs, auch Meerwegetritt; das 
Seewefen, der Inbegriff alles zur Seeſchifffahrt, zum Seekriege zc. Gehö- 
renden; der Seewind, ein auf der See, od. von der See her wehender Wind; 
der Seewolf, |. Meerwolf; auch f. Meerfroſch od. Froſchfiſch; der Seewurf, 


f. Seetrift; der Seewurm, in der See lebende Würmer; auch f. Meer: 


fchlange; der Seezoll, ein Zoll, zur See von Schiffen und Ladungen gegeben; 
die Seezunge, ein Seefiſch, |. Zunge. 

Seede, w., M.-n, (vgl. fied), holftein., eine niedrige Grasſtelle. 

Seedeich ıc. — Seeforelle, ſ. unter See. 

Seeg, m., - 8, M. -e, niederd., ein zufammengerolftes Bündel 
(Werg). 

Seegallerte zc. — Seelaus, f. unter See. 


Seele, w., (Gen. u. Dat. in der älteren Sprache: Seelen, 3. 8. bibl. 


Angſt der Seelen; die nach meiner Seelen ftehen ze.) M.-n, Verkl. (nur in 
einzelnen Anwendungen) da8 Seelen, (goth. saivala; altd. seula, sela, 
sele, M. sele; oberd. Séèl, niederd. Sele, Säl; angelf. sävel, sävl, engl. 
soul; isländ..säl, ſchwed. u. dän. säl, själ; von gleicher Wurzel mit See 
(goth. saivs), f. d.; alfo Urbed.: bewegende Kraft), 1) der Urgrund u. die 
Kraft des Lebens u. Empfindens, od. das den Körper jedes lebendigen Ge- 
ſchöpfes belebende u. bewegende geiftige Wefen, entg. Leib, (auch die Thiere 
haben Seelen; aber nur der Menſch hat eine vernünftige Seele), beim Men 
Then a) im weiteften Sinne: das ganze, mit Vernunft u. Willen begabte 
geiftige Wefen, die Begriffe Geift und Gemüth in fich fchliegend (daher: 
etwas aus eines Andern Seele fprechen, d. i. fo wie diefer es denkt; in Je— 
mands Seele ſchwören, d. i. in feinem Namen; bei meiner Seele! oder 
gem. bloß: meiner Seel! Betheuerungsformel der Volksſpr.; die Seelen 
der Verftorbenen, d. i. ihr geiftiges Wefen nach der Trennung von dem Körs 
per); b) in engerem Sinne da8 Vermögen u. der Sitz der Empfindungen, 
Gefühle und daraus entfpringenden Gemüthsregungen, Neigungen ıc., 
finnv. Herz, Gemüth, verfch. von dem denkenden Geift, (. B. meine Seele 
ift betrübt, freuet fich 20.5 es ſchmerzt mich in der Seele, thut mir in der 
Seele weh; einem etwas auf die Seele binden, d. i. es ihm recht eindringlich 
machen, finnv. ans Herz legen; oberd. es fteht mir die Seele auf eine Sache, 
d. i. ich verlange fehnlichft danach; eine ſchöne Seele, f. unter ſchön; eine 
ftarke Seele, d. i. die Standhaftigkeit in Ertragung von Leiden, Muth u. 
Ausdauer in ihren Beftrebungen hat, verſch. ein ftarker Geijt; eine edle, 
große Seele, d. i. deren Neigungen nur auf das Edle u. Große, die höhe: 
ven Güter des Menfchen gerichtet find; entg. eine Eleine Seele; verſch. großer 








Seele | 877 


u. Heiner Geift); 2) ein mit einer vernünftigen Seele begabtes Weſen, 
Menſch, Perfon (er, od. fie ift eine gute, treue Seele; eine feile, Lafterhafte 
Seele ꝛc.; auch als zärtliches Anredewort: Liebe Seele! und verkl. mein 
Seelchen! — auch geradezu f. lebender Menſch, Perfon, bei Zählungen u. dgl.; 
z. B. die Stadt zählt zehntaufend Seelen, d. i. Einwohner; ich Eenne hier 
keine Seele; Eeine Seele weiß etwas davon; es war Feine lebendige Seele 
zu Haufe); 3) uneig. f. das Belebende, Wirkfame, Thätige, auch der vor: 
nehmfte, wichtigfte, wefentlichite Beftandtheil einer Sache, (z. B. er war 
die Seele der Gefchäfte, der Gefellfchaft 2c.; Liebe ift die Seele aller hriftlichen 
Tugenden; Ordnung ift die Seele der Geſchäfte 2c.); 4) f. das Innerſte, 
Inwendige eines Körpers, be. fofern es hohl, od. non loderem, durchjich- 
tigem Stoffe iftz insbe. an Feuergewehren der innere hohle Raum des Rohres; 
das lockere Mark in einem Federkiele; die dünne filberfarbene Blafe längs dem 
Rüden der Häringe, landſch. auch die Schwimmblafe der Fiſche; Tuchm. das 
dünne Eifen im Webefchiffchen; oberd. auch das Innere eines Gebäds; der 
Kern eines Knäuels; Küch. ein Eifen 0d. Hölzchen mit einem Loch, durd) 
welches der Bratfpieß geftedit wird; 5) fchmweiz. f. Weißfiſch, Lauben, fo 
lange er Elein ift; — 3fes. mit Seel; das Seelamt, feierliche Seelmeffe 
mit Mufitbegleitung; das Seelbad, in der Eathol. Kirche ein freied Armen- 
bad, welches Jemand zum Heil feiner Seele geftiftet; in weiterer Bed Spende 


-an die Armen, von Zemand zu feinem Seelenheil geftiftet; der Seeldienft, 


oberd. f. Gottesdienft für einen Verftorbenen; feelfromm, Bw., oberd. von 
Pferden |. v. w. lammfromm; das Seelgeräth (von „der Seele rathen“ 
d. i. für ihr Heil forgen), alt u. oberd. eig. was von dem Nachlaſs eines Ver— 
ftorbenen zum Hell feinee Seele beftimmt ift, daher jedes Vermächtnifs zu 
frommen 3weden, an Kirchen, Klöfter, zu Seelmeffen, Stiftungen ꝛc.; dann 
f. Leichenbegängnifs, Meffe für den Verftorbenen, u. die Gebühren dafür; das 
Seelhaus, oberd. Verforgungshaus für arme, unverehelichte weibl. Perfonen, 
von Semand zum Heil feiner Seele geftiftet; die darin Lebenden Seelfrauen, 
weiber, =nonnen, =fehweftern hatten’ ehem. die Verpflichtung, für die Ab— 
geichiedenen zu beten, jest das Gefchäft der Krankenpflege, der Reinigung u. 
Ankleidung der Leichen ꝛc.; die Seelmeſſe, Eathol. Meſſe zum Heil der Seele 
eines Verftorbenen; die Seelforge, Sorge der Geiftlichen für die Wohlfahrt 
der Seelen ihrer Gemeinde; auch überh. f. Amt, Geſchäft eines Geiftlichen; 
der Seelforger, ein Prediger, Pfarrer, fofern er fich der Seelſorge widmet; 
die Seelforgerfchaft, Amt, Beruf eines Seelforgers; feeltagen od. -tögen, 
niederd., preuß. feelzagen, untrb. 3w., f. in den legten Zügen liegen; uneig. 
in fchlechten Umftänden fein; der Seelvater, oberd. Vorfteher eines Seel— 
haufes ; der Seelwärter, vlt. f. Vollſtrecker eines Testen Willens; — die 3fe$. 
mit Seelen bedürfen größtentheild Eeiner befonderen Erklärung, da Seelen 
gew. einfach im Genitiv Verhältniffe zu dem Grundworte fteht, bisw. auch 
durch Hinzufügung des Begriffes der Innerlichkeit od. Tiefe verftärkend ift, 


als: der Seelenadel, Adel, edle Natur der Seele; die Seelenangft, Angft 


der Seele, tief eindringende, heftige Angft; der Seelenfrieden, die Seelen- 
ruhe, finno. Gemüthsruhe; das Seelenglüd, =heil, wohl, die Seelen- 


- größe, -güte; auch feelengut, Bw., der Seele nad) gut, von Herzen gut; 


Bi | 


die Seelenftärke, Stärke, d. i. Standhaftigkeit u. Beharrlichkeit der Seele; 


„ auch feelenftark, Bw., der Seele nach ftark, Seelenftärke habend; die Seelen: 


878 Seelerche — Segel 1— 


kraft od. das Seelenvermögen, jede wirkende Fähigkeit der Seele (M. See— 4 


lenkräfte); der Seelenzuſtand; der Seelenkummer, -ſchmerz; das See— 


lenleiden, die Seelenpein, -qual; die Seelenfreude, das Seelenver: 


gnügen, inniges, lebhaftes Vergnügen; fo auch: ſeelenfroh, ſeelenver— 


gnügt, Bw., d. i. innerlich froh, innig vergnügt; der Seelenfreund, die 


Seelenfreundinn, innig geliebter, vertrauter Freund 2c.; die Seelenfreund— 


ſchaft u. dgl. m.; — außerdem find zu bemerken: der Seelenarzt, ein Helfer, 


Beruhiger in Krankheiten der Seele, in Traurigkeit, Angft 2c.; der Seelen- 


bräufigam, in geiftt. Liedern ꝛc. Jeſus, ald Bräutigam der ihn Viebenden 


chriſtlichen Seele vorgeftelitz der Seelenforfcher, wer das Weſen der Seele 
überh., od. einzelner Menfchenfeeten zu erforfchen fucht; der Seelenhirt, un— 
eig. f. Geiftlicher, fofern ev der Hüter der Seelen feiner Heerde od. Gemeinde 


ift; die Seelenkrankheit, Erankhafter Zuftand der Seele, finnv. Gemüths⸗ 


Erankheit, verfch. Geifteskrankheit ; feelenfranf, Bw., finnv. gemüthskrank; 


die Seefenlehre, Lehre von dem Wefen u. den Kräften der menfchl. Seele, . 


auch Seelenkunde (fe. Pſychologie); daher der Seelenlehrer, der Seelen- 
kundige (fr. Pſycholog); ſeelenlos od. ſeellos, Bw., 1) ohne Seele, unbe: 


feelt, Ieblos; 2) Eein Gefühl, Eeine Empfänglichkeit für Gemütheregungen 


habend, auch feelenleer, finnv. fühllos; das Seelenopfer, Opfer für die 
Seelen der Verſtorbenen; das Seelenregifter, Verzeichnifs der lebenden Ein- 
wohner eines Ortes; der Seelenfhaß, gem. f. eine fehr geliebte Perſon; 
der Seelenfchlaf od. -[chlummer, geringe Empfänglichkeit, Fühllofigkeit der 
Seele; insbef. der vermeintliche Zuftand der Seele nach der Trennung vom 
Körper bis zur Wiedervereinigung; dev Seelentag od. Allerfeelentag, der 
durch Gebete 2c. zum Heil der abgefchiedenen Seelen ‚gefeierte Tag im Novem⸗— 
ber; der Seelenverfäufer, wer duch Lift oder Verrätherei Andere zu ſchwe— 
ren Dienften, bei. zum Kriege od. Seedienft, wirbt, insbef. wucherliche Matro⸗ 
ſenmäkler; feelenvoll, Bw., viel Seele, d. i. lebhaftes, inniges Gefühl, ha- 
bend u. ausdrüdend (ein feelenvolleer Menſch; feelenvolle Blide, Töne 2c.); 
die Seelenwanderung, der. Übergang einer Seele aus ihrem Körper nad) 
deſſen Zode in verfchiedene andere Körper nach einander, zufolge der Bor 


ftellung alter Philofophen (fr. Metempſychoſis); der Seelenwed od. -z0pf, 
oberd. eine Art Weißbrod, welches nur am Allerfeelentag gebsden wird (ſchwäb. 


auch bloß: Seelen, M.); — Ableit. feelen, ziel. 3w., vlt. f. befeelen, 
beleben; feelenhaft, Bw., feelenshnlich, die Natur der Seele habend; 


ſeeliſch, Bw., Neuw. f. der Seele angehörend, die Seele betreffend (fr. - 


pſychiſch). 
Seelerche ꝛc. — Seezunge, ſ. unter See. 
Sege, w., M.-n, (andih. auch Säge; bair. die Segen od. Segens; 


altd. segina, sageine, sagene, segene, sege; lat. sagena, franz. seine) oberd. - 


ein großes Zugneß, Schleppnetz zum Fiihen, beftehend aus zwei ſtarken 
Wänden und einem Sad in der Mitte, Sadgarn, auch Segenetz, Segen: 


ganz daher der Segenfifcher, wer mit Segen zu fiſchen befugt ift, eng. 


Kleinfiſcher. 


Segel, f., -$, M. w. &, Verkl. das Segelchen, (altd. der sekal, 
segal, segel; niederd. Segel u. gew. Seil; altnord. sigl, ſchwed. segel, dän. 


segl, seyl; angelſ. segel, segl, engl. sail; holl. zeil; poln. zagiel; von dunk⸗ 
ler Abftammung), das an dem Maft eines Schiffes ausgefpannte Tuch 


E —— 


— 
——— 


—— 








Segel . 879 


(jest von ftarker Leinwand, ehem. auch Thierhäute, Matten u. dgl.), welches 
den Wind auffängt. und dadurch das Schiff forttreibt, von verfchiedenen 
Arten u. Benennungen, 3. B. Rah⸗, Stag⸗, Leer, Gaffel-, Mars-, Bram-, 
Fock⸗, Befanfegel ꝛc., ſ. d., (die Segel aufziehen, auffpannen, auch beifegen 
od. Segel machen; entg. die Segel einziehen, Schiff. auch einnehmen, auf 
geien, reffen, f. d.; weit vollen Segeln fahren; unter Segel gehen, d. i. abs 
fegeln, zu Schiffe abfahren; die Segel ftreichen, d. i. die Rahen, an denen fie 
befeftigt find, zum Zeichen der Ehrerbietung od. Unterwerfung niederlaffen ; 
daher uneig. die Segel vor Jemand jtreichen, d. i. fich ihm ergeben und für 
überwunden erklären, ihn für feinen Meifter erkennen; alle Segel aufziehen 
od. aufipannen, uneig. f. alle Mittel anwenden, Alles aufbieten zur Erreichung 
eines Zweckes); uneig. auch f. ein fegelndes Schiff, u. überh. f. Segelfchiff 
(4. B. eine Flotte von hundert Segeln); Naturk. Namen einiger Flügel 
ſchnecken; — 3fes. der Segelbalfen, Schiffb. der längfte Balken im Mit— 
telfpanne des Schiffes; der Segelbaum, vie. f. Segelftange; Maftbaum; 
inöbef. der mit dem Maft einen fchiefen Winkel machende Baum, an welchem 
die Ruderfchiffe ihre Lateinifhen Segel führen; das Segelgarn, zwei- ob. 
dreidräthiges hänfenes Garn zum Nähen der Segel; auch f. Bindfaden; der 
Segelgießer, Schiff. eine Art Erummer Schaufeln zum Begießen der Segel 
u, Schiffsſeiten bei heißem Wetter; die Segellinie, eine krumme Linie in der 
Form eines vom Winde gefchwellten Segels; fegellos, Bw., ohne Segel, 
der Segel beraubt; der Segelmacher, Verfertiger von Segeln in Seeſtädten 
u. auf großen Schiffen; die Segelmacherei, deſſen Verrichtung u. Gewerbe; 
der Segelmeifter, auf Kriegsſchiffen der erſte Segelmacher und Auffeher über 
das Segelwerk; die Segelnadel, dreifantige Nadel der Segelmacher; die 
Segelqualle, eine Art Quallen (f. d.) mit einem fegelähnlich auszufpans 
nenden und niederzulaflenden Theile; das Segelſchiff, ein mit Segeln vers 
fehenes Schiff, z. U. v. Ruderſchiff; fo auch die Segeljacht, der Segelfahn, 
nachen 2c.; die Segelfchnede, eine Art Flügelſchnecken, auch das ſchmale 
Segel genannt; das Segelfeil, Tau; die Segelfpinne, Kreuzſpinne (weil 
fie ihr Ne frei ausfpannt); das Segelfpriet, 1. Spriet; die Segelitange, 
die am Maftbaum befeftigte ftarke Querftange, an welcher das Segel hängt, 
die Rabe, |. d.; das Gegeltuch, grobe hänfene Leinwand, woraus die Segel 
gemacht werben; der Segelvogel, eine Art Tagichmetterling; das Segel: 
werf, fämmtliche Segel eines Schiffes mit ihrem Zubehör; die Segelzunge, 
ein fpis zulaufender Streifen am Segel; — Ableit. fegeln, ziellof. Zw. m. 
haben und (wenn der Ausgangspunkt od. die Richtung der Fahrt angegeben 
wird) m. fein, (mittelh. sigelen; niederd. fegeln und feilen; ſchwed. segla; 
angelf. segljan, engl. sail), mittelft der Segel vom Winde fortgetrieben 
werden oder fahren (das Schiff fegelt, hat. ſchnell gefegelt; wir haben lange 
gefegelt; aber: das Schiff ift aus dem Hafen, nad) Norden, nad) Amerika ꝛc. 
> gefegelt; wir find auf den Grund gefegelt; bei, vor dem Winde—, mit fie: 
fem, halbem ꝛc. Winde fegeln, ſ. Wind; in Verbindung mit einem nebenwörtl. 
Zuſatze auch ziel: f. fegelnd bewirken: ein Schiff in den Grund ſegeln); uneig. 
auch f. die Luft ſchnell durchfchneiden, fich fliegend od. laufend fortbewe- 
gen; 3fes. v. fegeln: fegelfertig, Bw., bereit abzufegeln (niederd. fegel- 
od. feilreede); fegelfundig, Bw., das Segeins Eundig; die Segelfunft, die 
Kunft des Segelns, d. i. die Segel gehörig zu ordnen od. zu ftellen, ein Theil 


880 Segen 

der Steuermannskunſt; die Segellinie, ordnung, Linie od. Ordnung, in wel: 
her die Schiffe einer Flotte ſegeln; der Segelftein, ehem. f. Magnet, weil 
er die Richtung des Segelns beftimmt; das Segelwetter, der Segelwind, 
zum Segeln günftiges Wetter, dergl. Wind; Ableit. der Segeler, od. Seg— 
ler, -$, M. mw. E., wer oder was fegelt: ein Schiffer; ein fegelndes 
Schiff (z. 8. dies Schiff ift ein guter, od. ein fchlechter Segler); auch uneig. 
dicht. was fich gleichf. fegelnd durch die Luft bewegt („eilende Wolfen, Seg— 
ler der Lüftel“); Natur. f. die Schiffkuttel, |. d.; Landw. ein ſchwindliges, 
wankendes Schaf. 

Segen, m.,. -8, M. (felten) w. E., (altd. segan, segin, segen; angelf. 
segen; von dem lat. sigaum, Zeichen; daher noch altd. und angel. f. Fahne, 
Abzeichen; dann insbe]. signum crucis) 1) alt u. noch oberd. f. das Zeichen 
des Kreuzes, zur Weihung od. zur Hervorbringung übernatürlicher Wir— 
fungen mit der Hand gemacht; 2) eine mit diefem Zeichen begleitete weis 
hende Gebetsformel (der Geiftliche Tpricht den Segen; den Segen über etwas 
Iprechen; der Morgen:, Abend», Tiſch-, Reifefegen 2c.), auch aberglaubifche 
Zauber: od. Beſchwörungsformel (z. B. der Feuer-, Fieber, Vieh-, Wetter 
fegen 2c.); insbef. die feierliche Verkündigung u. Anwünfhung der gött— 
lihen Gnade, u. überh. des Eünftigen Gedeihens, Wohlergehens, Glüdes, 
entg. Fluch (einem feinen Segen geben, ertheilen; der Segen der Ältern ruht 
auf den Kindern, begleitet fie 2c.), bef. auch der Glückwunſch beim Scheiben 
(Segen auf den Weg!); 3) die Wirkung u. der Inhalt ſolcher Wünfche: 
die Gedeihen u. Glück gemährende göttliche Gnade (Gott gebe feinen Segen 
dazu! d. i. Lafje es gelingen; den Segen Gottes fpürenz fprihw. an Gottes 
Segen ift Alles gelegen; das bringt keinen Segen; dabei ift kein Gegen, u. 
dgl. m.); auch f. Gedeihen, glüdlicher Erfolg, Reihthum oder Fülle an 
Gütern, als ein GefchenE der göttlichen Gnade betrachtet (Kinder find ein 
Segen Gottes; der Segen der Felder, des Jahres, der Natur; Eher, Erntes 
fegen 20.); — 3fes. die Segensernte, -flur, das Segensland zc., dicht. 
f. acfegnete, reiche Ernte 2c.; die Segensformel, Formel, welche einen Segen, 
bef. den Eicchlichen, enthält; die Segensfülle, dicht, veicher Segen; die 


Segensfraft, Kraft, Wirkung des Segens; fegenskräftig, Bw., diefelbe 


enthaltend; fegenlos, Bw., ungefegnet, ohne Gedeihen; die Segensquelle, 
f. Quelle; fegen= od. gew. fegensreich, fegenvoll, Bw., reich an Segen, 
viel Segen, Glück 2c. bringend, od. empfangend; der Segenfprecher, wer 
den Segeny u. bef. eine Zauber- od. Beihwörungsformel, ſpricht; der Segen: 
od. Segensſpruch, das Segenſprechen; die geſprochene Segensformel; das 
Segenswort, ein ſegnendes, glückwünſchendes Wort; der Segenswunſch, 
ſegnender Wunſch, Anwünſchung des Guten, ſinnv. Glückwunſch; — Ableit. 
ſegenbar, Bw., Neuw. f. Segen bringend, ſegensreich; — ſegnen, ziel. 
Zw. (altd. seganon, segenen, segen, Prät. segente, jest: ſegnete; niederd. 
fegenen; alt u. oberd. auch gefegnenz angel. segnjan, isländ. signa, ſchott. 


segn), eig. das Zeichen des Kreuzes Uber etwas machen (daher: fich Ereus - 


zigen und fegnen, d. i. indem man diefes Zeichen vor ſich macht, fich vor dem 
Böfen, einem Übel 2c. zu bewahren ſuchen; uneig. f. fi in hohem Grade ent= 
fegen); einen od. etwas—, mit dem Zeichen des Kreuzes. und einem 
Segensfpruche weihen (der Prediger feanet die Gemeinde; das Brod, den 
Kelch —), 0d. zauberifch befprechen, beſchwören (das Feuer, das Zieber, 








Segenbaum — fehen 881 


eine Wunde, das Vieh ꝛc. —); in weiterer Bed. einem feierlich bie göttliche 
Gnade ankündigen, od. überh. Gutes, Glück, Gedeihen ıc. anwünfchen 
(der fterbende Vater fegnete feine Kinder; fprichw. wer das Kreuz hat, fegnet 
ſich, d. i. wer die Macht od. Gelegenheit hat, verſchafft ſich Vortheile; bibl. 
auch f. Böfes anwünſchen, fluchen: er wird dich ins Angeficht fegnen); aud) 
f. dankend preifen (z. B. einen verftorbenen Wohlthäter, fein Grab 20. —); 
insbe. f. Glück wünfchend fcheiden, chem. überh. f. förmlich Abfchied neh- 
men, einen od. etwas verlaffen (das Zeitliche od. die Welt fegnen od. gefeg- 
nen f. fterben); ferner von Gott: einen od. etwas—, d. i. ihm Segen, 
Gnade, befonderen Schuß ıc., Glück, veichliches Gedeihen, Uberflufs an 
Gütern ꝛc. gewähren, finnv. beglüden, gedeihen od. gelingen laffen, (Gott 
fegne dich! der Gefegnete Gottes od. des Herrn, d. i. bei. Jeſus; Gott 
fegnete feinen Fleiß, fein Bemühen; Gett hat ihn mit Glüdögütern, mit Ges 
fundheit, mit Kindern zc. gefegnet; das Mw. gefegnet f. beglüdt, reich, 
Überflufs habend od. gewährend, z. B. eine gefegnete Ernte; gefegnete Fluren; 
ein yefegnetes Jahr, d. i. ein fehr fruchtbares; eine mit Kindern gefegnete 
Ehe; gefegnetes Leibes fein, d. i. ſchwanger); uneig. ironifh: einem 
etwas fegnen (od. gefegnen) f. e8 ihm verderblich werden od. zur Strafe 
gereihen laſſen; gefegnet fein, auch mit läftigen od. üblen Dingen, f. 
Uberflufs daran haben (z. B. mit Fehlern gefegnet fein; — das Gefegnete, 
gem. Gefegnet, ſchwäb. f. der Rothlauf, die Rofe, als mildernder od. be— 
fchönigender Ausdrud); der Segner, -8, (alt. segenaere), wer fegnet; 
insbef. f. Segenfprecher, Befchwörer, Zauberer; die Segnung, das Seg— 
nen; die Wirkung des Segens, Beglückung, hohe Vorteile, bef. M. 
Segnungen (4. B. die Segnungen des Friedens). 
Segenbaum, auch Segelbaum, m., oberd. verderbt f. Säbenbaunt. 
Segenfe, w., M. -n, (oberd. auch: die Segenfen, Segens; ſchweiz. 
Sägeſe, Säges; vgl. ſägen), alt u. oberd. f. Senſe (ſ. d.), welches daraus 
3983. iſt. 
Segensernte ıc. — Segenswunſch, ſ. unter Segen. 
Segge, w., M. -n, niederd. f. das Niedgras. 
Segler, f. unter Segel; — fegnen, Zw., ꝛc. f. unter Segen. 
fehen, od. zgez. fehn, Zw., ablaut. ich fehe, du fiehft (ſieheſt), er fieht 
(fieget), wir fehen (zgez. fehn) 2c.; Imper. ſieh Cfiche), fehet (zgez. Teht) ; Impf. 
ich u. er fah (nicht gut: fahe), du faheft od. ſahſt 2c.5 Gonj. ſähe; Mw. 
geſehen, zgez. gefehn, (goth. saihvan, altd. sehan, sehen, ®Präf. ich sihe, 
Prät. sach, sähen, Part. gesehen, auch gesegen u. alth. gisewan; niederd. 
feen, Prät. fag od. feeg, Part. ſeen; — die Wurzel sah fällt, wie es ſcheint, 
mit sag in sagon, segon, ſägen, lat. secare zuſammen; vgl. Sch, Sachs, 
Sichel, Senje 2c.; die Urbed. wäre alfo: fehneiden, fcheiden, dann unterfchei= 
den, wahrnehmen; vgl. das lat. cernere, u. die Ausdrücke: fcharf fehen, blöde, 
ftumpfe Augen 20.5 — in den verwandten Sprachen ift der auslautende Con— 
jonant der Wurzel ganz abgefallen: isländ. sia, ſchwed. se, dän. see; angelf. 
seon, geseon, engl. see; holl. zien), 1) ziel. u. ziellos a) eig. überh. durch 
den Sinn des Gefihts Eindrüde empfangen, mittelft der Augen em- 
pfinden od. wahrnehmen, finnv. blien, fchauen f. d.; insbeſ. den Gefichts- 
finn befigen, mittelft der Augen wahrnehmen fünnen (der Blinde fieht 


nicht; im Dunkeln fieht man nicht; gut, ſchlecht, weit zc. ſehen; ſehend 


Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 56 





2 ſehen 


fein; einen Blinden wieder ſehend machen; mit ſehenden Augen blind fein, d. i. 
nichts wahrnehmen, obwohl die Augen Sehkraft haben); von diefem Ver— 
mögen felbftthätig Gebrauch machen, die Augen od. den Blick auf etwas 
richten, zunächſt ohne (directes) Zielwort (fieg! fieh da! hier bin ich u. 
dgl.; mit feinen eignen Augen fehen, d. i. gang deutlich u. gewiſs; durch ein 
Glas, durch die Brille—; uneig. durch die Finger fehen, f. Finger; einem in 


die Augen, ins Gefiht—; uneig. einem ins Derz fehen, d. i. feine Gefühle w. 


Gefinnungen durchſchauen; einem in die Karte fehen, j. Karte; auf etwas 
od. einen—, d. i. die Augen darauf richten; auch nach etwas —; uneig. 
von lebloſen Dingen f. dahin gerichtet fein, z. B. die Fenfter fehen auf die 
Straße, nad) dem Garten, gegen Morgen ꝛc.; auch rücdz. mit Hinzufügung 
eines Bw. zur Bezeichnung eines Zuftandes, in welchen man fi durch das 
Sehen verfeßt, 3. B. ſich müde, blind ſehen; ich habe mich daran fatt gefe- 
hen 2e.); ferner mit Zielwort: etwas od. einen—, mit den Augen 
wahrnehmen, bemerken, unterfcheiden, erkennen, finnv. erbliden (. 8. 
ich fehe ein Licht; er fah nichts; Gefpenfter jehen; etwas nicht fehen wollen, 
d. i. fich fielen, als fähe man es nicht; an etwas feine Freude 2c., od. feinen 
Ürger fehen, d. i. bei deffen Anblick Freude, od. Ärger 2c. empfinden; etwas, 
einen, fih ſehen laſſen, d. i. den Augen Anderer darftellen, zeigen; eine 
Sache od. Perfon für Geld fehen laſſen; laſs mid (nit mir) das fehen;z 
feine Kenntniffe, Eitelkeit 2c. fehen laffen, d. i. bemerkbar machen, zur Schau 
tragen; fich nicht fehen laffen, f. nicht zum Vorſchein kommen, ſich verborgen 
halten; er darf ſich vor ihm nicht fehen laſſen; fich fehen laſſen, au 
von Sachen f. erfcheinen, fichtbar fein, z. B. ein Komet Läfft fich ſehen); auch 
mit einem abhängigen Saße ftatt des Zielwortes (z. B. ich fehe, dafs er 
tommt; ich fah, dafs fie weinte), od. mit einem Infinitiv verbunden mit 
einem Accuſ. (4. 8. ich fehe ihn kommen; er ſah mic) leiden; ich fah fie 
meinen, die Hände ringen 20.5 — Zweideutigkeiten, welche durch die bisw. 
Statt habende Leidentliche Bed. des Inf. der Thatform entftehen Fönnen, find 
zu vermeiden; 3. B. ich fah ihn fchlagen, taufen u. dgl., d. i. ich ſah, daſs 
er ſchlug, taufte, od... . gefchlagen, getauft wurde; — in den umfchriebenen 
Zeitformen gebraucht man bei diefer Verbindung mit dem Snf. ftatt des Mw. 
geſehen die Infinitioform fehen, 3. 8. ich habe ihn. kommen ſehen; er 
hatte mich leiden fehen, ft. gefehen); b) uneig. überh. durch die Sinne ge 
wahr werden, empfinden, erfahren (zZ. B. bibl. den Tod nicht fehen, d. i. 
ihm nicht erfahren, nicht fterben; etwas od. einen gern fehen, d. i. mit 
Wohlgefallen wahrnehmen, Vergnügen daran finden; ev ift hier nicht gern ges 
ſehen, d. i. nicht beliebt; ex fieht, dals man ihn verachtet; ich möchte die 
Sache gern beendigt fehen, u. dgl. m.); geiftig wahrnehmen, merken, ev 
fennen, einfehen, erfehen (ich fehe, dafs man mich hintergangen hatz Sie 


follen fehen, dafs ich Recht habe; hieraus, aus feinem Briefe zc. fehe id, | 


dafs 2e.; man fieht an feinem Außern, dafs er keinen Geſchmack hat; ich fehe 
nicht, wozu das fol); das geiftige Wahrnehmungsvermögen, die Aufmerk- 
ſamkeit auf etwas richten, darauf achten (in die Zukunft ſehen; fieh! 


ieh da! feht! ein Anruf, um Aufmerkfamkeit zu erregen; auch als Ausruf E 


der Verwunderung, u. mit doch verbunden, Ausdrud des Tadels: ei feht doch, 
was er fich einbildet! u. dgl.; auf od. nach etwas fehen, d. i. darauf Acht 
haben, dafür forgen, 3. B. fiche darauf, dafs es ordentlich gemacht werde; 








J 





Mm 


fehen 883 


nad dem Effen fehen 2c.; auf etwas fehen, auch f. es bezwecken, berüd- 
ſichtigen, zu erlangen fuchen, 3. B. er fieht dabei nur auf feinen Vortheil, auf 
das Geld 2c.); etwas verfuchen, fich darum bemühen (ich will fehen, was 
ich vermag; laſs ſehen, wer am fchnellften laufen kann, d.i. laſs uns den Ver— 
ſuch machen, 2c.; er mag fehen, wie er damit zu Stande kommt; fehen Sie, 
dafs Sie ihn dazu bewegen); — 2) ziellosg m. haben, f. gefehen werden, 
zu fehen fein, erfcheinen, eine gewiffe Geftalt haben, f. v. w. ausfehen 
(4: B. einem ähnlich od. gleich ſehen; uneig. das fieht ihm ähnlich, d. i. 
eö ift feiner Denk: und Handlungsweife angemeffen ; er fieht in unfer Gefchlecht, 
d. i. er hat Familienähnlichkeit mit uns; fauer, finfter 2c. fehen, d. i. verdrieß- 
lich, mürriſch ausſehen; altd. u. oberd. auch: ſchön, häſslich, jämmerlich, 
rothbäckig ꝛtc. fehen, f. ausfehen); — 3ſetzz. die Sehachſe, die gerade Kinie, 
in welcher der Mittelpunkt des Augapfeld auf den gefehenen Gegenftand ge: 
richtet ift; das Sehglas, ein gefchliffenes Augenglas zur Vergrößerung oder 
Verdeutlichung der Gegenftände; die Sehfraft, die Kraft, das Vermögen, 
zu fehen; der Sehfreis, Geſichtskreis; dee Sehkünftler, Neumw. f. das fr. 
Optiker; die Sehlinfe, ein heller, durchfichtiger Linfenförmiger Körper im 
Auge, welcher die Lichtftrahlen fammelt, Auaenlinfe (Kryftall = Linfe); das 
Seh = od. Seheloch, das runde, ſchwarz erfcheinende Loch in der Mitte der 
Ereisförmigen Regenbogenhaut, die Sche (fr. Pupille); der Sehnerv, Nerv 
im Auge (f. Nerv); der Seh- od. Sehepunft, der Punkt, auf weldyen das 
Sehen gerichtet ift, verfch. Gefichtspunkt; das Sehrohr, f. v. w. Fernrohr; 
die Sehweite, die Entfernung, in welche man fehen, d. i. etwas mit dem 
Geficht unterfcheiden Eannz aud die Entfernung, in welcher ein Gegenftand 
betrachtet werden mufs; das Sehwerkzeug, natürliches Werkzeug (Organ), 
od. künſtliches Hülfsmittel zum Sehen; der Sehwinkel, der Winkel, welchen 
die von den Äußerften Punkten eines Gegenftandes in die Augen fallenden Licht- 
ftrahlen im Mittelpunkte deöfelben machen, Gefihtswinkel (fr. optifcher Win- 
kel); das Sehziel, ſ. v. w. der Sehpunkt; — fehenswerth od. = würdig, 
Bw., werth od. würdig, gefehen zu werden, finnv. merkwürdig; "die Sehens— 
würdigfeit, das Schenswürdigfein, die fehenswerthe Beſchaffenheit; auch eine 
fehenswürdige Sache, finnv. Merkwürdigkeit, (M. Sehenswürdigkeiten, 3. B. 
einer Stadt); — Ableit. die Sehe, o. M. (altd. seha, sehe; oberd. Sch), 
alt u. Tandich. f. die Sehkraft, das Gefichtz das Werkzeug des Sehens, 
das Auge, insbef. Jäg. die Augen des Hafen; in beftimmterer Bed. das Seh 
loch, der Augenftern (fr. Pupile); der Sceher, -8, die Seherinn, M. 
-en, 1) wer etwas fieht, d. i. mit den Augen wahrnimmt od. beobachtet, 
nur in 3feg. wie Stern-, Geifterfeher; (Iäg. Seher f. die Augen des Hir- 
ches); 2) wer Zufünftiges im Geifte fieht, wer in die Zukunft fchaut u. 
fie vorausfagt, ein Prophet, edler als Wahrfager; ein Begeifterter, 
Schwärmer, der Gefichte ſieht; auch f. ein fcharffichtiger, mit feinem Geifte 
tief eindeingender, weifer Mann; daher das Seheramt; der Seherblick; 
‚die Seherfunft ıc.; die Sehung, ungebr. f. das Sehen; der Sehungs- 
bogen, Sternk. der Schungsbogen eines Sternes, d. i. die geringfte Tiefe der 
Sonne unter dem Gefihtökreife, bei welcher der Stern fichtbar wird; feh- 
bar, Bw., fähig, gefehen, d. i. bef. durch das Geficht unterfchieden od. er- 
reicht zu werden (gew. nur in abfehbar, unabfehbar), finnv., aber nicht 
| | gleichbedeutend: fihtbar. 


6* 


884 Sehl — fehr 


Sehl od. Seel, m., -e8, M. -e, od. die Sehle, Sähle, M. -n (—dem 
oderd. Siel. Siele, f. d.), niederd. f. Zug- od. Zragriemen, Geſchirr für 
Zugvieh; auch Bügel, Handgriff an Eimern, Keffeln ze. 

ehm od. Seem, m., -e8, niederd. f. Seim; fehmig, Bw., f. feimig ıc. 
ſehmiſch, Bw., f. ſämiſch. 

Sehne, w., M. -n, (altd. seniwa, senawa; senewe, senwe; auch senige, 
senibe, senib; verf. sene; oberd. Senne, Senn, Sen; angelf. sinu, sinve, 
senve; isländ. sin; — von dem Stamm sin, d. i. Kraft, Stärke (vgl. Sinn: 
"grün, Sündfluth), bef. Spannkraft; griech. dv in is, ©. ?v-0s, d. i. Kraft, 
Spannkraft, u. Sehne; lat. vis, vgl. vena?), die zähen, dehnbaren Bän- 
der im thier. u. menfchl. Körper, welche die Glieder in Verbindung fegen 
und zu deren Spannung, Biegung und Ausdehnung dienen, auch Sehnaber, 
Spannader, Flechfe genannt; in weiterer Bed: jedes ausgedehnte, gefpannte 
oder zu fpannende Band, Schnur, in diefer Bed. auh Senne, insbef. 
die ausgefpannte Schnur eines Bogens (Bogenfehne), einer Armbeuft 20.5 
Jäg. die Leinen an den Jagdzeugen; uneig. Größenl. die einen Bogen von 
einem Kreiſe abfchneidende gerade Linie (fr. Chorde); — das Sehnen- 
Inöchelchen, Anat. ganz Eleine Knochen an den Fingern u. Zehen; die Seh— 
nenfchmiere, eine fchleimichte Feuchtigkeit, welche die Sehnen befeuchtet; — 
fehnig, Bw., viele Sehnen habend (Fteifh); fpannkräftig, ftark; feh- 
nicht, Bw., ſehnenähnlich. 

fehnen, Zw. (mittelh. senen; von gleichem Stamme mit Schne? oder 
verw. mit dem altd. seine, oberd. fein, fain (f. d.), d. i. träge, langfam, 
traurig; vgl. langen, verlangen, engl. long, u. das franz. tarder), ehem. ſo— 
wohl rücz. als ziellos f. Seelenfchmerz, bef. Liebespein empfinden (daher 
dag Mm. senende, zgez. senede, sende, überh. f. leidend, z. B. sender muot, 
lip, senedez herze 2c.); jegt nur rüdz. fich nach einer Perfon od. Sache —, 
d. i. lebhaftes, inniges, fchmerzliches Verlangen danach empfinden, finnv. 
ſchmachten, verfch. begehren (z. B. ich fehne mic) nad) den Meinigen; er 
fehnte fich nach der Heimath, nad) Ruhe 2c.); das Sehnen, als Hw., chem. 
auch die Sehne (altd. sende, sene, sendekeit) f. ſchmerzliches Verlangen, 
Liebesfehmerz, Betrübniſs; die Sehnfucht (altd. sensuht), anhaltendes 
fchmerzliches Verlangen bei langer Entbehrung des Gewünfchten; fehnfüchtig, 
Bw., Sehnſucht empfindend oder verrathend (fehnfüchtig fein; ſehnſüchtige 
Blicke 2c.), auch fehnfuchtsvoll; ſehnlich, Bw. u. bef. Nw. (altd. senelich, 
senlich, auch seneclichz; oberd. auch verderbt in: ſinnlich, ſündlich), chem. 
überh. f. ſchmerzlich, betrübt, von Liebesfchmerz ergriffen, ſchmachtend; 
jegt: mit Sehnen verbunden, mit fehmerzlihem Verlangen (5. B. mein 
fehnlichfter Wunfch ze. ; ſehnlich auf etwas hoffen, warten 2e.). 

fehr, 1) Bw. (altd. ser, aud) serlich; von einer Wurzel sis, sir, ſchmer— 
zen; vgl. ſchwären, fchwer), alt u. noch ober- und niederd. , im Hochd. aber 
ungebr. f. wund, verlegt, ſchmerzhaft; ſchmerzlich, betrübt; niederd. ins— 
bef. f. ſchadhaft, krank (z. B. ſehre Augen), grindig (ein ſehrer Kopf); oberd. 
auch f. aufgebracht, verdießlich; 2) Nw. (altd. sero, sere; Comp. serer, 
Sup. serest; jeßt nicht mehr fteigerungsfähig), alt u. landſch. f. ſchmerzlich, 
weh (z. B. niederd. ſich ſehr thun, f. fi) weh thun, Schaden thun), müh⸗ 
fam;. jest nur als Nw. des Grades (der Intenſität) f. in hohem Grade, 
finnv. gar, recht, Außerft, überaus, höchft ıc., ſowohl zur Beftimmung von 








| N 


Sehrohr — Seide 885 


Bei- und Nebenwörtern, als von Zeitwörtern (z. B. fehr viel, fehr wenig, fehr 
hoch, ſehr ſchön, fehr wohl ꝛc.; ich Liebe fie fehr; er gefällt mir ſehr; ich be- 
dauere ihn fehr 2c.), auch verftärkt oder näher beftimmt durch Vorfegung von 
gar, recht, zu, fo, wie (gar fehr, zu fehr, fo fehr 2c.); der oder das 
Sehr (altd. ser, m. u. n., u. sere, auch serde, alth. serida, f.; isländ. und 
angelf. sär, engl. sore, sorrow), alt u. noch niederd. f. Verlegung, Schaden 
am Leibe (niederd. bef. Hautausfchlag, Grind : das böfe Sehr); Weh, Schmerz, 
Herzeleid, Noth; fehrig, Bw. (mittelh. serec; oberd. auch firig), alt und 
landfch. f. wund, ſchadhaft (niederd. bef. grindig), ſchmerzhaft, leidend, trau— 
tig; oberd. firig auch f. empfindlich, aufgebracht, unwillig; u. f. heftig, be 
gierig; fehren, ziel. Zw. (altd. seren; auch serigen; niederd. fehren u. feh- 
rigen), alt u. noch niederd. f. vertwunden, verlegen, beſchädigen, (im Hochd. 
noch in: verfehren); betrüben, kränken. 

Sehrohr ꝛc. — Sehziel, ſ. unter fehen. 

feihen, ziellof. und ziel. Zw., (altd. seichön, seichen; oberd. faichen; 
wahrfch. von feihen), gem., be. oberd. f. fein Waffer laffen, harnen, piffen, 
bef. von Thieren (nicht feichen können; Blut feichen) ; oberd. auch f. mit Hef- 
tigfeit ftrömen (4. B. das Blut feicht aus der Wunde; auch unp. es feicht, 
f. es regnet ſtromweiſe, es gießt); die Seiche, alt und oberd. der Seich 
(Said), gem. f. Harn; das oberd. Seich auch gem. f. fchlechtes, nicht 
frifches Getränk; die Seiche, auch f. das Seichen (z. B. Blutfeiche) ; 
Bergw. f. ein Eleines rinnendes Waffer, ein Bach; — 3fes. die Seich— 
ameife, Yandfch. f. die rothe od. braune Ameife, welche eine Feuchtigkeit, von 
fich giebt (niederd. Mieg- eemken); die Seichblume, oberd. f. Löwenzahn; 
die Seichfliege, f. Kothfliege; die SeichFachel od. der Seichtopf, f. Nacht: 
geſchirr; feihwarm, Bw., oberd. gem. f. fehlerhaft warm (von Getränfen); 
feihwund, Bw., wund von Harn (von Kleinen Kindern); — Ableit. der 
Seicher, —s, landſch. gem. wer feicht, harnt (bef. in Zfeg. wie: Bettſei— 
cher 2c.); feicheln, ziellof. Zw., oberd. gem. f. nach Harn riechen. 

feicht, Bw., (oberd. auch ſeig und feift (vgl. facht und fanft); mitteld. 
sihte, von dem altd. sigan, feigen u. fiegen (in verfiegen), d. i. finfen, welches 
fi) in Form u. Bed. mit sihan, feihen berührt; alfo eig. finkend, od. gefun= 


Een), nicht tief, finnv. flach, zunächft von Gewäffern (. B. ein feichter Fluſs, 


eine feichte Wafferftelle 2c.; Tandfch. auch; eine feichte Schüffel, feicht pflügen 
u. dgl.); Bergw. f. nicht hoc), niedrig (ein feichtes Gebirge); uneig. f. un: 
gründlich, oberflächlich, finnv. flah (4. B. feichtes Wiffen, ein feichter 
Kopf 2c.); die Seichtheit, das Seichtfein, die geringe Tiefe, eig. G- 8. 
eines Waffers), u. uneig., finnv. Flachheit, Oberflächlichkeit, in diefer uneig. 


Bed. auch die Seichtigkeit; feichten, ziel. Zw., Neuw. f. feicht machen. 


Seide, w., M. (von mehren Arten) -n, (altd. side; oberd. Seiden, nie- 
derd. Side; mittl. lat. u. ital. seta; franz. soye; von dunkler Abftammung), 
das feine, glänzende Gefpinft der Seidenraupe, ſowohl roh, als gezwirnt 
u. verarbeitet, (fprichw. Feine Seide bei etwas jpinnen, d. i. Eeinen Gewinn 


davon haben; fich in Seide Eleiden, d. i. in Seidenftoff) ; uneig. f. das Flachs- 


Eraut oder die Flachsſeide; u. f. das Nabelkraut; virginifhe Seide, 
eine Art Schlinge od. Hundswinde, auch indifche Rebe, Seidenrebe genannt; 
— 3fes. feidenartig od. ähnlich, Biv.; das Seidenband; der Seiden: 
baft, ein Halbfeidenzeug, |. Baftz der Seidenbau oder die Seidenzucht, 


.) 


88060 Seibel 


Gewinnung der Seide durch Haltung u. Pflege von Seidenraupen; bie Sei— 
denbinfe, das Wollgras; der Seidenbracher, eine Art glängend ſchwarzer 
Brachvögel; der Seidendruder, wer Figuren 2c. auf Seidenzeuge drudtz 
das Seiden- Ei, das eirunde Gefpinnft der Seidenraupe (fr. Cocon); der 
Seidenfaden; der Seidenfalter, der Nachtfalter, deffen Larve die Seiden— 
raupe ift, au Seidenmotte, »-fhmetterling; der Seidenfärber, 
wer Seidenzeuge färbt; die Seidenfrucht, Frucht der Seidenpflange od. des 
Hundskohls; das Seidengras, eine tulpenähnliche ausländ. Pflanzenart (yucca 
filamentosa L.); das Seidenhaar, feidenähnlich glänzendes, weiches Haar; 
auch von Seide verfertigtes Tünftliches Haar; das Seidenhähnchen, eine 
Art Goldhähnchen, od. Goldkäfer; der Seidenhandel, die Seidenhandlung, 
Handel zc. mit Seidenwaaren; der Seidenhändler, die Seidenhändlerinn ıc.; 


der Seidenhafe od. das Seidenfaninchen, eine Art Kaninchen mit langem, 


feinem, feidenweichem Haare; der Seidenhaspel, ſ. Haspel; der Geiden- 
hund, eine Art Hunde mit langen, feinen Haaren, auch Seidenpudel, 
ſpaniſcher Wachtelyund 2.5; der Seidenhut, Hut von Seidenftoff; die Sei— 
denkante od. -fpiße, ſ. Kante; das Seidenkleid; das Seidenkraut, Flachs— 
kraut 0d. Flahsfeide; das Seidenmoos, ein Aftermoos mit feidenartigen 
Zweigen; die Seidenmühle, eine Maſchine zum gleichzeitigen Abhaspeln 
einer Menge auf Spulen gefponnener Seide; die Seidenmufchel, Sted- ob. 
Schinfenmufchel mit feidenartigem Barte; das Geidenpapier, Papier von 
feidenen Lumpen; überh. ein fehr dünnes, ducchfcheinendes Papier; die Sei- 
denpflanze, f. v. w. Hundskohl; auc) eine amerikan. Pflanze, deren Stengel 
wie Hanfftengel benugt werden können; die Seidenraupe, die auf Maulbeer- 
bäumen lebende grüne Raupe, welche die Larve des Geidenfalters ift und deren 
Gefpinft die Seide giebt, gem. der Seidenwurm genannt; die Seiden- 
rebe, eine Art Schlinge od. Hundswinde; die Seidenvolle, ſ. Rolle; der 
Seidenfchmetterling, f. Seidenfalter; der Geidenfhwanz, eine Gattung 
Vögel, deren Federn, bef. die Schwanzfedern, fehr fein u. ſeidenweich find, 
auch der Seidenfchweif, Krieg-, Sterber, Peftvogel, Böhmer od. Böhmer- 
lein; der Seidenfpinner, die Seidenfpinnerinn; die Seidenfpiße, f. 
v. w. Seidenkante; der Seidenſtein, Stein od. Bergflachs; der Seiden- 
ſticker, die Seidenfticerinn, wer in Seide ſtickt; der Seidenſtoff, der 
Stoff, aus welchem die Seide befteht; ein aus Seide gearbeiteter Stoff, ins- 
def. ein flarker Seidenzeug; das Seidentuch, ein feidenes Tuch; das Sei— 
denvögelchen, der Weidenzeifig; die Seidenwaare, |. Waare; die Seiden- 
watte, Watte von gefilgter Flockſeide; der Seidenweber od. -wirker; die 
Seidenweberei od. swirkereiz die Seidenwirkerfehnur, Seil. dünner Bind- 
faden zu Schnüren 2c. am Seidenwirkerftuhle; feidenweich, Bw., weid wie 
Seide; die Seidenwolle, feine, Eurze m. glänzende Wolle; der feidenweiche, 
wollichte Stoff, welcher die Frucht des indifchen Seidenwollenbaumes um- 
giebt; der Seidenwurm, f. Seidenraupe; der Seidenzeug, aus Seide ge- 
wirkter Zeug; die Seidenzucht, ſ. Seidenbau; — Ableit. feiden, Bw.— 
von Seide, aus Seide gemacht (feidene Bänder, Zeuge, Strümpfe, Klei— 
der 2c.); uneig. f. feidenartig, ſeidenweich (feidenes Haar 2.) ; auch f. zart, 
weichlich. 

Seidel od. Seidlein, f., -8, M. w. E., Candſch. auch Seitel; alto. 
stdelin, sidel; vgl. d. lat. situla, sitella, Waffergefäß, Gelte), oberd. ein 


+ 7 
i 











| 
| 


Seidelbaft — feifen 887 


Maß zu flüffigen u. trodnen Dingen; insbe. 1) ein Eleines Flüſſigkeitsmaß, 
ſ. v. w. ein Nößel, — 4 Maß od. Kanne; 2) Bergw. ein Maß zu Erz, Koh: 
len ꝛc. — 4 Kübel oder 4 Fuderz; 3) in manchen oberd. Gegenden auch ein 
Eleines Getreidemaß. 

Seidelbaft, m., -e8, o. M. (auch Zeidel-, Ziedel-, Zei- od. Zebaſt 2c.; 
vielleicht von ziehen; vgl. das bair. zeideln f. melfen), der Kellerhals 
(j. d.) u. bef. die blafenziehende und Speichelflufs erregende Rinde dieſes Ge- 
wächſes. 

ſeideln, ziel. Zw., (vgl. Saite, das altd. sitön, binden, u. das ſlav. sidlo, 
Seil), landſch. z. B. in der Laufig, f. feffeln (bei. die Pferde—, d. i. ihnen 
auf der Weide die Füße fefleln). 

feiden, Bw., Seidenbaft ıc. — Seidenzucht, ſ. unter Seide. 

Seider, m., -$, landſch. ſ. v. mw. die Safe. 

Seife 1., w., M. (von mehren Arten) -n, (altd. seipha, seifa, -seife; 
oberd. Saifen; niederd. Scope, holl. zeep; isländ. säpa, ſchwed. säpa; angelf. 
sape, engl. soap u. sope; griech. oazwr, lat. sapo, franz. savon; wahrſch. 
von gleichem Stamme mit Saft, Seifer zc.; vgl. auch das lat. sebum, Talg), 
ein mit einem feuerbeftändigen Laugenfalze verbundenes und darin auf: 
gelöſ tes Fett, welches im Waſſer auflösbar iſt u. zum Waſchen des Körpers, 
der Wäſche ꝛc. gebraucht wird, (Seife machen, kochen, ſieden; ſchwarze, grüne 
od. braune Seife, aus Thran bereitete ſchmierige Seife; wohlriechende Seifen); 
Scheidek. jede Verbindung laugenfalziger Erden, metallifcher Kalke ıc. mit 
fettem Die; faure Seifen, durch Säuren aufgelöfte fettölige Stoffe, 
welche ſich nur in Weingeift auflöfen laſſen; — 3feg. der Seifenapfel, auch 
die Seifenbeere od. «nufS, die Frucht des indiichen Seifenbaums, welche 
ftatt der Seife dient; die Seifenafche, Aſche zur Bereitung der Seife; der 
Seifenbalfam, aus fpanifcher Seife, Weingeift, Kampher und Rosmarinöl 
bereiteter Balfam ; die Seifenblafe, aus Seifenwaffer, welches man mit einem 
Röhrchen aufbläft, entftehende Blafen, die in der Luft zerplagen; uneig. f. et 
was Schimmerndes, das fchnell vergeht; die Geifenblume, eine Art des 
Gipskrautes; die Seifenerde, eine feine, glatte Ihonerde, Walkererde, Wafch- 
thon; der Seifengeift, Weingeift, in welchem Seife aufgelöfet ift (fr. Seifen- 
Spiritus); das Seifenkraut, eine Pflanze mit rothen, od. weißen wohl 
riechenden Blumen u. einem feifenartigen u. ald Seife dienenden Gafte, auch 
Seifenwurz, Speichelfraut 2c. (saponaria L.); auch) f. Seifenblume; die 
Seifenfugel, zu einer Kugel geformte Seife; das Geifenöl, ein ftinkendes 
ÖL im Rücftande der Seife bei deren Bereitung; das Seifenpflaſter, ein 
wundärztliches Pflafter von Baumöl, Mennige, gefchabter weißer Seife und 
Kampher; der Seifenfieder, ein Handwerker, welcher Seife bereitet; daher 
das Seifenfiederhandwerk, -gewerk; der Seifenfiedermeifter, =gefelle zc. ; 
die Seifenfiederet, das Sieden der Seife, u. der Ort, die Anftalt dazu; der 
Seifenftein od. Seifftein, Spedftein; die Seifenwäfche, das Wafchen od. 
die Wäfche mit Seife; das Seifenwafler, Waffer, in welchem Seife aufge— 
1öft iſt; die Seifenwurz od. swurzel, |. v. w. das Seifenkraut; — Ableit. 
feifig, Bw., mit Seife beftrichen, Seife enthaltend; gem. auch f. feificht, 
Bw., feifenähnlich, ſeifenartig; feifen 1., ziel. 3w., mit — beſtreichen 
(3. 8. die Wäſche), beſ. einſeifen. 

ſeifen 2., auch ſeufen, ſeifnen, ziel. Zw., eig. ſäufen, als 


888 Seifer — feigen 


Factitivum von faufen, f. d.), Bergw. Metallkorner mittelft des Waſſers 
aus dem Sande oder Geftein feheiden, auch: wafchen (Gold, Zinn ꝛc. —); 
daher: die Seife 2., (Seufe) od. das Seifenwerk, Ort od. Anftalt dazu, 
auch Wäſche, Erzwäfche, Fluthwerk, (z. B. Gold-, Zinnfeife); die Seifen- 
arbeit; der Seifenarbeiter, auch Seifer 1. od. Seifner, wer diefe Arbeit 
verrichtet, Wäſcher, Erzwäfcher; der Seifenbach, ein Bad, an welchem 
fi eine Seife befindet; die Seifengabel, ein ſchmales Brett mit Löchern u. 
hölzernen Zähnen, zur Sonderung des Groben von dem Kleinen beim Seifen 
gebraucht; das Seifengebirge, Tandiges od. lettiges Gebirge, welches durch 
Seifen abzufondernde Erztheile enthält; die Seifengraupe, durch das Seifen 
gewonnene Binngraupen; das Seifenzinn, Wafchzinn in rundlichen Stücken. 

Seifer 2., m., -$, 0. M. (altd. seivar, seiver; oberd. Saifer; niederd. 
Seiber, Sabber, ſ. d. u. vgl. das oberd. fifern, niederd. ſiepen f. tröpfeln, 
herausfließen), oberd. f. Geifer, Speichel, Schaum aus dem Munde; fei- 
fern, zielloſ. Zw. fe geifern; uneig. heftig zürnend oder eifernd ſprechen; 
verächtl. überh. f. ſprechen; landſch. auch f. langfam herab- od. durchfliegen, 
tröpfeln. | 

feificht, ſeifig, ſ. unter Seife 1.; Seifner, f. feifen 2. 

Seige, w., 1. f. unter feigen; — Seige 2., Seigefafs, -Forb, ſ. Seihe ıc. 
unter feihen. 

feigen 1. ziellof. 3w. (altd. sigan, sigen, ablaut. Prät. seic, sigen, be- 
rührt fi in Form und Bed. mit sihan, ſeihen; isländ. siga, angelf. sigan, 
ſinken; vgl. fiegen in ver-ftegenz ſinken, ſickern; u. das nieberd. fied, zgez. 
aus figed, f. niedrig), völlig vlt. f. fich neigen, niederwärts bewegen, 
ſinken, fallen; tröpfeln, quellen; — feigen 2. ziel. Zw. (altd. seigen, Prät. 
seigete 2c.; oberd. faigenz; das von sigen abgel. Factitivum), alt u. oberd. f. 
finken machen, ſenken, neigen, (erfaigen, oberd. f. verfiegen machen, er- 
ſchöpfen); feine Richtung auf etwas nehmen; unterfuchen, ahmen (vificen), 
auswählen, ausfuchen (oberd. Geldftüde ausfaigen); — Ableit. die 
Seige, M. -n, alt (seige) u. oberd. 1) (Seigen) f. Vertiefung im Erd- 
boden; Senkung, Wucht; 2) Coberd. Saig, Wafferfaig) Bergw. die 
Grundfläche des Stollens, worauf das Waſſer abfließt; — feiger, Bw., 1) alt 
u. oberd. (seiger, faiger) f. langfam tröpfelnd, ſchal, kahmig (der Wein wird 
feiger; lat. pendulum vinum); überh. f. verdorben (z. B. vom Brade); 
2) Bergw. f. fenkrecht (feiger fahren; ein feigerer Gang, Schacht zc.); da- 
her die Zfeg. der Bergw.: der Seigergang, fenkrechter Gang; feiger- 
gerade od. recht, Bw., f. ſenkrecht; die Seigergeräde od. richte, Sei— 
gerliniez der Seigerriſs, Riſs von einem Grubengebäude im fenkrechten 
Durchſchnitt; der Seigerfchacht ; die Seigerteufe (ſ. Teufe), fentrechte Tiefe; 
— der Geiger, -8, M. w. E., eine fenkrechte Linie; insbef. das an einem 
Faden fenkrecht herabhangende Blei. einer Waſſerwage; ehem. f. Wage zum 
Wägen von Geldftüden; auch f. Pendel (Perpendikel); landſch. f. Uhr (eig. 
wohl Pendeluhrz; od. urfpr. eine Sanduhr, in welcher der Sand feiget, d.i. 
herabfällt); daher: das Seigergewicht f. Uhrgewicht; die Seigerftunde, 
verft. f. Stunde; — feigern 1. 3w. 1) ziellos, alt u. oberd. f. in hangen- 
den Tropfen od. Faden herabfallen (von umgefchlagenem Weine); 2) ziel. 
vlt. f. verfiegen machen, erfchöpfen, verſchwenden (oberd. erfaigern); 
ehem. f. Geldftüde abwägen, um die gewichtigern auszufondern u. dem Ume 





En Tr u 


ENTE 


ſeihen — Seil 889 


lauf zu entziehen (f. 0. Seiger f. Wage); Bergw. f. feiger machen, fenfrecht 
in die Tiefe graben, die fenkrechte Linie mit der Schnur beftimmen (einen 
Schacht feigern od. abfeigern); 2. f. unter feihen. 

feihen od. feigen 3. Zw. (altd. sthan, sihen, ablaut. Prät. sch, sihen, 
Hart. gesigen; audy sihön, bloß umend.; urfpr. wohl nur Nebenform von 
sigan, feigen 1. f. d. ; oberd. feihen, Mw. gefihen, gefigen; im Hoch. jest 
nur umend. feihete, geſeihet; niederd. ſijen; isländ. sia, ſchwed. siga; 
angelf. sigan und seon; holl. ziggen), 1) ziellos, oberd. f. ducchtröpfeln, 
fiern, fintern; 2) ziel. eine Flüffigkeit durch die feinen Offnungen eines 
Körpers ablaufen. laffen, bef. um fie von den dien od. unreinen Theilen zu 
reinigen (die Mil dur ein Tuch —; etwas dur Löſchpapier—; den 
Kaffee —; fr. filteiren); — 3fes. das Seihe-, Seih- od. Seigefaſs, ein 
hölzernes Gefäß mit Löchern, etwas durchzuſeihen; der Seihe= od. Seige— 
korb, Brau. ein Korb, durch welchen das Bier gefeihet wird; die Geige: 
pfanne, öfte. f. Durchſchlag; der Seihefad, ein Sad, etwas durchzufeihen; 
auch ein Sad mit Trebern (f. u. Seihe); der Seiheſtein, eine Art ehr Todes 
ver Sandfteine, durch welche das Waffer durchficert (Filtrirftein) ; der Seihe— 
od. Seigetopf; das Seihetuch; das Seihezeug, zum Seihen nöthiges Ge- 
räth; — Ableit. die Seihe od. Seige, M.-n, (altd. siha, sihe; oberd. 
die Seid), die Handlung des Seihens; das Werkzeug zum Seihen, 
Seihetuch, durchlöchertes Blech vor der Röhre eines Springbrunnens; auch 
das nach dem Seihen zurudbleibende Die, z. B. die Zrebern von dem 
abgefeiheten Biere (auch: der Seih; daher der Seihwagen, landſch. ein 
Leiterwagen mit Körben, die Seihe zc. darauf zu fahren); alt u. oberd. (Sei: 
hen) aud f. eine Vertiefung im Erdboden, wo das Waffer ſich fammelt; 
der Seiher od. Seiger, -8, wer etwas ducchfeihetz auch ein Werkzeug 
zum Seihen, f. v. w. die Seihe, insbe. ein Durchfchlag, Sieb, Zrich- 
ter ıc., der Seigicht, fehlef. f. das Seihetuch; — feigern 2. ziel. Zw., 
Hüttenw. das im Frifchen mit dem Kupfer verbundene Blei und Silber 
von demfelben fcheiden, indem men in dem Seigerofen das mit dem 
Silber vermifchte Blei durch die Hise von dem Kupfer abtröpfeln läſſt; daher: 
die Seigerung, das Seigern ; die Seigerarbeit; das Seigerblech, Stüde 
Blech, welche um die Seigerſtücke aefegt werden; das Seigerblei, das zum 
Seigern nöthige Blei; der Seigerdorn (von dorren, darren), das Kupfer, 
wovon das Silber ausgefeigert iftz die Seigerglätte, Glätte, bereitet aus 
dem Blei, welches aus den Seigerftücen gefhmolzen iftz der Seigerhaken, 
ein Haken, mit welchem die Kohlen zc. aus dem Seigerofen gezogen werben; 
der Seigerherd, Herd im Seigerofen; die Seigerhütte, Schmelzhütte, in 
welcher das Silber gefeigert wird; das Seigerfräß od. -gefräß, beim Seigern 
abfallendes Gekrätz (f. d.); die Seigerpfanne, eine Eupferne Pfanne, in 
welche das ausgefeigerte, mit Silber vermifchte Blei’ gegoffen wird; die Gei- 
gerfcharte, eiferne Platten auf den Mauern, worauf die Seigerſtücke geſetzt 
werden; das Seigerſtück, die zu feigernden runden Stüde mit Blei ver- 
mifchten Schwarzkupfers; die Seigerwand, die zu jeder Seite des Seiger⸗ 
ofens aufgeführte Mauer; das Geigerzeug, der von Seigerdörnern ausge 
brachte Kupferkönig. 

Seill., f., -es, M. -e, Verkl. das Seilchen, (goth. sail, altd. u. is- 
Yänd. seil, f.; daneben altd. silo, sil, isländ. sili, m., f. Band, Riemen- 


- 890 Seil — Seim 


werk ꝛc.; oberd. Sail; angelf. säl; ſchwed. sele; — wahrfch. von einem ver- 
lorenen ablaut. Zw. silan, seil zc. f. binden; vgl. Siele, Sille, auch Sahl⸗ 
band, Sahlweide), überh. ein ftarkes Band zum Befeftigen, Tragen, Ziehen, 
Leiten (ſ. Leitfeil, Strohfeilzc.); in engerer Bed. ein von hänfenen 
Schnüren zufammengedrehtes Band, länger als ein Strid, dider ala 
eine Leine, dünner als ein Tau, (etwas an einem Geile in die Höhe ziehen, 
niederlaffen 2c.; auf einem Geile tanzen; ſprichw. an einem Geile ziehen, 
d. i. in Übereinftimmung mit einander handeln; einem das Seil über den Kopf 
werfen, d. i. ihn Liftig berüden, fangen; Bergw. Seilund Kloben, ein 
Rüſtzeug, Laften damit in die Höhe zu ziehen; Geil und Kübel einwerfen, d. i. 
den Anfang mit der Bergarbeit machen; zu Seil ſchicken, d. i. in die Kübel 
füllen, was mittelft des Seiles in die Höhe gezogen werden fol); insbef. die 
Zugfeile des Zugviehs, gew. Stränge, vgl. Siele; Bergw. auch f. die Has— 
pel= od. Göpelkette, an deren Stelle man fich chem. eines Geiles bediente; 
ferner ein Mefsfeil, u. ein Langenmaß, in Danzig — 10 Ruthen, (vgl. auch 


Landfeil); — Zfes. der Geildreher, vlt. f. Seiler; der Seilfifcher, - 


Angelfiiher; der Seilgang, oberd. f. Leinpfad; der Seilhafen, Bergw. ein 
eiferner Haken, womit die gelprungenen Ketten wieder an einander gehängt 
werden; das Seilkraut, Landfch. f. Bärlapp; das Seilrad, Wafferb. ein 
duch ein umgefchlungenes Seil in Bewegung gefeßtes Rad; der Geiltänzer, 
die Seiltänzerinn, wer die Kunft verfteht, auf einem ausgefpannten Seile zu 
tanzen, allerlei Bewegungen, Sprünge ꝛc. zu machen; der Geiltanz, das 
Seiltanzen, die Seiltänzerfunft 2c.; die Seilweide, Landfch. auch die 
Seile, f. v. w. Sahlmweide, ſ. d.; — Ableit. feilen, ziel. u. ziellof. 3m., 
(altd. seilen, oberd. failen), ehem. f. Seile drehen, od. fpannen; Geil. ins- 
bef. die zu einem Seile zufammenzudrehenden Schnüre aufziehen od. ausſpan— 
nen; mit Seilen verfehen (ein Schiff —, befeilen), od. befeftigen, bin- 
den (oberd. einem etwas auf den Hals —, auffeilen, f. aufladen, aufbür- 
den); an einem Seile ziehen, lenken (ein Schiff 2c.); der Seiler, -s, M. 
w. E., ein Handwerker, welcher Seile, Schnüre ic. aus Hanf verfertigt, 
niederd. Reeper, Reepfchläger; daher: die Geilerinn, deffen Frau; das 
Seilerhandwerf, -gewerk; der Seilermeifter, -geſell 2c.; die Geiler- 
arbeit; die Seilerbahn, der lange, ebene Plas, auf welchem der Geiler die 
Seile ꝛc. dreht; der Seilerfchlitten, ein ſchlittenähnliches Werkzeug ber 
Seiler. 
Seil 2. ſ. Aes, M. -e, niederd: f. Segel; der Seilmacher, f. Segel- 
macher; feilen, ziellof. Zw. f. fegeln. 
Seim, m., -es, M. (felten) -e, (altd. seim, sein; oberd. Saim, niederh. 
Seem od. Sehm; iöländ. seimr; angelf. seim u. engl. seam, Schmalz, Fett; 
urſpr. wohl: etwas Zähes, verw. mit seine, oberd. fain (f. d.), träge, fäus 
mig; vgl. das altd. lanc-seime, Iangfam, u. fäumen 2c.), eine dieliche, zähe 
u. Elebrige Flüffigkeit, insbe. ein folcher Saft, eine ausgekochte dickliche 
Brühe, auh: Schleim (z. B. Beerenfeim; Gerften:, Graupen-, Haferfeim, 
Zuderfeim 2c.); in engerer Bed. der aus den Scheiben: von felbft ausrin- 
nende Honig: Honigfeim (f. d.) od. ſchlechthin: Seim, au: der Seim— 
honig; feimicht, Bw., einem Seim Ähnlich; feimig, Bw. (niederd. fee: 
mig), Seim enthaltend, viel Seim gebend; auch f. feimicht, feimähnlich, 
dicklich (eine Suppe feimig Eochen); feimen, 8w., 1) ziellos, Seim geben 





Seime — fein 891 


(die Gerftengraupen feimen gut); 2) ziel. in Seim verwandeln, zu Seim 
Eochen (4. B. Gerfte feimen); den Honig —, d. i. den Seim von dem Wachfe 
abfondern, reinigen. > 
Seime, w., M. -n, (vgl. Saum 1. u. das niederd. Semm f. Angelfchnur), 
Yandfch. f. Leine, dünnes Seil, 3. B. an den Garnen der Vogelfteller. 
fein od. feine, alt= u. oberd.-Bw., f. fain. 
fein (fonft auch feyn geichr.), ziellof. Zw. von unvegelm. Biegung, welcher 
verfchiedene Stämme zu Grunde liegen, u. wobei es ſich felbft als Hülfswort 
dient: Präf. Ind. ich bin, du bift, er zc. iſt; wir find, ihr feid, fie find; 
Gonj. ich fei, du feift, er ſei; wir feien (fein), ihr feiet (feit), fie feien 
(fein); Impf. Snd. ich war, du mwareft (warſt) er war; wir waren, ihre 
waret (wart), fie waren; Gonj. ich wäre, du märeft (wärſt) ꝛc. od. um: 
fchreibend : ich würde fein 2c.; Smper. fei (altoberd. bis), M. feid; Mw. 1. 
feiend (wefend, in: an=, abwesend); 2. gewefen (landfch. gem. geweft; 
oberd. auch gefein, fchweiz. gefin); daher die umfchreibenden Biegungsformen: 
Perf. ich bin gewefen, Gonj. ich fei geweſen; Inf. gewefen fein; Plusg. 
ich war—, Gonj. wäre gewefen ꝛc.; Fut. ich werde fein 20.5 (goth. visan; 
Präſ. im, is, ist; sijum, sijuth, sind; Gonj. sijau 2c.; rät. vas, vast, vas; 
vesum, vesuth, vesun; Gonj. vesjau 2c.; Imper. vis; Mw. 1. visands; 2, 
(ga)visans; althochd. sin u. wgsan; Präf. pim (bim), pist (bist), ist; piru- 
mes (birun), pirut (birut), sint; Gonj. si, sis 20.5 rät. was, wäri, was; 
wärumes, wärut, wärun; Conj. wäri, wäris 2c.; Imp. wis; Mw. 1. wesant; 
2. (ki)wesan; mittelh. sin u. wesen; Präf. bin, bist, ist; sin, sit, sintz 
Gonj. si, sist 26.5; Prät. was, waere, was; wären, wäret, wären; Gonj. 
waere 2c.; Imper. wis (bis); Mw. 1. wesende; 2. gesin, gewesen; niederd. 
wefen, Präf. ik bin 2c., wi funt 20.5 Gonj. if weſe; Prät. was, wereft ꝛc.; 
wi weren 20.5 Imper. wes, weſet; 2. Mm. weſen; — iöländ. em, er (id 
bin), Inf. vera; ſchwed. är (bin), var (war), Inf. varaz angelj. eom (bin), 
Snf. wesan; engl. Jam (bin), was (war), Inf. to be; fansfr. asmi, litth. 
esmi, griech. eduz (bin), Inf. ever; lat. sum, fui, esse; — die verfchiedenen 
Stämme, welche den deutfchen Formen diefes Zw., fo wie den meiften der ver- 
wandten Sprachen, zu Grunde liegen, laffen fih auf 3 Wurzeln zurüdfüh- 
ren: 1) si, is — ſanskr. as, griech. u. lat. es, Grundlaut s, welcher Bewer 
gung, daher Erſtreckung durch die Zeit, Dauer 2c. bezeichnet; daher die For- 
men: ift, fein, fei, find 2c.; 2) pi, bi = ſanskr. bhu, griech. yv, lat. 
fa; Grundbed. verweilen, wohnen, vgl. das altd. püan, büan, bauen f. woh— 
nen; daher: bin, bift; 3) was, ſanskr. vas; daher: wesen, urjpr. bleiben; 
was, war2c; wefend, gewesen; ſ. auch wefen), 1. als felbftändi- 
908 3w. 1) den allgemeinften, vollig beftimmungslofen (abftracten) Zus 
ftand bezeichnend: a) für ſich allein (in Eriftential- Sägen ohne Präbdicat), 
ſinnv. dafein, wirklich fein (fr. eriftiren), Statt haben (4. B. Gott iſt; wenn 
das nicht wäre, fo ꝛc.; das kann fein, d. i. ift möglich; es ift heute ſchlechtes 
Wetter 2e.; das unp. es fei, od. es feidenn hat die Bed. eines einfchrän- 
Eenden Bindewortes, z. B. ich kann es nicht erlauben, es fei denn, dafs ꝛc.; 
es fei— es ſei, oder ſei es — ſei es find unterjcheidend und entgegen= 
fegend, 3. B. fei es dafs er kommt, fei es (oder) dafs er fich entichuldigt ꝛc.; 
etwas ſein laffen, d. i. unterlaffen, z. B. lafs das fein! finnv. bleiben); 
b) als verfnüpfendes Formwort (Verbum abstractum) , welches als Ausfage- 


892 fein 


wort (Gopula) des Satzes das Beigelegte (Prädicat) mit dem Gegenftande 
(Subject) verbindet; das Beilegewort ift dann ein Beiwort (7. B. ich bin ges 
fund, krank ꝛc.; du bift glücklich; er war vergnügt; fei nicht böfe auf mi! 
Gott fei uns anädig! ꝛc.), od. ein zueignendes Fürwort (4. B. das Budy-ift 
mein; dies Haus ift unfer), oder ein Hauptwort im Nom. (3. B. er ift ein 
Held; fie ift ein chwaches Weib; ich war damals noch ein Kind; er war mein 


Freund), auch ein Hauptwort im Gen. mit beimörtlicher Bed. (z. B. ich bin 


Willens, od. willens 2c.; er war anderer Meinung; fei gutes Muthes, d. i. 
muthig, vergnügt; feine Frau ift guter Hoffnung, d. i. ſchwanger), oder ein 
Snfinitiv mit zu (z. B. der fleißige Schüler ift zu loben — lobenöwerth; eine 
ſolche Behandlung ift nicht zu ertragen — unerträglich; allerlei Waaren find 
bier zu haben; was ift zu thun? dabei ift nichts zu verdienen; es ift nichts 
mit ihm anzufangen), auch in Verbindung mit einem Nebenwort ohne zu, 
wobei es ift unperf. fteht (z. B. es ift hier gut wohnen, od. hier ift gut woh— 
nen, fein 20.5 Gelehrten ift guf predigen, d. i. läſſt ſich, kann man gut pre 
digen); 2) in verfchiedenen inhaltvolleren (concreteren) Bedeutungen, wo 
fein theils für ſich allein, theils in Verbindung mit einem abhängigen Ver: 
hältnifsfalle, od. beſ. mit nebemwörtlichen Zufägen fteht; insbe. f. leben (un= 
fer Freund ift nicht mehr); fi) an einem Drte od. in einer Lage befinden, 
fi) aufhalten, vorhanden, gegenwärtig fein, wohnen ꝛc. (er ift jetzt hier 
in Berlin; er ift fort; er ift auf Reifen; fie war nicht zu Haufe, in der Stube; 
ich bin bei ihm gewefen; er wird bald wieder bei uns fein); fich in einem ge— 
wiffen Körper= od. Gemüthszuftande befinden G. 8. ex ift wohl, unwohl ıc. 
d. i. er befindet fih wohl; außer ſich fein, f. außer; bei ſich fein, d. i. ſich 
feiner bewufft fein), bef. ale unp. 3m. mit dem Dat. der Perfon (4. B. mir 
ift übel; ihre war bange; mir ift nicht wohl bei der Sache; mir ift weh ums 
Herz: was ift dir? finnv. was fehlt dir? es ift mir, od. mir ift, als ob 
od. als wenn 2c., d. i. ich habe die Empfindung, es kommt mir fo vor, 
fcheint mir zc., 3. B. mir ift, als ob ich ihn ſchon gefehen hätte, od. als hätte 
ich ihn Schon gefehen); überh. f. fich verhalten, befchaffen fein (z. B. ich weiß 
fhon, wie du bift; wenn ich wäre, wie du ꝛc.; die Sache ift jo, anders zc.5 


es wird nicht immer fo fein; auch unp. es ift warm, kalt zc., vom Wetter; 


wie ift es mit Shnen? d. i. wie verhält es fich, wie ſteht es 2c.? wie wäre es, 
wenn du mit gingeft? auffordernd f. du follteft mitgehen; auch mit dem Dat. 
der Sache, z. B. dem ift nicht fo, d. i. die Sache verhält fich nicht fo; dem 
fei, wie ihm wolle 2c.); gehören, eigen fein, mit dem Dat. (4. B. wen 
ift das Pfand? dicht. er, dem fiegende Kraft und Gewalt ift, u. dgl. m.), od. 
mit dem Gen. (3. B. eines Gefchlechtes fein, d. i. zu einem Geſchlechte gehö- 
ren; das ift nicht meines Amtes; ich will des Todes fein, wenn 2c.; gem. ex 
ift ganz des Teufels, d. i. wie vom Teufel befeffen) ; gefchehen, wirklich wer— 
den (das Eann nicht fein, d. i. nicht gefchehen, nicht ausgeführt werden; 
fprihw. was fein foll, ſchickt fi wohl, f. ſchicken; es fei! d. i. es mag ger 
ſchehen), bef. auch zur Beſtimmung eines Zeitpunftes oder Zeitverlaufes 
(3: B. es war im Herbfte; es find nun zwei Sahre, dafs er todt ift); bedeu- 
ten, Werth od. Wichtigkeit haben (z. B. was foll das fein? was ift es denn 
mehr? d. i, welche Wichtigkeit hat e8? was wäre es denn, wenn er es auch 
gehört hätte? d. i. was wäre daran gelegen 20.5 das wäre! elliptifcher Aus= 
ruf der Verwunderung); etwas fein oder gewefen fein, gem. f. die 





| 


fein 893 


Urfache davon fein, es thun od. gethan haben (3. B. wer ift das? ich bin 
es nicht; er ift eö geweien, ft. er hat es gethan); ferner fteht fein in befon- 
deren Redensarten mit verfchiedenen Verhältnifswörtern, als: die Reihe ift 
an mic; es ift nichts an ihm, an der Sache; fo viel an mir ift ꝛc. (f. an); 
das ift nicht für mich, f. v. w. das paflt 2c.; für od. wider Iemand fein; 
um etwas fein, darum fein, d. i. es verloren haben (f. um); es fei darum, 
od. es mag darum fein, |. darum; — 2. ald Hülfszeitwort dient fein 
zur Bildung der umfchreibenden Zeitformen der vollendeten Handlung 
von vielen ziellofen Zeitwörtern (vgl. haben), bef. ſolchen, welche das Sub— 
ject mehr in einem leidentlichen Verhalten, in einen Zuftand verfegt, od. auch im 
Beginn oder am Ziel einer Bewegung darftellen (z. B. er ift gewefen; er ift, 
war geworden; daher auch in den mit werden gebildeten paffiven Zeitformen 
der vollendeten Handlung, 3. B. er ift geliebt worden, er war gelobt, getabelt 
worden ꝛc.; ferner: ich bin gefallen, war gelandet, geflohen; er ift gewachſen, 
genefen, verarmt, geftorbenz fie find abgereift und werden angelangt fein; 
der Fuß war gefchwollen; die Saite ift gefprungen; aber: der Knabe hat 
gefprungen); manche Zeitwörter, wie eilen, fliegen, laufen, reifen, reiten, 
fpringen 2c., werden bei wefentlich unveränderter Bedeutung bald mit haben, 
bald mit fein verbunden: jenes in Beziehung auf Zeit, Kunft und Abficht, 
od. auf die Fragewörter: wann, wie lange, wie? — diefes in Beziehung auf 
einen Ort, od. auf die Fragewörter: wohin, woher, wie weit? (4. B. id 
babe heute, lange, geſchickt oder ungeſchickt geritten; ich Habe ausgeritten, 
d. i. zu reiten aufgehört; aber: ich bin nad) N., über die Brüde ꝛc. gerit- 
tens ich bin ausgeritten, d. i. von meinem Haufe weg, u. dgl. ım.); — das 
Sein, -8, o. M., der (völlig beſtimmungsloſe) Zuſtand, da etwas iſt, ſinnv. 
Daſein; auch f. Leben. 

fein (goth. seina, altd. sin), urſpr. der Gen. des ungeſchlechtigen perſönl. 
Fürw.der Zten Perſon (— lat. su), in rückzielender (refleriver) Bed. für alle 
Gefhlechter gebraucht (mie der entfprechende Acc. ſich, f. d.); jest ſteht 
fein, att u. dicht., od. gew. feiner’ als Gen. des gefchlechtigen Fürw. der 
3ten Perfon im männl. und fächl. Gefchl. er, es (. d.), entipr. dem 
weibl. ihrer, (2. B. Herr, erbarme dic) fein! man fpottet fein, od. gew. fei= 
ner; ich erinnere mich feiner 2c.); in Zfeg. mit halb, halben, wegen, 
willen fteht ftatt fein od. feiner: feinet, alfo: feinethalb, feinethalben, 
feinetwegen, um feinetwillen, d. i. wegen feiner, um feiner (felbft) 
willen ac... 

fein, feine, fein, zueignendes Fürw. der einheitlichen dritten Perfon 


im männl. u. fächl. Gefchlecht (entft. aus dem Gen. fein des perfünl. Fürw. 


der 3. Perf.; goth. seins, altd. siner, sin; niederd., angelj., ſchwed. sin; 
lat. suus), entfpr. dem weibl. ihr; gebeugt: Gen. feines, feiner, feines; 
Dat. feinem, feiner, feinem; Acc. feinen, feine, fein; Mehrh. Nom. und 
Xec. feine; Gen. feiner; Dat. feinen; ihm eigen oder gehörig, von ihm 
ausgehend od. herrührend, ihn od. es angehend od. betreffend (z. B. dies 
ift fein Haus, feine Stube; er Fam mit feiner Frau und feinen Kindern; es 
ift feine Schuld, fein freier Willen zc.; Jeder ift feines Glüdes Schmied; ein 
Kind mufs feinen Altern gehorchen; jedes Land hat feine Vorzüge; — fehler 
haft ift es, dem befiganzeigenden Genitiv eines Hw. noch zum Überfluffe das 
Fürw. fein od. ihr beizufügen, oder auch ftatt jenes Genitivs den Dativ des 


894 fi Ar en — feit 


Hw. in Verbindung mit jenem Fürw. zu ſetzen; alfo nicht: dies ift meines 
Vaters fein Haus, od. meinem Vater fein Haus; fie ift meines Bruders od. 
meinem Bruder feine Frau; er ift meiner Schwefter ihr Dann 2c.; fondern : 
dies ift meines Vaters Haus; fie ift meines Bruders Frau; ev ift meiner 
Schweſter Mann; — in Beziehung auf Leblofe Dinge gebraucht man ftatt 
fein 2c. lieber den Gen. des beftimmenden Fürw. desselben, deffen, z.B. 
das Geld hat feinen großen Werth; aber der Beſitz desfelben od. deſſen Beſitz 
(ft. fein Befig) macht nicht glüclich; fo auch wenn von mehren Perfonen die 
Rede ift und das Fürm. fich nicht auf die als Subject ftehende bezieht; 3. B. 
der Vater ijt mit feinem Sohne bier angefommen, um feine (b. i. des Vo— 
ters), od. um deffen (d. i. des Sohnes) Angelegenheiten zu ordnen; vgl. 
derfelbe); — als Pradicat einem Haupt- oder Fürw. beigelegt bleibt fein 
unverändert, z. B. der Acker, die Wiefe, das Haus ift feinz diefe Bücher 
find fein, d. i. gehören ihm; nicht aber: gehören fein! fo auch: fie ift fein; 
fein ift die Ehre 2c.; ohne grammatifche Verbindung mit einem Hw. doch 
in Beziehung auf ein genanntes od. gedachtes, Tautet es: feiner, feine, 
feines, M. feine; wofür- auch der, die, das feine od. feinige, 
M. die feinen od. feinigen, gebraucht wird (zZ. B. dies ift nicht mein Hut, 
fondern feiner, od. auch: der feine od. feinige; find dies deine Kinder, oder 
feine? auch: die feinen od. feinigen; dies Überfteigt meine Kräfte, wie die fei- 
nigen); das Seine od. Seinige, als felbftändiges Hw. f. fein Eigenthum, 
das ihm Gehörende oder Gebührende (4. B. er hat das Seinige verloren; 
Jedem das Seine, od. Seinige!), auch mas er vermag, od. feine Schuldig- 
keit (er hat das Seinige gethanz ein Jeder thue das Seine!); die Seinen 
od. Seinigen, f. feine Angehörigen, Verwandten (er ift zu den Seini- 
gen zurückgekehrt); — das Sein f. das Eigenthum überh., der Beſitz einer 
Perſon; — feinerlei, unbiegf. Bw. , nit. f. feiner Art (f. Yei); feinerfeits, 
Nw., von feiner Seite, was ihn betrifft. 

feifen, ziel. 3w., Schiff. eine Seifing (M. -em), d. i. ein kurzes, plat- 
tes, fpiß zulaufendes Tau, um zivei an einander liegende Zaue fehlagen, 
um fie zufammenzubinden. 

Seiße od. Seeße, w., M. -n, (zgez. aus Segenfe, Segeſs) niederd. f. 
Senſe. 

ſeit (goth. seiths, ſpäter, adverbialer Comparativ von seithu, ſpät, welches 
eig. die ſächl. Form des Bw. seithus, iſt; altd. sid, sit, gleichfalls als Com— 
parativ zu faſſen bei mangelndem Poſitiv (vgl. baz, min, € f. beſſer, minder, 
eher); daneben auch die vollftändige Gomparativform sidör, sider; oberd. feit, 
feider, auch fit, fider, fint, ſeint; niederd. feder, fedder, federt, funt, fint; 
isländ. sid, sidar; ſchwed. sid, sidan; angelf. sith, siththan, engl. sith, since; 
vgl. Seite u. das angelf. sithian, gehen, kommen; alfo Grundbed. ſich (durd) 
die Zeit) erſtreckend, od. Eommend?) 1) urfpr. Aw. f. v. w. fpäter, fpäter- 


bin, nachher, feitdem (z. B. ich lobete ez unt leistez sit, d. i. ich gelobte. 


es und leiftete e8 nachher; & noch sit, weder früher, noch jpäter); 2) jegt u. 
ſchon im Altd. Vw. mit dem Dat., eine Zeitfolge od. die Erſtreckung eines 
Thuns oder Zuftandes durch einen Zeitraum von einem gewiffen Zeit- 
punkte an bezeichnend, finnv. von — an (z. B. feit dem Tage, f. v. w. von 
dem Tage an; feit der Zeitz er ift feit einem Jahre todt; feit Oftern 20.5 auch 
in Verbindung mit Nebenwörtern der Zeit, z. B. feit geftern; feit wann? — 








>. 





Seite 895 


ehem. auch mit dem Gen. 3. B. feit des Krieges, jedoch mehr in ber Bed. 
während); 3) unterordnendes Bd w. od. Fügewort der Zeit, etwas dem In- 
halte des übergeordneten Satzes Vorangegangenes anknüpfend, finnv. nach: 
dem: urfpr. feit dafs ac. (od. feitdem dafs), jest gew. bloß: feit (od. 
feitdem; 3. 8. feit (dafs) ich von dir ſchied ...., feit (od. ſeitdem) wir 
jung waren, hat ſich Vieles geändert); — 3 ia feitdemn (altd. sit dem, auch 
sit des u. sit dia) 1) Nw. feit der Zeit (4. B. ich habe ihn ſeitdem nicht wies 
bergefehen); 2) unterordnendes Bdw. ſ. v. w. feit 3) (3. B. feitdem ich ihn 
nicht gefehen habe, ift Vieles vorgefalen); feither, Nw. (vlt feithero; oberd. 
auch fiderher; vgl. her 2), von einer gerwiffen Zeit an bis jest, finnv. ſeitdem 
(3. B. vor zwei Jahren war er hierz feither habe ich ihm nicht gefehen); gew. 
überh. f. die Zeit Hex, zeither (4. B. er har feither viel gekränkelt); feitherig, 
Bw., feit einer gewiffen Zeit bis jegt feiend od. gefchehend. 

Seite, w., M.-n, (alth. sita, ©. sita u. situn; mittelh. site, ©. siten; 
oberd. die Seiten; niederd. Sied, Siede; isländ. u. ſchwed. sida; angelf. u. 
engl. side; mwahrfch. von der Wurzel des angelf. Bw. sid, altnord. sitr, 
ſchwed. sid, weit, breit; wohin vielleicht auch das niederd. Jied f. niedrig, 
flach gehört (wenn es nicht aus figed zgez. iſt; ſ. fiegen u. feigen 1.); alfo 
urſpr. Weite, Erftredung, von gleichem Stamme mit feit? val. aud das 
Yat. Itäus, Seite, mit lätus, breit), 1) jede Fläche eines Körpers, außer 
der oberen u. unteren, Seitenfläcye, (z. B. die Seiten eines Würfels, eines 
Berges, Haufes ꝛc.; bie Vorder-, Hinter od. Rückſeite 20.5 die Oſt- od. Mor- 
gen, Weft-, Südſeite zc., d. i. die nach Often zc. gefehrte Seite); in weite: 
fter Bed. jede Außenfläche eines Körpers (die obere, untere, rechte, linke 
Seite; etwas auf allen Seiten befehen 2c.), beſ. die beiden Flächen eines 
platten, dünnen Körpers, welcher deren nur zwei zeigt (bie rechte, und die 
linke od. verkehrte Seite eines Zeuges; die Seiten eines Blattes, Papierbo- 
gend: Blattfeitez auch das auf einer Tolchen Seite Gefchriebene od. Ge— 
dructe, z. B. eine Seite Iefen, fchreiben 2c.); Größenl. auch die Linien, 
welche eine geradlinige Figur einfchließen (3. 8. die Seiten eines Dreiecks 2c.); 
uneig. der fich der geiftigen Wahrnehmung darftellende Theil od. Geſichts— 
punkt einer Sache (die Sache hat zwei Seiten; fic) von der guten, od. ſchlech⸗ 
ten Seite zeigen; auf der einen—, auf der andern ©eite; eine Sache von 
allen Seiten betrachten, unterfuchen 2c.); 2) in engerer Bed. nur die Flä⸗ 
chen eines Körpers, welche neben od. zwiſchen der hinteren und vorderen 
liegen (z. B. die Seiten eines Schiffes, Gebäudes ꝛc.), beſ. am menſchl. und 
thier. Körper: die zwifchen dem Rüden u. Vorderleibe liegenden Flächen, 
u. in engfter Bed. nur die Theile des Leibes von den Armen bis auf die 
Hüften, finnv. Flanke, (die rechte, die linke Seite; einem einen Stoß in die 
Seite geben; Schmerz in der Seite, Seitenftechen;z einem zur Seite od. 
an feiner Seite fein, gehen, d. i. neben ihm; einem zur Seite gehen, uneig. 
f. ihm hülfreihe Hand leiften; einem nicht von der Seite Eommen, d. i. 
ihm nicht verlaffen; einen von der Seite anfehen, d. i. über die Achfeln, als 
Zeichen der Geringfhägung; dem Feinde in die Seite fallen, d. i. ihn von 
der Seite angreifen; die Seiten decken, |. d.; uneig. im fittlichen Verftande: 
fich auf die faule, ſchlimme Seite legen, f. faul, ſchlimm werden; feine 
ſchwache Seite, d. i. feine Schwäche, bei welcher er am Teichteften zu ges 
winnen od. zu faflen iſt; das ift meine empfindlichfte Seite 2c.); ferner der 


896 Eeite 


Raum außer uns in der Richtung der Seiten unferes Körpers (etwas 
auf die Seite bringen, fchaffen, räumen zc., d. i. es aus dem Wege räus 
men, auch f. heimlich wegichaffen; auf die Seite gehen; bei Seite gehen, 
d. i. fich entfernen, bef. um ein Eörperliches Bedürfnifs zu befriedigen; etwas 
bei Seite legen; Scherz bei Seite! d. i. ohne weiter zu fcherzen); auch was 
fih zu Jemands Seite befindet, od. uneig. in einer gewiffen Richtung 
od. Hinfiht auf ihn bezieht, insbef. f. Partei, Anhang (auf Semande 
Seite fein, d. i. zu feiner Partei gehören; Semand auf feiner Seite habenz 
fich auf eine od. die andere Seite fchlagen 2e.), Geſchlechtslinie (von väter: 
licher 0d. mütterlicher Seite verwandt fein 2c.); in Verbindung mit von 
bezeichnet Seite überh. den Ausgangspunkt einer Richtung , eines 
Thuns ꝛc. (von feiner Seite, d. i. von ihm ausgehend; von jener Seite fürchte 
id nichts; auch: von Seiten, alö alt= u. oberd. Dativform f. Seite, 3. B. 
von Seiten feines Freundes 2c.; wofür oberd. auch: ab Seiten od. abjei- 
ten, 3. B. abfeiten meiner 20.); — ale zweites Glied in zgef. Neben: 
und Berhältnifswörtern nimmt Seite in der Korm -feit od. gem. 
zfeit$ die Natur einer Ableitungsfilbe an, 3. B. diesfeit, jenfeit (als Vw.), 
diesfeits, jenfeits (als Nw.), einer-, andrer-, allerfeitö 2c., meiner-, deinerz, 
feiner=, ihrer, unfrerfeits 2c., d. i. von einer 2c., von meiner 2c. Seite; — 
als erftes Glied zgef. Wörter lautet es: Seit, od. gew. Seiten; 
3feg. mit Seit-: feitab, Nw., nad) der Seite, od. von der Seite ab; feit- 
blicken, unteb. 3w., Neuw. f. von der Seite od. zur Geite bliden; feithalb 
od. feithalben, oberd. f. ſeitwärts, Nw., nach der Seite hin; feitweges, 
Nw., Neuw. f. zue Seite des Weges, vom Wege ab; — mit Geiten>, 
weldhes im Allgemeinen das zur Seite Befindliche od. von der Seite Geſche— 
bende bezeichnet, finnv. Neben-, entg. Haupt-, Mittel-, Vorder- 2c.: 
die Seitenähre, an den Seiten ftehende Ährchen bei vielen. Gräfern; ber 


Seitenangriff; die Seitenanficht, Anficht von der Seite (fr. Profil); der - 


Seitenaft; das Seitenband, Anat. verfchiedene zur Seite gewiffer Körper 
theile befindliche Bänder; der Seitenbart, Naturk. die Fühl- und Frefsipigen 
der Snfecten; das Seitenblatt, z. B. gewifle lederne Blätter an den Pferde- 
geichirrenz das Seitenblech, z. B. die breiten Eifen an den Seiten im Poch— 
troge; der Seitenblid, ein Blick von der Seite; das Seitenbrett; das 
Seitendach; der Seitendamm; der Seitenerbe, Nebenerbe; die Seiten— 
fläche, eine der Flächen, welche die Seiten eines Körpers ausmachen; der 
Seitengang; die Seitengaffe; das Seitengebaude, entg. Haupt-, Mit- 
telgebäude; das Seitengebirge; das Seitengewehr, das an der Seite ges 
tragene Gewehr, auch Untergewehr: Degen, Säbel ꝛc.; der Seitengiebel, 
"Quergiebel; das Seitenhaar, entg. Vorder- und Hinterhaar; die Seiten- 
höhle, Anat. die auf-beiden Seiten des Hirnbalkens liegenden Höhlen; bie 
Seitenfammer; feitenlang, Bw:, eine od. mehre (Blatt-) Seiten ausfül- 
lend (z. B. feitenlange Redefäge u. dgl.); die Seitenlehne, entg. Rück- 
Vorderlehne; das Seitenlier, f. Lier; die Seitenlinie, zur Seite eines 
Dinges befindliche, od. deſſen Seite ausmachende Linie; Reihe der Seitenver- 
wandten, auch Nebenlinie; die Seitenmauer; der Seitenrand; die Sei— 
tenrolle, Bauf. eine Art Kragfteine, an den Seiten mit Schnörkeln verfehen; 
die Seitenfchiene, Schienen an der Seite eines Dinges, 3. B. des Pflug- 
hauptes; der GSeitenfchlag, ein Schlag von der Seite, od. in bie Geite; 








| 


feither — felb | 897 


der Seitenfchlägel, ein Schlägel der Kupferfchmiede zur Bearbeitung der Sei— 
ten eines Gefäßes, auch: der Seitenhammerz der Geitenfchmerz, Schmerz 
in ber Seite des Leibe, Seitenweh; der Geitenfchritt, ein Schritt, bef. 
Tanzſchritt, auf die Seite (fr. Seiten Pas); der Seitenfchwimmer, Platt— 
fiih; der Seitenfprung, ein Sprung auf die Seite; uneig. f. eine Abſchwei⸗ 
fung im Reben od. Schreiben ; feitenftändig, Bw., Pflanz. zur Seite fte- 
hend (ein Blumenftiel zc. ift feitenftändig, wenn er ſich auf den blätterlofen 
Zweigen des vorjährigen Triebes findet); das Seitenftechen, der Seitenftich, 
ftechender Schmerz in der Seite (fr. Pleuritis oder Pleurefie); das Seiten- 
ſtück, ein Bildwerk, Gemälde 2c., welches einem andern, als dazu paflend, 
zur Seite geftellt od. gehängt wird, ſinnv. Gegenftüd, (fr. Pendant); die 
Seitentafche (z. B. eines Wagens); der Seitentheil, die Seitentheile 
entg. Vorder-, Hintertheil; das Seitenthor, die Seitenthür, zur Seite 
eines Gebäudes ob. des Hauptthores befindl. Thor, Thür; der Seitertifch, 
Nebentiih; die Seitentonne, Bergw. im Förderſchachte befeftigte Tonnen, 
d. i. Bretter, woran die Kübel auf> und niedergehen; der, die Seitenver: 
wandte, ein Seitenverwandter ıc., wer mit einer andern Perfon nur in der 
Seitenlinie verwandt ift, d. i. mit derfelben nicht gleihe Stammältern hat; 
die Seitenverwandtichaft, das Verhältniſs, u. die Gefammtheit der Seitens 
verwandten; die Seitenwand; der Seitenweg, ein neben dem Hauptwege 
laufender Weg, Nebenweg; od. ein von dem Hauptwege zur Seite abgehender 
Weg, ſinnv. Abweg; das Seitenweh, Seitenfchmerz; das Seitenwerf, z. 
u. v. Hauptwerk, 3. B. an Orgeln, im Feftungsbau 2c.; der Seitenwind, 
von der Seite kommender Wind; die Seitenzahl, die Zahlen, mit weldyen 
die Blattfeiten eines Buches bezeichnet find (fr. Pagina); der Geitenzeiger 
od. ⸗weiſer, Neum. f. Regifter; das Seitenzimmer, Nebenzimmer; — Ab— 


Leit. feiteln, ziellof. Zw., vlt. f. fich auf die Seite neigen,’ fippen; der 


Seitener, vlt. f. wer auf einer, od. der andern Seite (Partei) ift, Parteis 
Hänger; ſeitig, Bw., Seiten habend, gew. nur in Zfeg., wie: ein, dreiz, 
mehr, vieljeitig ꝛc; der Geitling, -e8, M. -e, vit. f. Seitenverivandter; 
öfte. f. Slufsgarnele, Seefloh; feitlings, oberd. audy feitlingen, Nw., 
vlt. f. feitwärts. 

feither, feitherig, f. unter feitz — feitwärts, f. Seite. 

Sekunde od. Secunde, w. M. -n, (von dem lat. secunda, näml. pars, 
alfo eig. ein Maß, welches die zweite Stelle einnimmt nad einem andern, 
welches die erfte Eintheilung macht), der GO fte Theil einer Minute (f. d.); 
auch das Zweite, der Stelle oder Ordnung nach, daher: Tonk. der zweite ' 
Ton nah dem Grundtone; Fechtk. die zweite Stellung od. Stoßart; die 
Sefundenuhr, eine uhr mit einem Sefundenzeiger, welcher die Sekunden 
anzeigt. 

fel, eine Nachſ. (Nebenform von fal, f. d.), welche von Zeitwörtern 
concrete Hauptwörter fählichen Geſchlechts bilder, die den Gegenftand oder 
das Erzeugnifs einer Thätigkeit bezeichnen, 3. B. das Näthfel (d. i. das 
zu Rathende), Häcfel (das Gehadte), Fegfel, Füllfel, Gemengfel, Einſchieb— 


fer, "Überbleibfel, Anhängfel zc. 


felb, ein beiwörtliches Beftimmmwort, welches den Begriff der unabhän- 
Higen, fich gleich bleibenden Weſenheit (Subftantiatität) des Gegenſtandes 
(Wefenseinheit oder Identität) nachdrüdlich bezeichnet, mit Ausfchliefung 


Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil, 57 





898° Ä ſelb 


jeder anderen Perſon oder Sache (aoth. silba, silbo, silbo, nur ſchwach bie- 
gend, wahrfch. zgez. aus si-liba, welches aus dem rückz. Fürw. sik, ſich, abgek. 
si, und leiban, bfeiben (vgl. elf aus ein-Lf, ein-lib), od. lip, Leib, Leben 
(gl. das engl. body f. Perfon) zgef. zu fein fcheint, alfo eig. „in ſich od. 
für fich bleibend, beharrend,“ od. ‚feinen eigenen Leib habend“ bedeutet; alte 
hochd. ftark biegend: selper, selpia, selpaz; ſchwach: selpo, selpa, selpa; 
mittelh. selber ıc., selbe mit vollftändiger Biegung, z. B. sin selbes tugent; 
dir selbem; mich selben; sie ist ir selber gehaz; wir selbe 20.5; ſchwäb. und 
ſchweiz. auch verkürzt: fell; nieberd. fulf, fulve; isländ. sialfr, sialf, ſchwed. 
själf; angelf. seolf, self, selfa, engl, self) ift jegt nur im folgenden Formen, 
Bufarmmenfegungen und Ableitungen gebräuchlich: 1. felb, unbiegfam, als er- 
fies Glied in Zſetz. mit den Ordnungszahlwörtern ander (f. anderer), zwei- 
ter, dritter 2c., welche Ifeg. die Anzahl von Perfonen bezeichnen, in des 
ven Begleitung oder Gefellfchaft fi) Jemand befindet, als: felbander, 
felbfiderandere, d. i. fo dafs man felbft der andere od. zweite ift, alfo: 
zugleich mit einer andern Perfon (3. B. wir gingen felbander fpazieren); felb- 
dritter, = Dritte od. verk. felbdritt, d. i. die Hauptperfon als die dritte, alfo 


mit zwei Perfonen zuſammen; fo auch: felbvierte, fünfte, zehnte, drei 


zehnte u. |. f.; (im Mitteld. lauten diefe Zſetz. selbe ander, -dritte, od. selp- 
ander, =dritte, selbahte, =zwelfte 2c. und werden regelmäßig gebeugt, z. B- 
mit im selbdritten ; selbzwelfter siner man, d. i. er felbft als zwölfter feiner 
Mannen, od. mit 11 feiner Mannen; jest werden fie gem. in verfürzter Form 
gebraucht u. beginnen im Hochd. überh. zu veralten); ferner in den meift vlt. 
3feg. der Selbbaum, Baumftamm, aus der Wurzel aufgewachfener Aftz 
das Selb-Ende (woraus das im Hochd. übliche Sahlband (f. d.) wahrſch. 
nur durch mifsverftehende Verderbung entftanden iſt; niederd. fulf=egge, holl. 
self-ende zc.), oberd. f. das Zettel-Ende an Geweben, Tuchende, Tuchſchrote; 
felbherr (ſchwäb. felherr) od. felbherrlich, Bw., alt u. oberd. f. eigenwilligz 
der Selbfacher (ogl. Sacher), alt u. oberd. wer in einem Rechtöftreite ſelbſt 
Partei ift; z. U. v. Anwalt ꝛc.; das Selbſchoſs od. -geſchoſs, ehem. f. Wurf: 


geſchoſs, Schnellgeſchütz (Katapulte); der Selbſtand (zur Vermeidung der, 


Härte b. ale Selbftftand), Neuw. f. der für fich beftehende, unabhängige 
Stand od. Zuſtand; daher das Selbftandswort, Neuw. der Sprachl. f. Ar- 
titel, das die Selbftändigkeit des Hauptwortes bezeichnende Wort (der, die, 
das); felbftändig (b. ars ſelbſt ſtändig), Bw., für ſich felbft, aus eigener 
Kraft beftehend,, finnv. unabhängig, frei, auch f. eigen, eigenthümlich, ohne 
fremde Einwirkung, (ein felbftändiger Menſch; felbftändige VBorftellungen, Triebe, 
Tätigkeiten, Leiftungen 2c.); die Selbftändigkeit, das Selbftändigfein, die 
Unabhängigkeit, Eigenthümtichkeit 2c.; felbwachfen, Bw. (niederd. ſulfwaſſen), 
vlt. (verdient aber wieder belebt zu werden) f. von jelbft, natürlich, frei ent- 
ftanden u. erwachfen, ungefünftelt; die Selbwalt (niederd. Sulfwald) vlt. f- 


eigne Gewalt, Willkür; fo au: felbwalten, 3w.; der Selbwalter, f. 


Selbſtherrſcher; felbwaltig, Bw., f. ſelbſtherrſchend; das Selbwefen, vlt. 
(verdient wieder eingeführt zu werden) f. felbftändiges Wefen (fr. Subſtanz); 
daher felbwefend, felbwefentlich, Bw. u. Nw. (f. das fr. fubftantiell); Ab. 
Veit. v. felb: felblich, Bw. u. Nw., vlt. f. eigenmächtig, von freien Stü— 
den; — 2. der, die, das felbe (altd. der selpo zc., der, dia, daz selbe; 
niederd. de ſulbe; ſchwäb. der 2c. fell f. jener) und der, die, das felbige 





felb 899 


(niederd. de fulvige), jest zgeſ. derfelbe, diefelbe, dasſelbe ıc., u. derfel- 
bige ıc., als beftimmendes Kürw., f. derfelbe; — 3. felber, felbe, felbes 
(das altd. selper, selber zc., f. 0.5 ſchwäb feller ꝛc. f. jener, diefer) u. fel- 
biger, felbige, ſelbiges, vlt. u. landſch. als beftimmendes und hinweifendes 
Fürw. f. derfelbe, diefer (3. B. felbiger Mann; an felbigem Zage 2c.); — 
4. felber, unbiegfam, (ftarr gewordene Gafusform des alten biegfamen selber, 
selbe 2c., wie landjch. auch: felben, niederd. ſulven; oberd. verlängert: fel- 
bert, felberft), gem. f. felbft, jedoch in der Regel nur hinter dem Haupt- 
od. Fürw. ftehend, auf welches es fich bezieht (z. B. ich will es ſelber thun; 
Arzt, Hilf dir felber! ich fehe ihn felber 2c.); — 5. ſelbſt, unbiegfam (entft. 
aus dem Gen. selbes, selbs, z. B. ehem. auf mein ſelbs Leib; in fein ſelbs 
Seele, u. dal. m., durch Anhängung eines t, wie: einft, mirtelft aus eins, 
mitteldö; n. A. ift felber 4. eine Gomparativ-, ſelbſt eine Superlativ-Korm 
von felb? — oberd. lautet es auch: felbt, ſelbſten; niederd. fulfft, ſulveſt), 
1) als beiwörtliches Beitimmwort mit Haupt= und Fürwörtern ohne Un— 
terfchied von Geſchlecht, Zahl u. Fall verbunden, hebt es den Gegenftand, 
auf welchen es fich bezieht, nachdrüdlicher hervor, indem es jeden ande- 
ren ausfchließtz eö fteht entweder unmittelbar hinter feinem Gegenftandsworte, 
oder, wie ein. Nebenwort, hinter dem Zeitworte, bisweilen auch zur Erhöhung 
des Nahdruds an der Spige des Sases, und hat immer den Ton (3. B. 
ich ſelbſt will es thun; du bift felbft daran ſchuld; er ſelbſt muſs kommen, od. 
er mufs felbft kommen, od. felbft mufs er Eommen; die Mutter felbft war da, 
od. die Mutter war felbft da; er ift es felhft 2c.; bef. auch zur deutlicheren 
od. ftärkeren Bezeichnung der rüdzielenden Bed. perfönlicher Fürwörter, 
z. B. er fchonte feiner ſelbſt nicht; fie fchämte ſich ihrer felbft; er liebt 
ſich ſelbſt am meiftenz wieder zu fich felbft kommen; er hat es fich felbft 
zu verdanken 20.5; — duch nadjläffige Stellung wird die Bezichung undeuts 
lich; unterfcheide z. B. ich felbft habe ihn gefehen; ich felbft Habe es ihr 
Hefagt ze. von: ich habe ihn ſelbſt gefehen; ich habe es ihr jelbft ges 
ſagt; — bisweilen dient felbft nur, eine entferntere Theilnahme od. Mitwir- 
tung auszufchließen; 3. B. felbft baden, wafchen u. dgl., d. i. nicht in 
eigener Perfon, fondern im eigenen Haufe, durch feine eigenen Leute; ſprichw. 
ferbft ift der Mann, d. i. was gehörig gethan werben foll, mufs man felbft 
thun; uneig. er ift die Güte, die Menfchenliebe ſelbſt u. dgl., d. i. er befigt 


dieſe Eigenſchaft im höchſten Grade; auch Nebenwörtern des Ortes wird ſelbſt 


zur Verftärkung angefügt: dafelbft, hHierfelbft, ſ. d.; von felbft, di. 
aus eigenem Antriebe, von freien Stüden, ftebt f. von fi felbft); 2) als 
verftärkendes oder fleigerndes Nw., finnv. fogar, auch, wo es gleichfalls 
entweder Hinter, oder gew. vor dem Worte fteht, zu dem es gehört, aber 
nieder Ton hat, der vielmehr auf dem durch felbſt hervorgehobenen Worte 
ruht (z. B. feine Freunde ſelbſt, od. ſelbſt ſeine Freunde ſchont er nicht; 
fo auch in Beziehung auf Zeit-, Bei⸗ u. Nebenwörter, z. B. er ſcheut ſich nicht 


zu betteln, ja ſelbſt zu ſtehlen; nichts iſt natürlicher und ſelbſt erlaub— 


ter 2c.; ſelbſt heute glaube ich es noch nicht 2c.); das Selbſt, die eigene 
Perſon, das eigene innere Wefen (4. B. nur fein Seldft lieben; fein Selbft 
zu erkennen fuchen); — Zfeg., in welchen feldft, mit einem Eigenfchafts- 
od. Thätigskeitsbegriff verbunden, deffen Rückbeziehung auf das thätige Sub— 
jeet ausdrüdt: die Selbftachtung, Achtung, welche man vor ſich felbft Hegt; 


57* 


900 ſelb 
die Selbſtanklage; die Selbſtaufopferung; die Selbſtbefleckung, Be— 


fleckung feiner ſelbſt, insbeſ. die an dem eigenen Leibe verübte Unkeufchheit, 


Selbſtſchändung (fr. Onanie); die Selbſtbefriedigung; die Selbſtbeherr— 
ſchung, Beherrſchung ſeiner ſelbſt; das Selbſtbekenntniſs, ein Bekenntniſs, 
welches man ſich ſelbſt, oder auch freiwillig über ſich ſelbſt ablegt; die Selbſt— 
beſchauung, Beſchauung ſeiner ſelbſt; die Selbſtbeſtimmung, Beſtimmung 
und Leitung feines Thuns durch freie Willenskraft (fr. Spontancität); die 
Selbftdetrachtung, über oder mit ſich felbft angeftellte Betrachtung; der 
Selbftbetrug, Betrug an fich ſelbſt, falfches Urtheil 2e.; die Selbſtbeur— 
theilung; ſelbſtbeweglich, Bw., fich von feldft bewegend (Neuw. f. das fr. 
automatiich) ; felbftbewufft, Bw., feiner ſelbſt bavufft, fein Ich wiffend (der 
Menſch ift ein ſelbſtbewuſſtes Wefen); das Selbftbernufitfein, das Bewuflt- 
fein feiner ſelbſt, die einfache Vorftellung des Ichs; die Selbftbildung, Bil— 
dung feiner felbft od. aus eigener Kraft; das Selbſtdenken, das eigene Den- 
Een, entg. dem blinden Glauben 2c.; der Gelbftdenfer; felbfteigen, Bm., 
verft. f. eigen, ganz eigen; die Selbſtentzündung, Entzündung brennbarer 
Stoffe duch fich ferbft; die Selbfterhaltung, Erhaltung feiner felbft, d. i. 
des eigenen Lebens; die Selbiterhebung, Erhebung feiner jelbft über Andere, 
entg. Selbfterniedrigung ; die Selbfterfenntnif3, Erfenntnifs od. richtige 
Beurtheilung feiner ſelbſt; felbfterrungen, felbflerwählt, Bw., durch fich 
ſelbſt errungen, erwählt; felbitfrei, Bmw., aus eigener Macht frei, völlig frei; 
das od. der Selbftgefallen, Gefallen an ſich felbft; eigenes Gefallen, Will: 
tür; felbftgefällig, Bw., Gefallen an ſich ſelbſt findend, finnv. eitel; die 
Selbftgefälligfeit, finnv. Eitelkeit, Eigenliebe, Dünkel; das Selbftgefühl, 
das Gefühl feiner felbft, d. i. feines Dafeins od. Zuftandes; in engerer Bed. 
das Gefühl feines fittlihen Werthes, feiner Vorzüge ꝛc.; felbitgenügfam, 
Bw., fich felbft Leicht genügend, gew. in nadhtheiligem Sinne: eine zu hohe 
Meinung von ſich felbft habend, finnv. felbftzufrieden; daher die Selbſtge— 
nügſamkeit; das Selbſtgeſchoſs, ſ. Selbſtſchuſs; die Selbftgefeßgebung, 
das Vermögen u. die Thätigkeit, da man ſich ſelbſt Geſetze giebt (fr. Autono- 
mie, z. B. der Vernunft); das Selbitgefpräch, Geſpräch mit fich ſelbſt, Allein: 


geſpräͤch (fr. Mondlog); das GSelbftgeftändnifs; das Selbftgetriebe, ein 


Triebwerk, welches ſich durch eigene Kraft zu bewegen ſcheint (Neuw. f. das 
fr. Automat); der Selbfthafs, Hafs gegen ſich ſelbſt; der Selbfthaffer zu; 
das Selbftheil; f. v. w. Braunheil, Gottheil, Halskraut (f. d.), eine Pflanze; 
der Selbftherr, Herr feiner feldft, wer fich ſelbſt beherrſcht; die Selbftherr- 
Schaft, die Herrſchafl über ſich ſelbſt, Selbſtbeherrſchung; auch die in eigener 
Perſon geführte Herrſchaft (fe. Autokratie); der Selbftherrfcher, wer felbft 
und allein, nicht durch Andere, herrſcht, unumſchränkter Alleinherrſcher (fr. Aus 
tokrat); die Selbfthulfe, Hülfe, die man fich felbft leiſtet; eigenmächtige 
Hülfe; felbftflug, Bw., cine übertrichene Meinung von feiner eigenen Klug— 
heit habend; daher die Selbftklugheit; der Selbftlaut, ein ſelbſtändiger, 
d. i. ohne Verbindung mit einem anderen Laute durch die Stimme u. gehörige 
Mundöffnung hervorzubringender Sprachlaut, auch Stimmlaut (fr. Vocal), 
entg. Mitlautz; der Selbftlauter, das Schriftzeichen oder der Buchſtabe für 
einen Selbſtlaut (4. B. a, e, o 2c.); felbftlautend, Bw., von felbft, od. für 
fib allein lautend; die Selbftliebe, die pflichtmäßige Liebe feiner felbft, ver— 
bunden mit dem Streben der Selbfterhaltung und Vervolllommnung, verſch. 


ons 











felb 901 


von Eigenliche, Selbſtſucht; das Selbftlob, Lob, welches man fich felbft ers 
theift, weniger tadelnd, als: Gigenlob; ſelbſtlos, Bw., gleiham ohne Selbſt, 
ſich ſelbſt verläugnend, ohne Selbſtſucht; der Selbfimord, die Tödtung feiner 
ſelbſt, Selbftentleidung ; der Selbftmörder, die Selbftmörderinn, wer einen 
Selbſtmord begeht; ſelbſtmörderiſch, Bw.; der Selbftpeiniger, Selbft- 
quäler, wer fich ſelbſt peinigt od. quält; die Gelbftpeinigung, Selbſtquä— 
lerei; die Selbftprüfung, Prüfung feiner ſelbſt; die Selbſtrache, cine 
Race, welche man felbft eigenmächtig ausübt; der Selbſträcher ıc.; der 
Selbftruhm, der Ruhm, weichen man fic) felft beilegt; die Selbftihän- 
dung oder = fchwächung, f. Selbſtbefleckung; daher der Selbſtſchänder, 
[hwächer (fr. Onanift); die Selbftfihäsung, Schäsung, Würdigung fei: 
ner ſelbſt; der Selbſtſchuldner, die Selbftihuldnerinn, wer eine Summe 
ferbft ſchuldig ift, z. U. v. dem Bürgen; der Selbſtſchuſs, ein fo eingerich— 
tetes und geftelltes Feuergewehrg dafs ein Menic od. Thier durch einen Stoß 
daran fich ſelbſt erſchießen mufs, auch Legebüchſe, Legeſchuſs; der Selbitfiger, 
vlt. f. Schiedsrichter; der Selbftftand, felbitftändig ıc., b. Selbſtandec. 
f. d. unter felb 1.5 die Selbftfucht, die Sucht, Alcs nur auf ſich zu bezichen, 
nur fich ſelbſt für wichtig zu halten u. nur auf den eigenen Vortheil bedacht zu 
fein, übermäßige Selbftlicbe, finnv. Eigenliebe, Eigenſucht (fr. Ggoismus) ; 
daher felbftfüchtig, Bw., Selbftfucht habend u. davon zeugend (fr. egoiftiich); 
die Selbſtſüchtigkeit, das Selbſtſüchtigſein; die Selbſtſüchtelei, Neum. f. 
kleinliche, verächtliche Selbſtſucht; die Selbfttaufe, das Zaufen, fofern man 
es felbft verrichtet, nicht durch einen Geifttichen verrichten läſſt; die Gelbft- 
täuſchung, Täuſchung feiner ſelbſt; felbftthätig, Bw., aus eigener Kraft, 
0d. in eigener Perfon thätig; die Selbftthätigkeitz die Selbfttödtung, Töd— 
tung feiner ſelbſt; die Selbftüberwindung, Überwindung feiner felbft, d. i. 
feinee Wünſche, Begierden 2c.; die Selbftverachtung, Verachtung feiner 
ſelbſt; der Selbftverächter 2c.; felbftverdient, Bw., durch fich ſelbſt, durch 
eigene Thätigkeit 2c. verdient; ſelbſtvergeſſen, Bw., feiner felbft vergeſſen, 
nicht an fich denkend; frei von Selbſtſucht; die Selbftvergeffenheit, das 
Selbſtvergeſſenſein; die Selbftvergütterung, Vergötterung feiner felbft, über: 
mäßige Selbſtſchätzung; die Selbſtverläugnung, Verläugnung feiner ſelbſt, 
db. i. die Unterdrüdung feiner eigenen Neigungen, Bintanfegung feines Vor— 
theils, hoher Grad von Uneigennügigkeit; felbftverläugnend, Bw.; die 
Selbftvernichtung; die Selbftvertheidigung ꝛc.; das Selbftvertrauen, 
das Vertrauen auf fich felbft, edel, od. unedel u. übertrieben; der Selbftvor- 
wurf, ein Vorwurf, welchen man ſich ſelbſt macht; der Selbftwillen, der 
eigene Willenz Eigenwillen, Eigenfinn; felbftwillig, Bw., freiwillig ; eigen— 
willig; die Selbftwirfung, Wirkung durch eigene Kraft; felbftzufrieden, 
Biv., «mit ſich felbft zufrieden, nur in nachtheiligem Sinne, finnv. felbftgenüg: 
fam, felöftgefällig; daher die Selbftzufriedenheit; der Selbflzwang, cin 
Zwang, welchen man ſich feloft auflegt; der Selbftzwed‘, in der Sache ſelbſt 
liegender Zwed; — Ableit. von felbft: die Selbftheit, das Selbtfein, 
der abftracte Begri des Selbft; auch f. Eigentiebe; ſelbſtig, Bw., oberd. 
f. felbfteigen, eigen (4. B. zum ſelbſtigen Gebrauch); auch f. ſelbſtiſch, Bw., 
Neuw. f. ſelbſt- od. eigenfüchtig (fr. egoiftiih); die Selbftigfeit, f. Per: 
fonlichkeit; Selbft- od. Eigenliebe; der Selbtler, die Selbtlerinn, auch 
der Selbitling, Neu. f. felbftfüchtiger Menſch (fr. Egoiſt). 


902 felhen — felig 


felchen, 3w., oberd. bef. bair. u. öfte., 1) ziellos f. trocken od. dürr wer- 
den (def. aus-, ein-, verfelden); 2) ziel. f. troden machen, trod- 
nen, dörren, bef. Fleiſch, Fifche u. dgl. m. im Rauche trocknen, räuchern 
(gefelhte Würfte, Zungen ꝛc.); die Selche od. Selch, f. Räucherung, und 
Anſtalt dazu; der Selcher, wer felht (Fleiſch-Selcher, in Wien Ber 
käufer von Würften und Rauchfleifch). 

Selde 1. oder x. Salde, w. (goth. selithva, althochd. sälida, mittelh. 
saelde; iöländ. saela, angelf. säl und gesäldh; von gleihem Stamme mit 
felig 2., f. d., alfo auch mit Selde 2.), völlig vlt., eig. das Gutfein od. 
Öutgerathen; daher: Wohlfein, guter Erfolg, Glück, Seligkeit, Heil, 
Segen; daher felden= od. fäldenbar, -haft, fäldelos zc., vit. Bw.; 
felden, r. fälden, ziel. Zw. f. beglüden ıc.. 

Selde 2. w., M.-n, (goth. salithva, altd. salida, selida, selde; oberd. 
die Seld od. Selden, verderbt auch Sölde, Sölden, Söllen, Sellin; von der 
Wurzel sal, welche dem goth. saljan, altd. sellan, eintehren, wohnen, zu 
Grunde liegt; vgl. Saal) alt u. oberd. f. Einkehr, Herberge (4. B. Nacht— 
felde); Aufenthaltsort, Wohnung, Palaft; oberd. insbef. ein Wohnhaus 
der geringften Art, Hütte der ärmeren Landleute, welche den reicheren ale 
Tagelöhner dienen, auch: das Seldhaus; felden, Zw. (altd. selidön, sel- 


den) oberd. f. einfehren, herbergen (auch nachtſelden); der Seldner 


(verderbt: Söldner), Selderer, Seldhäusler -$, (altd. seldnaere, selder), 
oberd. Bewohner u. Befiger einer Selde, Hinter: od. Kothfafs, dem Range 
nach zwifchen dem Bauern u. dem Dienftänechte ftehend. 

felig 1. Abteitungsendung zur Bildung von Beiwörtern (mittelh. -selic), 
entſtanden durch Anfügung der Nachſ. ig an die Subftantiv- Endung fal 
( . 8.), 3. B. Trübfal, Mühſal: trübfelig, mühſelig; dann aber verwech— 
felt mit dem Bw. felig 2. (saelec), in deffen Bedeutung übergehend, u. 


ohne Vermittlung von Hauptwörtern auf fal unmittelbar an den Stamm von _ 


Haupt-, Bei: u. Zeitwörtern gehängt, um Beiwörter zu bilden, welche 
im Allgemeinen Fülle, Reichthum od. Uberflufs an dem, was das Stamm: 
wort befagt, ausdrüdenz z. B. glücfelig, unglückſelig, feindfelig, leutſelig 
von Glück, Unglüd, Feind, Leute; armfelig, holdfelig von arm, Hold; red— 
felig, faumfelig von reden, fäumen. Durch Anhängung der Nachſ. Feit wer 
den daraus Hauptwörter gebildet, wie Glückſeligkeit, Armfeligkeit zc. 
felig 2. Bw.. (goth. sels, gut; isländ. saell; altd. sälig, saelic, saelec, 
oberd. fäligz; von der Wurzel sal, befißen, wohnen, woher sak Saal, Woh— 
nung, Sal od. Salung, Übergabe eines Gutes, Selde 1. u. 2., fer 
Ten ꝛc. ſtammen; f. diefe Wörter), urſpr. ruhig befißend, begütert, reich 
(4. B. altd. reich und felig werben, durch Gefchenke 2e.); dann in hohem 
Grade glücklich und fich diefes Zuftandes froh bewuſſt (er war ganz felig; 
ſcherzh. gem. f. beraufcht, betrunken); bef. mit inneren Gütern gefegnet, 
innerlich und wahrhaft beglückt, verfch. von glücklich, welches mehr auf 
äußere Güter geht, während glüdfelig beides verbindet (Reichthum mag 
glücklich machen, aber nicht ſelig; einen felig preifen); auch f. felig machend, 
befeligend (ein feliges Gefühl, ein feliger Zuftand); ehem. auch f. fromm, 
heilig; heilfam (e8 war ihm nicht felig); in engfter Bed. der Überirdifcyen 
Glückſeligkeit theilhaft, durch den Tod zum Genuffe höherer Freuden ger 
langt (felig werden; felig fterben; die Seligen im Himmel; Gott habe ihn 





Sell — felten 903 


ſelig, d. i. laſſe ihn ſelig fein), auch überh. als frommer Ausdrud f. verftorben 
(mein ſeliger Vater, unſer ſeliger Herr; vlt. u. landſch. auch feinem Hauptw. 
nachgeſetzt: mein Vater feliger od. ſelig; meine Mutter ſelig 2c.; lächer— 
licher Weife auch nach Verfchiedenheit des Standes: wohl-, hoch-, höchſt— 
felig!); — der Seligmacher, wer Andere der himmliſchen Seligkeit theil- 
haftig macht, der Heiland (Chriſtus); der Seligiprecher, wer Andere für 
felig erklärt; die Seligfprechung, in der Eathol. Kirche die Erklärung eines 
Menſchen für felig (Beatification), der Deiligiprechung (f. d.) vorangehend; — 
die Seligfeit (mittelh. saelekeit; vgl. auch Selde 1.), das Seligfein, Befig 
und Gefühl des höchften Glückes, Beglücdtheit, hoher Grad des Vergnü— 
gend (welche Seligkeit!); insbef. der Genufs der Vereinigung mit Gott 
nad) diefem Leben (die Seligkeit des Himmels; die ewige Seligkeit) ; felig- 
lich (mittelh. saeleclichen), vlt. Nw. von felig: glüdlih, mit gutem Er— 
folge; feligen, ziel. 3w. (altd. saligon, saeligen), vlt. f. felig machen, be— 
glüden, jegt nur: befeligen. 

Sell, m., Sellbude, f. unter fellen. 

Selle, m., -n, M.-n, vtt. f. Gefelle, f. d.; der Sellmann, Jäg. f. 
Leithund (auch Gefellmann), bei. als EN. für einen ſolchen. 

Selle, w., M.-n, landſch. 1. f. Sahlweide; 2. f. Bügel, Handhabe 
(vgl. Seil). 

fellen, ziel. 3w. (goth. saljan, altd. seljan, sellan, sellen, seln, Prät. 
salte, Part. gesalt; isländ. selia, ſchwed. sälja, angelſ. seljan, sellan, engl. 
sell; — wahrſch. abgel. Factitivum von einem verlorenen ablaut. 3w. silan, sal, 
befigen ; vgl. Sal oder Salung, felig 2c.), alt u. noch niederd. f. übergeben, 
rechtsförmlich hingeben (ein Gut 2c.); in engerer Bed. verkaufen, niederd. 
beſ. im Kleinen od. Einzelnen verkaufen, auch aus, verſellen, (Bier—, 
Lebensmittel, alte Kleider 2c.); der Sell, -e3, M. -e, nieberd. f. Verſamm— 
lungshaus eines Gewerkes, Schenke; die Sellbude, niederd. f. Trödel- 
od. Hökerbude; das Selltuch, f. Schürze der Hökerweiber; der Geller, -8, 
f. Verkäufer im Kleinen, bei. Zrödler (4. B. Kleider-, Bücherfeller 2c.); 
die Sellung, vit. f. Verkauf (4. B. des Bieres). 

Selleri od. Sellerie, m., -8, 0. M. (aus dem franz. celeri; engl. celery; 
vielleicht von dem griech. a&lıyor, Eppih 2), ein Wurzelgewächs vom Ge: 
ſchlecht der Peterfilie (f. d.), insbe. der wilde Selleri, auch ftark riechender, 
gemeiner Eppich, Wafferpeterfilie; u. gew. in engerer Bed. der Gartenfelleri, 
auch füßer Eppich, deffen Wurzel und Herzblätter ejsbar find; daher: das 
Selleriblatt, der Sellerifamen, die Selleriwurzel ıc.; der Sellerifalat ıc. 

fellig 1. od. fellich, Bw. (wahrſch. verderbt aus folich, ſölich, ſolch; alfo 
eig. ein ſolcher; vgl. jedoch auch das angel. sellic, sillic, erftaunlich, wun= 
derbar, aus sildlic entft., |. felten), ſchwäb. f. fehr groß; — fellig 2. nie- 
derd. f. höchſt einfältig, blödfinnig. 

felten, urfpr. nur Nw., jest au) Bw., Comp. feltener, zgez. feltner, 
Sup. feltenft, (althochd. seltana, Comp. seltanör; mittelh. selten, Nw. von 
einem nicht vorkommenden Adjectiv-Stamme selt, goth. sild, daher goth. silda- 
leiks, angelf. seld-lic, sellie, wunderbar; niederd. ſelden; iöländ. sialdan, 
ſchwed. sällan; angelf. seldan, seldon, engl. seldom), in geringer Anzahl 
vorkommend od. vorhanden, nur in beträchtlichen Zwifchenzeiten gefchehend, 
entg, oft, häufig, (es gefchieht, ereignet ſich, findet fich felten, ift etwas 


⸗ 


904 ‚Semde — Send J 


Seltenes; ein ſeltener Gaft, ein ſeltenes Glück, ſeltene Bücher 2c.); die Sel- 
tenheit, 1) 0. M. das Seltenfein od. -Vorkommen (z. B. einer Begeben- 
heit, eines Buches 2c.); 2) M. -en, eine feltene Sache, ein feltener Wors 
fall, (fein Beſuch ift eine Seltenheit; Seltenheiten fammeln u. dgl.); — 
feltfam, Bw., (nerderbt aus dem altd. selt-säni, seltsaene, fpäter auch: felt: 
zeim, feltzenz das ftatt fan ftehende fam ift hier nicht die Nachſ. ſa m (f. d.), 
Sondern cin dunkler Stamm, der vielleicht mit ſehen zufammenhängt, fo dafs 
-säni f. sahani ftände?), ehem. f. felten (als Bw.), felten feiend od. ger 
fhehend, nicht haufig, koſtbar; jegt nur: durch feine Befchaffenheit von 
dem Gewöhnlichen, Gehörigen, Regelmäßigen abweichend, finnv. auffals 
lend, wunderlich (das ift feltfam! ein feltfames Betragen; ein feltfamer 
Menſch); die Seltſamkeit (oberd. auh: die Seltfame), das Seltſam— 


fein, die auffallende Befchaffenheit, finnv. Wunderlichkeit; auch ein ſelt⸗ 


fames Ding, eine feltfame Eigenfchaft (M. Seltfamkeiten). 

Semde, w., M.-n, (auch Sende; altd. semida, sende), alt u. landid. 
f. Semfe, Binfe. 

ſemiſch, Bw., ſ. ſämiſch. 


Semmel, w., M. -n, Verkl. das Semmelchen, (alth. simelo, semmalo, 


m., u. simila, semala, w.; mittelh. simile, semele, m. u. w.; ober⸗ u. nie⸗ 
derd. die Scmel; ſchwed. simla; poln. zemla; ital. semola, franz. semoule, 
Nudelmehl; vem lat. simila, similago, griech. oewidekıs, feinftes Weizene 
mehl), alt u. noch oberd. f. weißes Weizenmehl, Semmelmehl; gew. Eleine, 
rundliche, od. fhichtweife an einander gereihete Weizenbrode (Eck- oder 
Drtfemmeln, Schicht- od. Reihenfemmeln); oberd. Tandfch. überh. f. Weiß— 
brod; der Semmelbäder; der Semmelbrei; das Semmelbrod, Brod 
von Scmmelmehl; der Semmelfloß, das Semmelklößchen, ſ. Kloß; ber 
Semmelkoch, Küch. — Speiſe aus Semmeln und Milch (ſ. Koch); 
die Semmelkrume, ſ. Krume; das Semmelmehl, feines Weizenmehl; der 
Semmelſchieber, Bäck. ein Schieber (ſ. d.), die Semmeln in den Ofen zu 
ſchieben; der Semmelſchnitt od. die Semmelfchnitte, ſ. Schnitte; der 
Semmelteig ıc. 

ſemmeln, ziellof. 30. (hol. sermmeln; ſchweiz. fempelen ; wahrſch. — oberb. 
fäumeln, f. zaudern, v. fäumen 3.), niederd. f. bei der Arbeit zaudern; 
weitfchweifig u. langweilig reden, albern ſchwatzen; daher: der Semme- 


ler, f> Zauderer; Tangweiliger Schwäßer; die Scmmelei ‚ f. Zauberei, 


Nachläffigkeit; langweiliges Geſchwätz. 
Semfe, w., M. -n (vgl. Semde), ſ. v. w. Binfe, Binfengras (4. 8. 
die Sce=, Simpf-, Waldremfe). 


Send, m., -e3, M. -e, r. die Send od. Sende l., M. -n, (altd. sened, 
senet, sent, w.; niederd, Sind; entft. aus Synode, lat. synodus, vom 


aricch. suvodos, Zufammenkunftz zu unterfcheiden von Zent, f. d.), alt und 
landſch. f. berathende Verfammlung der Geiftlichkeit; geiftliches Gericht 
(3: B. eines Biſchofs), bef. ein folches Sittengericht, auch: das Sendge— 
richt, (den Send gebieten, d. i. berufen; Send figen, d. i. einen Send hal⸗ 
ten); landſch. überh. Gerichtsverſammlung, weltliches Gericht; — Teb- 
. bie Sendbrüche, landſch. auf der Send erkanntes Strafgeld (f. Brüde); 
fendfallig, Bw., vor einer Send firaffällig; der Sendherr, wer die Be— 
ſchlüſſe eines Sendgerichts vollziehen hilft; der Sendhof, alt f. Gerichtshof; 








Sende — Senefhall 905 


das Sendforn, landſch. Getreide, welches für die Haltung der Send dem 
Geiftlichen entrichtet wird; der Sendmann, M. Sendleute, landſch. f. Ge 
richtöbeifiger; fendpflichtig, Bo. , der Send, der geiftlichen Gerichtsbarkeit 
unterworfen, auch fendverwandt; das Sendrecht, Recht, ein geiftl. Ge— 
vicht zu halten; der Sendrichter, Richter in einem Sendgerihte; — Ableit. 
fendbar, Bw., f. v. w. fendpflichtig; chem. auch: von Geburt berechtigt, 
der Send beizumwohnen, (daher wahrfh. femperfrei, verderst aus ſend— 
bar=frei, d. i. fo frei, dafs man an den Senden, Reihsverfammlungen, 
Gerichtshöfen ze. Theil zu nehmen berechtigt ift, höchft frei, unmitteibar dem 
Reich untertgan); fendlih, Bw., chem. f. zur Send gehörig, der Send 
gemäß, fendmäßig. 

Sende ?. w., M. -n, f.v. w. Semde, Semſe; oberd. (Senden) 
auch f. Heidekraut; der Senderich oder Sennerich, öfte. f. Warfferlinfe, 
Entenfraut. 

Sendel, m., f. Zindel. 

fenden , ziel. Zw., unregelm. Smpf. fandte (doch auch fendete), Conj. 
fendete; Mw. gefandt (u. gefendet), (goth. sandjan, altd. sendian, sen- 
tan, senden, Prät. sante; das Factitivum von sinden, sant, sunden, Neben» 
form von sinnen, san, sunnen, gehen, reifen; daher goth. sinths, altd. sind, 
der Weg; vgl. Gefinde; alfo eig. gehen machen: isländ. senda, ſchwed. sända; 
angelf. sendan, eng!. send), machen od. veranftalten, dafs_eine Perfon od. 
Suche den Drt verlaffe und an einen andern gelange, edler als das ſinnv. 
ſchicken, ſ. d. (z. B. einem einen Boten, einen Brief, eine Nachricht —, Waur 
ren an einen Ort—), beſ. bei wichtigen Aufträgen oder Geſchäften (bibl. 
der Herr hat uns gefandt; einen Botichafter an cinen fremden Hof ſenden; 
daher: ein Gefandter, der Gefandte, als Hw., f. d.); uneig. dicht. 
- f. werfen, fchießen (den Wurfipies, den Pfeil 2c. nad’ dem Biele—-; vgl. 
entfenden; das lat. mittere); — 3fes. der Sendbote, ein Bote, weldsen 
man irgendwohin fendetz; der Sendbrief, ehem. überh. f. Brief, Schreiben 
an Jemand (z. U. v. Brief fhlehthin, welches jede fchriftl. Urkunde bedeus 
tete); jegt |. v. w. das Sendfchreiben, ein an Mehre gerichtetes Schreiben, 
welches einer dem andern zufender; die Send- od. Sendekoſten, Koften, 
welche die Sendung einer Sache verurſacht; — Ableit. der Sender, -8, 
die Senderinn, M. -en, wer etwas fendet (der Sender eines Briefes, der 
Waaren 2c.; oberd. f. das fr. Spediteur, z. B. Salzſender); die Sendung, 
das Senden (z. B. eines Briefes, eines Boten 2c.); auch der einem Ge— 
fandten ertheilte Auftrag, od. von einem Höheren verlichene Beruf zu einem 
Geſchäfte. 

ſendfällig, Sendgericht ꝛc. — Sendrichter, ſ. unter Send. 

Senes- od. Sennesbaum, m. (ital. sena, franz. sene), ein Stauden⸗ 
gewächs im Morgenlande, auch in Italien und Frankreich (cassia senna L.), 
deffen Blätter (Senesblätter) abführende Kraft haben. 

Seneſchall, m., -s, M. -e, (altd. senescale; mittelh. seneschalt; mitt!, 
lat. siniscalcus, senescalcus; von der Wurzel sin, welche Kraft, Dauer, Alter 
bezeichnet (vgl. d. lat. sen-ex, sen-is 2c.), und scalc, Knecht, ſ. Schal und 
vgl. Marſchall; alfo eig. der ältefte Hausdiener; franz, senechal), ehem. bef. 
in Frankreich u. England der Auffeher über das königl. Hofgefinde und in= 


906 Senf — Senken 


nere Hauswefen, ein hoher Hof- u. Reichsbeamter; dann auch oberfter Ge: 
tichtsbeamter eines Bezirks, Kandeshauptmann, Landvogt. 

Senf, m., -e8, o. M. (goth. sinaps, altd. sinaf, senaph, senef; oberd. 
Senef, Senft, Semft; niederd. Semp; fehwed. senap; angelf. senepe, engl. 
senvy; franz. seneve; fämmtlid von dein lat. sinäpi, sinapis, griech. olvemı), 
ein Schotengewächs, deffen Samen einen fcharfen, durcchdringenden Ge— 
ſchmack hat und als Würze an -Speifen ze. dient; auch Gartenfenf, defien 
Arten: der weiße, u. der ſchwarze Genf; der wilde Senf, auch Aderz, 
Feld-, Bauernienf, Hederich zc., ein gemeines Unkraut; großer wilder 
Senf, eine Art Raute; der gemahlene Samen des Gartenfenfs wird mit 
Maffer od. Wein zu einer Tunke eingerührt, welche gleihfals Senf 
(niederd. Moftrich) heißt, (uneig. gem. feinen Senf zu etwas geben, d. i. gleich» 
fam: jeine Würze zc., feine Meinung od. das Seinige dazu jagen; ein langer 
Senf, f. ein langes, unnüges Gefhwäs); — 3fes. die Senfbrühe, mit 


Senf zubereitete Brühe; die Senfbüchfe, das Senfglas, näpfchen, hal _ 


chen 2c., Kleine Gefäße zu Senf; das Senfforn, Samenkorn des Senfes; 
das Senffraut, Hederich oder gelbes Eifenkraut; Winterkreffe; gemeines 
Pfefferkraut; das Senfmehl, gemahlener Senf; die Senfmühle, ein. Ge— 
räth zum Zermahlen der Senflörner; das Senföl, aus Senffamen gewonne⸗ 
nes Öl; das Senfpflafter, ein ſtark reizendes Pflafter von gemahlenem Senf; 
der Senffamen u der Senfteig, Brei von gemahlenem Senf zu Senf- 
pflaftern zc. 

fengen, Zw. (altd. sengan, bi-sengan, sengen, Prät. sancte; entft. aus 
sangian, alſo eig. Fackitivum von singan, fingen, fang; Grundbed. fingen 
machen, Eniftern machen? angelf. sängan, engl. singe; vgl. das mittelhochd. 
sungeln f. niftern; u. das niederd. ſchroien f. fengen mit [hreien), 1) ziel. 
die Oberfläche eines Körpers andbrennen, bei. haarige oder haarähnliche 
Theile auf derfelben abbrennen (ein gefchlachtetes Schwein, eine gerupfte 
Gans ꝛc. —; die Hutmader fengen die Hüte; im Kriege fengen und brennen, 
urſpr. von dem Abbrennen des Getreides auf dem Felde; ein Shif—, d. i. 
mit angezündetem Buſchwerke abflammen, um es zu Ealfatern); uneig. auch f. 
dörren, dürr und gelb machen (die Sonne fengt dad Gras, das Laub 2c.); 
2) ziellos m. fein, von der Hige an der Oberfläche verbrannt merden 
(Wollenzeug fengt an einem heißen Ofen); das Sengefeuer, ein Feuer, über 
welchem man etwas fenget; fengerig, Bw., landſch. f. dem Geruche nach 
wie etwas Verſengtes (es riecht fengerig). 

ſenken, ziel. Zw. (altd. senkau, senken, Prät. sancte, entft. aus sanchian, 
Factitivum von finfen, fan; ſchwed. sänka, angelf. sencian, engl. sink), überh. 
ſinken machen od. laffen, entg. heben; insbef. eig. allmählich in die Tiefe 
hinablaffen (. 8. einen Sarg ins Grab—); Weinb. u. Gärtn. eine Rebe, 
einen Zweig —, d. i. Behufs der Fortpflanzung in die Erde -niederbeugen, 
ohne fie vom Stamme abzulöfen; uneig. nad unten hinrichten, nieder 
fhlagen (den Blid—); den Ton, die Stimme—, fallen laffen, tiefer 
tönen laffen; fih—, als rüdz. Zw. f. finken, ſich niederlaffen (dev Schlaf 
ſenkt fi auf die Augenlieder), bef. f. in die Erde finfen, nad) und nad) 
niedriger werden (die Mauer, das Haus ꝛc. hat fich gefenkt); Bergw. fen- 
Een, od. gew. finEen, abfinken, f. in die Ziefe graben (einen Schadt); 
— 3fes. das Senkblei, ein Blei an einer Schnur zur Erforfchung der 


4 











"Senn 907 


Waffertiefe, Bleiloth, Grund od. Wurfblei 2c.; das Senkeifen, ein Heiner 
Amboſs der Kupferfchmiede; der Senffäuftel, Bergm. ein ſchwerer eiferner 
Schlägel mit langem Helm; das Senfgarn, Fiſch. ein Nes, welches mittelft 
angehängter Bleiftüde ins Waffer gefenkt wird, auch die Senke; die Senk— 
grube, Weinb, die Grube, in welche die Senkrehe gefenkt wird; der Senk- 
hammer, ein mit Zurchen verfehener Hammer der Hufſchmiede, Rinnen damit 
in das Eifen zu machen; der Senffnecht, Weinb. ein Pflod mit einem Haken, 
den Senker damit in der Erde zu befeftigen; der Senkkolben, Schloff. eine 
Art Bohrer, Löcher damit zu erweitern, um Schraubenköpfe 2c. davein zu ver— 
fenten; die Senfnadel, eine Nadel, mittelft deren man etwas in der Tiefe 
unterfucht, Suchnadel od. =eifen (fr. Sonde) ; der Senfpfahl, Weinb. Pfahl, 
an welchen die Senker gebunden werden, wenn fie ausfchlagen ; die Senfrebe, 
Rebe, weldje von dem Stode geſenkt (f. 0.) wird, Senker, Einleger ꝛc.; 
fenfrecht, Bw., der Linie gemäß, welche ein fich ſenkender od. fallender Kör— 
per bildet, Lothrecht (fr. perpendiculär), entg. wagerecht; die Senkreuſe, 
Fiſch. Reufen, welche ins Waffer eingefenkt werden; die Senffchlacht, eine 
Schlacht (f. Schlacht 1. 3), beftehend aus Reisbündeln zc., welche in das Waffer 
gefentt worden, auch: das Senkwerk; der Senkfpaten, großer eiferner 
Spaten der Brunnenmacher mit etwas gebogenem Stiele; der Senkftod, 
Weinb. ein Weinftod, von welchen Reben gefenkt werden; Klempn. cin Am» 
bofs mit Vertiefungen, den Drath darin zu fchlagen; die Senkwage, ein 
Werkzeug zur Erforihung der Schwere u. des Gehaltes von Flüffigkeiten, Ge— 
tränken 2c., Waflerwage (fr. Aräometer); — Ableit. die Senke, M.-n, 
dag Senken, insbef. das Fortpflanzen durch Senker; was gefenkt wird 
od. ift, insbef. f. Senkgarn; alt u. landſch. f. Niederung, Thalz Schmied. 
u. Schloſſ. eine vertiefte Form, worin anderen Körpern ihre Geftalt gegeben 
wird; der Senfel, -8, M. mw. E., 1) was gefenft wird, daher alt und 
landſch. f. Senkblei, Bleiſtück an Fiſchnetzen; chem. auch f. Anker; 2) 
(wahrſch. von anderem Stamme; vgl. das altfranz. cengle, lat. cingula), ein 
Band od. Riemen, gem. mit einer metallenen Spise verfehen, zur Befefti- 
gung von Kleidungsftüden, oberd. Neftel (Schnürſenkel ꝛc.); Bergw. 
Eleine eiferne Klammern zum Zufammenhalten der Gerinne od. Lattenz das 
Senkelblech, vünnes Eiſenblech, woraus die Spitzen an den Schnürſenkeln ze. 
gemacht werben; die Senfelnadel, landſch. f. Schnürnadel; die Senkel— 
ſchnur, landſch. f. Bleiloth, Richtblei; der Senfler, -3, wer Senkel vers 
fertigt, Senkelmacher, oberd. Neftler; — der Genfer, -8, wer etwas 
ſenkt; was gefenkt wird, insbe. f. Senkrebe, Senkreis, Ableger; Fiſch. 
ein vieredfiges Netz, welches an zwei Stangen hängt, mittelft deren es in das 
Waffer gefenkt wird; die Senkung, das Senken; das Gefenktfein, z. B. 
des Erdbodens, des Tones 20.5; Ton- u. Versk. auch der gefenkte Ton, die 
tieftonige Silbe (fr. Thefis), entg. Hebung. 

Senn od. Senne, m., -en, M. -en, auch der Senner (landfch. Sen- 
der), -d, M. mw. E., (vielleicht von finnen in der Bed. des isländ. sinna, 
beforgen, forgfältig behandeln), in den Alpen: ein Viehhirt, insbeſ. ſchweiz. 
wer als Eigenthümer das Vieh den Sommer über auf der Alp weidet u. Käfe 
bereitet; bair. der Knecht einer Bauernwirthfchaft, der auf einer Alpenweide 
die Butter- u. Käfebereitung beforgt; wenn es eine Dirne thut: die Sen- 
nimm oder Sennerinn (auch Sendinn, Senderinn); die Senne 1., auch 

4 


908 Senne — Serpentin 


Sennete, Sennte, M. -n, Kuhheerde auf den Alpen unter Aufficht eines’ 
Sennen; fennen 1., fchweiz. auch fenntnen, ziellof. Zw., als Senn wirth— 
fhaften, insbeſ. Käfe bereiten; die Senn= od. Sennenhütte, Wohnung 
des Sennen auf den Alpen; das Sennvieh, Vieh, das auf die Alp getrieben 
wird; die Sennerei, Befchäftigung des Sennen; auch der Inbegriff des 
zur Alpenwirthfihaft Gehörenden: Sennhütte, Vieh\zc. 

Senne 2., w., M. -n, oberd. f. Sehne (f. d.), bef. am Bogen; daher: 
fennen 2., auch fennden, ziel. 3w., den Bogen, die Yrmbruft—, f. mit 
der Sehne beziehen, in Bereitſchaft fegen, fpannen. 

Senne 3. w. od. der Sennesbaun, f. v. w. Senesbaum, f. d. 

Senner, m., -8, M. m. E., 1. |. Senn; 2. niederd. ein Pferd aus 
einer Stuterei, edles Geftütpferd; fo au: die Sennerftute. 

Senfe, w., M. -n, (dur Zuſammenziehung entſt. aus d. altd. segansa, 
segiusa, mittelb. segense, segese, seinse, sense; oberd. Sägeſe, Säges, 
Sengſe, Säns, Sänſt. im. aud) Eäaifen, Sageis, Segeſſe; nicderd. Seife, 
Seeße, holl. zeisse, isländ. sigdh, angelj. sidhe, engl. sithe; — von gleicher 
Wurzel mit jägen, Sch, Sachs, Sichel zc.), ein Schneidewerfzeug, bes 
ftehend in einer langen, bogenförmig gefrümmten Klinge an einem langen 
Stiele, zum Mähen von Gras u. Getreide, verfch. von der Sichel (f. d.); 
der Senfenbaum oder = ftiel; das Senfeneifen, ſchmales Stabeifen, aus 
welchem Senſenklingen gefchmiedet werden; das Senfengerüft, ein Gerüft 
über der Senfenklinge, mittelft deffen die Halme beim Mähen zufammengefaflt 
und in Schwaden hingelegt werden; die Senfenklinge, f. Klinge 1.5 der 
Senſenmann, der als ein menfchl. Gerippe mit einer Senfe in der Hand dar- 
geteilte Tod, auch: der Senfenträger; der Senfenfchmied, der Senſen— 
Elingen ſchmiedet; der Senfenftein, Scteifftein zum Schärfen der Senfen. 

Sente, w., M. -n, (ngl. Semde, Sende 2.2) Schiffs. dünne, ſchwanke 
Latten, melde vom Vorder > bis zum Hinterſteven auf die Inhölzer gefpikert 
werden, um die Birgung der Seitenplanken danach zu ordnen, aud: der 
Schergang. 

September, m., -8, M. w. E., (von dem lat. — v. septem, 
ſieben, weil es urſpr. der ſiebente Monat war), der neunte Monat de3 Jah: 
res, Derbftmonat. 

ferben, zielloſ. Zw. m. haben, (altd. serawen, serewen, serwen; vgl. 
das nicderd. for od. foor f. dürr, troden; foren f. dorren), alt u. noch 
oberd. f. welken, binfchwinden, fiechen, abzehren, entkräftet werden (z. 8. 
eine ferbende Krankheit; in Hoffnung ſerben; au abferben); der Serbet 
od. die Serbete, ſchweiz. f. langwierige Kränklichkeit, Auszehrung, Schwind- 
ſucht; der Serbling, -e3, M. -e, ſchweiz. f. ein Gewächs, aud ein Kind, 
das nicht gedeiht, in feinem Wachsthum zurüdbleibt 2c. 

ferfeln, zielloſ. Zw., oberd. f. ſchlarfen (f. d.), fihleppend gehen, bie 
Pantoffel auf dem Boden fortichleifen; der Serfling, -es, M. -e, f. alter 
Pantoffel, niedergetretener Schuh. 

Sergenfraut, ſ. Tandfch. f. Saturei. 

Serpe, w., M. -n, (verw. mit ferben?), landſch. f. Krummholzs 
baum, f. d. 

Serpentin, m m., ⸗es, 0. M., od. ber Serpentinftein, (ital. serpentino, 
vom lat. serpens, Schlange; wegen feiner Schlangenfarbe), der Schlangen: 














Serſche — feßen 909 


ſtein, ein ſchwarzgrüner, gelb und röthlich gefleckter Talkſtein, der zu allerlei 
Gefäßen verarbeitet wird. 

Serſche, w. —* v. w. Sarſche, ſ. d. 

Serſe, w., -n, landſch. f. Elſebeere; der Serſebaum, f. Elſebeer—⸗ 
baum. 

Serwing, w., M. -en, Schiff. dicke, platte Taue, beſ. zur Bekleidung 
der Ankertaue ꝛc. 

Seſam, m., -8, o. M., od. das Seſamkraut, (lat. sesamum u. sesama; 
griech. onodun, onoauov), ein morgenländ. Schotengewächs, der Flachs— 
dotter, aus deffen Samen das Seſam-Ol geprefft wird; das Sefambein, 
od. =Fnöchelchen, Kleine Gelenkknochen der Hände u. Füße. 

Sefel, m., -8, (griech. u. lat. ses@lis, seseli), eine Pflanzengattung im 
füdl. Europa, der Steinfiimmel, Sefelfamen; auch f. v. w. das Sefel- 
fraut, der Rofstümmel, eine Art des Laferkrautes. 

Seſſe od. Sefs, w., M.-en, (ſchweiz. Saffe, öfte. Söſs; franz. sasse, 
ital. sessola), oberd. Sciff., hölzerne Handfchaufel, großer Schöpflöffel 
zum Yusichöpfen des in den Schiffsraum eingedrungenen Waſſers; daher: der 
Sefstall (eig. wohl Seis-ftalt) f. die in der Mitte des Schiffes bis auf 
den Boden offen gelaffene Stelle, wo das eingedrungene Waſſer ausgefchöpft 
wird; der Sefstaller (Sefsftaller), Schiffmann, welder auf der Mitte 
bes Schiffes fteht u. es regiert. 

Seſſel, m., -$, M. w. E., Verkl. das Seſſelchen, (altd. sezzal, sezzil, 
sezzel; oberd. Seßel; goth. sitls; niederd. Setel; angelf. sitl, setol, engl. 
settle; von figen, altd. sizzan, goth. sitan), ein Sitz, Geſtell, fich darauf 
zu fegen, finno. Stuhl (daher Arm-, Lehn-, Schlaf>, Zragfeffel 2c.); in 
engerer Bed., bef. oberd., ein gepolfterter Stuhl mit Rüden u. auch wohl 
Armlehne, als vornehmeres Geräth dem Stuhl entg.; gew. ein niedriger 
gepolfterter Stuhl ohne Lehne (fr. Tabouret); der Seffelmacdher; der 
Seffelträger, oberd. f. Sänftenträger. 

felshaft, Bw. (altd. sezhaft, sezbaere; von dem Stamme saz, ſaß, fals, 
ſeſs, welcher auch in Frei», Dinter-, In-, Landſaſs zc., oberd. auch -ſeſs, 
vorkommt; vgl. fisen), wohnhaft, anfaffig, Grundbefig an einem Orte ha= 
bend; die Sefshaftigkeit, das Sefshaftfein, die Anſäſſigkeit; — das 
Sefslehen, ehem. ein Lehen mit der Bedingung des perfönlichen Aufenthaltes 
darauf, jedes nicht durch Kriegsdienfte verdiente Lehen; der Seffmann, M. 
Sefsleute, wer ein ſolches Lehen inne hat; ein Dinterfafs. 

Sefter, m., -s, M. w. E., (altd. sextari, sehstere; vom lat. sextarius; 
ital. sestiere, franz. setier; val. Sechter), ein oberd. Maß für trodene 
Dinge (im Elfafs — 4 Quart 09. Vierlinge), und für Fluffigkeiten (in der 
Schweiz — 8 Kannen od. 16 Maß); ſchweiz. auch ein großes Weingefäß. 

fegen, 3w. (das Factitivum von figen, faß 2c.; vgl. Say; goth. satjan 
von sitan, sat; altd. sezzan, setzen, entft. aus sazjan von sizzan, ſsaz; daher: 
Prät. sazte, Part. gesazt, und noch im älteren Neuhochd. ſatzte, gefaßt, 
jest: feste, geſetzt; niederd. fetten, angelf. settan, engl. set, ſchwed. 
sätta), 1) ziel. eig. figen machen, einen Körper in eine folche Lage bringen, 
dafs er aufgerichtet auf einem breiten Theile feiner Oberfläche ruht, verich. 
von ftellen u. legen; insbef. von Menfhen u Thieren (ein Kind auf den 
Schoß, auf einen Stuhl 2c.; uncig. einen auf den Thron —, d. i. zum regie⸗ 


910 feßen 


renden Heren machen; alt u, noch in der Studentenſpr. einen—, f. bewir⸗ 
then); bef. in rückzielender Anwendung: fih—, fich auf einen Sitz ꝛc. nie 
derlaffen (z. B. ich fege mich auf die Bank, den Stuhl 2c., auf die Erde, auf 
ein Pferd, in die Kutfche, in den Kahn, an das Fenfter, vor die Thür; uneig. 
fih auf etwas fegen, d. i. es durchaus haben od. thun wollen); von 
leblofen Körpern: auf einen breiten, flachen Theil der Oberfläche 
hinſtellen (z. 8. Schüffeln, Zeller, Gläfer, Leuchter ze. auf den Tiſch —); 
auch überh. f. ftellen (etwas an einen Ort—; einen Fuß vor den andern —; 
den Fuß über die Schwelle —; den Stuhl an die Wand—; uneig. ſich auf bie 
Hinterfüße fegen od. ftellen, d. i. fih hartnädig gegen etwas fträuben; fich zur 
Wehre fegen, d. i. fich vertheidigen; Jemand zur Rebe fehen. od. ftellen, ſ. 
Rede) ; insbe. f. aufftellen, aufpflanzen, errichten (die Garben in Mandel—; 
einem ein Denkmal, eine Ehrenfäule—; Bäume fegen, d. i. pflanzen); in wei— 
terer Bed. etwas an einen beflimmten Drt bringen, einer Perfon od. Sache 
einen Plag anmweifen (einen ins Gefängnifs—, auch bloß: ihn ſetzen; den 
Hut auf den Kopf, das Glas an den Mund —; einem Blutigel fegen; einem 
das Meffer an die Kehle, den Degen auf die Bruſt —; Bergw. Feuer fegen, 
aud) bloß: fegen, d. i. Holzſtöße an das Geftein fegen u. anzünden; Buchdr. 
Schriften—, od. bloß: fegen, d. i. die Schriften in die Form geordnet 
zufammenftellenz; Geld auf eine Karte fegen, aufs Spielfegen, od. bloß: 
fegen, d. i. es niederlegen, um damit zu gewinnen, fr. pointiren; daher uneig. 
etwas aufs Spiel jegen, od. daran ſetzen, d. i. wagen, 3. B. fein ganzes 
Bermögen, Leib und Leben daran ſetzen 2c.); fo auch in vielen uneig. Redens— 
arten (3. B. etwas aus den Augen fegen, d. i. nicht beachten; einem od. ſich 
etwas in den Kopf Segen, d. i. einbilden;z Mifstrauen in Semand fegen; feine 
Hoffnung auf etwas—; feine Ehre, feinen Ruhm in etwas— u. dgl. m.); 
ſich — insbef. f. ſich bleibend niederlaffen, feftfegen (fi auf dem Lande—; 
das Heer feste fich vor der Stadt; fi) zur Ruhe —, d. i. fein Gefchäft oder 
Gewerbe niederlegen); von Leblofen Dingen f. auf den Grund gerathen (ein 
Schiff fest fih auf eine Sandbank ꝛc.), zufammenfinfen, fallen (eine Ge— 
ſchwulſt, der Zeig ꝛc. fest fi), zu Boden finken, einen Niederfchlag ab- 
feßen (das Trübe in einer Flüffigkeit ſetzt ſich; auch: die Flüffigkeit felbft hat 
fich gefegt); uneig. f. ſich befeftigen (die Gefundheit fest ſich, hat fich geſetzt; 
f. aud) das Mw. gefest, ald Bw.); feßen uncig. f. beftimmen, feftfegen, 
erniennen (eine Zeit, einen Tag zu etwas —; einer Sache Maß und Ziel—; 
einen Preis auf eines Verbrecher KRopf—; einen zum Vormund —; fprichw. 
den Bock zum Gärtner—, f. Bock; oberd. auch: den Werth od. Preis einer 
Sache beftimmen, fr. tariren, z. B. das Bier, den Wein 2c.; einem etwas — 
“ehem. f. zutheifen, verleihen, vermachen, vgl. ausſetzen); als wirklich an- 
nehmen, für wahr gelten laffen (z. B. fegen wir den Fall, dafs 2.5 bei. 
das ungebeugte Mw. gefest, f. angenommen, z. B. geſetzt, dafs es fich fo 
verhielte, od. gefegt, es verhielte fich To); endlich bezeichnet feßen in Ver— 
bindung mit allerlei Zufägen eine Veränderung, Hervorbringung od. Ver— 
fegung in einen gewiffen Zuftand (z. 8. ein Kind in die Welt fegen, d. i. 
erzeugen od. gebären; Jäg. von Thieren, bef. Hafen, Hirſchkühen und Reben 
auch bloß: fesen f. Junge werfen; etwas in Flammen fegen, d. i. anzlinden, 
entzünden; ein Land unter Waffer—, überſchwemmen; ſich in Bewegung —; 
etwas od. einen in Stand —, außer Stand—, ſ. Stand; einen außer Thätig- 

















ſetzen 911 


keit —; etwas ins Werk—, d. i. bewirken, bewerkſtelligen; einen in Freiheit 
od. auf freien Fuß —; einen in Erſtaunen, in Furcht, Schrecken, Unruhe ꝛc. —; 
fih in Gefahr, in Unkoften ꝛc. —; fich mit Iemand, 3. B. mit feinen Gläu- 
bigern, aus einander feßen, od. bloß: ſich mit ihnen fegen, d. i. ver- 
gleichen, einigen; ein Lied in Mufitfegen, d. i. eine Sang= od. Zonweife 
dazu machen (fr. es componiven); es ſetzt, als unperf. Zw. der Volksfpr. 
f. es giebt ıc., es entjteht od. gefchieht etwas (z. B. oberd. es fegi Regen, 
Schnee u. dgl.; gew. es fest Schläge; es wird Händel feßen u. dgl. m.); — 
2) ziellos m. haben, fich mit Anftrengung ſchwung- od. foßmweife fort- 
bewegen, insbef. f. fpringen (das Pferd fest; über einen Graben fegen; mit 
dem Pferde über einen Zaun —; vgl. Sag 1) u. nachſetzen f. nadeilen 2c.); 
auch über ein Waffer fahren, rudern (z. B. mit einem Kahne über den 
Fluſs —; vgl. überfesen); Bergw. f. fich erſtrecken (z. B. der Gang fest 
in das Gegengebirge); — 3fes. die Setzart, Tonk. die Art u. Weife, wie 
etwas in Muſik gefest ift; der od. das Setzbord (niederd. Sett-, Settelbord), 
Schiffb. eine breite Planke, welche auf den Bord eines Bootes gefest wird, 
um ihn zu erhöhen; das Setzbrett, Buchdr. ein vierediges Brett, auf welches 
die abgefegten Schriftfäufen gefteilt werden; die Setzbühne, Bergw. eine 
Bretterbühne, worauf die Erze gefegt u. gewaſchen werden; das Seß- Ei, 
- M. Seß: Eier, in geſchmolzene Butter gefchlegene und darin halbweich ges 
badene Eier; das Sebeifen, auf Eifenhämmern, ein großer Meißel, welcher 
auf die glühenden Eifenftüce gefegt wird, um diefelden durch Hammerſchläge 
zu zertheilen; die Seßerde, im Deichbau, Raſenſtücke, welche auf die auf: 
gemorfene Erde gefegt werden; der Sebfäuftel, Bergw. ein großer, vierediger 
eiferner Schlägel; der Setzfehler, ein beim Segen in der Druderei begange: 
ner Fehler, gew. Drusfehler; der Sebhafen, Hüttenw. ein Baum mit zwei 
Haken, die glühenden Kienftöce von dem Seigerofen zu heben; der Sebha- 
men, Fiſch. ein Damen, der an das Ufer gefegt wird; der Setzhammer, 
Schmied. ꝛc., ein Segeifen (f. d.) in Geftalt eines Hammers; der Sethafe, 
ſ. Satzhaſe; das Seßholz, Zweige, welche zur Kortpflanzung in die Erde ge- 
fegt werden, f. v. w. Seplinge, z. B. Sesreben, -weiden 2c.; Gärtn. 
auch f. Pflanzer, Pflanzſtock; der Setzkarpfen, f. v. w. Sagfarpfen ; 
der Setzkaſten, Schriftkaften dev Buchdruder; in Vitriohverken das hölzerne 
Gefäß, in welchem man die Lauge anfchießen läfft; der Seßfolben, in der 
Geſchützkunſt eine hölzerne Walze, die Lasung feftzuftoßgen, auch der Seger, 
Stampfer; die Seßlauge, in Sulpeterwerken die Lauge, ‚welche hingelegt 
wird, damit der Salpeter anſchieße; die Setzlinie, Buchdr. ein meffingenes 
Blech, welches beim Segen zwiſchen die Zeilen in den Winkelhaken gelegt 
wird; der Seßmeißel, Schloff. ein Meißel in Geftalt eines Hammers; die 
Sebpflanze, |. v. w. Sepling; fo auch: das Sekreis; das Sesichiff, 
Buchdr. |. v. w. Setzbrett; der Setzſchiffer, wer in befonderen Nothfällen 
die Stelle des wirklichen Schiffers vertritt; der Sesfchlich, Hüttenw. durch 
das Sieb gewafchener Schlich (ſ. Schlich 2.); die Setzſtange, Bauk. eiferne 
Stangen zum Fortſchaffen und Zurechtſetzen der Steine; die Sebftatt oder 
-ftätte, f. u. Sege; der Setzſtempel, Bergw. eine Art Hammer, ftumpf u. 
auf einer Seite ſchmal zugehend; der Sebteich, f. v. w. Sasteich; der 
Setztrog, Hüttenw. ein Trog neben dem Zinnofen, den Zinnftein und bie 
Schlacken darin zu vermifchen, auch: der Setzhübel; die Setzwage, eine 


912 Seuche — ſich 


Bleiwage zur Unterſuchung der wagerechten Lage einer Fläche; die Setzweide, 
ſ. o. Setzholz; das Setzwerk, Bergw. ſ. v. w. Graupen (ſ. d.), auch: Se 
graupen; die Setzzeit, Jäg. die Zeit, wann die Haſen, Hirſchkühe und 
Rehe zu ſetzen, d. i. Zunge zu werfen pflegen; — Ableit. ſetzbar, Bw., 
was geſetzt werben kann, z. B. in der Druckerei, in Muſik ꝛtc.; die Setze, 
M. -n, landſch. ein mit Weinftöcken befeßter Ort, auch Setzſtatt; niederd. 
Sette, ſ. v. w. Satte, f. d.; das Setzel, -8, (niederd. Settel, Settels), 
die Befodung eines fteilen Wafferdeiches; der Seßer, -8, wer etwas feßt, 
3: B. Geld auf eine Karte (fr. Pointeur), ein Mufitftüd (Tonſetzer, fr. 
Gomponift); insbei. f. Schriftfeßer, f. d.; oberd. auch f. Schäger, Werth— 
beftimmer (fr. Taxator), und landſch. f. Säufer; auch f. Segkolben, f. 0.5 
ſetzig, Bw., oberd. f. halsftarrig, verftodt; der Sekling, -es, M. -e, 
(altd. setzelinc), ein zum Berpflanzen beftimmtes junges Gewächs; Weinb. 
alles Setzholz, Setzreben; Fiih. f. Setzkarpfen; die Setzung, gew. das 
Setzen (z. B. eines Denkmals ꝛc.). 

Seuche, w., M. -n (goth. siukei, althochd. siuhhi, mittelh. siuche und 
sieche; oberb. * Seucht, Seuchte; niederd. Süke, Siekte; ſchwed. 
sjuka; von dem goth. siuks, altd. siuh, sioh, ficch, f. d. u. vgl. Sucht; Seuche 
fteht alfo eig. fi Siehe, wie Teufe in der Bergmw. f. Tiefe, beutft, geußt ze. 
neben bieteft, gießt 2c.), chem. überh. eine langwierige Krankheit; jegt eine 
verbreitete, um fich greifende anftedende Krankheit, von weiterer Bed., 
als das finnv. Peft, bef. unter dem Vieh (eine Viehſeuche); uneig. auch 
f. ein fittfiches Übel, das wie eine verderblihe Krankheit um fich greift; der 
Seuchenftoff, der anſteckende Krankheitsſtoff einer Seuche; feuchen, 3w., 
vlt. f. ſiechen; feuchtig, Bw., vlt. f. fiech, füchtig. 

feufzen, zielleſ. Zw. m. Haben, (mitteih. siufizen, siufzen; oberd. feufe- 
zen, ſeufzen; von süfan, souf zc., faufen, d. i. ſchlürfen, die Luft einzichen, 
vgl. das lat. suspirare; angelf. seohan; altd. aud) süfton, siuften, daher oberb. 
feuften, fauften; niederd. fuften u. ſuchten, holl. zugten, ſchwed. sucka, engl. 
sigh u. sike; vgl. faufen u. faugen), den Athem tief einziehen und hörbar 
ausftoßen, als natürliche Lußerung der Bedrängnifs, des Kummers, der Schn- 


ſucht 2c., ſinnv. Achzen, ſtöhnen, |. d. (tief feufzen; vor od. aus Liebe feufzenz 


nad etwas—, d. i. feufzend od. überh. ſehnlich danach verlangen ; zu Gott—, 
d. i. feufzend beten; über etwas—, b. i. feufzend Elagen); das Seufzen, 
als Hw.; der Seufzer, -$, M. w. E., (mittelh. siufze, siufte, m.; oberd. 


Seufezer, Scufzger), ein einmaliges Seufzen, und der dabei auögeftoßene ; 


Laut. 

Seule od. Seul, w., M. -en, oberd. (auch Seuel; altd. siula, siule, 
von dem altd. siuuan, siuwan, altoberd. feuwen, ſeuen, f. nähen; lat. su- 
bula v. suere), f. die Ahle, Schuſterpfrieme. 

feyn, ſ. fein, Zw. 


fibbe, ein niederd. Lockwort für Hunde, deren Namen man nicht weiß, 


(vgl. Sipp, Sipphund). 

Sib-Beere, w., M.-n, (öfter. Setbeere), oberd. f. Heidelbeete. 

ſibeln, ueſ. niederd. f. tändeln, zärtlich thun. 

ſich, rückzielendes Fürw. (Pronomen reflexivum) der dritten Perſon im 
Accuſativ u. Dativ der Einheit u. Mehrheit für alle Gefchlechter, (niederd. 
fit, ſchwed. sig; — das goth. sik, altd. sih, sich ift urfpr. nur der Aceuf. 











——— — 


Sichel 913 


des ungefchlechtigen perſönl. Fürw. der 3ten Perf. — lat. se; der Dativ 


diefes Fürw. (lat. sibi) lautet goth. sis, und wird im Altd. u. noch im älteren 
Neuhochd. durch den Dat. des gefchlechtigen Fürw. imu, ira; im, irz ihm, 
ihr; M. im, in, ihnen erſetzt; z. B. bibl. unfer Keiner lebt ihm ſelber; 
Gott hat ihm (ft. fich) eine Gemeinde erwählt, u. dgl. m.; daneben tritt aber 
ſchon im Mittelhochd. sich bisw. auch ald Dativ auf; im Neuhochd. wird 
ſich für beide Fälle ausschließlich als rüczielendes Kürw. angewendet; 3. B. 
Acc. er ober fie wälht, kämmt, babet, rühmt fich 2c.; fie rühmen ſich ꝛc.; 
Dat. er od. fie fchmeichelt fich, bildet fich etwas ein; fie fchmeicheln fich, geben 
ſich Mühe zc.; fo auch nady Verhältnifswörtern, 3. B. er ift außer ſich; fie ift 
nicht bei fich, Eonnte nicht zu fich Eommen; fie Sprechen immer von ſich ꝛc.; bef. 
fteht Sich als Acc. bei rüdzgielenden Zeitwörtern, wie: fich freuen, 
grämen, fchämen, fehnen, wundern ꝛc.; auch wird die rückzielende Form oft 
fatt der Leideform (des Paffivs) gebraucht, z. B. das Schiff bewegt ſich; 
die Sonne verfinftert ſich; der Schlüffel hat fich gefunden ft. ift gefunden wor— 
den; und in unperfönlichen Ausdrüden, wie: es fchläft ſich hier gut; mit 
vollem Magen arbeitet ſich's ſchlecht; es verfteht fich von felbft, u. dal. m.); 
häufig wird fich verftärkt durch Hinzufügung von felbft, f. d. (4. B. er hat 
es fich jelbft zugufchreiben; Jeder ift fich felbft der Nächfte; fich felbft anlagen, 
täufchen, loben 2c.); — von dem rückzielenden fich unterfcheide man das wech— 
felfeitig = zielende (reciprofe) einander, ſ. d. 

Sichel, w., M.-n, Verkl. das Sichelchen, (altd. sihhila, sichel; nie- 
derd. Sekel; angelf. sicel, engl. sickle; ſchwed. sikel, dän. segel; Tat. secula; 
von.gleihem Stamme mit Sch, Suche, Senfe zc., ſ. d. u. vgl. fägen, lat. 
secare), ein halbkreisförmig gekrümmtes Schneidewerfzeug mit kurzem 
hölgernem Hefte, zum Abfchneiden des Grafes und Getreides, verfch. von 
der Senfe (f. d.); uneig. etwas Sichelfürmiges (z. B. die Sichel des Mon- 
des, d. i. der Mond im erften, u. im letzten Viertel); eine Art Fifche (auch 
der Sichling, ſ. u.); die gemeine Kornblume, auch: die Sichelblume; 
das Sichelbein, ein fichelförmig gefrümmtes Bein; daher fichelbeinig, Bw.; 
die Sichelente, eine Art Enten in Sibirien mit fihelförmig gebogenen Schwung— 
federn; der Sichelfiſch, eine Art langer und dünner Seefiſche; die Sichel- 
fliege, Kameelhalsfliege (f. d.); fichelfürmig, Bw.; der Sichelflee, eine Art 
Schneckenklee mit fihelförmig gefrümmten Hülfen ; das Sichelkraut, eine Art 
des Waffermerkes, auch Sicheimöhre od. = merk; die Sichellege, alt und 
fchmweiz. f. die Mahlzeit der Schnitter nach beendigter Ernte, oberd. auch die 
Sichelhenke; der Sichelfchnabel, fihelförmiger Schnabel; ein ausländ. 
Sumpfvogel mit ſolchem Schnabel; der Sichelfchnäbler, ein Vogelgefchlecht 
mit fichelförmigem Schnabel, aud) Sichler genannt, wohin die Baumkletten, 
Graufpechte 2c. u. insbef. die Brachvögel gehören; der Sichelmagen, chem. 
im Kriege: eine Art Wagen mit fichelförmigen, ſcharfen Eifen an den Achien 
od. Rädern; der Sichelzind, Zins von der Ernte; — Ableit. fichelicht, 
Bw., fihelähnlich; der Sicheling od. Sichling, -es, M. -e, vit., fo viel 
man mit der Sichel auf einmal abfchneidet, eine Handvoll; Sichling 
auch f. Aloſe; u. f. Mefferfifch; ficheln, ziel. Zw., mit der Sichel ab- 
ſchneiden; mit einer Sichel verfehen (bef. das Mw. gefihelt); der Si— 
cheler od. Sichler, -8, wer mit der Sichel ſchneidet; auch f. Sichel: 
ſchnäbler, f. o. 


Heyſſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 58 


944 ſicher — Sicht 


ſicher, Bw. (altd. sihhur, sihhar, sicher; altſächſ. sikur; niederd. ſeker, 
dän. sicker, ſchwed. säker; — lat. securus, entft. aus se (sine)-cura, ohne 


Sorge; mithin ift das deutfche Wort von dem Latein, entlehnt), 1) eig. ſorg⸗ 


los, unbeforgt vor Gefahr, dann: Feine Gefahr zu fürchten habend, ge- 


fhüst vor Gefahr, gefahrlos, geborgen ic. (3. B. einen fiher machen; ſicher 


Tchlafen; einen od. fich ficher ftellen; vor Krankheit ift Niemand ficher; vor 
mir ift er füher; das Geld fteht hier nicht ficher 2c.); 2) Sorglofigkeit ge— 
während, Schuß gegen Gefahr gebend, nicht mit Gefahr verbunden, finnv. 
zuverlaffig (einem ficheres Geleit geben; das Pferd geht fiher;z die Wege 
find nicht ganz ficher; fichere Leute; ein ficheres Mittel 2c.; niederd. auch f. 
bedachtfam, fittfam, ehrbar); 3) nicht irrend oder irrig, unfehlber, un- 
zweifelhaft, finnv. gewifs, zuverläffig (4. B. ein ficheres Gefühl; eine fichere 
Hand, einen ficheren Gefchmad haben 2c.; eine fichere Nachricht; etwas ficher 
wiffen 20.); landſch. auch f. gewifs, von etwas unbeftimmt Angedeutetem 
(lat. quidam); die Sicherftellung , das Sicherftellen einer Sache od. Per— 
fon; — Ableit. die Sicherheit, 1) o. M. das Sicherfein in allen Bed. 
des Bw., alſo: Sorglofigkeit (in völliger Sicherheit Leben); Gefahrlofig- 
keit, Schuß vor Gefahren (in Sicherheit fein, etwas in Sicherheit bringen) ; 
Ungefährlichkeit (4. B. eines Ortes, der Wege 2c.); Unfehlbarkeit, Zuver- 
läſſigkeit, Gewifsheit (des Gefchmads, einer Nachricht 2c.); 2) M. -en, 
was Sicherheit gewahrt, u. bef. vor der Gefahr eines Verluſtes ficher ftellt 
(Sicherheit leiften; Siherheiten, d. i. Handfchriften, Unterpfänder, Bürg- 
fchaften 2c.); die Sicherheitskarte, obrigkeitl. Schein, welcher einem Frem- 
den an einem Orte ficheren Aufenthalt gewährt; der Sicherheitsort, Schutz— 
ort, Freiftatt (fr. Aſyl); das Sicherheitspfand, ein zur Sicherheit gegebe- 
nes Unterpfand; — ficherlich, Nw., meift vlt. f. ficher, zuverläffig, gewiſs, 
ohne Zweifel, (4. B. ich weiß es ſicherlich; er kommt ficherlich) ; — fichern 1., 
ziel. Zw., einen od. etwas—, ficher machen od. ftellen, vor Gefahr od. 
Verluſt bewahren, (ich bin dagegen oder davor gefichert: fein Eigenthum 
fihern, d. i. in Sicherheit bringen); ehem. auch f. verfprechen, geloben; 
das Sichermahl (ſ. Mahl 4); vielleicht von einem andern, mit fehen ver- 
wandten Stamme?), vlt. f. das Ziel, wonach man ſchießt; der Sicherpfahl, 
bei Waffermühlen ein langer in die Erde gerammter Pfahl, welcher die gefes- 
mäßige Wafferhöhe zeigt (od. fichert?); die Sicherung, das Sichern, die 
Sicherftellung; der Sicherungseid, ein ſichernder od. ficher ftellender Eid. 

fihern 2. ziel. 3w. (von feihen od. feigen 3.5 vgl. feigern 2. u. fidern), 
Bergm. das gepochte Erz durch aufgegoffenes Waffer von dem tauben 
Gefteine fcheiden, auch: waſchen; daher der Sicherftein, in Sinnhütten, 
ein Stein, auf welchem die zu fichernden Zinnfteine zerrieben werden; dev 
Signs, ein Zrog, worin bie Erze gewafchen werden. 

Eichler, Sichling, 1. unter Sichel. 

Sicht, w., M. (felten) -en, (von fehen; engl. sight), das Sehen, der 
Anblick, gew. * in den Zſetz. Ab⸗ An⸗, Auf⸗, Aus-, Durch-, Ein-, Nach-, 
über⸗, Vorſicht 2c.; außer Kaufm. in Wechfelbriefen ze.: auf od. nach Sit, 
d. i. nad) dem Sehen od. der Vorzeigung des Wechſels (4. B. Hr. N. zahle 
nad) Sicht 2c.; drei Tage nach Sicht ac. ; der Wechfel lautet auf 8 Tage Sicht, 
d. i. mufs 8 Tage nad) der Vorzeigung bezahlt werden); Schiff. auch f. 
freie Ausficht, Sehweite; der Sichtbrief, ein auf Sicht lautender Wechfel- 


fichten — fie 915 


brief; das Sichtkorn, an Kanonen das Korn (f. d.), mittelft defien man bas 
Ziel mit dem Auge faſſt; — ſichtbar, Bw., was feiner Natur od. den Um- 
ftänden nach gefehen werden kann (ein fihtsarer Gegenftand; eine fihtbare 
Sonnenfinfternife) ; in engerer Bed. was deutlich in die Augen fällt, finnv. 
. augenfcheinlich, offenbar, fichtlich (4. B. die fichtbare Noth des Armen; es 
ift fihtbar, dafs er mir zürnt 2c.; die fihtbare Kirche, d. i. die durch gleichen 
Lehrbegriff und gemeinfchaftlichen Gottesdienft äußerlich verbundene Kirchliche 
Geſellſchaft; verich. die unfichtbare Kirche, d. i. die Gemeinschaft aller Gläu— 
bigen) ; fichtbarlich, vit. f. fichtbar, als Bw. (4. B. bibl. fichtbarliche Güter) 
u. bei. als Nw. (ev war fichtbarlich erfreut 2c.) ; die Sichtbarkeit, das Sicht- 
barfein, entg. Unfichtbarkeit; — ſichtig, Bw. (altd sihtic, sihtec), vlt. 1) f. 
fihtbar, fichtlich,, fehbar (zZ. B. fichtiger Schaden; ſichtig falfch; jegt nur 
noch in: durhfichtig); 2) f. fehend, anfichtig (eines fichtig werden; jest 
nur in 3feg. wie kurz-, weit, blöd-, ſcharfſichtig 2c.); — ſichtlich, Bw. u. 
bei. Nw., in die Augen fallend, augenfcheinlich, offenbar (fichtliche Spu- 
ven; er hat fichtlih Unrecht); auch f. deutlich fehend (es geſchah vor meinen 
fihtlichen Augen). 

fichten, ziel. Zw. (durch Übergang des f in ch entftandene Nebenform des 
niederd. fiften, verflärkende Ableitung von fieben, eig. fiben, ſ. Sieb; 
angelf. syftan, engl. sift, holl. ziften; vgl. Nichte u. Niftel, Klafter u. Lach— 
ter 26,), durch das Sieb reinigen (Weizen, Mehl ꝛc.); uneig. überh. durch 
Abfonderung des Guten vom Schlechten, des Brauchbaren vom Unbrauch- 
baren reinigen; die Sichtwelle, in Windmühlen eine Welle, welche das Er- 
füttern des Beutels in dem Mehlkaften bewirkt; das Sicht- od. Sichter- 
zeug, das Getriebe an dem Beutelkaften, durch welches das Sichten in den 
Mehlkaſten bewirkt wird; der Sichter, -8, 1. ein Bäckerburſche, der das 
Sichten und Beuteln des gefchrotenen Getreides verrichtet; die Sichtung, 
das Sichten. 

Sichter 2. m., -8, M. w. E. (von feihen, feigen, ſ. d. u. vgl. fichern 2.), 
Wafferb. hölzerne Röhren od. Rinnen, durch welche das Waffer abfließt, im 
Deihbau au: die Sichterhöhle. 

fichtig, ſichtlich, ſ. Sicht; — Sichtwelle, zeug, f. fihten. 

Side, w., M.-n, landic. f. Sieke, Sie. 

fidern, ziel. 3w., (andſch. auch fiekern, oberd. ſicknen; verftärkende 
Ableitung von sigen, feigen 1. u. fiegen 1., |. d.), I) m. fein, tropfenweife 
durch oder abrinnen, auch fintern G- B. der Wein ift aus dem Faſſe ge- 
fidert); 2) m. Haben, eine Zlüffigkeit tropfenmweife durchdringen laffen, 
finnv. leden, rinnen (das Faſs ſickert, hat geficert). 

Sidergrän, f-, oberd. f. Singrün. 

fie, perfünl. Fürw. der dritten Perfon 1) als Nom. u. Acc. der Ein- 
heit des weiblichen Gefchlechts, entfprechend dem männl. er, ihn und dem 
fähl. es; gebeugt: Nom. fie, Gen. ihrer, Dat. ihr (vüdz. fih), Acc. fie 
(eüdz. fich), (goth. siz althochd. N. siu, ©. ira (iro), D. iru (iro), X. sia; 
mittelh. Nom. u. Acc. sie, gew. si od. si, Gen. und Dat. ir; altſächſ. Nom. 
‚sia, Acc. sia; niederd. fe, engl. she), 3. B. fie (die rau) ift nicht zu Haufe; 
ich Eenne fie; diefe Stube gefällt mir nicht, weil fie zu ein ift 20.5 auch Sie 
(mit großem Anfangsbuchft.) ftatt des Fürw. der ten Perfon als Anredewort 
für eine geringere, bef. dienende weibliche Perfon (4. B. Höre Sie einmal, 

i 58 * 


x 


916 Sie — fieben 


Sungfer! gehe Sie hin ꝛc.; vgl. er), ein immer mehr veraltender Gebrauch; 
2) als Nom. u. Acc. der Mehrheit für alle Gefchlechter, gebeugt: Nom. 
fie, Gen. ihrer, Dat. ihnen (rüdz. fih), Acc. fie (rüdz. fih) (althochd. N. 
u. Acc. m. sie, mw. sio, ſ. siu; ©. iro, D. im; mittelhochd. N. u. Acc. sie, 
gew. si od. si; G. ir, D. in; altſächſ. Nom. u. Acc. sia; engl. they), 3. 8. 
fie find-alle ausgegangen; ich fehe fie nicht; baue nicht auf irdiſche Güter, denn 
fie find vergänglih; in der neuhochd. Sprache wird (kaum feit einem Sahr- 
hundert) diefes mehrheitl. Sie, Ihrer, Ihnen (mit großem Anfangsbudjft.) 
‚auch als höfliches Anredewort fowohl für eine, als für mehre männl. oder 
weibl. Perfonen ftatt des Fürmw. der 2ten Perfon (Du, Ihr ꝛc.; ſ. du) allge 
mein gebraucht; 3. B. fehen Sie, mein Herr! weinen Sie nicht, meine $reun- 
dinn! glauben Sie mir, meine Freunde, was ich Shnen verfichere zc. 

Sie, w., M. -en, Verkl. das Siechen, (von dem weibl. Kür. der Iten 
Perſon fie entlehnt; niederd. Se, verkl. Selen; landſch. auch Sieke, 
Side), gem. f. ein Thier weiblichen Gefchlechts, entg. Er, (bibl. ein 
Schaf, das eine Sie ift), gem. nur von Vögeln, entg. Hahn. 


Sieb, f., -es, M. -e, Verkl. das Siebchen, (altd. sip, ©. sibes; oberd. . 


Sib; niederd. Sef, Seve; angelj. sife, engl. sive u. sieve; vielleicht von dem 
Stamme des griech. veleıv, fchütteln, rütteln, daher o7Feıv, fieben; vgl. vei- 
tern), ein Werkzeug, beftehend aus einem geflochtenen löcherigen Blatte, wel 
ches über einen hohen Kranz gefpannt ift, zur Sonderung der feineren von 
den gröberen Theilen eines trodenen Stoffes (ein Haar-, Drath-, Korn- 
fieb 20.5 fprihw. Waffer im Siebe tragen wollen, d. i. etwas Vergebliches 
unternehmen); — 3fe$. fiebartig, -fürmig, Bw. ; das Siebbein, Anat. 
ein aus feinlöcherigen Knochenplatten zufammengelestes Bein der Hirnfchale, 
auch das fiebförmige Bein od. Riechbein; die Siebbiene od. -wespe, 
ein zu der Gattung der Sand- od. Afterwespen gehörendes Inſect; das Sieb— 
blatt od. der Siebboden, der löcherige Boden eines Siebes; der Gieblau- 
fer, Bergw. der Kübel, der den Rand des Erzfiebes ausmacht; der Sieb— 
macher, ein Handwerker, welcher Siebe macht; die Siebplatte, Anat. eine 
fein durchlöcherte Haut Hinten im Auge; der Siebfeger, Hüttenw. ein Ar- 
beiter, der das gepochte Erz fiebt, auch Stebwäfcher, fofern er das Erz zu- 
gleich wäſcht; der Siebftab, Stäbe, aus welchen die Schienen zu Sieben 
gefpalten werben; das Siebtuch, ein loderer Wollenzeug zu Sieben, Beu— 
teltuch; — Ableit. fieben, ziel. 3w. (oberd. fiben; niederd. feven, fiften, 
vol. ſichten), durch das Sieb fallen laffen, mit dem Siebe reinigen (Ge- 
treide, Mehl, Sand 2c.); daher der Giebbeutel, ein Beutel zum Sieben; das 
. Siebmehl, gefiebtes Mehl; das Siebwerk, in Graupenmühlen die Vor— 
richtung zum Sieben der gemahlenen Graupen; der Sieber, —s, 1) wer et- 
was fiebt; 2) (oberd. auch Siberer, Sibler, Sibner) f. Siebmadher. 
fieben, 7, Grundzahlw. (goth. und althochd. sibun, mittelh. siben, oberd. 
fiben, landſch. verlängert auch fibene, niederd. feven; angelf. seofon, engl. 
esven; isländ. siö, ſchwed. sju; lat. septem, franz. sept; griech. Erze; ſanskr. 
sapta; poln. siedem) unbiegf. (2. B. fieben Tage, vor fieben Wochen; fieben 
uhr; es hat fieben gefchlagen; etwas mit fieben Zeugen beweifen; der fieben 
Brüder Tag, d. i. der Tag der Siebenfchläfer, |. u.; feine fieben Sa- 
hen od. zgef. Siebenfachen, verächtl. f. feine geringfügigen Sachen, we— 
nigen Habfeligkeiten; — auch wenn es ohne Hw. felbft als ein ſolches in der 





fieben 917 


Mehrh. fteht, wird es nicht leicht gebeugt, alfo: die Sieben, nicht Giebene; 
er fam mit Sieben, nicht Siebenen 2c.); die Sieben, M. Siebenen od. 
gew. abgek. Sieben, die Zahl u. das Zahlzeichen 7; eine böfe Sieben, 
uneig. gem. f. ein böjes Weib (weil die Zahl fieben von Alters her für un— 
glücbedeutend, fo wie andrerfeits für eine heilige Zahl galt; n. X. von dem 
lett. siba od. siewe, d. i. Hausmutter, Frau, welcher man die deutichen Kriegs» 
gefangenen zu opfern pflegte?); das Sieben, —s, M. w. E., eine Anzahl 
von 7 Dingen, 7 Stüd; — 3feg. fiebenarmig, -blätterig, = farbig, 
-fingerig, = füßig, Bw., fieben Arme, Blätter, Farben zc., habend; der 
Siebenbaum, landfch. verderbt f. Säbenbaum; das Siebenblatt, f. Sie— 
benfingerfraut; die Siebenblume, eine ausländ. Pflanze mit fiebenfach ge- 
theiltem Blumenkelch, fieben Staubfäden, fieben Fruchtkeimen ꝛc. (septas L.); 
das Siebeneck, eine von fieben geraden Linien eingefchloffene Fläche mit 7 
Eden; fiebenedig, Bw., fieben Eden habend; fiebenfach od. fiebenfältig, 
Nw. u. Bw., fiebenmal genommen, fiebenmal fo viel (das Siebenfade, 
als Hw.); das Siebenfingerfrauf, das Gänfefraut (comarum L.); die 
Blut oder Ruhrwurz (f. d.); das Siebengebirge, ein aus fieben einzelnen 
Bergen beftehendes Gebirge (am Rhein; auch f. die fieben Hügel, auf denen 
das alte Rom lag); das Siebengeftirn, ein fieben helle Sterne enthaltendes 
Sternbild, ehem. auch die Gludhenne genannt (fr. die Plejaden); das Sie- 
bengezeit, auh Siebenzeit, Siebenftundenfraut, landſch. f. blauer 
Steinklee, wohlriechender Klee, welcher nad) dem Volksglauben fiebenmul 
täglich den Geruch verlieren und wieder befommen foll, daher auch: der Sie— 
bengerud; der Siebenherr oder Stebenherrfcher, einer von fieben ge— 
meinfchaftlich Herrſchenden (fr. Heptarch); ſ. auh u. Siebener; die Sie— 
benberrfchaft, Regierung von fieben Männern (fr. Heptarchie); fiebenhüge- 
lig, Bw., fieben Hügel habend od. einnehmend (das fiebenhügelige Rom, auch: 
die Siebenhügelftadt); fiebenjährig, - fündig, -tägig, -wüchig u. felten 
monatig, Bw., was fieben Jahre, Stunden zc. alt ift od. dauert; fieben- 
jährlich, -ſtündlich, -täglich, -wöchentlih, = monatlich, Bw., alle 
fieben Schre, Stunden zc. wiederfehrend; fiebenmal, Nw., od. fieben Mat, 
in fieben Wiederholungen, zu fieben Malen; fiebenmalig, Bw., fiebenmal 
geichehend; fiebenmännerig, Bw., Pflanz. von Gewächſen mit fieben freien 
Staubfäden (fr. Heptandria); die Siebennacht, vit. f. eine Woche; fieben- 
pfündig, Bw., fieben Pfund wiegend; der Siebenpunft, mit fieben Punk— 
ten gezeichnete Sonnenkäfer (coccinella septempunctata); die Siebenfadhen, 
f. o. fieben Sachen; der Siebenfchläfer, eig. M. die fieben Schläfer, fieben 
Brüder aus Ephefus, welche nach der Sage während der Chriftenverfolgung 
unter dem Kaifer Decius im J. 351 in einer Höhle einfchliefen u. nah 155 
Jahren wieder erwachten; dann zgeſ. der Siebenſchläfer f. jeden eingel- 
nen biefer Brüder; auch f. der Siebenfhläfertag, d. i. der dem Anden- 
ten derfelben gewidmete Kalendertag (27. Jun.); uneig. ſcherzh. f. ein ſchlaf⸗ 
füchtiger Menſch, Langichläfer; auch ein zum Maufegefchlecht gerechnetes Säu— 
gethier, welches den Winter duch ſchläft, die Schlaf- od. Bergrage, Bilch- 
Rell⸗, Schrotmaus, graues Eichhörnchen ꝛc.; landſch. f. Roſen- od. Schlaf- 
apfel; das Siebenſchläferchen, landſch. f. die Küchenſchelle od. Oſterblume, 
wegen vermeintlicher ſchlafwirkender Kraft; der Siebenſchwanz, gem. f. 
Seidenſchwanz (woraus es wahrſch. verderbt iſt); ſiebenſeitig, Bw., ſieben 


918 Sicht — fich 


Seiten habend; fiebenfilbig, Bw., aus fieben Silben beftehend; der Sieben- 
ftern, ſ. v. w. das Giebengeftien; fiebenftimmig, Biw., Tonk. für fieben 
Stimmen gejegt; der Siebenftrahl, eine Art Seefterne; fiebentheilig, Bw., 
aus fieben Theiten beftchend; fiebenthorig, -thürmig, Bw., dicht. fieben 
Thore, Thürme habend; fiebenzeilig, Bw., aus fieben Zeilen beftehend; ſie— 
benzollig (x. als⸗-zöllig), Bw., fieben Zoll lang, did 2c.; — fiebzehn, 
verkürzt fl. fiebenzehn, welches im Hochd. nicht mehr üblich ift (altd. 
“ sibunzehan; oberd. fibenzehen), 17, unbiegf. Grundzahlw., fieben und zehn; 
daher fiebzehnfach, -jährig, -tägig ꝛc.,-jährlich, täglich zc., - mal, 
malig, -pfündig ꝛc., wie ſiebenfach, jährig 2c., ſ. d.; der Siebzehner, ein 
aus 17 Einheiten beftehendes Ganzes, z. B. eine öſtr. Silbermünge von 17 
Kreuzern; auch ein Glied einer Gefammtheit, 3. B. eines Rathes, von 17 Per: 
fonen; der, die, das fiebzehnte, Ordnungszahlw.; fiebzehntehalb, unbieaf. 
Zahlw., fechzehn und ein halb; das Siebzehntel, -8, der fiebzehnte Theil; 
fiebzehntens, Nw., zum fiebzehnten; — Ableit. von fieben: fiebenen, ziel. 
3w., vlt., einen Angeklagten vor fieben Zeugen verhören (vgl. befiebenen, 
überfiebenen); der Siebener, zgez. Siebner, -8, M. w. E. ein aus fie- 
ben Einheiten beftehendes Ganzes, bef. ein Siebenfreuzer-, od. Sieben- 
pfennigftüd; oberd. auch f. die Sieben, das Zahlzeichen; landſch. ein Mit- 
Hlied einer aus fieben Perfonen beftehenden obrigkeitl. Behörde, auch der 
Siebenherr; oberd. insbef. einer von fieben gefchworenen Sachverftändi- 
gen, bef. in Baur, Flur-, Grenzſachen ze. einer Gemeinde; daher oberd. die 
Siebnerei, der Verein der Siebner; das Siebengericht u. dgl. m.; fie: 
benerlet, zgez. fiebnerlei, unbiegf. Biw., von fieben verfchiedenen Arten od. 
Befchaffenheiten; der, die, das fiebente (gem. zgez. fiebte; althochd. si- 
bunto, mittelh. sibente, sibende), Orbnungszahlw. von fieben (4. B. der 
fiebente Tag; zum fiebenten Male 2c.); fiebentehalb (gem. fiebtehalb), un- 
biegf. Zahlw., das fiebente halb, d. i. ſechs und ein halb; das Giebentel 
(gem. zgez. Siebte), -$, M. w. E., der fiebente Theil eines Ganzen; 
fiebentens (gem. zgez. fiebtene), Nw., zum fiebenten; fiebzig, verkürzt ft. 
fiebenzig, welches im Hochd. nicht üblich ift (altd. sibunzuc, sibenzee, 
oberd. fibenzig), 70, unbiegf. Grundzahlw.; zehn mal fieben (z. B. ein Greis 
von fiebzig Jahren; nur im Dat. gebeugt, wenn es ohne Hw. felbft als ein 
ſolches fteht, z. B. einer von Siebzigen; in den Siebzigen fein, d. i. 
zwifchen 70 und 80 Jahre alt); Zfeg. ſiebzigfach, -jährig, =tägig ıc., 
jährlich, -täglich zc., mal, -malig ıc., wie fiebenfach, fiebenjährig zc., 
ſ. d.; Ableit. der Siebziger, -8, ein aus 70 Einheiten beftehendes Gan- 
zes; eine Perfon von 70 Jahren, weibl. die Siebzigerinn; fiebzigerlei, 
unbiegf. Bw., roie fiebenerlei, f. d.; der, die, das fiebzigfte, Ordnungsʒahlw. 
von ſiebzig; das Siebzigſtel, -8, der ſiebzigſte Theil; ſiebzigſtens, Nw., 
zum ſiebzigſten. 

Siebt, ſ.,-es, M. -e, niederd. eine Art Senſe od. Hacke an einem 3 
Fuß langen Stiele zum Abmähen od. Abhauen der Heide, Heidefiebt (auch 
Segd, Seed, Seid, u. Sift). 

Siebtuch, -wäfcher, -werk, f. unter Sieb. 

fiebzehn ıc., fiebzig 2c., f. unter fieben. 

fie), Bw. (goth. siuks, altd. siuh, sioh, sieck; nieberd. ſeek, fiek, füß; 
isländ. siuk, ſchwed. sjuk, dän. siug; angelf. seoc, engl. sick; daher Seuche 


t 











} 


ſied — fieden 919 


u. Sudt, ſ. 5.) urfpr. überh. krank; bef. mit einer langtvierigen unheit- 
baren Krankheit oder Kränklichkeit behaftet, finnv. kränklich, ſchwächlich, 
(ein ſiecher Menſch, auch als Hw. der, die Sieche, M. die Siechen; 
oberd. auch: der Siech, die Siechinn; ein ſiecher Körper; ein ſieches 
Leben); ehem. insbeſ. f. ausſätzig, auch uneig. f. ſchlecht, werthlos; — 3ſetz. 
das Siechbett, oberd. f. Krankenbett; das Siech- od. gew. Siechenhaus, 
der Siechenhof , Krankenhaus (fr. Lazareth); insbef. zur Verpflegung lang- 
wieriger unheilbarer Kranken, Ausfähiger 2c., oberd. auch der Siechkobel (. 
Kobel); der Siechmeifter, die Siechmeifterinn, oberd. Auffeher einer Sie- 
chenftube (in Klöſtern), od. eines Siehenhaufes; der Siechtag, Krankheits- 
tags; alt u. oberd. f. Krankheit, Sucht (zZ. B. der fallende Siechtag f. Fall- 
ſucht); ſiechtagig, Bw. it. f. kränklich; — Ableit. ſiechig ſiechlich, Bw., 
olt. f. kränklich; dev Siechling, -es, M. -e, Neum. f. kränklicher, ſchwäch— 
licher Menſch; die Siechheit, der od. das Siechthum, (mittelh. siecheit, 
siechtuom), alt u. oberd. f. langwierige Krankheit, insbef. Ausfag; — fie. 
chen, ziellof. 3w. m. haben, (goth. siukan, altd. siuhhen, siechen, niederd. 
füßen) , fiech fein, anhaltend kränkeln. 

fied, Bw. (f. feigen 1. u. Seite) niederd. f. niedrig, flach, feicht. 

Siede, w., Siedebanf ıc. — -kaſten, f. unter fieden. 

Siedel, f., -8, M. w. E., od. die Siedel, M.-n, (althochd. sidia, 
mittelh. eidel, sidele, f. u. w.; oberd. die u. das Sidel; vgl. Sedel, Sattel 
und figen, lat. —* ſitzen, sidere, ſich niederlaſſen), alt u. oberd. f. Sitz, 
Seſſel, Stuhl, Bank (z. B. Betbank in der Kirche, Beichtſtuhl 2c.); oberd. 
insbeſ. eine Bank, die zugleich eine Lade, d. i. ein Behältniſs für Wäſche, 
Kleider u. dgl. ift, auch: die Sie deltruhe; ferner f. Sitz, Wohnfis, Auf: 
enthalt, bef. Landhaus, Landfiß, (daher: das Anfiedel, Nadtfie 
delxc.); der Siedelhof, ein von Laften, Frohndienften ze. freier Bauerhof, 
auch Sattelhof (ſ. d.); — der Siedel, -$, M. w. E. (althodyd. sidilo, mit: 
telh. sidele, oberd. Sidel), alt und oberd. wer irgendwo wohnt, anfaffig 
ift (bei. in Ifes. wie Einfiedel f. Einfiedler; Erb-, Landfiedelaec.); 
— fiedeln, Zw. (altd. sidilön, sidelen, oberd. fideln) 1) ziellos, alt u. oberd. 
f. angefeffen fein, wohnen, verweilen; fich hauslich niederlaflen; 2) ziel. 
u. rüdz. einen—, anfaffig machen; ſich —, häuslich niederlaffen, an- 
bauen, vlt., außer in anfiedeln, |. d.; die Siedelei, M. -en, vit. der 
Ort, wo man fich niedergelaffen hat (vgl. Einfiedelei); der Siedeler od. 
Siedler, -8, gew. Anfiedlerz die Siedelung, gew. Anfiedelung. 

fieden, 3to., ablaut. Smpf. fott, Conj. fütte, Mw. gefotten; in der neue- 
ven Sprache auch wohl bloß umend. fiedete, gefiedet, be. als ziel. Zw., (alt= 
hochd. siodan, söd, sutun, gisotan; mittel. sieden, söt, suten, gesoten; 
oberd. fieden u. feuden, Prät. futt u. fiedet; niederd. feden, feen, Prät. fodde, 
Mw. faden; isländ. siöda, ſchwed. sjuda, angelf. seodhan, engl. seeth, holl. 
zieden; vgl. d. griech. L£eıv, fieden, u. ZuFos, Gerftenfud, Bier), 1) ziellos 
m. haben, urfpr. überh. von Flüſſigkeiten: zifhend od. brodelnd aufwallen 
(daher landfch. der S od, mittelh. söt, f. Brunnen); jest in engerer Bed. durch 
Feuer erhigt aufwallen, finnv. Eochen (das Waſſer fiedet im Topfe, hat ge- 
fotten 20.5 fiedendes Waſſer; fiedend heiß 2c.); in weiterer Bed. auch von 
feften Körpern, die in fiedendem Waffer zubereitet werden (die Fifche, die 
Eier 20. fieden ſchon); uneig. f. in heftiger Gemüthsbewegung, leidenſchaft— 


920 ſieder — Siegel 


licher Aufwallung, Hitze ıc. fein (. B. in Zorn, vor Liebe 2c. fieden); 
2) ziel. etwas —, fieden laffen, zum Sieden bringen und dadurch zube- 
reiten, ſinnv. Eochen, welches jedoch von weiterer Bed. ift u. bef. von folchen 
Dingen gebraucht werden mufs, welche zu ihrer Zubereitung längere Zeit am 
euer fein müffen (man fiedet Fifche, Krebfe, Eier; aber man Eocht Fleifch, 
Suppe 20.5 Seife, Salz ze. fieden); das Sieden, -8, oberd. f. der Sub, 
die Zeit, fo lange das Salz gefetten wird; aud die Anftalt zum Salzfieden, 
das Salzpfannhaus; — Zfeg. der Siedegrad oder punkt, der Hitzegrad 
des fiedenden Waſſers; fo auch: die Siedehitze; fiede- oder ſiedheiß; Bw., 
fo heiß, wie fiedendes Waſſer; die Siedehütte, der Theil einer Alaun= oder 
Salpeterhütte, wo die Lauge eingefotten wird; die Giedepfanne, Pfanne, 
in welcher etwas gefotten wird, bef. die Salzſoole; die Siedefchale, in den 
Münzen: die Schale, in welcher die Münze in dem Siedeofen weiß gefotten 
wird; — Ableit. die Siede, o. M., das Sieden (z. B. in der Siebe fein); 
Landw. mit heißem Waffer eingebrühetes Viehfutter; landſch. überh. f. 
Häderling, Hädfel; daher die Siedebanf, -lade, - Schneide ze. f. Häckſel⸗ 
bank zc.; das Siedefaſs, der Siedebottich, ein Zafs ꝛc.; in welchem bie 
Siede angemadht wird; der Siedefaften, landſch. f. die Zutterbanf; — der 
Sieder, —s, wer etwas fiedet, bef. in der Zſetz. Seifen, Salz, Thranſie— 
der 2c.; die Siederei, das Sieden, die Verrichtung des Sieders, und die 
Anftalt, wo etwas durch Sieden zubereitet wird (4. B. Seifenſiederei); 
fiedig ed. fiedenig, Bw. (niederd. fedenig, fenig), Landfch. f. fiedend, fiede- 
heiß; ſchwäb. als Nw. f. fehr, in hohem Grade (4.8. fiedig kalt, lang u. dgl.). 

fieder od. fider, Nmw., landſch. f. feit, f. d. 

Siedler, m., ſ. Siedeler unter Siedel. 

Sieg, m., 26. ſ. unter fiegen 2. 

Siegel, f., -d, M. w. E., Verkl. das Siegelchen, (altd. in-sigili, sigele, 
insigel; oberd. Sigel, niederd. Segel; ſchwed. sigill; angelf. sigel, engl. 
seal, franz. sceau; fämmtiid von dem Tat. sigillum, cches die Verkleine- 
rungsform von signum, Zeichen, ift), ein Zeichen vder Bild, welches zur 
Berficherung od. Bekräftigung, auch zur Verfchließung eines Schreibens 
ıc., in einer weichen Maffe, ale Wachs, Giegellad, Blei ꝛc., abgedrudt 
wird, und diefer Abdruck felbft (fein eigenes Siegel haben; ein wächfernes 
Siegel an eine Urkunde hängen; das Siegel eines Briefes erbrehen; einem 
Brief und Siegel über etwas geben, f. Brief; etwas unter Siegel legen, d. i. 
verfiegeln, bef. gerichtlich; uneig. einem etwas unter dem Siegel der Ver— 
ſchwiegenheit anvertrauen); bair. auch f. Stempel (daher Siegelpapier, 
Siegelamt ꝛc. f. Stempelpapier 2c.); uneig. f. der Verficherungsgrund, 
die Bekräftigung einer Sache (bibt. das Siegel der Gerechtigkeit, der gött— 
tichen Vollmacht; das Siegel der Wahrheit u. dgl.); ferner das Werkzeug 


zum Siegeln, bef. ein folches,. deffen sich ganze Gefellfchaften, Gemeinheiten, 


Behörden zc. bedienen, finnv. Petfchaft, welches insbef. von Privatperfonen 
gebraucht wird, (g. B. das Stadt-, Staats-, Raths-, Gerichtsfiegel; ein 
Siegel ftechen ꝛc.); — fiegeln, ziel. Zw., (goth. sigljan, altd. sigelen, nie— 
derd. fegeln, engl. seal), etwas—, ein Siegel darauf drüden, e8 mit 
einem Siegel verfehen, verfchließen, vgl. be- verfiegeln (eine Urkunde, einen 
Brief 2c.); bair. auch f. ſtempeln; — 3feg. v. Siegek u. fiegeln: die Sie— 


gelbanf, Zuchm, der Tiſch, auf welchem die Tuche mit bfeiernen Siegeln 








fiegen 921 


verfehen werben; der Siegelbewahrer, wer das Siegel einer Gefellfchaft, 
einer Kanzlei oder Behörde in Verwahrung hat, bef. f. v. w. Kanzler (der 
Großfiegelbewahrer, ſ. unter groß, in Frankr. f. v. w. Juſtizminiſter); 
die Siegelerde, eine feine, fette Thonerde, welche zu runden Plätzchen ge— 
formt u. mit einem Siegel bedtudt verfendet wird (fr. Bolus, terra sigillata); 
das Siegelgeld, für die Befiegelung von Urkunden ze. in den Kanzleien zu 
bezahlendes Geld; die Siegelfapfel, Kapfel, in welcher fi) das angehängte 
Siegel einer Urkunde befindet; die Siegelfunde, Kenntniſs der Siegel bef. 
der älteren Zeit. (fr. Sphragiſtik); das Siegellack, eine aus Gummilad, Harz, 
Wachs ꝛc. zufammengefeste, in dünne Stangen geformte, farbige Maffe, welche 
am Feuer ſchmilzt und zum Giegeln gebraucht wird; daher die Siegellad- 
ftange; der Siegelladmacher 2c.; die Siegelleinwand, öfte. f. Wachs— 
leimvand; fiegelmäßig, Bw., oberd. f. ein eigenes rechtsgültiges Siegel füh— 
rend; bair. insbeſ. hefugt, Urkunden zc. mit bloßer Unterfchrift und eigenem 
Siegel ohne gerichtliche Ausfertigung rechtsgültig zu fertigen, ein Vorrecht des 
Adels und der höheren Beamten; die Siegelpreffe, in Kanzleien eine Preffe, 
mit welcher das ftählerne Siegel auf das Wachs gedruckt wird; der Giegel- 
ring, mit einem Siegel verfehener Fingerring; der Siegelftecher, Petichaft- 
ftecher; das Siegelwachs, gefärbtes Wachs zum Siegeln in Kanzleien 2c.; 
— Ableit. fiegelbar, Bw., mas gefiegelt werden kann; chem. auch f. 
fiegelmäßigz; der Siegeler od. Siegler, -8, (v. fiegeln) wer fiegelt; (von 
Siegel) ehem. wer Siegelringe, Juwelen ıc. verkauft, Juwelenhändler; 
die Siegelung, das Siegeln. 
ſiegen 1. ziellof. Zw. (altd. sigan, sigen, Prät. seic, sigen), f. v. w. fei- 
gen 1. (f. d.), völlig vlt. f. fich neigen, finfen, fallen; insbef. von Flüffig- 
keiten: allmählich eintrodnen und verfchwinden, nur noch üblich in: ver- 
fiegen; fiegern, ziellof. Sw. m. fein, Bergw. f. v. w. fidern, herab- 
teöpfeln od. rinnen (das Silber firgert am Gefteine herab; auch) fiefern). 
fiegen 2. zielof. 3w. m. haben, (mittelh. sigen, Prät. sigete; auch ge- 
sigen; wahrfch. von gleichem Stamme mit sigen, feigen od. fiegen 1., jo dafs 
eö eig. „ſich auf od. über etwas ftürzen‘ bedeutet; oberd. figen u. gew. obſi— 
gen; angelf. sigrian, isländ. sigra, ſchwed. segra), über feinen Gegner die 
Dberhand gewinnen, bef. in offenem Kampfe, feinen Feind überwinden, 
den Sieg davon tragen (die Deutfchen haben gefiegt; über Semand —, ehem. 
auch: wider Jemand ſiegen; uneig. über feine Leidenfchaften, über fich ſelbſt —, 
d. i. fi bezwingen, bezähmen, beherrfchen ꝛc.; eine fiegende Schöne, fiegende 
Schönheit, d. i. die alle Herzen ſich gleichfam unterwirft); — der Sieg, -e$, 
M. -e, (altd. sigu, sigo, sige; oberd. Sig; angelf. sige, sigor, iöländ. sigur, 
sigr), das Siegen, die Überwindung des Gegners im Kampfe, bef. im offe- 
nen Gefechte zwifchen zwei Kriegsheeren (den Sieg erfechten, erlangen, davon 
tragen; ein blutiger Sieg, d. i. der viel Blut gekoftet hat); uneig. die Unter- 
drüdung, Bezwingung, Herrfchaft über etwas (z. B. der Sieg über die 
Begierden, über fich felbft 2c.); — 3feg. mit Sieg: Siegfried, -$, (altd. 
Sigifrid, d. i. durch Sieg befriedet od. geſchützt; oberd. Seifrid), männl. EN.; 
fieggefrönt, Bw., mit Sieg gekrönt; fieggewohnt, Bw., des Sieges ge- 
wohnt, gewohnt zu fiegen; ſieglos, Bw., (altd. sigelös), ohne Sieg, des 
Siegs verluftig, befiegt; daher die Sieglofigkeit; Siegmar, -8, (altd. Sigi- 
märi, Sigemär, d. i. fiegberühmt), männl, EN.; daher das Siegmarfrauf 


922 Siefe — Siel 
oder die Siegmarwurz, auch Siegmanndfraut oder = wurz, verfchiedene 
Pflanzen, welche nach dem Volksglauben unverleglich machen u. den Sieg ver: 
Schaffen follen, insbef. eine Art Lauch: fleckiger Berglauch, Alpenlauch, Aller 
mannsharnifch, lange Siegwurg, Hülf-, Heilwurz (allium victerialis L.); 
auch die Augenpappel od. das Fellriſs; u. die rothe Schwertlilie, Siegwurz; 
Siegmund od. Sigismund, -$, (altd. Sigimund, Sigismundus, d. i. durch 
Sieg beſchirmt; vgl. Mund 2.), männl. ER.; die Siegmundmurzel, f. v. 
w. Siegmarwurz; flegprangen, untrb. ziellof. Zw., mit dem erfochtenen 
Siege prangen (fr. triumphiren), überh. fiegreich prangen, hervorglängen; fieg- 
reich, Bw., reich an Sieg od. an Siegen, überh. f. fiegend, fieghaft; der 
Siegftein, ein Stein, welcher nach dem Volksglauben feft und unverletzlich 
machen, auch alle Krankheiten befiegen foll, insbef. eine Art Achat; auch f. 
Sternftein; die Siegwurz, |. Siegmarkraut; — mit Sieges: der Sie 
gesbogen, Triumphbogen; das Siegesdenkmal; die Siegesfahne, Fahne 
als Zeichen des Sieges; die Siegesfeier, das Siegeöfeft 2c.; der Sieges- 
fürft, fiegender Fürftz uneig. f. Chriftus; das Siegesgehenk, in den bil 
denden Künften, verfchiedene aufgehängte Kriegsgeräthe, Waffen 2c. als Sieges— 
zeichen (fr. Trophäen, r. Tropäen); das Siegesgepränge, feierlichen öffent- 
licher Aufzug der Sieger, auch der Siegespomp, die Siegespracht, ver 
Triumph; der Siegesygefang, das Siegeslied; der Siegesgott, die Sie- 
gesgöttinn (fr. Victoria), fiegbringende Gottheit; der Siegeskranz, die 
Siegeöfrone, f. u. Siegerkrang 2c.; die Siegesfunde, nachricht 2c.; der 
Siegeslauf, Fortgang des Sieges, fiegreiches Fortichreiten; der Giegeslohn 
od. preis; die Siegesmacht, fiegende Macht; das Siegesmahl, Mahl zur 
Feier des Sieges; die Siegespalme, f. Palme; der Siegesruhm; fieges- 
od. fiegtrunfen, Bw., vom Siege gleichi. beraufcht, begeiftert; der Sieges— 
wagen, Kriegs od. Triumphwagen des Siegers; das Siegeszeichen, Zeichen 
eines erfochtenen Sieges, als Fahnen, erbeutetes Kriegsgeräth, Waffen ꝛc.; 
inöbef. f. v. w. Siegesgehenk, f. o.; der Siegeszug, Zug zum Siege, fieg- 
reicher Feldzug; auch f. Siegesgepränge, Triumph; — Ableit. von Sieg: 
fieghaft, ehem. auch fiegbar, Bw., (altd. sigehaft, sigebaere), des. Sieges 
theilhaft, den Sieg errungen habend, fiegreich; daher die Sieghaftigkeit; 
jieglih, Bw., vlt. f. dem Siege gemäß, zum Siege gehörend; — von 
fiegen: der Sieger, -$, die Stegerinn, M. -en, wer fiegt od. den Sieg 
davon getragen hatz daher: der Siegerdegen od. das Siegerſchwert; der 
Siegerfrang, die Siegerfrone, Kranz, Krone, als ehrender Schmud des 
Siegers; Siegerkrone auch f. Pradtlilie; der Siegerruhm, = ftolz ıc.; 
— der Siegerich, -$, eine Pflanze, desen bohnenförmige Frucht (Ignatius- 
bohne) große Heilkräfte befigen fol. \ 

Siefe l., w., M.-n, landſch. gem. f. die Sie, das Vogelweibchen. 

Siefe 2. w., M. -n, (mahrfch. verw. mit fiegen 1. f. ſinken; vgl. fiekern, 
fi&ern; alfo urfpr. Vertiefung, Rinne, vgl. Seen), Klempn. ein aus Blech 
Hefchlagenes Gefimfe; der Siekenſtock, ein Ambofs mit runden Rinnen, 
in welche der Sief- od. Siefenhammer pafft u. auf welchem das Blech zu 
Sieken gefchlagen wird. - 

fiefern, zielloſ. Zw., landſch. f. fidern, ſ. d. 

Siel, m. u. f., -e3, M. -e, (von sihen, niederd. ſijen, ſeihen, d. i. das 
Waffer ducchlaffen), niederd. eine Schleufe unter einem Deiche zum Heraus: 


— ELLE 


er ee nr 





ve in Zr 





Siele — Silbe 0923 


laſſen des Hinter dem Damme zufammenlaufenden Waſſers (Balkenfiel, 
wenn es aus Balken befteht; Klapp- ob. Kumpfiel, wenn es eine Klappe 
od. Fallthür hat; Ständerfiel, wenn es aus Ständern, Balken u. Kleid- 
Holz gebaut ift); die Sielacht, der Bezirk, welcher durch ein Siel abgewäflert 
wird; der Sielenbau, f. Schleufenbau; der Sielbote od. -läufer, ein Bote 
zu Beftellungen in Sielſachen; der Sieldeich, mit einem Siele verfehener 
Deich; der Sielflügel, das mit Bohlen bekleidete Ufer eines Sielgrabens; 
das Sielgeld, Beitrag zur Unterhaltung eines Sieles; der Sielgraben op. 
das Sieltief (niederd. Sieldeep), der Hauptgraben, der das Waller zu dem 
Siele führt; die Sielfcheidung od. «fhuttung, Abdämmung auf der Scheide 
zweier Sielachten; — fielen, ziel. 3w., niederd. f. das Waſſer durch ein, 
Siel ablaffen. 

Siele, w., M. -n, (altd. der silo, sil, &. -en; oberd. der Sil, de 
Silen, auch das Sill, u. die Sil; ſchweiz. Sell f. Pferdegefhirr, fellen f. 
anfchirren; niederd. Seht (f. d.); Sehle, Sähle; urfpr. Band, Riemenwerk, 
von gleihem Stamme mit Seil, f. d.), überh. Gefchirr für Zugvieh, Zug- 
tiemen und Kummet; insbef. ein Theil des Pferdegefchiers, beftehend aus 
gepolfterten oder gefutterten Lederftücen, welche den Pferden über Bruft und 
Schultern gelegt werben, verfch. von dem hölzernen Kummet, (den Pferden die 
Sielen auflegen; in den Sielen gehen, uneig. f. ftets arbeiten) ; Bergw. leder- 
ne Riemen, woran die Karrenläufer den Karren führen; fränk. f. Hofen- 
träger; der Siel (Gil) chem. auch f. Karren, Schlitten. 

fiepen u. fiepern, zielloſ. Zw., niederd. f. ſickern, fiekern, rinnen, trie— 
fen, fowohl von der hervordringenden Feuchtigkeit, als von dem Gefäße, wel- 
ches eine Flüffigkeit durchläſſt; — fiepeln, zieWof. Zw., niederd. f. wenige 
Thränen weinen (au fippern); daher Siepelthränen; der Sie 
peler x. 

fierig od. firig, Bw., oberd., f. fehrig unter fehr. 

ſiezen, ziel. Zw. (won Sie; vgl. duzen, ihrzen); gem. einen—, mit 
Sie anreden. 

Sift, f., -e3, M. -e, landſch. f. v. w. Siebt, f. d. 

fiften, ziel. 3m., niederd. f. fichten, fieben, f. d. 

Sihle, w., M. -n, in Schleswig f. der Häring. 

Silau, m., -e$, 0. M., (verw. mit sil, Siele, Band, Strang?) eine 
Art des Haarftranges (f. d.), welche an feuchten Orten wählt, auch Bär— 
wurz, Roſskümmel genannt. 

Silbe, w., M. -n, Verkl. das Silbchen, (oberd. die Silben, Silmen; 
vom lat. —* griech. ovAleprn, d. i. Zuſammenfaſſung; franz. syllabe, 
engl. syllable; alfo der Abftammung gemäß: Sylbe, wofür man aber beffer 
Silbe fchreibt, da das Wort in diefer fehr veränderten Form längſt eingebür- 
gert ift), ein Lautverein, d. i. die mit einem Stimmabfag ausgefprochene 
Verbindung eines Selbftlautes mit einem od. mehren Mitlauten ; überh. 
jedes mit einem Stimmabfa& gefprochene Wort od. Wortglied, auch wenn 
es in einem einzelnen Selbſtlaut befteht (4. B. Azlo=e, e⸗del 2e.; nicht eine 
Silbe hervorbringen können; ich verftehe Feine Silbe davon; Silben ſtechen 
od. Elauben, eig. die Silben eines Wortes od. die einfachften Beftandtheile 
der Rede mit Pleinlicher Genauigkeit unterfuchen, uneig. überh. es mit Kleinig: 
Zeiten ängftlich genau nehmen; daher: der Silbenfteher; die Silben: 


924 Silber 


ſtecherei; filbenfteherifch); die Silbenlänge, das Silbenmaß, die 
verſchiedene Zeitdauer, Länge und Kürze, der Silben (fr. Quantität); die 


Silbenmeffung, Meffung der Silben, Beftimmung ihres Zeitmaßes, auch: 


Zeitmeffung; aud) |. v. w. Silbenmaßlehre, (fr. Profodic, Profodik), ein 
Theil der Sprach = und bef. der Verslehre; das Silbenräthfel, ein Räthfel, 
beftehend in einem mehrfilbigen Worte, deffen einzelne für fich bedeutſame Sil— 
ben abgefondert zu errathen find (fr. Charade); der Silbenton, der Ton 
(f. d.), welcher einzelne Silben mehrfilbiger Wörter trifft (fr. Accent, im en- 
geren Sinne), verſch. Wortton; filbenweife, Nw., nach einzelnen Silben, 
Silbe für Silbe; die Silbenzahl xc.; — filbig, Bw., eine Silbe, od. Sil- 
ben habend, nur in Zfes. wie ein=, zwei=, dreis, mehrfilbig ze. 

Silber, f., -$, o. M., (goth. silubr, althochd. silupar, silabar, mittelh. 
silber; niederd. Sulver; isländ. silfr, ſchwed. silfwer, dän. sölf; angelf. 
seolfor, sulver, engl. silver), din weißes, glänzendes, feuerbeftändiges ed- 
les Metall von ſchönem, hellem Klang, nächft dem Golde am hödhften ge- 
achtet (gediegenes, reines Silber; in Silber arbeiten 2c.; kaltes Silber, 
Gürtl. ein Gemifch von Silberkalk und Weinftein, damit zu überfilbern) ; ins- 


bef. f. gemünztes Silber, Silbergeld (in Silber bezahlen), u. f. Silberge- - 


räth, -geſchirr (auf od. von Silber fpeifen, u. dgl.); in weiterer Bed. andere 
filberähnlihe Metalle, z. B. Queck-, Kagenfilber 2c.; uneig. bei. dicht. f. 
alles rein u. filberweiß Ölänzende, 3. B. das Wafler, der Ihau, das Sil- 
ber der Haare, d. i. die glänzendweiße Farbe; daher viele, meift dicht. Zſetz., 
als: der Silberbach, -flufs, from, die Silberfluth; das Silbergewölf; 
das Silberhaar, filberhaarig, Bw.; das Silberhaupt; das Silberlicht; 
die Silberlode, filberlodig, Bw.; das Silbermeer; der Silbermond; 
die Silberquelle od. der Silberquell; der Silberfchnee; der Silberfee; 
die Silberwolfe u. a. m.; — andere Zfeg. der Silberaal, ein Aal mit wei- 
sem Bauche u. Schwanze; die Silberader, f. Ader; der Silberahorn, ro 
ther Ahorn, deffen Biätter auf der unteren Seite filberfarben find; die Sil— 
berarbeit; der Silberarbeiter, jeder in Silber arbeitende Handwerker oder 
Künftler, insbef. der Gold- u. Silberarbeiter, gem. Goldfchmied; das Sil— 
berauge, eine Art Raben mit filberfarbigen Augen; das Silberband, ein 
mit Silber durchwirktes Band; ein zum Häringsgeſchlecht gehörender Fiſch 
mit filberfarbenen Streifen in Surinam; der Silberbär, eine Spielart des 
gemeinen Bären, mit filberfarbenen Daarfpigen, verich. von dem weißen oder 
Eisbären; die Silberbarre, f. Barre; der Silberbart, eine Art der Woll- 
blume od. des Wundkrautes; der Silberbaum, eine Gattung Bäume, deren 
Blätter mit filberfarbenen Haaren bedeckt find, im füdl. Afrika; auch f. die 
Silberpappel; Scheidek. ein baumähnlich geftaltetes Gemiſch von aufgelöſſtem 
Silber u. Queckſilber (Baum der Diana) ; das Silberbergwerk; filberblanf, 
Bw., blank wie Silber; das Silberblatt od. - blättchen, zu einem dünnen 
Blättchen gefchlagenes Silber (vgl. Blattfilder); auch verfchiedene Pflanzen, 
inöbef. der Gänferich od. die Gärfegarbe, auh Silberfraut;z u. eine Bier- 
pflanzge aus dem füdl. Europa, auh Silberblume, Mondfraut (lunaria 
vediviva L.); das Silberblech, f. Blech; die Silberblende, filberfarbene 
Blende (f. d.); der Silberblid, Hüttenw. ein augerbliclicher heller Schein 
des in Flufs ftehenden Silber, ein Zeichen, dafs das Silber rein iftz uneig. 
ein ſchnell vergehender Glanz; die Silberblume, aus Silber gearbeitete, od 








Silber 925 


filberfarbene Blume; insbef. f. Mondkraut, Silberblatt (ſ. d.); Hüttenw. 
Heine Blafen, welche fich beim Abtreiben des Silbers erheben; die Silber- 
borte od. -borde, f. d.; der Silberbörs od. =barfch, eine Art filberfarbener 
Barfche; die Silberbräune, Silbererz von brauner Farbe; der Silber- 
brenner, Hüttenw. ein beeidigter Arbeiter, welcher das Silber fein brennt; 
daher die Silberbrennerei, der Silberbrennherd ꝛc.; der Silberbufch, 
f. v. w. Silberbart; der Silberdiener, ein Hofbedienter, welcher das Silber» 
gefchirr unter Auffiht hat; die Silberdiftel, ſ. v. w. Frauendiftel, ſ. d.; 
der Silberdrath; der Silberdrud, Schriftdruct mit Silberfarbe; die Sil- 
berdrufe, eine Art fehr reicher Silbererze; das Silbererz, |. Erz; der Sil— 
berfaden, aus Silber gezogener, od. mit Silber überfponnener Faden; die 
Silberfarbe; filberfarben od. =farbig, Bw.; der Silberfafan, eine Art 
filberweißer Faſane; der Silberfifch, ein Fifch mit filberfarbenen Schuppen; 
insbef. der Meerhahn; die Pfluafchar (ſ. d.); ein zu den Bauchfloffern ge— 
hörendes Fifchgeichledht; eine Art Stachelbäuche; die Silberflimmer oder 
-flitter, f. glitter; die Silberflotte, eine mit Silber beladene Flotte, dergl. 
ehem. jährlich aus Mexico nah Spanien fegelte; die Silberforelle, Seefo— 
relle; der Silberfuchs, eine Art filbergrauer Füchfe in Nordamerika; der 
Silbergang, Bergw. |. Gang; die Silbergare, ſ. Gare; der Silberge- 
halt, der Gehalt (f. d.) an Silber; das Silbergeld, aus Silber gemünztes 
Gerd; das Silbergeräth, -gefchirr, Geräth 2c. aus Silber, chem. Silber- 
gefhmeide; das Silbergewicht, Gewicht, wonach man das Silber wägt; 
der Silberglanz, Glanz des Silbers, fülberänlicher Glanz; Bergw. filber- 
reicher Bleiglanz; das Silberglas, f. v. w. Glaserz; die Gilberglätte, 
weiße Bleiglätte (f. Glätte); der Silberglimmer, ſ. v. w. Kagenfilber; das 
Silbergras, die Nägeleinfchmiele, und die graue od. weiße Schmiele (ſ. d.); 
filbergrau, Bw., glänzend weißgrau; der Silbergrofchen, chem. überh. 
eine filberne Dickmünze (f. Groſchen); insbef. in Sachſen chem. eine Silber: 
münze von 3 meißnifchen Groſchen (deren 60 ein Silberfhod hießen); 
in Böhmen, Schlefien, Polen eine Eleine Silbermünzge — 3 Kreuzer oder 9 
Pfennige, ein Kaiſergroſchen; jest auch im Preuß. — 7; Thaler, verfch. ein 
guter Grofchen; die Silbergrube, eine Bergmwerksgrube, wo Silbererz ge- 
beochen wird; die Silberguhr, Bergw. filberähnticher, aber nicht ſilberhal— 
tiger, Iettiger Glimmer (f. Guhr); der Silbergulden, ſ. Gulden; der Sil- 
berhafer, -eine Hafer-Art im füdl. Deutfchland; filberhaltig, Bw., Silber 
enthaltend; filberhell, Bw., heil wie Silber, dem Glanze, od. dem Klange 
nad; die Silberhochzeit, f. v. w. filberne Hochzeit, ſ. u.; das Silberhorn, 
filbernes, od. filberhell tönendes Hornz uneig. das Sitberhorn des Mondes, 
d. i. der hornförmige Mond im erften u. legten Viertel; das Silberhornerz, 
ein feltenes weiches Eilbererz, ähnlich dem Hornfilber; die Silberhütte, 


Silber» Schmelzhütte (f. Hütte); der Silberfäfer, ein filberfarbener Rüffel- 


käfer; der Silberfalf, verkalktes Silber; die Silberfammer, ein Gemach, 
wo Silberzeug verwahrt wird; am den Höfen auch die Gefammtheit der zur 
Aufbewahrung u. Reinigung des Silbergeſchirrs angeftellten Perfonen, an de= 
ven Spise der Silberfämmerer fteht, unter diefem: die Silberdiener, 
:fhreiber, -wäſcher zc.; der Silberfies, filberähnlicher Kies; der Sil— 
berflang, Klang des Silbers, filberheller Klang; der Silberflumpen; der 
Silberfünig, ein kegelförmiges Stück völlig gereinigten Silbers ; das Silber- 


i# 


926 Silber 


forn od. -Förnchen, ſ. Korn; das Silberfraut, f. Sitberblatt; auch f. Sinau; 
Hirſchwurz; die Silberfreide, eine Art filberweißer Kreide; die Silber: 
frone, fülberne Krone; aud eine Silbermünze mit einer Krone im Gepräge 
(. Ser: der Silberfuchen, Hüttenw., das auf der Kapelle abgetriebene 
Blickſilber; der Silberlachs, eine Forellen-Art, die Maiforelle; der Silber- 
laden, Kaufladen mit Silbergeräth; der Silberlahn, ſ. Lahn; der Silber: 
laut, filberheller Laut; der Silberletten, eine Art &etten (f. d.), welche ſich 
in Silbererzgängen findet; der Silbermeißel, Hüttenw. ein meißelförmiges 
Werkzeug, das Blidjilber vom Herde abzuheben, auch der Silberipies; 
die Sitbermotte, eine Art filberfarbener Motten; auch ein kleines Infeet, 

, mit filberglängenden Schüppden bededt, Schuppen-, Zuckerthierchen; ber 
Silbermund, Namen zweier Schrauben- od. Mondſchnecken mit filberfarbiger 
Mündung; die Silbermünze, ſ. Münze 2.; die Silberniere, f. Niere; 
das Silberpapier, verfilbertes Papier; die Silberpappel, weiße Pappel, 
deren Blätter auf der unteren Seite weiß find; die Silberplatte; der SIE 
berplätfer, wer den runden Silberdrath plättet (f. plätten); die Silber 
probe, Unterfuhung der Reinheit des Silbers, od. des Gehaltes eines Silber 
erzes; der Silberrauch, Hüttenw. der Rauch, welcher fich beim Feinbrennen 
deö Silbers in dem Brennhaufe anlegt; der Silberregen, ein filberfarbener 
Feuerregen (f. d.); auch eine Art feltener Kegelichneden; filberreich, Bw., 
viel Silber enthaltend; der Silberreiher, eine Art filderfarbiger Reiher in 
Amerika; filberrein, Bw., rein wie Silber an Glanz oder Klang; die Sil- " 
berrofe, eine aus Silber gearbeitete Roſe; filberweige Rofe; der Silberruf 
(f. Rufe), Bergw. eine ſehr filberreiche Bergart; die Silberfaite, filberne, 
od. filberhell tönende Saite; das Silberfalz, ſ. v. w. Silbervitriol; der Sil⸗ 
berfand, filberhaltiger, od. wie Silber glänzender Sand; ber Siber ſchamm, 
ſchaumähnliche Schlacken auf dem im Treiben begriffenen Silber; auch zu zar⸗ 
ten Blättchen geſchlagenes Silber; die Silberſchere, Schere der Siülberar- 
beiter zum 3erfchneiden des Silberblechs; der Silberfchimmel, ein filberfar- 
bener Schimmel (f. d.); die Silberfchlade, ſ. Schlade; der Silberfchläger, 
wer bas Silberbleh zu dünnen Blättchen ſchlägt; der Silberfchmied, ein 
Silberarbeiter, welcher Silbergeräth ꝛc. verfertiat, gew. Goldfchmieb; bie 
Silberfchmiele, 1. Schmiele; das Silberſchock, ſ. Silbergroſchen; der Sil⸗ 
berſchreiber, Rechnungsführer bei einer Silberfammer (ſ. d.); die Silber— 
ſchrift, mit Silberfarbe geſchriebene oder gedruckte Schrift; die Silber- 
ſchwärze, Bergw. ein ſilberhaltiger ſchwarzer Staub, rußiges Silbererz; der 
Silberſpieß, f. Silbermeißel; der Silberſpinner, wer Seidenfäden mit 
Silberlahn überipinnt; die Silberftange; der Silberftaub, Silber in Staub- 
form; der Silberitein, Hüttenw. verhärtete Silberfchlade, die beim Treiben 
des Silbers oben abgezogen wird; der Silberftider, die Silberftiderinn, 
wer mit Silberfäden fit; der Silberfift, ein filberner Stift zum Schreiben 
und Zeichnen auf Pergament; die Silberftimme, eine fülberhell Elingende 
Stimme; der Silberftoff, aus Seide und Silberfäden gewirkter Zeug (fr- 
drap d’argent) ; der Silberftreif od. -ftreifen; das Silberftüf, ein Stüd 

_ unverarbeiteten Silbers; eine Silbermünze; au ein Stüd Silberſtoff; die 
Silberftufe, ſ. Stufe; der Silbertalf, ein filberfarbiger, aber nicht füber- 
baltiger Talk; die Silbertanne, Weiß- od. Edeltanne; der Silberthaler, 
ein Thaler in einem Silberſtück, harter Thaler; der Silberton, ein ſilberhell 


F 


J 





Silge — Sinau 927 


Hingender Zon; der Silbervitriol, von einer Säure aufgelöftes u. zu Kry⸗ 
fallen angefegtes Silber, ſchwefelſaures Silber; die Silberwaare, M. Sil⸗ 
berwaaren; der Silberwäfcher, die Silberwäfcherinn, zur Silberkammer 
(i. d.) gehörende Perionen, welche das Silbergefhirt waſchen; die Silber- 
weide, die gemeine weiße Weide; auch f. die Sandweide; jilberweiß, Bw., 
glänzend weiß, wie Silber; das Silberweiß, der Katzenglimmer; die Gil 
berweiße, die weiße Farbe des Sübers; der Silberwirker, wer Silberftoff 
wirkt; die Silberwirferei: der Silberzabn, Bergw., gediegenes Silber 
in einen Stangen; der Silberzain, f. Zain; das Silberzeug, Silberge⸗ 
räth, =geihirr; — Ableit. filberifch, Bw., vlt. f. fülberbaltig; der Sil⸗ 
berling, -es, M. -, vit. f. eine Sildermünze, def. bibl. eine Silbermünze 
ber alten Juden, j. v. w. ein Sedel; auch eine Art plattrunder, fhmadhafter 
Äpfel; filbern, Bw. (altd. silberia), von Silber, aus Silber gemacht (fil- 
berne Gefäße, Löffel 2c.), auch theilmeife aus Siüber beftehend (eine filberne 
Uhr, füberne Treffen u. dgl.); uneig. f. filberähnlich an Glanz (der filberne 
Bad, filbernes Haar ıc.), od. an Reinheit des Klanges (filberne Stimme 
u. dgl.); feinem inneren Werthe nach mit dem Silber vergleihbar, um 
eine Stufe niedriger, als golden, f. d. (das filberne Zeitalter, Kabel. 
das zweite Weltalter, zumächft nad dem goldenen; die jilberne Hochzeit, 
d. i. die Feier einer fünf und zwanzigjährigen Ehe); filbern, 3m. 1) ziellos 
-F. füberhaltig fein; wie Silber glänzen; 2) ziel. f. überfilbern; uneig. 
füberhell befcheinen. 

Silge, w., M.-n, (aus dem lat. selinum, griedh. afäıror entft., wie 
‚Vetprfilie, gem. Peterfilje, aus petroselinum), eine Pflanzengattung mit ein- 
gekerbten Blättern, von mehren Arten, 3. B. die Sumpffilge, der lſenich etc.; 
landſch. auch f. Peterfilie, (niederd. Silk). 

Sille, w., M. -n, (Rebenform von Siele, f. d.), landſch. f. Riemen, 
Strick; insbeſ. bei den Vogelftellern: zarte Riemen, welche den Lodvögeln 
um den Leib gelegt werden, um ſie mittelft einer Schnur auf dem Vogelherde 

zu befeftigen, was verjillen heißt. e 

en. f., -8, M. mw. €. (landi. auch Summer, Sümmer, Simri, 
Simra, entit. aus — ſ. d., altd. suuopir, sumbir, sumberi, sumbri, 
eig. ein Korb), ein oberd. Setreibemof, in der Pfalz u. in Franken — 2 
Megen 4 Schhter, im Wirtemderg. — 4 BVierlinge od. + Scheffel, in Rüms 
berg — 16 Mepen ıc. 

Sims, m. u. f., es, M. -e, (altd. daz simez, auch simeze, w.; oberb. 
das Simef, Sims, Simeft, Simft, aud die Simfen, Simften), ein ſich 
in die Länge erſtreckender hervorragender Rand od. Kranz, auch das Ger 

fims, insbei. um Kachelöfen, über Kaminen ıc.; in Bauerftuben ein an der 
Wand befeitigtes, hervorragendes Brett, allerlei darauf zu ftellen, landſch. 
auch Rick (f. d.) Kannrid; Bauf. f. v. w. Gefims, ſ. d., auch überh. ein 
zierlich vorragender Rand an einem Gebälte; der Simshobel, die Sims⸗ 
kachel xc., f. v. w. Gefimshobel zc., ſ. d.; ſimſen, ziel. 3w., Reuw. f. mit 
einem Simfe verfeben. 

- Sinau oder Sinnau, landſch. au Sindau, m., -es, 0. M., (bän. 
synav; zgeſ. aus Au (ſ. 2) f. Waffer, und dem alten verftärfenden Stamme 
sin (vgl. Sehne), welcher Kraft, Stärke, dann Ausdehnung in Raum od. Zeit, 
Dauer sc. bezeichnet ; alfo eig. Immer-Waffer, Immernaſs; vgl. Singrün, 


928 Sind — fingen 


Sündfluth ft. Sinfluth; Senefchall 2c.), eine Pflanzengattung mit breiten, 


fappigen, runden Blättern (alchemilla L.), insbef. der gemeine Sinau (ver- 


derbt: Sinam; alchemilla vulgaris L.), in deffen faltigen Blättern der 
Thau fich fammelt und auch bei Sonnenschein ftehen bleibt, daher ehem. auch 
Zhaubehalt, Thaurofe ꝛc.., ferner Löwenfuß, Marien - oder Frauenmantel, 
Silberkraut, Gänfegrün 2c. genannt; andere Arten find: der fünfblättrige, u. 
der Alpen - Sinau. 

Sind, m., -e3, M. -e (goth. sinths, altd. sind, sint; angelf. sith; vgl. 
fenden, Gefinde ꝛc.; auch: feit), völlig vlt. f. Gang, Reiſe, Weg; das 
Sinde, -$, niederd. f. Gefinde, ſ. d. 

finewell od. finwell, Bw. (altd. sinawel, sinewel, sinwel; von wel, rund, 
gewölbt, u. dem verftärkenden Stamme sin, vgl. Sinau, Singrün ꝛc.; landſch. 
verderbt; fimmwel, fimbel, fimpel, fimel; entg. dem mittelh. sinehol f. concav), 
völlig vlt. f. kugelrund, kreisrund; runderhaben, gewölbt (fr. conver); wal— 
zenförmigz daher der Sinwelthurm (gem. Simpelthurm), oberd. f. runder 
Zhurm. 

fing, fing, oberd. Lockruf an junge Hühner, (vielleicht von fingen, in 
der urfpr. Bed. fammeln); das Singelein, oberd. f. Küchlein, fo lange es 
noch mit der Bruthenne läuft. 

Singel, m., -8, M. w. E., (wahrfch. verderbt aus finewel, rund), 
Schiff. Eleine runde Kiefel, welche das Loth mit in die Höhe bringen Eann. 

fingeln, ziellof. Zw. (Tandfch. auch finkeln; verw. mit fengen, fingen?) 
landſch. f. prickelnd erzittern, einen brennenden Weiz empfinden, von den 
Nerven eingefchlafen gewefener Glieder zc. 

fingen, 3w., ablaut. Smpf. ich fang, wir fangen 2c. (ehem. wir fang eb 
daher ſprichw. wie die Alten fungen, fo zwitfchern die Zungen), Conj. fange; 
Miv. gefungen, (goth. siggvan, herfagen, lefen; altd. singau, singen, Prät. 
sanc, sungen, Part. gesungen; oberd. Prät. fung, fang und finget, nieberd. 
fung, Mw. fungen; angelf. singan, engl. sing, iöländ. singva, ſchwed. sjunga; 
— Urbed. fammeln (daher die Sange, ſ. d.), dann leſen (f. d. u. vgl. das 
lat. legere), herfagen, laut vortragen, endlich: fingen; vgl. auch jagen und 
reden), 1) ziel. u. ziellos, mit heller Stimme eine Reihenfolge mannigfal- 
tiger Zone hervorbringen (die Vögel fingen 2c.); bef. von der menfchlichen 
Stinme: eine Eunftmäßig geordnete Reihenfolge abwechfelnder Töne für 
fich, oder mit untergelegten Worten hervorbringen (fingen lernen ; gut, ſchönze. 
fingens nach Noten, zum Klavier ꝛc. —; ein Lied fingen; den Alt, den Baſs 
20.—; dicht. einem—, d. i. ihm zu Ehren, zu feinem Ruhme; fingen, 
ehem. bef. f. das Evangelium, die Meſſe fingen, feierlichen Gottesdienft hal 
“ ten); uneig. beim Reden od. Lefen die Worte mit fehlerhaft gedehntem und 
zu fehr fteigendem und fallendem Tone ausfprechenz ferner f. dichten, 
Verſe machen (fingen u. fagen, f. ns etwas—, f. fingend od. dichtend 
ausdrüden, laut werden laffen (z. B. feine Freude —, einem Dank— ꝛc.); 
einen od. etwas—, dicht. f. fingend oder dichtend feiern, preifen, be- 
fingen (4. B. Gott—, den Helden —, den Zorn des Achilles — 2c.); 2) ziel- 
los m. haben, uneig. f. einen gedehnten, heiltönenden Laut hören laffen 
(3. B. der Topf mit Eochendem Waffer fingt; die Ranonenkugeln fingen, gew. 
pfeifen; die Ohren fingen mir, gew. Elingen); — 3feg. der ob. das Sin ing⸗ 
od. Singechor, ſ. Chor; die Singdroſſel, ſingende Droſſel, f. v. w. Sang- 


\ 


Singruün — finfen 929 


droffel; die Sing- oder Gingefliege, eine Art Fliegen mit kurzen, borften- 
ähnlichen Fühlhörnern, welche im Fliegen einen fingenden Zon hervorbringen ; 
das Singgedicht, f. v. w. Sanggebicht; die Sing- od. Singekunft, die 
Kunft zu fingen; der Singlehrer, -meifler, Lehrer, Meifter in der Sing— 
Zunft; die Singemüde od. -fchnafe, gemeine Müde, wegen des fingenden 
Lautes; die Singnote, f. Note 3); das Sing- od. Singepult, ein Pult, 
vor welchem ftehend man fingt; der Singfang, -$, o. M., verächtl. f. ein 
wiederholtes od. anhaltendes Singen, ein ſchlechter Geſang (vgl. Klingklang, 
Wirrwarr 2c.); die Sing- od. Singeſchule, Unterrichtsanftalt im Gefang; 
der Singfchüler, die Singfchülerinn, wer das Singen lernt; auch ein fin- 
gender Schüler, Chorfhüler; der Sing- od. Singefhwan, fingender Schwan 
(ogl. Schwanengefang); wilder, laut ſchreiender Schwan; das Singfpiel, 
ein Schaufpiel (f. d. 2), welches fingend vorgetragen wird, mufikalifches Schau— 
fpiel, Oper (f. d.), od. worin Gefang mit Geſpräch wechfelt, Liederfpiel (fr. 
Operette); die Singflimme, eine zum Singen geſchickte Stimme; die Stim- 
me (f. d.) eines Muſikſtücks, welche gefungen wird: das Singſtück, ein Mu- 
fieftüc, welches gelungen wird; die Singftunde, Unterrichtsftunde im Singen; 
der Singetanz, ein Tanz, welcher mit Gefang begleitet wird; der Sing— 
vogel, f. v. w. Sangvogel; die Singweife, f. v. w. Sangweiſe; die Sing- 
zeit, oberd. f. die Zeit des feierlichen Gottesdienftes; — Ableit. fingbar, 
Biw., was gefungen werden kann; bef. was fich leicht u, angenehm fingen 
läfftz; daher die Singbarkeit; der Singer, -8, die Singerinn, M. -en, 
wer fingt, oder dichtet, 3. B. Minne-, Meifterfinger (f. d.), außerdem gew. 
Sänger; die Singerinn ehem. uneig. eine Art großer 45-pfündiger Kano— 
nen, auch Nachtigall genannt. 

Singrün, weniger r. Sinngrün, f., -$, 0. M. (von dem alten Stamme 
sin, ſtark, dauernd; vgl. Sinau, finewel 2c.) landſch. f. das Immergrün, 
Ingrün od. Wintergrün (vinca L.); auch der gemeine Kreuzdorn. 

finfen, ziellof. 3w. m. fein, ablaut. Impf. ſank (gem. ober- u. niederd. 
fund), Gonj. ſänke; Mw. gefunfen, (goth. sigqvan, althochd. sinhan, mit: 
telh. sinken, sanc, sunken; ſchwed. sjunka, angelf. sincan, engl. sink; verft. 
Nebenform des alten sigan, f. feigen 1. u. fiegen 1.), vermöge der eigenen 
Schwere allmählich nach unten bewegt werden, finnv. nieder-, untergehen, 
verfch. fallen, wobei dem Körper der Stützpunkt der Schwere ganz entzogen 
ift, während derfelbe beim Sinken nur nachzugeben braucht (vgl. das Haus 
ift gefunfen od. hat fich geſenkt (f. fenken), u. es ift gefallen; ein Stein 
fällt aus der Luft u. finkt im Wafler zu Boden; ein led gewordenes Schiff 
ſinkt; bis an die Kniee in den Schnee, in den Moraft zc. ſinken; in die Erde 
finken; in Ohnmacht finfen od. fallen; einem zu Füßen, auf die Kniee ſinken; 
die Hände ſinken laſſen; der Nebel fintt, entg. fteigt); uneig. f. fich neigen, 
herablaffen (die Sonne ſinkt, d. i. neigt fich zum Untergange; die. finfende 
Nacht, d. i. die fich gleich]. vom Himmel herabfentt), an einen tieferen Ort 
gelangen, in einen Zuftand gerathen (ins Grab finten, auch bloß dahin 


finken f. ſterben; in tiefen Schlummer — 20.); vom Zone: tiefer u. ſchwä— 


| 
| 


cher werden (finkender Ton; die Stimme ſinken laffen); nad und nach ab— 
nehmen, an Stärke u. Lebhaftigkeit verlieren (das Feuer finkt; den Muth 
finfen laffen); in fittlihem Verftande: erniedrigt werden, fich herabmwürdigen 
(wie tief ift er gefunken! der Trunkenbold finkt unter das Thier); Bergw. auch 


Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 59 


930 Sinn — finnen 


ziel. f. ſenken (f. d.), in die Tiefe graben (einen Schacht); — das Sink- 
werk, in Salzwerken: Gruben im Steinfalze, in welche Waffer geleiter wird, 
um, wenn es mit Salz gefättigt ift, verfotten zu werden; — die Sinfe, M. 
-1, landſch. f. tief liegende Gegend, Niederung, auch Senke (f. d.); der 
Sinker, -3, M. w. E. landſch. f. Senker, Senkreis; bei den Tulpen die 
jungen Brutzwiebeln unter den Zafern der Hauptzwiebel; Bergw. Bergleute, 


welche Schächte graben; der Sinkler, Bergw. ein gefchworener Bergbee _ 


amter, welcher die Aufficht über eine Zeche hat, auch: der Sinfergefchwo- 
rene, Schauherr. 

Sinn, Sinnbild ꝛc., f. unter finnen; — Sinnau, f. Sinau. 

finnen, ziellof. u. ziel. 3w., ablaut. Smpf. fann (oberd. auch funn), Gonj. 
ſänne (oder ſönne); Mw. gefonnen, (altd. sinnan, sinnen, san, sunnen; 
urfpr. Bed. ſpannen, anfpannen, richten, freben, griech. zeiveır, lat. tendere, 


alfo von dem Stamme sin, Spannkraft, Stärke zc. in Sehne, Sinau, Ein 


grün ꝛc. |. d.5 dann: gehen, reifen, daher: sind, Weg, ſenden zu f. d.), 
1) alt u. oberd. f. trachten, fireben, fuchen, verlangen, (nach etwas—; 
an einen etwas finnen od. gefinnen, d. i. ihn darum angehen, es von ihm for- 
dern, vgl. gefinnen, anfinnen;z inöbef. ein Lehen finnen, f. es fur 
chen, verlangen); oberd. u. fihmweiz. ein Faſs —, f. ahmen, eichen (im diefer 
Bed. Impf. finnte, Mw. gefinnt; der Sinner, f. Ahmer); 2) gew. feinen 
Sinn, fein Nachdenken auf etwas richten, um e8 zu erkennen, finnv. 
nachdenken, forfchen (über etwas —, vgl. nachfinnen), oder um Mittel 
zur Erreichung eines Zweckes zu finden (auf erwas—, auf eine Liſt —, 
nur auf den Erwerb finnen 2c.); auc) ziel. et was —, f. durch Nachdenken 
hervorzubringen fuchen, ausfinnen, erfinnen (was finnft du? er fann ein 
Gedicht ꝛc.); — der Sinn, -e8, M.-e, alt u. landfch. auch -en (altd. der 
sin, ©. sinnes, auch diu sin f. äußerer Sinn; isländ. sinni, ſchwed. sinne), 
urfpr. das Trachten, Streben; die Richtung (z. B. mitteld. in vier sinnen, 
f. auf vier Seiten), bei. die Richtung der Empfindung u. des Geiftes auf 
die Gegenftände der Wahrnehmung, daher überh. die Fähigkeit zu em- 
pfinden und wahrzunehmen; insbef. 1) der Außere Sinn, die Auferen 
inne (lat. sensus): das Empfindungsvermögen und die Werkzeuge der 
Empfindung bei Menfhen und Thieren (die fünf Sinne: Geſicht, Gehör, 
Geruch, Gefhmad, Gefühl; der Sinn des Gefichts ꝛc.; das fällt in die Sinne, 
reizt die Sinne 2c.; feine, ſcharfe, ftumpfe, ſchwache ꝛc. Sinne haben); 2) der 
innere Sinn: der bewuſſte, felbftthätige Geift des Menfchen (lat. animus, 
mens); insbef. geiftige Empfänglichkeit od. Empfindungsfähigfeit (nur in 
der Einh., z. B. feinen Sinn für etwas haben; der Sinn für das Schöne, 
Gute 20.); Bewufftfein, Befinnung, Erinnerung (gew. in der Mehrh., 
z. B bei Sinnen fein; von Sinnen fommen, feiner Sinne beraubt fein); 
Erkenntnifsvermögen, Verftand (viel denken Thärft den Sinn; vgl. die Sſetz. 
Blöd-, Scharf, Zief-, Wahnſinn; ehem. auch ein Erzeugnifs des Denkver— 
mögens, Gedanken, Denkſpruch, fr. Sentenz, z. B. Meifter der Sinnen = 
magister sententiarum); Gemüth, Gemüthsart und Gemüthsrichtung, Ge: 
finnung, (4. B. es liegt mir etwas im Sinner fich etwas zu Sinne ziehen; 
ein hoher Sinn; bibl. der fleifchliche, irdifche Sinn, entg. dem geiftlidhen od. 
bimmlifchen Sinne; ein froher, Leichter, heiterer, trüber Sinn ꝛc., dgl. die 
Zſetz. Frohe, Leicht, Trüb-⸗, Kaltfinn 2c.); Begehrungsvermögen, Willens- 








finnen 931 


kraft u. Willensrihtung (feinen Sinn auf etwas richten od. ftellen; ſich et- 


was in den Sinn kommen laffen, d. i. es begehren; das ift mir nie in ben 
Sinn gelommen; fich etwas aus dem Sinne fchlagen, d. i. nicht mehr danach 
trachten, auch: nicht mehr daran denken; etwas im Sinne haben, d. i. vors 
haben, beabfichtigen; es geht nicht immer nad) unferm Sinne, d. i. Willen, 
Wunſche; ſprichw. viel Köpfe, viel Sinne; vgl. die Zſetz. Eigen, Starrfinn); 
auch der einzelne Willen, Abfiht, Zweck, Vorhaben, Meinung (4. 8. 
anderes Sinnes werben; Alle waren eines Sinnes; auf feinem Sinne blei- 
ben, verharrenz oberd. einen Sinn zu etwas haben, f. es willens fein; ehem. 
auf od. durch den Sinn ze. f. in der Abficht, zu dem Zwede); alt und oberb. 
auch f. Anſchlag, Kunftgriff, Plan, Lift (einen Sinn erdenten, finden 2c.); 
3) (objectiv) der geiftige Inhalt, Begriff, Verftand, die Bedeutung einer 
Sache oder Handlung, bef. eines Wortes od. einer Rede (nur in der Einh., 
3. B. der langen Rebe kurzer Sinn; ein Wort im eigentlichen, uneigentlichen, 
bildlichen ze. Sinne gebrauchen , verftehen 2c.; der tiefere Sinn eines Kunft- 
werkes u. dgl.; vgl. auch Unfinn) ;— 3feg. mit Sinn: das Sinnbild, ein 
Eörperliches Ding, fichtbares Bild od. Zeichen, welches etwas Geiftiges andeu— 
ten foll (fr. Symbol, Emblem; z. B. der Anker ift ein Sinnbild der Hoff- 
nung); finnbildlich, Bw., ein Sinnbild enthaltend, in der Weife od. mittelft 
eines Sinnbildes (eine finnbildliche Darftellung); finnbildern, untrb. ziellof. 
3w., Neum. f. fich durch Sinnbilder ausdrüden; das Sinngedicht, eine Art 
kurzer finnvoller od. wisiger Gedichte, meift auf einzelne Gegenftände od. Per: 
fonen bezüglich (fr. Epigramm); der Sinndichter, Verfaffer von Sinnge- 
dichten (fr. Epigrammatift); ſinnlos, Bw., des Sinnes od. der Sinne be 
raubt, insbef. der Außeren Sinne und der Empfindung ermangelnd (finnlos da 
liegen); ohne Verſtand, Vernunft, befonnene Überlegung, finnv. unfinnig, 
(finnlos handeln, fprechen; ein finnlofer Menfch); einen geiftigen Inhalt 
habend, ohne vernünftige Bedeutung (finnlofe Ausdrüde, finnlofes Geſchwätz); 
die Sinnlofigkeit, das Sinnlosfein, in allen Bed.; auch f. eine finntofe od. 
unverftändige Handlung (M. Sinnlofigteiten); die Sinnpflanze, eine Gat- 
tung ausländiſcher Hülſengewächſe, welche gleichſam Sinn od. Empfindung zu 
haben jcheinen, indem fie eine fo große Reizbarkeit zeigen, dafs fie bei der leis 
feften Berührung ihre Blätter zufammenziehen, au) das Sinnfraut, Fühl- 
Eraut, Schampflange zc. genannt (mimosa L.); die Sinnrede, finnreiche Rede; 
ſinnreich, Bw., viel Sinn, d. i. Scharffinn, Erfindungsgabe, feinen Ver- 
ftand, Wis 2c. habend und zeigend, finnv. ſcharfſinnig, wisig, erfinderifch, 
künſtlich, ſowohl von Perfonen, als von Sachen, welche die Erzeugniffe ihrer 
Thätigkeit find (4. B. finnreich fein, ein finnreicher Menſch, Schriftiteller zc.; 
finnreiche Einfälle, Scherze 2c.; eine finnreiche Erfindung, Einrichtung u. dal.); 
finnfchwer, Bw., ſchwer an Sinn, d. i. einen wichtigen, großen Sinn has 
bend, finnv. inhaltfchwer, gehaltvoll; der Sinnfpruch, ein Eurzer, finnvoller 
Ausfprud od. Sag, finnv. Denk-, Lehrſpruch, (fr. Sentenz) ; insbef. ein kurzer 
Sag als Überfchrift oder Erklärung eines Sinnbildes; finnverwandt, Bw., 
ähnlichen Sinn, d. i. ähnliche Bedeutung habend, dem Sinne nad) verwandt, 
ſinnähnlich, (fr. ſynonym; finnverwandte Wörter, fr. Synonyma, verſch. von 
gleichbedeutenden) ; die Sinnverwandtfchaft, Verwandtſchaft der Bedeutung 
nad) (fr. Synonymie); die Sinnverwandtfchaftslchre (fe. Synonymik); 
finnvoll, Bw., viel Sinn habend, tiefen Sinn enthaltend, finnv. gehalt-, 


59* 


932 finnen 


bedeutungsvoll, tieffinnig, nur von Sachen od. Thätigkeiten, verfch. von finn- 
reich, (ein finnvollee Gedanken, ein finnvolles Kunſtwerk 2c.); — mit Sin 
nes: die Sinnesänderung, Anderung der Denkart, der Gefinnung u. Ge— 
müthsverfaffung; in religiöfem Sinne finnv. Bekehrung; die Sinnesart, die 
eigenthümliche Art zu empfinden, zu denken u. zu wollen, welche dem einzelnen 
Menschen eigen ift, von weiterer Bed., als die ſinnv. Denk-, Gemüthsart, (fr. 
Charakter); die Sinneskraft, die Stärke eines (äußeren) Sinnes, od. der 
Sinne; auch f. Verftandes- od. Geifteskraft; das Sinneswerkzeug (b. als 
Sinnwerkzeug), Werkzeug (Organ) eines dußeren Sinnes, mittelft deffen 
wir Eindrüde von der Außenwelt empfangen und empfinden (4. B. Augen, 
Ohren 20.); — mit Sinnen (welche Mehrheitsform immer auf die äußeren 
Sinne u. die Sinnlichkeit geht): der Sinnengenufs, Genufs durch die Sinne, 
finnlichee Genufs, entg. dem geiftigen Genuffe; das Sinnenglüd, Glüd, 
welches die Sinne od. die Sinnlichkeit gewähren; die Sinnenluft, Sinnen: 
qual, der Sinnenraufch, Sinnenreiz, -taumel, -zauber zc., Luft, Qual ze. 
der Sinne, finnliche Luft 2c.; der Sinnenmenſch, der mit Sinnen begabte, 
finntiche Menſch; To auch: das Sinnenwefen; das Sinnenreich, das Rei 
od. Gebiet, in welchem die Sinne herrſchen, d. i. thätig find, der Inbegriff 
alles finnlich Wahrnehmbaren; fo auh: die Sinnenwelt, die ſinnlich wahr- 
nehmbare Außenwelt, die Welt der Erſcheinungen; der Sinnenfchlaf, un— 
thätigkeit der Sinne; Auftand dumpfer Bewufftlofigkeit des bloß finnlichen 
Wefens; der Sinnentrug, -wahn, Täufhung der Sinne, Sinnentäufhung ; 
— Ableit. von Sinn: finnig, Bw. (altd. sinnic, sinnec), überh. Sinn 
habend (fo in Zſetz. wie ſcharf-, ftumpf-, hoch-, tieffinnia; eigen-, Ealt=, 
Yeiht=, froh-, trübfinnig 2e.); insbef. 1) bei Sinnen feiend, feiner Sinne 
mächtig, feiner felbft bewuſſt, entg. finnlos, wahnfinnig; 2) Verſtand, 
Nachdenken, Überlegung habend u. zeigend, finnv. verftändig, befonnen, 
bedahtfam (4. B. finnig reden, handeln; ein finniger Mann; die finnige 
Hausfrau 2c.); niederd. auch f. fanftmüthig, befcheiden, bedächtig, langfam 
(die Pferde finnig gehen laſſen); u. f. nachdenklich, in Gedanken vertieft, 
trübfinnig, ſchwermüthig; 3) einen Sinn, d. i. geiftigen Inhalt ha— 
bend, bedeutfam, finnv. finnvol, finnreich, entg. finnlos, unfinnig 
(3. B. eine finnige Rede; ein finniger Gedanken; fo auch in: boppels, 
weit-, wiberfinnig); die Sinnigkeit, das Sinnigfein, die finnige Be: 
fhaffenheit, finnv. Befonnenheit, Verſtändigkeit; Bedeutſamkeit; finn- 
ih, Bw., 1) überh. die (äußeren) Sinne angehend ober betreffend, 
in der Thätigkeit der Sinne gegründet und fich auf diefelbe bezie- 
- hend, entg. geiftig (finnliche Neigungen, Begierden; das finnlihe An- 
fchauungsvermögen); insbef. durch die Sinne wahrnehmbar oder em— 
pfindbar (finnlihe Empfindungen, Wahrnehmungen); nur die Sinne bes 


friedigend (finnliche Genüffe, Reize 2c.; finnliche Liebe 2c.); 2) mit Sinnen . 


begabt (der Menfch ift ein geiſtig- finnliches Wefen) ; insbef. den Trieben der 
Sinne, finnlichen Empfindungen, Begierden, Genüffen ıc. nachhangend 
u. von ihnen beherrfcht (fehr finnlich fein; ein finnlicher Menſch); daher die 
Sinnlichkeit, überh. das Sinnlichfein: 1) (objectiv) die finnlihe Beſchaf— 
fenheit od. Natur (z. B. der Empfindungen, Genüffe 2c.); 2) gew. (fubs 
jectiv) das Begabtfein mit Sinnen, die finnliche Empfindungsfähigkeit, 
d. i. die Fähigkeit, mittelft der Sinne Eindrüde von der Außenwelt zu em: 


ee BE dr. m nn WE 





Sinngrün — Sipp 933 


pfangen, und der Zuftand der Abhängigkeit u. Beſchränktheit des Geiftes durch 
die leiblichen Sinne (Gott erkennt Alles ohne Sinnlichkeit; Dinge, welche der 
Sinnlichkeit ſchmeicheln); insbef. das Übergewicht des finnlichen über dag 
geiftige Leben, die Neigung, fich durch ſinnliche Empfindungen u. Zriebe 
beftimmen u. beherrfchen zu laffen (zu viel Sinnlichkeit haben; der Sinnlich- 
keit fröhnen 2c.). 

Sinngrün, f-, 1. Singrün. 

finnig, finnlich xc., ſinnlos ꝛc. — finnvoll, f. unter finnen. 

fint (landſch. au) feint, finter; Nebenform von sit, feit,f. d.) alt 
u. landſch. 1) Nw. f. fpäterhin, heraach; 2) Vw. mit * Dat., wie ſeit 
(3. B. bibl. ſint der Zeit 2c.); 3) unterordnendes Bdw., wie feit, ſeitdem, 
nachdem; auch f. indem, weil; ſintemal (altd. sintmäls, f. ſeitdem; oberb. 
au) feitenmal, feitmal, intfk. aus fint od. feit * Male, alſo 
eig. ſeit der Zeit; niederd. nademal, entſt. aus: nach dem Male), ovlt. be— 
gründendes unterordnendes Sdw. od. Fügewort f. weil, da, indem. 

ſintern, zielloſ. zw. m fein, Bergw. 1) f. fiegern, ſickern (niederd. ſie— 
pen, ſiepern): tropfenweſe durch- und herabrinnen, tröpfeln (das Waſſer 

ſintert durch das Geſtein; 2) f. gerinnen, zu einer feſten Maſſe werden 
(zufammenfintern; es intert ſich); der Sinter, -3, M. (felten) w. E. 1) 
ein Ealkartiger Steit, welchen das mit Kalkerde gefhwängsrte ausfinternde 
Waſſer (Sintervaffer) nad feiner Verdunftung bildet, Tropfftein (fr. 
Stalaktit); 2) Fon anderem Stamme?) die beim Schmieden von dem 
glühenden Eifer abfpringenden Theile, Hammerfchlag, Metallfchlade 
(altd. sintar, snter, sinder; angelf. sindor, engl. cinder); 3) auf Leinwand» 
bleihen: die Kfche von faulem und morſchem Holze, auh Sinterafde 
(von dem Ic. cinis, cineris, franz. cendre?). 

finwel od. finwell, Bw., f. finewel. 

Sipnaß, f. (eig. wohl Siebmaß, von sip, Sieb, f. d.), landſch., 3.8. 
im Man. u. Altenburg., ein Getreidemaß u. überh. Maß zu trodenen Din- 
gen, = + Scheffel. 

PP, Nw. (landfch. auch zipp; wahrſch. verw. mit fippen 3.), niederd. f. 
mir zierlich zufammengezogenem und zugefpistem Munde, überh. f. ge- 
ziert, vornehm, zurüdgezogen, fpröde, vgl. zimperlich, (den Mund fipp 
zehen; fipp thun 2c.; Jungfer Sipp od. Zipp, f. ein fich zierendes, vornehm 
ihuendes Mädchen); die Sippheit (Zippheit) f. geziertes Wefen, Biererei 
(fr. Affectation). 1 

Sipp 1. od. Sippe, m. u. w., -en, M. -en, (eig. ein Biw., althochd. sippi, 
sibbi, mittelh. sippe, sibe, ſchwed. sif, verwandt; alth. gisippo, angelf. ge- 
sibba, Verwandter; von einer Wurzel sip, ſanskr. shap, verbinden; vgl. das 
goth. ga-sibjon, verföhnen), vlt. f. Verwandter, Verwandte im weiteften 
Sinne; die Sippe, M. — n, (alt). sippea, sibbia, sibba, mittelh. sippe, 
sipt; oberd. Sipp, Sippt; angelf. sib, isländ. sift, ſchwed. sifia; urfpr. Ver— 
einigung, Bündniſs; Frieden, Freundfchaft), vit. f. Verwandtſchaft; Ver— 
wandtfchaftsgrad; daher: der Sipperbe, Verwandter als Erbe; das 
Sipptheil, Erbtheil eines Verwandten; die Sippzahl (verderbt auch 
Sippfal), vlt. f. Aufzählung der Verwandtichaft od. der Glieder eines Ge- 
ſchlechtes (fr. Genealogie); Verwandtfchaftsgrad; fipplich, Bw., vlt. f. ver 
wandtſchaftlich; die Sippfchaft (oberd. auch Sipptſchaft, Geſipptſchaft), 


934 ſippen — Sitte 


Verwandtſchaft, d. i. das Verhältnifs der Verwandten, u. beſ. die Ge - 
fammtheit derfelben, jest gem. in verächtl. Bed. (die ganze Sippfchaft ꝛc.; 
auch das Geſippe); — fippen 1. ziellof. Zw., olt. f. verwandt fein; bef. 
das Mw. gefippt, als Bw., f. verwandt, verfchwägert ıc. 

fippen 2. ziellof. Zw., nieverd. (auch ſippken; wahrſch. von gleichem 
Stamme mit Sipp 1. zc. alfo urfpr. fich gefellen) f. mit= od. nadjlaufen, 
wie ein Hund; daher der Sipp 2. od. Sipphund, ein Hund, der feinen 
Herrn zu begleiten gewohnt ift. 

fippen 3. ziel. u. zielof. Zw., nieterd. (auch ſippken; engl. sip; verm. 
mit fupen, faufen? vgl. au) fipp) % in Eleinen Zügen u. oft abfegend 
trinken, nippen. 

Sire od. Siere, w., ſ. Süre; — ſirqg, Bw., ſ. fehrig unter fehr. 

Sirpe od. Sitte, w., auch die Sirpen, o.€., (landfch. auch Sirbete, 
Sirme; vgl. das lat. serum), fehweiz. f. Käſewaſſer, Käfemilch, eine Art 
Molken, welche beim Käſemachen übrig bleiben u. woraus der Bieger (f. d.) 
niedergefchlagen wird, 

Sirup od. Sirop, m., - es, M. (von mehren Arten) -e, (gew., jedoch ohne 
hinlänglichen Grund, Syrup gefchrieben; franz. syro) u. sirop; engl. sirup, si» 
rop; ital. siroppo; von dem arab. serup, perf. schirab Süßwaſſer), ein zur 
Dicke des Honigs eingekochter Pflanzen- oder Fruchtaft; in engerer Bed. 
der braune Zuderdicfaft, welcher bei der Zuderbereiting duch die Spigen 
der Formen abfließt; daher: das Sirupfaſs; der Siriptopf; der Si— 
ruphandel ıc. 

Sifte, w., M.-n, landfch., 3. B. im Brandenburg, Ene Art feiner 
abgeriebener Napfkuchen. 

Sifter, m. od. f., -8, M. w. E. (vgl. Sefter), ein niedwländ. Ge: 
treidemaß — 77 Laft Korn od. ungefähr 7 Mesen. 

Eitte, w., M.-n, (goth. sidus, Eitte, auch Treue u. Glaube; sidon, 
üben; althochd. der situ, M. die sitiz mittelh. der site, sit, M. die Ste, sit; 
im älteren Oberd. der Sitt od. Sitten, ©. des Sitten ꝛc.; das neihochd. 
weibl. die Sitte fcheint aus Mifsverftand der alten Mehrheitsform dir site 
entftanden; niederd. Gebe; angelf. sido, isländ. sidr, fchwed. sed; — wahſch. 
von der Wurzel sit, angelf. u. ſchwed. sid, weit, ausgedehnt; vgl; feit, Sete; 
alfo eig. Erſtreckung, gleihmäßige Dauer, Gewohnheit; vgl. jedoch aud) dis 
griech. &905), überh. jede gleichmäßige Form des Verhaltens, gleichförmig 
Handlungsweife, finnv. Gewohnheit, (4. B. es ift fo feine Sitte), bef. eine 
unter mehren Menfchen verbreitete, herrfchende Gewohnheit, ſinnv. Ge— 
brauch, Herkommen, verfch. Geſetz, (jeded Sahrhundert, jedes Land u. Bolt 
“ bat feine Sitten; es ift hier nicht Sitte 2e.; die Sitten und Gebräude der 
Menfchen beobachten); in engerer Bed. die Art und MWeife des Benehmens 
im gefellfchaftlichen Xeben, mit Hinficht auf die Anftändigkeit und Schicklich— 
keit desfelben, gew. in dee M. Sitten, finnv. Betragen, Lebensart (gute, 
od. böfe Sitten; ein Menfch von, feinen, od. groben, bäuerifchen 2c. Sitten); 
in engfter Bed. f. gute Sitten, anftändiges, ſchickliches u. (im höchſten 
Sinne) pflihtmäßiges Verhalten (ein Menſch ohne Sitten; fchlechter um— 
gang verderbt die Sitten); — 3Zfes. der Sittenforfeher; die Sittenge— 
ſchichte; das Sittengeſetz, ein Gefeg, welches das Verhalten und bie freien 
Handlungen der Menschen nach Vernunftgründen vegelt; die Sittenlehre, 





Sittih — fißen 935 


Lehre von den guten Sitten im gefelligen Leben; im höheren Sinne f. Pflich- 
ten= od. Zugendlehre (fr. Ethik, Moral); der Sittenlehrer, wer Andere gute 
Sitten lehrt (fr. Moralift) ; wer die Sitten od. Zugendlehre wiſſenſchaftlich 
behandelt (fr. Ethiker); fittenloS, Bw., ohne gute Sitten, der Sitte zuwi⸗ 
der, ſinnv. ungeſittet, unſittlich (ein ſittenloſer Menſch, ein ſittenloſes Betra— 
gen); die Sittenloſigkeit, das Sittenlosſein; der Sittenmeiſter, die Sit— 
tenmeiſterinn, wer das ſittliche Betragen Anderer beaufſichtigt; auch verächtl. 
wer Anderer Sitten meiſtert; der Sittenprediger, wer unbefugt in anmaß— 
lich lehrendem Tone gute Sitten empfiehlt und Anderer Betragen meiftert; fo 
auch: die Sittenpredigt, f. Predigt; die Sittenreinheit; die Sittenre— 
gel, Regel des fittlihen Verhaltens; der Sittenrichter, die Sittenrich- 
ferinn, wer über Anderer Sitten richtet, bef. unbefugt u. ftreng aburtheilt; 
daher die Sittenrichterei; der Sittenfpruch, ein kurzer Sap, welcher eine 
Lehre für das fittliche Verhalten enthält (fr. moralifche Sentenz); die Sit— 
tenftvenge; das Sittenverdeeben, die Sittenverderbnifs, der Sitten- 
verfall 2.5; — Ableit. fitig, Bw., gute Sitten habend u. zeigend, 
finnv. fittfam, anſtändig, süchtig, mehr als gefittet u. fittlich, (ein 
fittiges Mädchen, ein fittiges Betragen); oberd. auch f. langſam, ſacht, ge- 
linde, fanft (4. 8. es regnet fittig; fittiger Schlaf u. dgl.); die Sittigkeit, 
das Sittigfein, finnv. Sittſamkeit; fittigen, ziel. Zw., gutes Neum. f. fit 
tig od. gefittet machm (fr. civilifiven); die Sittigung (fr. Givilifation) ; 
fittlih, Bw. (alto. sitelich f. fittig, züctig), überh. den Sitten und Ge- 
bräuchen gemäß, innv. üblich, gebräuchlich (nur in dem Sprihw. länd⸗ 
lich, fittlich, di. jedes Land hat feine Sitten); die Sitten, das Betra— 
gen im gefelliger Leben betreffend; insbef. die freie Handlungsweife ver— 
nünftiger Ween betreffend, fich darauf beziehend, darin gegründet (fr. 
moraliſch; fitfich gut, oder böfe; das fittliche Verderben; die fittliche Würde 
des Menfcher; der fittliche Werth einer Handlung 2c.); in engerer Bed. f. 
fittlic gut, ſinnv. fittig, fittfam, entg. unfittlih (ein fittlicher Menſch, ein 
fittliches Betragen 2c.); oberd. auch f. gemäßigt, gemach, ſacht; die Sitt— 
lichkeit, das Verhalten einer Perfon od. Handlung in Bezug auf dag 
Sittengefeß, die fittliche Eigenfhaft od. Beſchaffenheit (fr. Moralität); 
in engerer Bed. die Übereinftimmung mit dem Sittengefege (die Sittlich- 
keit einer Handlung); ſittſam, Bw., geneigt zur guten Sitte, aus innerem 
Triebe gefittet , anftandig, befcheiden, züchtig, u. von diefer Eigenfchaft 
zeugend (ein fittfames Mädchen, ein fittfames Verhalten 2c.); die Sittſam— 
keit, das Sittfamfein. 

Sittich, r. als Sittig, m., -e3, M. -e, (altd. sitich, sitech, sitach; oberd. 
auch Sitter, Sittikuft, Sitkuſt 2c.; ausd. lat. psittacus, griech. irrezos u, 
oirraxos), alt u. oberd. f. Papagei; daher fittihgrün (ſchwäb. fittergrün), 
Bw. f. papageigrün; der Sittichkarpfen, ſ. v. w. Laimer. 

fittig, fittlih, fittfam ꝛc., ſ. unter Sitte. 

Sittvogel, m. (entft. aus Sittichvogel? f. Sittich), landſch. f. Specht: 
meife, Blaufpecht. 

. figen, ziellof. 3w. m. haben (alt u. oberd. m. fein: ich bin, war gefeffen; 
hingegen nieberd. ik hebbe feten), ablaut. Smpf. faß, faßeft ıc., Gonj. ſäße; 
Mw. gefeffen, (goth. sitan, sat zc.; altd. sizan, sizzan, sitzen, Prät. saz, 
Part. gesezzen; oberd. Prät. ſaß u. ſatz, Part. gefeßen u. gefegen; niederd. 


936 figen 


fitten, Prät. fat u. jeet, Part. ſeten; isländ. sitia, ſchwed. sitta, angelf. 
sittan, engl. sitz vgl. d. lat. sidere, ſich feßen, sedere, ſitzen; griech. Zw, 
Eoueı, ich fege mich, fige, &dos, Sig), 1) eig. von Menfchen u. Thieren, in 
der Stellung fic befinden, wo der Körper auf dem Gefäß niedergelaffen 
ruht, fich gefegt haben (vgl. ſetzen), verſch. ftehen, liegen, (auf der Erde, 
auf einem Stuhle, auf dem Pferde od. zu Pferde fisen; am, vor, hinter dem 
Tiſche ſitzen; bei od. zu Zifche fisen, f. ſpeiſen; der Vogel fist auf dem 
Baume; auf den Eiern figen, auch bloß ſitzen f. brüten; ſitzende Arbeit, 
Lebensweife u. dal., gem. f. figend verrichtete zc., b. Sigarbeit; auch rüdz. in 
Verbindung mit einem Bw., welches die Wirkung des Gigens ausdrüdt, z.B. 
fich müde, fteif 2c. fisen); alt u. oberd. auch f. fich feßen (z. B. er war 
gefeffen f. er hatte fich geſetzt; einen figen heißen; nieberſitzen f. fich nie 
derfegen; auffigen f. fi) aufs Pferd ſitzen; uneig. ob od. auf eine Sache 
figen f. darauf dringen; auf einen figen f. iha bedrängen, beläftigen, verfolgen, 
vgl. auffäßig); 2) in befonderer u. uneig. Bed. zu einem beftimmten Iwede 
figen, etwas fißend verrichten (z. B. dem Maler fisen, d. i. fi von ihm 
malen laſſen; einem Beichte fisen, d. i. deffen Beichte anhören; zu Gericht, 


im Rathe figen, auch bloß: figen f. Gericht halien, zum Gericht verfammelt 


fein, regieren od. im Amte fein, 3. B. landſch. der figende Rath, Bürgermei- 
fter 20); im Beſitz fein (oberd. eines Gutes bei Nu und Gewehr figen) ; 
fich irgendwo dauernd aufhalten, wohnen, anſäſſg fein, auch fich fort: 
während in einem gewiffen Zuftande befinden (arf dem Lande, in der 
Stadt ꝛc. fißen; ehem. hinter einem figen, f. deſſen Snterfafs (f. d.) fein; 
im Gefängniffe od. gefangen ſitzen, auch bloß: ſitzen, 548. er hat mehre 
Sahre gefeffen; immer im Haufe, hinter dem Ofen, über din Büchern figen; 
ftill figen f. unthätig fein; warm ſitzen, uneig. f. fig im Wohlftande 
befinden; einen, bej. feine Frau, ſitzen laſſen, d. i. verlafen, indem man 
fi entfernt ; ſitzen bleiben, uneig. von weibl. Perfonen f. unverheivathet 
bleiben); 3) von lebloſen Dingen: fich bleibend an einem Dite befinden, 
haften, befefligt fein, (ein Schiff fist auf dem Grunde feſt; der Hut fist 
auf dem Kopfe; es fißt viel Schleim auf der Bruſt; hier fißt mir's d. i. hier 
liegt das Übel; eine Beleidigung 2c. nicht auf fich figen Laffen, ». i. nicht 
ertragen, fie erwiedern od. rächen); von Kleidungsftücen f. paffend fein, klei— 
den, anftehen (das Kleid figt mir nicht; die Haube fist gut, ſchlecht, 
ſchief ꝛc.); — der Sib, -e8, M.-e, (niederd. Sitt; isländ. setr, set, 
engl. seat), 1) das Sigen, der Zuftand, da man fißt (0. M.; . 8. 
Sig und Stimme im Rathe, in einer Behörde haben, d. i. das Recht, darin 
zu figen, daran Theil zu nehmen); 2) der Drt wo ...., der Platz, worauf 
‚man fißt (z. 8. unfer diefem Baume ift ein ſchöner Sig; Jäg. der Ort, wo 
das Rehwild fich niederläfft; der Sig eines Stuhles, d. i. der flache Theil 
desfelben, auf welchem man ſitzt); auch das Geräth, Geftell zum Sitzen, 
als allgemeiner Ausdruck die befenderen Arten Stuhl, Seffel, Bank x. in 
fich fchliegend (die Sige in einem Wagen, in der Kirche; alle Sige waren 
beſetzt); uneig. der bleibende Aufenthaltsort (feinen Sig an einem Orte ha— 
ben, auffchlagen 2c.; der Sitz des Kaifers, fr. die. Refidenz; vgl. Wohn-, 
Landſitz 2c.), oberd. insbef. Haus und Hof eines adeligen Landfaffen; auch von 
teblofen Dingen: der Ort, wo etwas fist, d. i. fich befindet oder begrün— 
det ift (4. B. der Sitz cines Übels, einer Krankheit ꝛc.); — Bes. v. figen: 





ar u a Aa il Te 


—  a zz oa = 


Skartenfraut — Skorpion _ 937 


der Sikanfer, Schiff. ein großer, Schwerer Anker, der zum Heranziehen ber 
Schiffe auf der Rehde od. im Hafen liegen bleibt; die Sitzarbeit, figend 
verrichtete Arbeit; das Sitzbein, Anat. ein Bein am unteren Theile des 
Beckens; das Sitz od. gew. Sitzefleiſch, gem. kein Sitzefleiſch ha— 
ben, f. nicht gern lange figen ; das Sitzgeld, Geld, welches ein Gefangener 
dem Gefangenwärter zu entrichten hat; ſchwäb. Abgabe der Häusler an den 
Grundheren; das Sitzhaus, ehem. f. Abtritt; der Sitzkaſten, ein Kaften, 
welcher zugleich als Sig dient, in Wagen; das Sikfiffen, = polfter, ein 
Kiffen 2c., auf welchem man fistz der Sikort, Bergw. ein Ort, wo der 
Bergmann anfigt od. figend arbeitet; der Sitzpfahl, Bergw. ein Pfahl od. 
Klotz, auf welchem der Häuer in der Grube vor Ort fist; der Siktag, gem. 
Sigungstag , f. u.; — Ableit. der Siker, -$, die Sikerinn, mer fit, 
gew. nur in den zgeſ. Bei⸗, Vorſitzer 2c.; Giger, Schiffb. die erften Ver— 
längerungen der Bauch- und Piekftüde; gem. fcherzb. f. der Hintere; 
oberd. auch f. Stuhl (verkl. Sigerlein); fißig, Bw. (von Eon Sitze 
enthaltend, in den Zſetz. ein- zwei⸗-, vierſitzig 2c.; der Sitzling, -es, M. -e, 
alt u. landſch. wer viel fißt, figend arbeitet; Gap: wer gern im Wirthe> 
haufe fist; ſitzſam, Bw., Neuw. f. zu figen geneigt und gewohnt; daher 
die Sikfamkeit; die Sisung, eig. das Sitzen; insbef. die jedesmalige 
Berfammlung eines Vereins von richtenden od. berathenden Perfonen (M. 
Sigungen; fr. Seffion); daher der Sikungstag, Verfammlungstag einer 
Behörde ze. 

Skartenkraut, f. (wahrſch. niederd. Korm f. Schartenfraut, |. 

Scharte 2.), landich. verfchiedene Pflanzen: der Taubenfchnabel; der Storch— 
fhnabel, auch Schartenkraut; der Bergalant, auch Skortenkraut. 

Skaſt, m., -e3, M. -e, landſch. f. Fiſchadler, großer Meeradler od. 
Beinbrecher. 

Sklave, abgek. Sklav, m., -en, M. -en, weibl. die Sklavinn, 
M.-en, (fchweb. slaf, engl. slave; franz. esclave, ital. schiavo; von dem 
Bolkaftamm der Slaven, ehem. Sklaven, mittl. lat. Sclavi genannt, welche 
von den alten Deutfchen im Kriege zu Gefangenen gemacht, als Knechte ver- 
Eauft wurden), Menfchen, welche Andern als fürmliches Eigenthum an— 
gehören und wie eine rechtlofe Waare behandelt werden, finnv. Leibei- 
gene, welche jedoch nicht fo unbedingt ald Sache betrachtet werden (einen 
zum Sklaven machen; Sklaven Zaufen, verkaufen ꝛc.); uneig. überh. wer im 
Zuſtande erniedrigender Abhängigkeit ift, fich beherrſchen läſſt (eines 
Andern Sklave fein, d. i. deffen Willkür unterworfen; ein Sklave feiner Lei- 
benfchaften fein 2c.); — 3fes. die Sflavenarbeit; die Sklavenbanden, 
-feffeln, = Eetten 2c.; die Sklavenfurcht, der Sklavengeift, -finn ꝛc.; der 
Sfklavenhandel, Handel mit Sklaven; der Sklavenhändler; das Skla— 
venjoch; das Sflavenleben; der Sklavenmartt; der Sflavenftand u. 
ſ.w; — Xbleit. fflavenhaft, Bw., fElsvenähnlich; fElavifch, Bw., eis 
nem Sklaven eigen oder angemeffen, dem Zuftande oder der Gefinnung 
eines Sklaven gemäß, finnv. Enechtifch, (ſklaviſche Arbeit, Furcht 2. ; Je— 
mand ſklaviſch nachahmen u. dal.); die Sklaverei, der Zuftand eines Skla⸗ 
ven (in Sklaverei gerathen, leben 2c.); uneig. überh. vollige Unfreiheit u. 
Abhangigkeit von fremder Willkür, finnv. Knechtfchaft. 

Skorpion, m.,-e8, M.-e, (vom griech. dx0g7tos , lat. scorpio u. scorpius), 


938 Sekortenkraut — fo 


ein Erebsähnliches, achtfüßiges Kerbthier mit zwei großen Scheren u. einem 
langen, gegliederten Schwanze, der mit einem gefrümmten Stachel u. einer 
kleinen Giftblafe verjehen ift, aus welcher ein gefährliches Gift in die mit dem 
Stachel gemachte Wunde fließt; Stern. eines der 12 Sternbilder des 
Thierkreifes; uneig. Namen zweier Schneden, auch: Skorpionſchnecken; 
die Sforpionfliege, eine Art fliegenähnlicher Infecten, deren Schwanz dem 
Skorpionſchwanze ähnelt; das Skorpion od. Sforpionengift; das Skor— 
pionfraut, 1) eine Gattung Hülfenpflanzen im: fühl. Europa, mit rauhen, 
gekrümmten, den Skorpionſchwänzen ähnlichen Hülfen, daher auch Skor— 
pionfchwanz, Raupenkraut, Schneckenklee zc. (scorpiarus L.); 2) f. Stech— 
ginfter, auch die Skorpionpfrieme (ulexL.); 3) f. Sonnenwende od. Krebö- 
“blume; 4) f. Mäuſeöhrchen od. Vergifsmeinnicht, auch Skorpiongras; das 
Sforpionöl, ein Öl, worin Skorpionen erfäuft worden, als Heilmittel gegen 
den Skorpionftih; die Skorpionfchnede, eine Art Flügelſchnecken, u. eine 
Art feltener Stachelfchneden; die Sforpionfpinne, eine Art achtfüßiger 
Spinnen mit langen, feherenartigen Fühlhörnern u. einem Saugeftachel. 

Sfortenfraut, f., ſ. Sfartenfraut. 

Skrupel od. Scrupel, f., -$, M. w. E., (vom lat. scrapulum, r. scri- 
pulum, scriptulum, von scribere, fchreiben, zeichnen, alfo eig. eine Linie; vgl. 
das griech. yonuudgıov von yodpew; verſch. der Scrupel, d. i. Zweifel, 
Bedenklichkeit 2c., vom lat. scrupulus), 1) ein Eleines Maß, insbef. als Län- 
genmaß — 75 Linie; auch der 60ſte Theil eines Grades, |. v. w. Minute; 
Sternk. auch als Zeitmaß f. Minute; 2) ein Eleines Gewicht — 20 Gran 

od. 4 Quentchen. 

Smalte, w., f. Schmalte. 

Smaragd, m., -e8, M. -e, (gem. Schmaragd gefpr.; vom griech. 
ucoaydos, oudoaydos, welches hellgrünen Flufsfpath u. überh. alle grünen 
Kryftalle bezeichnet, lat. smaragdus; diefe aber von dem perf. zemerud; ſanskr. 
marakata; mittl. lat. esmaraldus, ital. smeraldo, franz. emeraude), ein ſchö— 
ner Edelftein von grasgrüner Farbe; daher: die Smaragdfarbe; ſma— 
ragdfarben, fmaragdgrun, Bw.; der Smaragdflußs (j. Fluſs 2), ſma— 
ragdfarbener Kryftall, od. Fluſsſpath; auch ein Eünftlich nachgemachter, unech— 
ter Emaragd; der Smaragdpraſer, fmaragdgrüner Prafer (1. d.); Die 
Smaragdſchnecke, eine Art Trompetenſchnecken, auch der Eleine Sma- 
ragd genannt; fmaragden, Bw. von Smaragd; uneig. f. [maragdähn- 
lid) an Farbe und Glanz. 

Smergel od. Smirgel, m., 1. v. w. Schmergel 1. 

fo 1. unbieaf. beziehendes Fürw. (mittelh. sö; ein Überbleibfel des alten 
hinweifenden Pronomens u. Artikels: goth. sa, s6, thata, angelj. se, see, 
that, ſanskr. sas, sä, tad, d. i. der, bie, das; von dem Pronominal-Stamım 
" sa, neben ta, tha, da), vlt. u. nur noch dicht. f. welcher, e, es, der, Die, daß, 
jedoch nur für den Nom. u. Accuſ. aller Geſchlechter in beiden Zahlformen 
(4. B. bibl. die Heiligen, fo auf Erden find; der Lohn von dem, jo wir 
thaten). 

fo 2. fürwörtliches Neben- u. Bindewort (Pronominal-Adverbium u. Con: 
junction, eig. ein Verhältnifsfall des Mittels od. der Art u. Weife (Casus in- 
strumentalis od. modalis) von dem unter fo 1. angeführten hinweifenden Für 
wort (daher auch in den Zfes. fomit, ſonach in der Bed eines Prono- 














EEE 


fo 939 


minal⸗ Gafus, wie da), überh. ſ. v. w. dadurch, auf die Art, in ber Weife; 
goth. sva, fo, unterſch. von sv&, wie; althochd. sö f. fo u. wie; mittelh. sö, 
so; daneben sus, entfpr. dem altniederd. thus, neuniederd. dus, von bem 
Pronominal-Stamm: tha, da; iöländ. svä, svo, so, ſchwed. sa; angelf. sva, 
engl. so u. thus; vgl. d. griech. &s mit ö, ös; lat. sic, ita, vgl. id), 1) Nw. 
der Beichaffenheit u. Weile, des Grades (dev Intenfität) u. Ser Menge u. 
Größe (Quantität): auf die od. diefe Art, in der Weife, in dem od. fol 
chem Grade od. Maße, finnv. dergeftalt, folchergeftalt, dermaßen ıc., 
insbef. I) Hinmweifend (demonftrativ, ohne Vergleihung; z. B. er macht 
es fo, erift fo groß, ich mache mir nit fo viel daraus, d. i. gar nichts, 
u.dgl.m. mit begleitender Geberde; fo meine ich es nicht; die Sache verhält ſich 
fo, fteht jo; wenn dem fo ift zc.; bald fo, bald fo, d. i. bald auf diefe, 
bald auf jene Art; fo fo f. mittelmäßig, erträglich, 3. B. es geht fo fo; fo 
und fo viel, fo und fo groß u. dal. fagt man, wenn man bie Menge od. 
Größe nicht genau beftimmen Tann od. will; fo genannt od. zgel. foger 
nannt fügt man einer Benennung bei, deren Richtigkeit man nicht völlig zus 
gefteht, 3. B. die fogenannten guten Freunde, d. i. die, welche man Freunde 
nennt, ohne dafs fie es im vollen Sinne des Wortes find; gem. gebraucht man 
fo auch f. ohnehin, ohnedies, doc), 3. B. aus dir wird jo nichts; es kann 
fo nit lange mehr mit ihm währen; fo aber, d. i. eig. in diefer Weiſe, 
unter diefen Umftänben aber, f. das bloße aber, 2. B. ich hätte es wohl ger 
wünfcht; fo aber ging es nicht an); im gemeinen Leben fagt man: fo ein, 
fo einer, e, ed, f fol, ein folcher zc. (z. 8. fo ein Menſch, fo ein 
Glück, fo ein ſchönes Buch; fo einen Eenne ich zc.), und fo etwas, gem. fo 
was f. etwas der Art (4. B. fo etwas habe ich nie gefehen; fo was leide 
ich nicht 2c.); ferner gebraucht man fo! austaff. f. fo ift es gut=od. recht, 
fo foll e8 fein; fo? als Fragewort f. ift es fo? verhält es fich wirklich 
fo? mit dem Nebenbegriffe der Verwunderung (3. B. fo? hat er das wirk- 
lich gefagt?), und wie fo? f. in welcher Arc? in welcher Weife? wie ift 
das zu verftehen? — häufig fteht fo mit gefchwächter Bedeutung u. Beto- 
nung bloß zur Verftärfung od. als Ausdrud feinerer Gefühlsbeſtimmun— 
gen (3. B. er meint es fo gut; er hat fo viele Verdienftez ich habe dich fo 
lange nicht gefehen! ich habe es ſchon fo oft gefagt; er wird fo bald nicht 
wieder kommen; er hat fo ganz Unrecht nicht; mir ift nicht fo recht wohl, 
u. dgl. m.; verftärkend ift es auch in den Zfeg. fodann, jfofort, fogar, 
fogleich ıc., |. d.); 2) beftimmend (determinativ), mit hinzugefügter 
Vergleichung, welche, wenn fie eine Eigenfchaft, Beichaffenheit od. Art u. 
Weile betrifft, durch wie —, wenn fie eine Grad: oder Mafbeftimmung ent» 
hält, durch als vermittelt wird (7. B. mache es fo, wie ich; fo weiß, wie 
Milch; fo hell, wie die Sonne; er ift fo fleißig, wie fein Bruder; aber: er 
arbeitet fo viel, als ich; er ift fo fleißig, als geſchickt; fo Tchnell, als möglich; 
es ift fo gut als gewiſs, u. dal. m.; fo auch bei Zeitbeftimmungen, z. B. fo 
bald als 2c., jo lange als, fo oft als du willft ꝛc.; — verftärkt wird dies fo 
duch) Vorſetzung von eben, 3. B. eben fo fchön, wie ze.; eben fo lange, 
als 2c.); auch mit Beziehung auf einen mit dafs eröffneten od. durch zu mit 
dem Infinitiv verkürzten Sag (3. B. fo viel, dafs man genug hat; mache 
es fo, dafs man dich loben kann; fei fo gut, es zu thun, mir zu helfen 20.5 
gem. une: fei fo gut und thue es ꝛc.); diefe beftimmende od. bezichliche Bed. 


940 fobald — Code 


macht den Übergang zu — 2. Bdw., insbeſ. 1) ald Bindemwort (im enge 
ren Sinne) mit hHinbeutender Kraft, im Hauptfaße: a) vergleichend 
(comparativ; 3. B. wie man den Sinaben gewöhnt, fo bleibt er als Mann. 
Der Herbftwind weht das Laub vom Baume; fo vergeht das Menſchenleben; 
bisweilen auch bloß anfügend od. copulativ: fo — als, f. ſowohl — 
ald, z. B. fo Geduld, als Zeit verging; um fo ift verhaltlich od. propor= 
tional, finnv. defto, 4. B. das Leben ift kurz; um fo forgfältiger muſs man 
es nüßen; od. je kürzer das Leben ift, um fo 2c.; in fo fern od. info 
weitift einfhränfend od. reftrictiv, z. B. ich habe ihm in fo fern mein 
Wort gehalten, als es mir möglich war); b) folgernd (illativ), finnv. alfo, 
folglich (z. 8. er ift fleißig; fo wird er etwas lernen; befonders mit Aus— 
laſſung des dunkel hinzugedachten urfädhlichen Satzes, 3. B. fo laffet uns ges 
ben! fo fanget denn an! fo komm do! fo ift es denn beichloffen; fo ift 
denn Alles umfonft! 2c.); ferner Nachfüge einleitend, denen ein begründen: 
der, zweclicher, bedingender od. einräumender Vorderfag vorangeht (2. B 
weil od. da er nicht fleißig ift, fo wird .er nichts lernen; damit er fich beſſere, 
To ftrafe ich ifn; wenn du Eannft, fo komm; obgleich er Erank ift, fo hat er 
mir doch gefchrieben; auch nach einem zeitbeftimmenden Gate, 3. B. als ich 
kaum aufgeftanden war, fo kam er fchon; od. ich war eben aufgeftanden, fo 
kam ev 2.); 2) als Fügewort mit bezgiehender Kraft, im Nebenfage 
(ſtatt des relativen wie, fo wie der ft. wer, welcher): a) vergleichend (4.8. 
To gelehrt er ift, fo anmaßend ift er auch, ft. wie gelehrt 2c.5; ich will es ma— 
chen, fo aut ic) kann, d. i. wie gut 2c. od. fo gut als ich kann; fo oft ich ihn 
fehe, freue ich mich; fo wahr ich lebe! 2c.); b) einräumend u. einſchrän— 
kend (4. B. fo gern ich ihm helfen wollte, fo Eann ich doch nicht; fo viel ich 
weiß u. fo weit ich ihn Eenne, ift er ein redlicher Mann; fo jung ich bin ꝛc.; 
fo fern od. in fo fern ic) ihn verftehe, Kat er Recht, ft. wie fern, in wie 
fern 26.); €) alt u. dicht. auch bedingend (conditional) f. wenn (zZ. B. bibl. 
fo er ſpricht, To gefchieht’s; fo er gebeut, fo fteht’s da; Herr, fo du willft, 
Eannft du mic) wohl reinigen; fo Gott will 2c.). 

fobald, d. i. eig. fo bald (f. batd), in fo Eurzer Zeit: 1) als Nw. (3. 8. 
er wird fobald od. r. fo bald nicht Eommen); nicht Fobald f. kaum (3. B 
er war nicht fobald angekommen, als ich ihn aufuchte); 2) als Bw. u. zwar 
zeitbeftimmendes Fügewort f. fo bald als (3. B. fobald er angefommen war, 
befuchte ich ihn). 

fobben, ziellof. Zw. (wohl verw. mit fupen, faufen), niederd. f. gern u. 
viel trinken, dem Trunk ergeben fein; der Sobbe, -n, od. Sobber, -8, 
f. Trinker, Säufer. 

ſochen, zielloſ. Zw., (mittelh. söchen, Prät. sohte) oberd. f. ſiechen (f. 
—9* kränklich fein; der Socher, -8, £ kränklicher Menfch (ſprichw. der 
Soder überlebt den Pocher, d. i. ben. welcher auf feine Gefundheit pocht); 
ſochig, Bw., f. ſiech, kränklich (auch: dead): 

Socke, to. M.-n, (althochd. der soch, M. soccha; mittelh. soc, M., 
G. sockes, u. socke, w.; verkl. sochili, söckel; oberd. der God, M. Socke, 
gew. verkl. der Söckel; niederd. Sode, ſchwed. socka, engl. sock, franz. 
socque; fämmtlich entlehpnt von dem lat. soccus), eine Zufbeffeidung von 
weichem Stoffe mit flachen Sohlen, al? Pantoffeln od. als Überfchuhe ge- 
tragen (z. B. Filzfoden, wollene Soden 20.); Eurze Strümpfe, die nur bis 


| 





Sodel — Sodgräber 941 


an od. über die Knöchel reichen; auch der Füßling eines Strumpfes (z. 8. 
die Sode an einen Steumpf ftricten); niederd. f. bloße Strümpfe, ohne wei— 
tere Fußbekleidung (auf Soden gehen; gem. ſich auf-die Soden machen, uneig. 
f. heimlich fortgehen); die Sodenblume, eine Pflanze im füdl. Europa, mit 
ſocken- od. auch mügenähnlichen Blumen, auch Bifhofsmüge (epimedium 
alpinum L.); foden, ziel. 3w., mit Soden verfehen (gew. befoden), 
oberd. auch ſöckeln (z. B. die Strümpfe —, d. i. Soden daran ftriden). 

Sodel, m., -8, M. w. E., (vom lat. socculus, Verkl. von soccus?), 
Fußgeftell, Unterfaß eines Bruftbildes u. dgl, Säulenfuß. 

u: ziel, Zw., f. unter Socke; — 2. rüdz. Zw. (verw. mit fiegen 

‚ fitern, fogen; vgl. auch) faden 2.) ſich —, in Salzwerken f. nach und 
ee zu Boden finfen (das Salz fodt ſich). 

Soderfalf, m., ſ. Sakerfalk. 

Sod, m., -e$, RM. Sode, landſch. auch Söder, (altd. söt, G. södes; 
von fieden; vgl. Sud) 1) das Sieden, insbef. die fi vom Denkentnuinde 
bis in den Schlund verbreitende brennende Empfindung , welche von ver- 
dorbener Säure im Magen herrührt (oberd. Sott, Sutt, Sat; der God 
brennt mir), gew. das Sodbrennen; daher: das Sodbrod, die Hülfenfrucht 
des Sodbrodbaumd in Stalien u. im Morgenlande, welche das Sodbrennen 
dämpft, auch Sodfchotenbaum, Sohannisbrodbaum; die Soddiftel od. 
das Sodkraut, gemeine Eberwurz, Kreuze od. Sandbiftel, ein Mittel gegen 
das Sodbrennen; — 2) der od. das Sod, landſch. auch die Sode or. 
Söde, was gefotten wird od. iſt; insbeſ. beim Salzfieden: fo viel Soole 
auf einmal verfotten wird; niederd. das Sod, fo viel Maffer zu einem 
Gebräude Bier erforderlich ift; eine Söde (z. B. Fifche, Kohl ze.) f. ein 
Gericht; der od. gew. das Sod, landſch. f. Brühe (Sauce), Abfud (da- 
ber ſprichw. gem. in feinem Sode jein, leben 2c., d. i. in feinem Schmutze, od. 
in feiner Bequemlichkeit, feinen Lüften 2c.; die Hände mit im Sode haben, 
d. i. mit im Spiele, bei einer ſchmutzigen Sachey; — 3) der Sod, das 
Siedende, Aufiwallende, daher alt u. Landich., beſ. niederd. f. Brunnen, 
bef. Ziehbrunnen, (angelf. seadh, holl. sode), auch : der Sodbrunnen; da- 
her der Sodbord, f. Brunnenrand; der Sodeimer, f. Brunneneimer; der 
Sodgräber, Brunnengräber; die Sodruthe, der Sodfchwengel, f. Brun- 
nenftange, = ſchwengel; das Sodwafler, f. Brunnenwaſſer 2c. 

fodann, zeitbeftimmendes Nw. u. fortfegendes Bdw., das verft. dann 
(f. d.), finnv. aledannz darauf, ferner, hernach. 

Sodbord, - brennen ‚= brod ‚= brunnen, = diftel, ſ. Unter So. 

Sode l. en Söde, w., ſ. ee So 2). 

Sode 2. w., o. m. (fr. Soda; vom fpan. soda, franz. soude), Galz- 
afche od. Afchenfalz, ein feuerbeftandiges Laugenfalz, welches durch Ver: 
brennen verfchiedener Pflanzen, bef. des Salzkrautes (f. d.), gewonnen wird, 
auch: das Sodefalz; das Sodekraut, Salzkraut. 

Sode 3. w., M.-n (hol. sode, engl. sod, altfrief. satha), niederd. ein 
ausgeftochenes Stüc Raſen od. Torf; der Sodendeich, ein mit Rafen beleg- 
ter Deich; die Sodengruft, Strede, wo Soden geftochen werden; der So: 
denftecher, wer Soden ausfticht; — foden, 3w., f. Raſen- od. Torfftüde 
abftechen, au: abſoden. 

Sodgräber, = ruthe, = fehwengel,= waffer, f. unter Sod. 


942 fofern — Sohle 


fofern od. getrennt fo fern (vgl. fern u. fo 2. 2) b), Bdw. u. zwar ein⸗ 
ſchränkendes (reftrietives) Fügewort, ſ. v. w. wie fern, in wie weit (4. B. 
er ift unſchuldig, fofern ich es beurtheilen Kann). 

Soff, m., -e$, o. M., (altd. souf, süß; oberd. Suff; von faufen), niedr. 
1) das Saufen, oberd. f. Trunk, Schluck; bef. die Fertigkeit u. Ges 
wohnheit des Saufens, Trunk, Völlerei (dem Soff ergeben fein); 2) gem. 
verächtl. f. fhlechtes Getränk, vol. Geföff; der Söffling, - es, M. -e, 
(oberd. Süfling) gem. f. Säufer. 

foforf, Nw. der Zeit, ſ. v. w. fogleich, auf der Stelle, ohne Aufſchub 
(vgl. fort); daher ſofortig, Bw., was fogleich gefchieht od. erfolgt (4. 2. 
fofortiger Beſcheid u. dal.). 

Sog 1. m., -e$, o. M., (von faugen), niederd. f. dad Saugen (5. B 
Ferkel von einem Sog, d. i. zugleich geworfene u. gefäugte); Zuflufs der 
Säugemilch (einen guten Sog haben); ein in fich faugendes Ding, inshef. 
ein Kaften im Schiffsraume, in welchem ſich das eingedrungene Waſſer 
fammelt; Wafferb. eine ins Borland gegrabene Vertiefung, ein Schiff 
darein zu legen; das Sogferfel,- Falb, - lamm ꝛc., niederd. f. faugendes 
Ferkel 2.5; — die Söge, M. -n, nötdeeh. f. Sau . d.), De EA 
daher: die Sögediſtel f. Saudiſtel. 

Sog 2. m., -e8, M. -e, (wahrſch. f. 309, Zug, von ziehen), — f. 
Zug, Zugluft, Zugioind, ae der Sogwind; Schiff. die Spur od. 
Furche, welche ein fegelndes Schiff zieht; auch das Scharf (f. d.) od. 
der Schnitt des Schiffes (4. B. ein Schiff hat einen yuten Sog, wenn e& 
hinten fcharf gebaut ift); daher das Soggat, Gat im Soge; das Sogftüd, 
f. v. w. Piekſtück. 

fogar, grabbeftimmendes Nw., das verft. gar (f. d.), eine Steigerung 
ausdrüdend, finnv. auch, felbft G. B. er ift nicht nur nicht mein Freund, 
fondern fogar mein Feind; er lügt nicht nur, fondern ftiehlt fogar, u. dal. m.). 

fogen, ziellof. 3w. (vgl. fiegen 1. u. feigen 1.), in Salzſiedereien f. fidern, 
tropfen, in Tropfen abfließen (das Waffer aus den Salzkörben fogen laffen) ; 
von dem Salze felbft: fich in der Pfanne zu Boden feßen und in Kroftalle 
anſchießen, auch focen, f. d.; der Sogbaum, in Salzwerken ftarke Hölger 
über der Pfanne, auf welche die Salzkörbe gefegt werden; die So en 
Pfanne, in welcher die Soole zum Anfchießen gebracht wird; der Sogſtiel, 
Stiel an den Salzichaufeln ꝛc. 

ſogleich, Nw. der Zeit, das verft. gleich (f. gleich 2), d. i. in fehr kurs 
zer Zeit, im Augenblick, (z. B. ich bin fogleich fertig; er wird ſogleich 
fommen). 

“ Sogpfanne,: ftiel, f. unter fogen; Sogſtück,- wind, ſ. Sog 2 

fohin, Aw. u. Bow. (aus dem hinweifenden Pronominal= Eafus fo u. 
hin zgeſ.; ſ. fo 2., vgl. da-hin, daher 2c.), oberd. f. fomit, folglich, dem: 
nad. 

Sohlband,= berg, f. unter Sohle 1. 

Sohlbeere, w. (wahrfh. aus Salbeere entft., von Tal, ſchmutzig, 
ſchwarz), landſch. f. ſchwarze Sohannisbeere. 

Sohle 1. w., M.-n, (goth. sulja, altd. sola, sol, w.; daneben solo, 

ol, f., f. Grundlage, Boden; oberd. Solen, niederd. Sale; ſchwed. sola, 
angelf. sol, engl. sole; Iat. solea, ital, suola, franz. sole, vgl. soulier, 





Sohle 943 


Schuh; von dem Stamme deö goth. suljan, gründen; vgl. Säule, Schwelle; 
das lat. s6lum, Grund ꝛc.), überh. die Grundfläche od. Grundlage; insbef. 
die untere F äche des Fußes der Menfhen (Fußſohle), fo wie der Fuß— 
bekleidung (z. B. die Sohle eines Strumpfes, Schuhſohle ꝛc.); aud ein 
nach der Form der Fußfohle zugefchnittenes Stud Filz, Kork, Zeug ıc., 
welches man in die Schuhe od. Stiefel legt (Filz-, Korkfohle ee landſch. 
auch f. Pantoffel; in weiterer Anwendung am Pferdehufe das dünne Horn, 
woran das Hufeiſen befindlich iſt; Jäg. die hornartige Klaue am Fuße des 
Wildes (auch Schale); Zifchl. f. v. w. die Bahn (f. d.) des Hobels; die 
untere Fläche des Pfluges, u. der eiferne Befchlag derfelben; bei den Wund- 
ärzten ein langes hohles Werkzeug, worein ein zerbrochenes Glied. zur Hei- 
lung gelegt wird; Zimmerl. jeder als Grundlage dienende wagerechte Bal— 
Een, ſ. v. w. Schwelle; Bergm. die wagerechte Grundfläche eines Stollens; 
in Pochwerken die fteinernen od. eifernen Platten, auf welchen gepocht wird ; 
uneig. fine Art Plattfifche od. Schollen (f. d.), auch Zunge genannt; — 
3fes. mit Sohle: das Sohlband, Bergw. der Boden des Erzes, welchen 
man bei deffen Gewinnung ftehen läſſt; der Sohlberg (vielleicht von anderm 
Stamme; vgl. Sahlband), Bergw. taubes Geftein in der Mitte zwijchen zwei 
-Zrümmern od. Armen eines Ganges, Keilberg; der Sohlhammer, Schuhm. 
ein Hammer, womit das Sohlleder feft gefchlagen wird; das Sohlholz, 
Bau. f. Schwellenholz, Schwelle; das Sohlleder, dickes Leder zu Schuh: 
ſohlen ze.; die Sohllinie, Bergw. wagerechte Grundlinie; die Sohlfchiene, 
eiferne Schiene, womit die Sohle des Pfluges beſchlagen ift, landſch. auch 
Sohlfhmwiene; der Sohlftein, Hüttenw. ein vierediger Stein auf der 
Anzucht des Treibherdes; das Sohlftüd, Bauk. f. Grundlage, Unterſchwelle; 
Grundfläche eines Fenſters; Hüttenw. der Boden des Pochkaſtens; — mit 
Sohlen=: der Sohlenhieb ‚= fchlag, M. Sohlenhiebe ꝛc., Hiebe auf die 
Fußſohlen (fr. Baftonnade) ; das Sohlenholz, Korkholz; der Sohlenma- 
cher, landſch. f. Pantoffelmaher; der Sohlenrifs, Bergw. f. Grundriſs; 
die Sohlenzwede, Schuhm. Zwecken, womit die Schuhfohlen an die Leiften 
befeftigt werden; — Ableit. fohlen 1., 3w. 1) ziel. mit Sohlen verfe- 
hen, gew. be=, verfohlen; 2) ziellos, Hüttenw. f. Feftigkeit gewinnen, 
gerinnen; fohlig od. fühlig, Bw., Bergw. f. wagerecht, mit der Grund- 
fläche gleichlaufend, entg. feiger. 

Sohle 2. w., M.-n, (andſch. auch Sule, Sudel; altd. daz sol, gesol, 
u. der sölz; angelf. sol, engl. soil, franz. souil, souille; vgl. fal, Bw.), 
Yandfch. u. bef. Säg. f. Pfüge, Sumpf, Lache, worin ſich das Wild wälzt, 
auch Sohllache; fohlen 2. od. fühlen, ziel. 3w. (altd. solön, solagön, solgen; 
goth. saulnon, angelf. sauljan, engl. soil; ſchwed. sölaz franz. souiller; vgl. 
fudeln), Yandfch., bef. niederd. f. befehmugen,, befudeln; fid ſehlen; d. i. 
ſich in einer Lache wälzen (vom Hirſch ꝛc.); die Sühlerei, niederd. f. Su⸗ 
delei; fühlig, Bw., niederd. f. ſchmutzig, beſchmutzt; voll, befoffen (franz. 
soül; daher auh Söhlbruder,- gaft f. Trunkenbold; fih beföhlen f. 
betrinken; aus dieſem ſölig ift vielleicht duch Mifsverftand felig (ij. d.) f. 
betrunfen geworden). 

Sohle 3. od. Söhle, w., M.-n, au die Söhlweide, landſch. f. 
Sahlweide, f. d. 

Sohle 4. w., f. Salzwaffer, f. Soole. 


944 i Sohn — fold 


Sohn,an., -ed, M. Söhne, Berkt. das Söhnchen, (goth. u. litth. su- 


nus, althochd. sunu, mittelh. sun, M. süne; oberd. Gun, niederd. Söne; iö- 
länd. sun, ſchwed. son, dän. sön; flav. syn; ſanskr. sunus von der Wurzel 
su, erzeugen (alfo: der Erzeugte; daher auch suti, Erzeugung, shü, Ges 
burt 2c.), deren Urbed. „feucht fein, tröpfeln“ ſcheint; vgl. das griech. der, 
befeuchten, regnen, u. vios, Sohn; ferner die erweiterte Wurzel vd, sud, svid in 
ööwg, sudor, ſchwitzen 2c.), ein männliches Kind, jede männliche Perfon 
nach ihrem Verhältnifs zu den Altern, entfpr. Tochter (von einem Sohn 
entbunden werden; mein erftgeborener, ältefter, jüngfter Sohn ꝛc.; ein ehe 
licher, od. unehelicher Sohn; ein angenommener Sohn, fr. Adoptiv - Sohn); 
in weiterer Bed. auch f. Abkömmling entfernter Stammältern (wir find 
Adams Söhne); eine männlidye Perfon, welhe zu Andern in einem 
fohnähnlihen Verhältniſſe fteht (. B. Stief-, Schwieger-, Pflegefohn, f 
d.), auch als zutrauliche Anrede einer Alteren Perfon an einen Knaben od. 
Süngling (mein Sohn od. Söhnden, lieber Sohn!); uneig. überh. eine 


männliche Perfon im Verhältniffe des Schuges od. der Abhängigkeit 


(. B. Söhne Gottes; Erdenföhne, d. i. Menſchen; ein Sohn der Natur, 
d. i. ein Naturmenſch; ein Sohn des Unglüds u. dgl. m.); im Weinbau f. 
Senkrebe; — 3fes. die Sohnsfrau, Schwiegertochter; die Sohnsliebe, 
Liebe des Sohnes zu den Altern; der Sohnsjohn, die Sohnstochter, En- 
kel, Enkelinn; — Ableit. die Sohninn od. Söhninn, oberd. (auch Sür 
ninn, &Sünerinn) f. des Sohnes Frau, die Schwiegertochter; fohnlich, 


Bw., Neuw. f. einem Sohne gehörig od. angemeffen, in dem Verhältniffe . 


eines Sohnes gegründet (ſohnliche Liebe); die Sohnfchaft, die Eigen- 
fchaft, das Verhältnifs eines Sohnes. 


fühnen, 3w., Söhne, w. ꝛc., gew. fühnen xc., f. d.; außer in: aus— 


fühnen u. verföhnen. 

fol, Nom. folcher, e, es, M. ſolche, beftimmendes Fürw., gebeugt wie 
der Artikel der, ©. folches, ſolcher, ſolches ꝛc; oder, wenn der Artikel 
ein davor fteht, wie ein Bw. in der gemifchten Biegungsform: ein folcher, 
eine folche, ein folches, ©. eines od. einer folchen, D. einem od. einer fol- 
chen, Acc. einen ſolchen, eine folche, ein folches, (entft. aus ſo-lich, d. i. 
fo befchaffen, von lih, Leib, Geftalt, Beichaffenheit; vgl. lich, Leiche, gleich, 
welch; goth. svaleiks, altd. solih, sulih, solich, solch, sülch; oberd. auch 
ſölch, niederd. ſölk, ſulk, ſuk, ſük; isländ. salikr, ſchwed. slik, angeſ. svilc, 
engl. such), verbindet 1) mit der Hindeutung auf einen Gegenſtand den Be— 
griff der Beſchaffenheit, ſ. v. w. ein fo beſchaffener ıc., ſinnv. dergleichen, 
gem. ſo ein, u. ſteht ſowohl beiwörtlich mit einem Hauptw. verbunden, als 
für ſich allein die Stelle des Hauptw. vertretend, entweder mit nachfolgendem 
Beziehungsſatz (z. B. ſolche Freuden, die dich nicht gereuen; gieb es Solchen, 
welche es verdienen), od. gew. ohne Hinzufügung des in Gedanken zu ergän— 
zenden Beziehungsfages (zZ. B. ſolche Mutter (mäml. wie diefe ift) ift ſelten; 
ſolche Menfchen Eenne ich wenige; Solcher ift das Himmelreich); daher nimmt 
es 2) bisw. die Bedeutung des bloß hinmweifenden diefer ꝛc. an (3. B. es ſei 
fern von mir, folches zu thun; auf folche Art 2c.); nicht gut aber wird es 
ftatt er, fie, es, od. derfelbe 2c. gebraucht, (z. B. mein Freund ift heute ange: 
Biken: Folk wird aber morgen ſchon wieder abreifen; man beftraft die 
Fehler der Kinder, damit fie ſolche (f. diefelben) nicht wieder begehen); — 


— 


/ 


Sold 945 


in ber erften Bed. fagt man nicht nur: folcher, e, es, M. ſolche, wo- 
nad) ein Bw. die ſchwache Biegung annimmt (4. B. folder gute Wein, fol- 
ches fchöne Wetter; ſolche guten Menfchen ze.); fondern in der Einh. auch: 
ein folder x. (4.3. er ift auch ein folder; ein folcher Mann; ein folches 
Ende hätte ich nicht erwartet 2c.; mit ftarker Biegung eines nachfolgenden 
Beimortes, z.B. ein folcher braver Dann, ein folches neues Kleid 2c.; fo auch: 
fein folder, Eein ſolches ꝛc.), od. mit nachgeſetztem ein ꝛc. ohne alle Bie— 
gung des ſolch: ſolch ein, ſolch eine ꝛc. (z. B. fol ein Menſch, ſolch 
eine That, fosch ein Verbrechen, ©. fol eines Menfchen, ſolch einer That 
26.) , od. endlich ſo lch (ungebeugt) mit nachfolgendem Bw. in ftarker Biegung 
(4.3. fold guter Menfch, ſolch ſchönes Wetter 2c.);— 3fes. ſolchemnach, Nw., 
vlt. f. demnach, fonach, folglich; folchenfalls, Nw., Kanzt. f. in ſolchem od. dies 
fem Falle; folchergeftalt, folchermaßen, Nw., meift vit. f. auf ſolche Art, 
in folhem Maße, finnv. dergeftalt, dermaßen, fo; folcherlei, unbiegf. Bw. 
(vgl. lei), von ſolcher Art od. Befchaffenheit (4. B. folherlei Geſchäfte zc.). 
Sold, m.,-ed, 0. M. (mittelh, solt, G. soldes; engl. u. ſchwed. sold; 
franz. solde, ital. soldo, fpan. sueldo; — entweder v. dem lat. solidus, 
Münze; od. vielleicht deutfchen Urfprungs: v. fellen (1. d.), daher isländ. 
söl, Gabe, ſchwed. sal, söl, Strafe; oder v. follen, ſchuldig fein, altd. scu- 
lan, vgl. Schuld, daher im Altd. auch scoldiner ft. soldiner, Eöldner, ſich fin . 
det), ehem. überh. f. Lohn, feftgefeste Bezahlung für geleiftete Dienfte 
(3. B. an Knechte u. Mägde), vgl. Befoldung; uneig. f. Belohnung, Ver: 
geltung (bibl. der Tod ift der Sünde Gold); gem. in engerer Bed. der den 
Soldaten gezahlte Lohn,‘ bei. der jährliche Betrag desfelben, verfch. von 
Löhnung, f. d. — 3feg. der Solddienſt, Dienft um Sold; der Sold- 
herr, wer Andere in feinem Solde hat; das Soldlehen, chem. f. Reiterle— 
ben; foldlos, Bw.; Eeinen Sold erhaltend, unbefoldet; — Ableit. folden 
(ehem. au: foldenen, verfolden), ziel. Zw. einen —, vlt. f. ihm 
Sold geben, gew. befolden; der Söldner, s, M. w. E., (altd. solde- 


‚naere, soldner, solder, soldier), aud der Söldling, -es, M. -e, jeder um 


Sold od. überh. Lohn Dienende, von weiterer Bed., ald Soldat, u. meift 
mit verächtl. Nebenbegriffe; in engerer Bed. befoldeter Krieger, Soldat; das 
her: der Söldnerlohn; die Sölönerfchaar ıc.; die Söldnerei, oberd. f. 
befoldete Truppe; — der Soldat, -en, M.-en, (zunächft aus dem ital. 
soldato, franz. soldat, erft in der neuern Sprache ft. des älteren Söldner, 
Kriegsknecht zc. üblich geworden), ein um Sold dienender Krieger, überh. 
jeder, welcher frch dem Kriegsdienft gewidmet hat, Kriegsmann (fr. Mi- 
litär; Soldat werden, unter die Soldaten gehen; ein Land, See-, Stadtfol- 
dat 2c.); in engerer Bed. der gemeine Soldat, z. U. v. Officier; uneig. 
Naturk. eine difchalige genabelte Mondfchnede, eine Art Riefenohr; 
3feg. der Soldatenbraudh; das Soldatenbrod, grobes Brod für die Sol- 
daten (fr. Commifsbrod); der Soldateneid; der Soldatenfifch, eine Art 
Klipp⸗ od. Bandfifhe; das Soldatenfieber, fcherzh. f. v. w. Kanonenfieber; 
die Soldatenfrau; der Soldatengalgen, ein Balgen, an welchen entlaufene 
Soldaten gehängt, oder deren Namen angefchlagen werden; das Soldaten- 
gat, Schiff. die in der Mitte eines Maftes befindliche Öffnung; das Solda- 
tengeld, Geld, welches die Unterthanen zur Unterhaltung der Soldaten zah— 
len müßten; auch das Einlagergeld zur Verpflegung ber Soldaten (fr. Ser 


Heyſes Handwoörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil, 60 


946 Solde — follen 


vis); in beiden Bed. auch die Soldatenſteuer; der Soldatenhut; das 
Soldatenfind; das Soldatenleben; das Soldatenlied, - Kriegslied,. ge— 
meines Gaffenlied; „der, Soldatenmantel, -rock; das Soldatenpferd, 
erofs; der Soldatenfchuh 2c.; das Soldatenfpiel,- ein Spiel der Kinder, 
wobei fie den Dienft und die Übungen der Soldaten nachahmen; ‚auch. ein Kar- 
tenfpiei mit 36 Blättern, welche mit Namen aus dem Soldatenweſen benannt 
werden; der Soldatenfland; die Soldatenſteuer, ſ. Soldatengeld; : die 
Soldatenftube, wohnung; die Soldatentracht (fr. Montur, Uniform); 
das Soldatenwefen, alles, was die Soldaten, deren Unterhaltung, Ein 
übung 2c. betrifft; die Soldatenzucht, firenge Zucht der Soldaten. (fr. mili⸗ 
tärifhe Disciplin); Ableit. foldatenhaft, Bw., einem-Soldaten ähnlich ; 
ſoldatiſch, Bw., einem Soldaten eigen oder. angemeffen (ein foldatifches 
Welen, Benehmen zc.). ’ 15% Ina 
Sölde, w., M. -n, landſch. ſ. d. w. Selde 2. (ſ. d.); insbeſ. in Salz 
merken ſ. v. w. ein Koth ¶ . Koth 2.)5. das Söldengut, landſch. f. Koth- 
ſaſſengut; der Söldner 1. od. Sölder, -8,.f. vum. Seldner, ſ. d. 
Soldherr, -lehen, Söldling, Söldner. 2: ꝛc. ſ. unter Sold. 
Sole, landſch. auch Söle, w., ſ. Soole. 
ſölen, 3w., Sölerei, ſölig, ſ. ſöhlen ꝛc. unter Sohle 2. 
Sölenholz, f-, landſch. f. das Holz der Heckenkirſche. 
ſollen, ziel. u. ziellof. Sm: ,. unregelm. Präſ. ich, ſoll, du ſollſt, er fol; 
wir u. fie ſollen, ihr follet od. ſolltz Conj. ich folle, du ſolleſt, er ſolle ze. ; 
Impf. Ind. u. Conj. ich ſollte ꝛc.ʒ Mw. geſollt, (goth. skulan, ik skal; alt- 
hochd. sculan, scolan, ih scal, wir sculun, ih stolta, u. daneben sulan, sulen, 
sal 2c.; mittel). süln, Präſ. sol, suln, Prät, solde; oberd. folLen ‚u. landſch. 
noch ſchollen, ich Scholl, ſchollt, geſchollt; niederd. ſchö len, ik ſchall, wi 
ſchölet; ik ſcholde od. ſcholl, Part. ſcholt; ſchwed. skola; angelſ. ie sceal, 
engl. I shall, ſchott. sall, holl. ix zalz vgl. Schuld; — „die: Wurzel, scal 
ſcheint — scal, trennen, ſpalten, ſcheiden, vgl. Schale, ſchelen, ſchellen 2.1265 
der Übergang. der Bed. iſt aber dunkel), 1). ziel. einem. et w as ⸗, ſchuldig 
fein, zu einer, Leiſtung u. beſ. einer Zahlung verpflichtet ſein, ſinnv. ſchul⸗ 
den, (Kaufm. er ſoll mir noch hundert Thaler; in. Handlungsbüchern: © ol 
len, fr. Debet, entg, Haben, fr. Credit; alt u. landſch. auch. ziellos f. ger 
bühren, als Schuldforderung zukommen, z.B: das Geld ſoll mir; d- i- man 
iſt es mir ſchuldig); 2) ziellos m. ha ben, als Hülf s w. der Weiſe (des, Mo- 
dus) od. als umſchreibendes Zw. in unmittelbarer Verbindung mit einem In fir 
nitiv (vgl. Können, mögen, müffen, wollen), drückt es aus a) die (Jubjective, 
moraliſche) Nothivendigkeit.eines Seins od. Thuns, welche von dem Willen 
od. Gebote einer andern Perſon, außer der handelnden, abhängt (verih. mü ſſen; 
wolten), alfor durch fremden Willen od. Befehl zu etwas genöthigt, ver— 
bunden, verpflichtet fein , (z. B. ex ſoll gehorchenz ich, will, es; er muſs 
gehorchen; die Umſtaͤnde nöthigen ihn, dazu; er ſoll ſterben; er iſt zum Tode 
verurtheilt z aberz alle Menſchen müſſſ en ſterben; wir müſſen das thun, mas 
wir ſollen z du sollt, nicht, ſtehlen 2er: au aus laſſ· o hne Inf, auB: du 
ſollſt fort, naͤml. ‚gehen 2c.5, das ſoll er nichtz: näml. thun) 3 auch durch die 
Billigkeit od. den Wunſch eines Andern zu einem; Thun verbunden od. 
vermocht ſein (zu B. du ſollteſt eß thun ; man ſollte ihn nicht: ungehört ver⸗ 
dammen; ſoll ich mitgehen ſoll ex kommen . ds ic wünſcheſt du, daſs ich mit⸗ 


»uonnG ey! 3% 


— — 


Soͤller — Sommer 947 


gehe 20); ferner vermöge höherer Fügung nothwendig fein od. gefchehen 
(wenn es denn fo fein fol 2c.; es hat nicht fein follen; ſprichw. was fein Toll, 
Schicht ſich wohl); auch zu etwas nöthig od. beflimmt fein, dienen, helfen, 
nüßen, gew. auslaff. ohne Inf. (z. B. was foll das? was foll ich hier? wozu 
ſoll diefer Überflufs? das ſoll für dich, näml. fein, ift für dich beftimmt; auch 
mit dem Dat. der Perfon, 3.8. was fol mir das Leben? näml. helfen, nugen); 
b) eine bloß gedachte od. behauptete (logifche) Nothwendigkeit, insbeſ. die 
Willenserklärung, Einräumung od. Abficht, dafs etwas fei od. gefchehe 
(3. 8. du ſollſt Recht haben; er fol mic; nicht beleidigt haben, d. i. ich will 
annehmen od. einräumen, dafs 2c.; ich foll es wieder haben, man hat es mir 
verfprochen; was foll das heißen, bedeuten? ꝛc. dies Bild fol meinen Vater 
vorftellen; das fol ich fein, u. dgl.m.), u. die Behauptung-od. Ausſage 
Anderer, das bloße Gerücht von einem Vorgange od. Zuſtande (z. B. er foll 
Trank fein, d. i. man fagt, er fei krank; der Frieden foll gefchloffen fein; feine 
Freunde follen ihn verrathen haben); c) auch bloße Möglichkeit, Wunfch, 
Vermuthung, Zweifel, finnv. mögen, können, dürfen (7. B. wenn es reg- 
nen follte 2c.; du hätteſt ihn fehen follen! follte es fich wirklich fo verhalten ? 
man follte meinen, dafs ꝛc.; man follte es nicht für möglich halten); chem. u. 
in einigen Fällen noch jest auch als umfchreibendes Zw. der Zukunft, f. wer— 
den (3. B. ich Hoffe, die Nachricht foll (ft. wird) fich nicht beftätigen; ich denke, 
es fol nicht Tange dauern; ich foll mein Geld noch wieder haben, d. i. ich habe 
es noch nicht erhalten). — Statt des Mw. gefollt fteht in Verbindung mit 
einem Inf. dem Sprachgebrauche gemäß der Inf. Tollen (4. B. du hätteft es 
thun ſollen; ich hätte es mir nicht follen gefallen laſſen; das hätte ich wiſſen 
follen! 20.5 aber: er hat nicht gefollt, u. dgl. m.). 

Söller, m., -8, M. w. E., (althochd. solari, soleri, mittelh. sölre; 
oberd. Soler, niederd. Soller; engl. solar, holl. zolder; von dem lat. sola- 
rium, d. i. eig. ein fonniger Raum), alt, dicht. u. landſch. urſpr. überh. ein 
offener, der Luft ausgefegter Raum an od. in einem Haufe, z. B. die 
obere Fläche eines platten morgenländ. Daches; dann auch ein gefchloffener 
Raum, Flur, Vorplaß vor den Thüren u. Zimmern (im Mittelh. überh. f. 
Halle, Saal, Speifefaal) ; insbef. oberd. ein offener Gang od, Ausbau um 
das obere Stockwerk eines Bauernhaufes (ſchweiz. Laube; fr. Altan); auch 
ein VBorplag od. Flur im oberen Stockwerk, bef. in Dorfwirthshäuſern als 
Tanzplag dienend (Tanzfoler); niederd. f. Oberboden, bef. Kornboden; 
auch ein erhöheter bretterner Sitzplatz in den Fenftervertiefungen; füllern, 
ziel. Zw., niederd. (follern) f. Waaren u. bef. Getreide auf den Boden 
ſchaffen, "Korn aufſchütten; auch feinen Boden zur Aufbewahrung von Ge⸗ 
treide ze. vermiethen. 

Sömer, m.,-6, M. w. E., niederd. (von fömen, fäumen? f. d. unter 
ı Saum 1.), ein langer, ſchlanker Pfahl od. Balken, beſ. Schiffb. 

fomit (dee Bildung nah = damit; vgl. fo 2.), folgerndes Bdw., finnv. 
mithin, demnach, folglich. 

‚Sommer, m., -3, M. w. E., (altd. sumar, sumer; oberd. Sumer, 
Summer; niederd. Sommer; iöländ. sumar, ſchwed. sommar, dän. sommer; 
angel. sumor, sumer, engl. summer; holl. zomer; von dunkler Abkunft, viel⸗ 
leicht von der Wurzel su, erzeugen; vgl. Sohn, Sonne) über). die wärmere 
Zeit des Jahres, in weiche bie Gewächſe grünen, blühen u. Frucht tragen, 


60* 


948 Sommer 


entg. dem Winter; in engerer Bed. die wärmſte unter den vier Sahres- 
zeiten, zwifchen Frühling und Herbft von der Sommerfonnenwende bis zur 
Herbftnachtgleiche; dicht. f. ein Fahr (z. B. ſechzehn Sommer alt); uneig. fe 
das reife Mannes= od. Frauen=Alter (er ftarb im Sommer feines Lebene) ; 
die zarten Fäden eines Spinngemwebes, welche im Spätfommer die Erde 
überziehen.u. in der Luft ſchweben (wovon der gemeine Dann fagt: der Som- 
mer zieht fort), heißen: Fliegender Sommer, aud: der alten Wer 
ber Sommer, Sommerfäden, -floden, sweben, Marienfäden, niederd.. 
auch Mettenfäden. od. =gewebe (vgl. u. Sommerfpinne); — 3fes. der Som: 
merabend; der Sommerapfel, frühzeitiger Apfel, Frühapfel; fo auch die 
Sommerbirn; der Sommeraufenthalt; der Sommerbau, Landw. Bau 
bes Sommergetreides;. auch das Sommergetreide feldft; da8 Sommerbier, 
März- 0d. Lagerbier; die Sommerblume, im Sommer blühende Blume; 
die Sommerbuche, gemeine Rothbuche; der Sommerdeich, in Niederd.ein | 
Keiner Deich, welcher das Sand nur im Sommer gegen die Fluty ſchützt; der | 
Sommerdorn, eine Art Shmadhafter Butterbivnen; auch. f. Löwenzahn; die 
Sommerdroffel, Sing-, Weiß- od. Zippbroffel; auch f. Kirſchvogel od. Gold- 
droffel; die Sommereiche, Maft: od. Augufteihe; die Sommerente, eine 
Art Schöner Heiner wilder Enten, au) die Braut genannt; der Sommer: 
faden, f. o. Sommer; die Sommerfeder, Säg. uneig. die dunfelbraunen u. 
ſchwärzlichen Borften der wilden Schweine im Sommer; dad Sommerfeld, 
Landw. ein mit Sommerfrucht beftelltes Zeld; fo au: die Sommerflur; 
der Sommerfled, M. Sommerflede od. gew. -fleden, Eleine gelbliche 
Fleden im Geſicht, an den Händen u. andern entblößten Körpertheilen, bef. im 
Sommer fihtbar werdend, auh Sommerfproffen, oberd. Sommer- 
mäler, Laubfleden 2c.; Naturk. eine Art flediger Porzellan- od. Venusſchnecken; 
fommerfledig, Bw., Sommetfleden habend, auch: fommerfproffig; die 
Sommerflode, f.o. Sommer; die Sommerfrifche, oberd. f. Ländlicher 
Sommteraufenthalt; die Sommerfrucht, M. -früchte, Landw. Feldfrüchte 
aller Art, welche im Frühling gefäet u. im Sommer desfelben Jahres reif wer: 
den (entg. Winterfrudt), zB. Sommererbfen, »linfen, -»bohnen, =rüb- 
famen ꝛc.; in engerer Bed. gebrauht man Sommerfrucht f. Som- 
mergetreide, Sommerkorn, insbef. Sommerroggen, ⸗weizen, -gerfte 2c.; 
der Sommergeier, Kutten- od. Mönchsgeier; das Sommergewächd, Ge 
wächfe, welche nur einen Sommer dauern; das Sommerhaar, M. Som: 
merhaare, Haare, welche die Thiere gegen den Sommer bekommen; das 
Sommerhalbjahr, das Halbjahr, in welches der Sommer fällt (fr. Som— 
- mer=- Semefter); der Sommerhanf, der männliche, fruchtbare Hanf; das 
Sommerhaud, ein nur im Sommer bewohntes Haus, leichtes Gartenhaus; 
der Sommerherd, eine Art Sangherde der Vogelfteller; die Sommerhige; 
der Sommerholder, Feld- od. Iwergholunderz; der Sommerhonig, Do: 
nig, welchen die Bienen im Sommer eintragen; die Sommerhofe, ſ. Som- 
merkteid; das Sommerhuhn, ein im Sommer gegebenes Zinshuhn, ſ. d.5 
der Sommerhuf, im Sommer getragener leichter Hut von Stroh u. dal.; 
der Sommerkäfer od. das Sommerfälbchen, f. v. w. Sonnentäfer, ſ. d-5 
das Sommerfleid, ein im Sommer getragenes leichtes, kühles Kleid; fo 
au: die Sommerkleidung, Sommerhofe, -wefte, der Sommer- 
rocda2c; der Sommerkohl, im Frühling gefäcter Kohl, der im Sommer | 





Sommer 949 


ſchon Köpfe bringt, auch: das Sommerkrauf; der Sommerkönig, das 
Goldhähnchen, f. d.; auch eine Art großer Sammetbirnen;, u. ein großer im 
Auguft reifer Rofenapfel; das Sommerforn, Sommerfrucht; die Som: 
merfreffe, gemeine Gartenkreffe; die Sommtkuh, im Sommer kalbende u. 
Milch gebende Kuh; das Sommerlager, Mr Lager (Kriegslager) im Som- 
mer; bef. ein Luſtlager; die Sommerlatteod. -lode ( . Lode 1.; mittelh. su- 
merlate), Forſtw. in einem Sommer gewodlene Epröfslinge; die Sommer: 
Yaube, f. Laube; die Sommerlehne, F Lehne unter Iehnen 1.; die Som- 
merlevfoje, Kleine jährige Levkoje, ,..5 die Sommerlinde, eine Axt früh 
grünender, großblättriger Linden, Tüh-, Wafferlinde 2c.; der Sommer: 
lolch, gemeiner, jähriger betäubever Lolch (f. d.), Taumellolch, Schwindel- 
hafer 2c.; die Sommerluft;te Sommerluft, =Iuftbarkeit 2.5; das 
Sommermaal, ſ. Sommerfl-; die Sommermalve, die Heinfte Art des 
Eibiſches, ficitifher Eibifch dert Sommermantel, uneig. Naturk. eine Art 
Kammmufcheln; der Somrttmonat, M. die Sommermonate: Zunius, 
Zulius u. Auguftz der Suamermorgen; die Sommernacht; die Som- 
mernatter, eine Art ‚iftiger Nattern in Karolina; das Sommerobfl, 
alles Obft, welches im /ommer reif wird u. ſogleich efebar ift, Frühobſt, entg. 
Winterobft; der Samerpilz, Kuh- od. Bratpilg; der Sommerpunft, 
Sterne. der Punkt ‚der Sonnenbahr, in welchem fie für uns am höchſten ob. 
dem Scheitelpunktem nächſten ſteht; die Sommerreiſe, Reife im Sommer; 
der Sommerrelg, eine Art ſaftiger Rettige, ſchwarzer Frührettig; der 
Sommerrod |. Sommerkteid ; der Sommerroggen, ſ. Sommerfrucht; 
der Sommeröthel, landſch. f. das Schwarzkehlchen od. Rothſchwänzchen; 
die Somm ſaat, das geſäete u. gekeimte junge Sommergetreide; auch 
überh. f. ommergetreide; insbeſ. der Sommerrübſamen, auch Som— 
merfam⸗; die Sommerſeite, ſ. v. w. Mittags-, Süd- od. Sonnenſeite; 
der Soimerſitz, Landſitz zum Sommeraufenthalt; die Sommerſonne; die 
Sonnerfonnenwende, ſ. Sonnenwende; die Sommerſpinne, eine Gat— 
tungeleiner Feldſpinnen, die im Herbſt die Felder mit dem feinen Gewebe 
übeneht, welches fliegender Sommer, Sommerfäden zc. genannt wird (f. 0. Soms 
me; die Sommerfproffe, ſ. Sommerfled; der Sommerftand, Jäg. der 
st, wo das Wild ſich im Sommer aufzuhalten pflegt; die Sommerftoppel, 
indw. das abgeerntete Sommerfeld; der Sommertag, ein Tag im Som— 
er; auch ein Zag, warm wie im Sommer; das Sommerthierchen, landſch. 
f. Maßliebe; Schneeglöckchen; Huflattih; das Sommerveilchen, eine Art 
weißer Veilchen; dag Sommerviehgras, jähriges Viehgras (f. d.); ber 
Sommervogel, Vögel, welche fich bei uns nur im Sommer aufhalten; uneig. 
f. Schmetterling; die Sommermeben, o. E., f. o. Sommer; der Sommer: 
weizen, ſ. Sommerfrucht; die Sommerwende, f. v. w. Sommerfonnen- 
wende; das Sommerwetter, die Sommerwitterung, f. Wetter zc.; bie 
Sommerwolle, Landw. die im Sommer gewachfene, im Herbft abgeicherene 
Schafwolle; die Sommerwurz, der Löwenſchwanz od. das Hanfmännchen; 
ber Löwenzahn, auch die Sommerwurzel; das Sommterzeichen, die drei 
Himmelszeihen des Thierkreifes, welche die Sonne im Sommer durdläuft : 
‘ Krebs, Löwe u. Sungfrauz die Sommer- od. Sommerszeit; der od. das 
Sommerzeug, leichter Zeug zu Sommerkleidern; die Sommerzwiebel, die 
gewöhnliche Gartenzwiebel; — Ableit. fommerhaft, Bw., dem Sommer 


950 fömmern — fonder 


ähnlich in Anfehung der warmen Witterung; fommerig, Bw., oberb. (ſume⸗ 
vig) f. dem Sommer eigen od. angehörig (das fommerige Feld f. Sommer: 
feld; das Sommerige, als Hw. f. Sommergetreide); auch f. ſommerlich, 
Biv. (altd. sumerlich), dem Eommer ähnlich od. gemäß (fommerliche Zeit); 
fommern, ziellof. unp. Zw. mittelh. sumeren), bef. niederd. f. Sommer 
werden (es fommert ſchon); Immern 1. ziel. Bw. (oberd. fümern), den 
Sommer hindurdy erhalten (Owächfe, Thiere —; auch rückz. ſich —); 
Landw. mit Sommerfrucht beſteun (die Brahe —); landſch. auch den 
Sonnenſtrahlen ausſetzen, ſonnen Betten —; die Hühner ſömmern ſich; 
oberd. geſchlagenes Holz —, d- i. es in Biäcten Liegen u. den Sommer durch 
austrocknen laſſen); Gärtn. Bäume —, 1;, die Afte ausfchneiden, damit die 
Sonnenftrahlen durchdringen können; die Sösmmerung, das Sömmern; 
auch f. Sommergetreide. 

ſömmern 2. zielof. Zw. m. haben (ogl- Khemen, fchemern, Schimmer, 
Schummer, u. das franz. sombre, dunkel), Lay, f. Schatten geben, bef. 
von ſtark belfaubten Bäumen, die unter ihrem Sutten Kein anderes Gewächs 
aufkommen laſſen (z. B. die Linde ſömmert am ſtärzen). 

ſonach (feiner Bildung nah — danach; vgl. ı 2,), folgerndes Bdw.— 
ſinnv. demnach, demzufolge, folglich. 

Sonchenkraut, ſ. (x. d. lat. sonchus, griech. oöyxos 66y205), die Sau: 
od. Gänfediftel (sonchus L.); wildes Sondentrau. f. Rainkohl, u: f. 
Mauerlattich. 

fonder, 1) urfpr. Nmw., fpäter auch ala Bw. gebr. (go sundro u. alt- 
hochd. suntar, sunter, nur ald N; mittelh. sunder, auch alazw.; niederd. 
funder u. als Bw. auch ſunderig; angelf. sundor, engl. sunder ntzwei, sud- 
dry, verfchieden; Grundbegriff: Trennung; vgl. die lat. Partikise =, sine), 
vlt. f. einzeln, abgefondert, befonder, |. d. (4. B. bibl. es famns, fi das 
Waſſer an fondere rter); eigenthümlich, befonder, vorzüglich \ 9, ein 
ſonderer Mann; daran beweifet ihr uns fonderen Gefallen, u. dgl. i93 als 
Nw. auch: ſonders (mittel. sunders, eig. Gen. von sunder), oft. f. en: 
ders, einzeln, jest noch in der Berbindung: fammt und fonder v. 
ſammt); — fonder 2) als Bw. mit dem Acc. (mittelh. u. niederd. fung, 
hol. zonder) alt u. dicht. f. ohne, außer (3. B. fonder Imeifel, fonder Sau, 
ſonder Furcht und Grauen ꝛc.); — 3) altd. suntar, suntir, sunder, jetzt fo. 
dern (niederd. fundern), als beiorbnendes Bow., ehem. f. ausgenommen 
außer; aberz jegt nur entgegenfeßendes (adverfatives) Bow. von aufhebender 
od. widerlegender Kraft, indem ed immer nach einer verneinenden Aus- 
fage fteht u. derfelben einen in geradem Widerfpruch damit flehenden Gegenfag 

anfügt, verfeh. von aber, allein, doch, (z. B. ich werde nicht fterben, fon- 
dern leben; nicht wie ich will, fondern mie du willſt zc.; vgl. er befiehlt es 
nicht, ſondern er wünscht 88; er befichlt es nicht, aber er wünſcht es doch); oft 
auch bloß berichtigend u. fteigernd od. verſtärkend (4. B. es ift nicht warm, fon 
dern heiß od. fondern vielmehr. heiß), To befonders: fondern auch, einem vor⸗ 
angehenden nicht allein od. nicht nur entfpredhend (4. B. er hat nicht allein 
fein Geld, fondern auch feine Ehre verloren; ich habe es nicht nur gefagt, fondern 
auch gethan); — 3Teg. von dent Nw. fonder: das Sondergut, ein befonderes 
Gut, d. i. ein Gut, welches ein Vater dem Sohne zum Gebrauch befonders 
überläfft; die Sonderleute, Tandfch. z. B. them. in Weſtphalen: unangefeflene, 











Sonne "951 


nur in Anſehung ihrer Perſon Teibergene Leute; Fonderfich, Biv., u. als Hm. 
ein’ Sonderfiecherirt., M. Sonderfieche, vlt. f. mit unheilbaren, anſtecken— 
den Krankheiten Behaftete, bef. Ausfähige, melde in abgefonderten Kranfen» 
häufern verpflegt wurden; (viele altd. Ife., mie sunderhüs, - leben, - pfliht, 
rät, -siz, isprache ze. find nicht mehr gebräuhthh) ; — Ableit. fonderbar, 
Bid. (Altd. sunterbär, sunderbäre), alt u. oferd. f. abgefondert, einzeln, u. 
als Nw. f. befonders, vorzüglich, vornehmlich 3’ jest nur: durch befondere 
Befchäffenheit von dem’ Gewöhnlichen aͤbweichend, meift mit dem Neben» 
begriff des Auffalenden, Verwunderung Erregenden, finno. feltfam, wun- 
derlich (das ift Tonderbar! ein fondebarer Fall, eine fonderbare Meinung ; 
ein fonderbarer Menſch); die Sonderbarfeit, das Sonderbarfein, die fon- 
derbare Befchaffeneit, finno. Setſamkeit 1c.; auch eine fonderbare Eigen⸗ 
ſchaft od. Handlung (M. Somerbarkeiten); die Sonderheif, vıt. f. das 
Ausgefondertfein, die Befondirheit, Sonderbarkeit, jest nur in dem zgef. 
Nm. infonderheit (f. d.) Jebr.; fonderheitlih, Nw., vit. f. infonder> 
heit, befonders; fonderlich, Gw. u. Nw. (altd.sunderlich, Nw. sunderlichen) 
ehem. f. abgefondert, getraint, einzeln (7. 8. bibl. Seglichen fonderlich ver 
hören), u. f. vorzüglich, Ausgezeichnet, außerordentlich, u. als N. f. vor— 
zugsmweife, beſonders (zB. bibl. deine Liebe ift mir fonderlicher geweſen, als 
Frauenliebe; es gefchiejt Tonderlich deswegen, damit ze.) ; jest nur nach einer 
Verneinung gebr. T. befonder, vorzüglich, bedeutend (z.B. er Teiftet 
nichts Sonderliches: er ift nicht fonderlich groß, veich 2c.5 es ſchmeckt nicht 
ſonderlich; ohne fmderlihen Schaden; er hat feinen fonderlichen Einflufs, u. 
dgl: m.); die Snderlichkeit, vıt. f das Sonderlichfeinz die Sonderbar— 
Eeit (M. Sondelichkeiten); der Sonderling, -es, Me, wer fich in Teis 
nem Wefen w Benehmen durch auffallende Eigenheiten od. Sonderbar- 
£eiten von Yndern unterfcheidet; Naturk. eine Gattung Waſſervögel mit 
fonderbar giftaltetem Schnabel; eine Art Nachtfalterz ein oftind. Strauch, 
auch Wurderſtrauch; — fondern, ziel. 3m. (mittelh. u. niederd. sundern; 
isländ. svadra, ſchwed. söndra, angelf. syndrian, engl. sunder), die Verbin— 
dung od Gemeinfchaft verfchiedener Dinge od. Perfonen (nicht leicht der 
Theile rines Stoffes) aufheben, finnv. fcheiden, trennen, abtheilen, verein- 
zen, (4. B. das kranke Vieh von dem gefunden — ; vgl. ab⸗, ausfondern;z 
auch) ſich —, f. gefondert werden); der Sonderer, -8, wer etwas fondert; 
die Sonderung, das Sondern, finnv. die Trennung, Theilung des Ver- 
fehiedenattigen; daher der Sonderungsort, punkt ıc. 

Sonne, w., M. -n, (goth.'sunna, m., sunnd, w., u. daneben savil; alt» 
hochd. sunno, m.) u. sunna, mw., G. sunnun; mittelh. suune, m. u. gew.w., G. 
sunnen 2e.5 daher in der älteren Sprache burch alle abhängigen Fälle der Einh. 
Sonnen, z. B. Sprichw. Es ift nichtd fo fein gefponnen, es kommt doch 
endlich an die Sonnenz oberb. die Sunnen; niederd. Sunne; angelſ. sunne, 
engl. sun, holl. zon, zonne; — wahrſch. mit dem goth. savril, dän. soel, 
ſchwed. sol, Tat. sol, griech. 7Aros, dor. adluos ze. von derfelben Wurzel: sw, 
erzeugen (vgl. Sohn), alfo: die Erzeugende; n. A. von dem altd. siunan, 
leuchten; od. von sinnan, gehen, reifen (dgl« fenden): die am Himmel Reifende), 
der fcheinbar größte u. glänzendfte Himmelskörper, welcher unferer Erde 
und den übrigen Planeten Licht und Wärme giebt (die Sonne geht auf 
und unter; die Sonne fleigt, fieht Hoch, finkt ꝛc.; Schiff. die Sonne reifet, ſ. 


952 | Sonne 


reifen; die Sonne ſcheint, wenn ihre Strahlen nicht durch Wolken u. Dünfte 
gehindert werden, f. ſcheinen; „die Sonne zieht Waſſer““ fagt man, wenn ihre 
zwifchen Dünfte ducchfallenden Strahlen helle Streifen bilden ; ſprichw. es ges 
fchieht nichts Neues unter der Sonne, d. i. auf der Erde; er ift nicht 
werth, dafs ihm die Sonne beicheint, d. i. er ift ein Nichtöwürdiger; wie die 
Sonne im Sänner, d. i. ohne Kraft); in weiterer Bed. jeder mit eigenem 
Lichte leuchtende Weltkörper, \. v. w. Firftern, entg. Planet (der nächt— 
liche Himmel ift voll Sonnen); uneg. verfteht man unter Sonne: die Son- 
nenftrahlen und deren Wirkung: Licht und Wärme (die Sonne brennt, 
fticht 20.5 etwas an od. in die Sonne "gen; fich in die Sonne fegen, entg. in 
den Schatten; ein Haus, eine Wand u. dal. hat viel Sonne, d. i. ift den Son- 
nenftrahlen fehr ausgefegt; die Mittagsfite eines Haufes hat die Sonne; 
ehem. bei Kampfipielen: die Sonne theilen ıd. gleich austheilen, d. i. die Käm— 
pfer fo ftellen, dafs die Sonne dem einen, wie Sem andern von der Seite ſcheint); 
dicht. auch f. ein Tag (z. B. drei Sonnen; nit jeder Sonne 2c.); uneig. f. 
etwas hell Glänzendes, Schönes (4.8. Sonnen f. lebhaft glänzende Augen); 
auch etwas Erhabenes, Herrliches, Licht u. Leber, d. i. Erfenntnifs u. Shä- 
tigkeit, Verbreitendes (7. B. die Sonne der Wahrhüt; bibl. Gott: die Sonne 
der Gerechtigkeit); Naturk. eine Art Zellmufcheln, ı. eine Art Seefterne;— 
3fe$. mit Sonn-: der Sonnabend (altd. sunnunsbend,, sunnen- u. sunne- 
abent), der legte Wochentag , zunächft vor dem Sonntaze, oberd. gew. Sams— 
tag, niederd. Saterdag; daher: der Sonnabendspwdiger, die Sonn- 
abend5predigt, u. dgl.m.; der Sonntag (altd. sunnuntaz, sunnentac ; oberb. 
Sunntag), der erfte Wochentag, ein regelmäßiger chriſtl. Teiertag, (Sonn 
tags, d. i. am Sonntage; die goldenen Sonntage, dr vier Sonntage, 
welche gleich auf die vier Sahresvierteltage od. Quatember (f.d.) folgen; der 
weiße Sonntag, ber erfte Sonntag nad) Oftern, Tat. Quasinodogeniti od. 
Dominica in albis, wegen der weißen Kleider, welche man ehemais in den er- 
ften acht Tagen nach Oftern trug, oberd. auch Freuden-Sonntag gnannt; der 
ſchwarze Sonntag, landſch. f. der Ste Sonntag nach Faſtnacht, weil man 
ihn für einen Unglückstag hielt, lat. Jadica); daher: die Sonntageandacht, 
arbeit, -beſchäftigung; der Sonntagsbuchftabe, in der Zeitrechrung der 
Buchſtabe, welcher im Kalender alle Sonntage des Jahres andeutet; das 
Sonntagseffen, die Sonntagsmahlzeit, =fpeife 2c.; die Sonntagsfeier; 
der Sonntagsgaft, Tiſchgaſt am Sonntage; das Sonntagsgebet; das 
Sonntagögeficht, ſcherzh. f. ein Heitreres Geficht, als gewöhnlich; das Sonn: 
tagskind, ein an einem Sonntage, u. bef. an einem der fogen. goldenen Sonn: 
tage (f. 0.) geborener Menfch, welcher nach dem Volksglauben Geifter fehen u. 
befonders glüclich fein fol; das Sonntagskleid, das befte Kleid, welches 
man nur Sonntags zu tragen pflegt; fo auch; die Sonntagskleidung , der 
Sonntagsrock, die Sonntagswefte, der Sonntagshut ıc.; der Sonn- 
tagsprediger; die Sonntagspredigt; die Sonntagsfchule, fonntägliche 
Schule für junge Handwerker 2e.; der Sonntagsftaat, ſ. v. w. Sonntags: 
put (f. Staat); fonntägig, Bw., am Sonntag feiend od. gefchehend; ſonn⸗ 
täglich, Nw. u. Bw., an jedem Sonntage, alle Sonntage geichehend od. wie— 
derfehrend; — 3ſetz. mit Sonnen=: der Sonnenadler, Gold- od. Stein: 
adler; der Sonnenanbeter; der Sonnenaufgang, ſ. aufgehen; das Son- 
nenauge, bie Sonne als ein Auge betrachtet; ein fonnenhell glänzendes Auge; 








Sonne 953 


ein Edelſtein, ſ. v. w. Kagenauge, Augenftein; die Sonnenbahn, ver Kreis, 
welchen die Sonne jährlich einmal zu durchlaufen Scheint, der Thierkreis, auch 
Sonnenftrafe od. weg (fr. Ekliptik); der Sonnenbaum, die indifche 
Zamarinde, auch Sauerdattelbaum; fonnen= od. fonnebeleuchtet, =befchie- 
nen 2c., Bw., von der Sonne beleuchtet 2c.; der Sonnenblid‘, ein augen- 
blicklicher Schein der Sonne; uneig. ein heiftrahlender Blitz; der Sonnen- 
bliß, ein plöglicher blendender Sonnenblid;; die Sonnenblume, eine aus dem 
ſüdl. Amerika ftammende hoch wachfende Pflanze mit großen gelben Blumen in 
Geſtalt einer ftrahlenden Sonne, auch Sonnenfrone (helianthus L.); auch 
verfch. andere Pflanzen mit gelben Blumen; dad Sonnenblümden,f. v. 
w. Sonnenröschen; der Sonnenbrand, brennende Sonnenhige; das Son— 
nendeck, Schiff. eine Dede von Segeltuch als Schug gegen die Sonnenhige, 
auch Sonnenzelt; der Sonnendienft, göttliche Verehrung der Sonne; 
der Sonnenfächer, ein Fächer zum Abhalten der Sonnenftrahlen; der Son- 
nenfeind, eine Art weftind. Feigendifteln, deren Blumen fich nach Sonnenun= 
tergang öffnen u. fehe fchnell verblühen; die Sonnenferne, Sternk. der Stand 
eines Planeten, da er auf feiner Bahn am weiteften von der Sonne entfernt 
ift (fe. Aphelium), entg. Sonnennähe, der Punkt, wo derjelbe der Sonne 
am nächften fteht (fr. Perihelium); die Sonnenfinfternifs, Verfinfterung der 
Sonne, od. vielmehr der Erde, durch den Mond, welcher zwifchen Sonne und 
Erde tritt u. die Sonne entweder ganz, od. theilweife dedt; der Sonnen- 
fifch, Meerfchmied, glänzender Spiegerfiich; der Sonnenfleden, Flecken od. 
dunkle Stellen in der Sonnenfcheibe; auch f. Sommerfleden; der Sonnen 
flug, dicht. f. Flug nach der Sonne; uneig. erhabener Auffhwung ; die Son: 
nenfrucht, die gleichf. mit Strahlen befegte Frucht eines Heinen amerikan. 
Baumes (heliocarpus L.); der Sonnengeier, Kuttengeier, Geierkönig; die 
Sonnengicht (mittel. sunnegiht), vit, f. Gang der Sonne; Sonnenwende; 
der Sonnenglanz, Glanz der Sonne; uneig. große Helle, Elare Erfenntnifs; - 
landfch. eine Schwäche der Augen, da man ein Stechen in benfelben empfindet, 
wenn man in die Sonne fieht, auch Sonnenfdhein, od. ſchuſs genannt; 
das Sonnenglas, ein Sehrohr mit gefärbten Augengläſern, durch welches 
man die Sonne beobachten kann (fr. Helioſkopfy; die Sonnengluth, große 
Sonnenhige; das Sonnengold, der Goldglang der Sonne; die Sonnen- 
goldblume, Rainblume; Wieſenwolle od. Bergruhrkrautz; der Sonnengoft, 
Fabel. der Gott der Sonne (griech. Helios, lat. Sol); fonnenhalb, Nw., 
obexd. (funnen= od. funnhalb) f. der Sonne zugemwendet; fonnenhell, Bw., 
Hell wie die Sonne; aud) von den Sonnenftrahlen erhellt; die Sonnenhelle; 
die Sonnenhirfe, falſche Meerhirfe; die Sonnenhige, ſ. Hige; der Son— 
nenhof, ſ. Hof; die Sonnenhöhe, Sternf. die Erhebung der Sonne über den 
Gefichtskreis; das Sonnenhorn, eine Art oftind. Kreifelfchneden; auch f. 
Schnirkelfchnede; der Sonnenhut, ein vor den Sonnenftrahlen ſchützender 
Hut; Naturk. eine Art Quallen; das Sonnenjahr, das nach dem ſcheinba⸗ 
ven Laufe der Sonne durch den Thierkreis, od. vielmehr nach dem Laufe der 
Erde um die Sonne beftimmte Jahr von 365 Tagen, 5 Stunden, 48 Minu- 
ten, 50 Sekunden, vgl. Jahr; der Sonnenfäfer, eine Art halbkugelförmiger 
Käfer von verfchiedener Farbe mit weißen, rothen od. fchwarzen Punkten auf 
den Flügeldecken, auch Sonnenkalb, Sonnenwendkäfer, Sommerkäfer 
od, »Falb, under Schildkäfer, Blattlauskäfer, Jungfer- od. Srauenkäferlein, 


954 | Sonne 


Gottesfhäflein, Herrgottshühnchen, »Falb, »Fühlein, ⸗vögelein ec. genannt (cöe- 
cinella L.); fonnenklar, Bw:, Har wie die Sonne, bei. uneig. im’ höchſten 
Grade deutlich; daher die Sonnenklarheit; der Sonnenfoller, ein bei ſtar⸗ 
ker Sonnenhitze entftehender Koller (ſ. d.) der Pferde, auch Sonnenfhufs; 
der. Sonnenfram, vlt. f. Trödelkram unter freiem Himmel, Trödelbude; der 
Sonnenfrämer,'olt. f. Trödler; das Sonnenfrauf, Wegwart od. Zichorie; 
die Sonnenkrone, f. Sonnenblume; der Sonnenlauf, die ſcheinbare Be 
wegung der Sonne um die Erbe; das Gonnenlehen, ehem. f. ein eigenes 
freies Gut, worüber man gleich]. nur die Eonne als Lehnsheren anerkennt, 
auh Sonnengutz das Sonnenlicht, das Licht 08. Leuchten der Sonne; 
fonnenlos, Bw., ohne Sonne od. Sonnenfchein; das Sonnenmeer, dicht. f. 
eine unendliche Menge von Sonnen; ber Sonnenmeffer, ein Werkzeug, den 
Scheinbaren Durchmeffer der Sonne zu beftimmen (fr. Heliometer) ; der Son: 
nenmonat, Monat eines Sonnenjahres, f. d. u. vgl. Monat; die Sonnen: 
nähe, f. o. Sonnenferne; das Sonnenpferd od. -roſs, Fabell. die vier 
Pferde, welche den Sonnenwagen ziehen; die Sonnenpflanze, binfenförmige 
Klapperfchote in Oftindienz der Sonnenpriefter, Priefter der als Gottheit 
verehrten Sonne; der Sonnenrauch, |. Heerrauch; der Sonnenregen, ein 
ſchwacher Regen bei Sonnenfhein; fonnenreich, Bw., viel Sonne habend, ſehr 
fonnig; der Sonnenteiher, ein feltener, fchön gezeichneter amerik. Reiher; 
der Sonnenting, kleine zingförmige Sonnenuhr; oberd. auch f. Regenbogen; 
das Sonnenröschen, eine auf trodenen Plätzen wachſende Pflanze, auch Son 
nengünfel, Erdepheu od. Erdpfau, Heidenfchmud zc. (cistus helianthemum 
L.); das Sonnenroſs, f. Sonnenpferd; fonnenroth, Bw., glänzend roth, 
wie die auf> od. untergehende Sonne; auch: von der Sonne geröthet; daher 
das Sonnenroth, die Sonnenröthe; der Sonnenfchauer, Naturk. eine 
Art Eidechfen in Afien, welche den Kopf in die Höhe zu richten pflegen; die 
Sonnenfcheibe, ſ. Scheibe; der Sonnenfchein, das Scheinen der Sonne 
(vgl. Schein); auch eine Schwäche der Augen,-f. Sonnenglanz; die Son: 
nenfchildfröte, eine Art amerik. Landfchildkröten mit regelmäßig gegeichneter 
Schale, auch gefternte Schildkröte; der Sonnenſchirm, ein Schirm (f. d.) 
zum Schuß gegen die Sonnenftrahlen (fr. Parafol); der Sonnenfchufs, f. 
Sonnentollee u. Sonnenglanzz; die Sonnenfeite, der Sonne zugemwendete 
Seite, Mittagsfeite (7. B. eines Haufes); der Sonnenftand, Standort der 
Sonne am Himmel; der Sonnenftaub, gew. verkt. das —, Mehrh. die Son: 
nenftäubchen, der in eingefchloffenen Räumen ſchwebende fehr feine Staub, 
welcher nur dann fichtbar wird, wenn die Sonne durch eine Kleine Öffnung 
hineinfcheint; überh. etwas unmerklich Kleines (fr. Atom); dev Sonnenftein, 
ſ. v. w. das Sonnenauge, Katzenauge; auch eine Art unedler Steine mit gro- 
Sen ftrahligen Flecken; der Sonnenftern, eine Sonne, ein Firftern; eine Art 
Sterntorallen; der Sonnenftich, heftige Brennen der Sonnenftrahlen; eine 
daher rührende Krankheit deö Kopfes, eine Art Raſerei; der Sonnenftill- 
ftand, die Sonnenftillftandspunfte, (fr. Sotftitium, Sorftitial-Puntte), ſ. 
Sonnenwende; der Sonnenftrahl, von der Sonne ausgehender Lichtſtrahl; 
auch Namen verfchiedener Schalthiere; die Sonnenftraße, f. Sonnenbahn; 
der Sonnentag, ein fonniger, heller Tag; in der Zeitrechnung ein Tag von 
24 Stunden: natürlicher od. bürgerlicher Tag; der Sonnentempel, ein Tem- 
pel zur Verehrung der Sonne; der Sonnenthau, uneig. eine auf feuchten 








ſonſt 955 


Wieſen wachſende Pflanze, auf welcher ſich auch bei heißem Sonnenſcheine kleine 
Waſſertropfen zeigen, auch Jungfernblüthe, Löffelkraut ꝛc. (drosera L.); die 
Sonnenuhr, eine Uhr, auf welcher die Stunden durch den Schatten beſtimmt 
werden, welchen die Sonne wirft, gem. auch der Sonnenweiſer od. »zeiger, 
welche eig. nur den ſenkrecht auf der Fläche der Sonnenuhr ftehenden Drath 
bezeichnen; der Sonnenuntergang, ſ. Untergang; fonnen= od. fonneder- 
brannt, Bw., von der Sonne verbrannt od. gebräunt; der Sonnenvogel, 
‚ ein fabelhafter Vogel (fr. Phönix); der Sonnenmwagen, Fabell. der Wagen 
des Sonfiengottes; die Sonnenwärmez; der Sonnenweg, f. Sonnenbahn ; 
der Sonnenweifer, ſ. Sonnenuhr; die Sonnenmwende 1) (altd. sunnewende 
u. gem. M. sunnewenden; oberd. Sunnwend, Sunnwenden) die f&einbare 
umkehr der Sonne, wenn fie den äußerften Punkt ihrer Bahn durch den Thier— 
reis, nördlich u. füdlich, erreicht hat, jo wie diefe Wendepuntte felbft, Sons 
nenwenbepunfte (auch Somnenftillftand od. « ftillftandspunft, fr. Solſti⸗ 
tium), u. die beiden Tage, an welchen die Sonne fie berührt: die Sommer- 
fonnenwende, der längfte — (21. Sun.), u. die Winterfonnenwende, 
der kürzeſte Tag (21. Dee.); ehem. insbef. f. Sommerfonnenwende u. der Jo⸗ 
hannistag (sunnewendtac); 2) Namen einiger Pflanzen: Wegtwart od. Zichorie, 
auch Sonnenmwedel, -»wirbelz; eine ausländ. Pflanze, deren wohlriechende 
Blumen ſich nach der Sonne wenden, au Sonnenwirbel (fr. Heliotrop) ; 
die Ringel- od. Dotterblume: gemeine Sonnenwende; 3) einige Steine, insbeſ. ein 
Yauchgrüner Edelftein mit blutrothen Flecken, auch Sonnenwendeftein (fr. Helis 
otrop); das Katzen⸗ od. Sonnenauge ;dad Sonnenwendfeuter (oberd. Sunnwend- 
feur; verberbt: Simetös, Sinetfeuer 2c.), ein Feuer, welches nad) uralter Volks⸗ 
fitte am Sohannistag im Freien angezündet wird, Sohannisfeuer; der Son- 
nenmwendgürtel, oberd. f. Beifuß, auch Sohannesgürtel; der Sonnenmwend- 
käfer, oberd. f. Sohanniswürmchen (auch Sunnwendvögelein); u. f. Sonnen- 
käfer, ſ. d.; der Sonnenwirbel, 1) eine Sonne mit den zu ihr gehörenden 
Planeten (fr. Sonnen Syftem) ; 2) verichiedene Pflanzen, deren Blumen ſich 
nach der Sonne wenden, f. Sonnenwende; auch f. Löwenzahn; Rapunzelz 
Heine Wiejenraute 20.5 dee Sonnenwirth, Wirth eines Gafthaufes „zur 
Sonne"; die Sonnenwurz, |. dv. w. Sommerwurz, f. d.; der Sonnenzei- 
ger, ſ. Sonnenuhr; die Sonnenzeit, die wahre Zeit, welche die Sonne ver- 
mittelft ihrer jcheinbaren Bewegungen, bef. ihres täglichen Umlaufs, anzeigt; 
der Sonnenzirfel, die Sonnenbahn; in der Zeitrechnung eine Reihe von 28 
Zahren, nach deren Verlauf die Wochentage wieder auf die nämlichen Tage des 
Zutianifchen Kalenders fallen; der Sonnenzopf, die hellen Streifen in der 
Luft, wenn die Sonne Waffer zieht (ſ. 0. Sonne); — Ableit. fonnenhaft 
u. fonnicht, Bw. (oberd. ſunnechtig), fonnenartig, fonnenähnlich, fonnen- 
hell; fonnig, Biw., (oberd. ſunnig), Sonne habend, d. i. viel Sonnenfchein 
habend (ein fonniger Tag), od. den Sonnenftrahlen ausgefeßt (Tonnige Hü⸗ 
gel); uneig. f. leuchtend, glänzend, heiter (ein fonniges Bild, Antlig u. 
dal.); fonnen, ziel. Zw. (oberd. fünnen, fünnern, ſönnern; niederd. ſunnen, 
funnigen), an die Sonne legen, den Sonnenftrahlen ausfegen (die Bet- 
ten —; fih —); dicht. f. fonnenhel machen, erleuchten („Liebe fonnt das 
Reich der Nacht"). 
fonft, tandfch. au fonften, Nw. (oberd. fuft, füft, funft, fünft, fünften; 
niederd. ſus; fuft, fuften, fuftes; man Könnte vermuthen, unfer fonft fei aus 


— Soole — ſoren 


altd. sö nist, d. i. wie es nicht iſt, alfo: anders, entſtanden; das Wort fehlt 
aber im Althochd. ganz, u. auch im Mittelh. ift sust, sunst nur Nebenform 
von sus, fo (f. d.), felten mit der Bed. anders; demnach ift fonft der Ab- 
ftammung nad) — sus, welches durch die häufige entgegenfegende Verbindung 
mit sö in Redensarten wie: mü sus, nü s6 (bald fo, bald fo), weder 
sus@'noch sö u. dgl. m. allmählich die beftimmtere Bed. anders, u. in diefer 
die erweiterte Form sunst, fonft annahm; vgl. auch umfonft), bezeichnet überh. 
ein Andersfein od. eine Ausſchließung, insbef. 1) f. v. w. anders, außer- 
dem, im Übrigen (zZ. B. ich habe fonft nichts gehört; wen Bann er fonft mei= 
nen? wenn es fonft nichts ift! fonft Niemand, als du, d. i. Eein Anderer, od. 
Niemand außer dir; fein Bruder, oder fonft Semand, d. i. irgend ein Anderer; 
haft du fonft nod) etwas zu fagen? auch in Verbindung mit wenn, eben fo 
wie anders, f. nur, 3. B. ich Eönnte wohl, wenn ich fonft wollte); ferner im 
anderen od. entgegengefegten Falle, finnv. wo nicht, fo 2c. (4. B. thue deine 
Pflicht; ſonſt wirft du beftraft); 2) an anderem Drte, anderswo (4. B 
fonft nirgends; ich habe ihn fchon fonft, od. gew. fonft wo gefehen); 3) zu 
anderer Zeit (z. B. ex ift ja fonft fo vernünftig; er kommt nur zur Meffe, 
fonft nicht hieher), bef. eine unbeftimmte Vergangenheit andeutend, u. zwar 
als Zeitraum, finnv. ehemals, ehedem, verſch. einft, einmal, welche mehr 
einen Zeitpunkt bezeichnen (z. B. fonft war es anders; fonft waren wir gute 
Freunde) ; fonftig, Bw. (nur in gebeugter Form u. unmittelbarer Verbindung 
mit einem Hw.) f. v. w. ander, übrig, (feine fonftigen Verdienſte, Eigenſchaf⸗ 
ten 2c.); ehemalig, vormalig (feine fonftige Lage war fehr glänzend). 

Soole od. Sole (nicht gut Sohle), w., M. (felten) -n, (alt u. oberd. 
sulh, Sul), Sul, aud) Sur, f. Salgbrübes niederd. Söle; verw. mit Salz, 
lat. sal, flav. sol, böhm. sul 2c.), Salzwaſſer, welches entweder aus der Erde 
quillt, oder duch Leitung von ſüßem Waſſer in Steinfalzlager gewonnen wird, 
um Salz daraus zu fiedenz wilde Soole, f. v. w. Mutterlauge, f. d.— 
das Sool-Ei, ein in Soole gefottenes Ei; das Soolgewicht, die Sool- 
wage, Gewicht u. Wage zur Erforfchung des Salzgehaltes der Soole u. ande- 
ver Laugen; die Soolfunft, eine Wafferkunft zum Heraufpumpen der Soole; 
der Soolmeifter, landſch. ein Aufſeher in Salzwerken; die Soolrinne, 
-röhre, Leitungsröhren für die Soole; der Soolfchacht, ein Schacht über der 
Salzquelle; die Soolwanne, eine große Wanne, aus welcher die Soole in die 
Pfannen gefchöpft wird, fo auch: das Soolfaſs; der Soolzieher, ein Knecht, 
welcher die Soole aus dem Brunnen ſchöpft; — foolig, Bw., Soole enthaltend. 

ſopp (ſpr. ßopp), niederd. ein Ruf der Fuhrleute, wenn die Pferde rück— 
wärts gehen follen; daher foppen 1. (ßoppen), ziel. Zw. f. die Pferde mit 
dem Magen rückwärts gehen heißen. 


Soppe, w., nieverd. f. Suppe, Brühe; Jauche, dünner Schlamm, jede 


dickliche Flüffigkeit, daher ſoppen 2. zielloſ. Zw. f. tunken. 

foppen 3., 3w., f. fappen. 

Sorbapfel, m., od. Sorbbirn, w., (v. lat. sorbum), die Feucht des 
Sperberbaums (f. d.); ber Sorbenbaum od. Sorbapfelbaum (lat. sor- 
bus), Sperberbaum, zahme Eberefche. 

foren, ziellof. 3w. (angelf. searian, engl. sear, dörren, fenaen; vgl. ferben 
u. d. griech. Enoös, Enoetvo 2.), ober u. niederd. f. dürr werden, verborren 
(auch verforen); ſören, ziel. Zw., oberd. f. dürr machen, dörren (aus ſö— 





ü—— ——— —— 





Sorge 957 


ven); for od. foor, Bw. (holl. zoor, engl. sear) .niederd. f. dürr, troden, 
verdorrt, mager; — die Sor- Ente, landſch. f. Kriechente; das Sorholz, 
Korftw. abdorrende Stämme, welche fich unter andere Bäume eingegipfelt haben; 
das Sorwaſſer, oberd. f. Quellwaſſer, das abwechfelnd fließt und vertrocknet. 

Sorge 1. w., M. -n, (verw. mit Sarg, f. d.), landſch. f. Behältnifg, 
Kaſten, nur in dem zgef. Keuerforge, f. d. 

Sorge 2. w., M. -n, (goth. saurgö, Kummer, Traurigkeit; altd. soraga, 
sorga, suorga, sorge; oberd. Sorg; ſchwed. sorg; angelf. sorge, engl. sor- 
row; von dem Stamme des altd. ser, engl. sore, Verlegung, Schmerz, ſ. fehr, 
verfehren,, fchwären), uripr. u. noch niederd. überh. f. Schmerz, Kummer, 
Leid, Traurigkeit (in Hamburg insbef. f. Leichentrauer, daher Sorgeleute 
f. Trauernde, Reidtragende; Sorgezeug f. Trauerfleidung 2c.); jest in en- 
gerer Bed. die mit drüdender Unruhe des Gemüths verbundene Ausficht 
in die Zukunft, die anhaltende Furcht vor einem nahen Übel, finnv. Bes 
forgnifs, Angft, (in der Einh. u. Mehrh., z. B. ohne Sorge od. Sorgen le— 
ben; in Sorgen fein od. ftehen; fich) Sorge 0d. Sorgen machen; viele Sorgen 
haben; Nahrungsforgen ꝛc.; oberd. Sorge haben f. beforgen, fürchten; auf et- 
was Sorge haben, f. davor bange fein); in weiterer Bed. die anhaltende 
ernftliche Richtung des Gemüthes auf etwas, ohne den Nebenbegriff der 
fehmerzlichen Unruhe, finnv. Sorgfalt, (gew. in der Einh., z. B. Sorge für 
etwas tragen; das ift meine Sorge; diefe Scrge nehme ich auf mich; vgl. 
Fürforge, Seelforge 2c.); — forgen, Zw. (goth. saurgan, altd. soragen, suor- 
gen, sorgeh) 1) ziellos m. haben, Sorge empfinden, finnv. fürchten, be- 
kümmert fein (forget nicht! — ehem. mit dem Gen. einer Sache —; oberd.. 
auch rückz. fich forgen, f. beforgt fein, Angft haben); für et was —, Sorge 
dafür tragen, d. i. ernftlich darauf bedacht fein, Sorgfalt darauf verwen- 
den (3. B. dafür will ich forgen; die. Ältern forgen für ihre Kinder); 2) ziel. 
etwas —, alt u. dicht. f. beforgen, befürchten (bibl. was ich Torgete, hat 
mich betroffen); fich —, duch Sorgen zu etwas machen (fprichw. man 
forgt fich eher alt, als reich); — Zfeg. von Sorge: der Sorgenbrecher, 
-filger, =tödter u. dgl., wer die Sorgen vertreibt, vertilgt, 3. B. der Wein, 
der Schlaf zc.; forgenfrei, Bw., frei von Sorgen, Eeine Sorgen habend; audy 
als Hw. der Sorgenfrei, f. ein forgenfreier Menih; das Sorgenfrei, 
f. ein Ort, wo man forgenfrei lebt (fr. Sansfouci); forgenleer od. forgen= 
108, Bw., der Sorgen los, keine Sorgen habend, finnv. forgenfrei (veric. 
forglos, ſ. u.); entg. forgenvoll, Bw., viele Sorgen habend, auch forgen- 
ſchwer; — die Sorgfalt, o. M. (das zweite Glied = falt ift dunkel; viel- 
leiht von fallen abzuleiten?), die anhaltende Sorge für etwas, die einem 
Gegenftand gewidmete ernftliche Aufmerkjamkeit u. Bemühung (Sorgfalt bei 
etwas anwenden, es mit Sorgfalt behandeln, verrichten 2c.); forgfältig, Bw., 
Sorgfalt habend u. anmwendend, mit Sorgfalt gefchehend, finnv. forgfam, entg. 
forglos, (eine forgfältige Erziehung; etwas forafältig betrachten, unterfu= 
chen 2e.); oberd. auch f. befümmert, beforgt; bedenklich, gefährlich; die Sorg- 
. fältigfeit, das Sorgfältigfein; oberd. f. bedenklicher Vorfall; forglos, Bw., 
ohne Sorge, d. i. bef. ohne Sorgfalt, für nichts forgend, fich um nichts be— 
tümmernd, finnv. leichtſinnig, nachläſſig; daher die Sorglofigkeit, das Sorg- 
losfein; — von forgen: der Sorgeftuhl cd. -ſeſſel (auch Sorgenſtuhl), 
landſch. f. Lehnfeflel, Armſtuhl, in welchem man forget, d. i. feinen Gedanken 


⸗ 


958 Sorggras — f owohl 


nachhängtz — Ableit. von forgen u. Sorge: der Sorger, -8 (altd. sor- 
gaere, sorgenaere), wer forgt od. Sorgen hatz wer für etwas forgt (in 
dem zgeſ. Seelforger); der Sörgler, oberd. f. langfamer, aber fleißiger 
Kopf; forghaft, Bw. (mittel. sorgehaft), vlt. f. forgenvoll, befümmert ; 
forgfam; forglich, Bw. ehem. f. Sorge empfindend; Tandfch. (ober: u. nie 
derd.) f. Sorge erregend, gefährlich, bedenklich, fchwierig (4. B. forgliche 
Beiten); gew. f. forgfam, forgfältig; die Sorglichkeit, das Sorglichfein 
in allen Bed.; die Sorgfal, niederd. (Sorgfale) f. forgenvoller Zuftand; 
forgfam, Bi., geneigt u. geſchickt zu ſorgen, d. i. Sorgfalt anzuwenden, 
Sorgfalt bemweifend, finnv. forgfältig, achtfam u. vorfichtig, entg. forglos 
Cein ſorgſamer Menſch; ſorgſam verfahren 2c.); die Sorgfamteit, das Sorg- 
famfein, finnv. Sorgfalt. 

Corggras, f., (oberd. der Sürch; hol. sorgh-saed; ital. sorgo), eine 
Art Hirfegras od. Schwaden, auch fchlefifcher grauer Schwaden, Grannich, 
wilder Fench zc. (vgl. Schwaden 3.); der Sorgſamen, die Sorgfaat od. 
der Sorgmeizen, eine Urt des Darr= od. Honiggrafes, auch Mohrenhirfe 
(f. d.), wälfche od. indifche Hirfe 2c. (holcus sorgum L.). 

Sorpel, m., -$, bei den Goldfpinnern, ein weiches Gefpinnft von Lahn 
mit Seide bewunden. | 

forren, ziel. Zw., Schiff. mit einem Taue feit binden; daher das Sorr- 
tau; die Sorrklampe, Schiffb. hohle Klampen (f. d.), das Ende eines 
Taues daran zu befeftigen; die Sorrung, M. -en, das Sorren; ein Tau, 
mit welchem man forret, auch die Sörring.- 

Sorte, w., M. -n, (von dem franz. sorte, u, diefes von d. lat. sors, 
sortis, Loos, Antheil zc.), Urt, Gattung, nur von Ieblofen Dingen (4. B. Waa⸗ 
zen von der beften Sorte, Münzſorten; eine Sorte Äpfel u. dgl.); forkiren, 
ehem. auch) forten, ziel. 3w., nach Sorten abfondern, abtheilen, ausfon- 
dern, ordnen (Waaren, Geld ıc.). 

fothan od. fothanig, Bw. (altd. sö-tän, sö-getän, sus-getän; gem. oberd. 
fotten, fetten 20; angelf. sothan, hol. zodaenig), vlt. Kanzl. u. oberd. f. fo 
gethan, d. i. fo befchaffen, ſolch; auch als Nw. f. fo, dergeftult. 

fott, Bw., (engl. sot, sottish; von dem franz. sot, sotte entlchnt, welches 
v. dem lat. staliäue, stultus ame) — % thöricht, närrifch , einfäl- 
tig; der Soft, als Hw. f. Thor, Narr; die Gottheit, f. Narcheit, 
Dummheit. 

Sottel, f., -3, M. w. E., landfch. (4. B. in Thüringen) Landw. ein 2 
Ruthen breiter Acer von unbeftimmter Länge, z. U. v. Stridel, wel 
er 1 Ruthe, Dreigerte, welhe 3 —, u. Gelänge, welches 4 Ruthen 
breit ift. 

fottern, 3w., f. futtern. 

fowohl, d. i. eig. fo wohl, eben fo wohl (var. fo u. wohl), dient mit nach⸗ 
folgendem als od. als auch als beiordnendes Bw. von anfügender (copu⸗ 
lativer) Bed. mit dem Nebenbegriff, dafs das Eine eben fo gut od. mit glei- 
chem Rechte Statt habe, ald das Andere (z. B. ſowohl die Freude, als der 
Schmerz ift vergänglich; man muſs fowohl das Gute dankbar genießen, als 
aud dad Böfe zu feinem Beften benugen); nicht ſowohl — als od. als 
vielmehr ift entgegenfegend mit dem Begriffe der Berichtigung (z. B. es 








ſpachen — fpähen 959 


ift nicht, ſowohl auf ihn, ala Koielmehr) auf fein Geld abgeſehen; er. ift nicht 
ſowohl dumm, als unwiflend). 

ſpachen od. ſpachten, ziellof. Zw., (niederd. ſpaken, verſpaken, holl. 
spaeken), oberd. f. durch Austrocknung zerlechzen, berſten, Riſſe bekom— 
men, aufſpringen (beſ. von hölzernen Gefäßen, der Haut ꝛc.); auch f. ange— 
ſpannt fein, ſich ausdehnen (von den Muskeln 2c.); ſpächig, Bw., (niederd. 
ſpakig, ſpakerig; vgl ſpack), oberd. f. zuſammengetrocknet, ſpröde; 
uneig. unergiebig, mühſelig, armſelig; — die Spache od, Spachte, M. 
n, auch der Spachen, -$, (altd. spahha, spacho, spache f, dürres Reis, 
Reisholz, angelſ. späc; ſchwäb. Spacht, Spatt f. Splitter; vgl. Spake), 
oberd. f. ſtarker Holzſpan, Holzſcheit. 

Spacht, m.,-e$, (altd. spaht) vlt. oberd. f. das Sprechen, Geſchrei, Vogel⸗ 
geſang; ſpächten od. ſpechten, ziel. 3w. (altd. spahen, spehten, Prät. 
spahte; altnieberd. ‚specken ; angelſ. specan, engl. speak; wahrſch. von dem 
altd..spähi, f. ſpäh, isländ. spakr, verftändig, weile; vgl. Rede, Afyeır u. A0- 
205 26), oberd. fe fprechen, ‚bei. viel Worte machen, großfprechen; der 
Te (altniederd. speckere,, Redner), oberd. fa wer. gern fpricht, Groß- 
precher. 

pad, Bw. (der Stamm: des oberd. ſpach en u. niederd. ſpakem) landſch. 
f. durch Austrodnung geborften, Spalten od. Riffe habend (von hölzernen 
Gefäßen); uneig. f. vertrocknet, mager, [hwachlic (pad ausſehen; ſchweiz. 
ſpäg, ſpichtig f. ſchmächtig); Aumlich, ſpärlich. | 
ſpacken od. ſpecken, ziel. Zw. ,. bair. (ſchwäb. u. ſchweiz. ſpicken; vgl. 
picken) f. anfchlagen, floßen, ſchnellen, fihnippen, insbel. die Spigen zweier 
Eier an einander Schlagen, ein Spiel zur Oſterzeit, wobei berjenige,, ‚beffen Ei 
unverfehrt bleibt, das gebrochene gewinntz: der Spader, - 8, bair. f. Stoß, 
Schneller ; Maal, Fleck von einem Stofe. 

fpadern, ziellof. Zw.) niederd. f. ftark laufen, rennen, muthwillig um- 
herfpringen., 

ſpaddeln, niederd, 3w., f. fparteln. 

Spade, w. od. Spaden, m., niederd. f. Spaten, ſ. d. 

Spagat, m., -es, M. -e, auch Spaget, Spagen, Spacht, Spad- 
ter, (vom ital. spago, spaghetto), oberd. f. Bindfaden. 

ſpäh, Bw. ‚(altd. spähi, spache, spaech;  oberb. auch ſpech, geſpähz 
wahrſch. von,einer, Wurzel mit spehen, fpähen; .alfo ‚eig. ſchauend, Icharffich- 
tig; pgl. das, iöländ, spa, ſchwed. sp&, weisfagen), vlt. f. ſcharfſinnig, witzig, 
verfländig, ſinnreich, kunſtreich, hübſch; ſcharf, fpisig, ſpöttiſch Cin diefer 
Bed. niederd. ſpeie; chem. einen ſpeien f. verſpotten, isländ. spia, spea, 
ſchwed. spea; Geſpäh od. Gefpei f. Spitzfindigkeit, Geſpött; Speivogel 
f. Spötter; Speiwort f. Spottwort, Stachelrede ꝛc.); noch fränk. f. ekel, 
wähleriſch im Eſſen ꝛc.; landſch. auch f. hochmüthig, ſpröde (hannöv. ſpeie); 
die Spähe.1, (altd. späht, spähida ; spaehe, spaeheit), vlt. f. Scharfſinn, 
Kunft, Zierlichkeit. 
* fpähen, ziel. u. ziellof. Zw., (altd. spehön, speohön, spiohön; spehen ; 
oberd. ſpehen; — lat. specere, in-spicere 26,5 ſchwed. speja, holl, spien, spie- 
den, ‚engl. spy, espy;. ital. spiare, ſpan. espiar, franz. Epier; ‚daher Spion, 
franz. espion), genau u, fcharf fehen, prüfend fchauen, mit den Augen uns 
terfuchen, zu entdecken od. zu erforfchen fuchen (etwas —, od. gem. nad 


960 Spake — fpalten 


etwas —; vgl. aus⸗, erfpähen); in engerer Bed. heimlich beobachten, aus- 
forfchen od. auffpüren, auskundfchaften (fr. ſpioniren; oberd. auf ei— 
nen — f. ihm auflauern); ehem. auch: im Geifte betrachten, befchauen, 
unterfuchen (f. die fr. ſpeculiren, contempliren; 3. B. Tpähendes Leben f. con⸗ 
templatived); — 3ſetz. das Spähauge, der Spähblick ıc., fpähendes, 
forfchendes Auge 2e.; die Spähbiene, Bienen, welche für einen Schwarm ei- 
nen neuen Wohnort ausfpähenz; das Spähglas, Neuw. f. Augenglas, Schau- 
glas; das Spahfchiff, ein Schiff, welches etwas auskundſchaften foll; der 
Spähwinkel, ein verborgener Ort, wo man fpäht od. lauert; — Ableit. 
die Spähe 2. od. Späh, o. M. (alt. speha, spehe, oberd. Speh, Spech), 
alt u. oberd. f. das Spähen, Nachfpüren, Auflauern, Forfhen (Späh 
ftehen, oberd. f. auf der Lauer ftehen; Späh auf einen halten, ihn in Späh 
nehmen 2c.); der Späher, -$, (altd. spehari, spehaere; auch der spehe), die , 
Späherinn, M. -en, wer fpäht, forfcht, lauert 2c. (dem Blick des Spähers 
entgehen); in engerer Bed. f. Kundfchafter (fr. Spion; Späher ausfenden); 
daher das Späherauge, der Späherblid zc.; die Spähung (altd. spe- 
hunge), das Spähen, die Forſchung, ehem. insbel. f. Vernunftforfhung (fr. 
Speculation). 

Spafe, w., M. -n, (holl. spaeke, Ruthe, Stange; vgl. Space), niederd. 
Schiff. ein hölgerner Hebebaum; auch die kurzen Stiele am Unterende eines 
Steuerrades. 

fpafen, zielof. Zw., niederd. 1. f. v. w. das oberd. fpachen, f. d.; 2. 
(verw. mit dem angelj. specca, Flecken, Maal; engl. speck, speckle) f. durch 
Näſſe Flecke bekommen, anfaulen, verftoden (von der Leinwand); fpafig, 
Bw., niederd. 1. f. v. w. das oberd. ſpächig, ſ. d.z 2. f. ftodfledig, ange. 
fault, fhimmelig; morſch, mürbe. 

Spale, w.,M.-n, (vgl. Speil, Speidel, fpillen, fpilden f. ſpalten vlt. 
f. ein langes, zugefpißtes Holz, Pfahl; Leiterfproffe. 

Spalter, |, -e5, M. -e, (ehem. Spallier gefchr.; mittelh. der spaldi- 
nier, spalier; von dei. ital. —— ſpan. espaldar, franz. espalier, u. dieſe 
von dem mittl. lat. spadula, ital. spalla, ſpan. espalda, franz. éPaule, Schul⸗ 
ter; daher auch oberd. u. ſchweiz. die Spalle f. Schulter, Schulterſtück vom 
Schlachtvieh), urfpr. Schulterbedekung (im Mitteld. ein inneres Stück der 
MWaffenrüftung); dann Schulterlehne, Tapete an der Wand zum Anlehnen 
/des Rückens (oberd. Stuben-Spalier); jest ein Geländer von Pfählen 
und Ratten, woran niedrigftämmige Bäume gezogen werden; uneig. 
Spalier machen, von Soldaten ꝛc.: ſich in geſchloſſenen Reihen aufſtellen, 
um das Volk abzuhalten; der Spalierbaum, am Spalier gezogener Zwerg⸗ 
baum; ſpalieren, ziel. Zw., oberd. f. tapezieren (ein Zimmer); gem. mit ei⸗ 
nem Baumgeländer befleiden (eine Gartenmaucr). 

ſpalken, ziellof. Zw., niederd. f. lärmen, toben; preuß. f. fcherzen, — 
ſtige Streiche machen; der Spalk, f. Riem, ungeſtümes Geſchrei, Ger 
polter. 

Spalm, m., -e8, o. M., (ital. spalmare, franz. — theeren), niederd. 
f. Schiffpech * Theer zum Beſtreichen des Holzes u. Tauwerks. 

ſpalten, Zw. (altd. spaltan, ablaut. spialt, gispaltan u. gispalt; mittelh. 
u. oberd. ſpalten, ſpielt 26.5; der Stamm spalt fest eine einfachere Wurzel 
spal, 3m. spilan, voraus, daher goth. spilda, Brett; vgl. Spelde, fpilden, 


1 
Fin 


— 


—— 


ie ee) — — 
sun — — — 





| 
| 


fpalten 961 


- fpillen, fpellen 2c.;. ſchwed. spjala, spjälka, engl. spelt u. split, vgl. fplitten, 


Splitter u. fpleißen), jegt umend.: du fpalteft, er fpaltet ꝛc.; Impf. fpaltete; 
das Mw. jedoch gem. Hefpalten, feltner (u. nur als wirkliches Mw. des ziel. 


Bw.) gefpaltet (4.8. er hat das Holz gejpaltet od. gefpalten; aber: ge 


fpaltenes Holz u. dgl.), 1) ziellos m. fein, od. rüdz., der Ränge nach ges 


‚ theilt od. getrennt werden, zerfpringen, aus einander gehen, fo dafs ein 


Spalt (f. u.) entfteht (4. B. trocdenes Holz fpaltet Leicht, od. fpaltet fich leicht; 
die Ochſen, Schafe zc. haben gefpaltene Klauen, die Schlangen gefpaltene Zun- 
gen 2c.; Pflanz. eine gefpaltene Wurzel, ein gefpaltenes Blatt 2c.); fih —, 
auch überh. f. fich teilen, trennen (z.B. der Fluſs fpaltet fich in zwei Arme); 
2) ziel. etwas ber Länge od. dem Laufe der Fafern nach gewaltfam tren= 
nen od. theilen, insbef. von harten, Spannkräftigen Körpern, welche aus Fa— 
fern od. Schichten beftehen, finnv. Elieben (z. B. Holz fpalten, landich. gem. 
fpellen, [pellern; der Blis hat den Baum gefpaltet; eine Feder —; ben 
Schiefer ſpalten 2c.); in weiterer Bed. f. zerhauen (einem durch einen Sä- 
belhieb den Kopf—), fchroten, mit dem Hammer durchſchlagen (Schloff. das 
Eifen—); Zimmerl. der Länge nach durchfägen; uneig. überh. f. der Lünge 
nad) theilen, trennen, zerlegen (Garn, Haare, einen Lichtftrahl ꝛc. —; bie 
Drudjeiten eines Buches —, in Spalten (f. u.) abtheilen, daher: gefpaltene 
Seiten od. fr. Columnen), tief im Innern verlegen (das fpaltet mir dag 
Herz), in Parteien trennen, veruneinigen; — der Spalt, -e3, M. -e, od. 
die Spalte, M.-n, Verkl. das Spälthen, oberd. Spältlein, eine 
durch Spalten ertftandene Offnung od. Theilung in die Länge, finnv. 
Ritz, Schlig (4. B. in einer Thür; der Spalt od. die Spalte einer Schreib- 
feder; Gärtn. in den Spalt pfropfen, f. pfropfen); der Spalt, aud ein 
duch Spalten abgefonderter Theil eines Körpers, insbef. ein fchindel= od. 
fpanähnlicher Theil eines Holzblodes; oberd. f. gedörrte Apfelfchnige 
(Spältlein); die Spalte, in gebrucdten Büchern die fich in die Länge 
erſtreckende Abtheilung einer gefpaltenen d. i. getheilten Seite, Schrift— 
faule, Halbfeite (fr. Columne) ; Naturk. eine Art aufgefihlister Schüffel- 
od. Napfmufcheln; — 3feg. die Spaltader, Adern im Holze, nad) deren 
Richtung es fi am Leichteften fpalten läſſt; die Spaltart, Art zum Holz— 
fpalten; die Spaltblume, eine ausländ. Pflanzengattung (andrachne); der 
Spaltfuß, ein Fuß mit geſpaltenen Klauen, u. ein Thier mit ſolchen Füßen; 
fpaltfüßig, Bw., Spaltfüße habend; der Spaltfeil, ein Keil zum Holzſpal— 
ten; Bergw. f. Spaltartz; die Spaltflinge, ein ſcharfes Werkzeug der Stuhl- 
mader, u. der Bötticher zum Spalten des Holzes, auch das Kliebeifen; der 
Spaltlauch, Schnittlauch; das Spaltmeffer, ein breites Meffer der Gärt— 
ner (Pfropfmefler), auch der Bürftenbinder; die Spaltfäge, Stichfäge; der 
Spalttopf, Bärtn. ein Topf mit einem Einfcnitt, Zweige von Bäumen darin 
abzuſenken; ber Spaltzahn, ein geipaltener Zahn; der Spaltzettel, oberd. 
jeder von zwei zufammengehörenden, aus einem Papierftüd im Zickzack von ein= 
ander gefchnittenen Zetteln; überh. ein doppelt ausgefertigter fchriftlicher Ver- 
trag; die Spaltzwiebtl, f. Schleißzwiebel; — Ableit. dag Spaltel, -8, 
M. w. E., u. der Spältling, -es, M. -e, cberd. f. Spalt, dünnes Stüd 
Holz; gedörrte Apfelfchnige; fpälteln, ziel. Zw., oberd. f. in Spältlein 
zerfchneiden; der Spalter,; wer etwas fpaltet, 3.8. den Schiefer in Ta— 
feln; ein Werkzeug zum Spalten (4. 8. an Federmeſſern); fpaltig, Biw-, 


Heyfe's Handwoͤrterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 61 


962 Span 


1) (von fpalten) fich leicht fpalten Iaffend (gem. ſpellig); 2) (von Spalt) 
einen Spalt od. Spalte habend, be. in Zfeß. wie zwei-, breifpaltig _ 
2c.; die Spaltung, das Spalten; das Gefpaltenfein, bef. uneig. f. Unei- 
nigkeit, Mifshelligkeit, u. dadurch verurfachte Trennung der Gemeinfchaft 
(4. B. Kirchen od. Glaubensfpaltung, fr. Schisma); die Spalze, ſ. Spelze. 

Span 1. m., -e8, M. Späne, Verl. dad Spänchen, (altd. spän, 
niederd. Spoon; iländ. spann, ſchwed. span, angelf. spon; wahrfcheinlich von 
einem verlorenen Zw. spanen f. trennen, fpalten; vergl. Span 2.), überh. ein 
von einem Körper getrenntes Eleinered, dünnes Stud, bef. die beim 
Spalten, Hauen, Sägen, Schneiden ꝛc. abfallenden Eleinen Theile 
(Holz, Horn, Papier-, Hobels, Säge-, Feilipäne 2c.; uneig. auch, was bei 
einer Beichäftigung nebenher entfteht od. gleich]. abfällt, z.B. Gedanken: 
fpäne, d. i. gelegentliche abgeriffene Gedanken); in engerer Bed. f. Holz 
fpäne, welche beim Zimmern od. Holzhaden abfallen, od. durch Spalten zu 
beftimmten Zwecken gemacht werden, bef. von Kienholz zur Beleuchtung auf 
dem, Lande dienend (Leucht-, Lichtfpäne, Schleifen od. Spleißen); oberb. 
aud) f. Kerbholz u. überh. f. Holzfplitter, Hölzchen (z. B. Schwefelfpan; 
ein Span, aus der Thür eines verfchuldeten Haufes gehauen, galt ehemals als 
Zeichen des dem Gläubiger darauf zuftehenden Rechtes; vgl. u. Spanbrief); 
in weiterer Anwendung f. dünnes Brettchen, z. B. bei Buchb., Schuhm. ꝛc.; 
Bergw. f. Dachſchindel; niederd. auch ein aus gefpaltenen Holzftücten zufam- 
mengefegtes Gefäß, ein Zuber; landſch. Korftw. der Kern eines Baumes, 
entg. dem Splint; oberd. Schiffb. die Darftellung eines Schiffes im Durch— 
ſchnitt; — Zſetz. der Spanbrief, oberd. ein gerichtlicher Befehl, Eraft deffen 
ein Gläubiger in den Grundbefiß feines Schuldners gefegt wird od. Zwangs— 
mittel gegen diefen verordnet werden (litterae executoriales; vgl. 0. Span); 
das Spaneifen, oberd. f. Stab- od. Zaineifen; die Spanfarbe, ein Färbe- 
ftoff in Geftalt von Spänen, auch Farbenfpäne genannt, z. B. geraspeltes Bra- 
ſilienholz; der Spangrofchen, landſch. eine Geldabgabe für die Erlaubniſs, 
die Späne ıc. im Walde des Grundheren aufzulefen; der Spanhobel, ein 
großer Hobel zur Bearbeitung der Späne zu Bücherſchalen; das Spanholz, 
(oberd. Spänholz), leicht in Späne zu fpaltendes Holz, insbef. zu Lichtipä- 
nen dienliches Kien= od. Föhrenholz; der Spanfolben, an Pumpen zc. Röh: 
venkolben, die fatt des Leders mit Spänen von Birkenholz belegt find; der 
Spanforb, aus. dünnen Spänen geflochtener Korb; der Spanleuchter, ein 
Querholz mit einem Spalt, in welchen der Lichtipan eingeflemmt wird; die 
. Spanmühle, ein Triebwerk zum Schneiden der Späne zu den Spankolben; 
ſpan-neu, Bw., landſch. f. ganz neu, gleicht. fo neu, wie ein friſch gefpaltes 
"ner Span, au: fpannagelneu (vgl. nagelneu); das Span- ob. Spän⸗ 
ſcheit, oberd. f. Spaltſtück eines Blockes, welches in Späne zertheilt wird; 
der Spanzettel, oberd. (auch Sponzettel) f. v. w. Spanbrief; auch f. 
Spaltzettel, ſ. d.; der Spanzieher, wer Späne, beſ. Dachſpäne zc., macht; — 
Ableit. ſpanen od. ſpänen, zielloſ. zw., oberd. f. Späne od. Schleißen 
machen; ſpäneln, ziel. Zw., f. mit Spreißen auseinander ſpannen 
(. B. einen Braten). 

Span 2. m., -e3, M. Späne (abgek. Spän, Spen; von gleichem 
Stamme mit Span 1. f. d.), vlt. oberd. f. Zwieſpalt, Miſshelligkeit, Un— 
einigkeit, Zerwürfnifs, Streitigkeit, Streit (z. 3. Gerihts-Span f. 





\ 
\ 


ſpanen — Spangrün 963 


Proceſs); ſpänig (od. Tpenig), Bw. f. uneinig; ftreitig (4. B. ein fpäniger 
Handel, ein fpäniges Feld u. dgl.; daher oberd. widerfpänig, gew. wiber- 
ſpenſtig; vielleicht gehen aud) die Ausdrüde „mit Semand gefpannt fein“, 
„Spannung“ f. Mifshelligkeit von diefem Span aus; vgl. ſpannen). 

fpanen 1. ziellof. 3w., f. unter Span 15 — fpanen 2. ziel. Zw. (auch 
fpenen, fpennen; altd. spanan, spuon, gispanan; auch spenan, spennan, 
spenita, gispenit; Urbed. wahrſch. ziehen — d. griech. or«w, ondv; ſchwed. 
spana, ziehen; vgl. fpänen), vlt. f. anloden, anveizen, bereden, täufchen, 
(daher: das Gefpenft, ſ. d., u. das oberd. einen abfpanen od. abfpennen 
f. abwendig machen, abfpenftig ıe.). 

fpänen 1. zielloſ. Zw., ſ. unter Span 1; — fpänen 2. od. fpenen, ziel. 
3w. (altd. spanan, spenan, urfpr. wohl spanjan, spenjan als Factitivum von 
fpanen 2., alfo: ziehen Yaflen, fäugen; vgl. d. altd. spunni, spünne, angelf. 
spana, isl. spini, ſchwed. spene, holl. spene, spenne, sponne, f. weibliche Brüfte, 
Bigen; niederd. Spön, Spunner f. Kuheuter; oberd. die Spän, Spinn, 
Spunne, Spünne, das Spunn, Gefpünn od. Gefpinn ze. f. Muttermilch), 
urfpr. faugen (daher abfpänen od. entfpänen, altd. intspenan, entwöhnen); 
jest Yandfch. f. von der Muttermilch entwöhnen (ein Kind, ein Junges —; 
althochd. bispenian, mittelh. spenen; niederd. fpenen, fpennen, fpeinen; engl. 
span, spane; — diefe entgegengef. Bed. fcheint fi) durch den Abfall der Vor- 
filde ent unter Mitwirkung des Begriffes trennen (vgl. Span 1. u. 2.) ent= 
wicelt zu haben); ehem. in weiterer Bed. einen —, f. ihm die Nahrung 
entziehen, ihn Hunger leiden laſſen; — das Spanferkel (oberd. auch Spän- 
ferkel; altd. spenevarch, spunnivarchili), ein noch faugendes Ferkel, Mitchfer- 
kel; die Spänhere, oberd. fcherzh. f. Weibsperfon; auch f. goldene Ader 
(f. Ader); der Spänwein, oberd. f. Wein, der vom Faffe abtropft (gehört 
vielleicht zu Span 1.5 vgl. das niederd. Sponwein, Wein vom Faffe, noch 
nicht abgelaffener Wein). 

Spange, w., M.-n, (altd. spanga, spange, altnowd. spöng; von einem 
Stamme spang, Verbindung, Zufammenhaltz vgl. pengen), überh. was zum 
Zufammenhalten dient, finnv. Klammer, Klampe; daher insbef. oberd. 
f. Krampe, Schlußhaken (Glaufuren) an Bücherbänden; chem. f. verbin- 
dender Balken in Gebäuden, daher noch im Mühlen- u. Bergbau: ein aus- 
gezimmerter Baum, weldher auf die Spundftüde gebohrt wird; oberd. das 
Querholz, an welches die Bäume eines Floffes befeftigt werden; jest gem. in 
engerer Bed. f. metallene Schnalle (f. d)), Heftel zum Zufammenhalten von 
Kleidungsftücden, bei. fofern fie zugleich ald Schmud dient (Gürtel-, Hutz, 
Schuhſpangen 2e.); auch ein metallenes Band, Reif od. Ring als Gefchmeide 
(Arm, Halöfpange u.'dgl.); alt u. ſchweiz. auch f. Blech (ſchwed. spang); — 
der Spangenmacher, Kandfch. f. Gürtler; der Spangenftein, f. Räver- 
ftein; — das Spänglein, gem. Spangel, Spängel od. Spengel, -$, 
M. ww. E., (mittelh. spengelin, spengel; landſch. auch Spingel, franz. epingle), 
eig. eine Eleine Spange; oberd. f. Stedinadel, auch: Spängelnadel (vgl. 
Spendel, Spenel); ſchweiz. f. Flittergoldblättchen; ſpängeln, ziel. 8w., 
oberd. f. mit Blech beſchlagen; auch f. Blafen werfen, perlen (wohl von 
anderem Stamm; vgl. das alte Spang f. Waflerdlafe); der Spängler, -$, 
(mittelh. spengelaere), oberd. wer Spangen macht; Blehfchmied, Klempner. 

Spangrün, ſ., =8, (zgez. aus Spanifh-Grün), oberd. f. grüner 


61* 


964 Spanhobel — fpannen 


Kupferroft, Grünſpan (f. 8.), u. die grüne Farbe desfelben; ſpangrün, 


Bw., von der Farbe des Grünfpans, blaugrün (4. B. ſpangrünes Tuch). 
Spanhobel, Spanholz, f. unter Span 1; — fpänig, ſ. Span 2. 
Spanien, f., -$, (vom lat. Hispania) EN. eines bekannten Landes 

u. Königreichs, der fühmweftlichfte Theil von Europa; der Spanier, -6, M. 

w. E., die Spanierinn, M. -en, Eingeborene u. Einwohner von Spa= 

nien; Spanier, landſch. f. der Kornkäfer; fpanifch, Bw., 1) (altd. spa- 

nisc) zu Spanien gehörend, aus Spanien ftammend od. dort einhei— 
mifch, den Spaniern eigen od. gemäß (3. B. fpanifche Befigungen, fpani- 
ſcher Wein, fpanifhe Schafe; die ſpaniſche Sprache, Tracht ꝛc.; ſpaniſche 

Erde, eine weiche, leicht zerreibliche Erde, zum Blänken des Goldes gebraucht; 

ſpaniſcher Flieder, ſ. Flieder; ſpaniſche Fliege, ſ. Fliege; ſpaniſches 

Gras, Band- od. Mariengras, auch Schilfgras; ſpaniſcher Klee, Wolfs— 

od. Feigbohne; der ſpaniſche Kragen, Umſtülpung der Vorhaut (fr. Para- 

phimoſis); ſpaniſches Kraut, landſch. f. Spinat; ſpaniſche Kreide, f. 

Kreide; der ſpaniſche Mantel, f. Mantel; fpanifher Pfeffer, f. Pfef— 

fer; fpanifche Reiter, f. Reiter; fpanifches Rohr, ein urfpr. über Spa— 

nien zu uns gebrachtes ausländ. Rohr, zu Spazierftöcden gebraucht; ſpaniſch 

Roth, f. rothe Ochfenzunge, f. d.; ſpaniſches Schwarz, eine feine ſchwarze 

Farbe aus verbranntem Kork; fpanifche Stiefel, ein Folterwerkzeug, in 

welches die Schienbeine eingefchraubt werden, Beinfchrauben od. =ftiefel; ſpa— 

niſches Wachs, oberd. f. Siegellack; eine ſpaniſche Wand, bewegliche Ta— 
petenwand, vergl. Schirm; die fpanifhe Weide, landſch. f. Hartriegel; 
fpanifhes Weiß od. fpanifhe Schminke, Schminkweiß, f. Schminke); 

2) im gemeinen Leben f. fremd, fremdartig, feltfam, auffallend (4. B. das 

fommt mir fpanifh vor; in diefer Bed. vielleicht von einem andern altd. 

Stamme span; vgl. auch d. griech. orzevos, onevıos, felten). 

Spankolben, -korb, »leuchter, -mühle, f. unter Span 1. 
ſpannen, ziel. 3w., {altd. spannan, spannen, ablaut. spien, gespannen; 
jest umend. fpannte, gefpannt, oberd. auch noch gefpannen; engl. span; ſchwed. 
spänna, von sana, ziehen, vgl. d. griech. ondv u. fpanen, fpänen), 1) eig. in 

Eörperlicher Bed. überh. ſtark ausdehnen, ftraff anziehen, insbef. a) einen 

ſchnellkräftigen (elaftifchen) Körper in die Länge od. nad) allen Seiten ſtraff 

anziehen u. ausdehnen (eine Flechfe, Sehne, ein Seil, die Saiten ꝛc. —; 
uneig. die Saiten zu hoch jpannen, f. Saite; den Bogen, die Armbruft ꝛc. —, 

d. i. die Bogenfehnez ein gefpannter Leib, d. i. ein aufgetriebener, gedunſener); 

auch einen folchen Körper fo zufammendrüden, dafs er ſich mit Schnell: 

kraft wieder ausbehnt (eine Stghlfeder, den Hahn eines Feuergewehrs —); 
in gerader Richtung u. feiner ganzen Ausdehnung nad) ausjtreden, 
fraff machen (die Hand —, d. i. die Äußerften Finger gerade aus einander 
ftredten, vgl. Spanne; die Ohren —, von Thieren f. aufrichten, fpigen; um= 
eig. ein Gewölbe —, d. i. bauen, errichten; ein weit gefpanntes Gewölbe, 
das einen großen Bogen macht), mittelft ſolcher Ausſtreckung, bef. der 

Finger od. der Arme, erreichen, abreichen, umfaffen (z. B. eine Octave auf 

dem Klavier —; fo weit kann ich nicht fpannen; vgl. umfpannen); b) ſpan⸗ 

nend, d. i. durch fchnellfräftige Ausdehnung od. Zufammenzichung, befefligen 

(Zeug in od. auf den Rahmen —; etwas in den Schraubftod (f. d.) —; einen 

auf die Folter —; die Drechsler fpannen Holz ze. zwiſchen die, Docken; bie 








fpannen 965 


Fuhrleute fpannen den Wagen, d. i. die darauf befindliche Ladung, mit der 
Spanntette, f. u.); in weiterer Anwendung überh. f. ftraff befeftigen, 
binden, feffeln (kandw. die Pferde auf der Weide —, d. i. ihnen die Vorder— 
füße mit dem Spannfeil zufammen binden; bei. die Pferde, Ochfen ze. an 
od. vor den Wagen —, d. i. an Strängen od. Riemen befeftigen, vgl. anfpan= 
nen; uneig. bie Pferde hinter den Wagen fpannen, f. Pferd; nieberd. einen 
Gefangenen —, f. feffeln, binden); zufammenpreffen, einengen, drüden 
(zu enge Kleidungsftüce fpannen die Körpertheile; der Schuh fpannt midy; auch 
unp. es fpannt mich f. ich empfinde einen engenden Drud); hindern, hem— 
men, ſtauen (Wafler, einen Fluſs —, d. i. ihn durd) ein Wehr zc. hemmen 
u, anſchwellen machen); 2) uneig. in geiftigem Verftande: ausdehnen, ftei- 
gern, inshef. etwas zu hoch fpannen, d. i. übertreiben (z. 3. feine 
‚Forderungen, Erwartungen ꝛc.; ein zu hoch gefpanntes Lob); die Sinnes— 
u. Geifteskräfte anftrengen, angeftrengt u. ohne nachzulaffen auf etwas 
richten (vgl. an=, überfpannen, u. das Mw. gefpannt als Bw., z. 8. mit 
gefpannter Aufmerkfamkeit); auf etwas gefpannt fein, od. landid. 
ziellos: auf etwas fpannen, d. i. feine Sinnesthätigkeit u. Aufmerk- 
famfeit angeftrengt darauf richten, aufmerken, lauern, warten, bef. 
etwas begierig erwarten (ich bin auf den Ausgang fehr gefpannt); mit Je— 
mand gefpannt fein, d. i. in üblem Vernehmen mit ihm ftehen, 
mifshellig fein, (vielleicht nicht von fpannen, fondern von Span 2., fpänig ꝛc.; 
doch fagt man auch: mit Semand über den Fuß gefpannt fein, durch wel- 
chen dunkeln Ausdruck diefe Ableitung unficher wird); — der Spann, -es, 
M.--e, 1) ehem. (mittelh. span) f. das Spannen (z. B. der Armbruft); auch) 
f. Krampe an Bücherbänden; 2) f. v. w. der Rift (f. d.) des Fußes (einen 
hohen Spann haben); da8 Spann, -e8, 1) M. -e, landich. f. Gefpann 
(f. d.); Schiff. zwei auf einander folgende Wandtaue; 2) M. -en, Sciffb. 
die Rippen des Schiffggerippes (Haupt-, Vorder-, Hinterfpann 2c.); — 
3fes. von fpannen: die. Spannader, ſ. v. w. Sehne; der Spannbaum, 
an den Seidenwirkerftühlen der Baum, mit welchem der Aufzug ftraff geipannt 
wird; das Spannbett (altd. spanbette), ein Bettgeftell mit untergefpannten 
Borten; der Spanndienft, Frohndienft mit einem Gefpann Pferde od. Och— 
fen; der Spanndienfter, wer Spanndienfte leiften mufs; die Spannfeder, 
eine Feder, durch welche etwas gefpannt wird; die Spannfeſſel od. das 
Spannfeil, Zußfeffel für Pferde ꝛc. (f. 0.)5 die Spannfrohne, f. v. w. 
Spanndienft; der Spannhafen, ein Haken, etwas damit auszufpannen; der 
Spannhammer, Goldarb. ein Hammer mit zwei flachen Bahnen zum Aus- 
dehnen der Silberbleche; das Spannheftel, der Spannpflod, Jäg. Hef— 
tel 0d. Pflöcte zum Spannen der Nege; das Spannholz, Tuchm. das Holz, 
durch welches das Zuc beim Weben auf dem Stuhle ausgelpannt erhalten 
wird, auch der Spannftod; die Spannkette, eine Kette, etwas damit feft 
zu fpannen, z. B. die Laft od. die Leitern eines beladenen Wagens; auch f. 
Hemmkette; Forſtw. eine Kette, mit welcher der Umfang der Bäume gemeffen 
wird; die Spannfraft, ſ. v. w. Schnell- od. Federkraft (fr. Elafticität); 
fpannfräftig, Bw., fchnellkräftig (fr. elaſtiſch; die Spannleute, landſch. 
Bauern, welche Zugvieh halten u. Spanndienfte leiften müffen; der Spann- 
muskel, fpannender Muskel, 4. B. des Trommelfells; der Spannnagel, 
ſ. v. m. Schlofenagel (f. d.) am Wagen; der Spannrahmen, an Waſſer— 


966 ſpanneu — Spanzieher 


mühlen ein Theil, womit das Waſſer gefpannt, d. i. angefchwellt wird; die 
Spannraupe, 1) Raupen, welche nur vorn u. hinten Füße haben u. ſich da— 
her weiter bewegen, indem fie fich gleichfam ausfpannen od. ausftredten u. wie 
der zufammenziehen, auch Spannenmeffer; 2) (wahrfch. von Spann f. 
Geipann, d. i. Genoffe) Raupen, welche in Gefellichaft zufammen leben, 3. U. 
v. Blatt= u. Ringelraupen, auch: Spinnraupen; der Spannteif, Faſsb. ein 
Reif, womit die Fafsdauben ausgefvannt werden; der Spannriegel, Zim⸗ 
merl. ein Verbindungs-Riegel od.-Balken an einem liegenden Dachſtuhle; der 
Spannriemen, ein Riemen, etwas damit zu ſpannen; Schuhm. f. v. m. 
Knieriemen; der Spannting, Schmied. der Ring, womit die Zangengriffe 
zufammengefpannt werden, auch Sperrring; die Spannrippe, Fleiſch. das 
Kippenftüc vorn am Kamme des Rindes; die Spannfäge, Handfäge mit 
zwei Armen u. einem hölzernen Rahmen, in den das Sägeblatt geipannt ift; 
die oberen Enden der Arme werden durch das Spanntau vereinigt; der 
Spannftod, f. Spannholz; der Spannftrid, f. v. m. Spannfeffel; der 
Spanntag, ein Tag, an welchem Spanndienfte geleiftet werden müſſen; die 
Spannwinde, Handwinde zum Spannen des Bogens od. der Armbruft; bie 
Spannzange, eine Zange der Goldſchläger, den Rüden der Form damit zus 
fammenzuflemmen; — Ableit, die Spanne, M. -n, (altd. spanna, spanne, 
oberd. die Spann; engl. span), die ausgefpannte- Hand u. das Maß der: 
felben von der Spige des Daumens bis zur Spitze des Kleinen Fingers (4. B; 
eine Spanne weit, drei Spannen lang); uneig. f. eine Eleine Ausdehnung 
(z. B. eine Kleine Spanne Zeit); Forftw. f. Spannkette, ſ. o. (z. B. bie 
Bäume nad) der Spanne verkaufen); fpanne= od. fpannenbreit, -hoch, 
lang (mittel. spannelane), = weit, Bw., eine-Spanne breit, hoch 2e.; der 
Spannenmeffer, f. 0. Spannraupe; der Spanner, landſch. auch Spän- 
ner, -8,,M. w. E. 1) (won fpannen) wer etwas fpannt (z. B. der Span: 
ner des Bogens); insbeſ. oberd. u. ſchweiz. die Auf- und Ablader der Fracht: 
wagen, weil fie die Güter auf den Wagen fpannen (f. 0.); ferner wer Zugvieh 
vor den Wagen fpannt u. damit fährt, in Zſetz. (wo ed Spänner lautet), 
wie: Eins, Zweifpänner 2c., welche aud) das Fuhrwerk felbft bezeichnen ; 
aud ein Werkzeug zum Spannen, z. B. das Spannholz am Geftell einer 
Säge; 2) Spänner (von Spann, Gefpann), in Salzwerken, wer ein Salz— 
koth mit einem Andern gemeinfchaftlich befist, z. U. v. Pfännerz vgl. aud) Ein- 
fpänner; fpännig, Bw., 1) (von fpannen) nur in Zfeg. wie: ein, zweiz 
vierfpännig, d.i. mit einem od. zwei ꝛc. Zugthieren befpannt (andſch. un— 
eig. £. ein=, zweifchläfrig: ein einfpänniges 2c. Bett); 2) (von Spanne) oberd. 
f. eine Spanne lang, dick ꝛc. (auch in Zfeg., wie: ganz-, halb- überfpäns 
nig 26.); Forſtw. nach der Spanne od. Spannkette zu meffen u. zu vers 
kaufen (ein Tpänniger Baum); die Spannung, das Spannen, u. das 
Gefpanntfein (z. B. der Saiten, einer Büchfe ꝛc.); Maur. die Verbindung 
zweier gegenüberftehenden Mauern durch einen Bogenz uneig. das Gefpannt- 
fein, die Anftrengung der Geiftesträfte u. bef. des Gemüthe, die gefpannte 
Erwartung (3. B. in ängftlicher Spannung Leben); auch f. gefpanntes Ver— 
hältnifs, Mifshelligkeit, Uneinigkeit. 

ſpan-neu, Bw., f. unter Span 1. 

Spannfeder, =feffel ꝛc. — =zange, ſ. unter fpannen. 

Spänwein, f. ſpänen; Spanzettel, -zieher, f. Span 1. 


— ——— — — — — 


Spar — fparen 967 


Spar, m., -en, M. -en, (goth. sparva, althochd. sparo, G. sparin ; 
mittel). spar, sparwe, G. sparwen; angelf. spearva, engl. spar, sparrow; 
wahrſch. der Gefledte, Geiprenkelte, vgl. Spur u. Sparke mit Sperk; oder 
verw. mit sparian, fperren, daher engl. sparrow-mouth f. großes Maul; — 
Ableit. davon find: Sperling u. Sperber, |. d.), alt u. oberd. f. Sperling, 
Spaß; — der Sparbraffen, eine Art Braffen im mittelländ. Meere mit 
einem goldfarbigen halbmondförmigen Fleden vor den Augen. 

Sparen, m., -$, M. mw. E., (engl. u. holl. spar), niederd. u. ſchweiz. 
f. Sparten, Dachfparren, Hebebalken; — der Sparblod, auf den Eib- 
kähnen ein ftarfes Querholg mit einem Loche, worin der Maft fteht; das 
Sparbrett, Maur. f. v. w. Handbrett, f. d. (wielleicht mit Sparkalk zufam- 
menhangend, f. u. fparen 2.) 

fparen 1. ziel. 3w. (altd. sparen, sparn; auch ein Hw. spari, speri f. Spar⸗ 
famteit; von einer Wurzel spar, welche wahrſch., wie das oberd. ſper, ſpör, 
engl. spare, urſpr. troden, dürr, mager, ärmlich bedeutet; isländ. u. ſchwed. 
spara, dän. spare, angelj. sparan, engl. spare, holl. spaeren; ital. sparagnare, 
franz. Epargner ; vgl. das lat. parcere), fih in dem Gebrauch einer Sache 
auf das Nothwendige einfchränfen, nur wenig davon verwenden, ſcho— 
nend damit umgehen (die Butter, der Zucer u. dgl. ift an der Speife gefpart, 
— nit geſpart, d. i. reichlich verwendet; kein Geld, keine Koften ꝛc. ſparen; 
weder Fleiß, noch Mühe fparen ꝛc.; alt u. oberd. auch mit dem Gen., 4. B. 
bibl. fparet der Pfeile nicht); insbe. fi im Gebrauche feines Geldes od. 
Vermögens in löblihem Maße einfchränken, verich. kargen, geizen, entg. 
verfchwenden, (fpare dein Geld; viel Geld zufammen fparen; gew. ohne Zielw., 
z. B. er hat immer geſpart; fprichw. fpare in der Zeit, 10 haft du in der Noth); 
zu künftigem Gebrauche aufheben, zurüdlegen (. B. Geld zu einer 
Reife —), daher uneig. f. auffchieben, nerfchieben (Gbibl. ſpare deine Buße 
nicht, bis du krank werdeft); ganz ungebraucht laffen, gar nicht anwen— 
den, als überflüffig unterlaffen (4. B. fpare deine Worte, Entfchuldigungen, 
Bemerkungen 2c.); auch f. unverlegt erhalten, verfchonen (fich auf beffere 
Zeiten —; niederd. Gott fpare dich gefund!) — Zfeg. die Sparbüchfe, 
eine verfchloffene Büchfe mit einem Spalt im Dedel, zur Verwahrung erfparten 
Geldes, fo auh: der Spartopf (niederd. Sparpott), oberd. Sparhafen; 
das Spar-Ende od. - Endchen (d. i. eig. der Endenfparer) in Niederd. f. 
v. w. Lichtknecht, Lichthalter, |. d.5 das Spargeld, -gut, eripartes Geld, 
Gut; der Sparherd, ein Kochherd von eigenthümlicher, holziparender Ein⸗ 
richtung; fo auch: der Sparofen; die Sparkaſſe, öffentliche Anftalt, in 
welcher man Eleine Erfparniffe zinsbar unterbringtz; der Sparpfennig, er- 
fpartes Geld (vgl. Pfennig); die Sparfeide, Schneid. f. feiner Zwirn, ftatt 
der Seide od. zu deren Erfparung gebraucht; — Ableit. der Sparer, -8, 
M. mw. E., wer fpart, d. i. Geld zurüdlegt Gprihw. der Sparer will 
einen Zehrer haben, d. i. erfpartes Vermögen wird gewöhnlich bald von einem 
Verſchwender verzehrt); ſpärlich, Nw. u. Bmw., auf das Nothdürftige ein- 
geſchränkt od. fich beſchränkend, kaum hinreichend, finnv. dürftig, küm— 
merlich, Enapp (fpärlich leben, effen; eine fpärliche Mahlzeit); die Spär— 
lichfeit, ſpärliche Befchaffenheit; fparfam, Bw., geneigt und gefchidt 
zu fparen, das Seinige zu Rathe haltend, unnöthigen Aufwand ver- 
meidend, finnv. haushälteriſch, wirthſchaftlich, verfch. karg, geizig (ein 


968. fparen — fparren 


fparfamer Wirth; fparfam fein, leben 2c.); von Sparfamkeit zeugend, mä- 
Fig (eine fparfame Mahlzeit); Erfparung gewährend (gute Lichte brennen 
ſparſam); auch f.*felten, wenig, in geringer Menge, bef. als Nw. (4. 8. 
das Obſt wählt hier ſparſam; fparfam zugemeffene Freuden u. dgl.); die 
Sparfamkeit, das Sparfamfein einer Perfon; ſeltner von Sachen f. fpar: 
fame Befchaffenheit od. Einrichtung; Seltenheit, geringe Anzahl. 

fparen 2. od. fporen, Zw. (landfch. auch ſpuren; vgl. das oberd. fpor 
fe mürbe, Sporapfelzc.), 1) ziellos, oberd. f. faulen, fhimmeln; fchim- 
melicht riechen; 2) ziel. Gerb. in Fäulniſs bringen (die Weißgerber fparen 
die Felle, indem-fie diefelben in Schwacher Kalkbrühe einweichen); der Spa— 
ren, -$, oberd. (auch der Spor) f. Schimmel; — der Sparfalf (oberd. 
auch Sporkalk; von dem obigen fpor, mürbe?), aus Gips gebrannter Kalk, 
Gipskalk, z. U. v. Bitter - u. Lederkalf. 

Spargel, m., -8, M. mw. E. (sberd. Spargen, Sparges, Spart; nie 
derd. Sparjes; vom lat. asparagus, -griech. dor«oeyos,), die efsbaren jun: 
gen Stengel oder Sproffen der in Gärten gezogenen Spargelpflanze, 
welche 6 bis J Fuß hoch wird, gelb blüht u. rothe Beeren trägt, (Spargel Ie- 
gen, d. i. die jungen Pflanzen in die Erde bringen; Spargel ftechen, d. i. die 
hervorfproffenden Stengel unter der Erde abfchneiden); — Zfeg. der Spar- 
gelbaum (auch Spergel-, Spörgelbaum; wahrfch. von anderem Stamme), 
landſch. f. Faulbaum; die Spargelbeere, vothe Beere des Gartenfpargels; 
das Spargelbeetz die Spargelbrühe, Brühe zu Spargeln; die Spar- 
gelerbfe, -fchote, der Spargelflee, eine Art des Schetenklees; das Spar- 
gelhähnchen, eine Art Blattkäfer od. Goldhähnchen; der Spargelfohl, eine 
Art Kohl, deffen Blumenftengel wie Spargel zugerichtet werden (ital. Broccoli); 
das Spargelfraut, Gewächſe, deren Wurzelfproffen wie Spargel genoffen 
werden, 3. B. der Hopfen; die Spargelraupe, die Larve des Spargelhähn- 
chens; der Spargelfalat, Salat von gekochten Spargeln; der Spargel- 
famen, -ftengel 2c.; die Spargelzange, eine zierliche, ſcherenförmige Zange 
zum Vorlegen der Spargel. 

Spargeld, -gut, -herd, f. unter fparen 1. 

Spark, m., -e8, 9. M., ein auf Adern wild wachfendes fehr gutes 
Futterkraut, auch Spergel, Aderfpergel, Knöterich ıc. (spergula arven- 
sis L.). 

Sparkalf, f unter fparer 2; Sparfaffe, f. fparen 1. 
ji Sparfe, m.,-n, M.-n, (mittelh. sparche, angelf. spearca, engl. spark, 
holt. spaerke), niederd. f. Funken; fparfen, ziellof. Zw., (engl. sparkle), nie: 
derd. f. Funken ſprühen; — das Sparfel, -8, preuß. f. Weberbleibfel von 
ausgekochtem Fett, Grieben, (weil das Fett beim Auskochen Funken prüht?). 

fparlih, Sparofen, -pfennig, f. unter fparen 1. 

fparren, ziel. Zw., (altd. sparian, sparran; oberd. fpären, fpärren), alt u. 
landſch., bef. niederd. f. fperren, auffperren, ſträuben; auch f. fpannen; 
daher: die Sparrader, iandſch. f. Spannader; der Sparraft, ein fperrig 
gewachfener Aftz auch Namen eines Pflanzengeſchlechts (salacia L.); das 
“ Sparrfraut, ein fperrig wachfendes Unkraut; der Sparrring, landſch. f. 
Sperr- od. Spannring, f. d. — fparr od. fparrig, Bw., niederd: f. fper- 
vig, weit geöffnet (fparre Augen); fträubig, ſtarr (Haare 2c.); die Sparte, 
niederd. f. Sperre, das Sperren, Sträuben; — der Sparten, -$, 


— — — — * 


fparfam — fpät 969 
M.w. E., (altd. sparro, sparre; niederd. Sparen; ſchwed. u. hol. sparre; 
angelf. speare, engl. spar; franz. Epars), überh. ein Querbalken, Schließ— 
balken, Riegel; insbeſ. ein Dachſparren (ſ. d. unter Dach; uneig. ſprichw. 
einen Sparren im Kopf od. einen Sparren zu viel haben, d. i. aus Hochmuth 
nicht recht bei Verſtande ſein); Wappenk. durch das Feld eines Wappenſchildes 
laufende Balken; Zſetz. das Sparrenfeld, der leere Raum zwiſchen dem 
Latten und Dachſparren; das Sparrengeld, landſch. ſ. v. w. der Giebelzins; 
der Sparrenkopf, Bauk. eine Verzierung im Karnieß, welche das vorragende 
Ende eines Sparrens vorſtellt; das Sparrholz, Forſtw. zu Sparren brauch— 

bares Holz; die Sparrlatte, Dachlatte; der Sparrnagel, Nägel, mit 
welchen die Latten auf die Sparren genagelt werden; das Sparrwerk, die 
ſämmtlichen Sparren eines Daches. 

ſparſam ꝛc., Sparſeide, ſ. unter ſparen 1. 

fparteln od. ſpärteln, zielloſ. Zw., (auch ſparreln, ſpatteln, ſpaddeln; 
holl. spartelen, dän. spradle; eine Verſtärkungsform von ſparren, ſperren, 
wie das oberd. fperzen), niederd. f. ſich mit Händen u. Füßen ſträuben, 
zappeln. 

Spaß, m., -e35, M. Späße, Verkl. das Späßchen, (fehlt im Altd. 
u. lautet oberd. u. auch in niederd. Mundarten, z. B. in Weftphalen, Spaſs; 
offenbar entlehnt von dem ital. spasso, Zeitvertreib, spassarsi, fich beluftigen), 
eine Beluftigung, Ergötzung, Ergöslichkeit, feherzhafte, Lachen erre- 
gende Handlung od. Begebenheit (einen Spaß maden; etwas zum Spaße 
thun, im Spaße fagen; feinen Spaß mit Semand od. mit etwas haben, treiben; 
das war ein Spaß! 2c.); insbe]. eine nur zur Beluftigung dienende nicht 
ernftlich gemeinte Rede, finnv. Scherz (f. d.), entg. Ernft (es war nur mein 
Spaß); uneig. gem. auch f. eine Kleinigkeit, etwas Geringfügiges, Un- 
erhebliches (das ift mir ein Spaß; das ift kein Spaß 2c.); — Zfeg. ber 
Spaßmacher, -8, verächtl. wer Spaß macht, Andere durch Späße zu be— 
luſtigen fucht; der Spaßvogel, ein Luftiger, gern Späße machender Menſch; 
auch ein zum Gefchlecht der Neuntödter gehörender Vogel, der fonderbare Be- 
wegungen macht (lanius jocosus); fpaßweife, Nm. im Spaß, ſcherzweiſe; — 
Ableit. fpaßen, ziellof. Zw. m. haben, (oberd. fpaffen, auch verkl. fpaf- 
fein, fchweiz. fpäßeln), Spaß machen od. treiben, es nicht ernftlich 
meinen, finnv. das edlere fherzen; der Spaßer, —s, auch der Späß- 
ling, -e8, M. -e, mer fpaßt, gem. Spaßmacher; fpaßhaft, Bw. (oberd. 
auch ſpaſſig, ſpäſſig, gefpäffig), einen Spaß enthaltend, einem 
Spaße ähnlich, Lachen erregend, finnv. das gemeinere poffenhaft u. das 
edlere [herzhaft (vgl. z. B. ein fcherzhaftes —, ſpaßhaftes —, poflenhaftes 
Gedicht); geneigt u. fähig zu fpaßen, gern fpaßend (ein fpaßhafter Menſch); 
die Spaßhaftigkeit, das Spafihaftfein in beiden Bed. | 

ſpät, Bw. u. Nw., alt u. oberd. auch fpat, welches eig. das Nm. zu 
dem Bw. ſpät ift, (goth. spedi, altd. späti, spaete, Bw.; späto, späte, Nw.; 
holl. spaade, spaa; wahrfch. von der Wurzel spa, ziehen, vgl. fpanen 2. u. 
ſpannen; alfo: ſich hinziehend, verziehend), überh. nach der gewöhnlichen, 
gehörigen Zeit, od. nad einem angegebenen Zeitpunfte od. Vorgange 
geſchehend, entg. früh, zeitig, (du Eommft ſpät; ſpät fchlafen gehen, — auf- 
fiehen; er kam fpäter als ih, am fpäteften von Allen; beffer fpät, als gar 
nicht: ſpät Hug werden; der Brief kam zu ſpät; die Uhr geht zu Tpat, wenn 


970 Spatel — Spätgerfte 


fie zu langfam geht; eine fpäte Heirath; ein fpätes Glück; fpät und früh, d. i. 
zu jeder Zeit, immer); auch f. der Zeit nach entfernt, in die ferne Zus 
kunft fallend (4. 8. die fpäteften Nachkommen); bef. von der vorgerückten 
Tages- und Jahreszeit (es ift fchon fpät am Tage, od. bloß: es ift ſchon 
ſpät; ſpät in die Nacht aufbleiben; die ſpäte Nacht; der fpäte Herbft ꝛc.; 
Ipät reifende Früchte, auch: fpäte Früchte, ſpätes Getreide ꝛc.); — Zſetz. die 
Spätbirne, -blume, =erbfe, -gerfte, der Späthopfen, das Spätkraut od. 
der Spätkohl, das Spätobft zc., fpät im Jahre, od. fpäter als andere ihrer 
Art zeitig werdende Früchte u. Gewächſe; die Spateiche, Winter- od. Hart- 
eiche; die Späternte, fpäte Ernte; die Spatfährte, Jäg. eine bereits vor 
mehren Stunden gemachte Fährte, zu welcher der Jäger alfo zu fpät kommt, 
auch: Ealte Fährte; der Spätfroft, fpät, d. i. noch im Frühling, eintretender 
Froſt; der Spatgang, Jäg. der Gang des Hirfches zu Holz kurz vor Tages— 
anbruch; Bergw. ein fpät, d. i. von Morgen gegen Abend ftreichender Gang; 
der Spätherbft, das Ende des Herbftes; das Spatheu, Grummet; das 
Spätjahr, Herbft u. Anfang des Winters; das Spatlicht, dicht. f. das Licht 
der untergehenden Sonne; das Spätmahl, Abendmahlzeit; der Spatregen, 
bibl. der Regen, welcher in den Morgenländern kurz vor der Ernte im April 
zu fallen pflegt; das Spätroth, der Spätfchein, dicht. f. Abendroth; 
der Spätfommer, Ende des Sommers; — Ableit. fpäteflens, Nw. vom 
Sup. fpäteft, aufs fpatefte, nicht fpäter als ıc. (z. 8. er kömmt fpäte- 
ftens in acht Tagen); die Späte, das Spätfein oder =gefchehen, eine 
fpäte Zeit (z. B. die Späte des Tages 2c.); ſpäten, rüdz. 3w., ſich —, 
oberd. f. faumen, zögern; der Spätling, -e3, M. -e, wer od. mas 
ſpät zum Vorſchein kommt, 3. B. ein fpät geborenes Kind; bef. Landw. 
ein fpäter ald gewöhnlich geworfenes Lamm, auch Spätlamm. 

Spatel, m., -8, M. w. E., (von dem lat. spatula, Verkl. von spatha, 
griech. or«In; ital. spatola, franz. spatule, engl. spattle), ein breites, fla= 
ches Holzfcheit, ald Werkzeug z. B. der Maler zum Zufammenftreichen der 
Farbe auf dem Neibefteine (auch: das Farbenmeſſer); ein fpatenähnliches 
Merkzeug der Apotheker, Wundärzte zc. zum Pflafterftreichen ꝛc.; fpatel- 
fürmig, Bw.; die Spatelente, Schildente; Löffelente; die Spatelgans, 
Löffelgans. 

Spaten, m., -8, M. w. E., landſch. auch Spate, w., M. -n, 
(alt. der spato,. spado, spate, ©. spaten; niederd. Spade; ſchwed. spada, 
angel. spad, engl. spade; urfpr. wohl überh. ein ſcharfes, ſchneidendes Werk- 
zeug, daher ital. spada, fpan. espada, franz. Epee f. Degen; verw. mit ſpitz? 
vgl. das niederd. fpitten f. graben), ein Werkzeug zum Umgraben der Erde, 
deflen breiter Theil ganz flach ift, Grabſcheit, verſch. Schaufel, Hacke 2.5 
landſch. auch ein Farbenbild in der franz. Spielkarte, j. v. w. Schüppen, (ſpan. 
espada; franz. pique; daher das Spatendaus, der Spatenkönig ꝛc.); — 
das Spateland, landſch. Land, von welchem der Rafen mit dem Spaten ab» 
geftochen ift; das Spatenrecht od. Spatelandsrecht, niederd. die Gerichts— 
barkeit über einen Deich, auch: das Deichrecht; — fpaten (niederd. fpaden), 
ziel. Zw., landfch. f. mit dem Spaten bearbeiten, umgraben; mit dem 
Spaten abftechen, bezeichnen, daher chem. einen Theil eines Deiches, ein 
Gut ꝛc. —, für verfallen erklären u. gerichtlich einziehen. 

Späterbfe ꝛc. — Spätgerfte, f. unter fpät. 








Spath — fpazieren ya 


Spath 1. m., -08, M. (felten) - e, (oberd. auch Spatz; nieberd. Spat, 
holf. spat, welches auch Lendenweh, Krampf bedeutet; wahrſch. von der Wur⸗ 
zel spa, ziehen, vgl. ſpanen 2., ſpannen, u. ſpät; engl. spavin, franz. éParvin), 
eine Krankheit der Pferde und des Rindviehes, beſtehend in Knoten 
od. Beulen an den Gelenken der Beine, wodurch der Gang ſteif u. lahm 
wird; daher ſpathig 1., Bw., mit dem Spath behaftet (ein ſpathiges 
Pferd). 

Spath 2. m., -e3, M. Spathe, Bergw. auch Späthe, (mittelh. spat, 
vielleicht ft. spaht, von der Wurzel spah, ſpalten; vgl. ſpachen, u. das ſchwäb. 
Spaht, Spatt f. Splitter, Span; engl. spat, spaad, spar), verfchiedene 
Steinarten von. würfelichtem, rautenähnlihem u. ſchieferichtem Gefüge 
mit glänzender Oberfläche, z. B. Feld-, Fluſs-, Gips-, Kalk-, Schwer-, 
Doppelipath; insbef. der Kalkfpath, |. d.; das Fraueneis, f. d.; aud f. 
Gips; — die Spathafche, Hüttenw. aus weißem Spath aebrannte Aſche; 
die Spathörufe, Spath in Geftalt einer Drufez der Spathflufs, farbiger 
Spath (f. Fluſs); die Spathfapelle, Hüttenw. eine aus Spath gemachte Ka= 
pelle ¶ . Kapelle 2.); der Spathfloß, eine Art Adlerfteine; die Spathrofe, 
Spathdrufen od. «Kryftalle, deren Blätter im Mittelpunkte zuſammengewachſen 
find; der Spathflein, das Fraueneis; — fpathig 2., Bw., Spath ent- 
haltend; gew. f. fpathicht, Bw., dem Spath ähnlich, fpathartig (ein 
fpathiges Gefüge). 

Spätherbft ꝛc. — Spätfommer, f. unter fpät. 

Spatt, m., -e3, M.-e, (aus Spacht entft., ſ. ſpachen), ſchwäb. f. 
Splitter, Span; ſchweiz. f. Spriet, Schere an einem Leiterwagen; der 
Spättel od. Spettel, -8, (auch Spätel, Spittel), oberd. f. Abfall von 
Tuch ꝛc., Keil, Zwidel; der Spätter od. Spetter, -$, bair. ein brei- 
ter Span, deren fieben mit Reifen zu einem Fäfschen für Salz zulammenges 
fügt werden (daher „ein Salzfuder einfpettern‘). 

Spatz 1. m., -en, M.-en, (vielleiht aus Sparz entft., von Spar, 
1;d.), ober». f. der Sperling; bair. auch f. junges Huhn, Hähnchen; — Zſetz. 
das Spagenei, -neſt ꝛc.; die Spatzeneule, Eleine Eule, Zwergeule; ber 
Spatzenſtrauch, ein Pflanzengeſchlecht (struthiola L.); die Spatzenwurz, 
landſch. f. das Seifenkraut; die Spakenzunge, ein ausländ. Pflanzenge- 
ſchlecht, auch Sperlingszunge (stellera L.); — Ableit. fpägeln, zielloſ. Zw., 
1) vit. f. ſchwatzen, zanfen, Eeifenz 2) (vielleicht von anderm Stamme, 
verw. mit ſpitz ?) Schweiz. f. ficheln, prideln; ſpätzig, Bw., 1) vlt. f. 
geſchwätzig, lärmend; 2) ſchweiz. (auch ſpätzlig) f. fichelig, pridelnd. 

Spab 2. m,, -en, M. -en, od. die Spatze, M. -n, Wahrſch. 
verw. mit Pat od. Patt (f. d.), ital. pasta, franz. päte, Zeig), oberd. Eleine 
Mehlklöße, in Waffer gekocht, verfch. von den größeren Knödeln, (au 
Spatzeln; daher: eine Spagelfuppe; Spagen od. Spageln werfen, 
bair. fi ein flaches Steinchen auf der Waflerfläche forthüpfen laſſen); landſch. 
aud) f. Knoten od. Abfäge an den Weinreben, wo fich die Augen anfegen; 
bair. der Spaß f. Spath 1. 

spazieren, b. alö fpagieren, ziellof. 3m. m. haben u. fein, (vom lat. 
spatiari, d, i. einen Raum (spatium) durchfchreiten; ital, spaziare, andare a 
spasso, vgl. Spaß), zum Vergnügen od. zur Beförderung der Gefund- 
heit gemächlich gehen, bef, in freier Luft, fich ergehen, luſtwandeln, vgl. 


972 Speht — Sped 


d. (ich habe zwei Stunden fpagiert; ich bin vor das Thor, nach dem nächften 
Dorfe ze. fpaziert); in weiterer Bed. fi) zum Vergnügen fortbeiwegen, 
in Verbindung mit gehen, reiten, fahren, neben welchen Zeitwörtern der 
Inf. ſpazieren im Sinne des Mw. Tpazierend fteht: fpazieren gehen, 
reiten, fahren (immer mit fein, 3. B. ich bin fpazieren gegangen; wir find 
geftern ſpazieren gefahren 2c.); — die Spazterfahrt, der Spaziergang, 
Spazierritt, die Spazierreife, Fahrt, Gang 2c. zum Vergnügen, Luftfahrt, 
= gang, -reife ꝛc.; der Spaziergang auch ein zum Spazierengehen-eingerich- 
teter u. beftimmter Raum (fr. Promenade); der Spaziergänger, die Spas 
ziergängerinn, wer fpazieren geht, Luſtgänger, Luſtwandler 2c. 

Specht, m., -08, M.-e, (altd. speht, engl. speckt, speight; von spa- 
hen, spehten, fpächten (f. d.), alfo: der lärmende Vogel; oder von spähi, ſpäh 
(j. d.) oberd. ſpech, vgl. fpähen, alfo: der fcharffichtige od. Eluge Vogel? 
vgl. jedoch auch das fat. picus), ein Gefchlecht von Waldvögeln mit kan— 
tigem, an der Spitze feilfürmigem Schnabel und kurzen Kletterfüßen, auch 
Baumhader, Baumpider genannt, weil fie an den Bäumen kletternd bie 
Rinde aufhaden, um die Infecten hervorzuholen; verfch. Arten find: der ge- 
meine od. Schwarzfpecht, der Bunt:, Blau:, Grün-, Mauerfpecht ꝛc.; — 
die Spechtfrähe, der Schwarzipecht; die Spechtmeife, der Blauſpecht, 
au Graufpecht, Baummeife, Holz: od. Nufshacder 2c. genannt; die Specht 
wurz, Eſchenwurz, weißer Diptam (dietamnus albus L.). 

pechten, 3w., ſ. fpächten. 

fpechtig, Bw. (vgl. ſpachen u. pad), landſch. f. fhmächtig, lang u. 
dünn; der Spechter, -8, M. w. E., landſch. eine Art hoher u. enger 
Trinkgläſer. 

Speck, m. (landſch. une. f.), —es, o. M. (altd. spech, spec; angelſ. 
spic, isländ. spick, ſchwed. speck; von dunkler Abſtammung), das feſte thie— 
riſche Fett, welches unter der Haut, beſ. auf den Rippen ſitzt (4. B. der Speck 
der Wallfifche, Seehunde ꝛc., das noch nicht zu Thran gefottene derbe Fett); 
in engerer Bed. das Fett der Schweine, fowohl auf dem Rüden und den 
Kippen, ald auch zwifchen dem Vorderbug u. den Schinken (Speck fchneidem, 
frifher, geräucherter Speck ꝛc.); niedr. aud) vom Menfchen (viel Sped auf 
dem Leibe haben, u. dgl.); — Zfeg. die Spedbanf, eine Erhöhung, auf 
welcher der Wallfiſch-Speck zerfchnitten wird; der Speckbauch, - wanft, 
gem. f. ein fetter Bauch, u. ein Menfch mit folhem Bauche; die Spedbirne, 
eine Art ſchmackhafter grauer Birnen; die Spedbohne, eine Art Schmint- 
bohne mit ſehr fleifchigen Hülfen; der Spedbüdling, ein am Rüden auf— 
gefchnittener geräucherter fetter Häring, niederd. Flickhäring; die Speck— 
Ente, die Pfeifente (f. d.), weil fie befonders fett iſt; ſpeckfett, Bw., gem. 
fe ſehr fett; die Spedfloffe, den Floſſen ähnliche fette Häute hinter der 
Rücenfloffe mancher Fiſche; die Spedgefchwulft, eine Art Geſchwulſt, bei - 
welcher die weichen Theile fpectähnlich werden, auch: die Spedbeule, das 
Spedgewädhs; der Spedhald, ein fehr fetter Hals; ein Thier, bef. ein 
Pferd mit ſolchem Halfe; der Spedhaspel, ein Haspel, den Wallfifch-Sped 
aus dem Flensloche aufzuziehen; der Spedhauer, wer Speck aushautz ber 
Butzkopf od. Nordkaper; der Spedkäfer, eine Art Klein» od. Schabkäfer, 
deren Larve den Sped angreift; die Spedfammer, Kammer zur Aufbewah- 
zung von Sped 2c.; der Speckkönig, beim Walfifchfange der jüngfte und 





Sped — Speer. 973 


unerfahrenfte Matrofe, der den in den Schifferaum geworfenen Sped aus dem 
Wege fhaffen mufsz der Speckkuchen, ein auf der Oberflähe mit Sped 
verſehener Kuchen; die Spedlilie, das Geifblatt od. Selängerjelieber (loni- 
cera L.); die Spedlinde, Sommerlinde; die Spedmade, f. Made; die 
Speckmaus, landſch. f. Fledermaus, weil fie dem Schweineſpeck nachgeht; 
die Speckmelde, das Bingelkraut; das Speckmeſſer, ein großes Meſſer 
zum Ausſchneiden des Wallfiſchſpecks; die Speckſchwarte, ſ. Schwarte; das 
Speckſchwein, ein ſehr fett gemäſtetes Schwein; die Speckſeite, die mit 
Speck bewachſene Seite eines geſchlachteten Schweines, be. nachdem fie geräu— 
chert ift, Ciprichw. die Wurſt nach der Speckſeite werfen, d. i. durch ein klei— 
neres Geſchenk ein größeres zu erlangen ſuchen); der Speckſtein, ein fettig 
anzufühlender durchſcheinender Stein, Fett-, Weich-, Leberſtein ꝛc.; auch ber 
Seifenſtein, wozu der Schreibſtein u. die ſpaniſche Kreide gehören; der Speck— 
thran, aus dem Wallfiſchſpeck geſottener Thran; der Speckwurm, ein im 
Specke lebender Wurm, beſ. die Larve des Speckkäfers, ſ. 0.5 — Ableit. 
ſpeckig, Bw., Speck enthaltend, ſpeckfett; gew. auch f. ſpeckicht, Bw., 
ſpeckähnlich; oberd. fpedig f. fettig ausſehend u. anzufühlen, klebrig-feſt 
(von unausgebackenem Brod ꝛc.). 

Speck od. Specke, w., M.-en, (ſchwäb. Spöck, Spöcke), landſch. f. 
Damm, erhöheter Weg, insbeſ. oberd. ein gepflaſterter Fahrweg; nie— 
derd. ein kleiner von Raſenſtücken aufgeworfener Damm od. erhöheter 
Fußſteig in einer. ſumpfigen Gegend, auch: der Speckdamm, Spitt= od. 
Spettdamm; der Speddeich, niederd. ein durch Flechtwerk gegen die Fluth 
geſchützter Deich; ſpecken, Zw. niederd. f. einen Kleinen erhöheten Damm 
od. Fußſteig machen. 

Speer, m., -08, M. -e, (altd. daz sper, oberd. das Sper; isländ. 
spiör, ſchwed. sper; angelf. spaer, engl. spear; lat. sparus u. sparum; wahrſch. 
von einer Wurzel spar, spir, speran, ftechen, bohren, eindringen, unterſuchen; 
daher engl. spear, durchſtechen; niederd. Spier, engl. spire, Spitze; oberd. 
Sperl f. Stednadel; von gleihem Stamme find: Sporn, Spur ꝛc.), urſpr. 
die breite eiferne Spige u. Schneide der Lanze; dann f. die Lanze felbft, 
als die eigentliche Ritterwaffe, alterthümlicher u. edler als das finnv. Spieß, 
ſ. d.; in weiterer Bed. verfchiedene fpisige Werkzeuge, z. B. der lange 
fpisige Theil einer Zeile; Fiſch. eine zchnzadige Gabel zum Stechen der Bar: 
ben und Aale; — Zſetz. fpeerberüuhmt, Bw., dicht. Neuw. f. berühmt 
durch gefchicktes Lanzenwerfen; die Speerdiftel, gemeine Wegediftel mit Ian- 
zenförmigen Blättern; die Speerelfter, landſch. f. der Neuntödter; ſpeerför— 
mig, Bw.; fpeergeübt, Bw., dicht. f. in der Handhabung des Speeres 
geübt; der Speerhai, eine Art Hai mit rauher Haut, auch Dornhaiz der 
Speerfampf; das Speerfraut, eine Art des Hahnenfußes mit geferbten, 
lanzenförmigen Blättern, auch: die Speerwurg od. =wurzel (ranunculus 
flammula L.); aud) f. Gartenbaldrian; Natter= od. Schlangenzunge; Löwen- 
zahn; die Speermeife, Tannen= od. Holgmeife; der Speerreiter, chem. 
mit Speeren bewaffnete Reiter; das Speerrofs, ehem. f. Zurnierpferd; der 
Speerſchaft, die Speerflange, f. Schaft ꝛc.; der Speerenftich, der 
Eleine Enzian, deffen Wurzel Ereuzweife wie mit einem Speere durchftochen ift, 
au Himmelsſtengel (gentiana cruciata L.); der Speerwurf, Wurf mit dem 
Speere, u. die Weite eines folchen. 


974 Spehnkopf — Speidel 


Spehnkopf, m., (wahrfch. von fpanen f. ziehen, f. fpanen 2.) Schiff. 
ein Holz, welches in eines von den Löchern des Bratfpills geftecit wird, um 
duch das Spehntau das Ankertau daran zu befeftigen. 

Speibeden, ſ., f. unter fpeien. 

Speide, w., M.-n, (althochd. der speihho u. diu speihha, mittelh. 
der u. diu speiche; oberd. die Spaichen, aud) der Speichen; niederd. Speke, 
holl. speek; angelf. späca, engl. spoke; wahrſch. von einem eigenen Stamme, 
welcher „Ausbreitung bedeutet; vgl. das oberd. ſpaichen f. ausfchreiten, mit 
einem Beine vortreten), die Stäbe, welche ſtrahlenförmig auseinander- 
gehend von der Welle od. Nabe eines Rades an deffen Umfreis rei- 
en u. die Felgen desfelben tragen, Radfpeichen, an größeren Waffer- od. 
Kunfträdern auch Radarme genannt; uneig. Anat. ein Knochen des Vor— 
derarmes, auch Spindel genanntz — das Speichenbein, niederd. f. ein 
langes, dünnes Bein, u. eine Perfon mit ſolchen Beinen; der Speichenting 
od. -rinken, zwei große Ringe auf der Nabe des Wagenrades; — fpeichen, 
ziel. 3w., mit Speichen verfehen (ein Rad); fpeichig, Bw., Speichen 
habend, bef. in Zfeg. wie: achtſpeichig zc. 

Speichel, m., -8, o. M., (altd. diu speihhala, speichilla, speichel; auch 
diu speicholtra, speicholter, speichlöte; oberd. der, alt die Spaichel, aud 
der Speibel; niederd. Spedel, engl. spittle; von fpeien, f. d.), die natür- 
liche Flüffigkeit, welche im Munde entfteht u. zuc Verdauung der Speifen 
mitwirkt, gem. Spude, vgl. Geifer; — 3feg. die Speicheldrüfe, Drü- 
fen im Innern des Mundes, durch welche der Speichel abgefondert wird; der 
Speichelfluſs, ftarker Erguſs des Speichels, bef. fofern er durch Fünftliche 
Mittel zur Heilung hervorgebracht wird (fr. Salivation); der Speichelgang, 
zarte Röhren, duch welche der Speichel den Speicheldrüſen zugeführt wird; 
das Speichelfraut, ein fpeicheltreibendes Kraut, bef. eine Art Rofspofei, 
auch Läuſekraut, Mäufepfeffer 2c. (stachys silvatica L.); ferner f. v. w. bie 
Speichelwurz, das gemeine Seifenkraut, f. d.; der Speichelleder, gem. 
f. niederträchtiger Schmeichler, ehrlofer Kriecher, der gleichfam eines Andern 
Speichel aufledt; der Speichelreiz, Reiz der Speicheldrüfen zu vermehrter 
SpeihelsAbfonderung; fpeichelreizend od. -treibend, Bw., die Speichel- 
Abfonderung befördernd: das Speichelthierchen, ſ. v. w. der Schaummurm, 
ſ. d. — Ableit. fpeicheln, zienof. Zw. m. Haben, oberd. f. Speichel 
\ -auswerfen od. fließen laſſen. 
ſppeichen, 3w., Speichenbein, -ring, f. unter Speiche. 

Speicher, m., -8, M. mw. E., (altd. spihhäri, spthiri, spichaere; nie: 
derd. Spiker, holl. spyker; vom mittl. Tat. spicarium von spica, Ahre), ein 
"Gebäude zur Aufbewahrung des ausgedrofchenen Getreides, Kornboden, 
Kornhaus, Scheuer; in weiterer Bed. auch. ein Vorrathshaus für andere 
Waaren (Waarenfpeiher, Magazin); niederd. auch f. Bauernhaus; 
Lufthaus auf einem Meierhofe; — der Speicherdieb, niederd. f. Sperling; 
der Speicherherr, Auffeher über die Öffentlichen Kornhäufer in manchen 
Städten; das Speicherwiefel, das gemeine Wiefel; — fpeihern, ziel. 
Zw. auf od. in den Speicher bringen, bef. in den zgef. auf> u. einfpeichern. 

Speidel od. Speitel, m., -3, M. w. E., (vgl. Speil, Speiler), oberd. 
1) f. Splitter, Span, Spreifel; 2) (auch Speigen f. Zwidel, Keil, 
keilförmiges Stück Leinwand, Brod ꝛc.; ſpeideln, ziel. Zw., oberd. f. 





fpeie — Speit 975 


in Spreißel fpalten; mit Spreißeln befeftigen, (daher: auf-, auß>, 
—— mit Spreißeln auf⸗, ausſpannen, verkeilen). 

ſpeie, Bw., niederd. f. fpöttifch; fpröde; fpeien 1. 3m., vlt. f. ver 
fpotten; **— ber Speivogel, das Speiwort ıc., ſ. unter ſpäh. 

ſpeien 2. (ehem. ſpeyen geſchr.), ziel. u. zielloſ. Zw., ablaut. Impf. 
ſpie (einſilb.), Conj. ſpiee (zweifilb.); Mw. geſpieen od. zgez. geſpien, 
(goth. speivan; althochd. spiwan, spian, Prät. spei u. spe, Pl. spiwun, Part. 
gispiwan; mittelh. spiwen, spien, Prät. spei, sp&, Pl. spiwen, Part. gespiwen; 
oberd. fpeiben, fpib u. fpeibet, gefpieben; niederd. ſpijen; angelſ. spivan, 
engl. spew od. spue; isländ. spya, ſchwed. spy; lat. spuere; vgl. ſpucken, 
fügen; die Wurzel spi, spu ahmt den Laut nach; vgl. d. griech. zrrucır, 
wurrew), etwas durch den Mund auswerfen (4. B. Blut —), insbef. 
den Speichel auswerfen, bef. wenn es mit Heftigkeit geſchieht, anftändiger: 
fpuden, (auf die Erde —, einem ins Gefiht —); gem. auch f. fich erbre- 
hen, fich übergeben, in welcher Bed. es landfch. auch rückz. gebraucht wird: 
fich fpeien; uneig. mit Heftigkeit von fich geben, auswerfen, ausftoßen 
(dev Veſuv fpeiet Feuer, vgl. feuerfpeiend; Hundert Feuerfchlünde fpieen 
Tod u. Verderben; er fpie Feuer und Flammen, d. i. er brach in heftigen 
Zorn aus); — Zfeg. das Speibeden, der Speinapf, = Faften ꝛc., ein 
Gefäß, in welches man den Speichel auswirft; das Speifteber, ein mit 
vielem Speichel-Auswurf verbundenes Fieber ; die Speifliege, Schmeißfliege; 
das Speigat od. Speiloch, Schiffb. vieredige Löcher in den Seiten des 
Schiffes, durch welche das Waſſer abläuft; das Speifraut, Kreuzkraut; 
Laub des Stinkbaumes, welches Erbrechen erregt; die Speiröhre, an Dach— 
rinnen die Röhre, welche das Waſſer abführt; die Speifchlange, f. v. w. 
Spritzſchlange; der Speitäubling, öfte. f. giftiger Blätterihwamm; der 
Speiteufel, angefeuchtetes u. zu einem Kegel geformtes Pulver, das man an- 
zündet, Sprühteufel;z auch f. Speitäubling; u. bair. (Speibteufel) f. Ver— 
leumder, Ohrenbläfer; der Speiwurm, Schaumwurm, Speichelthierchen; 
die Speimurzel, ein Gewächs vom Geſchlecht der Spedlilie, deffen Wurzel 
Erbrechen erregt; — Ableit. die Spei od. Spete, alt und landſch. f. der 
Speichel (niederd. Spije); das Erbrechen; der Speier, -$, wer fpeitz 
Naturk. eine Art füdamerikan. Eidechfen, welche gereizt einen fcharfen Gei- 
fer von fich fprigen; die Speierei, gem. u. verächtl. f. das Speien; das 
Ausgefpieene; fpeierlich, Bw., landſch. gem. f. Weiz sum Speien od. Er- 
brechen empfindend (es mir feierlich). 

Speierling, m., -e3, M. -e, (landich. auch Speirling, Spierling; 
vgl. Sperbaum, Sperberbaum) Lande. 1) f. Eifebeere, Arlesbeere; 2) die 
Frucht des Sperberbaums, auch Sporapfel, =beere, =birne, Sorbapfel ıc. 
genannt; daher der Speierlings- od. Speierbaum f. Eifebeerbaum; Sper- 
berbaum (mittelh. spirboum; lat. sorbus); 

Speigel, m.,-8, M. w. E., ſchwäb. f. v. m. Speidel: Zwickel, Keil, 
Eeitfdrmiges Stie (daher Jerfpergekn f. verfeilen). 

Speif, m., -e8, M.-e, oberd. f. Spieke (f. d.), Lavendel; in weis 
terer Bed. f. verfchtedene wohlriechende Alpengewächfe, als: rother Speik 
(valeriana celtica L.), weißer Speif, weißer od. Berg: Wermuth; gelber 
Speik (primula minima), blauer Speik, eine moosartige Pflanze (aretia 
alpina), Wiefenfpeit (mardus stricta), 


976 Speil — Speife 


Speil, m. —es, M. -e, (niederb. Spile; entweder 3985. aus Spei⸗ 
dei, od. wahrſch. von der Wurzel spal, spilan; f. fpalten, fpilfen, Spill, 
Iandfch. f. ein dünnes, zugefpistes Holz, Spreifel, Splint; der Spei- 
ler, -8, M. w. E., dergleichen Hölzer od. Stäbe, etwas daran aufzu— 
fpießen oder damit auseinander zu fperren, z. B. Zleifch, Würfte u. 
dgl. bei Zleifchern u. in den Küchen; fpeilen, fpeilern, ziel. Zw. (niederd. 
Tpilen), etwas mit Speilen od. Speilern verfehen, aus einander ſper— 
ren od. ausfpannen (z. B. ein geſchlachtetes Kalb fpeilern; einen Bienenftod 
Ipeilen, d. i. dünne Stäbe Ereuzweife darin anbringen). 

Speir od. Speier, m., oberd. f. die Spier= od. Mauerſchwalbe; 
Uferfchwalbe. 

Speife, w., M.-n, (im Attd. felten: spisa, spise, oberd. die Speis; 
im Niederd. nicht volfsüblich; ſchwed. spis, dän. spise; wahrſch. entlehnt von 
dem lat. species, welches im Mittelalter fehr vieldeutig angewendet wurde, 
daher das ital. spezie, franz. Epices, vgl. Spezerei; urfpr. alfo: ein aus ver- 
ſchiedenen Beftandtheilen zubereitetes Gemifch; n. A. von dem mittl. Yat. spensa 
aus dem lat. expensa, Aufwand, jo dafs die Urbed. Koft, Beköftigung wäre?) 
1) nad) den Regeln der Kochkunft zubereitete Nahrung für Menfchen, 
ſinnv. Effen, Gericht (die Speifen auftragen; Fleiſch- Mehlipeifen, warme, 
kalte Speifen 2c.); in engerer Bed. landſch. f. eine Mehlfpeife, ein Gericht 
von Mehl, Milch, Eiern 2c.; in weiterer Bed. alle Nahrungsmittel, welche 
der Menfch ifft, bei. als Stoffnamen in der Einh. (4. B. Speife und Trank 
zu fi nehmen; Brod ift die gefundefte Speife); bisw. auch von der Nah- 
rung der Thiere, finnv. Fraß, allgemeiner als Futter, (bibl. die Ameife 
fammelt ihre Speife im Sommer; der Menfch wird eine Speife der Würmer); 
oberd. in beftimmterer Bed. f. Koft, Beköftigung, Speifung (4. B. um 
die Speis arbeiten, d. i. nicht um Lohn); der zur Verköftigung der Far 
milie 2c. erforderliche Vorrath; auch f. Vorrathskammer, Speiſekam— 
mer; 2) eine gemifchte Maffe, bei. fofern fie als Material od. Werkftoff 
dient, inöbef. Maur. f. Mörtel (f. d.); das Metallgemifh, aus welchem 
Gloden gegoffen werden: Glodenfpeife (f. d.); Glaf. die Kolbenfpeife 
(f. d.); Bergw. verfchiedene vermifchte Bergarten u. metallifche Erzeug— 
niffe, als: durchſchwefelter Nickel; mit Schwefel u. Arſenik vermifchter Kobalt 
(j. d.); nicht genug ausgefchmelzter Wismuth; ein Metallgemifh aus Nidel, 
Kobalt u, Eifen 2c.; Hüttenw. ein mweißgrauer, ſchwerer metallifcher Ku: 
chen, der fich bei der Bleiarbeit von Eobaltifchen Erzen über dem Werke 
fest; — fpeifen, ziel. 3w., (Impf. fpeifete, abge. ſpeiſſte, Mw. gefpeifet, ge: 
fpeif't, oberd. auch: gefpifen; mittelhochd. spisen, nur in der Bed. 1); ſchwed. 
“spisa) 1) einen —, ihm Speife reichen, ihn mit Lebensmitteln ver- 
forgen (einen Hungrigen, die Armen ze. —; ein Gaftwirth fpeifet feine Gäfte; 
Bott fpeifet die Vögel unter dem Himmel 2c.); oberd. in engerer Bed. einem 
das heilige Abendmahl reichen (einen Kranken —); in weiterer Bed. einen 
od. etwas mit Vorrath verfehen, unterhalten (4. B. uneig. einen mit leeren 
Hoffnungen fpeifen, d. i. hinhalten; einen Fifchteich fpeifen, d. i. ihn mit klei— 
nen, fhlechten Fiichen verfehen zur Nahrung für die größeren; Müll. die Mühl- 
fteine —, d. i. Getreide auffchütten); oberd. auh etwas —, f. verab- 
veichen, austheilen (in welcher Bed. es allerdings von dem mittl. lat. spen- 
sare, dispensare zu ftammen fcheint, vgl. ſpenden; 3. B. grobes Brod für das 








Speitäubling — Spektakel 977 


Gefinde fpeifen; an Döfen wird Wein, Bier, Brod ꝛc. an Perfonen als Theil 
ihres Gehaltes ausgefpeifet, u. dgl.m.; daher oberd. ſpeiſend, auch jpei- 
fen, fpeifig, als Bw. f. fchlecht, gering, wie es dem Gefinde verabreicht 
wird, z. B. fpeifendes Brod, f. ſchwarzes Hausbrod); 2) etwas —, ale 
Speife zu fich nehmen, genießen, vornehmer u. gewählter, als effen, (mas 
wollen Sie fpeifen? Fleiſch, Fiſche ze. fpeifen); bef. ohne Zielw. f. Speifen 
zu fi) nehmen, eine formliche Mahlzeit halten (wir werden bald fpeifen; 
zu Mittag, zu Abend fpeifen; bei Jemand fpeifen); — 3fes. von fpeifen u. 
Speife: die Speifeanftalt, das Speifehaus ꝛc., ein öffentliches Haus, wo 
man für Geld fpeilen kann; das Speiſe- od. Speisbier, das Speisbrod, 
der Speiskäſe, oberd. f. geringes, ſchlechtes Bier, Brod zc. (f. o. ſpeiſend); 
die Speifeeichel, die efsbare Frucht einer Art Eichen in Griechenland; der 
Speife- od. Speisfifch, jeder eſsbare Fiſch; insbefondere die Eleineren Fiſche, 
mit welchen die Fifchteiche gefpeifet werden (f. o. fpeifen); der Speifegaft, 
Tiſchgaſt; fpeifegelb, Bw., röthlich- blafsgelb (wahrſcheinlich von der Farbe 
der Glodenfpeife); das Speifegeräth, Zifchgeräty; der Speishahn, in 
Waſſerkünſten der Hahn, mittelft deffen man das Wafler in den Kaften zur 
Speifung des Drudwerkes einlaufen läſſt; die Speifefammer, aud das 
Speifegewölbe, oberd. der Speisgaden, ein Gemach zur Aufbewahrung 
der Speifevorräthe; der Speifeforb, ein Korb mit darein paffenden Schüſſeln, 
das Effen aus einem Speifehaufe zu holen; das Speisfraut, landic. f- 
Flache: od. Leinkraut; der Speifefümmel, zu den Speifen gebrauchter gemei- 
- ner Kümmel; der Speifemeifter, vlt. f. Küchenmeiſter; das Speifeopfer, 
bibk. f. ein unblutiges Opfer aus efsbaren Stoffen des Gewächsreiches; die 
Speiferöhre, ein häutiger Kanal im menſchl. u. thier. Körper, der ſich als 
Fortfegung des Schlundes bis in den Magen erſtreckt; die Speiferuhr, eine 
Art der Ruhr, wobei die Speifen faft ganz unverdaut wieder abgehen (fr. Lien— 
terie); der Speifefaal, das Speifezinimer, Saal 2c., in welchem man fpeifet, 
Eſsſaal ꝛc.; der Speifefaft, f. v. w. Nahrungsfaft, f. d.; der Speifefchranf, 
Schrank zur Aufbewahrung von Speifen, landſch. auch das Speifefpind; der 
Speifevogel, jeder efebare Vogel; die Speifewaare, Eismwaare; der Speife- 
od. Speifenwärmer, ein Geräth mit glühenden Kohlen, über welchem man 
Speiſen wärmt; der Speife- od. Speiswein, geringer, ſchlechter Wein (vgl. 
0. Speifebier); oberd. auch f. Abendmahlswein; der Speifewirth, die Spei— 
fewirthinn, wer ein Speifehaus hält (fr. Traiteur); der Speifezuder, gro- 
ber Hut: od. Rohzuder, Kochzuder; — Ableit. ſpeiſig, Bw., 1) (von 
Speife) Bergw. Beftandtheile zur Speife enthaltend (fpeifige Erze, d. i. 
fehr kobaltiſche, oder Eiefige); auch f. Eörnig im Bruche (z. B. grobipeifiger 
Bleiglanz, der auf dem Bruche große Würfel zeigt); 2) (von fpeifen) oberd. 
f. v. w. fpeifend (f. o. unter fpeifen); der Speifer, —s, 1) wer Andere 
fpeifet; alt (spisaere) u. oberd. f. Wirthfchafter, Ausgeber; 2) wer fpeifet, 
d. i. Speifen zu fih nimmt, Effer; die Speifung, das Speifen, nur in der 
Bed. 1) (4. B. die Speifung der Armen, eines Fiſchteiches zc.). 

Speitäubling ıc. — Speiwurzel, f. unter fpeien. 

"Spektakel, f., gem. m., -8, M. iv. E., (von dem lat. spectaculum, franz. 
spectacle), eig. ein Schaufpiel, Anblick, def. feltfamer, widriger Anblick; 
gern. f. Lärm, Getöfe, Unfug, (Spektakel machen); daher ſpektakeln, ziel- 
loſ. 3w., gem. f. lärmen, toben. 


Heyſe's Dandwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 62 


978 ipellen — fpenden 


fpellen 1., ziel. Zw., (mittelh. spellen, spalte; von der Wurzel spal; vgl. 
fpalten, ſpillen 2c.) alt und landſch. f. fpalten (Holy; —), trennen, unterfcheiden ; 
daher ſpellig, Bw., landſch. f. fpaltig, Eliebig (entg. unfp eilig, ſchweiz. auch 
f. unwillig, ftarrköpfig). 

jpellen 2., ziel. 3w., (goth. spillon, mittelh. spellen, spellete; engl. spell, 
buchſtabiren, leſen, befprechen, zaubern; franz. peler, buchftabiren; von glei⸗ 
chem Stamme mit fpellen 1., alfo urfpr. Laute trennen, gegliedert reden; vgl. 
Iprechen), völlig vlt. f. erzählen, fprechen, plaudern; die Spelle, M. -n, 
1) landſch. f. Silbe; 2) (mittel. daz spel, ©. spelles; daher bi-spel, Bei- 
fpiel, |. d., altd. got-spel, angel. god-spell, engl. gespel, d. i. Gottes Wort, 
Evangelium, ꝛc.; engl. spell, Zauberfpruch, Mährchen 2c.) vit. f. Nede, Sage, 
Fabel, Geplauder. . a 

Spelte, w., M. -n, auch der Spelter, - 8, (göth. spilda, Tafel; mittelh. 
spelte; vgl. fpalten), alt u. oberd. f. Spaltftüd, Scheit, Schindel, Split 
ter; bef. dünne gefpaltene Zaunfteden (3Baunfpelten); daher: der 
Speltenzaun, 3. U. v. Lattenzaun 2c. 

Spelz od. Spelt, m., -e8, 0.M. (altd. spelza, spelzo, spelze; niederd. u. 
engl. spelt; franz. epeautre;z — wahrfch. von fpalten, wegen der doppelten 
tiefen Spalten der Ähren), eine Meizenart, fı v. w. Dinkel, oberd. aud) Fe— 
fen u. Kern genannt; daher der Spelz- od. Speltader, -brei, -kuchen, 
das Spelz- od. Speltbrod, ⸗mehl 2c.; ſpelzen od. fpelten, Bw., von 
Spelz, aus Spelzmehl gebaden. 

Spelze, w., M.-n, (alt. spelta, spelza, spelze) , eig. etwas Gefpalte> 
nes od. durch Spalten Entftandenes, insbef. die durch das Drefchen gefpal- 
tenen Öetreidehülfen; auch f. die Grannen od. Spigen der Ähren; Pflanz. 
die Blättchen, welche den Balg, d. i. den Kelch der Gräfer bilden; fpel- 
zig, Bw., Spelzen, d. i. Theile der Getreidehülfen und Grannen, enthaltend; 
der Spelzerich, - e8, ein Gefchlecht von Pflanzen, deren Blumenbette mit 
Spelzen befegt ift (chrysogonum L.). 

Spende, w. zc., ſ. unter fpenden. er 

Spendel, w., M. - n, (entweder entft, aus Spengel von Spange, f.d., 
oder wahrfch. aus d. lat. spina, spinula; daher altd. spenala, spenila, landſch. 
auh: Spenel, Spennel, Spelle, öſtr. Spen- Nadel), niederd. f. 
Stednadel; pendeln od. fpeneln, ziel. 3w., landſch. f. mit Stecknadeln 
befeftigen. - | 

fpenden, ziel. Zw., (altd, spentön, spenden; oberd. ſpenten; angelſ. spen- 
dan, engl. spend ; ſchon im Altd. entlcehnt von d. lat. expendere, dispendere, 
ital. spendere, franz. depenser), landfch. überh. ausgeben, austheilen, (4. B. 
die Ausgeberin fpendet die: Buthaten zu den Speilen u. dgl.; das Abendmahl 
ſpenden od. ausſpenden);  insbef. als edler Ausdruck f. freigebig u. reichlich 
aus⸗ od. mittheilen, geben, ſchenken (Almofen, Gefchente 20.5 gem. auch mit 
fremdartiger Endung: fpendiren;, nieberd. fpenderen); die Spende, M.-n, 
(aitd. spenta, spende, oberd. Spend), das Spenden, die freigebige Austheiz 
lung od. Schenkung, u. das Gefpendete, Ausgetheilte (eine reiche, fromme 
Spende; Almofen-, Brobfpende 2c.5 bei neueren Dichtern auch, f. ein Trank⸗ 
opfer, fr. Libation, dem griech. o70rdn nachgebildet, obwohl arerdeır mit un- 
feem fpenden nichts gemein hat); das Spendebier, =brod, -fleifh, der 
Spendewein ıc., den Armen ausgetheiltes Bier ze; der Spendeherr, Iand- 


0... 








fpenen — Sperling 979 


ſchaftl f. Almoſenpfl eger; die Spendeſoole, in Halle zum Beſten der Armen 
verſottene Soole; — der. Spender, -8, die Spenderinn, wer ſpendet, 
freigebig mittheilt; die Spendung, das Spenden, die Austheilung; ſpend— 
ſam, ſpendſelig, Bw., Neuw. f. gern ſpendend, freigebig, (gem. mit fremder 
Endung ſpendabel). 

fpenen, 3w., ſ. ſpänen. 

Spengel, w., Spengler, m., ſ. Spängel ꝛc. unter Spange. 

fpengen, ziel, 3w., (mittelh. spengen, spancte; vgl. Spange), vlt. 1) f. 
zufammenziehen, einengen, beflemmen; zuchtigen, Eafteien; 2) mit Span- 
gen verfehen, befchlagen, verzieren; fpeng, ſpengel, Bw., oberd. f. Enapp, 
d. i. fchwer zu haben, theuer (das Geld ift fpeng, u. dgl.); daher die Spen- 
gigfeit (4. B. Holz-Spengigkeit); der Spengler, Ihwäb. f. Schläfrigkeit 
(welche die. Augen drüdt u. fchließt). 

fpenfern, 3w., niederd. 1) ziellos f. herumlaufen u. hüpfen; zu Pferde 
jagen; 2) ziel. wegjagen, vertreiben, fprengen. 

Spenling, m., -e8, M. -e, (altd. spenilinc), oberd. f. Spilling, gelbe 
Pflaume. 

Spennadel, Spennel, w., f. Spenbel. 

Spenzer, m., -8, M. w. €, (eig. Spencer, engl, spencer, nach bem 
Bomen feines Erfinders), eine Überwefte, ein Eurzes Überkleid ohne Schöße. 

Sperbaum od. Sperberbaum, m., audy die Sperbe, M.-n, (von dem 
oberd. ſper, ſpär, ſpör (ſ. d.) f. a rauh, herbe; od. aus dem lat. 
sorbus verderbt ?), ein zum Geſchlecht der Eberefche od. Vogelbeere gehörender 
Baum im fühl. Europa, zahmer: Vogelbeerbaum (sorbus domestica L.), 
defien eföbare Beeren Oper: od. Sperberbeeren, aud Sperbirnen, Spor- 
birnen, Speierlinge ꝛc. heißen; eine Abart davon mit rundlichen, apfelähnli- 
hen Früchten heißt: Sperapfel, auch Spor:, Spier= od. Sorbapfel. 

Sperber, m., -8, M.w. E., (oberd. auch : Sparber, altd. sparwari, sparwaere, 
sperwaere, ital. sparviere, franz. Eparvier; von Spar (f. d.), sparwe, d. i. 
Sperling, alfo: der Sperlingsfänger, engl. sparrow-hawk), ein zum Falken— 
geſchlechte gehörender Raubvogel von der Größe einer Elſter, der auf Kleines 
Geflügel ftößt, auch Finken- Lerchen- Schwalbenfalf, Lerchen-, Zaubenz, 
ftößer 2c. genannt; die Sperbereule, Falkeneule; fperbern, ziel. 3w., fpren= 
£eln, gew. nur. im Mw. gefperbert,d. i, gefprenkelt, wie die Federn des 
Sperbers. 

Sperberfraut od. Sperbenfraut, f., (wahrſch. von. gleichem Stamme 
mit Sper⸗ od. Sperberbaum) , eine Wiefenpflanze von zufammenziehender, 
blutftillender Kraft, auch Wieſenknopf (sanguisorba officinalis L.); kleines 
Sperberfraut f. Pimpinelle. 

Sperg, m., -e8, od. der Spergel, -8, f. v. w. Spark, f. d. 

— od. Softgelbanm, m., landich. f. Faulbaum. 

Sperk, m., -en; M. -en, (altd. Beni sperc; vgl. Spar) oberd. f. 
Sperling. 

Sperl, f-, - 3, M. -e, (von sper, Speer, f. d., od. aus Spenel (f. unter 
Spendel) entft.?), ‚oberd. f. Stedinadel; Tannen- od. Fichtennabel. 

Sperling, m., -e3, M. -e, (Berkleinerungsform von Spar, f. d.), ein 
bekannter, fehr gemeiner Vogel mit-Eegelförmigem „-Ipigigem Schnabel und 
grau u. ſchwarz geſprenkeltem Gefieder, Hauss, Kornfperling ꝛc., oberd. 


62* 


980 | fperren ; 


Spaß, Sperk, niederd. Lüningz daher: das Sperlingdei, -neft; bie 
Sperling5ammer, eine Art Ammern mit grauem Oberleibe, roftfarben und 
ſchwarz gefledt; der Sperlingsflügel, uneig. eine Art Traubenfarn; das 
Sperlingsfraut, Gauchheil, Vogel- od. Zeifigtraut; die Sperlingstaube, 
kleinſte Zurteltaube in Südamerika, das Steintäubchen; die Sperlingmurz, 
eine Gattung meift ausländifcher Strauchgewächfe, Vogelkopf, (passerina L.) ; 
die Sperlingszunge, |. Spasenzunge. 

fperren, ziel. 3w. (altd. sparian, sparran, sperran, sperren, HPrät. sparte, 
Part. gespart; oberd. auch fpären, fpärren ; niederd. fperen u. fparren; isländ. 
sperra; ſchwed. spärra; angelf. sparran; engl. spar; — von spar, Sparen, 
Sparren (f. d.), alfo urſprünglich: durch einen Querbalken verfchließen; ob. 
unmittelbar von der Wurzel spar, bohren, eindringen (f. Speer), alfo: duch 
Eindringen, fließen, od. öffnen?), 1) mittelft ‚eines Riegels u. dgl. ver- 
ſchließen, überh. verfchließen, den Ein- od. Durchgang hindern (eine Thür, 
die Thore einer Stadt —; eine Straße mit Ketten—, einen Fluß, Hafen 2e..—); 
überh. die freie Bewegung hindern, ſinnv. hemmen, einfchränfen (ein 
Rad —; den Dandel—; ein geiperrtes Handwerk, d. i. welches auf einen Ort 
eingefhränft ift); oberd. auch f. gerichtlich in Befchlag nehmen; 2) mit 
Gewalt durch ein Hindernifs aus einander halten, überh. weit öffnen, von 
einander entfernen, aus einander rüden (die Beine von einander—; das 
Maul—, gew. auffperren;z die Wörter fperren, gefperrt fegen, d. i. die 
Buchſtaben derfelben im Druck weiter aus einander rüden); ſiſch —, uneig. f. 
ſich heftig widerfeßen, weigern; — fperr, Bw., oberd. f. gedrang, klamm, 
£napp, bedrängt, kümmerlich (fperre Zeiten 2c.); — 3feg. der Sperr- 
baum, Schlagbaum; das Sperrgeld, Geld, welches für den Einlafs in ein 
bereits gefperrtes, d. i. geichloffenes, Thor entrichtet wird; die Sperrglode, 
Glode, mit welcher die Thorſperre angekündigt wird; der Sperrhafen, ein 
Haken, etwas dumit zu fperren, z. B. an einer Hemmkette, an Fenftern ꝛc.; 
bei Metallarbeitern ein Ambof3 mit zwei Hafen od. Erummen Armen, die Bleche 
darauf zu richten, auh: das Sperrhorn, der Hornambofs; das Sperrholz, 
Fleifh. ein Holz zum Auseinanderfperren der Hinterbeine eines geſchlachteten 
Kindes; der Sperrkegel, ein kegelförmiger Theil zum Sperren eines Rades 
in Räderwerken, z. B. Uhren; die Sperrkette, eine Kette zur Verſperrung 
des Eingunges, 3. B. die Hafenkette; das Sperrmaß, Bergw. ein Heiner 
Maßſtab zur Beftimmung der Länge der Zimmerhölger in den Gruben; das 
Sperrrad, ein Rad mit Sperrzähnen, in welche der Sperrkegel eingreift, 
in Uhren :c.; die Sperrruthe, der Sperrftod, -ftab, Web. ein dünner Stab, 
mittelft deffen das Gewebe auf dem Stuhle in die Breite ausgedehnt erhalten 
wird, auch Spannftab, = holz; das Sperrthor, Stadtthor, welches zu be 
ftimmter Zeit gefperrt wird; fperrweit, Nw. u. Bw., fo weit fi ein Ding 
aufiperren läfft, fehr weit geöffnet (die Thür fperrweit aufmachen; gem. aud) 
fperr-angelweit, vgl. Angel); die Sperrzeif, Zeit der Thoriperre; das 
Sperrzeug, das Geräth der Schloffer zum Öffnen der Thürſchlöſſer in Er— 
mangelung des Schlüſſels; — Ableit. die Sperre, M.-n, 1) bie Hands 
fung des Sperrens, Sperrung, Verſchließung, Hemmung, u. dag Ge 
fperrt= od. Gehemmtfein (Thor⸗, Handels:, Getreideiperre 2e.; f. auch Maul 
fperre) ; oberd. f. gericht. Befhlagnahme od. Einziehung (fr. Arreft); niederd. 
f. das Sträuben od. Gefträubrfein (die Haare fiehen mir zu Sperre od. 


ee 


fpeuzgen — Spiegel 931 


Sparre, f. v. 1. zu Berge); 2) ein Werkzeug zum Sperren, in 3feg. wie: 
die Radfperre; der Sperrer, -8, wer etwas fperrt, z. B. Ihorfperrer; bie 
Sperrung, das Sperren; fperrig, Bw., (niederd. fparrig), aus einan- 
der gefperrt, ſträubig, ſtarr; der Sperrling, - es, M. -e, oberd. f. Knebel; 
— fperzen, ziellof. u. rückz. 3w. (auch ſpirzen; vgl. das niederd. fparteln), 
oberd. u. ſchweiz. Verſtärkungsform von fperren: ſich firäuben, anſtemmen, 
ungeftüm zappeln, fich widerfegen, weigern; ſich —, auch f. fich fpreigen, 
groß thun. 

Ipengen, 3mw., oberd. und ſchweiz. f. fpeien, fpuden. 

pezerei, w., gew. in der M. Spezereien, (von dem ital. spezieria, franz. 

Epicerie, mittl. lat. espiciae; von dem lat. species, Arten, Sorten, insbef. von 
vermifchten Kräutern in der Apothekerfpr.), Gewürzwaaren, bef. wohlrie: 
chende; daher der Spezereihandel, - händler, =laden ıc., Gewürghandel zc.; 
der Spezereiftrauch, ein rofenartiges Strauchgewächs in Karolina, aud: 
Gewürzftraud). 3 

Spiauter, m., -8, 0. M., (niederd. Spialter, holl.speauter, engl. spelter, 
pewter; mittl. lat. pestrum, peutreum), Bergw. f. Zink; auch ein Metall 
gemifch von Zinn und Meffing. 

ſpick, Bw., (ſchwed. spicka, räuchern; vgl. baden, pöfeln), niederd. f. ges 
räuchert, fo dafs es roh gegeflen werden kann, bef. in den Zſetz. der Spidaal, 
die Spickgans, der Spickhäring, Bückling. 

Spickel, m., -8, M. w. E., oberd. f. etwas Zugeſpitztes, ein Keil, keil— 
förmiges Stud (3. B. Leinwand, Kuchen, Lund zc.). 

ſpicken 1., ziel. 3w., (hol. spekken; von Sped), mit Spedftüden be- 
fteden od. durchziehen (einen Braten, einen Hafen 2c.); uneig. f. reichlich 
mit etwas verfehen (den Beutel —, mit Geld füllen; die Wälle mit Kano— 
nen—, befegen); einen —, gem. f. beftechen; oberd. auch f. die Unwahrheit 
fagen, auffchneiden (er fpidt gern); der Spickbraten, gefpidter Braten; das 
Spidfraut, od. die Spickwurzel (wahrfch. von anderem Stamm), der rö- 
mifche od. Garten-Baldrian; die Spicknadel, Nadel zum Spiden, am einen 
Ende fpis, am andern hohl u. offen; der Spidfped, Sped zum Spiden; — 
die Spide, gem. M. Spiden, ſchmale Spedftreifen zum Spiden; ber 
Spider, -8, wer fpidt. 

fpiden 2. od. ſpickeln, oberd. Zw., f. v. w. fpaden, f. d. 

fpiden 3., ziellof. 3w., (Verftärtungsform von fpehen, fpähen; vgl. das 
lat. specio, in-spicio), oberd. f. heimlich fehen, blicken (ins: Buh— ; einem 
etwas abfpicden f. heimlich abfehen); auch f. heimlich angeben, verrathen, 
verklagen (ſhweiz. verfpiden). 

Spiegel, m., -$, M. w. E., Verkt. das Spiegelchen, (altd. spiegal, spie- 
‚ gel; niederd. Speigel, Speiel, Spegel; ſchwed. spegel; von dem lat. specu- 
lam), 1) ehem. überh. ein Werkzeug zum Sehen od. Betrachten (daher 
Augenfpiegelf. Brille, Fernſpiegel f. Fernglas); jest in engerer Bed. 
ein unducchfichtiger Körper mit einer glatten Oberfläche, welche die Kicht- 
ſtrahlen fo zurüdwirft, dafs dadurch Bilder der davor befindlichen Gegen- 
ftände entftehen, von Metal (Metallfpiegel), cd. gew. eine gefchliffene 
Glastafel, auf der Rückfeite mit einem Überzug von Zinn u. Quedfilber belegt, 
(in den Spiegel fehen; ſich im Spiegel befehen; vor dem Spiegel ftehen 2c.); 
uneig. was unferer geiftigen Anfhauung ein Bild, eine Vorftellung von 


+ 


982 Spiegel 


etwas giebt (z. B. die Welt ift ein Spiegel der göttlichen Weisheit) insbef. 
eine treue, anfchauliche Schilderung eis Mittel zur Selbfterkenntnifs (einem 
einen Spiegel vorhalten; ein Frauen-, Lebens-, Sündenipiegel u. dgl.), auch 
ein Vorbild, Mufter des Verhaltens (z. B. ein Zugendfpiegel, ein Spiegel 
der Geduld, Glaubensfpiegel 2e.); daher ehem. auch f. eine Sammlung von 
Rechtsgewohnheiten u. Gefesen (vgl. Sachſen- u. SchwabenfpiegeN); 
2) in weiterer Bed. jede glänzende od. auch nur glatte Fläche, ohne den 
Begriff des Zurücwerfens der Lichtftrahlen, z. B. der Wafferfpiegel; glänzende 
Flächen mancher Erzarten u. ſolche Erze felbft (4. B. EifenipiegeN); glän- 
zende Flede an Thieren (f. Spiegelente, -karpfen,-ſchimmeh; der 
glatte Aufgufs od. Gufs einer Torte; Tiſchl. die eingefaflte ebene Fläche einer 
Thür, Wand, Dede zc., f. v. w. Feld; der Spiegel eines Schiffes, 
das glatte Hintertheil desfelben, auch f. das ganze Hinterſchiff; Jäg. der weiße 
Fleck am Hintern des Rehwildes, bisw. auch überh. f. der Hintere; die vier- 
eigen Öffnungen der Jagd- und Fifhernege; — Zfes. das Spiegelbeden, 
ein flaches Becken als Aushängefchild der Bartſcherer; das Spiegelbild, 
durch einen Spiegel erzeugtes Bild; die Spiegelbirn, eine Art großer, glän- 
zender Kochbirnen; fpiegelblanf, -glatt, =heil, -Elar, -rein ıt., Bw., 
blank, glatt ꝛc. wie ein Spiegel; daher: die Spiegelglätte, Spiegelhelle; 
die Spiegelblume, eine Art des Hahnenfußes mit glänzenden Blättern (ra- 
nunculus acris L.); fpiegelbraun, Bw., braun, wie ein Glasipiegel zu fein 
ſcheint, zwiſchen ſchwarz⸗ und Eupferbraunz die Spiegeldede, eine Zimmer: 
decke mit einer ebenen Fläche in der Mitte, z. U. v. Felderdecke; auch eine 
Zimmerdecke mit Glasfpiegeln; die Spiegeldrufe, eine Drufe mit glängenden 
Flächen od. vieredigen Kryftallen; das Spiegel-Ei, gem. M. Spiegefeier, 
Küch. in zerlaffene Butter gefchlagene Eier, welche Eleine glatte Kuchen bilden, 
daher aub: Spiegelkuchen; das Spiegeleifen, Eifenglimmer in großen 
Blättern; die Spiegel-Ente, Hausente; Eleine Kriechente; das Spiegelerz, 
Eifenerz mit glänzenden Flächen; fpiegelfechten, untrb. ziellof. 3w., gew. nur 
als Hw.: das Spiegelfechten, auch die Spiegelfechteret, eig. das Fechten 
vor dem Spiegel mit feinem eigenen Bilde, alfo zum Schein 0d. Scherz; überh. 
was zum Schein, aus Verftellung, zur Täufchung geſchieht; der Spiegelfech— 
ter, wer etwas zum Schein od. verftellter Weife thut; das Spiegelfenfter, 
ein Zenfter aus Spiegelglas, d. i. gefchliffenen Glasfcheiben, wie fie zu Spie- 
-geln gebraucht werden; das Spiegelfernrohr (fr. Spiegel-Teleſkop), ein 
Fernrohr mit einem Hohlipiegel ftatt des Gegenftandöglafes; der Spiegelftfch, 
ein Fiſch mit großen glänzenden Schuppen, z. B. der Meerſchmied od. Peters- 
fiſch; das Spiegelgarn od. -Neb, Jäg. eine Art Garne mit großen vier- 
eckigen Mafchen; das Spiegelgewölbe, ein Gewölbe mit einer ebenen Fläche 
in der Mitte; der Spiegelhafen, Hafen zum Aufhängen eines Spiegels; das 
Spiegelharz, landſch. f. Geigenharz, weil es auf dem Bruche glänzt; auch ein 
Gemifch aus weißem Harz und Terpentin zu Feuerwerken; die Spiegelhütte, 
Glashütte, in welcher Spiegel verfertigt werden; der Spiegelfarpfen, eine 
Art Karpfen mit großen, glänzenden Schuppen; der Spiegelfies, gelblicher, 
fpiegelartiger Kies; der Spiegelfobalt, Kobalt mit glängender Oberfläche; 
die Spiegelfunft, 6. Spiegellehre, der Theil der Lichtlehre, welcher von den 
zurückgeworfenen Lichtftrahlen handelt (fr. Katoptrik), die Spiegellampe, 
«feuchte, der Spiegelleuchter, Lampe ze. mit einem Spiegel, welcher das 





| 


Ze 





Spieke — Spiele 983 


Licht verſtärkt zurückwirft (fer Reverbere); der Spiegelmacher, wer Spie— 
gel verfertigt; das Spiegelmaß, Jäg. das Maß, nach welchem die Maſchen 
in den Netzen gemacht werden (f. o. Spiegel); die Spiegelmeiſe, Brand- ob. 
Kohtmeife; der Spiegelrahmen, ſ. Rahmen; der Spiegeltappe, ein Rappe, 
deffen Haare apfelrunde glänzende Flecken bilden, Apfelrappe; der Opiegel- 
voche, eine Art Rochen mit fpiegelnden Flecken; die Spiegelfcheibe, Fenſter⸗ 
fcheibe von Spiegelglas; das Spiegelfchiff, ein Schiff mit einem Spiegel, 
d. i. platten Hintertheile; der Spiegelfchimmel, ein Schimmel, deffen weiße 
Grundhaare mit Schwarzen fo vermifcht find, dafs fie gleihfam fpiegeln; der 
Spiegelfpath od. =ftein, glänzender Spath, Gipsfpath (fr. Selenit); der 
Spiegeltaffet, Taffet mit Eleinen glänzenden Zeichnungen oder Flecken; 
der Spiegeltifch, ein mit einem Spiegel verfehener Putztiſch; der Spiegel- 
träger, Naturk, eine Familie von Nachtfaltern mit großen fpiegelnden Flügeln ; 
die Spiegelwand, eine mit Spiegeln bekleidete Wand; das Spiegelzeug, 
Zäg. Nege mit weiten Maſchen; das Spiegelzimmer, ein Zimmer mit Spies 
gelwänden, jo au: der Spiegelfaal, die Spiegelftube; — Ableit. 
fpiegelicht, Bw., fpiegelähnlich ; fpiegelig, Bw., Spiegel enthaltend oder 
bildend (z. B. fpiegelige Erze, d. i. die glänzende Oberflächen haben; fpiege- 
Yige Nege, mit vierediigen Öffnungen); — fpiegeln, 3w., 1) ziellos m. h a⸗ 
ben, vermöge feiner glatten Oberfläche die Lichtftrahlen merklich zurüd- 
werfen (eine-fpiegelnde Fläche, Fluth 2c.; es fpiegelt alles in diefem Hauſe); 
2) ziel. u. rückz. etwas —, das Bild eines Gegenftandes fpiegelnd dar— 
ftellen, abfpiegeln (dev Bach fpiegelt die Ufer); fih—, in einer Spiegel- 
fläche fein Bild darftellen (die Ufer Ipiegeln fi im Bache; der Mond ſpie— 
gelt fich im See); fein Bild im Spiegel betrachten, fich im Spiegel fehen 
(fie fpiegelt ſich beftändig); uneig. fich an einer Sache od. Perfon —, d.i. 
fie fih zum Vorbild, zum Mufter, zur Warnung dienen laſſen; bei den 
Zuderbädern: eine Torte —, mit einem Spiegel, d. i. mit einem glänzen- 
den Guffe verfehen; der Spiegeler od. Spiegler, wer od. was fpiegelt; 
ehem. uneig. wer etwas zum Schein thüt od. erheuchelt, ein Prahler ze.; die 
Spiegelung, das Spiegeln, Abfpiegeln. 

Spiefe od. Spike, w. 0. M., auch Spiefenarde, (oberd. auch Speik, 
alt spich; vom lat. spica, Ähre, spica nardi, Narden-Ähre, wegen ihrer ähren- 
förmigen Blumenfpigen), |. v. w. Lavendel, f. dez römiſche od. wälſche 
Spieke, bie celtifche Narde (f. d.); das Spieköl,-waſſer zc., f. v. w. La- 
vendelöl, = wafler. 

Spiefer od. Spifer, m., -3, M: m. E., (holt, spiker, engl. spike, ſchwed. 
spik; Grundbed. Spise, ‚vgl. das lat. spica, engl. spike, Ähre), niederd. f. 
Nagel, insbef. eine Art Eleiner Nägel; im Deichbau: große Balkennägel, 
Spitzbolzen; Schiffb. vieredige eiferne Nägel mit plattem Kopfe von 5 bis 
30 Zoll Länge; der Spieferbohrer, Schiffb. Bohrer zum Vorbohren der 
Spiekerlöcher; das Spiekereifen, ein Eifen, mit weldjem beim Kalfatern das 
Werg bei den Spiekern eingefchlagen wird; — fpiefern od. fpifern, ziel. 
3w. (engl. spike), mit Spiefern befeftigen, nageln. 
Spiel, fay 1; ſ. unter fpielen; — 2; verderbt aus Spel (j. ünter fpel- 
Yen 2.), Rede, Erzählung, nur noch in: Beifpiel, Widerfpiel. 

Spiele od. Spile, wi, M. - n, niederd, f. Speil, Speiler, f. d.5 daher 
fpielen 1. od. fpilen, 31, f. fpeilen, fpeilern: 


984 fpielen 


fpielen 2., ziellof. u. ziel. Zw., (altd. spildn, spiln, Prät. spilte; oberb. 
fpilen, niederd. fpelen; angelf. spilian, ſchwed. spela; — Urbed. fcheint: ſich 
lebhaft bewegen, fpringen, bef. vor Freude, daher ehem. gegen Jemand fpilen, 
f. ihm entgegenhüpfen), 1) ziellos: fich leicht und frei beiwegen (. B. die 
Seber in einer Uhr fpielt; die Maften fpielen od. Haben Spiel, wenn 
fie fi in ihren Fifchen hin und her bewegen; das Schiff fpielt vor Anker, 
d. i. ſchwankt hin u. her; die Fahne fpielen laſſen, u. dgl. m.; vgl. Spiel, 
Spielraum); auch von heftigen Bewegungen (4. B. eine Mine fpielen laſſen, 
d. i. ſpringen laffen; die Kanonen fpielen laffen); von glänzenden Körpern: 
beweglich glänzen, bligen, funfeln, ſchillern (ehem. fpielende Augen; der 
Diamant fpielt ſchön; fpielende Farben; die Farbe fpielt ins Gelbe, d. i. ſchil— 
lert gelblich od. geht ins Gelbe über); ziel. etwas —, d. i. e8 fchnell, leicht 
u. bef. unvermerft fortbewegen od. wohin bringen, in Redensarten, wie: 
einem etwas in die Hand—, aus der Hand —, in die Tafche, aus der Taſche — 
(ogl. Zafhhenfpieler); eine Sache ins Weite—, f. in die Länge ziehen; 
2) ziellos u. ziel. ettvas zur Beluftigung od. Ergötzung, zum Beitvertreibe 
thun, Kurzweil od. Scherz treiben, entg. der ernften Beſchäftigung, finnv. 
fich vergnügen, ergötzen, ſcherzen, tändeln zc. (das Kind fpielt mit der Puppe; 
mit den Fingern, mit dem Hunde od. der Kage fpielen; mit Semand fpielen, 
d. i. Eofen, ſchäkern; auch ziel. die Knaben fpielen Soldaten, Krieg u. dal.; 
uneig. der Wind fpielt mit den Loden, mit dem Kleide ꝛc. des Mädchens); 
uneig. mit einer Sache oder Perfon —, d. i. fie zum Gegenftande des 
Scherzes machen, feinen Scherz mit ihr treiben, fie mit launenhafter 
Willkür behandeln (mit Worten fpielen; mit einem Eide darf man nicht fpie- i 
len; das Glück fpielt mit manchen Menfchen wunderlich; vgl. mitfpielen); 
in engerer Bed. a) gewiſſe, geregelte Unterhaltungsmittel (Spiele), gew. 
mit Hinfiht auf einen zu erlangenden Gewinn, zum Zeitvertreibe üben (4.8. 
Ball, Kegel, Dame, Schach, Karten fpielen; im Brette fpielen, d. i. ein Brett- 
fpiel; um Geld, um Pfänder fpielen, auch bloß: Pfänder fpielen; gern pie 
Yen), insbef. von Karten- u. Glüdsfpielen (hoch, niedrig, ehrlich, falſch Ipie- | 
len; in der Lotterie fpielen 2c.); auch f. im Spiele thätig fein (ich fpiele, d. i. 
ich mache ein Spiel, entg. ich paffe, ſ. paffen 2.); b) ein Zonmwerkzeug in 
Thätigkeit fegen, Muſik machen, ein Tonſtück vortragen, ziellos, 3. B. auf 
— der Geige, auf dem Klaviere 2..—, od. ziel. die Geige, die Flöte —; einen 
Tanz, ein Lied zc.—, (die Flötenuhr fpieltz gut, ſchlecht fpielen 2c.); auch f. 
fpielen können, Fertigkeit im Zonfpiel befigen (z. 8. er fpielt die Geige; 
fie fpielt ein wenig das Klavier); c) menfchliche Handlungen auf der Schau: 
bühne darftellen, finnv. aufführen, vorftellen (ein Luſt- od. Trauerſpiel fpie- 
len; was wird heute gefpielt? eine Rolle in einem Stüde fpielen, 3. B. den 
Liebhaber, den Helden ꝛc. —; feine Rolle gut od. fchlecht fpielen; auch ziellos: 
gut, ſchlecht ꝛc. —; heute wird nicht gefpielt, d.i. ift kein Schaufpiel; das Stüd 
fpielt auf dem Lande, im 17ten Sahrhundert, d. i. die Handlung des Stückes 
geht vor auf dem Lande ꝛc.); daher uneig. f. ausführen, begehen, anfliften 
(3. B. einen Betrug fpielen; einem einen Streid, einen Poffen—), u. f. vor⸗ 
ftellen, ſich als etwas darftellen, geberden, benehmen (z. B. den Heren, ben 
Zerftreuten, den Kreigeift— ; fie fpielt die Empfindfame ꝛc.); — das Spiel, 
- 8, M. - 2, Verkl. das Spielen, (alt: u. oberd. spil, niederd. Spill), im 
Allgemeinen ſowohl das Spielen, als der Gegenftand desfelben, dasjenige, 











fpielen 985 


was od. womit man fpielt; insbef. 1) freie, ungehinderte Bewegung u. 
der Raum dazu (z. B. das Spiel der Pumpe, d. i. die Bewegung des Pum— 
penfchuhes; das Spiel der Feder od. des Schmwengels einer Uhr zc.; die Ma- 
ften haben Spiel, ſ. o. fpielen 1); vgl. auch Farbenfpiel); auch das fid) 
Bewegende, das bewegliche Ding, 3. B. Jäg. der Schwanz der Eifter; 
die Feberlappen, u. die zufammengebundenen Feberfittige bei der Falkenjagd 
(das Federfpiel, ſ. d.; vgl. auh Windſpieh; alt u. landſch. auch f. 
Gedränge, Lärm, Volksmenge (das Volksſpiel; daher auch: Kirchſpiel 
d. i. eig. die zu einer Kirche gehörende Volksmenge, Gemeinde, ehem. auch: 
die Kirchmenge); 2) Beluftigung, Ergögung, Zeitvertreib, Kurzweil (4. B. 
Nitter-, Kampf, Kriegs-, Kinder-, Geſellſchaftsſpiel 2c.); in weiterer Anwen: 
dung f. Scherz, Spaß, entg. Ernſt (fein Spiel mit Semand od. etwas haben 
od. treiben), eine Kleinigkeit, etwas Leichtes, Geringfügiges (das ift ihm 
ein Spiel); uneig. f. launenhafte Willfür, Negellofigkeit (das Spiel des 
Schickſals, des Zufalls ꝛc.); au der Gegenftand, mit welchem gleichfam 
Hefpielt, welcher willkürlich od. launenhaft behandelt wird od. ift (z. B. ein 
Spiel der Winde, ein Spiel des Schidjals fein; vgl. Naturfpiel); in en- 
gerer Bed. a) ein durch gemwiffe Regeln beftimmtes Unterhaltungsmittel, 
meift mit der Ausficht auf Gewinn oder Verluft, und die Befchäftigung mit 
einem folchen, das Spielen (ein Spiel machen od. fpielen ; das Spiel ver: 
ftehen, gewinnen, verlieren; das Spiel dauerte lange; das Spiel ift aus; das " 
Kegel⸗, Brett:, Damen-, Schach-, Würfel-, Karten, Glücksſpiel 2c.); insbeſ. f. 
Karten- und Glüdsfpiel (das Spiel lieben, im Spiele glücklich fein; Geld 
aufs Spiel fegen, f. feßen; daher uneig. etwas, 3.3. feine Ehre, fein Glüd ıc. 
aufs Spiel fegen, d. i. daran wagen, in Gefahr fegenz fo auch: es fteht 
eine bedeutende Summe auf dem Spiele, u. uneig. mein Glück, meine Ehre ıc. 
fteht auf dem Spiele, d. i. ift in Gefahr, verloren zu werden); uneig. f. 
Gefhäft, Handel, Sache von ungewiffem Ausgange (daher: die Hand im 
Spiele haben, d. i. bei einer Sache mitwirken; fich in das Spiel mengen ob. 
mifchen; einen mit ins Spiel ziehen, u. dgl. m.); ferner die zu einem Spiel 
nöthigen, zufammengehörenden Geräthfchaften od. Hülfsmittel (4. 8. ein 
Spiel Kegel, Karten 2e.; ein Damen, Schadhjfpiel ꝛc.; ein gutes oder ſchlech— 
tes Spiel haben od. befommen, d. i. Karten von tauglicher od. untauglicher 
Beichaffenheit zum Gewinnen); uneig. auch das zu einer Handarbeit erforder- 
liche Geräth; z. B. die nöthige Zahl von Stridnadeln; b) das Spielen auf 
einem Tonwerkzeuge (4. B. fein meifterhaftes Spiel fand allgemeinen Bei- 
fall), das Ertönen eines folhen, die Muſik, das Tonſpiel (z. B. das Spiel 
der Gloden; mit Elingendem Spiel, ſ. Elingen; das Klavier-, Flötenipiel 2c.); 
auch f. das Tonwerkzeug felbft (4. B. ein Glodenfpiel, Saitenfpiel; das Spiel 
rühren, d. i. die Trommel); c) die unterhaltende Darftellung menfhlicher 
Handlungen auf der Schaubühne, ſowohl fubjectiv: das Spielen des dar- 
ftellenden Künftlers (fein Spiel war vortrefflich; das Spiel der Hände, der 
Mienen ıc. des Schaufpielers), als objectiv: die ganze dargeftellte Handlung, 
das gefpielte Stüd, bef. in den Zſetz. Schau⸗, Trauer-, Luft-, Pof- 
fen=, Singfpiel; — 3fe$. von fpielen u. Spiel: die Spielart, 1) die 
Art und Weife zu fpielen (3. B. eines Tonkünftlers, Schaufpielers 2c.); 2) Na- 
turk. eine Thier= od. Pflanzenart, welche fich durch zufällige Abweichungen von 
der gewöhnlichen Art unterfcheidet (fr. Varietät; vgl. Naturfpiel); der Spiel: 


986 | folelen 


ball; ein Ball zum Cpielen (4. B. im Billard 26.) ; uneig. ein Gegenftand, mit 
welchem gleichſam gefpielt, d. i. welcher mit launenhafter Willkür behandelt wird 
(4. B. er iſt ein Spielball des Glüdes); das Spielbrekt, Brett zu einem Brett- 
fpiele; der Spielbruder, die Spielfchwefter, gem. f. Spielgenoffe; wer gern 
fpielt; die Spieldode, Puppe zum Spielen; der Spielgefährte, = genoffe, 
-gefell, die Spielgefährtinn ze. ; das Spielgeld, zum Spiele beftimmtes 
Geld; landſch. f. Nadelgeld; die Spielgefellfchaft, eine zum Spielen, bef. 
zum Kartenfpiel, zufammenkommende Geſellſchaft; der Spielgraf, ehem. an 
Höfen, der Auffeher über das Mufit- und Schauſpielweſen; der Spielhahn, 
das Spielhuhn, Landfch. f. Birkhahn, Huhn, (wahrſch. wegen der glängend- 
ſchwarz fpielenden Schwanzfedern); der Spielhalter, wer ein Spielhaus od. 
eine Spielbank hält; der Spielhans, gem. verächtl. f. ein gern fpielender 
Menſch; das Spielhaus, ein öffentliches Haus, in welchem man zum Spie- 
len zufammentommt; ehem. auch f. Schaufpielhaus; die Spieljacht, eine 
zu Luſtfahrten beftimmte- Jacht; fo auch der Spielfahn; die Spielfarte, 
f. Karte 1.; die Spielkaffe, Kaffe, welche das Spielgeld enthält; der Spiel- 
Fegel, ſ. Kegel 1.5 der Spielfragen, Schiff. ein um den Maft befeftigter 
Reif, welcher fi mit dem Mafte hin und her bewegt; der Spielleuchter, 
eine Art Eleiner Leuchter auf Spieltifchen; der Spielmann, M. Spielleute, 
(altd. spiliman, spilman, M. spilliute) ein gemeiner ZTonfpieler, Muſikant; 
ehem. auch f. Gaufler, Seiltänzer, Tafchenfpieler ze. (auch: spilwip, das 
Spielweib); die Spielmarke, ſ. Marke; die Spielmufchel, eine Art Ve 
nusmufcheln; der Spielnarr, die Spielnärrinn, wer das Spiel bis zur 
Rarrheit liebt; die Spielnote, Noten, welche gefpielt werden, z. U. v. Ging- 
noten; der Spielort, -platz; der Spielraß, gem. f. ein gern fpielender 
Menſch; der Spielraum, der Raum, in welchem ein Körper fpielt, d. i. fich 
frei u. ungehindert bewegt (3.8. der Spielraum eines Uhrſchwengels, der Ma— 
ften eines Schiffes, der Raum zwifchen der Kugel und Mündung eines Ges 
ſchützes); uneig. der Raum od. Umfang der Wirkfamkeit, finnv. Wirkungskreis 
(einen Spielraum für feine Ihätigkeit haben); die Spielfache, gew. M. 
Spielfachen, Geräth zum Spielen für Kinder, Spielzeug; die Spielfchuld, 


im Spiel gemachte Schuld; die Spielftube od. das Spielzimmer; die 


Spielftunde, zum Spieten beftimmte Stunde; die Spielfuchtz fpielfüchtig, 
Bw.; der Spieltifch, ein Tiſch, zum Spiel, bei. zum Kartenfpiel beftimmt; 
die Spieluhr, eine Uhr, welche mittelft eines Pfeifen- od. Glodenwerkes Mu— 
ſikſtücke fpielt; der Spielverderber, wer Anderer Spiel od. überh. Vergnü- 
gen ftört; die Spielmaare, Spielfahen als Waare; das Spielwerf, ein 
‚Ding, mit welchem man fpielt, von weiterer Bed. als Spielfache, auch uneig.: 
die Spielwuth, der höchſte Grad der Spielfucht; das Spielzeug, Geräth 
zum Spielen für Kinder, fowohl ein einzelnes (ein Spielzeug), ald auch als 
Sammelw. f. Spielfahen; — Ableit. von fpielen: dev Spieler, -8, die 
Spielerinn, M. -en, überh. wer fpielt, bei. in den zgef. Geigen-, Harfen- 
Klavier, Schaufpieler, = fpielerinn, Zafchenipieler, Kartenfpieler ze. ; in engerer 
Bed. wer das Spielen der Karten- u. Glüdsfpiele um Geld ald Hauptge- 
ſchäft od. Gewerbe treibt; die Spielerei, M. -en, wiederholtes od. ans 
haltendes Spielen; verächtl. f. das Spielen, die fpielerfde Beſchäftigung, 
Tändelei überh.; auch f. Spielwerk; fpielerifch, Bw., einem Spieler eigen 
od. angemeſſen; landſch. auch f. gern fpielend, zum Spielen geneigt (ein 


** 











Spier — Spieß 987 


ſpieleriſcher Menſchz Tein ſpieleriſches Weſen) in diefem Sinne auch: ſpie— 
liſch fpielhaftz die Spielung, Schiff. der Spielraum der Maften. 

Spier, f., -&8, M. -e, Verkl. das Spierchen, (ſchwed. spira, engl. spire; 
val. Speer), landſch. bef. niederd. f. Eleine, zarte Spike, bei. Gras- oder 
Kornfpige; uneig. f. ein Weniges, das Geringfte, (ein Spierchen; nicht 
ein Spier, d. i. nicht das Mindeſte); — das Spiergras, landſch. f. das 
fpisige Riedgras; der Knotenfuchsſchwanz; die Spierpflanze, ein Pflanzen: 
gefchlecht, wozu der rothe Steinbrech, der Waldbocdsbart ze. gehören (spiraea 
L.); die Spierftaude, eine Art der Spierpflanze in Nordamerika. 

Spierapfel, m., Spierbirn, w. od. der Spierling, -e8, M. -e, land- 
Thaftt. f. v. w. Speierling, die Frucht des Sperberbaums; der Spier— 
lingbaum, f. Sperberbaum. 

Spiere 1., w., M. -n, (von gleichem Stamm mit Speer, Spier), Schiff. 
Stangen von 25 bis 30 Fuß Länge, welche vorn und hinten am Schiffe 
befeftigt werden, um das Anſtoßen der Schiffe beim Anfern zu verhindern; 
auch jedes lange, gerade Nundholz, auf Heineren Fahrzeugen zu Maften, auf 
größeren zu Raben ze. gebraucht; — Spiere 2., ſ. Spierfchwalbe. 

fpierig od. fpirig, Biw., (verw. mit fperren) ſchwäb. f. widerſtrebend, eis 
genfinnig, muthrillig. 

Spiering od. Spierling 1., m., -e8, M.-e, (von Spier? alfo: der 
Heine, ſpitze Fiſch), Landfch. f. Stintz Sardelle; — der Spierling 2., ſ. 
Spierapfel. 

Spierfchwalbe, w. (landfch. auch: die Spiere, der Speier, Speir, 
alt spir; von Spier, wegen der Spigen des Schwanzes? n. X. von [pie 
ven, fpir£en f. ſchwirren, zwitfcheen, daher auch: Spirkſchwalbe) landſch. 
f. Mauerfchwalbe; auf f. Hausfchwalbe. 

Spieß, m., -e8, M. -e, Verkl. das Spiefchen, 1. (altd. spiz, oberd. 
Spifs, M. Spiffe, auh Spitz; niederd. Spitt; angeli. spitu, engl. spitz 
vgl. fpis) urfpr. überh. ein langer, dünner u. fpigiger Körper; insbef. f. 
Ruthe, Gerte, Stab, 3. B. die zugefpisten dünnen Stäbe, an welche die 
ichtdochte gereihet werden (Lihtfpieß); Jäg. die erften Stangen des Hir— 
ſches ohne Enden, auch die erften Geweihe der jungen Rehböcke, (uneig. noch 
mit dem erften Spieße laufen, f. jugendlich unbefonnen handeln); oberd. auch 
f. Spreifel, Splitter; Stricknadel; gew. ein hölgernes od. eifernes Werkzeug 
in Form einer zugefpigten Stange, etwas daran zur ftedien, insbef. Fleiſch 
zum Braten: der Bratſpieß (den Braten an den Spieß ſtecken; ſprichw— 
freien, ald ob man am Spieße ſtäke; val. auch Lerchenſpieß; ein Spieß 
erden, d. i. fo viel man auf den Lerchenfpieß zu ſtecken pflegt); Buchdr. 
der fehlerhafte Abdruck eines Fülftiftes zwoifchen den Buchſtaben; — 2. (altd. 
spioz, spiez, oberd. Spieß, niederd. Speet; isländ. spiot, ſchwed. spjut, 
spett; — in dem heutigen Hochd. ift diefes Spieß mit dem obigen. Spifs 
völlig vernaengt), die ehemal. Hauptwaffe im Kriege, beitehend aus einem 
fangen Schafte mit einer ſcharfen Spise, von weiterer Bed. u. weniger 
edel, als: Speer, Lanze (vgl. Jagd-, Knebel-, Wurfipieß 2c.); Studentenfpr. 
ſcherzh. Spieße f. Geld; — Z3ſetz. von Spieß 1.: der Spießbaum, Berg- 
werk. der lange fentrechte Baum am Göpel, um welchen ſich die gange Ma- 
f&hine dreht; auch die langen Hölzer am Göpel, welche ihm die Rundung ges 
benz die Spießbinfe, Nadelbinſe; der Spießbock, Sag. junger Rehbock 


988 Spieß 


mit Spießen (f. 0.) ohne Enden; Küch. ein Geftell für den Bratſpieß, Spieß- 
träger; der Spießbraten, am Spieße gebratenes Fleiſch; die Spießdrufe, 
Kadeldrufe; die Spieß-Ente, eine Art wilder Enten mit rothem Kopfe und 
fpisigem Schwange, der Spitzſchwanz; die Spießgerte, oberd. (Spiſs- od. 
Spisgerten) f. dünne Gerte od. Ruthe (f. u. Spießruthe); der Spießglanz 
od. das Spießglas, ein mit Schwefel vererztes Mineral, gew. ſchwarzgrau u. 
von fpießigem (f. d.) od. ftrahlig glängendem Gefüge (fr. Antimonium); daher: 
die Spießglasblumen (ſ. Blume); die Spießglasblüthe, ftrahliges Eryftal- 
liſches Spießglaserz; die Spießglasbutter, Scheidek. falzfaures Spießglas, 
duch Quedfilber zur Feftigkeit der Butter gebracht; das Spießalaserz; 
der Spießglasfalf, durch Feuer verkalkter Spießglaskönig; der Spießglas- 
könig, das aus dem Spießglaserz gewonnene zinnweiße, fehr fpröde Halbmetall 
(gl. König), auch: das Spießgladmetall; die Spießglasleber, Scheidek. 
fpießglashaltige Schwefelleber; der Spießglasmohr, Scheidek. ein Gemiſch 
aus Quedfilberkalt, Spießglaskalk u. Schwefel, als Arzneimittel (ogl. Mohr 2.); 
das Spießglasöl, falzfaures Spießglas in flüffiger Geftalt; der Spießglas- 
fchwefel, Schwefel, mit welchem das Spießglas vererzt ift; Scheidek. ein gel- 
ber Niederfchlag aus der Auflöfung der Spießglaskönigfchlade, Goldſchwefel 
des Spießglafes; der Spießglaswein, in Wein aufgelöfter Spießglaskalk, 
Brehwein; der Spießglasweinftein, weinfteinfaures Spießglas, Brechwein⸗ 
ftein; das Spießglasweiß, weißer Spießglaskalk, ſchweißtreibendes Epiep- 
glas; das Spießgras, fpigiges Riedgrad; Schafampfer; das Spießhaar, 
feifeö, ſtarres Haar, bef. an Hunden; der Spießhirfch, f. v. w. Spießer, 
f. u.; der Spießfuchen, ein am Bratipieß gebadenes Buttergebäd; die 
Spießlerche,” Heide: od. Pieplerche; die Spießruthe (oberd. Spifs- od. 
Spigrueten; durch Wortüberflufs, da Spifs fchon Gerte od. Ruthe bedeu— 
tet, f. o.) eine dünne, fpise Ruthe od. Gerte, insbef. fofern fie ehem. zu einer 
harten Beftrafung der Soldaten diente, (durch die Spießruthen —, od. gew. 
bloß: Spießruthen laufen, d. i. mit entblößtem Rüden durch die Reihen 
der mit Spießruthen hauenden Soldaten gehen; aud; zgef. das Spießru— 
thenlaufen, Gaffenlaufen); der Spießtreiber, -dreher, -wender, Bra- 
tenwender; der Spießwurm, eine Art Meeraffeln, Schlahtwurm; die 
Spießwurzel, ſ. v. w. Pfahlwurzel; der Spießzahn, fpigiger Hundszahn; 
— 3fes. von Spieß 2.: der Spießbürger, ehem. ein mit einem Spieße 
bewaffneter, zu Fuße dienender Bürger, Bürgerfoldatz; jegt ſpöttiſch f. gerin« 
ger Bürger, Eleinftädtifchee Menfch von beſchränkten Anfichten (vgl. Schild: 
bürger); daher: die Spießbürgerei; fpießbürgerlich, Bw.; die Spieß- 
bürgerlichkeit; das Spießeifen, die ſtählerne Spige des Spiefes, entg. dem 
Spießfchaft; fpießfürmig, Bw. (4. B. Pflanz. ein fpießförmiges Blatt); 
der Spießgefell, eig. ein mit einem Spieße bewaffneter Kriegsgenoffe; ehem, 
überh. f. Kriegs od. Waffengefährte; jegt nur verädhtl. f. Genoffe od. Gehülfe 
in einer böfen Sache, Mitfchuldiger; der Spießnagel, eine Art Heiner Nägel, 
mit welchen die langen Nebeneifen des Spiefeifens an den Schaft genagelt 
werden; — Ableit. fpießen 1., ziel. Zw. (oberd. fpiffen), auf einen 
Spieß (1.), d. i. überh. auf einen fpigigen Körper ſtecken, mit einem fol 
chen durchftechen (3. B. etwas auf die Gabel—, einen Froſch —; einen Ver— 
breher—, f. v. w. pfählen; der Hirſch ſpießt mit feinem Geweih, wenn er 
etwas damit durchbohrt); Zäg. vine gefprungene Leine —, f. v. w. [haften 


Se 





ſpießen — Spille 989 


( . d.); der Spießer, -8, M. mw. E. 1) (von Spieß 1.5 oberd. Spiffer, 
auch Spifs; altd. spizzo) ein junger Hirfch, welcher zum erften Male auf: 
fegt und nur Spieße ohne Enden hat, Spieß- od. Spishirfh; 2) (von 
Spieß 2.) ehem. ein mit einem Spieße bewaffneter Soldat; fpießig, Bw., 
(oberd. fpiffig; von Spieß 1.) aus Spießen, d. i. langen, dünnen Kör— 
pern beftehend (das Spießglas hat ein ſpießiges Gewebe); oberd. f. dünn u. 
lang, mager, dürr (fpiffig ausfehen); auch f. fpröde u. zerbtechlich, hart u, 
brüchig (vom Metall u. Leder). 

fpießen 2., ziellof. 3w. m. haben, (ein Schallwort), Zäg. f. pifchten od. 
piften, bef. von dem Laute der Hafelhühner. 

Spiet, m., -08, 0.M., (hol. spyt, engl. spite, franz. depitz; vgl. fpeien 
f. ſpotten), niederd. f. Hohn, Spott, Stichelreden; Verdruſs, Kränkung, 
Arger, Neid; fpieten, ziel. Zw. f. verdrießen, ärgern, einem leid fein; 
fpiefig, Bw. f. verdrießlich, Erankend, Argerlich; fpietifch (fpietsk), Bw., 
f. fpöttifch, höhniſch. 

Spike, w., f. Spieke; — Spifer, m., ıc., fpifern, 3w., f. Spieker ıc. 

Spill, f., -e8, M. -e, (vielleiht aus der niederd. Form f. Spiel (f.d) 
entftanden, alfo überh. ein bewegliches Ding; od. — Spille? vgl. aud) das 
engl. spill, Pflod, Zapfen), Schiff. eine bewegliche Welle, den Anker aufzu- 
winden (bad Brat-, Gangipill, große od. Dinter-Spill, kleine Spill ıe.; das 
lofe Spill, weldes von einer Stelle zur andern gebracht werden kann); 
niederd. au am Spinnrade das Eifen, auf welches die Spule geftedt wird 
und um weldes die Flucht läuft; — 3ſetz. der Spillbaum I., Schiffb. 
ftarfe Sparten, deren eines Ende in die Gate des Gangſpills geftedt wird, 
um dasfelde herumzusrehin; der Spilldreher od. -läufer, auf Häringsbüfen 
der Matroje, welder das Reep, woran das Nep befeitigt ift, auf cin Gangfpill 
dreht; das Spillgat, Loch in der Welle des Spills, worein die Spillbäume 
geftecet werden; die Spillflampe, die Ausfutterung des Spills, "in ftarfen 
eichenen Bohiſtücken beftehend; das Spillrund, Schiffb. die Welle des Steuer: 
rades; die Spillfpur od. das Spillbett, die Spur (f. d.) des Gangipills. 

Spille, w., M. -n, (aus Spindel (f. d.), oderd. Spinnel zgez.; mit- 
telh. spinle, spille), Tandfch., bef. niederd. f. die Spindel; überh. ein langer, 
twalzenförmiger Körper, eine Walze, Stange, ein Pflod, Zapfen; insbef. 
Schiff. die Stangen auf den Maften, von welchen die Flaggen ꝛc. wehen; 
Bergw. die eifernen Stangen, an welchen die Kunftftangen befeftigt find; die 
Eleine Achſe am Pfluge, woran die Räder laufen; bei den Steinfchneidern : 
tegelförmige Zapfen, welche die Scheibe zum Schneiden tragen; Jäg kleine 
Pflöcke zur Befeftigung des Wachtelgarns; an Leitermagen der Pflod, welcher 
durch die beiden Arme und die Deichfel geht; landſch. auch eine gerade u. ſpitz 
in die Höhe ftehende Ähre; — 3feg. der Spillbaum 2., f. v. w. Spindel- 
baum; Faultaum; der Spillmage, -n, M. Spillmagen (vgl. Mage 1.), 
vlt. f. Verwandte von der Spillfeite, d. i. weiblichen Seite od. Geſchlechts— 
linie, (die Spille od. Spindel bezeichnet das weibliche Gefchlecht nach fei- 
ner Beſchäftigung; entg. Schwertmage, =feite, f. d. u. vgl. Kunkel); das 
Spillenbein, gem. f. ein langes, dünnes Bein, u. ein Menſch mit ſolchen Bei: 
nen; der Spillendreher, niederd. f. Drehster; — Ableit. fpillig od. fpil- 
lerig, Bw., landſch. f. einer Spille od. Spindel ähnlich, lang u. dünn (ein 
Baum wächft fpillig; ein fpilleriger Menſch zc.); fpillen 1., zieltof. 3w., 


990 ſpillen — Spindel 


landſch. fain die Höhe ſchießen, fchoffen; das Spilt (landſch. auch Spille), 
niederd. f. der Samenſtengel der Kräuter u. Küchengewächſe, beſ. der Rüben, 
des Kohls * 

ſpillen 2., ziel. Zw. (aus dem altd. spildan, spilden, epilten entft., urſpr. 
wohl Nebenform von Spalten, ſ. d. u. vgl. ſpellen 1.3 angelf. spillan, engl. 
spill, ſchwed. spilla; franz. gaspiller), oberd. f. fplittern Candſch. auch fpil- 
tern); alt u. niederd. f. unnüß vereinzeln, verfchlitten, verthun, verſchwen⸗ 
den, vergeuden (daher: verfpillen, zerfpillen,Eoftfpielig, aus 
koſtſpillig verderbt; altd. spildi, Vergeudung; spilder, Verſchwender ze.) ; 
— der Spilling, -e3, M. -e, die. gemeine gelbe od. gelbrothe Pflaume, 
HDundspflaume, (weil diefe Frucht eine Spalte hat, daher niederd. Spelt, 
Speltje, Spelie; oder. von ihrer länglichen, Tpindelförmigen Geftalt? daher 
auch: die Spille, Spindelpflaume); daher: ber Spillingbaum, 

Spinat, m., 8,0. M., (niederd. Spinafie, holl. spinazie,- cngl. spinage; 
zunächſt von * ital. spinace, wahrſch. von dem lat. spina, ‚Dorn, Spike, 
wegen der fpisgezadten Blätter; ſpan. espinaca; frang. pinards), eim be: 
kanntes Küchengewächs, als Gemüfe genoſſen, ſpaniſcher Kohl, gem. auch 
Spinetſch, Binetjch, genannt; engliſcher Spinat, Gartenampfer; 
wilder od. Feld⸗Spinat, der gemeine Gänſerich; — der Spinatſamen, 
die Spinatpflanze u. ſ. f— 

Spind, m., ſpindig, Bw,, f. Spint. 

Spind, f., "8; M.-6, * Spund, ſpunden f. —— niederd⸗ — 
beſ. im — f. Schrank, auch: das od. die Spinde, M. -n,(Bü- 
- herz, Beiteripind, od. -ſpinde 2e.); 2) ein Getreidemaß, aucht dag Spint, 
im Lüneburg. —= 4 Scheffel, in Bremen = 5 Scheffel; Jandſch. auch ein 
Seldmaß von 10 Bieefaeisuthun. 

Spindel, w., M. -n, Verkl. das Spindelchen, (altd. spinnila, — 
spinele, spinle, — oberd. Spinnel; vgl. Spille; ſchwed spindel, engl. 
spindle; von ſpinnen), ein Werkzeug zum Spinnen, beſtehend in einem 
dünnen, runden, an beiden Enden fpis zulaufenden Hölzchen, auf welches 
man den gedreheten Faden widelt, (die Spindel drehen, d. i. fpinnen); uneig. 
überh, ein fpindelfürmiger, d. i. langer, runder, meift an einem oder an 
beiden ‚Enden zugefpister. Körper, z. B. die Thurmfpige, auf welcher der 
Knopf befeftigt iftz die fpigigen Leimruthen der Bogelfteller; die Speiche (1. d.) 
des Vorderarms; Pflanz. der ungetheilte Blumenftiel einer Ähre, Traube 26:5 
auch. die Mittelrippe dev Blätter; insbeſ. ein walzenförmiger Körper, eine 
bewegliche Welle, od. eine Achfe, um welche fich ein anderer Körper in 
einer Kreis- od. Schraubenlinie bewegt, z. B. an der Drehbank der ſich 
drehende Theil, an welchem der abzudrehende Körper befeftigt wird; der jenk- 
rechte Baum am Göpel; die Säule in der Mitte einer Windeltreppe, eines 
Schneckenhauſes, um welche fi die Gänge winden; Anat. der ähnliche Theil 
in der Schnede des Ohres, u. dgl: m. — ZTes. der Spindelbaum, 1).ein 
ald Spindel dienender Baum, eine große, ſtarke Spindel; 2) Namen mehrer 
Bäume, aus deren Holz man Spindeln zum. Spinnen macht, gem. Spill- 
baum; bef. der ftrauchartig wachfende Baum, deffen vieredige rothe Samen- 
kapſeln Pfaffenhütchen heißen, auh Pfaffenbaum (f; d.), Spuk, 
Hundsbaum ꝛc, genannt (eyonymus L.); auch f. Bergahorn; Hagebuche, auch: 
die Spindelbuche; ſpindelförmig, Bw. ; das Spindelfraut, eine im ſüdl. 





‘ 
Spinling — ſpinnen 991 
| 

Europa wachfende Pflanze, deren zufammengefegte Blumen röhrenförmige 
Zwitterblümchen u. einen walzenförmigen Staubbeutel zeigen (atractylis L,); 
die Spindelpflaume, Hundspflaume, Spilling (j. d.); die Spindelpreſſe, 
mit einer Schraubenfpindel verfehene Prefle; bei. eine Art Weinprefle, wo 
eine bloße Spindel auf den untergelegten Sag drüdt; die Spindelfchnede, 
Schneden, welche in einen langen fpisigen Schwanz ausgehen, auch bloß 
Spindeln genannt; die Spindehwalze, ſpindelförmige Walzenſchnecken; 
der. Spindelwirtel, ſ. Wirtel. 

Spinling, m., -e3, M. -e, landſch. f. Schwarz⸗ od. Schlehdorn. 

Spinn, w., oberd. f. Muttermilch (ſ. ſpänen). 

Spinne, m, M..-n, Verkl. das Spinnchen, oberd. Spinnlein, (altd. 
spinna, spinne, * die Spinn u. Spinnen, auch: die Spinnerinn; von 
fpinnen; engl. spiuner, spider), ein Geſchlecht meift achtfüßiger Inſecten 
mit Spinnwarzen am After, aus welchen fie feine Faden zu einem Ger 
webe fpinnenz; Arten find: die Erd-, Garten, Haus, Kreuz, Sad, Wufr 
ferfpinne 2c.; die langbeinige Spinne, ein fpinnenähnliches Inſect mit 
fehr langen Beinen, auch Holzfpinne, Weberknecht ze. genannt; — 3ſetz. der 
Spinnenaffe, eine Gattung langbeiniger Meerkatzen; die Spinnendiftel, 
eine Art Flockenblume, auch Bitterdiftel; Tpinnefeind, Bw., gem. f. im höch- 
ſten Grade feind, todfeind (mie die Spinnen einander find, die fich gegenfeitig 
anfallen, wenn fie in ein Gewebe zufammengerathen); der Spinnenfifch, 
Fiſche aus der Ordnung der Halsfloffer mit langen Strahlen in den Floſſen, 
bef. der Kleine Meerdrache oder fliegende Teufel; das Spinnen od. Spinn- 
gewebe, auch Spinnen-, Spinn-, od. Spinnewebe (altd. spinnaweppi, 
spinnewebe), das feine Gewebe einer Spinne; uneig, f. etwas fehr Dünnes, 
leicht Zerreiß bares, Unhaltbares, Schlechtes; Tpinnweben, Bw., aus Spinn- 
webe beftchend 0d. gemacht; uneig. f. fehr dünn u. unhaltvar; der, Spinnen- 
kopf, eine Art Stachelſchnecken, auch die Spinne, der Diftelkopf, das Sta- 
chelſchwein genannt; der Spinnkopf, Schiff. ein an das Stag befeftigtes 
Holz mit Löchern, durch welche die Lienen od. dünnen Taue fahren; das Spin- 
nenfraut, die Zaunblume (ſ. d:), bei. das äftige Zaunkraut od. Feldipinnen- 
kraut; auch f. Jakobsblume od. Krötenkrautz u. f. Wucherblume; der Spin; 
nenfrebs, eine Art langbeiniger Krebſe; das Spinnenneß, das ausgelpannte 
Gewebe einer. ‚Spinne; der Spinnenftecher, verichiedene fpinnenähnliche 
Verfteinerungen; der Spinnentödter, die Sandwespe. 

fpinnen, ziel. u. ziellof. Zw., ablaut. Impf. fpann (landich. gem. fponn), 
Conj. fpänne od. fponne; Mw. gefponnen, (goth. u. althochd. spinnan, Prät. 
span, &onj. spunni, Part. gispunnan; mittely. spinnen, ‚span, gespungen; 
oberd. fpinnen, fpan u. fpunn, gelpunnen; angel. spinnan, engl. spin, isländ. 
u. ſchwed. spinna, dän. spinde ; Urbed. der Wurzel span: ziehen; vgl. fpa= 
nen, ſpänen, fpannen), einen faferigen Stoff, 3. B. Flache, Wolle, Baum- 
wolle, Seide, zu langen Fäden ziehen u. diefe zufammendrehen (an. ber 
Spindel, am Roden, am Spinnrade—, grob, klar, fein fpinnen 20.5; ſprichw. 
es ift nichts fo fein gefponnen, es kommt doch endlich an die Sonnen, d. is auch 
das Heimlichſte wird zulest offenbar); in. weiterer Bed, auf Ahnliche Weife 
drehend od, windend bearbeiten (4. B. Taback—, d. i. die getrodineten Ta- 
badsblätter zu, langen Rollen zufammendrehenz: die-Nadler fpinnen, d. i. win⸗ 
den den Anopfdrath auf eine Spindel; die Gold» u. Silberipinner — den 


992 Spint — fpitt 


Lahn auf feidene Fäden; Knöpfe fpinnen, d. i. mit Fäden bewinden); uneig. 
etwas in ununterbrochener Folge gleichmäßig fortführen, fortfegen (ver- 
gnüglihe Tage—); nach) und nad) hervorbringen (vgl. anfpinnen, ent— 
fpinnen); landſch. auch: gleich einem Spinnrade ſchnurren (von den Kagen); 
— 3fes. die Spinnfliege, fliegende Pferdelaus; das Spinngeräth, Ge- 
räth zum Spinnen; der Spinnhafen, ein hölgernes Werkzeug, mittelft deffen 
die Landleute ihre Seile fpinnen; aud) ein Hafen von Drath, womit die Spin- 
nerinnen den abgeriffenen Faden durch das Spulloch ziehen; das Spinnhaus, 
öffentl. Arbeitshaus für arme, od. Strafanftalt für arbeiticheue, Tiederliche 
Menfchen, bef. Weiber; die Spinnhütte, im Seidenbau, Eleine Hütten von 
Hobelfpänen, worin ſich die Seidenwürmer einfpinnen; die Spinnjungfer, 
uneig. f. Wafferjungfer; die Spinnlaus, eine Art Blattläufe auf den Linden- 
blättern; die Spinnmafchine, eine Mafchine, mittelft deren viele Wollen- 
od. Baummollenfäden zugleich gefponnen werden; die Spinnmühle, ein Rä- 
derwerk, mittelft deffen mehre Fäden zugleich mit Lahn befponnen werden; das 
Spinnrad, ein Geftell mit sinem Rade zum Spinnen von Flachs, Hanf und 
Wolle; die Spinnraupe, Seidenraupe; auch f. Spannraupe, f. d.; der 
Spinnroden, j. Roden; die Spinnfchule; die Spinnfeide, eine Art des 
Attaserzes od. Erpflallartig angefchoffenen grünen Kupfererzes; die Spinn- 
tube, Stube, in welcher geiponnen wird, bef. auf dem Lande das Verfamm- 
lungszimmer u. die dur Geſpräch u. Erzählungen ſich unterhaltende Gefell- 
ſchaft der Spinnerinnen; daher die Spinnftubenweisheit, ſ. Rodenweisheit; 
die Spinnwarze, Warze am After der Spinnen, aus welcher fie den Stoff 
zu ihrem Gewebe ziehen: das Spinnwerf, allerlei Vorrat) zum Spinnen; 
‚der Spinnwirtel, f. Wirtel; — Ableit. der Spinner, -$, die Spinne: 
rinn, M. -en, wer fpinnt, beſ. weffen Hauptgefhäft od. Gewerbe das 
Spinnen ift, (fo aud) in 3feg.: Seiden:, Woll:, Gold- u. Silber:, Tabade: 
fpinner 2c.); auch ein fpinnendes Thier, 4. B. die Seidenraupe (Spinner), 
die Spinne (landfh. Spinnerinn); die Spinnerei, M.-en, das Spinnen, 
bei. als Gewerbe, eine Spinnanftalt (4. B. Baumwoll-, Seidenfpinnerei zc.). 

Spint od. Spind, m., -e8, 0. M., (altd. spint, G. spindes u. spintes), 
ehem. f. Fett, Schmalz, Sped; oberd. f. das Spedige, Wafferftreifige, 
nicht gehörig Ausgebadene im Brod ꝛc.; auch f. der Mehlftoff im Korn; 
oberd. u. niederd. f. der weichere Theil des Holzes zwifchen der Rinde u. dem 
Kern des Baumes, gew. Splint; fpindig od. ſpintig, Bw., oberd. f. zähe, 
fehterhaft-fpecfig (vom Brode); uneig. f. fpärlich, nothdürftig, Dürr, mager. 

Epint, f., f. Spind. 
Spirk, m., -e8, vit. f. das Schwirren od. Zirpen Kleiner Vögel; die, 

Spirkfchwalbe, f. Spierfhwalbe. 

fpirzen, 3w. 1. rückz. fich —, oberd. f. v. w. fperzen (f. d.), fich fpreis 
jenz daher der Spirzer f. Prahler, Windmaher; — 2. (audy fpürzen, 
fperzen) vlt. f. fpuden, fpeien. 

fpiffig, Bw., oberd. f. fpiefig, f. d. 

fpitt, Bw., niederd. f. fo tief man mit dem Spaten fticht; fpitten, 3w-, 
f. mit dem Spaten graben, ausftehen; auch die ausgeftochene Erde in den 
Karren laden; das Spitt, - e8, M. -e, im Deichbau, ein tief ausgeſtoche— 
nes Stüd Erde; der Spittdamm, f. v. w. Speddamm (f. Sped, w.); 
der Spitttorf, ſenkrecht geftochener Torf; die Spittung, das Spitten. 








Spittel — ſpitz 995 


Spittel, f.; -8, M. w. E., (entft. aus Spital, welches verk. ift aus 
Hospital, v. dem lat. hospitale, gaftlicy, domus hospitalis, Gafthaus; engl. 
spittle), gem, ehem. f. Wirthshaus, Herberge; jegt ein Verpflegungshaus 
für Arme oder Kranke, in der gebildeten Sprache: Spital od. Hospital; 
daher: die Spittelfirche; der Spittelmeifter, = pfleger 2c.; der Spittler, 
-3, (Spitaler), alt u. landſch. f. Bewohner eines Spittele. 

ſpitz, Bw., (altd. spizi, spitze; niederd. ſpitz; Wurzel spit, vol. fpitt, Spieß 
Spaten), in einen fcharfen Punkt auslaufend, oder ſich doch dahin nei- 
gend, finnv. fpißig (f. u.), entg. ftumpf od. abgerundet, (ein fpiges Meffer; 
ein fpiger Hut, ein fpiges Kinn 2c.; ein ſpitzer Winkel, der weniger als 
90 Srad hat od. Eleiner als ein rechter ift; gem. ſprichw. etwas nicht ſpitz 
Eriegen Eönnen, f. damit nicht zu Stande, aufs Reine Eommen, es nicht begrei- 
fen können); uneig. f. fein, fcharf, ftechend, verlegend (fpige Reden u. dgl.) ; 
der Spiß, -e3, M.-e, Verkl. das Spischen, Spitzlein, (altd. spiz, ©. 
spitzes), 1) alt u. oberd. f. die Spige (ſ. u.): auch f. Spieß 1. (f. d.); u. 
f. eine Weinflafche, welche 2 Maß hält (verkl. das Spitze l); daher viel- 
leicht gem. f. Anfang der Betrunfenheit, leichter Rauſch (einen Spitz ha- 
ben, fich einen Spig trinken); 2) eine Art Eleiner Hunde mit fhlichten zotti— 
gen Paaren u. einer langen fpigen Schneuze, auch Spishund, oberd. der 
Spigel, Pommer genannt; — 3fes. von fpig: der Spikahorn, eine 
Art des Ahorns mit fpigen Blättern, fpigiger Ahorn; der Spikambofs, ſ. v. 
w. Hornambofs; der Spikapfel, eine Art länglich walzen- od. Eegelförmiger 
Äpfel; der Spikarbeiter, Seiler, welche nur Eurze Seile ze. von beftimmter, 
vorgeichriebener Länge machen, z. U. v. Stüdarbeiter; der Spitzbart, ein 
fpis auslaufender Eleiner Bart mitten auf dem Kinne, und eine Perfon mit fol- 
chem Barte; die Spibblattern od. -pocken, eine Art fpiger Blattern, z. U. 
v. Fliegblattern; der Spisbohrer, ein fpis zulaufender Schraubenbohrer; 
Tiſchl. auch der Pfriemen zum Ziehen der Striche beim Vorzeichnen; der 
Spisbrand, eine Art des Brandes am Weizen; der Spitzbube, weibl. die 
Spisbübinn, (nach der gew. Annahme von fpiß f. fein, liſtig; wahrſch. aus 
Spiefbube verderbt, alfo eigentlich Benennung der Landsknechte, welche 
in Sriedenszeiten von Räuberei lebtenz vgl. Spießgefell, u. d. oberd. Spitz— 
knecht f. prahlhafter Soldat, Spigreiter f. bewaffneter Vortreter bei Hoch⸗ 
zeiten), ein Liftiger, verfchlagener Betrüger, fchlauer Dieb, Benteljchneider, finnv. 
Schelm, Schurke; gem. fcherzh. ald Schmeichelwort (du Eleiner Spigbubel); 
ſpitzbübiſch, Bw., nad Art eines Spigbuben, ſchlau betrügerifch, diebifch; 
das Spißeifen od. der Spikmeißel, ein dreiediger ſpitziger Meißel der Stein- 
u. Bildhauer; die Spik-Ente, eine Art Enten mit langem fpigem Schwanze, 
auch Pfriemente, Pfeilſchwanz, Spitzſchwanz; der Spikfarn, eine Art Punkt 
farn (f. d.); die Spißfeile, eine Art Zeilen, womit man andere Körper ſpitz 
feitt; fpißfindig, Bw., (eig. r. fpisfündig von Fund, Fünde f. Aniffe, 
Ränke; chem. auch das Hw. Spisfünde f. liſtige Ränke), zu feinen Rän- 
Een, Kunftgriffen ze. geſchickt, und darin gegründet (ein fpisfindiger Kopf, eine 
Tpisfindige Antwort); im Übermaß fcharffinnig, allzu Eünftlich od. gefuchtz die 
Spisfindigfeit, das Spisfindigfein einer Perfon od. Sache; auch etwas 

‚ Spisfindiges, 3. Bein fpigfindiger Sag, Ausfpruch 2c. (M. Spigfindigkeiten) ; 
die Spigfloffe od. der Spisfloffer, Fiſche mit fpigen Floſſen, auch: Stachel 
floffer; die Spisflöte, eine mehr als gewöhnlich zugefpigte Orgetpfeife von 


Heyſe's Handwörterb. d. deutſchen Spr. 2. Theil. 63 


994 | ſpitz 


hellem Ton; das Spitzglas, eine Art Weingläſer, welche nach dem Boden 
zu fpig auslaufen; das Spitzgras, eine grasartige Pflanze mit eirunden Üh- 
ven (uniola L.); auch f. das Quedenaras; der Spißgrofchen, ehem. eine 
Art meißnifher Grofhen von 15 bis 18 Pfennigen; die Spishade od. 
-haue, fpige Hade zum Aufhauen harten Erdreihs; der Spikhafer, eine 
Art leichten Hafers, welcher außer den Grannen noch zwei lange röthliche 
Spisen hat; der Spikhammer, Schmied. ein Hammer mit einer fpigigen 
Pinne: die Spibharfe, eine Art Eleiner fpis zulaufender Harfen mit meffinge- 
nen Saiten; der Spishirfch, f. v. w. Spieger; das Spikhorn, Naturk, 
die Poſaunenſchnecke; auch eine Art Schnirkelfchneden cd. Pofthörner; der 
Spitzhund, f. o. Spitz; der Spißklee, eine Art niedrigen Klee's, weißer Berg- 
klee; auch f. die Spibflette, ein Elettenähnliches Gewächs, Kleine od. Igel- 
Elette, Klebekraut 2c. (xanthium strumarium L.); der Spitzkopf, ein ſpitz zu⸗ 
laufender Kopf, und ein Menſch od. Thier mit ſpitzem Kopfe, z. B. die Ham— 
ſtermaus; der Seegründel; eine Art Heuſchrecken ꝛc.; uneig gem. f. ein ſpitz— 
findiger, ſchlauer Menſch; die Spitzlerche, landſch. f. Grasmücke; das Spib- 
maul, ein ſpitzes Maul; ein Thier mit ſpitzem Maule, insbeſ. eine Art Rochen, 
auch: die Spignafe; u. eine Art Aale im mittelländ. Meere; die Spitzmaus, 
(altd. spizimüs, spizmüs, auch bloß spizzo, spizza, spiz), eine Gattung Kleiner 
maufeähnficher Säugethiere mit fpigem Rüffel; die Spigmorchel, eine Art 
Morchel (f. d.) mit fpigem Hute u. nadtem Stiele; die Spitzmünze, eine 
Art der Münze (1.) mit langen, fpigen Blättern; die Spitzmuſchel, Bohr: 
mufchel, Steinbohrer; die Spißnadel, der Nadelfiih; der Spisnamen, 
(entweder von ſpitz f. ftechend, Eränfend; oder vielleicht aus Spietnamen 
verderbt? vgl. Spiet), gem. f. Spottnamen, Eräntender od. nedender Beina— 
men; die Spißnafe, eine fpige Nafe, u. ein Menſch od. Thier mit einer fol- 
hen; die Spignufs, Waffernufs, ſchwimmende Stachelnuſs; der Spikpin- 
fel, ein feiner Malerpinfel; die Spitzpumpe, landſch. f. der Nachtreiher, 
Nachtrabe; die Spitzrede, fpöttifche, anzügliche Rede (vgl. Spignamen); die 
Spisruthe, ſ. Spießruthe; die Spitzſäule, eine fpis auslaufende Säule, 
insbef. f. die fr. Obelist u. Pyramide; die Spißfchnede, eine Art Eleiner 
Schnecken in Waffermoofen am Uferz der Spitzſchwanz, ein fpiger Schwanz, 
u. ein Thier mit einem folchen, insbef. die Spig-Ente; der Riemfifh; das 
Spisfpann, landſch. f. ein Gefpann von 3 Pferden, deren eines vor die bei- 
den andern gefpannt iftz daher der Spikfpänner, wer mit einem ſolchen Ge- 
fpann fährt; der Spitzſtahl, ein zugefpigter Drehftahl; der Spikwed od. 
= weden, oberd. ein Brod von fpiger Form (vgl. Wed); der Spitzwegerich, 
eine Art des Wegerichs (ſ. d.) mit ſchmalen fpigen Blättern; die Spigweide, 
Korbweide; fpikwinfelig od. = winklig, Bw., einen fpigen Winkel od. fpige 
Mintel habend od. bildend: das Spigwort, empfindliches, beleidigendes Wort; 
der Spiszahn, ein fpiger Zahn, bef. der fleifchfreffenden Thiere u. der Mens 
Then, Hundszahn; — Ableit. von fpig: die Spike, M. -n, Verkl. das 
Spischen, (alt u. oberd. gew. der Spig,f. o.) 1) der fpige Theil, das in 
einen fcharfen Punkt auslaufende od. doch einem folchen fich nähernde Ende 
eines Körpers (z. B. die Spige einer Nadel, eines Meffers, eines Degens 2C, 
daher uneig.: einem die Spige bieten, d. i. ſich ihm widerſetzen, ihm Wi⸗ 
derftand leiſten; die Spige der Nafe, der Finger etc.; fih auf die Spigen ber 
Füße ftellen; etwas auf die Spitze ſtellen, d. i. eig. auf einen ſpitzen 











fpleißen 995 


Theil, wo es unficher fteht, daher uneig. f. etwas in große Gefahr ſetzen); ins- 
def. der oberfte verhältnifsmäßig ſpitze Theil, der Gipfel (die Spise eines 
Thurmes, Baumes, Berges; die Spige einer Tabackspfeife, d. i. das Mund- 
ftüc); auch der vorderfte Theil od. Platz (fich an die Spike des Heeres ftel- 
len, wahrfch. urfpr. von einer keilförmig zugeipisten Schlachtordnung); daher 
uneig. f. die erfte Stelle, der höchfte Rang (an der Spitze des Staates, der 
Geſchäfte zc. ftchen, d. i. der oberfte Vorfteher u. Leiter derjelben fein); ferner 
etwas Feingedachtes u. =» Ausgedrüdtes, Scharffinniges, treffend Migi- 
ges (die Spitze des Gedankens 2c.; dem Einfall fehlt die Spitze; fr. Pointe); 
auch etwas Stechendes, Beißendes, Kränkendes (einem Spigen geben oder 
fagen); 2) ein am Rande in Spigen od. Zaden auslaufendes, fehr zar- 
tes geklöppeltes Gewirk vom feinften Zwirn, zum Pug dienend, auch Kan— 
ten, f. d. (Spigen Elöppeln; ein Kleid mit Spigen befegen; Brabanter Spi— 
gen 20.); daher die Zfeg. der Spikenärmel, die Spikenhaube, das 
Spibenhemd, -Eleid, der Spikenfragen, - mantel, = rod, = fchleier, das 
Spikentuch u. dgl. m., Urmel, Haube, Hemd, Kleid, Kragen zc. mit Spitzen 
beſetzt od. aus Spigen beftehend; der Spikenbefaß, die Spikeneinfaflung, 
Befag 2. von Spigen; das Spikengarn, feines Garn zu Spigen; ber 
Spigenhandel od. -Fram; der Spikenhändler, -Främer; der Spißen- 
Elöppel, der Spikenflöppter, die Spigenklöpplerinn, f. Klöppel zc.; das 
Spisenmufter, ſ. Mufter 1); die Spißenrolle, eine Art Kegelſchnecken, de: 
ren Oberfläche wie mit nesförmigem Goldftoff überzogen ift; der Spitzen— 
ftich, eine Art zu nähen, womit die Blumen ꝛc. in feiner Näherei ausgefüllt 
werden; der Spitzenzwirn, fehr feiner Zwirn zu Spitzen; — fpißig, Bw., 
(altd. spizic, spitzec), einen Spitz od. eine Spige habend, bef. eine fcharfe, 
ftehende Spise, alfo von engerer Bed., als ſpitz, (zZ. B. eine fpisige Nabel, 
‚Gabel, ein fpigiger Degen, Dolch ꝛc.); in weiterer Bed. auch f. ſpitz (Schna= 
bel, Nafe, Kinn u. dgl.; Tpisig ausfehen, oberd. f. mager, dürr); uncig. f. 
empfindlich reizend od. kränkend, finnv. ftechend, beißend, auch f. fpottifch, 
höhniſch (ſpitzige Worte, eine fpisige Antwort 2c.); die Spitzigkeit, das 
Spisigfein, die fpigige Befchaffenheit; — fpiken, ziel. 3w., 1) fpig ma- 
chen (3. B. einen Bleiftift, die Feder, die Nadeln ; den Mund fpigen 2c.); 
die Ohren —, von Thieren f. in die Höhe richten, um fchärfer zu hören, un— 
eig. von Menfchen f. aufmerkfam hören, horchen ; daher oberd. auf etwas—, 
f. Tauern, es darauf abfehen; gem. fih auf etwas—, f. fih Hoffnung 
darauf machen, e8 mit Verlangen erwarten; 2) oberd. f. ftechen, fpießen ; 
3) andſch. u. Handiv. f. der Spigen berauben, z. B. einem die Finger —, f. 
abbauen; Hutm. das Haar an den Hafenfellen—, d. i. die Spigen der groben 
Haare abſchneiden; Müll. den Weigen—, d. ti. die Spigen von den Kör: 
nern abftogen laffen, was mittelft des Spitzbeutels gefchieht, wenn ber 
Weizen den Spigbrand hat; daher die Spitzkleie, Kleie von dem bloß 
gefpisten Weizenz; — der Spißel, -$, oberd. 1) f. Spitz, Spitzhund; 2) 
(son fpisen) f. Aufpaffer, Späher, Angeber; ſpitzeln, ziellof. 3w., oberd. 
Oftereier mit den Spigen an einander ftoßen, auch: ſpicken (f.d.); beißende 
Reden führen, ſticheln; Eleine Biffen effen, nur Eoften; der Spitzling, 
| - 08, M. -e, eine Art Klapperäpfel, Spitzapfel; die gemeine Trespe. 
fpleißen, 3w. ablaut. Impf. fplif8, Gonj. fpliffe; Mw. geſpliſſen, (altd. 
| splizan, splizen, spleiz, gesplizzen; niederd. fpliten, Impf. fpleet, Part. ſple— 


63* 








996 - Splint — fpliten 


ten; auch fpletten, daher das Splettkorn f. Spelt; ſchwed. splita, engl. 
split, holl. splitten, spletten; Stamm split, v. der Wurzel spli, welches nur 
Nebenform von spil, spal ift, vgl. fpalten u. fpillen) 1) ziellos m. fein, od. 
rückz. f. fi) fpalten, abtrennen, abfafern, berften (das Holz ift gefpliffen 
od. hat fich gefpliffen); 2) ziel. f. fpalten, reißen, fchleißen (Dachſpäne, 
Reife ꝛc. —; Federn —, f. v. w. fchleißen); Yandfch. Hüttenw. von einer Art 
zu ſchmelzen, wodurd das Königskupfer gereinigt wird, fonft: das große Gar— 
madjyen, welches in dem Spleißofen, in der Spleifhütte von dem 
Spleißmeifter u. den Spleißknechten gefhieht; das Spleißkup— 
fer, Garkupfer, welches vom Spleifherde kommt; — die Spleiße, M.-n 
(andſch. auch Spließe, Spliffe;z alt. splize, oberd. die Spleißen; nie- 
derd. Splete) 1) alt u. niederd. f. Spalte, Nige, Schlig (in diefer Bed. auch: 
der Spliſs, niederd. Splett; vgl. das fchwed. split, Zwieſpalt, Streit); 
2) gew. etwas Gefpliffenes, ein zerfpaltenes od. durch Spalten entftandenes 
Ding, insbe. landſch. f. Dachfpan, geriffene Schindel; Lichtſpan; Faſsb. 
Hefpaltene Bandſtöcke zu Reifen; landfh. aud) die vom glühenden Eifen beim 
Hämmern abfpringenden Funken; auch f. Splint; fpleißig, Bw., fich leicht 
fpleißen od. fpalten laffend. 


Splint, m., -es, M. -e, (von dem niederd. fpliten, Nebenform fplin- 


ten f. fpleißen, ſ. d.; engl. splint f. fpalten, fplittern u. Splitter; ſchwed. 
splinta, hol. splinter), landſch. f. Holzfpan, Splitter; gew. das weichere 
(leicht fpleißende) Holz zwifchen der Rinde und dem Kerne des Baumes, 
auch Spint, Spund; niederd. ein längliches, gefpaltenes Stüd Eifen zum 
Öffnen einer Art Schlöffer, welche Splintenfdlöffer heißen; ferner ein 
dünnes gebogenes Eifen, welches durch die ſchmale Öffnung eines Bolgens 
0d. Riegels gefteckt wird, damit derfelbe nicht zurückgehen Eönne, auch Spleiße, 

Schleiße od. Schließe genannt; daher det Splintbolzen, Schließbolzen; 
das Splintgat, Schiff. die Öffnung eines Splintbolgens; — ber Splinter, 
-8, landfch. f. Splitter, ſ. d. 

fpliffen, ziel. 3w. (Nebenform von ſpleißen), Schiffb. zwei Hölzer mittelft 
einer Kluft od. Zunge in einander fugenz; die Enden zweier Taue duch 
Ereugweife Verſchlingung der Duchten mit einander vereinigen, auch: ſplitzen; 
der Splifshammer, das Splifshorn, ein Hammer, od. ein eiferner Bolzen 
mit einer Spise, beim Spliffen der Taue gebraucht; — Tpliffig, Bw., land- 
ſchaftl. f. fpleißig, fpaltigz; die Spliffung, das Spliſſen; die Verbindung 
zweier in einander gefplifften Taue. 

fpliten od. fplitten, 3w., niederd. f. fpleißen (f. d.); inöbef. Federn 
fplitten, f. fchleißen; — der Splittapfel, eine Sorte guter Auguft-Apfel, 
auch Honig-, Stedapfel 2c., landſch. au: der Splittih, Splitfer; die 
Splitterbfe, niederd. f. ausgeläufelte Erbſe; — der Splitter, -8, M. w. 
E., Verkl. das Splitterchen, (altd. splitar, spliter; ins Hochd. aufgenommene 
urfpr. niederd. Form; vgl. bitter neben beißen), ein abgefpliffenes od. ‚abge: 
fprungenes Kleines ſpitziges Stud z. B. von Holz, Knochen, Glas zc. (ſich 
einen Splitter in den Finger ſtoßen; bibl. den Splitter im Auge des Nächſten 
fehen, und nicht den Balken im eigenen Auge, d. i. den Eleinften Fehler des 
Andern, und nicht die größeren eigenen Fehler) ; Tplitterig, Bw., viele Split- 
ter gebend, in Splitter zerfpringend; fplittern 1. 3w. 1) giellos mit ha⸗ 
ben, fich in Splitter trennen, Splitter geben (das Holz fplittert); m. fein, 








fplittern — Sporn 997 


fplitterig zerbrechen (ein Maft fplittert, ift gefplittert); 2) ziel. zu Split— 
tern machen, in Splitter fpalten (Bola—); — 3fes. der Splitterbruch, 
ein fplitterigee Knochenbruch; das Splitterholz, Forftw. f. Hauholz, entg. 
Hegeholz; fo auch: der Splitterbaum; fplitternadt, Bw., (landfch. fplin= 
ternadt; d. i. gleichj. abgefpliffennadt, od. bis auf den legten Splitter 
0d. Faſer nadt; vgl. fafel- od. faſennackt), gem. f. völlig nadt; fplitterrich- 
ten, untrb. ziellof. Zw. (nach dem bibl. Gleichniffe Matth. 7, 3; f. o.), Elein= 
fich und mit lieblofer Strenge richten od. urtheilen; der Splitterrichter, die 
Splitterrichterinn, wer fptitterrichtet; der Splitterwurm, ein länglicher 
Eingeweidewurm mit einer einzigen Saugmündung. 

fplittern 2. zielfof. 3w., niederd. f. ängſtlich fchreien. 

Spon, m., -e3, M. Spöne, gem. ober= u. niederd. f. Span 1. u. 2. 

Spön, w., M. -en, niederd. f. Kuheuter, Zigen, (j. fpänen); das Spon— 
Ealb, f. ein eben entwöhntes Kalb. 

Sponde, w., M.-n, (von d. lat. sponda) landſch. f. das Bettgeſtell 
(gew. die Bettfponde). 

Sponning, w., M. -en, Schiffb. eine Kerbe an beiden Seiten des Kie- 
les, in welche die Kanten des Kielganges zu liegen fommen. 

fponfeln, ziel. 3w. (vgl. fpannen), landfch. das Vieh —, d. i. ihm die 
Füße lofe an einander binden, um das Kortlaufen zu verhindern. 

fpönfeln, fpünzeln, oberd., gem. fponfiren, ziellof. 3w. (vom lat. spon- 
dere, geloben, sponsus, verlobt 2c.; vgl. Gefpons), mit einer—, liebeln, 
buhlen, den Freier fpielen. ; 

fpor, Bw., vlt. oberd. f. mürbe, weich, teig; daher vielleicht: der Spor- 
apfel, die Sporbirn, f. Spier- od. Sorbapfel; das Spor- Ei, landſch. f. 
unfruchtbares Ei, Windei; der Sporkalf, f. Sparkalt; — fporen, ziellof. 
3m. (vgl. fparen 2.), oberd. f. fchimmelig fein od. werden, modern (auch: 
verfporen); der Spor, oberd. f. Schimmel; fporig, Bw., f. ſchimme— 
lig (Brod), verdumpft, erftickt (Wäfche, Holz); das Sporifen- od. Spör— 
kenholz, landſch. f. Faulbaum, auch Sporgel- od Spörgelbaum, u. die 
Früchte: Sporgelbeeren (vgl. Spergelbaum). 

ſpör, gew. fpeer od. fpär gefpr., Bmw. (altd.spori, spore; vgl. fparen 1.), 
oberd. f. fehlerhaft=troden, raub, hart, ausgedörrt (Brod, Boden, Grund 
20.); wegen Trodenheit unfruchtbar (Wieſe, Sahr 2e.); Armlich, kümmer— 
lich, Elamm (4. B. leben; es geht mir fpeer); hager (fpeer ausfchauen); hart, 
ſcharf, flihelnd (einen fpeer reden, d. i. ihm hart od. anzüglich anreden); 
fpören od. fpeeren, 3m. f. troden werden od. machen; der Speerling 
f. magerer Menſch. 

Sporader, w., die Sporen, der Sporenftich, f. unter Sporn. 

Sporer, m., - 8, M. w. E. (alt spörer, von dem alten Spor f. Sporn, 
ſ. d.), ein Handwerker, welcher Spornen, Gebiffe u. anderes metallenes 
Pferdegeräth verfertigt. 

Spörgel od. Spörk, m., f. v. w. Spergel, Spark, f. d. 

Spork od. Spurf, w., o. M. (verw. mit Spor, ſ. d.; vgl. d. lat. spur- 
eus), dit. f. Koth; Unreinigkeit (4. B. an den Erzen); auch f. Februar od. 
Hornung (f. d.), auch: die Sporkel (Hol. sporkel). 

Sporn, m., -e8, M. Sporne (vereinzelnd, z. B. verfchiedene Sporne) 
u. Spornen od. alt: Sporen (zufammenfaffend, 3. B. ein Paar Spornen 


998 Sportel — Spott 


0d. gew. Sporen), Ball. das Spörnchen, (von gleihem Stamme mit 
Speer (ſ. d.), Spier, Spur; alt. sporo, G. sporin; mitteld. spor, G. u. M. 
sporn, aus welcher Biegungsform der heutige unorganiihe Nom. Sporn, 
G. Spornes entft. iſt; oberd. der Sporen, M. die Sporen; niederd. Spaarnz 
angelf. spora, engl. spur, isländ. spori, jchwed. sporre; ital. sprone, franz. 


eperon), urfpr. überh. ftechende Spitze, Stachel; gew. in engerer Bed. ein 


ftählerner Stachel od. ein ſtacheliges Rädchen an einem metallenen Bügel, 
an der Ferſe des Weiters befeftigt, um das Pferd damit anzutreiben (die 
Spornen od. Sporen anlegen; dem Pferde die Spornen geben); uneig. f. ein 
heftiger finnlicher Antrieb, flarker Beweggrund G. B. Ehrgeiz war fein 
Sporn ꝛc.; ſprichw. einen Sporn haben, od. einen Sporn zu viel haben, .. v. 


w. einen Nagel od. Sparren haben, f. d.); in weiterer Anwendung verfchie- 


dene fpornähnliche Spigen, z. B. die fpisigen Auswüchfe kinten an den Fü- 
Ben mancher Vögel, z. B. der Hähne u. Lerchen; die ſpitzen After» od. Ober- 
Eauen der Schweine zc.; die runde Hornwarze an der Feſſel der Pferde; 
Pflanz. eine ſackförmige Verlängerung der Blumentrone (vgl. Ritterfporn, 
Spornblumoe); f. auh Eisſporn; bei den Goldplättern: zwei eiferne 
Stacheln, welche die blecherne Rolle mit dem zu plättenden Drathe tragen; 
landſch. mit eifernen ſpitzigen Eden verfehene Bäume an den-Brüden;z auch f. 
Strebepfeiler; — 3feg. die Sporn- od. Sporader, Blutader am Bauche 
der Pferde in der Gegend, wo man mit dem Sporne ftiht; der Spornflügel, 
eine Gattung ausländifcher Vögel mit fpigigen Spornen an den Flügeln; ber 


Spornhai,. eine Art Haifiiche mit Stacheln vor den Rüdenfloffen; dad 


Spornleder, der Riemen, mittelft deffen der Sporn über dem Fuße feftge- 
Tchnallt wird; auch das über dem Abſatz des Stiefels Hervorftchende Leder, 
worauf der Sporn ruht, der Spornhalter od. träger; das Spornrab, 


das fachelige Rädchen des Spornes; ſpornſtätig, Bw. von Pferden, ftätig, | 


d. i. ftchen bleibend, wenn fie die Spornen fühlen; der Sporn= od. Sporen: 
ſtich, f. Kreuz- Enzian; u. f. Kreuzkraut od. güldener Waldmeifter; ſporn— 
ſtreichs, ehem. ſporenſtreichs, Nw., im ſchnellſten Laufe, wie ein geſporn⸗ 
tes Pferd, in größter Eile; — Ableit. ſpornen, ziel. Zw., 1) (mittelh.sporn, 


Prät. sporte; oberd. auch [poren) durch Stechen mit dem Sporn antrei⸗ 


ben (das Pferd); uneig. überh. f. lebhaft anregen, antreiben, vgl. ſtacheln 
(der Ehrgeiz Tpornt ihn); 2) mit einem Sporne od. mit Spornen verfe: 
hen (den Fuß, ſich — 20.5 geftiefelt und gefpornt fein). 

Sportel, w. gew. nur M. die Sporteln, (altd. sportala, sportel; von 
d. lat. sportula, d. i. eig. ein Körbchen, insbeſ. mit Eſswaaren zc., die man 
Zernand zum Geſchenk macht, dann überh. f. Geſchenk), die Gebühren, welche 
die Gerichtsperfonen von den Parteien für ihre Bemühungen erhalten, gericht- 
liche Nebengebühren, Schreibgelder 2c.; fporteln, ziellof. Zw. m. haben, 
Sporteln geben, einbringen od. abwerfen (Nechtöfälle, die gut fporteln). 


Spott, m., - es, 0. M., (altd. spot, G. spottes; isländ. spott, n. u. spotti, 


m, f. Kleinigkeit; ſchwed. spott; vgl. das niederd. Spiet, engl. spite; wie es 
fcheint, v. angelf. spittan, engl. spit, ſchwed. spotta, fpeien, entfpr. dem oberd. 
fpügen; mithin wäre Spott in niederd. Lautform ins Hochd. übergegangen, 
u. die Urbed.: das Ausfpeien als Ausdruck des Hohns; vgl. jedoch auch: ſpäh, 
fpeie), ehem. f. Scherz, Spaß (daher: ohne Spott f. im Ernſt, aufrihtig) ; 
jetzt in engerer Bed. die Uußerung des Vergnügens Über Anderer Fehler 


* 








Spott 999 


od. Schaden, bef. in beißenden od. wigigen Worten, um fi u. Andere zu be- 
Iuftigen, verſch. Hohn, welches den Nebenbegriff der folgen Verachtung hat, 
(feinen Spott mit Jemand od. mit etwas treiben; fprihw. wer den Schaden 
hat, darf für den Spott nicht forgen); auch f. Schande, Schimpf, als Wir- 
tung des Spottes (einen in Spott u. Schande bringen; in Spott gerathen 2c.); 
ein Gegenftand des Spottes (bibl. ein Spott fein; zu Spott werden 2c.); 
gem. auch f. Spottgeld, Spottpreis, f. u. (z. B. etwas um einen Spott Tau: 
fen); — fpotten, ziellof. 3w. m. haben, (altd. spottön u. spotten; ſchwed. 
spotta), ehem. f. fcherzen, fpaßen (3. B. ich fpotte nicht, es ift mein Ernſt; 
damit ift nicht zu ſpotten 2c.): jegt: Semands od. einer Sache (Gen.)—, 
au: Uber Jemand od. etwas —, d. i. feinen Spott darüber äußern od. 
damit treiben, finnv. einen neden, aufziehen, verhöhnen, fich über ihn od. 
eine Sache luſtig machen ꝛc. (z. B. er fpottet meiner; fpotte nicht des Ge- 
brechlichen, od. über den Gebrechlichen, über Jemands Unglüd 2c.; chem. auch 
ziel. einen—, f. verfpotten, 3. B. bibl. er wird die Spötter fpotten; Gott 
läſſt fich nicht fpotten); — 3fe$. v. Spott u. fpotten: das Spottbild oo. 
»gebilde, Neum., ſ. v. w. Zerrbild, f. das fr. Garicatur; der Spottbildner, 
wer Spottbilder macht, f. das fr. Garicaturift; die Spottdroffel, zwei Drof- 
fel-Arten in Jamaika, welche den Laut anderer Vögel nachahmen, die eine auch 
Spottvogel genannt; das Spottgedicht, die Spottrede, -fchrift, ein 
Gedicht, eine Rede od. Schrift, worin Anderer Thorheiten od. Lafter verfpot- 
tet werden, ſinnv. Stachel-, Strafgedicht zc., f. das fr. Satire; das Spott- 
gelächter, Spottlachen zc., Spott ausdrüdendes Lachen; das Spottgeld, 
der Spottpreis, fehr wenig Geld als Preis für eine Sache, ein fo niedriger 
Preis, als ob man damit des Werthes der Sache fpottete (ein Spottgeld für 
etwas bieten; etwas um einen Spottpreis Eaufen); daher auch: der Spott- 
kauf; das Spottlob, fpottendes, nicht ernft gemeintes Lob, Neuw. f. dus fr. 
Ironie; die Spottluft, Neigung zu fpotten; fpottluftig, Bw.; das Spott- 
maul, gem. f. Spötter, Spötterinn; die Spottmufif, das Spottftänd- 
chen, (fr. Charivari); der Spottnamen, verfpottender Beinamen; die Spott- 
ſucht; fpottfüchtig, Bw.; der Spottvers, M. Spottverfe, ſ. Spottgedicht; 
der Spottvogel, 1) verfchiedene Vögel, welche den Gefang anderer Vögel 
nadhäffen, insbeſ. der rothköpfige Neuntödter; die Grasmücke; die Spottdroffel, 
f. dez 2) uneig. f. eine gern fpottende Perfon, vgl. Spaßvogel; Tpottweife, 
Nw., aus od. zum Spott; fpottwohlfeil, Bw. gem. f. höchft wohlfeil (vgl. 
Spottgeld); das Spottwort 21.5; — Ableit. von Spott: fpöttifch, Bw., 
Spott enthaltend od. ausdrüdend (ſpöttiſche Mienen, Worte 2c.); geneigt 
und gefchit zum Spott, gern fpottend (ein fpöttifcher Menſch); fpött- 
lich, Bw. (altd. spötlich), alt u. landſch. f. ſcherzhaft, lächerlich; einem 
Spott ähnlich, ſpöttiſch; oberd. f. verächtlich, werthlos, ſchlecht; u. f. ver- 
adıtend, höhniſch; — von fpotten: der Spötter, -8, die Spötterinn, 
M. -en, wer (gern und häufig) fpottet; Naturk. Spötter, eine Art Me- 
wen, deren Gefchrei einem Gelächter ähnelt; oberd. auch eine Art Elfter, welche 
die Stimme anderer Vögel nachäfft; die Spötterei, wiederholtes od. anhal- 
tendes Spotten u. die Neigung dazu, finnv. Gefpöttz auch der geäußerte 
Spott, fpottende Worte (M. Spöttereien); Tpötteln, zielloſ. 3w., das verkl. 
fpotten: ein wenig od. auf verſteckte Weife fpotten (über Jemand —; oberd. 
auch ziel. einen —, f. zum Beten haben, mit Stichelveden quälen); die 


1000 Sprache 


Spöttelei, M. - en, das Spötteln; fpöttelnde Worte ıc.; der Spöttler, 
die Spöttlerinn, mer fpöttelt. 

Sprache, w., M.-n, (altd. sprähha, sprächa, spräche; oberd. Sprach; 
niederd. Sprake, angelf. spraece, ſchwed. sprak; von fprechen, f. d.), überh. 
das Sprechen u. das Öefprochene, insbef. 1) fubjectiv, 0. M., das Ver: 
mögen zu fprechen (3. 8. die Sprache verlieren; der Schreck benahm ihr die 
Sprache), in weiterer Anwendung auch das Vermögen felbftthätiger Laut— 
Erzeugung als Gefühlscusdrud (die Sprache der Thiere); die thätige Anz 
wendung des Sprachvermögens, die Handlung des Sprechens, Gedan— 
fenäußerung durch Worte, (mit der Sprache nicht heraus wollen, d. i. nicht 
iprechen, fi) über etwas nicht Außern wollen; nur heraus mit der Sprade! 
eine Sache kommt zur Sprache 2c.); die Art und Weiſe zu fprechen, in Hin- 
ficht des Sprachvermögens (4. B. eine fehwere, od. leichte Sprache haben), 
der Stimme (eine grobe, feine, ftarke, leiſe Sprache haben), fo wie der Munde 
art, der Ausdrucdsweife, Wahl der Worte, Form und Inhalt der Nede 
im Sprechen und Schreiben, (z. B. eine ernfte, feierliche, rührende Sprache; 
eine einfache, natürliche, Eunftlofe, oder gefuchte, Eünftliche, gezierte Sprache; 
die Sprache des gemeinen Lebens, Volksſprache, Sprache der Gebildeten; die 
Sprache der Handwerker, Künftler, Jäger, Schiffer 2.5; die Sprache der Lei— 
denfchaft, der Liebe, des Zorns ꝛc.; in diefem Buche herrfcht eine ſchöne, Eräf- 
tige, bfühende ꝛc. Sprache, d. i. Ausdrudsmweife, Schreibart, Stil); uneig. 
auch die Außerung der Gedanken durch fichtbare Zeichen (Geberden-, Mie- 
nen>, Fingerſprache 2c.); 2) objectiv, M. Spraden, die Gefammtheit 
der Laute und Lautverbindungen, welche dem ganzen Menfchengefchlecht, 
oder einzelnen Völkern als Mittel des Gedanken-Ausdruds dienen, (bie 
Sprache der Menfhen; die Sprachen der Wilden, — der gebildeten Völker; 
todte, oder lebende Sprachen, alte u. neue—; fremde Sprachen, entg. ber 
Mutterſprache; die griechifche, Yateinifche, deutfche, franzöfifche Sprache zc. ; 
eine Sprache lehren, lernen; verfchiedene Sprachen fprechen, verftehen, fchreis 
ben; eine reiche, arme, leichte, fehwere ꝛc. Sprache); alt u. oberd. auch f. Ge— 
fpräch, Befprechung (daher noch Rückſprache), Zufammenkunft, Ver— 
handlung (vgl. Morgenfprahe); Verantwortung od. Nede und Ge- 
genredeivor Gericht; — 3feg. die Sprachähnlichkeit, Gleichförmigkeit od. 
Regelmäßigkeit in der Sprache, d. i. die Anwendung übereinftimmender For: 
men für gleiche Begriffe und Verhältniffe (fr. Analogie); die Sprachart, ei- 
genthüml. Befchaffenheit einer Sprache, verfch. Sprehart; der Sprachbau, 
das Ganze einer Sprache, hinfichtlich der Wortbildung u.-fügung; die Spradh- 
‚bemerfung; der Sprachbote, Handw. der Altgefelle, welcher das Wort führt; 
die Spracheigenheit (fr. Idiotismus); der Sprachfeger, ſpöttiſch f. Spradh- 
veinigerz der Sprachfehler, ein Fehler gegen die Regeln der Sprache (gram- 
matifcher Fehler); das Sprachfenfter, in Nonnenktöftern das Fenfter in dem 
Sprahzimmer, auh: das Spradhgitter, fofern es mit einem Gitter ver— 
fehen iſt; der Sprachforfcher, die Sprachforfchung, f. unter forfchen; der 
Sprachgebrauch, das in der Sprache des Volkes u. der beften Schriftfteller 
einer Nation allgemein od. doch vorherrfchend Übliche, und. deffen Anwendung 
und Beobachtung; Fprachgelehrt, Biw., gelehrte, d. i. umfaflende und gründ- 
liche Kenntniffe in Sprachen befigend, u. darin gegründet; daher: ein Sprad)- 
gelehrter, der Sprachgelehrte, (finnv. die fr. Philolog, Linguift); die 





u 





Sprache , 1001 
Sprachgelehrfamfeit; das Sprachgefeß, eine Sprachregel, bef. fofern fie 


in ihrer Nothwendigkeit und in Zufammenhang mit dem ganzen Sprachbau 
erkannt wird; fprachgewandt, Biv., gewandt in der Handhabung der Sprache 
05. der Kunft ſich auszubrüden; die Sprachgewandtheit; das Sprachge- 
woölbe, ein nad) einer Kegelfchnittlinie geführtes Gewölbe, in welchem der 
aus einem Brennpunkte kommende Schall in dem andern vernommen wirb; 
das Sprachgitter, ſ. Sprachfenfter; das Sprachhaus, ein Haus, in welchem 
man zur Beiprehung zufammenkommt; ehem. f. Verfammlungshaus eines Ge- 
‚richte, einer Behörde zc.; u. uneig. f. heimliches Gemach, Abtritt, auch: die 
Sprachfammer; der Sprach- od. Sprachenkenner, wer eine, od. mehre 
Sprachen genau Eennt (jedoch nur erfahrungsmäßig, nicht gerade gelehrt oder 
wiffenfchaftlich); die Sprach: od. Sprachenkenntnifs, die (ſubjective) Kennt- 
nifs einer od. mehrer Sprachen; die M. Sprachkenntniſſe auch objectiv 
von dem Gegenftande diefes Wiffens (z.B. viele Sprachkenntniſſe befigen) ; die 
Sprach od. Sprachenfunde, 1) f. v. w. Sprachkenntniſs; 2) die gefhicht- 
liche Wiſſenſchaft von einer u. bef. von mehren od. allen Sprachen der Erde 
nach ihrer Entwicdelung u. ihren verwandtichaftlihen Verhältniffen (fr. Lin— 
guiftit); ſprachkundig, Bw.; der Sprach- od. Sprachenfundige, 1) f. v. 
w. Sprachkenner; 2) gelehrter Forfcher im Fach der Sprachenkunde (fr. Ein- 
guift); ſprachkundlich, Bw.; zur Sprachkunde gehörend od. diefelbe betref- 
fend; die Sprachkunſt, die Kunjt der Sprache, d. i. der Inbegriff der Sprach— 
regeln hinfichtlich ihrer Ausübung u. der dazu erforderlichen perfönlichen Ge— 
fchietlichkeit (vgl. Kunft); ehem. auch überh. f. Sprachlehre; der Sprach- 
künſtler, wer die Sprache Eunftmäßig od. mit großer Gewandtheit handhabt; 
der Sprachlauf, gegliederter Laut, ald Beftandtheil der menschlichen Spradhe; 
die Sprachlehre, die wiſſenſchaftliche Darftellung der Gefege einer Sprache, 
bef. fofern fie Lehrgegenftand ift, alfo das Verftehen u. die richtige Anwendung 
der Sprache zum Zweck hat, verfhieden Sprachwiſſenſchaft, (fr. Grammatik); 
auch ein Lehrbuch über eine Sprache; der Sprachlehrer, die Sprachlehre- 
rinn, wer in einer od. mehren Sprachen unterrichtet; auch der Verfaffer einer 
Spradhlehre od. anderer Lehrfchriften über die Sprache (fr. Grammatifer); 
fprachlehrig, r. fprachlehrlich, Biv., die Sprachlehre betreffend (Neuw. f. d. 
fr. grammatifch, grammatikalifch); Tprachlos, Bw., des Sprachvermögens be- 
raubt, bef. auf einige Zeit, verfch. ftumm, (4. B. vor Schreck, vor Verwun⸗ 
derung zc. ſprachlos); die Sprachlofigkeit; der Sprachmeifter, gem. f. der 
Sprachlehrer, bei. fofern er das Unterrichten in einer lebenden Sprache als Ge- 
ſchäft oder Gewerbe treibt; die Sprachmeifteret, das Meiftern in der Sprache, 
dünkelhafte Sprachgefeggebung; der Sprachmenger, wer verfchiedene Spra- 
chen unter einander mengt, insbef. wer feine Mutterfprache durch unnöthige 
Einmengung fremder Wörter verunreinigt; die Sprachmengeret, tadelnswerthe 
Einmengung fremder Wörter; die Sprachregel, Regel, welche beim Sprechen 
und Schreiben einer Sprache zu befolgen iſt; der Sprachreiniger, wer eine 
Sprade von allem Unrichtigen u. def. Fremdartigen zu reinigen fucht (fr. Pu— 
riſt); die Sprachreinigung (fr. Purismus) ; ſprachrichtig, Biv., den Sprad;- _ 
vegeln gemäß (fr. correct); die Sprachrichtigkeit; das Sprachrohr, ein 
langes, trompetenförmiges Rohr, welches die hineingefprochenen Laute verftärkt 
u. in der Ferne vernehmbar macht, auf Schiffen: der Rufer; der Sprach— 
faal, ein Seal mit einem Sprachgewölbe; der Sprachfchaß, der ganze Vor— 


1002 | Sprad — fpraßen 


vath einer Sprache an Wörtern, Wortformen und Verbindungen; auch ein 
Schriftwerk, welches diefen Vorrath darlegt, ein großes Wörterbuch; der- 
Spraͤchſchnitzer, f. Schniger; die Sprachfchrift, eine die Sprache betref- 
fende Schrift; die Sprachfchule, Schule zur Exlernung von Sprachen; die - 
Sprachſtunde, unterrichtsſtunde in einer Sprache; die Sprachübung; ber 
Sprachunterricht; der Sprachverbefferer; die Sprachverbefferung; 
der Sprachverderber; die Sprachverderbung, »verderbnifs; die Sprach 
od. Sprachenverwandtichaft, Verwandtſchaft, d. i. Zufammenhang mehrer 
Sprachen hinfichttich ihrer Abftammung; das Sprachwerf, ein Werk über 
die Sprache; das Sprachwerkzeug, die Theile des menfchl. Körpers, deren 
man zum Sprechen bedarf (fr. Sprad Organe); fprachwidrig, Bw., ven 
Sprachgefegen zuwiderlaufend; die Sprachwidrigkeit; die Sprachwiffen- 
fchaft, Wiſſenſchaft von der Sprache; insbef. die wiflenfchaftliche Erkenntniſs 
der Sprachgefege in ihrem weſentlichen Zufammenhange, und deren Darftellung 
(Philoſophie der Sprache); das Sprachzimmer, ein zur Unterredung beſtimm⸗ 
teö Zimmer, b. Sprehzimmer; insbef. in Nonnenklöftern das Zimmer, in 
welchem die Nonnen durd) das Sprachgitter mit Fremden fprechen; — Ab— 
Leit. fprachig, Bw., eine Sprache od. Sprachen enthaltend, nur in Zfes. 
wie: zwei⸗, dreiſprachig 2c.; ſprachlich, Bw., die Sprache betreffend, dazu 
gebörend; fprachen, Zw. (altd. sprähhön, sprächen, Prät. sprachte), völlig 
vlt. f. fprechen, fich befprechen; noch oberd. einen —, f. anfprechen, zur 
Rede ftellen; ſprachten, ziellof. Zw., oberd. verächtl. f. fprechen, viel— 
od. groß fprechen. 

Sprad, m., oberd. f. Flecken auf der Haut, gew. verfl. das Spred- 
Lein (f. Sprede). 

Sprall, m., - 08, landſch. f. der Rifs; — das Sprallhaus, landſch. f. 
Kernhaus im Obſte; die Sprallbirfe, f. Hirfe mit fchwargem Samen. 

Sprang, m., — es, M. -e, auch der Spranf- od. Sprangregen, (von 
fpringen, fprengen, altd. auch sprangen), niederd. f. ein leichter Negen, der 
in einzelnen, weit zerftreuten Tropfen fällt; — das Sprangeifen, ein Eifen, 
womit man die Hälfe an gläfernen Gefäßen abfprengt. 

Spranz, m., -e8, M. -e, (vgl. ſprenzen f. fprengen u. fpreizen, 
Spring 2c.), oberd. f. das fplitterichte, Eeilförmige Ende eines abgehaue- 
nen Baumftammes; niederd. die Sprante, M. -n, ein Aft, im Deichbauz 
der Sprängel, :$, M. m. E., fchweiz. f. Sprießel, Sproſſe einer Leiter; 
Knebel; Mundfperre; fpranzen, ſpränzeln, ziellof. 3w., ſchweiz. f. ſich 
fpreizen, mit großen Schritten jtolz einhergehen. 

Sprate od. Spratel, w. M.-n, (vgl. fprießen) niederd. f. Sproſſe; 
daher der Spratenkohl (au SprutenEohHt) f. Sproffenkohl. 

fprätten, fprätteln, ziel. Zw., oberd. u. ſchweiz. f. ausbreiten, ausfper- 
von; zerftreuen (4. B. Gras, Getreide auf dem Felde); das Sprätt, ſchweiz. 
f. gemähetes Gras, das ausgebreitet liegt. 

ſpratzen, verkl. fpraßeln, fpräßeln, ziellof. Zw. m. haben, (altd. spra- 
zalon, sprazelen; vgl. fprigen u. praffeln), landfch. gem. f. mit Geräuſch 
fpringen, fprühen, fprigen, (flüffiges Metall ſpratzet, wenn kalte Luft od. 
Näſſe hinzutritt; die Feder fpragelt beim Schreiben, u. dgl.); das Spratzel⸗ 
holz, f. Holz, welches im Feuer fpragelt; der Spratzel, -8, oberd. f. ein auf: 
fahrender, ungeftümer, oder fich fpreizender Menſch; fpragelig, Bw., 











Sprau — fprechen 1003 


fpragelnd, fprühend; der Sprakling od. Spräßling, gem. M. Sprätz⸗ 
finge, Hüttenw. die aus dem abgetriebenen Silber, wenn die äußere Fläche 
erkaltet, in die Höhe tretenden Hervorragungen. 

Sprau, w., 0. M. (landih. auch Sprüfz hol, sprouwe, spruw), niederd. 
eine Krankheit faugender Kinder, |. v. w. Faſch, Schwamm, f. d. 

ſprechen, 3w., ablaut. ich fpreche, dur fprichft, er fpricht, wir fprechen 
2.5 Imper. fprich, ſprechet (iprecht); Impf. ſprach, Gonj. ſpräche; Mw. 
gefprochen, (althochd. sprehhan, sprah, M, sprähhun, gisprohhan ; mitteld. 
sprechen, sprach, sprächen, gesprochen; niederd. ſpreken, Impf. ſprak u. ſprook, 
Mm. ſpraken; holl. spreeken; ſchwed. spräka; angelj. sprecan, spreocan, u. 
daneben ohne r: specan, engl. speak, entweder durch Auswerfung des r, oder 
von anderer Wurzel, vgl. ſpächten; — die Wurzel sprak, sprah ift wahrich. 
eine durch das vorgefegte s verftärkte Nebenform von brak, prah, brechen, ſ. d. 
u. vgl. prachen, Pracht u. das ſchwed. spricka, brechen; die Urbed. von [pre= 
hen alfo entweder: das Brechen od. Gliedern des Lautes (vgl. das altd. 
sprahhön, ſchwed. spräcka, f. fchneiden, fpalten), oder wahricheinlicher: das 
Hervorbrechen, Hervorfprießen, Außerlichwerden des Gedankens in Worten; 
vgl. d. ſchwed. spricka, fproffen; angelf. sprec, das Reis; vgl. auch das griech. 
önfer pwrıv u. lat. rumpere vocem), überh. Worte u. in weiterer Bed. auch 
bloß gegliederte Laute hervorbringen od. hören laffen, verfch. von den finnv. 
Tagen, reden, f. d.; insbeſ. 1) ziellos m. haben a) Sprachlaute und 
Worte als Ausdrud der Gedanken hervorbringen (das Kind lernt fprechen ; 
Laut, Yeife, deutlich, undeutlich, langſam, ſchnell fprechen 2e.); in weiterer An- 
wendung auch von Thieren: der menfchl. Sprache ähnliche, gegliederte 
Laute hervorbringen (einen Papagei ſprechen Ichren), uneig. auch Natur— 
laute felbftthätig erzeugen (die Thiere ſprechen mit einander; wie fpricht der 
Hund?), u. überh. einen Laut von fich geben (die Flöte fpricht nicht rein; 
vgl. anfprehen); b) mit Hinficht auf den Inhalt, feine Gedanken durch 
vernehmliche Worte äußern, finnv. reden, (gut, jchön, Schlecht, langweilig 2c. 
ſprechen; richtig, mit Kiarheit, Geläufigkeit 2c. über od. von etwas —; ohne 
Überlegung — 20.5; für einen—, d. i. zu feinem Beften, zu feinen Gunften, 
insbef. ihn vor. Gericht vertreten, vertheidigen, ehem. : für einen vor dem Rech— 
ten —; oberd. wird ſprechen bei. f. groß- od. geziert-ſprechen gebraucht, 
außerdem gew. reden); c) mit Beziehung auf eine Perfon, an welche 
man feine Worte richtet, welcher man feine Gedanken mittheilt ıc., finnv. 
anreden, fich unterreden, befprechen (zu od. mit Semand— ; ich habe mit 
ihm davon od. darüber gefprochen; wir ſprachen mit einander davon; unter 
uns gefprochen 2e.; mit, zu, od. bei fich felbft fprechen); alt u. oberd. zu ei— 
nem —, f. ihn anflagen, vor Gericht gegen ihn klagen; einem an eine 
Sache —, f. diefelbe in gerichtliche Frage ziehen, vor Gericht in Anſpruch 
nehmen, anfechten; einemin eine Sache —, f. ihm Einſpruch thun, ein- 
fprechen ; A) uneig. auf irgend eine wahrnehmbare od. fühlbare Art, durch 
Zeichen, Merkmale, od, innere Empfindungen ze. fich äußern, bemerkbar ma— 
hen, zu erkennen geben (4. B. mit Bliden, Mienen, Geberden—; die Leis 
denfchaft, die Verzweiflung zc. fpricht aus ihm; Pflicht und Gewiſſen ſprechen 
zu und; mein ganzes Herz, das Blut in mir 2c. fpricht für fie, d. i. erklärt 
ſich zu ihren Gunften, ift für fie geftimmt); insbef. das Mm. fprehend 
als Bw. u. Nw. f. ausdrucksvoll, viel fagend (7. B. Iprechende Blicke; fpres 


1004 Sprecke 


hend ähnlich); 2) ziel. a) etwas —, mittelſt der Sprachwerkzeuge her— 
vorbringen, ausfprechen (Laute, ein Wort —; eine Sprache, Deutfch, Fran- 
zöſiſch ꝛc. —, auch f. fprechen Eönnen, der Sprache mädjtig fein); mit Hinficht 
auf den Inhalt des Gefprochenen, etwas in Worten Aufern, mittheilen, je- 
doch fo, dafs immer zugleich die Form der Äußerung in Betracht kommt, ver- 
fchieden fagen (vgl. was hat er geſprochen? d. i. welche Worte; u. was 
hat er gefagt? d. i. was war der Sinn feiner Rede? — viel fprechen, aber 
nichts ſagen; Kein Wort ſprechen; fprich nur ein einziges Wort!), bef. zur 
Ankündigung der erzählungsmweife angeführten gefprochenen Worte (4.8. 
Gott ſprach: es werde Licht! — Wie, ſprach er, ift das möglich ?), auch f. 
wiederholt od. inggemein fprechen od. fagen (die Leute fprechen, ob. man 
foricht: der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, u. dgl.; daher alt u. oberd. 
ein gefprohen Wort f. Sprichwort, f. d.); in bei. Anwendung: ein Ur— 
theil fprechen, f. ». mw. fällen; Recht —, d. i. Rechtsiprüche ertheilen, richten; 
den Segen, ein Gebet, das Vaterunfer— x. 5 alt u. oberd. einem et— 
was —, f. zufprechen, zuexkennen, insbe. ihm einen Beinamen geben (man 
Ipricht mie N. N., d. i. man nennt mich), auch f. Böfes nachfagen; uneig. 
etwas—, f. bemerkbar machen, zu erfennen geben (höre, was die Erfah. 
rung fpricht! ehem. auch: das ſpricht f. das heißt, bedeutet 2c.); b) et= 
was, einen od. fich (mit hinzugefügtem Beiwort) —, durch Sprechen od. 
mit Worten für etwas erklären, od. zu etwas machen, in den bezeichne- 
ten Zuftand verfegen, (etwas gut—, einen frei, los, ledig —, einen felig, 
heilig —; ſich müde fprechen, u. dgl. m.); ec) einen —, f. zu oder mit ihm 
fprechen, fich mit ihm befprechen, unterreden (ich mufs ihn fprechen; ich 
habe ihn geftern gefprochen ; ich wünfchte Sie auf ein Wort zu ſprechen; „wir 
werden uns ſprechen“, als Drohung f. wir werden die Sache mit einander ab- 
machen od. ausfechten; er Läfft fich nicht ſprechen, ift nicht zu ſprechen; ich bin 
jeden Morgen zu ſprechen; jedoch nicht paffiviih: ich werde geſprochen ꝛc.); 
uneig. nicht gut zu fprechen fein, f. nicht auter Laune, nicht aufgelegt feinz 
bef. auf einen nicht gut zu fprechen fein, d. i. ungehalten, aufgebracht über 
ihn fein; — 3feg. die Sprechart, die Art u. Weife zu ſprechen, fowohl in 
Hinficht der Ausſprache, als der Wahl der Worte u. Wendungen; die Sprech- 
haltung, ehem. f. Beſprechung, Zufammenkunft zur Unterredung (fr. Genfe- 
vonz); der Sprechfaal, das Sprechzimmer, zur Unterredung beftimmtes 
Gemach; das Sprechwerf od. = zeug, gem. f. Sprachwerkzeug, Mund, (gu- 
tes Sprechwerk haben, vgl. Maulwerd); — Ableit. fprechbar, Bw., mas 
gefprochen,, ausgefprochen werden kann; ſcherzh. auch: wer zu fprechen 
ift, fich fprechen läfft; die Sprechbarfeit; dev Sprecher, -8, (altd. spre- 
chaere), die S;precherinn, M. -en, wer fpricht, das Wort führe, Wort: 
führer ꝛtc. @. B. der Sprecher unter mehren Abgeordneten; in England: der 
Sprecher im Haufe der Gemeinen, d. i. der Vorfiger); oberd. f. Großſpre— 
cher, Prahler; ehem. insber. f. Schiedsmann; u. f. Gelegenheits:, Stege 
reifsdichter (vgl. Sprudfpredher); die Sprechung, das Sprechen (. 
B. des Segens), gew. nur in den Zfek. Frei-, Los⸗, Seligſprechung ze. 

Sprede, w., M. -n, auh: das Spredlein, Spredel, —s, alt u. land» 
ſchaftl. f. Eleiner Fleck, Sprenkel; fpredeln, 3w. (ſchwed. spräckla) f. fprenz 
keln, mit Eleinen Flecken zeichnen; fpredelig, Bw., (altd. sprechilot, sprek- 
keloht; oberd. ſprecklet) f. ſprenklig, gefprenfelt. 














Spregelleche — fpreizen 1005 


Spregellerche, w. eine Art ſchleimiger Seelerchen; — ber Spregelmeu- 
rer, eine Art Lippfiiche. 

Sprehe, w., M.-n, (andſch. auch Sprehe, Sprewe, Sprew; 
niederd. Spree, Spreen, Sprinne; holl. spreeuw; altd. spra; von dev Wur- 
zel spra, sprah, treuen, fprengen; vgl. Sprad, Sprede, Spreu, u. Spar, 
Sperk, Sperling; alfo: der gefprenkelte Vogel), landſch. f. der Stahr; die 
Sprehdroffel, eine Art gefleckter Droffeln: die einfame Droffel. 

Spreidich od. Spreidicht, f., - 3, (altd. spreidach, spreidech; aud) das 
Gefpreidez von fpreiden f. Tpreiten?), vlt. f. Gefträuch, Gebüſch, Dikicht. 

Spreil, m., -es, M. -e, (zgez. aus Spreidel, Spreitel), landfd. f. 
Spreißel, Speiler; Splitter, Span; fpreilen, ziel. 3w., f. ſpreizen, aus— 
fpannen; fplittern. 

fpreißen, zieltof. u. ziel. 3w. 1. f. fpreiten, fpreizen, fperren; daher 
fränk. f. fprengen, d. i. in geſtrecktem Galopp reiten (auch fpreißeln); 2. 
altd. (sprizen, spreiz) u. ſchweiz. f. fprengen, fprigen (wozu es ſich verhält, 
wie reißen zu rigen, fchleißen zu fchligen ꝛc.); 3. landſch. f. fprießenz; — 
fpreißeln, ziel. 3w., (altd. sprizalön, sprizeln) oberd. 1) f. fpalten, fplittern; 
2) mit Spreißen ausfpannen, fpeilern; 3) fränk. f. galoppiren; — die 
Spreiße, M.-n, der Spreißel od. Spreißen, -$, (landſch. auch der Sprie- 
Bel; altd. sprize, m., sprizel), 1) Sperr- od. Querholz, bej. Sproſſe in ei- 
ner Leiter; Speiler; 2) alt u. oberd. auch f. gefpaltenes Holzftüd, Scheit— 
chen, Splitter; Schiffs. dünne Bretter (Spreißen; die Spreißfeder, 
in Schlaguhren eine Feder, durch welche der Windfang auf feiner Welle befe- 
ftigt wird. 

fpreiten, ziel. 3w., (altd. spreitan, spreiten, als Ableitung v. dem ablaut. 
spritan, spreit; die Wurzel sprit iſt verft, Nebenform von prit, woher breit 
ftammt; oberd. fpraiten, niederd. fpreden, fpreen, ſpreien; angel. spredan, 
engl. spread, ſchwed. sprida; vgl. fpreißen, fpreizen), der Breite nach aus— 
dehnen, ausbreiten (z. B. die Arme, Flügel 2c.), auseinanderlegen (bef. Landw. 
den Hanf, Flache ze. zum Köften); das Spreit, f. Spriet; die Spreite, 
0. M. (niederd. Sprede, Spree), das Spreiten, die Ausbreitung, insbef. des 
Flahfes u. Hanfes; das Spreitgarn, ein ausgebreitetes Netz; bair. eine 
Art verbotener Fiſchnetze; — der Spreitel, —s, oberd. |. v. w. Opreißel, 
Splitter, Spänchen; fpreiteln, ziel. Zw., f. mit Spreißen fperren, fpeilern. 

fpreizen 1., ziel. 3w., das verft. fpreiten: weit aus einander breiten, 
fperren, ausfpannen (4. 8. die Füße— ; ein ausgefchlachtetes Kalb —, d. i. 
mit Sperchölgern ausfpannen, fpeileen); ſtemmen, ftügen (oberd. fpreu> | 
zen, f.d.; 28. fih mit den Füßen an die Wand —; einen Baum, eine 
Wand, ein baufälliges Zimmer 2c.—, d. i. Stügen darunter treiben); fih—, 
f. fich gegen etwas anftemmen, fich mit Heftigkeit widerfegen, finnv. ſper— 
ven, fträuben; auch fich breit od. groß machen, groß thun, hoffärtig ein= 
hergeben (fich mit etwas—, d. i. damit groß thun, fi) damit’ brüften); 
der Spreizbaum, Brau. ein ftarkes Holg, den Stellboden damit anzufpreizen; 
der Spreizting, Schmied. zwei Ringe um die Nabe des Rades zunächſt an 
den Speichen; die Spreize, M. -n, Stüge, Strebepfahl; der Spreizer, 
-8, oberd. f. hoffärtiger Menfch ; fpreizeln, zieltof. Zw.,.olt f. fich fpreizend 
einhergehen. _ 

ſpreizen 2., ziellof. Zw. (vgl. fpreißen 2.), landſch. f. fprigen, ſpratzen (.d.). 


1006 Sprenge — fprengen 


Sprenge, w., ſ. unter fprengen. 

Sprengel, m., 1. f. unter fprengen; 2. landſch. f. Sprenkel. 

fprengen, ziel. u. ziellof. Zw. (altd. sprengian, sprengan, sprengen, Prät. 
sprancte, Part. gespranct, daher noch oberd. bisw. gefprangt, bef. f. ge 
flecit, gefprenkelt; das Kactitivum von fpringen, f. d.), überh. fpringen 
machen od. laffen, insdef. 1) oberd. f. fchleudern, fchupfen, ſchlengen (f.d.; 
einen Bäder —); aufs oder fortfpringen machen (4. B. den Ball vom 
Billard—), auftreiben, auffcheuchen, in fchnelfe Bewegung ſetzen (Säg. 
ein hier, einen Haufen Geflügel aus feinem Lager —; ein Pferd über einen 
Graben—; einen in der ganzen Stadt herum —), bei. ziellos m. fein, auf 
einem fpringenden Pferde fich fortbewegen, in geſtrecktem Galopp reiten 
(er ift mit dem Pferde über den Graben, über die Brücke, durch das Thor ꝛc. 
gefprengt; durch die Straßen, mitten unter das Volk, auf einen zu—); 2) 
machen, dafs etwas an einen Körper fpringt, einen Stoff, bei. eine Fluf- 
figeit, in Eleinen Theilen anmwerfen, werfend verbreiten, finnv. freuen, 
fprigen (3. B. Salz auf das Fleifch, Waffer auf den Boden, Blut auf den 
Altar 2..—), auch ziellos m. haben G. B. im Garten, auf der Straße—, 
näml. Waffer) u. unp. es fprengt, d. i. es fällt ein feiner, gelinder Re— 
genz ferner ziel. f. befprengen, fprengend benegen (die Stube—), bef. mit 
einer flüffigen Farbe befprigen, fprenfeln (z. 8. den Schnitt eines Buches 
blau und roth —); 3) machen, dafs etwas ab= od. aus einander fpringt, 
d. i. bricht, zerbirft, plast, reißt, zerfprengen, (ein Stüd von einem Steine —; 
einen Felfen mit Pulver —, eine Feftung, ein Schiff ze. in die Luft —; eine 
Kette, die Saiten— ; uneig. einen Haufen Menſchen aus einander—, d. i. 
plöslich u. mit Gewalt zerftreuen; die Bank—, in Glüdsfpielen alles auflie- 
gende Geld od. mehr, als vorhanden ift, gewinnen); Zimmerl. einen Bal— 
ken —, f. abfichtlich Erumm fägen; — Zfeg. der Sprengbecher, Naturk. 
eine Art Röhrenfchneden, der Seemönd; die Sprenggabel, Schloſſ. ein ga 
belförmiges Werkzeug, bei Verfertigung eines Sprengwerkes gebraucht; das 
Sprenggefäß, ein Gefäß zum Sprengen mit Waffer, insbef. das Spreng— 
faſs, die Sprengfanne, f. v. w. Giefkanne, der Sprengfrug, -topf, 
-trichter 20.5 der Sprengfeffel, Keſſel mit Weihwaſſer, Weihkeſſel (f. d.); die 
Sprengfugel, in ver Gefhügkunft: ein mit Handgranaten verfegter Feuer: 
ballen; eine Bombe; die Sprengmaft, Landw. fpärliche Baummaft, wenn 
die Eicheln u. Buchnüffe nur einzeln hingeftreut (gleich]. gefprengt) liegen; 
der Sprengpinfel, ein Pinfel, mittelft deffen man fprengt, d. i. etwas be 
iprengt, bei Maur., Buchb. 2c.; das Sprengftüd, ein Eegelförmiges Geſchütz 
zur Sprengung von Thoren u. Mauern (fr. Petarde); auch ein abgeiprengtes 
Stück; die Sprengtonne, ein mit Schlägen und Granaten gefülltes Faſs, 
aus einer Feſtung auf die Stürmenden geworfen, Sturmfafsz; der Spreng- 
wedel, ein Wedel (f. d.), Waffer damit auf etwas zu fprengen, insbeſ. f. 
Weihwedel, Sprengel; das Sprengwerf, Werkzeuge od. Stoffe, mittelft de 
zen man etwas auseinander- od. in die Höhe fprengt; Schloſſ. ein Gitter mit 
allerlei Verzierungen ; Zimmerl. eine auf Spannriegeln u. Strebebändern ru⸗ 
hende Balken-Verbindung, z. U. v. Hangewerk; der Sprengwifch, ein Stroh⸗ 
wiſch zum Sprengen mit Wafler; — Ableit. fprengbar, Bw., mas ger 
fprengt werden kann; die Sprenge, 1) o. M. das Sprengen, Beſpren⸗ 
gen; 2) M. -n, oberd. (die Spreng) f. das Außerfte, dev Nand (eines 








Sprentel — Spreu 1007 » 
Abgrundes, bes Tiſches 2c.), ſchweiz. ein Eurzer jäher Abfchufs an einer 
Straße; 3) oberd. die Sperrruthe des Webers, zum Ausfpannen der Lein- 
wand; der Sprengel, -3, M. w. E., 1) ein Werkzeug zum Sprengen, 
d. i: Befprengen mit Waffer, insbef. der Sprengwedel od. -Büſchel, deffen 
ſich ein Biſchof, Pfarrer 2c. bedient, um nad) altrömifcher Sitte der Weihung 
od. Reinigung (Luftration) feine Gemeinde zu befprengen; daher 2) uneig. f. 
die Amtsverrichtungen eines. Geiftlihen u. deren Bezirk Girchſpren— 
gel, f. d.); in weiterer Anwendung auch f. Gerichtsbezirk (Gericht s— 
ſprengeh; ber Sprenger, -3, M. mw. E., wer etwas fprengtz chem. 
ein eifernes Martergeräth, welches um die Knöchel der Beine u. Arme ge- 
legt wurde; Iäg. ein aus. dem Lager aufgefprengtes Wild, bef. Hirſch od. 
Sau; niederd. (ft. Springer) f. Deufchrede; der Sprengfel, -3, M.m. €., 
landſch. f. ein fpringendes Thier od. Ding, insbef. f. Heufchrede (auch 
Springfel, Sprenkel, Sprinke 2c.); fränk. f. Sprenfel zum Vogelfang (auch 
Sprenzel); die Sprengung, das Sprengen, bef. in der Bed. 3) (4. B. eines 
Felſens, einer Feftung 2c.). 

Sprenkel 1., m., -$, M. w. E., (von fpringen, eig. ein fpringendes 
Ding), bei. niederd. ein zufammengebogenes Reis mit einer Schnur und 
einem Schnellhölzchen zum Vogelfang, landſch. auch Sprengel, Spreng- 
fel (engl. springe) , oberd. gew. Schneife od. Schneiße, vgl. auch Dohne, 
welche jedoch größer u. überdies mit einer Schlinge verfehen find; landſch. 
auch f. Heuſchrecke; niederd. f. ein Sperrholz; — das Sprenkelbein, Iand- 


ſchaftl. f. Erummes, gebogenes Bein; fprenkelbeinig, Bw., f. Erummbeinig. 


ſprenkeln, ziel. Zw. (Verftärkungsform von fprengen 2); 'niederd. auch 
ſprenken; angelf. sprencan, engl. sprinkle, holl. sprenkelen, sprinkelen ; 
oberd. pre deln, vgl. Sprede), etwas mit einer od. verfchiedenen Far- 
ben gleich]. befprengen, mit Eleinen Flecken verfehen, finnv. tüpfeln 
(Papier, den Schnitt eines Buches u. dgl.; bei. das Mw. gefprenkelt, 
f. v. w. fprenkelig); der Sprenfelbörs, eine Art gefprenfelter Börfe; der 
Sprenfelfifch, eine Art gelb u: grün gefprentelter Stugköpfe; — der Spren- 
el 2. -3, M. w. E., oberd. verkl. das Sprenklein, -8, ein Eleiner, gleichſ. 
angefprengter Fleck od. Punkt; insbef. f. Sommerfleden od. = fproffen 
(landich. aud) Sprinkel, Sprideln); fprenkelig, Bw., mit Sprenfeln 
verfehen, gefprenkelt. 

fprenzen, ziel. 3w. (vgl. Spranz), alt: u. oberd. 1. f. fprengen, befpren- 
gen, begießen (ſchwäb. Küchengewächſe, Leinwand auf der Bleiche ꝛc. —); 
auch f. fprengen 3), zerfprengen; — 2. f. fpreigen (fchweiz. fpranzen), 
daher uneig. f. aufpugen, zieren, ſchmücken; — der Sprenzel, Sprenzlet, 
-$; der Sprenzling 1., - es, M. -e, alt u. oberd. f. wer fich fpreizt, Lang- 
bein, Ged; der Sprenzling 2. (verw. mit ſprießen; vgl. Spring 2.), oberd. 
f. Sprofs, Schöfsling; junger Menſch; öftr. eine junge Afıhe (Fiſch). 

Spreu, w., o. M., (altd. daz spriu, M. diu spriu u. spriwer; oberd. das 
Geſpreu, Geiprie, od. M. die Spreuer, Spreuel, auch Spreuder, Sprauder; 
das hochd. bie Spreu 0. M. ift wahrſch. aus der alten Mehrh. dia spriu 
entſt. — Wurzel: spra, spru, ftreuen, vgl. fprühen; — griech. oreo in 
oreigkıv, lat. verftärkt: sparg in spargere, vgl. Sparke zc.), die zerfchlagenen 
Hülfen der: Feldfrüchte, welche beim Drefchen abfallen und bef. durch das 
Worfeln von den Körnern abgefondert werden, niederd. Kaff, (Weizen, Rog- 


1008 ſpreußen — fprideln 


gen⸗, Lein-, Hanfſpreu ze.) ; Pflanz. die länglichen, ftumpfen, dürren Blättchen 
an einem allgemeinen Fruchtboden (auch: die Spreublättchen); uneig. f. 
etwas fehr Leichtes, Gehalt- u. MWerthlofes, völlig Nichtiges (altd. niht 
ein spriu, d. i. gar nichts; wenig Körner und viel Spreu!); — fpreuartig, 
Biv., der Spreu ähnlich, insbef. Pflanz. mit fpreuähnlichen Schuppen bededt 
(eine Wurzel, ein Strunk 2c.); die Spreublume, eine mit dem Hahnenkamm 
verwandte ausländ. Pflanze mit Kleinen Schuppen zwiſchen den Staubfäden 
(achyranthes L.); das Spreufutter, in Spreu beftehendes Zutter; der 
Spreufaften, -fad zc., Kaften, Sad zu od. mit Spreu; der Spreuftein, 
Ührenftein; fpreutragend, Bw., Pflanz., mit Spreu befegt (ein Fruchtboden); 
— fpreuicht, Bw., ſpreuähnlich; ſpreuig, Bw., Spreu enthaltend; — 
ſpreuen, ziel. u. ziellof. Zw., vlt. f. zerfreuen wie Spreu (mittel). spriuwen); 
oberd. f. Spreu freuen, bef. als fchimpfliches Zeichen für eine Perfon, die 
einen Korb bekommen hat (au ſpreuern); landſch. unp. e8 fpreuet 
f. es regnet fein, es ſprengt; daher der Spreuregen, f. Staubregen. 
fpreußen u. fpreuzen (landſch. auch ſprüßen, fprugen), ziel. Zw. 
(altd. spriuzan, spriuzen, Prät. spriuzte; abgel. Factitivum von dem ablaut. 
spriozan, fprießen, |. d. u. vgl. fpreigen), oberd. f. ragen (gleich. ſprießen) 
machen, fteif machen; ftemmen, fügen, unterftügen (einen Baum, eine 
Mauer ꝛc.); fih—, f. ſich ſtemmen, fperren, entgegenftreben, (uneig. die 
Sache fpreuzt fi, d. i. erfordert Anftrengung; geſpreuzt f. fteif, geziert, 
großthuend) ; die Spreuze, M.-n, (auch Sprüße; altd. spriuza, spriuze), 
oberd. f. Stüge, Stützbalken, Strebeholz; der Spreuzer, -8, f. v. w. 
Spreuze; auch f. Prahler, Großthuer. 
Sprihwort, ſ. M. Sprichwörter, (nit Sprühmwort, da es unmit: 
teldar von ſprechen, ſprich nit von Spruch gebildet ift, in welchem 
Tale es Spruchwort heißen würde; fchon mittelhochd. sprichwort; vgl. 
ſprechen), ein volfsüblicher Spruch, Ausſpruch, welcher gewöhnlich einen 
allgemeinen Erfahrungsfas, eine Wahrheit, Lebensregel u. dgl. meift in bildli- 
cher Einkleidung od. doc) in finnvoller Kürze ausdrückt, ſinnv. Sinn, Denks,, 
Lehrſpruch, Sinnrede ꝛc. (z. B. der Apfel fällt nicht weit vom Stamm; 
jung gewohnt, alt gethan; Jeder fege vor feiner Thür! 2c.); chem., bei. bibh 
überh. f. bitdlicher Ausdruck, Gleichnifs, Gleichnifsrede; das Sprichwör— 
terbuch, die Sprichworterfammlung ꝛc.; das Sprichwörterfpiel, geſell— 
Ihaftliche Unterhaltung durch Darftellung von Sprihwörtern in Handlungen, 
d. i. Heinen Schau 0d. Geberdenfpielen; ſprichwörtlich, Bw., einem Sprich 
wort ähnlich, nach Art eines Sprichwortes, als Sprichwort geltend (z. B. dies 
fer Ausdruck ift ſprichwörtlich; ſprichwörthliche Redensarten, d.W 
volksübliche bildliche Ausdrüce od. Redewendungen, von den eigentl. Sprich 
wörtern dadurch unterfchieden, dafs fie nicht felbftändige Säge von allgemeinem 
Inhalt ausmachen; z. B. das Kind mit dem Bade ausfchütten, den Braten 
riechen, einen über die Achfel anfehen, u. dgl. m.); die Sprichwortlichkeit, 
das Sprichwörtlichfein, die ſprichwörtliche Beſchaffenheit. 4 
Sprick, m.-es, M.-e, od. der Sprickel 1., -8, (engl. sprig; vgl. Sprie⸗ 
gel, u. fprechen) niederd. f. Sprofs, Spreißel; Eleiner dürrer Zweig, Reis. 
ſprickeln, ziel. 3w. (vgl. ſpreckeln) landſch. f. fprenkeln; der Spridel 2.) 
-3, M. w. E., f. Sprenkel, Eleiner Fleck, Schmutzfleck; ſprickelig u. Fpri- 
Kelicht, Bw., f. fprenkelig ; dev Sprickelmonat, heſſ. f: Homung.' 











ſpriddeln a fpringen 4000 


ſpriddeln, zielloſ. Zw. (vgl. d. oberd. ſprätteln), niederd. f. mit weit ge— 
ſpreizten Beinen ſtehen. 

Spriegel, m.⸗s6, M. w. E. (vgl. Sprick, Sprickel), eine dünne gebo— 
gene Schiene, ein Reif od. Bügel über Wiegen, Fuhrmannswagen zc., um 
eine Dede darüber zu ſpannen; auch die geraden, oben durch ein Querholz 
vereinigten Schienen über dem Kutfchkaften, u. die dünnen Stäbe, mit wel- 
hen Wände u. Dede eines Zimmers befchlagen werden, um fie mit Gips zu 
überzichen; das Spriegeltuch, ein über die Spriegel z. B. einer Wiege ges 
fpanntes Tuch; der Spriegelwagen, ein Wagen, mit Spriegeln verfehen, um 
eine Dede darüber zu ſpannen; der Spriegelzaun, aus Spriegeln beftehender 
Zaun; fpriegeln, ziel. Zw., mit Spriegeln verfehen (einen Wagen, ein 
immer ıc.). 

fprießen, ziellof. 3w. m. fein, ablaut. du fprießeft, er ſprießt, Imper. 
ſprieße (alt u. dicht. fpreußeft, fpreußt, ſpreuß); Impf. fprofs, Gonj. ſpröſſe; 
Mw. gefproffen (altd. spriozan, spriezen, spröz, spruzzen, gesprozzen; nie= 
derd. ſpruten u. fprotten, Mw. ſpraten; angelf. spreotan, sprytan, engl, sprit 
u. sprout; holl. spruyten; isländ. sprotta, fchwed. spritta, ſpringen; — die 
Wurzel sprut, spruz, spriz fcheint eine verftärkte Nebenform von pruz, woher: 
proßen 2., das oberd. Broß f. Sprofs, Knospe ꝛc.; Urbed. hervorbrechen, 
herausfahren; vgl. fpreißen, fprigen, fpreußen, fproffen), hervor= od. empor⸗ 
wachen, insdef. langfam, allmählig wachfen, verfch. von ſchießen, auf- 
ſchießen ꝛc. (Blumen fprießen, das fprießende Gras); uneig. f. entftehen, herz 
vorgehen (vgl. ent-, eriprießen); dicht. auch ziel. f. fprießen machen, hervor— 
treiben; der Sprießel, -3, M. mw. E. (oberd. auch Sprüßel), landich. 
1) f. Sprofs, Spröſsling; insbef. Jäg. die Zaden an dem Hirfchgemweih 
über den Augenfproffen (Eisfprießel od. -fprießen); 2) f. Spreißel, 
Sproffe einer Leiter. f 

Spriet, f., —es, M. -e, (niederd. Spreet, holl. spriet, engl. sprit; urfpr. 
niebderd. Form f. das hochd. Spreiße), eine gabelförmige hölzerne Stange, 
Gabelſtange, z. B. an Leiterwagen ſ. v. w. die Schere (ſ. d.); beſ. auf Schif— 
fen eine gabelförmige Segelſtange; daher der Sprietblock od. das Spriet— 
holz, der zwifchen dem Maft und der Gaffel befindliche Blod; das Spriet- 
fegel, ein viereckiges Segel, weldyes durch ein Spriet ausgefpannt wird; das 
Spriettau, Eurze ftarke Taue an den Marspuitingen, Puttingtau. 

ſpringen, zielloſ. Zw. m. fein u. haben, ablaut. Impf. ſprang (ober- u. 
niederd. auch Sprung), Conj. fpränge;. Mw. gefprungen , (altd. springan, 
springen, spranc, pl. sprungen, Mw. gesprungen; angelf. springan, engl. 
spring, ſchwed. springa; die Wurzel sprang fcheint durch Erweiterung von 
sprak entft. (f. fprechen; vgl. ftechen, ſchwed. stinga, engl. sting; ©tange, 
Stengel 2c.); Urbed. alfe: auf- od. hervorbrechen, auseinanderfahren), 1) fich 
Schnell hervor od. in die Höhe bewegen, plöslich heraus- oder auffahren 
a) von leblofen Dingen, in der Regel m. fein, insbe. von Flüffigkeiten: herz 
vorbrechen, quellen, fprudeln (das Waffer fpringt aus dem Felſen; das Blut 
fprang aus der Ader; einen Springbrunnen fpringen laffen; m. haben: „der 
Springbrunnen hat gefprungen“, weil man ihn wie ein Lebendiges, Thätiges 
betrachtet u. mit Hinſicht auf die Zeitdauer feiner Thätigkeit); ehem. auch f. 
wachfen, fprießen (vgl. entfpringen, Urfprung, das engl. spring, Frühe 
ling 2c.); von feften Körpern: fich ſchnell in die Höhe od. durch die Luft 


Heyſe's Handwörterb. d. deutichen Spr. 2. Theil. 64 


1010 fpringen 


fortberoegen (z. B. der Ball fpringt, d. i. prallt im die Höhe, od. ab von ber 
Wand ꝛc.; die Erbien fpringen aus den Schoten; ein Stück von dem Steine 
ift ihm an den Kopf, ins Auge ıc. gefprungen; uneig. das fpringt in bie 
Augen, d. i. es iſt höchſt augenscheinlich; eine Mine fpringen laſſen, d. i. fie 
anzünden, vgl. Mine; uneig. gem. einen Thaler ze. fpringen laſſen, f. aus- 
geben, daran fegen); b) von Lebenden Gefchöpfen, fich durch eigene Kraft 
fhnell in die Luft erheben, od. in der Höhe über einen Raum hinweg— 
fhnellen, finnv. ſich ſchwingen, hüpfen, m. fein, wenn die Richtung, der 
Ausgangs- od. Zielpunkt der Bewegung angedeutet wird; m. haben, wenn 
die Thätigkeit des Springens an fi od. mit Hinfiht auf die Zeitdauer, Ge— 
ſchicklichkeit ꝛc. bezeichnet wird, (7. B. er ift vor Freuden in die Höhe, an die 
Decke geiprungen 20.5; er ift über den Graben, den Zaun, auf Tiſch u. Bänke, 
aus dem Fenſter, ins Waſſer ꝛc. geſprungen; aber: die Kinder haben den ganz 
zen Zag gefprungen; er hat am beften gefprungen 2c.; auch rück z. in Verbin⸗ 
dung mit einem Beiworte f. durch Springen maden, verurfachen, 3. B. ſich 
müde, lahm ze. fpringen;z ich habe mich müde gefprungen; uneig. einen 
über die Klinge fpringen laffen f. niederhauen; einen über die Zunge fpringen 
laffen, f. verleumden; wie aus den Augen geiprungen, d. i. höchſt ähnlich); in 
bef. Bed. von einigen größeren Thieren: fich zur Begattung erheben od. auf: 
richten (den Hengft fpringen laſſen; der Stier hat gefprungen; oberd. auch 
ziel. f. beipringen, z. B. der Stier fpringt die Kuh); in weiterer Bed. f. in 
Sprüngen forteilen, laufen, entlaufen (wo fprinaft du hin? fpringe ſchnell 
zum Arzte! aus den Gefängniffe fpringen, vgl. entipringen); uneig. von geiftis 
ger Thätigkeit: ohne Vermittlung und Zufammenhang von einem Öegen- 
ftande zu einem andern übergehen (von einem aufs andere fpringen; vgl. 
ab=, überfpringen, Sprung); 2) plöglich aus einander fahren, zerbrechen, 
zerfpringen, finnv. berften, plagen, einen Rifs od. Sprung befommen, von 
trocdnen, bef. fpannkräftigen Köcpern, immer m. fein (die Saite, das Glas 
fpringt, iſt geſprungen; die Haut fpringt, od. gew. fpringt aufz der Knopf 
fpringt von einem zu engen Kleide); — der Spring, -es, M. -e, 1) (mit 
tel. sprinc) alt u. landich. f. der Drt, wo Waffer entfpringt, u. das eht- 
fpringende Waffer felbft, die Quelle; 2) Schiffb. (auch: das Spring) die 
Erhebung der Dede nach vorn und hinten; — 3feg. der Springanker, 
Schiff. ein Anker, welhen man auswirft, wenn man bei ſchwerem Sturme une 
‚ter Segel gehen mufs; der Springauf, alt u. landſch. f. die Maiblume; das 
Springbeden, Beten eines Springbrunnens; der Springbod, der Bock der 
ziegenartigen Thiere, welche auf fteilen Gebirgen leben, namentlich der Gemfen 
u. Steinböde; in engerer Bed. eine Art Gazelle in Afrika, die ſpringende Gas 
zelle; der Springbrunnen, ein Wafferbehältnifs, aus weldem das Waffer 
durch ein Druckwerk in die Höhe getrieben wird (fr. Fontaine); der Spring: 
faden, Fäden von Glasmafle, welche in kaltem Waffer gehärtet find und in 
Staub zerfpringen, wenn man etwas davon abbricht; die Springfeder, eine 
Stahlfeder, welihe zufammengedrüdt wieder zurüdipringt (vgl. Feder); uneig. 
f. bewegende Kraft, Antrieb; der Springftfch, eine Art fliegender Fiſche; die 
Springfluth, eine ſchnell u. ungewöhnlich hoch fteigende Fluth des Meercs u. 
großer Flüffez der Springfuß, die langen Hinterfüße dev Springhafen, Deu 
ſchrecken, Flöhe 2c.; landſch. f. das Eihhörndhen; das Springglas, |. v. w. 
der Glastropfen, ſ. d.; die Springgurfe, Efelsgurke; der Springhahn, 








fpringen 1011 


landſch. f. die Heuſchrecke; der Springhafe, ein zum Geflecht der Mäufe 
gehörendes Springthier in Ägypten, Arabien zc., auch Erdhafe, Springratte ꝛtc.; 
der Springhengſt, Zuchthengſt, Beſchäler; ber Springherd, ein Vogelherd 
mit Springwänden, f. d.; das Springhorn od. -hörnchen, die Pfeilſchnecke; 
der Springinsfeld, gem. f. ein lebhaft umherfpringender, munterer, muthwil— 
liger Knabe od. junger Menſch; der Springkäfer, Schnellkäfer (ſ. d.); der 
Springfaften, die Springfifte, mit Sprengwerk gefüllte Kaſten, ftatt der 
Minen gebraucht, auch Feuerkifte; der Springknochen, das Schhiffbein; der 
Springfolben, hohle Glaskolben, welche fogleich fpringen, wenn man fie von 


innen rigt (Bolognefer Klafchen); auch f. Knallglas; das Springforn, Sa— 


mentörner, welche zur Zeit der Reife aus ihren Kapfeln fpringen, insbef. die 
des Springkrautes, u. des Wunderbaumes; die Springfraft, Schnell-, Fe 


derkraft; ſpringkräftig, Bw., fchnellkräftig; das Springkraut, eine Pflan- 


zengattung, deren Samenkapfel ſich in der Reife Schnell öffnet und zuſammen— 
rollt, fo dafs die Samenkörner herausfpringen, auch Springfamen, Spring= 
famentraut (impatiens noli-me-tangere L.); aud) eine zum Gefchlecht der 
Wolfsmilch gehörende Pflanze, deren Samen ein heftiges Abführungsmittel ift, 
Springwurzel, Kreuzkraut ze. (euphorbia lethyris L.); die Spring- 
kreſſe, eine Art Kreffe, deren reife Samenfchoten bei der Berührung auffprin 
gen; die Springmaus, eine Thierart von der Gattung des Springhafen, 
ſ. d.; die Springmüde, eine Art grauer Müden, welche in kurzen Sägen, 
gleich]. fprungmweife fliegen, eine graue Mauermüde;z ber Springochs, 
Zuchtochs, Bulle; der Springquell od. die Springquelle, fpringender Quell 
od. Wafferftrahl; die Springratte, f. Springhafe; das Springrohr, Rohr 
eines Springbrunnens; der Springfamen zc., ſ. Springkraut; der Spring- 
ſchwanz, zum Springen dienender Schwanz mander Infecten; aud) f. Erd— 
floh; die Springfpinne, eine Art fpringender Spinnen; die Springftange 
od. der Springſtock, eine Stange 2c., mit deren Hülfe man weite Sprünge 
macht; Springftange aud f. die Schwebeftange (fr. Balancir- Stange) 
der Seiltänger ıc.; das Springtau, Schiff. kreuzweiſe gelegte Taue, durch 
welche zwei neben einander im Hafen liegende Schiffe an einander befeftigt 
werden; die Springwand, bei den Vogelftellern eine Art Garnwände, welche 
fo aufgeftellt werden, dafs fie bei der geringften Berührung zufallen; die 
Springmwanze, eine Art fpringender Wangen; das Springwaffer, pringen= 
de8 Brunnen- od. Quellwaſſer; der Springwurm, ſ. v. w. Madenwurm u. 
Spulwurm; die Springwurzel, 1) ſ. Springfraut; 2) eine fabelhafte Wur- 
zel, welche nach dem Aberglauben der Schasgräber dic Kraft befigt, die Schlöf- 
fer der Schagkaften zu fprengen; die Springzeit, die Zeit, wo man die Zucht- 
bengfte, Zuchtochfen ꝛc. fpringen (f. 0.) läſſt; — Ableit. der Springer, -$, 
M. w. E., 1) wer fpringt, eine fpringende Perfon, weibl. die Springe: 
rinn; bef. wer mit vorzüglicher Fertigkeit, Eunft: u. berufsmäßig fpringt, 
3. B. ein Seiltänzer (Luftfpringer); eine Figur im Schachſpiel, welche einen 
Reiter vorftellt u. in ihrem Zuge über beſetzte Felder wegfpringt; 2) ein fprin- 
gendes Thier, insbeſ. in Reitſchulen: ein zu Luftfprüngen abgerichtetes 
Pferd; Naturk. f. Springhafe; verfchiedene Fiſche, als: eine Art Lachfe, das 
Blaufellden; der Thunfiſch; der Tummler od. das Meerfchwein; eine Art 
Stichlinge, Börfe, Lippfiſche 2e.; die Springfpinne, eine Art Krebfe, wilde 
auf dem Rüden ſchwimmen u. ſpringen; auch f. Flohkrebs, Seefloh; landſch. 


64* 


1012 Sprinkel — fprißen 


f. die gemeine Eidechſe; u. f. die Wickelraupe; 3) landſch. f. Fußfeffel; u. 
f. eine Art Sifchernege; die Springerei, verächtl. f. dag Springen. 

Sprinkel, m., f. Sprenfel 2. N 

Sprinz 1., m., -en, M.r-en, (von fprenzen f. fprengen, fprenfeln), 
alt u. oberd. 1) f. Sprenkel, Sommerfproffe, auch: der Sprinzel, -8, das 
Sprinzlein; 2) eine Eleine Falkenart: der Bergfalt, Blaufuß, aſchfarbig 
mit ſprenkliger Bruft, au: die Sprinze, M.-n, der Sprinzling, das 
Springel. 

Sprinz 2., m. (w. ſprinzen f. fprießen; vgl. Sprenzling 2.), oberd. f. 
Sprofs, aufgefchoffene Pflanze; fchnell aufgefchoffener junger Menfch. 

fprinzeln, zielfof. 3w., vlt. f. blinzeln, liebäugeln. 

fprigen od. fprüßen, Zw. (oberd. auch fprusen; niederd. fprutten; von 
gleihem Stamme mit fprießen (f. d.), wovon c8 eine neuere verftärkte Ne— 
benform von beichränfterer Bed. ift; vgl. ſpratzen; engl. sprit, ſchwed. spruta, 
ital. sprizzare, spruzzare) 1) ziellog m. haben, u. (wenn eine örtliche Be— 
flimmung damit verbunden wird) m. fein, von flüffigen Körpern, in Tropfen 
od. Eleinen Zheilen mit Heftigkeit hervorbrechen, ab od. auffpringen und 
fih verbreiten (das Blut Iprigte aus der Ader; das Waffer, der Koth ꝛc. ift 
mir an die Kleider, an den Wagen ꝛc. geſpritzt; das Waffer, der Koth zc. hat 
geſpritzt, d. i. fich fprigend verbreitet); auch eine Flüffigkeit tropfenweife fah— 
ven od. hervorbrechen laffen, m. haben (die Feder fprists mit einer Hand» 
ſpritze fprigen 2c.), insbef. eine Feuerſpritze in Thätigkeit fegen u. erhalten 
(man hat lange geiprigt, ohne das Feuer löfchen zu können); 2) ziel. etwas —, 
d. i. fprigen machen (4. B. Koth an die Kleider, Waffer in das Feuer —); — 
3fes. dus Spritzbad, ein Bad, wobei der Körper ganz od. theilweife mit 
Waffer befprigt wird (fr. Douche); die Sprigbüchfe, eine Eleine Sprige von 
ausgehöhltem Holunder, womit die Kinder zu fpielen pflegen; der Spritzfiſch, 
eine Art Klipp- od. Bandfifche, welche auf die Infecten, von denen fie ſich 
nähren, Waffertropfen fprigen, der Rüſſelfiſch; das Sprißgebadene, ein Bad- 
werk, deffen Zeig durch eine Sprige in das heiße Schmalz getrieben wird u. 
dadurch eine Eraufe Geftalt befommt, auch: der Sprigfuchen; die Spriß- 
anne, der Sprißfrug, Spreng-, Gießfanne 2c.; das Sprißleder, ein Leder 
an Kutſchen 2c. gegen den anfprigenden Koth; die Sprignudel, eine Art fei- 
ner Fadennudeln, wozu der Teig aus einer Sprige getrieben wird; die Spriß- 
fchlange, eine Art Schlangen, welche ein tödtliches Gift ausfprigen follen, 
Speiſchlange; der Spritzwall, wallfiſchartige Thiere mit einer Sprigröhre 
auf dem Kopfe, aus welcher fie das Waſſer in die Höhe Iprigen, 3. B. der 
Pott, Mafte, Weißfiſch; insbef. der Finnfiſch; der Sprigwurm, eine Gat— 

tung Eingeweidewürmer mit walgenförmigem Maule; — Ableit. die Spriße, 
M. -n, (alt. sprizza, spritze u. sprutze; oberd. Eprigen), ein Werkzeug zum 
Sprisen (z. B. Waffer:, Hand-, Klyftierfprige 2c.); in engerer Bed. eine Waſ⸗ 
ſerſpritze zum Löſchen bei Feuersbrünſten, die Feuerſpritze (Schlangen, 
Schlauchſpritze ꝛc.); uneig. Naturk. eine Schnecke vom Geſchlecht der Schiff⸗ 
kutteln; das Spritzenhaus, Aufbewahrungsort der Feuerſpritzen; der Spritzen⸗ 
macher, wer Feuerſpritzen macht; der Spritzenmann, M. Spritzenleute, 
Löſch-Arbeiter bei Feuersbrünſten; der Spritzenmeiſter, Aufjeher über die 
Feuerfprigen; das Sprißenrohr od. die Sprißenröhre, das Rohr einer 
Feuerfprige, aus welchem der Wafferftrahl fährt; — der Sprißer, -$, wer 








ſprock — Sproffe 1013 


ſpritzt; der Sprißling, -e3, M. -e, 1) ein ſpritzendes Ding od. Thier, 
. inöbef. ein Gefchlecht Seewürmer, wozu der See⸗ od. Meerhafe gehört; auch) 
eine Art Forellen; 2) was gefprigt wird, daher f. Sprikgebadenes; — 
fprißeln, ziellof. 3w. m. haben, das verfl fprigen: ein wenig od. in klei— 
nen Theilchen fprigen (z. B. ein brennendes Licht fprigelt, wenn Eleine Fun— 
ken Ben: fprigelig, Bw., landſch. f. fprißelnd. 

fprod od. ſprok, Bw. ((hwäb. ſprech; verw. mit Brocten, brechen; vgl. 
ſprechen), niederd. f. zerbrechlich, fpröde, mürbe; das Sprof od. Sprok— 
holz, preuß. f. verdorrte Afte, dürres Holz; die Sprocdweide, f. Bruchweide, 
Knack⸗, Glasweide; der Spröder, -8, M. w. E., landſch. f. Faulbaum (we- 
gen feines zerbrechlichen Holzes). 

fpröde, Bw. (oberd. fpröd; wahrſch. durch Vorſetzung eines verftärkenden 
f aus dem altd. prödi, broede, gebrechlich, entft.; engl. brittle; vgl. jedoch auch 
das oberd. ſprö,ſprör — ſpör, f. d.; ſpröen f. trocden machen), troden 
u. brüchig, ungefchmeidig, beim Biegen brechend (Brod, Kuchen, Eifen:c.), 
insbef. troden u. raub, von Dingen, die faftig und gejchmeidig fein ſollten 
(Haut, Lippen 2c.); auch f. fprode machend (z. B. auf den Eifenhämmern: 
fpröde Kohlen, d. i. Kohlen, welche das Eiſen fpröde machen follen; landſch. 
ein fpröder Wind f. rauher); uneig. in fittlihem Verſtande: ungefchmeidig, 
nicht nachgebend, widerftrebend; insbef. von weiblichen Perfonen: Liebesbe— 
zeugungen mit Gleihgültigkeit od. MWiderwillen aufnehmend, Ealtfinnig, 
der Liebe abgeneigt (franz. prude; eine fpröde Schöne, auch als Hw. eine 
Spröde; fpröde thun, d. i. ſich ſpröde anftellen); die Spröde od. gem. 
Sprödigfeit, das Sprödefein, eig. u. uneig. (5. B. des Eifens, eines Mäd— 
chens 2e.); Sprödigkeit auch f. Iprödes Benehmen, fpröde Außerungen. 

Sprofs od. Sproffe, m., -en, M. -en, od. die Sprofje 1., M. -n, 
Verkl. das Spröfschen, Spröfsleift (von fprießen, ſproſs; oberd. aud) Sprüß, 
Sprüßel; niederd. Sprate, Spratel; angel. sprote, engl. sprout), was her— 
vor= od. aufgefproffen ift, ein junger Pflanzenzweig od. Stengel (. 8. 
die Sproffen der Bäume, des Kohles ꝛc.); der Sprofs auch uneig. f. Ab⸗— 
Eommling, Nachkomme, gew. Spröfsling; die Sproffe auch f. Fleden, 
bef. in der Haut, Sprenkel (f. Sommerfproffen); — das Sproffenbier, ein 
mit Pflanzenfproffen bereitetes Bier, beſ. mit den Eproffen der Sproffen- 
fichte, einer Fichten-Art-in Nord-Amerika; der Sproffenfohl, 1) f. Spargel- 
kohl; 2) die im Frühling genofjenen erften Sproffen des Grünkohls (niederd. 
Spraten= od. Sprutenkohl); die Sproffenfchabe, eine Art Schaben, 
welche fich auf jungen Baumzweigen aufhält; — fproffen, zieltof. Zw. m. 
fein u. haben, Impf. fproffte, Mw. geiprofft (adgel. neuere Nebenform von 
fprießen, ſ. d.; niederd. fprotten, fpruten; isländ. sprotta, engl. sprout), 
f. v. w. fprießen, hervor-, aufiwachfen (das Gras, die Blumen fproffen aus 
der Erde, find hervorgefprofft); auch f. Sproffen treiben, Zweige entwideln, 
m. haben (der Kohl fprofit, die Bäume fproffen, haben gefprofft); «uneig. 
dicht. f. abftammen, entftehen, anfangen zu wachfen; der Spröfsling, -08, 
M. -e, was fprofft, ein Sprofs, Schöfsling; beſ. uneig. f. Abkömmling, 
Kind, Nachkomme (z. B. ein Spröſsling eines edlen Geſchlechtes). 

Spioſſe 2., w., M.-n, (andſch. auch: Spreiße, Spreißel, Sprießel, altd. 
—— vgl. sorgen u. fpreußen f. fügen, fperren), ein Sperr= od. Quer= 
holz, insbe. die Querhölzer od. Steden einer Leiter; auch die Querftäbe 


1014 Sproffee — fprudeln ' 


in den Senfterrahmen; daher das Sproffenfenfter, ein Zenfter mit hölzernen 
Sproffen. N 

Sproffer, m., -8, M. w. E. (von dunkler Abftammung), eine Art 
Nachtigallen, weiche größer find und ftärker ſchlagen, als die gewöhnlichen, 
auch: der Sprofsvogel, Nachtſchläger; landſch. überh. f. die männliche 
Nachtigall. 

Spröfsling, m., j. unter Sprofe. 

Sprott, m., -e3, M.-e, Fiſch. bei. niederd. f. die Larven der Frühlings- 
fliegen, als Lockſpeiſe für die Fifche dienend. 

Sprotte, w., M. -n, (niederd. Sprott, holl., dän. u. ſchwed. sprot, engl. 
sprat), eine Art geräucherter Sardelfen. 

Sprotterz, f. (w. dem niederd. fprotten f. ſproſſen; n. A. Spröterzv. 
Ipröde), Bergw., bef. niederd. f. ftrahliger Bleiglanz. 

Sprözer od. Sproßer, w., M.-n, (wahrſch. v. d. oberd. fprogen, 
fprugen f. Iproffen, ſpreuzen), landfch. f. die Hedenfirfche. 

Spruch, m., -es, M. Sprüche, Verkl. das Sprüchlein, gem. Sprücel- 
chen, (altd. spruh, spruch; niederd. Sprofe, Spröf; von ſprechen), überh. dag 
Geſprochene, was geſprochen wird od. ift (in Zſetz. wie Lob-, Macht, Wi- 
derfpruch 2c.); insbes. ein Eurzer Sag, eine Bibelftelle 2c., deren Inhalt 
eine Zehre od. allgemeine Wahrheit ift (z. B. die Sprüche Salomo’s in der 
Bibel; ein Denk, Lehr-, Sittenſpruch); ehem. u. noch jegt bei Handw. ein 
zum mündlichen Herſagen beftimmtes gereimtes od. reimloſes Redeſtück (Reim>, 
Lob-, Spottſpruch zc. der Meifterfinger, Spruchſprecher zc.; Zimmermann 
ſpruch beim Richten eines Gebäudes); ferner der Ausfpruch od. das Urtheil 
des Richters od. der Schiedsleute, der Nechtsfprud) (einen Spruch thun, die 
Sprüche verfchiedener Gerichtshöfe), auch f. das Nechtfprechen, Fallen des 
Urtheils, o. M. (eine Sache zum Spruche bringen; zum Spruche reif ſein etc.); 
ehem. auch f. Anfpruch, vechtliche Forderung od. Klage; — Ze $. der Spruch— 
brief, ehem. f. Urkunde, welche einen Rechtsſpruch enthält; das Spruchbuch, 
ein Buch, welches Sprüche, beſ. Bibeliprüche, enthält; der Spruchdichter, 
Berfafler von Lehr: od. Sittenſprüchen in Verfen (fr. gnomiſcher Dichter); 
das Spruchgedicht, ein aus aneinandergereipten Sprüchen beftehendes Lehr- 
gediht; auch jedes zum Herfagen (Recitiren) beftimmte Gedicht, entg. Lied 
(vgl. o. Spruch); ſpruchfähig, Bw., befugt, Rechtsſprüche zu thun (fr. com— 
petent); fpruchferfig, Bw., reif zum Spruche (f. 0.); der Spruchmann, 
M. Spruchleute, ehem. f. Schiedsmann, felbftgewählter Schiedsrichter; 
fpruhmäßig, Bw., einem Spruche ähnlich, die Korm eines Spruches habend 
(fe. gnomiſch, apophthegmatifch) ; das Spruchregifter, Nachweiler der Sprüche 
* in einem Buche, bef. in der Bibel; fpruchreich, Bw., viel Sprüche, d.i. kurze 
finnreihe Säge (Sentenzen), enthaltend; der Spruchreim, gereimter Sprudj; 
der Spruchfprecher, ehem. ein Stegreifdichter, welcher bei feierlichen Gelee — 
genheiten Reimverfe herſagte (vgl. o. Spruch); ſpruchweiſe, Nw., ald Sprud, 
in Sprüchen; das Sprüchwort, unr. f. Sprichwort, ſ. d. 

Sprüde, w., M.-n, Verkl. das Sprüdchen (wohl — Broden, Bruch— 
ſtück; vgl. ſprock), landſch. unfürmliche Grasflede, welche von einem Gemein? 
flüde den Einzelnen zugetheilt find u. mit den Hauptftüden nicht zufammen- 
bangen, an andern Orten Brüche od. Folgen genannt. 

fprudeln, ziellof. 3w. m. haben (von gleicher Wurzel mit Epreu (f. d.), 








Sprügel — Sprung : 4015 


fprühen, fprigen, nieberd. fprutten u. fputtern, engl. sputter; oder durch Vor— 
feßung eines verftärkenden ſ aus brobeln, niederd. prudeln, pruddeln gebilder?), 
heftig aufwallen, fprigend hervorquellen od. aufbraufen (eine fprudelnde 
Duelle; das fiedende Waffer fprudelt auf); uneig. f. in heftige Leidenfchaft 
gerathen, finnv. aufbraufen; in engerer Bed. aus dem Munde Speichel 
ausfprigen beim Sprechen, od. aus Widerwillen u. Ekel; aud f. fprudelnd 
fprechen od. etwas fagen; der Sprudel, -8, 1) o. M. das Sprudeln; 
2) M. w. E. ein fprudelndes Waſſer, eine hervorfprudelnde Quelle (z.B. 
in Karlsbad); — der Sprudelkopf, ein leicht in Die gerathender, aufbrau— 
fender Kopf od. Menſch; die Sprudelquelle, ſprudelnde Quelle; der Spru— 
delftein, eine im Spiudelwaffer (4. B. in Karlebad) ſich anfesende Stein: 
mafle; der Sprudler, wer (mit dem Munde) fprudelt od. wer leicht auf: 
brauſ't; — forüdeln, ziel. 3w., oberd., bef. öfte., f. fprudeln machen, ſtark 
aufrühren, querlen; der Sprüdler, -8, f. Querl. 
Sprügel, m., f. Spriegel. . 
fprühen, 3w. (— fpreuen, mittelh. spriuwen, von der Wurzel spru, vgl. 
Spreu), 1) ziellos m. haben, fich mit Heftigkeit in Eleinen Theilen ver— 
breiten, finnv. fprigen, fprudeln, dad) bef. von feurigen Theilen (z. B. die 
Funken fprühen aus den Fadeln, aus dem Stein 2c.); uneig. f. ſich lebhaft u. 
feurig bewegen, hervorglänzen od. bligen (Merderben fprüht aus feinem 
Blick; Iprühender Wig u. dgl.); landfh. unp. es [prüht f. es regnet fein, 
es fprengtz 2) ziel. et was — in Eleinen Zheilen mit Heftigkeit um fich 
her verbreiten, freuen, fprigen, eig. (glühendes Eifen, Kohlen ꝛc. fprühen 
Funken; auch ohne Zielw. das Eiſen fprühet), u. uneig. (z. B. der Mittag 
fprüht Flammen; ihre Augen, Wangen ꝛc. fprühen Feuer); das Sprüh— 
‚feuer, ein jprühendes Feuer; der Sprühregen, landich. f. feiner, fanfter 
Regen. 
fprunen, ziellof. Zw., niederd. f. fich ſtolz und tadelnd Außern. 
Sprung, m., -es, M. Sprünge (altd. sprunc, G. sprunges. niederd. 
Sprunf; von fpringen, f. d.): 1) das Springen, a) überh. die Handlung 
des Springens, fpringende Bewegung, 0. M. (im Sprunge geben, chem. f. 
im Galopp; auf dem Sprunge jtehen, d. i. eig. im Begriff fein zu 
fpringen, u. uneig. überh. fich fortzubewegen od. etwas zu unternehmen ); von 
größeren männlichen Thieren das Springen zur Begattung, die Befruch— 
tung (4. B. den Henyft zum Sprunge laffen); b) insbef. ein einmaliges 
Springen, M. Sprünge, finn».- ein Saß, (einen Sprung -thun, wagen; ein 
weiter, hoher, gefährlicher Sprung: Sprünge machen; die Sieben Sprünge, 
eberd. eine Art Tanz), auch die Weite eines Sprunges, daher f. eine Eleine 
Entfernung (es ift nur ein Sprung bis dahin}; uneig. Der ſchnelle Übergang 
von einem Gegenſtande zu einem andern mit Übergebung der Mitrelftufen 
(Sprünge im Gedankengangez die Natur mact feinen Eprung 2c.; insbe. 
Zonf. jeder Tonabftand, der die Sıfunde überſchreitet); die M. Sprünge, 
gem. f. Handlungen, welche das gewöhnlihe Maß od. die Erwartung 
überfihreiten, od. wider die Ordnung find, inebef. f. Kunftgriffe, Schliche, 
Ränke, (keine großen Sprünge machen Eönnen, d. i aus Mangel an Mitten 
nichts Großes unternehmen können: einem auf die Sprünge helfen, d i. ihm 
das Verfahren, die Kunftgriffe an die Hand. geben; tinem auf od. hinter die 
Sprünge fommen, d. i. feine Kunftgriffe od. Schlige entdecken); 2) das Ge— 


1016 fprüßen — Spuf k 
fprungene, d. i. durch Springen Entftandene, ein durd Springen entftan- 
dener Riſs od. Spalt (das Glas hat einen Sprung, Sprünge); 3) dag 


Springende, ein fpringendes Ding, nur in einzelnen Fällen, 3. B. chem. f. 


Quelle (vgl. Urfprung); Schiff. die vorderfte od. Eürzefte Seite eimes vieredi- 
gen Stagfegels; das Werkzeug zum Springen, daher der erfte Knochen der 
Fußwurzel bei Menſchen u. Thieren, auch: das Sprungbein; auch die Angel, 
welche bei der Sprungfifcherei gebraucht wird, wobei man Korellen 2c. mit 
Inſecten fängt, nad denen fie fpringend fehnappen; die Sprungfluth, ſ. 
Springfluth; die Sprungfifte, |. Springtifte; der Sprungriemen, ein brei- 
ter Riemen am Bauchgurte eines Pferdes befeftigt, um das Springen u. Bäu- 
men deöfelben zu verhindern; |prungweife, Nw., durch einen Sprung, in 
Sprüngen; — fprunghaft, Bw., fprungartig, abfpringend, unverbunden. 
ſprüßen, ziel. 3w., oberd. 1. v. w. fpreußen: fügen; die Sprüße, f. der 
Stützbalken. 

ſpruten, zielloſ. Zw., niederd. f. ſproſſen, daher: der Sprutenkohl, f. 
Sproſſenkohl; — die Sprutteln, o. E. niederd. f. Sommerſproſſen (Som— 
merſpruttelm. 

ſprutzen od. ſprützen 1., zielloſ. Zw., oberd. f. ſproſſen; ſpreuzen, 
ſteif aufgerichtet ſein; die Sprützbüchſe, für ein ſtolz einhergehendes 
Mädchen. 

ſprützen 2., zielloſ. u. ziel. Zw. (oberd. auch ſprutzen; niederd. ſprutten), 
Nebenform von ſpritzen, ſ. d.; die Sprütze zc., ſ. Spritze ꝛc.; der Sprutz, 
oberd., fo viel auf einmal geſpritzt wird (uneig. einen Sprutz haben, f. nicht 
recht bei Verſtande fein). 

fouchen od. fpuchten, ziellof. Zw., oberd. f. fpufen; die Spuchten, o. 
E., f. Trugbilder, Täuſchungen, Vorwände, Ausflüchte; ſpuchtig, Bw., 
f. bedenklich, gefährlich. ' } 

Spucht od. Spugt, m., -es, (aud) Spigt; vgl. fpachen, fpad u. das 
hol. spichtig, dünn, mager), niederd. f. ein Eleiner, ſchmächtiger, ſchwacher 
Menfch, od. ein folches Thierz die Spuchtel, oberd. f. ein Weib, das nicht 
mehr fhwanger wird. 


fpuden, zieltof. u. ziel. Zw. (Verftärkungsform von fpeien, ſ. d. u. vgl. 


fpüsen), den Speichel auswerfen (4.8. auf die Erde —); etwas —, durch 
den Mund auswerfen (Blut —); die Spude, gem. be. niederd. f. der 
Speichel; der Spuder, -8, wer fpudt. 
fpuddig, Bw., niederd. f. [hmugig, unanfehnlich. 
fpuden, 3w., 1. fputen. 
fpudern, fpüdern, ziellof. Zw. (vgl. das niederd. [puttern; lat. spu- 
* tare), ſchweiz. f. ſpucken, fpeien; der Spuder od. Spüder f. Speichel. 
Spuf, m., -e8, 6. M. (niederd. Spok, holl. spook, spooksel, ſchwed. 
spok, spöke; verw. mit pähen (vgl. ſpicken 3)? wie das lat. spectrum von 


specere; oder mit dem engl. puck, isländ. ſchwed. puke, der Kobold, Teufel?z _ 


das Wort fcheint im Alt: u. Mittelhochd. nicht vorzufommen u. urfpr. nieberd. 


zu fein); 1) bef. niederd. f. Gefpenft, Erfcheinung, Poltergeift; 2) gem. f. 
das Spufen, Lärm, Geräufh, Unruhe, Unfug (großen Spuk maden);. 


fpufen, ziellof. Zw. m. haben (andſch. auch ſpüken; niederd. fpöfen ; 
oberd. fpuchen, fpuchten; ſchwed. spöka), als Geift od. Gefpenft ſich fehen 
od. hören laffen, umgehen (dev Verftorbene fpukt im Haufe), gew. unp. es 





Spule — fpülen 1017 


ſpukt, d.i. es laffen ſich Geſpenſter ſehen od. hören; uneig. f. lärmen, Ge— 
raäͤuſch; Unruhe, Unfug machen, (der Wein ſpukt in feinem Kopfe; es ſpukt 
in feinem Kopfe od. bei ihm, d. i. es ift mit feinem Verftande nicht richtig); 
niederd. auch f. unvorfichtig od. unordentlic; mit etwas umgehen (mit dem 
Feuer, mit dem Gelde 2); — die Spufgefchichte, das Spufmährchen, 
Gefpenftergefchichte 2c.; die Spuferei, M. -en, das Spufen, Geiftererfcheiz 
nungen ıc.; fpufhaft, Bi. (niederd. ſpökhaftig), fpukartig, gefpenftifch. 
Spule, w., M. -n, Verkl. das Spulchen, (althochd. spuolo, m., u. spuola, 
w.; mittel). spuole; oberd. der u. die Spuelen; niederd. Spole, Spool, holl. 
spoele, ſchwed. spole, engl. spool; ital. spola, franz. sepoule, Epoullin; von 
dunkler Abſtammung; vgl. Spill), an Spinnrädern: die Nöhre, welche den 
gefponnenen Baden aufnimmt (die Spule voll fpinnen); auch jede auf eine 
Spindel geſteckte Röhre, um Garn ıc. darauf zu wideln (Garn auf die 
Spule laufen laſſen; eine Spule Garn abwideln; landfch. uneig. es läuft ihm 
eine Spule leer, f. es geht ihm ein Unterhaltungsmittel ab, od. f. cs entgeht 
ihm ein Vortheil); Web. die Eleine Röhre, welche mit Garn bewidelt in 
das MWebefchiff gethan wird, auch f. das ganze Webefhiff (die Schieß— 
fpule); in weiterer Anwendung f. verfchiedene längliche, walzenförmige, 
meift hohle Körper, insbef. der untere hohle Theil der größeren Federkiele 
(Federfpulen) u. die ganze noch ungejchnittene Schreibfeder, niederd. 
auch Pofe (Gänſe-, Schwanenfpulen zc.); Jäg. die Eleinen Steden od. Sprei— 
gel in den Hühner: und Stedgarnen; oberd. ein fpulförmiges Brod vom fein- 
- ften Mehl (Spuelwed); auch f. ein Holzſpan zu groben Korbmacher-Arbeiten; 
landſch. z. B. in den Hallifchen Salzwerken: ein bedeckter Graben, welcher 
das wilde Waffer abführt (vielleicht von ſpülen?); — 3fes. der Spuk 
‘baum, f. v. w. Spindelbaum; dag Spuleifen, die eiferne Spindel, um welche 
die Spule fi dreht; fpulfürmig, Bw., dünn u. walzenförmig; der Spul- 
Fahn, aus einem Stück Holz gehauener Fiſcherkahn; der Spulfaften, die 
Spulenlade, ein Kaften zu Spulen, bef. an dem Spulrade der Weber, bei 
Seidenwirkern 2c ; der Spulenmacher, wer Weberfpulen macht; der Spul- 
muskel, Anat. gewiffe fpulförmige Muskeln; das Spulrohr, Rohrgras; die 
‚Spulfpindel, vie Spindel, auf welche die Spule geftedt wird; der Spul- 
wurm, ein walzenförmiger dünner Wurm, be. eine Art Eingeweidewürmer 
bei Menfchen u. Ihieren, Runde, Darmmwurm; auch eine Art weißlicher Regen: 
würmer; — Xbleit. fpulen, ziel. Zw., auf die Spule od. Spindel laufen 
laffen (Garn); daher der Spuljunge, Web. ein Lehrling, welcher fpult; das 
Spulrad, das Rad, mittelft deffen das gefponnene Garn auf die Weberfpulen 
- gebracht wird; auch das Rad, an welchem Wolle gefponnen wird; der Spu— 
ler, -8, die Spulerinn, M. -en, wer fpult. 2 
ſpülen, 3w. (alt. spuolen, spüelen; oberd. ſpüelen, niederd. ſpölen, holl. 
spoelen), 1) ziellos m. Haben, von Flüffigkeiten: in wellenförmig ſchwan— 
fender Bewegung an etwas anfcylagen, niederd. auch ſchälen, (z. B. der 
Fluſs pült an die Mauer); 2) ziel. etwas —, fpülend fortbewegen, finnv. 
fhwemmen (der See fpült Schilf, Schaum ze: ans Ufer; das Waffer fpült das 
Erdreich, Holz ıc. vom Ufer weg); fpülend, d. i. vermittelft einer in ſchwan— 
kende Bewegung geſetzten Flüffigkeit bearbeiten, bef. reinigen, finnv. ſchwen⸗ 
ken, verſch. waſchen (Gläſer, Töpfe 2..—; die Wäſche ſpülen, d. i. nachdem fie 
gewaſchen iſt, durch kaltes Waſſer ziehen); — 3ſetz. das Spülfaſs, die 


1018 Epund 


Spülgelte, der Spülkübel, das Spülfchaff, die Spülmanne, der Spül- 
zuber, Gefäße, worin das gewaſchene od. gefcheuerte Küchengeräth, Geſchirr ze. 


ab: od. ausgeipült wird; das Spülgefüß, jedes Gefäß, etwas darin zu fpüs 


len; der Spülgießer, Schiff. eine Art Schaufeln, die Segel u. Schiffsfeiten 
bei heißem Wetter mittelft derfelben zu begiegen ; der Spülfelch, in der Eathol. 
Kirche ein Kelch mit nicht geweihetem Weine, welcher den das Abendmahl Ge= 
nießenden auf Zerlangen gereicht wird, um das gemeihete Brod hinunterzufpü- 
len; der Spülfeffel, Schwenkkeffet; der Spülfumpf od. b. Spülnapf, ein 
Napf zum Ausipüten Eleinerer Gefäße; die Spülmagd, Magd, welche das 
Küchengeräth reinigt; der Spülſtein, in Küchen: der Rinn- od. Goffenftein, 
über welhem man etwas. abjpült; das Spülwaſſer, Waſſer, worin etwas 
abgeſpült wird; auch f. Spülicht; — Ableit. die Spüle, M. -n, (niederd. 
Spöte), landih. der Drt am Waffer, wo man etwas fpület, insbef. die 
Bühne der Wäfcherinnen am Ufer eines Fluffes; der Spüler, -8, die Spüle 
tinn, -en, wer fpült; das Spülig, r. Spülicht, -e3, o. M. (oberd. Spüe- 


lach, auch das Geſpüel), das Waſſer, worin gebrauchtes Zifch- u. Küchen - 


geräth gefpült worden iſt; überh. f. weggefpülte Unreinigfeit (4.8. Brannt- 
weinfpütiht); die Spülung, das Spülen. 

Spund 1. m., -e8, 0. M., landſch. f. v. w. der Spint, Splint; daher 
fpundig od. fpündig, Bw., oberd. f. käsartig, ſpeckig (von Badwerk), feh— 
lerhaft dicht u. feſt; auch f. hager, lang. 

Spund 2, m., -e3, M. Spünde; Verl. das Spündchen, (wahrſch. 
von Spinden, als verftärkender Mebenform f. binden, verfchlichen, vgl. 
Spind f. Schrank; oberd. u. Schweiz. auh Punt, Punden od. Bunten; 
mittl. lat. bondonus, franz. bondon; engl. bung; poln. szpunt) 1) überh. 
ein kurzer Pfropf od. Zapfen zum Verſchließen einer Offnung, insbef. der 
Schließzapfen für das Spundlody eines Faffesz der Pfropf zum Verftopfen 
der Mündung eines Gefhüges; an Fiihteihen der Zapfen, weicher herausge— 
zogen wird, um das Waſſer abzulaffen; Drechsl. Eurze runde Stückchen Holz, 
melde, an die Spindel befejtigt werden; 2) eine verfchloffene od. verſchließ— 
bare Offnung, insbef. das Spundloch (f. u.) eines Faffes; eine Stelle im 


Dache, wo bei Feuersgefahr das Dachwerk ſchnell weggenommen werden kann; 


* 


auch die Öffnungen der Röhren in Waſſerleitungen; 3) bei Holzarbeitern ſ. v. 


w. Salz, Kuge, auch ein aus mehren Zheilen zufammengefugtes 
od. -gefalztes Merk, z. B. Hüttenw. ein Werk, das Waffer bei den Fludern 
zu ertragen, — -Tolinben, niederd. ſpunden, ziel. 3w., (gem. nieberd. ſpun— 
nen überb. f. verſchließen, einfließen) 1) eine Sffnung mit einem Spunde 
od. Pfropfe verſchließen, insbeſ. die obere Offnung eines Faſſes mit dem 
Spunde od. auch durch Einſetzung eines Bodens od. Deckels verſchließen (ein 
Fafs ſpünden, zuſpünden); auch etwas in ein fo verſchloſſenes Gefäß ein— 
ſchließen, verwahren (Mehl in Fäſſer —); 2) durch Falze oder Fugen am 
Rande verbinden, fugen (Bretter, Balken); aus in einander gefugten od. ge— 


pündeten Brettern verfertigen (eine Stubendede), od. mit folchen Brettern Er 
g 


befleiden, täfeln (eine Wand, einen Brunnen mit Bohlen — ıc.); der Spün⸗ 
der, -$, wer die Fäſſer zuſpündet u. in den Keller Schafft (Bier-, Weinipün- 
der); — 3fe&. von Spund u. fpunden: dad Epundband, Fafzb. das Band, 
welches ein Faſs zunähft am Spunde umschließt; der Cpundbaum, 1) ein 
ftarker, Baum, aus welchem Spundbretter geſchnitten werden können; 2) der 






* 


— 


DH 


* 


Spunn — Spur 1019 


Grund- od. Fachbaum an Waſſermühlen und Wehren; der Spundbohrer, 


ein großer Bohrer zum Bohren der Spundlöcher; das Spundbrett, eine 
Art ſtarker, zum Spünden brauchbarer Bretter, 1 bis 14 ZoU dick, auch die 


Spunddiele, das Zalzbrett; das Spundgeld, landſch. eine Abgabe von dem 
ausgefchentten Weine od. Biere; die Spundhefen, f. v. w. Oberhefen (f. He— 
fen); der Spundhobel, ein Hobel, womit der Falz u. die Nuth an dem zu 
fpündenden Brettern gemacht wird; die Spundlade, an Orgeln eine Wind- 
lade, deren Boden auögemeißelt u. dann verfpündet worden ift; das Spund⸗ 
loch, die Dffnung in der Mitte eines Faſſes, welche mit dem Spunde verſchloſ— 
fen wird; der Spundnagel, eine Art hölgerner Nägel zum Spünden der 
Bretter; der Spundpfahl, ein in einen andern gefalzter Pfahl; die Spund- 
füge, Faſsb. eine Säge zum Ausſchneiden des Spundes; das Spundftüd, 
Bergw. winkelreht ausgehauene Bäume, zu Flubern gebraucht u. mit Brettern 
bekleidet; die Spundtiefe, Tiefe eines Faffes, duch den Spund gemeffen, 
Mitteltiefe; das Spundwerf, aus ineinandergefpündeten Theilen beftchendes 
Werk; der Spundzapfen, f. v. w. Spund 1), Schließzapfen; der Spund— 
ziegel, Plattziegel. 

Epunn, Spunne od. Spünne, f. u. w. (f. fpänen 2.), alt u. oberd. f. 
die Muttermilch. 

fpunzeln, ziel. Zw. (franz. poncer), nieberd., etwas durch ein durchlöcher— 
tes Papier mit Kohlenftaub od. Kreide abzeichnen, durchftäuben. 

Spur, w., M. -en, (altd. daz spor, auch w.; oberd. die Spur, Geipur, 
auch die od. das Geſpor; niederd. Spoor, angel. spor, isländ. spör, ſchwed. 
sporr; von gleihem Stamme mit Speer (ſ. d.), Sporn, alſo urjpr. Stich, 
Einſchnitt), überh. ein Einfhnitt od. Eindrud, eine Vertiefung, Kerbe ıc., 
3: B. Bergiw. der Mittelpunkt in dem Pfännchen, worin die Spindel herum: 
läuft; auch die Kerbe, welche beim Bohren der Schieflödyer gemadt wird; 
Hüttenw. eine runde Vertiefung im Zreidherde, u. im hohen Ofen, in welche 
das gefchmolzene Metall zuſammenfließt (daher: die Spur fchneiden, d. i. dieſe 
Vertiefung im Herde ausfchneiden, was mir dem Spureifen geihicht); 
Schiffb. eine Zufammenfügung von ſtarken Hölzern, wo der Fuß eines Maftes 
auftritt; gew. in engerer Bed. der in dem Boden zurüdgebliebene Eindrud 
von dem Gange eines Menfchen (finnv. FZußtritt, Fußftapfen), eines Thie— 
res (bei jagdbaren Thieren auch: die Fahrte), oder eines Fuhrwerkes, ſ. v. w. 
Geleife, Gleife, (in diefer eig. Bed. gew. nur in der Einh., z. B. der Spur 
eines Diebes nachgehen; einem auf die Spur fommen, auch uneig. f. 
Merkmale finden, woraus man feine Handlungsweiſe od. fein Vorhaben erfen- 
nen kann; der Hund folgt der Spur des Wildes, ift auf der Spur, hat die 
Epur verloren; Spur halten od. fahren, d. i. in der ſchon vorhandenen 
Wagenfpur fahren); uneig. ein zurücdgebliebenes Merkmal od. Kennzeichen 
von etwas Dagemwejenem (z. B. Spuren des Krieges, der Verwüſtung; Spu— 
ven der Krankheit in feinem Gefihte), u. überh. ein Erkenntnifsgrund, wor— 
aus man-auf das Dafein einer Suche fihließt (z. 8. Spuren der göttlichen 
Vorfehung, u. dgl. m.); — 3fes. die Spurbiene, ſ. v. w. Epähbiene, ſ. d.; 
der Spurgang, Spurritt, Jäg. Gang, Ritt bei frifchgefallenem Schnee nad) 
Sauen od. Wölfen; der Spurherd, Hüttenw. der Herd, in welchem die Spur 
(f. 0.) gemadt wird; fpurlos, Biv., ohne Spur, Erine Spur zurücklaſſend 
(4. 8. fpurlos verfhwinden); das Spurmefler, Hüttenw. ein Meffer, womit 


1020 fpuren — fpüßen 


die Spur (f. 0.) ausgefchnitten wird, Spureifen; der Spurftein, 1) Steine 
mit Spuren von thieriichen od. Pflanzen Körpern, z. B. Abdrudfteine und 
Steinkerne; 2) Hüttenw. ein durch Schmelzung des Schwarzkupfers erhalte 
nes noch mit Geftein 2c. vermifchtes Kupfer; das Spurwiefel, eine Art ägyp- 
tiſcher Wiefel, welche Vögel auffpüren (Pharaonsmaus od. vage, Schneumon); 
— Xbleit. ſpurig, Bw., eine Spur habend od. bildend, nur in Zſetz. wie 
breitfpurig 2c.; fpuren 1., ziellof. 3w. m. haben, "Spur halten, in 
der Spur od. im & leife gehen (von Wagen); fpüren, zielloſ. u. ziel. Zw. 
(altd. spurian, spurran, spürn; oberd. auch gefpören, niederd. ſpören; angelf. 
spyrian), eig. der Spur folgen, mittelft der Spur etwas zu erforfchen ſu— 


. 


chen (die Hunde fpüren nad) dem Wilde; vgl. nach-, auf-, ausfpüren); mit⸗ 


telft der Spur od. überh. an gewiffen Merkmalen etwas entdeden, wahr: 
nehmen, finnv. wittern (die Hunde fpüren ein Wild; die Katze fpürt eine 
Maus; er jpürte Verrath u. dgl.); uneig. überh. f. ſchwach od. fein empfin- 
den, fühlen, finnlich wahrnehmen, merken (Zug, einen üblen Gerud) ze. fpü- 
zen; man fpürt es kaum; ich fpüre nichts); daher: der Spürhund, ein Zagd- 
hund, welcher dazu abgerichtet ift, das Wild aufzufpüren; die Spürfraft, das 
Vermögen, etwas auf od. auszufpüren; der Spürfchnee, Zäg. friſch gefalle- 
nee Schnee, in welchem fi) die Spur des Wildes leicht auffinden u. verfolgen 
täfft; der Spürer, -8, wer fpürt od. etwas aufzufpüren ſucht; Jäg. f. 
Spürhund; die Spürerei) verächtl. f. das Spüren, Ausfpüren; fpürig, 
Bw., alt f. ‚Spüreef befigend, fcharffinnig. 

fputen 2. ‚ 3to., Yandfch. |. v. mw. fporen (f. unter fpor) u. fparen 2.5 — 
das Spur-€i, f. v. w. Spor-Ei (f. fpor). 

Spürgel, m., -8, landſch. f. Spergel, Spark, f. d. 

Spurherd, Spürhund, -kraft, f. unter Spur. 

Spurf, w., f. Sporf. 

Spurfs, m., niederd. f. Eleiner unanfehnlicher Menfch, Knitpe: 

fpurlos, Spurmeffer, 1. unter Spur. 

Spurre, w. landſch. f. das Nügleingras; der Spark, au: Spurrer. 

Spurritt, Spürfchnee, Spurſtein, Spurwiefel, f. unter Spur. 

fpürzen, fpürzeln, zieltof. Zw. (auch fpirzen, fperzen), oberd. f. fpeien, 
fpuden. 

fputen od. nach niederd. Ausſpr. ſpuden, rückz. 8w., (von dem altd. spuoan, 
spuon, Prät. spuote, angelf. spövan, Kortgang haben, von Statten gehen, ge: 
deihen; daher altd. spuot, Fortgang, Erfolg; vgl. die ſanskr. Wurzel spha, 
wachfen, gedeihen; — niederd. |poden, jpöden, ziellos u. rüdz., holl. spoeden, 
engl. speed; vgl. auch d. griech. oreudeır, orovdn), ſich —, gem. f. eilen, 
fich beeilen, etwas mit Geſchwindigkeit, aber zugleich mit angeftrengtem 
Eifer u. Befonnenheit verrichten, finnv. fi) tummeln, verſch. haften (fpute 
dich, aber haſte nicht); die Spute, o. M., niederd. (Spood; holl. spoed, 
engl. speed) f. Eile, Geſchwindigkeit im Ausrichten; glüdlicher Fortgang, 
Erfolg; fputig, Bw. (altd. spuotig, niederd. fpodig, engl. speedy) f. eilig, 
gefhmwind, hurtig. 

fputtern, ziellof. u. ziel. Zw. (engl. sputter; vgl. ſpützen) nieberd. f. fpriz 
sen, fprudeln, bef. beim Sprechen Speichel ausiprigen. 

ſpützen, ziellof. u. ziel. Zw. (verftärkende Ableit. von fpeien, f. d.; oberd. 





| 
| 
| 
| 





ft — Staat 1021 


auch ſpeuzen; hol. spuyten; angelf. spittan, engl. spit, ſchwed. spotta), alt 
u. oberd. f. fpeien, ſpucken; die Spüße, f. der Speichel. 

ft, ein Raturlaut, durc welchen man Schweigen gebietet, bef. um feine 
Aufmerkfamkeit auf etwas zu richten, zu horchen zc., vgl. pft. 

Staar 1., m., ein Vogel, ſ. Stahr. 

Staar 2. m., -e8, M. -e, (oberd. der Star, des Starn zc.; altd. daz 
staraplint, starblint; vom altd. star&n, starn, niederd. ftaren, ſtar-ogen, 
isländ. stara, angelf. starian, ftarren, mit ftarren Augen blicen), eine Augen 
krankheit, welche die Sehkraft zerſtört; insbef. der graue Staar, Ver 
dunkelung der Kryſtalllinſe od. ihrer Kapſel (fr. cataracta, Katarakt); der 
grüne Staar, Verdunkelung der gläfernen Feuchtigkeit (fr. Glaufoma); der 
ſchwarze Staar, völlig unheilbare Lähmung des Sehnerven (fr. Amauro- 
fi; den Staar ſtechen, beim grauen Staar die undurdhfichtige Haut, welche 
die Kryftalllinfe verdunfelt, niederdrüden od. herauszichen, um die Sehkraft 
herzuftellen; uneig. einem den Staar ftechen f. ihm die Augen über etwas öff- 
nen, ihn zur Einficht bringen); das Staarauge, ein mit dem Staar behafte- 
tes Auge; ftaarblind, Bw. (altd. staraplint, starblint; oberd. auch ftarnblind) 
durch den Staar erblindet, ſtockblind; die Staarbrille, eine Art Brillen für 
kranke Augen, bef. für folche, denen der Staar geftochen ift; die Staarnadel, 
eine goldene Nadel, mit welcher der Staar geftochen wird; der Staarftecher, 
ein Augenarzt, welcher den Staar zu ftechen verfteht. 

Staat, m., -e3, M. -en, (ehem. Stat gefhr.; im Altd. unbekannt, erft 
in neuerer Zeit, jeit dem 19. Sahrh. aus dem lat. status, ital. stato, franz. 
estat, etat ins Deutfche aufgenommen; engl. state, holl. staet,- ſchwed. stät) 
1) 0. M. chem. überh. f. Stand, Zuftand, Page, Befchaffenheit einer Per- 
fon od. Sache (3. B. fidy in gutem Staat befinden; in dem Staat der Witt- 
wen bleiben; in dem Staate fein zc. f. im Stande fein); insbef. f. Beſtand 
der Ausgaben u. Einnahmen, Rechnungs: Anschlag od. -Uberfchlag (jest 
gew. fr. Etat; daher noch niederd. Staat machen f. Rechnung machen; 
Staat auf etwas machen, f. darauf rechnen, hoffen, bauen); ferner f. Stand, 
Drden, Amt, Würde (4. B. von dem König ehrfamen Staat empfangen; in 
diefem Sinne auch M. die Staaten f. Stände, 3.8. die holländ. General- 
Staaten, d. i. abgeordneten Stünde) ; daher 2) 0.M. der einen Stand aus— 
zeichnende Außere Aufwand, Prunk, Gepränge, bef. an Kleidern, Bedienung, 
Gefolge ze. (einen großen Staat machen od. führen; ein Eöniglicher, fürftlicher 
2. Staat; vgl. Hofftaat); in weiterer Bed. f. prächtige Kleidung, Eoftba= 
rer, od. doch glängender, ins Auge fallender Puß (viel Staat machen; in völ- 
ligem Staat erſcheinen; feinen beften Staat anlegen; vgl. Bettel:, Flitterftaat) ; 
3) die Gefammtheit einer durch gemeinfchaftliche Verfaffung u. Negierung 
vereinigten bürgerlichen Gefellfchaft, bei. hinfichtlich der Regierungsform u. 
ber bürgerlichen Einrichtungen, verſch. Reich, Land, Volk, (4.8. ein 
Sreiftaat, monarchiſcher Staat 2c.; die europäifchen Staaten; der Preußifche, 
Englifhe, Franzöfiihe zc. Staat; die vereinigten Staaten von Nord: Ame- 
rika 2c.); die M. Staaten auch f. die verfchiedenen Gebietstheile oder 
Landfchaften (Provinzen) eines Staates od. Meiches, bef. wenn fie von ver 
fhiedenen Volksftämmen bewohnt find od. verfchiedene Gefege u. bürgerliche 
Einrichtungen haben (4. B. die Öfterreichifchen, Preußifchen, Ruſſiſchen Staa— 
fen; feine Staaten erweitern, bereifen 20.); — 3fe$. mit Staats- in der 


1022 Staat 


Bed. 2): das Stantsbett, der Staatsdegen, das Staatsfleid, die 
Staatskleidung, der Staatsrod, mantel 2c.; der Staatshut, die 
Staatshaube, die Staatskutfche, der Staatöwagen, das Staatäzim: 
mer u. dgl. m., Bett, Degen, Kleid. 2c. dem Stande od. der Würde angemef- 
fen, überh. f. Prunkbett, =degen, -kleid 2c.; die Staatsdame, eine zum Hof- 
ſtaat gehörende Dame; auch jpöttiih f. eine viel Staat machende, fich ſehr 
pugende Dame; die Staatsnath, Schuhm. eine nur halb durchgenähete Nath 
längs des Schaftes hinten an den fteifen Stiefeln; — in der Bed. 3): das 
Staatsamt, öffentl. Amt in einem Staate, bef. fofern es in die Staatsver- 
waltung eingreift; die Staatsangelegenheit; die Staatsbanf, f. Bank 2); 
der Staatsbeamte, wer ein Staatsamt bekleidet; die Staatöbehörde, hohe 
Gerihts- od. Verwaltungsbehörde eines Staates; der Staatsbeſchluſs, ein 
den Staat betreffender Befhlufs des Staatsrathes zc.; der Staatsbote, ein 
in Staatsangelegenheiten an einen andern Staat abgefendeter Bote (fr. Cou— 
vier); der Staatsbürger, Bürger eines Staates, insbef. fofern er als thäti- 
ges Mitglied desfelben an dem öffentlichen Leben Theil hat, verſch Unterthanz ' 
daher ſtaatsbürgerlich, Bw.; die Staatsbürgerfchaft; der Staatsdiener, 
wer in irgend einem öffentl, Amte dem Staate dient, von weiterer Beb., als 
Staatsbeamter; der Staatsdienft, das Verhältnifs u. Amt eines Staatsdie— 
ners; die Staatseinfünfte; die Staatseinrichtung; die Staatöform; 
der Staatögefangene, ein Staatsgefangener zc., ein wegen eines Staats— 
verbrcchens Gefangener; das Staatögeheimnifs, ein den Staat betreffendes 
Geheimnifs; das Staatögefchäft, den Staat, deffen Verwaltung zc. betref- 
fendes Geſchäft; die Staatsgefchichte, Gefchichte eines Staates als folden, 
verſch. Volks-, Landesgefhichte 2c.; das Staatsgeſetz, ein auf die Verfaffung 
u. Verwaltung eines Staates fich beziehendes Gefeg; die Staatsgewalt; der 
Staatsgriff, ein Kunftgeiff, fchlaues Verfahren in Staatsangelegenheiten, 
ftärker: der Staatskniff (f. Kniff); das Staatsgut, ein dem Staate ge= 
hörendes, öffentliches Gut od. Befisthum; der Staatshandel, eine Angele- 
genheit, Streitſache zc. des Staates (politiiher Handel; M. Staatshän— 
del); die Staatshaushaltung, f. v. w. Staatswirthfcheft, |. u.; die 
Staatskanzelei, die Kanzelei (f. d.), welche die Staatsſachen ausfertigt, deren 
Borgefegter: der Staatskanzler, der erfte Staatsbeamte; die Staatsfaffe, 
jede öffentl. Kaffe eines Staats, bef. die Hauptkaffe, der öffentliche Schatz; die 
Staatsklugheit, Einfiht in den Zufammenhang der Staatsangelegenheiten 
und Sefhidlickeit in deren Leitung, in höherem Sinne: Staatsweisheit 
(fe: Politik); ſtaatsklug, Bw., Staatsklugheit befigend u. davon zeugend (fr. 
-politiih); der Staatsiniff, ſ. Staatsgriff; der Staatskörper, f. Körper; 
die Staatsfoften, die Koften der Staatsverwaltung; die Staatskunde, 
die Kunde, d. i. die Kenntnis u. Wiffenfchaft, von den Einrichtungen, dem 
Zuftunde u. den Verhältniffen eines Staates; von mehren Staaten: die Staa— 
ten&unde (fr. Statiftit); ſtaatskundig, Bw., Staatskunde befisend; die 
Staatsfunft, die Kunft od. Gefhielichkeit, die Staatsangelegenheiten zweck⸗ 
mäßig zu leiten (fr. Politif); daher der Staatskünftler (fe. Politiker); die 
Staatslaft, beſ. M. Staatslaften, Laften, welche die Staatsbürger zur Er— 
haltung des Gemeinwefens tragen müffen; die Staatslehre, Lehre von ber 
ziwedmäßigen Einrichtung u. Verwaltung eines Staates, finnv. Staatswiſſen⸗ 
‚Schaft (die objective Seite der Staatskunſt; fr. Politik); auch ein einzelner den 





Staat 1023 


Pr F 

Staat betreffender Lehrſatz (politiſche Lehre; M. Staatslchren); der 
Staatslehrer, wer die Staatslehre vorträgt od. behandelt; der Staatsmann, 
M. Staatsmänner (nit leute), ein ſtaatskluger, und befonders ein in 
Staatsgefchäften thätiger Mann; das Staatsoberhaupt; der Staatspäch- 
ter, wer Staatsgüter od. einzelne Zweige des Staatseinfommens gepachtet 
hat; das Staatöpapier, def. M. Staatspapiere, den Staat betreffende od. 
vom Staat ausgehende Papiere, Urkunden 2c.; insbef. vom Staat in Umlauf 
geſetzte Geldfheine, Papiergeld; der Staatsrat), hohe od. höchfte berathende 
Berwaltungsbehörde eines Staates; auch ein Mitglied einer folhen Behörde; 
das Staatsrecht, das Recht od. die Befugniſs eines Staates, etwas zu thun 
od. zu laſſen; der Inbegriff der Rechte, nad) welchen ein Staat verwaltet wird, 
u. der Gerechtſame der verfchiedenen Staateglieder gegen einander (lat. jus 
publicum); auch der Inbegriff der Rechte mehrer Staaten gegen einander, ges 
nauer: das Staatenrecht; daher: ſtaatsrechtlich, Bw. (fr. publiciſtiſch); 
der Staatsrechtäfundige, -lehrer (fr. Publicift); die Staatsrechtölehre, 
⸗wiſſenſchaft 2c.; die StaatSreligion, die vom Staate als herrfchend aner= 
Eannte Religion; das Staatöruder, f. Ruder; die Staatsfache, jede den 
Staat betreffende Sache, Staatsangelegenheit;z die Staatsfchrift, eine die 
Staateverhältniffe betreffende Schrift; der Staatsfchriftiteller (fr. politiſcher 
od. pubticiftiiher Scriftfteller); die Staatsfchuld, Geldſchuld eines Staa- 
tes, öffentliche Schuld; das Staatöfiegel, das große Siegel, mit welchem 
Staats-Urkunden in der Staatskanzelei verfehen werden; die Staatsftelle, 
ge Staatsbehörbe; der Staatsſtreich, ein ftaatskluger Streich (ſ. 
3 franz. coup d’etat); die Staatsumwälzung (fr. Revolution); der 
Ehnatsemtpälger (fr. Revolutionär); die Staatsveränderung, -verwand: 
lung zc.; die Staatsunterhandlung, Unterhandlung in Staatsangelegenhei- 
ten (fr. bipfomatifche Unterhandlung); der StaatSunterhändler; das Staats- 
verbrechen, Verbrechen wider die Sicherheit u. Ruhe des Staates; der 
Staatöverbrecher, wer ein Staatsverbrehen begeht; faatsverbrecherifch, 
Bw.; die StaatSverfaffung, f. Verfaffung; die Staatsverhandlung, Ver: 
handlung in Staatsangelegenheiten; das Staatövermögen, Vermögen eines 
Staates an Staatögütern, Staatspapieren 2c.; die Etaatsverfammlung, 
Verfammlung des Staatsraths, od. der Stände eines Staates; die Staats: 
verwaltung, ſ. Verwaltung; der Staatsverwalter, «verwefer, 1. Verweſer; 
die Etaatöweisheit, ſ. o. Staatsklugheit; die Etaatswirthfchaft, die Ver— 
waltung der Einkünfte eines Staates u. des Staatövermögens, fo wie bie 
Wiſſenſchaft derfelden (Staats-Dkonomie, Finanzwiffenfhaft); die Staats— 
wilfenfchaft, die Wiffenfhaft vom Staate, die Staatslehre als wiſſenſchaft— 
liches Lehrgebäude; die M. Staatswiffenfchaften, f. alle zur Staatsverwal- 
tung u. Staatswirthichaft nöthigen Kenntniffe (fr. Gameralia) ; ftaatSwiffen: 
ſchaftlich, Bmw., zur Staatswiffenfchaft, od. zu den Staatswiffenfhaften ges 
hörend od. diefelben betreffend (fr. cameratiftiih); die Staatszeitung, eine 
von der Staatsregierung 0d. mit deren Ermädtigung herausgegebene Zei— 


tung; — 3fes. mit Staatens: die Staatenbeſchreibung, Beichreibung der 


Staaten (fr. potitifche Geographie); der Staatenbund od. =verein, Verbin: 
dung mehrer Staaten zu einem Iwede; die Staatenfahne, Sahne der verei- 
nigten Staaten, z. B. chem. der Niederlande; Naturk. eine Art oftind. Blafen- 
fenfchneden, auch Prinzenflagge; die Staatengefchichte, Geſchichte mehrer 


I) 


1024 = A: m 


Staaten (4. B. europäiſche Staatengeſchichtey; die Staatenkunde, f. o. 
Staatskunde; die Staatenverfammlung, Verfammlung der abgeordneten 
Stände eines Staates, der aus der Vereinigung verfchiedener Eleineren Staas 
ten befteht, wie ehem. die vereinigten Niederlande; — Ableit. ſtaatiſch, 
gem. ftaatfch, Srw., (niederd. ftaatfE; mit fremdartiger Endung: ftatiös), 
gem. f. Staat machend, prunfliebend; prächtig, ſtattlich; ftaatlich, Bm., 
Neuw. f. den Staat od. einen Staat betreffend (fr. politifch). 
. Stab, m., -es, M. Stäbe; Verkt. das Stäbchen od. Stäblein, (altd. 
stap, ©. stabes; niederd. Staf; angelf. staef, engl. staff, ſchwed. staf; wahr. 
von einer eigenen Wurzel stab, stiban, f. ſtützen, ſtemmen; vgl. die fangkr, 
Wurzel stabh, feft fein; das altd. u. noch ſchweiz. ftaben f. ftarren, fteif 
fein; niederd. ſtaven f. fteifen, befeftigen; das lat. stipes, Stamm; aud: 
Stimme, goth. stibna); 1) ein langes u. verhaltnifsmäßig dünnes, fteifes 
Holz, insbei. ald Stüge beim. Gehen, zum Schlagen zc. dienend, edler, als die 
finnv. Stod, Steden, (an einem Stabe gehen; feinen Stab weiter fegen, d, 
i. feinen Weg fort ſetzen; der Wander-, Hirten-, Bettelftab 2c.; fein Sohn ift 
der Stab feines Alters, uneig. f. die Stüse), auch zu andern Zwecken (4. B. 
ein Gitter von dünnen Stäben; die Blunten an Stäbe binden 2c.); Faſsb. f. R: 
Fafsdauben (Tonnen, Pipenftäbe); in weiterer Bed. f. Stange, Barre, 
Zain, vierfantige gegoffene od. gefchmiedete Stücke Metall, bef. Eifen; über, 
etwas Stabfürmiges od. Stabähnliches, insbef. Bauf. jedes halbrunde ° 
Glied in den Verzierungen; ehem. auch f. Schriftzeichen, Buchftabe (f. d.) 
u. in. der M. f. Schrift, Sprache (niederd. Stäve, Steve); in engerer 
Bed. 2) ein Stab als Werkzeug zum Meffen (Mafftab); auch ein bee 
flimmtes Längenmaß, gew. — 2 Ellen, zu Schnittwaaren; 3) ein Stab 
als Sinnbild der richterlihen Gewalt (daher ven Stab über Semand 
brechen, zum Zeichen der Verurtheilung zum Zode, uneig. überh. f. ihn vers, 
urtheilen; ehem. an ben Stab rühren od. geloben, d. i. durch Berührung des — 
Richterſtabes an Eides Statt geloben), auch als Zeichen der oberherrlihen” 
Gewalt u. Würde, des Dberbefehls (vgl. Zepter; z. B. der Befehlshaber, 
Feldheren-, Marſchallsſtab 2c.); uneig. f. Gericht, Gerichtsbarkeit (unter Je 
mands Stabe ftehen, d. i. unter deffen Gerichtsbarkeit; der Bürger-, Lehens— | 
ftab zc. f. bürgerliche, lehnsherrliche Gerichtsbarkeit; vgl. auch Krummftab); " 
bef. beim Kriegswefen als Sammelw. f. die höheren. befehlhabenden Offt- 
ciere eines Heeres od. einer Heeresabtheilung (der Stab eines Regimentes, der 
Generalſtab 2c.; daher der Stabs-Dfficier, der Stabsarzt ꝛc., ein 
zum Stabe gehörender Officier, Arzt 2c.); — 3ſetz. der Stabblod, ſtarke # 
Holzftüde zum Schiffbau; der Stabdegen, gew. Stoddegen, |. d.; dad 
“ Stabeifen, zu Stäben gefchmiedetes Eifen, Stangeneifen; auch ein hohles 
Drepeifen der Stellmacher; der Stabeifenhammer, gem. Stabhammer, 
ein Gifenhammer, wo Eifen zu Stäben gefchmiedet wird; das Stabgericht, 
ein Gericht, welches den Stab als Sinnbild der Richtergewalt führt, ehem. fr 
ein höheres, mit dem Blutbann verfehenes Gericht, landſch. aud) f. niedere, 
ſelbſt Feld- u. Dorfgerichte; der Stabhalter, ehem. wer zum Zeichen der ride 
terlihen od. befehlenden Gewalt den Stab hält (fr. Präfident); der Stabho- J 
bel, Tiſchl. eine Art Hobel zur Verfertigung der Verzierungen, welche Stäbe 
(j. o. 1) genannt werden; das Stabholz, Holz zu Faſsdauben (f.o. Stab 1); 
das Stabrechnen, die Stabrechenkunft, eine Art zu rechnen mit Stäben 










un == 


— — —— — 


— ————— 


Stadel 1025 


(fe. Rhabdologie); der Stabreim (von Stab f. Buchftabe, f. o.), der Buch- 
ftabenreim, die Art des GleichElanges, welche durch die Wiederkehr gleicher 
Mitlaute als Anfangsbuchftaben mehrer Wörter entfteht (4. B. mit Schimpf 
und Schande, in Wind und Wetter, u. dgl. m.), bei. in der altd. und altnord. 
Dichtkunft (fr. Allitteration); der Stabreißer, Schläger, Korftw. ein Arbei— 
.ter, welcher das Holz zu Stabholz fpaltet, od. Schlägt; das Stabthierchen, 
eine Art Aufgufsthierchen; der Stabträger, 1. v. w. Stabhalter; in der ka— 
thol. Kirche derjenige, welcher der Geiftlichkeit den Stab vorträgt; die Stab- 
wurz, eine zum Gejchlecht des Beifußes gehörende Pflanze mit langen u. gera— 
den ftabförmigen Zweigen, auch: Beſen-, Gertelfraut, Gertwurg, Eberwurz ıc. 
(artemisia abrotanum L.); die Stabzange, eine große Zange zum Handhaben 
der Kolben, wenn fie zu Stäben gefchmiedet werben ; der Stabzehnte, Landfch. 
der Zehnte von den Feldfrüchten, welche nicht in Garben gebunden, fondern bei 
der Übergabe mit der Zehntruthe abgemeffen werden, auch: der Stangenzehnte; 
— der Stabel- od. Stäbelherr, auch Stabelmeifter (wohl von dem oberd. 
Berl. das Stabel od. Stäbel f. Stäblein), ehem. bei Turnieren ein vor— 


nehmer Adliger, welcher Anfang u. Ende des Turniers mit dem Stabe bes. 
ſtimmte; — das Staberrad (von dunkler Bildung, vielleicht von anderem. 


Stamme?) Müll. eine Art unterfchlächtiger Waflerräder, welche nur einen 
Mahlgang treiben (verich. Panfterrad) ; das Stabergerinne, Gerinne zu einem 
Staberrade; das Staberzeug, das Staberrad mit feinem Zubehör; — Ab— 
Leit. der Stabe, M. -n, Neuw. f. Buchftabe, def. gegoſſene Druckbuchſta— 
ben, Lettern; der Stabel, -&, M. w. E., landſch. f. Pfahl, Holzfcheit, z. B. 
in den Hall. Salzwerken; flabeln, 3w., f. v. mw. ſtaben; ftäbeln, ziel. Zw., 
mit Eleinen Stäben verfehen, ftüsen, ftengeln (Blumen, Erbfen; den 
Wein—, pfählen); daher die Stäbel- od. Stabelerbfe, eine Art Gartenerb- 
fen, welche geftäbelt werden; der Stäbler od. Stabler, -8, wer zum Zeichen 
der richterlichen od. befehlenden Gewalt mit einem Stabe verfehen ift, ins— 
be. Landich. die Handwerfsmeifter; auch f. v. w. Stabelherr, f. o.; oberd. 
wer bei feierlichen Aufzügen den Stab vorträgt; ſchweiz. eine alte. Bafeler 
Scheidemünge mit einem Bifchofsftabe im Gepräge; ftaben, ziel. Zw. (altd. 
stabon, staben; niederd. ftaven, ftäven), vlt, einen Eid—, die buchftäblich 
nachzufprechende Eidesformel einem Andern vorfprechen od. vorlefen (da— 
her: ein geftabter Eid, d. i. ein feierlich vorgefprochener; wahrſch. von 
Stab f. Buchſtabe, |. 0.5 daher auch wohl f. buchftabiren, laut herfagen, 
ſchwed. stafva, stawa f. lefen; n. X. von der Berührung des-richterlichen Sta— 
bes bei der Eidesleiftung?); der Staber (altd. stabenaere, stevener), wer 
den Eid ſtabet; die Stabung, vit. f. Beeidigung, Eidesleiftung; ftäbig, 
Bw., niederd. (ftävig) f. fleif, nicht biegfam, nicht wanfend, ſtämmig, 
ſtark; ftablich, Bw., vlt. f. gerichtlich. 

Stachel, m., -8, M. felten die Stachel (nur wenn es vereinzelnd ift, vgl. 
Dorn, Halm, Sporn 2c.), gew. Stacheln, (altd. w. diu stahhila, stachel; 
auch oberd. noch w. die Stachel, daher die gew. Mehrh. Stacheln; 
von ftehen, ſtach ze. f. d.), überh. ein flechendes Ding, jeder Körper mit 
einer ftechenden Spige, von weiterer Bed., als die ſinnv. Dorn, Age, 
Ahel, Granne (z. B. die Stacheln an den Schalen der Kaftanien, an den 
Getreibeähren zc.; die Stacheln der Igel, Stachelſchweine ꝛc.); insbeſ. ein 
fpisiger Körpertheil, deffen fich ein Thier als Werkzeuges zum Stechen 


Heyſe's Handwörterb. d. deutfchen Spr. 2. Theil. 65 


k 
—— — Pro Sue 


1026 Stachel 


bedient (der Stachel der Bienen, Wespen, SEorpione 2c.), daher uneig. f. et 
was Schmerzerregendes, Quälendes (z. B. die erlittene Kränkung hat einen 
Stachel in feinem Herzen zurüdgelaffen) ; ferner ein mit einer fcharfen Spige 

zum Stecjen verfehenes Werkzeug, z.B. der chem. übliche Treibeftachel 
zum Antreiben des Zugviehs (daher bibl. wider ven Stachel lecken,er. 
läcken (f. d.), d. i. hinten ausfchlagen, umeig. f. ber übermacht widerftreben), 
die Stachelſtöcke, deren man ſich beim Eislaufen, Schlittenfahren ze. bebientz 
Hüttenw. |. v. w. das Stecheiſen; oberd. aud) f. v. w. Stackel od. Städel 
(i. d.); — 3feg. die Stachelähre, landſch. f. Süßklee (fr. Esparfette) ; der 
Stachelbauch, eine Gattung Seefiſche mit ftacheligem Bauche; die Stachel- 
beere, die eſsbare Frucht des Stachelbeerftrauchs, eines ftrauchartigen, mit 
vielen Stacheln befegten Gewächies, zum Geſchlecht des Sohannisbeerftrauches 
gehörend, landſch. auch: Groffel-, Grufel:, Kraus, Kräufel-, Kreuz-, Klofterz, 
Stich- od. niederd. Stickbeere ꝛc.; verſchiedene Arten find: die grüne glatte 
Stachelbeere, die rothe, od. grüne haarige Stachelbeere, auch Rauchbeere ge 
nannt 2c.; die Stacdhelbiene, gemeine Arbeitsbiene, z. U. v. den Drohnen; 
die Stachelbirn, eine Pflanze in Weftindien u. Südamerika mit wohlſchmecken⸗ 
den ftacheligen Früchten (cactus triangularis L.); der Stachelbörs, ein böre- - 
ähnliches Fifhgeihleht mit Stacheln vor der Rüden- und Afterfloffe, auch: 
der Stihling; die Stacheldolde, Igelklette; der Stacheldrache, eine Art 
Hals- od. Kehlfloffer mit ftacheliger Rückenfloſſe, auch: Seedrache, Schwert: 
fiſch, Petermännchen; die Stachelfeige, gemeine indiiche Feige; der Stachel: 
fifch, überh. ein mit Stacheln verſehener Fiſch; insbef. eine Art Sgelfifche: der 
runde Stachelfiſch; der Stichling; der ſtachlige Meer: od. Seeapfel; deröfa: 
chelfloh, ein flohartiger Käfer mit einem Stachel am Hinterleibe; der Sta 

chelfloffer, f. v. w. Spisfloffer; der Stachelflunder, ſ. Flunder; die Sta— 
chelfrucht, das Stachelgewächs, Frucht, Gewächs, mit Stacheln verfehen; 
das Stachelgedicht, ſ. u. Stachelrede; das Stachelgras, eine ausländifhe 
Grasart, deren Köpfchen mit ftacheligen Hülfen bedeckt find, Klebe-, Kletten- 
gras (cenchrus L.); die Stachelhirfe, eine Art Hirfe mit Stacheln od. Gran: 
nen; der Stachelhund, eine Art Haifiihe; der Stachelfäfer, Dornkäfer; 
der Stachelfarpfen, eine Art karpfenähnlicher, aber mit Stacheln verfehener 
Fiſche im Comer-See in Italien, auch: Dornfiſch; der Stachelkohl, ftachlige 
Flockenblume; der Stachelfopf, eine Art Klipp- od. Bandfifche mit ftacheli- 
gem Kopfe; die Stachelfrabbe, eine Art ftacheliger Krabben; der Stachel- 
franz, ein ftahliger Kranz, den in einigen Gegenden die Braut am zweiten 
Hoczeitstage aufſetzt, um diejenigen abzuwehren, die ihr den Brautkranz ab— 
nehmen wollen; das Stachelfraut, ſ. Hauhechel; der Stachelfrebs, eine 
Urt ftacheliger Seekrebſe; ftachellos, Bw., ohne Stacheln, Eeine Stacheln ha— 
bend; der Stachelmohn, eine füdamerifan. Pflanze mit ftachligen Samen— 
bäuptern (argemone L.); der Stachelmusfel, Anat. eine hautartige Band— 
fehne, von jedem ftachligen Zortfage der Wirbelbeine ausgehend; die Stachel- 
nufS, eine Wafferpflange u. deren Eaftanienähnliche, mit vier ftarfen Stacheln 
verfchene Frucht, auch Waſſer-, Seenuſs, Wafferkaftanie 2c. (trapa natans L.); 
die Stachelvede, eine gleichf. ftachlige, d. i. ftehjende, beißende, kränkende 
Nede, Spott= od. Schmährede, fo auch: der Stahelreim, vers, das 
Stachelgedicht, die Stahelfhrift (f. das fr. Satire); der Stachel 
roche, f. Pfeilſchwanz; der Stachelrücken, eine Art Seeraupen mit bürften- 





Stade — Stad 1027 


artigen Stacheln auf dem Rüden; die Stachelfau, eine Art ſehr gefräßiger 
Seefifche mit Stacheln an den Kiemenöffnungen; der Stachelfchlitten, ein 
Kleiner Eisfchlitten, auf welchem man fich felbft mittelft zweier Stacheln (Sta- 
cheiftäbe) fortſtößt; die Stachelfchnede, eine Gattung Schneden mit gewun- 
denen, rauhen, zum Theil ftacheligen Schalen (murex L.); die Stadhelfchrift, 
f. Stachelrede; der Stachelfchwamm, eine Gattung Schwämme, unten mit 
ftachelähntichen Faſern verfehen (hydnum L.); auch eine Art Saugſchwämme; 
der Stachelſchwanz, eine Art Horn- od. Spießfiſche; eine Art Eidechſen; das 
Stachelſchwein, ein in Afrika und Indien einheimiſches Säugethier, mit lan— 
gen, glatten, ſchwarz und weiß geringelten Stacheln bededit, au) das Sta— 
Helthier, Dornfchwein; ferner eine Art Stachelfchneden: der Spinnenkopf; 
der Stachelfchweinfifch, eine Gattung der Hornfiihe; der Stachelfenf, 
eine Art Zackenkraut od. Zacenfchote, deren Samenkörner mit einem Kleinen 
Stachel verfehen find, im füdlichen Frankreich (bunias erucago L.); der Sta— 
helftein, verfteinerte Stacheln der Seeigel; der Stachelftern, eine Art Ste 
fterne; der Stachelvers, das Stachelwort, f. 0. Stachelrede; der Stachel- 
wirbel, eine Art Wirbelthierchen; — Ableit. flachelig od. flachlig, Bw., 
mit einem Stachel od. mit Stacheln verfehen (ein ftadjliges Gewächs, 
Thier 26.); uneig. gleichf. einen Stachel abend, ftechend, beißend, krän— 
end (ftachlige Worte 2e.); ftachelicht od. flachlicht, Bw., einem Stachel 
ähnlich, ſpitzig wie ein Stachel; facheln, ziel. Zw., 1) mit einem Stachel 
ftechen, bef. um dadurch anzutreiben od. anzureizen (die Ochſen —); uneig. 
überh. f. empfindlich reizen, heftig antreiben od. erregen (der Ehrgeiz ftachelt 
ihn ; die Liebe ftachelt feinen Muth); 2) mit einem Stachel od. mit ©ta= 
cheln 'verfehen, bef. das Mw. geftachelt, als Bw. 

Stade, w., M.-n, (vgl. Stake; engl. stake; mittl. lat, staca; vgl. die 
franz. estaches, estacade; — von ſtecken, ftaE ze.), niederd. ein Kleiner zuge— 
fpister Pfahl, der in die Erde gefchlagen wird; daher: fladen, ziellof. u. 
ziel. Zw., f. folche Pfähle einfchlagen, od. etwas damit verfehen (4. B. 
Bohnen—); das Stad, -e3, M. -e, niederd. ein quer in den Fluſs ge- 
fhlagener Damm von Pfahlwerk; landſch. auch f. Stadet, ſ. u.; der 
Stackdeich, ein mit Pfahlwerk verwahrter Deich; der Stackmeiſter, Deich: 
baumeifter; das Stackwerk ıc.; — der Stadel od. Städel, -3, M. w. 
E., oberd., die mit einem eifernen Haken verfehene Stange der Schiffer, Fir 
fher 20.5 — das Stadet, - es, M. -e, (niederd. Stakett, Stakitt; zunächſt 
von dem ital. stacchetta, welches aber felbft von dem obigen Stamme ent- 
fpringt), ein Pfahlgehege, Pfahlwerk, insbef. im Kriegsw. eine Reihe Spitz⸗ 
pfähle (Paltifaden), mit denen ein offener Raum verwahrt wird; überh. ein 
Pfahl: od. Lattenzaun um Gärten u. dgl. - 

Stad, m., -e3, M. -e, auch der Staden, -8, M. w. E., (goth. staths; 
altd. der u. daz stad, stat, G. stades, und der stado, stade, ©. staden; nie= 
derd. Stade; Nebenform von Statt, f. d.), alt u. landfch. f. Geſtade, Ufer, 
bef. das eingefaffte Ufer eines Fluffes od. Waffers überh., wo Schiffe anlan- 
den u. ftehen Eönnen, f. v. w. Kai, Kaje; — der Stadel, -8, M. die Stä— 
del, (altd. stadul, stadal, stadel), urfpr. überh. der Standpunft, die Stätte, 
‚Stelle (4. 8. Burgftadel, d. i. die Stelle, wo eine Burg geftanden hat); 
ehem. f. Stall; Herberge, Verfammlungshaus (der Meifterfinger-Stadel); 
jegt oberd. f. Scheune, Schuppen; fheunenähnliches Vorrathsgebäude, 


65 * 


1028° Stadt 


Niederlage ıc. (4. B. Salzes, Weinftadel 2c.); der Stadelhof, ehem. f. Her- 
renhof, herrfchaftlicher Meierhof; der Stadler, f. Meier; oberd. auch der 
Knecht, der den Heuboden in Ordnung hält; der Stadelmeifter, chem. f. 
Wirth einer Herberge; das Stadelthor, oberd. f. Scheunenthor. j 
Stadt, w., M. Städte; Verkt. das Städtchen, oberd. Städtlein, (ur- 
pr. = Statt, altd. stat, wofür die Form Stadt in diefer befchräntten 
Bed. erft in neuerer Zeit üblich geworden; das ältere Wort für Stadt war 
burc, Burg (ſ. d.); diefes wurde aber allmählich auf den Begriff der Feftung 
eingeſchränkt, u. nun trat stat, d. i. eig. überh. Ort, Ortſchaft, an die Stelle, 
mit beſonderer Rüdficht auf bürgerliche Gewerbe, Handel u. Wandel 2c.), eine 
größere, mit gewiffen Rechten und Freiheiten begabte Ortſchaft, deren 
Einwohner Bürger heißen u. größtentgeits allerlei Gewerbe treiben, gew. 
mit Mauern u. Thoren verjehen, was jedoch für den Begriff der Stadt nicht 
wefentlich ift, entg. Dorf, Flecken, u. (als Aufenthaltsort) Land, (eine 
offene, fefte, große, Eleine Stadt; Haupt-, Handels-, Land-, Seeftadt 2e.; lieber 
in der Stadt, als auf dem Lande leben; ein Mann bei der Stadt, d.i. ein ans 
gefehener Bürger, der ftädtiiche Ämter, Geſchäfte 2. verfisht); uneig. f. die 
Einwohner einer Stadt (die ganze Stadt fpricht davon 2c.); — 3fes. mit 
Stadt, meift denen mit Sand od. Dorf entgegengefegt: der Stadtadel, in 


der Stadt wohnender Adel, entg. Landadel; in engerer Bed. in den ehemal. . 


KReichsftädten die vornehmeren Bärgerfamilien, auch Geſchlechter genannt (fr. 
Patricier); das Stadtamt, Amt bei der Stadt, frädtifches Amt; ftädtifcher 
Amtsbezirk; der Stadtarzt; der Stadtbaumeifter, wer die öffentlichen 
Bauten einer Stadt leitet; der Stadtbeamte, Mitglied der Stadtobrigkeit; 
der Stadtbewohner, entg. Landbewohner; das Stadtbier, in der Stadt ge 
brauetes Bier, entg. Dorf, Schlofsbier zc.; der Stadtbote, ftädtifcher Gerichts- 
bote; das Stadtbuch, ein Bud;, in welches die Grundgefege u. Freiheiten, 
gerichtl. Verhandlungen, Verträge zc. einer Stadt eingetragen werden; die 
Stadtfefte od. -feftung, Feftung in od. bei einer Stadt (fr. Citadelle); die 
Stadtflur, die zu einer Stadt gehörende Feldflur, vgl. Dorfflur; die Stadt- 


freiheit, Freiheit, deren eine Stadt genießt; die Stadtgaffe; das Stadtge⸗ 
baude, -gebiet, -gefängnifs 2c.; der Stadtgeiftliche, entg. Landgeiftliche; 


die Stadtgeiftlichfeit; die Stadtgemeinde, eine Gemeinde (f. d.) von Stadt- 
bewohnern; die Stadfgerechtigfeit, = gerechtfame, |. unter gerecht; dag 
Stadtgericht, Gericht in einer Stadt u. über diefelbe, entg. Landgericht; der 
Stadtgerichtsrath, Rath beim Stadtgerichte; die Stadtgerichtäbarkeit, 


die Gerichtsbarkeit einer Stadt, ober über eine Stadt; die Stadtgefchichte, | 


in der Stadt vorgefallene u. erzählte Gefhichte; das Stadtgeſpräch, in der 
“ Stadt verbreitetes, allgemeines Geſpräch; der Stadtgraben, ein die Stadt 


umgebender Befeftigungsgraben; das Stadtgut, einer Stadt od. Stadtger 


meinde gehörendes Gut; die Stadthaft, (fr. Stadt-Arreit); das Stadthaus, 


jedes Haus in der Stadt, entg. Landhaus; in einigen Städten f. das Rath 


haus; ber Stadtherr, Eigenthums- od. Gerichtsherr einer Stadt; Mitglied 
des Stadtrathesz; Herr in od. aus der Stadt; die Stadtjugend, die jungen 
Leute der Stadt; die Stadtfämmerei, der Stadtkämmerer, ſ. Kämmerei 


2c.; die Stadtkaſſe, f. Kaffe; der Stadtfeller, ſ. v. w. Rathskeller; das 


Stadtfind, ein Kind aus der Stadt, entg. Dorflind; auch jede aus einer 


Stadt gebürtige Perſon; die Stadtkirche, enta. Dorflicche; der Stadtfnecht, 











Staffel 1029 


bie geringften Poligeis od. Gerichtsdiener einer Stadt, Häfcher, Bettelvogt 2c.; 
ſtadtkündig od. gew. ffadtfundig, Bw., in der ganzen Stadt bekannt; das 
. Stadtleben, Leben in der Stadt, entg. Landleben; die Stadtleute, o. €; 
Stadtbewohner, entg. Landleute; das Stadtmädchen, entg. Landmädchen; 
die Stadtmauer, Mauer um eine Stadt; die Stadtneuigfeit, eine in der 
Stadt verbreitete, od. aus der Stadt mitgebrachte Neuigkeit ; die Stadtobrig- 
feit, f. Obrigkeit; die Stadtordnung, geordnete Einrichtung od. Verfaſſung 
des Gemeinwefens einer Stadt, und der Inbegriff der darauf beziiglichen Vor- 
ſchriften; die Stadtpfarre, Pfarre in der Stadt; der Stadtpfarrer od. 
s prediger, entg. Landprediger; der Stadtpfeifer, chem. f. Stadtmuſikant; 
die Stadtpflege, Rechtspflege in einer Stadt u. Gerichtsbezirk berfelben; der 
Stadtpfleger, wer die Rechtspflege in einer Stadt od. die Gerichtsbarkeit 
über diefelbe hat; ftadtpflichtig, Biw., der Stadt zum Gehorfam, zu Abgaben 
2c. verpflichtet; die Stadtpoft, Poft (ſ. d.) zur Beförderung von Briefen zc. 
innerhalb einer Stadt; der Stadtrath, die Rathsbehörde einer Stadt (fr. der 
Magiftrat), u. ein Mitglied derielben; das Stadtrecht, das Recht, vermöge 
deſſen ein Ort eine Stadt ift, u. die Gerechtfame u. Freiheiten, welche einer 
Stadt als folcher zuftehen; auch der Inbegriff der Gefege einer Stadt; der 
Stadtrichter, Mitglied u. bef. Vorfiger des Stadtgerichtes; die Stadtfache, 
ftädtifche Angelegenheit; der Stadtfchreiber, ein ftädtifcher Beamter, welcher 
die das Gemeinwelen der Stadt betreffenden Verhandlungsichriften ꝛc. verfaflt 
(Stadt-Secretär); die Stadtfchuld, Schuld des Gemeinwefens einer Stadt; 
die Stadtfchule, Schule, bef. niedere Schule in einer Stadt, entg.Land-, Dorf 
ſchule; der Stadtfchullehrer; der Stadtfchultheiß, ſ. Schultheiß; die Stadt: 
ſchwalbe, Rauchſchwalbe; der Stadtfoldat, Soldaten, welche eine Stadt 
zur Erhaltung der Ordnung u. Sicherheit unterhält, daher der Stadt-Of— 
ficier, Hauptmann, »-Oberft xc., Officier 2. bei den Stadtfoldaten ; 
das Stadtthor, Ihor einer Stadt; die Stadtuhr; das Stadtviertel, Ab— 
theilung, Bezirk einer Stadt, vgl. Quartier; der Stadtvogt, Vorgefegfer, 
Verwalter einer Stadt (f. Vogt); die Stadtvogtei, Amt, Gebiet u. Woh- 
nung des Stadtvogtes; in manchen Orten, 3. B. in Berlin: das Stadtgefäng- 
niſs; das Stadtvolf, entg. Landvolk; die Stadtwache, Wade u. Wach— 
haus in od. bei einer Stadt; die Stadtwage, öffentliche Wage einer Stadt; 
der Stadtwagen, ein zierlicher Wagen zum Fahren in der Stadt, z. U. v. 
Reifewagen; das Stadtwappen; die Stadtweide, = wiefezc., zu einer 
Stadt gehörende Weide 2c.; die Stadfwohnung, Wohnung in der Stadt, 
entg. Landwohnung; der Stadt-Wundarzt (fr. Stadt-Chirurg) ; — 3feb. 
mit Städte: die Städtebanf, chem. bei Reichsverfammlungen die Bank 
für die Abgeordneten der Reicheftädte; der Städtebund, Bund mehrer Städte 
zu gemeinfchaftlichen Zweden; die Städfeordnung, Stadtordnung (i. 0.) für 
mehre Städte; die Städtefleuer, ehem. Steuer der freien Reicheftüdte; der 
Städteverwüfter, u. dgl. m. — Ableit. der Städter, -3, die Städte: 
rinn, M. -en, Einwohner einer Stadt, entg. den Landleuten; ſtädtiſch, 
Bw., eine Stadt betreffend, einer Stadt angehörend, eigen, ähnlich (ftäd- 
tische Geſchäfte, Gewerbe, Sitten 2c.; ein ftädtifcher Ort 2c.); ſtädtlich, Bw., 
felten f. ſtadtähnlich (ein ftädtliches Anfehen). 

Staffel, w., M.-n, (altd. stafful, staphal, stafel, staffel, m., u. staphala, 
stafele, m.; oberd. der Staffel od. Stapfel; von dem alten ftapfen, ſtaf⸗ 


1030 Staffette — Stahl 


fen f. treten, fchreiten; vgl. Stapfe u. Stufe), urfpr. überh. Zritt, Grund: 
lage des Stehens, Schämel ıc. (daher oberd. der Betftaffel f. Betſchä— 
mel); jest insbeſ. f. Stufe, Abfag einer Treppe ꝛc., Sproffe einer Leiter; 
uneig. f. Stufe, Grad (4. B. die höchſte Staffel der Ehre; Sprachl. f. Stei- 

gerungs= od. Vergleihungsgrad); alt u. oberd. auch f. Stollen, Fuß an höls 

zernen Geräthen, als Bettladen, Tiſchen ze. ; Unterlage für abzuftellende Waa— 

ven, |. v. w. Stapel (daher: Staffelgerehtigkeit, -gut, -ftadt ıc. 

f. Stapelgerechtigkeit 2c.); auch f. Staffelei, ſ. u.; — der Staffelgefang, 

-pfalm, f. Stufenpfalm; der Staffelftein, ehem. ein Stein od. ew)öheter 

Ort vor dem Thore, um aufs Pferd zu fteigen, auch als Pranger für fchlechte 

Zahler 2e.; ſtaffelweiſe, Nw., ftufenweife; — ftaffeln, ziel. Zw., mit Staf- 

fein od. Abfagen verſehen, ftaffelweife einrichten, abftufen; oberd. f. ſta— 

peln; daher ftaffelbar, Bw., f. ftapelbarz die Staffelei, M. -en, bei Ma- 

Yern 2c. ein leiterähnliches, ſchräg ſtehendes Geftell mit Löchern u. Pflöden 

in den ©eitenhölgern, mittelft deren dad Gemälde höher u. niedriger darauf ges, 
ftellt werden Tann; daher das Staffeleigemälde, ein Gemälde, welches auf 

der Staffelei gemalt wird; — der Staffen, -8, in Repetiv-Uhren eine Scheibe 

mit 12 Abfasen od. Stundenftaffeln. 

Staffette, r. ats Stafette, w., M.-n, (von dem ital. staffetta, franz. 
estaffette; diefe aber von dem deutfchen Stamme ftaffen, ftapfen, f. Staf- 
fel, u. vgl. das altd. staffe,, ital. staffa f. Steigbügel), ein ſchnell reitender 
Poſtbote, Eilbote zu Pferde, der auf Semands Verlangen abgeſchickt wird, 
auch: der Staffettenreiter. 1 

ftaffiren, ziel, Zw. (deutfch mit fremdartiger Endung, von Stoff, alſo ft. 
ſtoffiren; niederd. ftofferen, ftaveren, holl. stoffeeren, ſchwed. stoffera; franz. 
estoffer, etoffer), eig. mit Stoff od. Zubehör verfehen, ausrüften, ausftat= 
ten (ein Zimmer —, mit Hausgeräth verfehen; ehem. einen mit Geld, mit ge 
bensmitteln ꝛc. —); gew. f. verzieren, fhmüden, aufpugen, bef. von Klei- 
dungsftücen (ein Kleid—, d. i. mit Treffen, Borten 2c. befegen; einen Hut—, 
futtern u. zuftugen); Mat. mit Beiwerk auszieren; die Staffirung, Auf 
pußung, Befesung eines Kleidungsftüdes; Mal. (fr. Staffage) Auszierung 
eines Gemäldes mit Beiwerk, insbef. einer Landfhaft mit Figuren von Men- 
ſchen, Thieren 2c., u. diefe Figuren felbft;z der Staffirer od. Staffirmaler, 
Unftreicher, Vergolder, Stubenmaler. 

Stay, f. (n. X. m.), -e8, M. -e, (engl. stay, franz. etai; Stag ift alfo 
wohl aus Staj entft. von einem Zw. ftaien, ftajen, enal. stay, ftehen ma— 
hen, hemmen, feft halten; vgl. ftauen), Schiff. ein flarkes Tau, mit welchem 
jeder Maft u. jede Stenge nach vorn befeftigt wird, (dag große Stag, 
"das dickſte von allen, welches den großen Maft befeftigt; ein lofes Stag, 
welches dem eigentlichen Stag noch zur Hülfe dient); das Stagauge, der 
Theil eines Stages, welcher um ben Top des Maftes liegt; der Stagblod, 
zwei Blöcke, deren einer an das Stag felbft, der andere an den Kragen desjel- 
ben geftropt ift; der Stagfragen, ein [hwerer-Strop, womit der untere Theil 
des Stages feft gelegt wird; das Stagfegel, ein Segel, welches ohne Rah 
an das Stag gehängt wird. 

Stahl 1., m., -e3, M. Stahle, n. A. Stähle, (altd. stahal, stahel, stäl; 
oberd. Stahel, Stachel, M. die Stahel; niederd. Staal, ſchwed. stäl, engl. 
steel, poln. stal; wahrfch. von der Wurzel sta, stän, ftehen: das Gtarre, Harte; 





da Stahl 1031 


vogl. das ſchwed. stel, fteif, are), Hereinigtes, rothalühend in kaltes Waſſer 


getauchtes u. dadurch gehärtetes Eifen (eine Klinge von Stahl; feft, hart 
wie Stahl 2c.); ein aus Stahl verfertigtes Werkzeug, z. B. dicht. f. jedes 
ſchneidende od. ftechende Werkzeug, jede Hieb- od. Stihwaffe: Meffer, 
Schwert, Doldy ꝛc. (z. B. fi) den Stahl in die Bruft ſenken; vom Stahl 
durchbohrt ze.); gew. f. Feuerftahl, Wesftahl; Handm. Dreheifen zu Bein, 
Horn ꝛc. 3. U. v. den Eifen zu Dolzarbeiten (daher: der Schlicht-, Stedy-, 
Rund, Schrot-, Schraubenftahl ꝛc.); oberd. bef. das pfriemenförmige Eijen, 
welches der Landmann neben Meſſer u. Gabel in der Tafche führt; auch f. 
Bolzen zum Bügeleiſen; alt u. landſch. f. die Armbruſt mit ftählernem Bo— 
gen (daher: das Stahlſchießenz die Stahlſchützengeſellſchaft 
2.); — 3feg. die Stahlader, Schloff. ftahlharte Stellen im Eifen; die 
Stahlarbeit; der Stahlarbeiter; das Stahlbad, Bad in ceifenhaltigem 
Waſſer; der Stahlbaum, eine Art Bäume mit fehr hartem Holz (fagara L.); 
ſtahlbedeckt, Bw., dicht. mit Stahl, mit ftählernem Panzer bedeckt; ftahl- 
blau, Bw., blau wie angelaufener Stahl; das Stahlbrennen, Verwandlung 
des geichmelzten Eifens in Stahl; der Stahlbrenner, wer dies verrichtet; 
der Stahlbrunnen, eifenhaltigee Brunnen, fo auch: die Stahlquelle, 
das Stahlwafjer; der Stahldegen, ein Degen mit einem Gefäß von ge- 
blänktem Stahl; das Stahlerz, verſchiedene reine Eiſenerze, beſ. ein reichhal⸗ 
tiges blaues Eiſenerz; die Stahlfeder, ſ. Feder; der Stahlfiſch, ein ſtahl— 
grauer karpfenartiger Fiſch im kaspiſchen Meere; ſtahlgrau, Bw., grau wie 
der rohe Stahl; ſtahlgrün, Bw., bläulich-dunkelgrün, wie im Feuer grün an— 
gelaufener Stahl; ſtahlhart, Bw., hart wie Stahl; die Stahlhärte; die 
Stahlhütte, Anftalt zur Bereitung des Stahls aus Eiſen; die Stahlkette, 
Kette von Stahl; der Stahlfnoten, in den Stahlhütten: ein Zuſatz, um dem 
Stahle die gehörige Härte zu geben; das Stahlfraut, landſch. f. Hauhechel; 
Leine od. Flachskraut; Eifenkraut; der Stahlkuchen, vieredige Stücke Stahl, 
wie fie aus den Stahlhütten kommen; die Stahlfugel, Heil. Eifenfeil mit 
Weinſteinrahm zu einer feften Maffe in Kugelform gebracht; die Stahlmotte, 
eine Art Nachıtfalter auf Eichen; der Stahlpanzer, string, Panzer, Ring von 
Stahl; die Stahlfaite, Saite von Stahldrath; das Stahlichießen, ſ. o. Stahl; 
der Stahlfchneider, wer Figuren zc. in Stahl fchneidet zu Stempeln, Petfchafe 
ten 20.5 der Stahlfpiegel, Spiegel von gefchliffenem Stable; der Stahlftein, 
aller reine Eifenftein; bef. der fpathige Eifenftein, weißes Eijenerz ; in den Stahl» 
hütten ein durch wiederholte Schmelzuna erhaltenes Elaripeifiges Eifen; der 
Stahlſtich, Abdruck eines in eine Stahlplatte geftochenen Bildes (vgl. Kupferftich); 
der Stahlitecher, ein Künftler, welcher mit dem Grabſtichel in Stahl ſticht; 
die Stahlwaare, M. Stahlwaaren, Stahlarkeiten, als Waare betrachtet; 
die Stahlwaffe; das Stahlwaffer, f. 0. Stahlörunnen; das Stahlwerf, 
Werk, Arbeit aus Stahl; Werkftätte, wo Stahl bereitet wird; — XAbleit. 
ſtählen od. gew. ftählern, Bw. (altd. stahelin, stehelin, staelin), von Stahl, 
aus Stahl gemacht (ftählerne Werkzeuge, Schnallen 2c.); ftählen, ziel. Zw. 
(altd. stehelen, oberd. ftäheln), mit Stahl, bef. mit einer Schneide od. Spitze 
von Stahl, verfehen (ein Meffer, eine Art 2c.); hart wie Stahl machen, 
bef. uneig. f. in hohem "Grade verhärten, befeftigen, ſtärken (4. B. den 
Muth, das Herz 2c.); oberd. Waller, Wein ⁊c. —, d. i. glühenden Stahl 
darin ablöfchen; die Stählung, das Stählen in allen Bed. 


052 Stahl — Stafe 


Stahl 2. od. Staal, m., -e3, M. Stähle, (urfpr. wohl niederd. Neben 
. form. des hochd. stal, Stall (f. d.), d. i. eig. Stelle, Platz, Grund, Grund- 


lage 26,5; von ftellen), niederd. 1) f. Stelle, Grund, worauf etwas fteht, Liegt, 


od. gelegen hat, insbef. Wafferb. der Grund eines Deiches (Deichſtahl); 


2) das Anfgeftellte, Stehende, Steife, daher der Fuß eines Tifches, Stube 
les 2c., der Stollen (weſtphäl. Stale; hol. voetstal, franz. piedestal, Säu⸗ 


Venfuß) ; die Sproffe einer Leiter (auch: die Stale); der Kiel einer Schreib- 
feder; 3) das Hin= od. Ausgeftellte: die Probe einer Waare (vgl. das 


holl. staelen, stallen, franz. estaler, etaler, Waaren auslegen, auskramen), ins 


bef. Färb. ein zur Probe der Farbe in die Blauküpe getauchtes Läppchen 
(einen Stahl abziehen) ; ein abgefchnittenes Tuchläppchen ald Probe (gem. 
verkl. das Stahlchen, niederd. Staalken; daher das Stahlhenbud, f— 
Probenbuch der Tuchhändler); auch ein Kennzeichen zum Beweiſe der Echt— 
heit, insbeſ. das den Tuchen angehängte geſtempelte Bleizeichen (holl. stael- 
loot); daher ſtahlen, ziel. 3w., niederd. f. die Echtheit einer Waare durch 
ein Merkmal bezeugen, insbe. Tuch —, d. i. geftempeltes Blei daran befefti- 
gen; der Stahlhof, ehem. den Kaufleuten der Hanfeftädte gehörende Gebäude 
in London, wo die nad) Deutfchland zu ſchickenden engl. Tuche geftahlt 
wurden. _ 

Stahr od. Staar, m., -68, M. -e, oberd. ©. -en, M. -en, (althochd. 
staro, m. ıt. stara, w.; mittelh. star, G. starn; oberd. der Star, gem. Stärl, 
ehem. der Staren, Starn, Storn, ſchweiz. Storren; angelf. staer, stearn, engl. 
stare, starling; lat. sturnus, ifal. storno, franz. etourneau; gried). Yao), ein 
Vogel von der Größe einer Droffel, mit ſchwarzem, weißgeflecttem Gefieder, 
Zegelförmigem, dünnem Schnabel und zweimal gefpaltener Zunge, daher er 
leicht einzelne Wörter nachiprechen Lernt, Tandfch. die Sprehe; der indiſche 
Stahr, ein Singvogel aus dem Geſchlecht der Aseln, welcher noch beffer, als 
der Papagei Wörter nachfprechen lernt; — der Stahrhäher, Nufehäher; der 
Stahrenherd, Vogelherb zum Fange der jungen Stahre; der Stahrmas, 
gem. f. Stahr; uneig. f. ein alberner Schwäger, der Andern nur nadfchwakt, 
(vgl. Matz 1. u. 2.); der Stahrenftein, ein Stein mit fternförmigen Fleden, 
wie das Gefieder des Stahres. ® 

Stähr, m., -e3, M. -e, oberd. Gen. -en, M. -en, (altd. stero, ster, ©. 
stern; oberd. Ster, &. Steren; aud) der Sterch, des Sterchen; vgl. Stier u. 
das Schweiz. Sterchi f. Zuchtftier; von der Wurzel star, ftarr, fteif, ſtark, vgl. 
Staar, ftark 2c.), Tandich. f. der Schafbock, Widder; falzburg. f. das männ— 
liche Schwein; das Stährlamm, f. Bodlamm; ftähren (gem. aud) ftie- 
ven), ziellof. 3w. m. haben, 1) von dem Schafbode: die Schafe befruch- 
ten; 2) von den Schafen: nach dem Schafboc verlangen. 

Stafe, w., M.-n, od. der Stafen, -8, M. w. E., (von fteden, ſtak; 
vgl. Stade, Steden, Stock; angel. staca, engl. u. ſchwed. stake; ſchweiz. 
Stage, f. Stüge, Gabel), niederd. f. langer Stod, Stange (4. B. Bohnen, 
Hopfenſtaken 2c.), bef. Nuderftange; der Stafenzaun, Stangenzaun; das 
Stafholz, Holz zu Staken; das Stafwerf, f. Stackwerk; — ftafen, ziel. 
3w., nieberd. f. mit einer Stange ftoßen, ſchieben, hinauf: od. hinabreichen 
(Sarben, Heu 2c.); mit einer Stange in der Tiefe fuchen, daher überh. f. 
anchfuchen, unterfuchen, forfchen, ftochern; ſchüren, ftören (das Feuer); 
mit Stangen verfehen (eine Wand, Dede ꝛc.); der Stafer, -$, nieberd. 








II uf 





Stall 1033 


wer mit einer Stange od. Heugabel arbeitet; uneig. f. mühfeliger Arbei— 
ter, armer, elender Menfch; bei den Gelbgießern eine eiferne Stange, womit 
die Kohlen um den Schmelztiegel gelegt werden; ftafeln, ziellof. Zw. f. mit 
einer Stange in Eleinen Abfägen ftoßen; fchweiz. (ftaggeln) f. ftottern; 


- ftafern, ziellof. Zw., niederd. f. ftochern; auf langen, dürren Beinen ein- 


herfchreiten. 

Stall 1., m, ⸗es, M. Ställe; Verkl. das Ställhen, (altd. stal, ©. 
stalles; altnord. stallr; angelf. stal, stalle, engl. stall; von der Wurzel stal, 
ſanskr. sthal, feftftehen; daher: ftellen, Stuhl, Stollen, ftill 2c.), urfpr. überh. 
f. v. w. Stelle, Statt, Stätte (daher: in minen stal, an meine Stelle; in 
stalle, anftatt; stal geben, Statt geben, weichen 2c.; u. alt= u. oberd. Zſetz. 
wie betstall f. Bettftele; Beiftall, ſchwäb. f. Wetterdacd vor einer Haus— 
thür; Burgftall, die Stelle, wo ein Schlofs fteht od. geftanden hat; Kerns 
ftalt f. Kerngehäufez Kerzenſt all f. Leuchter, u. dgl. m.); dann f. Wohn 
od. Aufenthaltsort, eingefchloffener Raum, Sig (ital. stallo; vgl. Stall— 
bruder); jeht in engerer Bed. ein eingefchloffener u. bedeckter Naum als 
Standort für das Vieh (z. B. Kuh-, Schaf:, Pferde, Schweine-, Hunden, 
Gänſe-, Hühnerftall 2c.); insbef. an Höfen die fümmtlichen zum Marftall 
(j. d.) gehörigen Gebäude, Pferde u. dabei angeftellten Perfonen; Stall 2. 
f. u. ftallen; — 3fes.: das Stallamt, Amt bei einem Marftall; auch die 
Gefammtheit der Stallbeamten; der Stallbaum, in Pferdeftällen ein ftarker 
Baum, durch welchen die Pferde von einander getrennt werden; ſtallblind, 
Bw., von Pferden, blind vom langen Stehen im Stalle; der Stallbruder, 
ehem. f. Stubengenoffe, Kamerad; der Stallbube, -junge, junger Pferde 
knecht; der Stalldienft, Dienft im Stalle, be. bei einem Marſtall; das 
Stallfüllen, ein Füllen, welches im Stall gehalten, nicht auf die Weide ge- 
trieben wird; uneig. niederd. f. Mutterfönnchen, Zärtling; die Stallfütterung, 
Landw. Fütterung des Viches, insbef. der Kühe, auch den Sommer hindurch 
im Stalle, entg. dem Weidgange; das Stallgeld, Bezahlung für den Ge- 
brauch eines fremden Stalles; in Straßburg f. Standgeld, Budenzins auf dem 
Zahrmarkte; der Stallfnecht, ein Knecht, welcher die Pferde im Stalle war— 
tet; das Stallfraut, landſch. f. Hauhechel; Lein- od. Flachskraut; der Stall- 
meifter, Oberauffeher eines Marftalls; auch Lehrer der Reitkunſt, Bereiter; 


der Stallochs, Maſt- Schlachtochs; der Stallfchreiber, Schreiber bei einem 
- Stallamte; ftallftätig, Bw., von Pferden, im Stalle ftätig, nicht aus dem 


Stalle wollend; das Stallthor, die Stallthür ıc. — ftallen, 3w., 1) alte 
Nebenform von ftellen (vgl. beftallen), alfo urfpr. ziel. f. ftehen machen, 


einſtellen (z. B. den Lauf eines Krieges, Rechtshandels zc., fr. fiftiven); gem. 


ziellog f. den Gang einftellen, ftehen bleiben; daher von Pferden u. Efeln f. 
harnen (weil fie dabei ftill ftehen; Jäg. auch von den Hirſchen, Wölfen u. Leite 
bunden; auch ziel. Blut ftallen 2c.); niederd. f. gerinmen, dick werden (von 
der Milch zc.); 2) abgel. von Stall: ziellos od. rüdz. gem., bef. niederd. f. 
in einem Raum friedlich bei einander fein, uneig. überh. fich mit einander 
vertragen (fie fallen, od. fie ftallen fich nicht mit einander) ; ziel. in den Stall 
ftellen, unterbringen (4. B. zwanzig Pferde ftallen Eönnen, einftallen zc.); 
der Stall, -e8, 0. M., das Stallen od. Harnen der Pferde, u. der Pferde- 
harn, (der Tautere Stall; eine Krankheit. der Pferde, da das Getränk faft 
unverändert wieder abgeht); die Stallung, 1) ehem. f. Einftellung des 


— 


1034 Stamm bi 


Streites, Stillftand, Einleitung des Friedens; Stellung vor Gericht; Ryt 
ein mit dem Eleinen Zeuge eingeftellter Ort im Walde; 2) gew. das Stellen 
in den Stall, u. der Stallraum, bef. für Pferde (ein Haus mit Stalung ac); 
der Staller, -8, in einigen niederd. Gegenden: ein obrigkeitlicher Beamter, 
Landrichter (Ober- und Unterftaller); frieſ. f. Statthalter. F 
Stamm, m., -es, M. Stämme; Verkl. das Stämmchen, (altd. stam, 
G. stammes; oberd. auch der Stamm, des Stammen, u. ſchon im Nom. ber 
Stammen; altſächſ. stamn, angelj. stemn, stefo, engl. stem; isländ. stafn, dän. : 
stava; alſo dur Ajfimilation aus stab-n eutft. von Stab, f. d. u. val. 
Stimme), 1) eig. der in der Erde wurzelnde Haupttheil eines Baumes, 
aus welchem die Äfte entfprießen (ſprichw. der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, 
f. unter Apfel); Pflanz. in weiterer Bed. der über der Erde befindliche Theil 
jeber Pflanze, welcher die übrigen Theile trägt, insbeſ. Stengel, Stiel, 
Strunf ꝛc.; in engerer Bed. nur der untere Theil des Baumftammes, das 
Stamm-Ende; au f. junger Baum, bef. fofern er verpflanzt, od. gepfropft 
wird; 2) uneig. dasjenige, woraus andere Dinge feiner Art entfpringen, 
herz od. abflammen, insbef. Spradl. eine einfache Wortform, von welcher 
andere abgeleitet werden (4. B. Haus ift der Stamm von häuslich, haufen, 
Behaufung ꝛc.; lieb von Liebe, lieben, geliebt 2c.); ferner ald Sammelwort 
die Gefammtheit der Gegenftände einer Art, welche gemeinfchaftlichen Ur— 
fprung haben (4. 8. mehre Sprachen eines Stammes), bej. die ſämmtli— 
chen Menfchen, welche ihren Urfprung von einem Stammpater ableiten, 
finnv. Geſchlecht, Familie, Haus, (4. B. er ift der Iekte feines Stammes; 
fein Stamm ift mit ihm ausgeftorben), auch f. Zweig, Linie eines Gefchlechts 
(der männliche, weiblihe Stamm, Mannsftamm zc.); gew. eine mehre Ge- 
f&hlechter od. Familien umfaffende Menfhenmenge von gleicher Abftam- 
mung (ein Volksſtamm; die 12 Stämme Iöracl 2c.); 3) eine zufammenge- 
hörende Menge od. Maffe, bef. fofern fie beftändig erhalten wird als Grund⸗ 
lage 2c., 3. B. eine Menge Viehes einer Art, welche nach Zahl u. Güte er- 
halten und fortgepflanzt wird (ein Schöner Stamm Schafe ꝛc.); eine Zinfen 
tragende Geldfumme, das Stammgeld, auch der Stod (fr. das Capital); 
auch das ausgefeßte Geld bei Spielen, u. im Kartenfp. der Ubrigbleibende 
Kartenhaufen, von welchem die Spielenden die nöthigen Karten nehmen; 
Bergmw. eine Zahl von vier Kuren (in der Mehrh. nach einem Zahlw. unver 
ändert, z. B. 32 Stamm maden cine Zee); — 3fes. die Stammaältern, 
die erften Ältern eines Stammes od. Gefhlehtes: der Stammvateru.bdie _ 
Stammmutterz der Stammbaum, ein Geſchlechtsregiſter in Geftalt ei- 
nes Baumes, fonft auch: tie Stammtafel, das Stammregifter; die 
Stammbiene, eine Art Bienen in hohlen Baumftämmen; das Stammbuch, 
urſpr. ein Gefchlecdhtsregifter od. cine Sammlung von Gefhlechtsregiftern in 
einem Buche; dann ein Denkbuch, in welches man Verwandte, Freunde u. Ge— 
noffen ihre Namen u. Denkſprüche eigenhändig einfchreiben läſſt, ehem. voll 
fländiger: Stamm= und Geſellenbuchz der Stammbuchftabe, Spradl. 
zum Wortftamm gehörender Buchftabe; das Stamm-Ende, der didere Theil 
eines Baumftammes zunähft über der Wurzel; der Stamm-Erbe, Erbe ei 
ned Stammes od. Gefchlechtes; die Etammfolge, Geſchlechtsfolge; das 
Stammgeld, eine Zinfen tragende Geldfumme, z. U. v. den Zinfen, auch das 
Hauptgeld, der Stamm (f. 0.5 fr. Capital); Forſtw. Geld, welches bie Förfter 





‚Stamm 1035 


für die Anweifung der gekauften u. zu fällenden Bäume erhalten; der Stamm: 
genofs, Genofs eines Stammes; das Stammgut, einem Stamme od. Ge 
fchlechte gehörendes Erbgut, insbef. fofern es unveräußerlich ift; audy f. Stamm— 
geld; das Stammhaar, grobe, fteife Haare, bei. von den Haaren, woraus bie 
Wolle befteht: ftammhärige Wolle od. Stammmwolle; der Stamm: 
balter, eine männlid;e Perfon, auf welcher die Fortpflanzung eines Geſchlech— 
tes beruht; das Stammhaus, das Haus, der Wohnfig eines Geſchlechtes; 
auch das Haus od. Geflecht, aus welchem Jemand herftammt; das Stammes 
holz, das Holz eines Baumftammes, u. das daraus gefchlagene Holz: das zu 
Stämmen od. Bäumen erwachfene Holz, Dberholz, entg. Bufch-, Unterholz; 
die Stammfarte, Kartenip. ſ. v. w. der Stamm, f. o.; die Stammtlafter, 
Forftw. eine Klafter Holz, aus den Stamm = Enden gehauen; das Stamm— 
land, das Land, aus welchem Semand od. etwas herftammt, Mutterland (z.B. 
Afien, das Stammland der Europäer); das Stanımlehen, ein dem ganzen 
Stamme gehörendes Lehnaut; die Stammleiter, Tonk. die Haupt- Zonleiter 
von c bis cz; die Stammlinie, Geſchlechtslinie; die Stammlode (f. Lode 1.), 
Forſtw. Schölslinge aus den Wurzeln u. Stämmen des abgehauenen Holzes; 
das StammmooS, ein ffammartig wachfendes Korallenmoos; die Stamm: 
mofte, eine Art Nachtfalter auf Obftbäumen; die Stammmutter, f. Stamm: 
ältern; der Stammochs, Zucht, Heerdochs; das Stammpaar, die Stamm- 
ältern; die Stammraupe, Raupen, welche ihre Eier an die Stämme der 
Bäume legen, 3. U. v. Neſt- und Ringelraupen; das Stammtregifter, Ge: 
ſchlechtsregiſter; der Stammfchwarm, ein zur Fortpflanzung gehaltener Bie⸗ 
nenfchwarm od. ⸗Stock, Mutter-, Leibftod; das Stammfchwein, Zuchtſchwein; 
die Stammfilbe, Hauptfilbe, welche den Stamm (f. 0.) des Wortes ausmacht; 
der Stammfik, Wohnfis eines Stammes, od. der Ort, von welchem derfelbe 
ausgegangen ift; die Stammfprache, Hauptiprache, von welder andere 
Sprachen abftammen (4. B. die deutfche, die lateinifche 2e.); die Stammta- 
fel, ſ. o. Stammbaum; der Stammträger, Lchensträger im Namen des 
ganzen Stammes; der Stammvater, f. o. Stammältern; ffammverwandt, 
Bw., duch gemeinfchaftliche Abkunft von einem Stamme verwandt (flamm= 
verwandte Völker, Sprachen 2c.); daher der Stammverwandte ıc., als 
Hw.; die Stammverwandtfchaft; das Stammvieh,"das Lich, weldes 
auf einem Gute den Stamm (f. 0.) ausmacht u. zu deflen Beftande gehört, ei- 
fernes Vieh; das Stammvolk, ein Volk, von welchem andere abftammen;z 
die Stammmolle, f. 0. Stammhaar; das Stammwort, Spradjl. ein Wort, 
von welhem andere abſtammen od. gebildet werden (fr. Primitivum), entg. ab- 
geleitete Wörter (f. d. unter ableiten); die Stammmurzel, Hauptwurzel eis 
nes Baumes, ald Kortfegung des Stammes; — Ableit. ſtammhaft, Bw., 
ftammähnlich, die u. ſtark; daher die Stammhaftigkeit; ſtämmig, Bw., 
1) einen Stamm habend (ftämmiges Holz, d. i. zu Stämmen erwachſenes), 
bei. in 3feg. wie hoch-⸗, Eurg-, dict-, einſtämmig; 2) gew. aud) f. das r. ſtäm— 
micht, ftammhaft, 8. i. dit, fleif u. ſtark (ein ftämmiger Körper, Menſch 
2c.); daher die Stämmigfeit; — flammen, ziellof. 3w. m. fein, feinen 
Ürfprung von etwas haben, finnv. entfpringen, entftehen, herkommen, vgl. 
ab⸗, herftammen, (er ftammt mit mir aus einem Gefchledhte, von einem 
Stammvater 2c.; das Wort Sagd ftammt von jagen; diefe Pflanze ſtammt 
aus Amerika, u. dgl. m.); — flämmen 1. ziel. 3w., einen Baum— , d. i. 
I - 


1036 ftammeln — ftampfen 


den Stamm desfelben mit der Art quer durchhauen, auch f. fällen, (vgl. 
abftämmen); daher die Stämmart, eine Art, mit welcher die Bäume nahe 


über der Wurzel gefällt werden; — ſtämmen 2., f. ftemmen. 

ftammeln, niederd. auch ſtammern, ziellof. u. ziel. Zw. (altd. stamalön, 
stamelen, welches auch kitzeln bedeutet; altnord. stama, ſchwed. stamma, engl. 
stammer ; — wie die verwandten Wörter Stamm, ftemmen, Stimme, ftumm, 
auf Stab zurüdzuführen, fo dafs dem Worte ein durch Affimilation aus bn 
entftandenes mm gebührt, daher aud) goth. stamms, ftammelnd, ſtumm; Grund- 
bed. Hemmung od. Stemmung des Lautes; vgl. ſtocken von Stud), unvoll- 
fommen, mit ftodender Zunge u. ohne gehörige Gliederung der Laute 
fprechen, finnv. ftottern, allen, fei es aus natürlichem Unvermögen (das Kind 
ftammelt noch), od. wegen eines Naturfehlers (ein ftammelnder Menfch), oder 
wegen augenblidlicher heftiger Gemüthsbewegung; uneig. feine Gedanken od. 
Gefühle unvolfommen ausdrücken (Dank ftammeln, ein Lied 20..—); der 
Stammler, -8, (altd. stamelaere) , wer ftammelt; ftammerig, Bw., nies 
derd. f. ſtammelnd, flotternd. 

ftammen, 3w., Stamm- Ende, ftämmig ꝛc. — Stammwurzel, f. 
&tamm. 

flampen, ziel. Zw., niederd. f. ftampfenz; daher der Stämpel, -8, ſtäm— 
peln, Zw., 2c., gew. Stempel ꝛc., ſ. d.; flämpen, ziel. 3w., Handw. f. 
ſtampfen, insbef. Nadl. die Nadelköpfe mit den Schäften auf der Wippe ver- 
einigen; Schmied. die Löcher in die Hufeifen u. dgl. —, d. i. mit dem Stem- 
pel einfchlagen ; die Stämpe, ein Werkzeug der Uhrgehäufemacher, womit 
das Blech zur Schale eines Uhrgehäufes ausgetrieben wird; der Stamper 
od. Stämper, -8, landfch. u. Handw. f. Stempel, Stampfe; — flam- 
pern, oberd. Zw. 1) ziellos f. laufen, treten (hin u. her, umher—); auch 
woht f. hüpfen, tanzen (daher bair. das Stamperlied, luftiges Singftüc 
zum Tanz, f. v. w. Schnitterhüpflein, altd. stampenie, Stampenei ıc., in 
oberd.-Mundarten auch f. Erdichtung, Mährchen, Vorwand, daher fchweiz. 
ffämpeneien, als Zw. f. Ausflüchte od. Einwendungen machen); 2) ziel. f. 
jagen, verjagen, — (einen fort —, hinaus —; die Hafen aus dem Ger 
hölz — ꝛc.). 

ftampfen, ziellof. u. Em Zw. (altd. stamphon, stampfen, auch stempfen, 
Impf. stampfte; niederd. ftampen, ſchwed. stampa, dän. stampe, engl. stamp, 
ital. stampare, franz. estamper; — Wurzel stamp, welche wahrſch. ein verlo⸗ 
renes ablaut. Zw. stimpan ꝛc. bildete, daher auch: ſtumpf, d. i. abgeſtoßen), 
von oben herab heftig ftoßen (z. B. mit dem Fuße auf die Erde—; die mus 
thigen Pferde ftampfen die Erde; Schiff. die Schiffe ftampfen, d. i. fie bewe— 
gen fich bei hoher See heftig auf und nieder); bef. etwas mit einem dicken, 
ſchweren Körper od. Werkzeuge ſtoßend bearbeiten (4. B. etwas im Mör- 
fer ffampfen, Hein—, d. i. zerſtoßen; die Rinde, den Samen, den Zeug, das 
Getreide-— in den Lohr, Öl-, Papier u. Gruapenmühlen; Nadl. ſ. ſt äm— 
pen); alt u. oberd. auch f. prägen; ſtempeln; — der Stampf, -es, M. 
Stampfe, oberd. Stämpfe, (altd. stamph, stampf), alt u. landſch. f. die 
Stampfe, der Stempel (Boldarb. der Löffelftampf, ein ſtarker eiferner 
Stempel, den filbernen Löffeln ihre Vertiefung zu geben), die Mörferkeule; 
der Stoßblock; oberd. auch f. —— zum Stampfen, Stampfmühle 


(z. B. ein Ölftampf); die Stampfe, M. -n, das Stampfen u. bie Vor⸗ 


* 











Stand 1037 


richtung dazu (4. B. die Hirſe in die Stampfe fhiden); ein Werkzeug zum 
Stampfen, oberd. au) der Stampfel od. Stempfel, in einigen Fällen 
auh: Stempel, Stampfer;z insbef. die ſchweren, unten gew. mit Eifen 
befchlagenen Stampfhölzer in den Loh-, Graupen-, Ol-, Waltmühlen 2c.; bie 
fhweren Hämmer in den Papiermühlen, womit bas Papier gefchlagen wird; 
ſ. auch Krautftampfe; der Stampfer, -$, wer etwas ftampft, ftampfend 
bearbeitet; ein Werkzeug zum Stampfen, z. B. der Sehkolben, f. d.; 
Bergw. das Werkzeug zum Feftitampfen des Pulvers in dem Schießloche; — 
3fes. das Stampfeifen, ein Eifen, etwas damit zu ftampfen; der Stampf- 
gang, Müll. ein Gang (f. d.) in einer Mühle, in welchem etwas geftampft 
wird, entg. Mahlgang; das Stampfgeld, papier u. dgl., oberd. f. Stem— 
pelgeld 2c.; der Stampfhammer, ein fchwerer Hammer der Gürtler, die zu 
Knöpfen rundgefchnittenen Metallplatten damit zu fihlagen; der Stampfklotz, 
Rammklotz; die Stampfmühle, eine Mühle, in welcher gewilfe Körper durch 
Stampfen Elein geftoßen u. bearbeitet werden, 3. B. eine Loh⸗, Graupen-, DI- 
mühle 2c.; die Stampfperle, Samenperlen, fofern fie zerftampft u. zu Arge 
‚ neien gebraucht werden, auch Stoßperlen; fampfreiten, untrb. ziellof. Zw., 
Schiff. ftampfend vor Anker Liegen; die Stampffee, Schiff. eine heftige Welle, 
welche fich an dem Vordertheil des Schiffes brechend dasfelbe in eine ftampfende 
‚Bewegung fest; flampfftoßen, untrb. ziellof. 3w., Schiff. heftig ftampfen ; 
der Stampftrog, ein hölgerner Trog, worin Kraut, Viehfutter 2c. geftampft 
wird; der Stampfweg, oberd. f. Zufßfteig; das Stampfwerf, ein Mühl— 
werk, welches Stampfen in Bewegung ſetzt. 

Stand, m., -e3, M. Stände, (von ftehen od. eig. von dem altd. standan, 
noch (wäh. Band en, deſſen Formen zu-stän, sten, fehen, gezogen werden; 
engl. stand, stond; —— stand), 1) o. M. das Stehen und die Art u. 
Meife desfelben (£einen feſten Stand haben 2c.), insbef. in Anfehung des 
Grades der Höhe (der Stand des Waffers, Wafferftand eines Fluffes; der 
Stand des Quedfilbers in einem Wetterglafe zc.), u. entg. der Bewegung, 
finnv. Stillftand (Stand halten, d. i. ftehen bleiben, nicht fliehen, auch 
uneig. f. ftandhaft bleiben); uneig. der Zuftand, die Art u. Weife des Be— 
ftehens einer Sache od. Perfon, bef. in fo fern fie bleibend od. doch von län= 
gerer Dauer ift, verfch. von den finnv. Lage, Verhältnifs (4. B. etwas 
in gutem Stande erhalten; das Haus ift in baulichem Stande; einen fchreeren, 
harten Stand haben, d. i. viel zu ertragen, viel Hinderniffe zu überwinden ha= 
ben ; etivas wieder in den vorigen Stand feßen; im Stande fein, etwas 
zu thun, d. i. fähig, vermögend fein 2c.; einen in (den) Stand, oder außer 
Stand fegen, etwas zu thun); in engerer Bed. der geordnete, fertige, voll 
tommene Zuftand, div Vollendung od. Ausführung einer Sache (in den 
Redensarten: die Sache ift im Stande, kommt zu Stande; etwas zu 
Stande bringen, od. damit zu Stande Eommen, d. i. damit fertig werden, es 
vollenden; etwas im Stande erhalten, in Stand feßen 2c.); von Menfchen: 
die bleibende Lebenslage od. =ftellung, das dauernde Lebensverhältniſs (fer 
Stand der Natur, der Unfchuld, der ledige Stand, Eher, Jungfern-, Junge 
fellen-, Wittwenftand 2c.); 2) (M. Stände) in der bürgerl. Gefellfchaft eine 
beftimmte durch Geburt, Kebensweife, Beruf od. Gemerbe von andem ge= 
fonderte Menſchen-Klaſſe (der Lehr- Nähr-, Wehrftand; der Stand der 
Bürger, der Bauern ꝛc.; von hohem, mittlerem, niederem Stande ſen; mit 


1088 Stand 


- 


feinem Stande zufrieden fein; in allen Ständen giebt es gute Menfchen); in 
engerer Bed. f. vornehmer, hoher Stand (ein Mann von Stande; nicht von 
Stande fein, d. i. nicht vornehm); im Staate die 3 od. 4 durch verfchiedene 
Rechte u. Pflichten unterfchiedenen Abftufungen der bürgerlichen Gefell- 
ſchaft: der Fürften- od. Herrenftand, Nitter- od. Adelftand, Bürgerftand od. 
dritter Stand, Bauernftand; im Staatsrecht: jede bürgerliche Klaffe od. 
Gemeinheit, fofern fie bei den Staats- od. Reichsverfammlungen (Reiches, 
Landtagen) durch eigene Abgeordnete vertreten wird, diefe Abgeordneten 
felbft (als Sammelwort), u. jedes einzelne Glied derfelben (die Stände des 
Reiches, Reichsftände, Provinzials, Landftände 2c.; die Stände zufammen beru— 
fen; er ift Landftand zc.); 3) wer od. was fleht, der Stehende od. die Ste- 
henden, in Ifes. wie: der Beiftand, VBorftand, d. i. ſowohl der einzelne 
Bei—⸗ 0d. Vorftehende, als auch eine Mehrheit von Vorſtehern ꝛc. (in diefer Bed. 
ift Stand wahrſch. das zum Hw. erftarıte Mw. stände, ſtehen d, der Ber 
ftand alfo — der bi stände 26,); was ſteht od. befteht, finnv. Beftand, in 
Zfeß. wie: dev Gegen-, Rüde, Viehftand 20.5 4) der Ort; wo Jemand od. 
etwas fteht, finnv. Platz, Stelle, Stätte, (4. B. der Stand in der Kirche; 
der Stand eines Krämers auf dem Markte; der Ort beim Scheibenfchießen ze., 
wo der Schiegende ftehtz die Stände für die Pferde im Stalle; Jäg. auch f. 
Aufenthaltsort des Wildes); Täg. die Füße der Auerhähne u. Reiher: Stän- 
de od. Ständer; das Ständchen, -8, eine Eurze Muſik, Gefang ıc., 
welche man einer Perfon zu Ehren vor der Thür od. dem Fenfter ihrer Woh: 
nung ftehend vorträgt, bef. Abends od. bei Nacht, (einem ein Ständchen brin- 
gen); — Zfes. mit'Stand: der Standbaum, in Pferdeftällen eine Stange 
zur Abtheilung der Pferdeftände; das Standbild, eine Bildfäule (fr. Statue); 
der Standblod, Schiffb. große, vieredige, ſenkrecht ftehende Blöcke am Fuße 
der Maften, auch Knechte genannt; ſtandfeſt, Bw., in feinem Stande feft, feft 
ftehend; der Standftfch, Fifche, welche ihren Aufenthaltsort nicht verändern; 
das Standgeld, die Standgebühr, das Geld, welches man für feinen Stand 
od. Plag auf einem Markte ꝛc. bezahlt, auch Stätte-, Bohlengeld genannt; 
die Standlinie, die Linie, in welcher man fteht, um eine gewiffe Fläche zu 
überfehen; ſtandmüthig, Bw., vlt. f. ftandhaften Muth habend; der Stand- 
ort, der Ort, wo man fteht, def. hinfichtlich einer dort vorgenommenen Ver— 
richtung u. des Verhältniſſes zu andern Dingen; der Standpunkt, der Punkt, 
auf welchem man fteht u. von wo aus man etwas betrachtet od. verrichtet, bef. 
uneig. (z. B. der Standpunkt feiner wiffenfhaftlichen Betrachtung; auf mei- 
nem Standpunkte muffte ich To handeln 2c.); das Standquartier, der Ort, 
wo ein Kriegsheer od. eine Heeresabtheilung auf einige Zeit im Quartiere (f. d.) 
liegt; das Standrecht, im Kriegsweſen: kurzes Rechtöverfahren u. augen- 
blickliche Verurtheilung eines Werbrechers (Standreht über Jemand haltenz 
wahrfch. weil das Gericht ehem. ſtehend gehalten wurde); die Standrede, 
ine kurze, ftehend gehaltene u. ftehend angehörte Rede, be. Leichenrede am 
Gabe; daher der Standredner, wer eine folche Rede hält; der Standrif, 
ein Riſs, welcher einen Körper, bef. ein Gebäude, ftehend darftellt, Aufriſs, 3. 
U. v Grundrifs; das Standrohr, Rohr einer großen Feuerfprige; das 
Stardthier, Säg. ein Wild, welches ſich von feinem gewöhnlichen Stande nicht 
weit eitfernt; der Standvogel, Zäg. Vögel, welche fich an einem Orte be⸗ 
ſtändig aufhalten, entg. Bugvogel; insbeſ. ſolche Droſſeln od. Schnarren; der 


= 





* 
* 


* 


Standarte — Ständer 1039 


Standwind, ein ſtehender; d. i. zu beſtimmten Zeiten aus derſelben Gegend 
wehender Wind; — mit Standes- (nur in der Bed. 2): ber Standes: 
adel, der Adel, fofern er cinen eigenen Stand ausmacht; die Standeserhd- 
hung, Erhebung in einen Höheren Stand; die Standesgebühr, was einer 
Perfon vermöge ihres Standes od. Ranges gebührt (einem nad) Standesge— 
bühr begegnen); flandesgemäß, Bw. u. Niw., dem Stande od. Range gemäß, 
vermöge des Standes; der Standeshert, in einigen Yandfchaften, z. B. in 


r Schleſien, ein Freiherr, welcher außer feinen eigenen Gütern andere Gutsbe— 


figer zu Vaſallen hatz die Standesherrfchaft, das Gebiet eines Standes- 
herrn; flandesmäßig, Bw., dem Stande od. Range angemeffen (ftandesmä- 
fig leben 2c.); die Standesperfon, eine Perfon von (vornehmen) Stande; 
die Standestracht, unterfcheidende Tracht eines Standes (z. B. der Beam— 
ten, Bergleute, Jäger 2c.); das Standeswappen, ein Wappen, welches Ie- 
mand vermöge feines Standes führt, 3. U. v. Geſchlechts- od. Kamilienwappen; 

— mit Stände-: die Ständeverfammlung, Verſammlung der (Land- od. 
Reiche) Stände; fo auch: der Ständeball, das Ständefeft ꝛc.; — Ableit. 
ftandhaft, Bw., eig. Stand od. Beftand habend, daher landſch. F. dauer- 
haft, feft (ein ftandhafter Bau; Bergw. die Erze brechen ftandhaft, wenn 
fie fi in eine beträchtliche Weite erftreden); gew. uneig. feften Sinn habend 
u. beweifend, unveränderlich ausdauernd in feinen Entfchliefungen u. Hand» 
lungen, bef. bei Überwindung von Schwierigkeiten u. Ertragung von Leiden, 
ftärker als die finnv. beftandig, beharrlich (ftandhaft fein, ſtandhafter Muth, 
ftandhafte Geduld 2c.); die Standhaftigfeit, das Standhaftfein, (mit Stand- 
haftigkeit Schmerzen ertragen); ſtändig, Biw., nur in einzelnen Amvendingen 
f. ftehend, feſtſtehend, beftandig,, beftimmt (z. B. ftändige Spanndienfte, 
Gefälle u. dgl.); niederd. f. ausdauernd; u. f. geftändig; ſtändiſch, Bw., 
bie (Land- od. Reichs⸗) Stände angehend, betreffend, ihnen zufommend, 
von ihnen ausgehend, auf ihnen beruhend od. aus ihnen beftehend (ftän- 
diſche Gerechtſame; eine ſtändiſche Verfaffung ; ſtändiſche Verfammlungen, Auss 
ſchüſſe 26); fländling od. fländlings, Nw., alt u. oberd. f. ftehend, im 
Stehen; ftehendes Fußes, ſogleich; die Standfchaft, die Eigenfchaft eines 
(Land: od. Neiche>) Standes; die Gefammtheit der Stände. 

- Standarte, w., M. -n, (niederd. Standare, engl. standard, ſchwed. stan- 
dar; vom ital. stendardo, franz. etendard, v. lat. extendere, ital. stendere, 
franz. etendre, ausbreiten), eine Art Eleiner Fahnen der Neiterei, Reiter 
fahne, Fähnlein; uneig. Säg. der Schwanz des Wolfes u. des Fuchfes, 
gew. die Lunte; Tandfch. gem. f. eine Lange, hagere Perfon (eine lange Stan- 
darte); ein hoher Kopfpug dev Frauen. 

Standbaum, -bild, -blod, Ständehen, f. unter Stand. 

Stande, w.,; M. -1, Verkl. dns Ständchen, oberd. Ständlein, (altd. 
standa, stande; oberd. die Standenz niederd. verderbt auch: Stangez von 
standan, ftehen), ein hölzernes Gefäß von Botticherarbeit, gew. unten wei- 
ter, als oben u. auf drei durch verlängerte Dauben gebildeten Füßen ftehend, 
das Stellfafs, finnv. Butte, Bottich (eine Waffer-, Spül-, Butter-, Milch: 
ftande 2c.). 

‘ Ständer, m., -8, M. mw. E., Verkl. das Ständerchen, (von standan, 
ſtehen), überh. ein ftehendes Ding, insbef. .1) f. v. w. Stande, Stellfafs 
(oberd. auch der Standner), z. 2. die Baumölftänder der Krämer, der 


1040 Standesadel — Stange 


Ständer der Papiermacher, d. i. das Faſs, worin das Papier alaunt wird; in 


der Bienenzucht: die in. Bienenhäuſern ſtehenden Stöcke (auch Ständer— 


ſtöcke); landſch. auch f. ein Fifchhälter; 2) ein aufrecht ſtehendes Stück 
Bauholz, ein dicker Pflock, Pfahl, Pfeiler ꝛc. (oberd. auch: der Standen), 
3. B. der ſtarke Baum, auf welchem eine Windmühle ſteht; die hölzerne Säule 
der Gartenzäune, Obftgeländer zc.; die aufrecht fichende Abzugsröhre eines 
Teiches; Schiff. ein ftehendes Zau od. Ende eines Yaufenden Tauwerkes 
(Stander); auch die dreiedige Flagge eines Geſchwaderführers; 3) land— 
Thaftl. uneig. eine auf einem Grundftüde ſtehende zu verziniende Geld- 
fumme; — das Ständerwerf, das Zimmerwerk, woraus bie hölgernen 
Wände od. das Fachwerk eines Gebäudes befteht; — der Ständerling, oberd. 
1) ein Gefäß zum Unterftellen, bei. an einem angezapften Wein- od. Bier- 
faffe; das Getränk, welches ſich beim Abzapfen in folhem Unterfak fam- 
melt; jedes durch längeres Stehen verdorbene Getränk; 2) wer gern ftehen 
bleibt, nicht vorwärts kommt; 3) das Stehenbleiben, Zufammenftehen auf 
der Straße, um zu plaudern (Ständerling machen, am Ständerling ftehen 2c.); 
4) längliche weiße Rübe (au: Stederling). 

Standesadel ıc. — Standeswappen; Ständeverfammlung, ftand- 
feft 2c., ftandhaft, ſtändig, ftändifch, Standlinie ꝛc. — Standwind, 
ſ. Stand. 

Stange, w., M. -n, Berl. das Stänglein, gem. Stängel (erſch. 
der Stengel, f. d.), Stängelden, (altd. stanga, stange, oberd. bie 
Stang u. gew. Stangen; ſchwed. stang, engl. stang, ital. stanga; eig. etwas 
Stethendes, von der Wurzel stang, erweiterter Nebenform von stah, stac; da= 
ber goth.stiggvan, isländ. u. ſchwed. stinga, angel. stingan, engl.sting, ftechen), 
1) ein langes u. verhäftnifsmäßig dünnes, glattes Holz, meift an einem 
‚ Ende zugefpigt, länger u. ftärker, als ein Stod od. Steden, ſchwächer als 
ein Baum (z. B. Dopfen:, Bohnen-, Segelftange 2c.; die Stange eines Spie- 
Bes, gew. der Schaft; fprihw. einem die Stange halten, d.i. ihm bei- 
ftehen, ihn beſchützen, feine Partei nehmen, von dem ehemal. Gebrauche bei 
Zweikämpfen, wonach jedem der Kämpfenden ein Kampfhelfer zugetheilt wurde, 
‚der über den Gefallenen eine Stange zur Beſchützung hielt; daher ehem. auch : 
der Stange begehren, f. ſich für überwunden bekennen, fi) ergeben); oberd. 
insbef. f. Deichfel (daher wohl: nicht bei der Stange bleiben, zu 
nächſt von Pferden, dann fprichw. f. von der Sache abfchweifen, nicht bei der 
Mahrheit bleiben, nicht ausdauern); Forftw. f. junge, gerade aufgefchoffene 
Bäume, u. überh. ſchwache Baume von 4 Zoll Die und 15 bis 20 Ellen 
Länge; die Stange eines Weinftodes, d. i. der Hauptftamm desſelben; un— 
eig. gem. f. ein langer, hagerer Menſch; 2) in weiterer Anwendung jeder in 
die Fänge ausgedehnte u. verhältnifsmäßig dünne Körper (z. B. Eifen, 
Gold, Silber in Stangen, ſ. v. w. Barren; eine Stange Siegellad 2c.); ins- 
bef. Zäg. die beiden langen Theile des Hirſchgeweihes, an welchen fich die 
Enden befinden; au der Schwanz des Fuchſes u. Wolfes; zwei gebogene 
Eiſen am Pferdegebiffe, zwiſchen denen fic) das Mundſtück u. die Kinnkette 
befindet; in einem Büchfenfchloffe der Theil, welcher die Mittel» und Hinter 
raft trägt; an einer Schere der lange gerade Theil zwifchen dem Ringe u. dem 
Schilde, u. dgl. m. — 3feg. der Stangenbefen, -borſtwiſch, ein Befen, 
Borſtwiſch an einer Stange, um damit in die Höhe zu reichen; das Stan⸗ 





Stank — ftänfen 1041 


genblet, Blei in dicken Stangen; die Stangenbohne, -erbſe, f. v. w. Stän- 
gelbohne zc., f. u.; das Stangeneifen, zu vierediigen Stangen geſchmiedetes 
od. gegoffenes Eifen; Bergw. das Eifen, an welchem die Kunftftangen befeftigt 
find; Jäg. ein Zangeifen für Wölfe, Füchſe u. Luchfe; die Stangenfeder, in 
den-Gewehrfchlöffern eine Feder, welche auf der Stange (f. 0.) liegt; ſtangen⸗ 
gerade, Bw., gerade od. aufrecht wie cine Stange; die Stangengraupe, 
Bergw. eine Art Zahlerz; das Stangenholz, Forftw. zu Stangen (f. 0.) er 
wachfene junge Bäume, u. cin daraus beftehendes Gehölz; der Stangenfä- 
fich, ein Vogelbauer aus Drathftangen; der Stangenfnafter, -tabad, Tabad 
in Stangen od. Rollen; das Stangenfrauf, Flachsfeide, Flachsdotter; der 
Stangenkuchen, landſch. f. Baumkuchen; die Stangenfugel, Krfpr. durch 
eine eiferne Stange mit einander verbundene Kugeln, bef. im Seekriege ge: 
braucht; die Stangenfunft, Bergw. eine Wafferkunft, welche das Waſſer mit- 
telft mehrer Stangen aus der Tiefe hebt; die Stangenleinwand, eine Art 
gemodelter Leinwand, gew. mit ftangenähnlichen Streifen, zu Tiſchzeug, Hand— 
tüchern 2e.; das Stangenpferd, f. v. m. Deichfelpferd; der Stangenquarz, 
Quarz, welcher in Geftalt von Stangen auf einer Drufe befindlid ift; das 
Stangenrecht, landſch. das Recht, die einem Schulöner abgepfändeten Sachen 
öffentlich zu verfteigern, Gantreht, (wahrſch. buchftäbliche Übertragung des 
Yatein. jus subhastationis); die Stangenrege, ſ. Rege; der Stangenjchörl 
od. =ftein, eine Art Schörl in Stangenform; das Stangenfilber, Silber in 
kurzen Stangen; der Stangenfpath, Spath in vierfeitigen Stüden; der 
Stangenftahl, Stahl in viereckigen Stangen; das Stangenmwerf, ein aus 
Stangen beftehendes Werk, z. B. ein Feldgeftänge; der Stangenzaum, eine 
Art Pferdezäume mit zwei am Mundftück befeftigten Stangen (f. v.); der 
Stangenzaun, ein Zaun aus Stangen, Stadetz der Stangenzehnte, ſ. v. 
w. Stabzehnte; der Stangenzirkel, ein großer Zirkel mit ftangenähntichen 
Schenken; — Ableit. flangeln, ziellof. u. ziel. 3w., nicderd. f. ftoßen, 
tvegtreiben, insbef. in liegender Stellung mit den Beinen ftoßen; flängen od. 
gew. flängeln, ziel. Zw. (verich. ftengen, ftengeln), mit einer Stange od. 
mit Stangen verfehen (Hopfen, Bohnen, Erbſen ꝛc.); oberd. überh. etwas 
mit einer Stange verrichten (Nüffe u. dgl.—, mit Stangen abfchlagen); 
die Stängelbohne, -erbfe, rankende Bohnen u. Erben, welche geftängelt 
werden. 

Stanf, m., -es, o. M. (altd. stanch, stanc, ©. stankes, überh. f. Geruch; 
von ſtinken, ſ. d.), alt u. landſch. bef. niederd. f. Geſtank, übler Geruch, (nie: 
derd. ſprichw. Stank für Dank, d. i. Undank ftatt des Dankes für Wohlthaten); 
uneig. auch f. böfe Händel, Zänkerei; ſtänkern 1., ziellof. Zw., gem. f. Ge— 
ſtank verurfachen (etwas durch-, einftänfern 2c.); uneig. f. Händel anfan- 
gen (vielleicht zu ftänkern 22); der Stänfer 1, -&, gem. wer Geftant 
macht od. ſtinkt; landſch. f. Fltifs (auh: Stänkerratz); auch f. Theer 
od. Wagenſchmier; uneig. f. Dändelmacher, Zänker; die Stänferei 1., 
M. -en, das Stänkern, der erregte Geſtank; uneig. gem. f. Gezänk, Streit, 
Verdrießlichkeit; ſtänkerig, Biw., gem. f. ftinfend. 

- flänfen, ziel. 3w., ſchwäb. f. ſtecken (vgl. Stange mit ftechen 2c.); daher: 
der Stänfer 2., -3, 1) bair. ein dürrer Fichtenftämmling mit zugeftugten 
Alten, in den Boden geſteckt, um Flache, Getreide ıc. daran zu trocknen; 2) 
Coon ftänfern 2.), wer unbefugterweife Alles durchſucht, durchftöbert zu; 


Heyſe's Handwörterb. d, deutſchen Spr. 2. Theil, 66 


1042 Stange — Stapel 


ftänfern 2., ziel. u. ziellof. Zw. 1) bair. Flachs ze. an dem Stänker in der 
Luft trodnen; 2) (landich. auch ſtankern — dem niederd. ſtaken, ſtakern, 
ſ. d.; alſo eig. mit einer Stange od. einem Steden durchſuchen) gem. f. un— 
befugt u. vorwigig durchfuchen, müfig fpahend umbergehen (oberd. auch 
ffingeln; etwas durch-, aufftänkern ; im Haufe herumſtänkern 2c.); zu Hän— 
deln reizen, aufhegen (f. ftänkern 1.; vgl. jedoch fchüren, und das niederd. 
upftafern f. aufgegen); die Stänkerei 2., gem. f. unbefugte Durchſuchung 
cd. Ausfpähung. 

Stanze 1. w., M. -n, (von einem alten ablaut. Zw. stinzan, stanz ꝛc., 
daher ftenzen, |. d.; angelf. stintan, engl. stint, stunt, ſtutzen, abftumpfen ; 
vgl. Stint, das altd. stunz f. ftumpf, Stunge, ein kleines Gefäß zc.), bei 
den Gürtlern eine die kurze Metallplatte mit einer Vertiefung, in welche 
die Figur eingegraben ift, welche eine getriebene oder gejchlagene Arbeit bekom— 
men To (etwas in der Stange od. mit Stangen treiben, entg. aus freier Hand); 
der Stanzenbunzen, ein Bunzen mit erhaben gefchnittenen Figuren zum Aus- 
zieren der Stangen; der Stanzenhammer, ein ſchwerer Hammer der Gürt- 
ler, womit beim Treiben des Metalld auf den Stempel gefchlagen wird; der 
Stanzenſtempel, Stempel, mit welchem das Blech in die Stangen getrie- 
ben wird. 

Stanze 2., w., M. -n, (von d. ital. stanza, franz. stance), ein Vers- od. 
Keimfas, Gefäß eines Gedichtes (Strophe); in engerer Bed. die ital. 
achtzeilige Stanze (ottave rime), 

Stapel, m., -$, M. w. E. (uripr. niederd. Form des oberd. Staffel, 
f. d. u. vgl. ftapfen) 1) überh. eine Unterlage, ein Gerüft, Geftell, worauf 
etwas ruht (angelf. stapul); aud ein als Stüge dienender Pfahl od. Pfeis 
ler, 3. 8. in Salgwerfen die Pfähle, auf weldyen die Sogbäume ruhen; in en⸗ 
gerer Bed. 2) das Gerüft od. die erhöhete Bauftelle, auf welcher ein Schiff 
gebaut wird (daher: ein Schiff auf den Stapel fegen, d. i. den Grund dazu 
legen; ein Schiff vom Stapel laufen laſſen, d. i. das fertig gezimmerte Schiff 
in das Waffer hinabgleiten laſſen; uneig. vom Stapel laufen, d. i. vollendet 
aus den Händen des Meifters Eommen); auch der ganze Schiffbauplag, das 
Werft; 3) die. Unterlage für abzuftellende u. aufzuhäufende Waaren, 
überh. der Ort, mo man etwas auf eine Zeitlang in Haufen niederlegt, 
Niederlage von Waaren (oberd. Staffel; engl. staple, holt. u. ſchwed. stapel; 
franz. &tape); insbef. die gefegliche Niederlegung gewiffer Waaren an ei- 
nen Drt, u. das Recht gewiffer Handelsftädte, wonach alle durchgehenden 
Waaren auf eine beftimmte Zeit in ihnen zum Verkauf niedergelegt werden 
müffen (das Stapelrecht); im nördl. Deutfchl. ehem. aud) f. Sahrmarkt, 
Meſſe; 4) die aufgehäuften Waaren od. Sachen felbft, ein geordneter, 
aufgefchichteter Haufen (niederd. ein Stapel Holz, Thaler 20.5 die Gerber 
fegen die Häute in Stapel; 5) (von ftapfen, ftappen f. ſchreiten, fpringen) 
niederd. chem. f. Heuſchrecke (althochd. hou-stafil); — flapeln, 3w., 1) 
ziel. bef. nicderd., auf den Stapel.od. in Stapel legen, in Haufen auf ein- 
ander legen, aufhäufen, auffchichten (Holz 2c.); Schiffb. den Kiel—, d. i. 
die Stapelblöde darunter legen; 2) ziellos m. fein (vgl. fapfen), gem. f. 
mit langen, hoch aufgehobenen Beinen od. mit großen Schritten einher 
fchreiten; oberd. auch m. haben f. von Haus zu Haus gehen, bef. um au 
betteln od. ein Reifegeld zu fammeln (von armen Schülern u. Studenten) ; — 





ſtapfen — ftark 1043 


3fe$. von Stapel u. ſtapeln: der Stapelblock, Schiffb. Blöcke, welche un— 
ter dem Kiele eines im Bau begriffenen Schiffes liegen; die Stapelgerech— 
tigkeit, f. v. w. das Stapelrecht, ſ. on; das Stapelgut, Stapelgüter, |. v. 
w. fapelbare Güter, f. u.; das Stapelholz, aufgeftapeltes Holz; auch |. v. 
w. der Stapelblod; der Stapelort, Stapelplaß, ein Ort, wo etwas in 
Stapel gefegt wird; ein Ort od. Handelsplag, welcher das Stapelrcht hat; 
in weiterer Bed. überh. f. Stadt, Hafenplak, wo Handel getrieben wird, auch: 
- die Stapelftadt; das Stapelrecht, ſ. o. Stapel 3); die Stapelwaare, 
eine ftapelbare Waare; auch die Haupt-Handelöwaare eines Ortes od. Landes; 
— Xbleit. ftapelbar, Bw., dem Stapelrecht unterworfen (ftapelbare Gü— 
ter, Waaren). 

ftapfen, oberd., od. ſtappen, niederd., ziellof. Zw., (althochd. stephan, 
Prät. staphta; mittelb. stapfen, staffen, stepfen, Prät. stapfte; von einem ver- 
lorenen ablaut. Zw. stafan, stuof 2c., welches fich im altfächj.stapan, Prät. stöp, 
stuop wirklich findet; vgl. Staffel u. Stufe; angel]. stapan, staeppan, engl. 
step; vgl. d. griech. Orißos, oreißo), chem. überh. f. treten, fchreiten, gehen, 
im Schritt reiten, traben; ſpringen; jest noch landſch. f. im Gehen feft 
auftreten (m. haben); feft auftretend, hochbeinig u. überh. langfam ein- 
herfchreiten (m. fein); der Stapfe, -n, M.-n, jest gew. die Stapfe, 
M. -n, (altd. der staph, stapf, M. stepfe, u. der stapho, stapfe, M. stapfen; 
oberd. der Fußftapfen; angelf. stapa, engl. step, Schritt; holl. stapp), ehem. 
f. Schritt, Tritt; jegt nur noch in dem zgef. Fußftapfe f. Sußfpurz der 
Stappftein, niederd. f. Trittftein, quer über einen Fothigen Weg gelegt. 

‚Stappen, m., -$, M. w. E., niederd. f. Eleiner Kübel, Gelte (Milch— 
ftappen). 

Star, m., f. Staar u. Stahr; — Stär, m., ſ. Stähr. 

Star od. Stär, f. u. m., -e8, M. -e, nad einem Zahl. unverändert, 
(ital. staro, stajo, zgez. aus dem lat. sextarius), oberd. ein Getreidemaf — 
14 Simmer, od. 4 Wiener Metze; auch ein Maß für Erze, 1 Schuh 24 301 
Yang, 1 Schuh 24 Zoll breit, 113 Zoll tief; n. A. Bergw. in Tirol: ein Öe- 
wiht — 1 Zentner. 

Starbord, m. (engl. starboard), niederd. Schiff. f. Steuerbord. 

ftarf, Bw., Comp. ftärker, Sup. ftärkft, (althochd. starah, starh, mittelh. 
starc, Comp. sterker, Sup. sterkest; abgel. von star, ſtarr, alfo eig. hart, feft, 
MWiderftand leiftend, vgl. das alte hals-starc f. halsftarrig; oberd. ftark u. 
ftarch ; altfäch]. starc, angelf. stearc, engl. u. ſchwed. stark), urfpr. in feinen 
heilen feft zufammenhangend, hart, fteif, unbiegſam, Widerftand Ieiftend ; 
ehem. auch f. drückend, ſchwer zu ertragen (entg. fanft); jegt überh. viel Kraft 
habend, finnv. Eräftig, Eraftvoll, entg. Ich wach, insbeſ. 1) körperlich (ftarf 
fein, ein ftarfer Mann; das Recht des Stärkeren; eine ftarfe Natur haben; 
ſtarke Nerven, ein ftarker Magen 2c.); von lebloſen Dingen: in hohem Grade 
haltbar, dauerhaft, feſt (ein ftarkes Seil, ftarkes Tuch, ftarke Leinwand; eine 
ftarfe Mauer, Feftung 2c.); von Sinneseindrüden u. Dingen, welche auf die 
Sinne u. die Lebensthätigkeit wirken: Eräftig wirkſam, durch- od. eindrin- 
gend, nachdrudlich (ein ftarker Schlag, Geruch), Geſchmack; eine ftarke Stimme, 
ſtark ſchallen, rufen zc.; ftarke Getränke, Wein, Bier ꝛc.; ſtarke Arznei; ein 
ftarkes Gift 2c.); überh. einen hohen Grad innerer Kraft habend, finnv. 
heftig (eine ftarke Kälte, ftarkes Fieber; ftarker Wind, Regen, Brand, Rauch; 


66 # 


1044 ſtark 


ſtark gehen, laufen, d. i. ſchnell; man ſpricht ſtark davon, d. i. viel); ferner 
in weiterer Anwendung au von der Größe od. Ausdehnung im Raume: 
beträchtlichen Umfang habend, groß (Zäg. ein ftarker Hirſch, d. i. der mehr 
als & Enden hat; ftarkes Wildbret, entg. dem Eleinen od. mittelmäßigen), ins⸗ 
bef. f. dick (ein ftarker Baum; einen ftarken Leib haben; ftärfer werben 2e.), 
in der Zeit: das genaue Maß Überfchreitend (eine ftarke Stunde, Meile ıc. 
ſ. v. w. eine gute 2c.); der Zahl nach groß, beträchtlich, zahlreich (eine ftarke 
Geſellſchaft, Familie, ein ftarkes Gefolge, Kriegsheer; wie ftark ift die Familie? 
d. i. aus wie viel Perfonen defteht fie?); 2) geiftig: innere Kraft habend, 
Eraftig, ausdauernd, lebendig wirkſam, Widerftand leiftend und überwin— 
dend (ein ftarker Geift, d. i. in engerer Bed. ein über Vorurtheile erhabener; 
ein ſtarker Verftand; ein ſtarkes Gedächtniſs haben; ein ſtarker Glauben, ftarke 
Hoffnung ꝛc.; flark in einer Sache fein, d. i. darin viel Kenntnifs od. Fertig- 
keit befigen, derjelben mächtig fein; ſtarke Worte, Ausdrüde, d. i. Eräftige, 
derbe; das war ſtark! nämlich auögedrüdt; ein ſtarker Beweis, d. i. ein wirk— 
famer, fchlagender); — 3feg. der Starkdenfer, wer ftark, ſcharf u. bef. 
vorurtheilsfrei denkt, fo auch der Starfgeift, f. v. w. ſtarker Geift, f. 0; 
in engerer Bed. tadelnd: wer bie Glaubenslchren der geoffenbarten Religion 
als Vorurtheile betrachtet u. beftreitet; daher die Starfgeifterei, das Wefen 
u. Treiben eines Starigeiftes; ſtarkgläubig, Bw., einen ſtarken Glauben ha— 
bend; daher die Starkgläubigkeit; ftarfglicderig, -leibig, muskelig u. 
dgl. m., Bro., ftarfe Glieder, einen ftarken Leib zc. habend; ftarfmüthig, Bw., 
ftarfen, feften Muth od. ein ftarkes Gemüch habend; die Starfwurz, landſch.f. 
ſchwarze Nieswurz; — Ableit. die Stärke I., o. M. (altd. starchi, sterke), 
1) das Starkfein in allen Bed. von ftark, ein beträchtlicher Grad von Kraft 
od. wirkendem Vermögen, entg. Schwäche, (die Stärke des Löwen, des 
Mannes, der Arme; eines Zeuges, einer Feſtung; die Stärke der Stimme, bes 
Meines, Eſſigs 2c.; die Stärke der Seele, des Geiftes, Gemüthes, Gedächt— 
niffes, eines Ausdrudes 2c.; in einer Kunſt 2c. befondere Stärke befigen zc.), 
auch von dem Eörperlichen Umfange u. der Zahl f. Die, Größe (bie 
Stärke eines Baumes, des Leibes, einer Familie, des feindlichen Deeres ꝛc.); 
2) der Ort, wo ein Ding vorzüglich ſtark ift, insbe. Fechtk. der Theil der 
Degenklinge vom Stichblatt bis in die Mitte der Klinge (eingetheilt in die 
ganzeu. halbe Stärke); 3) (von ſtärken 2) abzuleiten, f. u.) mas 
ftärkt, d. i. fteif macht: ein aus Weizen- od. Dinkelmehl beveiteter Klei- 
fter, womit die Wäſche geftärkt, d. i. fteif gemacht wird (engl. starch, 
ſchwed. stärkelse), niederd. Stievels od. Steivels (von fteif); daher: 
das Stärfblau, Schmalte, welche zur Stärke genommen wird, zum Bläuen 
der Wäſche; der Stärkkleifter, aus Stärke bereiteter Kleifter; der Stärf- 
od. Stärfemacher, wer Stärke bereitet; das Stärf- od. Stärfemehl, fei- 
ned Mehl zu Stärke; die Stärfwäfche, feine Wäfche, welche mit Stärte fteif 
gemacht wird; das Stärkwafler, Wafler, in welchem Stärkemehl aufgelöft 
ift; — ſtarken, ziellof. 3w. m. fein, vlt. f. ſtark werden, Kraft gewinnen, 
gew. erſtarken; ftärfen, ziel. Zw. (altd. starhian, sterchau, sterken, Prät. 
starcte) 1) überh. ſtark od. ſtärker machen, Eräftigen, körperlich u. geiftig, 
entg. ſchwächen, (Bewegung ftärkt den Körper; den Magen ftärken; ftärkende 
Urzneien; einen im Guten, im Glauben, in feinen Vorſätzen —, finnv. beftärs 
Een, befeftigen); ehem. auch f. feft machen, beſchützen; 2) insbef. mittelft 





Starke — ftarzen 1045 


der Stärke (3) fteif machen (die Wäſche —); auch Web. f. v. w. fehlichten, 
f. d. (den Aufzug—); die Stärkung, 1) das Stärken; 2) das Stärfende, 
ein ftärkendes Mittel (M. Stärkungen), audi: das Stärkungsmittel, der 
Stärkungstranf ıc., od. das Stärfmittel, der Stärktrank ꝛc.; das 
Stärffraut, landſch. verfchiedene Kräuter, von denen man ehem. wähnte, dafs 
fie Stärke verleihen od. feft machen könnten, insbef. das wilde Löwenmaul od. 
Drant (f. d.); auch das große Löwenmaul; dev Wau; eine Art Wegmwart im 
ſüdl. Frankreich ꝛc; — ſtärklich, Nw. (altd. sterclich als Bw. f. ftark), 
oberd. f. wahrlich, gewifs. 

Starke od. Stärke 2., w., M.-n, (eig. wohl Sterke, Stirke; von 
Stier: eine ffierige Kuh; hol. stierick; vgl. das angelf. steor u. stiorc, 
engl. steer u. sturk), niederd. f. eine junge, ein od. zweijährige Kuh, die 
zum erften Male Ealben fol od. gefalbet hat, f. v. w. Färfe, Kalbe, Moſche; 
das Stärfenfalb, Kalb von einer Stärke, Erſtlingskalb. 

ftärken, zw. Starfgeift ıc., Stärffleifter, -Fraut, -mehl ıc., Stär- 
fung ıc., Stärfwäfche, -waffer, 1. unter ftark. 

ſtarr, Bw., Comp. ftarrer, Sup. ftarrft, (altd. star, G. starres; auch stär, 
sterre, oberd. färr, ſtar; vgl. d. griech. oregeos, oreooos; wahrſch. auf bie 
Wurzel sta zurückzuführen, alfo urfpr. ftehend; von gleihem Stamme find: 
ftier, Staar, ftark zc.), in hohem Grade unbiegfam, finnv. fteif, bei. von 
Körpern, welche weich u. biegfam fein follten (z. B. die Glieder wurden mir 
vor Kälte ſtarr; vor Schreden ftarr fein); in weiterem Sinne überh. f. in fei- 
nen Theilen zufammenhangend, feft, entg. flüffig (ftarre Körper); uneig. 
von dem Blicke: mit weit geöffneten Augen unbeweglic auf einen Punkt 
gerichtet, unverwandt, aud) ftier, (einen ſtarr anſehen; ſtarre Blide, Augen); 
in fittlidem Verſtande: unbiegfam, nicht nachgebend (ein ftarrer Sinn) ; — 
3feg. das Starrauge, ein ftarr fehendes Auge; flarräugig, Bw., flarre 
Augen habend; ftarrblind, Bw., völlig blind, ſtockblind mit flarren Augen 
(verſch. v. ffaarblind); der Starrfopf, ein ftarrer, fteifer Kopf: uneig. 
eine ftarre, unbiegfame Gemüthsart, u. eine Perfon mit folder Gemüthsart, 
ein höchft eigenfinniger, unlenffamer Menfch, ehem. auch: der Starrhals; 
ftarrföpfig, Bw., höchſt eigenfinnig, halsftarrig; die Starrleinwand, land- 
fchaftt. f. fteife Leinwand; der Starrfinn, unbiegfame Gemüthsart, hoher 
Grad von Eigenfinn; daher flarrfinnig, Bw.; die Starrfucht, ErankHaftes 
Erftarren der Glieder, plösliche Gliederlähmung (fr. Katalepſis); daher ſtarr— 
füchtig, Bw., mit der Starrfucht behaftet, daran leidend; — Ableit. die 
Starre, 0. M. (oberd. Stärre, Stärren), das Sturrfein, die ftarre Be- 


fchaffenheit, def. die Halsſtarre (ſ. d.); außerdem gew. die Starrheit (z. 


B. der Glieder, des Blickes 2e.); flarren, zieliof. Zw. m. haben, (oberd. 
auch ftärren), 1) ſtarr fein od. werden (die Glieder, die Finger 2c. flarren 
mir vor Kälte; das Blut ftarrt, finnv. ſtockt; dicht. auch ziel. f. ftarren machen, 
3. B. ber ftarrende Froſt); uneig. von etmas—, d. i. davon voll u. gleich- 
fam fteif fein, damit angefüllt fein, finnv. ſtrotzen (4. B. von Gold ftarrende 
Kleider; die Schrift ftarrt von Fehlern; 2) ftarr fehen, anfehen, auch ſtie— 
ven, (nieberd. ftaren, ftar-ogen; altd. staren, starn; isländ. stara, angelf. sta- 
rian, engl. stare; auf etwas, einem ins Gefiht— ze. ; vgl. anſtarren); flarrig 
od. ſtärrig, Bw., (vgl. ftörrig), oberd. f. ſtarr, ſtarrſinnig. 

ſtarzen od. flärzen 1., ziellof. Zw. m. haben, (Berftärkungsform von 


1046 ftät — Statt 


ſtarren; au ſtärrezen, ſtorzen — ſtrotzen), oberb. f. ſtarr od. fteif fein, 
empot= od. hervorragen; ſtrotzen; ſich —, f. fich fpreizen, brüften, auf- 
blafen (daher Stärzer, Stärzerlein. f. aufgeblafener Stutzer); der 
Starz, -es, M. -e, (auch Storz; vgl. Sterz), oberd. f. Stiel, Stengel, 
Kohlſtrunk; aufrecht geftelltes Stud Holz, Knochen, Stein ıc. (beim Plät- 
telfpiel) ; ſchweiz. f. Stüge (daher: einem Starz geben f. ihm beiftehen); 
ferner f. Schwanz, Schwanz-Ende eines Dinges; das am Hinterwagen her- 
vorragende Stüc der Langwiede (daher: Starz treiben, d. i. einem Wa- 
gen mittelft des Starzes die gehörige Richtung geben); ſtaͤrzen 2., oberd. 
3w. 1) ziellos f. müßig umhergehen (vgl. ſchwanzen, ſchwänzen); f. v. w. 
Starz treiben, ſ. o. (daher: der Stärzer, wer dies thut); 2) ziel. ein 
Pferd —, des Schwanzes berauben, ftugen. 
ſtät, r. als ftet, Bw., (altd. stäti, staete; niederd, ſtede; von der Wurzel 
sta, ftehen), feftftehend, unbeweglich, entg. unftät; ununterbrochen fort- 
dauernd, anhaltend, dauerhaft, beftändig, ftandhaft, beharrend, treu, (ein 
ftäter Regen, Fleiß 2c.; ſtäte Zuverficht, Liebe, Treue 2c.; ein flätes Herz); 
alt u. oberd. auch f. langſam, ftille, fachte, leife; niederd. (ftede) insbef. f. 
rechtsbeftändig, gültig, ſtatthaft; ſtäts, Nw., (altd. staetis, staetiges), gew. 
jtets, f. d.; die Stäte, 1) o. M. (altd. stäti, staete), vlt. f. das Behar- 
ven, die Beftändigkeit, Standhaftigkeit, Dauer, Treue; oberd. (die Stät) 
f. Stille; 2) M. -n, landſch. f. Stätte; flätig, Bw., 1) weniger r. ftetig 
(altd. stätic, staetec; niederd. ſtedig; angel. staedig, engl. steady, ſchwed. 
stadig), feſt, unbeweglich, 1. v. w. ftät; insbef. ununterbrochen zufammen- 
hangend im Raume, ein Ganzes bildend, welches nicht in felbftändige, zähl- 
bare Theile zerfällt (ein ftätiges Ding, fr. ein Continuum; eine ftätige Größe, 
enfg. einer Zahlgröße); ununterbrochen fortdauernd in der Zeit, beſtändig 
(fätiges Wohlergehen u. dgl.); 2) auch ſtätiſch (gem. zgez. ftätfch; mittelh. 
stetec; ste-stetic; oberd. ftettig, ſtettiſch; niederd. ftedig, ftedift, ftäift), von 
Pferden, nicht von der Stelle gehend, hartnädig ftehen bleibend; die Stä— 
tigkeit (altd. staetekeit), das Stätigfein in allen Bed., insbel. f. Beftändig- 
keit, Seftigkeit; Ausdauer, 3. B. bei der Arbeit (er hat keine Stätigkeit) ; 
Treue; ftäten od. ſtätigen, ziel. Zw. (altd. stätian, staeten u. stätigon, stae- 
tigen; niederd. ftaden, fteden, fterigen), vlt. f. ſtät machen, feft, dauerhaft, 
beftändig machen; niederd. f. beftätigen (ſ. d.) einfegen; geftatten, ver- 
ftatten. 
Statt 1., w., M. (ungebr.) Stätte, (goth. staths, .m.; althochd. stat, ©. 
u M. stati, steti; mittelh. stat, Gen. u. M. stete, aus welcher Form die neu— 
hochd. Nebenform die Stätte (f. u.) als Einh. entft. iftz urfpr. — Stadt, 
f. d.; isländ. u. ſchwed. stad, angelf. .sted, engl. stead; Wurzel sta, fehen), 
Drt, Standpuntt, Stelle, Pla (z. B. nirgends eine bleibende Statt haben; 
Zieß. wie: Bett-, Brand-, Hof-, Kegel-, Richt-, Schieß-, Wahl-, Werk, Wohn- 
. ftatt 2e.; am meiner Statt, an feiner Statt ze. d. i. Stelle; einen an Kindes 
Statt annehmen, fr. adoptiren; alt u. landſch. an der Statt bleiben f. auf dem 
Plage bleiben, fallen; auf der Statt f. auf der Stelle, ſogleich; aus der Statt 
kommen f. verrenkt werden); ftatt od. anftatt (f. d.) als Vw. mit dem Gen. 
f. an der Statt, an der Stelle (z. B. ftatt meiner, flatt des Vaters, ftatt 
deffen, f. v. w. an meiner Statt, an des Vaters Statt 2c.), u. ald Bdw. vor 
einem 3w. in Verbindung mit dafs oder zu (z. B. er ſchwieg, flatt dafs er 





flagen — Staub 1047 


reden follte, od. ftatt zu reden); — Statt 2., w., M. (nur im Dativ aebr.) 
Statten, (altd. stata, state), der rechte, paffende Drt, die gelegene Zeit, das 
Gelegenfein, Gelegenheit; Vermögen, Gemad), Annehmlichkeit, jegt nur 
in gewiffen Redensarten gebr., insbef. 1) Statt in: Statt finden 
(nicht: ftattfinden), f. zugegeben, bewilligt, eingeräumt werden, gefche- 
hen Eönnen, (etwas Statt finden laffen; vgl. geftatten, verftatten; ſprichw. 
ein-gutes Wort findet eine gute Statt), auch ſ. v. w. Statt haben, d. i. 
vorhanden fein, gefchehen; einer Sahe Statt geben, d.i. fie gelten 
Laffen, einräumen, zulaffen (z. 8. den Bitten, Vorftellungen zc. eines An- 
dern Statt geben; alt u. oberd. auh: Statt thun); 2) Statten (als 
Dativ der M.) in: von Statten gehen, d. i. guten Fortgang haben, 
gelingen, (die Arbeit, das Unternehmen geht ihm gut von Statten); einem zu 
Statten fommen, d. i. ihm förderlich, nüßlich, dienlich fein (2. B. das 
Geld Eommt mir zu Statten 2c.; chem. auh: nad Statten f. nad) Gele 
genheit od. Vermögen); — die Stätte, M. -n, Nebenform von Statt 1. 
(entft. aus der altd. Gen. u. Dat.- Form steti, stete; landſch. auh Stäte; 
niederd. Stede), |. v. w. Drt, Stelle, Pas, bef. mit dem Nebenbegriffe des 
Ruhens od. Vermweilens (Eeine bleibende Stätte haben; an heiliger Stätte ꝛc.; 
die Brand-, Gerichts⸗, Schlaf-, Werk, Wohnftätte ꝛc.); das Stättegeld, ſ. 
v. w. Standgeld; ſtättelos, Bw., keine Stätte habend; — 3fes. von Statt: 
der Statthalter, -3, weibl. die Statthalterinn, überh. wer eines Anderen 
Stelle vertritt, Stellvertreter (f. v. w. das lat. locum-tenens, franz. lieu-tenant), 
z. B. oberd. ehem. der Vertreter des Landrichters; in Pommern f. Gutsverwalter, 
Wirthſchafter, Hofmeifter; gew. in engerer Bed. wer in einem Lande od. einer 
Landſchaft die Stelle des Landesheren od. der höchften Obrigkeit vertritt, ehem. 
Landpfleger (fr. Gouverneur); die Statthalterei, das Gebiet u. die Woh- 
nung eines Statthalters; die Statthalterfchaft, die Würde eines Statthal— 
ters, Statthalterwürde; auch deffen Gebiet; ftatthaltern, untrb. ziellof. Iw., 
Neuw. f. Statthalter fein, ald Statthalter walten, bef. uneig. u. ſpöttiſch; — 
Ableit. flatthaft, Bw., was Statt hat, Statt haben od. geftattet werden 
fann, entg. unftatthaft, (ein ftatthaftes Verfahren; dieſe Entſchuldigung ift 
nicht ftatthaft 2c.); insbef. f. rechtsgültig, rechtlich: ehem. auch f. vermögend, 
wehlhabend, mächtig, angefehen (mittelh. statehaft), daher oberd. insbef. f. 
rathsfähig; die Statthaftigkeit, das Statthaftfein ; ftattlich, Bw., 1) (von 
Statt 1.) vlt. f. was an feinem Orte ift, gehörig, paffend; 2) (von Statt 
2. altd. state f. Vermögen 2.) reichlich, prachtig, Eoftbar (ftattlihe Kleider, 
ein ftattliches Gaftmahl, GefchenE ꝛc.; einen ſtattlich bewirthen); in weiterer 
Bed. f. vortrefflich, Vorzüglich, anfehnlich, bei. in Hinficht auf äußere Vor- 
züge (ein ftattlicher Mann, ein ftattliches Amt, eine ftattlihe Rede 2c.); ehem. 
aud) ald Nw. f. ehr, in hohem Grade (zZ. B. ftattlich Elagen, büßen u. dal.); 
die Stattlichfeit, das Stattlichfein, die ftattliche Befchaffenheit; — ſtat— 
ten, ziel. 3w. (altd. staten), vit. f. Statt geben, geftatten; anftellen, fügen, 
ftiften, verurfachen; eine Statt od. Stelle geben, ftellen, nur in: ab- bes, 
er⸗, auöftatten. 

fragen, 3iv., oberd. 1. f. fich brüſten, zieren (vgl. ftargen); 2. auch fta- 
Beln, ſtatzgen R. ftammeln, ftottern. 

Stau, f. unter ftauen. 

Staub, m., -88, 0. M., Verkl. das Stäubchen, Stäublein, (goth. stub- 


1048 Staub 


jus; althochd. stuppi, stuppe und stoup; mittel. stoup, G. stoubes; von stiu- 
ban, stioban, ftieben (f. d.), Prät. stoup, ſtob; Wurzel stub; alfo: das Stie— 
bende; niederd. Stoff, dän. stöf, ſchwed. stoft), die feinften, durch das Gefühl 
einzeln nicht unterfheidbaren Theile eines trockenen Körpers, bef. fofern fie 
fi in die Luft erheben, als Stoffnamen o. M. (Mehl-, Rohlen-, Epreu-, Btüs 
thenftaub 2c.; in Staub zerfallen; wenn ich einft Staub bin zc., d. i. wenn 
ic) völlig verwefet bin); in weiterer Bed. auch die feinften, ftaubahnlich zer: 
theilten Waſſertheile (Wafferftaub; vgl. Staubregen; Staubbach, wofür 
oberd. auch bloß: der Staub); in engerer Bed. die feinften Erd- od. Sand— 
theile, welche fih in die Luft erheben u. fih auf andere Körper legen, 
(Staub erregen, machen; mit Staub bededt, voll Staub fein; den Staub ab: 
blafen, abfegen, ausklopfen ꝛc.; fprihw. fid aus dem Staube maden, d. i. 
ſich eilig entfernen, entfliehen; einem Staub in die Augen ftreuen, d.i. ihn hindern, 
die Wahrheit zu fehen, ihn täufchen, verblenden); uneig. f. der Zuftand der tief- 
ften Niedrigkeit od. Demuth (im Staube liegen; ſich im Staube krümmen; 
einen in den Staub treten, d.i. aufs tieffte erniedrigen; einen aus dem Staube 
erheben, d. i. aus der Niedrigkeit); ferner f. etwas höchſt Wergängliches, Ge- 
ringes, Michtiges (wir find Staub; befeelter Staub; altd. niht ein stoup, d. i. 
nicht das Allergeringfte) ; dag Stäubchen od. Stäublein, f. ein einzelnes 
Staubdtheilhen od. Staubforn (ngl. Sonnenftäubchen); au f. ein Weni— 
988, fehr wenig (z. B. ein Stäublein Salz u. dgl.); — 3feg. flaubahn- 
lich, ftaubartig, Bw.; der Staubbach, ein Hoch herabfallender Gebirgsbach, 
deffen Waſſer fih im Fall in ftaubähnlihe Theile auflöſſt; insbeſ. EN. eines 
ſchönen Wafferfalles in der Schweiz; ſtaubbedeckt, Bw., mit Staub bedeckt; 
der Staubbefen, Handbefen zum Abfegen des Staubes; der Staubbeutel, 
Pflanz. ein hohler, zelliger Körper in den Blüthen, welcher den Blumenftaub 
enthält, auh: Staubbalg, -behälter, -fach, -hülfe, -kolbe (fr. 
Anthere); der Staubboden, in Mühlen: der Boden über dem Beutelfaften 
zum Auffangen des Staubmehls; der Staubbrand, eine Art des Brandes 
am Weizen, welcher beim Drefchen wie Staub umberfliegt; die Staub-Erde, 
Erde, welche ſich leicht in Staub verwandelt; der Staubfaden, M. Staub: 
fäden, fadenähnliche Theile in den Blüthen, welche den Staubbeutel tragen 
(fr. Fitamente); die Staubfeder, landſch. f. Flaumfeder; die Staubfege, 
eine feine Kornfege; der Staubflügler, Neuw. f. Infecten mit vier beftäub- 
ten Flügeln (Staubflügeln): Schmetterlinge; flaubgeboren, Bw. dicht. 
f. im od. von Staube geboren, niedrig, irdifch, vergänglid; das Staubgefäß, 
M. die Staubgefäße, Pflanz. die fämmtlihen Theile der Blüthen, welche 
den zur Befruchtung dienenden Staub tragen: Staubbeutel, -fäben zc. (fr. 
Stamina); das Staubgefhlecht, dicht. f. das irdifche, vergängliche Men- 
ſchengeſchlecht; das Staubhaar (niederd. Stoffyaar), landſch. f. die erften 
zarten Barthaare; die Staubhaut, Natur. die Haut der Schwämme, welche 
den Staubfamen trägt, Samenhaut; der Staubfäfer, eine Art Käfer, welche 
mit feinem Staube beftreut zu fein feheinen; der Staubfalf, an der Luft in 
Staub zerfallener Kalt; der Staubfamm, ein Kamm mit fehr dicht ftchen- 
den Zähnen; das Staubforn od. -körnchen, ein einzelnes Staubtheilden; 
die StaublauS, fehr Heine Kopflaus; auch f. Papier» od. Bücherlaus; der 
Staubmantel, ein leichter Mantel zum Schuß gegen den Staub; das Staub- 
mehl, das feine Meht, welches beim Mahlen in Geftalt eines Staubes auf: 





Stauch — ftauchen 1049 


fliegt; das Staubmoos, eine Gattung ftaubiger od. feberartiger Aftermoofe, 
Staub:Aftermoos, Staubpflange od.-gewächs; die Staubperle, 
Heinfte Perle, Samenperle; der Staubregen, fehr feiner, ſtaubähnlicher Re— 
gen; die Staubröthe od. das Staubroth, die Färberöthe, welche durch das 
erfte Stampfen entſteht; die Staubfäge, eine Säge der Kammmadher, die Zähne 
der Staubkämme damit einzufchneiden, auch: das Staubzeug; der Staub- 
fand, feiner Sand, Zlugfand; der Staubſchwamm, eine Gattung runder 
Schwämme, mit ftaubähnlihem Samen angefüllt, Kugelſchwamm (lycoperdon 
L.); insbef. der gemeine Kugelſchwamm mit braunem, übelriechendem Samen, 
Bofift, auch Giftſchwamm, oberd. Stäuber, Stieber; auch f. Blätter 
ſchwämme, welche wie mit Staube bedeckt find; das Staubfieb, ein fehr en- 
ges Kornfieb; die Staubfpinne, gemeine Hausfpinne, deren Gefpinft mit 
Staub bedeckt zu fein pflegt; der Staubvogel, ſ. v. w. Staubflägler; der 
Staubweg, Pflanz. die Theile der weiblichen Blüthen, welche den befruchten- 
den Blüthenftaub empfangen, auch: der Stempel (fr. Piftil); der Staub- 


wirbel, aufwirbelnder Staub; die Staubwolfe, wolfenähnlihe Staubmal- - 


fe; — Ableit. ffaubig, Bw., (niederd. ftöverig), Staub enthaltend, mit 
Staub erfüllt oder bededt (ftaubige Luft, ftaubige Bücher, Kleider u. dal.); 
ftauben, 3w. (altd. stouben, stoubete, f. Staub machen, beftäuben; niederb. 
ftuven), 1) ziellos m. haben, fi als Staub erheben, voll Staub- fein, 
ftieben, gew. nur unp. es ſtaubt; niederd. (ftuven) auch: ſich wie Staub 
zerftreuen, verfchwinden; 2) ziel. einen— , oberd. f. verjagen, vertreiben; 
ftäuben, 3m. (oberd. fteuben, niederd. ftöven) 1) ziellos m. haben, Staub 
erregen (ftäube nicht fo! Jäg. die wilden Hühner ftäuben, wenn fie fi im 
Sande baden); 2) ziel. etwas als Staub freuen (z. B. Zuder, Pfeffer zc. 
auf die Speifen—); mit Staub beftreuen, beftäuben, (das Haar mit Pu: 
dee—; fich ftäuben, d. i. pudern); von Staube reinigen, bef. niederd. (ft ö- 
ven), gew. ab-, ausftäuben (ein Zimmer, die Betten 2.—; das Getreide—, 
durch Schwingen reinigen); der Stäuben (od. Steuben), oberd. Namen ver: 
fchiedener MWafferfälle (vgl. Staub); der Stäuber, -8, (niederd. Stöver), 
wer ftäubt, etwas ausftäubt (z. B. Betten); ein Werkzeug zum Stäuben, 
Flederwifch, Wedel; eine Art Jagdhunde, welche das Wild auftreiben (altd. 
stoubaere, oberd. Stöber); oberd. auch f. Staubfhwamm (Steuber, Steu- 
benfift); fläubern, Zw. (oberd. ftöbern, niederd. ftövern), 1) ziel. wiederholt 
od. anhaltend ftäuben, bef. von Staube reinigen (ein Haus—); aufjagen, 
forttreiben, verjagen (einen—, das Wild —); 2) ziellos m. haben, begierig 
u. bef. unbefugter Weife fuchen, gew. ftöbern (im Haufe umher—); unp. 
es ſtäubert od. ftöbert, landſch. f. #8 regnet od. fchneit fein u. dicht. 
Stauch 1., m., -e8,M.-e, od. die Stauchel., M.-n, (oberd. die Stauchen, 
der Stäuchel; altd .stücha, stüche, w., stüchel, f.; verw. mit ftechen, ſtecken? vgl. 
das mittl. lat. estugiam, franz. Etui, Behältnifs), alt u, oberd., Kopfbinde, 
Kopftuch od. Schleier der Frauen; Vorder-Armel, kurzer Muff, halber, die 
Finger nicht dedtender Handfchuh, auch: der Staucher 1. od. Stäucher. 

. ftauchen 1., ziel. Zw., (niederd. ſtuken; verftärfende Form von ftauen, ſ. 
d. u. vgl. das engl. 'stow), eig. ftehen machen, ftemmen, hemmen, 3. 8. das 
Waſſer —, d. i. deffen Abflufs hindern, es anfchwellen machen; niederfegen od. 
-ftellen, feft zufammen fegen, -packen (Waaren in ein Faſs; oberd. ſich aufs 
Bett hinftauchen f. lehnen), in Haufen auffesen, fehichtweife ftelfen (Hanf, 


= 


1050 ftauchen — ftauen 


Flachs, Torf—); niederftoßen, ftoßend hemmen od. unbeweglich machen 
(4. B. einen auf den Boden—; fich die Hand — ſ. verftauchen; oberd. ei- 
nen ffauchen f. ihm Rippenſtöße verfegen); ftoßend od. ſchlagend Eürzer 
machen (Schmied. ein Stück Eiſen —, d. i. der Länge entgegen ſchmieden, fo 
dafs es kürzer und dicker wird; Berg. eine Axt —, ausſchmieden); die Stauch— 
zange, Zange, mit welder das Eifen gehalten wird, wenn man es ftaucht; 
— ber Staud) 2., o. M., die Stauhung od. Hemmung (Müll. das Rad 
geht im Stauch, od. es geht ftaudh, d. i. es geht bei großem Waſſer ſchwer 
u. langfam herum); die Stauche 2. M. -n., (niederd. Stufe), etwas Zu: 
fammen= od. Aufgeftauchtes: Haufen, Schicht, aufgeftelltes Bündel (eine 
Stauche Flachs, Torf ꝛc.); nicderd. auch f. Wurzelklotz od. Stumpf eines 
Baumes; u. f. Krampf, Zudung; der Staucher 2., -8, ter etwas ſtaucht; 
landſch. ein Fafs, in welches trockene Lebensmittel gepackt werden; die Stau- 
hung, das Stauchen. 

ftauchen 2., ziel. 3w., landſch. Küch. f. dämpfen, fehmoren, niederd. ftoven 
(seftauchtes Fleiſch zc.) 

Staude, w., M. -n, Verl. das Stäudchen, (altd. stüda, städe; oberd. 


die Stauden, Stauen, das Stäudel; im Niederd. unbekannt; Wurzel sta, stu, 


ftehen, alfo urfpr. etwas Stehendes; vgl. das altd. stude, oberd. Stud, Stu: 
der f. Säule, Pfeiler), ein Gewächs, welches mehre gerade Stämme ot. 
Stengel aus der Murzel treibt, insbe. folche Gewächſe mit holzigen 
Stämmen, welche im Herbſt nicht abfterben, fondern fortdauern, Stangenge- 
wächs, verfh. Stod, ein einzelner Stamm od. auch nicht holgartiger Sten⸗ 
gel, u. Strauch, defien Stämme ſich von unten an in Äſte ausbreiten u. mit 
einander verwachfen, (die Hafel-, Brombeer-, Holunderftaude 2c.); oberd. auch 
f. Straub), Buſch; u. als Sammel. f. die Blätter od. das Kraut des 
Kohls, Salates, der Kartoffeln ꝛc.; — 3ſetz. der Staudenapfel, eine Art 
Äpfel, „welche auf flaudenartigen Bäumen wachen, auch Zwerg, Sohannis- 
apfel 2c.; die Stauden- od. Staudelbeere, f. v. iv. Heidelbeere; die Stau: 
dengerfte, eine Art zweizeiliger Sommergerſte, welche viele Halme treibt, Blatt: 
gerfte; das Staudengewächs, ftaudenartiges Gewächs, Staudez der Stau: 
denhopfen, wilder od. Heden-Hopfen; die Staudenforalle, |. Koralle; ins— 
bef. die edle od. vothe Koralie; das Staudenforn od. der Staudenroggen, 
eine Art Roggen, welcher mehre Halme aus einer Wurzel treibt; der Stau— 
denſalat, landſch. f. Kopfſalat; der Staudenfchnapper, landſch. ein Eleiner, 
dem Rothkehlchen ähnlicher Vogel; — Ableit. ftauden, ziellof. Zw., in 
Stauden od. ftaudenartig wachſen; der Stauderich, -e8 , der vielfamige 
Gänſefuß; auch ein ausländ. Strauchgewächs: die Strauchmelde; das 
Staudicht, -e3, (altd. städahi, stüdach; oberd. Staudach, Geftaudadh), 
Geftäude, Geſträuch, Gebüſch; ftaudicht, Bw. ſtaudenähnlich; ſtaudig, 
Bw., Stauden bildend, aus Stauden beſtehend (ein ſtaudiges Gewächs; 
ſtaudig wachſen). 

ſtauen, ziel. Zw., (goth. staujan, richten; alld. stonwon, stöuwen, Prät. 
stöuwete, stoute; oberd. ſtauen u. ftäuen, niederd. ſtauen; engl. stow; vgl. 
ftauchen 1), ftehen machen, daher chem. überh. f. hemmen, auf> od. zurüd- 
halten, wehren; jegt insbef. das Waſſer—, in feinem Laufe aufhalten, 
dämmen u. anfchwellen machen (niederd. auch ziellos f. auffchwellen, auf- 
fteigen, 3. B. es ftaut mir zu Kopfe); ferner f. ftelfen, ftügen, ftemmen 





Stauf — ftechen 1051 


(4. 8. oberd. den Arm auf den Tiſch —) insbeſ. Waaren—, feft zufammen> 
legen, paden (z. B. ins Schiff); der Stau, -es, M. -e, au die Stau od. 
Staue, die Stauung, das Stauen, die Hemmung od. der Stillftand des 
Maflers (das Wafler im Stau halten), u. der Ort, wo es geftauet wird, der 
" Damm xc.; der Stauer, -8, wer (Waaren) ſtauet; der Staudeich, Noth- 
veih; das Stauholz, Knüppelholz zum Stauen von Waaren; der Staufiel, 
Schiff. Kiele od. Keile zum Stauen der Fäffer; das Stauwaſſer, geftauetes 
Waffer. - 

Stauf I. m., -08, M.-e, auch: die Stauf, w., (altd. stouph, stouf, 
m. u. w., auch stopha; angelf. steap, engl. stoop, ſchwed, stop; vgl. Stüb- 
hen u. das preuß. Stof; vielleicht von gleichem Stamme mit Stauf. 2., 
alſo urfpr. das Aufgerichtete), alt u. oberd. f. Kelch, Humpen, Becher von 
beftimmter Größe; ein Flüffigkeitsmaß, im Öftreih. — 13 Maß. 

Stauf 2., m., -en, M. -en, au: der Staufen, (altd. stoufe; vgl. das 
altd. stiuf f. fteif, fteil, emporragend; angelf. steap, engl. steep, jäh, fteil; 
ſanskr. Wurzel stup, daher stupas, Pfeiler), ehem. f. hoher, fteiler Fels; jest 
EN. verfchiedener Berge in Oberd. (4. B. der hohe Staufen bei Reichenhall; 
Donau:Stauf ze.). 

ftaunen, ziellof. Zw. m. haben, (altd. stänen; von der Wurzel sta, stu, 
vgl. ftehen, ftauen, alfo eig. ftehen bleiben; daher noch ſchweiz. ſtunen f. ſtill 
in Gedanken daftehen; vgl. d. angelf. stunian, anftoßen, ftumpf madjen, engl. 
stun, betäuben, beftürzt machen, franz. etonner), vor höchfter Bewunderung 
unbeweglich daftehen od. gleichfam ftarr fein; ſich im höchſten Grade ver- 
wundern (über etwas— ; vgl. ans, erftaunen); das Staunen, -8, höchfte 
Bewunderung od. Verwunderung; ffaunenswerth od. würdig, Bw. 

Staupe 1.,w., M.-n, landſch. f. anſteckende Krankheit, Seuche, Vieh- 
feuche, bef. Schnupfen; in engerer Bed. eine mit Taumel u. Durchfall ver 
bundene anſteckende Krankheit der Schafe. 

ftäupen, ziel. 3w. (alt u. niederd. ftupen; holl. stoepen, stuipen; ſchwed. 
stapa; urfpt. wohl die niederd. Form des hochd. ftupfen, ftechen, ftoßen, 
welche dann verhochdeuticht wurde; vgl. jedoch auch das altd. stuppe f. Bufch, 
MWerg, u. Stoppel, mit einer Nuthe ſchlagen (ein Kind); bef. öffentlich 
mit Ruthen flreichen (einen Verbreiher); die Staupe 2., (altd. stüp, stüpe; 
niederd. Stupe), I) o. M. das Stäupen, au: der Staupenfchlag (einen 
zur Staupe verurtheilen); 2) M. -n, eine große Nuthe zum Stäupen, auch 
der Staupbefen (die Staupe od. den Staupbefen befommen). 

Stauze, w., M.-n, bair. 1) f. Müde, Schnake; 2) Geliebte; der 
Staus, f. erflärter Liebhaber. 

Stave, w., M. -n, (au) Stove; holl. stove, engl. stew, franz. etuve; 
vgl. ftoven u. Stube), niederd. f. Stube, bei. Badeſtube; auch f. Feuerftüb- 
* od. Kieke, ſ. d.; ſtaven, 3mw., ſ. ſtoven; der Stäver, -3, niederd. f. 

ader. 

ftechen, 3w., ablaut. ich fteche, du ftichft, er fticht, wir ftechen ıc.; Im— 
per. ftich, ftechet (ftecht); Impf. ftach, Conj. ſtäche; Mw. geftochen, (altd. 
stehhan, stechan, stechen, Prät. stach, M. stächun, stächen, Part. gistochan, 
gestochen; daneben ein abgel. stehhön, stechen, Prät. stehhöta, stechte;"oberd. 
ſtechen, ich ſtich, Prät. ftach u. ftechet; nieder. ftefen ſowohl f. ftechen, als f. 


ſtecken, Prät. ſtak, Part. ftefen; angelf. stician, stican, engl. stick u. sting, 





1052 ftechen 


ſchwed. sticka; vgl. d. griech. orio, fut. oriEw, u. das lat. stigo in in-stigo), 
überh. mit einer Spitze in etwas dringen, verſch. ſtecken (f. d.): 1. ziellos 
m. haben u. ziel. 1) ohne Zielwort: mit einer Spige eindringen, finnv. 
flogen, graben ꝛc. (z. B. in die Erde ftechen, auch bloß: ſtechen f. einen 
fpigigen Spaten in die Erde ftoßen, graben; in Kupfer, in Stahl ꝛc. —; Hüt— 
tenw. ftechen f. das Auge im Schmelzofen mit dem Stecdheifen öffnen, da- 
mit das gefchmolzene Metall ablaufe), chem. insbef. f. mit der Lanze ftoßen, 
ritterlihh mit Lanzen kämpfen, turnieren (daher noch uneig. mit Jemand 
um den ftreitigen Preis ft ech en, beim Scheibenfchießen, Kegel-, Würfelfpiel ıc., 
vgl. rittern; einen ausftechen, ſ. d.; nach einem Ringe ftechen, ſ. Ringel 
ftehen); in engerer Bed. durch das Eindringen mit einer Spige einen 
ſchmerzlichen Eindrud machen, durch einen Stich verwunden (die Biene 
ftiht; die Nadel, die Dornen ftehen; der Bart ftiht, wenn die Barthaare 
kurz und fteif find); uneig. eine dem Stechen ähnliche Empfindung hervor- 
bringen (die Sonne ftiht, wenn ihre heißen Strahlen faft ſenkrecht fallen; ein 
ftechender Schmerz), auch von Eindrüden auf die innere Empfindung od. 
das Gemüth (ftechender Wis, Spott, ftechende Worte zc.; auf einen ftechen, 
oberd. f. fticheln), in weiterer Bed. einen lebhaften Reiz erregen (fprichw. gem. 
das fticht ihm in die Augen, in die Nafe, d. i. es reizt feine Begierde); 2) mit 
einem Zielworte, u. zwar a) mit dem Acc. des Gegenftandes, welcher 
das Stechen erleidet od. empfindet: einen—, d. i. ihn durch einen Stich od. 
durch Stiche verwunden, verlegen (z. B. einen mit einer Nadel, einem Mef- 
fer ꝛc. —; die Biene hat mich geftochen; auch bei Hinzufügung einer näheren 
Ortsbeſtimmung mittelft eines Vorwortes bleibt die Perfon im Acc., 3. B. die 
Biene hat mich in die Hand geſtochen; er ſtach ihn mitten ins Herz, durch das 
Herz; doch Eann hier auch der Dat. der Perfon ftehen, wenn das 3m. ziellos gefaſſt 
wird: die Biene ſtach mir in die Hand, d. i. in meine Dand 2c.; auch: ſich an 
etwas ftechen, 3. B. ich habe mich an den Dornen geftochen); ferner unp. es 
ftiht mich (nidt: mir) in der Seite, im Leibe ze. d. i. id) empfinde einen 
flehenden Schmerz ꝛc.; uneig. f. reizen, erregen (dev Kigel fticht ihn; der 
Hafer fticht das Pferd, d. i. es wird bei gutem Futter übermüthig; ſcherzh. 
auch von einem Menfchen: der Hafer fticht ihn); ferner f. ftechend in einen 
Zuftand verfeßen mit einem bei. oder nebenwörtlichen Zufaß, welcher die 
Mirkung des Stechens bezeichnet (z. B. einen todt ftechen, d. i. ihn ftechend 
tödten; einen aus dem Sattel, vom Pferde —, d. i. durch einen Lanzenſtoß 
aus dem Sattel zc. heben); auch ftechen f. mit Stichen tödten, ſchlachten 
(ein Schwein, ein Kalb —); ftechend heilen (einem den Staar ftchen, f 
Staar); uneig. f. überwinden (eine Karte mit einer andern —; der König 
fit die Dame 2c., vom Sanzenftechen entlehnt, vgl. 0.); ehem. auch: Waare 
um Waare—, für taufchen; einen —, f. beftehen; Silben —, f. mit - 
Bleinlicher Genauigkeit unterfuchen (f. Silbe); b) mit dem Acc. des ftechenden 
MWerkzeuges u. dem Dat. der Perfon (z. B. eine Nadel in das Kleid —; 
einem den Dolch ins Herz, den Degen in die Bruft ze. —-); c) mit dem Acc. 
der Wirkung, d. i. des durch Stechen hervorgebradhten (z. B. einem Löcher 
in die Ohren —; ein Bild in Kupfer, einen Namen in Stein, Stahl ꝛc. —; 
ein Petſchaft ftechen; ſprichw. weder gehauen, noch geftochen, f. unter hauen); 
— 2. ziellos m. fein: ein od. vordringen, fich ſchnell fortbewegen, in ein= 
zelnen Anwendungen, z. B. Schiff. in Ser ftehen, d. i. aus dem Hafen 





ftechen 1053 


fegeln; aud) gegen den Wind —, bei dem Winde—, f. fegeln; Jäg. ber Dachs 
fticht, d. i. er geht Nachts aus; Bergw. nachſtechen f. nachfahren; gem. 
angeftochen kommen f. mit großen Schritten ankommen, (vgl. auch ab⸗ und 
hervorſtechen); — das Stechen, -8, 1) die Handlung des Stecheng, insbef. 
f. Lanzenftechen, Turnier; 2) der ftechende Schmerz (Seitenfteden; 
oberd. auch: der Stechen, altd. steche); — 3fe$. der Stechapfel, die runde 
ftachelige Frucht einer bekannten Giftpflanze, u. diefe Pflanze felbft, auch Sta- 
chelnuſs, Dornapfel, Dorn- 0d. Igelskopf 2c. (datura L.); die Stechbahn, der 
lange ebene Plas, wo ritterliche Lanzen- Ringelftechen, Turniere gehalten wur— 
den; daher in Berlin Namen eines Bogenganges am Schlofsplage; der Stech- 
baum, f. Stechpalme; die Stechbeere, landſch. f. Kellerhals; der Stechbeutel 
(ſ. Beutel 3), bei Holgarbeitern ein Meifel zum Stechen od. Beftoßen des 
Holzes; der Stechbolzen, ein fpigiger Bolzen, Schiff. Taue mit einem lan— 
gen Auge an einem Ende, beim Reffen der Segel gebraucht; der Stechdegen, 
Degen zum Stechen, entg. Haudegen; der Stechdorn, verfchiedene dornige 
Strauhgewächfe, insbeſ. der Haffdorn; der gemeine Kreuz: oder Wegedorn;z 
der Chriſt⸗ od. Zudendorn; die Stecheiche, ſ. Stechpalme; das Stecheifen, 
1) ein eifernes Werkzeug zum Stechen, insbef. Hüttenw. eine eiferne Stange 
zum Aufftschen des Auges im Schmelgofen; f. v. w. der Stechbeutel; das 
Stechwerkzeug der Formfchneider; ein breiter Meißel der Sporer ıc.; 2) Hüt— 
tenw. das gefchmolzene u. abgeftochene od. abgelaffene Eifen; der Stech— 
fiſch, ein Fiſch mit ftechenden Floſſen, Stichling; die Stechfliege, Fliegen, 
welche mit ihrem fpigigen Rüffel ftechen; der Stechginfter, ein dem Ginfter 
ähnliches Staudengewächs mit Dornen (ulex L.); der Stechhandel, olt. f. 
Tauſchhandel; der Stechhaufen, Fleiſch. ein Haufen zum Schlachten beftimm 
tes Vich: Stechvich; der Stechheber, ſ. Heber; der Stechhelm, ehem. 
bei Zurnieren ein gefchloffener Helm, welcher das Geficht gegen Lanzenftiche 
verwahrt; der Stechfamm, Nadt. ein kammförmiges Werkzeug, die Löcher in 
die Nabelbriefe zu ſchlagen; die Stechfanne, in Niederd. ein Flüſſigkeitsmaß, 
ungefähr fo viel wie ein Stübchen, in Bremen — 4 Quart; das Stechfiffen, 
ein mit Sand gefülltes ledernes Kiffen der Kupferftecher, die Platte beim Ste— 
hen darauf zu legen; der StechElee, Schnedenkles; das Stechforn, landſch. 
f. Marien- od. Frauendiftel (f. d.), auch die Stechferndiftel; das Stech— 
fraut, f. v. w. Stechkorn; auch eine Art des Kraßkrautes: ſpaniſche Diftel; 
das Stechlaub, f. Stechpalme; der Stechlöffel, Münzw. ein Löffel mit einer . 
Spalte in der Vertiefung, durch welche das Stechmeffer in den Formfand 
geftoßen wird, um die Löcher zu den Silberzainen zu machen; die Stechnelfe, 
eine Art des Radens (j. d.) mit rothen Blumen, die in der Mitte fcharfe 
Stacheln haben; die Stechnufs, f. v. w. Stachelnuſs; die Stechpalme, ein 
immergrünes Staudengewächs mit ftacheligen Blättern, auch Stehbaum, 
»eiche, -laub, Ehrift:, Mirten-, Mäufedorn, Hülfe, Hülfenbaum zc. (ilex L.); 
die Stechpfrieme, der Färbeginfter: das Pfriemenkraut; die Stechpille, 
ein Zäpfchen von Seife zur Beförderung des Stuhlganges in den After geftedt, 
Stuhlzäpfchen; der Stechplas, f. v. w. Stehbahn; der Stechfalat, 1. 
Schnittſalat; das Stehfchaf, ein zum Schlachten beftimmtes Schaf; der 
Stechſchlitten, ſ. v. w. Stahelihlitten; das Stechfchwein, zum Schlachten 
beftimmtes Schwein, fo auch: die Stechfau; das Stechfpiel, Lanzenftechen, 
Turnier; der Stechſtahl, Orechsl. ein Drehſtahl, Bein damit abzuftechen; die 





1054 ſtecken 


Stechſtaude, landſch. f. Stachelbeerſtrauch; das Stechvieh, Schlachtvieh; die 
Stechwaffe, Waffe, mit welcher man ſtechend verwundet; die Stechweide, 
Baummollen= od. Schafweide, glatte Sahlweide; die Stechwinde, eine ftachelige 
Pflanze mit Eleinen weißliden Blüthen im füdl. Europa (smilax aspera L.); 
auch f. Stechpalme; der Stechwurm, ein Eleines fliegendes Infect, welches die 
jungen Baumfproffen abfrifit; das Stechzeug, ehem. Perfonen u. Rüftungen 


zu einem Turnier; — Ableit. der Stecher, -8, M. w. E., 1) wer ſticht, 


z. B. in Turnieren mit der Lanze; ehem. auch f. Mörder; bei. in Zfeg. wie 
Kupfer, Petichaft:, Staarftecher 2c.; niederd. insbef. f. Torffteher; 2) ein 
Werkzeug zum Stechen, insbef. chem. f. Dolch, Eurzer breiter Degen; ein 
ftählernes Werkzeug der Siebmacher; an den Orgelbälgen ein Holz, welches das 
Dberblatt in die Höhe fticht od. fchiebtz; bei Uhrmachern der Meffingdrath, wel- 
her die Klappe der Windlade in einer Flötenuhr öffnet; an Büchfen der Schnel- 
ler od. die Zunge unter dem Schloffe; der Stecherling od. Stechling, -es, 
M. -e, (niederd. Stekerling, Stekelftang), f. v. w. Stichling, f. d. 

jeden, 3w. 1. ziel., bloß umend. du ſteckſt, er fteckt, ſteckte, geſteckt (althochd. 
stecchan, stacta, gistact, au$ stachian entft., alfo eig. ein von ſtech en, ſtach ze. 
abgel. Factitivum; mittelh. stecken, stacte od. stahte, gestact; das nieberd. 
ſteken, du ftitft, Prät. ſtak, Mw. fteken gilt f. ſtechen u. f. fteden 1. u. 2.5 
fo auch das angelf. stican, engl.’ stick, ſchwed. sticka), einen fpißen Körper 
in etwas befeftigen od. haften machen, verſch. ftechen, wobei erft mit der 
Spige eine Öffnung gemacht wird, was bei ftecten nicht nöthig ift, oder doch 
nicht in Betracht kommt (z. B. eine Nadel in das Kleid —, einen Nagel in die 
Wand —, Stangen, Pfähle ze. in die Erde—); auch etwas an einen fpigen 
Körper, oder mittelft eines, folchen befeftigen (4. B. den Braten an den 
Spieß—; eim Band an die Haube— , d. i. mit Nadeln befeftigen), u. etwas 
durch folche Befeftigung zubereiten od. zurecht machen (eine Lode fteden, 
Hauben ſtecken; daher ehem. eine geftedte Haube od. Steckhaube, d. i. 
eine mit Stecknadeln in die gehörige Form gebrachte mit vielen Falten 2c.); 
ferner etwas in eine Offnung einpaffen u. üserh. hineinthun, fegen, legen ıc. 
(den Degen in die Scheide, das Licht auf den Leuchter, den Sapfen in das Loch, 
den Biffen in den Mund, die Hand in die Tafche, das Geld in den Beutel —; 
etwas zu ſich —, d. i. in die Taſche ſtecken, einſtecken; uneig. gem. einen in 
den Sad—, d. i. ihn ganz in feiner Gewalt haben, ihm überlegen fein; Bo h— 
nen, Erbfen 2c..—, d. i. in bie Exde fteden, pflanzen; oberd. geftedt f. 
vollgepfropft, voll); in weiterer Bed. f. verbergen, in Verwahrung bringen 
(Zäg. das Wild ſteckt fich, vgl. verſtecken; einen ins Gefängnijg ſtecken; uns 
eig. fich hinter Jemand ſtecken, ſ. hinter; einem etwas fteden, d. i. es ihm 
„heimlich beibringen od. mittheilen); auch überg. etwas an einem Orte befejtigen 
oder haften machen, wohin bringen, (den Ring an den Finger—, die Feder 
hinter das Ohr, etwas unter den Tiſch —,, einem etwas in die Hand —ıc.; da= 
her: einem od. fih ein Ziel fteden, f. dv. w. fegen, beflimmen; gem. einem 
eine Ohrfeige ftedden, f. beibringen, geben); uneig. Geld, fein Vermögen ıc. 
in etwas—, d. i. dazu verwenden; fich in etwas-—-, d.i. ſich in etwas 
einlaffen, mifchen (fih in fremde Händel—; ſich in Schulden fteden, d. i. 
viele Schulden mahen); ein Haus in. Brand—, |. v. w. feßen, es anzün— 
den (vgl. anfte den); — fteden 2., ziellos m. haben, umend. wie fteden 1., 
aber alt u. landfch. auch ablaut. Smpf. ſtak; Conj. ſt äke, landſch. gem. au 





; 


ſtecken 1055 


Präſ. du ſtickſt, er ſtickt ft. ſteckſt, ſteckt; Mm. geſtocken ft. geſteckt (mittelh. 
stecken, umend. wie unter ſtecken 1.3 die Ablautformen ſcheinen aus dem nie— 
derd. ſteken, ſtak zc., welches f. ftechen u. f. ftecen in beiden Bed. fteht, ins 
Hochd. übergegangsn), mit der Spitze in etwas befeftigt fein, haften (die 
Nadel fteckt im Tuche, der Nagel in der Wand, der Pfahl in der Erde 2c.); 
an einem fpigigen Körper befeftigt fein (dev Braten ſteckt am Spieße); in 
einer Höhlung, einem Loche ıc. befindlich od. verborgen fein (der Degen ſteckt 
in der Scheide, der Schlüffel im Schlüffelloche, das Geld im Beutel 2c.), daher f. 
verborgen, verfteckt fein, fich heimlich irgendwo aufhalten (Hinter der Thür, 
im Winkel fteen; wo haft du geftedt? den ganzen Zag beilammen fteden, 
d. i. heimlich beifammen fein; uneig. mit Jemand unter einer Dede fteden, 
ſ. Dede; es ſteckt etwas dahinter, f. dahinter); überh. an einem Drte befindlich 
fein, mit dem Nebenbegriffe der Unbeweglichkeit od. des Unvermögens, den Ort zu 
verlaffen, feftfisen, haften, bleiben (z. B. die Kugel ftedte tief im Fleifche; im 
Schlamme fleden; immer im Haufe, hinter bem Ofen zc. ſtecken; uneig. zwi⸗ 
ſchen Thür und Angel ſtecken, d. i. ſich in einer mifslichen Lage befinden; in 
Schulden, in Noth, im Elend fteden; was ftedt ihm im Kopfe? auch unp. 
es ftet mir im Halfe, in den Gliedern ze., wie: es fist od. liegt mir 2c.); 
— fteden bleiben u. landſch. auch ſt ecken, f. nicht von der Stelle Eonnen, 
ſtocken (z. B. er bleibt in feiner Rede ſtecken; die Sache ftedt, geräth ins 
Steden, b. ftodt, Stoden); — 3fes. der Steckamboſs, ein Amboſs, welcher 
beim Gebrauch in einen Fuß od. eine Stüge aeftect wird; der Steckbaum, 
landfch. f. Wachholderbaum; der Steckbrief, ein obrigkeitl. Schreiben, worin 
ein entwichener Übelthäter befchrieben und andere obrigkeit!. Behörden aufge 
fordert werden, ihn feftzuhalten und auszuliefern (von ſtecken f. fefthalten, ver- 
haften); die Steckerbſe, Exbjen , welche nicht aefäet, ſondern geſteckt werden; 
das Stedgarn, nes, Jäg. ein auf die Erde geftedtes Garn zum Hühner-, od. 
Lerchenfange; die Steckhaube, f. o. ftedten 1.; auch eine Art Haube, welche 
den Falken aufgefegt wird; der Sted- od. Stedelfiel, Bergw. eine Eleine 
Röhre im Pumpenwerke, in welche die Luftklappe befeftigt wird; das Steck— 
fiffen, landſch. f. Tauffiffen; das Stedforn, |. v. w. Staudenroggen; das 
Steffraut, landſch. f. Orant; die Stedleiter, Jäg. gine Art Leitern, d. i. 
Garne (f. Leiter), welche zu beiden Seiten des Treibezeuges geſteckt werden; der 
Stedleuchter, Leuchter mit einer eifernen Spige, um ihn in die Wand zu 
fteden; die Steckmuſchel, eine Art langer, zweiſchaliger Mufcheln (vielleicht 
weil fie aufrecht im Sande zu ſtecken pflegen), auch Schinkenmuſchel; der 
Steckmuſchelwächter, eine Art Krebfe, welche man in den Steckmuſcheln fin- 
det; die Stecknadel, Nadel mit Eleinem, rundem Kopfe, die Theile der Klei- 
dungsſtücke damit feftzufteeten, landich. Spendel, Spenel, Heftlein, Heftel, 
Klufe zc.; der Stedinagel, ein Nagel, welcher zur Befeftigung in etwas ge- 
ftedt wird; das Stecknetz, f. Stedgarn; das Steckreis, ein junges Baum- 
reis, welches zur Fortpflanzung in die Erde geſteckt wird; die Stedrübe, 
ſ. v. w. Kohlrübe; landſch. auch eine Art Eleiner Rüben, eine Abart der Gar- 
tenrübe, auch Steckelr übe; der Stedzirkel, |. v. w. Reißgirkel; die Sted- 
zwiebel, Zwiebeln, welche man trodinet, um fie zu verfegen, Satzzwiebel. — 
Ableit. das Stederlein, oberd. f. LichtEnecht, Lichthalter; ſteckicht, Bw., 
oberd. f. ſtockend, geronnen, käſeartig; der Stedling, -es, M. -e, f. v. w. 
Schnittling. 


1056 fteden — Steg 


ſtecken 3., ziel. 3w. (mittelh. stecken, Prät. stecte), alt u. oberd. f. erz 
ſticken machen, au: erſtecken; daher der Steckfluſs, Steckhuſten f. 
Stidflufs, -huften. 

Steden, m., -$, M. mw. E., oberd. verkl. Stedelein, Strdel, (alt. 
steccho, steche, stecke, G. stecken; isländ. sticki, ſchwed. sticka, angelf. sticca, 
engl. stick; ital. stecco; von ſtecken, alfo eig. ein fpiger Stab, der geftedt 
wird; vgl. Stod u. das niederd. Stafe), ein Eleiner Stod od. Stab, bei. 
um daran zu gehen; oberb. von weiterer Bed. überh. f. Stab, Stod, Prügel, 
Pfahl, Pflod ꝛc. (4. B. Hütſtecken f. Hirtenftab, Bohnen-, Neb-, Zaunſtecken 
f. Pfahl; Markſtecken f. Grenzpfahl 2c.); landſch. auch ein Scheitholz- 
Maß (8 Steden — 5 bair. Klafter); — 3feg. die Stedenbohne, -erbfe, 
1. v. w. Stabel- od. Stängelbohne, =erbfe; das Steckenbündel, od. -gebund, 
ein Bündel von Steden (Neuw. f. das fr. Faſces); der Steckenförſter, oberd. 
ein unfergeordneter Waldaufjeher, der nicht zugleich Jäger ift (alfo fein Amt 
nicht mit der Flinte, fondern mit dem Stock verficht); der Steckenknecht, 
ehem. Krſpr. ein Gehülfe des Stocdmeifters od. Profoßes; oberd. f. Gerichts- 
diener; das Steckenkraut, Ruthen- ed. Gertenkraut; das Stedenpferd, 
ein Stecken mit einem hölzernen Pferdefopfe, als Reitpferd für Eleine Knaben; 
uneig. eine unbedeutende Sache od. Nebenfache, mit welcher man fich zum Ver: 
gnügen befchäftigt, eine Lieblingsneigung; der Stedenreiter, wer auf einem 
Steden od. Steckenpferde reitet; der Stedenritt; der Steckenweibel, vie. f. 
Büttel; der Stedenzaun, Zaun von Stäben, Stangenzaun. 

Steg, m., -es, M. -e, (altd. stec, steges; von fteigen, ſ. d., Wurzel stig; 
vgl. Steig, Stiege zc.), urfpr. überh. das, worauf od. worüber man fteigt od. 
geht, ein Pfad, Steig (daher: alle Wege und Stege Eennen od. wiflen); jegt in 
engerer Bed. ein Brett od. Balken über einen Graben, Fluſs ıc., eine ſchmale 
Brüde für Fußgänger; in weiterer Bed. ein ähnlicher fehmaler u. fich in 
die Länge erſtreckender Körper, insbef. an Saiten-Inftrumenten, be. Gei- 
gen ꝛc., das dünne, aufrecht ſtehende Brettchen, welches die Saiten trägt; 
Buchdr. die Schmalen langen Hölzer, welche den leeren Raum zwiſchen den gefesten 
Seiten zc. in der Form auszufüllen dienen; Bergw. die Hölzer, zwifchen welchen 
das Feldgeftänge fchiebt; auc; die Quereifen an den Laufkarren (Karrenftege); 
Tiſchl. die fhmalen Bretter an den Thüren, weldye die Füllungen einſchließen; 
an einer Säge das lange ſchmale Holz, welches die beiden Arme über dem Blatte 
verbindet; Bauk. die mittelfte Erhöhung zwifchen zwei ganzen Schlitzen an 
den Dreifchligen der dorifchen Säulenoronung; vgl. auch: Sattelfteg; — 
der Stegefehrer od. -fchaufler, wer die Stege reinigt, bef. in den Hall. Salz: 
werfen; der Steg- od. Stegereif (altd. stegareif, stecreif), 1) ehem. f. 
Steigbügel (daher chem. fi) in dem Stegreif od. vom Gtegreif nähren, d. i. 
vom Reiterdienft, od. auch: von Straßenraub), jest noch gebr. in der Redend- 
art: etwas aus dem Stegreif thun, d. i. eig. im Auffteigen aufs Pferd, 
od. ohne abzufteigen, uneig. f. auf der Stelle, ohne Vorbereitung (fr. ex tem- 
pore; 3. B. ein Gedicht aus dem Stegreif madjen u. dgl.; daher: der Steg 
reifdichter, das Stegreifgedicht xc.): 2) ehem. ein Riemen zum Span- 
nen der Armbruft mit dem Fuße; auch eine Art Überftrümpfe (Kamaſchen); 
der Stegering, ein Ring am Gattelftege; — die Stege, M. -n, (altb. 
stega, stege: oberd. Stegen), ſchwäb. f. Stiege, Stufe, Treppe; der Stegel, 
-3, M. w. E., niederd. f. Stiege, Stufengang, Tritt zum Auf: u. Uberftei- 
gen; flegern, zielloſ. Zw., landſch. f. Elettern, klimmen. 





— 
— 


si